Der Vogelhändler

Der Vogelhändler

Operette in drei Akten

Libretto

Moritz West und Ludwig Held

Uraufführung

10. Januar 1891, Wien (Theater an der Wien)

Besetzung

KURFÜRSTIN MARIE (Sopran)
BARONIN ADELAIDE, Hofdame (Mezzosopran)
BARON WEPS, kurfürstlicher Wald- und Wildmeister (Bariton
GRAF STANISLAUS, Gardeoffizier, sein Neffe (Tenor)
SÜFFLE und WÜRMCHEN, Zoologieprofessoren (Tenorr und Bariton)
ADAM, Vogelhändler aus Tirol (Tenor)
DIE BRIEFCHRISTEL (Sopran)
SCHNECK, Dorfschulze (Bariton)
JETTE, Kellnerin (Sprechrolle)

CHOR
Landvolk - Damen und Herren am Hof
Jäger und Bauern - Mädchen und Burschen

Ort

In der Pfalz

Zeit

Anfang des 19. Jahrhunderts

Zeller, Carl

Zeller, Carl (Johann Adam)
19.6.1842 St. Peter-in-der-Au - 17.8.1898 Baden, (Wien)


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Joconde (18.3.1876 Wien)
Die Fornarina (1878 München)
Capitän Nicoll, oder Die Carbonari (27.10.1880 Wien)
Der Vagabund (30.10.1886 Wien)
Der Vogelhändler (10.1.1891 Wien)
Der Obersteiger (5.1.1894 Wien)
Der Kellermeister (21.12.1901 Wien) [+ Brandl]

ERSTER AKT
Der Kurfürst hat sich zur Jagd angesagt und dadurch seinem Wildmeister, Baron Weps, einen gewaltigen Schrecken eingejagt. Die Bauern haben alle Wildsäue in weitem Umkreis gewildert, und gerade eine Wildsau wünscht der Kurfürst zu jagen. - Weps, der Geld nötig hat, lässt sich durch ein hohes Schweigegeld von den verängstigten Bauern bestechen, statt einer Wildsau eine zahme im Walde auszusetzen. Auch willigt er ein, dass des Dorfschulzen Tochter Emmerenzia den Kurfürsten als Ehrenjungfrau begrüssen darf. Aber der Fürst sagt plötzlich die Jagd ab. Weil Weps die Schweigegelder gerne behalten möchte, bittet er seinen Neffen Stanislaus - der ihn gerade ordentlich angepumpt hat -, die Rolle des Kurfürsten zu spielen, den hier niemand kennt. - Nach langer Abwesenheit kommt der Vogelhändler Adam in die Heimat zurück. Er freut sich gewaltig, seine Braut, die »Briefchristel«, wiederzusehen. Briefchristel heisst sie, weil sie im Dorf die Postbotenstelle innehat. In der Wirtschaft trifft Adam die Kurfürstin Maria, die dort mit ihrer Hofdame Adelaide unerkannt als »Pfälzermädchen« auf den jagdeifrigen Kurfürsten wartet. Adam macht der hübschen Maria den Hof, Adelaide aber drängt zum Aufbruch. Da kommt Christel hinzu und zeigt Adam eine Bittschrift, die sie dem Kurfürsten überreichen will und in der sie ihn für ihren Liebsten um die Stelle eines Menageriedirektors bittet. Adam will davon nichts wissen, er hat Angst um seine Christel, da der Kurfürst als arger Schürzenjäger bekannt ist. Als aber die Bauern mit dem falschen Kurfürsten von der Jagd heimkommen, übergibt Christel diesem doch ihr Bittgesuch und erhält es bewilligt. Strahlend eilt sie mit der guten Botschaft zu ihrem Adam, aber er zerreisst die Bestallungsurkunde, denn er glaubt, Christel habe sie, durch Untreue erworben. Die Kurfürstin eilt gespannt in den Gartenpavillon, in dem der angebliche Kurfürst sein soll, findet ihn aber leer. Stanislaus hat sich aus dem Staube gemacht.

ZWEITER AKT
Die Stelle des Menageriedirektors soll besetzt werden. Man bietet sie Adam an, aber er schlägt sie aus, da er immer noch vermutet, dass man sie ihm wegen seiner Christel übertragen will. Erst als er hört, dass die Kurfürstin selbst ihn vorgeschlagen hat, nimmt er den Posten mit Vergnügen an. -Der leichtsinnige Stanislaus hat wieder Schulden gemacht. Weps kann ihn und sich nur dadurch vor dem Ruin retten, dass er den Vorschlag der Hofdame Adelaide annimmt, die sich bereit erklärt, Stanislaus zu heiraten und seine Schulden zu bezahlen. Stanislaus erscheint also am kurfürstlichen Hof, wird aber hier von Christel erkannt. Sie läuft sogleich zur Kurfürstin und sagt ihr, sie habe den Kurfürsten gesehen. Da der Kurfürst aber verreist ist, erkennt Maria, dass hier ein Betrug vorliegt. Mit Christels Hilfe wird Stanislaus überführt. Adam soll im Auftrag der Kurfürstin seine Strafe bestimmen. Da er immer noch glaubt, Christel habe ihn betrogen, bestimmt er, Stanislaus müsse Christel heiraten.

DRITTER AKT
Doch nun erlebt Adam, wie sich Christel im Gefühl ihrer Unschuld empört weigert. Er erkennt, dass sie ihm treu blieb, und schliesst sie als seine Braut in die Arme. Adelaide bekommt ihren Stanislaus - und Stanislaus ihr Geld.


--> OPER "in nuce"

Personen:
KURFÜRSTIN MARIE
BARONIN ADELAIDE, Hofdame
COMTESSE MIMI, Hofdame
BARON WEPS, kurfürstlicher Wald- und Wildmeister
GRAF STANISLAUS, Gardeoffizier, sein Neffe
SÜFFLE und WÜRMCHEN, Zoologieprofessoren
ADAM, Vogelhändler aus Tirol
DIE BRIEFCHRISTEL
SCHNECK, Dorfschulze
EMMERENZ, seine Tochter
NEBEL, Wirtin
JETTE, Kellnerin
GUENDEL, Hoflakai
EGYDI, ein Tiroler

CHOR
Landvolk - Damen und Herren am Hof
Jäger und Bauern - Mädchen und Burschen



ERSTER AKT

Introduktion


CHOR
Hurra! Nur her
Die Gewehr'!
Welche Lust gewährt die Jagd,
Die man im Geheimen wagt!
Gilt's dem fürstlichen Pläsir!
Mit der Büchse fein und sacht
Schleichen wir hinaus bei Nacht;
Jeder holt sich seinen Teil-
Waidmanns Heil!

EIN BAUER
Wer als Wildschütz' wird entdeckt,
Der wird sicher ins Loch gesteckt!

EIN ANDERER
Bah! Das Erwischen ist zu schwer,
Durchlaucht selbst kommt nie hierher!

