Eine Nacht in Venedig

Eine Nacht in Venedig

Operette in drei Akten

Libretto

Friedrich Zell und Richard Genée

Uraufführung

3. Oktober 1883: Berlin

Besetzung

GUIDO, Herzog von Urbino (Tenor)
CENTURIO, sein Page (Sprechrolle)
DELAQUA }
BARBARUCCIO, } Senatoren (Sing- und Sprechrollen)
TESTACCIA }
BARBARA, Delaquas Frau (Sopran)
CIBOLETTA, Dienerin bei Delaqua (Sprechrolle)
AGRICOLA, Barbaruccios Frau (Alt)
ANNINA, Fischerstochter, ihre Milchschwester (Sopran)
CARAMELLO, des Herzogs Barbier (Tenor)
PAPPACODA, Makkaronikoch (Sprechrolle)
ENRICO PISELLI, Delaquas Neffe, Marineoffizier (Tenor)
CHOR:
Würdenträger, Damen und Herren der Gesellschaft, Offiziere, Soldaten, Wachen, Bediente, Masken, Gäste, Gondolieri, Volk


Ort

Venedig

Zeit

18. Jahrhundert, Karneval

Strauss, Johann

Strauss, Johann (Baptist) II
25.10.1825 Wien - 3.6.1899 Wien


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Indigo und die vierzig Räuber (10.2.1871 Wien)
Der Carneval in Rom (1.3.1873 Wien)
Die Fledermaus (5.4.1874 Wien)
Cagliostro in Wien (27.2.1875 Wien)
Prinz Methusalem (3.1.1877 Wien)
Blindekuh (18.12.1878 Wien)
Das Spitzentuch der Königin (1.10.1880 Wien)
Der lustige Krieg (25.11.1881 Wien)
Eine Nacht in Venedig (3.10.1883 Berlin)
Der Zigeunerbaron (24.10.1885 Wien)
Simplicius (17.12.1887 Wien)
Ritter Pázmán (1.1.1892 Wien)
Fürstin Ninetta (10.1.1893 Wien)
Jabuka, oder Das Apfelfest (12.10.1894 Wien)
Waldmeister (4.12.1895 Wien)
Die Göttin der Vernunft (13.3.1897 Wien)

ERSTER AKT
Der Herzog von Urbino, ein berüchtigter Schürzenjäger, weilt wieder einmal in Venedig. Dieses Mal stellt er Barbara, der Gemahlin des Senators Delaqua, nach. Delaqua, ein älterer Herr, hat davon erfahren und schliesst seine Frau, als sie zum Ball des Herzogs geladen wird, in ihr Zimmer ein. Er selbst geht mit der Köchin Ciboletta, die er als seine Frau ausgibt, auf das herzogliche Fest. Der Herzog fällt jedoch nicht darauf herein und beauftragt seinen Barbier Caramello, unter allen Umständen die echte Barbara herbeizuschaffen. Diese aber hat inzwischen ihre Kleider mit der Fischerin Annina getauscht. Dies hat sie schon öfter getan, denn die angeblich so tugendsame Barbara hat mit dem Seeoffizier Enrico Piselli angebandelt. Mit ihm stürzt sie sich nun in das Karnevalstreiben von Venedig.
Caramello hält die Frau, die, angelockt durch sein prächtiges Gondellied, in einer schönen Maske Dalaquas Haus verlässt, für Barbara und bringt sie zum Palais des Herzogs.

ZWEITER AKT
Caramello tritt in den Ballsaal, wo die Frauen aller anderen Senatoren schon versammelt sind und merkt endlich, dass er statt Barbara Annina, die er selbst liebt, mitgebracht hat. Er gesteht seinen Fehler jedoch nicht ein, so dass der Herzog, von Caramello eifersüchtig beobachtet, mit ihr soupieren kann. Inzwischen sind auch die Senatoren eingetroffen. Delaqua gibt seiner Ciboletta den Auftrag, für ihn beim Herzog wegen der freien Verwalterstelle zu intervenieren. Sie hält sich aber nicht daran, sondern versucht lieber, ihrem Geliebten, dem Koch Pappacoda, die Stelle des Leibkochs zu verschaffen. Der Herzog gibt sich sehr freundlich, verspricht aber nichts. Er geht mit Ciboletta und Annina zum Essen. Caramello befiehlt den Dienern, dieses Souper möglichst lange hinauszuziehen. So hat der Herzog keine Zeit mehr, mit Annina allein zu sein, denn um Mitternacht muss er nach alter Sitte seine Gäste auf den Markusplatz führen.

DRITTER AKT
Dort ist ein lebhaftes Maskenfest im Gang. Delaqua bemerkt sofort, dass sich seine Frau mit Piselli vergnügt. Argwöhnisch beobachtet inzwischen Caramello jeden Schritt des Herzogs, damit der seiner Annina nicht zu nahe treten kann. Barbara erfindet, als ihr Mann sie zur Rede stellt, eine Ausrede: Enrico habe sie vor einer Entführung gerettet. Jetzt endlich wird auch dem Herzog klar, dass er bis jetzt der falschen Barbara den Hof gemacht hat. Aber auch Annina hat ihm recht gut gefallen. Um auch in Zukunft mit ihr firten zu können, möchte er sie in seiner Nähe behalten. So ordnet er an, dass Caramello und Annina bald heiraten, und gibt Caramello den freien Verwalterposten.


Operette in drei Akten

Personen:
GUIDO, HERZOG VON URBINO (Tenor)

Senatoren von Venedig:
BARTOLOMEO DELACQUA (Bariton)
STEFANO BARBARUCCIO
GIORGIO TESTACCIO

BARBARA, Delacquas Frau (Sopran)
AGRICOLA, Barbaruccios Frau
CONSTANTIA, Testaccios Frau
ANNINA, Fischerstochter, Barbaras Milchschwester (Sopran)
CARAMELLO, Leibbarbier des Herzogs (Tenor)
PAPPACODA, Makkaronikoch (Tenor)
CIBOLETTA, Zofe bei Delacqua (Sopran)
ENRICO PISELLI, Seeoffizier im Dienst der Republik Venedig, Delacquas Neffe
CENTURIO, Page des Herzogs
BALBI, Diener des Herzogs

Senatorsfrauen:
NOTBURGA
MACEDONIA
TEODOLINDA
CANTILLIANA
PETRONILLA
LIBERATA

PEPPINO, ein Junge

CHOR:
Kavaliere, Gäste, Musikanten, Diener des Herzogs, Senatoren, Senatorsfrauen, Masken, Gondolieri, Matrosen
Fischer, Strassenhändler, Mädchen und Frauen aus dem Volke

Ort: Venedig
Zeit: Mitte des 18. Jahrhunderts



Ouvertüre

ERSTER AKT
Platz am Canal grande mit Blick auf die Dogana (Santa Maria della Salute) und die Insel San Giorgio. Rechts vorne das in romanischem Stil gehaltene Haus Delacquas, dahinter, unmittelbar am Kanal, ein zweites Haus.
Links vorne ein torartiger Schwibbogen; an diesen anschliessend der rückwärtige Teil des Palazzo Urbino (in maurischem Stil). Es wird angenommen, dass die Vorderfronten des Palazzo und des Hauses zur Rechten gegen
den Kanal zu liegen, so dass auf dem Platz nur die Rückseiten der Gebäude sichtbar sind. Links, hart an dem
Schwibbogen, steht der primitive Stand des Pappacoda: ein kleines, zerlumptes Zelt, darunter der mit Kohlenfeuer geschürte Makkaronikessel; daneben ein kleines Tischchen, auf dem ineinandergeschichtete Schüsseln liegen. Im Kanal sieht man manchmal eine Gondel vorbeifahren. Rechts am Ufer liegt eine Barke.



ERSTER AUFTRITT
Peppino, Volk, Schiffer, Orientalen, Mönche, Gondolieri, Soldaten, Matrosen, Händler aller Art. Dann Pappacoda, zuletzt Annina.

Wenn der Vorhang aufgeht, herrscht reges Volksleben.
Es ist Feierabend. Über der Szene liegt gelblichrotes Licht, wie es der Dämmerung vorangeht. Am Ufer des Kanals legt eine Gondel an, welcher eine Dame entsteigt, die Einkäufe macht und dann weiterfährt. Aus der Barke, die am Ufer liegt, wird Holz geladen. Um Pappacodas Stand stehen und sitzen einige zerlumpte Gesellen, die Makkaroni essen. Peppino, ein kleiner, schmieriger Junge, bedient sie. Der heiter auftretende Pappacoda ist ein junger Neapolitaner: in seinem Äusseren halb Lazzaroni, halb Koch; er hat krauses Haar, braunen Teint, trägt Ohrringe und um den Hals ein Amulett, ist sehr geschwätzig und gestikuliert aufs lebhafteste.



Nr. 1 - Introduktion

ALLGEMEINER CHOR
Wenn vom Lido sacht
Wieder Kühlung weht,
Wenn der Sonne Macht Schon zur Neige geht,
Dann strömet die Menge
In buntem Gedränge
Durch Plätze und Strassen,
Kanäle und Gassen;
Die Ufer, die Brücken
Gefüllt zum Erdrücken;
Ein Hasten, ein Laufen
Zum Kaufen, Verkaufen!
In zahllosen Weisen
Hört Waren man preisen!

STIMMEN DER VERKÄUFER
(durcheinander)

FISCHWEIB
Pesci, pesci freschi!

BLUMENMÄDCHEN
Qua la bella pianta!

OBSTVERKÄUFER
Rosse, rosse le angurie!

WASSERTRÄGER
Acqua, acqua dolce!

BOHNENHÄNDLER
Favetta, favetta!

TOPFENHÄNDLERIN
Puina, puina!

ALLGEMEINER CHOR
Welch ein Leben, welch Regen,
Welch munteres Bewegen!
Aus Gondeln die Lieder!
Vom Ufer hallt's wider
In jubelnden Sängen,
In schmetternden Klängen
Tönt es: Heil dir, heil Venezia!
Heil dir, Königin der Adria!

PAPPACODA
Signori, prego, hört, Was Pappacoda wert!
Ihr habt wohl manches Schöne hier,
Doch ohne mich, was wäret ihr?!

CHOR
Was sagt er? O hört doch! Kommet heran!
Hört den Neapolitaner an!

PAPPACODA
Kommet heran, hört mich an!

1.
Ihr habet euren Markuspiatz,
Daneben die Piazzetta,
Die Rialtobriicke dann,
Die Merceria, die Loggetta!
Ihr habt des Dogen Prachtpalast,
Den schlanken Campanile,
Der Kanäle süssen Duft,
Und habt der Riva Abendkühle.
Nur eines hat gefehlt noch
Bisher euch immer hier:
Ein echter Makkaronikodi
Den habt ihr nun in mir, ja hier in mir!
Pappacoda in Person
Hat nach Venedig sich gewandt,
Erzeugt für euch die Makkaron'
Mit seiner kunstgeübten Hand!
Tanzend Tia, tia, tia, tia!
Drum sei glücklich, sei selig, Venezia!
Pappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!

CHOR
ebenso
Sei glücklich, sei selig, Venezia!
Pappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!

PAPPACODA
2.
Preis ihm, der diese Welt
So trefflich schuf nach allen Seiten,
Er schuf Erd' und Himmelszelt,
Schuf Wolken, die vorübergleiten,
Die Vögel, das Insektenheer,
Den Walfisch, die Harpune,
Schuf auch diese Stadt im Meer
Und schuf die sandige Lagune!
Schuf Sonnenschein und Mondlicht
Und schuf zuletzt auch mich!
Nur Makkaroni schuf er nicht,
Denn diese schaff nur ich!
Die schaff nur ich!
Pappacoda in Person
Hat nach Venedig sich gewandt,
Erzeugt für euch die Makkaron'
Mit seiner kunstgeübten Hand!
Tanzend Tia, tia, tia, tia!
Drum sei glücklich, sei selig, Venezia,
Pappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!

CHOR
ebenso
Sei glücklich, sei selig, Venezia!
Pappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!


ZWEITER AUFTRITT
Vorige. Enrico Piselli

PAPPACODA
ausrufend
Maccheroni, Maccheroni di Napoli! Maccheroni con sugo!
Einen Denar die Schüssel! Makkaroni, so lang wie der Canal grande, mit soviel Käse wie Sand am Lido!
Makkaroni, Signori, Makkaroni!

Einige Personen treten an den Stand

ENRICO
der, in einen Mantel gehüllt, schon vorher geheimnisvoll von rechts auftrat und das Haus Delacquas fixierte, halblaut.
Pappacoda!
Stärker
Pappacoda!

PAPPACODA
Oh, Signor Piselli!
Stürzt zu ihm.
Befehlen?

ENRICO
Mein Onkel zuhause?

PAPPACODA
Signor Delacqua? Nein. Der Senat hat heute Sitzung. Der Onkel sitzt mit.

ENRICO
Wirklich? Dann will ich meine Tante besuchen!
Will ins Haus

PAPPACODA
Man soll nie jemand besuchen, der nicht zuhause ist! Signora Delacqua ist mit Ciboletta zur Vesper nach San Marco.

ENRICO
Wie unangenehm! Pappacoda, kannst du schweigen?

PAPPACODA
Oh, Signor, eher schwatzt der Löwenrachen vor dem Dogenpalast als ich!

ENRICO
Nun denn, nimm diesen Scudo!

PAPPACODA
Ein Scudo?! Das ist gut, oh! Welche Schandtat soll ich begehen für diese Riesensumme?

ENRICO
Lass meiner Tante ein Briefchen zukommen!

PAPPACODA
Sonst nichts?

ENRICO
Nein. Aber mein Onkel darf nichts davon wissen - du begreifst?

PAPPACODA
Vollkommen!

ENRICO
Morgen ist Delacquas Geburtstag, es betrifft - eine Überraschung!

PAPPACODA
Für den Onkel? Verstehe vollkommen. Eine Überraschung!

ENRICO
Sage Signora Barbara, für heute abend bliebe es bei neun Uhr!

PAPPACODA
der nicht versteht
Aha! Für heute abend bleibt es bei...

ENRICO
ungeduldig
Neun Uhr! Ich verlasse mich auf dich, Pappacoda! Und zu keinem Menschen ein Wort!

PAPPACODA
Zu keinem Menschen ein Wort!

Enrico geht langsam nach rechts ab

ALLE
zu Pappacoda, der tiefe Bücklinge macht.
Was hat er denn? Was machst du denn?

PAPPACODA
Ich freue mich! Ich bin gerührt! Wenn man sieht, wie liebevoll dieser junge Neffe mit seiner jungen
Tante eine Überraschung plant für den zuwideren Onkel für neun Uhr am Vorabend seines Geburtstags!
Das geht einem förmlich zu Herzen! Braver Jüngling! Charmante Tante!
Mit der Geste des Gehörntwerdens
Beneidenswerter Onkel! Feine Familie!


DRITTER AUFTRITT
Vorige. Annina

Annina, ein Fischermädchen, geschmückt mit Korallen und Muscheln aller Art, ein mit Frutti di mare gefülltes
Netz über der Schulter tragend, entsteigt einer rückwärts anlegenden Barke



Nr. 2 - Auftrittslied Anninas, mit Chor

ALLE
Seht, o seht!

ANNINA
Frutti di mare! Frutti di mare!
Kommt und kauft Frischeste Ware!

ALLE
Seht, Annina legt dort an,
Die immer, wenn sie Fische bringt,
Uns neue Lieder singt!
Stille, stille, hört sie an!

ANNINA
nach vorne kommend
1.
Ich kam von Chioggia
Zu euch übers Meer
Und brachte die Barke
Mit Fischen da her!
Heut biet ich euch Austern,
So saftig und frisch,
Crevetten und Muscheln,
Das Feinste zu Tisch!
Frutti di mare! Frutti di mare!
Kommt und kauft
Frischeste Ware!

ALLE
Kauft, kauft!

ANNINA
2.
Das Fischlein im Netze
Kann nicht mehr heraus,
Die Auster verkriecht sich
Und schliesset ihr Haus.
Die Fische, die fängt man,
Die Fische sind stumm,
Die Auster, die schluckt man,
Die Auster ist dumm!
Frutti di mare! Frutti di mare!
Kommt und kauft
Frischeste Ware!

ALLE
Kauft, kauft!

Annina legt ihr Netz und einen Korb voll Austern auf die Bank vor Delacquas Haus

PAPPACODA
Ah, schöne Annina! Also Frutti di mare?

ANNINA
Ja! Signor Pappacoda, wollt Ihr ein paar Austern schlürfen?

PAPPACODA
Aus Eurer Hand mit Haut und Haaren!

ANNINA
öffnet gewandt mit einem vom Gürtel herab hängenden Messer einige Austern
Also, da habt Ihr!

