Boccaccio

Boccaccio

Operette in drei Akten

Libretto

Friedrich Zell (Camillo Walzel) und Richard Genée
nach der Novellensammlung Il Decamerone (1348-53) von Giovanni Boccaccio

Uraufführung

1. Februar 1879: Wien (Carl-Theater)

Besetzung

GIOVANNI BOCCACCIO, Dichter (Alt)
PIETRO, Prinz von Palermo (Tenor)
SCALZA, Barbier (Bariton)
BEATRICE, seine Frau (Sopran)
LOTTERINGHI, Fassbinder (Tenor)
ISABELLA, seine Frau (Sopran)
LAMBERTUCCIO, Gewürzkrämer (Bariton)
PERONELLA, seine Frau (Alt)
FIAMETTA, ihre Ziehtochter (Sopran)
LEONETTO, Student (Bariton)

CHOR
Studenten, Freunde Boccaccios, Wachen, Polizisten, Bediente, Bürger von Florenz

Ort

Zeit

1331

Suppé, Franz von



Operette (Komische Oper) in drei Akten


ERSTER AKT
In Florenz wird der Johannistag, der Namenstag des Schutzpatrons der Stadt, gefeiert. Auch auf dem Platz vor der Kirche Santa Maria Novella geht es lustig zu.
Dort bietet ein fliegender Händler die neuesten Novellen des berühmt-berüchtigten Boccaccio an. Diese pikanten Geschichten stellen die Männer als Dummköpfe hin und schmeicheln den Frauen, die daher für den Dichter schwärmen. Ganz anders die Männer: Sie jagen den Händler fort und brüsten sich mit ihrer Klugheit. Besonders Scalza und seine Freunde Lotteringhi und Lambertuccio wettern gegen Boccaccio und wollen dessen Ausweisung durchsetzen.
Während sie sich noch unterhalten, schleicht sich der Student Leonetto zu Beatrice, der schönen Frau Scalzas, mit der er seit Wochen, seit ihr Mann abwesend ist, ein Verhältnis hat. Als nun Beatrice ihren Mann zu früh zurückkommen sieht, ruft sie um Hilfe. Boccaccio stürzt ins Haus und hilft seinem Freund, sich ungesehen davonzumachen. Boccaccio selbst liebt Fiametta, die hübsche Adoptivtochter Lambertuccios.
Inzwischen ist Pietro, der Prinz von Palermo, der sich um die Tochter des Herzogs bemüht, in Florenz eingetroffen und möchte hier gern einige Abenteuer erleben. Seine Ähnlichkeit mit Boccaccio ist so gross, dass sich einige Bürger auf ihn stürzen und ihn verprügeln. Diese Gelegenheit nutzt Boccaccio, um mit seiner Fiametta zu turteln.
Die Bürger haben inzwischen gesehen, dass sie den Falschen erwischt haben: so verbrennen sie wenigstens die Hefte Boccaccios, der dabei fleissig mithilft, um sich nicht zu verraten.

ZWEITER AKT
Die drei Liebhaber Boccaccio, Pietro und Leonetto bringen ihren Damen Fiametta, Isabella und Beatrice ein Ständchen. Der Tag beginnt, sie werfen ihnen Brieflein zu und verstecken sich dann. Als Lotteringhi seinen Geschäften nachgeht, kann sich Pietro dessen Frau Isabella nähern: er muss sich jedoch schnell in einem Fass verstecken, als Lotteringhi vorzeitig zurückkehrt. Isabella macht ihm weis, der Fremde wolle das Fass kaufen. Lotteringhi ist hocherfreut.
Indessen bietet sich Boccaccio, als Bauernbursche verkleidet, an, Lambertuccio beim Olivenpflücken zu helfen. Er redet dem gutgläubigen Gewürzkrämer ein, dass man vom Olivenbaum aus alle sich küssenden Liebespaare sehen könne. Lambertuccio steigt auf den Baum und sieht Boccaccio mit Fiametta, Pietro mit Isabella sowie Leonetto, der gerade Lambertuccios eigener Frau Peronella den Hof macht.
Scalza stürzt herbei und macht allem ein Ende, da er in einer Schenke von den neuesten Streichen Boccaccios gehört hat. Die erbosten Bürger wollen Boccaccio fassen, erwischen ihn aber nicht. Ein Abgesandter des Herzogs bringt Fiametta in dessen Residenz.

DRITTER AKT
Fiametta erfährt, dass sie in Wirklichkeit eine Tochter des Herzogs ist und nun Pietro, den Prinzen von Palermo, heiraten soll. Sie ist davon keineswegs entzückt, da sie immer noch ihren Studenten, für den sie Boccaccio hält, liebt. Auch Pietro will Fiametta nicht heiraten, ihm gefällt die energische Isabella besser.
Deren Mann. Lotteringhi, ist sehr in Sorge, nachdem er gehört hat, dass der so übel behandelte Fremde Prinz Pietro von Palermo war. Deswegen beteiligt er sich auch nicht an der beim Herzog über Boccaccio eingebrachten Klage. So fällt diese in sich zusammen.
Boccaccio wird sogar als Dante Kenner an die Hochschule von Florenz berufen. In einem Commedia dell'Arte-Spiel kann er den Prinzen bewegen, endgültig auf Fiametta zu verzichten. Das Mädchen umarmt voller Freude ihren Studenten-Dichter. Prinz Pietro ernennt Lotteringhi zum obersten Fassmacher in Sizilien, um so seiner geliebten Isabella immer nahe zu sein.
ACT ONE
Boccaccio, the hero of this tale, is a novelist and poet whose virile pen deals with truth not romance, and who has brought down upon his head the hatred of many of the Florentines, who are portrayed in his novels with really embarrassing fidelity. They vow vengeance upon him and his life, or at least his safety, is in peril. Boccaccio has found time in the midst of his literary labors to fall in love with Fiametta, the adopted daughter of Lambertuccio, the grocer. He, as well as Lambertuccio, is unaware of the fact that the girl is the daughter of the Duke of Tuscany, who for political reasons has had her brought up in this humble fashion. Her father has destined her for a fitting marriage and he sends to Florence at this time, Pietro, Prince of Palmero, to claim as his wife, Fiametta, who has been betrothed to him in infancy. Pietro is acting in accordance with the wishes of his father and not because he desires to assume marital ties, for, as he himself confesses, he is far too fond of wine and flirting to care to take on himself the role of husband.
Upon his arrival in the city, he joins in several adventures with the students and meets Boccaccio, for whom he has had, for some time, a profound admiration. He fancies that by his adventures he may gain such experience that he, too, may write of life as Boccaccio does. But his literary ardor is somewhat cooled when, on account of a resemblance which he bears to Boccaccio, he is seized by Florentine citizens who have figured unpleasantly in the novels of " the miserable scribbler " and given a sound drubbing.

ACT TWO
Boccaccio, who has learned that Fiametta is to marry, succeeds in stealing interviews with her in the disguises of a beggar and a simpleton, and finds that his love is returned. Meantime Pietro's adventures go on merrily. He is introduced to Isabella, the wife of the drunken cooper, Lotteringhi, and proceeds to fall in love with her, for the students represent that she is the cooper's niece. On one occasion, when Lotteringhi returns before he is expected, the lady hides her princely lover in a barrel and when he is discovered, glibly explains his presence by saying that he had purchased the barrel and had gone in to examine it.
To be brief, after much flirting and serenading, Pietro accomplishes the business for which he has set out and meets Fiametta whose foster-father is overcome with awe to learn her true identity.

ACT THREE
Fiametta is found at the ducal palace in Palmero, about to be solemnly betrothed to Pietro. Boccaccio, for whom the Prince has a profound liking, comes as a guest to the festivities. He knows well that his love is reciprocated, and he has Pietro's own admission that he feels only indifference for Fiametta, so he decides to help fate to a more gallant role. He is asked to arrange a play for the evening and, in the impromptu affair he illustrates the situation with such fidelity and shows up the follies of Pietro so vividly, that the young man who looks it over previous to its performance decides not to have it played and instead surrenders the hand of Fiametta to the one who truly loves her. Fiametta is better pleased to wed a professor of the University of Florence, for such Boccaccio is now made, than to be Princess of Palmero and the happy Boccaccio promises that it shall be quite the last of his literary practical jokes.

Personen:
GIOVANNI BOCCACCIO (Mezzosopran/Tenor)
PIETRO, Prinz von Palermo (Tenor)
SCALZA, Barbier (Bass)
BEATRICE, sein Weib (Sopran)
LOTTERINGHI, Fassbinder (Bariton)
ISABELLA, sein Weib (Sopran)
LAMBERTUCCIO, Gewürzkrämer (Bariton)
PERONELLA, sein Weib (Mezzosopran)
FIAMETTA, beider Ziehtochter (Sopran)
LEONETTO, Student (Tenor)
Ein UNBEKANNTER
Der MAJORDOMUS des Herzogs von Toscana
Ein KOLPORTEUR
FRESCO, Lehrjunge bei Lotteringhi
CHECCO, Bettler
FILIPPA, ORETTA, VIOLANTA, Mägde

Studenten - Bettler - Gesellen - Volk

Die Handlung spielt zu Florenz im Jahre 1331



ERSTER AKT
Freier Platz vor der Kirche Santa Maria - am Johannestag

Nr. 1 - Introduktion

CHECCO und die BETTLER
Heut am Tag des Patron von Florenz
Ist am Kirchtore stark die Frequenz.
Jung und alt, reich und arm,
Ohne Halt drängt der Schwarm;
Da wird reiche Ernte für uns Bettler sein!
Wenn wir flehen, bittend stehen, trägt es heut uns etwas ein!
Misericordia, pietà, moro di fame.

CHECCO
Du Anselmo, stehst da, Giacometto, du dort!
Tita Nana mir nah, jeder hat seinen Ort,
Recht erbärmlich nur geheult - und was einkommt, wird geteilt.
Nur schnell, nur schnell an Ort und Stell'!

LEONETTO
geheimnisvoll auftretend
Mich erwartet Frau Beatrice - holdes Weibchen, o wie schlau!
ihr Gemahl ist noch auf Reisen, und es langweilt sich die Frau.
Drum vertraut sie mir den Schüsei, und ich kenn' den Weg genau.

