Das Dreimäderlhaus

Das Dreimäderlhaus

Libretto

Alfred Maria Willner und Heinz Reichert
nach dem Roman "Schwammerl" von Rudolf Hans Bartsch

Uraufführung

15. Januar 1916: Wien (Raimund-Theater)

Besetzung

FRANZ SCHUBERT (Tenor)
BARON FRANZ SCHOBER, Dichter (Tenor)
MORITZ VON SCHWIND, Maler (Tenor)
LEOPOLD KUPELWIESER, Zeichner (Bass)
JOHANN MICHAEL VOGL, Hofopernsänger (Tenor)
CHRISTIAN TSCHÖLL, Hofglasermeister (Tenor)
MARIE, seine Frau (Alt)
HEDERL, HAIDERL, HANNERL, ihre Töchter (Soprane)
LUCIA GRISI, Hofopernsängerin (Sopran)
ANDREAS BRUNEDER, Sattlermeister (Bass)
FERDINAND BINDER, Posthalter (Tenor)

CHOR
Damen und Herren der Gesellschaft, Polizei, Handwerker, Musikanten, Sänger, Bediente, Wiener Volk

Ort

Zeit

um 1826

Berté, Heinrich

ERSTER AKT
Schubert und seine Freunde musizieren im Hof seines Wohnhauses. Nebenan haben zwei Töchter des Glasermeisters Tschöll, Hederl und Haiderl, ein Rendezvous mit ihren Liebhabern
Bruneder und Binder. Die jüngere Schwester der beiden, Hannerl, spielt dabei die Anstandsdame.
Tschöll kommt vorzeitig zurück. Die Liebespaare verstecken sich, Hannerl sucht bei Schubert
Schutz. Baron Schober, der Tschöll begleitet, macht ihm weis, dass Hannerl bei Schubert
Gesangsunterricht nehmen will; Tschöll ist damit zufrieden.
Nach einigen Gläsern Wein wird seine Stimmung so gut, dass er seinen Töchtern erlaubt,
ihre Liebhaber zu heiraten. Schubert, dem hübschen Hannerl ohnehin zugetan, ist gern bereit, ihr Klavierunterricht zu geben.

ZWEITER AKT
Die Hochzeit der beiden Mädchen ist vorbei, Schubert hat dazu schöne Lieder komponiert
und vorgetragen. Er hat sich in Hannerl verliebt, wagt es aber nicht, sich ihr zu erklären, obwohl das Mädchen nur darauf wartet.
Die Sängerin Grisi kommt zu Besuch und warnt Hannerl vor dem ihrer Meinung nach leichtlebigen Franzl. Hannerl nimmt an, Schubert sei damit gemeint und zieht sich zurück.
Der Komponist bittet seinen Freund Schober, mit dem Lied »Ich schnitt' es gern' in alle
Rinden ein« für ihn zu werben. Die Wirkung dieser Liebeserklärung ist verblüffend, denn Hannerl umarmt überglücklich den Sänger. Schubert ist völlig überrascht, sagt kein Wort.

DRITTER AKT
Schubert hat alle Mühe, der eifersüchtigen Grisi klarzumachen, dass Schober nicht sie,
sondern Hannerl heiraten werde. Die gekränkte Sängerin macht dem Baron daraufhin eine heftige Szene.
Jetzt wird Hannerl klar, dass Demoiselle Grisi mit ihren Vorwürfen nicht Schubert, sondern
den Baron Schober gemeint hat. Doch jetzt ist es zu spät. Hannerl nimmt sich vor, ihren Franzl zu einem soliden Menschen zu machen: Schubert bleibt resignierend allein.


Bemerkung: Die Melodien stammen ausschliesslich von Franz Schubert.

Personen:
Franz Schubert
Baron Schober, Dichter
Moriz von Schwind, Maler
Kupelwieser, Zeichner
Johann Michael Vogl, Hofopernsänger
Graf Scharntorff, dänischer Gesandter
Christian Tschöll, Hofglasermeister
Frau Marie Tschöll, dessen Frau
Hederl, Haiderl, Hannerl - beider Töchter
Demoiselle Lucia Grisi, Hoftheatersängerin
Andreas Bruneder, Sattlermeister
Ferdinand Binder, Posthalter
Nowotny, ein Vertrauter
Ein Kellner
Schani, ein Pikkolo
RosI, Stubenmädchen der Grisi
Frau Brametzberger, Hausbesorgerin
Frau Weber, Nachbarin
Sali, Dienstmädchen bei Tschöll
Stingl, Bäckermeister
Krautmayr - Inspektor

Musikanten, Kinder, Mägde, Damen und Herren der Gesellschaft, Gendarmen.