PAPPACODA
essend
Oh, delikat! Aber apropos Haare! Ich errate, was Euch herführt! Ihr seid wegen
Caramello da, dem Leibbarbier des Herzogs von Urbino, der heute mit seinem Herrn hier ankommt.
Da steht der Palast des Herzogs!
Deutet auf den Palazzo Urbino

ANNINA
Ihr irrt Euch, Pappacoda ich bringe Barbara Delacqua, meiner Milchschwester, Fische!
Von dem Leibbarbier will ich nichts wissen.

PAPPACODA
Wie? So sprecht Ihr von Caramello, der Euch verehrt anbetet?

ANNINA
Ein Tunichtgut ist er... ein Ungeheuer ein ...ein...

PAPPACODA
Also, mit einem Wort, Ihr liebt ihn noch immer!

ANNINA
Ach, sprecht mir nicht mehr von ihm! Sagt mir lieber, wie Ihr mit Ciboletta steht, der hübschen
Zofe von Signora Delacqua?

PAPPACODA
presst ihre Hand auf sein Herz
Spürt Ihr, wie es da klopft, wenn ich diesen Balkon betrachte?
Blickt auf Delacquas Balkon
Wisst Ihr, was dieses Klopfen bedeutet, wenn ich zu diesem Balkon hinaufblicke?
Habt Ihr eine Ahnung, was dieser Klopfbalkon mir...

ANNINA
hat nach links geblickt
Still! Da kommt ihre Herrin!


VIERTER AUFTRITT
Vorige. Barbara Delacqua.

ANNINA
eilt auf Barbara, die von links kommt, zu
Barbara!

BARBARA
Annina! Ach, wie schön von dir, dass du gekommen bist!

PAPPACODA
mit einem Kratzfuss
Meinen Respekt, Signora!

BARBARA
Grüss Euch, Pappacoda!
Geht an ihm vorbei, will zu Annina

PAPPACODA
räuspert sich, dann leise zu Barbara
Signora Barbara, auf ein Wort!
Barbara bleibt stehen
Signor Enrico Piselli …

BARBARA
schnell
Mein Neffe? Was ist's mit ihm?

PAPPACODA
… gab mir diesen Brief für seine schöne Tante.

BARBARA
Gebt her!
Liest verstohlen den Brief

PAPPACODA
ironisch
Er meinte, es handle sich um eine Überraschung für hochdero Gemahl.

BARBARA
verwirrt
Ja, ja, in der Tat ... eine Überraschung... zu Delacquas Geburtstag!

PAPPACODA
lauter
Und es bliebe, wie verabredet, bei heute abend, punkt neun Uhr!

BARBARA
Pst! Schreit doch nicht so!
leise
Es handelt sich doch um eine Überraschung!

PAPPACODA
Ja, richtig, um eine Uberraschung!

ANNINA
Nun, Barbara!

BARBARA
Gleich, gleich!
Will zu ihr, bleibt stehen
Pappacoda! Sagt Ciboletta, sie solle mir melden, wenn mein Mann aus der Sitzung heimkommt!
Für Eure Botschaft besten Dank. Da, nehmt und schweigt!
Gibt ihm ein Geldstück
Jetzt komm, Annina, ich habe eine dringende Bitte an dich! Addio, Pappacoda!
Mit Annina ab

PAPPACODA
Addio, Signora, addio! Zwei Scudi! Einer von dem Neffen, einer von der Tante,
Jetzt fehlt nur noch einer von dem zuwideren Onkel! Doch, wo steckt Ciboletta?
Ruft
Ciboletta!


FÜNFTER AUFTRITT
Vorige. Ciboletta.

CIBOLETTA
hinter der Szene
Ich komme schon!
Sie tritt nach rückwärts gehend auf und ruft, heftig gestikulierend, in die Kulisse zurück
Addio, addio, Giovannina! Auf morgen! Hoppla!
Sie stösst an Peppino, der eben mit einer Schüssel Makkaroni hantiert, stolpert, fällt mit der
Schüssel zugleich zu Boden, bleibt sitzen und macht ein dummes Gesicht

Bin schon da!

PAPPACODA
hilft ihr auf
Wo warst du denn, mein Dummerl?

CIBOLETTA
In der Vesper!

PAPPACODA
Hast du gebetet, dass du ein recht gescheites Mädel wirst?

CIBOLETTA
Mein Gott, bei mir hilft ja doch nichts!

PAPPACODA
Aber was hast du denn in der Kirche gemacht, wenn du nicht gebetet hast?

CIBOLETTA
Ich hab recht bitterlich geweint weil ich in diesem Karneval noch nicht ein einziges Mal getanzt habe!

PAPPACODA
Geweint hast du? Geweint wegen Tanzen? Und so was liebt ein Mann wie ich!

CIBOLETTA
Ja liebst du mich denn wirklich?

PAPPACODA
Freilich liebe ich dich - und du - liebst du mich?

CIBOLETTA
Lieben? Was ist denn das?

PAPPACODA
Nun, wenn die da … den da … so recht von Herzen … na, du verstehst ja!
Ciboletta schüttelt verneinend den Kopf; er spricht mit komischen Gesten weiter
Also wenn der da ... die da... so recht innig, leidenschaftlich …
drückt sie an sich
verstehst du?

CIBOLETTA
nickt.
Mhm! Aber wenn die da ... den da ... und der da ... die da ... liebt, so meine ich, sollten die da und der da ein
Paar werden und - heiraten!

PAPPACODA
Heiraten?

CIBOLETTA
Freilich!

PAPPACODA
Also gut, wir heiraten, sobald ich den Platz als Herrschaftskoch habe, den ich noch immer vergebens suche.
Aber sind wir einmal Mann und Frau, dann nimm dir nicht etwa ein Beispiel an deiner
Herrin, die ihren Mann mit seinem Neffen betrügt!

CIBOLETTA
Ja, hast du denn einen Neffen?

PAPPACODA
Nein!

CIBOLETTA
Ich auch nicht. Mit wem soll ich dich dann betrügen?

PAPPACODA
zum Publikum
Gott, ist die dumm!

CIBOLETTA
Wenn ich so dumm bin - weshalb willst du mich denn dann heiraten?

PAPPACODA
Eben deshalb! Eben deshalb!

CIBOLETTA
Was? Nur deshalb? Ich hab fein noch andere Sachen, die mich begehrenswert machen!

PAPPACODA
drückt sie an sich
Das glaub ich - und was für Sachen du hast!

CIBOLETTA
reisst sich los
Lass mich, zwischen uns ist es aus!

PAPPACODA
Aber Ciboletta!

CIBOLETTA
Ich lass mir nicht immer sagen, dass ich dumm bin!

PAPPACODA
Aber Ciboletta!

CIBOLETTA
schreiend.
Schluss!

PAPPACODA
Aber Cibo…

CIBOLETTA
Schluss!

PAPPACODA
Aber Ci…


Nr. 3 - Duett

CIBOLETTA
Heiraten, ja, das würd' mich freun, Heiraten soll sehr lustig sein!

PAPPACODA
Nur wenn man eine Stellung hat! Von Lieb' allein wird man nicht satt! Und kurz - es geht noch nicht!

CIBOLETTA
Warum?

PAPPACODA
Warum? Die Frag' ist zu dumm!

CIBOLETTA
beleidigt
Zu dumm? Zu dumm?

PAPPACODA
Zu dumm! Zu dumm!

CIBOLETTA
Nun denn, du kluger Mann, So hör mich einmal an!

PAPPACODA
gesprochen
Was wird da herauskommen?

CIBOLETTA
's ist wahr, ich bin nicht allzu klug,
Doch wär' ich, sollt' ich denken,
Als deine Frau schon klug genug,
Ich werde dir nichts schenken!
Wir beide gäben wohl ein Paar,
Ich nähm' dich mit Vergnügen
Doch willst du nicht nun denn, fürwahr,
So werd ich mich drein fügen
Und bald 'nen andern kriegen!
Ja ja! Da sorg ich mich nicht drum!
Ziehst du mich gar zu lang herum,
So mach ich kurz "Linksum"!
Halt mich nur nicht für gar so dumm!

PAPPACODA
Sei nur nicht bös gleich drum
Ich seh, du bist nicht gar so dumm,
Bist weder dumm noch stumm,
Doch nimm nur nicht gleich alles krumm!

CIBOLETTA
Du bist ein Mann, bist sehr gescheit
Und willst mir imponieren;
Doch lass ich mich nur kurze Zeit
So bei der Nase führen.
Die Mutter hat mich's schon gelehrt:
"Trau keinem! Du wirst betrogen!
Denn was ein Mann dir zehnmal schwört,
Ist elfmal schon erlogen!"
Dies Wort ist wohl erwogen!
Drum frag ich jetzt: Warum
Ziehst du so lange mich herum?
Blieb' ferner ich noch stumm,
Da wär' ich wirklich gar zu dumm!

PAPPACODA
Sei nur nicht bös gleich drum
Ich seh, du bist nicht gar so dumm,
Bist weder dumm noch stumm,
Doch nimm nur nicht gleich alles krumm!
Beide tanzen nach rechts ab


SECHSTER AUFTRITT
Delacqua, Testaccio, Barbaruccio
drei gleich gekleidete, komisch wirkende ältere Männer,Volk im Hintergrund


BARBARUCCIO
Puh, das war eine stürmische Sitzung heute!

DELACQUA
Eure Rede gegen den Herzog von Urbino enthielt manches Wahre!

BARBARUCCIO
im Rednerton
"Ich opponiere gegen jeden feierlichen Empfang des Herzogs", rief ich, "wir sind Republikaner und keine Tyrannenknechte!"

TESTACCIO
Der Herzog von Urbino ist gar kein Tyrann! Er ist ein lebenslustiger Herr, der alljährlich zum Karneval nach
Venedig kommt und enorm viel Geld sitzen lässt.

DELACQUA
Viel Geld aber auch ebenso viele betrogene Weiber!

BARBARUCCIO
Er hat uns Räte mit unseren Frauen zu einem Feste geladen, das er heute gibt! Ich habe den
Beschluss durchgesetzt, dass unsere Frauen dies Fest nicht besuchen werden!
Dass ich nicht gehe, versteht sich von selbst, denn ich sitze links - noch linkser als links!
Setzt sich links

TESTACCIO
Und ich gehe zum Fest! Denn ich sitze rechts noch rechtser als rechts!
Setzt sich rechts

BARBARUCCIO
Zu Delacqua
Und Ihr?

DELACQUA
Ich lasse mich sehen, begrüsse den Herzog und verlasse das Lokal!

BARBARUCCIO
Aber Ihr wisst doch, dass der Herzog Eurem jungen Weibe im vorigen Karneval auf Schritt und Tritt nachstellte?

DELACQUA
Er hat mein Weib nie gesehen, sie war maskiert!

BEIDE
Oh!

DELACQUA
Meine Frau wird heute durch einen sicheren Gondoliere zu meiner Base, der Abtissin, gebracht. In einer halben
Stunde führt sie Francesco nach Murano hinüber. Dort wird Barbara vor den tollen Streichen des Herzogs in Sicherheit sein!

TESTACCIO
Guter Gedanke!

BARBARUCCIO
Ich an Eurer Stelle ginge nicht zum Feste!

DELACQUA
Warum nicht? Der Herzog hat im Venezianischen reiche Besitzungen; sein Verwalter ist kürzlich gestorben;
Der Posten soll neu besetzt werden; ich will mich darum bewerben.

BEIDE
erstaunt.
Ihr?

DELACQUA
Die Stelle trägt jährlich dreitausend Zechinen!

BEIDE
erstaunt
Dreitausend Zechinen?

DELACQUA
Ich bin kein reicher Mann und...

TESTACCIO
Hm, wenn es so ist, werde ich ebenfalls um den Posten konkurrieren!

DELACQUA, BARBARUCCIO
Ihr?

TESTACCIO
Auch ich bin kein reicher Mann und...

BARBARUCCIO
Hm, ich füge mich als überstimmt der Majorität und werde auch auf den Ball gehen.

DELACQUA, TESTACCIO
Ihr?

BARBARUCCIO
Um den Herzog wegen des Postens zu interpellieren!

DELACQUA
heftig
Oh, Ihr Wetterfahnen!

TESTACCIO
heftig
Und dieser Mann schreit fortwährend gegen Korruption!

BARBARUCCIO
heftig zu beiden
Wetterfahnen? Korruption? Was wollt Ihr damit sagen? Ich rufe zur Ordnung! Ich interpelliere Euch! Ich sitze links!

TESTACCIO
schreiend
Ich sitze rechts!

DELACQUA
schreiend
Und ich im Zentrum! Ich sage also: Friede! Friede! Trinkt ein Glas Wein bei mir!
Wir werden ja sehen, wer von uns die Verwalterstelle davonträgt!
Alle drei gehen in Delacquas Haus


SIEBENTER AUFTRITT
Volk. Centurio. Balbi. Diener. Dann Caramello. Gondolieri.

CENTURIO
ein Page, tritt mit Balbi und den anderen Dienern aus dem Palazzo Urbino
Schnell, schnell, ihr Leute, bald wird der Herzog hier sein! Hisst die Flaggen! Rollt diesen Teppich hier auf!
Die Diener rollen einen Laufteppich vom Palast zum Kanal. Centurio blickt nach rechts rückwärts
Da kommt schon eine Gondel mit Caramello, des Herzogs Leibbarbier! Da ist der Herzog auch nicht weit!

Caramello fährt in einer Gondel an, steigt aus


Nr. 4 - Auftrittslied Carame!Ios

CHOR
Evviva, Caramello! Des Herzogs Barbier! Er ist es, er ist es! Er kommt als Kurier!

CARAMELLO
ist ausgestiegen; mit karrikierter Würde sich in die Brust werfend
Willkommen, alte Freunde!
Gegrüsst seid alle mir!
Ja, staunet nur, betrachtet
Mich wie ein Wundertier!
In hoher Ehrenstellung
Seht ihr mich Wieder hier!
Ich bin zwar nicht der Herzog,
Doch bin ich sein Barbier!

CHOR
Evviva, Caramello!
Des Herzogs Barbier!

CARAMELLO
Der Herzog von Urbino
Ich sag's Euch con sordino
Er liebt die schönen Fraun,
Hat manche kleine Schwächen
Ich weiss davon zu sprechen,
Ich hab ja sein Vertraun!
Ich leb dort wie im Himmel,
Er nennt mich: "Tölpel! Lümmel!"
Das ist so seine Art!
Doch mir wird alles möglich,
Ich gehe ja tagtäglich
Dem Herzog um den Bart!
Mit der Geste des Einseifens
Er liebt den Scherz, das Lachen,
Er liebt die Pracht, den Glanz
Und andre gute Sachen,
Liebt Wein, Gesang und Tanz!
Und alle diese Dinge
Studiert' ich fleissig drum!
Die Müh' war nicht geringe,
Doch bracht' es mich nicht um!
Ich mag mich selbst nicht loben,
Doch geh ich gleich euch Proben
Von ein'gem, was ich kann,
Und mit mir rufet dann:
Hoch Caramello, die seltne Perl',
Er ist doch und bleibt doch ein ganzer Kerl!

CHOR
Hoch Caramello, die seltne Perl',
Er ist doch und bleibt doch ein ganzer Kerl!

CARAMELLO
gesprochen
He! Was steht ihr denn da und gafft? Es ist doch Karneval - tanzt doch! Tanzt!
Weitersingend mit Tanzbewegungen, in welche die Umstehenden allmählich übergehen
Eine neue Tarantelle
Zeig ich hier euch auf der Stelle!
Gebet acht, ihr lernt sie schnelle,
Auf dem Raume einer Elle!
Auf und nieder wie die Welle,
Hin und her wie die Libelle,
Blank und schnell wie die Sardelle,
Rasch und flink wie die Forelle!
Vorwärts bis zur Morgenhelle
Klinge Tamburin und Schelle
Immer stärker schwelle, schwelle!
Schlaget Löcher in die Felle,
Das ist alles Bagatelle!
Wer nicht singen kann, der belle,
Dass es in die Ohren gelle!
Dreht euch wie ein Karusselle,
Wie berauscht vom Götterquelle.
Schnelle! Schnelle! Schnelle!
Ja, Caramello, das ist ein ganzer Kerl!
Hoch soll er leben, Preis dieser Per!'!
Allgemeiner Tanz

ALLE
Caramello ist fürwahr ein ganzer Kerl,
Ein Kleinod, eine seltne Perl'!

Centurio und Balbi ziehen sich zurück



ACHTER AUFTRITT
Vorige. Pappacoda.

PAPPACODA
drängt sich durch die Menge, freudig die Arme ausbreitend.
Ca … Ca … Caramello!

