Die Bassariden

Die Bassariden

Opera seria mit Intermezzo in einem Akt (vier Sätze)

Libretto

Wystan Hugh Auden und Chester Kallman
nach Die Bakchen von Euripides

Uraufführung

6. August 1966, Salzburg (Grosses Festspielhaus)

Besetzung

DIONYSOS, DIE "STIMME" UND DER FREMDE (Tenor)
KADMOS, Gründer und früherer König von Theben (Bass)
AGAUE und AUTONOE, seine Töchter (Mezzosopran)
BEROE, die Amme (Sopran)
PENTHEUS, Sohn der Agaue, König von Theben (Bariton)
TIRESIAS, ein Seher (Tenor)
HAUPTMANN DER KÖNIGLICHEN WACHE (Bariton)

Bassariden, Volk von Theben, Wachen und Soldaten, Diener

Personen des Zwischenspiels:
VENUS (AGAUE) (Mezzosopran)
PROSERPINA (AUTONOE) (Sopran)
KALLIOPE (TIRESIAS) (Tenor)
ADONIS (HAUPTMANN) (Bariton)

Ort

Königlicher Palast in Theben und Berg Kytheron

Zeit

Griechische Antike

Henze, Hans Werner

Henze, Hans Werner
1.7.1926 Gütersloh, Westfalen


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Das Wundertheater (7.5.1949 Heidelberg)
Ein Landarzt (19.11.1951 Hamburg)
Boulevard Solitude (17.2.1952 Hannover)
Das Ende einer Welt (4.12.1953 Hamburg)
König Hirsch (23.9.1956 Berlin)
Der Prinz von Homburg (22.5.1960 Hamburg)
Elegy for Young Lovers (20.5.1961 Schwetzingen)
Il re cervo, or The Errantries of Truth [rev. König Hirsch] (10.3.1963 Kassel)
Ein Landarzt [rev] (12.10.1965 Berlin)
Das Wundertheater [rev] (30.11.1965 Frankfurt)
Ein Landarzt [rev 2] (30.11.1965 Frankfurt)
Das Ende einer Welt [rev] (30.11.1965 Frankfurt)
Der junge Lord (7.4.1965 Berlin)
The Bassarids (6.8.1966 Salzburg)
Moralities (18.5.1968 Cincinnati)
Der langwierige Weg in die Wohnung der Natascha Ungeheuer (17.5.1971 Roma*)
La cubana, oder Ein Leben für die Kunst (4.3.1974 New York*; 28.5.1975 München)
We Come to the River (12.7.1976 London)
Don Chisciotte (1.8.1976 Montepulciano)
Pollicino (2.8.1980 Montepulciano)
The English Cat (2.6.1983 Schwetzingen)
Ödipus der Tyrann oder Der Vater vertriebt seinem Sohn und Schickt die Tochter in die Küche (30.10.1983 Kindberg)
Das verratene Meer (5.5.1990 Berlin)
rev = Bearbeitung / * = konzertant (Radio)

EINZIGER AKT

1. Satz:
Kadmos, Vater der Semele, hat die Herrschaft über Theben seinem Enkel Pentheus übertragen. Pentheus ist ein Gegner der Vielgötterei seines Volkes und des Kultes um Dionysos, den Sohn der Semele und des Zeus. Die zur Begrüssung des neuen Königs erschienenen Thebaner vernehmen eine Stimme, die den Einzug des Dionysos in Böotien ankündigt. Ihn zu begrüssen eilen sie zum Berg Kytheron. Kadmos wirkt unschlüssig; er fühlt sich dem alten Hera-Kult verpflichtet. Teiresias fürchtet den Zorn Heras, die ihn mit Blindheit geschlagen hat, nicht; er setzt auf Dionysos, den jüngsten der Götter. Agaue verspottet den alten Seher als schlaffen, von Eros bedrängten Mann und Dionysos als leeren Weinschlauch. Ein junger Hauptmann verliest einen Befehl des Pentheus: Wer weiter die Lüge verbreite, Götter liessen sich lüstern mit Menschen ein und Semele habe von Zeus den Dionysos empfangen, den treffe Acht und Bann. Pentheus selbst löscht die Flamme im Semele-Tempel und droht allen, die sie wieder anzünden, mit der Todesstrafe, ganz zu Agaues Genugtuung. Da ertönt wieder die verführerische Stimme, die reines strafloses Entzücken im Tanz zu Ehren des Dionysos verspricht. Autonoe und selbst Agaue beginnen sich wie willenlos im Tanz zu drehen, sie folgen dem Ruf zum Berg Kytheron.

