Les Brigands

Les Brigands

Die Banditen

Libretto

Uraufführung

Besetzung

Ort

Zeit

Offenbach, Jacques

Offenbach, Jacques [Jacob]
20.6.1819 Köln - 5.10.1880 Paris




Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

L'Alcôve (24.4.1847 Paris)
Le Trésor à Mathurin (5.1853 Paris)
Pépito (28.10.1853 Paris)
Luc et Lucette (2.5.1854 Paris)
Oyayaie, ou La reine des îles (26.6.1855 Paris)
Entrez, messieurs, mesdames (5.7.1855 Paris)
Les Deux aveugles (5.7.1855 Paris)
Une Nuit blanche (5.7.1855 Paris)
La Rêve d'une nuit d'été (30.7.1855 Paris)
Le Violoneux (31.8.1855 Paris)
Madame Papillon (3.10.1855 Paris)
Paimpol et Périnette (29.10.1855 Paris)
Ba-ta-clan (29.12.1855 Paris)
Elodie, ou Le Forfait nocturne (19.1.1856 Paris)
Le Postillon en gage (9.2.1856 Paris)
Trombalcazar, ou Les criminels dramatiques (3.4.1856 Paris)
La Rose de Saint-Flour (12.6.1856 Paris)
Les Dragées du baptême (18.6.1856 Paris)
Le `66' (31.7.1856 Paris)
Le Savetier et le financier (23.9.1856 Paris)
La Bonne d'enfants (14.10.1856 Paris)
Les Trois baisers du diable (15.1.1857 Paris)
Croquefer, ou Le dernier des paladins (12.2.1857 Paris)
Dragonette (30.4.1857 Paris)
Vent du soir, ou L'horrible festin (16.5.1857 Paris)
Une Demoiselle en lôterie (27.7.1857 Paris)
Le Mariage aux lanternes [rev. Le trésor à Mathurin] (10.10.1857 Paris)
Les Deux pêcheurs (13.11.1857 Paris)
Mesdames de la Halle (3.3.1858 Paris)
La Chatte metamorphosée en femme (19.4.1858 Paris)
Orphée aux enfers (21.10.1858 Paris)
Un Mari à la porte (22.6.1859 Paris)
Les Vivandières de la grande armée (6.7.1859 Paris)
Geneviève de Brabant (19.11.1859 Paris)
Le Carnaval des revues (10.2.1860 Paris)
Daphnis et Chloé (27.3.1860 Paris)
Barkouf (24.12.1860 Paris)
Le Chanson de Fortunio (5.1.1861 Paris)
Le Pont des soupirs (23.3.1861 Paris)
M. Choufleuri restera chez lui le ... (31.5.1861 Paris)
Apothicaire et perruquier (17.10.1861 Paris)
Le Roman comique (10.12.1861 Paris)
Monsieur et Madame Denis (11.1.1862 Paris)
Le Voyage de MM. Dunanan père et fils (23.3.1862 Paris)
Les bavards [Bavard et bavarde] (11.6.1862 Bad Ems)
Jacqueline (14.10.1862 Paris)
Il Signor Fagotto (11.7.1863 Bad Ems)
Lischen et Fritzchen (21.7.1863 Bad Ems)
L'Amour chanteur (5.1.1864 Paris)
Die Rheinnixen (4.2.1864 Wien)
Les Géorgiennes (16.3.1864 Paris)
Jeanne qui pleure et Jean qui rit (7.1864 Bad Ems)
Le Fifre enchanté, ou Le Soldat magicien (9.7.1864 Bad Ems)
La Belle Hélène (17.12.1864 Paris)
Coscoletto, ou Le lazzarone (24.7.1865 Bad Ems)
Les Refrains des bouffes (21.9.1865 Paris)
Les Bergers (11.12.1865 Paris)
Barbe-bleue (5.2.1866 Paris)
La Vie parisienne (31.10.1866 Paris)
La Grande-Duchesse de Gérolstein (12.4.1867 Paris)
La Permission de dix heures (9.7.1867 Bad Ems)
La Leçon de chant (8.1867 Bad Ems)
Robinson Crusoé (23.11.1867 Paris)
Geneviève de Brabant [rev] (26.12.1867 Paris)
Le Château à Toto (6.5.1868 Paris)
Le Pont des soupirs [rev] (8.5.1868 Paris)
L'Île de Tulipatan (30.9.1868 Paris)
La Périchole (6.10.1868 Paris)
Vert-vert (10.3.1869 Paris)
La Diva (22.3.1869 Paris)
La Princesse de Trébizonde (31.7.1869 Baden-Baden)
La Princesse de Trébizonde [rev] (7.12.1869 Paris)
Les Brigands (10.12.1869 Paris)
La Romance de la rose (11.12.1869 Paris)
Mam'zelle Moucheron (c.1870; np?)
Boule de neige [rev. Barkouf] (14.12.1871 Paris)
Le Roi Carotte (15.1.1872 Paris)
Fantasio (18.1.1872 Paris)
Fleurette, oder Näherin und Trompeter (8.3.1872 Wien)
Der schwarze Korsar (21.9.1872 Wien)
Les Braconniers (29.1.1873 Paris)
Pomme d'api (4.9.1873 Paris)
La Jolie parfumeuse (29.11.1873 Paris)
Orphée aux enfers [rev] (7.2.1874 Paris)
La Périchole [rev] (25.4.1874 Paris)
Bagatelle (21.5.1874 Paris)
Madame l'archiduc (31.10.1874 Paris)
Whittington (26.12.1874 London)
Geneviève de Brabant [rev 2] (25.2.1875 Paris)
Les Hannetons (22.4.1875 Paris)
La Boulangère a des écus (19.10.1875 Paris)
La Créole (3.11.1875 Paris)
Le Voyage dans la lune (26.11.1875 Paris)
Tarte à la crème (14.12.1875 Paris)
Pierrette et Jacquot (13.10.1876 Paris)
La Boîte au lait (3.11.1876 Paris)
Le Docteur Ox (26.1.1877 Paris)
La Foire Saint-Laurent (10.2.1877 Paris)
Maître Péronilla (13.3.1878 Paris)
Madame Favart (28.12.1878 Paris)
La Marocaine (13.1.1879 Paris)
La Fille du tambour-major (13.12.1879 Paris)
Belle Lurette (30.10.1880 Paris) [+ Delibes]
Les Contes d'Hoffmann (10.2.1881 Paris) [+ Guiraud]
Mam'zelle Moucheron [rev] (10.5.1881 Paris) [+ Delibes]
rev = Bearbeitung / np = keine Aufführung

Die Banditen


ERSTER AKT
Fragoletto, ein junger Pächter, ist von Falsacappas Banditen beraubt worden. Er hat sich dabei in Fiorella, die Tochter des Räuberhauptmanns, verliebt und hält bei Falsacappa um die Hand des Mädchens an, wobei er verspricht, selbst Räuber zu werden. Plötzlich taucht ein verirrter Edelmann auf. Der Fremde ist der Herzog von Mantua. Fiorella findet Gefallen an ihm und verhilft ihm zur Flucht.
Inzwischen haben die Räuber durch einen gefangenengenommenen Kurier erfahren, dass der Herzog von Mantua bereit ist, drei Millionen für seine zukünftige Frau, die Prinzessin von Granada. zu zahlen, und dass die Summe bereits unterwegs zur Grenze ist. Man wechselt das von dem Kurier erhaltene Bild der Prinzessin gegen das Fiorellas aus und marschiert zur Grenze, wo die beiden Gesandtschaften miteinander verhandeln wollen.

ZWEITER AKT
Die Räuber dringen in die Grenzwirtschaft Pipos ein, nehmen ihn und alle seine Leute gefangen und sperren sie in den Keller, nachdem sie zuvor die Kleider mit ihnen getauscht haben.
Auch die Gesandtschaft von Mantua, die von dem dümmlichen Campotasso und Bramarbasso geführt wird, wandert in den Keller. Anschliessend wird das Gefolge der Prinzessin, das der Graf von Gloria-Cassis anführt, überwältigt. Die Briganten ziehen sich nun deren Kleider an und begeben sich mit Fiorella als Prinzessin an der Spitze an den Hof von Mantua.

