Die Feen

Die Feen

Grand romantic opera in three acts

Libretto

Richard Wagner after Carlo Gozzi

Premiere

29 June 1888, Munich (Royal Court and National Theatre)

Cast

KING OF THE FAIRIES (bass)
ADA (soprano)
ZEMINA (soprano)
FARZANA (soprano)
ARINDAL (tenor)
LORA (soprano)
MORALD (baritone)
GERNOT (bass)
DROLLA (soprano)
GUNTHER (tenor)
HARALD (bass)
VOICE OF GROMA (bass)
A Messenger (tenor)
ARINDAL's and ADA's 2 CHILDREN (silent)

CHORUS
fairies, Morald's companions, men and women, soldiers, earth spirits, men of iron, Groma's invisible spirits

Place

Time

Wagner, Richard

Wagner, (Wilhelm) Richard
22.5.1813 Leipzig - 13.2.1883 Venezia


Works for stage
with date/place of first performance:

Die Hochzeit (1832 inc; 13.2.1938 Leipzig)
Die Feen (1834; 29.6.1888 München)
Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo (29.3.1836 Magdeburg)
Rienzi, der letzte der Tribunen (20.10.1842 Dresden)
Der fliegende Holländer (2.1.1843 Dresden)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg (19.10.1845 Dresden)
Lohengrin (28.8.1850 Weimar)
Tristan und Isolde (1859; 10.6.1865 München)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg [rev] (13.3.1861 Paris)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg [rev 2] (5.3.1865 München)
Die Meistersinger von Nürnberg (21.6.1868 München)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg [rev 3] (22.11.1875 Wien)
Der Ring des Nibelungen (13-17.8.1876 Bayreuth):
- Das Rheingold (1854; 22.9.1869 München)
- Die Walküre (1856; 26.6.1870 München)
- Siegfried (1869; 16.8.1876 Bayreuth)
- Götterdämmerung (17.8.1876 Bayreuth)
Parsifal (26.7.1882 Bayreuth)
rev = revised / inc = incomplete



ERSTER AKT
Die Feen Farzana und Zemina wollen Ada, die sich in einen Menschen verliebt hat, von dieser Liebe heilen und ihre Unsterblichkeit retten. Arindal, von seinem Freund Gernot begleitet, gelingt es, die wunderschöne Fee für sich zu gewinnen, doch darf er acht Jahre keine Frage nach ihrem Namen oder ihrer Herkunft an sie richten. Kurz bevor die Frist abgelaufen ist, kann Arindal seine Neugier nicht mehr bezähmen und stellt die verbotene Frage. Er wird aus dem Feenreich verstossen und mit Gernot in eine wüste Felsengegend verbannt Dort suchen Morald und Gunther nach ihrem seit acht Jahren verschwundenen König und treffen Gernot, der ihnen ihre Geschichte erzählt. Es steht schlecht um Arindals Königreich, denn Murald, den Lora einst abgewiesen hat, ist mit seinem Heer eingefallen. Schliesslich kommen Morald und Arindal mit Hilfe des Zauberers Groma zusammen; der König beschliesst, heimzukehren. Er nimmt Abschied von Ada, die er wiedergefunden hat und die ihn bittet, sie niemals zu verfluchen.

ZWEITER AKT
Arindal ist zu seinem Volk zurückgekehrt. Doch er denkt nur an Ada und ist unfähig, das Heer
gegen den Feind zu führen, das unter Morald kämpft. Ada erscheint in Zaubergestalt, wirft ihre zwei Kinder scheinbar ins Feuer und bekämpft Arindals Heer. Alles ist entsetzt. Arindal glaubt, dass seine Frau das Böse ist. Er verflucht sie und hört zu seiner Verzweiflung, dass alles nur eine Probe gewesen ist. Die Feen gewinnen Adas Unsterblichkeit zurück, die aber hundert Jahre in Stein verwandelt büssen muss. Morald besiegt die Feinde, Harald wird als Verräter entlarvt. Arindal wird, nachdem er seine Schuld erkannt hat, wahnsinnig.

DRITTER AKT
Morald und Lora werden als neues Herrscherpaar bejubelt, doch Morald will nur so lange regieren, bis Arindal wieder gesund ist. Dieser hört in seinem Wahn Adas Klage und bricht mit Gernot auf, um sie zu befreien. Von Groma erhält er Zauberwaffen und eine Leier, die ihm helfen sollen. Gernot und Arindal kämpfen gegen Geister und eherne Männer, besiegen sie und finden die in Stein verwandelte Ada. Durch die Zauberleier und seinen Gesang kann Arindal, obwohl Zemina und Farzana ihm Pech wünschen, Ada wieder zum Leben erwecken. Der Feenkönig nimmt den Tapferen als unsterblich in sein Reich auf. Arindal erfüllt damit Adas Bitte, der Erde zu entsagen: Er übergibt seine Kinder und die Krone Morald und Lora und zieht unter dem Jubel der Unsterblichen ins Feenreich.

ATTO PRIMO
La fata Ada, innamorata del mortale Arindal, re di Tramond, rischia per questo suo amore di perdere l’immortalità. Le compagne decidono allora di muovere in suo aiuto. Arindal, intanto, ha promesso all’amata di non chiederle mai la sua vera identità per ben otto anni. Ma, sposatala e avutone due figli, ha mancato al giuramento e si è trovato improvvisamente trasportato per magia in una regione desertica insieme all’amico Gernot, mentre Ada è scomparsa. Nel deserto, Arindal incontra Morald e Gunther, provenienti dal regno che ha abbandonato, che lo convincono a far ritorno in patria e a cingere la corona di re che gli spetta. Riappare allora Ada e in seguito un corteo di fate. La donna ottiene dall’amato il giuramento di non maledirla mai, qualsiasi cosa accada, e i due si lasciano promettendosi eterna fedeltà.

ATTO SECONDO
La patria di Arindal è turbata da una rovinosa invasione nemica. Intanto si va preparando una prova decisiva per la coppia protagonista: appaiono Ada e i suoi due bambini. La donna improvvisamente getta i figli nel fuoco, attirandosi la fatale maledizione dell’inorridito Arindal. Tutto è perduto: l’esercito è sconfitto sul campo, mentre Ada per cento anni verrà trasformata in pietra, secondo quanto stabilito dal re delle fate. Alla fine dell’atto le truppe di Arindal si scoprono in verità vincitrici, ma il re è ormai preda della disperazione.