CHOR
Tralla la la, corn, vola alla fiera a giubilar.

LEONETTO
Singt nur, Freunde, ohne mich.
Er verschwindet im Hause

CHECCO
Presto avanti - jetzt acht geben. Presto ac anti! Macht's nur wie ich!

CHOR
Schöner Tag - Sonnenschein lockt hinaus und ladet ein.
Alles reget flink die Hände, schmückt mit Kränzen kahle Wände.
Oi---la oila
Alle Strassen bunt geschmückt, alle Mienen froh beglückt,
Mira quà, mira la; tutto invita a rallegrar.
Guarda sù - guarda giu; tutto tenta ad alletar
A giubilar. a esaltar, su, su - a vol oila!
Schöner Tag - Sonnenschein usw., usw.
Ja der Morgen findet ganz Florenz im Freudentaumel schon,
Denn wir feiern ja den Namenstag von unserm Schutzpatron!

DIE BETTLER
Misericordia, pietà moro di fame.

CHOR
Keine Klage walte da, voll Lust soll tanzen selbst der Lahme.
Seht, dort nahen dIe Studenten, stets dabei, wo Freude spriesst! -
Hieher, hieher, seid froh begrüsst.

STUDENTEN
Flotte Studiosen, hier gibt's Rosen in der herrlichsten Pracht!
Den Jubel zu teilen ohne Weilen sind wir bedacht!
Gefährten, lasst eure Lieder hier ertönen!
Mit vollstem Klang halle freudig unser Sang.
Das Lied erobert die Herzen aller Schönen,
ihr Dankesblick sei dem Sänger höchstes Glück!

CHOR
Italia, suol di Venere l'amor in te respira
Le frondi ancor si tenere ah si rivirron d'amor.
Alle seid lustbereit! Weiht die Zeit der Fröhlichkeit!
Schöner Tag, Sonnenschein - usw.

Der Kolporteur tritt mit einem Handwägelchen auf

KOLPORTEUR
Neueste Novellen aus den besten Quellen, wer kaufet? Wer?

CHOR
Novellen? Schnell hieher!

KOLPORTEUR
Langsam, will euch gleich zufriedenstellen,
Neueste Novellen, eben erschienen!
Höret und staunet und kauft geschwinde!
Erst von Sacchetti sind hier Geschichten.
Ja, der versteht sieh auf das Dichten, Exzellent!
Wie der vollendet die Handlung wendet;
Wie alles passt. wie alles klappt!
Hier sein "Müller und der Abt"!

CHOR
Wie heisst's? Der Müller und der Abt!

KOLPORTEUR
Zehn Bajocchi, - gar kein Geld!
Hier. Fiorentino, der feinste Schreiber,
Der angenehmste Zeitvertreiber - Eminent!
Sein Stil ist blühend, lebendig, glühend!
Merkt auf, ihr Freunde des Skandals!
Hier ,,Die Freundin des Kardinals!"

CHOR
Die Freundin des Kardinals!

KOLPORTEUR
Fünfzehn Bajocchi, ein Schandpreis -
Doch mit niemand zu vergleichen und von keinem zu erreichen
Unterhält und stimmt uns froh Giovanni Boccaccio!

CHOR
Boccaccio! Boccaccio!

KOLPORTEUR
Der weiss vieles euch zu sagen, was sich niemals zugetragen.
An Erfindung und Humor tat's ihm keiner je zuvor.
Hier sein allerneuestes Thema - Spinolloccio und Zeppa!

DIE WEIBER
Ganz verlockend, int'ressant!

DIE MÄNNER
Nichts als Lüge. Schmach und Schand'!

KOLPORTEUR
Daraus lernt der Ehemann, wie er Rache nehmen kann.
Wenn ihr leset diese Sachen, werdet bersten ihr vor Lachen!

DIE WEIBER
Höchstwahrscheinlich, sehr pikant!

DIE MÄNNER
Lauter Unsinn, kein Verstand!

KOLPORTEUR
Und was ganz besonders rar: Die Geschichte ist auch wahr!
Sie soll jüngst passiert hier sein, wie's zu lesen ist haarklein!
Aus dem Leben treu und wahr.
Kaufet meine neuste War'. - Eine Lira 's Exemplar.

DIE MÄNNER
Das ist erlogen, frech, ungezogen! Er soll sich schämen, pfui!

DIE WEIBER
Haha, o seht, wie zornentbrannt,
Weil sie der Dichter hat erkannt.

DIE MÄNNER
Reisst den Wisch ihm ans der Hand!
Jagt ihn zum Teufel! Fort mit ihm!
Abassso Boccaccio! Va in malora! (usw.)

DIE WEIBER
Nein, lasst ihn gehn! Wir wollen's lesen!
Evviva Boccaccio! Seht doch die Wut!
Wie sie toben, wie sie schrein; hahaha; da soll man nicht lachen?
Etwas Wahres muss dran sein; hahaha, weil sie gar so schrein!
Haha! recht so! Uns bleibt Boccaccio!
Doch unterhaltend, stets Geist entfaltend.
Eure Wut aber macht, dass man über euch lacht!

DIE MÄNNER
Schämt euch! Schweiget!
O wir treffen ihn schon irgendwo! Das geht nicht so!
Der Wicht soll uns nicht höhnen? Nein, das soll er nicht, der Wicht!
Wenn wir ihn irgendwo wittern, greift zum Dolch!
Vor unsrer Wut soll er zittern, dieser Strolch!

DIE WEIBER
Vor eurem Drohen wird er schwerlich zittern,
Er fürchtet wenig sich vor solchen Rittern!
Erst müsst ihr in fangen, dann wird er gehangen!
Solange wir da sind, kriegt ihr ihn nicht.

DIE MÄNNER
Wir packen ihn, wir prügeln ihn!
Wir töten ihn! Wir woll'n ihn massakrieren, den Wicht!
Schweigt doch! -

DIE WEIBER
Just nicht!

DIE MÄNNER
Schlangen!

DIE WEIBER
Tölpel!

DIE MÄNNER
Zangen!

DIE WEIBER
Tröpfe! Trauet unsern Nägeln nicht.
Sonst nimmt das Ding kein gutes End',
ihr kennt doch unsre Nägel, Sapperment!

DIE MÄNNER
Traut nur unsern Fäusten nicht,
Sonst nimmt das Ding kein gutes End',
Ihr kennt ja unsre Fäuste, Sapperment!

ZUSAMMEN
Das Possenspiel wird jetzt zuviel -
Es kocht das Blut in höchster Wut! Kommt nur heran!

DIE MÄNNER
Kommt doch, Schlangen!

DIE WEIBER
Kommt doch, Tröpfe!

KOLPORTEUR
hinter der Szene
Neueste Novellen! Aus den besten Quellen!

DIE MÄNNER
fortstürzend
Seine Bücher wollen wir
Vernichten hier, sie büssen uns dafür!

DIE WEIBER
nacheilend
Seine Bücher kaufen wir,
schont das Papier, es kann ja nichts dafür!


Nr. 2 - Serenade und Ensemble

SCALZA
Holde Schöne, hör' diese Töne,
Hör' mein zärtliches Liebesgestöhne!
Dir, o Süsse, send' ich die Küsse,
Send' ich schmachtende Liebesgrüsse!
Mein Gesang firuliruli, firulirulera.
Dieser Klang firuliruli, firulirulera,
Sagt dir ja, firulirula, wer dir nah, firulirula,
Dein geliebtester Gatte ist da!

LEONETTO
Aus dem Hause Beatricens schreiend:
Weh mir! Hilfe!

SCALZA
hält betroffen inne

LEONETTO
Verdammte Katzen!

SCALZA
Mich zu meiden, von dir zu scheiden,
O wie nahe ging das uns beiden!
Doch zu stehen in deiner Nähen,
O beglückendes Wiedersehen!
Mein Gesang firuliruli, firulirulera - usw.

BEATRICE
Stimme im Hause
Zu Hilfe! Rettet! Schnell!

SCALZA
zitternd
Das war Be-be-beatrice! Was mag da geschehen sein?

BEATRICE
Zu Hilfe, eilet zur Stell'!

SCALZA
Ihr zu Hilfe möcht' ich eilen, doch es zittert mein Gebein!

BEATRICE
heraustretend
Hilfe!

Man hört drinnen Degen klirren

SCALZA
Vorwärts? Mut! Ha, sie kommt - das ist gut!
Liebes Weib, wie bist du blass!
Was ist geschehen? Oh, sag' doch - was? -

BEATRICE
Scalza! Mann! Du kommst mir g'rade
Wie geschickt durch Himmelsgnade!
Nun bin ich schon wieder froh, du kommst gerade apropos!

SCALZA
Was drohet dir?

BEATRICE
's ist zum Verzagen!

SCALZA
So sage mir -

BEATRICE
's ist kaum zu sagen!
Doch - schweig still - hör' mich an - und erbebend bebe dann!
In mein Kämmerlein drang soeben, voll Verzweiflung ein schöner Mann:
"Madonna, helft! Man verfolgt mich,
Bedroht mein Leben, gönnet mir Zuflucht hier!"
Ich versteckt' ihn - schloss die Tür. Ach - da kam ein Kavalier!
Der schien mir schöner fast noch als jener! -
Wütend sprach er: "Wo steckt dieser feige Wicht!" -
Wollt' ihn beschwören, er wollt' nichts hören,
Stösst mich zurück und fuchtelt und haut und sticht!
Schon wank' ich - rufe - fliehe - ach!
Gottlob, da seh' ich in deiner Näh' mich
Halte mich - mir wird schwach!

SCALZA
Sonderbares Abenteuer! Sehr kurios!
Meine Angst ist ungeheuer, riesengross!

BEATRICE
Er war so jung und schön wie Milch und Blut;
Aus seinem Auge strahlte Liebesglut!

BOCCACCIO
hinter der Szene
Wart' nur, ich frikassiere dich, Bube!

SCALZA
ängstlich
Ha, sie sind's -- sie kommen schon heran!

LEONETTO
hinter der Szene
Trotz deiner Larve kenn' ich dich, Bandit!

