Tannhäuser

Tannhäuser

Libretto

Richard Wagner

Premiere

19 October 1845, Dresden (Royal Saxon Court Theatre)
Paris version: 13 October 1861, Paris (Académie Impériale de Musique)

Cast

HERMANN (bass)
TANNHÄUSER (tenor)
WOLFRAM VON ESCHENBACH (baritone)
WALTHER VON DER VOGELWEIDE (tenor)
BITEROLF (bass)
HEINRICH DER SCHREIBER (tenor)
REINMAR VON ZWETER (bass)ELISABETH (soprano)
VENUS (mezzo-soprano)
A YOUNG SHEPHERD (soprano)
4 PAGES (2 soprano, 2 contralto)

CHORUS
Thuringian knights, counts and nobles, noblewomen, older and younger pilgrims, sirens, naiads, nymphs, meanads

Place

Time

Begin of the 13th century

Wagner, Richard

Wagner, (Wilhelm) Richard
22.5.1813 Leipzig - 13.2.1883 Venezia


Works for stage
with date/place of first performance:

Die Hochzeit (1832 inc; 13.2.1938 Leipzig)
Die Feen (1834; 29.6.1888 München)
Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo (29.3.1836 Magdeburg)
Rienzi, der letzte der Tribunen (20.10.1842 Dresden)
Der fliegende Holländer (2.1.1843 Dresden)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg (19.10.1845 Dresden)
Lohengrin (28.8.1850 Weimar)
Tristan und Isolde (1859; 10.6.1865 München)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg [rev] (13.3.1861 Paris)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg [rev 2] (5.3.1865 München)
Die Meistersinger von Nürnberg (21.6.1868 München)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg [rev 3] (22.11.1875 Wien)
Der Ring des Nibelungen (13-17.8.1876 Bayreuth):
- Das Rheingold (1854; 22.9.1869 München)
- Die Walküre (1856; 26.6.1870 München)
- Siegfried (1869; 16.8.1876 Bayreuth)
- Götterdämmerung (17.8.1876 Bayreuth)
Parsifal (26.7.1882 Bayreuth)
rev = revised / inc = incomplete



ERSTER AKT
Heinrich von Ofterdingen, genannt Tannhäuser, ist von anderen Minnesängern, die bei dem Landgrafen von Thüringen auf der Wartburg zu Gast waren, in Unfrieden geschieden. Die Gegensätze waren zu gross, Tannhäusers leidenschaftliche Art schreckte immer wieder die Freunde ab. Selbst Elisabeths tiefe Liebe genügte nicht mehr. So geriet der Sänger eines Tages unversehens in den Hörselberg, wo ihn Frau Venus (Holda) zu ihrem Ritter und Geliebten erhob und an sich fesseln konnte. Alles ist, wie es sich Tannhäuser immer wünschte, Sirenenklänge ertönen, Nymphen und Jünglinge tanzen zu bacchantischen Klängen. Die Paare verlieren sich in der Ferne, Grazien, Najaden und Amoretten umgeben das Lager der Göttin, an deren Seite Tannhäuser schläft ( Naht euch dem Strande). Der Sänger ist dieses leichtfertigen Lebens überdrüssig geworden, er wacht verstört auf, ein Traum hat ihn auf die Erde zurückgeführt. Er singt der Liebesgöttin auf ihren Wunsch noch von Liebe und Glück, innerlich ist er jedoch müde und sehnt sich nach Menschen, Frühling und Glockengeläute( Dir töne Lob!). Umsonst versucht ihn Venus zurückzuhalten, sie warnt ihn vor dem Unfrieden der Welt und künftigen Leiden. Tannhäuser drängt nach Kampf, Busse und Tod, sein »Heil ruht in Maria«.
Ein Donnerschlag erdröhnt, der Venusberg mit all seinem Zauber verschwindet. Ein liebliches Tal, in der Ferne Wartburg und Hörselberg, tut sich auf, die Schalmei eines jungen Hirten, der Frau Holda und den Frühling preist, ertönt ( Frau Holda kam aus dem Berg hervor). Tannhäuser sinkt vor einem Heiligenbild im Gebet nieder, während in der Ferne der Gesang von Pilgern, die nach Rom ziehen, zu hören ist. Der Pilgerzug nähert sich und zieht vorüber. Tannhäuser steht ergriffen und denkt an seine Vergehen. Vom Wald erschallen Hornrufe, der Landgraf und die Sänger stossen auf den Beter, ohne ihn zu erkennen. Erst Wolfram kommt der Fremde bekannt vor. Freudig begrüssen sie den lange Vermissten, dessen Hochmut erloschen zu sein scheint. Doch Tannhäuser erklärt, sein Weg führe ihn weit von hier, und erst Wolframs Worte, Elisabeth warte auf ihn, können den Sänger bewegen, auf die Wartburg zu kommen.

ZWEITER AKT
Elisabeth, die den Kreis der Sänger gemieden hat, seit ihn Tannhäuser verliess, freut sich unendlich, ihren Geliebten wiederzusehen. Neue Lebenslust ist ihr zurückgekehrt, freudig begrüsst sie die Festhalle, die sie nie mehr betreten hat ( Dich, teure Halle, grüss ich wieder). Tannhäuser kommt mit Wolfram, der sich enttäuscht in den Hintergrund zurückzieht. Auch er liebt Elisabeth und muss mitansehen, wie sich Elisabeth und Tannhäuser ihre Liebe gestehen. Der Landgraf bemerkt, dass seine Nichte Tannhäuser liebt und will ihm zu Ehren ein grosses Fest geben, einen Sängerwettstreit, bei dem Elisabeth dem Sieger den Preis überreichen soll.
Die Gäste erscheinen ( Freudig begrüssen wir die edle Halle), der Landgraf stellt die Aufgabe: Der Sänger sei Sieger, der am würdigsten das Wesen der Liebe beschreiben könne. Der hohe sittliche Ernst und die Würde, mit denen Wolfram von Eschenbach ( Blick ich umher in diesem edlen Kreise), Biterolf und Walter von der Vogelweide die Liebe darstellen, reizen Tannhäuser, dem nur Elisabeth schüchtern Beifall spendet, immer mehr, bis er sich nicht mehr beherrschen kann. Begeistert preist Tannhäuser den Taumel und das Entzücken der Liebe. Nur ihr, der Göttin der Liebe, soll sein Lied ertönen, nur ihr, die im Venusberg weile ( Dir, Göttin der Liebe). Entsetzt über den Lästerer entfernen sich die Frauen, während Landgraf, Ritter und Sänger, die ihre heiligen Ideale verhöhnt sehen, mit dem Schwert auf den entrückten Sänger eindringen. Elisabeth wirft sich dazwischen und schützt den Geliebten. Sie kann ihren Onkel und die anderen bewegen, Gott allein richten zu lassen. Verstört ist Tannhäuser aus seinem Taumel erwacht. Voller Reue nimmt er das Urteil des Landgrafen, nach Rom zu pilgern und dort den Heiligen Vater um Vergebung zu bitten, an. Mit neuer Hoffnung, als er die Pilger von Erlösung durch Reue singen hört, stürzt Tannhäuser mit dem Ruf »Nach Rom«, aus dem Saal.

DRITTER AKT
Inzwischen ist es Herbst geworden, Elisabeth wartet immer noch treu auf Tannhäusers Rückkehr. Am Marienbild im Tal betet sie inbrünstig um die Rettung des Geliebten, die Gesänge der zurückkehrenden Pilger sind in der Ferne zu hören ( Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen). Die Büsser kommen näher, der Gesuchte ist nicht unter ihnen, die Sonne versinkt. Verzweifelt bittet die Enttäuschte um ihren Tod, der die Schuld Tannhäusers tilgen soll (Allmächt'ge Jungfrau). Sie geht langsam in Richtung der Wartburg. Die Begleitung Wolframs, der ihr gefolgt war, weist sie ab. Es ist Nacht, Wolfram fühlt die Nähe des Todes ( Wie Todesahnung Dämmrung deckt die Lande - O du mein holder Abendstern). Da erscheint erschöpft in zerfetzter Pilgertracht der Sänger. Dem drängenden Wolfram berichtet Tannhäuser von seiner beschwerlichen Reise, die vergeblich war, weil der Papst nicht verziehen hat (Inbrunst im Herzen). Erschüttert hört Wolfram die Worte des Papstes:

»Wie dieser Stab in meiner Hand
nie mehr sich schmückt mit frischem Grün
kann aus der Hölle heissem Brand
Erlösung nimmer dir erblühn!«

Verzweifelt ruft Tannhäuser nach Venus. Wolfram sucht den wahnsinnig gewordenen Freund zurückzuhalten. Venus erscheint und heisst Tannhäuser, der sich von Wolfram losreissen und in ihre Arme stürzen will, willkommen. Tannhäuser eilt Venus entgegen, bleibt aber wie gelähmt stehen, als er die Worte des Freundes hört: »Elisabeth hat für dich gebetet, bald schwebt sie als Engel über dir.« Der Zauberspuk verschwindet, Edle bringen den Sarg der kurz zuvor gestorbenen Elisabeth herbei. Tannhäuser bricht an ihrer Seite zusammen und stirbt. Pilger verkünden ein Wunder, das in Rom geschehen ist: Der dürre Stab des Papstes ist neu ergrünt. Ergriffen stehen der Landgraf, Ritter und Pilger vor den Toten und preisen die Barmherzigkeit Gottes.

ACT I

Scene 1: The Cave of Venus
Naiads, sirens, bacchantes and pairs of lovers take part in a wild orgy, are bombarded with arrows by cupids, then collapse in exhaustion as Tannhäuser, who has been reclining with his head in the lap of Venus, starts up. He has dreamed of the world outside: the sun, the seasons, the birds, which he misses.
Venus reproaches him for not appreciating the delights she offers. She orders him to take his harp and celebrate the joys of love. He obeys, but three times begins in praise of Venus and three times ends on a different theme - his longing for the real world, rather than a life of continuous bliss, for nature and for freedom, even if it brings pain and death - and begs to be allowed to leave. Finding anger, blandishments and entreaties equally unavailing, Venus orders him to go, but warns that his search will be in vain and that he will soon long to return to her realm; all mankind will be cursed if he does not come back. But he is firm in his determination never to return - he will repent and be saved by the Virgin. At this name, the Venusberg vanishes.