ATTO TERZO
Si festeggiano Lora e Morald, reggenti per tanto tempo quanto durerà la pazzia di Arindal. Il re è stato condotto dal mago Groma al luogo dove Ada si trova pietrificata: con l’aiuto di uno scudo, di una spada e di una lira combatterà per liberare la donna. Nel nome dell’amore sconfigge gli spiriti e gli uomini di bronzo evocati dalle fate sue nemiche. Queste vogliono salvaguardare l’immortalità che Ada riavrà dopo cento anni trascorsi mutata in pietra. Raggiunta l’amata, con il magico potere della musica, Arindal, novello Orfeo, la libera, provocando l’inaspettata apparizione del re delle fate in persona. Questi decide di conservare ad Ada l’immortalità e di donarla anche ad Arindal, che vivrà d’ora in poi con l’amata nel regno delle fate, «sottratto alla polvere terrena».

Personen:
DER FEENKÖNIG (Bass)
ADA, FARZANA, ZEMINA, Feen (Sopran, Alt, Sopran)
ARINDAL, König von Tramond (Tenor)
LORA, seine Schwester (Sopran)
DROLLA, deren Zofe (Sopran)
GERNOT, Arindals Freund (Bass)
MORALD, Arindals Freund und Loras Geliebter (Bariton)
GUNTHER, am Hof von Tramond (Tenor)
HARALD, Arindals Feldherr (Bass)
GROMA, ein Zauberer (Bass)
EIN BOTE (Bariton)

CHOR
Feen, Geister, Krieger, Kinder, Volk


ERSTER AKT

Feengarten. Chor der Feen, unter ihnen Farzana und Zemina. Ballett

CHOR
Schwinget euch auf,
schwinget euch nieder,
glücklicher Feen zarte Gestalten!
Denn unvergänglicher Schöne
nie verblühender Hauch
durchweht die herrlichen Welten,
atmet froh dieser Kreis.

Farzana und Zemina treten hervor

FARZANA
Warum, Zemina, seh ich dich so traurig?

ZEMINA
Soll ich, wie du, mich dieser Feste freun,
da ihre Zier für immer bald verschwunden?

FARZANA
Schon für verloren hältst du unsre Ada,
weil sie, um den verweg'nen Sterblichen,
dem sie in toller Liebe zugetan,
für immer zu besitzen,
freiwillig der Unsterblichkeit entsagt?

ZEMINA
Du weisst, dass sie noch sterblich werden kann,
da sie entsprossen zwar von einer Fee,
ein Sterblicher jedoch ihr Vater ist.

FARZANA
Doch weisst du auch, was ihr und ihrem Gatten
vom Feenkönig auferlegt?
Glaub mir, nicht kann's der Sterbliche erfüllen,
Und Groma selbst, der Zauberer, sein Freund
soll weichen unsrer Macht,
und dann kehrt Ada ewig uns zurück!

ZEMINA
Lass uns vereint dann streben, sie zu retten!

ZEMINA und FARZANA
Ihr Feen all!
Ihr Geister all!
Vernehmt, was wir verlangen!
Die Feen und Geister versammeln sich um beide
Reicht Hilfe uns zu unsrem Werk!
Den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

CHOR
Wir geben Hilf
und Beistand euch!
Unsterblich soll sie bleiben!

FARZANA und ZEMINA
Reicht Hilfe uns zu unsrem Werk,
den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

CHOR
Wir helfen euch bei eurem Werk,
den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

Alle ab.
Verwandlung: Wilde Einöde mit Felsen. Gernot kommt von der einen, Morald und Gunther von der anderen Seite


GERNOT
Was seh ich? Morald, ihr, und Gunther, du?

MORALD
Wie, Gernot?

GUNTHER
O komm in meine Arme!

GERNOT
Was Teufel, sagt, wie kommt ihr doch hierher?

GUNTHER
Erzähle du, wie dir's ergangen ist.

MORALD
Ja, Gernot, melde eilig mir,
wo ist dein Herr, wo Arindal?
Von unsrer Heimat komm ich her,
wo alles traurig ich gelassen.
Der greise König starb dahin
aus Gram um den verschwund'nen Sohn.
Der wilde Murold, unser Feind,
verwüstet fürchterlich das reich,
begehrt die Schwester Arindals,
die heissgeliebte teure Lora!
Das einz'ge Mittel ist geblieben:
Ihn, der jetzt König ist, zu suchen,
und dazu bot Groma uns die Hand,
er, der seit alten Zeiten her
Beschützer ist des Königstamms;
er lehrt uns, Arindal zu finden.
Doch sage du, was ist geschehn?

GUNTHER
Erzähle, Freund, erzähle uns!

GERNOT
Nun denn, so hört mir beide zu!
Ihr wisst, schon ist's acht Jahre her,
dass ich mit Arindal verschwand.
Zum Jagen zogen wir hinaus,
und schon begann die Nacht zu dämmern,
als eine Hirschin sich uns zeigte,
so schön, als nimmer man gesehn.
Der jagte Arindal nun nach
mit unermüdlichem Bestreben,
und als er nimmer sie erreichte,
gelangten wir an einen Fluss,
in dem die Hirschin uns entschwand.
Verzweiflungsvoll stand Arindal,
bis eine Stimme wir vernahmen,
die mit entzückend holdem Klang
den König mächtig nach sich zog.
Da sprang er plötzlich in die Fluten,
und ich, als treuer Diener, nach.

GUNTHER
Unglaublich!

MORALD
Fahrt fort, mein Freund!

GERNOT
Vor Schrecken wär ich fast gestorben;
doch als ich endlich mich gefasst,
war ich in einem schönen Schloss,
und Arindal lag hingegossen
zu eines schönen Weibes Füssen.
Sie sprach zu ihm hinabgewandt:
"Ich liebe dich, wie du mich liebst,
doch eh ich ganz dein Eigen bin,
hast du noch viel zu überstehn.
Vor allem magst acht Jahre lang
du nimmer fragen, wer ich sei!"
Trotz meinem grössten Widerstreben
ging Arindal das Bündnis ein!
Wer sie getraut, ich weiss es nicht,
doch schon zwei Kinder zeugten sie.
Acht Jahre flossen so dahin,
und ob ich schon nach Haus mich sehnte,
lebt ich in Freud und Herrlichkeit,
bis gestern der verliebte Prinz,
von heftiger Begier getrieben,
in seine Gattin drang, zu sagen
wer und woher sie sei.
Da hörten plötzlich Donner wir erschallen:
verschwunden war sie, und mit ihr
das Schloss und ihre Dienerinnen.
In diese öde Felsengegend
sind wir versetzt, und Arindal
sucht in Verzweiflung seine Gattin.

GUNTHER
O Wunder über alle Wunder!