SCALZA
Sie kommen, - mit - Degen. - sie drohen - mit Schlägen! -

Leonetto und Boccaccio treten fechtend aus dem Haus

LEONETTO
parierend
Ich geb' mich nicht zur Ruh',
Bis nicht dein Blut hier fliesst! -

BOCCACCIO
auf Leonetto eindringend
So steh' doch, Memme, du
Gleich wirst du aufgespiesst!

BEATRICE
Weh uns! Wer hilft? Herbei!

BOCCACCIO und LEONETTO
So stelle dich und fürchte mich!
ich töte dich! Stell' dich! Nun denn, hab' acht!
Jetzt gilt's, du Memme!

SCALZA
Es ist entsetzlich schauderhaft!
Ist niemand da, der Ordnung schafft?
Von Sinnen sind sie ganz und gar.
Ach, wer hilft aus der Gefahr?

BEATRICE
für sich
Recht natürlich spielt das Paar!

BOCCACCIO
Feigling! Verführer! Du sollst dran denken,
Will dir's nicht schenken, dich treff' ich gleich!

LEONETTO
Büsse mir jetzt dafür, nimm den Streich!
Dann parier' diesen hier.

Scalza versucht zu vermitteln und wird von beiden getroffen

SCALZA
Au! Au! Jeder Streich trifft mich zugleich!

BOCCACCIO und LEONETTO
Wer uns störet, hüte sich!
Wer uns wehret, fällt durch mich!

SCALZA
Liebes Weib, lass sie hier schrein! Gehn wir hinein!

SCALZA und BEATRICE
Das wird wohl das beste sein!

SCALZA
Wir schliessen dann vor jedermann uns drinnen ein.

BEATRICE
Wir gehn hinein!

BOCCACCIO und LEONETTO
Ha, ich zeichne dir das Fell!

SCALZA
Ich kann vor Angst nicht von der Stell'!

BEATRICE
Komm doch!

BOCCACCIO
Mori!

LEONETTO
Schurke!

SCALZA
Crepa!

BOCCACCIO
Feigling! Verführer! usw.

DIE STUDENTEN
herbeieilend
Da gibt es Rauferei! Haha, juchhei!
Gern sind wir auch dabei! Ob Spass - ob Ernst es sei!

BEATRICE
Jetzt sind's noch mehr! Der Tropf!
Vor Angst verliert er ganz den Kopf!

SCALZA
Jetzt sind's noch mehr! Ich Tropf!
Ich weiss nicht, wo mir steht der Kopf!

BOCCACCIO und LEONETTO
Fall aus - parier' - so stich!
Zum Schluss bleib' doch der Sieger ich!

DIE STUDENTEN
fechten
Ha, wie uns das ergötzt, Haha, juchhei!
Wenn's tüchtig Hiebe setzt. - Aus Spass wird Ernst zuletzt.

BEATRICE
Er hält den Scherz für wahr! Die List gelang uns ganz und gar.

BOCCACCIO und LEONETTO
Voran! Fall aus, parier' - stoss zu,
Bald send' ich dich zur ew'gen Euh!

SCALZA
Ach, schon so lang stösst man herum,
Und 's fällt noch immer keiner um.

BEATRICE, BOCCACCIO, STUDENTEN und VOLK
Ob Degen blitzen und klirren, gibt's doch nicht Gefahr,
Die Hiebe fallen und schwirren, flach nur immerdar.
Hier setzt es Schläge nach Noten, drum ist's im Takt geboten!
Welch ein lustiges Stück, ha, welch liebliche Musik!

SCALZA
Fürchterlich die Degen klirren.
Rechts und links die Hiebe schwirren,
Rings umgeben von Gefahr ist man dabei fürwahr!
Es setzet Schläge hier nach Noten, drum scheint Vorsicht mir geboten.
Leicht passiert ein Missgeschick - ziehn wir lieber uns zurück!

BOCCACCIO, LEONETTO und STUDENTEN
Feigling, Verführer,
Büsse mir jetzt dafür! usw.

BEATRICE
Ja, es ist gelungen, der Sieg ist errungen, gelungen ist die List.
Ha, er zittert, bebet, ach, der arme Narr!

SCALZA
Hier droht immerdar von allen Seiten uns Gefahr!


Nr. 3 - Lied und Chor

BOCCACCIO
Ich sehe einen jungen Mann dort stehn.
Nach einem fernen Gegenstande spähn;
Der Gegenstand kommt näher bald heran - 's ist Weib - und Mann
Das hübsche Weibchen scheint von heissem Blut,
Aus ihren Augen strahlet Liebesglut;
Aus ihres würd'gen Gatten Angesicht - da strahlt das nicht!
Doch der Jüngling, der dort stehet, sendet einen Feuerblick,
Der um Gegenliebe flehet - und sie - sendet ihn zurück.
Er ist selig - sie beglücket; auch der Gatte scheint entzücket,
Dass sein Weibchen gar so heiter, und zu drei'n spaziert man weiter.
Aber ich hab' auf der Stelle meinen Stoff für die Novelle,
Nehm' die Feder gleich zur Hand.
Der Gegenstand ist alt - bekannt -
Und dennoch immer wieder int'ressant.
Nur muss man verstehen, im voraus zu sehen:
Was noch wird geschehen! -
Das ist doch jedem klar, was hier im Werke war;
Blick, Miene, Worte Gang steh'n im Zusammenhang.
Kennt man die Menschen nur, kommt leicht man auf die Spur;
Humor und Phantasie allein muss Beistand leihn.
Doch davon gebühret mir ja nicht der Ruhm,
Dazu habt ihr mich inspiriert - und die Novelle mir diktiert!

LEONETTO und STUDENTEN
Ja wir sind es, die ihn inspiriert,
Wir sind's, die die Novelle ihm diktiert.

BOCCACCIO
Dass ich erzähl', was dunkel bleiben sollt',
Ist meine einz'ge Schuld, wenn ihr's so wollt;
Doch diese Schuld kann oftmals, wie ich mein', Verdienst auch sein.
Und g'rad von denen, die ich treffen wollt',
Hat selten einer mir darob gegrollt;
Ein jeder sagt: "Ich weiss schon, wer gemeint;
Der ist's - mein Freund!"
Jeder reibt sich froh die Hände, flüstert: "Recht ist ihm geschehn."
Doch der Richt'ge will am Ende niemals sich getroffen sehn.
,,'s gilt dem Nachbarn wetten möcht' ich,
Längst war mir die Frau verdächtig.
Ein Skandal ist's, hab' nicht recht ich?
Die Entdeckung ist ganz prächtig!"
Dabei trägt auch dieser Gute ein Paar Hörnlein unterm Hute,
Ohne dass es ihn verdriesst.
Ein jeder sieht's - sobald er grüsst
Nur er ahnt nicht, was seiner Stirn entspriesst!
Viel hundert Geschichten könnt' so ich berichten,
Brauch' gar nichts zu dichten - brauch' nur zu sehen klar,
Was hier im Werke war: Blick, Miene - usw.
Ab


Nr. 4 - Duettino

FIAMETTA und PERONELLA
Die Glocken läuten hell und rein,
Sie laden alle Frommen ein,
Mit andachtsvollem Sinn geht man zur Messe hin,
Und denket nur an Gott allein!

PERONELLA
Zur Kirche ist mein liebster Gang.

FIAMETTA
verstohlen für sich
Wo heut der junge Mann nur steckt?

PERONELLA
Mein neues Kleid scheint fast zu lang.

FIAMETTA
wie oben
Noch hab' ich nirgends ihn entdeckt.

PERONELLA
antreibend
heut darf man zu spät nicht kommen,
Gilt's doch unserm Schutzpatron.

FIAMETTA
heimlich
Ach, wär' er nur hergekommen,
Wüsst' ich bessern Schutz mir schon!

BEIDE
Und denken nur an Gott allein - usw.

PERONELLA
Wie sind die Häuser bunt bekränzt!

FIAMETTA
für sich
Sonst war er auf dem Platze hier!

PERONELLA
Im Sonntagsstaate alles glänzt.

FIAMETTA
Dann stand er dort und blickt' nach mir!

PERONELLA
Um Vergebung unsrer Sünden beten heute wir zum Herrn.

FIAMETTA
Wüsste ich nur ihn zu finden, ich vergäb's ihm ja so gern.

BEIDE
Und denken nur an Gott allein usw.


Nr. 5 - Romanze

FIAMETTA
Hab' ich nur deine Liebe -
die Treue brauch ich nicht.
Die Liebe ist die Knospe nur,
aus der die Treue bricht.
Drum sorge für die Knospe,
dass sie auch schön gedeih',
Auf dass sie sich in vollster Pracht
entfalten mag, o gib drauf acht.
Ob mit - ob ohne Treu'!

Denn selbst auch ohne Treue
hat Liebe oft entzückt,
Doch Treue ohne Lieb' allein
hat keinen noch beglückt!
Drum sorge für die Knospe,
dass sie auch schön gedeih',
Auf dass sie sich in vollster Pracht
entfalten mag, o gib drauf acht.
Ob mit - ob ohne Treu'!


Nr. 5a - Chor

CHOR
Die Glocken läuten hell und rein - sie luden alle Frommen ein;
Mit andachtsvollem Sinn ging man zur Kirche hin --
Um jetzt - dem Frohsinn sich zu weihn.


Nr. 6 - Duett

BOCCACCIO
als Bettler:
Ein armer Blinder flehet um Erbarmen.
O habet Mitleid mit dem Los der Armen!
O spendet Trost und Hoffnung mir,
Und heisser Dank wird Euch dafür!

FIAMETTA
zurückweichend
Was hör' ich? Wie pocht das herz mir bang!
Ja, ja! 's ist seiner Stimme Klang!

BOCCACCIO
für sich
Sie zögert! Sie sinnt! laut
Ein armer Blinder flehet um Erbarmen - usw.

FIAMETTA
für sich
Da er ein Bettler sich genannt,
Sei er von mir auch nicht erkannt.
Will doch sehn - will doch sehn -
Wie sich noch wendet - dieses Spiel!

BOCCACCIO
Ein Wort, ein süsses Wort von Euch
Macht schnell mich gleich dem Krösus reich!

FIAMETTA
Ein Wort?

