Die Entführung aus dem Serail

Die Entführung aus dem Serail

Libretto

Johann Gottlieb Stephanie der Jüngere
nach einem Libretto von Christoph Friedrich Bretzner

Uraufführung

16. Juli 1782, Wien (Burgtheater)

Besetzung

SELIM, Bassa (Sprechrolle)
KONSTANZE, Geliebte des Belmonte (Sopran)
BLONDE, ihre Zofe (Sopran)
BELMONTE (Tenor)
PEDRILLO, Diener des Belmonte und Aufseher über die Gärten des Bassa (Tenor)
OSMIN, Aufseher über das Landhaus des Bassa (Bass)
KLAAS, ein Schiffer (Sprechrolle)
EIN STUMMER

CHOR
Janitscharen, Gefolge des Bassa, Wache

Ort

Zeit

Mitte des 16. Jahrhunderts

Mozart, Wolfgang Amadeus

Mozart, (Johann Chrysostomus) Wolfgang (Theophilus [Gottlieb]) Amadeus
27.1.1756 Salzburg - 5.12.1791 Wien


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Apollo et Hyacinthus (13.5.1767 Salzburg)
La finta semplice (1.5.1769 Salzburg)
Bastien und Bastienne (?9/10.1768 Wien)
Mitridate, rè di Ponto (26.12.1770 Milano)
Ascanio in Alba (17.10.1771 Milano)
Il sogno di Scipione (?1.5.1772 Salzburg)
Lucio Silla (26.12.1772 Milano)
La finta giardiniera (13.1.1775 München)
Il rè pastore (23.4.1775 Salzburg)
Semiramis (?11.1778 Mannheim) [?] [lost]
Zaide (1779 inc; 27.1.1866 Frankfurt)
Idomeneo, rè di Creta (29.1.1781 München)
Die Entführung aus dem Serail (16.7.1782 Wien)
L'oca del Cairo (1784 inc; 4.1860 Frankfurt)
Lo sposo deluso (1784 inc)
Der Schauspieldirektor (7.2.1786 Wien)
Le nozze di Figaro (1.5.1786 Wien)
Il dissoluto punito, ossia Il Don Giovanni (29.10.1787 Praha)
Così fan tutte, ossia La scuola degli amanti (26.1.1790 Wien)
Die Zauberflöte (30.9.1791 Wien)
La clemenza di Tito (6.9.1791 Praha)
inc = Fragment / lost = verschollen



ERSTER AKT
Der vornehme Spanier Belmonte hat erfahren, dass seine Braut Konstanze mit ihrer Zofe Blondchen und dem Diener Pedrillo von Seeräubern gefangengenommen sind und in dem Palast von Selim Bassa leben, der alle gekauft hat. Der Bassa liebt Konstanze und will sie zu seiner Favoritin erheben; Pedrillo arbeitet in den Gärten.
Belmonte kommt zu dem Landgut und sucht nach einer Gelegenheit, seine Braut Konstanze zu treffen (--> Hier soll ich dich denn sehen). Als Osmin, ein Lied auf den Lippen (--> Wer ein Liebchen hat gefunden), aus dem Palast kommt, um im Garten Feigen zu pflücken, versucht Belmonte, ihn auszuhorchen. Osmin, der Pedrillo nicht leiden kann, gibt nur mürrisch Auskunft, wird misstrauisch und schickt den Fremden wieder fort. Da erscheint Pedrillo. Osmin giesst über ihn seine ganze Galle aus (--> Solche hergelaufne Laffen). Belmonte hatte sich unterdessen versteckt und kann, nachdem Osmin in den Palast gegangen ist, mit Pedrillo sprechen. Dieser bestätigt, dass Konstanze und Blondchen gefangengehalten werden. Die Wiederbegegnung mit Konstanze erwartet Belmonte voll freudiger Erregung (--> O wie ängstlich, o wie feurig!). Selim, der sich immer wieder bemüht, Konstanze zu einer Heirat zu bewegen, erklärt ihr, dass er genug gewartet habe und ihr noch einen Tag Bedenkzeit gebe. Konstanze rechtfertigt ihr Zögern mit der Erinnerung an Belmonte (--> Ach, ich liebte, war so glücklich). Als Konstanze sich entfernt hat, stellt Pedrillo dem Bassa seinen Herrn als Baumeister vor, so dass dieser trotz Osmins Protest (--> Marsch! Trollt euch fort!) im Palast bleiben darf.

ZWEITER AKT
Blondchen weist den um sie werbenden Osmin entschieden ab und erteilt ihm eine Lektion im Umgang mit einer freien Engländerin (--> Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln). Brummend trollt sich der Alte davon (--> Ich gehe, doch rate ich dir). Kummervoll naht Konstanze, vor der Aussprache mit dem Bassa bangend (--> Traurigkeit ward mir zum Lose). Der Bassa erinnert sie an die gegebene Frist, doch Konstanze will lieber Folter erdulden, als Belmonte untreu werden (--> Martern aller Arten). Pedrillo trifft Blondchen und erzählt ihr, dass sein Herr mit ihm einen Fluchtplan entworfen hat. Blondchen bricht in hellen Jubel aus (--> Welche Wonne, welche Lust). Es gelte, Osmin betrunken zu machen, aber dazu muss sich Pedrillo zunächst selbt Mut zusprechen (--> Frisch zum Kampfe!). Pedrillos Plan gelingt leicht (--> Vivat Bacchus, Bacchus lebe!). Der Türke schläft ein, Konstanze und Belmonte fallen sich in die Arme (--> Wenn der Freude Tränen fliessen) und nach einer kurzen Aussprache (--> Ach Belmonte! Ach mein Leben!) beschliessen beide Liebespaare, um Mitternacht zu fliehen .

DRITTER AKT
Pedrillo und der Schiffer Klaas bereiten die Flucht vor, während Belmonte in ungeduldiger Erwartung verharrt (--> Ich baue ganz auf deine Stärke). Nachdem Pedrillo den beiden Frauen um Mitternacht mit einem Ständchen (--> Im Mohrenland gefangen war) das verabredete Zeichen gegeben hat, versucht man, zu dem am Ufer wartenden Schiff zu gelangen. Osmin ist inzwischen wieder erwacht, hat die Wache alarmiert und die Flüchtigen eingefangen (--> Oh, wie will ich triumphieren). Sie werden vor den Bassa geführt. Belmonte fleht um Gnade und erwähnt seinen Namen. Es stellt sich heraus, dass er der Sohn des grössten Feindes des Bassa ist. Alles scheint verloren, Konstanze und Belmonte erwarten den Tod (--> Meinetwegen sollst du sterben!). Doch der Bassa verschmäht es, Böses mit Bösem zu vergelten und lässt grossmütig die Gefangenen frei, die ihm für seine Huld danken (--> Nie werd' ich deine Huld verkennen).

The Escape from the Harem
ACT I
Pedrillo, Constanze and her servant Blonde are being held captive by Pasha Selim. Belmonte, Pedrillo's master and Constanze's long-lost lover, comes looking for her.
In the palace garden he meets Osmin, one of the pasha's stewards, who initially refuses to talk to him, but then flies into a rage when mention is made of Pedrillo's name.
Osmin leaves, and Belmonte and Pedrillo meet. Pedrillo plots to introduce his master to the pasha as an architect.
The pasha arrives with great ceremony, accompanied by Constanze, whom he begs in vain to give him her love.
Pedrillo introduces Belmonte to the pasha.

ACT II
Osmin tries to woo Blonde (who is in love with Pedrillo), but as "a free-born Englishwoman" she demands her right to choose.
Constanze is resigned to death, rather than betray her love for Belmonte.
Pedrillo informs Blonde of his escape plan and removes Osmin from the equation by getting him drunk. The four lovers are reunited.

ACT III
Osmin foils the escape attempt and drags the thwarted fugitives before the pasha.
lt transpires that Belmonte is the son of the man who forced the pasha into exile. But rather than revenge himself against the young man, the pasha shows magnanimity and allows all four their freedom.
L'Enlèvement au sérail
ACTE I
Constance [Konstanze] (soprano) est retenue au sérail de Selim (rôle parlé) qui la respecte. Son fiancé, Belmonte (ténor), débarque sur ce rivage étranger pour tenter de la revoir (Hier soll ich dich denn sehen), mais Osmin (basse), le gardien du sérail, veille en fredonnant (Wer ein Liebchen), et saura déjouer les ruses de Pédrille (ténor), le valet de Belmonte, qui est déjà sur place, ayant été capturé par les infidèles en même temps que Constance. Belmonte soupire à nouveau (Konstanze... O wie ängstlich). Constance révèle à Selim son amour pour un autre (Ach, ich liebte), cependant que Pédrille présente à Selim Belmonte comme un architecte.

ACTE II
Blondine [Blondchen] (soprano), la servante anglaise de Constance, aime Pédrille, mais elle est courtisée par Osmin, qu'elle raille (Durch Zärtlichkeit). Constance s'oppose cette fois à Selim, affirmant sa tristesse (Traurigkeit ward mir zum Lose), puis sa volonté de braver toutes les tortures (Martern aller Arten).
Blondine se réjouit du projet d'enlèvement (Welche Wonne) fomenté avec courage par Pédrille (Frisch zum Kampfe) qui enivre Osmin (Vivat Bacchus). Belmonte soupire toujours (Wenn der Freude Tränen fliessen).

ACTE III
Tout est prêt. Belmonte s'enflamme à nouveau (Ich baue ganz) et Pédrille donne le signal en chantonnant (Im Mohrenland); mais Osmin, dégrisé, surprend les fuyards et se réjouit comiquement des supplices qui les attendent (Ha, wie will ich triumphieren).
Les deux amants sont prêts à mourir (Welch ein Geschick!), mais Selim, jadis vaincu et dépouillé par le père de Belmonte, fera preuve de magnanimité en pardonnant au fils, et en libérant tous les captifs.
ATTO PRIMO
Il nobile spagnolo Belmonte ha scoperto, dopo molte ricerche, che l’amata Konstanze è prigioniera nell’harem del pascià Selim. Il giovane, che ne aveva perso le tracce da quando la ragazza era stata rapita insieme alla cameriera Blonde e al servitore Pedrillo, attende con impazienza il momento di rivedere la fidanzata (“Hier soll ich dich denn sehen”). Mentre s’interroga sul modo in cui penetrare nel palazzo, incontra il guardiano turco Osmin, intento a cogliere fichi da una pianta. Belmonte cerca invano di interrogarlo ma, per tutta risposta, viene scacciato in malo modo (“Wer ein Liebchen hat gefunden”). Partito Belmonte, sopraggiunge Pedrillo, cui Osmin trova il tempo di manifestare tutto l’odio che nutre per lui (“Solche hergelauf’ne Laffen”). La partenza del guardiano permette al servitore, ora impiegato in qualità di giardiniere presso il pascià, di incontrare Belmonte, suo antico padrone. Pedrillo lo aggiorna sull’accaduto: la notizia più preoccupante è che Konstanze è diventata «l’amante favorita» del pascià; ma per fortuna quest’ultimo è un uomo estremamente gentile, non uso a costringere le donne ad amarlo. Per mettere in atto il piano di fuga che Belmonte ha in mente (ha già predisposto una nave), Pedrillo consiglia al suo padrone di presentarsi al pascià in veste di architetto; impaziente, Belmonte anela a rivedere l’amata (recitativo “Konstanze, dich wiederzusehen – dich” e aria “O wie ängstlich, o wie feurig”). In quel mentre giungono su una barca il pascià e Konstanze, accompagnati dal loro seguito (marcia e coro di giannizzeri “Singt dem großen Bassa Lieder”); mentre Belmonte si nasconde, Konstanze rievoca di fronte al pascià la figura dell’amato, lamentando la sua nuova condizione (“Ach, ich liebte, war so glücklich”). Il pascià insiste nell’esigere dalla ragazza una decisione in suo favore, ma ella gli chiede una dilazione di un giorno, per riflettere sulla terribile questione, e si congeda. Allora Pedrillo presenta Belmonte al pascià, che accetta di metterne alla prova l’abilità di architetto; mentre i due amici stanno per introdursi nel palazzo, Osmin cerca invano di opporsi alla sgradita presenza di questi intrusi (terzetto “Marsch, marsch, marsch! trollt euch fort”).

ATTO SECONDO
Nel giardino del palazzo, la cameriera Blonde lamenta il rozzo corteggiamento dei turchi, ai quali si sente in grado di dettare alcune norme di galateo amoroso (“Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln”). Davanti alle proteste di Osmin, Blonde si dichiara inglese e perciò «nata per la libertà»; il turco, geloso, le consiglia di evitare Pedrillo, ma la ragazza lo affronta con minacciosa determinazione, provocando la rapida fuga dell’uomo (duetto “Ich gehe, doch rate ich dir”). Sopraggiunge Konstanze, oppressa senza tregua dall’angoscia per la perdita dell’amato (recitativo “Welcher Wechsel herrscht in meiner Seele” e aria “Traurigkeit ward mir zum Lose”); mentre Blonde cerca invano di consolarla, il pascià torna alla carica con le sue pressanti profferte amorose. All’ennesimo diniego della donna, il tiranno minaccia i supplizi più atroci. La risposta di Konstanze è sprezzante: sopporterà senza batter ciglio ogni tortura; se il pascià non vorrà desistere dai suoi intenti persecutori, allora sarà la morte una gradita liberazione (“Martern aller Arten”). Mentre il pascià medita sullo straordinario coraggio della donna, Blonde incontra Pedrillo, che la aggiorna sull’arrivo di Belmonte e le annuncia che la fuga è stata predisposta per quella notte stessa, quando Osmin verrà addormentato da Blonde con un sonnifero. La ragazza gioisce per le inaspettate buone notizie e si avvia a comunicarle all’infelice Konstanze (“Welche Wonne, welche Lust”); Pedrillo, intanto, dapprima si prepara al rischioso evento (“Frisch zum Kampfe! Frisch zum Streite!”), quindi riesce con molta arte a convincere Osmin a bere il vino drogato, infrangendo il divieto islamico al riguardo (duetto “Vivat Bacchus! Bacchus lebe!”). Mentre Osmin, barcollante e assonnato, esce di scena, giunge Belmonte per mettere in atto il piano di fuga: finalmente i due amanti, commossi, si possono ricongiungere (“Wenn der Freude Tränen fließen”); fugati i dubbi dei due uomini sulla fedeltà delle loro amate, entrambe le coppie si preparano alla fuga (quartetto “Ach Belmonte, ach mein Leben”).

ATTO TERZO
Pedrillo sta ultimando, nella piazza antistante il palazzo del pascià, i preparativi per la fuga; per simulare la più completa normalità, invita Belmonte a cantare, come Pedrillo stesso è solito fare tutte le sere: nella sua canzone Belmonte invoca il potere invincibile dell’amore (“Ich baue ganz auf deine Stärke”). Con una serenata ‘autobiografica’, accompagnandosi al mandolino, Pedrillo dà il segnale convenuto alle ragazze, che si trovano nelle loro stanze (“In Mohrenland gefangen war”). Quando Konstanze si affaccia, i due uomini appoggiano una scala al muro, e Belmonte può così introdursi nel suo appartamento attraverso la finestra; mentre la coppia, uscita dal palazzo, si dirige verso la nave, Pedrillo entra a sua volta nella camera di Blonde. In quel mentre, però, esce Osmin, che si accorge della scala: Pedrillo e Blonde vengono così catturati da una guardia; anche l’altra coppia è stata intanto catturata e Osmin, fuori di sé dalla gioia per l’imminente fine dei seccatori, ordina che siano condotti tutti davanti al pascià (“O, wie will ich triumphieren”). Nel dichiarare la propria identità, Belmonte rivela di essere figlio del comandante di Orano, il «peggior nemico» del pascià, colui che ne ha annientato ogni gioia; di fronte a questa terribile sorpresa, Konstanze e Belmonte si preparano alla morte atroce che certo sta per toccare loro, piangendo ciascuno per l’amato, ma felici che un unico destino li accomuni (recitativo “Welch ein Geschick, o Qual der Seele” e duetto “Meinetwegen sollst du sterben”). Mentre anche Pedrillo e Blonde fanno i conti con la loro sorte, il pascià sorprende tutti con una sentenza inattesa: decide di liberare i prigionieri, perché testimonino al padre di Belmonte che «è un piacere ben superiore ricambiare con opere di bene un’ingiustizia subita, piuttosto che rendere male per male». Nonostante le proteste di Osmin, anche Blonde e Pedrillo vengono rilasciati, nel tripudio generale – Osmin a parte (vaudeville “Nie werd’ich deine Huld verkennen” e coro di giannizzeri “Bassa Selim lebe lange”).