EIN BAUER
Doch seiner Durchlaucht Jäger sind
Hinter dem Wilddieb her geschwind!

ALLE
Seine Jäger, faul und dumm,
Führen wir an der Nase herum!

EINER
D'Büchsen bergen wir da im Fass -
Noch kam kein Förster auf den Spass!

EIN ANDERER
Schiesspulver tragen wir im Sack,
In Dosen; grad wie Schnupftabak!

ALLE
So wird kein Wildschütz attrappiert.

EINER
Höchstens, wenn er explodiert!

ALLE
Haha! Hurrah!
Welche Lust gewährt die Jagd, usw.
Kommt nun hinaus! Kommt!
Waldmanns Heil!

SCHNECK
Halt! Halt! Halt!

CHOR
Der Schulze? Und käsebleich?
Der Schulze? - Was gibt's mit Euch

SCHNECK
Schnell die Büchsen hier ins Fass!

CHOR
Warum?

SCHNECK
Fragt nicht lang; es ist kein Spass!

ALLE
So redet doch, warum?

SCHNECK
Mir klappern alle Beine -
Hofjagd auf wilde Schweine -
Durchlaucht ist selber hier!

ALLE
Durchlaucht ist selber hier?

SCHNECK
Kein Wildschwein mehr vorhanden -
Wir schossen sie zu schanden-
Nicht eins mehr im Revier-
Oh Gott, was tun?

ALLE
Kein Wildschwein im Revier!
Nicht eines -
Kein grosses, kein kleines,
Nicht eines!
Und Durchlaucht hier?
Oh weh! Was machen wir?

SCHNECK
Fort, so lang' noch Zeit!

ALLE
Ja, ja! - - Nein, nein.

SCHNECK
Fort! Euch rasch zerstreut!

EINER
Das sind nur Schreckenberger;
Ihr macht stets alles ärger-
Ihr kennt ja Durchlaucht nicht.

SCHNECK
Doch seinen Jägermeister,
Den Baron Weps, so heisst er -
Den habe ich geseh'n.

ALLE
So habt Ihr ihn geseh'n,
Den Schlucker voll Schulden?
Der geniert uns nicht!

WEPS
Ha! Füchse in der Falle!
Jetzt hab' ich Euch alle!
Keiner mir entwischt.

ALLE
Der Jägermeister ist's!

WEPS
Ihr habt gestohlen niederträchtig.
Früher war der Saustand prächtig.
Und jetzt kaum ein Soloschwein;
Da schlag' doch gleich der Deixel drein!
Durchlaucht muss eine Wildsau schiessen,
Sonst werd' furchtbar ich verrissen -
Pfutsch wär' meine Jägerehr:
Drum schafft sofort ein Wildschwein her!

SCHNECK
Ach, es gibt in der Gemeine
Nurmehr zahme Schweine;
Die bieten wir Euch an
Demütig im Vereine.

CHOR
Ach, nehmt es!

WEPS
Ein Wildschwein!

SCHNECK
Muss es grad ein wildes sein?

CHOR
O weh!

SCHNECK
Jekus! Jekus! Das ist schwer.
Wo nimmt man gleich Wildschwein' her?
Alle sind verschossen schon-
Exzellenz -Pardon! Pardon!

CHOR
Jekus! Jekus! Das ist schwer, usw.

WEPS
Pardon?
Ich soll Euch Diebe pardonnieren?

CHOR
Ja, ja!

WEPS
Nein, ich werde rapportieren!

CHOR
Nein, nein!

WEPS
Man wird Euch kujonieren!

CHOR
Ja, ja!

WEPS
Glaubet Ihr, ich lass' mich rühren?

CHOR
Nein, nein, Exzellenz!

WEPS
Glaubt Ihr gar, ich lass' mich schmieren?

CHOR
Gnade!

WEPS
Jamais! Niemals!

CHOR
Gnade Exzellenz! - -

WEPS
Eigentlich, eigentlich
Hat das Ferkel was für sich
Und vermitteln will ich schon -
Aber haben muss ich was davon!

CHOR
Eigentlich, eigentlich
Hat das Ferkel was für sich
Und vermitteln will er schon -
Aber haben muss er was davon!

WEPS
Hört weiter nun; Ihr Hundeseelen!
Durchlaucht geruhte zu befehlen,
Dass ihm ein hübsch Gemeindekind
Einen Strauss überreich' zum Angebind'!
Ich werd' zur Audienz sie bringen.
Kann sie des Fürsten Huld erringen,
Wird er eine Mitgift ihr verleih'n;
Aber sauber muss die Jungfrau sein!

SCHNECK
Jungfrau'n gibt's in der Gemeine
Leider nur ganz kleine.
Darf's denn keine Witwe sein?
Die hätten wir sehr feine!

CHOR
Sehr feine.

WEPS
Eine Jungfrau!

SCHNECK
Darf's keine Witwe sein?

CHOR
O weh!

SCHNECK
Jekus! Jekus, das ist schwer!
Wo nimmt man gleich Jungfrau'n her?
Alle sind vergeben schon-
Exzellenz - Pardon! Pardon!

CHOR
Jekus! Jekus! Das ist schwer, usw.
Gnade! Exzellenz! - -

WEPS
Eigentlich, eigentlich
Hat die Witwe was für sich;
Und vermitteln will ich schon -
Aber haben muss ich was davon!

CHOR
Eigentlich, eigentlich
Hat die Witwe was für sich, usw.


Adams Entrée
Tiroler Chor


CHOR
Grüss' Euch Gott, alle miteinander!
Wir sind g'sund wieder auf der Wander.
Kommen grad' aus dem Landel 'raus
Geh'n um d'Welt und drüber 'naus.
Alles hört gern die Zither schlagen,
Tut nach goldenen Vögeln fragen;
Sind schon da, alle Kraxen voll,
Fromm dressiert, alle aus Tirol!
Grüss Euch Gott, usw.

BAUERN
Wo habt Ihr denn den Adam?
Den lustigen Patron?

TIROLER
Den Adam? Schaut her -
Da kommt er schon!

ADAM
Grüss' Euch Gott -

CHOR
Alle miteinander!

ADAM
Ich bin g'sund -

CHOR
Wieder auf der Wander.

ADAM
Schaut's Euch meine Vögel an.
Lasst's mich was verdienen d'ran,
Grüne, gelbe, grosse, kleine,
Aber lauter superfeine.
Die hab'n mehr studiert als Ihr -
Die Dressur hab'ns ja von mir.
Ich gib's her, alle miteinander,
Wie's da sind, die Weiber und die Mander.
Nur gut zahl'n!
Jetzt sind sie wohl noch still,
Doch nur so lang ich will;
Dann fang ich z'locken an,
Pfeift jeder, was er kann!
Passt nur auf- - - Tirili - - -

CHOR
Bravo! Das macht doch nur
Deine Dressur!