DRITTER AKT
Der Herzog von Mantua, der gerade Abschied von seinen Maitressen und Hofdamen nimmt, sieht die Gesandtschaft von Spanien kommen. Überrascht bemerkt er die starke Ähnlichkeit der Prinzessin von Granada mit dem Räubermädchen, das ihm kürzlich geholfen hat. Die Räuber stellen sich als spanische Gesandtschaft vor.
Der Herzog weiss nicht recht, was er denken und tun soll, weil Fiorella die Prinzessin vorzüglich spielt. Als die Kasse geöffnet wird, stellt sich heraus, dass sie leer ist. In diesem Augenblick trifft die echte spanische Gesandtschaft ein, die sich aus dem Keller befreien konnte. Die Räuber werden festgenommen. Der Herzog aber, noch immer von Fiorellas Hilfe und ihrer Schauspielkunst stark beeindruckt, zeigt sich dankbar und begnadigt alle. Er macht Falsacappa zum Polizeihauptmann und dessen Genossen zu Polizisten. Fiorella und Fragoletto gehen gemeinsam nach Hause.

Die Banditen



Ouvertüre


ERSTER AKT

Eine wilde abgelegene Felsschlucht. Im Hintergrund düsteres Gebüsch und Wald, durch den sich ein schmaler, steiler Felspfad zieht. Links der Eingang zu einer Höhle. Es dämmert der Morgen.

Introduktion

DOMINO
Wache stehend
Horch, horch! Wie in den Bergen
Des Homes Echo schallt!
Hierher, ihr Freunde! Kommt!
Hört den Ruf, der erschallt.

Es treten von verschiedenen Seiten mehrere Räuber auf.

BARBAVANO
Wer nahet?

STIMMEN VON AUSSEN
Freunde sind's - Räuber sind's!

BARBAVANO
Fragt, welches Losungswort sie führen!

DOMINO
Sagt die Parole!

EINE STIMME
"Räubers Büchse erreicht,
was im Walde sich zeigt."

DOMINO
Ja, so ist's! lasst sie gleich passieren!
Die Schar der Freunde naht,
bereit zur kühnen Tat.

MÄNNER
in Gruppen auftretend
Zwei und zwei, auch drei und drei
Schleichen mit Vorsicht wir herbei.
Schritt vor Schritt durch des Waldes Stille
Und gedeckt durch die grüne Hülle!

Ein zweiter Trupp Räuber erscheint.

DOMINO
zu dem auftretenden Carmagnola
Nun, Kamerad?

CARMAGNOLA
Seid still! - Verberget euch!

DOMINO
Warum?

CARMAGNOLA
Eilet hinweg!

BARBAVANO
Was sollen diese Sachen?

CARMAGNOLA
Erfahren sollt ihr's gleich;
Es gibt etwas zu lachen,
verberget euch!

DOMINO, BARBAVANO
Schnell hinweg!

CHOR
Zwei und zwei, auch drei und drei
Schleichen mit Vorsicht wir herbei;
Schritt vor Schritt durch des Waldes Stille
Und gedeckt durch die grüne Hülle.

Falsacappa als Eremit tritt mit den Mädchen auf.

FIAMETTA
O heil'ger Eremit, sag an,
was hast du vor mit uns, du frommer Mann?
Wir sind alle schon müd und matt.

ZERLINE, BIANCA, CINCINELLA
Alle müd und matt!

FIAMETTA
Die Promenade wird fatal,
denn dieser Weg ist gar so steil und schmal,
wozu denn, sage, diese Plage?
Sag es endlich heraus und grad!

ALLE MÄDCHEN
Wohin führt der Pfad?

FALSACAPPA
mit verstellter Stimme
Es ist der Tugend Dornenpfad!

Die Räuber gucken neugierig hervor.

ZERLINE
Das klingt recht schon, allein trotzdem
Ist er gewaltig unbequem,
und wir sind alle müd rund matt!

FIAMETTA, BIANCA, CINCINELLA
Ja, alle müd und matt!

ZERLINE
Man kommt, wie mir's scheinen will
Auf diesem Wege nimmermehr ans Ziel!
Wozu denn, sage,
diese Plage?
Sag es endlich heraus uns grad.

ALLE MÄDCHEN
Wohin führt der Pfad?

FALSACAPPA
Es ist der Tugend Dornenpfad!

FIAMETTA
Ist denn das Ziel schon nah?

ZERLINA
Frommer Klausner, sag, sind wir nicht bald da?

ALLE MÄDCHEN
O sag uns endlich, frommer Klausner,
ob wir dem Ziel schon nah?

FALSACAPPA
wirft das Eremitengewand ab und zeigt sich als Chef der Banditen
Wir sind schon da!

ALLE MÄDCHEN
Falsacappa!
Ach wie wird's uns ergehn?

Die anderen Räuber erscheinen wieder.

FALSACAPPA
Ja, ich bin's, ich bin Falsacappa!
Darauf war keine vorgesehn!

ALLE
Falsacappa!

FALSACAPPA
Wer ist es, der von Mut beseelet
Führet der Räuber wilde Schar?

ALLE
Falsacappa!

FALSACAPPA
Der Missetaten ungezählet
Straflos vollführte immerdar?

ALLE
Falsacappa!

FALSACAPPA
Eh noch der Wandrer ahnt sein Kommen,
hat er ihn schon aufs Korn genommen.
Und auch der Kühnste unterliegt,
wanket und sinkt und ruft besiegt:
Er ist der Räuber, er ist da -
Falsacappa!

ALLE
Falsacappal

FALSACAPPA
Wer ist es, der bei holden Frauen
Huldigend gerne Grossmut zeigt?

ALLE
Falsacappa!

FALSACAPPA
Wenn sie sich seinem Schutz vertrauen,
schnell alle Strenge von ihm weicht.

ALLE
Falsacappa!

FALSACAPPA
Die holde Unschuld zu berücken
Muss ihm durch sanftre Waffen glücken.
Doch auch die Unschuld unterliegt,
wanket und sinkt und ruft besiegt:
Er ist ein Räuber, er ist da -
Falsacappa!

ALLE
Falsacappa!

Währenddessen sind die Mädchen zutraulicher geworden und kokettieren sogar mit den Räubern.

CHOR
FRAUEN
Ach übet Gnade doch!

MÄNNER
Dem Hauptmann bringt ein Hoch!

FALSACAPPA
Lasst schwinden den ängstlichen Wahn -
In Güte wird ja alles abgetan!
Doch vorwärts nun, schnelle, schnelle, schnelle!
Lasst uns allein zur Stelle, schnelle, schnelle!
Ihr möget euch zerstreuen
Ausser dreien, die
Meine ersten Lieutenants sind!

CHOR
Auf nun, gehorcht schnelle, schnelle, schnelle!
Lasst ihn allein zur Stelle, schnelle, schnelle!
Wir sollen mis zerstreuen
Ausser dreien,
die er ernannt
zum Lieutenant!

FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLA
Wie jeder Blick schnelle, schnelle, schnelle
Blitzet nach uns so helle, helle, helle.
Ob auch Gefahren dräuen,
die wir scheuen, -
doch vor der Hand
scheint's ganz charmant!

MÄNNERCHOR
Ach mit solchen Rosenwangen
Ist der Räuber auch zu fangen.
Sprich, Hauptmann - von diese Beute
Kommt doch ein Feil auf die Leute?

FALSACAPPA
trennt die Mädchen von den Räubern
Haltet ein!

MÄNNER
zurückweichend
Was soll's sein?

FALSACAPPA
Bis zum Abende heut
Bewacht sie mit Höflichkeit.
Was später soll geschehn -
Je nun - das wolln wir sehn!

CHOR
Ja später wollen wir sehn!
Bewachet sie mit Höflichkeit usw.

FALSACAPPA
Bewacht sie mit Höflichkeit usw.
Auf nun, gehorchet schnelle, schnelle, schnelle usw.

FIAMETTA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLA
Wie jeder Blick schnelle, schnelle, schnelle usw.

CHOR
Auf nun, gehorchet schnelle, schnelle, schnelle usw.
Ja vor der Hand
Zeigt euch galant.
Was dann später soll geschehn,
Das wolIn wir sehn! -

Ein Teil der Räuber führt die Mädchen fort und geht mit ihnen in die Höhle ab. Die anderen zerstreuen sich. Carmagnola folgt den Mädchen, bis Falsacappa ihn beim Ohr nimmt und nach links schleudert. Pietro erscheint auf dem Felsen.

