Prodaná nevesta

Prodaná nevesta

Die verkaufte Braut
Komische Oper in drei Akten

Libretto

Karel Sabina

Uraufführung

30. Mai 1866, Prag (Interimstheater)

Besetzung

KRUSCHINA, ein reicher Bauer (Bariton)
LUDMILA, seine Frau (Sopran)
MARIE [MARENKA], beider Tochter (Sopran)
MICHA, Grundbesitzer (Bass)
HATA, seine Frau (Mezzosopran)
WENZEL [VASEK], beider Sohn (Tenor)
HANS [JENIK], Michas Sohn aus erster Ehe (Tenor)
KECAL, Heiratsvermittler (Bass)
DIREKTOR einer Wandertruppe (Tenor)
ESMERALDA,Tänzerin (Sopran)
Ein "INDIANER" der Truppe (Bass)
Dorfbewohner, Komödianten, Buben

Ort

Dorf in Böhmen

Zeit

um 1865

Smetana, Bedrich

Smetana, Bedrich [Friedrich]
2.3.1824 Litomysl - 12.5.1884 Praha


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Branibori v Cechách (1863; 5.1.1866 Praha)
Prodana nevesta (30.5.1866 Praha)
Prodana nevesta [rev] (29.1.1869 Praha)
Prodana nevesta [rev 2] (1.6.1869 Praha)
Dalibor (16.5.1868 Praha)
Prodana nevesta [rev 3] (25.9.1870 Praha)
Dalibor [rev] (1870; ?)
Libuse (1872; 11.6.1881 Praha)
Dve vdovy (27.3.1874 Praha)
Hubicka (7.11.1876 Praha)
Dve vdovy [rev] (15.3.1878 Praha)
Tajemství (18.9.1878 Praha)
Certova stena (29.10.1882 Praha)
rev = Bearbeitung



Die verkaufte Braut


ERSTER AKT
Dorfplatz mit Wirtshaus. Die Bauern feiern fröhlich Kirchweihfest ( Proc bychom se netesili), nur Marie [Marenka] ist bedrückt, denn sie soll den stotternden Wenzel [Vasek] ehelichen. Ihr Vater Kruschina hat mit Wenzels Vater, dem reichen Gutsbesitzer Micha, einen Handel abgeschlossen, dem zufolge seine Tochter einen seiner Söhne ehelichen soll. Da der Sohn aus erster Ehe verschollen ist, bleibt nur Wenzel. Doch Marie liebt den ortsfremden Hans [Jenik] ( Kdybych se co takového). Der beteuert, aus gutbürgerlichem Haus zu stammen. Eine üble Stiefmutter habe ihn zur Flucht veranlasst ( Jako matka pozehnánim ). Da mischt sich Kezal, der Heiratsvermittler, ein ( Jak vám pravím, pane kmotre). Gutes Honorar witternd, drängt er auf rasche Eheschliessung. Doch Marie will ihren Hans.

ZWEITER AKT
Wirtshaus. Im Wirtshaus wird in froher Runde getanzt ( Furiant). Kezal versucht, Hans von der Ehe mit Marie abzubringen. Gleichzeitig rät Marie dem stotternden Wenzel ( Ma. . ma. . ma. . maticka) von der Hochzeit ab, die werde ihm nur Unglück bringen ( Známt' jà jednu dìvcinu / Eine ist mir gut bekannt). Wenzel ist verschreckt. Indessen glückt Kezal ein gutes Geschäft ( Nuze, mily chasníku): Hans ist gegen eine grössere Summe bereit, auf Marie zu verzichten. Allerdings unter einer Bedingung: Marie darf nur einen Sohn Michas heiraten ( Az uzris, komus koupil nevestu). Zur allgemeinen Empörung unterschreibt Hans den Vertrag.

DRITTER AKT
Dorfplatz mit Wirtshaus. Im Dorf ist ein Wanderzirkus eingetroffen ( Marsch und Tanz der Komödianten). Wenzel ist von der Tänzerin Esmeralda begeistert und übernimmt ihr zuliebe die Rolle eines Bären. Während Wenzel sein Glück gefunden hat, verzweifelt Marie, denn das Gerücht vom »Verkauf der Braut« hat inzwischen die Betroffene erreicht. Sie wird von allen getröstet ( Rozmysli si, Marenko), bleibt jedoch verzweifelt allein zurück ( Oh, jaky zal!). Die Worte von Hans, der ihr alles erklären will, klingen ihr wie Hohn ( Tak tvrdosíjná, dívko, jsi). Doch bald löst sich das Problem: Micha erkennt in dem Fremden seinen Sohn Hans. Nun kann sowohl die Vereinbarung zwischen Kruschina und Micha als auch jene zwischen Hans und Kezal eingehalten werden: Marie heiratet ihren Hans, einen Sohn Michas.
--> OPER "in nuce"
ATTO PRIMO
In un paesino della Boemia, durante la festa del patrono, la bella Marenka è triste: ama Jenik ma i suoi genitori l’hanno promessa a un altro ragazzo, Vašek, figlio di secondo letto del ricco possidente Mícha. Ella non lo conosce, poiché della mediazione matrimoniale si è occupato il sensale Kecal. Jenik rinnova alla ragazza i propri sentimenti, mentre l’intrigante Kecal tenta di dissuaderla e di convincerla a sposare il buon partito da lui proposto. Temendo che il suo affare non vada a buon fine per il rifiuto di Marenka alle nozze con Vašek, Kecal cerca di convincere Jenik a rinunciare alla fanciulla con delle offerte in denaro.

ATTO SECONDO
Durante una festa all’aperto presso un’osteria di campagna, appare finalmente Vašek. Ha appena saputo che i genitori stanno per procurargli una moglie ed è un po’ preoccupato per come costei potrebbe giudicare la sua balbuzie. Gli si avvicina Marenka, che non conosce come sua possibile sposa. La ragazza, astutamente, gli descrive il tremendo carattere della sposa, di cui egli conosce il nome e, vezzeggiandolo, lo convince a rinunciare a lei. Jenik inventa a questo punto un imbroglio. Egli era il fratellastro di Vašek, in quanto figlio di primo letto di Mícha. Era stato cacciato di casa dalla matrigna Hata quando era bambino. Stipula così un contratto con Kecal, in cui s’impegna di vendere la fanciulla per trecento fiorini al «figlio di Tobiaš Mícha». Jenik si felicita per la riuscita dell’inganno, mentre i contadini presenti deplorano la venalità che lo ha portato a vendere la propria sposa.

ATTO TERZO
Al villaggio giunge una compagnia di saltimbanchi che darà spettacolo in piazza. Vašek viene avvicinato dalla danzatrice Esmeralda e convinto, con tenere promesse, a sostituire nella danza dell’orso un ballerino assente. Entusiasta della curiosa avventura, Vašek rifiuta la mano di Marenka offertagli dai genitori. Marenka, nel frattempo, è venuta a sapere di essere stata venduta. È talmente offesa e umiliata che allontana da lei Jenik, dichiarandogli che, per fargli dispetto, lei è pronta a sposare il ricco figlio di Mícha. Concluso il contratto nuziale, Jenik rivendica il proprio diritto: in quanto primogenito di Mícha, egli ha venduto Marenka a se stesso. La fanciulla comprende la burla e gli rinnova il proprio amore. Il padre è contento del figlio ritrovato. Solo la madre di Vašek continua a essere contraria al matrimonio, ma quando lo vede uscire da una pelle d’orso, deriso dai presenti, comprende che l’unione con Marenka era impossibile. Viene così sancito e festeggiato il matrimonio della fanciulla con l’amato Jenik.