CARAMELLO
ebenso
Pa … Pa … Pappacoda!

PAPPACODA
Lass dich umarmen!

CARAMELLO
Pappacoda, alter Makkaronikessei, wie geht es deinen Makkaroni?

PAPPACODA
Danke, gut! Wie geht es deinem alten Barbierpinsel? Ich muss dir etwas sagen! Ich habe Annina gesehen!

CARAMELLO
Wo ist sie?

PAPPACODA
Eben ging sie in Delacquas Haus!

CARAMELLO
Was macht denn der alte Delacqua?

PAPPACODA
Er ist eifersüchtiger denn je!

CARAMELLO
Und Barbara, sein schönes Weib?

PAPPACODA
Schöner denn je!

CARAMELLO
Das wird den Herzog freuen! Er schickt mich voraus, das Terrain zu sondieren!
Du weisst, im Vorjahr hat ihm der alte Delacqua die Geschichte verpatzt und er konnte die schöne
Barbara nur maskiert sehen!

PAPPACODA
Und mir scheint, heuer will er dem Herzog wieder einen Strich durch die
Rechnung machen, denn soviel ich weiss, soll Signora Delacqua nach Murano fahren!

CARAMELLO
Delacqua weiss, dass der Herzog der schönen Barbara nachsteigt?

PAPPACODA
Ja und er will sie in Sicherheit bringen. Schlag neun Uhr kommt Francesco mit der Gondel und singt als Zeichen das Lied.

CARAMELLO
Welches Lied?

PAPPACODA
Weiss ich's?

CARAMELLO
Ah, der Schlag muss pariert werden! Pappacoda, höre mich an! Schaffe mir sofort den Gondoliere Francesco her.
In der Gondel, die die schöne Barbara entführen soil, werde ich den Gondoliere spielen!

PAPPACODA
Ja, aber ich muss...

CARAMELLO
Halt jetzt deine Pappacoda und komm!

Zieht ihn rasch mit sich fort


NEUNTER AUFTRITT
Barbara. Annina.

BARBARA
kommt mit Annina aus dem Hause
Also, hast du mich verstanden?

ANNINA
Ich weiss, ich weiss, ich soll maskiert an deiner Steile nach Murano fahren, um neun Uhr wird
Francesco kommen und das alte Lied singen: "Komm in die Gondel, mein Liebchen

BARBARA
blickt sich vorsichtig
Um Gotteswillen, still!

ANNINA
Aber, wozu denn das alles? Hast du ein Stelldichein?
Schelmisch lächelnd
Vielleicht mit Enrico?

BARBARA
Ja. Enrico und seine Freunde wollen meinem Manne ein
Ständchen bringen und während des Tumults soll ich entwischen.

ANNINA
Du Glückliche!

BARBARA
Also willst du mir helfen?

ANNINA
Aber gerne!

BARBARA
Ich danke dir! Ich richte dir einstweilen den Domino her! Komm nicht zu spät!

ANNINA
Keine Angst!

Barbara geht ins Haus, Annina will ab


ZEHNTER AUFTRITT
Annina. Caramello.

Caramello kommt von links, bemerkt Annina und pfeift.
Annina blickt sich um, wendet sich aber sofort entrüstet ab.


CARAMELLO
Annina!

ANNINA
kalt.
Mein Herr?

CARAMELLO
Ja, was ist denn das für ein Empfang?
Will zu ihr

ANNINA
Halt! Komm mir nicht in die Nähe!

CARAMELLO
Was soll denn das heissen?

ANNINA
Das soll heissen: Strafe muss sein! Damit ist alles gesagt!
Vor einem Jahr war ich dein Alles, dein Täubchen von
San Marco, dein Leckerbissen, dein Engel! Halunke! Und heuer?

CARAMELLO
Heuer kann ein Paar aus uns werden!

ANNINA
Das ist das sechste Heiratsversprechen, das du mir gibst...
Fünf hast du nicht gehalten.... windiger Geselle!

CARAMELLO
Stürmisch, stürmisch vielleicht aber nicht windig!
Diesmal ist's Ernst. Wenn es glückt, werde ich Verwalter der venezianischen Güter meines Herzogs!

ANNINA
spöttisch
Die armen Güter!

CARAMELLO
Die armen Güter?
Tritt ganz nahe zu ihr
Und wenn ich eine schöne Verwalterin zur Seite hätte
macht die Geste des Stehlens
die mir verwalten hilft?!

ANNINA
Meinst du mich?

CARAMELLO
Freilich! Seien wir doch wieder gut!

ANNINA
Nein!


Nr. 5 - Duett

CARAMELLO
Annina!

ANNINA
Caramello!

CARAMELLO
Du fliegst nicht in meinen Arm?

ANNINA
Ich fliegen? Nein, mein Lieber!

CARAMELLO
Einst liebtest du mich treu und warm!

ANNINA
Die Zeiten sind vorüber!

CARAMELLO
Und nicht ein Küsschen zum Empfang? Ist das die Liebe unermessen?

ANNINA
Du liessest Zeit dir gar zu lang,
Da hab ich auf die Lieb' vergessen!
Ach! Als meine Barke
Glitt übers Meer,
Da flogen zwei Schwalben
Hinter mir her
Und sangen leise
Mir meine Weise:
Pellegrina rondinella!

CARAMELLO
Hör mich, Annina!

ANNINA
Rondineila pellegrina!
Pellegrina rondinella!
Dein Lied von Lieb' und Treue
Hat einen falschen Ton,
Du hast es mir gesungen,
Doch als es kaum verklungen,
War's auch vergessen schon!
Pellegrina rondinella,
Rondinella pellegrina!
Lockrer Vogel Caramello,
Nimmer traut dir Annina!

BEIDE
Peliegrina rondinella,
Rondinella pellegrina!

CARAMELLO
Immer treu blieb ich Annina!

ANNINA
Nimmer trau ich dir!

CARAMELLO
Glaub, o glaub doch mir!
Lass frei mich dir's gestehen,
Dass ich fern von dir,
Wie das so oft pflegt zu gehen,
Manch schöne Frau gesehen,
Doch keine so wie dich!

ANNINA
Pellegrina rondinella,
Rondinella pellegrina!
Lockrer Vogel Caramello,
Nimmer traut dir Annina!

BEIDE
Pellegrina rondinella,
Roridinella pellegrina!

CARAMELLO
Immer treu blieb ich Annina!

ANNINA
Nimmer trau ich dir!

CARAMELLO
Glaub, o glaub doch mir!

Komischer Tanz. Er will sie küssen, sie reisst sich los,macht lachend eine lange Nase und eilt links ab.
Caramello folgt ihr komisch resigniert, die Hände in den Hosentaschen



ELFTER AUFTRITT
Annina. Ciboletta. Caramello. Pappacoda.

PAPPACODA
kommt mit Ciboletta von rechts
Nein, nein, nein, es geht absolut nicht! Unmöglich!
Mit zwei elenden Scudi in der Tasche kann ich kein Kostüm ausleihen!

CIBOLETTA
weinerlich
Aber ich bringe dir einen alten Anzug meines Herrn!

PAPPACODA
Wenn auch, es geht nicht! Hier Makkaroni kochen … am Markuspiatz tanzen - das geht nicht!

CIBOLETTA
weint komisch
Hihihihihi!

PAPPACODA
weint auch
Hahahahaha!

CARAMELLO
kommt mit Annina von links
Höre dir das Duett an!
zu Pappacoda
Was hat sie denn? Warum heult sie denn?

PAPPACODA
Sie will tanzen!

CARAMELLO
So lass sie tanzen!

PAPPACODA
Wir haben kein Geld!

CARAMELLO
Ich hab auch kein Geld und tanze doch!
In der Früh' mache ich's so ...
macht die Geste des Einseifens
....und abends mache ich's so ...
macht einige Tanzschritte
Ich habe eine prächtige Idee! Mein Herzog gibt heute ein Maskenfest

ANNINA
freudig
Und da gehen wir alle hin!
Stolziert wie im Ballsaal

CARAMELLO
spottet ihr nach
Und da gehen wir alle hin!" Habt ihr schon so etwas gesehen? So willst du zum Herzog gehen?
Zeigt auf ihr Netz
Du hast ja lauter Löcher!
Greift in die Tasche und zieht ein Paket Einladungskarten heraus
Also hört mich an! Ich soll diese Karten für die Fürstlichkeiten austragen,
Aber auf eine oder zwei kommt es nicht an! Da hast du eine und du und du ...
Verteilt die Karten
Überhaupt, was soll ich erst viel herumlaufen? Pappacoda, nimm die ganzen Karten und gib sie deinen
Freunden! Für Maskenanzüge werde ich sorgen!

CIBOLETTA
Dafür muss ich ihm einen Kuss geben!
Zu Pappacoda
Du erlaubst schon!
Küsst Caramello

PAPPACODA
Auch ich muss ihr einen Kuss geben.
zu Caramello
Du erlaubst schon!
Will zu Annina, Caramello stellt ihm das Bein vor

ANNINA
Halt, küsst nicht zu früh!
Ich bin leider verhindert! Ich muss noch heute nach Chioggia der Vater wartet!

CARAMELLO
"Der Vater wartet!" Lass ihn warten! Übrigens wenn sie nicht kann, werde ich mir halt eine andere Tänzerin suchen!

ANNINA
heftig
Was hast du gesagt?

CARAMELLO
Dass ich mir eine andere Tänzerin suchen werde!

ANNINA
So? Nun geh ich grade mit!
Für sich
Ich kann von Murano in einer Stunde zurück sein!

CARAMELLO
Ich hab's ja gewusst!

ANNINA
hebt ihren Rock und spreizt ein Bein vor
Unsereins hat doch auch Füsse!

PAPPACODA
Und was für Füsse!


Nr. 6 - Quartett

ALLE VIER
Alle maskiert, alle maskiert
Cospetto, wie amüsant das wird!
In der Menge
Buntem Gedränge
Sich verstecken
Und necken!
Hier entweichen,
Dort erreichen,
Bald sich finden,
Bald verschwinden!
Alle maskiert, alle maskiert,
Wo Spass und wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert alle maskiert
Cospetto, wie amüsant das wird!

ANNINA
Alles sehen ungesehen
Kann man dort bequem!

CIBOLETTA
Auch kann man im Tanz sich drehen
Und weiss nie mit wem!

CARAMELLO
Das Geplauder zu belauschen
Unbemerkt und stumm!

PAPPACODA
Schlechte Witze auszutauschen
Bald gescheit, bald dumm!

ALLE VIER
Alle maskiert, alle maskiert,
Wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert, alle maskiert
Cospetto, wie amüsant das wird!

ANNINA
Wenn ihr Männer intrigiert habt
Und euch schliesslich demaskiert habt,
Sehen wir armen Frauen klar,
Dass einer wie der andre war!

CARAMELLO
Und wir Männer, die den Frauen
Gingen gläubig auf den Leim,
Kommen endlich statt in Masken
Nur mit langen Nasen heim.

PAPPACODA
Dass du dieses nicht begriffen,
Zeigt der Ausdruck des Gesichts!

CIBOLETTA
Ich versteh nichts von den Kniffen,
Tanzen will ich, weiter nichts!

DIE ÜBRIGEN
Tanzen will sie, weiter nichts!

ALLE VIER
Alle maskiert, alle maskiert
Wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert, alle maskiert!
Cospetto, wie amüsant das wird!
dann tanzen alle vier nach rückwärts ab


ZWÖLFTER AUFTRITT
Herzog. Gefolge. Volk. Gondolieri.

CENTURIO
kommt gelaufen
Der Herzog! Der Herzog! Caramello, der Herzog!
Eilt in den Palast

Der Herzog fährt in einer Gondel an; zwei Kavaliere sind ihm beim Aussteigen behilflich und fahren dann in der Gondel weiter

DER HERZOG
blickt auf seinen Palast und dann auf die ganze Umgebung
Endlich sehe ich dich wieder! Du Stadt der Liebe! Du Stadt der Freude! Mein herrliches Venedig!


Nr. 6a - Auftrittslied des Herzogs

Sei mir gegrüsst, du holdes Venezia!
Ich stehe träumend da, dir so nah!
Zur Liebe dich Natur erkor,
In deinen Mauern wohnt das Glück!
Schon mancher hier sein Herz verlor,
Bekam dafür ein anderes zurück!
Wir fliegen dir zu, wie Falter zum Licht,
Zur Stadt, die uns allen Liebe verspricht!
Mein Herz ruft dir zu:
O Königin du,
Sei mir gegrüsst, du holdes Venezia!
Ich stehe träumend da, dir so nah!
Du holde Zauberin,
Spielst mit den Herzen,
So nimm sie hin!
Die Schmerzen
Sei'n dir verziehn!
Keiner kann dir entfliehn!
Die Menschen, sie flüstern dir zu,
Du holdes Venezia, du!
Du Wunder dort im Weltenraum,
Sei mir gegrüsst, sei mir gegrüsst!

Ab in den Palast


DREIZEHNTER AUFTRITT
Herzog. Caramello. Die drei Senatoren

CARAMELLO
kommt aufgeregt gelaufen
Der Herzog! Wo ist der Herzog?
Er erblickt den wieder auftretenden Herzog und macht tiefe Bücklinge

HERZOG
Nun, hast du Barbara gesprochen?

CARAMELLO
Nein, unmöglich der Mann ist zu Hause! Er geht ihr nicht von der Seite! Ein ekelhafter Kerl!
Delacqua, Barbaruccio und Festaccio sind aus dem Hause gekommen
Da kommt er ja!

DELACQUA
bemerkt den Herzog, für sich
Zum Teufel!
Eilt zur Tür seines Hauses und sperrt sie ab

CARAMELLO
leise zum Herzog
Er hat die Tür versperrt!

HERZOG
lachend
Ja, ich habe es gesehen!

DELACQUA
sich verbeugend
Hoheit!

BARBARUCCIO
ebenso
Hoheit!

TESTACCIO
ebenso
Hoheit!

HERZOG
Ich begrüsse Venedigs Senat in seinen würdigsten Vertretern! Heute abend beim Feste hoffe ich die Herren zu sehen!

DELACQUA, BARBARUCCIO, TESTACCIO
Gewiss, gewiss, gewiss!

HERZOG
betonend
Selbstverständlich erwarte ich Sie mit ihren Damen!

TESTACCIO
leise zu Barbaruccio
Und der Senatsbeschluss?

BARBARUCCIO
stotternd
Leider, Hoheit, ist meine Gattin verhindert

TESTACCIO
So wie die meine!

HERZOG
Und Signora Delacqua?

DELACQUA
stotternd
Auch meine Gattin kann nicht kommen. .. sie ist bei einer sterbenskranken Tante die einmal sterben wird ... in Treviso!

BARBARUCCIO
einfältig
Sagtet Ihr nicht, in Murano?

DELACQUA
tritt Barbaruccio wütend auf den Fuss
Nein! Nein! Treviso! Ihr habt schlecht gehört!

CARAMELLO
leise zum Herzog
Sie soll heute abend nach Murano in Sicherheit gebracht werden! Ich werde aber seinen Plan vereiteln!

HERZOG
Bravo! Bravo!
Zu Delacqua
Signora Delacqua ist also nicht in Venedig?

DELACQUA
stotternd
Nein.. . Sie ist nicht inwendig... in Venedig!

HERZOG
lachend
Also auf ein andermal, ihr Herren! Arrivederci!

CARAMELLO
den Herzog kopierend
Arrivederci!

BARBARUCCIO
Eine kleine Interpellation, Hoheit! Der Posten Eures Verwalters ist neu zu besetzen ich konkurriere darum...

TESTACCIO
Ich ebenfalls!

DELACQUA
Ich ebenfalls!

BARBARUCCIO
Also dieser Posten.

HERZOG
fällt ihm ins Wort.
Ist noch nicht besetzt und wird demjenigen zuerkannt, der sich meine Gunst zu erringen weiss! Addio, Signori!
Ab in den Palast

DELACQUA, BARBARUCCIO, TESTACCIO
Es lebe der Herzog!

CARAMELLO
gravitätisch, den Herzog parodierend
Der Posten ist noch nicht besetzt und wird demjenigen zuerkannt, der sich meine Gunst zu erringen weiss!

DELACQUA
Frecher Schlingel!

CARAMELLO
weitersprechend
… hat der Herzog gesagt! Meine Herren, dieser Posten ist noch frei!
Zeigt auf den Makkaroniofen, drückt Delacqua Makkaroni in die Hand und eilt dann in den Palast ab

DELACQUA
wirft ihm zornig die Makkaroni nach
Ich protestiere gegen eine solche Behandlung!

Barbaruccio und Testaccio gehen ab


VIERZEHNTER AUFTRITT
Barbara. Delacqua. Pappacoda

DELACQUA
zu Pappacoda, der rückwärts aufgetreten ist
Pappacoda, hast du gehört, was der Herzog gesagt hat?