GERNOT
Doch, saget endlich denn auch mir:
lebt meine liebe Drolla noch?

GUNTHER
Sie lebt und weinet oft um dich!

MORALD
Und dass du bald sie wiedersiehst,
muss Arindal mit dir uns folgen!

GERNOT
O seht, dort naht er schon!
Wie ein Besess'ner sieht er aus!

MORALD
So eilen wir von hier hinweg,
und du, verschweig ihm unsre Gegenwart!
indem er mit Gernot und Gunther abgeht...
Denn wisse: Groma lehrte uns
wie wir von hier hinweg
die letzten Worte hinter der Bühne...
Arindal kommt


ARINDAL
Wo find ich dich, wo wird mir Trost?
Entflohn bist du, und all mein Glück mit dir!
In jede Gegend, in jeden Raum
hab ich mein spähend Auge gerichtet;
in jedes Tal, in jede Höhe
drang meiner glüh'nden Sehnsucht Seufzer!
Weh mir, vergebens all' Bemühen!
Die Wildnis tönt von ihrem Namen,
das Echo spottet meiner Qual,
nur " Ada! Ada! " ruft es aus!
Und keine Antwort nennet " Arindal "!
Dein auge leuchtet mir nicht mehr!
Dein Busen, ach, erwärmt mich nicht!
Kein Kuss stillt meiner Lippen Durst!
Dein Arm umfängt mich nimmermehr,
nur Todeskälte haucht mich an!
Weh mir!
War alles denn ein Traum?
Wo bist du, ach, wo bist du,
wo weilst du fern von mir?
Wohin send ich den Blick,
der dich erreichen soll?
Bei dir ist meine Sonne,
bei dir allein ist Leben,
doch fern von dir ist Tod
und grausenvolle Nacht.
Ach! Lass mich das Leben finden,
lös mich von Todesangst!
Wo bist du, ach, wo weilst du,
wo weilst du fern von mir?
O ende meine Qual,
und nimm mich auf zu dir!
Gernot kommt und betrachtet Arindal

GERNOT
Da steht Ihr nun, so recht bejammernswert!
Was wird wohl all das Klagen euch noch helfen?
Verlasst den Ort, und folgt zur Heimat mir!

ARINDAL
Ich sollte meine Gattin lassen? Schweig!

GERNOT
Ihr Eure Gattin? Liess sie Euch nicht sitzen?
Sie war so lang für Euch, als ihr's beliebte;
jetzt, da sie Eurer satt, läuft sie davon!

ARINDAL
Welch albernes Geschwätz!

GERNOT
Mit einem Wort, die, die Ihr Gattin nennt,
ist eine Hexe, so eine alte böse Zauberin!

ARINDAL
Sei still!

GERNOT
Deshalb verliesst Ihr Reich und Land,
weil Ihr in eine Hirschkuh Euch verliebt?

ARINDAL
Du Lästermaul!

GERNOT
Ja, wie Ihr sie nachher gesehn,
das war nur Lug und Trug!

ARINDAL
O diese Schönheit also zu verhöhnen!

GERNOT
O welche Schönheit! Nächstens seh ich Euch
wohl selbst mit einem stattlichen Geweih!

ARINDAL
Du reizest meinen Zorn!

GERNOT
Auf einen Hirsch darf ich nun nicht mehr jagen,
denn wer steht dafür, dass so 'nen König ich erlege?

ARINDAL
Halt ein, du frecher Bursch!
Zu meiner Qual kann deiner Scherze Rohheit nimmer passen!

GERNOT
Habt von der Dilnovaz Ihr schon gehört?

ARINDAL
Was soll dies hier?

GERNOT
Hört zu, ich will's erzählen!
Arindal sinkt erschöpft auf einem Felsenblock

Romanze
War einst'ne böse Hexe wohl,
Frau Dilnovaz genannt,
die war so hässlich und so alt,
als es nur je bekannt!
Doch trug sie einen Ring am Finger,
der machte jung und schön,
als hätte man in seinem leben
nicht Schöneres gesehn.
Sie kam zu einem König so,
betört ihn allzumal;
er machte sie zur Königin,
er nahm sie zum Gemahl!
Er war so blind in sie vernarret,
dass er nicht hört' und sah,
und dass er nimmermehr gewahrte,
was um ihn her geschah.
Einst traf er sie in fremdem Arm
in arger Liebesglut;
da zog er seinen Degen schnell
und hieb nach ihr voll Wut!
Doch traf er nur den kleinen Finger,
an dem sie trug den Ring;
da sah er bald in der Geliebten
ein altes hässlich Ding.

Gunther kommt in der Gestalt eines alten, ehrwürdigen Priesters, indem er seine Maske durch gravitätischen Gang und Gesang begleitet.

GUNTHER
Arindal!

ARINDAL
O welch ehrwürdige Gestalt!
Sag an, wer bist du, was begehrst du?

GUNTHER
O welcher Schelmenstreich!
Wer mag den Schalk erkennen?
Den heiligen Priester nennt man mich
und Liebe treibt mich her zu dir!

ARINDAL
Ich staune! Rede, heilger Greis!

GERNOT
Ich möcht ihn selbst für heilig halten!

GUNTHER
O König, du bist übel dran,
von einem bösen Weib umstrickt!
Ich kam hieher, dich zu ermahnen,
aus ihren Banden dich zu retten:
mit grossen Pathos
Wer sich für immer ihr ergibt,
fällt ab von Gott und seinem Reich!

ARINDAL
Entsetzlich! Was muss ich vernehmen!

GERNOT
Was macht der Kerl für schöne Worte!

GUNTHER
Du siehst die wilden Tiere wohl,
die sich in diesen Klüften bergen!
Sie waren Menschen einst, doch jetzt
sind sie von diesem Weib verdammt.
Folgst du mir nicht sogleich von hier,
droht gleiches Schicksal dir!

GERNOT
Ihr wisst, ihr wisst! Das Hirschgeweih!

ARINDAL
O Himmel, wär es möglich,
ich sei von ihr getäuscht?

GERNOT
Haha! Das ist zum Lachen,
solch närrischer Betrug!

GUNTHER
Wirst du sogleich mir folgen,
sollst du gerettet sein!
Wenn du noch länger zögerst,
so musst du untergehn.

ARINDAL
So soll ich ihr entfliehn,
die ich so heiss geliebt.
Indem Arindal von Gunther fortgezogen wird, wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.
Was seh ich! Gunther du?

GERNOT
Was Teufel!

GUNTHER
O weh! Was ist mir geschehn?

GERNOT
Nun ist der ganze Spass vorbei!