Die verkaufte Braut


Personen:
KRUSCHINA, ein reicher Bauer (Bariton)
LUDMILA, seine Frau (Sopran)
MARIE MARENKA, beider Tochter (Sopran)
MICHA, Grundbesitzer (Bass)
HATA, seine Frau (Mezzosopran)
WENZEL VASEK, beider Sohn (Tenor)
HANS JENIK, Michas Sohn aus erster Ehe (Tenor)
KECAL, Heiratsvermittler (Bass)
DIREKTOR einer Wandertruppe (Tenor)
ESMERALDA,Tänzerin (Sopran)
Ein "INDIANER" der Truppe (Bass)
Dorfbewohner, Komödianten, Buben

Ouvertüre

ERSTER AKT

Kirchweih auf dem Dorfplatz. Auf der einen Seite ein Wirtshaus

ERSTE SZENE
Marie, Hans, Landvolk

CHOR
Warum sollten wir nicht froh sein,
wenn uns Gott Gesundheit gibt, Freude gibt?
Weiss man denn, ob unser Leben
stets so schöne Tage bringt?
Freut euch alle, dass ihr jung seid,
freut euch alle, dass ihr frei seid!
Tragt ihr erst mal Eheringe,
ist's zu Ende mit der Freiheit.
Ehe! Wehe!
Aus mit Saus und Braus!
Nichts als lauter Sorgen!
Kinderschreien, Streitereien!
Ärger, Sorgen, Streitereien!
Ehe! Wehe!
Warum sollten wir nicht froh sein,
wenn uns Gott Gesundheit gibt, Freude gibt!
Der allein ist wirklich glücklich,
der sein Leben froh geniesst!

HANS
Sag mir doch, mein Schatz, warum so niedergeschlagen?

MARIE
Ach, weisst du's denn nicht?
Heut noch soll ich meinen Freier sehn.
Meine guten Eltern wollen, dass ich heirate.
Hans, sag, was ich tun soll!

HANS
Ach was! Lass den Kopf nicht hängen, Schatz,
und vertraue mir!
Halt dein Herz nur in der Hand,
leiste festen Widerstand!

CHOR
Lasst euch niemals unterkriegen!
Wahre Liebe muss zum guten Ende siegen!
Warum sollten wir nicht froh sein,
wenn uns Gott Gesundheit gibt, Freude gibt?
Der allein ist wirklich glücklich,
der das Leben froh geniesst.
Kommt nun alle, kommt nun tanzen!
Kommt nun alle, Burschen, Mädel,
kommt nun alle, alle tanzen.
Hört ihr den Dudelsack? Auf, wer mag!
Die Tanzerei beginnt! Auf, geschwind!
Tanzen wir, tanzen wir!

Die Burschen und Mädel ab

ZWEITE SZENE
Marie, Hans

Rezitativ

MARIE
Ich mag nicht tanzen, mir ist nicht danach! Ach, was tu ich bloss!

HANS
Mein Mädel, dass du das gar so schwer nimmst. Sei nicht traurig!

MARIE
Soll ich mich nicht sorgen? Heute noch kommt der Bauer Micha her, und den Sohn, den bringt er mit. Gleich muss er da sein.

HANS
Und du, was sagst du dazu?

MARIE
Was ich dazu sag? Kannst du überhaupt noch fragen, gibt es denn für mich noch andere Männer, du bist ja mein Alles! Doch was nützt das schon, Vater gab sein Jawort.

HANS
Das ist freilich traurig.

MARIE
Dich scheint das nicht sehr zu bewegen! Warum sagst du nichts? Fürchtest du vielleicht irgendwas, oder jemanden? Kannst du mir schwören, dass du keine andere gern hast, mich ganz alleine liebst? Ja, manches Mal kam mir schon der Verdacht, du trauertest noch einer andern nach.

HANS
Niemals, niemals!

Arie

MARIE
Wenn ich das einmal erfahre,
dass du's nicht mehr ehrlich meinst,
müsste ich dich immer hassen,
nie mehr würd' es so wie einst!
Und nun sag mir doch, mein Liebster,
was hat damals dich erbost,
dass du deine Heimat liessest,
aus dem Vaterhause flohst?
Bitte sag's, bitte sag's,
sag mir's offen, Liebster,
was dich damals so erbost?
Ach, wenn ich je erfahren sollt',
dass du's nicht ehrlich meinst,
müsste ich dich immer hassen,
nie mehr würd' es so wie einst!
Nein, niemals mehr so wie einst!
Und nun sag mir doch, mein Liebster,
was hat damals dich erbost,
dass du deine Heimat liessest,
aus dem Vaterhause flohst,
sag mir's, sag mir's Liebster
kein Geheimnis sei zwischen uns!
Sag mir's, sag mir's Liebster!
Sag mir's und sei offen!

Rezitativ

MARIE
Weiss nicht mal, woher du kommst! Dein Leben ist für mich in ein Geheimnis gehüllt! Und auch mein Vater hat mich mehreremal deswegen befragt.

HANS
Was früher war - gerne red ich nicht darüber, ich ward gross auf einem reichen Hofe. Doch da starb meine Mutter, viel zu früh. Leider nahm dann der Vater sich eine zweite Frau, die hat mir dann sehr bald das Vaterhaus verleidet. So zog ich in die Welt hinaus. Verdiene mir mein Brot hier bei fremden Leuten.

Duett

HANS
Muttersegen schafft dir Heimat,
der Fluch der Stiefmutter
jagt dich aus dem Haus.
Stehst ihr nur im Weg,
hörst kein gutes Wort von ihr!
Kälte und Hass sind dann dein Teil.

MARIE
Muttersegen schafft dir Heimat,
doch Hass jagt dich aus dem Haus.
Kälte und Hass sind dann dein Teil,
du hörst kein gutes Wort von ihr,
stehst im Weg.
Muttersegen schafft dir Heimat,
doch Hass jagt dich aus dem Haus.
Hörst nie ein gutes Wort von ihr,
hörst niemals ein gutes Wort.

HANS
Nun, das ist vorüber!
Treue Liebe, wie die unsre
kann kein Menschenhass für immer trennen!

BEIDE
Unser treues Liebe
ist im Herzen unauslöschlich eingeschrieben.
Dein bin ich für alle Zeit
Treu gelob ich in Ewigkeit.
Dir gehör ich ewig, ewig.
Ja, für alle Ewigkeiten
bin ich treu dir, mein Schatz.
Dein bin ich für alle Zeit,
Treu gelob ich in Ewigkeit.
Dir gehört mein Herz alle Zeit,
Treue schwör ich in Ewigkeit.

MARIE
Still, sei still!
Drüben seh ich die Eltern,
sie suchen mich.

HANS
Nein, ich will sie jetzt nicht sehn!
Liebste, leb nun wohl!
Lebe wohl, du mein Schatz!

MARIE
Liebster, leb wohl!

Beide nach verschiedenen Seiten ab

DRITTE SZENE
Ludmila, Kruschina, Kecal

KECAL
So ist's richtig, Herr Gevatter!
Ihr habt Euch nun verpflichtet,
und da Ihr das Wort gegeben,
ist alles, alles klar, ist alles klar!
Traut doch meinem Wort,
denn mein Verstand
ist weit bekannt!
Traut meinem scharfen Blick
nichts entgeht ihm,
nicht einmal die Fliege
dort an der Wand!
Und sollte am End die Tochter sich zu sehr genieren,
seid ruhig, alles mache ich,
sie muss parieren, muss parieren!
Wie ich sagte, Herr Gevatter,
wir sind uns einig!
Ihr habt Euch nun verpflichtet,
und da Ihr das Wort gegeben,
ist alles, alles klar, ist alles klar.
Traut meinem Wort!
Ich hab Verstand genug für zwei,
ich hab Gott sei Dank Verstand genug für zwei.

KRUSCHINA
Nun, nun, was meinst du, Mutter?
Mir, ja mir wär's recht!

LUDMILA
Mir scheint die Sache
doch reichlich überstürzt.
Man muss gründlich überlegen;
die Braut soll mit entscheiden.
Schliesslich muss man doch erst wissen,
ob sie nichts dagegen hat!

KECAL
Was dagegen, was dagegen, was dagegen?
Euer Wille und meine Klugheit genügt!
Vertraut nur meinem Köpfchen,
und Ihr sollt sehn, dass sie sich fügt.

LUDMILA
Erst will ich den Freier mir ansehn.

KECAL
Wozu ansehn, wozu ansehn, wozu ansehn?
Überflüssige Sorge!
Er ist richtig, grade richtig,
dafür steh ich selber ein, ich, ich!
Den Tobias Micha kennt Ihr?
Den kennt Ihr doch?
Nun, so hört:
Michas schöner Bauernhof ist dreissigtausend Gulden wert!
Wie ich sagte, Herr Gevatter,
wir sind uns einig.
Ihr habt Euch nun verpflichtet,
und da Ihr das Wort gegeben,
ist alles, alles klar, ist alles klar.

LUDMILA
Das kommt zu schnell,
überlegt will sowas sein!
So geht das nicht!

KRUSCHINA
Nun, wenn das so ist, ich,
ich sag nicht nein.