ERSTER AKT
Im Hofe von Schuberts Wohnhaus

Nr. 1 - Introduktion

MUSIKANTEN
1.
Fesch und schneidig,
Allweil g'mütlich,
Tut ein echter Weaner sich gern gütlich.
Unser Herrgott
D'Weanerleut' hat
Extra g'schaffen für die Weanerstadt.

2.
So ein Weinderl und a Musi
Und ein g'stelltes Madel zu ein G'spusi,
Wohl noch keiner
Schöner g'sehn hat.
Als bei uns in uns'rer Weanerstadt.


Nr. 2 - Auftrittslied der drei Mäderln

ALLE DREI
Haiderl und Hederl und Hannerl Tschöll,
Flink und schnell, Äuglein hell
Kommen zu dritt nur ganz heimlich verstohlen,
Wer hat befohlen
Uns zur Stell'?

HAIDERL
Such' meinen Liebsten mir!

HEDERL
Ich such' meinen Liebsten mir!

HANNERL
Und ich figurier'
Als Gouvernantchen
Oder Elefantchen hier!
So will's die Ordnung und die Sitte,
Dass als dritte
Ich hier wache,
Denn die Moral, sie darf nicht leiden
Bei euch beiden
In der Sache!

HAIDERL und HEDERL
Darf nicht leiden
In der Sache!

HANNERL
Just nur ein Blickchen, scheu und zart,
Das ist der klugen Mädchen Art.
Musst dich bewahren,
Sonst erliegst du den Gefahren!

HAIDERL und HEDERL
Scheu und zart,
Nach Mädchenart,
Du musst bewahren
Dich vor den Gefahren!

ALLE DREI
Ja, die Männer haben's weg!
Ja, die Männer sind oft keck!

HANNERL
Gib acht, gib acht,
Sonst wirst du noch ausgelacht!
Wart' fein, bis dein

ALLE DREI
Ist das gold'ne Ringelein.
Goldene Ringelein. Ringelein,
So glatt und fein.

HANNERL
Ringelein,
Glatt und fein -

HAIDERL
Ohne Stein -

ALLE DREI
Ohne Stein,
Haiderl und Hederl und Hannerl Tschöll,
Flink und schnell, Äuglein hell!
Kommen zu dritt nur ganz heimlich verstohlen,
Wer hat befohlen uns zur Stell'?
Ach ja, wir sind da,
Weil ihre (uns're) kleinen Herzchen
Schon brennen wie die Kerzchen!
Und darf's auch niemand wissen noch,
Verliebt sind wir (sie) ja doch,
Und bald wird eine Hochzeit draus
Dann im Dreimäderlhaus!


Nr. 3 - Quartett

SCHOBER, VOGL, SCHWIND und KUPELWIESER
Horch, horch, die Lerch' im Ätherblau,
Und Phöbus, neu erweckt,
Tränkt seine Rosse mit dem Tau,
Der Blumenkelche deckt
Der Ringelblume Knospe schliesst
Die gold'nen Äuglein auf;
Mit allem, was da reizend ist,
Du süsse Maid, steh' auf!
Steh' auf, steh' auf!
Du süsse Maid, steh' auf!
Wir haben dir was mitgebracht
Für einen Abendschmaus.
Sieh her, wie diese Knackwurst lacht!
Die schaut doch herrlich aus!
Dies Ka!bskott'lett, wie rosig frisch,
Gebraten ist's im Nu!
Das wird ein wahrer Fürstentisch
Und Nockerln gibt's dazu!
Als Mehlspeis' winkt der Strudel schon,
Gefüllt mit Nuss und Mohn,
Auch Käs, auch Käs,
Mach' auf, so riechst du es!
Und Bier und Wein
Das wird ein Gaudium sein!


Nr. 4 - Quintett

SCHOBER
Unter einem Fliederbaum,
Ja, da Sitzt man schön!
Durch den lichten Maienraum
Süsse Düfte weh'n.
Herz, mein Herz, was wünschst du dir?
Sag's zu dieser Stundl
Tu dem lieben Frühling hier
Deine Wünsche kund!

VOGL
Ich möcht' einen Wein vom Rhein,
So alt wie die Welt müsst' er sein.

SCHWIND
Ich wünsch' mir ein Flügelpaar,
Zu reisen das ganze Jahr!

KUPELWIESER
Und ich möcht' Freunde, wie ihr seid,
Für meine Lebenszeit!