Die drei Räuber Carmagnola, Barbavano und Domnino kehren zu ihrem Anführer Falsacappa und dessen Vertrauten Pietro zurück und beklagen sich über zu schlechte Bezahlung. Falsacappa weist ihre Beschwerden zurück. Die Auseinandersetzung wird unterbrochen durch den Auftritt von Falsacappas Tochter Fiorella.

Fiorella tritt auf, gefolgt von mehreren jungen Räubern.


Lied

FIORELLA
Die treue Büchse stets zur Seite
und den Dolch an der Brust,
an den Hut die Reiherfeder, schreite
durch die Wälder ich voll Lust.
Wenn jegliche Gefahr scheint ferne,
süsse Ruh allen lacht,
so wachen meiner Augen Sterne
in dem Dunkel der Nacht.
Mein Stutzen blinkt im Mondesschimmer,
krachend schlägt die Kugel ein, piff paff!
Ach! So wirdFiorella immer
Des Räubers Tochter sein,
des Räubers echte Tochter sein!

Sie gibt ihren Karabiner an Barbavano.

ALLE
So wird FiorelIa immer usw.

FIORELLA
Zur Seite blieb ich unsern Scharen,
auch wenn's zum Kampfe geht,
und umringen drohend uns Gefahren,
meinen Mut das nur erhöht.
Nie bleib zurück ich im Gefechte,
krafterfüllt ist die Hand,
und manchen Feind hat diese Rechte
hingesackt in den Sand!
Die Waffe blitzt im Mondesschimmer,
krachend schlägt die Kugel ein, piff paff!
Ach!
So wird Fiorella immer
Des Räubers Tochter sein,
des Räubers echte Tochter sein.

ALLE
So wird Fiorella immer usw.

Fiorella überreicht ihrem Vater als Geburtstagsgeschenk ihr gemaltes Portrait, um ihn für die folgende Nachricht milde zu stimmen: Sie hat sich in Fragoletto verliebt, einen jungen Pächter, der Opfer eines Raubüberfalls der Bande ihres Vaters wurde. Räuber schleppen Fragoletto herein.

Ensemble

CHOR
Seht dieses hübsche Männlein hier!
Obwohl so klein, so haben wir
Bemächtigt uns des kleinen Wichts,
s'isl immer besser doch als nichts.

FIORELLA
Er ist's!

FRAGOLETTO
Was seh ich?

FIORELLA
Er ist's, - jetzt heisst's sich fassen!
Nichts ahnen lassen!

DOMINO
derFragoletto gepackt hat
Habt keine Furcht vor seiner Wut,
sehet hier, ich halt ihn gut!

FRAGOLETTO
zu Domino
Wozu denn diese Wut,
die gröblichsten Manieren?
Du sagst, du hältst mich gut?
Ich mein, - du wirst dich irren!
Du nimmst's nicht übel mir --

Er befreit sich mit kräftigem Ruck und wirft Domino zu Boden. Während sich Domino verdutzt aufrafft, stürzen sich die anderen Räuber mit geschwungenen Dolchen auf FragoIetto.

DIE RÄUBER (CHOR)
Weh dir, das sollst du büssen!

FIORELLA
hat ebenfalls ihren Dolch gezogen und wirft sich zwischen Fragoletto und die Räuber
Wagt nicht heran euch hier!
Wagt es nicht!
Waget nimmer zu trotzen mir!

FALSACAPPA
nachdem er die beiden Gruppen getrennt hat
Die Affäre
Scheint auf Ehre
Sehr verwickelt zu werden hier.
Was ich höre,
nicht erkläre
ich die Sache bis dato mir.

FIORELLA
Zum Malheure
Lieb auf Ehre
Ich wie närrisch den Burschen dahier.
Doch es wäre
Die Affäre
Zu erörtern nicht ratsam wohl hier.

FRAGOLETTO
Zum Malheure
Lieb auf Ehre
Ich dies holde Mädchen hier.
Doch bald wäre
Die Affäre
Übel mir bekommen hier.

DIE RÄUBER
Die Affäre
Scheint auf Ehre
Sehr verwickelt zu werden hier.
Was ich höre,
nicht erkläre ich bis dato die Sache mir!

Fiorella erklärt ihrem Vater ihre Liebe zu Fragoletto: "Dieser oder kein anderer wird mein Mann - ich will und muss ihn haben". Fragoletto bittet Falsacappa um die Hand seiner Tochter.

Couplet

FRAGOLETTO
Als kürzlich du besuchtest mich
und aufgeräumt im Hause,
war etwas übler Laune ich,
doch schon nach kleiner Pause
schwand jeder Unmut schnell dahin.
Der Engel dir zur Seite
Schien mir der herrlichste Gewinn,
mehr wert als deine Beute.
Beide wären zufrieden wir,
du kannst ungeniert rauben,
und ich dürfte indes bei ihr
mir ein Gleiches erlauben!
Du gabst dir viele Müh fürwahr,
namist alles, was mein eigen,
und nur die Wände nackt und bar
konnt ich zu Haus noch zeigen.
Doch bin ich gar nicht böse dir:
Behalte all den Plunder!
Jedoch wenn ich mich revanchier,
nehm es dich auch nicht wunder.
Beide wären zufrieden wir,
du magst plündern und rauben,
dürfte ich nur indes bei ihr
mir ein Gleiches erlauben!

Falsacappa stimmt der Heirat zwischen Fiorella und Fragoletto zu - unter der Bedingung, dass Fragoletlo sich drei Jahre lang den Räubern anschliesst, was dieser nur allzu gerne zu tun bereit ist. Falsacappa ordnet sogleich einen Raubzug an und überlässt Fiorella der Gesellschaft seines Vertrauten Pietro. Dessen Versuche, Fiorella zu unterhalten schlagen fehl: Fiorellas Aufmerksamkeit wird vollständig durch einen vorbei kommenden jungen Mann gefesselt, den Prinzen von Braganza, einen hochnäsigen und weltfremden Adligen, dem allerdings sein erster Kontakt mit dem Volk - in Gestalt von Fiorella -
sehr gut gefällt. Pietro sieht in dem prächtig gekleideten und mit Schmuck behangenen Jüngling nur ein geeignetes Opfer für einen Raubzug und ist entsetzt über Fiorellas Flirt - was wird ihr Bräutigam wohl dazu sagen? Pietro verschwindet, um die Räuber auf lohnende Beute aufmerksam zu machen. Fiorella verhilft dem Prinzen zur Flucht.
Falsacappa und seine Leute kommen zu spät: der Prinz ist nicht mehr da. Voller Zorn verbietet der Räuberhauptmann seiner allzu schnell verliebten Tochter die weitere Teilnahme an Raubzügen; der Neuzugang Fragoletto dagegen scheint sich als ein Naturtalent zu erweisen.

Fragoletto kommt mit den übrigen Räubern. Sie halten einen Kurier gefangen.


Saltarello

CHOR DER RÄUBER
Dieser Bursche macht uns viel Ehr,
setzt sich wie ein Löwe zur Wehr,
kühn ist dieser kleine Bandit
und für unsre Bande von Profit.

FRAGOLETTO
Hauptmann, sieh hier, was ich erstritten,
es ist ein Kabinettskurier!
Ganz ungeniert kam er geritten
Durch unser grünes Waldrevier.
In einem Busch lag ich verborgen
Und liess ihn näher kommen mir.
Er trabt heran ganz ohne Sorgen,
bis ich ihn plötzlich attackier,
und da ich nach Banditensitte
ihm die Pistole präsentier,
ruft er: "Mein Herr, o bitte, bitte,
ich bin ein Kabinettskurier!"

CHOR
Er ist ein Kabinettskurier!

FRAGOLETTO
Hauptmann, sieh hier, was ich erstritten usw.
Ich bringe dir, was ich erbeutet,
es ist ein Kabinettskurier!
Einmal fühlt ich bangen,
denn um anzufangen,
ist man doch etwas geniert,
wenn Räuber und Bandit man wird.
Doch ihr Angedenken
Bannte die Bedenken,
und ich sagte: "Einerlei,
ist sie doch auch dabei!"
So zerstreute schnell alle Zweifel
In meiner Brust die Liebe mir;
Gerne trotz ich sogar dem Teufel,
kann ich verweilen hier bei ihr!
Wenigstens hoff ich von euch allen,
dass mein Debüt mir Ehre macht!
Mit seiner eignen Peitsche Knallen
Hab Mann und Ross hierher ich gejagt.
Klick, klack, klick, klack!

CHOR
Klick, klack!