PAPPACODA
während er die Makkaroni aufhebt und in den Ofen wirft, ohne Interesse
Jawohl, er hat ja laut genug gesprochen!

DELACQUA
Er hat gesagt: "Der Posten wird dem zuerkannt, der sich meine Gunst zu erwerben weiss!"

PAPPACODA
Ihre Gunst?

DELACQUA
Seine Gunst! Das bezieht sich auf den Herzog! Das ganze bezieht sich auf Barbara, meine Frau, bezieht sich auf das Fest! Verstehst du?

PAPPACODA
Nein, aber auf jeden Fall, es bezieht sich!

DELACQUA
Was mache ich denn nur?

PAPPACODA
Das weiss ich nicht - das geht mich auch nichts an!

DELACQUA
Der Herzog hat meine Frau nie gesehen ... Wie wäre es, wenn ich ihm eine falsche Barbara vorstellen würde?

PAPPACODA
Eine Gemeinheit!

DELACQUA
empört
Frecher Geselle, mach dass du weiterkommst!
Während Pappacoda seinen Makkaroniofen zusammenräumt und fortträgt
Ja, das ist eine famose Idee ... aber erst die richtige Barbara in Sicherheit gebracht!
Ruft zum Balkon
Barbara! Barbara! Weibchen!

Barbara erscheint auf dem Balkon

BARBARA
mit gespielter Zärtlichkeit
Ja, mein geliebtes Männchen?

DELACQUA
ebenso
Mein Schätzchen, nimm dein Reisetäschchen, dein Kapüzchen, nimm ein Lärvchen vor...

BARBARA
betreten
Schon jetzt? Es ist doch noch Zeit!

DELACQUA
Du fährst doch gern nach Murano zu Tantchen ins Klösterchen?

BARBARA
wie oben
Gewiss, gewiss!

DELACQUA
Recht so, mein Herzchen, beeile dich nur! Das Gondelchen wird gleich da sein! Leb wohl, mein Herzchen!
Eilt ab

BARBARA
blickt nervös suchend umher
Wo nur Annina bleibt?
Erblickt Annina hinter der Szene, ruft
Annina! Annina!


FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Annina. Barbara.

ANNINA
kommt atemlos über die Brücke, trägt in einem Tuch einen Domino aus roter Seide
Ich komme ja schon! Ich lief bis zum Arsenal, wo Enrico eben seine Freunde zur Serenade für deinen verehrten Herrn Gemahl drillt! Einen Domino habe ich dir auch mitgebracht!
Zeigt den Domino
Rot die Farbe der Liebe! Ist die Luft rein?

BARBARA
Ja, komm rasch!

ANNINA
will in das Haus
Es ist ja zugesperrt!

BARBARA
Warte.. . da hast du das Schlüsselchen!
Wirft einen sehr grossen Schlüssel vom Balkon herab
Jetzt komm nur rasch!
Verschwindet

ANNINA
Ich komme schon!
Sperrt das Haustor auf und eilt ab


SECHZEHNTER AUFTRITT
Caramello. Herzog

HERZOG
hat einen grossen Mantel umgeworfen, kommt lachend mit Caramello
Deine Idee ist ausgezeichnet! Und bist du des Gondoliere sicher?

CARAMELLO
in einem gestreiften Mantel, mit einem grossen Schlapphut
Ich bestach ihn mit zehn Zechinen!

HERZOG
Zehn Zechinen? Ist das nicht zu wenig?

CARAMELLO
Ich habe ihm so nur acht gegeben! In der Gondel, welche Deiacqua mietet, in der die schöne
Barbara entführt werden soll, werde also ich den Gondoliere spielen.

HERZOG
Ausgezeichnet!

CARAMELLO
Natürlich werde ich Signora Barbara in den Kanälen nur etwas spazieren führen, um sie schliesslich von der Wasserseite aus in den Palast Eurer Hoheit zu bringen.

HERZOG
reibt sich vergnügt die Hände
Famos! Wenn sie so schön ist, wie sie im vergangenen Jahr geistreich war als Maske, so ist dein Glück gemacht! Nun ans Werk!
Caramello will ab
Halt! Wie wird Signora Barbara deine Gondel erkennen?

CARAMELLO
Das alte Lied
singend
"Komm in die Gondel, mein Liebchen! O steige nur ein" das ist das verabredete Zeichen!

HERZOG
Gut! Gut! Jetzt mach, dass du fortkommst!

Caramello geht ab


SIEBZEHNTER AUFTRITT

Nr. 7 - Finale

Der Herzog. Dann Barbara und Annina. Später Pappacoda und Ciboletta

HERZOG
allein
Hier ward es still
Benützen will Ich diesen Augenblick
Ich locke sie mit Melodie,
Vielleicht lacht mir das Glück!

Der Mond hat schwere Klag' erhoben
Und vor Gericht es kundgemacht:
Er will nicht länger stehn da droben
Du hast ihn um den Glanz gebracht!
Als er die Sterne jüngst gezählt,
Hat's an der vollen Zahl gefehlt!
Ja, zwei der schönsten nahmst du fort,
Es sind die beiden Augen dort!
Annina und Barbara erscheinen am Balkon; der Herzog versteckt sich. Herzog für sich
Dort regt sich's schon Auf dem Balkon!

BARBARA
leise zu Annina
Den Domino gib mir!

Annina gibt ihr den roten Domino

HERZOG
Bei meiner Treu, Das scheinen zwei!

ANNINA
leise
Nur schnell, bald ist er hier!

BARBARA
ebenso
Horch! Wer schleicht da herum?

HERZOG
zum Balkon
Pst! Pst! Pst! Pst!

ANNINA
leise
Einerlei, wir bleiben stumm,
Bis aus der Gondel das Lied erklingt!

HERZOG
Sie zaudert, doch List bald den Sieg erringt!
Sei mir willkommen Du holde Nacht!
Zum Herzenstehlen Wie gemacht!
Bin zwar kein Räuber, Bin kein Dieb,
Zum Herzenstehlen Treibt mich die Lieb'!

Pappacoda und Ciboletta kommen von rückwärts, tragen zwei Bündel

ANNINA, BARBARA
Schon rückt sie näher, Die holde Nacht!
Unser Beginnen Weckt nicht Verdacht!

ANNINA
Ich lass entführen mich, Ihr zulieb!
Ihrer indessen harrt schon ein Dieb!

BARBARA
Sie lässt entführen sich!
Mir zulieb harrt schon ein Dieb!

PAPPACODA
Schon rückt sie näher, Die holde Nacht,
Drum auf mein Zeichen Habe wohl acht!

CIBOLETTA
Komm, Pappacoda, Du Herzensdieb,
Ich spitz die Ohren, Dein Zeichen gib!

PAPPACODA
Hast du mir ein Kostüm gebracht?
Für unsre heutige Faschingsnacht?

CIBOLETTA
Von meinem Herren brachte ich
Dies alte Staatskleid mit für dich!

HERZOG
Mit Vorsicht jetzt hinausgeblickt,
Ob uns das Abenteuer glückt!

ANNINA, BARBARA, PAPPACODA, CIBOLETTA, HERZOG
Mit Vorsicht jetzt hinausgeblickt,
Ob uns das Abenteuer glückt!

Alle ziehen sich zurück. Delacqua eilt von links über die Szene zu seinem Hause, schliesst auf und verschwindet darin

CARAMELLO
hinter der Szene
Hoaho! Hoaho!

HERZOG
's ist Caramello Als Gondolier!
Ich hör sein Singen Schon in der Näh'!

Zieht sich wieder zurück


ACHTZEHNTER AUFTRITT
Caramello

CARAMELLO
fährt in einer Gondel ans Ufer, steigt aus und singt, dem Balkon zugewandt

Komm in die Gondel, mein Liebchen!
O steige nur ein,
Allzu lang schon fahr ich trauernd so ganz allein!
Hab ich an Bord dich, dann stosse ich freudig vom Land,
Führe eilig dich hinüber zum schönen Strand,
Der dort lockend winkt,
Fern im Mondlicht blinkt;
Wo uns deckt Dunkel der Nacht,
Wo kein Späherauge wacht!
Dort sollst du mir sagen
Ein süsses beglückendes Wort!
Sehnsüchtig Klagen
Findet Erhörung dort!
Hoaho! Hoaho!


NEUNZEHNTER AUFTRITT
Delacqua. Annina. Caramello. Herzog

Delacqua, mit einer grossen brennenden Laterne in der Hand, führt die sorgsam verhüllte Annina, die er für seine Frau hält, aus dem Haus

DELACQUA
Komm nur, liebes Kind!

ANNINA
Mir ist so bang!

Der Herzog tritt aus dem Dunkel und beobachtet genau den Vorgang; dann zieht er sich aufs neue zurück

DELACQUA
Nach Murano, liebes Kind,
Trägt die Gondel dich geschwind;
Steig nur ein, lebe wohl,
Bis von dort ich dich hol!

Er führt Annina zu dem an der Gondel harrenden Caramello. Im selben Augenblick stürzen Ciboletta und Pappacoda zu Delacqua,
packen ihn von beiden Seiten und drängen ihn tanzend nach vorne



ZWANZIGSTER AUFTRITT
Vorige. Pappacoda. Ciboletta

PAPPACODA
Messer Delacqua!

CIBOLETTA
Messer Delacqua!

PAPPACODA
Was soll das heissen?

CIBOLETTA
Jetzt Euch entfernen?

PAPPACODA
Seht sie dort kommen...

CIBOLETTA
Mit den Laternen

PAPPACODA
Die Serenade...

CIBOLETTA
Euch zu Ehren!

PAPPACODA
's wär' doch schade

CIBOLETTA
Sie nicht zu hören.

PAPPACODA, CIBOLETTA
drängen ihn zu seiner Tür
Hinein! Hinein!
Ihr könnt Euch freun!

DELACQUA
zu Annina
Leb wohl, es muss sein!
Annina winkt ihm stumm
Du sagst gar kein Wort?
Will zu ihr

PAPPACODA, CIBOLETTA
halten ihn fest.
Sie kommen schon dort!

DELACQUA
Wohlan denn, hinein!
Ab

PAPPACODA, CIBOLETTA
Hinein! Hinein!
Ihr könnt Euch freun!

HERZOG
Hinein! Hinein!
Du kannst dich freun!
Bald soll sie bei mir
In Sicherheit sein!
Verschwindet im Palast

CARAMELLO
fährt mit Annina fort.
Hoaho! Hoaho!


EINUNDZWANZIGSTER AUFTRITT
Vorige, ohne Caramello und Annina. Dann Enrico. Matrosen. Schiffsjungen. Volk. Zuletzt Barbara

Matrosen und Schiffsjungen, von Enrico geführt, kommen von rechts rückwärts in einem Zuge tanzend vor
Delacquas Haus und stellen sich dem Balkon gegenüber. Die Schiffsjungen haben bunte Laternen,
die Matrosen haben Mandolinen usw. Von allen Seiten drängt sich Volk hinzu.


VOLK
Schnell zur Serenade!

CHOR der MATROSEN und SCHIFFSJUNGEN
Du, den wir hochverehren,
Bist morgen sechzig Jahr'!
Du wurdest grau in Ehren
Du seltnes Exemplar!
Oft konnt'st du Ruhm dir holen,
Und hast es nicht getan;
Dass Herzen du gestohlen,
Man nicht behaupten kann!
Dies Lied sei dir empfohlen,
Hab die Gnad' und hör es an!

1.
Mit der Würde, die dir eigen,
Hüllst du weise dich in Schweigen;
Andre schwatzen, du bleibst stumm da,
O Delacqua qua qua qua qua!
Wenn die andern debattieren,
Opponieren, sich blamieren,
Sagst du gar nichts oder nickst:
"Ja!' O Delacqua qua qua qua qua!
Deine grössten Gedanken,
Du hältst sie in Schranken,
In sicherem Verschluss,
Du bist ein Pfiffikus!
Solche Perlen des Geistes
Sind kostbar, du weisst es,
Du trägst sie versteckt,
Wo sie kein Mensch entdeckt!
Vivat!

Delacqua am Balkon seines Hauses, verneigt sich, ringt nach Worten

2.
Güt'ger Himmel, sei uns gnädig,
In dem Rate von Venedig
Lass ihn sitzen noch recht lang da,
Den Delacqua qua qua qua qua!
Was die Rechte sich wohl dachte,
Was die Linke sich wohl dünke,
Selbst das Zentrum geht ihm nicht nah,
Dem Delacqua quaqua quaqua!
Wie im Rat du gesessen,
Kann niemand vergessen,
Der je dich dort sah,
Heil Delacqua qua qua!
Drum bald lauter, bald leiser
Ertönt's, bis wir heiser,
Bald fern und bald nah:
Heil Delacqua qua qua!
Vivat!

DELACQUA
gerührt
Signori, Ihre Huldigung ehrt mich wie schade, dass meine Frau nicht zu Hause ist! Tausend Dank!
Windet sein Taschentuch aus, wovon Pappacoda, der unter dem Balkon steht, ganz nass wird; dann ab ins Haus

Barbara, im roten Domino, ist inzwischen aus der Haustür getreten, wird von Enrico begrüsst und, von Laternenträgern gedeckt, durch den Schwibbogen fortgeführt.

CHOR
Herrlicher Spass!
Er ist ganz enchantiert!
Eilet, dass den Moment ihr nicht verliert
Schnell, macht euch fort, noch eh' er die Sache spürt!

CARAMELLO
hinter der Szene
Hoaho! Hoaho!

CHOR
Nur stille und lauschet! Die Gondel, sie rauschet, Es tönet der Gesang!

CARAMELLO
wie oben
Kaum dass mein Liebchen
Die schaukelnde Gondel entführt,
Hat auch bald sich's umfangen vom Schlaf gespürt!
Schwankende Wogen, sie lullen leise dich ein
Und mein Lied klingt dir süss in den Traum hinein!
Hoaho! Hoaho!

CHOR
hat sich zum Ufer gewendet
Aus den Gondeln holde Sänge,
Von Balkonen Liebeslieder!
Herzbestrickend hallt es wider,
Übet Zaubermacht!
Kosen und Lauschen
Bei flüsterndem Rauschen In Mondstrahles Pracht
Das ist Venedigs Nacht!

Bei den letzten Takten hat sich der Chor ganz leise zurückgezogen. Die Bühne bleibt einen Augenblick leer. Das Licht des eben aufgegangenen Monds beleuchtet die Szene. Caramello fährt, mit der schlafenden Annina in der Gondel, vorbei und sieht sich lachend nach dem Hause Delacquas um.

Der Vorhang fällt langsam
ZWISCHENAKTS-MUSIK

ZWEITER AKT
Im Palast des Herzogs. Prachtvoller Saal. Rückwärts mächtige Glastüren. Der vordere Teil des ganzen Raumes,
der durch eine grosse Portiere von der weiten Hinterbühne abgetrennt werden kann, bildet unterstützt durch entsprechende Möblierung ein eigenes, intim wirkendes Gemach.



ERSTER AUFTRITT
Der Herzog. Centurio. Balbi

HERZOG
festlich gekleidet, geht ungeduldig auf und ab. Zu Centurio, der nach rückwärts späht
Wo bleibt nur Caramello?

CENTURIO
Vielleicht hat Signora Barbara Widerstand geleistet!

HERZOG
Kaum glaublich! Sind meine Leute instruiert?

CENTURIO
Nach Eurer Hoheit Befehl!

HERZOG
Sobald also diese Vorhänge geschlossen sind, wird niemand mehr vorgelassen! Und sie werden geschlossen, sobald Caramello mit einer Dame kommt.
Nervös
Leider kommt er noch immer nicht!

BALBI
von rechts
Eure Hoheit!

HERZOG
Was gibt's? Ist Caramello da?

BALBI
Nein, Euer Hoheit . Gäste!

HERZOG
Führe sie in den Festsaal - hier will ich allein bleiben!

BALBI
Es sind Damen!

HERZOG
aufhorchend
Damen? Hübsch? Jung?

BALBI
Es sind lauter Frauen von Senatoren!

HERZOG
sehr überrascht
Senatorsfrauen, die trotz des Verbots ihrer Männer mein Haus betreten?
Da bin ich doch neugierig herein mit ihnen!