SCHUBERT
Ihr habt das Beste vergessen!
Was Trinken, was Reisen, was Essen!

ALLE
Das wär? Das wär?

SCHUBERT
Es soll der Frühling mir künden:
Wo werd' ich sie finden?
Wann neigt sich die eine,
Die feine, mir zu?
Und trägt am schwellenden Mieder
Sie blühenden Flieder,
Sag' immer ich wieder:
Mein Frühling bist du!

ALLE
Es soll der Frühling mir künden:
usw.

2.
SCHOBER
Unter einem Fliederbaum,
Ja, da sitzt man schön!
Durch den lichten Maienraum
Süsse Düfte weh'n.
Wenn die ganze Welt erblüht
Wie ein bunter Strauss,
Was dir tief die Brust durchglüht,
Bricht in Knospen auf!

KUPELWIESER
Ich liebte, ach, stets gleich zwei,
Doch keine bewahrt' mir die Treu'!

SCHWIND
Ich wünsch' mir ein welsches Kind,
Weil die wohl am tollsten sind!

VOGL
Ich lobe mir die Wienerin
Mit Schelmenaug' und rundem Kinn.

SCHOBER
Ich möcht', dass mir ein Pascha fein
Soll seinen Harem leih'n!

SCHUBERT
Es ist doch immer die gleiche,
Die Liebe, die wonnereiche!

ALLE
Die Lieb'! Die Lieb'!

SCHUBERT
Es soll der Frühling mir künden: usw.


Nr. 5 - Duett

HANNERL
Bin so glücklich, augenblicklich,
Dass ich's gar nicht sagen kann!

SCHUBERT
Zu viel Ehre! Wenn's so wäre,
Wüsst' nicht, was denn an mir dran.

HANNERL
Aber geh'n S', so was Schön's
Gibt's net mehr, wie - Ihre Lieder.

SCHUBERT
Zu viel Lob! Sicherlich!
Hab' schon glaubt, Sie meinen mich!

HANNERL
Was Schön'res könnt's sein als ein Wiener Lied?
Was jauchzt so im Herzen und geht ins G'müt?
Was stimmt uns so fröhlich, ob arm, ob reich?
Und macht uns den Engerln im Himmel gleich?
Das singende, klingende, fröhlichkeitsbringende, herzen-
bezwingende Lied aus Wien!

BEIDE
Das singende, klingende, fröhlichkeitsbringende, herzen-
bezwingende Lied aus Wien!

SCHUBERT
So was Wahres, Wunderbares,
Gibt's gewiss kein zweites Mat.

HANNERL
Dürft' erlauben, mir's zu glauben,
Macht's mich glücklich kolossal.

SCHUBERT
Dieser Schwung! Ewig jung
Bleiben doch die alten Lieder!

HANNERL
Ganz gewiss! Sicherlich!
Hab' schon glaubt, Sie meinen mich.

SCHUBERT
Was Schön'res könnt's sein als ein Wiener Lied? usw.



Nr. 6 - Finale
SCHOBER, SCHUBERT, TSCHÖLL, SCHWIND, KUPELWIESER, VOGL, BINDER, HANNERL, HAIDERL, HEDERL

SCHOBER
Unter einem Fliederbaum -

ALLE
Ja, da sitzt man schön.

SCHOBER
Durch den lichten Maienraum -

ALLE
Süsse Düfte weh'n!

HANNERL, HAIDERL, HEDERL, SCHUBERT, SCHOBER
Herz, mein Herz, was wünschst du dir?
Sag's zu dieser Stund'!

SCHOBER
Tu' dem lieben Frühling hier -

ALLE
Deine Wünsche kund!
Es soll der Frühling mir künden:
Wo werd' ich sie (ihn) finden?
Wann neigt sich die (der) Eine,
Die (Der) Feine, mir zu?
Und trägt (trag') am schwellenden Mieder
Sie (Ich) blühenden Flieder,
Sag' ich immer (Sagt immer er) wieder:
Mein Frühling bist du!

TSCHÖLL
Ja, ja, so geht's!
Zwei Täuber!n fliegen aus.
Jetzt sind wir bald allein
Im Dreimäderlhaus.

HANNERL
Herr Vater, schau'n S
Was ist denn da dabei?
Ich bleib' ja da,
Ich zähl' doch für drei!

TSCHÖLL
Mit tut ja dabei nur eines weh:
Das Haus kommt um sein Renommee!
Das Lied vom Dreimäderlhaus.