FRAGOLETTO
Hauptmann, sieh her, was ich erstritten,
es ist ein Kabinettskurier!
Mitsamt dem Ross, das er geritten
Und dem Gepäck bring ich ihn dir!

FRAGOLETTO, CHOR
S'ist ein Kurier, sogar ein Kabinettskurier...

FRAGOLETTO
… mit dem ich hier heut debütier,
Ich hoff, dafür wird Beifall mir!

Unter den Papieren des Kabinettskuriers findet sich eine Geheimdepesche an den Prinzen von Braganza, dem von höchster Stelle die Heirat mit der Prinzessin von Granada aufgetragen wird. Mit dieser Heirat soll die leere Staatskasse gefüllt werden. Allerdings kennt der Prinz seine Zukünftige noch nicht. Deshalb ist der Depesche ein Porträt beigefügt. Und eben dieses Portrait vertauscht Falsacappa gegen das seiner Tochter Fiorella. In Erwartung zukünftigen Reichtums lädt Falsacappa alle zu einem Fest ein.

Finale I

CHOR
Zur Feier ordnen sich die Paare,
ein Braver tritt in den Verein.
Er zählet mehr Verdienst als Jahre,
jubelnd sich alles um ihn schare
und singet: Dignus est intrare!

DOMINO
Bringt nun her die Attribute!

PIETRO, RÄUBER
Und Waffen auch,
ja Waffen auch!

FALSACAPPA
Bringet auch Wein her nach altem Brauch,
denn in dem schwarzen Felsen tut
jeder sich heut etwas zu gut!

ALLE
Ja bringt die Attribute!
Bringt alles schnell herbei!
Zur Feier ordnet euch, ihr Paare,
ein Braver tritt in den Verein usw.

Pietro bringt einen Karabiner, Barbavano einen Hut, Domino einen Dolch und Carmagnola einen Mantel.

FALSACAPPA
Nach den Statuten lasst ihn nun
Vor allen sein Gelöbnis tun.
Verkünd ihm laut und würdevoll,
was er uns hier beschwören soll.

FIORELLA
Oh auch dies Engagement beschwerlich,
du bleibst drei Jahr in dem Verein,
und darfst laut den Statuten ehrlich
nur bei der Beuteteilung sein.

FRAGOLETTO
Ich gelob es!

FIORELLA, RÄUBER
Nimm den Mantel hin
Und dazu den Hut,
hier nun auch den Dolch,
endlich das Gewehr.

FIORELLA
O wie steht ihm das gut!
Ja in der Adjustierung,
da gefällt er mir noch mehr.

FALSACAPPA
Nun gehörest du zum Bunde,
und es muss von dieser Stunde
Unterschied von mein und dein
Überwundner Standpunkt sein.
Was die Finger packen können,
darfst du deine Beute nennen.

FIORELLA, FRAGOLETTO
Lass dir (Ich lass) keinen Fang entschlüpfen,
denn das wäre eine Schand,
kühn zu rauben, keck zu schnipfen,
das gehört zu unserm Stand.

FIORELLA
Kommt jedoch auf deinen Wegen
Dir ein schönes Weib entgegen,
nimm ihr Gold und ihr Geschmeid,
aber tu ihr sonst kein Leid.

FALSACAPPA
Was die Finget packen können usw.

FIORELLA, FRAGOLETTO
Doch (Ich) versuch es nicht, zu knüpfen
Je ein zärtlich Herzensband.
Alles andre kannst du (kann ich) schnipfen,
aber nie ein Liebesband.

FRAGOLETTO
Nur aus Liebe bin geworden
Mitglied ich von eurem Orden,
hab mein Meisterstück gemacht
und ihr Herz an mich gebracht.

ALLE
Was die Finger packen können,
darfst du deine Beute nennen.

FIORELLA, FRAGOLETTO
Droht man auch, uns aufzuknüpfen,
nie entsag ich diesem Stand.
Gar zu süss ist es zu schnipfen,
wenn man solche Beute fand.

FALSACAPPA
Lustig und toll
Zechet euch voll!

ALLE
Süss schmeckt ein Kuss im Mondenscheine,
sind trunken wir von Lieb und Weine.
Jeder umarmt sein Liebchen fein
Im Mondenschein hei Lieb und Wein
Lasst trunken uns selig sein!

Man hört Fanfaren von aussen. Alles hält inne.

PIETRO
Stille doch!
Hört ihr denn nicht?
Seid still,
lasst Vorsicht wachen.
Auf blanken Helmen blitzt des Mondes Licht.

FALSACAPPA, später ALLE
Ja, er hat recht,
ich höre fern die Stiefel krachen.
Hört, hört die Stiefel trappen,
sie trappen, sie trappen, sie trapper!
Der Kapitän, er geht voran,
er hat die grossen Stiefel an.
Die grossen Stiefel, sie trappen, sie trappen,
sie trappen, sie trappen, sie trappen.
So stiefelt nur ein Kapitän,
man kennt es gleich am Gehen!

FRAGOLETTO
Gilt's einen Kampf,
ich bin dabei!

FALSACAPPA
Stille, Bursche, still, kein Geschrei!
Räumt alles weg und lasst uns schweigen.
Nur still,
vielleicht gehen sie vorbei.
Gibt es dann Kampf, mögt Mut ihr zeigen;
Vorläufig lasst uns stille schweigen.
Ja schweiget ganz still!

ALLE
Hört, hört die Stiefel trappen,
Nur stille!

Alle Räuber verbergen sich hinter den Felsen. Es erscheint der Kapitän mit einem Trupp Soldaten, ohne die Räuber zu bemerken.

KAPITÄN
Respekt, denn hier kommt's Militär
Und stellet die Sicherheit her.
Doch trifft uns öfter das Malheur:
Wo wirklich was zu finden wär,
kommt's Militär zu spät daher!

Der Kapitän und die Soldaten verschwinden; die Räuber zeigen sich wieder.

CHOR
Die grossen Stiefel trappen,
sie trappen, sie trappen, sie trappen,
der Kap-

FALSACAPPA
unterbricht
Seid still!
Noch sind sie nicht weit.
Lasst ihnen zur Entfernung Zeit,
und wer singen will,
der sing ganz still,
piano, piano,
pianissimo!

ALLE
kaum hörbar
Hört, hört die Stiefel krachen usw.
Mit voller Stimme
Feurig Singen
Lasst jetzt erklingen!
Brausend sich schwingen
Weit durch die Nacht!
Jauchzet alle, dass es schalle,
widerhalle: Freiheit lacht!

ZWEITER AKT

Eine feine ländliche Gegend. Links ein grosses Wirtshaus. Es treten auf Pipo, der Gastwirt, Pipa, seine Frau, Pipetta, seine Tochter, sowie zwölf Köche und Küchenjungen. Das Küchenpersonal kommt und geht, der eine mit Flaschen, der andere mit Geflügel, ein Dritter bringt einen Blumenstrauss, usw.

Chor

CHOR
In den Öfen Feuer brennt,
und gerupft sind Gans und Ent';
wenn die Gäste kommen nun,
können sie sich gütlich tun.

PIPO
Ihr, die mir treu stets ins Verein,
ihr Köche alle, gross und klein,
heut hoff ich, und mehr sag ich nicht,
dass jeder tue seine Pflicht.

PIPA, PIPETTA
Ja, jeder tue seine Pflicht!

ALLE
In den Öfen Feuer brennt usw.

Pipos Gastwirtschaft liegt an der spanisch-portugiesischen Grenze. Heute erwartet man die Gesandtschaft von Granada und den Hofstaat von Braganza. Pipo schärft der Familie und dem Personal noch einmal die für diese Gelegenheit drastisch erhöhten Preise ein. Da tauchen Unbekannte auf - Bettler, so scheint es; in Wahrheit sind es die Räuber.

Canon

PIETRO, FRAGOLETTO
Hört uns flehn voll Zagen
um ein Stückchen Brot.
Leer ist unser Magen,
o du lieber Gott!
Facitate caritatem,
date panem, date panem,
gebt uns ein Stückchen Brot!

In diesen mehrmals wiederholten Gesang stimmen nach und nach alle Räuber ein.