Scene 2: A valley near the Wartburg in Thuringia
Tannhäuser finds himself in the valley. A shepherd boy sings a song in praise of Holda, goddess of spring, and a band of pilgrims passes by singing, on the road to Rome. Tannhäuser falls to his knees in prayer, where he is found by the Landgrave of Thuringia and his band of minstrels, Tannhäuser's former companions.
With the exception of Wolfram, who greets him warmly, they treat him with reservation, expecting renewal of the strife and pride in which he had left them. He assures him that he has no belligerent intentions and does not plan to remain. They then beg him to stay, but he refuses until Wolfram mentions Elisabeth, niece of the Landgrave. Wolfram tells him that since his departure, Elisabeth, who had previously listened joyfully to their song contests, has withdrawn in sadness and Tannhuser is persuaded to return to the court.

ACT II
The hall of the minstrels in the Wartburg

Elisabeth, rejoicing in Tannhäuser's return, joyfully greets the hall of song from which she and he have been so long absent. Wolfram leads in Tannhäuser who falls at her feet. He tells her that he has been far away in strange lands, only able to return to her by a miracle. She wonders why his songs had such power over her that she was so delighted by them and so desolate at his absence, and he replies that the god of love must have touched his strings and then brought him back to her. Seeing their joy at being reunited, Wolfram realises that all hope of Elisabeth is over for him.
The Landgrave is glad to see Elisabeth back in the hall, and asks her to confide in him. She is unable to speak out, but, suspecting her love for Tannhäuser, he hints that the forthcoming song contest will fulfil her wishes.
The court and the minstrels enter and the Landgrave, looking back on former times of peace and war, when the minstrels' songs had gladdened their hearts, offers the theme of love for the song contest and, believing that Tannhäuser will be the victor, promises that Elisabeth will crown the winner - with his heart's desire. Wolfram opens with a song in praise of the cool refreshing stream of love at which the lover must not drink, but only worship. All praise the song, except Tannhäuser, who breaks in with the view that one must drink at the spring, which is eternal and inexhaustible. Elisabeth seems to approve, but the rest of the company shows its disapproval by silence.
Walther takes up the same line as Wolfram - the spring will be defiled if the lover drinks. The company applauds, but Tannhäuser again objects that love is not distant reverence, but something to be held close. Disapproval is expressed more strongly this time and Biterolf angrily declares his readiness to defend women's honor against him with the sword. Tannhäuser answers that Biterolf knows nothing of the soft emotion of love.
The Landgrave intervenes to stop the strife and Wolfram again proclaims his lofty conception of love, provoking Tannhäuser to sing that only one who has dwelt in the arms of Venus knows true love. At his revelation that he has been in the Venusberg, all the ladies except Elisabeth run out of the hall. The angry knights draw their swords on Tannhäuser, who stands as if dazed. Elisabeth runs between them, declaring that although he has wounded her to the heart, he must be spared and allowed to repent. They become calm and Tannhäuser, grieved at what he has done to Elisabeth and at his sin with Venus, accepts the Landgrave's command to join the pilgrimage to Rome.

ACT III
The valley of the Wartburg

Wolfram comes upon Elisabeth praying at a shrine. She is waiting for the return of the pilgrims and he hopes that she will not be disappointed. Pilgrims return, rejoicing at having received absolution from the Pope, but Tannhäuser is not among them and Elisabeth, begging the forgiveness of the Virgin for having once turned from heavenly things to an earthly love, prays for death so that in heaven she may be able to pray for Tannhäuser's soul. Wolfram begs to be allowed to accompany her, but she indicates that she must travel alone, and climbs up the mountain to the Wartburg as Wolfram prays to the evening star to watch over her.
Tannhäuser returns seeking the way to the Venusberg. He tells Wolfram that although he mortified himself with hard penances on the way to Rome, the Pope had refused him absolution, declaring that one who had sinned as he had could no more be forgiven than his staff could bear leaves. In despair, Tannhäuser calls on Venus, who appears in answer to his summons. Wolfram's entreaties are in vain, till he reminds Tannhäuser of Elisabeth. Tannhäuser comes to his senses, crying Elisabeth's name, and Venus vanishes. He kneels as Elisabeth's body is carried by, begging her to pray for his soul, and dies as more pilgrims return with the news that the Pope's staff has borne leaves.
ATTO PRIMO
Turingia, Wartburg, al principio del XIII secolo. Presso il Venusberg (monte di Venere), attorniati da satiri, fauni, baccanti e coppie di amanti dediti a un’orgia selvaggia e dal canto lontano delle sirene, Venere e Tannhäuser giacciono l’uno nelle braccia dell’altro. Il giovane cantore tuttavia è stanco di troppo amore, desidera tornare nel mondo, e a nulla servono le lusinghe e le minacce della dea che vorrebbe trattenerlo. Pur dichiarandosi pronto a cantare le lodi di Venere nel mondo e dopo aver elevato un inno alla dea, Tannhäuser si proclama desideroso di penitenza e invoca il nome di Maria. Il regno di Venere si inabissa immediatamente e Tannhäuser si ritrova in una piccola valle ridente, dove un pastorello intona una melopea che esprime soddisfazione per il ritorno della primavera. Di lì passa un corteo di pellegrini in marcia verso Roma e il giovane, commosso, manifesta l’intenzione di unirsi a loro; ma il sopraggiunto langravio Hermann, accompagnato dai cantori Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Heinrich der Schreiber, Biterolf e Reinmar von Zweter, tutti ugualmente sorpresi di ritrovare il loro rivale delle tenzoni poetiche di un tempo, tenta di convincerlo a far ritorno con loro presso il castello della Wartburg, sua dimora. Tannhäuser non vorrebbe, ma al sapere che Elisabeth, nipote del langravio, è rimasta afflitta e immelanconita a causa della sua lontananza, accetta.

ATTO SECONDO
Al castello della Wartburg. Elisabeth si trova presso la sala dei bardi, dove si svolgono le tenzoni poetiche tra i cantori e dove ella non era più entrata dacché Tannhäuser aveva lasciato il castello. Questi vi giunge, accompagnato da Wolfram, e giustifica la sua assenza asserendo di non ricordare in quale remota terra si fosse intrattenuto. Il dialogo tra Tannhäuser ed Elisabeth si conclude tra ardenti parole d’amore. Dopo che nobili, dame e cavalieri hanno fatto un solenne ingresso nella sala, il langravio annuncia lo svolgimento di una tenzone il cui tema sarà quello della natura dell’amore. Esordisce Wolfram, intessendo l’elogio dell’amore celeste; Tannhäuser replica elogiando l’amore carnale; Walther identifica il concetto d’amore con quello di virtù; nuovamente interviene Tannhäuser a replicare l’elogio dell’amore carnale; spazientito, interviene Biterolf per contraddirlo; Wolfram tenta di riappacificare i contendenti con una nuova affermazione dell’amor cortese, finché Tannhäuser non scatta a elevare il suo inno a Venere, raccontando di essersi trattenuto di buon grado presso la corte della dea. L’affermazione suscita sdegno in tutti i presenti, che vorrebbero intervenire armati contro di lui. Ma Elisabeth, pur ferita in prima persona dalle affermazioni dell’amato, si frappone tra questi e i cavalieri implorando al langravio di concedergli il perdono cristiano. Al cantore, amaramente pentito dell’accaduto, Hermann ordina di unirsi ai pellegrini che si recano a Roma in penitenza, intimandogli di non far ritorno alla Wartburg finché non avrà ottenuto il perdono papale.

ATTO TERZO
Nella stessa valletta del primo atto. Wolfram osserva Elisabeth in preghiera presso l’immagine della Madonna, situata sulla via che percorrono i pellegrini di ritorno da Roma. E poiché tra di loro non c’è Tannhäuser, la giovane si dichiara pronta a offrire alla Madonna la sua vita in cambio della salvezza di lui; quindi si dispone a ritornare presso il castello per attuare il suo proposito. Wolfram, che ne è innamorato, dapprima si offre invano di accompagnarla, poi intona un canto dolente rivolto alla stella della sera. Lo raggiunge Tannhäuser per chiedergli la via per ritornare nel regno di Venere. All’amico, inorridito dalla sua richiesta, racconta come, giunto a Roma dopo un viaggio di sofferenze e mortificazioni, egli sia stato l’unico cui il Vicario di Cristo abbia negato la grazia del perdono, essendo condannato in eterno chi si è intrattenuto nel regno di Venere. L’unica concessione ricevuta consiste nella remota possibilità che il suo bastone fiorisca: in tal caso significa che il perdono gli è stato accordato. Venere quindi gli appare per un attimo come in una visione, ma subito dopo si avanza il corteo funebre che accompagna la salma di Elisabeth. Il bastone di Tannhäuser fiorisce: il sacrificio della giovane lo ha salvato. Egli, dopo aver invocato la santità per Elisabeth, può ora morire sulla bara di lei. E sul canto di grazia innalzato dai pellegrini si chiude il sipario.


Personen:
HERMANN, LANDGRAF VON THÜRINGEN (Bass)
TANNHÄUSER (Tenor)
WOLFRAM VON ESCHENBACH (Bariton)
WALTHER VON DER VOGELWEIDE (Tenor)
BITEROLF (Bass)
HEINRICH DER SCHREIBER (Tenor)
REINMAR VON ZWETER (Bass)
ELISABETH, Nichte des Landgrafen (Sopran)
VENUS (Sopran)
EIN JUNGER HIRT (Sopran)
VIER EDELKNABEN (Sopran/Alt)

CHOR und BALLETT
Thüringische Grafen und Edelleute - Edelfrauen - Ältere und jüngere Pilger - Sirenen, Najaden, Nymphen, Bacchantinnen,
(Pariser Fassung: Die drei Grazien, Jünglinge, Amoretten, Satyre und Faune)



ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE
Die Bühne stellt das Innere des Venusberges Hörselberges bei Eisenach dar. Weite Grotte, welche sich im Hintergrunde durch eine Biegung nach rechts wie unabsehbar dahin zieht. Aus einer zerklüfteten Öffnung, durch welche mattes Tageslicht hereinscheint, stürzt sich die Höhe der Grotte entlang ein grünlicher Wasserfall herab, wild über Gestein schäumend; aus dem Becken, welches das Wasser auffängt, fliesst nach dem ferneren Hintergrunde der Bach hin, welcher dort sich zu einem See sammelt, in welchem man die Gestalten badender Najaden, und an dessen Ufern gelagerte Sirenen gewahrt. Zu beiden Seiten der Grotte Felsenvorsprünge von unregelmässiger Form, mit wunderbaren, korallenartigen tropischen Gewächsen bewachsen. Vor einer nach links aufwärts sich dehnenden Grottenöffnung, aus welcher ein zarter, rosiger Dämmer herausscheint, liegt im Vordergrunde Venus auf einem reichen Lager, vor ihr das Haupt in ihrem Schosse, die Harfe zur Seite, Tannhäuser halb kniend. Das Lager umgeben, in reizender Verschlingung gelagert, die drei Grazien. Zur Seite und hinter dem Lager zahlreiche schlafende Amoretten, wild über und neben einander gelagert, einen verworrenen Knäuel bildend, wie Kinder, die, von einer Balgerei ermattet, eingeschlafen sind. Der ganze Vordergrund ist von einem zauberhaften, von unten her dringenden, rötlichen Lichte beleuchtet, durch welches das Smaragdgrün des Wasserfalles, mit dem Weiss seiner schäumenden Wellen, stark durchbricht; der ferne Hintergrund mit den Seeufern ist von einem verklärt baluen Dufte mondscheinartig erhellt

Beim Aufzuge des Vorhanges sind, auf den erhöhten Vorsprüngen, bei Bechern noch die Jünglinge gelagert, welche jetzt sofort den verlockenden Winken der Nymphen folgen, und zu diesen hinabeilen; die Nymphen hatten um das schäumende Bekken des Wasserfalles den auffordernden Reigen begonnen, welcher die Jünglinge zu ihnen führen sollte; die Paare finden und mischen sich; Suchen, Fliehen und reizendes Nekken beleben den Tanz. Aus dem ferneren Hintergrunde naht ein Zug von Bacchantinnen, welcher durch die Reihen der liebenden Paare, zu wilder Lust auffordernd, daherbraust. Durch Gebärden begeisterter Trunkenheit reissen die Bacchantinnen die Liebenden zu wachsender Ausgelassenheit hin. Satyre und Faune sind aus den Klüften erschienen, und drängen sich zur höchsten Wut. Hier, beim Ausbruche der höchsten Raserei, erheben sich entsetzt die drei Grazien. Sie suchen den Wütenden Einhalt zu tun und sie zu entfernen. Machtlos fürchten sie selbst mit fortgerissen zu werden: sie wenden sich zu den schlafenden Amoretten, rütteln sie auf, und jagen sie in die Höhe. Diese flattern wie eine Schar Vögel aufwärts auseinander, nehmen in der Höhe, wie in Schlachtordnung, den ganzen Raum der Höhle ein, und schiessen von da herab einen unaufhörlichen Hagel von Pfeilen auf das Getümmel in der Tiefe. Die Verwundeten, von mächtigem Liebessehnen ergriffen, lassen vom rasenden Tanze ab und sinken in Ermattung. Die Grazien bemächtigen sich der Verwundeten und suchen, indem sie die Trunkenen zu Paaren fügen, sie mit sanfter Gewalt nach dem Hintergrund zu zu zerstreuen. Dort nach den verschiedensten Richtungen hin entfernen sich zum Teil auch von der Höhe herab durch die Amoretten verfolgt die Bacchanten, Faunen, Satyren, Nymphen und Jünglinge. Ein immer dichterer rosiger Duft senkt sich herab; in ihm verschwinden zunächst die Amoretten; dann bedeckt er den ganzen Hintergrund, so dass endlich, ausser Venus und Tannhäuser, nur noch die drei Grazien sichtbar zurückbleiben. Diese wenden sich jetzt nach dem Vordergrunde zurück; in anmutigen Verschlingungen nahen sie sich Venus, ihr gleichsam von dem Siege berichtend, den sie über die wilden Leidenschaften der Untertanen ihres Reiches gewonnen

Venus blickt dankend zu ihnen

GESANG DER SIRENEN
Naht euch dem Strande,
naht euch dem Lande,
wo in den Armen
glühender Liebe
selig Erbarmen
still' eure Triebe!

Der dichte Duft im Hintergrunde zerteilt sich; ein Nebelbild zeigt die Entführung der Europa, welche auf dem Rücken des mit Blumen geschmückten weissen Stieres, von Tritonen und Nereiden geleitet, durch das blaue Meer dahinfährt. Der rosige Duft schliesst sich wieder, das Bild verschwindet, und die Grazien deuten nun durch einen anmutigen Tanz den geheimnisvollen Inhalt des Bildes, als ein Werk der Liebe, an. Von neuem teilt sich der Duft. Man erblickt in sanfter Mondesdämmerung Leda, am Waldteiche ausgestreckt; der Schwan schwimmt auf sie zu und birgt schmeichelnd seinen Hals an ihrem Busen. Allmählich verbleicht auch dieses Bild. Der Duft verzieht sich endlich ganz, und zeigt die ganze Grotte einsam und still. Die Grazien neigen sich lächelnd vor Venus, und entfernen sich langsam nach der Seiten-Grotte. Tiefste Ruhe. Unveränderte Gruppe der Venus und Tannhäusers


ZWEITE SZENE
Tannhäuser zuckt mit dem Haupte empor, als fahre er aus einem Traume auf. - Venus zieht ihn schmeichelnd zurück. - Tannhäuser führt die Hand über die Augen, als ob er ein Traumbild festzuhalten suche

VENUS
Geliebter, sag, wo weilt dein Sinn?

TANNHÄUSER
Zu viel! Zu viel! O, dass ich nun erwachte!

VENUS
Sprich, was kümmert dich?

TANNHÄUSER
Im Traum war mir's als hörte ich -
was meinem Ohr so lange fremd!
als hörte ich der Glocken froh Geläute; -
O, sag! Wie lange hört' ich's doch nicht mehr?

VENUS
Wohin verlierst du dich? Was ficht dich an?

TANNHÄUSER
Die Zeit, die hier ich weil',
ich kann sie nicht ermessen: -
Tage, Monde - gibt's für mich nicht mehr,
denn nicht mehr sehe ich die Sonne,
nicht mehr des Himmels freundliche Gestirne; -
den Halm seh' ich nicht mehr, der frisch ergrünend
den neuen Sommer bringt; - die Nachtigall
nicht hör' ich mehr, die mir den Lenz verkünde: -
hör'ich sie nie, seh' ich sie niemals mehr?

VENUS
Ha! Was vernehm ich? Welche tör'ge Klagen!
Bist du so bald der holden Wunder müde,
die meine Liebe dir bereitet? - Oder
wie? Reut es dich so sehr, ein Gott zu sein?
Hast du so bald vergessen, wie du einst
gelitten, während jetzt du dich erfreust? -
Mein Sänger, auf! Ergreife deine Harfe!
Die Liebe feire, die so herrlich du besingst,
dass du der Liebe Göttin selber dir gewannst!
Die Liebe feire, da ihr höchster Preis dir ward!

TANNHÄUSER
zu einem plötzlichen Entschlusse ermannt, nimmt die Harfe und stellt sich feierlich vor Venus hin
Dir töne Lob! Die Wunder sei'n gepriesen,
die deine Macht mir Glücklichem erschuf!
Die Wonnen süss,die deiner Huld entspriessen,
erheb' mein Lied in lautem Jubelruf!
Nach Freude, ach! nach herrlichem Geniessen
verlangt' mein Herz, es dürstete mein Sinn:
da, was nur Göttern einstens du erwiesen,
gab deine Gunst mir Sterblichem dahin. -
Doch sterblich, ach! bin ich geblieben,
und übergross ist mir dein Lieben;
wenn stets ein Gott geniessen kann,
bin ich dem Wechsel untertan;
nicht Lust allein liegt mir am Herzen,
aus Freuden sehn' ich mich nach Schmerzen:
aus deinem Reiche muss ich fliehn, -
o Königin, Göttin! Lass mich ziehn!

VENUS
noch auf ihrem Lager
Was muss ich hören! Welch ein Sang!
Welch trübem Ton verfällt dein Lied!
Wohin floh die Begeistrung dir,
die Wonnesang dir nur gebot?
Was ist's? Worin war meine Liebe lässig?
Geliebter, wessen klagest du mich an?

TANNHÄUSER
zur Harfe
Dank deiner Huld! Gepriesen sei dein Lieben!
Beglückt für immer, wer bei dir geweilt!
Beneidet ewig, wer mit warmen Trieben
in deinen Armen Götterglut geteilt!
Entzückend sind die Wunder deines Reiches,
den Zauber aller Wonnen atm' ich hier;
kein Land der weiten Erde bietet Gleiches,
was sie besitzt, scheint leicht entbehrlich dir.
Doch ich aus diesen ros'gen Düften
verlange nach des Waldes Lüften,
nach unsres Himmels klarem Blau,
nach unsrem frischen Grün der Au,
nach unsrer Vöglein liebem Sange,
nach unsrer Glocken trautem Klange: -
Aus deinem Reiche muss ich fliehn, -
O Königin, Göttin! Lass mich ziehn!

VENUS
leidenschaftlich aufspringend
Treuloser! Weh! Was lässest du mich hören?
Du wagest meine Liebe zu verhöhnen?
Du preisest sie und willst sie dennoch fliehn?
Zum Überdruss ist mir mein Reiz gediehn?

TANNHÄUSER
O schöne Göttin! Wolle mir nicht zürnen!
Dein übergrosser Reiz ist's, den ich meide.

VENUS
Weh dir! Verräter! Heuchler! Undankbarer!
Ich lass' dich nicht! Du darfst von mir nicht ziehn!

TANNHÄUSER
Nie war mein Lieben grösser, niemals wahrer,
als jetzt, da ich für ewig dich muss fliehn!

Venus hat mit heftiger Gebärde ihr Gesicht, von ihren Händen bedeckt, abgewandt. Nach einem Schweigen wendet sie es lächelnd und mit verführerischem Ausdrucke Tannhäuser wieder zu

VENUS
mit leiser Stimme beginnend
Geliebter, komm! Sieh dort die Grotte,
von ros'gen Düften mild durchwallt!
Entzücken böt selbst einem Gotte
der süss'sten Freuden Aufenthalt:
besänftigt auf dem weichsten Pfühle
flieh' deine Glieder jeder Schmerz,
dein brennend Haupt umwehe Kühle,
wonnige Glut durchschwell' dein Herz.
Aus holder Ferne mahnen süsse Klänge,
dass dich mein Arm in trauter Näh' umschlänge:
von meinen Lippen schlürfst du Göttertrank,
aus meinen Augen strahlt dir Liebesdank: -
ein Freudenfest soll unsrem Bund entstehen,
der Liebe Feier lass uns froh begehen!
Nicht sollst du ihr ein scheues Opfer weihn, -
nein! - mit der Liebe Göttin schwelge im Verein.