ERSTER AUFZUG

Ouvertüre

Platz vor dem Palast des Bassa am Ufer des Meers.

ERSTER AUFTRITT
Belmonte allein.

Nr. 1 - Arie

BELMONTE
Hier soll ich dich dann sehen,
Konstanze! dich mein Glück!
Lass Himmel es geschehen!
Gieb mir die Ruh zurück!
Ich duldete der Leiden
O Liebe! allzuviel!
Schenk mir dafür nun Freuden
Und bringe mich ans Ziel.

Aber wie soll ich in den Palast kommen? - wie sie sehen? - wie sprechen?


ZWEITER AUFTRITT
Belmonte, Osmin mit einer Leiter, welche er an einen Baum vor der Thüre des Palasts lehnt, hinauf steigt und Feigen abnimmt.

Nr. 2 - Lied und Duett

OSMIN
Wer ein Liebchen hat gefunden,
Die es treu und redlich meynt,
Lohn' es ihr durch tausend Küsse,
Mach' ihr all das Leben süsse,
Sey ihr Tröster, sey ihr Freund.
Trallalera, trallalera!

BELMONTE
Vielleicht dass ich durch diesen Alten etwas erfahre. - He, Freund! Ist das nicht das Landhaus des Bassa Selim?

OSMIN
singt wie zuvor, während der Arbeit
Doch sie treu sich zu erhalten,
Schliess' er Liebchen sorglich ein:
Denn die losen Dinger haschen
Jeden Schmetterling, und naschen
Gar zu gern von fremdem Wein.
Trallalera, trallalera!

BELMONTE
He, Alter, he! hört ihr nicht? - Ist hier des Bassa Selim Palast?

OSMIN
sieht ihn an, dreht sich herum, und singt wie zuvor
Sonderlich bey'm Mondenscheine,
Freunde, nehmt sie wohl in Acht!
Oft lauscht da ein junges Herrchen,
Kirrt und lockt das kleine Närrchen,
Und dann, Treue, gute Nacht!
Trallalera, trallalera!

BELMONTE
Verwünscht seyst du samt deinem Liede!
Ich bin dein Singen nun schon müde;
So hör' doch nur ein einzig Wort!

OSMIN
Was Henker lasst ihr euch gelüsten,
Euch zu ereifern, euch zu brüsten?
Was wollt ihr? hurtig! ich muss fort.

BELMONTE
Ist das des Bassa Selims Haus?

OSMIN
Das ist des Bassa Selims Haus.
will fort

BELMONTE.
So wartet doch - -

OSMIN.
Ich kann nicht weilen.

BELMONTE.
Ein Wort ...

OSMIN.
Geschwind! denn ich muss eilen.

BELMONTE
Seyd ihr in seinen Diensten, Freund?

OSMIN
Ich bin in seinen Diensten, Freund.

BELMONTE
Wie kann ich den Pedrill wohl sprechen,
Der hier in seinen Diensten steht?

OSMIN
Den Schurken? der den Hals soll brechen?
Seht selber zu; wenns anders geht.
will fort

BELMONTE
für sich
Was für ein alter grober Bengel!

OSMIN
ihn betrachtend, auch für sich
Das ist just so ein Galgenschwengel.

BELMONTE
zu ihm
Ihr irrt, es ist ein braver Mann.

OSMIN
So brav, dass man ihn spiessen kann.

BELMONTE
Ihr müsst ihn wahrlich nicht recht kennen.

OSMIN
Recht gut. Ich liess' ihn heut verbrennen.

BELMONTE
Es ist fürwahr ein guter Tropf!

OSMIN
Auf einen Pfahl gehört sein Kopf!

will fort

BELMONTE
So bleibet doch!

OSMIN
Was wollt ihr noch.

BELMONTE
Ich möchte gerne ...

OSMIN
bitter höhnisch
So hübsch von ferne
Ums Haus' rum schleichen,
Und Mädchen stehlen?
Fort, eures gleichen
Braucht man hier nicht.

BELMONTE
Ihr seyd besessen!
Sprecht voller Galle
Mir so vermessen
Ins Angesicht!

OSMIN
Nur nicht in Eifer!

BELMONTE
Schont euren Geifer.

OSMIN
Ich kenn' euch schon.

BELMONTE
Lasst euer Drohn.

OSMIN
Scheert euch zum Teufel -

BELMONTE
Es bleibt kein Zweifel -

zusammen

OSMIN
Ihr kriegt, ich schwöre
Sonst ohne Gnade
Die Bastonade:
Noch habt ihr Zeit.

stösst ihn fort

BELMONTE
Ihr seyd von Sinnen!
Welch ein Betragen
Auf meine Fragen!
Seyd doch gescheid.

ab


DRITTER AUFTRITT
Osmin, hernach Pedrillo.

OSMIN
allein
Könnt' ich mir doch noch so einen Schurken auf die Nase setzen, wie den Pedrillo; so einen Gaudieb, der Tag und Nacht nichts thut, als nach meinen Weibern herum zu schleichen, und zu schnobern, ob's nichts für seinen Schnabel setzt. Aber ich laure ihm sicher auf den Dienst, und wohl bekomm' dir die Prügelsuppe, wenn ich dich einmal beym Kanthaken kriege! - Hätt' er sich nur beym Bassa nicht so eingeschmeichelt, er sollte den Strick längst um den Hals haben.

PEDRILLO
Nun, wie stehts, Osmin? Ist der Bassa noch nicht zurück?

OSMIN
Sieh darnach, wenn du's wissen willst.

PEDRILLO
Schon wieder Sturm im Kalender? - hast du das Gericht Feigen für mich gepflückt?

OSMIN
Gift für dich, verwünschter Schmarotzer!

PEDRILLO
Was in aller Welt ich dir nun gethan haben muss, dass du beständig mit mir zankst. Lass uns doch einmal Friede machen.

OSMIN
Friede mit dir? mit so einem schleichenden spitzbübischen Passauf, der nur spionirt, wie er mir eins versetzen kann? Erdrosseln möcht' ich dich! -

PEDRILLO
Aber sag nur, warum? warum?

OSMIN
Warum? - weil ich dich nicht leiden kann.

Nr. 3 - Arie

OSMIN
Solche hergelaufne Laffen
Die nur nach den Weibern gaffen,
Mag ich vor den Teufel nicht.
Denn ihr ganzes Thun und Lassen
Ist, uns auf den Dienst zu passen,
Doch mich trügt kein solch Gesicht.
Eure Tücken, eure Ränke,
Eure Finten, eure Schwänke,
Sind mir ganz bekannt.
Mich zu hintergehen,
Müsst ihr früh aufstehen,
Ich hab' auch Verstand.
Drum, beym Barte des Propheten!
Ich studiere Tag und Nacht,
Ruh nicht, bis ich dich sch' tödten,
Nimm dich, wie du willst, in acht.

PEDRILLO
Was bist du für ein grausamer Kerl, und ich hab dir nichts gethan.

OSMIN
Du hast ein Galgengesicht, das ist genug.

Erst geköpft,
Dann gehangen,
Dann gespiesst
Auf heisse Stangen,
Dann verbrannt,
Dann gebunden
Und getaucht;
Zuletzt geschunden.

geht ins Haus


VIERTER AUFTRITT
Pedrillo, hernach Belmonte.

PEDRILLO
allein
Geh nur, verwünschter Aufpasser; es ist noch nicht aller Tage Abend. Wer weiss, wer den Andern überlistet; und dir misstrauischem gehässigem Menschenfeinde eine Grube zu graben, sollte ein wahres Fest für mich seyn.

BELMONTE
Pedrillo, guter Pedrillo!

PEDRILLO
Ach mein bester Herr! Ist's möglich? Sind Sie's wirklich? Bravo, Madam Fortuna, bravo! das heisst doch Wort gehalten! Schon verzweifelte ich, ob einer meiner Briefe Sie getroffen hätte.

BELMONTE
Sag, guter Pedrillo, lebt meine Konstanze noch?

PEDRILLO
Lebt, und noch hoff' ich für Sie. Seit dem schrecklichen Tage, an welchem das Glück uns einen so hässlichen Streich spielte, und unser Schiff von den Seeräubern erobern liess, haben wir mancherley Drangsal erfahren. Glücklicher Weise traf sichs noch, dass der Bassa Selim uns alle drey kaufte: Ihre Konstanze nämlich, meine Blonde, und mich. Er liess uns sogleich hier auf sein Landhaus bringen. Donna Konstanze ward seine auserwählte Geliebte. -

BELMONTE
Ah! was sagst du?

PEDRILLO
Nu, nur nicht so hitzig! Sie ist noch nicht in die schlimmsten Hände gefallen. Der Bassa ist ein Renegat, und hat noch so viel Delikatesse, keine seiner Weiber zu seiner Liebe zu zwingen; und so viel ich weis, spielt er noch immer den unerhörten Liebhaber.

BELMONTE
Wär es möglich? Wär Konstanze noch treu?

PEDRILLO
Sicher noch, lieber Herr! Aber wie's mit meinem Blondchen steht, weis der Himmel! das arme Ding schmachtet bey einem alten hässlichen Kerl, dem sie der Bassa geschenkt hat; und vielleicht - ach ich darf gar nicht dran denken! -

BELMONTE
Doch nicht der alte Kerl, der so eben ins Haus gieng?

PEDRILLO
Eben der.

BELMONTE
Und diess ist der Liebling des Bassa?

PEDRILLO
Liebling, Spion, und Ausbund aller Spitzbuben, der mich mit den Augen vergiften möchte, wenns möglich wäre.

BELMONTE
O guter Pedrillo! was sagst du?

PEDRILLO
Nur nicht gleich verzagt! Unter uns gesagt: ich hab' auch einen Stein im Brete beym Bassa. Durch mein bischen Geschick in der Gärtnerey hab' ich seine Gunst weggekriegt, und dadurch hab' ich so ziemlich Freyheit, die tausend Andere nicht haben würden. Da sonst jede Mannsperson sich entfernen muss, wenn eine seiner Weiber in Garten kommt, kann ich bleiben; sie reden so gar mit mir, und er sagt nichts darüber. Freylich mault der alte Osmin, besonders, wenn mein Blondchen ihrer Gebieterinn folgen muss.

BELMONTE
Ists möglich? Du hast sie gesprochen? - O sag, sag! Liebt sie mich noch?

PEDRILLO
Hm! dass Sie daran zweifeln! Ich dächte, Sie kennten die gute Konstanze mehr als zu gut; hätten Proben genug ihrer Liebe. - Doch damit dürfen wir uns gar nicht aufhalten. Hier ist blos die Frage, wie's anzufangen ist, hier weg zu kommen?

BELMONTE
O da hab' ich für alles gesorgt! Ich hab' hier ein Schiff in einiger Entfernung vom Hafen, das uns auf den ersten Wink einnimmt, und -

PEDRILLO
Ah, sachte, sachte! Erst müssen wir die Mädels haben, ehe wir zu Schiffe gehen; und das geht nicht so husch, husch! wie Sie meynen.

BELMONTE
O lieber guter Pedrillo, mach nur, dass ich sie sehen, dass ich sie sprechen kann! Das Herz schlägt mir vor Angst und Freude! -

PEDRILLO
Pfiffig müssen wir das Ding anfangen, und rasch müssen wir's ausführen, damit wir den alten Aufpasser übertölpeln. Bleiben Sie hier in der Nähe. Jetzt wird der Bassa bald von einer Lustfahrt auf dem Wasser zurückkommen. Ich will Sie ihm als einen geschickten Baumeister vorstellen: denn Bauen und Gärtnerey sind seine Steckenpferde. Aber lieber goldner Herr, halten Sie sich in Schranken; Konstanze ist bey ihm -

BELMONTE
Konstanze bey ihm? Was sagst du? Ich soll sie sehen?

PEDRILLO
Gemach, gemach ums Himmels willen, lieber Herr! sonst stolpern wir - Ah ich glaube, dort seh' ich sie schon angefahren kommen. Gehn Sie nur auf die Seite, wenn er kommt; ich will ihm entgegen gehen.
geht ab


FÜNFTER AUFTRITT
Belmonte allein.

Nr. 4 -Arie

BELMONTE
Konstanze! dich wieder zu sehen - -
O wie ängstlich, o wie feurig
Klopft mein liebevolles Herz!
Und des Wiedersehens Zähre
Lohnt der Trennung bangen Schmerz.
Schon zittr' ich und wanke,
Schon zag' ich und schwanke,
Es hebt sich die schwellende Brust:
Ist das ihr Lispeln?
Es wird mir so bange;
War das ihr Seufzen?
Es glüht mir die Wange;
Täuscht mich die Liebe, war es ein Traum?

PEDRILLO
kömmt hurtig gelaufen
Geschwind, geschwind auf die Seite und versteckt! Der Bassa kommt.
Belmonte versteckt sich


SECHSTER AUFTRITT
Der Bassa Selim und Konstanze kommen in einem Lustschiffe angefahren, vor welchem ein anderes Schiff mit Janitscharenmusik voraus landet. Die Janitscharen stellen sich am Ufer in Ordnung, stimmen folgenden Chor an, und entfernen sich dann.

Nr. 5 - Chor der Janitscharen

CHOR
Singt dem grossen Bassa Lieder,
Töne, feuriger Gesang;
Und vom Ufer halle wieder
Unsrer Lieder Jubelklang!

EINE ODER ZWO STIMMEN

1.
Weht ihm entgegen,
Kühlende Winde,
Ebne dich sanfter,
Wallende Fluth!

2.
Singt ihm entgegen,
Fliegende Chöre,
Singt ihm der Liebe
Freuden in's Herz!

CHOR
Singt dem grossen Bassa Lieder,
Töne, feuriger Gesang;
Und vom Ufer halle wieder
Unsrer Lieder Jubelklang!

Janitscharen ab


SIEBENTER AUFTRITT
Selim, Konstanze.

SELIM
Immer noch traurig, geliebte Konstanze? immer in Thränen? - Sieh, dieser schöne Abend, diese reizende Gegend, diese bezaubernde Musik, meine zärtliche Liebe für dich - Sag', kann nichts von allem dich endlich beruhigen, endlich dein Herz rühren? - Sieh, ich könnte befehlen, könnte grausam mit dir verfahren, dich zwingen -

Konstanze seufzt

SELIM
Aber nein, Konstanze; dir selbst will ich dein Herz zu danken haben - dir selbst -

KONSTANZE
Grossmüthiger Mann! o dass ich es könnte! dass ichs erwiedern könnte - aber -

SELIM
Sag, Konstanze, sag, was hält dich zurück?

KONSTANZE
Du wirst mich hassen.

SELIM
Nein, ich schwöre dir's. Du weisst, wie sehr ich dich liebe, wie viel Freyheit ich dir vor allen meinen Weibern gestatte; dich wie meine Einzige schätze -

KONSTANZE
O so verzeih!

Nr. 6 - Arie

KONSTANZE
Ach, ich liebte,
War so glücklich,
Kannte nicht der Liebe Schmerz!
Schwur ihm Treue
Dem Geliebten,
Gab dahin mein ganzes Herz:
Doch wie bald schwand meine Freude,
Trennung war mein banges Loos;
Und nun schwimmt mein Aug' in Thränen,
Kummer ruht in meinem Schoos.