ADAM
Flix, flux, flax, Florian!
Fragt, woher's der Vogel kann.
Dass die Dinger so begreifen,
Und die schwersten Jodler pfeifen,
Flix, flux, flax, Florian,
Und dass man's kann!
So ein Vogel hat
Mucken desperat;
Stellt zu Fleiss sich dumm
Beim Exerzitium.
Trotzt er mir zu keck,
Trag' ich's Futter weg.
's Wasser fort,
Lass ihn hocken dort!
Ah, das wirkt!
Wie beim Vogel geht's
Auch beim Mädel stets.
Woll'n sie Euch sekkieren,
Nur gleich fest dressieren.
Ich hab' noch eine jede g'richt't.
Nur eine einzige nicht-
Nur eine nicht!

CHOR
Ah, die Christel!

ADAM
Wenn ich auf Gottes Erden
Mir auch alle Vögel fang'
Fehlt mir just das eine Täuberl
Nach dem ich am meisten verlang'
Mit ihrem Haubenschöpferl,
Mit ihrem lieben Kröpferl,
Mit dem Halserl schneerieserlweiss
Tut's nach andern gucken,
Hat für mich nur Mucken,
Macht den Kopf mir gar heiss.
Ich muss das Täuberl fangen,
Ich halt's nicht aus, die Qual;
Drum will ich's heut versuchen
Zum allerletzten Mal!
Doch sollt' sie wieder trutzen
Und grad' ihre Raupen ham - -
Dann pfeif' ich auf alle Vögel
Und schlag meine Kraxen z'samm.
Ja, dann will ich nichts mehr wissen-,
Dann, schnöde Welt, fahr' wohl;
Denn dann werd' ich Kapuziner
Dort wo hinten in Tirol!
Aber derentwegen nicht verzagen.
Ich weiss, heut' muss es geh'n.
Flix, flux, flax, Florian,
's geht ja ein' Tiroler an.
Heute muss der Fang mir glücken,
Mein wird sie, trotz aller Tücken.
Flix, flux, flax, Florian,
's geht ja ein' Tiroler an!

CHOR
Flix, flux, flax, Florian!


Duett
Weps, Stanislaus

STANISLAUS
Als dir die Welt voll Rosen hing -

WEPS
War ich ein netter Schmetterling.

STANISLAUS
Jetzt bist du wohl mehr schwärmerisch -

WEPS
Man hat das Schönste hinter sich.

STANISLAUS
Trotz alledem

WEPS
Lebt man noch immer angenehm,
Man ist gescheit,
Benützt die Zeit
Und so ein bisschen Gelegenheit.

STANISLAUS
Wärst du statt mir im Pavillon -
'
WEPS
Ich wüsst' mich zu benehmen schon.

STANISLAUS
Zuerst sagst du mehr väterlich -

WEPS
Oh fürchte nichts, mein Kind, und sprich!

STANISLAUS
Dabei wirst du als Kenner dir -

WEPS
Wohl ihr Ensemble prüfen mir -

STANISLAUS
Und wenn ihr Reiz dich übermannt -

WEPS
Und übermannt -

STANISLAUS
Dann fass't du zärtlich ihre Hand.

WEPS
Fass' ich zärtlich ihre Hand.

STANISLAUS
Streichelst huldvoll ihr das Kinn -

WEPS
Ja, ja! Das Kinn!

STANISLAUS
Und ziehst sie näher zu dir hin.

WEPS
Ja, ja, noch näher zu mir hin.

STANISLAUS
Wenn sie halb schmollt, wenn sie halb lacht -

WEPS
Ja, wenn sie lacht -

STANISLAUS
Dann ist der Anfang schon gemacht. - -
Hab' ich mir's nicht hübsch gedacht?

WEPS
Ich hätt's früher so gemacht.

STANISLAUS
Soll ich's machen so wie du?

WEPS
Der beste Weg! - Nur zu, nur zu!

BEIDE
Haha! Hehe!
Der liebe Neffe Stanislaus
Wächst sich ganz auf Onkel 'naus!


Entrée der Hofdamen und der Kurfürstin
Chor der Hofdamen


CHOR
Schnelle, kommt nur Alle!
Sie sind in der Falle.
Überraschen wir
Die Jäger im Revier.

KURFÜRSTIN
Fröhlich Pfalz -
Gott erhalt's!
Das soll stets Devise sein.
Nicht geniert,
Nachgespürt,
Wo der Jäger Stelldichein!
Wenn's gelang,
Keinen Zwang,
Klingt ein Lied,
Sing' ich mit.
Lockt der Wein,
Schenk' ich ein;
Ich bin ja ein Kind vom Rhein!

CHOR
Ja, vom Rhein.

KURFÜRSTIN
Ich liebe das Land und den Wein,
Ach, ich bin ja ein Kind vom Rhein!

CHOR
Lied und Wein -
Sie ist ja ein Kind vom Rhein!

ALLE
Heuchelei und Prüderie,
Hier bei uns flieht man sie.
Liebt die Sonne, die Freude allein,
Sonnenschein,
Hell und rein.
Lied und Wein
Hier am Rhein.

CHOR
Fröhlich Pfalz -
Gott erhalt's!

KURFÜRSTIN
Das soll stets Devise sein!

CHOR
Nicht geniert,
Nachgespürt -

KURFÜRSTIN
Wo der Jäger Stelldichein.

ALLE
Wenn's gelang,
Keinen Zwang;
Klingt ein Lied,
Singet mit.
Lockt der Wein,
Schenket ein.
Denn ich bin ja ein Kind vom Rhein.
Sie ist ja ein Kind vom Rhein!

KURFÜRSTIN
Wollen heut' den Herren
Lustig Mores lehren.
Die vor Amors Pfeilen
In die Wälder eilen;
Sollen nicht entrinnen.
Eh' sie sich besinnen
Sind sie umstellt,
Sind sie geprellt.
Mitten im Wald
Wo's Jagdhorn schallt!

CHOR
Auf! Wir wollen den Wald rasch durchstreifen.

KURFÜRSTIN
Beschleicht klug der Jäger Schar
Sie ahnen nichts von der Gefahr.

CHOR
Auf! Wir wollen sie mutig ergreifen!

KURFÜRSTIN
Fröhlich bestritten
Bis sie bitten
Uns um Pardon!

CHOR
Ha, die Frau'n -

KURFÜRSTIN
Die sind fein!

CHOR
Hier am Rhein!
Ja, wir Frauen am Rhein!
Fröhlich Pfalz -
Gott erhalt's!
Das soll stets Devise sein-
Nicht geniert,
Nachgespürt,
Wo der Jäger Stelldichein!
Wenn's gelang,
Keinen Zwang,
Klingt ein Lied.
Sing' ich mit.
Lockt der Wein,
Schenk ich ein;
Ich bin ja ein Kind vom Rhein!