ARINDAL
Welch unerhörte Freveltat,
so jämmerlich mich zu betrügen!
O dank, geliebte Ada,
noch liebst du sicher mich!
Den Trug seh ich vernichtet,
durch deiner Liebe Macht!

GERNOT
Nun ist schon halb verloren
die gutgemeinte List!
Er bleibt bei seinem Sinne
und folgt uns sicher nicht.

Die Dämmerung ist eingebrochen: Morald tritt auf, in der Gestalt von Arindals verstorbenem Vater.

MORALD
Arindal!

ARINDAL
Gott, was erblick ich!
Dort mein Vater!
Welch neue Täuschung findet statt?

GUNTHER und GERNOT
Wie täuschen ist das wesen, die Gestalt!

ARINDAL
Sag an, bist du mein Vater nicht?

MORALD
Dein Vater bin ich nimmermehr,
ich bin nur deines Vaters Geist!
Ich starb dahin aus Gram um dich,
da ich dich für verloren hielt!

ARINDAL
Hier waltet keine Täuschung mehr!
O Gott, mein Vater ist dahin!

GUNTHER und GERNOT
Mich fasst fürwahr ein Grausen an,
so ähnlich sieht er seinem Vater!

MORALD
Als Geist komm ich, dich zu ermahnen,
dieweil dein Reich in arger Not!
Der wilde König Murold fiel
nach meinem Tod in unser Reich;
verwüstet ist es rings umher,
nur eine Stadt ist noch geblieben;
sie wird von deiner Schwester jetzt
mit ihrer letzten Kraft beschützt,
derweil du in verliebtem Wahn
dem trägen Müssiggange fröhnst!

ARINDAL
O, welch entsetzliches Geschick!
Dein Vorwurf, Vater, trifft mich schwer!

GUNTHER und GERNOT
Wie's ihn ergreisst! Nur zu! Nur zu!

MORALD
Darum verlasse diesen Ort
und folge mir nach deinem Reich!
Dein Arm gebricht dem Vaterland
und deine Schwester ruft zu dir!

ARINDAL
O Himmel, wär es möglich?
Mich trifft so schwer Geschick!

MORALD
Wirst du sogleich mir folgen,
so rettest du dein Reich!
Wenn du noch länger zögerst,
muss alles untergehn!

ARINDAL
So muss ich sie verlassen,
mich ruft die harte Pflicht!

GUNTHER und GERNOT
Dies wird ihn wohl erweichen,
er folgt nun sicher uns.

Als Arindal im Begriff ist, Morald zu folgen, wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.

ARINDAL
Wie? Morald? Wiederum Betrug?

GUNTHER und GERNOT
O weh! Auch ihm ist es missglückt!
Nun ist der ganze Spass vorbei!

ARINDAL
O, Morald, teurer Freund,
auch du verspottest mich durch solchen Trug?

MORALD
O Herr verzeih! Die beste List
ist jetzt durch fremde Macht vereitelt.
Erzürne nicht, und lass als Freund
zum teuren Freunde jetzt mich sprechen!

ARINDAL
So ist es wahr, mein Vater starb?

MORALD
Aus bittrem Kummer über dich.

ARINDAL
O hartes Schicksal! Wehe mir!

MORALD
Was ich in jener Truggestalt
von deiner Heimat dir gemeldet,
sei jetzt von deinem Freunde dir
als schlimme Wahrheit wiederholt!
In Trümmern liegt das schöne Reich!

ARINDAL
Genug, halt ein! Ich folge euch!
Ach, was allein zurück mich hielt,
ist mir für ewig ja entschwunden!
Geht denn beiseit und pflegt der Ruh,
ich folge morgen euch von hinnen!

MORALD und GERNOT
O welches Glück, er willigt ein!

ARINDAL
Hinweg von hier ruft mich die Pflicht!

MORALD und GERNOT
Sein starrer Sinn hat sich erweicht!

ARINDAL
Ich zögre länger nicht!
Ich zögre länger nun nimmermehr!
O, wer ermisset meinen Schmerz,
ich soll die Gattin nicht mehr sehn!

GUNTHER
Nach meiner Heimat ziehe ich,
zu unsren hübschen Mädchen hin.

MORALD
Nach meiner Heimat ziehe ich,
zur heissgeliebten Lora hin!

GERNOT
Nach meiner Heimat ziehe ich,
zu meiner treuen Drolla hin!

MORALD und GERNOT
O welches Glück, er willigt ein,
sein starrer Sinn hat sich erweicht!
Die Nacht ist eingebrochen. Arindal bleibt allein zurück.

ARINDAL
allein
So soll für immer ich nun von dir scheiden,
und du, geliebte Gattin, zeigst dich nicht?
Nicht einen Kuss, nicht eine einz'ge Träne
hast du für deinen scheidenden Geliebten!
O Grausame, leb wohl, leb ewig wohl,
zum Kampfe zieh ich für mein Vaterland,
und meine Hoffnung ist allein der Tod!
Indem er sich zum Abgehen wendet, fühlt er sich plötzlich ermattet und sinkt allmählich auf einen Stein nieder.
Doch was bemächtigt meiner Glieder sich?
Ich will hinweg, doch weigert sich mein Fuss!
Mein Auge sinkt! Ist dies der nah'nde Schlummer?
Ich fühl's! Leb wohl, mein Lieb,
dein Gatte scheidet so! Ade!

Er entschlummert.
Die Szene verwandelt sich in einen reizenden Feengarten. Im Hintergrunde ein glänzender Palast. Ada tritt während des Ritornells aus dem Palaste im reichsten Feenschmuck.


ADA
Wie muss ich doch beklagen,
was sonst so hehr, so schön
zu traurig hartem Lose
wird mir Unsterblichkeit!
Weil ihn allein ich liebe,
gäb ich so gern sie hin!
Doch ganz ihm zu gewinnen,
wie ist's so hart, so schwer!
Mir bleibt nun nichts als klagen
und weinen um mein Los!
Ihn werde ich verlieren,
um ewig tot zu sein!

Arindal erwacht allmählich.

ARINDAL
Wo bin ich? Ach, in welche sel'ge Räume
hat mich ein schöner Traum wohl hingeführt!
Und dort, ha, träum ich nicht, ist meine Gattin?

ADA
Erkennst du mich? Geliebter, Undankbarer!
Du wolltest mich verlassen?

ARINDAL
Ada, dich seh ich wieder?
Übermass von Wonne!
Mir wird das freudige Glück,
dich wieder ganz zu besitzen,
all schweres, bitt'res Leid
in deinem Arm zu vergessen!

ADA
O dämpfe deine Glut,
gebiete dem Entzücken!
Zu neuer, herber Qual
bin ich dir jetzt erschienen!