SIRENEN
aus weiter Ferne, unsichtbar
Naht euch dem Strande,
naht euch dem Lande!

VENUS
Tannhäuser sanft nach sich ziehend
Mein Ritter! Mein Geliebter! Willst du fliehn?

TANNHÄUSER
auf das Äusserste hingerissen, greift mit trunkener Gebärde in die Harfe
Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen!
Gesungen laut sei nur dein Preis von mir!
Dein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
und jedes holde Wunder stammt von dir.
Die Glut, die du mir in das Herz gegossen,
als Flamme lodre hell sie dir allein!
Ja, gegen alle Welt will unverdrossen
fortan ich nun dein kühner Streiter sein. -
Doch hin muss ich zur Welt der Erden,
bei dir kann ich nur Sklave werden;
nach Freiheit doch verlange ich,
nach Freiheit, Freiheit dürstet's mich;
zu Kampf und Streite will ich stehen,
sei's auch auf Tod und Untergehen: -
drum muss aus deinem Reich ich fliehn, -
O Königin, Göttin! Lass mich ziehn!

VENUS
im heftigstem Zorne
Zieh hin, Wahnsinniger, zieh hin!
Verräter, sieh, nicht halt' ich dich!
Ich geb' dich frei, - zieh hin! zieh hin!
Was du verlangst, das sei dein Los!
Hin zu den kalten Menschen flieh,
vor deren blödem, trübem Wahn
der Freude Götter wir entflohn
tief in der Erde wärmenden Schoss.
Zieh hin, Betörter! Suche dein Heil,
suche dein Heil - und find es nie!
Bald weicht der Stolz aus deiner Seel',
demütig seh' ich dich mir nahn, -
zerknirscht, zertreten suchst du mich auf,
flehst um die Zauber meiner Macht.

TANNHÄUSER
Ach, schöne Göttin, lebe wohl!
Nie kehre ich zu dir zurück.

VENUS
verzweiflungsvoll
Ha, kehrtest du mir nie zurück! . . .
Kehrst du nicht wieder, ha! so sei verfluchet
von mir das ganze menschliche Geschlecht!
Nach meinen Wundern dann vergebens suchet!
Die Welt sei öde, und ihr Held ein Knecht! -
Kehr wieder! Kehre mir zurück!

TANNHÄUSER
Nie mehr erfreu' mich Liebesglück!

VENUS
Kehr wieder, wenn dein Herz dich zieht!

TANNHÄUSER
Für ewig dein Geliebter flieht!

VENUS
Wenn alle Welt dich von sich stösst? -

TANNHÄUSER
Vom Bann werd' ich durch Buss' erlöst.

VENUS
Nie wird Vergebung dir zuteil, -
Kehr wieder, schliesst sich dir das Heil!

TANNHÄUSER
Mein Heil! mein Heil ruht in Maria!

Furchtbarer Schlag. Venus ist verschwunden


DRITTE SZENE
Tannhäuser steht plötzlich in einem schönen Tale, über ihm blauer Himmel. Rechts im Hintergrunde die Wartburg, links in grösserer Ferne der Hörselberg. Rechter Hand führt auf der halben Höhe des Tales ein Bergweg nach dem Vordergrunde zu, wo er dann seitwärts abbiegt; in demselben Vordergrunde ist ein Muttergottesbild, zu welchem ein niedriger Bergvorsprung hinaufführt. Von der Höhe links vernimmt man das Geläute von Herdenglocken; auf einem hohen Vorsprunge sitzt ein junger Hirt mit der Schalmei und singt

HIRT
Frau Holda kam aus dem Berg hervor,
zu ziehen durch Flur und Auen;
gar süssen Klang vernahm da mein Ohr,
mein Auge begehrte zu schauen: -
da träumt' ich manchen holden Traum,
und als mein Aug' erschlossen kaum,
da strahlte warm die Sonnen,
der Mai, der Mai war kommen.
Nun spiel' ich lustig die Schalmei: -
der Mai ist da, der liebe Mai!

Er spielt auf der Schalmei. Man hört den Gesang der älteren Pilger, welche, von der Richtung der Wartburg her kommend, den Bergweg rechts entlang ziehen

GESANG DER ÄLTEREN PILGER
Zu dir wall' ich, mein Jesus Christ,
der du des Sünders Hoffnung bist!
Gelobt sei, Jungfrau süss und rein,
der Wallfahrt wolle günstig sein! -
Ach, schwer drückt mich der Sünden Last,
kann länger sie nicht mehr ertragen;
drum will ich auch nicht Ruh noch Rast,
und wähle gern mir Müh' und Plagen.
Am hohen Fest der Gnadenhuld
in Demut sühn' ich meine Schuld;
gesegnet, wer im Glauben treu:
er wird erlöst durch Buss' und Reu'.

Der Hirt, der fortwährend auf der Schalmei gespielt hat, hält ein, als der Zug der Pilger auf der Höhe ihm gegenüber ankommt

HIRT
den Hut schwenkend und den Pilgern laut zurufend
Glück auf! Glück auf nach Rom!
Betet für meine arme Seele!

TANNHÄUSER
tief ergriffen auf die Knie sinkend
Allmächt'ger, dir sei Preis!
Hehr sind die Wunder deiner Gnade.

Der Zug der Pilger entfernt sich immer weiter von der Bühne, so dass der Gesang allmählich verhallt

PILGERGESANG
Zu dir wall' ich, mein Jesus Christ,
der du des Pilgers Hoffnung bist!
Gelobt sei, Jungfrau süss und rein,
der Wallfahrt wolle günstig sein!

TANNHÄUSER
als der Gesang der Pilger sich hier etwas verliert, singt, auf den Knien, wie in brünstiges Gebet versunken, weiter
Ach,schwer drückt mich der Sünden Last,
kann länger sie nicht mehr ertragen;
drum will ich auch nicht Ruh noch Rast
und wähle gern mir Müh' und Plagen.

Tränen ersticken seine Stimme; man hört in weiter Ferne den Pilgergesang fortsetzen bis zum letzten Verhallen, während sich aus dem tiefsten Hintergrunde, wie von Eisenach herkommend, das Geläute von Kirchglocken vernehmen lässt. Als auch dieses schweigt, hört man von links immer näher kommende Hornrufe


VIERTE SZENE
Von der Anhöhe links herab aus einem Waldwege treten der Landgraf und die Sänger in Jägertracht einzeln auf. Im Verlaufe der Szene findet sich der ganze Jagdtross des Landgrafen nach und nach auf der Bühne ein

ANDGRAF
Wer ist der dort im brünstigen Gebete?

WALTHER
Ein Büsser wohl.

BITEROLF
Nach seiner Tracht ein Ritter.

WOLFRAM
der auf Tannhäuser zugegangen ist und ihn erkannt hat
Er ist es!

Die SÄNGER und der LANDGRAF
Heinrich! Heinrich! Seh' ich recht?

Tannhäuser, der überrascht schnell aufgefahren ist, ermannt sich und verneigt sich stumm gegen den Landgrafen, nachdem er einen flüchtigen Blick auf ihn und die Sänger geworfen

LANDGRAF
Du bist es wirklich? Kehrest in den Kreis
zurück, den du in Hochmut stolz verliessest?

BITEROLF
Sag, was uns deine Wiederkunft bedeutet?
Versöhnung? Oder gilt's erneutem Kampf?

WALTHER
Nahst du als Freund uns oder Feind?

DIE ANDEREN SÄNGER ausser Wolfram
Als Feind?

WOLFRAM
O fraget nicht! Ist dies des Hochmuts Miene? -
Gegrüsst sei uns, du kühner Sänger,
der, ach! so lang' in unsrer Mitte fehlt!

WALTHER
Willkommen, wenn du friedlich nahst!

BITEROLF
Gegrüsst, wenn du uns Freunde nennst!

ALLE SÄNGER
Gegrüsst! Gegrüsst! Gegrüsst sei uns!

LANDGRAF
So sei willkommen denn auch mir!
Sag an, wo weiltest du so lang?

TANNHÄUSER
Ich wanderte in weiter, weiter Fern', -
da, wo ich nimmer Rast noch Ruhe fand.
Fragt nicht! Zum Kampf mit euch nicht kam ich her.
Seid mir versöhnt, und lasst mich weiterziehn!

LANDGRAF
Nicht doch! Der Unsre bist du neu geworden.

WALTHER
Du darfst nicht ziehn.

BITEROLF
Wir lassen dich nicht fort.

TANNHÄUSER
Lasst mich! Mir frommet kein Verweilen,
und nimmer kann ich rastend stehn;
mein Weg heisst mich nurvorwärts eilen,
denn rückwärts darf ich niemals sehn.

Der LANDGRAF und die SÄNGER
O bleib, bei uns sollst du verweilen,
wir lassen dich nicht von uns gehn.
Du suchtest uns, warum enteilen
nach solchem kurzen Wiedersehn?

TANNHÄUSER
sich losreissend
Fort! Fort von hier!

Die SÄNGER
Bleib! Bleib bei uns!

WOLFRAM
Tannhäuser in den Weg tretend, mit erhobener Stimme
Bleib bei Elisabeth!

TANNHÄUSER
heftig und freudig ergriffen
Elisabeth! O Macht des Himmels,
rufst du den süssen Namen mir?

WOLFRAM
Nicht sollst du Feind mich schelten, dass ich ihn genannt! -
Erlaubest du mir, Herr, dass ich
Verkünder seines Glücks ihm sei?

LANDGRAF
Nenn ihm den Zauber, den er ausgeübt, -
und Gott verleih ihm Tugend,
dass würdig er ihn löse!

WOLFRAM
Als du in kühnem Sange uns bestrittest,
bald siegreich gegen unsre Lieder sangst,
durch unsre Kunst Besiegung bald erlittest:
ein Preis doch war's, den du allein errangst.
War's Zauber, war es reine Macht,
durch die solch Wunder du vollbracht,
an deinen Sang voll Wonn' und Leid
gebannt die tugendreichste Maid?
Denn, ach! als du uns stolz verlassen,
verschloss ihr Herz sich unsrem Lied;
wir sahen ihre Wang' erblassen,
für immer unsren Kreis sie mied. -
O kehr zurück, du kühner Sänger,
dem unsren sei dein Lied nicht fern. -
Den Festen fehle sie nicht länger,
aufs neue leuchte uns ihr Stern!