BOCCACCIO
Ein einzig trautes, süsses Wort!

FIAMETTA
Ein Wort?

BOCCACCIO
O sprecht zu mir ein einzig Wort.

FIAMETTA
Ein Wort, sagt ihr?

BOCCACCIO
Erbarmet Euch!

FIAMETTA
Ein Wort von mir!

BOCCACCIO
Mich macht es reich, das einz'ge süsse Wort!

FIAMETTA
"Nur ein Wort, - nur ein Wort!" klingt so wenig, - ist so viel!
Sonderbar - sonderbar - scheinet mir dies kühne Spiel!
ist der Wunsch - ist der Wunsch auch bescheiden nur und klein,
Muss man doch - muss man doch auf der Hut - bei Bettlern sein!

BOCCACCIO
Solch ein Wort - solch ein Wort saget oft unendlich viel:
Sonderbar - sonderbar scheinet ihr mein kühnes Spiel.
Abgetan - abgetan ist's nicht mit dem Wort allein -
Doch es darf unverschämt kein Bettler sein!
Ich bitt' gar schön lasst mich nicht vergeblich flehn.

FIAMETTA
Ohne Hoffnung indes soll von hier er nicht gehn;
Mich rührt des Armen bittend Flehn!
Gern hätt' ich Tröstung Euch gespendet -
Da Ihr verlor't das Augenlicht!

BOCCACCIO
Ja, seit ein Strahl der Sonne mich geblendet,
Sah alles andre auf der Welt ich nicht!
Doch kann ein einz'ger Blick von Euch
Die dunkle Nacht erhellen gleich!

FIAMETTA
Will doch sehn, was sein Ziel - wie sich wendet dieses Spiel!

BOCCACCIO
Ein Blick von Euch - ein einz'ger Blick gibt Seligkeit,
Gibt Licht und Leben mir zurück!

FIAMETTA
Ein Blick?

BOCCACCIO
O spendet mir den einz'gen Blick!
Er gibt - was ich verlor - zurück!

FIAMETTA
Ein Blick sagt ihr?

BOCCACCIO
Erbarmet Euch!

FIAMETTA
Ein Blick von mir?

BOCCACCIO
Gewährt mir gleich den holden, süssen Blick!

BEIDE
Solch ein Blick - solch ein Blick, ist so wenig und doch viel!
Sonderbar - sonderbar scheinet ihr/mir das kühne Spiel!

FIAMETTA
Ist der Wunsch - ist der Wunsch, auch bescheiden nur und klein,
Muss man doch, muss man doch, auf der Hut bei Bettlern sein.
Solch ein Wort, solch ein Blick, kündet Liebe und Glück!

BOCCACCIO
Abgetan abgetan ist's nicht mit dem Blick allein -
Doch es darf, doch es darf unverschämt kein Bettler sein!
Erbarmet Euch, gönnet mir der Liebe süsses Glück!

FIAMETTA
Und nun fort - lasst mich gehn!

BOCCACCIO
Erst vergönnt -

FIAMETTA
Was denn noch?

BOCCACCIO
Eure Hand!

FIAMETTA
Nein, oh, nein! Stets soll ein Bettler bescheiden sein!

BOCCACCIO
Lebet wohl, lebet wohl.
Wollt die Kühnheit mir verzeihn! Habet Dank!
In mein Gebet schliess' ich Euch ein!

FIAMETTA
Lebet wohl, lebet wohl! - Hübsch bescheiden müsst Ihr sein.
Ich verzeih'. Ja - ich will Euch verzeihn!

BEIDE
Lebt wohl!


Nr. 7 - Finale

ALLE
Ehrsame Bürger der Stadt o bedenkt,
Wie man behandelt uns hat und gekränkt!
Ungerecht, beispiellos und schlecht ist es - wie man verfährt,
Unsre Stimme nicht hört.
Doch Boccaccio, der so uns gekränkt und verlacht -
Dem sei nicht seine Strafe geschenkt; habet acht!
Ohne Rast, wenn wir ihn gefasst, - büss' er die Geschicht' - eher nicht!

LOTTERINGHI
Der Podestà dreht kaum sich um -
Sagt kurz: Ihr seid - zu dumm!

CHOR
Das geht über'n Spass!

LAMBERTUCCIO
Mich schaut' er an, und sagte dann:
Ihr scheint ein Grobian.

CHOR
Woher weiss er das?

LOTTERINGHI
Ihr seid ein Tropf, sagt' er mir!

CHOR
Das ist sonderbar!

LAMBERTUCCIO
Mich warf er gar aus der Tür.

CHOR
Das war deutlich klar!

LOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO
Doch gerächt sei der Hohn!
Rebellion ist nun erste Bürgerpflicht.
Ja, wir woll'n Satisfaktion! Rebellion!
Andres Mittel gibt es nicht!

ALLE
Drum voran! In Person machen wir Rebellion! Ha!
Ehrsame Bürger der Stadt usw.
Ja in Person gebt dem Kujon, gebt ihm den Lohn!
Nur so wird uns Satisfaktion! Rebellion. Rebellion!
Heute schon in Person machet Revolution!

Alle ab, ausser Scalza

STUDENTEN
hinter der Szene
Herr Barbier! Herr Barbier! Herr Barbier!
Wie lange soll man warten hier!

TOFANO und CHICHIBIO
herauseilend, Scalza zurückhaltend
Ei, Barbiere!
Schnell die Schere, sollt uns Bart und Haare kürzen.

SCALZA
Ich muss die Regierung stürzen.

TOFANO und CHICHIBIO
Kommt herein!

SCALZA
hineinrufend
Nein, nein i

GUIDO und CISTI
Zum Rasieren, zum Frisieren, ihr gehört in die Butik'!

SCALZA
wie vorher
Jetzt ruft mich die Politik! -

TOFANO, CHICHIBIO, GUIDO und CISTI
Kommt, bedienet uns, eilet schnell!

SCALZA
Meinethalben geht zur Höll'!

BEATRICE
Hörst du, wie sie schrein! Seife sie doch ein!

LEONETTO
Meister Scalza! Wollet endlich doch beginnen!

SCALZA
Mich ruft Bürgerpflicht von hinnen.

BEATRICE
Hinein - tu' deine Pflicht!

BOCCACCIO
heraustretend
Lasst die Kunden warten nicht! -

BEATRICE
So geh - so geh - lass sie warten nicht! -

SCALZA
Kann ich rasieren ohne Licht?

BOCCACCIO, LEONETTO und die STUDENTEN
Wir warten eine Stunde, bald reisset die Geduld uns schon!

SCALZA
Ich mache hier Revolution, bin ja dabei die Hauptperson!

BEATRICE
Wart' nur, Patron, dich krieg' ich schon!
ab

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTEN
Wart' nur, Patron, dir wird dein Lohn!
Wir demolieren das ganze Haus und werfen Stühl' und Bänk' hinaus!

SCALZA
Lasst doch das Drohn in solchem Ton!
Da sind sie schon! sie kommen schon!
Die Rebellion beginnet schon!

Männer schleppen Pietro herbei

CHOR
Packt ihn, den Frechen! Es werde dem Patron verdienter Lohn!

PIETRO
sich sträubend
Die Herren irren sich gewiss in der Person!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTEN
Was ist das? Welch ein Geschrei?
Ist das ein Spass? Rauferei?

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHOR
Zeit ist's zu rächen,
Was er an uns verbrach durch seinen Hohn!

PIETRO
Der Rechte bin ich nicht, versichert hab' ich's schon!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTEN
Wen bringt hier man daher?
Was wollt ihr? Was soll der?

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHOR
Wart' nur, wir lehren dich erzählen,
Dein Lohn soll dir nicht fehlen. -
Mit Püffen und Schlägen bezahlen wir dich!

PIETRO
Nein, lasst mich los 's ist nicht für mich!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHOR
Für deinen Spinelloccio, schau' her,
Für deine Zeppa und dergleichen mehr
Nimm dies, nimm das, empfang nur bar
Dein wohlverdientes Honorar.
Für Buffelmacco, Calandrin, Torello. Carisendi, Saladin
Empfang nun bar dein Honorar!

PIETRO
So wartet doch, und schenket mir Gehör!
Ich darf nicht akzeptieren solche Ehr'!
Höret mich, höret mich, bemüht euch nicht,
Ihr werten Herren, glaubet mir,
Es herrscht ein Missverständnis hier!
Höret mich, höret mich, es ist nicht wahr,
Im Irrtum seid ihr ganz und gar -
Ich danke für solch Honorar!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTEN
Der Fremde ist's,
Und für Boccaccio hält man ihn, nun wird uns alles klar.
O haltet ein, Boccaccio ist das nicht!
Ein Irrtum waltet hier fürwahr
Lasst ab, lasst ah, es ist nicht wahr!

FRAUENCHOR
Hierher - hier findet ihr fürwahr die ganze Heldenschar;
Ein Fremder auch sogar, der in Gefahr.

MÄNNERCHOR
Für jedes einz'ge Exemplar empfange bar dein Honorar!

SCALZA
erkennt Pietro
Haltet, Hochverräter - haltet ein!
Ich erkenn' ihn - geht nicht weiter;
War auf Reisen sein Begleiter - Pietro ist's - Palermos Prinz!

CHOR
ablassend von Pietro
Er, der Prinz - ist's wahr?

SCALZA
Durchlaucht - Hoheit!

Ensemble

PIETRO
Ein Prinz bin ich - was ist s denn mehr?
Umsonst bemüht habt ihr euch sehr
Enthüllt ist das Inkognito, noch bin ich nicht Boccaccio!
Mich amüsieren war mein Zweck;
Nun hab' ich zwar die Schläge weg -
Indes gehör'n sie gar nicht mein,
Drum muss ich gnädig wohl verzeihn!

BEATRICE, BOCCACCIO, ISABELLA, LOTTERINGHI und LEONETTO
Er ist ein Prinz, sonst gar nichts mehr, inkognito kam er hieher,
Sich amüsieren war sein Zweck,
Nun hat er zwar die Schläge weg -
Doch da dieselben nicht gehören sein,
So muss er gnädig auch verzeihn!