KECAL
Habt doch nur Vertrauen,
mein Verstand, der ist weit bekannt.
Nichts entgeht ihm,
nicht einmal die Fliege an der Wand.
Ich hab Verstand für zwei,
ich hab gottlob Verstand für zwei.
Gott sei Dank hab ich Verstand,
und mein Scharfblick ist bekannt,
ihm entgeht nicht mal die Fliege an der Wand.

Rezitativ

KRUSCHINA
Stimmt schon, den Tobias Micha kenn ich seit langem. Söhne hat er zweie: aus erster Ehe Hans und dann den Wenzel. Doch bis zum heut'gen Tage kenn ich sie beide nicht.
Aber hört doch: habt Ihr nicht schon vor Jahren dem Tobias Micha öffentlich ganz fest versprochen, dass Ihr Mariechen nur seinem Sohne gebt?

LUDMILA
Und Ihr, für welchen von beiden Söhnen werbt Ihr denn?

KECAL
Von den beiden? Ist doch einer nur mehr da - Wenzel! Denn der Hans war ein übler Falott und ein Taugenichts! Der ist längst verschollen.

KRUSCHINA
Nun, und wie ist denn dieser Wenzel? Sagt, warum habt Ihr ihn nicht mitgebracht?

Terzett

KECAL
Ja, mein Wenzel, ein Muster an Tugend!
Ein edler Jüngling in der Blüte seiner Jugend!
Ein wahres Lämmlein, so sanft und zart!
Nun, an ihm ist alles wohlgebildet,
jede Mutter wünscht sich einen Sohn
von seiner liebevollen, feinen Art.
Nicht zu klein und nicht zu riesig,
nicht zu fett und nicht zu mager,
in der Liebe kein Versager,
nicht zu üppig, nicht zu schwächlich
weder lahm noch sonst gebrechlich,
nicht zu faul und nicht zu hitzig,
nicht zu dämlich, nicht zu witzig,
weder Geizhals, noch Verschwender,
kein Hallodri und kein Blender,
kurz gesagt, in allem richtig!
Und auch in der Wirtschaft tüchtig,
stark wie eine junge Eiche!
Schliesslich, die dreissigtausend!
Und nun sagt mir, wollt Ihr mehr?
Wollt Ihr denn noch mehr?
Was verlangt Ihr mehr?
Ja, mein Wenzel, ein Muster an Tugend,
fein von Sitten, wohlgelitten,
in der holden Blüte seiner Jugend!
Ein wahres Lämmlein,
ja ein liebevolles Lämmlein, sanft und zart.

LUDMILA, KRUSCHINA
Diese Auskunft hör ich gerne,
Euer Mann gefällt uns sehr.

KECAL
Er ist nicht zu klein und nicht zu riesig,
keinesfalls zu fett, doch auch nicht mager
in der Liebe ist er kein Versager,
er ist nicht zu üppig, nicht zu schwächlich,
er ist weder lahm noch sonst gebrechlich,
kurz gesagt, in allem ist der Junge richtig,
stark wie eine Eiche, in der Wirtschaft tüchtig
und dazu dreissigtausend!
Nun, was wollt Ihr denn noch mehr?

VIERTE SZENE
Marie, die Vorigen

Quartett

KECAL, LUDMILA, KRUSCHINA
Ah, da kommt sie! Nun kann's losgehn!
Sprechen wir mit ihr vernünftig.

MARIE
Lieber Vater, liebe Mutter, wollt ihr mir was sagen?

KECAL
Liebes Kind, ich wollte dich nur fragen,
hast du niemals dran gedacht,
dass die Ehe Freude macht?
Ich hab' einen Mann für dich,
ein Prachtstück von Bräutigam.

MARIE
Ein Bräutigam, wieso denn?

KRUSCHINA
Sieh ihn dir nur an
und entscheide dann.

LUDMILA
Und wenn er dir nicht gefällt,
dann gib ihm einen Korb.

MARIE
Ich brauch keinen Mann, keinen Bräutigam.
Was soll ich denn mit einem Bräutigam?
Nein, ich brauche keinen Mann
ich seh ihn mir nicht an!

LUDMILA, KRUSCHINA, KECAL
Sieh ihn dir nur an
und entscheide dann.
Er gefällt dir ganz gewiss,
wenn du ihn erst mal siehst.

LUDMILA
Und wenn er dir nicht gefällt,
dann gib ihm einen Korb.

KECAL
Nun endlich zur Sache, machen wir's vertraglich.
So sag schon ja, meine Kleine!
Dann kommt die Hochzeit schnell ins reine!

MARIE
Das geht nicht, das geht nicht so,
wie ihr's euch denkt!
Da ist noch ein Haken,
ein ganz verborgener,
ein grosser Haken!

KECAL
Haken hin, Haken her,
den Haken, den Haken, den find ich.
a, wenn mein Verstand nicht wär!
Hindernisse überwind ich!

MARIE
Hab schon entschieden:
lieb einen andern.
Heute und ewig!

LUDMILA, KRUSCHINA
Hat schon entschieden.
Liebt einen andern.
Heute und ewig!

KECAL
Liebelei bei jungen Leuten,
das hat gar nichts zu bedeutent

MARIE
Bleib' ihm treu, hab mich ihm verlobt.

KECAL
Kinkerlitzehen, gar nicht wichtig,
so ein Wort ist null und nichtig.

MARIE
Doch, so ein Wort ist ein Vertrag.

KECAL
Den zerreissen wir als nichtig.

MARIE
Das versucht, wenn ihr's könnt.

KECAL
Kinderei und Trotz und Wahn
ändern nichts an unserm Plan.
Wozu hätt ich denn den Blick, den Witz?
Meine Schlauheit brach noch jeden Widerstand.
Scheint alles auch verworren,
wozu hab ich denn Verstand?
Vertraut nur meiner Schlauheit,
dafür bin ich ja bekannt.

MARIE
Mich will er übertölpeln,
doch ich leiste Widerstand!

LUDMILA, KRUSCHINA
Scheint alles auch verworren,
wozu hat er denn Verstand?

Rezitativ

MARIE
Hans lässt niemals von mir, das weiss ich sicher, er hat einen harten Kopf.

KRUSCHINA
ob er nun von dir lässt, ob nicht, Kind, darauf kommt es hier nicht an. Ich hab mich dem Micha verpflichtet, das ist jetzt entscheidend.

LUDMILA
Doch was ist das für ein Wort, das du gegeben hast?

KECAL
Da, seht her!
zieht ein Schriftstück aus der Tasche
Hier, schwarz auf weiss! Vor Zeugen unterschrieben, von Micha und von Kruschina.

MARIE
Geht mich das was an? Was soll mir der Wisch? Ich und Hans wissen beide nichts davon, und wir bleiben uns treu!
stampft auf und läuft davon

KECAL
Ach, verrückt ist diese Welt!

KRUSCHINA
Ich rat' Euch gut, holt mir den Micha, samt seinem Wenzel! Warum habt Ihr denn den Freier nicht mitgebracht? Es wär nur schicklich, dass er selbst hier mit dem Mädel spricht.

KECAL
Freilich, freilich! Doch was soll ich denn machen, er ist halt gar so schüchtern! Schüchtern wie ein unschuldges Jüngferlein.

KRUSCHINA
Na, na, wenn das nur alles gut geht!

KECAL
Nun, Herr Gevatter, es wäre das beste, Ihr träft wie zufällig recht bald den alten Micha in der Schenke dort. Hier wird's reichlich laut, denn alles will jetzt tanzen. Ich knöpfe mir indes den Hans vor, und dann sollt Ihr sehn!

Alle ab

FÜNFTE SZENE

Finale - Polka
Bauernvolk tritt auf, die Jungen tanzen, die Alten setzen sich an denTisch, später Chor

CHOR
Heissa, Mädel, tanz die Polka!
Mädel, komm und tanz die Polka!
Arm in Arm und Blick in Blick
tanzen wir in unser Glück!
Brummbass brummt und Geigen jubeln,
und die Klarinetten dudeln um die Wette.
Alles dreht sich ringsumher,
halt mich fest, ich kann nicht mehr!