Während des Gesanges geht der Bassa unwillig hin und her.

KONSTANZE
Ach, ich sagt' es wohl, du würdest mich hassen. Aber verzeih, verzeih dem liebekranken Mädchen! - Du bist ja so grossmüthig, so gut - Ich will dir dienen, deine Sklavinn seyn, bis ans Ende meines Lebens: nur verlange nicht ein Herz von mir, das auf ewig versagt ist -

SELIM
Ha, Undankbare! Was wagst du zu bitten?

KONSTANZE
Tödte mich, Selim, tödte mich! nur zwinge mich nicht, meineidig zu werden - Noch zuletzt, wie mich der Seeräuber aus den Armen meines Geliebten riss, schwur ich aufs feyerlichste -

SELIM
Halt ein! nicht ein Wort! Reize meinen Zorn nicht noch mehr. Bedenke, dass du in meiner Gewalt bist -

KONSTANZE
Ich bin es: aber du wirst dich ihrer nicht bedienen, ich kenne dein gutes, dein mitleidvolles Herz. Hätte ichs sonst wagen können, dir das meinige zu entdecken? -

SELIM
Wag es nicht, meine Güte zu missbrauchen -

KONSTANZE
Nur Aufschub gönne mir, Herr! Nur Zeit, meinen Schmerz zu vergessen -

SELIM
Wie oft schon gewährt ich dir diese Bitte -

KONSTANZE
Nur noch diesmal!

SELIM
Es sey! zum letztenmale! - Geh, Konstanze, geh! Besinne dich eines Bessern, und morgen -

KONSTANZE
im Abgehn
Unglückliches Mädchen! O Belmonte, Belmonte!


ACHTER AUFTRITT
Selim, Pedrillo, Belmonte.

SELIM
Ihr Schmerz, ihre Thränen, ihre Standhaftigkeit bezaubern mein Herz immer mehr, machen mir ihre Liebe nur noch wünschenswerther. Ha! wer wollte gegen ein solches Herz Gewalt brauchen? - Nein, Konstanze, nein, auch Selim hat ein Herz; auch Selim kennt Liebe -

PEDRILLO
Herr! verzeih, dass ich es wage, dich in deinen Betrachtungen zu stören -

SELIM
Was willst du, Pedrillo?

PEDRILLO
Dieser junge Mann, der sich in Italien mit vielem Fleiss auf die Baukunst gelegt, hat von deiner Macht, von deinem Reichthum gehört, und kommt her, dir als Baumeister seine Dienste anzubieten.

BELMONTE
Herr! könnte ich so glücklich seyn, durch meine geringen Fähigkeiten deinen Beyfall zu verdienen.

SELIM
Hm! Du gefällst mir. Ich will sehen, was du kannst. -
zum Pedrillo
Sorge für seinen Unterhalt. Morgen werde ich dich wieder rufen lassen.
geht ab


NEUNTER AUFTRITT
Belmonte, Pedrillo.

PEDRILLO
Ha! Triumph, Triumph, Herr! der erste Schritt war gethan.

BELMONTE
Ach lass mich zu mir selbst kommen! - Ich habe sie gesehen, hab' das gute treue beste Mädchen gesehen! - O Konstanze, Konstanze! Was könnt' ich für dich thun, was für dich wagen?

PEDRILLO
Ha! gemach, gemach, bester Herr! Stimmen Sie den Ton ein bischen herab; Verstellung wird uns weit bessere Dienste leisten. Wir sind nicht in unserm Vaterlande. Hier fragen sie den Henker darnach, ob's einen Kopf mehr oder weniger in der Welt giebt. Bastonade und Strick um Hals sind hier wie ein Morgenbrod.

BELMONTE
Ach, Pedrillo! wenn du die Liebe kenntest -

PEDRILLO
Hm! Als wenn's mit unser einem gar nichts wäre. Ich habe so gut meine zärtlichen Stunden als andere Leute. Und denken Sie denn, dass mir's nicht auch im Bauche grimmt, wenn ich mein Blondchen von so einem alten Spitzbuben, wie der Osmin ist, bewacht sehen muss?

BELMONTE
O wenn es möglich wäre, sie zu sprechen -

PEDRILLO
Wir wollen sehen, was zu thun ist. Kommen Sie nur mit mir in Garten: aber um alles in der Welt, vorsichtig und fein. Denn hier ist alles Aug und Ohr.

Sie wollen in den Palast, Osmin kommt ihnen in der Thür' entgegen, und hält sie zurück.


ZEHNTER AUFTRITT
Vorige, Osmin.

OSMIN
Wohin?

PEDRILLO
Hinein!

OSMIN
zu Belmonte
Was will das Gesicht? - Zurück mit dir, zurück!

PEDRILLO
Ha, gemach, Meister Grobian, gemach! er ist in des Bassa Diensten.

OSMIN
In des Henkers Diensten mag er seyn! Er soll nicht herein!

PEDRILLO
Er soll aber herein!

OSMIN
Kommt mir nur einen Schritt über die Schwelle -

BELMONTE
Unverschämter! Hast du nicht mehr Achtung für einen Mann meines Standes?

OSMIN
Ey, ihr mögt mir vom Stande seyn! - Fort, fort, oder ich will euch Beine machen.

PEDRILLO
Alter Dummkopf! Es ist ja der Baumeister, den der Bassa angenommen hat.

OSMIN
Meinethalben sey er Stockmeister: nur komm er mir hier nicht zu nahe. Ich müsste nicht sehen, dass es so ein Kumpan deines Gelichters ist, und dass das so eine abgeredte Karte ist, uns zu überlisten. Der Bassa ist weich wie Butter, mit dem könnt ihr machen, was ihr wollt: aber ich habe eine feine Nase. Gaunerey ist's um den ganzen Kram, mit euch fremden Gesindel; und ihr abgefeimten Betrüger habt lange euer Plänchen angelegt, eure Pfiffe auszuführen. aber wart ein bischen! Osmin schläft nicht. Wär' ich Bassa, ihr wär't längst gespiesst. - Ja! schneid't nur Gesichter, lacht nur hönisch in Bart hinein!

PEDRILLO
Ereifere dich nicht so, Alter; es hilft dir doch nichts. Sieh, so eben werden wir hinein spatzieren.

OSMIN
Ha! das will ich sehen!
stellt sich vor die Thüre.

PEDRILLO
Mach keine Umstände. -

BELMONTE
Weg, Niederträchtiger!


Nr. 7 - Terzett

OSMIN
Marsch! Marsch! Marsch! trollt euch fort!
Sonst soll die Bastonade
Euch gleich zu Diensten stehn.

BELMONTE UND PEDRILLO
Ey, ey! Das wär ja Schade,
So mit uns umzugehn.

OSMIN
Kommt mir nicht näher.

BELMONTE UND PEDRILLO
Weg von der Thüre.

OSMIN
Sonst schlag' ich drein.

BELMONTE UND PEDRILLO
Wir gehn hinein.

Sie drängen ihn von der Thüre weg.

OSMIN
Marsch, fort!

BELMONTE UND PEDRILLO
Platz, fort!

OSMIN
Ich schlage drein!

BELMONTE UND PEDRILLO
Wir gehn hinein!

Sie stossen ihn weg und gehn hinein.


ZWEITER AUFZUG

Garten am Palast des Bassa Selim; an der Seite Osmins Wohnung.

ERSTER AUFTRITT
Osmin, Blonde.

BLONDE
O des Zankens, Befehlens und Murrens wird auch kein Ende! Einmal für allemal: das steht mir nicht an! Denkst du alter Murrkopf etwa eine türkische Sklavinn vor dir zu haben, die bey deinen Befehlen zittert? o da irrst du dich sehr! Mit europäischen Mädchen springt man nicht so herum; denen begegnet man ganz anders.

Nr. 8 - Arie

BLONDE
Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln,
Gefälligkeit und Scherzen,
Erobert man die Herzen
Der guten Mädchen leicht:
Doch mürrisches Befehlen
Und Poltern, Zanken, Plagen
Macht, dass in wenig Tagen
So Lieb' als Treu entweicht.

OSMIN
Ey seht doch mal, was das Mädchen vorschreiben kann! Zärtlichkeit! Schmeicheln! - Es ist mir wie pure Zärtlichkeit! - Wer Teufel hat dir das Zeug in Kopf gesetzt? - Hier sind wir in der Türkey, und da gehts aus einem andern Tone. Ich dein Herr; du meine Sklavinn; ich befehle, du musst gehorchen!

BLONDE
Deine Sklavinn? ich deine Sklavinn! - Ha! ein Mädchen eine Sklavinn! Noch einmal sag mir das, noch einmal!

OSMIN
für sich
Ich möchte toll werden, was das Mädchen für ein starrköpfiges Ding ist.
laut
Du hast doch wohl nicht vergessen, dass dich der Bassa mir zur Sklavinn geschenkt hat?

BLONDE
Bassa hin, Bassa her! Mädchen sind keine Waare zum Verschenken! Ich bin eine Engländerinn, zur Freyheit gebohren; und trotz jedem, der mich zu etwas zwingen will!

OSMIN
bey Seite
Gift und Dolch über das Mädchen! - Beym Mahomet! sie macht mich rasend. - Und doch lieb ich die Spitzbübinn, trotz ihres tollen Kopfes!
laut
Ich befehle dir augenblicklich, mich zu lieben.

BLONDE
Hahaha! Komm mir nur ein wenig näher, ich will dir fühlbare Beweise davon geben.

OSMIN
Tolles Ding! Weisst du, dass du mein bist, und ich dich dafür züchtigen kann?

BLONDE
Wag's nicht, mich anzurühren, wenn dir deine Augen lieb sind.

OSMIN
Wie? du unterstehst dich -

BLONDE
Da ist was zu unterstehen? Du bist der Unverschämte, der sich zu viel Freyheit heraus nimmt. So ein altes hässliches Gesicht untersteht sich, einem Mädchen wie ich, jung, schön, zur Freude geboren, wie einer Magd zu befehlen! Wahrhaftig, das stünde mir an! uns gehört das Regiment; ihr seyd unsre Sklaven, und glücklich, wenn ihr Verstand genug habt, euch die Ketten zu erleichtern.

OSMIN
Bey meinem Bart, sie ist toll! Hier hier in der Türkey?

BLONDE
Türkey hin, Türkey her! Weib ist Weib, sie sey wo sie wolle! Sind eure Weiber solche Närrinnen, sich von euch unterjochen zu lassen, desto schlimmer für sie; in Europa verstehen sie das Ding besser. Lass mich nur einmal Fuss hier gefasst haben, sie sollen bald anders werden.

OSMIN
Beym Alla! die wär' im Stande uns allen die Weiber rebellisch zu machen - Aber -

BLONDE
Aufs Bitten müsst ihr euch legen, wenn ihr etwas von uns erhalten wollt; besonders Liebhaber deines Gelichters.

OSMIN
Freylich, wenn ich Pedrillo wär', so ein Drathpüppchen wie er, da wär' ich vermuthlich willkommen; denn euer Mienenspiel hab' ich lange weg.

BLONDE
Errathen, guter Alter, errathen! das kannst du dir wohl einbilden, dass mir der niedliche Pedrillo lieber ist, wie dein Blasbalggesicht. Also wenn du klug wärst -

OSMIN
Sollt' ich dir die Freyheit geben, zu thun und zu machen, was du wolltest? He?

BLONDE
Besser würdest du immer dabey fahren: denn so wirst du sicher betrogen.

OSMIN
Gift und Dolch! Nun reisst mir die Gedult! den Augenblick hinein ins Haus! Und wo du's wagst -

BLONDE
Mach' mich nicht zu lachen.

OSMIN
Ins Haus, sag' ich!

BLONDE
Nicht von der Stelle!

OSMIN
Mach' nicht, dass ich Gewalt brauche.

BLONDE
Gewalt werd' ich mit Gewalt vertreiben. Meine Gebietherinn hat mich hier in Garten bestellt; sie ist die Geliebte des Bassa, sein Augapfel, sein Alles; und es kostet mir ein Wort, so hast du funfzig auf die Fusssohlen. Also geh -

OSMIN
für sich
Das ist ein Satan. Ich muss nachgeben, so wahr ich ein Muselmann bin; sonst könnte ihre Drohung eintreffen.


Nr. 9 - Duett

OSMIN
Ich gehe, doch rathe ich dir
Den Schurken Pedrillo zu meiden.

BLONDE
O pack' dich, befiehl' nicht mit mir,
Du weist ja, ich kann es nicht leiden.

OSMIN
Versprich mir - -

BLONDE
Was fällt dir da ein!

OSMIN
Zum Henker - -

BLONDE
Fort, lass mich allein.

OSMIN
Wahrhaftig kein'n Schritt von der Stelle,
Bis du zu gehorchen mir schwörst.

BLONDE
Nicht so viel, du armer Geselle,
Und wenn du der Grossmogul wärst.

zusammen jedes für sich

OSMIN
O Engländer! seyd ihr nicht Thoren,
Ihr lasst euren Weibern den Willen,
Wie ist man geplagt und geschoren,
Wenn solch' eine Zucht man erhält!

BLONDE
Ein Herz, so in Freyheit geboren,
Lässt niemals sich sklavisch behandeln;
Bleibt, wenn schon die Freyheit verloren,
Noch stolz auf sie, lachet der Welt.

BLONDE
Nun troll' dich.

OSMIN
So sprichst du mit mir?

BLONDE
Nicht anders.

OSMIN
Nun bleib ich erst hier.

BLONDE
stösst ihn fort
Ein andermal, itzt musst du gehen.

OSMIN
Wer hat solche Frechheit gesehen!

zusammen

BLONDE
stellt sich als wollte sie ihm die Augen auskratzen
Es ist um die Augen geschehen,
Wofern du noch länger verweilst.

OSMIN
furchtsam zurückweichend
Nur ruhig, ich will ja gern gehen,
Bevor du gar Schläge ertheilst.
geht ab


ZWEITER AUFTRITT
Blonde, Konstanze.

BLONDE
Wie traurig das gute Mädchen daher kommt! Freylich thut's weh, den Geliebten zu verlieren und Sklavinn zu seyn. Es geht mir wohl auch nicht viel besser; aber ich habe doch noch das Vergnügen, meinen Pedrillo manchmal zu sehen, obs gleich auch mager und verstohlen genug geschehen muss: doch wer kann wider den Strom schwimmen!

KONSTANZE
ohne Blonden zu bemerken.

Nr. 10 - Rezitativ und Arie

Welcher Wechsel herrscht in meiner Seele
Seit dem Tag, da uns das Schicksal trannte!
O Belmont! hin sind die Freuden,
Die ich sonst an deiner Seite kannte!
Banger Sehnsuchts Leiden
Wohnen nun dafür in der beklemmten Brust.

Traurigkeit ward mir zum Loose,
Weil ich dir entrissen bin.
Gleich der wurmzernagten Rose,
Gleich dem Gras im Wintermoose,
Welkt mein banges Leben hin.
Selbst der Luft darf ich nicht sagen
Meiner Seele bittern Schmerz;
Denn, unwillig ihn zu tragen,
Haucht sie alle meine Klagen
Wieder in mein armes Herz.

BLONDE
Ach mein bestes Fräulein! noch immer so traurig?

KONSTANZE
Kannst du fragen, der du meinen Kummer weisst? - Wieder ein Abend, und noch keine Nachricht, noch keine Hofnung! - Und morgen - ach Gott! ich darf nicht daran denken.

BLONDE
Heitern Sie sich wenigstens ein bischen auf. Sehn Sie, wie schön der Abend ist, wie blühend uns alles entgegen lacht, wie freudig uns die Vögel zu ihrem Gesang einladen! Verbannen Sie die Grillen, und fassen Sie Muth!

KONSTANZE
Wie glücklich bist du, Mädchen, bey deinem Schicksal so gelassen zu seyn! O dass ich es auch könnte!