Entrée Christel

CHRISTEL
Ich bin die Christel von der Post;
Klein das Salär und schmal die Kost.
Aber das macht nichts, wenn man noch jung ist -
Wenn man nicht übel, wenn man im Schwung ist.
Ohne zu klagen
Kann man's ertragen.
Wenn man dabei
Immer lustig und frei!
Bin ja die Christel von der Post!
Mein Amt ist herrlich,
Wenn auch beschwerlich.
Auf die Adresse kommt viel an;
Wenn's ein galanter,
Recht ein charmanter
Wird es fatal oft dann und wann.
Statt Rezepisse
Gäb' er gern Küsse;
Pfiffig jedoch benehm' ich mich da!
Lass 'ihn vor allem
's Porto erst zahlen.
Sage dann lachend zu ihm: ja, ja!
Einen Kuss
Wenn ich muss.
Nur nicht gleich, nicht auf der Stell'
Denn bei der Post geht's nicht so schnell'

Mein Schatz, der Adam aus Tirol,
Liebt mich unbändig, glaub's ihm wohl.
Ob er mir treu ist, will ich nicht fragen,
Dass er kein Geld hat, das kann ich sagen.
Seh' ich ihn wieder,
Pocht's mir im Mieder,
Wird mir so dumm
Und ich weiss nicht warum?
Bin halt die Christel von der Post.
Er meint es ehrlich,
Fragt unaufhörlich
Wann ich ihm folge zum Altar.
Er sagt: «Ich nehm' dich.»
Ich sage: «Schäm' dich!»
Wären doch komisch wir als Paar.
«Du hast zu wenig,
Ich keinen Pfennig-
Denke nur, wenn einst Kinder da!»
Treibt in die Enge
Mich sein Gedränge,
Sage ich lachend zu ihm: «Ja, ja!
Muss es sein,
Werd 'ich dein;
Nur nicht gleich, nicht auf der Stell',
Denn bei der Post geht's nicht so schnell!»


Terzett

CHRISTEL
Ach, Ihre Reputation
Ist just die beste nicht - Pardon!
Drum hab' ich Durchlaucht von Person
mir anders vorgestellt - Pardon!
Ein wenig übertragen schon,
Nicht sehr verführerisch - Pardon!
Ein militärisch - grober Ton.
Die Leute sagen so - Pardon!
So hab' ich Durchlaucht mir gedacht,
Das hat mir wirklich bang gemacht;
Doch kaum, dass ich gesehen sie,
Da ward mir gleich -ich weiss nicht wie!
Ach, leicht erweckt man Sympathie,
Wenn man so reizend ist wie Sie!

STANISLAUS und WEPS
Das geht ja vorderhand
Herrlich und ganz charmant
Also nur vorwärts kühn,
Immer das Ziel im Sinn;
Alle Chancen sind für dichlmich
Das weitere findet sich!

CHRISTEL
Wenn man so reizend ist wie Sie

STANISLAUS
Was soll ich dir gewähren?
Verlange ungeniert

WEPS
Du kannst schon was begehren,
Beim dem ist nichts riskiert.

CHRISTEL
Ach, meine Wünsche sind so klein,
Ich werde sehr bescheiden sein!

STANISLAUS
Wozu die Resignation
Mit diesem Feueraug'- Pardon!
Begehren kann man kühner schon
Mit diesem Kirschenmund -Pardon!
Ich gäb' ein Schloss mit Passion
Für einen Kuss von dir - Pardon!
Es wär' ja doch nur Bettlerlohn
Für eine Götterlust - Pardon!
Was auch dein Herz von mir verlang'
Um die Erfüllung sei nicht bang;
Denn seit mein Aug' gesehen dich
Könnt' zum Verschwender werden ich!
Begehren kann man immerzu,
Wenn man so reizend ist wie du!

CHRISTEL und WEPS
Das geht ja vorderhand
Herrlich und ganz charmant
Also nur vorwärts kühn, Immer
das Ziel im Sinn;
Alle Chancen sind für dich/mich
Das weitere findet sich!

STANISLAUS
Wenn man so reizend ist wie du!


Finale

CHOR
Vivat! Hoch! Hurrah!
Hurrah! Nun gilt's loyal zu sein;
Drum nur tüchtig vivat schrei'n.
Gebt acht, der Kurfürst naht sich gleich;
Beglücken wird er sicher euch.
Herbei, herbei mit frohem Schritt;
Die Frauen alle in die Mitt'!
Gebt acht, gebt acht auf die Bouquet -
Der Fürst ist in der Näh'!

SCHNECK
Die Schöne, die er wählen wird,
Dem Herrn ihr Sträusschen präsentiert,
Bestimmt für die Ovation
Ist hier im Pavillon!

MÄNNER
Welches Glück!

FRAUEN
Dieses Warten! Welche Pein!
Wer wird die Erwählte sein?

SCHNECK
Ich hab's Wort von Exzellenz:
Er wählt nur meine Emmerenz!
Hoch!

ALLE
Hoch!
Hurrah! Nun gilt's!

SCHNECK
Da kommt die Durchlaucht schon!

CHOR
Das ist ja der Baron!
Viv …

WEPS
Scht!
Liebe, treue Untertanen,
Trollt euch wieder nur von dannen,
Stellt das Vivatbrüllen ein,
Ungestört will Durchlaucht sein!
Durchlaucht nämlich ist erschienen,
Sitzt bereits huldvoll da drinnen
Und ein Mädchen, wirklich nett,
Brachte ihm schon ein Bouquet.
Ja, den Strauss im Pavillon -
Seine Durchlaucht hat ihn schon!

CHOR
Was! Den Strauss im Pavillon -
Seine Durchlaucht hat ihn schon?

SCHNECK
Ein fremdes Mädchen drängt sich ein?

CHOR
Das darf nicht sein!

SCHNECK
Sie muss heraus!

CHOR
Wir kratzen ihr die Augen aus!
Heraus mit ihr! Heraus!

WEPS
Kusch! Maul gehalten!
Keinen Muckser! Man marschier!
Man bedenk', dass seine Durchlaucht hier!

KURFÜRSTIN
Ei, der Zufall kommt gelegen,
Dass der Kurfürst schon zugegen,
Wie Sie sagen, Exzellenz,
Denn ich möcht' zur Audienz.
Will die Rosen präsentieren,
Bitte drum mich einzuführen;
Führ'n Sie mich nur still hinein!
Ich werd' wohl willkommen sein.
Ja, mein Strauss im Pavillon,
Seine Durchlaucht nimmt ihn schon.

CHOR
Was? Deinen Strauss im Pavillon,
Seine Durchlaucht nimmt ihn schon?

SCHNECK
Die Person da will hinein?

CHOR
Das darf nicht sein!

SCHNECK
Die muss hinaus!

CHOR
Wir kratzen ihr die Augen aus!
Hinaus mit ihr, hinaus!