HANNERL
Steht in Wien wo auf der Bastei ein Haus,
Da gucken drei Mädel heraus.
Eine schwarz, die anderen zwei blond und braun
Und immer bei fröhlicher Laun'.
Zeitlich früh, kaum bringt die Sonn' den Tag,
Wird's munter schon im Taubenschlag.
Da kann man kichern und schwatzen hör'n,
Das tun die drei Mäderln so gern!

HAIDERL und HEDERL
Ja, das tun die drei Mäderln so gern!

HANNERL
Ja, das tun die drei Mäderln so gern!
Die Haiderl, die Hederl und's Hannerl!
's Kleeblatt vom Wienerwald gibt's nur ama!!
Das kennt man bei Jung und Alt, liebt's überall!
Keck aus dem Aug' schaut der Spitzbub heraus.
So ist ein Mädel vom Dreimäderlhaus!

ALLE
's Kleeblatt vom Wienerwald gibt's nur amal! usw.

2.
HANNERL
Nummer eins, das Haiderl, ist ideal,
Bei ihr traf das Herz schon die Wahl.
Nummer zwei, das Hederl, ist andrer Art,
Trotzdem ist auch die schon vernarrt.
Nur die Dritte, Jüngste, lacht dazu,
Die Lieb' raubt ihr noch nicht die Ruh',
Denn den Besten, Bravsten, denkt sie sich,
Den schickt noch der Himmel für mich!

HAIDERL und HEDERL
Ja, den schickt noch der Himmel für dich!

HANNERL
Ja, den schickt noch der Himmel für mich!
Auch's Hannerl, die kriegt noch ihr Mannerl.
's Kleeblatt vom Wienerwald gibt's nur amal! usw.

TSCHÖLL
Jetzt ist's aber höchste Zeit,
Dass wir nach Hause geh'n.
Spät ist es schon
Und der Weg ist noch weit.
Hell scheint der Mond,
Gibt uns gern sein Geleit'.

SCHOBER
Wir gehen als Eskorte mit.
Tretet an, Mann für Mann!

ALLE
Immer voran im gleichen Schritt,
Dass nix geschehen kann.

BRUNEDER
Darf ich bitten, Jungfer Hederl?
Jeder Mann, der will sein Mäderl!

BINDER
Jungfer Haider!, Sie gestatten -
Ihrem künft'gen Ehegatten!

HEDERL und HAIDERL
's kann für ein Pärchen
Nichts schöner wohl sein,
Als eins mit dem andern
Zu wandern im Schein!

TSCHÖLL
Jetzt hinaus,
Denn sonst kommen wir heut' nicht mehr nach Haus!

ALLE
La, la, la, la (usw.).


Melodram

HANNERL
Was Schön'res kann's sein als ein Wiener Lied?
Das jauchzt so im Herzen und geht ins Gmüt!
Was stimmt uns so selig, ob arm, ob reich?
Und macht uns den Engerln im Himmel gleich?

HANNERL, SCHUBERT
Das singende, klingende,
fröhlichkeitsbringende,
herzenbezwingende Lied aus Wien!

ZWEITER AKT
In einem Salon bei Tschöll

Nr. 6b - Lied

SCHUBERT
Zu jeder Zeit,
Wie's mich grad' freut,
Fliegt mir was zu,
So wie im Nu,
Ich weiss nicht wie,
Ganz ohne Müh'
Klingt mir im Ohr Melodie.
Und wie im Traum
Merk' ich's wohl kaum,
Steht am Papier
Alles gleich hier,
Ich schau mir's an
Und sag' mir dann:
Na ja, wer weiss, ist was dr'an?
Mir scheint, es war
Ein Vogel gar,
Dem ich verdank'
Was ich da sang!
Hat's nicht das Bächlein gerauscht,
Hab' ich die Töne nicht ihm abgelauscht?
Nein, nein, das wird's wohl nicht sein!

Licht senkt es sich vom Himmel nieder,
Hell quillt mir dann der Born der Lieder,
Du, holde Phantasie,
Du umschwebst mich,
Du erhebst mich,
Du versiegst mir nie!
Still freu' ich mich der gold'nen Stunden,
Froh, dass ich es so tief empfunden:
Gott, jedes Lied ist Dein,
Denn nur Du allein
Gabst mir ein,
Der Kunst zu dienen, wahr und rein!

2.
Und geht's mir gut,
Hab' ich stets Mut,
Denn dann gelingt,
Was man auch tut.
Und geht's mir schlecht,
Ja, dann erst recht
Ich fort und fort schreiben möcht'!
Und sag'n heut'
Oberall d' Leut',
Der Musikant
Ist nicht recht g'scheit,
So denk' ich mir:
Kann nichts dafür,
Bin eben anders als ihr.
Es singt und klingt,
Es drängt und zwingt,
Mein Herz ist voll,
Ich muss, ich soll!
Es blüht und blüht allezeit
In mir die süsse Liederseligkeit.
Ja, ja, dazu bin ich da!