BLONDE
Das steht nur bey Ihnen, hoffen Sie -

KONSTANZE
Wo nicht der mindeste Schein von Hoffnung mehr zu erblicken ist?

BLONDE
Hören Sie nur: ich verzage mein Lebtage nicht, es mag auch eine Sache noch so schlimm aussehen. Denn wer sich immer das schlimmste vorstellt, ist auch wahrhaftig am schlimmsten dran.

KONSTANZE
Und wer sich immer mit Hoffnung schmeichelt, und zuletzt betrogen sieht, hat alsdenn nichts mehr übrig als die Verzweiflung.

BLONDE
Jedes nach seiner Weise. Ich glaube bey der meinigen am besten zu fahren. Wie bald kann ihr Belmont mit Lösegeld erscheinen, oder uns listiger Weise entführen? Wären wir die ersten Frauenzimmer, die den türkischen Vielfrassen entkämen? - Dort seh' ich den Bassa.

KONSTANZE
Lass uns ihm aus den Augen gehn.

BLONDE
Zu spät. Er hat sie schon gesehen. Ich darf aber getrost aus dem Wege trollen, er schafte mich ohnehin fort. Im Weggehen. Kourage! wir kommen gewiss noch in unsre Heimath.


DRITTER AUFTRITT
Konstanze, Selim.

SELIM
Nun Konstanze, denkst du meinem Begehren nach? Der Tag ist bald verstrichen, Morgen musst du mich lieben, oder -

KONSTANZE
Muss? welch albernes Begehren! als ob man die Liebe anbefehlen könnte, wie eine Tracht Schläge! - - Aber freylich wie ihr Türken zu Werke geht, lässt sichs auch allenfalls befehlen - Aber ihr seyd würklich zu beklagen. Ihr kerkert die Gegenstände eurer Begierden ein und seyd zufrieden eure Lüste zu büssen.

SELIM
Und glaubst du etwan, unsre Weiber wären weniger glücklich, als ihr in euren Ländern?

KONSTANZE
Die nichts bessers kennen!

SELIM
Auf diese Art wäre wohl keine Hofnung, dass du je anders denken wirst.

KONSTANZE
Herr! Ich muss dir frey gestehn - - - denn was soll ich dich länger hinhalten, mich mit leerer Hofnung schmeicheln, dass du dich durch mein Bitten erweichen liessest - - Ich werde stets so denken wie itzt; dich verehren, aber - - lieben? Nie.

SELIM
Und du zitterst nicht vor der Gewalt, die ich über dich habe?

KONSTANZE
Nicht im geringsten. Sterben ist alles, was ich zu erwarten habe, und je eher dies geschieht, je lieber wird es mir seyn.

SELIM
Elende! Nein! Nicht sterben, aber Martern von allen Arten - - -

KONSTANZE
Auch die will ich ertragen; du schreckst mich nicht, ich erwarte alles.


Nr. 11 - Arie

KONSTANZE
Martern aller Arten
Mögen meiner warten,
Ich verlache Qual und Pein.
Nichts soll mich erschüttern,
Nur dann würd' ich zittern,
Wenn ich untreu könnte seyn.
Lass dich bewegen,
Verschone mich!
Des Himmels Segen
Belohne dich!
Doch du bist entschlossen.
Willig, unverdrossen
Wähl' ich jede Pein und Noth.
Ordne nur, gebiethe,
Lärme, tobe, wüthe,
Zuletzt befreyt mich doch der Tod.

geht ab


VIERTER AUFTRITT
Selim, allein.

SELIM
Ist das ein Traum? Wo hat sie auf einmal den Muth her, sich so gegen mich zu betragen? Hat sie vielleicht Hofnung, mir zu entkommen? Ha! das will ich verwehren! Will fort. Doch das ist's nicht, dann würde sie sich eher verstellen, mich einzuschläfern suchen - - - Ja! es ist Verzweiflung! mit Härte richt' ich nichts aus - mit Bitten auch nicht - - also, was Drohen und Bitten nicht vermögen, soll die List zuwege bringen.
geht ab


FÜNFTER AUFTRITT
Blonde, allein.

BLONDE
Kein Bassa, keine Konstanze mehr da? Sind sie mit einander eins worden? - - Schwerlich, das gute Kind hängt zu sehr an ihrem Belmont! ich bedaure sie von Grund meines Herzens. Sie ist zu empfindsam für ihre Lage. Freylich, hätt' ich meinen Pedrillo nicht an der Seite, wer weiss, wie mir's gienge! doch würd' ich nicht so zärteln wie sie. Die Männer verdienen's warlich nicht, dass man ihrenthalben sich zu todte grämt. - - Vielleicht würd' ich muselmännisch denken.


SECHSTER AUFTRITT
Blonde, Pedrillo.

PEDRILLO
Bst, Bst! Blondchen! Ist der Weg rein?

BLONDE
Komm nur, komm! Der Bassa ist wieder zurück. Und meinem Alten habe ich eben den Kopf ein bischen gewaschen. Was hast du denn?

PEDRILLO
O Neuigkeiten, Neuigkeiten, die dich entzücken werden.

BLONDE
Nun? hurtig heraus damit!

PEDRILLO
Erst, liebes Herzensblondchen, lass dir vor allen Dingen einen recht herzlichen Kuss geben: du weisst ja, wie gestohlnes Gut schmeckt.

BLONDE
Pfuy, pfuy! Wenn das deine Neuigkeiten alle sind -

PEDRILLO
Närrchen, mach darum keinen Lärm: der alte spitzbübische Osmin lauert uns sicher auf den Dienst.

BLONDE
Nun? und die Neuigkeiten? -

PEDRILLO
Sind, dass das Ende unsrer Sklaverey vor der Thüre ist.
er sieht sich sorgfältig um
Belmonte, Konstanzens Geliebter, ist angekommen; und ich hab' ihn unter dem Namen eines Baumeisters hier im Palast eingeführt.

BLONDE
Ah was sagst du? Belmonte da?

PEDRILLO
Mit Leib und Seele!

BLONDE
Ha! das muss Konstanze wissen!
will fort

PEDRILLO
Hör' nur, Blondchen, hör' nur erst: Er hat ein Schif hier in der Nähe in Bereitschaft, und wir haben beschlossen, euch diese Nacht zu entführen.

BLONDE
O allerliebst, allerliebst! Herzens-Pedrillo! das verdient einen Kuss. Geschwind, geschwind zu Konstanzen!

PEDRILLO
Halt nur, halt, und lass erst mit dir reden. Um Mitternacht kommt Belmonte mit einer Leiter zu Konstanzens Fenster, und ich zu dem deinigen; und dann gehts heidi davon!

BLONDE
O vortreflich! Aber Osmin?

PEDRILLO
Hier ist ein Schlaftrunk für den alten Schlaukopf, den misch ihm fein manierlich ins Getränke; verstehst du? Ich habe dort auch schon ein Fläschchen angefüllt. Geht's hier nicht, wird's dort wohl gehen.

BLONDE
Sorg' nicht für mich! - Aber kann Konstanze ihren Geliebten nicht sprechen?

PEDRILLO
Sobald es vollends finster ist, kommt er hier in Garten. Nun geh' und bereite Konstanzen vor; ich will hier Belmonten erwarten. Leb wohl, Herzchen; leb wohl!

BLONDE
Leb wohl, guter Pedrillo! Ach, was werd ich für Freude anrichten!


Nr. 12 - Arie

BLONDE
Welche Wonne, welche Lust
Herrscht nunmehr in meiner Brust!
Ohne Aufschub will ich springen
Und ihr gleich die Nachricht bringen;
Und mit Lachen und mit Scherzen
Ihrem schwachen, feigen Herzen
Freud and Jubel prophezeihn.

geht fort


SIEBENTER AUFTRITT
Pedrillo, allein.

PEDRILLO
Ah, dass es schon vorbey wäre! dass wir schon auf offner See wären, unsre Mädels im Arm, und diess verwünschte Land im Rücken hätten! Doch sey's gewagt; entweder itzt oder niemals. Wer zagt, verliert!


Nr. 13 - Arie

PEDRILLO
Frisch zum Kampfe!
Frisch zum Streite!
Nur ein feiger Tropf verzagt.
Sollt' ich zittern?
Sollt' ich zagen?
Nicht mein Leben
Muthig wagen?
Nein, ach nein, es sey gewagt!
Frisch zum Kampfe!
Frisch zum Streite!
Nur ein feiger Tropf verzagt.


ACHTER AUFTRITT
Pedrillo, Osmin.

OSMIN
Ha! Geht's hier so lustig zu? Es muss dir verteufelt wohl gehen.

PEDRILLO
Ey, wer wird so ein Kopfhänger seyn; es kommt beym Henker da nichts bey heraus! das haben die Pedrillos von jeher in ihrer Familie gehabt. Fröhlichkeit und Wein versüsst die härteste Sklaverey. Freylich könnt ihr armen Schlucker das nicht begreifen, dass es so ein herrlich Ding um ein Gläschen guten alten Lustigmacher ist. Wahrhaftig, da hat euer Vater Mahomet einen verzweifelten Bock geschossen, dass er euch den Wein verboten hat. Wenn das verwünschte Gesetz nicht wäre, du müsstest ein Gläschen mit mir trinken, du möchtest wollen oder nicht.
für sich
Vielleicht beisst er an: er trinkt ihn gar zu gerne.

OSMIN
Wein mit dir? Ja Gift -

PEDRILLO
Immer Gift und Dolch, und Dolch und Gift! Lass doch den alten Groll einmal fahren und sey vernünftig. Sieh einmal, ein Paar Flaschen Cyperwein! - Ah -
er zeigt ihm zwo Flaschen, wovon die eine grösser als die andere ist
die sollen mir treflich schmecken!

OSMIN
für sich
Wenn ich trauen dürfte?

PEDRILLO
Das ist ein Wein, das ist ein Wein!
er setzt sich nach türkischer Art auf die Erde, und trinkt aus der kleinen Flasche

OSMIN
Kost einmal die grosse Flasche auch.

PEDRILLO
Denkst wohl gar, ich habe Gift hinein gethan? Ha! lass dir keine grauen Haare wachsen. Es verlohnte sich der Mühe, dass ich deinetwegen zum Teufel führe. Da sieh, ob ich trinke.
er trinkt aus der grossen Flasche ein wenig
Nun hast du noch Bedenken? traust mir noch nicht? Pfuy, Osmin! sollt'st dich schämen - Da nimm!
er giebt ihm die grosse Flasche
Oder willst du die kleine?

OSMIN
Nein, lass nur, lass nur! Aber wenn du mich verräthst…
sieht sich sorgfältig um.

PEDRILLO
Als wenn wir einander nicht weiter brauchten. Immer frisch! Mahomet liegt längst aufm Ohr, und hat nöthiger zu thun, als sich um deine Flasche Wein zu bekümmern.


Nr. 14 - Duett

PEDRILLO
Vivat, Bachus!
Bachus lebe!
Bachus war ein braver Mann!

OSMIN
Ob ichs wage?
Ob ich trinke?
Ob's wohl Alla sehen kann?

PEDRILLO
Was hilft das Zaudern?
Hinunter, hinunter!
Nicht lange, nicht lange gefragt!

OSMIN
Nun war's geschehen,
Nun war's hinunter:
Das heiss ich, das heiss ich gewagt!

BEYDE
Es leben die Mädchen,
Die Blonden, die Braunen,
Sie leben hoch!

PEDRILLO
Das schmeckt treflich!

OSMIN
Das schmeckt herrlich!

BEYDE
Ah! das heiss ich Göttertrank!
Vivat Bachus,
Bachus lebe,
Bachus, der den Wein erfand!

PEDRILLO
Wahrhaftig, das muss ich gestehen, es geht doch nichts über den Wein. Wein ist mir lieber, als Geld und Mädchen. Bin ich verdrüsslich, mürrisch, launisch: hurtig nehm' ich meine Zuflucht zur Flasche; und kaum seh' ich den ersten Boden: weg ist all mein Verdruss! - Meine Flasche macht mir kein schiefes Gesicht, wie mein Mädchen, wenn ihr der Kopf nicht auf dem rechten Flecke steht. Und schwatzt mir von Süssigkeit der Liebe und des Ehestands, was ihr wollt: Wein auf der Zunge geht über alles!

Osmin fängt bereits an die Wirkung des Weins und des Schlaftrunks zu spüren, und wird bis zu Ende des Auftritts immer schläfriger und träger, doch darf's der Schauspieler nicht übertreiben, und muss nur immer halb träumend und schlaftrunken bleiben.

OSMIN
Das ist wahr - Wein - Wein - ist ein schönes Getränke; und unser grosser - Prophet mag mirs nicht übel nehmen - Gift und Dolch! es ist doch eine hübsche Sache um den Wein! - Nicht - - Bruder Pedrillo?

PEDRILLO
Richtig, Bruder Osmin, richtig!

OSMIN
Man wird gleich so - munter -
er nickt zuweilen
so vergnügt - so aufgeräumt - - Hast du nichts mehr, Bruder?
er langt auf eine lächerliche Art nach einer zwoten Flasche, die Pedrillo ihm reicht.

PEDRILLO
Hör du, Alter: trink mir nicht zu viel; es kommt einem in Kopf.

OSMIN
Trag doch keine - Sorge, ich bin so - so - nüchtern wie möglich - Aber das ist wahr -
er fängt an, auf die Erde hin und her zu wanken
es schmeckt - - vortreflich!

PEDRILLO
für sich
Es wirkt, Alter; es wirkt!

OSMIN
Aber verrathen musst du mich nicht - Brüderchen - verrathen - denn - wenns Mahomet - - nein, nein - der Bassa wüsste - - denn siehst du - - - liebes Blondchen - - ja oder nein! - -

PEDRILLO
für sich
Nun wirds Zeit, ihn fortzuschaffen!
laut
Nun komm, Alter, komm, wir wollen schlafen gehn!
er hebt ihn auf.

OSMIN
Schlafen? - Schämst du dich nicht? - - Gift und Dolch! Wer wird denn so schläfrig seyn - es ist ja kaum Morgen -

PEDRILLO
Ho ho, die Sonne ist schon hinunter! - Komm, komm, dass uns der Bassa nicht überrascht!

OSMIN
im Abführen
Ja, ja, - - eine Flasche - guter - Bassa - geht über - - alles! - gute Nacht - - Brüderchen - gute Nacht. -

Pedrillo führt ihn hinein, kommt aber gleich wieder zurück.


NEUNTER AUFTRITT
Pedrillo, hernach Belmonte, Konstanze, Blonde.

PEDRILLO
machts Osmin nach
Gute Nacht - Brüderchen - gute Nacht! Hahahaha, alter Eisenfresser! erwischt man dich so? Gift und Dolch! - Du hast deine Ladung! Nur fürcht' ich, ists noch zu zeitig am Tage; bis Mitternacht sind noch drey Stunden, und da könnt er leicht wieder ausgeschlafen haben. - - Ach! kommen Sie, kommen Sie, liebster Herr! Unser Argus ist blind; ich hab' ihn tüchtig zugedeckt.

BELMONTE
O dass wir glücklich wären! - Aber sag': ist Konstanze noch nicht hier?

PEDRILLO
Eben kommt sie da den Gang herauf. Reden Sie alles mit ihr ab: aber fassen Sie sich kurz; denn der Verräther schläft nicht immer.

Während der Unterredung des Belmonte mit Konstanzen unterhält sich Pedrillo mit Blonden, der er durch Pantomime den ganzen Auftritt mit dem Osmin vormacht, und jenen nachahmt; zuletzt unterrichtet er sie ebenfalls, dass er um Mitternacht mit einer Leiter unter ihr Fenster kommen wolle, um sie zu entführen.

KONSTANZE
O mein Belmonte!

einander im Arme

BELMONTE
O Konstanze!