Die Räuber geben sich zu erkennen und sperren Pipo und seine Familie ein. Falsacappa enthüllt seinen Plan: die Räuber verkleiden sich als Wirt und Personal der Gastwirtschaft. So wollen die falschen Köche und Kellner die Prinzessin von Granada mit ihrem Gefolge empfangen, die auf dem Weg nach Braganza Station macht. Laut Plan soll es dann einen weiteren Kleidertausch geben: die Räuber nehmen die hohem Gäste gefangen und ziehen sich deren Kleider an. Als Hofstaat von Granada verkleidet soll die Räuberbande dann nach Braganza weiterreisen, an der Spitze Fiorella als Prinzessin von Granada. Dort wollen sich die Räuber die versprochene Anleihe von drei Millionen auszahlen lassen.


Chor

FALSACAPPA
Zu mir hierher, ihr Köche all,
das ganze Küchenpersonal!

FRAGOLETTO, FALSACAPPA, PIETRO
Hierher, hierher, ihr Köche all,
das ganze Küchenpersonal!

Die übrigen Räuber treten auf, als Köche verkleidet, aber bis an die Zähne bewaffnet.

CHOR
Wir kommen schon,
da sind wir schon,
es ist ein Spass zum lachen.
Schaut uns nur an
Und saget dann,
ob wir nicht gut uns machen.

Falsacappa gibt letzte Anweisungen für die geplante Maskerade. Der hohe Besuch kündigt sich an.

DIE RÄUBER, FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPA, PIETRO
Seid auf der Hut,
spielet eure Rollen jetzt gut.

CAMPOTASSO
Wie diese Leute ausschaun,
fast möchte man ihnen misstrauen,
das Personal hier fürwahr
scheint mir etwas sonderbar.

DIE RÄUBER
Seid auf der Hut,
spielt eure Rollen jetzt gut!

Campotasso mit dem Kapitän treten ganz in den Vordergrund.

Couplet

CAMPOTASSO
Beide wurden wir heute früh
Zu Seiner Hoheit hinbefohlen;
Der Fürst sprach gnädig: Gehen Sie,
um die Prinzessin einzuholen.

KAPITÄN
Die Prinzessin einzuholen!

CAMPOTASSO
Bei dem Empfang ich's passend fänd,
dass kombiniert vertreten wäre
sowohl ziviles Element
als auch die Herrn vom Militäre.

KAPITÄN
Ich bin beim MiIitäre.

ALLE
Beim Militäre!

CAMPOTASSO, KAPITÄN, dann ALLE
Auf diese Art würd ohne Zwang
Die Kommission organisieret,
die die Prinzessin heim Empfang
an unsern Hof introduzieret.

CAMPOTASSO
Und wenn ich's überlege auch,
muss unserm Fürsten Recht ich gehen.
Er fordert etwas für das Aug
Und stellt Intelligenz daneben.

KAPITÄN
Ja, Intelligenz daneben!

CAMPOTASSO
Dass seiner Braut es gleich beweist,
wie man nicht bloss auf Äussres schauet,
so wählt man einen Mann von Geist
und einen, der sehr wohl gebauet.

KAPITÄN
Ich bin's, der wohl gebauet.

ALLE
Er ist's, der wohl gebauet!
Sehr wohl gebauet!

CAMPOTASSO, KAPITÄN, dann ALLE
Auf diese Art würd ohne Zwang usw.

Falsacappa begrüsst, als Wirt verkleidet, Campotasso und den Kapitän, der damit prahlt, den gefährlichen Räuberhauptmann Falsacappa ein für allemal unschädlich gemacht zu haben. Die Prinzessin nähert sich. Falsacappa bittet die Herren ins Wirtshaus.

Chor

FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPAA, DIE RÄUBER
Schnell hinein, schnell hinein!
Schnell nun dort hinein!
Genug nun mit den Zierereien!
Fort, fort, hinein!

CAMPOTASSO, KAPITÄN, EHRENDAMEN, PAGEN
Welch ein Schrei'n!
Wie gemein!
Stosst uns nicht hinein!
Was soll das sein?
Wozu dies Schrei'n?

Unter komischem Herumstossen wird endlich Campotasso mit den Seinen ins Haus gedrängt.
Die Räuber treten mit hinein. Jetzt erscheint der Hofstaat der Prinzessin von Granada: der Kammerherr, der Hofmeister, der Page, vier Kavaliere, vier Hofdamen und die Prinzessin.


CHOR
Granada, das ganz Spanien preiset,
du bleibst dem Herzen ewig nah.
Sind wir von dir auch abgereiset
Vor vierzehn Tagen schon beinah.

ADOLF
Holdeste Prinzessin, euch muss ich lassen,
ach zum Scheiden schlägt bald die Stund.

PRINZESSIN
Meinen künftgen Gatten muss ich schon hassen,
trennt er grausam doch unsern Bund.

CHOR
Granada, das ganz Spanien preiset,
du bleibst dem Herzen ewig nah.

Graf von Gloria-Cassi, der Kammerherr der Prinzessin, bereitet seine Herrin auf ihre patriotischen Pflichten als Spanierin in Portugal vor.

GLORIA-CASSIS
Habt bisher Ihr immer besessen
nur ein einziges Vaterland,
allerholdeste der Prinzessen,
jetzt habt zwei Ihr vor der Hand.
Zieht ihr jetzt zu den Portugiesen
In Euer Vaterland Nummer Zwei,
habt Ihr uns doch längst schon bewiesen,
dass Ihr Spanierin bleibt dabei.

Wohl manche Leut meinen Spanier zu sein,
weil sie geboren in Spanien allein.
Wir nennen Spanier uns nicht bloss zum Schein,
spanische Rasse sind wir echt und rein.
Doch gibt's Leut, die in Spanien geboren allein,
und die brauchen darum noch nicht Spanier zu sein.
Doch alle die Leute, alle die Leute,
alle die Leute nennt man heute
Spanier, o nein!
mit Chor
Es gibt Leut, es gibt Leut,
die gern Spanier auch wären
und sind davon sehr weit!
Habt die Macht dazu Ihr in Händen,
so gebietet die Politik,
recht viel Geld den Spaniern zu spenden,
zu platzieren sie mit Geschick.
Für die Landsleut dürft Ihr kreieren
Stellen und Ämter, o glaubet mir!
Wenn die Leut auch dort räsonnieren,
Spanier wissen Dank euch dafür.
Wohl manche Leut meinen Spanier zu sein usw.

Die Prinzessin und ihr Gefolge wundern sich, dass kein portugiesisches Empfangskomitee an der Grenze auf sie wartet. Auch die Wirtsleute - in Wahrheit lie verkleideten Räuber - scheinen wenig von vornehmen Sitten zu verstehen. Die Prinzessin wirft ein Auge auf Fragoletto, den sie gerne als Pagen zu ihrem Begleiter machen würde. Ebenso ist Fiorella angetan von Adolf, dem Pagen der Prinzessin.
Als Fiorella - als Köchin verkleidet - und Fragoletto - als Wirt - sich der Prinzessin als Liebespaar vorstellen, will diese sogleich erfahren, wie es ist, wenn sich zwei einfache Menschen aus dem Volk ineinander verlieben. Solche Gefühle darf eine Prinzessin nämlich nicht ohne Weiteres ausleben!


Lied

FIORELLA
Fürwahr seltsam scheint mir diese Frage,
und ich bin verlegen, wie ich's beschrieb'.
Ich schaut ihn an, und seit jenem Tage
Beseelt mich der Wunsch: ach wär ich sein Weib!
Doch ach, für dies Gefühl
Mein Herz keine Deutung mir gibt:
Weiss man wohl je, warum man liebt?

FIORELLA, FRAGOLETTO, PRINZESSIN, ADOLF
Weiss man wohl je, warum man liebt?

FIORELLA
Ich sah ihn, nod ein wonniges Glühen
Durchströmte die Brust in dem Augenblick;
Da fühlt ich klar: Durch ihn muss mir blühen
Auf Erden das höchste, das einzge Glück!
Doch ach, für das Gefühl
Mein Herz keine Deutung mir gibt.
Weiss man wohl je, warum man liebt?

FIORELLA, FRAGOLETTO, PRINZESSIN, ADOLF
Weiss man wohl je, warum man liebt?

Falsacappa bittet die Gesellschaft nun ins Wirtshaus. Als die Prinzessin und ihr Gefolge dankend ablehnen, wird er deutlicher: er besteht darauf!

CHOR DER RÄUBER
Schnell hinein,
schnell nun dort hinein!
Genug nun mit den Ziererein!
Fort, fort, hinein!