Licht senkt es sich vom Himmel nieder,
Hell quillt mir dann der Born der Lieder.
Du, holde Phantasie,
Du umschwebst mich,
Du erhebst mich,
Du versiegst mir nie!
Still freu' ich mich der gold'nen Stunden,
Froh, dass ich es so tief empfunden:
Gott, jedes Lied ist Dein,
Denn nur Du allein
Gabst mir ein,
Der Kunst zu dienen, wahr und rein!


Nr. 7 - Sextett
SCHOBER, BRUNEDER, BINDER, HANNERL, HAIDERL, HEDERL

ALLE SECHS
Wer's Mädel freit
In schöner Zeit,
Der hat es nie noch bereut.
In Maienb!üt
Die Liebe glüht,
Ein Frühlingstraum uns durchzieht.
Die Äugerln blau,
Wie Himmelstau,
Nur Engerln hab'n so ein G'schau.
Du bleibst mein,
Ich bleib' dein!
Und immer soll es so sein!

BRUNEDER, BINDER
Jetzt is doch ka Sünd',
Also küss' mich geschwind'

HAIDERL, HEDERL
's liegt freilich nix dran,
Denn du bist ja mein Mann.

SCHOBER
Wir dreh'n uns schon um,
Denn das Zuschau'n ist dumm.

HANNERL
Man nimmt's einem Eh'paar nicht krumm,
Gar nicht krumm!

SCHOBER, BRUNEDER, BINDER
Nichts Schön'res kann es geben,
Als Liebe, die loht.

HANNERL, HAIDERL, HEDERL
O Gott, ihr macht uns angst und bang,
Was da uns noch droht!

SCHOBER, BUNEDER, BINDER
Da gäb' es auch kein Weigern mehr,
Keinen Pardon.

HANNERL, HAIDERL, HEDERL
Das Beste ist's, wir laufen
Gleich auf und davon!

SCHOBER, BRUNEDER, BINDER
Na schön, na schön,
Versucht's doch einmal!

HANNERL, HAIDERL, HEDERL
Na schön, na schön,
Für uns ist's egal!

SCHOBER, BRUNEDER, BINDER
Schatzerl, sei nicht dumm
Und dreh dich um.
Du Tschapperl du,
Schau, lach' dazu!
Das Trotzen lass,
Es war nur Spass
Geh, glaub' mir doch das!

HANNERL, HAIDERL, HEDERL
Erst wenn brav du bist
Und niederkniest,
Die Hand mir küsst,
Dann ist's gebüsst.
Merk' in Zukunft dir
Das eine hier:
Sei lieb und gut zu mir!

SCHOBER, BRUNEDER, BINDER
Schau, mein liebes Schnuckerl,
Als Versöhnungszuckerl,
Fleh' zu deinem Fusserl
Ich jetzt um ein Busserl.

HANNERL
O, mein Herr! O, mein Herr!

HANNERL, HAIDERL, HEDERL
Kann dir ja nicht bös sein,
Ich will generös sein,
Lad' zu einem Tänzchen
Gern dich ein.

ALLE
Wer's Mädel freit
In schöner Zeit - usw.


Nr. 8 - Duett

SCHOBER
Sei g'scheit, wer wird denn schmollen?
Küss mich, mein Mädel, mit lachendem G'sicht!
Sei g'scheit und tu' nicht grollen!
Denk' dir, so jung wie heut' bleibt man doch nicht!

GRISI
Ein Bussel, ein süsses, das war' ja ganz fein!
Doch soll ich dich küssen, will ich's nur allein!

SCHOBER
Sei g'scheit, brauchst nur zu wollen,
Schad' um die Zeit, bringst dich selbst um die Freud'!

GRISI
Das dumme Schauen stets auf andre Frauen!
Liebe will ich - aber nicht zu dritt!

SCHOBER
Wer zu viel spioniert, leicht sich hat blamiert!

GRISI
Halt dich fest im Zaum!
Will dich bewachen stets auf Schritt und Tritt.
Wie schön könnt' das sein, wärst du mit mir nur allein!
Wie gab' ich gern dir zurück mit jedem Blick ein doppelt
Glück!
Wo gäb's noch so zwei, wärst du ein bissel mir treu!
Das wär', was Liebe man nennt, das wär' die Lieb' bis an
das End'!