Die SÄNGER
Sei unser, Heinrich! Kehr uns wieder!
Zwietracht und Streit sei abgetan!
Vereint ertönen unsre Lieder,
und Brüder nenne uns fortan!

TANNHÄUSER
innig gerührt, umarmt Wolfram und die Sänger mit Heftigkeit
Zu ihr! Zu ihr! O, führet mich zu ihr!
Ha, jetzt erkenne ich sie wieder,
die schöne Welt, der ich entrückt!
Der Himmel blickt auf mich hernieder,
die Fluren prangen reich geschmückt.
Der Lenz mit tausend holden Klängen
zog jubelnd in die Seele mir;
in süssem, ungestümem Drängen
ruft laut mein Herz: zu ihr, zu ihr!

LANDGRAF und die SÄNGER
Er kehrt zurück, den wir verloren!
Ein Wunder hat ihn hergebracht.
Die ihm den Uebermut beschworen,
gepriesen sei die holde Macht!
Nun lausche unsren Hochgesängen
von neuem der Gepries'nen Ohr'!
Es tön in frohbelebten Klängen
das Lied aus jeder Brust hervor!

Der ganze Jagdtross hat sich im Tale versammelt. Der Landgraf stösst in sein Horn: laute Hornrufe der Jäger antworten ihm. Der Landgraf und die Sänger besteigen Pferde, welche man ihnen von der Wartburg her entgegengeführt hat. Der Vorhang fällt

ZWEITER AUFZUG

ERSTE SZENE
Die Sängerhalle auf der Wartburg; nach hinten freie Aussicht auf den Burghof und das Tal

ELISABETH
tritt freudig bewegt ein
Dich, teure Halle, grüss' ich wieder,
froh grüss' ich dich, geliebter Raum!
In dir erwachen seine Lieder,
und wecken mich aus düstrem Traum. -
Da er aus dir geschieden,
wie öd' erschienst du mir!
Aus mir entfloh der Frieden,
die Freude zog aus dir. -
Wie jetzt mein Busen hoch sich hebet,
so scheinst du jetzt mir stolz und hehr;
der dich und mich so neu belebet,
nicht länger weilt er ferne mehr.
Sei mir gegrüsst! sei mir gegrüsst!


ZWEITE SZENE
Wolfram und Tannhäuser erscheinen im Hintergrunde

WOLFRAM
Dort ist sie; nahe dich ihr ungestört!

Er bleibt, an die Mauerbrüstung des Balkons gelehnt, im Hintergrunde

TANNHÄUSER
ungestüm zu den Füss Elisabeths stürzend
O Fürstin!

ELISABETH
in schüchterner Verwirrung
Gott! - Steht auf! Lasst mich! Nicht darf ich Euch hier sehn!
Sie will sich entfernen

TANNHÄUSER
Du darfst! O bleib und lass zu deinen Füssen mich!

ELISABETH
sich freundlich zu ihm wendend
So stehet auf!
Nicht sollet hier Ihr knien, denn diese Halle
ist Euer Königreich. O, stehet auf!
Nehmt meinen Dank, dass Ihr zurückgekehrt! -
Wo weiltet ihr so lange?

TANNHÄUSER
sich langsam erhebend
Fern von hier,
in weiten, weiten Landen. Dichtes Vergessen
hat zwischen heut und gestern sich gesenkt. -
All mein Erinnern ist mir schnell geschwunden,
und nur des Einen mussich mich entsinnen,
dass nie mehr ich gehofft Euch zu begrüssen,
noch je zu Euch mein Auge zu erheben. -

ELISABETH
Was war es dann, das Euch zurückgeführt?

TANNHÄUSER
Ein Wunder war's,
ein unbegreiflich hohes Wunder!

ELISABETH
freudig aufwallend
Gepriesen sei dies Wunder
aus meines Herzens Tiefe!
Sich mässigend, - in Verwirrung
Verzeiht, wenn ich nicht weiss, was ich beginne!
Im Traum bin ich und tör'ger als ein Kind, -
machtlos der Macht der Wunder preisgegeben.
Fast kenn' ich mich nicht mehr; o, helfet mir,
dass ich das Rätsel meines Herzens löse!
Der Sänger klugen Weisen
lauscht' ich sonst gern und viel;
ihr Singen und ihr Preisen
schien mir ein holdes Spiel.
Doch welch ein seltsam neues Leben
rief Euer Lied mir in die Brust!
Bald wollt'es mich wie Schmerz durchbeben,
bald drang's in mich wie jähe Lust:
Gefühle, die ich nie empfunden!
Verlangen, das ich nie gekannt!
Was einst mir lieblich, war verschwunden
vor Wonnen, die noch nie genannt! -
Und als Ihr nun von uns gegangen, -
war Frieden mir und Lust dahin;
die Weisen, die die Sänger sangen,
erschienen matt mir, trüb ihr Sinn;
im Traume fühlt' ich dumpfe Schmerzen,
mein Wachen ward trübsel'ger Wahn;
die Freude zog aus meinem Herzen: -
Heinrich! Was tatet Ihr mir an?

TANNHÄUSER
hingerissen
Den Gott der Liebe sollst du preisen,
er hat die Saiten mir berührt,
er sprach zu dir aus meinen Weisen,
zu dir hat er mich hergeführt!

ELISABETH
Gepriesen sei die Stunde,
gepriesen sei die Macht,
die mir so holde Kunde
von Eurer Näh' gebracht!
Von Wonneglanz umgeben,
lacht mir der Sonne Schein;
erwacht zu neuem Leben,
nenn' ich die Freude mein!

TANNHÄUSER
Gepriesen sei die Stunde,
gepriesen sei die Macht,
die mir so holde Kunde
aus deinem Mund gebracht.
Dem neu erkannten Leben
darf ich mich mutig weihn;
ich nenn' in freud'gem Beben
sein schönstes Wunder mein!

WOLFRAM
im Hintergrunde
So flieht für dieses Leben
mir jeder Hoffnung Schein!

Tannhäuser trennt sich von Elisabeth; er geht auf Wolfram zu, umarmt ihn, und entfernt sich mit ihm


DRITTE SZENE
Der Landgraf tritt aus einem Seitengange auf; Elisabeth eilt ihm entgegen und birgt ihr Gesicht an seiner Brust

LANDGRAF
Dich treff 'ich hier in dieser Halle, die
so lange du gemieden? Endlich denn
lockt dich ein Sängerfest, das wir bereiten?

ELISABETH
Mein Oheim! O, mein güt'ger Vater!

LANDGRAF
Drängt
es dich, dein Herz mir endlich zu erschliessen?

ELISABETH
Blick mir ins Auge! Sprechen kann ich nicht.

LANDGRAF
Noch bleibe denn unausgesprochen
dein süss Geheimnis kurze Frist;
der Zauber bleibe ungebrochen
bis du der Lösung mächtig bist. -
So sei's! Was der Gesang so Wunderbares
erweckt und angeregt, soll heute er
enthüllen auch und mit Vollendung krönen.
Die holde Kunst, sie werde jetzt zur Tat!
Man hört Trompeten
Schon nahen sich die Edlen meiner Lande,
die ich zum seltnen Fest hieher beschied;
zahlreicher nahen sie als je, da sie
gehört, dass du des Festes Fürstin seist.


VIERTE SZENE
Trompeten. - Grafen, Ritter und Edelfrauen in reichem Schmucke werden durch Edelknaben eingeführt. Der Landgraf mit Elisabeth empfängt und begrüsst sie

CHOR
Freudig begrüssen wir die edle Halle,
wo Kunst und Frieden immer nur verweil,
wo lange noch der frohe Ruf erschalle:
Thüringens Fürsten, Landgraf Hermann, Heil!

Die Ritter und Frauen haben die von den Edelknaben ihnen angewiesenen, in einem weiten Halbkreise erhöhten Plätze eingenommen. Der Landgraf und Elisabeth nehmen im Vordergrunde unter einem Baldachin Ehrensitze ein.
Trompeten. Die Sänger treten auf und verneigen sich feierlich mit ritterlichem Grusse gegen die Versammlung; darauf nehmen sie in der leergelassenen Mitte des Saales die in einem engeren Halbkreise für sie bestimmten Sitze ein. Tannhäuser im Mittelgrunde rechts, Wolfram am entgegengesetzten Ende links, der Versammlung gegenüber


DER LANDGRAF
erhebt sich
Gar viel und schön ward hier in dieser Halle
von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen;
in weisen Rätseln wie in heitren Liedern
erfreutet ihr gleich sinnig unser Herz. -
Wenn unser Schwert in blutig ernsten Kämpfen
stritt für des deutschen Reiches Majestät,
wenn wir dem grimmen Welfen widerstanden
und dem verderbenvollen Zwiespalt wehrten:
so ward von euch nicht mindrer Preis errungen.
Der Anmut und der holden Sitte,
der Tugend und dem reinen Glauben
erstrittet ihr durch eure Kunst
gar hohen, herrlich schönen Sieg. -
Bereitet heute uns denn auch ein Fest,
heut, wo der kühne Sänger uns zurück
gekehrt, den wir so ungern lang' vermissten.
Was wieder ihn in unsre Nähe brachte,
ein wunderbar Geheimnis dünkt es mich;
durch Liedes Kunst sollt ihr es uns enthüllen,
deshalb stell' ich die Frage jetzt an euch:
könnt ihr der Liebe Wesen mir ergründen?
Wer es vermag, wer sie am würdigsten
besingt, dem reich' Elisabeth den Preis:
er fordre ihn so hoch und kühn er wolle,
ich sorge, dass sie ihn gewähren solle. -
Auf, liebe Sänger! Greifet in die Saiten!
Die Aufgab' ist gestellt, kämpft um den Preis,
und nehmet all im voraus unsren Dank!

Trompeten

CHOR
der Ritter und Edelfrauen
Heil! Heil! Thüringens Fürsten Heil!
Der holden Kunst Beschützer Heil!

Alle setze sich. Vier Edelknaben treten vor, sammeln in einem goldenen Becher von jedem der Sänger seinen auf ein Blättchen geschriebenen Namen ein und reichen ihn Elisabeth, welche eines der Blättchen herauszieht und es den Edelknaben reicht. Diese, nachdem sie den Namen gelesen, treten feierlich in die Mitte und rufen:

VIER EDELKNABEN
Wolfram von Eschenbach, beginne!