ZWEITER AUFTRITT

Vorige. Agricola, Constantia, Notbierga, Macedonia, Teodolinda und andere Senatorsfrauen,
Balbi lässt die Damen, die Maskenkostüme tragen, aber unverlarvt sind, eintreten. An der Spitze
kommt Agricola, eine dicke alte Dame, die jedoch noch sehr lebenslustig ist


Nr. 8 - Damenchor und Couplet

DIE SENATORSFRAUEN
Nur ungeniert hereinspaziert,
Der Herzog lud uns ein!
Drum soll Senat und hoher Rat
Nicht hinderlich uns sein.
Zu sagen "Nein" wär' gar nicht fein,
Man muss doch höflich sein!
Wir sagten "Ja" und sind nun da
Trotz unsrer Minncr Schrein.
Die machen sich nur lächerlich
Mit ihrer Politik -
Von einem Ball im Karneval,
Da hält uns nichts zurück!

AGRICOLA
nach einer tiefen Verbeugung vor dem Herzog
Venedigs Frauen herzuführen
Hab übernommen ich als Pflicht,
Was kann uns Schlimmes hier passieren,
So ängstlich sind wir nicht! Nein!

ALLE, HERZOG
So ängstlich sind wir (sie) nicht!

AGRICOLA
Dass Sie, Herr Herzog, allen Frauen
Gefährlich sind, sagt das Gerücht,
Doch unsrer Tugend wir vertrauen,
So ängstlich sind wir nicht!

ALLE, HERZOG
So ängstlich sind wir (sie) nicht!

HERZOG
ironisch
Verstehe ich die Damen recht, führt Sie die Opposition gegen Ihre Männer hierher?

AGRICOLA
Nicht diese allein, Hoheit! Wir wollen den tollen Herzog persönlich kennenlernen,
einen Mann, von dessen Galanterie an allen 149 Kanälen Venedigs gesprochen wird.
Einen Mann, der auf jeder der 370 Brücken Venedigs schon ein verliebtes Abenteuer hatte,
einen Mann, der auf jeder der 117 Inseln Venedigs ein Opfer zurückliess!

HERZOG
lachend
Ja, man vermag sehr viel in der Liebe, wenn man ihr ausschliesslich lebt!

AGRICOLA
Ihre Hand, mein Fürst! Sie sind zwar ein liebenswürdiger Taugenichts durch und durch aber …
schnalzt mit den Fingern und schüttelt ihm energisch die Hand
... ich achte Sie!

HERZOG
wie oben
Wenn Sie mich besser kennen würden

AGRICOLA
Das verlange ich nicht, aber ...
wie oben
ich achte Sie!
Kokett
Ist es wahr, Herzog, dass Sie nach Venedig mit Heiratsplänen gekommen sind?

HERZOG
Nein, Signora, ich mache die Reise durchs Leben nicht gerne mit Gepäck!

AGRICOLA
Oh, dieser Vergleich des ewig Weiblichen
mit einem Reisekoffer ist zwar kühn, aber ...
wie oben
... ich achte Sie!

CENTURIO
ist rückwärts eingetreten, leise zum Herzog
Hoheit, eine Gondel, ich glaube Caramello zu erkennen!

HERZOG
selig
Endlich!
Laut.
Meine Damen, gestatten Sie, dass ich Sie in den Bankettsaal führe!
Bietet zwei jungen hübschen Senators frauen den Arm

AGRICOLA
verletzt
Oho, Herr Herzog, ich glaube, Ihr Arm gebührt den älteren Senatorinnen!

HERZOG
macht sich von den beiden jungen Damen los
Signora, die älteren Senatorinnen....
schüttelt ihr die Hand
...achte ich, aber nach den jüngeren schmachte ich!

AGRICOLA
Die älteren Senatorinnen würden vor dem tollen Herzog auch nicht zurückschrecken, denn

ALLE SENATORSFRAUEN
singend
So ängstlich sind wir nicht! (usw.)

Der Herzog geleitet die Damen bis an die Tür, bleibt dann allein zurück


DRITTER AUFTRITT
Herzog. Centurio

CENTURIO
kommt
Caramello ist schon im Palais!

HERZOG
Allein?

CENTURIO
Mit einer maskierten Dame!

HERZOG
Wirklich? Also, du weisst alles: Vorhänge schliessen, niemand vorlassen! Wo ist ein Spiegel? Wie sehe ich aus?

CENTURIO
Verführerisch wie immer!

HERZOG
Weisst du, was diese Stunde mir bringt? Ein neues Glück! Ein neues Abenteuer!
Du weisst doch, treu sein das liegt mir nicht!
Entlässt Centurio durch eine Handbewegung

Nr. 9 - Lied

HERZOG
Treu sein, das liegt mir nicht,
Weil ich leicht den Kopf verlier,
Wenn ich nur ein Mädel spür,
Kann ja nichts dafür!
Ja, treu sein das liegt mir nicht,
Weil mein Blut nach Liebe drängt,
Und mein Herz an Schönheit hängt,
Gleich Feuer fängt!
Das ist meine Manier
Und jetzt geh ich zu ihr!
Und morgen, ach ja, morgen dann,
Fang ich was Neues an.
Was liegt daran?
Hab stets an eine nur gedacht,
An die von heute Nacht!
Ich liebe sie
Bis früh!
Ja, treu sein - das liegt mir nicht,
Weil mein Blut nach Liebe drängt,
Wenn ich nur ein Mädel spür,
Kann ja nichts dafür!
Ja, treu sein das kann ich nicht,
Weil mein Blut nach Liebe drängt
Und mein Herz an eine nur denkt.
An sie, nur an sie! Bis früh!
Eilt ab


VIERTER AUFTRITT
Annina. Caramello

CARAMELLO
trägt die halb ohnmächtige Annina, die noch eine Larve trägt, atemlos in den Saal
Puh!....
Gott sei Dank, dass ich hier bin! Wo soll ich sic denn hinlegen?
Blickt suchend nach einem Sofa
Diese Signora Barbara ist für eine leichtlebige
Venezianern ziemlich schwer!
Geht mit ihr auf und ab
Die schaut nur so leicht aus! Die hat das Gewicht inwendig!
Renkt sich die Arme aus. Zum Publikum
Also bitte, wenn man bedenkt, so ein Haus, so ein Saal und keine Liegegelegenheit!
Setzt sich in einen Fauteui

ANNINA
seufzt
Ah!

CARAMELLO
Sagten Sic etwas?

ANNINA
Wie oben
Ah!

CARAMELLO
kopiert sie
Ah!
Zum Publikum
Sie hat A gesagt, da wird sie auch bald B sagen! Der Herzog wird sie schon gesprächig machen!
zu Annina
Sie müssen sich in die Lage finden, Signora Barbara!

ANNINA
schwach
Ich bin schon in der Lage, Signor Caramello!

CARAMELLO
erstaunt, für sich
Cararnello? Sic kennt mich?
laut
Woher kennen Sie mich denn? Ich bin doch der Gondoliere Franccsco.
zu Annina
Sie kennen mich?

ANNINA
Ich kenne Sie und die Erkorene Ihres Herzens!

CARAMELLO
Die Erkorene meines Herzens?
setzt sich interessiert zu ihr
Da müssen Sie mir schon sagen, welche Erkorene Sie meinen!

ANNINA
Haben Sie denn mehrere?

CARAMELLO
Ich habe mehrere! Denn
singt parodistisch, den Herzog kopierend
"Treu sein das liegt mir nicht!" Also, welche Erkorene meinen Sie?

ANNINA
Nun, Annina, meine Milchschwester!

CARAMELLO
geringschätzig
Ach so, Annina … die Milch - Annina!
Gott, ein einfaches Fischermädchen, eine kleine Tändelei!
Was ist das gegen Sie, schöne Barbara!

ANNINA
Barbara!
Springt auf und tritt ihm dabei absichtlich auf den Fuss

CARAMELLO
Au! Den Tritt kenne ich!

ANNINA
nimmt die Maske ab
Esel! Ich bin es, Annina!

CARAMELLO
erschrocken
Annina? Gehorsamster Diener! Barbara - Annina - Annina - Barbara!

ANNINA
Ja, ich bin das "einfache Fischermädchen"!

CARAMELLO
Unglückliche, was willst du denn hier?

ANNINA
Ja, mein Lieber, das muss ich dich fragen, der mich für den Herzog entführte!

CARAMELLO
Dich? Ich wollte ja Delacquas Frau entführen!
ängstlich
Wenn der Herzog den Missgriff entdeckt, macht er mich um zwei Köpfe kürzer!

ANNINA
pathetisch
Sei ganz ruhig, ich werde meine Rolle als Senatorsfrau ganz gut spielen!
legt den Domino ab, trägt unter demselben ein prachtvolles Staatskleid, stolziert auf und ab, stolpert dabei über die Schleppe

CARAMELLO
Du willst eine Senatorsfrau sein? Wenn der Herzog dich sieht, ist er imstande...

ANNINA
kokett
… sich in mich zu verlieben!

CARAMELLO
Jawohl! und das dulde ich nicht!
schreiend
Das dulde ich nicht!
Da ihm Annina droht, geduckt, ganz kleinlaut
Das dulde ich nicht!
Will ihr den Domino über die Schultern legen
Komm ins Gonderl!

Nr. 10a - Duett

CARAMELLO
Hör mich, Annina, Komm in die Gondel,
Hör doch, komm doch!

ANNINA
Nein, ich bleibe,
Will mich amüsieren,
Will im Tanze Den Herzog verführen!

CARAMELLO
Gut! Doch bleibst du,
So bleib ich bei dir
Und tanzst du, Bin ich dein Tanzkavalier!

ANNINA
Haha! Ein feiner Kavalier!

CARAMELLO
parodistisch übertrieben
Erlauben Sie mir, Um ihre Taille den Arm zu legen!

ANNINA
ebenso, affektiert
Oh, bitte sehr,
Tröten Sie nöher,
Ich lieb den Tanz!
reicht ihm die Hand zum Kuss

CARAMELLO
Wie sie sich spreizt,
Die dumme Gans!
schlägt ihr auf die dargebotene Hand

ANNINA
Ach, wie so schön,
Sich ein wenig zu drehn...
Herrlich, prächtig!

CARAMELLO
Sie schwärmt für den Tanz,
Das muss man nützen!
Bitte, sich nicht so sehr zu erhitzen!
Jetzt rasch einen Kuss,
Mit dem Tanzen mach Schluss!

ANNINA
Noch ein bisschen!

CARAMELLO
Erst ein Küsschen!

ANNINA
Nein, nein, nein!

CARAMELLO
Ja, beim Tanz
Hüpft das Herz!
Wie das rührt
Und verführt!
Lust und Scherz
Jetzt regiert,
Wang' an Wang',
Jeden Zwang
Löst der Klang!

So, jetzt haben wir getanzt und jetzt gehen wir!

ANNINA
Nein, ich bleibe, und wenn du dich auf den Kopf stellst!

CARAMELLO
Warum soll ich mich auf den Kopf stellen? Ich kann ja gar nicht auf dem Kopf stehen!


FÜNFTER AUFTRITT
Vorige. Herzog

Der Herzog kommt von links. Annina nimmt rasch ihre Larve vors Gesicht

ANNINA
Er ist schon da!

CARAMELLO
sich verbeugend, aufgeregt
Durchlaucht!
zu Annina
Na Wart!

HERZOG
Caraniello, ich bin mit dir zufrieden!

CARAMELLO
Ich auch mit Ihnen, Durchlaucht!

HERZOG
Hat sie Widerstand geleistet? Geschrie'n?

CARAMELLO
Furchtbar! Wenn ich Eurer Hoheit raten darf, lassen Sie sie laufen, schicken wir sie
nach Hause, es ist nichts dran an ihr! ich bringe eine andere!

HERZOG
Dumrnkopf, wo denkst du hin? Lass uns allein, fort, hinaus!

CARAMELLO
zu Annina, befehlend
Lass uns allein,
fort, hinaus!
Der Herzog klopft ihm auf die Achsel
Herein!

HERZOG
Dich meine ich, hinaus!

CARAMELLO
wie oben, zu Annina
Dich meine ich, hinaus!

HERZOG
Du sollst hinaus, Caramello!

CARAMELLO
Ah, ich soll hinaus? Na ja, das ist was anderes! Aber, Hoheit, eines kann ich ihnen sagen:
trauen Sie ihr nicht, sie ist gemeingefährlich, sie beisst!

HERZOG
Desto besser, ich liebe den Widerstand!

CARAMELLO
kleinlaut
Da kann man nichts machen!

HERZOG
ungeduldig
So geh doch endlich!
Nervös auf und ab

CARAMELLO
folgt ihm auf Schritt und Tritt
Hoheit, trauen Sie ihr nicht! Es wäre schade um Ihr schönes Gesicht . . .
...sie hat einen Dolch im Gewande!
Stösst an den Herzog, der sich plötzlich umdreht

HERZOG
Wirst du dich endlich hinausscheren?

CARAMELLO
Scheren - das ist das Stichwort für einen
Barbier! Scheren!
Geht nach rückwärts, plötzlich los brechend
Himmel, Herrgott! Wenn ich nur jetzt jemand hätte, an dem ich meine Wut auslassen könnte! Oh!
Rauf! sich wütend die Haare und geht ab


SECHSTER AUFTRITT
Der Herzog. Annina

Nr. 10b - Duett

HERZOG
So sind wir endlich denn allein
Nun lösen Sie Ihr Wort auch ein!

ANNINA
Was für ein Wort?

HERZOG
Ihr Angesicht
Hat stets die Larve mir verhüllt!

ANNINA
kokett die Maske lüftend.
Wenn nur Ihr Hoffen sich erfüllt!

HERZOG
Was seh ich? Weit ist's übertroffen!
O Engelsbild!
Will sie umarmen

ANNINA
Nur nicht so nah!

HERZOG
Warum so grausam, Barbara?!
Ach, Ihre Nachsicht ging für mich
Sonst weiter doch!

ANNINA
für sich
Was hör ich da?
lLaut
Wie weit ging sie denn eigentlich?

HERZOG
Sie sagten...

ANNINA
Nun, was sagte ich?

1.
HERZOG
Sie sagten meinem Liebesflehn
Gewährung zu beim Wiedersehn!
Ich hoffe, Sie erinnern sich!

ANNINA
Nein, mir ist nichts erinnerlich!

HERZOG
Sie sprachen dann von Sympathie
Und von...

ANNINA
Ich sagte: »Schweigen Sie!»
Sie werden wohl erinnern sich?!

HERZOG
Das ist mir nicht erinnerlich!

ANNINA
Von der guten Barbara
Hört man saubre Dinge da,
Das muss ich gestehn!
Gar zu gerne wüsste ich,
Wie die beiden eigentlich
Miteinander stehn!

HERZOG
Endlich nun mir wieder nah,
Heissgeliebte Barbara!
Hör mein liebend Flehn!
Heute noch möcht wissen ich,
Wie wir beide eigentlich
Miteinander stehn!


2.
HERZOG
Als zärtlich Sie umfing mein Arm,
Da seufzten Sie: »Es ist sehr warm!«
Ich hoffe, Sie erinnern sich!

ANNINA
Nein, mir ist nichts erinnerlich!

HERZOG
Dann hab ein Küsschen ich begehrt
Und Sie...

ANNINA
Ich sagte: "Unerhört!"
Sie werden wohl erinnern sich!

HERZOG
Nein, mir ist nichts erinnerlich!

ANNINA
Von der guten Barbara...

usw. bis Schluss, dann beide rechts ab


SIEBENTER AUFTRITT
Caramello. Herzog

CARAMELLO
der den Herzog noch hier glaubt, kommt von rückwärts
Hoheit! Annina!
Bemerkt plötzlich, dass niemand im Zimmer ist, kleinlaut
Sind schon drin da!
Geht zur Tür rechts, ruft
Hoheit! Hoheit!

HERZOG
hinter der Szene
Was gibt es?

CARAMELLO
Sämtliche Senatoren bitten um Einlass!

HERZOG
wie oben
Wirf sie hinaus!

CARAMELLO
laut, als ob er zu anwesenden Herren sprechen würde
Sie haben gehört, meine Herren: Hinaus!
Eilt nach rückwärts, ruft
Herein, meine Herren!
Da niemand kommt, zum Publikum
Also bitte, wenn man jemand braucht, ist niemand da!
nervös
Aber ich lasse sie nicht allein!
eilt wieder zur Tür rechts, ruft
Hoheit! Hoheit!

HERZOG
hinter der Szene, ungeduldig
Was gibt es schon wieder?

CARAMELLO
Wenn mir nur etwas einfallen würde
rufend
Signor Delacqua ist hier!

HERZOG
öffnet die Tür
Wirf ihn hinaus!

CARAMELLO
der immer versucht, in das Zimmer zu blicken
Er lässt sich nicht abweisen!

HERZOG
tritt aus dem Zimmer
Was heisst das, er lässt sich nicht abweisen? Ich will nicht gestört werden!

CARAMELLO
Zu Befehl, Hoheit!

HERZOG
klopfl Caramello auf die Schulter
Diese Signora Barbara ist übrigens ein
jede Silbe betonend
reizendes Weibchen!