KONSTANZE
Ists möglich? - Nach so viel Tagen der Angst, nach so viel ausgestandnen Leiden, dich wieder in meinen Armen -

BELMONTE
O, dieser Augenblick versüsst allen Kummer, macht mich all meinen Schmerz vergessen -

KONSTANZE
Hier will ich an deinem Busen liegen und weinen! - Ach, jetzt fühl ich's - die Freude hat auch ihre Thränen!


Nr. 15 - Arie

BELMONTE
Wenn der Freude Thränen fliessen,
Lächelt Liebe dem Geliebten hold!
Von den Wangen sie zu küssen,
Ist der Liebe schönster, grösster Sold.
Ach Konstanze! dich zu sehen,
Dich voll Wonne, voll Entzücken
An mein treues Herz zu drücken,
Lohnt fürwahr nicht Krösus Pracht!
Dass wir uns niemals wiederfinden!
So dürfen wir nicht erst empfinden
Welchen Schmerz die Trennung macht.

Ich hab hier ein Schiff in Bereitschaft; um Mitternacht, wenn alles schläft, komm ich an dein Fenster; und dann sey die Liebe unser Schutzengel!

KONSTANZE
Mit tausend Freuden! was wollt ich nicht mit dir wagen? Ich erwarte dich -

PEDRILLO
Also, liebes Blondchen, pass ja hübsch auf, hörst du's?

BLONDE
Sorge für mich nicht. Das wär das erste Abentheuer, das ein Mädchen verschlafen hätte.

PEDRILLO
Du wirft's schon merken, wenn du so was Gesungenes hörst, wie's so meine Art des Abends immer ist; dann pass auf, und dann mit einem Sprung ins Schiff! - Nur hübsch Muth gefasst, und nicht verzagt: Wer alles zu verlieren hat, muss alles wagen!

KONSTANZE
Wenn es aber nur glücklich abläuft!

BELMONTE
Wir wollen's hoffen; die Liebe wird unsre Geleiterinn seyn.


Nr. 16 - Quartett

KONSTANZE
Ach Belmonte! ach mein Leben!

BELMONTE
Ach Konstanze! ach mein Leben!

KONSTANZE
Ist es möglich? welch' Entzücken!
Dich an meine Brust zu drücken
Nach so vieler Tage Leid.

BELMONTE
Welche Wonne, dich zu finden!
Nun muss aller Kummer schwinden,
O! wie ist mein Herz erfreut!

KONSTANZE
Sieh die Freudenthräne fliessen.

BELMONTE
Holde! lass hinweg sie küssen!

KONSTANZE
Dass es doch die letzte sey!

BELMONTE
Ja, noch heute wirst du frey.

PEDRILLO
Also Blondchen hast's verstanden?
Alles ist zur Flucht vorhanden,
Um Schlag zwölfe sind wir da.

BLONDE
Unbesorgt! es wird nichts fehlen,
Die Minuten werd' ich zählen,
Wär' der Augenblick schon da!

ALLE VIER
Endlich scheint die Hoffnungssonne
Hell durchs trübe Firmament!
Voll' Entzücken, Freud' und Wonne,
Sehn wir unsrer Leiden End!

BELMONTE
Doch, ach! bey aller Lust
Empfindet meine Brust
Noch manch' geheime Sorgen!

KONSTANZE
Was ist es, Liebster, sprich,
Geschwind erkläre dich,
O halt mir nichts verborgen!

BELMONTE
Man sagt: du seyst - - -

KONSTANZE
Nun weiter?

Belmonte und Konstanze sehn einander still' schweigend und furchtsam an.

PEDRILLO
er zeigt, dass er wage gehenkt zu werden
Doch Blondchen, ach! die Leiter!
Bist du wohl so viel werth?

BLONDE
Hanns Narr! sch nappt's bey dir über?
Ey hättest du nur lieber
Die Frage umgekehrt.

PEDRILLO
Doch Herr Osmin - -

BLONDE
Lass hören!

KONSTANZE.
Willst du dich nicht erklären?

zugleich

BELMONTE
Ich will. Doch zürne nicht,
Wenn ich nach dem Gerücht,
So ich gehört, es wage,
Dich zitternd, bebend frage,
Ob du den Bassa liebst?

KONSTANZE
sie weint
O! wie du mich betrübst!

PEDRILLO
Hat nicht Osmin etwan,
Wie man fast glauben kan,
Sein Recht als Herr probiret
Und bey dir exerciret?
Dann wär's ein schlechter Kauf.

BLONDE
giebt ihm eine Ohrfeige
Da, nimm die Antwort drauf.

PEDRILLO
hält sich die Wange
Nun bin ich aufgeklärt.

BELMONTE
kniet nieder
Konstanze! ach vergieb!

BLONDE
geht zornig von Pedrillo
Du bist mich gar nicht werth.

KONSTANZE
seufzend sich von Belmonte wegwendend
Ob ich dir treu verblieb!

anfangs allein, dann alle Viere.

BLONDE
zu Konstanze
Der Schlingel fragt sich an:
Ob ich ihm treu geblieben?

KONSTANZE
zu Blonde
Dem Belmont sagte man,
Ich soll den Bassa lieben.

PEDRILLO
hält sich die Backe
Dass Blonde ehrlich sey,
Schwör' ich bey allen Teufeln.

BELMONTE
zu Pedrillo
Konstanze ist mir treu,
Daran ist nicht zu zweifeln.

zugleich

BLONDE UND KONSTANZE
Wenn unsrer Ehre wegen
Die Männer Argwohn hegen,
Verdächtig auf uns sehn,
Das ist nicht auszustehn.

BELMONTE UND PEDRILLO
So bald sich Weiber kränken,
Dass wir sie untreu denken,
Dann sind sie wahrhaft treu,
Von allem Vorwurf frey.

zugleich

PEDRILLO
Liebstes Blondchen! ach! verzeihe,
Sieh, ich bau auf deine Treue
Mehr itzt als auf meinen Kopf!

BLONDE
Nein, das kann ich dir nicht schenken,
Mich mit so was zu verdenken,
Mit dem alten dummen Tropf!

BELMONTE
Ach Konstanze! ach mein Leben,
Könntest du mir doch vergeben,
Dass ich diese Frage that?

KONSTANZE
Belmont! wie du konntest glauben,
Dass man dir das Herz könnt rauben?
Das nur dir geschlagen hat!

PEDRILLO UND BELMONTE
Ach verzeihe!
Ich bereue!

KONSTANZE UND BLONDE
Ich verzeihe
Deiner Reue!

ALLE VIERE
Wohl, es sey nun abgethan!
Es lebe die Liebe!
Nur sie sey uns theuer,
Nichts fache das Feuer
Der Eifersucht an.

Alle ab


DRITTER AUFZUG

Platz vor dem Palaste des Bassa Selim; auf einer Seite der Palast des Bassa; gegenüber die Wohnung des Osmin; hinten Aussicht aufs Meer. Es ist Mitternacht.


ERSTER AUFTRITT
Pedrillo, Klaas der eine Leiter bringt.

PEDRILLO
Hier, lieber Klaas, hier leg sie indess nur nieder, und hole die zwote vom Schiff. Aber nur hübsch leise, dass nicht viel Lerm gemacht wird: es geht hier auf Tod und Leben.

KLAAS
Lass mich nur machen, ich versteh das Ding auch ein bischen, wenn wir sie nur erst am Bord haben.

PEDRILLO
Ach lieber Klaas! wenn wir mit unsrer Beute glücklich nach Spanien kommen: ich glaube, Don Belmonte lässt dich in Gold einfassen.

KLAAS
Das möchte wohl ein bischen zu warm aufs Fell gehn; doch das wird sich schon geben. Ich hole die Leiter.
geht ab

PEDRILLO
Ach! wenn ich sagen sollte, dass mirs Herz nicht klopfte, so sagt' ich eine schreckliche Lüge. Die verzweifelten Türken verstehen nicht den mindesten Spass; und ob der Bassa gleich ein Renegat ist, so ist er, wenns aufs Kopfab ankommt, doch ein völliger Türke.

Klaas bringt die zwote Leiter.

PEDRILLO
So, guter Klaas, und nun lichte die Anker, und spann alle Segel auf: denn eh eine halbe Stund vergeht, hast du deine völlige Ladung.

KLAAS
Bring sie nur hurtig, und dann lass mich sorgen.
geht ab


ZWEITER AUFTRITT
Belmonte, Pedrillo.

PEDRILLO
Ach! - ich muss Athem holen - Es zieht mir's Herz so eng zusammen, als wenn ichs grösste Schelmstück vorhätte - Ach wo mein Herr auch bleibt! -

BELMONTE
ruft leise
Pedrillo! Pedrillo!

PEDRILLO
Wie gerufen!

BELMONTE
Ist alles fertig gemacht?

PEDRILLO
Alles! Jetzt will ich ein wenig um den Palast herum spioniren, wie's aussieht. Singen Sie indessen eins. Ich hab das so alle Abende gethan; und wenn Sie da auch jemand gewahr wird, oder begegnet: denn alle Stunden macht hier eine Janitscharenwache die Runde; so hat's nichts zu bedeuten, sie sind das von mir schon gewohnt; es ist fast besser, als wenn man Sie so stille hier fände.

BELMONTE
Lass mich nur machen, und komm bald wieder.

Pedrillo geht ab


DRITTER AUFTRITT
Belmonte, allein.

BELMONTE
O Konstanze, Konstanze! wie schlägt mir das Herz! Je näher der Augenblick kommt, desto ängstlicher zagt meine Seele; ich fürchte und wünsche, bebe und hoffe. O Liebe, sey du meine Leiterinn!


Nr. 17 - Arie

BELMONTE
Ich baue ganz auf deine Stärke,
Vertrau' o Liebe! deiner Macht!
Denn, ach! was wurden nicht für Werke
Schon oft durch dich zu Stand gebracht!
Was aller Welt unmöglich scheint,
Wird durch die Liebe doch vereint.


VIERTER AUFTRITT
Belmonte, und Pedrillo.

PEDRILLO
Alles liegt auf dem Ohr; es ist alles so ruhig, so stille als den Tag nach der Sündfluth.

BELMONTE
Nun so lass uns sie befreyen. Wo ist die Leiter?

PEDRILLO
Nicht so hitzig. Ich muss erst das Signal geben.

BELMONTE
Was hindert dich denn es nicht zu thun? Mach fort.

PEDRILLO
sieht nach der Uhr
Eben recht, Schlag zwölfe. Gehen Sie dort an die Ecke, und geben Sie wohl acht, dass wir nicht überrascht werden.

BELMONTE
Zaudre nur nicht!
geht ab

PEDRILLO
indem er seine Mandoline hervor holt
Es ist doch um die Herzhaftigkeit eine erzläppische Sache. Wer keine hat, schafft sich mit aller Mühe keine an! Was mein Herz schlägt! Mein Papa muss ein Erzpoltron gewesen seyn.
fängt an zu spielen
Nun so sey es denn gewagt!
singt und akkompagnirt sich


Nr. 18 - Romanze

PEDRILLO
1.
In Mohrenland gefangen war
Ein Mädel hübsch und fein;
Sah roth und weiss, war schwarz von Haar,
Seufzt' Tag und Nacht und weinte gar;
Wollt' gern erlöset seyn.

2.
Da kam aus fremdem Land daher
Ein junger Rittersmann;
Den jammerte das Mädchen sehr;
Jach rief er, wag' ich Kopf und Ehr,
Wenn ich sie retten kann.

Noch geht alles gut, es rührt sich noch nichts.

BELMONTE
kommt hervor
Mach ein Ende, Pedrillo.

PEDRILLO
An mir liegt es nicht, dass sie sich noch nicht zeigen. Entweder schlafen sie fester als jemals; oder der Bassa ist bey der Hand. Wir wollens weiter versuchen. Bleiben Sie nur auf Ihren Posten.

Belmonte geht wieder fort.

PEDRILLO

3.
Ich komm zu dir in finstrer Nacht,
Lass, Liebchen, husch mich ein!
Ich fürchte weder Schloss noch Wacht;
Holla! horch auf! um Mitternacht,
Sollst du erlöset seyn.

4.
Gesagt, gethan; Glock zwölfe stand
Der tapfre Ritter da;
Sanft reicht sie ihm die weiche Hand,
Früh man die leere Zelle fand;
Fort war sie, hopsasa!

Pedrillo hustet einigemal, Konstanze öffnet das Fenster.

PEDRILLO
Sie macht auf, Herr! Sie macht auf.

BELMONTE
Ich komme, ich komme!

KONSTANZE
oben am Fenster
Belmonte!

BELMONTE
Konstanze! hier bin ich! hurtig die Leiter!

Pedrillo stellt die Leiter an Konstanzens Fenster, Belmonte steigt hinein; Pedrillo hält die Leiter.

PEDRILLO
Was das für ein abscheuliches Spektakel macht.
hält die Hand aufs Herz
Es wird immer ärger, weil es nun Ernst wird. Wenn sie mich hier erwischten, wie schön würden sie mit mir abtrollen, zum Kopfabschlagen, zum Spiessen, oder zum Hängen. Je nu! der Anfang ist einmal gemacht, itzt ists nicht mehr aufzuhalten, es geht nun schon einmal aufs Leben oder auf den Tod los.

Belmonte kommt mit Konstanzen unten zur Thüre heraus.

BELMONTE
Nun, holder Engel! nun hab' ich dich wieder, ganz wieder; Nichts soll uns mehr trennen.

KONSTANZE
Wie ängstlich schlägt mein Herz! kaum bin ich im Stande mich aufrecht zu halten: wenn wir nur glücklich entkommen.

PEDRILLO
Nur fort! nicht geplaudert! sonst könnt' es freylich schief gehen, wenn wir da lange Rath halten, und seufzen.
stösst Belmonten und Konstanzen fort
Nur frisch nach dem Strande zu! ich komme gleich nach.

Belmonte und Konstanze ab.

PEDRILLO
Nun Kupido, du mächtiger Herzensdieb, halte mir die Leiter, und hülle mich sammt meiner Geräthschaft in einen dicken Nebel ein!
er hat unter der Zeit die Leiter an Blondens Fenster gelegt, und ist hinaufgestiegen.
Blondchen, Blondchen! mach auf ums Himmels willen, zaudre nicht! es ist um Hals und Kragen zu thun.

Es wird das Fenster geöffnet, er steigt hinein.


FÜNFTER AUFTRITT
Osmin und ein schwarzer Stummer öfnen die Thüre von Osmins Hause, wo Pedrillo hineingestiegen ist. Osmin noch halb schlaftrunken hat eine Laterne. Der Stumme giebt Osmin durch Zeichen zu verstehen, dass es nicht richtig sey; dass er Leute gehört habe, u.s.w.

OSMIN
Lärmen hörtest du? was kanns denn geben? vielleicht Schwärmer? Geh, spionire, bringe mir Antwort.

Der Stumme lauscht ein wenig herum; endlich wird er die Leiter an Osmins Fenster gewahr, erschrickt und zeigt sie Osmin, der wie im Taumel mit der Laterne in der Hand an seine Hausthüre gelehnt, sieht und nickt.

OSMIN
Gift und Dolch! was ist das? wer kann ins Haus steigen? Das sind Diebe, oder Mörder.
Er tummelt sich herum: weil er aber noch halb schlaftrunken ist, stösst er sich hier und da etc.

OSMIN
Hurtig, hole die Wache! ich will unterdessen lauren.

Der Stumme ab; Osmin setzt sich auf die Leiter mit der Laterne in der Hand und nickt ein. Pedrillo kömmt rückwärts wieder zum Fenster herausgestiegen, und will die Leiter wieder herunter. Blonde oben am Fenster wird Osmin gewahr und ruft Pedrillo zu.

BLONDE
O Himmel, Pedrillo! wir sind verloren.

PEDRILLO
sieht sich um, und so wie er Osmin gewahr wird, stutzt er, besieht ihn, und steigt wieder zum Fenster hinein
Ah! welcher Teufel hat sich wider uns verschworen.