Tannhäuser stützt sich auf seine Harfe und scheint sich in Träumereien zu verlieren. Wolfram erhebt sich

WOLFRAM
Blick' ich umher in diesem edlen Kreise,
welch hoher Anblick macht mein Herz erglühn!
So viel der Helden, tapfer, deutsch und weise, -
ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün.
Und hold und tugendsam erblick' ich Frauen, -
lieblicher Blüten düftereichsten Kranz.
Es wird der Blick wohl trunken mir vom Schauen,
mein Lied verstummt vor solcher Anmut Glanz. -
Da blick' ich auf zu einem nur der Sterne,
der an dem Himmel, der mich blendet, steht:
es sammelt sich mein Geist aus jener Ferne,
andächtig sinkt die Seele in Gebet.
Und sieh! Mir zeiget sich ein Wunderbronnen,
in den mein Geist voll hohen Staunens blickt:
aus ihm er schöpfet gnadenreiche Wonnen,
durch die mein Herz er namenlos erquickt.
Und nimmer möcht' ich diesen Bronnen trüben,
berühren nicht den Quell mit frevlem Mut:
in Anbetung möcht' ich mich opfernd üben,
vergiessen froh mein letztes Herzensblut. -
Ihr Edlen mögt in diesen Worten lesen,
wie ich erkenn' der Liebe reinstes Wesen!

DIE RITTER UND FRAUEN
in beifälliger Bewegung
So ists! So ist's! Gepriesen sei dein Lied!

TANNHÄUSER
der gegen das Ende von Wolframs Gesange wie aus dem Traume auffuhr, erhebt sich schnell
Auch ich darf mich so glücklich nennen
zu schaun, was, Wolfram, du geschaut!
Wer sollte nicht den Bronnen kennen?
Hör, seine Tugend preis' ich laut! -
Doch ohne Sehnsucht heiss zu fühlen
ich seinem Quell nicht nahen kann:
Des Durstes Brennen muss ich kühlen,
getrost leg' ich die Lippen an.
In vollen Zügen trink' ich Wonnen,
in die kein Zagen je sich mischt:
denn unversiegbar ist der Bronnen,
wie mein Verlangen nie erlischt.
So, dass mein Sehnen ewig brenne,
lab' an dem Quell ich ewig mich:
und wisse, Wolfram, so erkenne
der Liebe wahrstes Wesen ich!

Elisabeth macht eine Bewegung, ihren Beifall zu bezeigen; da aber alle Zuhörer in ernstem Schweigen verharren, hält sie sich schüchtern zurück

WALTHER VON DER VOGELWEIDE
erhebt sich
Den Bronnen, den uns Wolfram nannte,
ihn schaut auch meines Geistes Licht;
doch, der in Durst für ihn entbrannte,
du, Heinrich, kennst ihn wahrlich nicht.
Lass dir denn sagen, lass dich lehren:
der Bronnen ist die Tugend wahr.
Du sollst in Inbrunst ihn verehren
und opfern seinem holden Klar.
Legst du an seinen Quell die Lippen,
zu kühlen frevle Leidenschaft,
ja, wolltest du am Rand nur nippen,
wich' ewig ihm die Wunderkraft!
Willst du Erquickung aus dem Bronnen haben,
musst du dein Herz, nicht deinen Gaumen laben.

Die ZUHÖRER
in lautem Beifall
Heil Walther! Preis sei deinem Liede!

TANNHÄUSER
sich heftig erhebend
O Walther, der du also sangest,
du hast die Liebe arg entstellt!
Wenn du in solchem Schmachten bangest,
versiegte wahrlich wohl die Welt.
Zu Gottes Preis in hoch erhabne Fernen,
blickt auf zum Himmel, blickt zu seinen Sternen!
Anbetung solchen Wundern zollt,
da ihr sie nicht begreifen sollt!
Doch was sich der Berührung beuget,
euch Herz und Sinnen nahe liegt,
was sich, aus gleichem Stoff erzeuget,
in weicher Formung an euch schmiegt, -
dem ziemt Genuss in freud'gem Triebe,
und im Genuss nur kenn' ich Liebe!

Grosse Aufregung unter den Zuhörern

BITEROLF
sich mit Ungestüm erhebend
Heraus zum Kampfe mit uns allen!
Wer bliebe ruhig, hört er dich?
Wird deinem Hochmut es gefallen,
so höre, Lästrer, nun auch mich!
Wenn mich begeistert hohe Liebe,
stählt sie die Waffen mir mit Mut;
dass ewig ungeschmäht sie bliebe,
vergöss' ich stolz mein letztes Blut.
Für Frauenehr' und hohe Tugend
als Ritter kämpf' ich mit dem Schwert;
doch, was Genuss beut' deiner Jugend,
ist wohlfeil, keines Streiches wert.

Die ZUHÖRER
in tobendem Beifall
Heil, Biterolf! Hier unser Schwert!

TANNHÄUSER
in stets zunehmender Hitze aufspringend
Ha, tör'ger Prahler, Biterolf!
Singst du von Liebe, grimmer Wolf?
Gewisslich hast du nicht gemeint,
was mir geniessenswert erscheint.
Was hast du Ärmster wohl genossen?
Dein Leben war nicht liebereich,
und was von Freuden dir entsprossen,
das galt wohl wahrlich keinen Streich!

Zunehmende Aufregung unter den Zuhörern

RITTER
von verschiedenen Seiten
Lasst ihn nicht enden! - Wehret seiner Kühnheit!

LANDGRAF
zu Biterolf, der nach dem Schwerte greift
Zurück das Schwert! Ihr Sänger, haltet Frieden!

WOLFRAM
erhebt sich in edler Entrüstung. Bei seinem Beginn tritt sogleich die grösste Ruhe wieder ein
O Himmel, lass dich jetzt erflehen,
gib meinem Lied der Weihe Preis!
Gebannt lass mich die Sünde sehen
aus diesem edlen, reinen Kreis!
Dir, hohe Liebe, töne
begeistert mein Gesang,
die mir in Engels-Schöne
tief in die Seele drang!
Du nahst als Gottgesandte,
ich folg' aus holder Fern', -
so führst du in die Lande,
wo ewig strahlt dein Stern.

TANNHÄUSER
in höchster Verzückung
Dir, Göttin der Liebe, soll mein Lied ertönen!
Gesungen laut sei jetzt dein Preis von mir!
Dein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
und jedes holde Wunder stammt von dir.
Wer dich mit Glut in seinen Arm geschlossen,
was Liebe ist, kennt er, nun er allein: -
Armsel'ge, die ihr Liebe nie genossen,
zieht hin, zieht in den Berg der Venus ein!
Allgemeiner Aufbruch und Entsetzen

ALLE
Ha, der Verruchte! Fliehet ihn!
Hört es! Er war im Venusberg!

Die EDELFRAUEN
Hinweg! Hinweg aus seiner Näh'!

Sie entfernen sich in grösster Bestürzung unter Gebärden des Abscheus. Nur Elisabeth, welche dem Verlaufe des Streites in furchtbar wachsender Angst zuhörte, bleibt von den Frauen allein zurück, bleich, mit dem grössten Aufwand ihrer Kraft an einer der hölzernen Säulen des Baldachins sich aufrecht erhaltend. Der Landgraf, alle Ritter und Sänger habe ihre Sitze verlassen und treten zusammen. Tannhäuser zur äussersten Linken verbleibt noch eine Zeitlang wie in Verzückung

LANDGRAF, RITTER und SÄNGER
Ihr habt's gehört! Sein frevIer Mund
tat das Bekenntnis schrecklich kund.
Er hat der Hölle Lust geteilt,
im Venusberg hat er geweilt! -
Entsetzlich! Scheusslich! Fluchenswert!
In seinem Blute netzt das Schwert!
Zum Höllenpfuhl zurückgesandt,
sei er gefemt, sei er gebannt!

Alle stürzen mit entblössten Schwertern auf Tannhäuser ein, welcher eine trotzige Stellung einnimmt. Elisabeth wirft sich mit einem herzzerreissenden Schrei dazwischen und deckt Tannhäuser mit ihrem Leibe

ELISABETH
Haltet ein! -

Bei ihrem Anblick halten alle in grösster Betroffenheit an

LANDGRAF, RITTER und SÄNGER
Was seh' ich? Wie, Elisabeth!
Die keusche Jungfrau für den Sünder?

ELISABETH
Zurück! Des Todes achte ich sonst nicht!
Was ist die Wunde eures Eisens gegen
den Todesstoss, den ich von ihm empfing?

LANDGRAF, RITTER und SÄNGER
Elisabeth! Was muss ich hören?
Wie liess dein Herz dich so betören,
von dem die Strafe zu beschwören,
der auch so furchtbar dich verriet?

ELISABETH
Was liegt an mir? Doch er, - sein Heil!
Wollt ihr sein ewig Heil ihm rauben?

LANDGRAF, RITTER und SÄNGER
Verworfen hat er jedes Hoffen,
niemals wird ihm des Heils Gewinn!
Des Himmels Fluch hat ihn getroffen;
in seinen Sünden fahr' er hin!
Sie dringen von neuem auf Tannhäuser ein.

ELISABETH
Zurück von ihm! Nicht ihr seid seine Richter!
Grausame! Werft von euch das wilde Schwert
und gebt Gehör der reinen Jungfrau Wort
Vernehmt durch mich, was Gottes Wille ist! -
Der Unglücksel'ge, den gefangen
ein furchtbar mächt'ger Zauber hält,
wie? sollt' er nie zum Heil gelangen
durch Reu' und Buss' in dieser Welt?
Die ihr so stark im reinen Glauben,
verkennt ihr so des Höchsten Rat?
Wollt ihr des Sünders Hoffnung rauben,
so sagt, was euch er Leides tat?
Seht mich, die Jungfrau, deren Blüte
mit einem jähen Schlag er brach, -
die ihn geliebt tief im Gemüte,
der jubelnd er das Herz zerstach: -
Ich fleh' für ihn, ich flehe für sein Leben,
zur Busse lenk' er reuevoll den Schritt!
Der Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben,
dass auch für ihn einst der Erlöser litt!

TANNHÄUSER
nach und nach von der Höhe seiner Aufregung und seines Trotzes herabgesunken, durch Elisabeths Fürsprache auf das heftigste ergriffen, sinkt in Zerknirschung zusammen
Weh! Weh mir Unglücksel'gem!