CARAMELLO
sehr weinerlich
So? Reizend? Ist sie wirklich so reizend?

HERZOG
Aber sie ist spröde, sehr spröde!

CARAMELLO
plötzlich ausser sich vor Freude
Sie ist spröde?
eilt froh nach rückwärts
Höre es, Volk von Venedig, sie ist spröde!

HERZOG
Aber ich werde auch dieses Herz besiegen!
Auch sie wird mein werden!
Geht lachend, Caramello mehrmals zublinzelnd, in das Zimmer zurück

CARAMELLO
allein zum Publikum
Bitte, was hat er gesagt? Auch sie wird mein …? So eine Gemeinheit!
nach rechts sprechend
Na, freue dich auf das morgige Rasieren!


ACHTER AUFTRITT
Caramello. Pappacocla, später Volk

PAPPACODA
als Senator gekleidet, mit einer falschen, unförmigen langen Maskennase, alle Taschen vollgestopft, eine lange Wurst unter dem Arm und eine bauchige, mit Stroh umwundene italienische Weinflasche um den Hals gehängt, kommt torkelnd von rückwärts
Caramello!

CARAMELLO
erfreut
Ah, Pappacoda! Du musst mir helfen! Aber mir scheint, du hast einen Schwips?

PAPPACODA
Einen nur? Ich habe zwei Schwipse! Einen vom Wein und einen vom Schnaps!

CARAMELLO
Sauf aus!

PAPPACODA
Aussaufen soll ich? Gleich, gleich!
will trinken
Aber die Nase geniert mich!
schiebt sich die Nase auf die Stirn und trinkt
Hast du nicht Ciboletta gesehen?

CARAMELLO
Ach, lasse mich in Rub' mit deiner Ciboletta! Ann ina ist hier im Palast! Der Herzog gibt sie nicht frei! Eile hinab an den Kanal und hole einige Genossen, damit wir Annina mit ihrer Hilfe entfuhren!

PAPPACODA
Dazu brauche ich nicht hinabzueilen! Ich habe deine Einladungskarten an meine Freunde verteilt....jeder frisst für drei, sauft für fünf und stiehlt für sieben!

CARAMELLO
Herein mit ihnen! Je mehr Lärm, desto besser! Der Herzog soll keine ruhige Minute haben!

Pappacoda pfeift, von allen Seiten kommen Männer und Frauen, durchwegs mit vollbeladenen Taschen, fast alle betrunken

Nr. 11 - Ensemble mit Lied

CHOR
Solch ein Wirtshaus Lob ich mir!
Gut und billig Speist man hier!
Wer bescheiden, Der verliert,
Zugegriffen Ungeniert!
Auch für morgen
Lasst uns sorgen,
Angepackt
Und eingesackt!
Marietta, come va?
Se oggi là va bene
Domani non si sa!

PAPPACODA
Schau, wie sich alles gut unterhält,
zu Caramello
Doch hab ich sie dir noch nicht vorgestellt!
Dieser noble Cavaliere,
Luigi ist's, der Gondoliere!
Der hier Strassenmusikant,
Dieser Käselieferant!
Dort ein Schneider, un sartore,
Und hier dieser pulitore
Putzt die Stiefel rein und blank,
Und der geht auf den Rattenfang!
Das ist Peppo, ein Facchino,
Hier vom Land ein Vetturino.
Dieser duftet so pikant,
Weil er steht am Zwiebelstand!
Der dort säuft, ist Bürstenbinder,
Er vertrank schon Weib und Kinder!
Die Signora hier ist Wäscherin,
Die Donna Öbstlerin!
Kurz, die ganze riunione
Ist wahrhaftig gar nicht ohne,
Die und der, und der und die
Alle sind sie nobili.

CHOR
Pensieri ne ho tre:
Quello dell'amorosa,
Ii vino et anche il café!
Ohe, tralala, ohe!

CARAMELLO
Doch mit Vorsicht sorget klug,
Dass die Taschen weit genug!

CHOR
Mit Vorsicht sorget klug,
Dass die Taschen Weit genug!
Ohe, tralala, ohe!
Si mette tutto in sacco,
Macacco, per bacco!

PAPPACODA
leise
Man steckt ein, man steckt ein,
Bis alle Tische blank und rein!
zu Caramello
Noch sah Ciboletta ich nicht
Soviel ich im Saale auch such!
Ha, wenn sie die Treue mir bricht,
So trifft die Verrät'rin mein Fluch!

CARAMELLO
ironisch begütigend
Man steckt ein, man steckt ein,
Wer Weibern traut, wird stets bereun!
Si mette tutto in sacco,
Per bacco, per bacco!
Per bacco! Man steckt alles ein!
Annina ist hier im Palast,
Der Herzog gibt sie nicht frei,
Das bringt zur Verzweiflung mich fast!
Was soll ich nun machen dabei?

PAPPACODA
ironisch Caramello kopierend
Man steckt ein, man steckt ein,
Der Herzog könnt' sonst böse sein!
Si mette tutto in sacco,
Macacco, macacco,
Per bacco, man steckt alles ein!

CHOR
Si mette tutto in sacco,
Macacco, macacco,
Per bacco, man steckt alles ein!

CARAMELLO
Wird wo ein Verbrechen vollführt,
Ist schnell auf der Spur Polizei.
In Masse wird dann arretiert,
Vielleicht ist der Schuld'ge dabei!

PAPPACODA
Ah.
Caramello stopfl ihm den Mund mit der Salami und übernimmt den Ton

BEIDE
Man steckt ein, man steckt ein,
Der Rechte kann ja drunter sein!
Si mette tutto in sacco,
Macacco, macacco,
Per bacco, man steckt alles ein!

CHOR
Si mette tutto in sacco, Macacco, macacco!
Per bacco, man steckt alles ein!

Alle laufen lärmend ab, Caramello folgt ihnen


NEUNTER AUFTRITT
Annina. Herzog. Dann Caramello. Später Pappacoda.
Zuletzt Delacqua, Barbaruccio und Testaccio


HERZOG
kommt von rechts
Dieser Spektakel! Den hat mir sicher Caramello angerichtet!
zurücksprechend
Die Luft ist rein, kommen Sie, Signora!

ANNINA
kommt lächelnd
Mit einem Wort, Sie geben Ihre Bemühungen auf?

HERZOG
Noch lange nicht, schöne Signora Barbara! Ihre Kälte macht Sie mir nur noch begehrlicher!
er eilt auf sie zu, will sie umfangen
Ich liebe Sie, Signora ... ich liebe Sie!
will sie küssen

CARAMELLO
der plötzlich eintritt
Ho ... Ho . . Ho.....Hoheit!

HERZOG
lässt Annina frei
Was willst du denn wieder?

CARAMELLO
Einer der Herren Senatoren wünscht
seine Aufwartung zu machen!

HERZOG
Wirf ihn hinaus!

CARAMELLO
Oh.... Das geht nicht
auf die Lange Nase Pappacodas zeigend, die langsam, nach und nach, hinter der Portiere sichtbar wird
Seine Nase ist schon da . . . gleich wird der ganze Senator da sein!
Pappacoda kommt als "Senator"
Da ist er schon!

PAPPACODA
sich verbeugend
Oh ... Euer Hoheit!
zu Caramello
Was soll ich denn reden?

CARAMELLO
leise
Was du willst! Du bist ja ein Senator!
im selben Moment treten Delacqua, Barbaruccio und Testaccio auf

DELACQUA
Oh, der Herzog, Hoheit!

BARBARUCCIO
Hoheit!

TESTACCIO
Hoheit!

HERZOG
deckt Annina, leise zu ihr
Fassung, Barbara, die Ehemänner sind blind!
laut)
Ich begrüsse alle vier Senatoren!

DELACQUA, BARBARUCCIO, TESTACCIO
Vier? - Wo? - Ah! - Da!

DELACQUA
zu Pappacoda, der sich ängstlich drücken will
Wie mir scheint, Kollege Grimaldi!

PAPPACODA
mit verstellter Stimme
Nein, ich bin der andere!

BARBARUCCIO
Nein. Ich kenne keinen Senator mit einer solchen Gurkennase!

TESTACCIO
Die Nase scheint falsch zu sein!

DELACQUA
Vielleicht der ganze Senator!
zu Pappacoda
Wer das geheiligte Kleid der Senatoren als Maskenkostüm trägt, den straft das Gesetz mit einem Jahr Galeere!

PAPPACODA
O maccheronata! Jetzt, Frechheit, hilf!

HERZOG
ungeduldig
Nun, meine Herren?

BARBARUCCIO
Hoheit, wir kommen, für das glänzende Fest zu danken! Ein echt italienisches Fest!

DELACQUA, TESTACCIO
Echt italienisch!

HERZOG
Zu gütig! Es galt ja, Venedigs Senat zu ehren! Leider wurde der Beschluss gefasst,
die Damen vom Fest auszuschliessen!

DELACQUA
Nun, ich habe mich um diesen Beschluss nicht gekümmert, denn meine Frau ist von Treviso
zurückgekehrt und befindet sich hier!
Der Herzog und Annina sehen sich betroffen an
Sie brennt vor Verlangen, Euer Hoheit vorgestellt zu werden!
eilt ab

PAPPACODA
sich vordrängend
Auch meine Frau brennt darauf, Euer Hoheit ins Angesicht zu treten!
verneigt sich

CARAMELLO
leise zu Pappacoda
Komm, komm - Du musst mir helfen!

PAPPACODA
Euer Hoheit - con piacere - cavaliere - habe die Ehre...

ab mit Caramello. Auch Barbaruccio und Testaccio entfernen sich


ZEHNTER AUFTRITT
Der Herzog. Annina. Dann Delacqua mit Ciboletta

HERZOG
zu Annina
Was soll ich davon denken? Hat denn Delacqua zwei Frauen?

ANNINA
Zwei Frauen? Er hat gerade genug an einer!
Ich bin die echte, so wahr Caramello Barbara Delacqua entführte!

HERZOG
Ja, wen will er uns denn da bringen?

DELACQUA
kommt mit Ciboletta, die einen schwarzen Domino trägt und eine Larve vor dem Gesicht hat.
So, Euer Hoheit, hier ist meine Gemahlin!

HERZOG
sich verbeugend
Signora!

DELACQUA
zu Ciboletta
Wir sind Unter uns, du kannst die Larve abnehmen! Ich erlaube es dir!

HERZOG
Und ich bitte darum!

Ciboletta demaskiert sich und lässt die Kapuze ihres Dominos fallen

ANNINA
für sich
Ciboletta!
leise zum Herzog
Das ist meine Zofe!

HERZOG
leise
Die Zofe? Oh, unverschämt!

DELACQUA
leise zu Ciboletta
Vergiss nicht, was ich dir eingeschärft habe! Du bist für heute abend meine Frau und
bittest um den Verwalterposten für mich!
laut
Begrüsse Seine Hoheit, Barbara!

Ciboletta macht eine tiefe Verbeugung und küsst dem Herzog die Hand

HERZOG
heiter, ironisch
Ich bin entzückt, Venedigs schönste Frau endlich persönlich kennenzulernen!

CIBOLETTA
Na na schönste Frau? Euer Gnaden,
Herr Herzog, nehmen das Maul gar zu voll!
gibt dem Herzog einen Rippenstoss

DELACQUA
leise
Wirst du schweigen!
zum Herzog
Hoheit müssen meiner Gattin verzeihen

HERZOG
O bitte... Ich finde Signora reizend! Dies ungeschminkte Wesen,
diese Haltung - alle diese Reize hatte ich sozusagen vorgeahnt, als ich meiner
Bewunderung im vergangenen Karneval in jener Serenade Ausdruck gab, die Signora Barbara so sehr gefiel!
leise zu Annina
Denken Sie noch jenes Abends, schöne Frau?

ANNINA
verlegen
Freilich, freilich ... wie sollte ich nicht?

DELACQUA
Was für eine Serenade?


Nr. 12 - Serenade

HERZOG
Ninana, Ninana, dir will ich singen,
Ninana, Ninana, hör mich an!
Ninananana, Ninananana, horch auf das Klingen,
Ninananana, Ninananana, antworte dann!

Heb auf dein Köpfchen, Liebste, träume nicht,
O hör mich an, schlummre noch nicht ein!
Ich sage dir vier Worte von Gewicht,
Du musst voll Andacht dein Ohr dazu mir leihn!
Das erste: Dass um dich mein Herze bricht,
Das zweite: Ich will dein fürs Leben sein!
Das dritte: Dass ich dir mein Heil befehle,
Das letzte: Dich allein liebt meine Seele!

ANNINA, CIBOLETTA
Ninana, Ninana - ach! ach!

HERZOG, DELACQUA
Ninana, Ninana, schönste der Frauen,
Ninana, Ninana, du bist mein Glück!

ALLE VIER
Ninananana, Ninananana, lass dich erschauen,
Ninananana, Ninananana, ach, einen Blick!

HERZOG
Du gingst am Montag wie ein Stern mir auf
Und schienest reizend am Dienstag mir,
Allein viel schöner noch am Mittwoch drauf!
Zu Füssen lag ich am Donnerstag dir
Am Freitag hob dein Blick mich wieder auf;
Hab am Samstag dann gelauscht an deiner Tür;
Und durft' ich dich im Glanz am Sonntag sehen,
Da war um den Verstand es bald geschehen!

ANNINA, CIBOLETTA
Ninana, Ninana - ach! ach!

HERZOG, DELACQUA
Ninana, Ninana, schönste der Frauen,
Ninana, Ninana, du bist mein Glück!

ALLE VIER
Ninananana, Ninananana, lass dich erschauen,
Ninananana, Ninananana, ach, einen Blick!

Nach der Serenade geht der Herzog mit Annina etwas in den Hintergrund

DELACQUA
leise zu Ciboletta
Alles geht gut, du gefällst dem Herzog! Jetzt sprich!
stösst Sie

CIBOLETTA
stotternd
Herr Herzog! Herr Herzog!

HERZOG
Sie wünschen?

DELACQUA
auf Ciboletta weisend
Meine . . . Madonna Barbara hat ein Anliegen!

HERZOG
Ist im vorhinein gewährt!

DELACQUA
zärtlich
Also sprich, mein Täubchen von San Marco, sprich!
Gibt ihr einen Rippenstoss. leise
So rede doch, du dummes Ding!

CIBOLETTA
Mein Gott, ich möcht Euer Gnaden schön gebeten haben um einen Posten in Euer Gnaden Haus!

HERZOG
Also, um welchen Posten handelt es sich denn?

DELACQUA
souffliert Ciboletta
Verwalter ... Verwalter

CIBOLETTA
Nun, der Mann möchte gern herzoglicher Leibkoch werden.

HERZOG
lachend
Leibkoch?

ANNINA
ebenso
Leibkoch?

DELACQUA
wütend, für sich
Ich Leibkoch?
leise zu Ciboletta
Verwalter! Verwalter!
stösst sie verstohlen

CIBOLETTA
ohne sich urn Delacqua zu kümmern
Es ist ein braver Bursche, namens Pappacoda, der Makkaroni kocht und
Stockfisch mit Zwiebeln wie kein zweiter!

HERZOG
lachend
Makkaroni?

ANNINA
lachend
Stockfisch?

CIBOLETTA
zu Delacqua
Nicht wahr, Signor, Stockfisch?

DELACQUA
wütend
Ja, ja!

HERZOG
Nun, wenn sich Signora Delacqua für Pappacoda verwendet, soll er Leibkoch werden!

CIBOLETTA
Ach, Herzog, dafür muss ich Ihnen einen Kuss geben!
fällt ihm um den Hals und küsst ihn

DELACQUA
reisst sie vom Herzog weg
Du vergisst dich, meine Liebe! Du gehst zu weit!
zum Herzog
Euer Hoheit wollen meiner Gemahlin verzeihen
zu Ciboletta
Jetzt komm und freu dich!
will sir mit sich ziehen

CIBOLETTA
hält sich an einem Sessel fest
Nein, nein, ich will hier bleiben, es gefällt mir hier sehr gut!

HERZOG
Ah, Signor Delacqua, wenn es Ihrer Gattin hier gefällt, so gönnen Sie ihr doch das Vergnügen!

DELACQUA
übertrieben freundlich
Ach ja, gönnen wir ihr das Vergnügen!
streichelt ihr zärtlich die Wangen und gibt ihr dabei verstohlen einen Backenstreich
Ich muss jetzt leider fort!
verbeugt sich
Hoheit!
Ab

HERZOG
zu Annina
Das Muster eines galanten Ehemannes! Ich will aber doch sehen, ob er wirklich geht!
eilt ihm nach


ELFTER AUFTRITT
Annina. Ciboletta. Dann der Herzog. Zuletzt Caramello

ANNINA
nimmt die Larve ab
Ach, Ciboletta, bald hättest du mit deinem Pappacoda alles verdorben!