OSMIN
auf der Leiter dem Pedrillo nach, ruft
Blondchen! Blondchen!

PEDRILLO
im Hineinsteigen zu Blondchen
Zurück, nur zurück!

OSMIN
steigt wieder zurück
Wart, Spitzbube, du sollst mir nicht entkommen. Hilfe Hilfe! Wache, hurtig, hier giebts Räuber! herbey, herbey!

Pedrillo kommt mit Blonden unten zur Hausthüre heraus, sieht schüchtern nach der Leiter, und schleicht sich dann mit Blonden darunter weg.

PEDRILLO UND BLONDE
im Abgehen
O Himmel steh uns bey! sonst sind wir verloren.

OSMIN
Zu Hilfe! zu Hilfe! geschwind!
er will nach

WACHE
mit Fackeln, halten Osmin auf
Halt, halt! Wohin?

OSMIN
Dorthin, dorthin.

WACHE
Wer bist du?

OSMIN
Nur nicht lange gefragt, sonst entkommen die Spitzbuben. Seht ihr denn nicht? hier ist noch die Leiter.

WACHE
Das sehn' wir: kannst nicht du sie angelegt haben?

OSMIN
Gift und Dolch! kennt ihr mich denn nicht? ich bin Oberaufseher der Gärten beym Bassa. Wenn ihr noch lange fragt, so hilft euer Kommen nichts.

Ein Theil der Wache bringen Pedrillo und Blonden zurück.

OSMIN
Ah endlich! Gift und Dolch! seh' ich recht! ihr beyde? warte, spitzbübischer Pedrillo, dein Kopf soll am längsten fest gestanden seyn.

PEDRILLO
Brüderchen, Brüderchen! wirst doch Spass verstehen? ich wollt' dir dein Weibchen nur ein wenig spazieren führen, weil du heute dazu nicht aufgelegt bist. Du weisst schon
heimlich zu Osmin
wegen des Cyperweins.

OSMIN
Schurke, glaubst du mich zu betäuben? hier verstehe ich keinen Spass; dein Kopf muss herunter, so wahr ich ein Muselmann bin.

PEDRILLO
Und hast du einen Nutzen dabey? wenn ich meinen Kopf verliere, sitzt deiner um so viel fester?

Ein anderer Theil der Wache auch mit Fackeln bringen Belmonte und Konstanze.

BELMONTE
widersetzt sich noch
Schändliche, lasst mich los!

WACHE
Sachte, junger Herr! sachte! uns entkömmt man nicht so geschwinde.

OSMIN
Sieh da! die Gesellschaft wird immer stärker. Hat der Herr Baumeister auch wollen spazieren gehen? O ihr Spitzbuben! Hatte ich heute nicht recht,
zu Belmonte
dass ich dich nicht in's Haus lassen wollte? nun wird der Bassa sehen, was für sauberes Gelichter er um sich hat.

BELMONTE
Das bey Seite! lass hören, ob mit euch ein vernünftig Wort zu sprechen ist? Hier ist ein Beutel mit Zechinen, er ist euer, und noch zweymal so viel; lasst mich los.

KONSTANZE
Lasst euch bewegen!

OSMIN
Ich glaube, ihr seyd besessen? euer Geld brauchen wir nicht, das bekommen wir ohnehin: eure Köpfe wollen wir.
zur Wache
Schleppt sie fort zum Bassa!

BELMONTE UND KONSTANZE
Habt doch Erbarmen! lasst euch bewegen!

OSMIN
Um nichts in der Welt! Ich habe mir längst so einen Augenblick gewünschet. Fort, fort!

Die Wache führt Belmont und Konstanzen fort, samt Pedrillo und Blonden.


Nr. 19 - Arie

OSMIN
allein
O! wie will ich triumphiren!
Wenn sie euch zum Richtplatz führen
Und die Hälse schnüren zu;
Hüpfen will ich, lachen, springen
Und ein Freudenliedchen singen
Denn nun hab' ich vor euch Ruh.
Schleicht nur säuberlich und leise
Ihr verdammten Harems-Mäuse,
Unser Ohr entdeckt euch schon;
Und eh' ihr uns könnt entspringen,
Seht ihr euch in unsern Schlingen,
Und erhaschet euren Lohn.
O! wie will ich triumphiren etc. etc.

Geht ab.


SECHSTER AUFTRITT
Zimmer des Bassa.

Selim mit Gefolge, hernach Osmin, Belmonte, Konstanze und Wache.

SELIM
zu einem Offiziere
Geht, unterrichtet euch, was der Lärm im Palast bedeutet; er hat uns im Schlaf aufgeschreckt, und lasst mir Osmin kommen.
Der Offizier will abgehen, indem kommt Osmin zwar hastig, doch noch ein wenig schläfrig

OSMIN
Herr! - Verzeih, dass ich es so früh wage, deine Ruhe zu stören.

SELIM
Was giebts, Osmin, was giebts? Was bedeutet der Aufruhr?

OSMIN
Herr, es ist die schändlichste Verrätherey in deinem Palast -

SELIM
Verrätherey?

OSMIN
Die niederträchtigen Christensklaven entführen uns die Weiber. Der grosse Baumeister, den du gestern auf Zureden des Verräthers Pedrillo aufnahmst, hat deine schöne Konstanze entführt.

SELIM
Konstanze? entführt? Ah, setzt ihnen nach!

OSMIN
O 's ist schon dafür gesorgt! Meiner Wachsamkeit hast du es zu danken, dass ich sie wieder beym Schopfe gekriegt habe. Auch mir selbst hatte der spitzbübische Pedrillo eine gleiche Ehre zugedacht, und er hatte mein Blondchen schon beym Kopfe, um mit ihr in alle Welt zu reisen. - Aber Gift und Dolch! er soll mirs entgelten! - Sieh, da bringen sie sie!

Belmonte und Konstanze werden von der Wache hereingeführt.

SELIM
Ah, Verräther! Ists möglich? - Ha, du heuchlerische Sirene! War das der Aufschub, den du begehrtest? Missbrauchtest du so die Nachsicht, die ich dir gab, um mich zu hintergehen?

KONSTANZE
Ich bin strafbar in deinen Augen, Herr, es ist wahr: aber es ist mein Geliebter, mein einziger Geliebter, dem lang schon dieses Herz gehört. O nur für ihn, nur um seinetwillen fleht' ich Aufschub. - O lass mich sterben! gern, gern will ich den Tod erdulden: aber schone nur sein Leben -

SELIM
Und du wagst's Unverschämte, für ihn zu bitten?

KONSTANZE
Noch mehr: für ihn zu sterben!

BELMONTE
Ha, Bassa! Noch nie erniedrigte ich mich zu bitten, noch nie hat dieses Knie sich vor einem Menschen gebeugt: aber sich, hier lieg ich zu deinen Füssen; und flehe dein Mitleid an. Ich bin von einer grossen spanischen Familie, man wird alles für mich zahlen. Lasse dich bewegen, bestimme ein Lösegeld für mich und Konstanze so hoch du willst. Mein Name ist Lostados.

SELIM
staunend
Was hör' ich! der Kommandant von Oran, ist dir der bekannt?

BELMONTE
Das ist mein Vater.

SELIM
Dein Vater? welcher glückliche Tag! Den Sohn meines ärgsten Feindes in meiner Macht zu haben! kann was angenehmers seyn! Wisse, Elender! Dein Vater, dieser Barbar ist Schuld, dass ich mein Vaterland verlassen musste. Sein unbiegsamer Geiz entriss mir eine Geliebte, die ich höher als mein Leben schätzte. Er brachte mich um Ehrenstellen, Vermögen, um alles. Kurz, er zernichtete mein ganzes Glück. Und dieses Mannes einzigen Sohn habe ich nun in meiner Gewalt! Sage er an meiner Stelle, was würde er thun?

BELMONTE
ganz niedergedrückt
Mein Schicksal würde zu beklagen seyn.

SELIM
Das soll es auch seyn. Wie er mit mir verfahren ist, will ich mit dir verfahren. Folge mir, Osmin, ich will dir Befehle zu ihren Martern geben.
zu der Wache
Bewacht sie hier.


SIEBENTER AUFTRITT
Belmonte und Konstanze.

Nr. 20 - Rezitativ und Duett

BELMONTE
Welch ein Geschick! o Qual der Seele!
Hat sich denn alles wider mich verschworen!
Ach! Konstanze! durch mich bist du verloren!
Welch eine Pein!

KONSTANZE
Lass, ach Geliebter, lass dich das nicht quälen!
Was ist der Tod? ein Uebergang zur Ruhe,
Und dann, an deiner Seite
Ist er Vorgeschmack der Seligkeit.

BELMONTE
Meinetwegen sollst du sterben!
Ach Konstanze! kann ich's wagen,
Noch die Augen auszuschlagen?
Ich bereite dir den Tod!

KONSTANZE
Belmont! du stirbst meinetwegen,
Ich nur zog dich ins Verderben,
Und ich soll nicht mit dir sterben?
Wonne ist mir dies Geboth!

BEYDE
Edle Seele! dir zu leben
War mein Wunsch und all mein Streben.
Ohne dich ist mirs nur Pein,
Länger auf der Welt zu seyn.

KONSTANZE
Ich will alles gerne leiden,

BELMONTE
Ruhig sterb' ich, und mit Freuden,

BEYDE
Da ich dir zur Seite bin.

KONSTANZE
Um dich, Geliebter!

BELMONTE
Um dich, Geliebte!

BEYDE
Geb' ich gern mein Leben hin!

BEYDE
O welche Seligkeit!
Mit der Geliebten / dem Geliebten sterben
Ist seliges Entzücken!
Mit wonnevollen Blicken
Verlässt man da die Welt.


ACHTER AUFTRITT
Pedrillo und Blonde werden von einem andern Theil der Wache hereingeführt; und die Vorigen.

PEDRILLO
Ach Herr! wir sind hin! An Rettung ist nicht mehr zu denken. Man macht schon alle Zubereitungen, um uns aus der Welt zu schaffen. Es ist erschrecklich, was sie mit uns anfangen wollen! Ich, wie ich im Vorbeygehen gehört habe, soll in Oel gesotten, und dann gespiesst werden. Das ist ein sauber Traktament! Ach! Blondchen! Blondchen! was werden sie wohl mit dir anfangen?

BLONDE
Das gilt mir nun ganz gleich. Da es einmal gestorben seyn muss, ist mir alles recht.

PEDRILLO
Welche Standhaftigkeit! Ich bin doch von gutem altchristlichen Geschlecht aus Spanien, aber so gleichgültig kann ich beym Tode nicht seyn! - - Weiss der Teufel ... Gott sey bey mir! wie kann mir auch itzt der Teufel auf die Zunge kommen?


LETZTER AUFTRITT
Die Vorigen, Bassa Selim, Osmin voll Freuden und Gefolge.

SELIM
Nun Sklave! elender Sklave! zitterst du? erwartest du dein Urtheil?

BELMONTE
Ja Bassa mit so vieler Kaltblütigkeit, als Hitze du es aussprechen kannst. Kühle deine Rache an mir, tilge das Unrecht, so mein Vater dir angethan; - - ich erwarte alles, und tadle dich nicht.

SELIM
Es muss also wohl deinem Geschlechte ganz eigen seyn Ungerechtigkeiten zu begehen, weil du das für so ausgemacht annimmst? Du betrügst dich. Ich habe deinen Vater viel zu sehr verabscheut, als dass ich je in seine Fusstapfen treten könnte. Nimm deine Freyheit, nimm Konstanzen, seegle in dein Vaterland, sage deinem Vater, dass du in meiner Gewalt warst, dass ich dich frey gelassen, um ihm sagen zu können, es wäre ein weit grösser Vergnügen eine erlittene Ungerechtigkeit durch Wohlthaten zu vergelten, als Laster mit Lastern tilgen.

BELMONTE
Herr! ... du setzest mich in Erstaunen ...

SELIM
ihn verächtlich ansehend
Das glaub ich. Zieh damit hin und werde du wenigstens menschlicher, als dein Vater, so ist meine Handlung belohnt.

KONSTANZE
Herr! vergieb! Ich schätzte bisher deine edle Seele, aber nun bewundre ich ...

SELIM
Still! Ich wünsche für die Falschheit, so Sie an mir begangen, dass Sie es nie bereuen möchten, mein Herz ausgeschlagen zu haben.
im Begriff abzugehen

PEDRILLO
tritt ihm in Weg und fällt ihm zu Füssen
Herr! dürfen wir beyde Unglückliche es auch wagen, um Gnade zu flehen? Ich war von Jugend auf ein treuer Diener meines Herrn ...

OSMIN
Herr! beym Alla! lass dich ja nicht von dem verwünschten Schmarotzer hintergehn! Keine Gnade! Er hat schon hundertmal den Tod verdient.

SELIM
Er mag ihn also in seinem Vaterlande suchen.
zur Wache
Man begleite alle viere an das Schiff.
giebt Belmonte ein Papier
Hier ist euer Passport.

OSMIN
Wie! meine Blonde soll er auch mitnehmen?

SELIM
scherzhaft
Alter! sind dir deine Augen nicht lieb? - Ich sorge besser für dich als du denkst.

OSMIN
Gift und Dolch! Ich möchte bersten!

SELIM
Beruhige dich. Wen man durch Wohlthun nicht für sich gewinnen kann, den muss man sich vom Halse schaffen.


Nr. 21 - Vaudeville

BELMONTE
Nie werd' ich deine Huld verkennen,
Mein Dank bleibt ewig dir geweiht!
An jedem Ort, zu jeder Zeit
Werd' ich dich gross und edel nennen.
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh' man mit Verachtung an.

ALLE
Wer so viel Huld etc.

KONSTANZE
Nie werd' ich im Genuss der Liebe
Vergessen, was der Dank gebeut,
Mein Herz, der Liebe nun geweiht,
Hegt auch dem Dank geweihte Triebe.
Wer so viel Huld etc.

PEDRILLO
Wenn ich es je vergessen könnte,
Wie nah' ich am Erdrosseln war,
Und all der anderen Gefahr:
Ich lief', als ob der Kopf mir brennte.
Wer so viel Huld etc.

BLONDE
Herr Bassa, ich sag' recht mit Freuden
Viel Dank für Kost und Lagerstroh,
Doch bin ich recht von Herzen froh,
Dass er mich lässt von dannen scheiden.
auf Osmin zeigend
Denn seh' er nur das Thier dort an,
Ob man so was ertragen kann.

OSMIN
Verbrennen sollte man die Hunde,
Die uns so schändlich hintergehn;
Es ist nicht länger anzusehn,
Mir starrt die Zunge fast im Munde,
Um ihren Lohn zu ordnen an:
Erst geköpft,
Dann gehangen,
Dann gespiesst
Auf heisse Stangen;
Dann verbrannt,
Dann gebunden
Und getaucht,
Zuletzt geschunden.
läuft voll Wuth ab

ALLE
Nichts ist so hässlich, als die Rache;
Hingegen menschlich, gütig seyn;
Und ohne Eigennutz verzeihn,
Ist nur der grossen Seelen Sache.
Wer dieses nicht erkennen kann,
Den seh' man mit Verachtung an.

DIE WACHE
Bassa Selim lebe lange,
Ehre sey sein Eigenthum,
Seine holde Scheitel prange
Voll von Jubel, voll von Ruhm.

FIRST ACT

Ouverture

FIRST SCENE
A square in front of the Pasha's palace by the sea shore

No. 1 - Aria

BELMONTE
alone
Here I shall see you again,
Constanza, who are all my joy!
Oh heaven, let it be so
And restore my peace of mind.
Oh love, I have suffered too much!
Now bestow happiness upon me instead
And lead me to my goal.

Dialogue

BELMONTE
But how am I to get into the palace, how to see her, how to speak to her?


SECOND SCENE

BELMONTE, OSMIN
Osmin arrives with a laddder, which he leans against a tree by the door of the palace.