WEPS
Kusch! -
Sie begehren Unmögliches von mir
Seine Durchlaucht ist ja gar nicht hier!

CHOR
Oho! Was soll das sein?

KURFÜRSTIN
Erst sagt Ihr ja, dann sagt Ihr nein?

CHOR
Ist Durchlaucht hier? Ja oder nein?

WEPS
Nein, nein, nein!

ADAM
Ist er noch im Pavillon?

CHOR
Wer?

ADAM
Der Verführer, der Kujon!

CHOR
Wer?

ADAM und TIROLER
Wir hauen ihm den Buckel aus!
Heraus mit ihm! Heraus!

CHOR
Wen meint Ihr?

WEPS
Was wollet Ihr beginnen?

ADAM und TIROLER
Wieso?

WEPS
Packt euch sofort von hinnen!

ADAM
Oho!

WEPS
Ihr seid ja wohl von Sinnen;
Durchlaucht ist ja drinnen!

ADAM
Der Fürst?

KURFÜRSTIN
Der Fürst?

WEPS
Der Fürst!

KURFÜRSTIN
Also doch?

ADAM
Also doch?

SCHNECK und CHOR
Der Fürst? Also doch?

ADAM
Der Fürst?

KURFÜRSTIN
Der Fürst?

WEPS
Der Fürst!

KURFÜRSTIN
Und wer noch?

ADAM
Und wer noch?

SCHNECK und CHOR
Der Fürst und wer noch?

SCHNECK
Ein Mädchen tugendsam und nett,
Von der man's sich gedacht nie hätt'
Sich gar so unverschämt benahm.
Die Christel ist's, Herr Bräutigam.

CHOR
Die Christel ist's? Herr Bräutigam!
Haha!

ADAM
Lasst mich hinein, ich fürcht mich nicht;
Ich sag's dem Fürsten ins Gesicht.

ADELAIDE
Verhütet den Skandal!

KURFÜRSTIN
Retten muss ich den Gemahl!

CHOR
Adam, geh' was liegt daran?
Passieren kann's jedermann!

ADAM
Mein Bouquet, das ich ihr eben
Als der Treue Pfand gegeben,
Das wirft die Verräterin
Treulos einem andern hin.

ADELAIDE
Ein falsches Lieb' vergisst man geschwind.

WEPS
Eine andere Mutter hat auch ein lieb's Kind.

ADAM
Lasst mich!

CHOR
Adam! Adam!

KURFÜRSTIN
Denk' nicht an's Sträusschen mehr von ihr,
Nimm' meine Rosen hier dafür.

ADAM
Marie? Marie, du hier? -
Und den Strauss, den gibst du mir? -
Schenkt man sich Rosen im Tirol,
Weisst du, was das bedeutet wohl?
Man schenkt die Rosen nicht allein
Man gibt sich selber mit auch drein!
Meinst du es so? Verstehst du mich?
Meinst du es so, dann Liebste, sprich!
Meinst du es so, dann tröste mich,
Gib mit der Rose mir auch dich!

KURFÜRSTIN
Schenkt man sich Rosen im Tirol,
Weiss man, was das bedeuten soll;
Doch trifft der Brauch nicht ein,
Wir sind am Rhein, bedenk's, am Rhein.

ADAM
Mir winket neues Liebesglück
Aus dieses Mädchens Blick.
Ja, ja, die Rosen sind mein,
Die Rosen nicht allein.

KURFÜRSTIN
Doch vielleicht bring' ich dir Glück,
Drum nehm die Rosen ich nicht zurück.
Ja, ja, die Rosen sind dein,
Doch die Rosen nur allein.

WEPS und ADELAIDE
Ich weiss nicht, was draus werden soll;
Die Geschichte wird zu toll!
Zieht sich die Fürstin nicht zurück,
Wird der Skandal noch publik!

CHOR
Schenkt man sich Rosen im Tirol,
Weiss man, was das bedeuten soll,
Er kennt sich aus, hat wirklich Glück,
Einen neuen Schatz im Augenblick.
Sie ist für ihn, es hat den Schein,
Beinah zu schön, beinah zu fein.

CHRISTEL
Adam! Adam!

CHOR
Die Christel!

CHRISTEL
Welches Glück! Als gnädiger Protektor
Zum Menagerie-Inspektor
Hat Durchlaucht dich ernannt!
Schau nur, seine eigene Hand;
Schau nur, du bist ernannt!
Die Sorgen sind verronnen,
Nun haben wir's gewonnen;
Kaum dass ich's erwarten kann
Bis wir Frau und Mann.

CHOR
Frau und Mann!

ADAM
Danke sehr!

CHOR
Frau und Mann!

ADAM
Frau und Mann, ich und du?
Danke sehr,
Nimmermehr.

CHRISTEL
Aber Schatz, du glaubst doch nicht.

ADAM
Schau mir ehrlich ins Gesicht:
Wo ist mein Bouquet?

WEPS
Ja, den Strauss im Pavillon -

CHOR
Seine Durchlaucht hat ihn schon!

CHRISTEL
Jetzt soll der Kurfürst selber her!

CHOR
Haha! Sonst gar nichts mehr!

ADAM
Sitzt er denn noch im Taubenhaus?

CHRISTEL
Lasst mich, ich hole ihn heraus!

KURFÜRSTIN
Lasst mich nun seine Durchlaucht sehen,
Mir soll er Rede stehen!

CHRISTEL, ADAM, CHOR
Jetzt wird man gleich die Wahrheit sehen -
Horcht, noch ist es still!

KURFÜRSTIN
Niemand hier - leer das Haus!

WEPS
Fort durch das Fenster ist Stanislaus!

CHRISTEL, CHOR
Niemand hier - leer das Haus?
Lasst uns sehn! - Niemand hier?

KURFÜRSTIN
Man sieht nicht her - entwischen wir!

ADELAIDE
Höchste Zeit!

ADAM, CHRISTEL, CHOR
Niemand hier - leer das Haus?

WEPS
Mir scheint, ein Vogel kam euch aus!

ADAM
Wo ist die Marie?

CHRISTEL
Adam, was willst du tun? Höre mich!

ADAM
Fort mit dir!

CHRISTEL
Adam, was beginnst du?

ADAM
Was ich beginne?
Behüt dich Gott, weil ich wieder wand're,
Ich such' mir eine and're!

CHRISTEL
Eine andere?

ADAM
B'hüt dich Gott, du Unschuld du!
Wünsch dir recht viel Glück dazu
Ich dank dir für deine Kompagnie,
Ich such' wo anders meine Partie.
Ich nimm d'Marie!

CHRISTEL
Solche Schmach fügst du mir zu?
Du Dummkopf du,
Welche Infamie,
Verklagen will ich dich und sie!
Ich weiss schon wo und wie.
Euch alle! Alle!

CHOR
B'hüt dich Gott, du Unschuld du!
Wünschen dir viel Glück dazu.
Er dankt für deine Kompagnie,
Er sucht wo anders sein' Partie -
Er nimmt d'Marie!
Marie! Marie! Marie!