CIBOLETTA
erstaunt aufschreiend
Annina! Du hier?

ANNINA
Ja, man hält mich hier für Delacquas Frau!

CIBOLETTA
stolziert nach vorn
Dich? Das bin ja ich

ANNINA
Ich auch! Ich bitte dich, bleibe dabei, dass ich Barbara Delacqua bin!

CIBOLETTA
Und ich?

ANNINA
Do bist, was du bist - meine Zofe!

CIBOLETTA
Deine Zofe?

ANNINA
nervös
Barbara Delacquas Zofe! Still, da ist der Herzog!

HERZOG
kommt zurück
So, Dciacqua stört uns nicht mehr!
zu Ciboletta
Ah, ich sehe, wir haben an dir eine Vertraute gewonnen! Ja, Mädchen, ich liebe deine Herrin!

CIBOLETTA
Signora Barbara Delacqua?

HERZOG
Freilich! Hat sie es dir denn nicht gesagt? Ich liebe sie!
küsst Annina

CIBOLETTA
für sich
Mein Gott, Annina liebt er auch! Was der alles zusammenliebt!

HERZOG
wendet sich zur Tür, rufi
Caramello!

CARAMELLO
kommt, verbeugt sich
Hoheit!?

HERZOG
Schliesse den Vorhang!

CARAMELLO
Den Vorhang?

HERZOG
Und hierher - das Souper!

CARAMELLO
Das Souper? o je!

HERZOG
Geh!

CARAMELLO
O weh!
schliesst die Vorhänge. Man sieht jetzt nur die Vorderbühne als intimen Raum für die nächste Szene

HERZOG
Das Souper!

CARAMELLO
Adje!
heimlich zu Ciboletta
Iss dich an, du bist nicht alle Tage bei einem Herzog!
Ab

ANNINA
Wie? Ich soll mit meiner Zofe soupieren?

HERZOG
reicht beiden die Arme
Ja. Soupieren zu dreien - die Herrin - die Dienerin - der Sklave! Also zu Tische!

ANNINA
Zu Tische!

Die Wandlichter werden gelöscht, Pagen bringen von links einen gedeckten Tisch mit zwei grossen Leuchtern


Nr. 13 - Finale

HERZOG
Lasset die andern tanzen da,
Tralalala, tralaiala!
Ich bleibe lieber bei Barbara!
Tralalala, tralalala!
Die Herrin zur Rechten, die Zofe zur Linken,
Recht vertraulich und nah!
Ich seh ein Souper heute abend mir winken,
Wie keins ich noch sah!
Er hat beide Damen zu Tisch geführt. Zu Caramello, der mit Wein eintritt
Caramello, schon wieder da? Was drängst du dich hier ein?

CARAMELLO
Hoheit wollen mir verzeihn! Da die Diener doch genieren, Wollte ich Euch selbst servieren!

ANNINA
leise zu Ciboletta
Bleibe da, bleibe mir nah!

CIBOLETTA
leise zu Annina
Recht gern, gewiss, ja ja!

HERZOG
auf Pappacoda deutend, der jetzt als Koch gekleidet eintritt und einige Schüsseln balanciert, zu Caramello
Wen bringst du da noch?

CARAMELLO
Das ist nur ein Koch!

HERZOG
So so, ein Koch?

CARAMELLO
Jaja, ein Koch!

PAPPACODA
Ach ja, ich bin ein Koch!

CIBOLETTA
leise zu Annina
Das ist Pappacoda!

ANNINA
leise
So schweige doch!

PAPPACODA
der vor Schreck eine Schüssel fallen lässt, leise
Das ist Ciboletta!
laut
Ja ja, ich bin ein Koch!

ALLE ANDEREN
Ja ja, das ist ein Koch!

CARAMELLO
beiseite
Ach! Zeuge und Beistand mir zu sein,
Bracht' ich den Leidensgenossen herein!

PAPPACODA
für sich
Na wart, Ciboletta, du kannst dich freun!

HERZOG
zu den Damen
Kommt, kommt, Ihr holden Frauen,
Lasst jetzt uns soupieren!
Wir wollen scherzen und lachen,
Werden superb uns amüsieren!
zu Annina
Bald küss ich dich,
zu Ciboletta
Bald wieder dich!
zu Annina
So lieb ich dich!
(Zu Ciboletta.)
So lieb ich dich!

ANNINA, CIBOLETTA
Warum sollt' ich nicht mit dem Herzog soupiern?
Zu drei'n kann ein Tête-à-tête keinen geniern!
Ob Caramello/Pappacoda vor Wut ausser sich -
Was kümmert's mich?

CARAMELLO
grollend für sich.
Meineidige Annina!

PAPPACODA
ebenso.
Treulose Ciboletta!

CARAMELLO, PAPPACODA
Du willst mit ihm soupieren,
Lässt dich allzuleicht
Vom Glanze verführen?!
Kannst du so ganz vergessen mich?
Pfui, schäme dich!

HERZOG
sich zärtlich zu Annina neigend.
Wie klopft in Ihrer Nähe das Herz mir froh

CARAMELLO
fährt mit einer Weinflasche zwischen die beiden.
Befehlen Hoheit Rheinwein oder Bordeaux?
schenkt ein

HERZOG
zu Ciboletta geneigt.
Sie sprechen ja zu mir kein Wörtchen mehr!

PAPPACODA
fährt mit der Schüssel zwischen die beiden
Hier ist Boeuf à la mode! Bitte sehr!

HERZOG
zornig
Packt euch hinaus! Ihr langweilt mich!

ANNINA, CIBOLETTA
beiseite, zugleich
Er ärgert sich!

CARAMELLO
leise zu Pappacoda
Jetzt hol ich die andern!
Den Wein nehm ich mit!
Ab

HERZOG
zu Annina
Du bist das schönste Weib der Welt,
Bist aller Frauen höchste Zier!
Glücklich der Mann, der dir gefällt,
Rücke doch näher her zu mir!



ZWÖLFTER AUFTRITT
Vorige. Die Gäste des Herzogs. Ein Herold.

Caramello zieht jetzt rasch die Vorhänge zurück. Man sieht in den von Masken, Senatoren usw. belebten Saal.
In der Mitte auf einem tragbaren Gerüst ein hübsches Mädchen in einem symbolischen Karnevalskostüm, eine
bunte Fahne in der Hand, umlagert von Tänzerinnen.
Phantastische Beleuchtung.


HEROLD
gesprochen.
Um zwölf Uhr zieht nach altem Satz
Die Maskenschar zum Markuspiatz!
Dort kommt man schon
Zu holen Euch
Mit Sang und Klang!

HERZOG
Verhasster Zwang!
gibt ein Zeichen; der Maskenzug bewegt sich nach vorn

CHOR
Jetzt ist's Zeit zur Lustbarkeit,
Drum, Freunde, seid bereit!
Lebenslust, Schwellt die Brust,
Gibt tins das Geleit!
Mondlicht strahlt in voller Pracht,
Der Sternenhimmel lacht!
Welch ein Bild,
Wonnig mild,
Gibt Venedigs Nacht! Karneval
Ruft uns zum Ball
Er ist Souverän!
Zögert nicht,
Denn was er spricht,
Muss sofort geschehn!
Frisch hinaus zum Markusplatz,
Musik zielst uns voran,
Arm in Arm mit seinem Schatz,
Folgt fröhlich jedermann!
Hinaus!

HEROLD
zum Herzog
Bereit seht Ihr schon der Masken Schwarm,
Die Stunde schlug, es ist schon spät!

HERZOG
zu Annina und Ciboletta
Wohlan, meine Damen, Ihren Arm,
Fügen wir uns der Majorität,
seufzend
weil es anders nicht geht!

ANNINA, CIBOLETTA
lachend
Weil es anders nicht geht!

Man hört von fern Glockengeläute

ALLE
Horch! Von San Marco der Glocken Geläut
Kündet die Mitternacht,
Kündet die Mitternacht,
Mahnend ertönet ihr Ruf: es ist Zeit,
Dass laute Lust hier erwacht!
Wer sich will der Freude weihn,
Der komme nicht allein,
Wen sein Liebchen liess im Stich,
Der such' ein andres sich!
Frisch hinaus zum Markusplatz,
Musik zieht uns voran,
Arm in Arm mit seinem Schatz
Folgt fröhlich jedermann!
Hinaus! Hinaus!

ANNINA
nimmt aus der Hand der Karnevalsfigur die Fahne, schwingt sie fröhlich
Jetzt gebietet der Humor,
Sein Banner flattert hoch empor,
Seinem Zepter folgt die Schar,
Die treu ihm stets ergeben war!

ALLE
Jetzt gebietet der Humor,
Sein Banner flattert hoch empor,
Seinem Zepter folgt die Schar,
Die treu ihm stets ergeben war!

ANNINA, CIBOLETTA
Seinem Rufe untertan,
Kommt heran, reiht euch an!
Heitre Lust ladet ein:
Jeder soll willkommen sein!

ALLE
Seinem Rufe untertan,
Kommt heran, reiht euch an!
Heitre Lust ladet ein:
Jeder soll willkommen sein!

CARAMELLO
hat Annina die Fahne aus der Hand genommen, kommt, das Banner fröhlich schwingend, nach vorn
Jetzt gebietet der Humor,
Sein Banner flattert hoch empor,
Seinem Zepter folgt die Schar,
Die treu ihm stets ergeben war!

ALLE
Jetzt gebietet der Humor,
Sein Banner flattert hoch empor,
Seinem Zepter folgt die Schar,
Die treu ihm stets ergeben war!

CARAMELLO
Seinem Rufe untertan,
Kommt heran, reiht euch an!
Heitre Lust ladet ein:
Jeder soll willkommen sein!

ALLE
Seinem Rufe untertan,
Kommt heran, reiht euch an!
Heitre Lust ladet ein:
Jeder soll willkommen sein!

HERZOG
übernimmt die Fahne von Caramello
Jetzt gebietet der Humor,
Sein Banner flattert hoch empor,
Seinem Zepter folgt die Schar,
Die treu ihm stets ergeben war!
Die immerdar ihm treu ergeben war!

Bacchantischer Tanz, Männer tragen die Karnevalsfigur nach vorn bis in die Mitte der Bühne

ALLE
Alle maskiert, alle maskiert,
Wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert alle maskiert,
Cospetto, wie amüsant das wird!

Vorhang.
DRITTER AKT

Der Markusplatz. im Hintergrund die Markuskirche, vom Monde beleuchtet. Rechts und links Bogengänge. Rechts rückwärts ein Abgang, welcher um den Glockenturm herum nach der Piazzetta führt. Links rückwärts ein Abgang, der unter dem Schwibbogen des Glockenspiels zu den Mercerien führt. Die Vorderbühne von Laternen beleuchtet. Links vorne eine mit Teppichen geschmückte Loge für den Herzog.

ERSTER AUFTRITT

Nr. 14 - Introduktion

Masken tanzen im Hintergrund; rechts rückwärts erschallt verhallend nachfolgende Reminiszenz

MASKENGRUPPEN
vorbeiziehend.
Karneval Ruft uns zum Ball
Er ist Souverän!
Zögert nicht,
Denn was er spricht,
Muss sofort geschehn!
Frisch hinaus zum Markusplatz,
Musik zieht uns voran,
Arm in Arm mit seinem Schatz,
Folgt fröhlich jedermann!


ZWEITER AUFTRITT
Annina. Giboletta. Herzog. Mädchen

Der Herzog kommt mit Annina und Ciboletta; beide tragen stilisierte Taubenkostüme. Aus den Bogengängen kommen einige Mädchen, ebenfalls als Tauben gekleidet

Nr. 14a - Taubenterzett mit Chor

ANNINA, CIBOLETTA
Die Tauben von San Marco
Wem sind sie nicht bekannt?
Die Tauben sind der Liebe,
Des Friedens Unterpfand!
Drum hat vor ihren Wagen
Frau Venus uns gespannt,
Und später hat uns Noah,
Auf Kundschaft ausgesandt!

HERZOG
Wie's in der Bibel stand

ANNINA
Wir eilen pfeilgeschwind
Mit Briefen durch das Land.

CIBOLETTA
Zur Liebesbotschaft sind
Wir immer gern zur Hand!

HERZOG
Drum ward euch zur Belohnung
Hier Wohnung und auch Schonung
Für immer zuerkannt!

ANNINA, CIBOLETTA
Ein gutes Beispiel geben wir
Für jedes Liebespaar!
In Eintracht leben wir
Und schnäbeln immerdar!

HERZOG
O süsse Schnäbelei,
Wie gern bin ich dabei
Drum reicht mir eure
Schnäbel alle zwei!

BEIDE
In Liebesseligkeit,
Vereint in Zärtlichkeit,
Stets sanft und hold und zart
Nach Taubenart!

HERZOG
In Liebesseligkeit,
Vereint in Zärtlichkeit,
Stets sanft und hold und zart
Nach Taubenart!

Die Mädchen begleiten den Refrain mit einem die Tauben imitierenden Gurren. Nach dem Ensemble "flattern" die Tauben nach rückwärts davon; der Herzog mit Annina und Ciboletta links vorn ab.


DRITTER AUFTRITT
Caramello

CARAMELLO
kommt von rechts rückwärts, blickt traurig dem Herzog nach
Da zieht er hin, der Herzog, mit Annina am Arm - und ich habe das Nachsehen!
O Weibertreue! Weibertreue!

Nr. 15 - Lagunen-Walzer

CARAMELLO
Ach, wie so herrlich zu schaun
Sind all die reizenden Fraun,
Doch willst do einer vertraun,
Dann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
Rasch, wie die Wellen entfliehn,
Flüchtig, wie Wolken dort ziehn,
Treibt ihr beweglicher Sinn
Sie bald her, bald hin!
Wie sie schmeicheln,
Liebe heucheln,
Uns durch Tränen
Schnell versöhnen!
Ob sie schmollen
Oder grollen:
Wie des Herzens Stimme spricht,
Errätst du nicht!
Doch ich will nicht länger klagen,
Nicht cosi an tutte sagen,
Denn es gibt noch süsse Frauen,
Die uns Paradiese bauen!
Reich belohnt ist unser Lieben,
Wenn nur eine treu geblieben.
Treue, schönes, süsses Wort
Der Liebe sichrer Hort!
Nachts die Wellen leise rauschen,
Mädchen an den Fenstern lauschen,
Gondeln gleiten hin und wieder,
Rings ertönen sanfte Lieder,
Hell am dunklen Himmelsbogen,
Kommt der Stern der Lieb' gezogen!
Leuchte mild darein
Und lass sie selig sein!
Ach, wie so herrlich zu schaun
Sind all die lieblichen Fraun,
Doch willst du einer vertraun,
Dann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
Und du fragst immer aufs neu',
Ob dir dein Liebchen auch treu
Hör nur, von fern singt der Gondolier:
La donna è mobile!
Links ab


VIERTER AUFTRITT
Delacqua, dann Ciboletta, später Barbara mit Enrico

DELACQUA
kommt weinend)
Oh, oh! Barbara, mein Weib, ist mir geraubt worden! Ich war in Murano,
dort habe ich Barbara nicht gefunden! Ich war zu Hause da habe ich sie auch nicht gefunden! Francesco, der Gondoliere, hat gestanden, dass dieser Schurke von Caramello sic entführte! Wo mag sie sein!
ruft
Barbara! Barbara!
Sucht sie unter den Masken

CIBOLETTA
kommt rufend
Pappacoda! Pappacoda!
Wo ist Pappacoda? Ich muss ihm endlich sein Glück verkünden! Er ist ja herzoglicher Leibkoch geworden!
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

DELACQUA
erblickt Ciboletta
Ciboletta, wo ist mein Weib?

CIBOLETTA
Na, das bin ja ich!

DELACQUA
droht ihr mit dem Stock
Du!

CIBOLETTA
Ihr habt mir doch selbst gesagt, dass ich für heute abend Euer Weib bin!

DELACQUA
Dumme Ente, wo ist deine Herrin?

CIBOLETTA
In Murano!

DELACQUA
Da ist sie nicht! Sie ist hier! Ich weiss es!

CIBOLETTA
Na, wenn Ihr es wisst, warum fragt Ihr denn mich?

DELACQUA
ruft
Barbara! Barbara!

CIBOLETTA
für sich
Meine Herrin verrate ich nicht!
Ich will ihn auf falsche Fährte bringen!
aufschreiend
Ha! Ich hab's!

DELACQUA
stürzt zu ihr
Du hast es! Was hast du?!

CIBOLETTA
Ich glaube, Signora Barbara gesehen zu haben!

DELACQUA
Wo? Wo?