CHOR
Ja - er ist ein Prinz! Verzeiht!
Verzeiht, wenn unsere freche Hand
Euch hat berührt aus Missverstand.
Durchlauchtigster, geruhet gnädig zu verzeihn,
Wie hätten sonst wir können wag'n
Euch die durchlaucht'gen Rippen zu zerschlag'n,
Die Schläge sollten ja für Euch nicht sein,
Drum wollet gnädig uns verzeihn!

KOLPORTEUR
hinter der Szene
Neueste Novellen ans den besten Quellen.
'Wer kaufet, wer?

LOTTERINGHI
Boccaccio ist entronnen, doch seine Werke nicht!
Eilt, sie zu konfiszieren, dann halten wir Gericht!

CHOR
Bestrafet den Frechen, die Flamme soll rächen!

LOTTERINGHI
Auf Brüder, her mit dem Kolporteur!

CHOR
Die Bücher her, sie werden konfisziert,
Bei Gegenwehr wirst selbst du massakriert!

KOLPORTEUR
Wie, meine Herrn, mit offner Gewalt
Stör'n Sie Gewerbe, Geschäft, Unterhalt?
Hab' ja dafür meine Steuern bezahlt.

LOTTERINGHI
Schnell erbaut den Scheiterhaufen dann,
Jener Bettler zünd' den Bettel an!

CHOR
So ist's recht - so ist's gut! Den ganzen Bettel in die Glut!

BOCCACCIO
als Bettler, zündet wider Willen den Scheiterhaufen an:
Mögen sie mein Werk verbrennen -
Wahrheit lässt sich nicht verkennen,
Wird nie vergehn, muss als Phönix auferstehn!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
vortretend
Was wir verdammen, das weihen wir den Flammen;
Was nus missfällt, sei vernichtet für die Welt!
Wenn lodernd in Klarheit das Feuer wallt empor,
Sein Werk der Bosheit auch alle Macht verlor!

BOCCACCIO, LEONETTO und STUDENTEN
ebenfalls vortretend
Krieg sei der Dummheit, rufen wir im Chore!
Hoch leb' die Wahrheit, heil sei dem Humore!
Was zur Vernichtung den Flammen sie weihn,
Strahlt in hellem Schein,
Leuchtend erhellt es einst noch die Welt!
Es wird aus den Flammen als Phönix erstehn.

CHOR
Schüret den Flammenschein, blast in die Glut hinein; blast hinein!
Was wir verdammen, das weihen wir den Flammen;
Was uns missfällt, sei vernichtet für die Welt!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTEN
Was sie verdammen - usw.

CHOR
Seht die Flamme, wie sie zehrt wie sie Blatt um Blatt verheert,
Blast hinein in die Flut, fachet an die Höllenglut!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTEN
Lasst sie zehren, wild verheeren
Das Papier mit Wut - in der Höllenglut,
Wird der Geist doch nie vergehn, muss als Phönix auferstehn.

ZWEITER AKT
Platz zwischen den Häusern von Lambertuccio und Lotteringhi

Nr. 8 - Introduktion

BOCCACCIO, PIETRO und LEONETTO
Beim Liebchen, beim Liebehen, da ist man gern zu zwein,
Beim Weine, beim Weine, da sitzt sich's gut zu drei'n!
Doch mutterseelenallein, das soll der Mensch nicht sein.
Immer in undici, dodici, tredici, larala lau rataplau!

BOCCACCIO
Beim Singen - da klingen vier Stimmen voll und rein;
Was drüber mag lieber als Chorus stimmen ein;
Doch mutterseelenallein, das soll der Mensch nicht sein!
Immer in undici, dodici, tredici, larala lau rataplau! -

PIETRO
Im Wirthans da drüben, ist delikat der Wein;
Nur eines ist schade: die Flaschen sind zu klein.
Mit einer ganz allein lass' ich mich drum nicht ein.
Immer zu undici, dodici, usw.

LEONETTO
Je mehr, desto besser! Das gilt bei Rauferei'n.
Im Regen von Schlägen pflegt's lustig zu sein.
Ein einz'lner Hieb allein ist jedenfalls gemein.
Aber zu undici, dodici - usw.

BOCCACCIO
Der erste der Menschen war anfangs ganz allein;
Kaum hatt' er ein Weibchen, da blieb's nicht lang hei zwei'n.
Die weitsten Länderein, sie wurden bald zu klein!
Immer zu undiei, dodici, - usw.

PIETRO
Wie ist zu beneiden der Muselehemann
Der sich alle Sorten von Weibern halten kann.
Je nach dem Kurs allein kauft er am Markt sie ein.
Immer zu undici, dodici, -- usw.

LEONETTO
Ein Geizhals, der sammelt Dukaten gern sich ein;
Für ihn scheint das Zählen die höchste Lust zu sein.
So zwei und drei allein, das würd' ihn wenig freun!
Aber zu undici, dodici - usw.

BOCCACCIO
Des Abends beim Brunnen, pflegt's lebhaft sehr zu sein,
Wenn Weibchen und Mädchen dort Neues tauschen ein.
Welch süsse Melodei'n, wenn durcheinander sie schrein
Immer zu undici, dodiei, - usw.

PIETRO
Mein Liebchen schwor heilig:,, Dich lieb' ich nur allein!
Ein andrer zieht nimmer ins Herzenskämmerlein!"
Doch teilten bald sieh drein recht zahlreich die Partei'n
Immer zu undici, dodici, - usw.

ALLE DREI
Wenn jetzt wir verstummen, so müssen Sie verzeihn:
Zu End' sind die Strophen, und uns fällt nichts mehr ein.
Fürs nächste Mal allein, richt'n wir uns besser ein:
Immer zu undici, dodici -- usw.



Nr. 9 - Serenade

BOCCACCIO
vor Fiamettas Fenster
Ein Stern zu sein, wie würd' mich das beglücken!
Mit hellstem Schein würd' stets nach dir ich blicken!

PIETRO
vor Isabellens Fenster
Dein Schuh zu sein - o welches Hochentzücken!
Du solltest schrein - so wollt' ich dann dich drücken!

LEONETTO
vor Peronellas Fenster
Zum Fensterlein will ich recht gerne blicken,
Zu dir hinein - möcht' ich 'nen andern schicken!

ALLE DREI
O hör', was Liebe spricht, lass hier umsonst mich flehen nicht!

BOCCACCIO
zu Fiametta, die am Balkon erscheint
Wenn mein Sang zum Ohr dir dringt, dir im Herzen widerklingt,
Gib, o gib ein Zeichen mir, ob ich mich darf nahen dir!

PIETRO
zu Isabella, die am Fenster erscheint
's ist romantisch unbedingt, wenn bei Nacht man Ständchen bringt;
Du im Haus - ich vor der Tür - das gibt zwei Kapitel mir!

LEONETTO
zu Peronella, die am Fenster sichtbar wird
Wenn mein Sang zum Ohr dir dringt,
Fühlst du dich vielleicht verjüngt
Das könnt' gar nicht schaden dir -
wär' recht angenehm auch mir!

ALLE DREI
O hör', was Liebe spricht,
lass hier umsonst mich flehen nicht!


Nr. 10 - Fassbinderlied

LOTTERINGHI
Tagtäglich zankt mein Weib - das ist ihr Zeitvertreib.
Dann such' ich erst durch Singen zum Schweigen sie zu bringen:
Es zwingt mein Tralala zum Rückzug sie beinah!
Tralalala la la, oio ha, oio ha!

CHOR DER GESELLEN
Tralalala oio ha!

LOTTERINGHI
Keift sie dann weiter doch, hab' ich ein Mittel noch,
Das wirket ungleich besser: ich schlag' auf meine Fässer!
Wenn's da so hallt und knallt und schallt, weicht bald sie der Gewalt:
Bumti - rapata, bumti - rapata, bumti, bumti, humpti, rapata!

GESELLEN mit LOTTERINGHI
Bumti rapata - usw.
Drum kann der Fassbinder nur allein ein glücklicher Eh'maun sein!

LOTTERINGHI
Triumph! Sie ist entfohn vor meines Hammers Ton!
Ich tat den Feind verjagen und in die Flucht ihn schlagen,
Drum klingt mein Tralala, jetzt wie Viktoria!
Tralalala la la, ob ha, oio ha!

GESELLEN
Tralala, la!

LOTTERINGHI
Schlag' ich da tüchtig drauf, kommt selbst mein Weib nicht auf.
Und wenn sie wiederkäme, mein Instrument ich nähme
Und musiziere fort, dann hör' ich gar kein Wort.
Bumti rapata, bumti rapata, bumti, bumti bumti, rapata!

GESELLEN und LOTTERINGHI
Bumti rapata - usw.
Drum kann der Fassbinder nur allein ein glücklicher Eh'mann sein.


Nr. 11 - Terzettino

FIAMETTA, ISABELLA und PERONELLA
jede für sich
Wie pocht mein Herz so ungestüm!
Das Briefehen hier, es kommt von ihm.
Will lesen nun hier ungesehn,
Was auf dem Blatt für mich mag stehn.

Walzer

ALLE DREI
Wonnevolle Kunde, neu belebend,
Bringen diese Zeilen, süss erhebend;
Unerwartet Glück! Geblendet ist der Blick!
"Bald ist er hier" - sagt dies Papier!
Heute noch will er verkleidet kommen;
Freudig klopft mein Herz und doch beklommen.
Darf's nicht zeigen - muss verschweigen,
Was die Brust erfüllt mit Lust!
Hier lese ich, dass er nur mich
Ewig will lieben; hier steht's geschrieben
Deutlich und klar, innig und wahr,
Hab' den Beweis ich schwarz auf weiss.

FIAMETTA
In leuchtendem Schein hell strahlen die Mienen;
Ist Glück Euch erschienen?

PERONELLA
Das könnte wohl sein!

ISABELLA
zu Fiametta
Auch Ihr, wie ich mein', seid freudig erregt
Und heftig beweget!

FIAMETTA
Das ist wohl nur Schein!

ISABELLA und PERONELLA
für sich
Es muss etwas sein!

FIAMETTA
für sich
Auf meiner Hut muss ich sein!

ISABELLA und PERONELLA
für sich
Nur vorsichtig sein!