CHRISTEL
Verklagen will ich dich und sie -
Euch alle! Alle!
Welche Infamie!

ZWEITER AKT

Introduktion


CHOR
Haben Sie gehört?
Alles ist verstört!
Alles, alles ist verstört!
Fürstin hat geweint,
Szenen, wie es scheint,
Szenen gab's wohl,
wie es scheint!
Es geht auch ein Gerücht -
Nur Näheres weiss man nicht.
Wenn man's nur wüsst!
Man munkelt überall
Von Skandal!
Ja sehen Sie - wenn man's nur wüsst!

EINIGE
Die Frau Fürstin, wie man sagt.
War gestern heimlich auf der Jagd.
Zu überraschen den Gemahl -
Und darum der Skandal!

CHOR
Haben Sie gehört?
Alles ist verstört, usw.

EINIGE
Da kommt Baron Weps,
Der war ja bei der Jagd;
Der weiss gewiss schon mehr -
Drum gleich ihn befragt!
Haben Sie gehört?
Alles ist verstört, usw.

WEPS
Ich will euch schon erzählen,
Doch bitt' ich Diskretion!

CHOR
Diskretion!

WEPS
Wohl hat der Kurfürst gestern
Der Gattin Schmerz erweckt;
Denn er fuhr von der Sauhatz'
Nach Köln sofort direkt.
Die Reise kam so plötzlich,
So gegen das Programm,
Dass er von der Frau Fürstin
Nicht einmal Abschied nahm.
Man munkelt darüber recht fatal,
Es liegt in der Luft überhaupt sowas wie ein Skandal!

CHOR
Man munkelt etc.

WEPS
Ich hör, dass für heut' Abend
Die hohe Frau befahl,
Zum Spielen die Tiroler
In diesem Grottensaal.
Bis jetzt hab' ich noch immer
Dergleichen arrangiert,
Doch diesmal - unerklärlich -
Hat man mich ignoriert!
Man munkelt, usw.

CHOR
Man munkelt usw.


Duett
Würmchen und Süffle

WÜRMCHEN und SÜFFLE
Ich bin der Prodekan,
Man sieht mir's gar nicht an;
Jedoch die Fakultät,
Die was davon versteht,
Schickt imanimiter
Mich immer hin und her
Als Prüfungskommissär.

Beim Prüfen bin ich Wüterich
Da schone keine Seele ich;
Doch wenn er Protektionen hat,
Der Kandidat, da schweig' ich fein
Das trägt was ein.

Heut müssen wir uns klug benehmen
Diplomatisch allen uns bequemen.
Merken wir, dass man ihn protegiert,
Wird der Kandidat gleich approbiert.
Sollte er auch als Kamel sich zeigen,
Werden wir zu jeder Dummheit schweigen.
Wenn es gilt, recht bieg- und schmiegsam sein,
Das trägt was ein. Herr Kollega, was meinen Sie?
Mit ein' Federstrich Hofrat Sie und ich.
Herr Kollega, was meinen Sie?
Vorderhand Ordensband -
Sie, das wär' charmant!

Ich bin der Prodekan,
Man sieht's mir gar nicht an;
Jedoch die Fakultät,
Die was davon versteht,
Schickt imanimiter
Mich immer hin und her
Als Prüfungskommissär
Hin und her - -


Terzett

CHRISTEL
Bescheiden, mit verschämten Wangen,
So trat vor seine Durchlaucht ich;
Mit Würde hat er mich empfangen,
Ja, zuerst ganz väterlich.
Doch plötzlich kam er in Extase;
Er nannte eine Venus mich;
Und ohne weiteres mit dieser Phrase
Wollt' er ziehen mich an sich,
Ich aber wehrte mich und sprach
So nach und nach:
Ach, bitte, Durchlaucht, bitte, bitte!
Das kann nicht sein!
Das sagen Sie nur so zum Schein;
Denn Ihre Frau ist sicherlich
Um vieles schöner doch als ich.

KURFÜRSTIN
Ganz nett, finde ich!

ADELAIDE
Doch er, was sagte er?

KURFÜRSTIN
Was er sagte?

CHRISTEL
Was er sagte?
Ach, von Ihrer Schönheit, Durchlaucht,
Sprach so boshaft er zu mir,
Dass ich früher glauben musste
Die Frau Fürstin wäret Ihr!

ADELAIDE
Impertinent!

KURFÜRSTIN, CHRISTEL, ADELAIDE
Haha!
Nur Contenance,
Nur Patience;
Treu ist der Bericht-
Doch schmeichelt er nicht!

KURFÜRSTIN
Fahre fort!

CHRISTEL
Noch feuriger ward seine Rede,
Noch zärtlicher drang er in mich:
«Vertraue mir und sei nicht spröde;
Glaube mir, ich liebe dich!
Drum -lass, o lass mich glücklich werden,
Ach, einen Kuss nur gönne mir;
Denn ach, das Liebste grad auf Erden
Wär mir ein Kuss, ein Kuss von dir.»
Ich aber wehrte mich und eprach -
So nach und nach: «Ach bitte, Durchlaucht, bitte, bitte,
Das kann nicht sein.
Das sagen Sie nur so zum Schein,
Denn Ihre Frau küsst sicherlich
Um vieles besser doch als ich!»

KURFÜRSTIN
Wie naiv sie sich gibt.

ADELAIDE
Doch er - was sagte er?

KURFÜRSTIN
Was sagte er?

CHRISTEL
Was er sagte?
Fopp' mich nicht, du kleine Lose,
Meiner Gattin Lippen sind
Gleich der längst verblühten Rose
Frisch die deinen, süsses Kind.


Duett

STANISLAUS
Mir scheint, ich kenn' dich, spröde Fee!
Du bist's ja, ja, du bist's - gesteh'!
Mir scheint, du warst von mir entzückt,
Du hast mir zärtlich zugenickt!
Mir scheint, doch nur dein Auge sprach;
Kein Wort der Liebe folgte nach!
Mir scheint, von deinem Reiz betört,
Hab' ich nach einem Kuss begehrt,
Den du mir nicht gewährt!
Schau mir nur recht ins Gesicht -
Bin ich's, oder bin ich's nicht?
Schau mir nur recht ins Gesicht,
Kannst du dich erinnern nicht?
Kennst du mich nicht?

CHRISTEL
Mir scheint, dass du dich stark blamierst,
Wenn du mir so von Liebe girrst!
Mir scheint, du hast mich nie geseh'n,
Du willst mir nur den Kopf verdreh'n!
Mir scheint, ich hätte Augen doch
Und müsste mich erinnern noch!
Mir scheint, dass einen hübschen Mann
Ich nicht so leicht vergessen kann!
Dass ich so einen hübschen Mann
Nicht leicht vergessen kann.
Schau mir nur recht ins Gesicht!
Bin ich's, oder bin ich's nicht?
Schau mir nur recht ins Gesicht!
Solltest du dich täuschen nicht?
Glaub' mir, ich kenn' dich nicht!