ARINDAL
O warum Pein, o warum Qual?
Du bist für immer mein,
und jede Lust mit dir!

ADA
Unglücklicher! Nur kurze Zeit,
für ewig dann getrennt
bin ich von Arindal!

ARINDAL
Ich lasse dich nimmermehr
und weiche nie von dir!

ADA
mit Angst
Nur noch ein einz'ger Tag,
und du verlässest mich!

ADA und ARINDAL
Noch halt ich dich in meinen Armen,
doch dich entreisst das Schicksal mir.
Verderben wird uns beiden drohen,
Wenn unsrer Liebe Macht nicht siegt!

Gunther, Morald, Gernot und der Chor ihrer Gefährten kommen.

MORALD
Auf, Arindal, komm jetzt mit uns von hinnen!
Was seh ich? Gott, wohin sind wir versetzt?

GUNTHER
Und dort, das schöne Weib!

GERNOT
Ich kenne alles!
Sein Weib, die hübsche Hexe, hat er wieder;
nun ist's vorbei, er folgt uns sicher nicht!

CHOR
Fürwahr, welch göttlich schönes Weib!

MORALD
Solch milden Zauber sah ich nie!

CHOR
Sah ich wohl je so hohen Reiz?

MORALD
Ich kann den König wohl begreifen!

ARINDAL
Weh mir, schon hab ich es versprochen,
nach meiner Heimat mitzugehn!

MORALD und GERNOT
Wie blendet ihre Schönheit mich,
wie ihrer Wangen holdes Licht!

GERNOT
Ach, das ist alles ja nicht echt,
und ihre Wangen sind geschminkt!

ARINDAL
Weh mir, schon hab ich es versprochen,
nach meiner Heimat mitzugehn!
Wie soll ich mein Versprechen halten!
Wie kann ich fort, wie soll ich los?

MORALD und GERNOT
Den König wag ich kaum zu mahnen,
dass er von hier uns folgen soll.
Führwahr, welch göttlich schönes Weib!
Sah ich wohl je so hohen Reiz?
So milden Zauber sah ich nie,
ich kann der König wohl begreifen!

ADA
Weh' mir! Schon naht der Anfang meiner Leiden!
Man kommt, des Vaters Tod mir zu verkünden!

Ein festlicher Zug von Feen aus Adas Reiche tritt auf, vor ihnen her Farzana und Zemina.

FARZANA
Dein Vater hat das Los
der Sterblichen geteilt.

ZEMINA
Aus deines Reiches Fernen
strömt alles Volk herbei,
zu grüssen dich als Königin!

CHOR
Heil unsrer Königin!
Heil, schöne Ada, dir!
Gegrüsset sei als Herrscherin
von deines Volkes Schar!
Von fern ertönt der Jubel
unsrer frohen Huldigung.
Heil unsrer Königin!
Heil, schöne Ada, dir!

ADA
O hätt ich diese Jubels Klänge
wohl nimmermehr gehört!
Ich fühle nur die neue Fessel
an mein unselig Los!

ZEMINA und FARZANA
Dies fesselt sie mit neuen Banden
an die Unsterblichkeit;
denn will sie wirklich sterblich werden,
verliert sie auch ihr Reich.

GUNTHER
Hab ich wohl je etwas gesehen,
was diesem Treiben gleicht!

MORALD
Was soll ich wohl von allem halten,
ich kann mich fassen kaum.

GERNOT
Das ist nur alles toller Spuk,
Betrug und Heuchelei!

ARINDAL
Sag, meine Gattin, mir
was soll dies Treiben all?

ADA
Du hörst mich Königin wohl nennen,
dies wisse denn, doch frage nicht!
Denn das, was Freude dir erscheint,
wird mir zu schwerer Pein!
Ich muss von dir jetzt wieder fort,
du folg den Deine in dein Land!
Für jetzt... wenn nicht für immerdar!
O, könnt ich alles dir vertrauen!
Doch dies verbietet mein Geschick.

ARINDAL
So sprich!
Wann sehe ich dich wieder?

ADA
Schon morgen! Bittres Wiedersehn!

ARINDAL
Schon morgen, morgen! Welches Glück!

ADA
Zu deinem Unglück siehst du mich!

ZEMINA
beseite zu Farzana
Du weisst, er muss ihr jetzt schwören
auf keinen Fall sie zu verfluchen!

FARZANA
beiseite
Doch da er's nimmer halten kann,
so muss der Meineid ihn verderben!

ADA
Vernimm denn, was ich dir verkünde:
was du auch morgen sehen magst,
was dich für Schrecken auch bedrohn,
was dir für Unheil auch begegne,
o Arindal, lass nimmer dich so weit verleiten,
mich, deine Gattin, zu verfluchen!

ARINDAL
Was höre ich, du spottest mein!

ADA
Sei standhaft dann und schwöre mir's,
schnell
ach, schwöre nicht!

ARINDAL
Ich schwöre dir's!"

ZEMINA und FARZANA
Habt ihr's gehört? Er hat geschworen!

MORALD und GERNOT
Er schwur!

ADA
wendet mit Entsetzen sich ab
Weh mir, er hat geschworen!

MORALD und GERNOT
Ein schreckenvoll Geheimnis
verbirgt wohl dieser Schwur!
Die ihn dazu vermocht,
steht jetzt geängstet da!

ZEMINA und FARZANA
Er hat es ihr geschworen,
und kann nicht mehr zurück;
der Schwur bringt ihm Verderben
und trennt von Ada ihn.

ARINDAL
Was ich beschworen habe,
sei treulich auch bewährt!
So wie ich heiss sie liebe,
bleibt heilig auch mein Schwur.

ADA
O hätt er nie geschworen,
den harten Schreckenseid!
Er wird ihn nimmer halten
und durch ihn untergehn!

CHOR
Dir tönet freudig unser Jubel,
als unsre Fürstin sei gegrüsst!
Es schall' hinauf in alle Räume
der Preisgesang der Königin!
Heil, schöne Ada, dir! Heil unsrer Königin!

MORALD und GERNOT
Auf, komm mit uns nach deinem Lande,
zu deinem Reiche kehre heim,
lässt du noch länger hier dich halten,
muss Land und Schwester untergehn!
Auf, König, folge uns
nach deiner Heimat hin!

ARINDAL
So lass ich dich aus meinem Armen
bis zum beglückten Wiedersehn;
ich schwur dir Treu und will sie halten
und sollt ich druber untergehn!
Leb wohl, du mein Gemahl,
ich bleibe ewig treu!