No. 2 - Song and Duet

OSMIN
He who has found a sweetheart
Who is faithful and true,
Must reward her with a thousand kisses;
Must make her life a delight,
Must be her comforter and friend.
Trallalera, trallalera.

BELMONTE
Maybe I can discover something by questioning this old fellow. ? Hey there, friend! Am I right in thinking that this is the country estate of Pasha Selim?

OSMIN
carries on singing, while he continues to work.
But to ensure that she remains faithful
He had better lock up his sweetheart with care;
Since the mischievous young things try to capture
Every passing butterfly, and are
All too fond of eating stolen fruit.
Trallalera, trallalera.

BELMONTE
Hey there, old fellow! Are you deaf? Is this the palace of Pasha Selim?

OSMIN
looks at him, turns back and continues singing as before
By the light of the moon in particular,
Friends, watch them well!
Oft young gentlemen are lurking,
Whispering sweet nothings to the little fools
And then you can say good?night to fidelity!
Trallalera, trallalera.

BELMONTE
Confound you and your ditty!
I am truly tired of your singing;
Just listen to me for a moment!

OSMIN
The devil, how dare you
Work yourself up so, carry on so?
What do you want? Hurry up, I've got to go.

BELMONTE
Is this the house of Pasha Selim?

OSMIN
Eh??

BELMONTE
Is this the house of Pasha Selim?

OSMIN
This is the house of Pasha Selim.

turns to leave

BELMONTE
Just wait a moment!

OSMIN
I cannot stay.

BELMONTE
A single word?

OSMIN
Quick then, I must away.

BELMONTE
Are you in his service, my friend?

OSMIN
Eh??

BELMONTE
Are you in his service, my friend?

OSMIN
I am in his service, my friend.

BELMONTE
How can I get to speak to Pedrillo
Who is in his service here?

OSMIN
That rogue, who ought to break his neck!
See to it yourself, I shan't help you.

turns to leave

BELMONTE
aside
What a rude old rascal!

OSMIN
aside
He is a proper gallowsbird.

BELMONTE
You're mistaken, he is an honest man.

OSMIN
So honest that I'd like to put him on a spit.

BELMONTE
Your surely don't know him very well.

OSMIN
Well enough! I'd have him burned this very day.
This very day I'd have him burnt.

BELMONTE
In truth, there is no harm in him.

OSMIN
I'd like to stick his head on a stake!
turns to leave

BELMONTE
Please stay here!

OSMIN
What else do you want?

BELMONTE
I'd like to...

OSMIN
derisively
... To creep around
The house from afar
And abduct girls?
Away with you,
We don't need your type here.

BELMONTE
You're out of your mind!
To address me
So viciously
And disrespectfully!

OSMIN
Don't get worked up!
I know your type.

BELMONTE
Save your venom,
Stop threatening me.

OSMIN
Go to the devil
Or else, I swear it,
You'll get the bastinado
Without mercy.
You've still got time.

pushes him away

BELMONTE
There's no doubt about it:
You're out of your mind.
What a way to behave
On account of my questions!
Do keep your temper.

exit


THIRD SCENE
Osmin, Belmonte, Pedrillo

Dialogue

OSMIN
alone
I could just do with another rascal like Pedrillo. If only he had not got into the Pasha's good books the way he has, he'd have been strung up long ago.

PEDRILLO
Is the barometer pointing to «stormy weather» again? Why can we not make peace for once?

OSMIN
Make peace with you? I'd like to wring your neck!

PEDRILLO
But tell me: why? why?

OSMIN
Why? Because I can't stand you.


No. 3 - Aria

OSMIN
Popinjays sprung up from nowhere
Who do nothing but ogle women,
I can't put up with them.
All they ever do
Is to watch our every step,
But I'm not duped by types like that!

Your deceipt and your plots,
Your schemes and your tricks,
I know them all.
If you'd get the better of me
You'd have to be cunning indeed.
I've got some sense too.

Therefore, by the Prophet's beard,
By day and by night I rack may brains,
And I won't rest until I see you killed,
No matter how much care you take.

PEDRILLO
You really are a wicked old fellow, and I have done you no harm at all.

OSMIN
You've got the face of a gallowsbird, and that is enough for me.

First you'll be beheaded,
Then you'll be hanged,
Then impaled
On red?hot spikes,
Then burned,
Then manacled
And drowned;
Finally flayed alive.

off into the house


FOURTH SCENE
Pedrillo, later Belmonte

Dialogue

PEDRILLO
alone
Just go away, you confounded snooper, die game isn't over yet! Who knows who may get the better of the other!

BELMONTE
Pedrillo, my dear Pedrillo!

PEDRILLO
Oh, dearest Sir! Is it possible? Is it really you?

BELMONTE
Tell me, is my Constanza still alive?

PEDRILLO
She lives and, I hope, still lives for you. As luck would have it, Pasha Selim bought the three of us: your Constanza, my Blonda and me. Donna Constanza has become his special favourite.

BELMONTE
Ha! What are you saying?

PEDRILLO
Come, come, don't flare up so! As far as I know, his love is still unrequited.

BELMONTE
Oh my dear, good Pedrillo, do what you can so that I may see her, that I may speak to her! My heart is beating with fear and joy!

PEDRILLO
Stay close by. The Pasha is due to return from his pleasure trip on the water. I will introduce you to him as a clever architect. But you must control yourself: Constanza is with him.

exit


FIFTH SCENE

No. 4 - Recitative and Aria

BELMONTE
alone
Constanza, to see you again, you! ?

Oh how fearfully, oh how fervently
My heart is beating, full of love!
And the tears shed at seeing her again
Are recompense for the bitter pain of parting.

I tremble, I falter,
I hesitate, I shrink,
My heart swells and beats faster.

Is that her whisper?
Anxiety fills me.
Was that her sigh?
My cheeks are afire.
Did love deceive me?
Was it a dream?

Dialogue

PEDRILLO
hurries in
Quick, quick, step aside and hide yourself. The Pasha is coming.

Belmonte hides.


SIXTH SCENE
Pasha Selim and Constanza arrive on a pleasure craft, preceded by another boat carrying a Janissary band, which lands first. The Janissaries line up, sing the following chorus and depart.

No. 5 - Chorus

JANISSARIES' CHORUS
Sing to the mighty Pasha,
Resound, fiery song;
And let the shore reverberate
With the joyful sound of our songs!

SOLOS
Waft towards him,
Cooling breezes,
Flow more gently,
Billowing waters!
Let your song carry towards him,
Soaring choirs,
Let your song implant
Love's joy in his heart!

Janissaries off


SEVENTH SCENE
Selim, Constanza

Dialogue

SELIM
Still so despondent, beloved Constanza? Still in tears? Look, what a lovely evening, what charming surroundings, what enchanting music, my tender love for you ? tell me, can none of these calm you at last and move your heart? ? Consider: I could command you, I could be cruel to you, I could compel you?

CONSTANZA
sighs

SELIM
But no, Constanza, I want to have your love because you, you yourself, gave it to me?

CONSTANZA
Most generous of men! If only I could ? but?

SELIM
Tell me, Constanza, tell me, what holds you back?

CONSTANZA
You will hate me.

SELIM
No, I swear it. You know how much I love you, how much li-berty I give you, more than any other woman, that I look upon you as the only one?

CONSTANZA
Then forgive me.


No. 6 - Aria

CONSTANZA
Alas, I loved,
I was so happy;
I knew nothing of love's pain.
Promised to be true
To my beloved,
And I gave him all my heart.

But how quickly my joy deserted me,
Separation was my unhappy fate.
And now my eyes are bathed in tears,
Grief resides in my breast.


EIGHTH SCENE
Selim, Pedrillo, Belmonte

Dialogue

SELIM
Her grief, her tears, her constancy enchant my heart all the more, and make her love even more desirable. Who could use force against a heart like hers? ? No, Constanza, no, Selim has a heart as well, Selim knows love as well?

PEDRILLO
My Lord! Forgive me for daring to intrude upon your thoughts?

SELIM
What do you want, Pedrillo?

PEDRILLO
This young gentleman has heard of your wealth and has come to offer you his services as an architect.

BELMONTE
Could be so happy to win your acknowledgement besides my low abilities?

SELIM
Let us see what you can do.


NINTH SCENE
Belmonte, Pedrillo

Dialogue

PEDRILLO
Triumph, Sir! The first step has been taken.

BELMONTE
I have seen her, I have seen the dear, faithful, best of girls! If only it were possible to speak to her?

PEDRILLO
We will have to see what can be done. Just come into the garden with me; but for heaven's sake, be careful.

They are about to enter the palace. Osmin encounters them in the door and restrains them.


TENTH SCENE
As before, Osmin

Dialogue

OSMIN
Where are you going?

PEDRILLO
Inside.

OSMIN
What does the fellow want?

PEDRILLO
He is in the Pasha's service.

OSMIN
If he were in the hangman's services, he cannot enter.

PEDRILLO
But he must enter!!

OSMIN
Just take one step across the threshold?

PEDRILLO
Don't be difficult.

BELMONTE
Stand back, wretch!


No. 7 - Trio

OSMIN
Away! Away! Away! Clear off!
Or else the bastinado
Will be straightway at your service!

BELMONTE and PEDRILLO
My, wouldn't it be a pity
To treat us like that!

OSMIN
Don't come any closer,
Or else I'll let fly.

BELMONTE and PEDRILLO
Stand back from the door,
We're going in.

They push him away from the door.

OSMIN
Quick march! Or I'll let fly!

BELMONTE and PEDRILLO
Stand back, we're going in.

They force him aside and enter.


SECOND ACT

A garden in Pasha Selim's palace; Osmin's quarters are at the side.

FIRST SCENE
Osmin, Blonda

No. 8 - Aria

BLONDA
With tenderness and pretty words,
Kindness and pleasantries,
It is easy to conquer
Good girls' hearts.

But surly commands,
Banging about, nagging, tormenting,
Will result, in a few days,
In love and fidelity departing.

Dialogue

OSMIN
Tenderness! Pretty words!
aside
I hope you have not forgotten that die Pasha has given you to me as my slave?

BLONDA
Never you mind about the Pasha! Girls are not goods that can be given away as presents. I am an Englishwoman, born to be free, and defy anyone who would attempt to coerce me!

OSMIN
Poison and daggers! My patience is at an end! Go into the house this instant!

BLONDA
I'm not budging an inch.

OSMIN
Don't make me use force!

BLONDA
I shall meet force with force. My mistress is the Pasha's favourite. It only needs one word from me and you have fifty of the best on the soles of your feet. Be off?

OSMIN
aside
She is a devil.


No. 9 - Duet

OSMIN
I'm going, but let me advise you
To keep away from that rascal Pedrillo.

BLONDA
Be off, don't order me about,
You know that I can't abide it.

OSMIN
Promise me ...

BLONDA
How dare you?

OSMIN
Hang it all …

BLONDA
Away, leave me alone!

OSMIN
Indeed, I won't budge an inch
Until you swear to obey me.

BLONDA
Not a bit, you poor fool,
Even if you were the Great Mogul in person.

Together, but each to him/herself:

OSMIN
O Englishmen, what fools you are
To let your women have their own way!
What a bother and nuisance it is
To be landed with such a creature.

BLONDA
A heart born to freedom
Will never submit to slavery;
Even if liberty is lost
It is still proud to be free and laughs at the world!
Now be off!

OSMIN
How dare you address me like that?

BLONDA
Just like that.

OSMIN
I'll stay, all the more.

BLONDA
pushes him away
Some other time! Now you must go.

OSMIN
Was there ever such impudence!
together

BLONDA
pretending to scratch his eyes out
Your eyes are in peril
If you stay here any longer.

OSMIN
retreating nervously
Keep quiet, I'm going, I going,
Before you start using your fists.

exit


SECOND SCENE
Blonda, Constanza

Dialogue

BLONDA
How sadly my dear lady approaches! Of course it is painful to lose one's beloved and be a slave.

No. 10 - Recitative and Aria

CONSTANZA
without observing Blonda's presence

Oh, what changes have been wrought in my heart
Since that day when fate parted us!
Oh Belmonte! The joys have departed
Which I knew when by your side;
The pains of anxious longing
Now inhabit my oppressed heart!

Unhappiness has become my lot
Because I have been torn from you.
Like the rose, eaten by worms,
Like the grass that withers in winter
My wretched life is fading away.

Not even to the air may I confide
The bitter anguish of my soul,
Because, unwilling to endure it,
The very air blows all my laments
Back into my afflicted heart.

Dialogue

BLONDA
Oh, my dear lady! Still so despondent? I can see the Pasha over there.

exit


THIRD SCENE
Constanza, Selim

SELIM
Well, Constanza, are you considering my request? The day is al-most over, and tomorrow you must love me or?

CONSTANZA
Must? As though it were possible to command love! I will always think as I do now: I will honour you, but – love you? Never.

SELIM
And do you not tremble before the power that I have over you?

CONSTANZA
Not in the least. All I have to look forward to is death.

SELIM
Wretch! No, not death, but tortures of every kind?

CONSTANZA
I will endure them too; you cannot frighten me, I am ready for anything.


No. 11 - Aria

CONSTANZA
Tortures of every kind
May await me,
I scorn agony and pain.
Nothing will shake me,
Only one thing might make me tremble:
If I were to be unfaithful.
I implore you,
Spare me!
The blessings of heaven
Shall be your reward.
But you are determined.
Willingly, unflinchingly
I choose every pain and grief.
Well then, command, coerce me,
Roar, fulminate, rage,
Death will liberate me in the end.

exit


FOURTH SCENE
Selim alone

Dialogue

SELIM
Is it a dream? Where has she suddenly found courage to defy me like this? Is she hoping to escape me? Ha! That must be pre-vented. But that cannot be the reason, then she would dissemble, would seek to lull me ? Yes! It is desperation! I achieve nothing by being firm ? nor by entreating her ? well then, what threats and entreaties have not been able to do shall be achieved by cunning.

exit


FIFTH SCENE
Blonda alone

Dialogue

BLONDA
No Pasha, no Constanza any longer? Have they come to an agreement?


SIXTH SCENE
Blonda, Pedrillo

PEDRILLO
Pst, pst! Blonda! Is the coast clear?

BLONDA
What have you got?

PEDRILLO
News which will delight you.

BLONDA
Well? Quickly, out with it!

PEDRILLO
Belmonte has arrived, and I have introduced him into the palace under the guise of an architect. He has a ship close by and we have decided to carry you off this very night.

BLONDA
How splendid? But Osmin?

PEDRILLO
Here is a sleeping draught for the old slyboots; I'll put it in his drink. Now go and prepare Constanza, I will wait here for Belmonte.

BLONDA
Oh, what happiness I shall bring her!


No. 12 - Aria

BLONDA
What bliss, what delight
Holds sway within my heart!
I must hasten without delay
To bring her the news straight away
And with laughter and pleasantries
I will prophesy to her weak, timid heart
Happiness and rejoicing.

exit


SEVENTH SCENE
Pedrillo, alone

Dialogue

PEDRILLO
Oh, if only it were over and done with! If only we were already on the high seas, our girls in our arms and this accursed country behind us! But I must risk it; it's now or never. He who hesitates ist lost.

No. 13 - Aria

PEDRILLO
Now to battle!
Now to arms!
Only cowards are afraid.
Should I tremble,
Should I quake,
Rather than valiantly
Risking my life?
No, oh no, I'll take the risk!
Now to battle!
Now to arms!
Only cowards are afraid.


EIGHTH SCENE
Pedrillo, Osmin

Dialogue

OSMIN
Ha! Someone is having a great time here! You seem to be full of beans.

PEDRILLO
A cheerful disposition and wine sweeten the worst slavery. Truly, your father Mohammed made a terrible blunder when he forbade you to drink wine. If it weren't for that confounded law, you'd have to join me in a glass, whether you wanted to or not.

OSMIN
Join you in a glass of wine? Poison?