ZWEITER AKT

Saal im Wirtshaus, Hans und die Burschen am Tisch beim Bier, auf der anderen Seite, auch am Tisch, Kecal

ERSTE SZENE

CHOR
Welch Gottesgabe ist das Bier, das gute Bier!
Es nimmt allen Ärger, die Sorgen von dir,
und macht dich so stark und so fröhlich!
Heijuhu!
Und gäb es kein Bier, was tränken wir dann heut,
wir sässen im Trocknen und täten uns leid.
Ein Narr, wer den Tropfen verachtet!
Heijuhu!

HANS
steht auf
He, Burschen, ich sag euch,
ein Bier, das schmeckt fein,
die Liebe schmeckt besser noch
als Bier und Wein!
Und sie allein ist unsre allerherrlichste Freude und Seligkeit!

CHOR
Hans, du bist bis über die Ohren verliebt!
Pass auf, dass dir der dort die Freude nicht trübt.

KECAL
Na, was wär da schon dabei?
Wär wohl kaum zu seinem Schaden.
Guter Rat und gute Gulden
regeln unsern Lebenslauf.
Wer sie mit Verstand verwaltet,
der bleibt immer obenauf.

CHOR
Welch Gottesgabe ist das Bier,das gute Bier!
Es nimmt uns allen Ärger, die Sorgen von dir
und macht dich so stark und so fröhlich.
Heijuhu.

HANS
Die Liebe ist das höchste Glück,
über allem steht die Liebe doch.

KECAL
Und die Gulden!

Tanz: Furiant

ZWEITE SZENE
Wenzel

WENZEL
als Freier herausgeputzt
Ma-mein Mü-Mütterlein
ha-hat zu mir gesagt
sie-sie-sie säh es gern,
ha-hat-hat sie gemeint,
wenn ich bald hei-hei-heirate,
ei-ei-ein Mädel führe heim.
Do-doch geht alles schief,
u-und es wird nichts draus,
da-dann la-la-lacht
das ganze Dorf mich aus!
La-la-la-la-la-la-lacht mich
das ga-ga-ga-ga-ganze Dorf noch aus.
La-la-lacht mi-mich aus!
Alles lacht mich dann aus.

Marie tritt hinter ihm auf

DRITTE SZENE
Marie und Wenzel

Rezitativ

MARIE
Seid Ihr der Bräutigam von Mariechen Kruschina?

WENZEL
Ja-ja-ja-ja, doch wi-wie kö-könnt Ihr das wissen?

MARIE
Na, das sieht man Euch doch wirklich an! So fein ausstaffiert! Alles spricht von Euch, jedoch bedauert man Euch.

WENZEL
Be-bedauert mich? Warum?

MARIE
Weil Marie Euch hintergeht, jeder weiss es, denn sie hat einen andern.

WENZEL
Wa-wa-was braucht sie einen andern? Sie hat doch mich.

MARIE
Euch? Hahaha! Kennt sie Euch schon? Und Ihr sie?

WENZEL
Na-na-na-na-nein, jedoch sie weiss, dass ich sie ne-ne-nehmen werde.

MARIE
Das weiss sie wohl! Drum freut sie sich auch drauf, Euch zu ärgern, zu betrügen und zu quälen,
dass sie Euch früh ins Grab bringt.

WENZEL
Da-das ist ja grässlich! A-a-a-aber meine MuMu-Mutter wollte, dass ich jetzt ha-ha-ha-ha-heirate.

MARIE
Freilich, warum nicht? Fesch, wie Ihr seid! Hier gibt's viele nette Mädchen, seht Euch nur gut um!

WENZEL
Ich will!

Duett

MARIE
Eine ist mir gut bekannt,
die sich nach Euch verzehrt.
Die wär grad die Richtige
und Eurer Liebe wert,
die wäre Eurer Liebe wert.

WENZEL
A-a-ach, du lieber Gott.
We-welches Glück!
A-ein schönes Kind wär schon richtig,
die wär mir schon recht!
Doch wenn Marie das hört,
wird sie bös sein!

MARIE
Nein, denn nach der Hochzeit
liefe sie Euch doch davon.

WENZEL
Und mein Mütterlein,
würde furchtbar schrei'n!

MARIE
Sieht sie erst die Braut,
wird sie schon einverstanden sein.

WENZEL
Si-sieht sie denn hübsch aus?

MARIE
Grade wie Mariechen.

WENZEL
I-ist sie so jung auch?

MARIE
Grade wie Mariechen.

WENZEL
Eine ist mir gut bekannt,
die sich nach Euch verzehrt!
Die wär grad die rechte Braut,
Eurer Liebe wert.
Ach, du lieber Gott, das wäre herrlich!
Und die würde mich wirklich wollen?

MARIE
Ach, nehmt Ihr sie nicht zur Frau,
stirbt sie gewiss vor Gram.
Stürzt sie sich in einen Fluss,
schneidet sich die Gurgel durch
und jammert den ganzen Tag,
weil - weil ihr so grausam seid.

WENZEL
Wie, wie, I-Ihr wa-weint?

MARIE
Weil Ihr sie nicht nehmen wollt.

WENZEL
Ich möchte ja, doch darf-darf ich denn auch?

MARIE
Kann das ein Mensch verstehen
Ihr fragt, - und sie, die Euch liebt,
so innig Euch liebt,
lasst gramvoll Ihr vergehen.

WENZEL
Nein, ich la-la-lass sie nicht!
Wä-wär sie so-so wie Ihr, dann nähm ich sie.

MARIE
Ich gefall Euch also gut?

WENZEL
Gu-gu-gut, und wie!

MARIE
Mich nähmt Ihr wohl gar zur Frau?

WENZEL
So-so-so-sofort.

MARIE
Ich würd' Euch zärtlich lieben,
wie ein süsses Wickelkind.
Wenn ich Euch so gut gefalle
nun, so schwört mir und gelobt es
mir jetzt fest in meine Hand:
Ihr verzichtet auf Mariechen
bis in alle Ewigkeit.
Wollt Ihr schwören?

WENZEL
kratzt sich hinter den Ohren
Schwö-schwö-schwören?
Nein, da-da-das tu ich nicht!

MARIE
Nun gut, Ihr werdet ja sehn.
Übel wird es Euch ergehn.

Sie macht Euch die Hölle heiss!
Also entscheidet Euch nun,
sprecht das Gelöbnis nun nach!

WENZEL
weinerlich
Ich wi-will es j a.

MARIE
Auf Marie verzichte ich.

WENZEL
- zi-zi-zichte ich.

MARIE
Und ich will sie gar nicht sehn.

WENZEL
- ga-gar nicht sehn.

MARIE
Will auch nichts mehr von ihr hör'n.

WENZEL
- will nichts mehr hör'n.

MARIE
Ich seh sie nicht -

WENZEL
Ich seh sie nicht,

MARIE
ich hör sie nicht -

WENZEL
ich hör sie nicht,

MARIE
- verzichte ewig auf Marie!

WENZEL
- verzichte auf Marie!

MARIE
Doch die mir so gut bekannt,
die sich nach Euch verzehrt,
die wird Eure rechte Braut,
die ist Eurer Liebe wert!

WENZEL
A-a-ach, du lieber Gott,
wie herrlich, ach wie herrlich!

Beide ab

VIERTE SZENE
Hans, Kecal

Rezitativ

KECAL
Wie gesagt, sie ist jung, hübsch und arbeitssam und hat auch gute Gulden.

HANS
Schon gut, doch wer sagt denn, dass sie mich auch will?

KECAL
Überlass das mir! Du sagst dich erst einmal von Ma-riechen los.

HANS
Nein, das geht nicht! Hab' ich ihr nicht Treue ge-schworen?

KECAL
Kinkerlitzehen, Kindereien! Hier zählt eines nur: das Geld hier!

HANS
Na, und die, die Ihr mir vermitteln wollt, die hat wohl Gulden?

KECAL
Reichlich!

Duett

Nun, mein Freundchen, hör mal zu,
hab' was vorzuschlagen.

HANS
Lieber säss ich dort beim Bier.
Was habt Ihr zu sagen?

KECAL
Hör mal, kennst du mich? Schau her!

HANS
Hatte leider nicht die Ehr.
Doch woher kennt Ihr denn mich?

KECAL
Ich hab gehört, du bist brav,
und mir ist klar, das ist wahr:
die Arbeit scheust du nicht,
und bei Mädeln hast du ja
ein unverschämtes Glück.
Aber wie sieht's denn hier aus
macht die Bewegung des Geldzählens

HANS
Ach, was braucht man denn viel Geld,
da liegt mir nicht viel dran.
In der Liebe kommt es doch
auf andre Sachen an.