LANDGRAF, RITTER und SÄNGER
allmählich beruhigt und gerührt
Ein Engel stieg aus lichtem Äther,
zu künden Gottes heil'gen Rat. -
Blick hin, du schändlicher Verräter,
werd inne deine Missetat!
Du gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben;
wer bliebe rauh, hört er des Engels Flehn?
Darf ich auch nicht dem Schuldigen vergeben
dem Himmels-Wort kann ich nicht widerstehn.

TANNHÄUSER
Zum Heil den Sündigen zu führen,
die Gott-Gesandte nahte mir:
doch, ach! sie frevelnd zu berühren
hob ich den Lästerblick zu ihr!
O du, hoch über diesen Erdengründen,
die mir den Engel meines Heils gesandt,
erbarm dich mein, der ach! so tief in Sünden
schmachvoll des Himmels Mittlerin verkannt!

LANDGRAF
nach einer Pause
Ein furchtbares Verbrechen ward begangen: -
es schlich mit heuchlerischer Larve sich
zu uns der Sünde fluchbeladner Sohn. -
Wir stossen dich von uns, - bei uns darfst du
nicht weilen; schmachbefleckt ist unser Herd
durch dich, und dräuend blickt der Himmel selbst
auf dieses Dach, das dich zu lang' schon birgt.
Zur Rettung doch vor ewigem Verderben
steht offen dir ein Weg: von mir dich stossend,
zeig' ich ihn dir: - nütz ihn zu deinem Heil! -
Versammelt sind aus meinen Landen
bussfert'ge Pilger, stark an Zahl:
die ält'ren schon voran sich wandten,
die jüng'ren rasten noch im Tal.
Nur um geringer Sünde willen
ihr Herz nicht Ruhe ihnen lässt,
der Busse frommen Drang zu stillen
ziehn sie nach Rom zum Gnadenfest.

LANDGRAF, RITTER und SÄNGER
Mit ihnen sollst du wallen
zur Stadt der Gnadenhuld,
im Staub dort niederfallen
und büssen deine Schuld!
Vor ihm stürz dich darnieder,
der Gottes Urteil spricht;
doch kehre nimmer wieder,
ward dir sein Segen nicht!
Musst' unsre Rache weichen,
weil sie ein Engel brach:
dies Schwert wird dich erreichen,
harrst du in Sünd und Schmach!

ELISABETH
Lass hin zu dir ihn wallen,
du Gott der Gnad' und Huld!
Ihm, der so tief gefallen,
vergib der Sünden Schuld!
Für ihn nur will ich flehen,
mein Leben sei Gebet;
lass ihn dein Leuchten sehen
eh' er in Nacht vergeht!
Mit freudigem Erbeben
lass dir ein Opfer weihn!
Nimm hin, o nimm mein Leben:
nicht nenn' ich es mehr mein!

TANNHÄUSER
Wie soll ich Gnade finden,
wie büssen meine Schuld?
Mein Heil sah ich entschwinden,
mich flieht des Himmels Huld.
Doch will ich büssend wallen,
zerschlagen meine Brust,
im Staube niederfallen, -
Zerknirschung sei mir Lust:
o, dass nur er versöhnet,
der Engel meiner Not,
der sich, so frech verhöhnet,
zum Opfer doch mir bot!

GESANG DER JÜNGEREN PILGER
aus dem Tale heraufschallend
Am hohen Fest der Gnadenhuld
in Demut sühnet eure Schuld!
Gesegnet wer im Glauben treu:
er wird erlöst durch Buss' und Reu'.

Alle haben innegehalten und mit Rührung dem Gesange zugehört

TANNHÄUSER
dessen Züge von einem Strahle schnell erwachter Hoffnung erleuchtet werden, eilt ab mit dem Rufe:
Nach Rom!

ALLE
ihm nachrufend
Nach Rom!

Der Vorhang fällt schnell

DRITTER AUFZUG

ERSTE SZENE
Tal vor der Wartburg, links der Hörselberg, - wie am Schlusse der ersten Aufzugs, nur in herbstlicher Färbung. Der Tag neigt neigt sich zum Abend. Auf dem kleinen Bergvorsprunge rechts, vor dem Marienbilde, liegt Elisabeth in brünstigem Gebete dahingestreckt. Wolfram kommt links von der waldigen Höhe herab. Auf halber Höhe hält er an, als er Elisabeth gewahrt

WOLFRAM
Wohl wusst' ich hier sie im Gebet zu finden,
wie ich so oft sie treffe, wenn ich einsam
aus wald'ger Höh' mich in das Tal verirre. -
Den Tod, den er ihr gab, im Herzen,
dahingestreckt in brünst'gen Schmerzen,
fleht für sein Heil sie Tag und Nacht: -
o heil'ger Liebe ew'ge Macht! -
Von Rom zurück erwartet sie die Pilger, -
schon fällt das Laub, die Heimkehr steht bevor: -
kehrt er mit den Begnadigten zurück?
Dies ist ihr Fragen, dies ihr Flehen, -
ihr Heil'gen, lasst erfüllt es sehen!
Bleibt auch die Wunde ungeheilt, -
o, würd' ihr Lindrung nur erteilt!

Als er weiter hinabsteigen will, vernimmt er aus der Ferne den Gesang der älteren Pilger sich nähern; er hält abermals an

ELISABETH
erhebt sich, dem Gesange lauschend
Dies ist ihr Sang, - sie sind's, sie kehren heim!
Ihr Heil'gen, zeigt mir jetzt mein Amt,
dass ich mit Würde es erfülle!

WOLFRAM
während der Gesang sich langsam nähert
Die Pilger sind's, - es ist die fromme Weise,
die der empfangnen Gnade Heil verkündet. -
O Himmel, stärke jetzt ihr Herz
für die Entscheidung ihres Lebens!

GESANG DER ÄLTEREN PILGER
mit welchem diese anfangs aus der Ferne sich nähern, dann von dem Vordergrunde rechts her die Bühne erreichen, und das Tal entlang der Wartburg zu ziehen, bis sie hinter dem Bergvorsprunge im Hintergrunde verschwinden
Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen,
und grüssen froh deine lieblichen Auen;
nun lass' ich ruhn den Wanderstab,
weil Gott getreu ich gepilgert hab'.
Durch Sühn' und Buss' hab' ich versöhnt
den Herren, dem mein Herze frönt,
der meine Reu' mit Segen krönt,
den Herren, dem mein Lied ertönt.
Der Gnade Heil ist dem Büsser beschieden,
er geht einst ein in der Seligen Frieden!
Vor Höll' und Tod ist ihm nicht bang,
drum preis' ich Gott mein Lebelang.
Halleluja in Ewigkeit!
Halleluja in Ewigkeit!

Elisabeth hat von ihrem erhöhten Standpunkte herab mit grosser Aufregung unter dem Zuge der Pilger nach Tannhäuser geforscht. - Der Gesang verhallt allmählich; - die Sonne geht unter

ELISABETH
in schmerzlicher, aber ruhiger Fassung
Er kehret nicht zurück!
Sie senkt sich mit grosser Feierlichkeit auf die Knie
Allmächt'ge Jungfrau, hör mein Flehen!
Zu dir, Gepriesne, rufe ich!
Lass mich im Staub vor dir vergehen,
o, nimm von dieser Erde mich!
Mach, dass ich rein und engelgleich
eingehe in dein selig Reich! -
Wenn je, in tör'gem Wahn befangen,
mein Herz sich abgewandt von dir -
wenn je ein sündiges Verlangen,
ein weltlich Sehnen keimt' in mir -
so rang ich unter tausend Schmerzen,
dass ich es töt' in meinem Herzen!
Doch, konnt'ich jeden Fehl nicht büssen,
so nimm dich gnädig meiner an,
dass ich mit demutsvollem Grüssen
als würd'ge Magd dir nahen kann:
um deiner Gnaden reichste Huld
nur anzuflehn für seine Schuld! -

Sie verbleibt eine Zeitlang mit verklärtem Gesicht gen Himmel gewendet; als sie sich dann langsam erhebt, erblickt sie Wolfram, welcher sich genähert und sie mit inniger Rührung beobachtet hat. - Als er sie anreden zu wollen scheint, macht sie ihm eine Gebärde, dass er nicht sprechen möge

WOLFRAM
Elisabeth, dürft' ich dich nicht geleiten?

Elisabeth drückt ihm abermals durch Gebärden aus, - sie danke ihm und seiner treuen Liebe aus vollem Herzen; ihr Weg führe sie aber gen Himmel, wo sie ein hohes Amt zu verrichten habe; er solle sie daher ungeleitet gehen lassen, ihr auch nicht folgen. - Sie geht langsam auf dem Bergwege, auf welchem sie noch lange in der Entfernung gesehen wird, der Wartburg zu


ZWEITE SZENE

WOLFRAM
ist zurückgeblieben; er hat Elisabeth lange nachgesehen, setzt sich links am Fusse des Talhügels nieder,
ergreift die Harfe, und beginnt nach einem Vorspiele


Wie Todesahnung Dämmrung deckt die Lande,
umhüllt das Tal mit schwärzlichem Gewande;
der Seele, die nach jenen Höhn verlangt,
vor ihrem Flug durch Nacht und Grausen bangt: -
da scheinest du, o lieblichster der Sterne,
dein sanftes Licht entsendest du der Ferne;
die nächt'ge Dämmrung teilt dein lieber Strahl,
und freundlich zeigst den Weg du aus dem Tal. -

O du, mein holder Abendstern,
wohl grüsst' ich immer dich so gern:
vom Herzen, das sie nie verriet,
grüss sie, wenn sie vorbei dir zieht,
wenn sie entschwebt dem Tal der Erden,
ein sel'ger Engel dort zu werden!


DRITTE SZENE
Es ist Nacht geworden. - Tannhäuser tritt auf. Er trägt zerrissene Pilgerkleidung, sein Antlizt ist bleich und entstellt; er wankt matten Schrittes an seinem Stabe

TANNHÄUSER
Ich hörte Harfenschlag - wie klang er traurig!
Der kam wohl nicht von ihr. -

WOLFRAM
Wer bist du, Pilger, der du so einsam wanderst?

TANNHÄUSER
Wer ich bin?
Kenn' ich doch dich recht gut; - Wolfram bist du,
der wohlgeübte Sänger.

WOLFRAM
Heinrich! Du?
Was bringt dich her in diese Nähe? Sprich!
Wagst du es, unentsündigt wohl den Fuss
nach dieser Gegend herzulenken?