PEDRILLO
Always poison and daggers, daggers and poison! Do let the old enmity be, just for once, and have some sense. Look here, a brace of bottles of Cyprus wine?

OSMIN
But if you give me away?

PEDRILLO
Mohammed has been asleep for ages, and he has got better things to do than to worry about your bottle of wine.


No. 14 - Duet

PEDRILLO
Vivat Bacchus,
Long live Bacchus,
Bacchus was a fine fellow.

OSMIN
Shall I chance it?
Shall I drink it?
Can Allah see me?

PEDRILLO
What's the use of wavering?
Down with it, down with it!
Don't delay any longer!

OSMIN
drinks
Now the deed is done,
Now I have downed it;
I do declare, that's brave!

TOGETHER
Three cheers for the girls,
The blondes, the brunettes,
Three cheers!

PEDRILLO
It tastes lovely!

OSMIN
It tastes heavenly!

TOGETHER
That's what I call a drink for the Gods!
Vivat Bacchus,
Long live Bacchus,
Bacchus who discovered wine!

Dialogue

PEDRILLO
Truly, there is nothing better than wine!

OSMIN
That's true - wine - wine - is a lovely drink; and our great ? prophet, I hope he won't mind ? Poison and daggers!

PEDRILLO
aside
It is time to be rid of him!
aloud
Come, old chap, let's go to sleep.

takes him up

OSMIN
Sleep?

PEDRILLO
Come along, lest the Pasha should surprise us!

OSMIN
leaving
Yes, yes - a bottle - of fine - Pasha - is better - than - anything in the world! Good night ? brother ? good night.?

PEDRILLO
leads him away and returns immediately.


NINTH SCENE
Pedrillo, later Belmonte, Constanza, Blonda

BELMONTE
Has Constanza not yet arrived?

PEDRILLO
Here she is.

CONSTANZA
Belmonte!

BELMONTE
Constanza!

they embrace

CONSTANZA
Happiness brings tears as well!

No. 15 - Aria

BELMONTE
When tears of joy flow freely,
Love kindly smiles upon the lover;
To kiss them from her cheeks
Is love's highest reward.

Oh, Constanza! To behold you!
Blissfully and full of delight
To hold you close to my faithful heart,
Croesus' treasure could not equal it.

Were we never to be reunited,
Better that we were never to know
The bitter pangs of separation.

Dialogue

BELMONTE
I have a ship in readiness nearby; at midnight I will come to your window.
Love will be our companion.


No. 16 - Quartet

CONSTANZA
Ah, Belmonte, my beloved!

BELMONTE
Ah, Constanza, my beloved!

CONSTANZA
Can it be? What rapture!
To hold you close to my heart
After so many days of unhappiness!

BELMONTE
What bliss to find you!
Now all gnef must vanish!
Oh how my heart rejoices!

CONSTANZA
See how my tears of joy flow freely.

BELMONTE
Angel! Let me kiss them from your cheek.

CONSTANZA
Let them be the last ones.

BELMONTE
Indeed, you shall be free this very day.

PEDRLLLO
Now, Blonda, have you understood?
Everything is prepared for flight.
We will be here on the stroke of midnight.

BLONDA
Don't worry, all will be ready,
I shall count the minutes;
If only the moment were here already!

ALL FOUR TOGETHER
At last the sun of hope
Illuminates the gloomy skies.
Full of rapture, joy and bliss
We can see the end of our suffering.

BELMONTE
Yet, in spite of my happiness
My heart within my breast
Is full of secret care.

CONSTANZA
What is it, dearest? Tell me,
Quickly, explain yourself.
Conceal nothing from me!

BELMONTE
They say ? they say ? that you . . .

regards Constanza silently and anxiously

CONSTANZA
Go on!

regards Belmonte silently and anxiously

PEDRLLLO
indicating that he risks being hanged
But Blonda, oh that ladder!
Are you really worth it?

BLONDA
You fool, have you gone mad?
It might be better
If you had turned the question round!

PEDRLLLO
But Master Osmin??

BLONDA
Let's hear it!

CONSTANZA
Will you not explain yourself?

BELMONTE
They say??

PEDRLLLO
But Master Osmin??

BELMONTE
That you??

PEDRLLLO
But Master Osmin??

BLONDA
Let's hear it!

CONSTANZA
Go on??
Will you not explain yourself?

BELMONTE
I will. But do not be angry
If, having heard a rumour,
I should dare to ask you
In fear and trembling
Whether you love the Pasha?

PEDRLLLO
to Blonda
Has Master Osmin never,
As one might well believe,
Exercised his lordly rights
Upon you as your owner?
That would a poor bargain!

CONSTANZA
to Belmonte
Oh, how you grieve me!
She weeps

BLONDA
to Pedrillo
Here's my reply to you!
slaps Pedrillo's face

PEDRLLLO
rubbing his cheek
Now I am in the picture.

BELMONTE
on his knees
Constanza, oh forgive me!

BLONDA
angrily walking away from Pedrillo
You don't deserve me at all!

CONSTANZA
sighing as she turns away from Belmonte
Have I remained faithful to you?

BLONDA
to Constanza
The rogue has dared to ask
Whether I have remained true to him!

CONSTANZA
to Blonda
And Belmont has been told
That I love the Pasha!

PEDRLLLO
rubbing his cheek
I'd take my dying oath
On Blonda's fidelity!

BELMONTE
to Pedrillo
Constanza is true to me,
There can be no doubt about it.

CONSTANZA and BLONDA
When men become suspicious
And have no faith in our honour,
And look upon us with mistrust,
It is not to be borne.

BELMONTE and PEDRLLLO
When women are aggrieved
Because we think them fickle,
Then they are really true
And free from all reproaches.

PEDRLLLO
Dearest Blonda do forgive me!
Look, I put more faith in your fidelity
Than upon m own head!

BLONDA
No, you can't get away with it.
Suspecting me of doing that
With that foolish old buffer!

BELMONTE
Oh, Constanza, my beloved!
Can you ever forgive me
For having asked such a question?

CONSTANZA
Belmonte! How could you believe
That anyone could steal this heart
Which beats for you alone?

BELMONTE, then PEDRLLLO
Oh, forgive me!

PEDRILLO, then BELMONTE
I am repentant!

CONSTANZA and BLONDA
I forgive
Your remorse.

ALL FOUR
Well, let this be the end of the matter!
Long live love
Let us value nothing else!
Let nothing kindle
The fire of jealousy.

all off


THIRD ACT

FIRST SCENE
Pedrillo, Klaas

and

SECOND SCENE
Belmonte, Pedrillo

contain only dialogue and are often omitted.


THIRD SCENE
Belmonte alone

Dialogue

BELMONTE
Oh, Constanza! How my heart is beating! The nearer the moment approaches, the more anxious my soul becomes. Love, be my guide!


No. 17 - Aria

BELMONTE
Oh love, I build upon your strength,
I rely upon your power;
Consider what works
Have been achieved by you!
What all the world thinks impossible


FOURTH SCENE
Belmonte and Pedrillo

Dialogue

PEDRILLO
Everyone is asleep.
looks at the clock
Go and keep a sharp look?out, so that we shan't be caught.
taking up his mandolin
Courage is the most foolish thing in the world. If you haven't got it, nothing will give it to you. My father must have been the greatest coward ever.
He starts to play
Nothing venture, nothing win!


No. 18 - Romance

PEDRILLO
In Moorish lands imprisoned lay
A girl, pretty and delicate;
Rosy cheeks, white skin, black hair,
She sighed day and night, she even wept,
Longing to be rescued.

Then came from foreign lands
A young knight
Who took pity on the maiden.
Hey, he cried, I'll risk my life and honour
If only I can rescue her.

PEDRILLO
So far so good; nothing is stirring.

BELMONTE
comes forward
That is enough, Pedrillo.

PEDRILLO
It's not my fault that they have still not shown themselves. We must try again. Just stay at your post.

BELMONTE
off again

PEDRILLO
I'll come to you at dead of night,
Dearest, let me in quickly;
I fear neither padlocks nor watchmen,
Heigho, take heed, at midnight
You shall be saved.

No sooner said than done, one the stroke
Of midnight the brave knight was there;
Gently she gave him her white hand,
Next morning her cell was found to be empty;
She was gone, up and away!

Dialogue

PEDRILLO
as Constanza opens her window
She's opening up, Sir, she's opening up!
Pedrillo places the ladder under the window; Belmonte climbs in.
Belmonte and Constanza emerge from the door.


CONSTANZA
How anxiously my heart is beating! If only we can escape safely.

PEDRILLO
Away, quickly! No chatting now!
Belmonte and Constanze off
Blonda, Blonda! Hurry up, for heaven's sake!
He climbs into her window.


FIFTH SCENE
Osmin, a black mute

OSMIN
Poison and daggers, what's this? Thieves! Murderers!
He sits down on the bottom rung of the ladder and starts to sleep. The mute departs.

BLONDA
looks out of the window
Heavens above, Pedrillo! We are lost.

Pedrillo comes out of the door with Blonda; they tiptoe away.
Some guards escort Pedrillo and Blonda back.


OSMIN
Do my eyes deceive me? You two? Just you wait, you rascally Pedrillo. Your head must part company from your shoulders, as sure as I am a Muslim.

Some more guards bring Belmonte and Constanza.

BELMONTE
struggling
Wretches, let go of me!

OSMIN
Did the architect want to take a stroll as well?

BELMONTE
Here is a purse full of cold coins, it is yours if you let me go.

OSMIN
I do believe you are out of your mind! We do not need your money, we will get that anyway; we want your heads.

The guards lead Belmonte and Constanza away together with Pedrillo and Blonda.


No. 19 - Aria

OSMIN
Oh, how I shall triumph
When they conduct you to the place of execution
And put the garrotte round your throats!

I shall gambol, laugh and jump about
And sing a song of delight,
Since I am rid of you at last.

No matter how softly and carefully you prowl,
You confounded harem mice,
Our ear is bound to detect you!
And ere you can escape us
You find yourselves caught in our snares
And will get your just deserts.
Oh, how I shall triumph ...


SIXTH SCENE
The Pasha's apartments
Selim with his attendants, later Osmin, Belmonte, Constanza and guards


Dialogue

SELIM
What is it, Osmin? What is the meaning of this commotion?

OSMIN
My Lord, the most scandalous treachery in your palace?

SELIM
Treachery?

OSMIN
The fine architect has ? abducted your lovely Constanza.

Belmonte and Constanza are led in by the guard.

SELIM
Traitor! Can it be true? And you, false siren? Is this how you abu sed the indulgence which I showed you, in order to deceive me?

CONSTANZA
It is true, Sir, that I am culpable in your eyes. But this is my belo ved. I will gladly embrace death, but spare his life!

SELIM
Impudent woman, you dare to beg for mercy for him?

CONSTANZA
I dare more: to die for him!

BELMONTE
Pasha! Never before have I humbled myself to beg. But behold, I lie at your feet and ask for your mercy. I am the scion of a great Spanish family. My name is Lostados.

SELIM
surprised
What do I hear? Do you know the Commandant of Oran?

BELMONTE
He is my father.

SELIM
Your father? What blessed day! To have the son of my worst enemy in my power! Listen, wretch! It is because of your father, that barbarian, that I had to leave my country. His implacable greed robbed me of my beloved, whom I treasured more than life itself. He deprived me of an honourable position, of my property, of everything. In a word, he ruined my whole happiness. And now I have this man's only son in my power. Tell me, if he were in my position, what would he do?

BELMONTE
quite despondent
My fate would be deplorable indeed.

SELIM
And so it shall be. As he treated me, so I shall treat you.

exit with Osmin


SEVENTH SCENE
Belmonte and Constanza

No. 20 - Recitative and Duet

BELMONTE
What cruel fate! What grief!
Has everything conspired against me?
Oh, Constanza! Through my fault you are in peril!
What agony!

CONSTANZA
Beloved, do not let it trouble you.
What is death? It leads to peace.
And furthermore, by your side,
It is a foretaste of bliss.

BELMONTE
Angelic being! What sweet perfection!
You bring comfort to my distracted heart.
You ease the mortal pain,
And I, alas, take you into the grave with me.

You must die on my behalf!
O, Constanza, how dare I
Lift my eyes to you?
I am the cause of your death!

CONSTANZA
Belmont, you die because of me!
It is I who brought about your ruin,
And should I not die with you?
This precept is bliss for me.

TOGETHER
Noble soul, to live for you
Is my desire and all I strove for.
Without you, to live on in this world
Brings me nothing but pain.

BELMONTE
Gladly will I suffer everything,

CONSTANZA
Peacefully and joyfully will I die,

TOGETHER
Because you will be by my side.
For you beloved,
I would gladly give my life.
Oh what delight!
To die with the beloved
Is enchanted bliss!
With radiant looks
We shall depart this world.


FINAL SCENE
Constanza, Belmonte, Pedrillo, Blonda, Pasha, Osmin (gleeful) and attendants.

Dialogue

SELIM
Are you trembling? Are you ready to receive your sentence?

BELMONTE
Yes, Pasha. Take your revenge upon me, expunge the wrongs that my father committed against you.?

SELIM
You are mistaken. I despised your father far too much ever to follow in his footsteps. Take your freedom, take Constanza, tell your father that you were in my power, that I released you so that you might tell him that it is a far greater pleasure to repay injustices suffered by good deeds than to compensate evil by more evil.

CONSTANZA
Lord, forgive me! Until now I valued ... your noble soul, but now I admire …

SELIM
Enough! I hope that, in return for the deceipt that you practi ced upon me, you should never regret that you rejected my love.

turns to leave

PEDRILLO
falls at his feet
My Lord! Dare we two wretches also implore you to be lenient?

OSMIN
No lenience for him! He has deserved death a thousand times.

SELIM
Then let him find it in his own country.
to the guards
Conduct all of them to their ship.

OSMIN
What! Is he to take my Blonda away as well?

SELIM
jovially
Old fellow - calm yourself. Those whom one cannot win over by kindness one has to get rid of.


No. 21a - Vaudeville

BELMONTE
Never will I forget your benevolence;
For ever shall I sing your praises.
In every place, at every time
I shall proclaim you great and noble.

CONSTANZA, BELMONTE, PEDRILLO, BLONDA, OSMIN
Anyone who can forget such graciousness
Deserves to be looked upon with scorn.

CONSTANZA
Never, even while rejoicing in love,
Shall I forget what gratitude commands;
My heart, devoted to love from now on,
Feels emotions inspired by gratitude as well.

CONSTANZA, BELMONTE, PEDRILLO, BLONDA, OSMIN
Anyone who can forget such graciousness
Deserves to be looked upon with scorn.

PEDRILLO
If ever I were to forget
How close I came to being strangled,
And all the other perils?
I'd run as though my head were on fire.

CONSTANZA, BELMONTE, PEDRILLO, BLONDA, OSMIN
Anyone who can forget such graciousness
Deserves to be looked upon with scorn.

BLONDA
My Lord Pasha, full of joy I thank you
Most heartily for board and lodging.
But I am truly glad
That you allow me to depart from here.
pointing to Osmin
Just look upon that beast there,
Is that to be endured?

OSMIN
These dogs, we ought to burn them,
Who tricked us so shamefully!
I can bear it no longer;
My tongue is almost paralysed
Through not being able to order their reward:
First you'll be beheaded,
Then you'll be hanged,
Then impaled
On red?hot spikes,
Then burned,
Then manacled
And drowned;
Finally flayed alive.

runs off in a rage

CONSTANZA, BELMONTE, BLONDA, PEDRILLO
Nothing is as loathsome as revenge;
But to be humane and kind
And to forgive without self?interest –
Only a great soul is capable of that.
Anyone who can forget such graciousness
Deserves to be looked upon with scorn.

No. 21b – Chorus

CHORUS OFJANISSARIES
Long live Pasha Selim!
Let him be honoured!
Let his exalted brow be wreathed
With rejoicing and renown.

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Partitur

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