PRINZESSIN, ADOLF, GLORIA-CASSIS und die SPANIER
Welch ein Schrei'n!
Wie gemein!
Stosst uns nicht hinein!
Was soll das sein?

Während dieses Ensembles wird die ganze Gesellschaft der Spanier von den Räubern ins Haus gedrängt.

FALSACAPPA
So, jetzt gehen Sie in Ihre Gemächer,
legen sich nieder und schlafen. In einer Viertelstunde
öffnen wir mit unseren Dietrichen die Türen,
nehmen Ihre Kleider, und dann -

ALLE
Und dann?

FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPA, DOMINO, BARBAVANO, CARMAGNOLA, PIETRO Stille, ganz ohne Sang und Klang
Geht's an den Hof nun auf den Fang.
Nein, uns're Taschen sind nicht klein,
wir stecken drei Millionen ein!

FALSACAPPA
Pietro, du stellst den Hofmeister vor!

PIETRO
Ich spiel' ihn gut!

FALSACAPPA
Du spielst ihn gut.
Und ihr, Gefährten, spielt im Chor
Die span'schen Herren von minderer Bedeutung.

CARMAGNOLA, BARBAVANO, DOMINO
Wir spielen sie.

FALSACAPPA
Doch spielt sie gut!

DIE DREI RÄUBER
Wir folgen, Hauptmann, deiner Leitung!

FIORELLA
Und ich?

FALSACAPPA
Du spielest die Prinzessin!

FRAGOLETTO
Und ich?

FALSACAPPA
Du sollst den Pagen spielen.

CARMAGNOLA, PIETRO, DOMINO, BARBAVANO
Den Pagen!

FIORELLA
freudig
Ich spiele die Prinzessin.

FRAGOLETTO
ebenso
Ich darf den Pagen spielen.

FIORELLA
Ach meinn lieber Page!

FRAGOLETTO
Himmlische Prinzessin!

FIORELLA
Nur recht zart und fein.

FRAGOLETTO
Und recht zärtlich spielen.

FIORELLA
Mir ergeben sein.

FRAGOLETTO
Heisse Liebe fühlen.

FALSACAPPA, DIE RÄUBER
Das ist charmant,
so ist's charmant!

FALSACAPPA
Doch nun genug mit diesem Tand!

ALLE
Stille, ganz ohne Sang und Klang
Geht's an den Hof nun auf den Fang.
Nein, unsre Taschen sind nicht klein,
wir stecken drei Millionen ein.
Stille, ganz ohne Sang und Klang
Geh'n wir auf den Millionenfang.
Auf den Fang!

Lärm aus dem Keller

FALSACAPPA
spricht
Teufel, das sind die Dragoner! Die haben wir ganz vergessen!

GLORIA-CASSIS
auf dem Balkon erscheinend
Was für ein Lärm, was für ein Chor?
Sagt, was geht denn da unten vor?

PIETRO
Das ist nichts!

GLORIA-CASSIS
Nein, nein, nein!
Es muss etwas sein!

Domino, Carmagnola, Barbavano gehen nach rechts, die vier Damen nach dem Hintergrund. Pipo kommt ganz verstört aus dem Kellerloch; er ist in Hemdsärmeln und Unterhosen.

PIPO
Holla, holla! Zu Hülfe her!

FALSACAPPA
Führt auch noch den der Teufel her?!

PIPO
Ja, er ist da! Er ist Falsacappa!

Falsacappa stösst ihn zu den drei Räubern hinüber, die ihn einschliessen.

GLORIA-CASSIS
auf dem Balkon, schreiend
Falsacappa! Falsacappa!
verschwindet

DIE DREI RÄUBER
Pipo packend
Sagst du noch ein Wort, so bring ich dich um!

PIPO
zitternd
Ich bin schon stumm!

Die Prinzessin, Adolf, der Hofmeister, Gloria-Cassis und die Spanier kommen aus dem Hause und fliehen nach rechts. Die Räuber nehmen die linke Seite.

DIE SPANIER
Falsacappa! Falsacappa!
Der Schreckensnamen, wer nannte ihn da?

ADOLF
Prinzessin, auch Ihr seid um die Ruhe gekommen?
Weshalb muss so in Angst ich hier Euch seh'n?

PRINZESSIN
Habt Ihr denn den Lärm nicht vernommen?

ADOLF
Was ist da im Keller gescheh'n?

DIE SPANIER
Wer riet denn da "Falsacappa"?

GLORIA-CASSIS
Wir glaubten ja, er sei schon nah!

FALSACAPPA
Wie kommt Ihr auf Falsacappa?

DIE RÄUBER
Wie kommt Ihr auf Falsacappa?

FALSACAPPA
Niemand ihn sah!
Er ist nicht da!
Wer hat ihn erkannt?
Wer hat ihn genannt?

DIE RÄUBER
Niemand ihn sah?
Er ist nicht da!
Wer hat ihn erkannt?
Wer hat ihn genannt?

FALSACAPPA
Keiner hat ihn genannt,
keiner hat ihn erkannt,
drum alle Furcht verbannt,
unbesorgt, vor der Hand!

ALLE
Keiner hat ihn genannt,
keiner hat ihn erkannt,
drum alle Furcht verbannt,
unbesorgt vor der Hand.
Die Furcht verbannt,
er ist nicht da,
nein, nein!

CAMPOTASSO
auf dem Balkon erschienen, ganz in Unterkleidern, schreiend, auf Falsacappa deutend
Der in der Mitte steht, der Grosse, das ist Falsacappa!

Die Spanier stehen vor Schrecken starr. Von allen Seiten treten die übrigen Räuber auf und bringen für die auf der Bühne befindlichen Räuber Karabiner mit.

FALSACAPPA
zu Campotasso, der auf dem Balkon steht
Nicht gern hab den off'nen Kampf ich Euch erkläret,
doch da Ihr, Exzellenz, nicht höret
und mein Inkognito zerstöret:
zu den Spaniern
Ja, dieser Mann, er sprach nur wahr,
und frei bekenn' ich es offenbar:
Ich bin der Räuber, ich bin da!
Falsacappa!
zu seinen Räubern, auf die Spanier weisend
Nun fesselt mir die Leute da!

DIE SPANIER
zitternd auf die Knie sinkend
Falsacappa!

FALSACAPPA
Bewacht his morgen früh
Mit grösster Sorgfalt sie,
und wir indessen geh'n
nach den Millionen seh'n!

DIE RÄUBER
Bewacht his morgen früh
Mit grösster Sorgfalt sie,
und wir indessen geh'n
nach den Millionen seh'n!

FALSACAPPA
zu den Spaniern
Zittern, zittern
Sollt entsetzt
Ihr doch zuletzt!
Uns're Dolche
Sind gewetzt,
drum zittert jetzt!

DIE RÄUBER
Zittern, zittern
Sollt entsetzt
Ihr doch zuletzt!
Unsre Dolche
Sind gewetzt,
drum zittert jetzt!

DIE SPANIER
kniend
Zittern, Zittern
Fasst entsetzt
Uns alle jetzt.
Ihre Dolche
Sind gewetzt,
aus ist es jetzt!

CAMPOTASSO
wieder auf dem Balkon, kniend
Hört, Freunde, hört, was ich habe gefunden:
Die Hilfe nahet euch diesmal von unten!
Im Keller hab' ich Champagner entdeckt,
und auch viel tapf're Soldaten versteckt!
verschwindet

FALSACAPPA
Ihr wollet Kampf? Wohlan, kommt heran!
Ha, wir steh'n unsern Mann!

DIE RÄUBER
Ihr wollet Kampf? Wohlan, kommt heran!
Ha, wir steh'n unsern Mann!

CAMPOTASSO
einen Degen in der Hand
Sie sind da,
nur voran!

Die Dragoner, nur in Hosen und Stiefeln, trinken mit den Räubern, umarmen sich usw.

DIE DRAGONER
Respekt, denn hier kommt's Militär
Und stellet die Sicherheit her.

DIE RÄUBER
freudig
DIE SPANIER
traurig
Doch trifft sie öfter das Malheur:
Wo wirklich was zu finden wär',
kommt's Militär zu spät daher.

FALSACAPPA
Die Herren sind betrunken schwer
Und sind uns feindlich jetzt nicht mehr!