SCHOBER
Andre Frau'n anzuschau'n, das ist kein Schuldbeweis!
Bild'st dir ein, schlau zu sein, machst dir die Hölle heiss.
Marterst mich Stund' für Stund', hast dazu gar kein Grund.
Bitt', jetzt ist's genug, sonst spiel' ich nicht mehr mit!

GRISI
Trau' dir nicht, Bösewicht, kenn' deine Schliche schon!
Pass nur auf, komm' dir drauf, kriegst den verdienten Lohn.
Flatterhaft, immerzu, ungetreu bist nur du -

SCHOBER
Aber Tschapperl, gib doch Ruh'!

GRISI
Setz' dir schon zurecht noch den Schädel!

SCHOBER
Bist a eifersüchtige Gretel!
Siehst das ein?

GRISI
Siehst das ein?

BEIDE
Siehst das ein? Ja?

SCHOBER
Sei g'scheit, wer wird denn schmollen?
Küss mich, mein Mädel, mit lachendem G'sicht!

GRISI
Bin g'scheit und tu' nicht grollen!
So jung wie heut' bleibt man doch chtl

SCHOBER
Treu will ich sein allezeit dir zum Dank dafür!
Küssen zu zwei'n, ach, wie gern immer nur mit dir!
Nur mit dir!

GRISI
Gern wär' zum Dank ich dafür
Allezeit lieb nur zu dir, zu dir!

BEIDE
Schad' um die Zeit, man bringt sich selber um die Freud'!


Nr. 9 - Duett

HANNERL, SCHUBERT
Was uns dies Blümchen verschafft,
Gleicht einer zaub'rischen Kraft,
Die uns verrät, was in der Zukunft Dunkel steht!

SCHUBERT
Was in der Zukunft Dunkel steht!

HANNERL
Dinge, von denen man möcht',
Dass sie das Schicksal uns brächt',
Gern man erfährt, ob das Orakel sie gewährt.

SCHUBERT
Wär' mir das Glück bissel nur hold,
Wüsst' ich schon, was ich fragen wollt'!

HANNERL
Nur wer Mut hat, erringt sich die Welt!

SCHUBERT
Das ist ja leider grad das, was mir fehlt!

HANNERL
Nur ein Trauminöt will nie was wagen.
Mehr als versagen kann es doch schliesslich nicht!

SCHUBERT
Möcht' riskieren schon, doch nicht verlier'n!

HANNERL
Gut, dann will ich's als Erste probier'n!

SCHUBERT
Halt' die Daumen für Sie -

HANNERL
Wird es ausgeh'n, was ich jetzt möcht'?
Wird's gut? Wird's schlecht?

SCHUBERT
Ist's recht?

HANNERL
Liebes Schicksalsblümlein, sprich,
Sag' mir, ob er denkt an mich!
Tu' mir das Geheimnis kund,
Das mir verschwiegen hat bis heut' sein Mund.
Sag' mir, wird mein Wunsch erfüllt?
Bleibt mein Sehnen ungestillt?
Sag', ob mir die Liebe blüht,
Ob sehnsuchtsvoll sein Herz für mich erglüht?

SCHUBERT
Was hat sie denn? Lasst mich allein!
Sollt' das Orakel die Schuld sein?
"Nur wer Mut hat, erringt die Welt'
Hat sie g'sagt, darum frisch gewagt!
Ich will's wagen, mehr als versagen
Kann es doch schliesslich nicht! Ja!
Liebes Schicksalsblümlein, sprich,
Sag' mir, ob sie denkt an mich!
Tu' mir das Geheimnis kund,
Das mir verschwiegen hat bis heut' ihr Mund.
Sag' mir, wird mein Wunsch erfüllt?
Bleibt mein Sehnen ungestillt?
Sag', ob mir die Liebe blüht,
Ob sehnsuchtsvoll ihr Herz für mich erglüht?


Nr. 10 - Duett

SCHOBER
Was ist über's Leben krochen?
Warum sind S' denn gar so bös?
Hab' am End' ich was verbrochen?
Was macht Sie denn so nervös?

HANNERL
Ach, wie sind wir armen Frauen
Auf der Welt doch übel dran!
Keinem Menschen kann man trauen,
Und schon gar nicht einem Mann!

SCHOBER
Was haben die Männer schon wieder denn verbrochen?

HANNERL
Geh'n S, fragen S' nicht so viel,
Denn das geht Sie gar nichts an!

SCHOBER
Nur ruhig Blut, Kopf hoch mit Mut!
Am Hochzeitstag wird alles gut!