KECAL
Glaub mir, ich hab viel Verstand,
kenn mich im Leben aus:
Ohne Geld, ohne Geld
ist jede Ehe nur ein Nest von Plagen.
Sag, von wo kommst du her?
Möchte dich ganz gerne näher kennenlernen.

HANS
Weit von hier komm ich her,
fast von Mährens Grenze.

KECAL
Dort in Mähren such dir eine,
denn die Weiber hierzulande
sind nichts wert.

HANS
Kann schon sein, Ihr habt da recht,
und die andern taugen nichts.
Doch Marie, die ist ein Edelstein!
Keine kann schöner sein.

KECAL
Jeder junge Mann
sieht sein Liebchen an
als wär's die Einz'ge.
Hält sie für das Schönste,
hält sie für das Beste,
was es auf der ganzen Erde gibt.
Doch kommt die Stunde,
wo sie ihn betrügt.
Ja, dann jammert er,
und dann klammert er
sich verzweifelt an das,
was längst vorbei.
Doch zu spät die Reu!
Aus ist Lieb und Treu!
Jetzt hift keine Wut
und kein Wehgeschrei!
Doch ein Pfiffikus,
ein kluger Mann,
vor der Hochzeit schon
fängt er's schlauer an.
Überlegt sich nüchtern:
was bringts ein?
Bringt es nichts, dann lässt er's lieber sein
lässt er die Heirat lieber sein!

HANS
Was soll mir diese Weisheit?
Weiss nicht, was Ihr da meint.

KECAL
Nun, ich weiss für dich die einzig Richt'ge!
Hör, mein Freund!
Ich kenn ein Mädel,
die hat Dukaten,
hat Dukaten!

HANS
Er kennt ein Mädel,
die hat Dukaten,
hat Dukaten!

KECAL
Und ein Häuschen, und ein Häuschen
kriegt sie von dem Paten.

HANS
Und ein Häuschen,und ein Häuschen
kriegt sie von dem Paten.

KECAL
Kühe und Kälber,
prächtige Felder,
Ställe mit Rössern,
Wein in den Fässern,
Ziegen und Säue,
und die neue
buntbemalte Truhe,
wohlgefüllte
buntbemalte Truhe
und ein Strumpf mit Gulden drin.

BEIDE
Ja, Kühe, Kälber,
prächtige Felder,
Ställe mit Rössern,
Wein in den Fässern,
Ziegen und Säue,
und die neue
buntbemalte Truhe
und ein Strumpf mit Gulden drin.

KECAL
Na, junger Freund, da staunst du, staunst du,
so eine fette Mitgift wär nicht schlecht!
Ich kenn ein Mädel, die hat Dukaten,
und das alles wär für dich allein, alles dein.

HAN S
Ja, das wär eine fette Mitgift,
eine Mitgift, gar nicht schlecht!
Jawohl, Ihr kennt ein Mädel, die hat Dukaten
und das alles wär für mich allein!

Rezitativ

KECAL
Wenn du mir die Marie sein lässt, lass ich auch für dich was springen. Also, hier nimm meine Hand drauf. Hundert Gulden bar - und du trittst zurück!

HANS
Nur hundert Gulden? Das ist viel zuwenig, für so grosse Liebe. So billig kommt Ihr nicht davon!

KECA
Also dann verdopple ich.

HANS
Immer noch zuwenig!

KECAL
Also dreifach! Das biet ich nur deshalb, dass die Sache endlich zu Rande kommt. Wenn du jetzt noch nicht einschlägst, setz ich alle Hebel in Bewegung, dann jagt man dich als Fremden aus dem Dorf hier fort! Und dann hast du weder eine Braut, noch die guten Gulden.

HANS
So, so - doch wer zahlt mir die dreihundert Gulden aus?

KECAL
Ich selbst.

HANS
Ihr? Für Euch selber wohl? Nein, Euch verkaufe ich nie mein Mädel, um nichts auf der Welt.

KECAL
Sei nicht kindisch! Kannst du so was glauben! Hab grad genug an meiner Alten! Nein, mein Freund ich werbe nicht für mich, sondern nur für den Sohn des alten Micha. Kommt unser Handel hier zustand, kriegst du gleich das Geld. Aber dann - dann mach dich hier f ort!

HANS
Gut denn, abgemacht! Geld ist schliesslich Geld! Her mit den Gulden, und die Sache hat sich! Aber eins verlang' ich: Es darf das Mädchen kein andrer jemals bekommen als der Sohn des Tobias Micha! Darauf besteh ich, sonst wird nichts aus dem Geschäft.

KECAL
Aber liebstes Söhnchen, grade das will ich ja selbst, dass kein andrer sie bekommen soll als Michas Sohn!

HANS
Und ich lasse sie auch niemandem, das beding ich aus, als des Micha eigenem Sohn. Und das machen wir jetzt schriftlich.

KECAL
Ja, wir setzen den Vertrag auf! Ich geh' und hol jetzt die Zeugen.

HANS

Halt, noch ein Wörtchen! Eines muss noch hinein: Sobald sie sich einig sind, Marie und Michas Sohn als Mann und Weib vor Gott und der Welt, braucht Vater Kruschina die dreihundert Gulden dem Micha nicht mehr zurückzuerstatten. Quitt sind sie beide für immer.

KECAL
Richtig, richtig, so wird's abgemacht.

ab


FÜNFTE SZENE
Hans

HANS
Wart nur, wart, bis die Augen dir aufgehn!
Es ist nicht so leicht, Bräute zu kaufen.
Wie wär's denn möglich,
dass ich dich, Marie,
für Geld verkaufte?
Mein Schatz, mein Alles,
mein Glück auf Erden!
Für die ich alles tät,
wär's noch so schwer,
ja, alles, alles,
wär's auch noch so schwer.
Nicht für dreitausend
gäbe ich sie her!
Für alle Schätze
tausch ich sie nicht ein!
Denn wahre Liebe
braucht nicht Geld und Gold!
Denn wer geliebt wird,
der ist reich genug!


SECHSTE SZENE
Hans, Kecal, Kruschina, Volk

Finale

KECAL
Kommt nur, Herrschaften,
kommt nur, Herrschaften!
Spitzt die Ohren,
spitzt die Ohren,
denn ich brauche euch als Zeugen hier.

CHOR
Sagt doch endlich, was hier gespielt wird.

KECAL
Hier steht's geschrieben, auf diesem Bogen,
wie und was, das werdet ihr gleich sehn.

CHOR
Hier steht's geschrieben, auf diesem Bogen,
wie und was, das woll'n wir endlich sehn.

KECAL
schreibt am Tisch
Lest, wozu er sich verpflichtet:
er verzichtet auf seine Braut.

CHOR
Lest, wozu er sich verpflichtet:
er verzichtet auf seine Braut!

HANS
Jedoch das mach ich zur Bedingung,
dass sie kein andrer kriegt
als nur der Sohn des Micha.

KECAL
Nur der Sohn des alten Micha.

HANS
Aber nur, wenn er sie liebt
und sich ihr zu eigen gibt,
wenn er ihr vor Zeugen erklärt,
dass er sie zur Frau begehrt.

KECAL
Ganz genau so steht's geschrieben
hier, schwarz auf weiss.

CHOR
Ist das möglich? Auf die Braut verzichtet er?

KRUSCHINA
zu Hans
Das hätt' ich mir nicht erwartet,
dass du nachgibst ohne Zwang.
Bist doch ein guter Junge, Hans!
Du ersparst uns vielen Zank.

KECAL
Halt, wir sind noch nicht am Ende,
eines noch ist wichtig für den Pakt.
Denn da ist noch eine mündliche Vereinbarung:
Ich muss ihm dafür dreihundert Gulden zahlen.
Für diesen Preis - jetzt hört und schaut!
verkauft der Mensch seine Braut!

CHOR
Diese Schande, diese Schande!
Er verschachert seine Braut!

KRUSCHINA
zu Hans
Schäm dich, und dich lobte ich!
Welche Schande, kaum zu glauben!
Hat denn das die Welt gesehn!

KECAL
Punktum, satis, Streusand darauf.
Unterzeichnet nun!
Du erst, Hans, da unten,
dann die Zeugen da.

HANS
unterschreibt
Hier mein Name.
Und das genügt!