TANNHÄUSER
Sei ausser Sorg', mein guter Sänger! -
Nicht such' ich dich noch deiner Sippschaft einen.
Doch such' ich wen, der mir den Weg wohl zeige,
den Weg, den einst so wunderleicht ich fand --

WOLFRAM
Und welchen Weg?

TANNHÄUSER
mit unheimlicher Lüsternheit
Den Weg zum Venusberg!

WOLFRAM
Entsetzlicher! Entweihe nicht mein Ohr!
Treibt es dich dahin?

TANNHÄUSER
Kennst du wohl den Weg?

WOLFRAM
Wahnsinn'ger! Grauen fasst mich, hör' ich dich!
Wo warst du? Sag, zogst du denn nicht nach Rom?

TANNHÄUSER
wütend
Schweig mir von Rom!

WOLFRAM
Warst nicht beim heil'gen Feste?

TANNHÄUSER
Schweig mir von ihm!

WOLFRAM
So warst du nicht? - Sag, ich beschwöre dich!

TANNHÄUSER
nach einer Pause, wie sich besinnend, mit schmerzlichem Ingrimm
Wohl war auch ich in Rom. -

WOLFRAM
So sprich! Erzähle mir, Unglücklicher!
Mich fasst ein tiefes Mitleid für dich an.

TANNHÄUSER
nachdem er Wolfram lange mit gerührter Verwunderung betrachtet hat
Wie sagst du, Wolfram? Bist du nicht mein Feind?

WOLFRAM
Nie war ich es, so lang' ich fromm dich wähnte! -
Doch sprich! Du pilgertest nach Rom?

TANNHÄUSER
Wohl denn!
Hör an! Du,Wolfram, du sollst es erfahren.
Er lässt sich erschöpft am Fusse des vorderen Bergvorsprunges nieder. Wolfram will sich an seiner Seite niedersetzen
Bleib fern von mir! Die Stätte, wo ich raste,
ist verflucht. - Hör an, Wolfram, hör an!
Wolfram bleibt in geringer Entfernung vor Tannhäuser stehen
Inbrunst im Herzen, wie kein Büsser noch
sie je gefühlt, sucht' ich den Weg nach Rom.
Ein Engel hatte, ach! der Sünde Stolz
dem Übermütigen entwunden: -
für ihn wollt' ich in Demut büssen,
das Heil erflehn, das mir verneint,
um ihm die Träne zu versüssen,
die er mir Sünder einst geweint! -
Wie neben mir der schwerstbedrückte Pilger
die Strasse wallt', erschien mir allzuleicht: -
betrat sein Fuss den weichen Grund der Wiesen,
der nackten Sohle sucht' ich Dorn und Stein;
liess Labung er am Quell den Mund geniessen,
sog ich der Sonne heisses Glühen ein; -
wenn fromm zum Himmel er Gebete schickte,
vergoss mein Blut ich zu des Höchsten Preis; -
als das Hospiz die Wanderer erquickte,
die Glieder bettet' ich in Schnee und Eis: -
verschlossnen Aug's, ihr Wunder nicht zu schauen,
durchzog ich blind Italiens holde Auen: -
ich tat's, - denn in Zerknirschung wollt' ich büssen,
um meines Engels Tränen zu versüssen! - -
Nach Rom gelangt' ich so zur heil'gen Stelle,
lag betend auf des Heiligtumes Schwelle; -
der Tag brach an: - da läuteten die Glocken,
hernieder tönten himmlische Gesänge;
da jauchzt' es auf in brünstigem Frohlocken,
denn Gnad' und Heil verhiessen sie der Menge.
Da sah ich ihn, durch den sich Gott verkündigt,
vor ihm all Volk im Staub sich niederliess;
und Tausenden er Gnade gab, entsündigt
er Tausende sich froh erheben hiess. -
Da naht' auch ich; das Haupt gebeugt zur Erde,
klagt' ich mich an mit jammernder Gebärde
der bösen Lust, die meine Sinn' empfanden,
des Sehnens, das kein Büssen noch gekühlt;
und um Erlösung aus den heissen Banden
rief ich ihn an, von wildem Schmerz durchwühlt. -
Und er, den so ich bat, hub an: -
«Hast du so böse Lust geteilt,
dich an der Hölle Glut entflammt,
hast du im Venusberg geweilt:
so bist nun ewig du verdammt!
Wie dieser Stab in meiner Hand
nie mehr sich schmückt mit frischem Grün,
kann aus der Hölle heissem Brand
Erlösung nimmer dir erblühn!» - -
Da sank ich in Vernichtung dumpf darnieder,
die Sinne schwanden mir. - Als ich erwacht,
auf ödem Platze lagerte die Nacht, -
von fern her tönten frohe Gnadenlieder. -
Da ekelte mich der holde Sang, -
von der Verheissung lügnerischem Klang,
der eiseskalt mir durch die Seele schnitt,
trieb Grausen mich hinweg mit wildem Schritt. -
Dahin zog's mich, wo ich der Wonn' und Lust
so viel genoss an ihrer warmen Brust! -
Zu dir, Frau Venus, kehr' ich wieder,
in deiner Zauber holde Nacht;
zu deinem Hof steig' ich darnieder,
wo nun dein Reiz mir ewig lacht!

WOLFRAM
Halt ein! Halt ein, Unseliger!

TANNHÄUSER
Ach, lass mich nicht vergebens suchen, -
wie leicht fand ich doch einstens dich!
Du hörst, dass mir die Menschen fluchen, -
nun, süsse Göttin, leite mich!

WOLFRAM
Wahnsinniger, wen rufst du an?
Leichte Nebel hüllen allmählich die Szene ein.

TANNHÄUSER
Ha! fühlest du nicht milde Lüfte?

WOLFRAM
Zu mir! Es ist um dich getan!

TANNHÄUSER
Und atmest du nicht holde Düfte?
Hörst du nicht die jubelnde Klänge?

WOLFRAM
In wildem Schauer bebt die Brust!

TANNHÄUSER
Das ist der Nymphen tanzende Menge! -
Herbei, herbei zu Wonn' und Lust!

Eine rosige Dämmerung beginnt die Nebel zu durchleuchten; durch sie gewahrt man wirre Bewegungen tanzender Nymphen

WOLFRAM
Weh, böser Zauber tut sich auf!
Die Hölle naht in wildem Lauf.

TANNHÄUSER
Entzücken dringt durch meine Sinne,
gewahr' ich diesen Dämmerschein;
dies ist das Zauberreich der Minne,
im Venusberg drangen wir ein!

In heller, rosiger Beleuchtung wird Venus, auf einem Lager ruhend, sichtbar

VENUS
Willkommen, ungetreuer Mann!
Schlug dich die Welt mit Acht und Bann?
Und findest nirgends du Erbarmen,
suchst Liebe nun in meinen Armen?

TANNHÄUSER
Frau Venus, o, Erbarmungsreiche
Zu dir, zu dir zieht es mich hin!

WOLFRAM
Du Höllenzauber, weiche, weiche!
Berücke nicht des Reinen Sinn!

VENUS
Nahst du dich wieder meiner Schwelle,
sei dir dein Übermut verziehn;
ewig fliesst dir der Freuden Quelle,
und nimmer sollst du von mir fliehn!

TANNHÄUSER
Mein Heil, mein Heil hab'ich verloren,
nun sei der Hölle Lust erkoren!

WOLFRAM
ihn heftig zurückhaltend
Allmächt'ger, steh dem Frommen bei!
Heinrich, - ein Wort, es macht dich frei -:
dein Heil -!

VENUS
Zu mir!

TANNHÄUSER
zu Wolfram
Lass ab von mir!

VENUS
O komm! Auf ewig sei nun mein!

WOLFRAM
Noch soll das Heil dir Sünder werden!

TANNHÄUSER
Nie, Wolfram, nie! Ich muss dahin!

WOLFRAM
Ein Engel bat für dich auf Erden -
bald schwebt er segnend über dir:
Elisabeth!

TANNHÄUSER
der sich soeben von Wolfram losgerissen, bleibt, wie von einem heftigen Schlage gelähmt, an die Stelle geheftet
Elisabeth!

MÄNNERGESANG
aus dem Hintergrunde
Der Seele Heil, die nun entflohn
dem Leib der frommen Dulderin!

WOLFRAM
nach dem ersten Eintritt des Gesanges
Dein Engel fleht für dich an Gottes Thron, -
er wird erhört! Heinrich, du bist erlöst!

VENUS
Weh! Mir verloren!

Sie verschwindet, und mit ihr die ganze zauberische Erscheinung. Das Tal, vom Morgenrot erleuchtet, wird wieder sichtbar; von der Wartburg her geleitet ein Trauerzug einen offenen Sarg

MÄNNERGESANG
Ihr ward der Engel sel'ger Lohn,
himmlischer Freuden Hochgewinn.

WOLFRAM
Tannhäuser in den Armen sanft umschlossen haltend
Und hörst du diesen Gesang?

TANNHÄUSER
Ich höre!

Von hier an betritt der Trauerzug die Tiefe des Tales, die älteren Pilger voran; den offenen Sarg mit der Leiche Elisabeths tragen Edle, der Landgraf und die Sänger geleiten ihn zur Seite, Grafen und Edle folgen

MÄNNERGESANG
Heilig die Reine, die nun vereint
göttlicher Schar vor dem Ewigen steht!
Selig der Sünder, dem sie geweint,
dem sie des Himmels Heil erfleht!

Auf Wolframs Bedeuten ist der Sarg in der Mitte der Bühne niedergesetzt worden. Wolfram geleitet Tannhäuser zu der Leiche, an welcher dieser niedersinkt

TANNHÄUSER
Heilige Elisabeth, bitte für mich!
Er stirbt

DIE JÜNGEREN PILGER
auf dem vorderen Bergvorsprung einherziehend
Heil! Heil! Der Gnade Wunder Heil!
Erlösung ward der Welt zuteil!
Es tat in nächtlich heil'ger Stund'
der Herr sich durch ein Wunder kund:
den dürren Stab in Priesters Hand
hat er geschmückt mit frischem Grün:
dem Sünder in der Hölle Brand
soll so Erlösung neu erblühn!
Ruft ihm es zu durch alle Land',
der durch dies Wunder Gnade fand!
Hoch über aller Welt ist Gott,
und sein Erbarmen ist kein Spott!
Halleluja! Halleluja!
Halleluja!

ALLE
in höchster Ergriffenheit
Der Gnade Heil ist dem Büsser beschieden,
er geht nun ein in der Seligen Frieden!

Der Vorhang fällt

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