ZEMINA und FARZANA
So reisse dich aus seinen Armen,
das Volk will dich gekrönet sehn!
Lass länger nich zurück dich halten,
der Huldigung entgegengehn!
Auf, komm!
Auf, Ada, folge uns
zum frohen Feste hin!

ADA
So lass ich dich aus meinen Armen,
wir werden bald uns wiedersehn;
o mögest deinen Schwur du halten,
sonst musst du mit mir untergehn!
Leb wohl, mein Arindal,
und bleibe ewig treu!

Ada wird in einem Triumphwagen davongezogen.

ZWEITER AKT

Vorhalle des Palastes in der Hauptstadt des Reiches Arindals
Chor der Krieger und des Volkes


CHOR
Weh uns, wir sind geschlagen
und flüchtig vor dem Feind!
Schon tobt er vor den Mauern
und droht mit Untergang!
Zu dir hinauf, o mächtger Gott,
tönt unser Ruf aus tiefer Not!
Erhöre uns und steh uns bei!
Uns drängt die Todesangst,
der Hilfe Ruf umsonst!
Verderben harret uns
und droht mit Qualentod!

Lora tritt auf in Waffenrüstung.

LORA
Was drängt euch so mit harter Todesangst,
dass ihr mit solchem Schrei die Luft erfüllt?

CHOR
Geschlagen sind wir wieder,
dem Untergang geweiht!

LORA
Kleinmütige! Warum sogleich verzagen?
Auf wen drängt sich mehr Missgeschick zusammen,
als auf mich selbst, die ich ein schwaches Weib?
Mein Vater starb, mein Bruder ist entfernt,
und selbst den teuren Freund muss ich vermissen!
Habt ihr vergessen Gromas Weissagung,
dass dieses Reich niemals verloren geh,
sobald uns Arindal zurückgekehrt?

CHOR
Doch wer sagt dies uns an,
dass je zurück er kehre?

LORA
Sandt ich den teuren Morald selber nicht,
ihn aufzusuchen und zurückzubringen?

CHOR
Unglückliche! Wohl längst ist Arindal dahin!

LORA
Was sagt ihr! Weh mir, wenn es möglich sei!
Ihr weckt des eignen Herzen trübe Anhnung:
sie kehrten nimmer mir zurück!
O musst du Hoffnung schwinden,
die du mein einz'ger Trost,
die mich in schweren Leiden
mit holdem Arm umfing!
Den Bruder bald zu sehen,
war mir ein froher Wahn
den Freund bald zu umarmen,
war höchste Wonne mir!
Und kehrte keiner wieder,
welch qualenvoll Geschick!
So müsst ich, ganz verlassen,
allein zu Grunde gehn!

Ein Bote tritt auf.

BOTE
Heil euch! Ich bringe frohe Kunde:
mit Arindal kehrt Morald uns zurück!

CHOR
Was sagt er? Gott, wär's möglich?

LORA
Kaum trau ich meinem Ohr! Wo sahst du sie?

BOTE
Ich zog mit aus, den König aufzusuchen,
wir fanden und bewogen ihn zur Rückkehr!

LORA
Sie kehren mir zurück!
Wie fass ich mich vor hoher Freude!
Wie fass ich mich vor Wonneglut!
Den Busen fühl ich hoch sie heben,
und froh erbebt mein heisses Herz!
Den teuren Bruder soll ich sehn,
des Untergang ist schon beklagt!
Geliebter Freund, du kehrest wieder,
und eilst in deiner Treuen Arm!

CHOR
Welch hohe Freude wird uns wieder,
der Teure kehret uns zurück,
die Hoffnung soll uns wieder heben!
Voll Wonne atme jedes Herz!
Lora eilt ab und kommt mit Arindal und Morold zurück.
O König, sei gegrüsst von deinem treuen Volk!
Der Jubel wehrt dem Leid bei deiner Wiederkehr!

ARINDAL
O hemmet dieses Jubels Töne,
mit Schreckensmahnung drängt er mich!
Denn ach! Zum reichen Königsmantel
wird mir des Vaters Grabgewand!

MORALD
O Lora, sieh, was ich versprochen,
das hielt ich trotz Gefahren dir:
den teuren Bruder bring ich wieder,
gedenkest du des süssen Lohns?

LORA
O, welchen Lohn soll ich dir geben
für dieser Wonne Übermass!
Den Freund, den Bruder hab ich wieder:
Vorüber seh ich alles Leid!

LORA und MORALD
Ich seh dem Schicksal froh entgegen,
und fühle neu gerüstet mich;
Denn Rettung naht dem Vaterlande
und Liebe winkt in deinem Arm!
Dahin flieht alles Leiden
und alle Freuden ziehen ein!
Lass denn zum letzten Kampf uns schreiten,
der uns dem Glück entgegen führt!

ARINDAL
Ich seh dem Schicksal bang entgegen
und fühle fast entmutigt mich;
so viele Not in Heimatlande
und neue Qual noch harret mein.
Wie trage ich wohl alle Leiden,
wie soll ich stark zum Kampfe sein!
Schon drückt die Gegenwart mich nieder,
die zu noch grösserm Schrecken führt!

Alle ab.
Gernot und Gunther kommen.


GERNOT
Wie ist dir's, Gunther, dass du endlich wieder
auf deinen eig'nen Füssen stehen kannst?

GUNTHER
O was für eine schlimme Nacht war dies!
Von solchen Greueln hab ich nie geträumt!

GERNOT
Doch dieser Morgen! War es nicht,
als ob die blut'ge Sonne alles wollt versengen?
Die Erde bebte unter meinem Fuss,
der Blitz verdarb mir mein Gesicht,
der Donner mein Gehör!

GUNTHER
Der König selbst, wie war er doch erschüttert!

GERNOT
Und was find ich nun hier?
Von Feinden alles voll,
kaum noch ein Fussbreit Lands gehöret uns!

GUNTHER
O böse Zeichen, böse Zeiten!

GERNOT
Mir ist's, als hätt ich einen tücht'gen Rausch gehabt,
so geht der Jammer mir durch alle Glieder!
Wenn ich nur meine Drolla fänd!
Sag mir: ist sie noch jung?

GUNTHER
Du fragst mich ziemlich dumm;
seit du von uns, ward sie acht Jahre älter,
damals... war sie ein Kind!

GERNOT
Ich meine hübsch?

GUNTHER
Gewiss!
Ich kam oft in Versuchung

GERNOT
Wie?

GUNTHER
Nun, sie zu trösten!

GERNOT
Das hättest du lassen können!
blieb sie mir treu?

GUNTHER
Ich glaube; frag sie selbst,
dort kommt sie her,
ich lass euch gern allein!
ab.