KRUSCHINA
unterschreibt
So etwas von Schäbigkeit
gab's doch nicht zu meiner Zeit!

CHOR
Er verkauft die Braut!
Er verkauft seine Braut!
Verkauft sie für Geld.

KECAL, KRUSCHINA und CHOR
Für dreihundert blanke Gulden!
Ja, für bare Gulden verkauft er sie!
O Schande, Schande, Schande!

DRITTER AKT

Gleicher Schauplatz wie im ersten Akt

ERSTE SZENE
Wenzel

WENZEL
Wa-was soll ich nur ma-machen?
I-ich hab nichts zu la-lachen.
Bi-bin in argen Nö-Nöten,
a-ach, sie will mich tö-tö-töten.
We-Wenzelchen muss ste-ste-sterben,
si-sie will mich verde-de-derben!
Wa-was soll ich nur ma-machen?
A-a-a-a-ach! Ich hab nichts zu lachen.


ZWEITE SZENE

Komödianten-Marsch

Direktor der Komödianten, Esmeralda, Indianer, Wenzel. Hinter der Bühne wird die grosse Trommel geschlagen. Der Direktor und die Komödianten ziehen auf.

Rezitativ

DIREKTOR
Hiermit tun wir dem hochedlen Publikum kund und zu wissen, dass heut abend hier draussen eine noch nie gesehene Galaproduktion von ersten, besten Künstlern vorgeführt wird, auf der Erde, auf dem Pferde, in der Luft, insbesondere Fräulein Esmeralda Salamanka, international berühmt durch ihre verwegnen Seitensprünge, dazu noch ein Indianer, importiert von Tahiti bei Panama, zweihunderttausend Meilen von hier entfernt, er verschluckt zum Frühstück Fässer -
verbessert sich
Messer samt den Gabeln, und als Spitzenattraktion folgt unser bestes Stück, ein waschechter Bär, aus Alaskas Urwald, eigens dressiert von Fräulein Salamanka, ein Wunder an Anmut, ein niemals übertroffenes Kunststück, und schliesslich tanzt er noch mit Fräulein Esmeralda den Cancan, und alles das für sechs Kreuzer.
Diese niemals gesehnen Attraktionen zeigen wir abends in der Extravorstellung hier. Doch eine Probe sehen Sie, hochverehrte Gäste, sogleich. Holla! Fangt schon an!

Springtanz
Ballett und Vorführungen der Wandertruppe

WENZEL

Rezitativ

Ei-ei-ei-ei, da-das ist herrlich! Was diese I-i-indianerin fü-für hübsche Füsschen hat!

ESMERALDA
verneigt sich vor Wenzel
Kommt der junge Herr heut abend auch?

WENZEL
Ge-ge-gerne! Möchte Eu-euch auf dem Seil tanzen sehen.

Esmeralda spricht mit ihm beiseite weiter

INDIANER
stürzt herein
Herr Direktor, Herr Prinzipal! O je! Jetzt ist doch ein Malheur passiert: Franta, der hat sich drüben im Wirtshaus besoffen. Er liegt auf der Bank und kommt nicht mehr auf die Beine. Ganz undenkbar, dass er heute abend den Bären macht!

DIREKTOR
Was denn, was denn? Die Spitzensensation? Wo bleibt da unser Programm? Und der Tanz mit Esmeralda fiele aus? Nein, nein, das geht nicht, nein, da muss was geschehn! Irgendein andrer muss einspringen! Vielleicht ein Bursche hier aus dem Dorf.

INDIANER
Wenn der nun Unsinn macht? Na, das gibt eine Blamage! Und woher ihn jetzt nehmen? Dass das Bärenfell ihm passt, darf er nicht zu fett und auch nicht zu mager sein. Sapperlot, was tun wir denn bloss? Und dabei ist keine Zeit mehr, lange umherzuschaun!

DIREKTOR
Komm doch einmal rüber, Mädel!

Esmeralda geht zum Direktor und spricht beiseite mit ihm

WENZEL
Ha, die wa-weiss zu erzählen! Die, die wäre was für mich. We-we-we-we-wenn die meine Frau wär, die würden Augen ma-ma-ma-machen im Dorf!

ESMERALDA
zurückkommend
Ihr gefallt mir gut, so ein sauberes Herrchen!

WENZEL
Ha-ha-ha-habt Ihr mich auch gern'.'

INDIANER
zum Direktor
Der da passte grade in unsre Bärenhaut, wie wenn er drin grossgeworden wär.

DIREKTOR
zu den Komödianten
Geht nur, und ruft im Dorf die Vorstellung aus. Ich sprech inzwischen mit dem Bürschchen.

Der Indianer und die Komödianten ab, dazu wird der erste Marsch gespielt

DIREKTOR
zu Wenzel
Na, mein Lieber, wenn Esmeralda Euch gef ällt, nun, bitteschön, ich geb sie Euch. Spielt mit uns Komödie, schliesst Elich uns an! Und was Ihr dann noch wollt, ergibt sich von selber.

WENZEL
Ko-ko-komödie? Da-das-das ka-ka-kann ich nicht.

ESMERALDA
Liebt Ihr mich recht, geht alles von allein.

WENZEL
Lieben? Das wär herrlich!

DIREKTOR
Glaubt uns nur, bei uns wird's Euch gefallen.. Schulden - äh - Gulden gibt's bei uns in Fülle. Essen, Trinken, jede Menge. Und Freiheit ohne Mass.
geheimnisvoll
Denn Freiheit ist allen freien Künstlern das Höchste. Überhaupt, der Komödiantenstand ist der Stand der Stände! Kunstus kunstorum, sagt der feine Mann lateinisch. Denn die Menschen sind ja doch alle Komödianten durch und durch. Und der Unterschied ist, dass sie die Komödie nur selten so gut spielen wie wir im Kostüm.

ESMERALDA
Also, liebei, Freund, kommt nur zu uns, vertraut mir nur, meine Liebe findet Rat.

DIREKTOR
Müsst Euch ja nicht binden. Macht nur mit zur Probe, und nur eizimal, aber heut!

ESMERALDA
Ja, nur heut, und dann - ja, mein Herrehen - aber dann, ja dann - dann bin ich die Eure!

WENZEL
Und wa-was soll ich tun?

ESMERALDA
Tanzen!

WENZEL
Ta-ta-tanzen, aber wie?

ESMERALDA
Ihr lernt es spielend. Ich zeig's Euch beim Tanz selber.

WENZEL
Ma-ma-meine Mutter!

ESMERALDA
Die erkennt Euch nicht.

Duett

ESMERALDA
Ein gar hübsches Tierchen

DIREKTOR
Ein Tierchen

ESMERALD
machen wir aus Euch.

DIREKTOR
- Euch!

ESMERALDA
Kriecht nur in das Fellchen

DIREKTOR
- Fellchen,

ESMERALDA
- das ist warm und weich.

DIREKTOR
- weich.

ESMERALDA
Um den Hals ein kleines goldnes Kettelein.

DIREKTOR
Um den Hals ein kleines goldnes Kettelein.

ESMERALDA
Und am Bändchen führ ich dann mein Bärelein.

DIREKTOR
Und am Bändchen führt sie dann das Bärelein.

ESMERALDA
Alle werden staunen!

DIREKTOR
Alle werden staunen

ESMERALDA
Keiner weiss dann, wer Ihr seid.

DIREKTOR
- keiner, wer Ihr seid.

ESMERALDA
Alle Leute werden jubeln,
und wir tanzen zu zweit.

DIREKTOR
Alle jubeln, wenn ihr dann tanzet zu zweit.
Das wird fein, das wird fein.

ESMERALDA
Ein gar hübsches Tierchen
machen wir aus Euch.

DIREKTOR
Ein Tierchen - - Euch.

ESMERALDA
Kriecht nur in das Fellchen

DIREKTOR
- das ist weich.

ESMERALDA
Das ist warm und weich.

ESMERALDA, DIREKTOR
Ja, ein gar hübsches Tierchen, ja, machen wir aus Euch.

Beide ab


DRITTE SZENE
Hata, Wenzel, Micha, Kecal

WENZEL
O, ich U-u-unglückswurm! A-a-alle wollen mich li-Iilieben oder mich töten.

HATA
Was bist du so traurig, Wenzelchen? Sei fröhlich, mein Söhnchen! Bald bist du verheiratet, das wird dir guttun, ja, das wird dir guttun.