STANISLAUS
Dieses Duzen, das ist sonderbar!

CHRISTEL
Dieses Duzen verwirrt ihn fürwahr!

STANISLAUS
Vielleicht täuscht dich der Schein?

CHRISTEL
Wie könnte das sein?

STANISLAUS
Vielleicht, weil eines Mädchens Bild -

CHRISTEL
So hübsch wie ich, dein Herz erfüllt?

STANISLAUS
Vielleicht, weil sie sehr ähnlich dir -

CHRISTEL
Vielleicht ein Zwilling gar von mir?

STANISLAUS
Daher kommt wohl das Quiproquo -

CHRISTEL
Blamier' dich nur nicht wieder so!

STANISLAUS
Drum scheint's vielleicht am besten doch,
Seh' ich dich an mir ein' Weil' noch!

CHRISTEL
Nur bitt' ich, diesmal recht genau
Ja recht genau, drum schau - -
Schau mir nur recht ins Gesicht -

BEIDE
Haha! Du kennst mich nicht!
Ich kenn dich nicht! Adieu! Und denk an mich!
Das nächstemal, da kenn' ich dich!


Finale

ADAM
Wir spielen bei Hof gar heut',
Ach, wie uns das nur freut.
Uns passiert diese Ehr'
Wohl nimmermehr.
Aber wir sind desweg'n
Nit verschreckt, nit verleg'n.
Wir sind auch heut' voll Schneid,
Wie allezeit.

TIROLER
Wir spiel'n heut bei Hof gar heut usw.
Ju hoho, ju! Duljäh!

HOFLEUTE
Dieses Volk spielt heut?
Ob man's nicht bereut!
Ja, wir fürchten sehr
's wär recht vulgär.
Aber Durchlaucht will,
Darum horchet still,
Wie's auch gehen will -
Nur applaudiert!

KURFÜRSTIN
Fort ist endlich alles Bangen
Atmen kann ich froh und frei,
Sind alle Sorgen doch vergangen
Denn mein Gemahl-ist mir treu.
Ja, mein Gemahl, er ist mir treu!

HOFLEUTE
Aha, ihre Launen sind vergangen
Und das Gewitter zog vorbei.

TIROLER
Gebt's acht - jetzt wird gleich angefangen,
Also Courage, nur fest dabei!

KURFÜRSTIN
Nun denn, ihr Leute, was werden wir hören?

TIROLER
Adam! Ein Lied!

ALLE
Ja, ja, ein Lied!

ADAM
Ich fang' lieber gar nicht an!

CHOR
Nur nicht geziert!

ADAM
Weil ich ja eh' nichts kann!

CHOR
Nur nicht geniert!

ADAM
Es fallt mir auch kein Liedl ein.

CHOR
Nur zu, probiert.

ADAM
Höchstens grad ein's könnt' sein.

CHOR
Gleich produziert.

ADAM
Das vom Ahndl, das fällt mir just ein.

KURFÜRSTIN
Lasst hören.

ADAM
Wie mein Ahndl zwanzig Jahr',
Und a g'sunder Wildschütz war,
Hat im Mondschein er voll Lust
,s erste Mal sein Reserl busst.
Wie er's küsst, singt grad im Tal
Wunderschön ein' Nachtigall.
Seit der Zeit haben Tag und Nacht
Die zwei sich oft gedacht:
Noch einmal, noch einmal, noch einmal
Sing mir, sing, Nachtigall!
Noch einmal, noch einmal, noch einmal,
Wie du g'sungen hast im Tal!

CHOR
Noch einmal, usw.

ADAM
Wie mein Ahndl siebzig Jahr
Und ein alter Kraut'rer war.
Schaut er einmal, so am Bach,
D'längste Zeit ein' Dirndl nach,
Hat dann g'seufzt: Oh mein, oh mein!
Wo mag jetzt wohl 's Reserl sein?
Hat dann g'juchzet wie als Bua
Und g'sungen still dazu:
Noch einmal, noch einmal, noch einmal, usw.

CHOR
Noch einmal, usw.

ADAM
Huhu! Was Lustig's jetzt heute.
Sonst halt' ich's nicht aus!

KURFÜRSTIN
Ja, Freude durchströme das festliche Haus!

CHOR
Ja, Freude durchströme usw.

ADAM
Also fangt's an, Gottesnam'!
Landsleut', jetzt nehmt's Euch z'samm!
Uns passiert diese Ehr'
Wohl nimmermehr.
Aber wir sind desweg'n
Nit verschreckt, nit verleg'n.
Wir sind auch heut' voll Schneid'
Wie allezeit.

HOFLEUTE
Wenn man's nur nicht bereut!

KURFÜRSTIN
Was Ihr spielt ist einerlei;
Nur Effekt sei dabei!

ADAM
Ein Effekt? Der ist dabei!
Gebt nur acht, wenn d'Zither klingt,
Wenn die Saite hell sich schwingt.
Wenn dann laut ein Glöcklein schlägt,
Dann -ja dann kommt der Effekt!

CHOR
Gebet acht, gebet acht, wenn's klingt.
Der Effekt, ja dann kommt der Effekt!

ADAM
Auf nun zum Toaste die Römer geschwungen.

ALLE
Ein Toast!

ADAM
Wem bring' ich den Pokal
Mit Gunst zum erstenmal?
Wohl schöne Fräul'n wär'n hier,
Die sehr gut g'fallen mir -
Doch ihr, der schönsten Frau,
Wie ich sie nimmer schau',
Der Fürstin hold am Rhein
Soll das erste Glas getrunken sein!
Kommt heran!

ALLE
Kommt alle heran!

ADAM
Stosset an!

CHOR
Stosset alle an!
Hoch der Fürstin am Rhein!

KURFÜRSTIN
Noch immer nicht die Glocke schlägt
Und kein Verräter noch entdeckt.

CHOR
Oh horcht, ob keine Glocke schlägt,
Wo bleibt denn der Effekt?

ADAM
Nur still!
Gebt nur acht, wenn d'Zither klingt,
Wenn die Saite hell sich schwingt.

CHOR
Aber keine Glocke schlägt.
Ja, wo bleibt der Effekt?

ADAM
Der Sakra - er wird nicht entdeckt!

WEPS
Gestatten Durchlaucht gnädigst mir,
Dass ich ein Brautpaar präsentier'.

ADAM
Ein Brautpaar?

CHOR
Ein Brautpaar? Wer kann das sein?

KURFÜRSTIN
Lasst sie herein - Adelaide?

CHOR
Graf Stanislaus?
Wie komisch sehen sie aus!