ALLE DREI
Kaum berg' ich dies Glück für mich allein!
Wonnevolle Kunde, neu belebend,
Bringen diese Zeilen, süss erbebend! - usw.
Ja, die Stunde ist nah; sicher ist er bald da,
Er wird kommen ----- noch heut! Welche Seligkeit!


Nr. 12 - Couplet

PIETRO
Um die Spannung zu erhöhn, bleibt der Dichter der Novelle
Unvermutet gerne stehn bei der int'ressantsten Stelle.
Dieses oft gebrauchte Mittel --- abzubrechen ein Kapitel,
Darf auch mich nicht stören hier - gab sie's zu verstehn doch mir:
Die Fortsetzung folgt, ja, die Fortsetzung folgt.

Ein Roman fängt damit an, dass das Pärchen sich lernt kennen;
Kaum blickt er die bide an, fühlt sie gleich ihr Herz entbrennen.
Längre Zeit vergeblich streiten sie mit tausend Schwierigkeiten,
Endlich kriegt das Paar sich doch, und natürlich heisst's dann noch:
Die Fortsetzung folgt.


Nr. 13 - Lied

BOCCACCIO
im Tone eines Bauerntölpels
So oft man mich nach "Neuem" fragt,
Hab' stets 'ne Dummheit ich gesagt.
Was ich auch red' und zähle her,
's ist alles gar nichts Neues mehr;
Dass abends man zu Bette geht
Und morgens nicht gern früh aufsteht,
Doch dann gleich Hunger spüret sehr,
Das ist Euch doch nichts Neues mehr.

Dass Wasser sehr gesund mag sein,
Doch besser schmeckt ein Gläschen Wein -
Wird oft davon der Kopf auch schwer -
Das ist doch Euch nichts Neues mehr.
Dass Ehemänner werden oft
Von Frau'n betrogen unverhofft,
Kommt nur ein Jüngerer daher,
Das ist doch Euch nichts Neues mehr?

Dass man nach holden Mädchen blickt,
Und oft sich stellt recht ungeschickt,
Weil gern in ihrer Näh' man wär',
Das ist doch auch nichts Neues mehr!
Doch wenn zu Euch ich komme heut
Und Ihr nicht wie die andern schreit:
"Wo kommt denn dieser Dummkopf her?"
Wahrhaftig, das -- was Neues wär'!


Nr. 14 - Finale

BOCCACCIO
leise zu Fiametta
Benützen wir den Augenblick,
Ich halte fest mein süsses Glück!

FIAMETTA
Ihr seid zu kühn!

BOCCACCIO
Nahe bei dir zu weilen, in trauter Zärtlichkeit -
Ist jetzt die köstlichste Gelegenheit!

FIAMETTA
Schweigt! Lasst mich! Ihr geht zu weit!

LAMBERTUCCIO
auf dem Baume
Ha! Welch Mirakel! Hi, hi, hi!
Jetzt schlingt er seinen Arm um sie -
Den eignen Augen glaub' ich kaum, o du verhexter Zauberbaum!

LOTTERINGHI
zu Isabella, welche Wein bringt
Schenk' ein und lade den Kavalier zum Trinken ein.
Zu Pietro
Schenk uns die Gnade zu versuchen diesen Wein!

ISABELLA
Schau indessen nach dem Fass!

LOTTERINGHI
Gar nicht nötig! Gut ist das!

ISABELLA
Hie und da fehlt's noch an Pech!

LOTTERINGHI
's ist so dicht, als wär's von Blech -
Wenn's aber muss sein, kriech' ich nochmals hinein.
er kriecht ins Fass

PIETRO
zärtlich zu Isabella
Wir sind allein - allein zu zwei'n -
Das trifft sich herrlich, trifft sich gut!

ISABELLA
auf das Fass deutend
Seid auf der Hut!

PIETRO
Nektar wird dieser Tropfen - kredenzest du ihn mir!
Dein Rosenmund bürgt mir dafür!

ISABELLA
Wie fein, wie zart - mein Prinz, Ihr schmeichelt mir.

LAMBERTUCCIO
Jetzt seh' ich gar ein zweites Paar.

LOTTERINGHI
im Fass
Ich seh' im Fasse nichts fürwahr!

Ensemble

FIAMETTA
Ach, umsonst mein Bemühn, den Zauber zu fliehn!
Umsonst, dass ich's verschweige. - Drum gesteh' ich offen heut:
Mein Herz gehört Euch schon lange Zeit!
Da ihr flehet so heiss, nun so nehmt als Beweis einen Kuss
Weil's denn durchaus sein muss! -

BOCCACCIO
Lasst doch dies Mühn -- Ihr könntet fliehn?!
Könntet wollen jetzt, dass ich schweige?
Laut gesteh' ich es heut, ich liebe Euch schon lange Zeit -
Ich fleh' - so heiss, gebt als Beweis einen Kuss - -
Welch ein Hochgenuss!

ISABELLA
Ach umsonst - mein Bemühn - ob ich auch schweige,
Mein Herz gehöret Euch schon lange Zeit,
Nun denn - so sei's, nehmt als Beweis diesen Kuss - -
Weil's denn durchaus sein muss!

PIETRO
Lasst doch dies Mühn! Ihr duirf t mir nicht entfliehn,
Dieses Herz gehört Euch schon lange Zeit.
Ich fleh' -- so heiss - gebt als Beweis einen Kuss - -
Oh, welch ein Hochgenuss!

LAMBERTUCCIO
Ein Hexenspuck ist das fürwahr,
Geherzt, geküsst wird Paar um Paar!

LOTTERINGHI
Nicht die kleinste Öffnung find' ich - nicht da - nicht dort,
Füllen kann man es sofort.

ISABELLA
Fast zuviel ist schon riskiert.

LOTTERINGHI
Alles fest, solid und dicht!

PIETRO
zu Lotteringhi
Alles gut mit Pech verschmieret?

LOTTERINGHI
Ich bemerke gar kein Licht!

Leonetto tritt auf

PERONELLA
Ihr wollt fliehen?

LEONETTO
Ich muss eilen!

PERONELLA
Ach, was kommt Euch in den Sinn?

LEONETTO
Kann nicht mehr weiten!

PERONELLA
Diese Eile ist auf Ehr' -- recht kurios!

LEONETTO
Bald kehr' ich wieder.

PERONELLA
Mein geliebter Freund, so kommst du mir nicht los!

LEONETTO
Lebt wohl für heut!

PERONELLA
Noch kurze Zeit!

LEONETTO
Mich ruft die Pflicht.

PERONELLA
Das glaub' ich nicht!

LAMBERTUCCIO
Das ist mein Weib! Mich täuscht kein Traum,
O du verflixter Teufelsbaum!

PERONELLA
Leonetto festhaltend
Dageblieben - Geliebter!

Ensemble

FIAMETTA
Ach, umsonst mein Bemühn -
Diesen Zauber zu fliehn - usw.

BOCCACCIO
Lasst doch dies Mühn,
Könntet wirklich Ihr fliehn - usw.

PERONELLA
Nein, ich lass' Euch noch nicht fort, Ihr dürft nicht fliehn,
Ach, zerstöret nicht die süssen Sympathien,
Wenn auch noch mit Schüchternheit,
Muss ich doch gestehen heut, dass mich rührt die Zärtlichkeit -
Nein, Ihr dürft mir nicht entfliehen -
Nein, ich lasse Euch nicht ziehen --- uns vereinen Sympathien
Oh, welche Seelenharmonien -!
Euch blüht dafür ein süsser Lohn durch diesen Kuss -
O süsser Hochgenuss!

LEONETTO
Welch Geschick! - Welch ein unverdientes Glück! -
Kann der Alten nicht entfliehn!
O welche Ironie - das nennt sie Sympathie!
Nun droht sie mir noch gar mit einem Kuss -
O süsser Hochgenuss!

ISABELLA
Ach, umsonst mein Bemühn, diesen Zauber zu fliehn - usw.

PIETRO
Ach, wie bin ich so froh! Die Novelle macht sich comme il faut!
's ist scharmant und int'ressant, zum Dichter wird man so!
Als Honorar empfang' ich bar einen Kuss -
O süsser Hochgenuss!

LOTTERINGHI
im Fass
Nicht eine Spalte und nicht einen Riss -
Solide Arbeit ist's gewiss! - Ich finde noch kein einzig Loch!
's gut verpicht, ringsum ist dicht der Verschluss! -

LAMBERTUCCIO
auf dem Baum
Ha, wie sie schnäbeln und girren süss!
G'rad wie das Pärchen im Paradies!
Mir scheint, der Baum ward okuliert,
Von dem der Sündenfall datiert - o Verdruss!
Ein Hexenspiel ist das fürwahr: jetzt küssen alle sich sogar!

FIAMETTA, ISABELLA, BOCCACCIO und PIETRO
Lebt wohl - da für heut zum Scheiden Zeit! Lebt wohl!

PERONELLA
Lebt wohl - kurze Zeit nur währt' die Freud'! - Lebt wohl!

LEONETTO
Lebt wohl, 's tut mir leid, doch jetzt wird's Zeit - lebt wohl!

LOTTERINGHI
Soviel ich mag spähen - kein Fehler zu sehen.

LAMBERTUCCIO
O du verhexter Teufelsbaum!

SCALZA
von aussen
Lambertuccio! Lotteringhi!
Hört, was Neues ich entdeckt': nur schnell heraus -
Boccaccio steckt in Eurem Haus!

ISABELLA
zu Pietro
Entfliehet! Leicht könnt' man Euch entdecken.

FIAMETTA
zu Boccaccio
Entfliehet! Ihr müsst Euch jetzt verstecken!

BOCCACCIO und PIETRO
Wo soll ich hin?

PERONELLA
zu Leonetto
O eilet!

LEONETTO
Wohin denn?

PERONELLA
Entflieht von diesem Ort!

LEONETTO
So komm' ich endlich fort!

SCALZA
von aussen
Lotteringhi! Lambertuccio! Wo steckt ihr!

LAMBERTUCCIO
herabsteigend
Hoch auf dem Baume hier!

LOTTERINGHI
herauskriechend
Ich tief im Fasse hier!

SCALZA
Lotteringhi! Lambertuccio! Macht doch auf!

LOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO
öffnend
Wir sind schon beide da, -
Sprecht, o sprecht, was ist geschehn?

SCALZA
Unerhört! doch geschenkt wird ihm das nicht.

LOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO
Ist's denn Wahrheit? Irrt Ihr nicht?

SCALZA
Denkt - Boccaccio, dieser Bube, steckt verkleidet hier im Haus,
Die Studenten in der Schenke schwatzten die Geschichte aus.
Selber hab' ich's dort vernommen und lief gleich zu euch hinaus.

LOTTERINGHI
's war vielleicht der Offizier!

SCALZA
Wahrscheinlich!

LAMBERTUCCIO
Jener Bauerntölpel hier!

SCALZA
Natürlich!

LOTTERINGHI
Ha, jetzt wird mir manches klar -

LAMBERTUCCIO
Alles wird mir offenbar!

LOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO
Zu foppen wagte uns der Wicht -
Doch triumphieren soll er nicht!

SCALZA
Umzingelt ist das Haus heut kommt er uns nicht aus.

MÄNNERCHOR
hinter der Szene
Diesmal soll er sicher nicht entkommen!

LOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO
aufhorchend
Was verkündet der Ton?

SCALZA
's sind unsre Freunde draussen; sie hielten gute Wacht!

MÄNNERCHOR
Packt ihn! Keine Rücksicht wird genommen!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
Ja, sie haben ihn schon!

LAMBERTUCCIO
Die Rache triumphiert, er wird zurückgebracht!

CHOR
Vorwärts, dieses Sträuben kann nicht frommen!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
Bringt ihn her, den Patron,
Er hat auf unsre Kosten jetzt lang genug gelacht!

MÄNNERCHOR
eintretend
Wart' nur, wir lehren dich erzählen,
Dein Lohn soll dir nicht fehlen,
Mit Püffen und Schlägen bezahlen wir dich!

UNBEKANNTER
So hört! Lasst ab! 'S ist nicht für mich!

LOTTERINGHI, SCALZA und CHOR
Nimm das, nimm das!
Für deinen Spinelloccio, schau' her!
Für deinen Zeppa und dergleichen mehr
Nimm hier nun bar dein wohlverdientes Honorar!
Für Buffalmacco, Calaudrin, Torello. Carisendi, Saladin
Für jedes einz'ge Exemplar empfange blank und bar dein Honorar!

UNBEKANNTER
So wartet doch und schenket mir Gehör,
Ich darf nicht akzeptieren solche Ehr'!
Hört miel)! Bemüht, euch nicht!
Ihr werten Herren, glaubet mir,
Es herrscht ein Missverständnis hier!
Höret mich! Es ist nicht wahr!
Im Irrtum seid ihr ganz und gar -
Ich danke für solch Honorar!

FIAMETTA, ISABELLA, BEATRICE und PERONELLA
aus den Häusern kommend
Ha - ein Fremder ist's - ja, für Boccaccio hält man ihn;
Nun wird uns alles klar.
O haltet ein, ein Irrtum waltet hier fürwahr -
Boccaccio ist das nicht! -
Lasst ab, lasst ab, es ist nicht wahr!

LAMBERTUCCIO
erkennend
Haltet! 's ist ein Irrtum - seid bedacht!
Dieser Mann - schon halb geprügelt
Hat das Kostgeld mir - versiegelt -
Für Fiametta stets gebracht.

LOTTERINGHI, SCALZA und MÄNNERCHOR
Also nicht Boccaccio?

UNBEKANNTER
So heiss' ich nicht!

LOTTERINGHI, SCALZA und MÄNNERCHOR
Überhaupt kein Dichter?

UNBEKANNTER
Das weiss ich nicht!

LOTTERINGHI, SCALZA und MÄNNERCHOR
Nicht von dem Gelichter!

PERONELLA, BEATRICE, ISABELLA, STUDENTEN und FRAUEN
So endet doch die Fragerei!
Was führt Euch her? Gestehet frei!

ALLE
Gestehet es freit

UNBEKANNTER
ich bin hier nicht von ungefähr,
Mich führt ein höh'rer Auftrag her.

ALLE
ausser Fiametta
Höh'rer Auftrag! Das dachten wir uns gleich!

UNBEKANNTER
Fiametta, Euer Pflegekind,
Muss fort ich führen jetzt geschwind.

FIAMETTA
O mein Himmel! Vor Schrecken werd' ich bleich!

UNBEKANNTER
Die Sänfte ist für Euch bereit,
Sagt Lebewohl, es drängt die Zeit.
zu Lambertuccio
Ihr wisst, von wem ich abgesandt,
Drum denket nicht an Widerstand!

ALLE
Sie/Ich soll fort, von diesem Ort, und sogleich?

Ensemble

FIAMETTA
Wie, so plötzlich soll ich scheiden,
Soll noch heute die Heimat meiden?
Verlassen soll ich plötzlich hier, was teuer mir, --
Die Eltern, die Freunde - sie alle, und ihn, den Teuren,
Dem dies Herz für immer angehört,
Ihn wiedersehen ist mir auch verwehrt.

BEATRICE, ISABELLA, PERONELLA, LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA uund CHOR
Wie, so schnell soll sie jetzt scheiden,
Was ihr lieb war, soll sie meiden?
Soll verlassen alle hier - die teuer ihr?
Das kam unerwartet, keiner hätte das gedacht.
Eltern, Freunde soll sie fliehen, heute noch, in dunkler Nacht
Muss sie fort von hier nun ziehen? Ei, wer hätte das gedacht?

BOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO
Diesem Hause zu entfliehn,
Muss uns helfen jetzt die List.
Lasset uns versuchen kühn, ob das Glück uns günstig ist!
Fertig ist bereits der Plan, zu benützen ihren Wahn,
Fährt der Teufel hier heraus, fasst sie alle Schreck und Graus!

BOCCACCIO
Nur Fiametta soll zuvor vernehmen noch des Freundes Wort!

LEONETTO und PIETRO
Sei behutsam, sieh dich vor
Dass unerkannt wir kommen fort,
Sehr gefährlich ist der Ort, o wär'n wir fort!

BOCCACCIO
Bald helf' uns allen fort. - Nur noch ein Wort.
Seid nur bereit, bald ist es Zeit, nützt mit Geschick den Augenblick.

ALLE
So lebe wohl!

FIAMETTA
Lebt alle wohl!

BOCCACCIO
Bald hilft uns hier aus diesem Haus
Der Teufel in Person heraus!

FIAMETTA
Alle, alle lebet wohl!

ALLE ANDEREN
Alles sagt dir Lebewohl.

UNBEKANNTER
Die Sänfte vor und steiget ein,
Wir sollten längst schon ferne sein.

FIAMETTA
(sich weigernd)
Ach, kaum erträgt mein Herz
Der Trennung bittern Schmerz.
Nein, nein, ich kann nicht gehn!
für sich Ich soll so plötzlich gehn, ihn niemals wiedersehn.
laut Weh mir, was soll geschehn? O welch Geschick!

UNBEKANNTER
Nun folgt und fügt Euch dem Geschick,
Euch erwartet hohes Glück!

ALLE ANDEREN
Nur Mut! Denk' oft an uns zurück!
Leb' wohl, es blühe stets dein Glück!

BOCCACCIO
herangeschlichen
"Verzage nicht und habe acht:
Dein Freund ist nah - die Liebe wacht.
Wohin es immer sei - ich folge dir getreu!"

FIAMETTA
(für sich)
Was hör' ich? Er ist es!

Walzer

FIAMETTA
Wonnevolle Kunde, neu belebend,
Bringen diese Töne, süss erhebend.
Unerwartet Glück erhellet meinen Blick;
Ins Herz hinein - drang Sonnenschein!

FIAMETTA, BEATRICE, ISABELLA und PERONELLA
Süsser Trost ist plötzlich mir/ihr gekommen,
Freudig pocht das Herz und doch beklommen,
Darf's nicht zeigen. muss verschweigen,
Was die Brust erfüllt mit Lust!
Ein Augenblick hat mir/ihr das Glück -
Hat mir/ihr das Leben wiedergegeben!
Die Trauer flieht jetzt mein/ihr Gemüt!
Und Freude folgt dem Leide!
Gleich der Sonne strahlet Wonne, banges Leid fliehet weit.
Es lacht Seligkeit!
Noch hat das Leben mir/dir Freuden zu gehen,
Es lacht frohes Hoffen nun heut erneut.

SOLISTEN und CHOR
Seht doch, hell strahlt ihr Aug' in Freude;
Fort mit dem Leide! - Glücklich, fröhlich sollst du sein!
Ein Augenblick hat ihr das Glück ----
Hat ihr das Leben wiedergegeben!
Die Trauer flieht, Tröstung durchzieht jetzt ihr Gemüt!
Und Freude folgt dem Leide! Gleich der Sonne strahlet Wonne,
Banges Leid fliehet weit, es lacht die Seligkeit!
Noch hat das Leben dir Freuden zu geben:
Es lacht frohes Hoffen nun heut erneut!

BOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO
Habt acht! Bald soll's gesehehnl
Wartet noch, bis sie gehn! - Dann fort! -- Habt echt!
Mut gefasst! - Aufgepasst! - Nicht gezagt, frisch gewagt.
Es gelingt unbedingt! - Schrecken soll sie wecken!
Auf den Wahn ist gebaut unser Plan!
Schreien wir zu dreien immer dämonisch, doch möglichst harmonisch,
Das wird sie erschüttern mit Zagen und Zittern,
Sie werden 's nicht fassen, erblassen - und ziehen uns lassen.
Zählt auf die Feigheit, benützet mit Keckheit
Die Torheit, die gläubige Dummheit - seid Freunde bereit!

Boccaccio tritt in der Teufelsmaske in den Hof

BOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO
Nieder mit euch! Aus dem Wege sogleich!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA, BEATRICE. ISABELLA, PERONELLA und CHOR
Der Satan! Erbarmen!

BOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO
Sonst müsst zur Höll'
Allesamt ihr zur Stell'!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA, BEATRICE. ISABELLA, PERONELLA und CHOR
Verschonet die Armen!

BOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO
Aus diesem Haus fährt der Teufel jetzt aus!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA, BEATRICE. ISABELLA, PERONELLA und CHOR
Ihr Heil'gen, o stehet uns bei!
Sie stürzen zu Boden

BOCCACCIO, LEONETTO, PIETRO und STUDENTEN
entfliehend
Juchhei!

DRITTER AKT
Garten des herzoglichen Palastes zu Florenz.

Nr. 15 - Chor

CHOR
Erfrischende Quellen
sind seine Novellen,
dem Scherze geweiht.
Gern hörten wir weiter,
entschwindet so heiter
dabei doch die Zeit.


Nr. 16 - Couplet

LAMBERTUCCIO
Als ich jünger noch an Jahren, war ich hübsch und sauber sehr.
Ach, da hab' ich's oft erfahren, wie sich Tugend übt so schwer.
Wollt' ein Mägdlein mich verführen, sagt' ich, ohne mich zu rühren:
Wie Gott will, ich halt' still!

Adam hatt' im Paradiese Langweil', drum schlief er oft;
Einst lag er auf grüner Wiese, da verspürt er unverhofft,
Wie ihm eine Rippe sachte, ward geraubt; er schwieg und dachte:
Wie Gott will, ich halt' still!

Als er dann sich schlecht benommen, folgend einem Weibertratsch,
Ist der Cherub schnell gekommen mit dem flammenden Karbatsch.
Eva weint, wie alle Frauen, Adam seufzt und liess sich hauen:
"Wie Gott will, ich halt' still!"

Nachbar Scalza, der entdeckte: meine Frau wär' treulos mir,
Und der Teufel, der uns schreckte - meint er - war ihr Kavalier.
Na, wenn's wirklich wahr sein sollte und der sie sich holen wollte -
Wie Gott will, ich halt' still!


Nr. 17 - Duettino

BOCCACCIO
Mia bella fiorentina,
Disprezzi l'amor.
Ignori furbettina
Le piaghe del cor.
Coll' aria di contenta
Derisi il mio lamento,
Non calmi i mesti gemiti
Con un sorriso almen!
E pur vedrai
Ti scorgerai
Come d'amor i palpiti
Ti stringeranno il seno.

FIAMETTA
Le scalire fiorentine
No sprezzan l'amor.

BOCCACCIO
O, si!

FIAMETTA
Sorrisi ed occhiatine
Le sorton dal cuor.

BOCCACCIO
No, no!

FIAMETTA
Si pascon peI contento
Derider il lamento,
E pur nascoste lagrime
Si lasciano fuggir!

BOCCACCIO
Ignoran l'amor!

FIAMETTA
Ah si, vedrai ti scorgerai.
Quando il bramato capita
D'amore san' morire.
Ah, si, la bella fiorentina
Sembra cruda, senza cuore
Un sorriso, un occhiatina.
Firulin, firulin, firulera
L'infiamma al dolce amor!

BOCCACCIO
E pur ver, che la bella
fiorentina
Al parer sembra cruda
senza cuore
Un sospir, un languir
Una dolce occehiatina
Firuliu, firulin etc.

BOCCACCIO
Cosi mia fiorentina
Più speme no ho!

FIAMETTA
Il cuore la manina
Io perder non vo'!

BOCCACCIO
Invan io dunque gemo,
Invan d'amor io fremo.

FIAMETTA
Se veri son quei gemiti
Allor t'aseoltaro!
Ah si vedrai -

BOCCACCIO
Ti scorgerai.

BEIDE
Che dell' amor i fremiti
Con te dividero!

BOCCACCIO
E pur ver etc.

FIAMETTA
Ah si la bella fiorentina etc.


Nr. 17 - Duettino

BOCCACCIO
Florenz hat schöne Frauen --
Die schönste bist du.
Doch höhnst du meine Qualen
Und lächelst dazu,
Du kennest nicht die Liebe.
Verschmähst die sanften Triebe,
Nur Spott und kalte Grausamkeit.
Sind dir die höchste Lust.
Einst sollst du sehn,
Was wird gesehehn,
Wie der verschmähten Liebe Qual
Mit Weh erfüllt die Brust.

FIAMETTA
Auch in Florenz sind Frauen
Nicht ohne Gefühl.

BOCCACCIO
Ach ja.

FIAMETTA
Wir kennen wohl der Liebe
Gefährliches Spiel.

BOCCACCIO
Nein, Nein!

FIAMETTA
Wenn wir zu scherzen wagen,
Verlachen Liebesklagen,
Wohnt doch nicht kalte Grausamkeit
In unsrer Brust allein.

BOCCACCIO
Ihr kennt nicht die Lieb'!

FIAMETTA
Kommt einst heran der rechte Mann,
Dann nur vermag auch Amors Pfeil
Dies herz der Lieb' zu weihn.
La la, wir verschmähn nicht sanfte Triebe
Und wir kennen wohl die Liebe.
Doch ein Blick, ein schmachtend
Lächeln firulin, firulera,
Bringt uns nicht gleich Gefahr.

BOCCACCIO
Es ist wahr, leider wahr,
Ihr verschmäht die sanften Triebe
Offenbar kennt ihr nicht die Liebe!
Ach dein Blick - gibt mir Glück,
Mich beseelt dein Lächeln,
Firulin, firulera,
Dich lieb' ich immerdar.

Sprich, Florentiner Schöne,
Ob ich hoffen kann?

FIAMETTA
Ob treu du dich bewahrest,
Darauf kommt es an.

BOCCACCIO
Willst du gefühllos bleiben,
Mich zur Verzweiflung treiben?

FIAMETTA
Wenn Wahrheit deine Klagen sind,
Nur dann erhör' ich dich!
Erst lass mich sehn, -

BOCCACCIO
Stets sollst du sehn.

BEIDE
Oh du in treuer heisser Glut
Fühlst wahre Lieb' für mich.
Es ist wahr, usw.
La la, wir verschmähn nicht es ist wahr, usw.


Nr. 18 - Septett

BOCCACCIO
Ihr Toren, ihr wollt hassen mich,
Doch kann mir das nur schmeicheln -

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
Wie noch schmeicheln? Ha!

BOCCACCIO
Wenn so ihr von Boccaccio sprecht.
Die Wahrheit sagte immer ich,
Doch kann mir das nur schmeicheln -

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
Immer heucheln? He, - wie?

BOCCACCIO
Darauf versteh' ich mich nur schlecht.
Was isl's, das ihr ,,Boccaccio" nennt?

SCALZA
Boccaccio ist ein Hauptfilou,
Halunke, Himmelsapperments-Patron!

BOCCACCIO
Ein Etwas, das ihr gar nicht kennt.

LAMBERTUCCIO
Ein höchst durchtriebner, fein geriebner schlauer Fuchs,
Ein Allerweltsspion!

BOCCACCIO
Der Witz - das heitre Element!

LOTTERINGHI
Die Weiber zu verführen - uns kompromittieren,
Ist ihm Hauptpassion!

BOCCACCIO
Wer Toren frei die Wahrheit sagt,
Wird stets verklagt, verdammt, verjagt!

BEATRICE, ISABELLA und PERONELLA
Recht geschieht euch, ihr seid Tröpfe,
Alte Zöpfe, hohle Köpfe!

LAMBERTUCCIO
Noblesse oblige, den Anstand gewahrt!

BOCCACCIO
Der Witz, die Laune, die
Wahrheit sind schneid'ge Waffen,
Wo die man schwinget, gelinget bald Sieg
zu schaffen!

BEATRICE, ISABELLA und PERONELLA
Wahre, echte Heiterkeit
Jedes Menschen Herz erfreut.

BOCCACCIO, LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
Der Witz, die Laune, die Wahrheit sind meine/seine Waffen,
Sie werden Sieg uns/ihm schaffen zu jeder Zeit!

BOCCACCIO, BEATRICE, ISABELLA und PERONELLA
Hoch der Genius, der Humor
Schall's empor - wer nicht lacht der ist ein Tor, singt im Chor!
Folgt dem Wahlspruch "Frei und froh",
Wie es euch/uns lehrt Boccaccio!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA
Hoch der Genius, der Humor
Singt alles begeistert und gerührt.
Es klingt nicht übel für das Ohr,
doch wir sind dabei blamiert.
Die Weiber haben leichtes Spiel, uns zu
verlachen ist ihr! Ziel.
Drum jubeln sie und singen froh und
preisen hoch Boccacciol

BOCCACCIO
Wollt sichern ihr des Weibes Treu'?
Folgt meinem Rat in Eile!

LAMBERTUCCIO, LOTTERINGHI und SCALZA
Wie, in Eile'? Wie? Was?

BOCCACCIO
Sonst tragt die Folgen in Geduld!
Leicht schleicht als Störenfried herbei
der Dämon "Langeweile"!

LAMBERTUCCIO, LOTTERINGHI und SCALZA
"Langeweile"? Wie? Was?

BOCCACCIO
An allem Übel trägt der Schuld!
Boccaccio sagt es euch voraus.

SCALZA
Boccaccio ist ein Hauptfilou -
usw.

BOCCACCIO
Zieht nie zu Haus die Stirne kraus.

LAMBERTUCCIO
Ein höchst durchtriebner - usw.

BOCCACCIO
Sonst spriessen Hörner auch daraus!

LOTTERINGHI
Die Weiber zu verführen - usw.

BOCCACCIO
Auf Unterhaltung seid bedacht,
Sorgt, dass das Weibchen öfters lacht.

ISABELLA, BEATRICE und PERONELLA
zu den Männern
Unsre Treu' wär zuverlässlich,
Wär't nicht alt ihr, dumm und hässlich!

LAMBERTUCCIO
Noblesse oblige!
Den Anstand gewahrt!

BOCCACCIO
Der Witz, die Laune, die Wahrheit
sind meine Waffen!
Wo die man schwinget,
gelinget bald Sieg zu schaffen!


Nr. 19 - Schlussgesang

BOCCACCIO
Der Witz, die Laune, die Wahrheit
sind schneid'ge Waffen,
Wo die man schwinget
gelinget ein fröhlich Schaffen.

ALLE
Hoch der Genius, der Humor, schallt's empor,
Wer nicht lacht, der ist ein Tor, singt im Chor
Folgt dem Wahlspruch frei und froh -
Wie es uns lehrt Boccaccio.