WENZEL
Do-do-doch ich fürcht mich!

HATA
Was denn, wer wird sich denn fürchten? Kindchen, es kann dir doch gar nichts geschehen. Du kriegst ein Frauchen, das ist das Beste für meinen Wenzel.

KECAL
So ist es! Wenzelchen wird unterschreiben, und dann ist alles in Ordnung.

WENZEL
U-u-unterschreiben soll ich, und was?

MICHA'
Dass du Kruschinas Mariechen dir zum Weibe nimmst.

WENZEL
Die wi-wi-wi-wi-will ich nicht!

Quartett

HATA, MICHA, KECAL
Was? Was denn, was denn, hör ich recht?
Was denn, was denn, will sie nicht?
Da ist doch irgendwas geschehen?
Sprich, sprich, he, Wenzel, sprich!
Du bist wohl nicht bei Trost,
Wieso willst du sie nicht?

WENZEL
weinerlich
Ma-ma-marie - sie vergiftet mich.
Ja, sie bringt mich um!

HATA, MICHA, KECAL
Was für ein blöder Einfall!
Wie kommst du nur darauf,
so was Verrücktes!

WENZEL
geheimnisvoll
Je-je-jemand hat mir's heut - heut gesagt.

HATA, MICHA, KECAL
Wer war denn dieser Lügner?

WENZEL
Ein Mädchen war's, a-ein Mädchen wa-war's.

HATA, MICHA, KECAL
Und was hat sie dir erzählt?

WENZEL
Sie will mich nehmen, sagte sie
und sie ist schön und hat mich gern,

HATA
Und kennst du sie?

WENZEL
Kenn sie nicht.
Er läuft davon

HATA, MICHA, KECAL
Das scheint mir sehr verdächtig!
Sicher ist es der fremde Lümmel,
der uns den Possen spielt.

KECAL
Ich klär die Sache auf,
ich kläre alles auf!

HATA, MICHA
Ja, klärt die Sache auf,
ja, klärt nur alles auf!


VIERTE SZENE
Marie, Ludmila, Kruschina, die Vorigen ohne Wenzel

MARIE
eilt herein, hinter ihr Kruschina und Ludmila
Nein! Nein!
Nein, nein, nein, nein, nein, nein!
Das glaub ich niemals.
Ihr täuscht euch sicherlich!
Mein Hans ist kein Lügner
nein, nein, mein Hans ist kein Betrüger!

KIRUSCHINA
Und dennoch ist es wahr.

KECAL
Woran zweifelt sie noch?

KRUSCHINA
Dein Hans hat dich verkauft!

KECAL
Hier steht es schwarz auf weiss:
Dreihundert Gulden kriegt er,
und dann macht er sich davon.

MARIE
O schändliche Betrügerei!
O falsche Männerherzen,
Falsch jedes Wort, das er mir schwor!
Mir klingt's noch im Ohr:
bin dein, auf ewig dein.

KRUSCHINA
Nun beruh'ge dich, mein Kind
vergiss den Lumpenkerl!
Du siehst ja selbst,
wie der Bursche dich betrogen hat.

KECAL
Nun unterschreib schon, Mädel,
und auch Wenzel. Nanu?

LUDMILA
Wo steckt er denn, der Wenzel?
Wo treibt er sich herum?

MARIE
Ich unterschreibe niemals!
Den Wenzel nehm ich nicht.
Viel lieber bleibe ich allein,
ich habe Treu gelobt, ich habe Treu gelobt!

ALLE ANDEREN
Mein Kind, sieh doch endlich ein,
du nimmst den Wenzel, es muss so sein.

KECAL
He, Wenzel, he, Wenzelchen!
Komm mal her, mein Wenzelchen!


FÜNFTE SZENE
Wenzel, die Vorigen

WENZEL
Wa-wa-was wollt ihr denn schon wieder?
erblickt Marie
Die da, die da-da-da war es!

ALLE ANDEREN
ausser Marie
Was denn, was denn, die Marie?

WENZEL
Ja-ja-ja-ja-ja-ja, di-die da war es!

ALLE ANDEREN
ausser Marie
Und die hat dich so erschreckt?

WENZEL
Die, die hat mir anvertraut,
dass sie ha-ha-heiss mich liebt,
wenn ich sie nehm als meine Braut.

ALLE ANDEREN
ausser Marie
Na, sieh doch, die ist es,
Marie ist deine Braut!
Marie steht j a vor dir,
sie ist ja deine Braut.

WENZEL
Die, die ist mir schon recht.
ab

KECAL
zu Marie
Nun ohne viel Prozesse
und weitere Exzesse,
jetzt unterschreibt Ihr hier.

MARIE
weint
Nur ein kleines Weilchen!
Ach, was tu ich bloss!

Sextett

LUDMILA, HATA, KRUSCHINA, KECAL
Überleg dir's, Marie, bedenk es dir!
Denk dran, jetzt entscheidet sich dein Glück.
Ob du ja sagst, ob du nein sagst,
es gibt kein Zurück.
Weit liegt der Weg vor dir,
das Leben lockt.
O tu nichts aus purem Trotz,
sei nicht verstockt.
Überleg dir's, Mariel bedenk es gut!
Ob du ja sagst, ob du nein sagst,
denk nur an dein Glück.

MARIE
Ja, ich denke dran!
Ja, ich überleg es mir,
denke an mein Glück.

Alle bis auf Marie ab


SECHSTE SZENE
Marie allein

MARIE
O tut das weh!
Mein Herz ist voller Trauer!
Nein, nein, ich kanns noch nicht glauben,
Hat er's auch unterschrieben!
Wer weiss denn, wie es dazu kam?
Erst will ich ihn noch fragen.
Wer hilft mir denn in meiner Qual,
dass ich weiss, was hier Wahrheit ist, was nicht!
Mein Liebestraum, wie war er schön!
Wie träumte ich ihn gerne.
Hell leuchtete die Sonne uns
und alle lieben Sterne.
Wie herrlich war die Liebeszeit,
als wir uns beide fanden.
Da kam ein jäher Sturm ins Land,
und alle Träume schwanden.
Nein, nein, unmöglich solcher Trug!
Nein, nein, nein, nein, nein,
gar zu grausam wäre der Betrug!
Wär solche Falschheit möglich,
die Erde selber müsste mit mir weinen
in stillem Schmerz,
ja, weinen in stillem Schmerz.
Mein Liebestraum, wie schön er war!
Hell leuchtete die Sonne uns
und alle lieben Sterne.
O holder Traum! Wie warst du schön!


SIEBENTE SZENE
Marie, Hans

HANS
eilt herein
Marie, mein Schatz, mein lieber Schatz!
Wie gut, dass ich dich finde!
Nun sag, steht unsre Sache gut?
Wie hast du dich entschieden?

MARIE
Geh weg! Dass du noch fragen kannst!
Fort, du Betrüger, du Schuft!
Wie hast du selber dich erniedrigt,
um paar Gulden, du Judas!
Sag, ob es wahr ist oder nicht!
Also, ist's wahr? Ja oder nein?

HANS
Nur Ruhe, ich erklär es dir.

MARIE
Hier gibt es nichts als ja und nein.
Sprich, hast du unterschrieben?

HANS
Nun, also: ja doch, ja doch, ja doch.

MARIE
Dann also geh!
Für immer geh
und lass dich nicht mehr sehen!
Sie weint

HANS
Wie gerne würde ich doch jetzt
die schönen Wangen küssen!

MARIE
Mit uns ist's aus für alle Zeit.
Und ich nehme Jetzt den Wenzel!

HANS
Ha-ha-ha, ach das ist wirklich,
ha-ha-ha, das ist wirklich zu komisch.

MARIE
So? Nach der Schande noch den Spott?

HANS
Hab ich nicht Grund zum Lachen?
Doch hör mal, ich erklär dir's jetzt.

MARIE
Nein, spar dir deine Worte!

HANS
Ein Dickkopf bist du, liebes Kind,
du willst mich nicht verstehen
Wie könnt ich dir denn ins Gesicht
so frei und offen sehen!
Ein Dickkopf bist du, liebes Kind,
du willst mich nicht verstehen.

MARIE
Ein falscher Kerl, ein Schuft bist du,
ich will von dir nichts hören!
Ich gehe dir nicht auf den Leim!
Ich lass mich nicht betören!
Ein falscher Kerl, ein Schuft bist du,
ich will von dir nichts hören!
Die Falschheit steht dir im Gesicht!
Ich will dich nicht mehr sehen!
Ein falscher Kerl, ein Schuft bist du,
ich will von dir nichts hören,
will nichts hören, will nichts hören,
will nichts hören!