KURFÜRSTIN
Wie froh ist die Kunde erklungen!
Drum aufs neue die Römer geschwungen,
Treu der Sitte am Rhein!
Schenket ein! Schenket ein!
Wem bring' ich den Pokal
Mit Gunst zum andern Mal?
Den Damen nicht und Herren
Die heut mein Fest beehren?
Oh nein, nur diesem Paar,
So fein und wunderbar,
Dem schönsten Paar am Rhein,
Soll das zweite Glas getrunken sein!
Nur heran!

CHOR
Kommt beide heran!

KURFÜRSTIN
Stosset an!

CHOR
Stosset fröhlich an!
Das schönste Paar - Hoch!
Horch! Ein Glöcklein leise schlägt.

KURFÜRSTIN, ADAM:
Der Verräter ist entdeckt.

CHOR
Das ist wohl der Effekt?

ADAM
Ja, ja, das ist von der Glocke der Effekt.

ADELAIDE
Dieses Mädchen, dieses Läuten,
Stanislaus, was soll's bedeuten?

CHOR
Dieses Mädchen, dieses Läuten,
Was soll es bedeuten?

KURFÜRSTIN
Der Frevler ward entdeckt.

WEPS
Also ihm galt's Bimbim!

CHRISTEL
Jetzt geht's dem Herrn da schlimm.
Meine Unschuld ist klar!
Ich beschwöre, dass er's war.

KURFÜRSTIN
Dem Grafen geht es schlimm.
Er war's, nun ist es klar!
Bestrafen will ich ihn fürwahr.

ADELAIDE
Ach, mir wird's so schlimm.
Mir ist nun alles klar;
Ich bin vor Schrecken starr -

ADAM
Jetzt geht's dem Sakra schlimm!
Kein Zweifel, dass er's war.
Und er lacht dazu sogar!

WEPS, STANISLAUS
Was kümmert uns ihr Bimbim?
Eine Million Mitgift bar -
Wir verlachen die Gefahr.

CHOR
Um den Grafen steht es schlimm,
Uns ist die Sache dunkel zwar,
Aber ein Skandal, das ist klar!

KURFÜRSTIN
Um deine Ehre bracht' er dich,
Drum auch du sein Urteil sprich!

ADAM
Ich?

KURFÜRSTIN
Ja, du!

ADAM
Der kann sich freu'n!

CHOR
Was soll das sein?

ADAM
Kann ich? - Soll ich und darf ich? -

KURFÜRSTIN
Gewiss!

ADAM
Stell's zurück die alte Braut -
Junge wird mit dir getraut!
Brauchst dich ja zu fürchten nit,
Hast eh' mehr Freud! damit.
So macht man's. im Tirol;
Wirst mich versteh'n gar wohl?
Führ's gleich zum Pfarrer 'nein,
's wird 's Beste sein.

STANISLAUS
Der Bursch ist toll!

WEPS
Zu dumm!

ADAM
So macht man's in Tirol.

STANISLAUS
Nein, nein!
Mit leichtem Mute will ich leiden,
Die Schmach als Kavalier;
Doch schimpflich von der Fahne scheiden,
Das kann ich nicht als Offizier. -
Drum bitte ich galant
Das Fräulein um die Hand! -
Mein Fräulein, Ihre Hand!

CHOR
Oho!

CHRISTEL
Haltet ein! -
Noch einmal, noch einmal
Frag' ich dich:
Willst du mich?
Noch einmal, noch einmal - -
Nun wohlan, so bin ich Braut,
Werd' als Gräfin bald getraut.
Ich verschaff' mir schon Respekt,
Mach' als Gräfin auch Effekt.

KURFÜRSTIN
Nun wohlan,
Sie ist jetzt Braut,
Wird als Gräfin bald getraut,
Die macht Effekt!

STANISLAUS
Nun wohlan,
Sie ist jetzt Braut,
Wird als Gräfin bald getraut,
Die macht Effekt.

ADAM
Ha, s'gelang!
Nun ist sie Braut,
Wird dem Sakra angetraut -
Frau Gräfin, mein Respekt!

CHOR
Wunderbar, sie ist jetzt Braut.
Wird als Gräfin gar getraut -
Die macht Effekt!

DRITTER AKT

Lied der Kurfürstin

KURFÜRSTIN
Als geblüht der Kirschenbaum,
Ging ich zum Walde wie im Traum;
An des Brunnens kühlen Rand,
Wo hell die weisse Birke stand.
An dem blauen Himmelsbogen
Ging der Mond, die Sterne zogen -
Einen Reiter hört' ich jagen
Und mein Herz hub an zu schlagen;
Denn er hielt sein Rösslein an -
Ach ja, er war ein schöner, ein schöner Mann!

Still verklang der Hochzeit Pracht
Und von den Bergen stieg die Nacht;
Bang trat ich ins Brautgemach
Und leise, leise schlich er nach! -
Draussen fielen Blütenflocken,
Drin der Kranz von meinen Locken -
Heimlich flüsternd half der Freier
Mir zu lösen Band und Schleier,
Sah dabei mich zärtlich an -
Ach, er war doch ein schöner, schöner Mann!


Terzett

CHRISTEL
Kämpfe nie mit Frau'n,
Leicht wirst du gehau'n,
Da tut's nicht Courage allein,
Man muss auch pfiffig sein!
Eh' man sich's gedacht,
Wird man ausgelacht.
Denn der Frauen Waffe ist
Die Schönheit und die List!

CHRISTEL, ADAM, STANISLAUS
Kämpfe nie mit Frau'n! usw.
Ja, man kann sich leicht blamieren,
Will mit Frauen Krieg man führen,
Statt als Sieger heimzukehren,
Gibt zum Schluss man Fersengeld!

CHRISTEL
Zeigt der Herr die kleinste Blösse,
Aus ist's mit der Heldengrösse,
Er verwirkt des Kampfes Ehren
Und beschämt zieht er vom Feld!

ADAM
Was tut der Arme dann?

CHRISTEL
Wer nimmer weiter kann,
Der tritt den Rückzug an,
Er bittet um Frieden fein
Und steckt den Degen ein!

STANISLAUS
Tut mit dem Feind charmant
Und zahlt ihm, wie bekannt,
Noch überdies die Kosten dann-

CHRISTEL
Notabene, wenn er kann!

CHRISTEL, STANISLAUS
Abzug!

ADAM
Sei so gut!

CHRISTEL
Gern will ich pardonnieren!
Doch fortan musst du parieren!

ADAM
Alleweil?

CHRISTEL, STANISLAUS
Stets parieren - Sonst hoff' nicht aufs Pardonnier'n!

ALLE DREI
Haha! Ja, man kann sich leicht blamieren usw.


Finale

ADAM
B'hüt enk Gott, alle miteinander!
I geh' ham, nie mehr auf die Wander!

CHOR
Haha! Ja, man kann sich leicht blamieren,
Will mit Frauen Krieg man führen.
Man verwirkt des Kampfes Ehren
Und beschämt räumt man das Feld!