HANNERL
Ich heirat' überhaupt im Leben nicht!

SCHOBER

Man muss ja nicht halten, was vorher man verspricht!
Nicht wahr?

Mädel, sei nicht dumm! Brauchst nicht zu weinen!
Geht's dir heut' auch krumm, kriegst schon noch einen.
Für ein schönes Kind
Bald ein Mann sich find't.
Streck' dein Handerl aus
Und hol' ihn dir nach Haus!

BEIDE
Für ein schönes Kind - usw.

HANNERL
Herrgott, wüsst' ich doch nur einen,
Der es ehrlich meint mit mir!
Gibt's auf Erden wirklich keinen
Ausgewachs'nen Kavalier?

SCHOBER
In Geduld muss man sich fassen!
- Wenn man jung ist, geht das ja! -
Nur den Mut nicht sinken lassen,
's ist vielleicht schon einer da!

HANNERL
Na, ich hab' genug, will von keinem wissen mehr!

SCHOBER
Geduld, nicht so schnell, denn Sie ahnen ja nicht, wer!

HANNERL
Wenn er mit mir davon nicht spricht,
Leist' ich sehr gern auf ihn Verzicht!

SCHOBER
Zur Ehe, da gehören immer zwei!

HANNERL
Das nützt mir sehr wenig, wenn ich nicht bin dabei!
Nicht wahr?

SCHOBER
Mädel, sei nicht dumm! Brauchst nicht zu weinen! usw.


Nr. 11 - Lied

TSCHÖLL
Wenn uns Gott
Kinder schickt,
Das is a Freud;
Die uns beglückt!
Und sind's noch klein,
Sagt man gern:
Möcht' es erleben,
Dass s' grösser werd'n.
Die Zeit bleibt nicht stehen,
Man kann's schier wachsen sehen,
Dann sind s' nicht zu halten,
Dann pfeifen s' auf die Alten!

Geh, Alte, schau,
G'rad' so genau
Hab'n wir's als Junger gemacht!
Z' eng wird das Haus,
Jedes will 'naus,
Wo's Leben lacht!
Leer wird das Nest,
Das ist der Rest,
Dran sich nix ändern mehr !ässt!
So war's amal,
So ist es heut'!
Alte, sei g'scheit!

Kriegt m'r Buab'n,
Lernen s' nix,
Krieg'n in der Schul'
Nur allweil Wichs,
Mit Madeln is
's selbe G'frett,
Denn ledig bleib'n
Will keine net
Wenn's Herz tut rumoren,
Uj jeh, dann san s' verloren,
Da wollen s' nix mehr wissen,
Da denken s' nur mehr ans Küssen.

Geh, Alte, schau - usw.


Nr. 12 - Finale Il

SCHOBER
Ich schnitt' es gern in alle Rinden ein,
!ch grüb' es gern in jeden Kieselstein,
Ich möcht' es säen auf jedes frische Beet
Mit Kressensamen, der es schnell verrät,
Auf jeden weissen Zettel möcht' ich's schreiben:
Dein ist mein Herz, dein ist mein Herz
Und soll es ewig, ewig bleiben!

Ich möcht mir ziehen einen jungen Star,
Bis dass er spräch' die Worte rein und klar,
Bis er sie spräch' mit meines Mundes Klang,
Mit meines Herzens vollem, heissem Drang!
Dann säng' er hell durch ihre Fensterscheiben:
Dein ist mein Herz, dein ist mein Herz
Und soll es ewig bleiben!

HANNERL
Wie herrlich schön ist dieses Lied,
Es macht im Tiefsten mich erbeben,
Und durch mein Herz die Ahnung zieht:
Es gibt ein andres, höh'res Leben!

SCHUBERT
Jetzt red' ihr zu! Du tust's für mich!

HANNERL
Und wie Sie das gesungen haben,
Ach, so warm, so wunderbar!
Wie Sie dem Liede Seele gaben,
Ja, so innig und so wahr!
Als ob es Ihre Worte wären .
Ich könnte Tag und Nacht es hören!

SCHOBER
Es wirkt wie eine Zauberei -

HANNERL
Ach, dass der Zauber ewig bliebe! ....
Mir wird ganz heiss und kalt dabei! .....

SCHOBER
Es spricht aus jedem Wort die Liebe! ....

HANNERL
Die Liebe?

SCHOBER
Die Liebe....

HANNERL
Ich bin geliebt!
O, welche Seligkeit!

SCHOBER
Und wenn ein Herz, das längst heimlich glüht,
Vor Schüchternheit es zu sagen nicht wagte,
Was in dem Lied nur durch Töne dir sagte -

HANNERL
Nun dann -?