HANS
Ein Dickkopf bist du, liebes Kind,
willst nicht die Wahrheit hören!


ACHTE SZENE
Marie, Hans, Kecal

Rezitativ

KECAL
eilt herein
Sieh da! He, Freundchen, du kannst's wohl nicht erwarten? Nun, nur ein Weilchen noch Geduld, wenn der Vertrag unterschrieben ist, kriegst du gleich die schönen Gulden.

MARIE
Ah, wie schändlich ist das!

KECAL
Nun, Marie? Nimmst du nun endlich dir Michas Sohn zum Mann?

HANS
Na, das ist doch klar, dass sie ihn nimmt! Denn kein anderer als er soll sie bekommen, so ist's ausgemacht'!

KECAL
Ja, so ist's recht! Das nenn ich vernünftig.

MARIE
Du unverschämter Kerl! Nein, nein, ich nehm ihn nicht, dir zum Trotze nicht, und müsst ich auch dafür sterben.

HANS
zu Kecal
Sagt, was zahlt Ihr, wenn ich sie beweg, dass sie den Sohn des Micha doch noch nimmt?

MARIE
O Gottl Selber rätst du mir, dass ich Wenzel nehme? Nein, das ist doch der Gipfel! Nein, so was hat die Welt noch nicht gesehn!
Sie weint

Terzett

HANS
Sei ruhig, sei ruhig, hab zu mir Vertraun!
Sei ruhig, auf mich, Marie, kannst du baun!
Weisst ja nicht, welch grosses Glück
dich am Ende erwarten wird!
Er liebt dich, des Micha Sohn,
er liebt dich ja,
wie keiner sonst auf Erden!
Und glaub mir, diese Heirat,
nur Segen bringt sie dir und Glück.
Sei ruhig, hab zu mir Vertraun!
Sei ruhig, auf mich, Marie, kannst du baun!

MARIE
O Himmel, o Himmel,
deine Worte, ach sie töten mich noch!

KECAL
Nie hörte ich was Klügeres,
der junge Mann hat vollkommen recht.
Jetzt hole ich die Alten her,
dazu die andern Zeugen,
es wird nun endlich Schluss gemacht,
dann kann die Hochzeit steigen.

MARIE
Ja, holt nur meine Eltern her,
dazu die andern Zeugen.
Ich habe jetzt die Sache satt,
ich gebe meine Unterschrift,
dann kann die Hochzeit steigen.

HANS
Ja, holt nur schnell die Eltern her,
dazu die andern Zeugen.
Du gibst jetzt deine Unterschrift,
beendest dieses Possenspiel,
die Hochzeit kann dann steigen.

MARIE
Ja, holt sie nur alle her!

HANS
Allesamt holt sie her!

KECAL
Jetzt wird endlich, jetzt wird endlich Ruhe.
ab

HANS
Ja, bist du denn noch immer blind?

MARIE
Fort, was suchst du noch hier?
Hans tritt beiseite


NEUNTE SZENE
Marie, Ludmila, Hata, Hans, Kruschina, Micha, Kecal, Chor

CHOR
Sag uns, wie hast du entschieden, Marie?
Sprich, sprich, hast du gewählt?
Siehst ja, wie sehr uns die Neugier quält!
Sag uns, wie hast du entschieden, Marie?
Sprich, sprich, hast du dir's gut überlegt?
So sag's doch schon!

MARIE
für sich
Ich räche mich! Jetzt tu ich's doch!
Er soll die Falschheit büssen.
Mein Lieber, willst du mich treffen,
dann musst du besser schiessen!
zu den Übrigen
Ja, so geschieht's, wie ihr's verlangt.

CHOR
Marie, so ist's richtig.
Viel Glück, wie gratulieren dir!
Die Hochzeit steht nun vor der Tür!

HANS
vortretend
Ja, bald wird nun die Hochzeit sein.
Dann soll'n sich alle mit dem jungen Brautpaar freu'n.

HATA, MICHA
verblüfft
Der Hans hier! Wo kommst du denn her?

HANS
Nun, Vater, in der Fremde
hab ich mich ein wenig umgetan!
Es ist schon lange an der Zeit,
zu sehn, was ihr zu Hause treibt.

KECAL
Ich glaube fast, ich hör nicht recht!
Der hergelaufne Pferdeknecht,
der Kerl da wäre Michas Sohn?
Es hiess doch, er sei längst Soldat!

HANS
Ja, ich bin Vater Michas erstgeborner Sohn.
Bin kein Soldat, doch hab ich mich
im Lebenskampf in mannigfacher List geübt.

HATA
Ein Vagabund war der von je!
Wer hat dich hergerufen?

HANS
Ich weiss leider nur zu gut,
dass Ihr mich hier nicht gerne seht.
Ich änder's nicht, mich stört's auch nicht.
Wenn ich nur endlich Recht bekomm,
mein Mädel krieg als Michas Sohn!

HATA
Dein Recht ist Schwindel und.Betrug!

HANS
Kein Schwindel, es war eine List,
und schwarz auf weiss bestätigt.
Zwei Söhne gibt's, zwei Söhne Michas.
Welcher Marie nun bekommt, sie allein soll entscheiden!

MARIE
freudig
Ach, jetzt erst versteh ich alles,
mein lieber Hans! Bin dein, bin dein!

KECAL
Verdammter Fuchs, verlogner Kerl!
Jetzt ist das Spiel verloren!
Wer hätte das von ihm gedacht,
dass er mich so zum Narren macht!
Ich bin blamiert bis an die Ohren!

MICHA
zu Kecal
Mir scheint, mein Lieber, Eure Weisheit liess Euch im Stich!

HATA
Dass ich's nur sage: sehr enttäuscht bin ich,
von Eurer Schlauheit!

MARIE, HANS
Mir scheint, Herr Kecal
die vielgerühmte Schlauheit
liess Euch heut im Stiche!

CHOR
Hahahaha,
mir scheint, die vielgerühmte Schlauheit
liess Euch heut im Stiche!

KECAL
Wo ist mein Anseh'n und meine Ehre!
Ich bin blamiert!
ab

HANS, MARIE
ALLE ÜBRIGEN

Wo blieb den heute Eure vielgerühmte Schlauheit?
Heute habt Ihr Euch ganz schön blamiert!
Mein lieber Freund, das habt Ihr wirklich gut gemacht!


ZEHNTE SZENE
Die Vorigen, Wenzel, Buben

Geschrei hinter der Bühne, Buben rennen über die Szene

EIN BUB
Rettet euch, der Bär ist los!

ZWEITER BUB
Der Bär, der Bär ist hinter uns her!

Rezitativ

WENZEL
in der Bärenhaut, die er sogleich herunterreisst
Ha-habt keine Angst! Ich bin kein Bär, ich bi-bibin der Wenzel!

Alle lachen

HATA
Du Dummkopf, was hast du getan? 0 diese Schande!
Seher dich fort, du Blödian, und zieh diesen Plunder aus.
Ab mit Wenzel

KRUSCHINA
zu Micha
Nun, Gevatter Micha, jetzt erkennnt Ihr doch selber, dass mit dem Wenzel nichts los ist. Der taugt doch nicht zur Heirat!

Finale

Marie, Ludmila, Hans, Micha, Kruschina und Chor

RUSCHINA
Bedenkt, Gevatter,
Hans ist Euer Sohn, von Eurem Blute!

LUDMILA
Gott sollt Ihr danken,
er hat Euch den Hans zurückgegeben.
So reicht ihm väterlich die Hand,
versöhnt Euch mit ihm!

MICHA
Nun, meinetwegen. Hans, komm her!
So nehmt denn meinen Segen.

MARIE, HANS
Ja, Ihr dürft uns gratulieren!
Möge uns die Liebe führen!
Aller Wirrwarr ist vorbei,
fröhlich unsre Hochzeit sei!

ALLE ANDEREN
So ist's recht! Wir gratulieren!
Möge euch die Liebe führen!
Aller Wirrwarr ist vorbei,
fröhlich eure (unsre) Hochzeit sei!

ALLE
Hoch leb die verkaufte Braut,
sie lebe hoch!

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Partitur

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Klavierauszug

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