ALLE RÄUBER
Hahaha -

REPRISE DES ENSEMBLES
Zittern, zittern
Sollt ihr entsetzt,
ihr noch zuletzt!
Unsre Dolche
Sind gewetzt,
drum zittert jetzt!
Die Dragoner haben sich heim Wein ergötzt
Und sind gänzlich unzurechnungsfähig jetzt.
Da zittern wir nicht sehr,
denn immer haben sie Malheur!

DIE SPANIER
Wir zittern nimmer mehr
Vor diesem Militär!
Unsre Retter sind betrunken jetzt!

DIE RÄUBER
Habt uns die Dragoner auf den Hals gehetzt!

DIE BETRUNKENEN DRAGONER
dazwischen
Wir sind die Herrn vom Militär,
wir haben leider oft Malheur:
Wo wirklich was zu finden wär,
kommt's Militär zu spät daher!

DIE RÄUBER
Ha, das ist ein Spass, der uns wahrlich ergötzt!

DIE SPANIER
Hoffnung haben wir auf sie gesetzt!
Wir sind entsetzt,
wir zittern jetzt!
Das Militär
Hilft uns nicht mehr!

DIE RÄUBER
Ja, zittert jetzt!
Das Militär
hilft euch nicht mehr!

DRITTER AKT

Das Palais des Prinzen van Braganza. Ein weiter, reich geschmückter Saal. Eine gedeckte Tafel, ein kleiner Tisch, ein Fauteuil.

Der Prinz von Braganza, die Marquise, die Herzogin und die Hofdamen haben das Souper beendet. Der Prinz ist der einzige Mann, um ihn her sind lauter Damen gruppiert. Pagen und Dienerschaft in der Galerie im Hintergrund.


HERZOGIN, MARQUISE
Es nahet Aurora heut wie immer,
doch dieses Nah'n uns traurig macht,
denn ach, mit dieses Lichtes Schimmer
entschwand seiner Freiheit letzte Nacht.

MARQUISE
Keine Dame amHofe verfehlet,
wie sie erfüllet von Leid und Harm.

HERZOGIN
Unser Prinz, ach, er wird vermählet,
man reisst ihn aus unserem Arm.

ALLE
Er wird vermählet
Zwar nahet Aurora heut wie immer usw.

PRINZ
aufstehend
Ihr hört ja gern ein Lied;
Ich geb euch eins zum Besten,
das mir scheint wie gemacht
für meine Situation.

DIE DAMEN
sich ebenfalls erhebend
Ja, singet, holder Prinz!
Der Sang soll uns trösten.
Wie linder Balsam wirkt
Eurer Stimme Ton!
O singt, wir lauschen schon
Auf Eurer Stimme Ton!

Alle kommen nach vorn. Die Diener räumen den Tisch fort.

Couplet

DER PRINZ
Einst herrscht' in fernen Landen
ein liebenswürd'ger Prinz.

DIE DAMEN
Ein liebenswürd'ger Prinz!

PRINZ
Für den gar warm empfanden
Die Damen der Provinz.

DIE DAMEN
Die Damen der Provinz!

PRINZ
Und eine von den Vielen,
die Liebe ihm gezollt,
durchaus von den Gefühlen
ihm Kunde bringen wollt'.
Toc, toc, toc -
Öffnet, Prinz, ich bitte schön,
ruft "Herein" doch, wenn's beliebt.
Toc, toc, toc -
Lasst die Frau nicht draussen steh'n,
die Euch gar so zärtlich liebt.

DIE DAMEN
den Prinzen umringend
Öffnet, Prinz, ich bitte schön,
ruft "Herein" doch, wenn's beliebt.
Toc, toc, toc -
Lasst die Frau nicht draussen steh'n,
die Euch gar so zärtlich liebt.

DER PRINZ
"Madame", sagt er dagegen
"es tut mir wirklich leid."

DIE DAMEN
"Es tut mir wirklich leid!"

PRINZ
"Ihr kommt sehr ungelegen:
Vermählt hab' ich mich heut!"

DIE DAMEN
"Vermählt hab' ich mich heut!"

PRINZ
"Ich tat der Lieb' entsagen,
bin treuer Ehemann."
"Gut", sagt sie, "in acht Tagen
klopf' ich dann wieder an!"
Toc, toc, toc -
Öffnet, Prinz, ich bitte schön,
ruft "Herein" doch, wenn's beliebt.
Toc, toc, toc -
Lasst die Frau nicht draussen steh'n,
die Euch gar so zärtlich liebt.

DIE DAMEN
Öffnet, Prinz, ich bitte schön usw.

Die Damen bedauern des Prinzen Vermählung ausserordentlich.
Der Prinz weiss: Aus solch tiefer Trauer lassen sich die Damen nur mit Geld ablenken. Er ruft nach seinem Zahlmeister. Sogleich heitert sich die Stimmung auf. Der Prinz zeigt den Damen das Porträt seiner Zukünftigen und bemerkt verwundert die Ähnlichkeit mit dem jungen Mädchen aus dem Volk, das er vor kurzem bei seinem Ausflug im Wald getroffen hat.
Antonio, des Prinzen Zahimeister, erscheint. Der Prinz erkundigt sich nach den Staatsfinanzen. Antonio versichert, alles sei in schönster Ordnung. So gibt der Prinz Auftrag, seinen Damen zum Trost Geschenke zu machen: Garderobe, ein kleines Landhaus und üppiges Taschengeld. Antonio bleibt allein zurück. Er hat ein Problem, und zwar schon seit geraumer Zeit: Der Hofstaat ist pleite, die Kassen sind leer. Für die üppigen Ausgaben hat Antonio schon längst Kredite und Anleihen aufgenommen und dem Prinzen die wahre Finanzsituation verschwiegen; aber irgendwann wird sein Schwindel auffliegen! Antonio erinnert sich, wie er zum ersten Mal die Bücher fälschte und sich aus der Staatskasse bediente. Aber für wen verschulden sich die Männer denn? Natürlich nur für die Frauen!


Lied

ANTONIO
Sagt mir ein Weib, dass es mich liebe,
lächelt rosig mir die Welt.
Kann ich dafür, dass diese Triebe
Kosten so ein Heidengeld?
Immer musst' ich geben und schenken,
aus der Kasse nahm ich's mir zu leih'n.
Kamen mir auch manchmal Bedenken,
immer griff ich wieder frisch hinein.
S'ist nicht ganz legal,
das gestehe frei ich ein,
doch könnt' ich's noch einmal,
würd' ich grad so sein.
S'ist mal meine Schwäche,
die muss man mir verzeih 'n!

Ach, leider sind die holden Dämchen
So interessiert wie interessant,
sie sind famose Zeitvertreiber,
doch die Kosten sind a Schand'!
Kämen plötzlich einst Revisionen,
die Defekte würden konstatiert,
müsste man doch christlich mich schonen,
denn nur Liebe hat mich ruiniert.
Es ist ein Skandal,
das gestehe frei ich ein usw.

Antonio entdeckt ein Stück Papier auf dem Boden: eine gute Gelegenheit, es zu bedrucken und als Banknote auszugeben; und zwar als Anzahlung auf die drei Millionen, die beim Empfang der Braut fällig werden. Die Hofgesellschaft kehrt zurück.

Ensemble

CHOR
Seht die Prinzessin mit dem Pagen nah 'n
so huldreich und so anmutsvoll.
Schöner ist sie, als wir es uns versahen;
Ihr gebührt des Beifalls Zoll.

Währendessen tritt die als Gesandtschaft verkleidete Räubergesellschaft ein. Alle sind etwas sorgfältiger gekleidet als vorher, haben aber immer noch ein abenteuerliches Aussehen: Falsacappa als Gloria-Cassis, Pietro als Hofmeister; Fiorella als Prinzessin von Granada, Fragoletto als Page, der Prinzessin Schleppe tragend, die vier Mädchen Fiametta, Zerlina, Cincinella und Bianca als vier Pagen, die anderen Räuber als spanische Edelleute.

PRINZ
aufstehend und Fiorella erblickend
Sie ist es!

FIORELLA
Er ist's!

FRAGOLETTO
erstaunt, für sich
Er kennet sie, sie kennet ihn
Und beid' erschraken, wie mir schien.

DIE RÄUBER
für sich
Nichts kann uns gescheh'n.
Was wir uns ersehen,
wird uns nicht entgehen,
spielen wir geschickt.
Vorsicht gilt es heute.
Schnell mit unsrer Beute
Suchen wir das Weite,
wenn der Spass uns glückt.