Drolla kommt.


DROLLA und GERNOT
Wie? Seh ich recht, ist dies nicht Gernot? ( Drolla?)
Du bist's! O welche Freude!
Ach, nach so langen Zeiten
dich endlich wiedersehn!
Dich an mein Herz zu drücken,
ist zum Entzücken ganz!
O sage mir, erzähle,
wie ists dir's doch ergangen?
O erzähle! O erzähle!

GERNOT
Mir ist's recht gut ergangen!
Ich war mit meinem Herrn so lang
bei einer schönen Königin.
In ihrem Schlosse war die Wahl
der hübschen Mädchen wahrlich schwer.
Sie waren alle wie zum Küssen,
die eine blond, die andre braun,
mit blauen und mit schwarzem Augen!

DROLLA
Gewiss, gewiss, ganz allerliebst!

GERNOT
Und da ich auch ein hübscher Bursch,
verliebten alle sich in mich,
und ich, ei nun, und ich

DROLLA
Jetzt stockt er wahrlich mit der Sprache!
O warte nur, du böser Schelm!
Mir dieses in Gesicht zu sagen,
das ist doch wahrlich unerhört!

GERNOT
Jetzt will ich doch von ihr erfahren,
ob sie wohl wirklich mich noch liebt.
Die Eifersucht soll mir es sagen,
glaubt sie, was sie von mir gehört!

DROLLA
So lass auch dir von mir erzählen,
wie mir's so lange Zeit erging!
Bei Hofe war ich hier so lang
als Loras beste Dienerin.
Um sie zu werben zogen her
der schönsten Ritter reiche Zahl;
sie waren alle wie zum Küssen,
der eine blond, der andre braun,
mit blauen und mit schwarzen Augen.

GERNOT
Ich werde selber schwarz und blau!

DROLLA
Und da ich auch nicht hässlich bin,
verliebten alle sich in mich,
und ich, ei nun, und ich

GERNOT
beiseite
Jetzt stockt sie wahrlich mit der Sprache
o warte nur, du böses Ding!
Mir dieses ins Gesicht zu sagen,
das ist doch wahrlich unerhört!

DROLLA
beiseite
Vor Ärger kann er kaum sich fassen!
so ist es recht dem Flattergeist!
Vor Eifersucht soll er verzagen,
glaubt er, was er von mir gehört!

DROLLA und GERNOT
Hinweg von mir, du Falscher! (Falsche!)
Ich mag dich nicht mehr sehn!
So hieltest du die Treu,
die du mir oft geschworen?
In fremde Männer (Mädchen) sich verlieben,
derweil ich in der Fern bin,
das heiss ich wahrlich doch betrügen,
und seine Liebste (seinen Liebsten) hintergehn!

Sie laufen zu verschiedenen Seiten davon, bleiben aber an den äussersten Enden stehen und sehen sich aus der Ferne schüchtern an.

GERNOT
Drolla!

DROLLA
Gernot?

GERNOT
Bist du denn noch nicht fort?

DROLLA
Du bist noch da?

GERNOT
Mich dünkt, du weinst?

DROLLA
Was kümmert's dich, Treuloser!

GERNOT
Ich, treulos? Ach fürwahr, das bin ich nicht!

DROLLA
Hast du's nicht selbst erzählt?

GERNOT
Gelogen, ach, gelogen!
In mich hat keine sich verliebt,
und ich hab nur nach dir mich hingesehnt,
entdecken wollt ich, wie es mit dir stünd?

DROLLA
Und ich hab wahrlich auch gelogen,
in mich hat keiner sich verliebt,
wie ich in keinen mich.
Ich bin dir treu geblieben!
Um dich zu strafen, log ich dir was vor.

GERNOT
Was hör ich? Lass uns sogleich umarmen!
Umarmung
Verzeihung!

DROLLA und GERNOT
So sind wir denn vereint,
um nie uns mehr zu trennen,
kein Argwohn, kein Verdacht
soll je uns scheiden können!
Du liebst mich, welche Freude,
ach, welche Seligkeit!
Erdichtet und erlogen
war, was uns jetzt entzweit!
Wir trennen nie uns mehr,
um ewig froh zu sein!
Umarmung und Kuss. Beide ab.

Ada, Farzana und Zemina treten auf.


ADA
O Grausame, so habt ihr kein Erbarmen
und treibt mich kalt zu diesen grausen Taten?

FARZANA
Verzeih, wir sind nicht Schuld an dem Geschick,
das dir dein eig'ner Will' bereitet hat.

ADA
Doch da ihr wisst, welch Los mich Ärmste trifft,
wenn ich besiegt, so freut ihr euch der Qual?

ZEMINA
O glaub es nicht, denn sie entlockt mir Tränen!
Doch höre: du kannst dich allem noch entziehn,
sobald du jetzt dem Sterblichen entsagst!

FARZANA
Noch ist es Zeit und offen steht die Wahl:
hier langer Tod und dort ein ewig Leben!

ZEMINA und FARZANA
Bedenk, und deine Wahl sei dein Geschick!

Sie verschwinden.
Ada allein


ADA
Weh mir, so nah die fürchterliche Stunde,
die all mein Glück und all mein Elend kennt!
O warum weckt ihr noch in meiner Seele
den Zweifel jener herben Wahl!
Unglückliche, wohin soll ich mich wenden?
Wie so gewiss ist nur mein Untergang,
und ach, wie ungewiss mein Sieg!
Ich häufe selbst die Schrecken an,
die Qualen leit ich auf ihn hin,
ich wecke Zweifel in ihm auf,
die nie ein Sterblicher erträgt!
Von überall stürmt Unglück ein,
sein letzter Stern, die Liebe, sinkt
Nacht wird's um seine Sinne her,
er rächt sich und verflucht sein Weib!
Weh mir! Und dieser Fluch trennt mich von ihm,
und Ewigkeiten treten zwischen uns!
Verzweiflung, Wahnsinn, Tod ist dann sein Los,
und meines fürchterlich: auf hundert Jahr
Verwandelung in Stein!
Ich könnte allem mich entziehn,
steht mir's nicht frei! In ew'ger Schöne
unsterblich, unverwelklich blühn?
Es huldigt mir die Feenwelt,
ich bin ihr Glanz und ihre Zier!
Es ehrt ein unvergänglich Reich
mich, seine hohe Königin!
Ich könnte allem mich entziehn,
in Feen pracht unsterblich blühn!
Betrogne, Unglücksel'ge!
Was ist die Unsterblichkeit?
Ein grenzenloser, ew'ger Tod!
Doch jeder Tag bei ihm
ein neues, ewiges Leben!
So sei es denn! Geschlossen ist die Wahl,
für jenes Leben opf'r ich alles hin!
Mein Arindal!
Begeistern wird auch ihn die Liebe
und Mut zum Kampfe ihm verleihn;
den Zweifel wird er kühn besiegen,
aus meinen Banden mich befrein!
Die falsche Tücke sei vernichtet,
die mich von ihm zu trennen strebt!
All eu'r Bemühen sei vergebens,
das meine Liebe töten will!
Denn sollte er auch unterliegen,
und mich der Felsen in sich schliessen,
so soll die Liebe selbst den Stein
der Sehnsucht Tränen weinen lassen!
Und diese Tränen fühlt mein Gatte,
dieser Seufzer dringt zu ihm,
der Klageruf wird ihn durchbeben,
lässt ihn nicht rasten, treibt ihn her!
Begeistern wird auch ihn die Liebe
und Mut zum Kampfe ihm verleihn,
den Zweifel wird er kühn besiegen,
aus meinem Banden mich befrein!
ab.