2. Satz:
Pentheus, der seinen Vater verachtet, weil er jedem Gott Tempel baute, um es mit keinem zu verderben, lässt alle gefangen nehmen, die am Dionysos-Kult auf dem Berg Kytheron teilnahmen. Er schwört, rein zu leben, zu verzichten "auf Wein und Fleisch und der Frauen Bett". Unter den Verhafteten ist Dionysos selbst, in der Gestalt eines Fremden, den nur Beroe erkennt. Vergeblich forscht Pentheus, wo der Gott sei: Alle befinden sich in einer Art Trance und sind auch unter der Folter unfähig, dem König zu antworten. Pentheus verbannt Teiresias und stellt Agaue und Autonoe unter Arrest. Beroe warnt Pentheus vergeblich, dies sei der Gott, auf den er hören müsse: Pentheus droht auch dem Fremden mit dem Tod. Dieser aber gibt unbetroffen an, er sei aus Lydien, und berichtet, ein Kind von Chios nach Naxos geführt zu haben - er spricht von der berühmt gewordenen "wunderbaren Meerfahrt des Dionysos".

3. Satz:
Als man den Fremden zu foltern beginnt, verdunkelt sich der Himmel, ein Erdbeben bringt das Gefängnis zum Einsturz. Die Gefangenen sind frei, sie eilen zurück zum Kytheron. Die Flamme im Semele-Tempel entzündet sich aufs Neue. Pentheus ist nachdenklich geworden. Er lässt sich von dem Fremden in einem Spiegel die Vorgänge des Dionysos-Festes zeigen.

Intermezzo:
In einer Art Schäferspiel erblickt Pentheus Agaue und Autonoe, die als Venus und Proserpina um die Gunst des als Adonis verkleideten Hauptmanns buhlen, bis Teiresias als Muse Kalliope ein gerechtes Urteil spricht. Der entsetzte Pentheus will sich nun selbst ein Bild von dem obszönen Geschehen am Berg Kytheron machen. Er wirft sich zur Tarnung das Kleid seiner Mutter über. Umsonst bittet Beroe den Gott, Pentheus zu schonen. Im Wald am Kytheron beobachtet der König die im Bann des Gottes ekstatisch als Bassariden und Mänaden tanzenden Thebaner. Die Stimme des Gottes aber macht die orgiastisch Feiernden auf den Spion aufmerksam. Pentheus wird entdeckt und von den Bassariden in wildem Taumel zerrissen.

4. Satz:
Im Triumphzug ziehen die Bassariden in Theben ein. Agaue schwingt den Kopf ihres Sohnes wie eine Jagdtrophäe. Kadmos reisst sie aus ihrer Trance; sie erkennt, wessen Haupt sie hält, und bricht wehklagend zusammen. Den düster Trauernden erscheint Dionysos in seiner Gottgestalt und übt seine Rache: Er schickt Kadmos, Autonoe, Agaue in die Verbannung und steckt den Palast in Brand. Agaue flucht den Göttern: "Spielt mit uns, solang ihr könnt: ein Tartaros wartet auch auf euch!" Dann ruft Dionysos seine Mutter Semele an, um mit ihr vom Totenreich hinauf in den Olymp zu steigen. Das Volk wirft sich vor zwei riesigen Fruchtbarkeitsgötzen an Semeles Grab zur Anbetung nieder.

Aus Gründen des Copyrights darf dieses Libretto leider noch nicht veröffentlicht werden.