CHOR DER HOFLEUTE
Welche Ambassade
Macht tins hier Parade,
solche Maskerade
hab' ich nie erblickt.
Diese Spanier führen
Seltsame Manieren,
und sie kostümieren
sich sehr ungeschickt.

PRINZ
Fiorella betrachtend
Wie kann das geschehen?
Sie muss ich hier sehen,
die auf wald'gen Höhen
gestern mich entzückt.
War das Maskerade,
oder ist es grade
diese Ambassade,
die so ungeschickt?

FIORELLA
Wehe uns, wie schade,
unsrer Maskerade
droht Entdeckung grade,
da es fast geglückt.
Wie ungeschickt,
dass er mich wieder hier erblickt!

FRAGOLETIO
Was hier auch geschehen,
bald werde ich's erspähen.
Er hat sie gesehen,
sie hat ihn erblickt!

FALSACAPPA, DIE RÄUBER
Nichts kann uns geschehen usw.

DER HOF
Welche Ambassade usw.

FIORELLA
leise zu Falsacappa
Er ist's!

PRINZ
beiseite
Sie ist's wirklich!

FIORELLA
O Vater, hör mich an!
Verderblich wär' es, hier noch zu weilen!

FALSACAPPA
Wie? Fortgehen? Und warum?

FIORELLA
Dies ist der junge Mann,
den ich gestern liess enteilen.

FALSACAPPA
Der Prinz ist's selbst?

FIORELLA
Ja, sicherlich,
und auch er erkannte mich.

FALSACA PPA
O das ist störend, äusserst störend.

FIORELLA
Er betrachtet mich fortwährend.

FALSACAPPA
Die Geschichte ist sehr störend.

FRAGOLETTO
Ja, es macht mir Sorgen,
was hier liegt verborgen.
Dass sie sich geseh'n,
kann mir nicht entgeh'n!

FALSACAPPA
Das ist wahrlich schade,
er hat sie geseh'n.
Unsre Maskerade
Wird zu Ende geh'n.

FIORELLA
Dass wir uns geseh'n,
wird ihm nicht entgeh'n.
Was soll nun gescheh'n?

DIE RÄUBER
Die Millionen dürfen
Nimmer uns entgeh'n!

Der verkleidete Falsacappa erbittet vom Zahlmeister Antonio die drei Millionen. Antonio hat nichts ausser einem gefälschten Geldschein anzubieten.

Finale III

FALSACAPPA
Spitzbube du, Halunke, Schuft!

Er hebt Antonio in die Höhe und wirft ihn auf den Tisch.

ANTONIO
schreiend
O weh, zu Hilfe!

Durch die drei Türen im Fond kommen zugleich Pietro, Carmagnola, Domino und Barbavano hereingestürzt.

ALLE VIER
Was gibt's, wer ruft?

Falsacappa hat Antonio losgelassen, der schnell auf die rechte Seite flüchtet.

FALSACAPPA
zu den Räubern
Die drei Millionen!
Er hat sie nicht mehr!

DIE RÄUBER
Er hat sie nicht mehr?

ALLE FÜNF
Ha, dreifacher Schuft, das büssest du schwer!

ANTONIO
schreiend
Zu Hülfe! Kommt zu Hülfe her!

FALSACAPPA
Büssen sollst du's schwer!

Die drei Türen des Hintergrundes öffnen sich.

PRINZ
Was soll der Lärm, was soll das Schrei'n?

CHOR
Was soll der Lärm, was soll das Schrei'n?

ANTONIO
Man will mich erwürgen, kommt mich befreien!

FALSACAPPA
Er ist ein Dieb, der elende Wicht!

DIE RÄUBER
Er ist ein Dieb, ein elender Wicht!
Die drei Millionen zahlt er uns nicht!

ANTONIO
zum Prinzen, auf Falsacappa deutend
Dieser Mensch ist verrückt!
Hört ihn nicht mehr!

FALSACAPPA
zum Prinzen
Eures Kassierers Kasse ist leer!

PRINZ
zu Antonio
Ist es wahr, was ich hör'?

ANTONIO
O mein Prinz, ich erklär -

PRINZ
So erklärt ohne Zögern mir, -

Man hört von ferne Kastagnetten klingen.

ANTONIO
Still! Was ertönet dort? Höret ihr?

ALLE
Höret ihr?

Durch die Mitteltür erscheinen: der Kapitän, Gloria-Cassis, die Prinzessin, Adolf, Campotasso, der Hofmeister und die Dragoner. Alle schreiten mit drohenden Mienen und erhobenen Armen auf die Räuber zu, welche starr vor Schrecken sind. Dieses geschieht während des folgenden Ensembles.

DIE SPANIER und DRAGONER
Zwar gibt's Leut', die woll'n Spanier sein,
doch sind Spanier sie bloss zum Schein!
Wir sind Spanier nicht bloss zum Schein,
span'scher Rasse sind wir, echt und rein!

PRINZESSIN
zum Prinzen
Seht in mir die Prinzessin!

PAGE ADOLF
Und ich, ich bin der Page!

DIE SPANIER
Wir war'n gefangen all'
auf die Räuber deutend
von der Bagage!

PRINZ
zum Kapitän
Doch wenn ihr die Rechten seid,
auf die Räuber deutend
wer sind denn diese da?

CAMPOTASSO
S'ist die Bande des Falsacappa!

KAPITÄN
Falsacappa die Hand auf die Schulter legend
Und er selbst, der Bandit, er ist da!

ALLE
Falsacappa! Falsacappa!

Die Dragoner stellen sich hinter die Räuber, welche niederknieen, ausser Pietro und Falsacappa.

DIE RÄUBER
beiseite
Unser Streich misslingt,
nichts mehr Hilfe bringt,
sicher nun der Galgen uns winkt!

DIE ANDEREN
Ja, der Streich misslingt,
nichts mehr Rettung bringt!

PRINZ
Gleich werde euch euer Lohn zuteil.

FALSACAPPA
O bitte, das hat keine Eil'!

PRINZ
Die ganze saubre Gesellschaft dort:
Hängt sie sofort!

Die Dragoner wollen die Räuber fortführen, als man Fiorellas Gesang vernimmt. Fiorella in ihrem ersten Anzuge erscheint, den Karabiner über die Schulter, mit Fragoletto, der ebenfalls als Räuber gekleidet. Allgemeine Bewegung. Währenddessen ist die Prinzessin und Adolf in die Nähe des Prinzen getreten, Gloria-Cassis zu Antonio.

FIORELLA und FRAGOLETTO
langsam vortretend
So wird Fiorella immer
Des Räubers echte Tochter sein!

FIORELLA
zum Prinzen
Erinnert Euch, dass ich es war,
die gerettet Euch das Leben;
seid Ihr nicht undankbar,
so müsst allen Amnestie Ihr geben!

FALSACAPPA und DIE RÄUBER
kniend
O gebt Amnestie!

PRINZ
Ich bin nicht undankbar,
Amnestie will ich euch geben!

ALLE
Hoch lebe der Prinz, der edel verzeiht!

GLORIA-CASSIS
zu Antonio
Ich bitte um die Kleinigkeit von drei Millionen,
seid Ihr bereit?

ANTONIO
leise
Noch nicht! Doch, - wenn gescheit Ihr seid,
ihm das Tausend-Banknoten-Billet bietend
Nehmt den Tausender indes für Euch!

GLORIA-CASSIS
leise, das Billet nehmend
So gebt nur her, - ich versteh' Euch gleich!

ANTONIO
freudig
Er versteht mich gleich!

PRINZ
Nachdem sich zeigte, dass Falsacappa zwar immer die Polizei, die Polizei aber nie Falsacappa erwischt hat, ernenne ich ihn hiermit feierlich zum Chef der Polizei.

ALLE
Bravo!

FALSACAPPA
Als Räuber will ich nun quittieren,
wir werden wieder tugendhaft!

FIORELLA
Ein ehrbar' Leben wir nun führen,
dass Staunen soll die Nachbarschaft.

FALSACAPPA
Ich kommandier nunmehr
Das tapf're Militär.

FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPA
Die grossen Stiefel kann er (ich) selbst nun ziehen an.
Stimmt an!
Die grossen Stiefel, sie klappen,
sie trappen, sie trappen, sie trappen.
Der Kapitän, er geht voran,
er hat die grossen Stiefel an.
Die grossen Stiefel, sie klappen,
sie trappen, sie trappen, sie trappen.
So trappet nur ein Kapitän!

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Klavierauszug

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