SCHOBER
Nun - dann - -

HANNERL
Dann - sag' ich selbst es ihm -

SCHOBER
Was - sagst du - ihm? . .

HANNERL
..,Dein ist mein Herz!"

SCHOBER
Hannerl! Du! Du!

Melodram

SCHUBERT
Ich schnitt' es gern in alle Rinden ein,
Ich grüb' es gern in jeden Kieselstein,
Ich möcht' es säen auf jedes frische Beet
Mit Kressensamen, der es schnell verrät,
Auf jeden weissen Zettel möcht' ich's schreiben:
Dein ist mein Herz, dein ist mein Herz
Und soll es ewig, ewig bleiben!

DRITTER AKT
Am PIatzl in Hietzing

Nr. 13 - Lied

SCHUBERT
Kam der Tag, wo ich dich ersah,
Es kam die Stund', wo mir das Glück so nah',
Ward mein Herz heller als der Tag,
Es schlug nur dir, nur dir mit jedem Schlag!
Kam die Nacht, sehnsuchtsvoll und lang -
Rief im Traum nach dir so bang .
Kam die Lieb', kam mit ihr die Qual,
Ob du mir gut, frug ich mich tausendmal.
Nur dich selbst hab' ich nie gefragt,
Hab' dir's nie gesagt,
Wie heiss ich dich geliebt!

Nicht klagen, nicht klagen!
Was dir bestimmt, musst du ertragen!
Halt stille! Halt stille!
Es ist des Schicksals Wille!

Sprach mein Mund nie das rechte Wort,
So sprach mein Herz mit dir doch fort und fort.
In der Brust tönte mein Gebet,
Weil tiefste Lieb' nur stumm und schüchtern fleht.
Weil kein Wort, und wär es noch so heiss,
Höchsten Wunsch zu sagen weiss.
Weiss nur eins: Alles war ein Traum.
Verweht im Wind, gleichwie der Welle Schaum.
Holdes Kind, noch zum Abschiedsgruss
Ich dir sagen muss,
Wie heiss ich dich geliebt!

Nicht klagen, nicht klagen!
Was dir bestimmt, musst du ertragen!
Halt stille! Halt stille!
Es ist des Schicksals Wille!
Vorüber, vorbei!


Nr. 14 - Duett

HANNERL
Tritt ein Jüngling in die Ehe,
Hat er sich meist ausgetobt.
Seine Sünden er gestehe
Ihr, der er die Treu' gelobt.

SCHOBER
Wenn er alles ihr entdeckt,
Dann ist's aus mit dem Respekt.

HANNER
Alte Sünden sind verzieh'n,
Aber neue: Wehe ihm!
Da gehst her und rührst dich nicht!
Hör' jetzt, was dein Weiberl spricht:
Mein sollst sein du ganz allein,
Oder ich fahr' drein!
Da gehst her und net lang frag'n!
Sollst mich gleich auf Händen trag'n
Wie es in der Bibel steht.
Siehst, das is a Red!
Alles, alles will ich wissen!

SCHOBER
Und was krieg' ich dann zum Lohn?

HANNERL
Wenn du brav warst, darfst mich küssen!

SCHOBER
Küss dich lieber vorher schon.
Da gehst her und rühr' dich nicht!
Hör' jetzt, was dein Mannerl spricht:
Mein sollst sein du ganz allein,
Siehst, so ist es fein!

HANNERL
Da sag' ich nicht nein!

SCHOBER
Jedes Mägdlein, eh's gefreit ist,
Strotzt schier vor Bescheidenheit.
Doch kaum, dass der Bund geweiht ist,
Fängt schon an die Leidenszeit.

HANNERL
Keine Ehefrau je zankt,
Tut der Mann, was sie verlangt!

SCHOBER
Ein Pantoffel noch so klein,
Will doch keiner drunter sein!
Da gehst her und rührst dich nicht!
Hör' jetzt, was dein Mannerl spricht:
Mein sollst sein du ganz allein,
Oder ich fahr' drein!
Da gehst her und net lang frag'n!
Will dich gern auf Händen trag'n,
Wie es in der Bibel steht.
Siehst, das is a Red!


Nr. 15 - Schlussgesang

SCHUBERT
Es soll der Frühling mir künden:
Wo werd' ich sie finden?
Wann neigt sich die Eine,
Die Feine, mir zu?

ALLE
Und trägt am schwellenden Mieder,
Sie blühenden Flieder,
Sag' immer ich wieder:
Mein Frühling bist du!