CIBOLETTA
Auf der Piazzetta!

DELACQUA
Maskiert?

CIBOLETTA
Ja!

DELACQUA
Wie?

CIBOLETTA
Sie trug...

DELACQUA
Was? Was?

CIBOLETTA
…einen ... einen roten Domino!
beiseite, pfiffig
Ich sage rot, weil sie einen grünen besitzt!

DELACQUA
nimmt sie bei der Hand
So komm und hilf mir suchen!

CIBOLETTA
wehrt sich.
Nein, nein, geht nur allein!

DELACQUA
Du folgst mir oder...
erblickt plötzlich einen roten Domino, stürzt auf ihn zu
Ha! ein roter Domino!
sieht plötzlich einen anderen roten Domino
Ha! Da noch einer!
Eilt jedem roten Domino nach und ruf!
Barbara! Barbara!
Verschwindet unter den Masken

BARBARA
kommt in einem roten Domino mit Enrico von links.
Himmel! Das war mein Mann! Er sucht mich!

ENRICO
erschrocken
Der Onkel! - Rasch verschwinden wir!

BARBARA
So schnell als möglich nach Murano!

CIBOLETTA
kommt, aufschreiend
Signora Barbara!

BARBARA
Ciboletta, du hier?

CIBOLETTA
erschrocken
Und Ihr seid in einem roten Domino? Oh - ich Esel! Messere Delacqua sucht Euch wie eine Stecknadel. Er war in Murano und hat Euch nicht gefunden!

ENRICO
Nun und?

CIBOLETTA
Um ihn von Eurer Fährte abzulenken, sagte ich ihm, Ihr hättet einen roten Domino an, weil ich meinte, Ihr hättet einen grünen an! Nun habt Ihr aber wirklich einen roten an!

BARBARA
ausser sich
Mein Gott, was tun, was tun?!

ENRICO
Nichts einfacher als das! Ihr beide wechselt die Dominos!

BARBARA
Ja, ja, die Idee ist gut!

CIBOLETTA
Glaubt Ihr?
beide wechseln die Dominos

BARBARA
Und jetzt rasch nach Murano! Annina wartet dort auf mich!
will ab

CIBOLETTA
Annina? Die ist ja gar nicht in Murano!

BARBARA
bleibt stehen, sehr überrascht
Nicht in Murano?

CIBOLETTA
Nein, ich habe mit ihr beim Herzog soupiert! Jetzt ist sie mit ihm auf der Piazzetta!

ENRICO
Rasch auf die Piazzetta! Annina soll uns Rede stehen!

BARBARA
Was auch geschehe, Ciboletta, du hast mich nicht gesehen!

CIBOLETTA
Nein, ich habe Sie nicht gesehen!

ENRICO
So wenig wie ich!
eilt mit Barbara fort


FÜNFTER AUFTRITT
Ciboletta. Delacqua. Pappacoda.

CIBOLETTA
allein
Barbara - Annina - Enrico - Delacqua - roter Domino - grüner Domino - Murano - Venedig! Ich weiss nicht mehr, wo mir der Verstand steht. Wenn ich nur Pappacoda fände.
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

DELACQUA
läuft über die Szene, ruft
Barbara! Barbara!
ab

CIBOLETTA
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

PAPPACODA
kommt durch die Menge
Ciboletta! Ciboletta! Cibolet ..
erblickt sie
... ta! Du treuloses Frauenzimmer, finde ich dich endlich? Du Verräterin!

CIBOLETTA
Bist du verrückt?

PAPPACODA
Du, die mir gehört, hast in dem Kostüm, das nicht dir gehört, einen jungen Herzog erhört! Gehört sich das? Unerhört!

CIBOLETTA
Aber, Pappacoda... Pappacodscherl.. Pappagoscherl

PAPPACODA
wütend
Rrrrr!

CIBOLETTA
Sei doch nicht gar so wütend! Ich habe wohl mit dem Herzog soupiert, habe mir auch einige Liebenswürdigkeiten gefallen lassen, aber nur um einen Preis!

PAPPACODA
Um welchen Preis?

CIBOLETTA
Um deine Ernennung zum herzoglichen Oberküchenkellerspeisenmeister!

PAPPACODA
Was? Ich Oberspeisenkellerküchenmeister?

CIBOLETTA
Jawohl und das verdankst du mir!

PAPPACODA
Das verdanke ich dir? Jetzt koche ich dir immer deine Lieblingsspeise!

CIBOLETTA
Ach, du kochst mir ja doch immer nur Stockfisch mit Zwiebeln!

PAPPACODA
Nein! Ich koche dir meine Spezialspeise: Boeuf ä la mode mit Sauce misterioso!

CIBOLETTA
Wie macht man das?


Nr. 16 - Duett

PAPPACODA
Tacke, tacke, tack,
Erst hack ich fein,
Tacke, tacke, tack,
Die Stoffe klein,
Am Herd ein Häferl zischt,
Da wird es drin gemischt!

CIBOLETTA
Tacke, tacke, tack,
Ich hack dabei,
Tacke, tacke, tack,
Noch allerlei,
Ein dunkelfarb'ger Saft,
Sein Inhalt rätselhaft!

PAPPACODA
Wenn's lang genug gerührt,
Wird's sauber durchpassiert
Und endlich im Geschirr serviert!
Man rät, man fragt, was das wohl ist?
Es scheint deliziös,
Doch etwas mysteriös!
Aber wenn man erst gekostet hat,
Schreit begeistert alles: delikat!
Wer hat das entdeckt?

CIBOLETTA
Uje! Das schmeckt!

PAPPACODA
Alles voll Respekt
Die Finger leckt!

BEIDE
Wem der Duft nur in die Nase zieht,
Dem macht's ungeheuren Appetit!

PAPPACODA
Ja, zu solcher Sauce braucht's Genie, Ich mische sie,
Aber fragt nicht wie!

CIBOLETTA
Quirle, quirle, quirl,
Ich sprudle fein,
Quirle, quirle, quirl,
Drei Eier ein
Und röste nun auf Kohl'n
Zwei alte Stiefelsohl'n!

PAPPACODA
Pimperim, pimpim,
Stoss Bröseln dann,
Pimperim, pimpim,
Und schütt sie an!
Mit Butter nicht gespart,
Sonst beisst sich's Leder hart!

CIBOLETTA
Doch solch Boeuf ä la mode
Ziert jede table d'hôte
Auch Pappendeckel tät's zur Not!
Wird's nur garniert recht zierlich, schlau,
Ruft alles erfreut:
Oh, welche Sauberkeit!
Aber wenn man erst gekostet hat
usw. bis Schluss. Beide tanzen ab


SECHSTER AUFTRITT
Der Herzog. Centurio. Ciboletta. Pappacoda.

HERZOG
kommt mit Centurio
Wo mag die reizende Frau nur geblieben sein? Sie verschwand so plötzlich!

CENTURIO
Ich verstehe es auch nicht! Ihr grüner Domino macht sie doch kenntlich!

CIBOLETTA
kommt, zieht Pappacoda hinter sich nach
Der Herzog! Komm, ich werd dich vorstellen!

PAPPACODA
ängstlich
Er wird mich gleich wieder wegstellen.

CIBOLETTA
Euer Hoheit!

HERZOG
nervös
Was gibt es?

CIBOLETTA
Ich habe die Ehre, meinen Bräutigam vorzustellen Ihren neuen Leibkoch!

HERZOG
wie oben
Was geht mich der neue Leibkoch an! Ich habe andere Sachen ins Kopf!
plötzlich
Halt! Weisst du nicht, wo deine Herrin hingeraten ist?

CIBOLETTA
Ach, Herr Herzog meinen Annina? Sie haben meinen Pappacoda zum Oberkoch gemacht, dafür will ich mich Ihnen dankbar zeigen: Das Frauenzimmer, mit welcher wir nachtmahlten, ist nicht Signora Barbara Delacqua, sondern ein Fischermädchen aus Chioggia namens Annina und ist Ihres Leibbarbiers Caramello Liebchen!

HERZOG
wütend
Was?
Zu Centurio
Schaffe mir sogleich Caramello her, tot oder lebendig!
Centurio ab, dann zu Pappacoda und Ciboletta
Packt euch!

CIBOLETTA
jammernd)
Mein Gott,. jetzt ist der Herzog böse!
legt sich mit dem Kopf auf Pappacodas Brust

PAPPACODA
Dumme Gans! Durch dein Geschnatter hast du alles verdorben!

HERZOG
Beruhigt euch, du bist und bleibst mein Leibkoch! Nun aber geht!

PAPPACODA
hoch erfreut
Ich bleibe Leibkoch? Herr Herzig, das ist herzog! Nein, Herr Herzog, das ist herzig! Komm, meine Oberleibköchin!
eilt mit Ciboletta ab

HERZOG
geht wütend auf und ab
Na warte, du Schurke!


SIEBENTER AUFTRITT
Der Herzog. Caramello. Cersturio

CENTURIO
führt Caramello, der sich noch immer ängstlich drücken will.
So, hier ist Seine Hoheit!

CARAMELLO
der es kaum wagt, den Herzog anzublicken, zu Centurio
Ist er sehr böse?

CENTURIO
Sehr!
geht ab

CARAMELLO
ganz leise
Euer Hoheit.

HERZOG
böse
Nur näher!
Caramello geht weiter weg von ihm
Näher!
Caramello noch einige Schritte weiter weg von ihm
Näher!!
da Caramello abermals weiter weggeht, geht der Herzog energisch auf ihn zu
Kennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?

CARAMELLO
erschrickt, macht ein harmloses Gesicht, als verstünde er nicht
Wie, bitte?

HERZOG
sprudelnd
Kennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?

CARAMELLO
Nicht dass ich wüsste!

HERZOG
Du kennst sie nicht?

CARAMELLO
Ich kenne keine Annina!

HERZOG
drohend
Du kennst keine Annina!

CARAMELLO
als würde es ihm plötzlich einfallen.
Ah, die Annina die Annina! Hoheit, warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Die Annina! die kenne ich nicht!

HERZOG
Schurke! Elender! Keine Ausflüchte! Ich weiss, Annina ist deine Geliebte!

CARAMELLO
Ach ja, richtig! Die Annina! Jetzt erinnere ich mich! Wo hatte ich nur meinen Kopf?

HERZOG
Deinen Kopf? In einer Schlinge von Hanf wirst du ihn gleich haben, wenn du nicht alles gestehst!

CARAMELLO
Gnade, Hoheit! Gnade!
kniet nieder
Ich war ja selbst betrogen, schämte mich, meine Eselei einzugestehen, und leide seither Qualen der wildesten Eifersucht! Puh!

HERZOG
Du hast auch allen Grund dazu, denn Annina gefällt mir! Ich will sie zu meiner Geliebten machen!

CARAMELLO
erschrocken
Hoheit, tun Sie das nicht!

HERZOG
Vorwärts, hilf mir das Mädchen suchen!
geht nach rückwärts

CARAMELLO
Da hilft nichts ich bring ihn um!

zieht ein Rasiermesser und macht an der Hand die Geste des Schleifens

HERZOG
kommt wieder zu ihm
Was machst du denn da?

CARAMELLO
Das ist eine kleine Generalprobe für das morgige Rasieren!

Hinter der Szene Stimmen und Lachen

HERZOG
Komm, vorwärts!

CARAMELLO
reicht dem Herzog die Hand
Hoheit, sind wir wieder gut!

HERZOG
lacht, klopft ihm auf die Schulter
Wer könnte dir böse sein!

CARAMELLO
vergisst sich, tätschelt dem Herzog auf die Wange
Eben!

Herzog und Caramello links ab


ACHTER AUFTRITT
Annina. Agricola. Senatorsfrauen

ANNINA
kommt mit Agricola und den anderen Frauen
Ihr hättet ihn sehen müssen, wie fad er girrte....
Ihn kopierend
"Ach, schöne Frau", winselte er, "Sie sind so zurückhaltend, so kalt!"

AGRICOLA
Na, und du?

ANNINA
Ich sagte: "Euer Hoheit verstehen eben das Einheizen nicht!"

AGRICOLA
Der Vergleich eines Herzogs mit einem Ofenheizer ist kühn, aber.. .
schnalzt mit den Fingern und schüttelt ihr energisch die Hand
... ich achte dich! Unglaublich! Ein Mann, ein Fürst, der nur so zu machen braucht...
spreizt die fünf Finger der rechten Hand aus

ANNINA
Es gibt eben noch Frauen in Italien, die, wenn er so macht...
macht dieselbe Geste wie Agricola
... ihm so machen!
führt die gespreizten Finger an die Nase und macht so eine "lange Nase"

ALLE
lachend
So!
machen dieselbe Geste


NEUNTER AUFTRITT
Vorige. Herzog und Caramello.

HERZOG
ist mit Caramello von rückwärts aufgetreten, hat die Damen beobachtet, lachend
Ja! So?
macht dieselbe Geste

ALLE
aufschreiend
Oh!
wollen entfliehen

HERZOG
Halt! Bleiben Sie, meine Damen!

ANNINA
verlegen
Hoheit, ich

HERZOG
unterbricht sie
Pst! Seien Sie ganz ruhig. Ziehen wir einen Schleier über die Ereignisse dieses Abends!

CARAMELLO
Bei diesem Schleier wird mir schwarz vor den Augen!
vorwurfsvoll
Annina!

ANNINA
losbrechend
Ah, das geht zu weit!

HERZOG
unterbrechend
Genug davon! Dort naht der grosse Maskenzug! Vergessen wir nicht, dass heut Karneval ist!

Hier fällt rauschend die Musik des Maskenzuges ein, der von rückwärts rechts aufzieht. Die Personen der neunten Szene ziehen sich nach rechts zurück, nehmen in der Loge Platz; Caramello und Annina streiten pantomimisch

Nr. 17 - Finale

Fanfaren ertönen. Dann kommen die Gondolieri mit ihren von Blumen umwundenen Rudern, eine lange Gondel in der bekannten venezianischen Form in der Mitte tragend. Darauf folgen bekannte Sehenswürdigkeiten Venedigs, personifiziert, z. B. der Uhrturm (als grosse, wandelnde Glocke, zu beiden Seiten die männlichen Figuren, die mit mächtigen Hämmern daran schlagen), die Seufzerbrücke (als Bogen, darunter ein liebendes Pärchen) usw.

DELACQUA
hinter der Szene
Haltet sie!

Die Musik geht leise weiter.

ALLE
Was gibt's?

CIBOLETTA
von Delacqua verfolgt, eilt nach rechts vorn.
Helft mir, helft mir! Er will mir die Maske herabreissen!

ALLE
Oho! Maskenfreiheit! Maskenfreiheit!

DELACQUA
Ach was, Maskenfreiheit! Der rote Domino ist meine Frau, meine Barbara!

HERZOG
Ja, wenn es seine Frau ist, muss sie sich demaskieren
zu Caramello
Jetzt werde ich endlich die echte sehen!

CIBOLETTA
nimmt die Maske ab
Ich bin ja die Zofe!

ALLE
lachen
Die Zofe?

DELACQUA
kläglich
Ach da habe ich mich in der Eile vergriffen! Aber wo ist denn meine Barbara?
ruft
Barbara! Barbara!

ALLE
ihn kopierend
Barbara! Barbara!

BARBARA
mit Enrico von links kommend
Hier bin ich, Männchen!

DELACQUA
Wo warst du denn?

HERZOG
Das ist sie also? Allerliebst!

BARBARA
Denke dir, ich hatte eine falsche Gondel bestiegen, Männchen! Vermummte Gondolieri ruderten mich trotz meines Schreiens und Weinens nach dem Lido! Enrico hat mich gerettet!

ALLE
lachend
Enrico?

ENRICO
Ja, ich hörte die Hilferufe und rettete meine schöne Tante!

AGRICOLA
zu Enrico
Enrico ich achte Sie!
schüttelt ihm die Hand

DELACQUA
gerührt
Enrico, Neffe, Retter an mein Herz!

HERZOG
zu Barbara
Sie haben einen Neffen?

BARBARA
Wie alle Tanten, Herr Herzog!

HERZOG
für sich
Blamiert!
laut
Caramello, dein guter Wille gelte für die Tat! Ich mache dich zu meinem Verwalter!

CARAMELLO
Ich habe von Euer Hoheit nichts anderes erwartet!

HERZOG
auf Annina zeigend
Und sie wird meine Verwalterin!

CARAMELLO
Verzeihung, Hoheit, die wird meine Verwalterin!

Der Herzog geht zu Annina, küsst ihr die Hand, Barbara blickt kokett auf den Herzog.

Schlussgesang

ALLE
Alle maskiert, alle maskiert,
Wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert alle maskiert,
Cospetto, wie amüsant das wird!

Der Vorhang fällt.

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Klavierauszug

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