Die Bühne bleibt eine Zeitlang leer.
Der Chor des Volkes und der Krieger tritt von verschiedenen Seiten auf.
Lora, Drolla, Arindal, Gunther, Morald und Gernot kommen.


ALLE
Hört ihr des Sturmes Brausen,
das vor den Mauern tobt?
Es sind des Feindes Scharen
zu neuer Wut erwacht!

ARINDAL
Wie bang erfüllt ist meine Brust!

LORA
Auf denn, ihr Freunde, zieht hinauas!

ARINDAL
O wie ertrag ich alle Not!

LORA
Befreiet uns von dieser Not!

DROLLA
So ziehet froh hinaus
zu dem Befreiungskampf!

CHOR
So ziehen wir hinaus
zum letzten Todeskampf!

ARINDAL
Zu kämpfen, ach, vermag ich nicht!

MORALD
Ihr Krieger, kommt, ich führe euch!

ab mit dem Kriegern

LORA
Wie, Bruder, du vermöchtest es,
dem heil'gen Kampf dich zu entziehn?

ARINDAL
O Lora, krank ist meine Seele,
und siech liegt aller Lebensmut!

DROLLA und GERNOT
Seht ihr des Königs trüben Blick,
wie er umsonst nach Fassung ringt?

ARINDAL
Wie soll ich Härt'res noch ertragen,
da diese Not das Schwerste mir?

LORA
Wie soll ich seine Stimmung deuten,
die ihn so schwer darnieder drückt!

Als sich Arindal abwendet, tritt ihm Ada entgegen.

ADA
Weh dir, wenn dies das Schwerste dir erscheint!

ARINDAL
O Himmel, meine Gattin!

ALLE
Wie, dies ist seine Gattin?

Ada gibt ein Zeichen; ihre beiden Kinder erscheinen und stürzen sich in Arindals Arme.

ADA
Jetzt, Arindal, gedenke deines Schwurs!

LORA, DROLLA, GUNTHER, CHOR
O seht die holden Kleinen,
wie lieblich anzuschaun!

GERNOT
Das sind die hübschen Dinger,
die ihm von ihr geschenkt!

ARINDAL
Ach, meine Kinder seh ich wieder,
welch freudig unverhofftes Glück!
Ich lasse sie mir nimmer rauben,
und kein Geschick entreisst sie mir!

ALLE
Seht, o seht die holden Kleinen, etc.

ADA
O hättest du sie nie gesehn!
Zum Jammer wird ihr Anblick dir!

Auf ihren Wink öffnet sich ein feuriger Schlund.

GUNTHER und GERNOT
Was, Teufel, seh' ich da?

CHOR
Entsetzen! Was geschieht?

ARINDAL
Ha, was beginnst du?

ADA
Gib meine Kinder mir zurück!

ARINDAL
Ha nimmermehr! Was soll gescheh'n?

ADA
Lass mich, noch sind sie nicht ganz dein!

Entreiss ihm die Kinder

ARINDAL
Entsetzliche! Sie sind nicht mein?

ADA
Der Feuerschlund soll sie empfangen!

LORA, DROLLA, GUNTHER, CHOR
Ha, was beginnet die Verweg'ne!
Greift an und haltet sie zurück!

ADA
Zurück von mir, Verweg'ner!

ARINDAL
O Weib, ich lass dich nicht gewähren!
Und ihr hinab!

Sie wirft die Kinder in den Schlund, der sogleich verschwindet.

ALLE
O Gott, was haben wir gesehn?
War es nur Täuschung, war es Wahrheit?
Entsetzlich Weib, was tatest du?
Kann man dich eine Mutter nennen?

ARINDAL
Wie mächtig wühlt's in meiner Brust,
es paart sich Vorwurf und Verdacht!

ADA
Wie mächtig wühlt's in seiner Brust!
O Himmel, schütz ihn vor Verdacht!

Flüchtlinge vom Chor der Krieger kommen.

CHOR
Entflieht, wir sind besiegt!

ALLE
Welch neues Unheil stürmt auf uns
und drohet uns mit Untergang!

ADA
Dies Unheil trifft mich mehr als ihn!
Es weihet mich dem Untergang!

ARINDAL
Hier Zwietracht, draussen Untergang,
welch neues Unheil!
Ach, Ada, weisst du keinen Trost
für mich in diesen schweren Leiden?

ADA
Zu deinem Troste kam ich nicht,
zu deiner Qual bin ich erschienen!

ARINDAL
Sie weiset kalt mich sich von ab.
Wie könnte sie den Gatten trösten,
dem sie die Kinder mordete!

LORA
All meine letzte Hoffnung sinkt!
Der treue Harald bleibet aus mit seiner Hilfe,
die er versprach, vom Nachbarlande herzuschaffen!
O, Hilfe jetzt und niemals mehr!

CHOR DES VOLKES
Schon näher dringt der Sturm,
hört ihr den grausen Lärm?

Neue Flüchtlinge kommen.

CHOR DER KRIEGER
Verloren, ach verloren!
Nichts kann uns mehr erretten!

LORA
Ihr Feigen, was entflieht ihr,
führt euch der tapfere Morald nicht?

CHOR DER KRIEGER
Er ist verschwunden uns,
gefangen oder tot!

LORA
mit einem Schrei
Tot!

ALLE
Zu Trümmern stürze alles hin,
der Beste ist gefallen!

ADA
Noch ahnt er nicht, dass ich die Schuld
an allem seinen Elend bin!

CHOR
Seht, dort kommt Harald her,
der Hilfe uns versprach!

ARINDAL
Der letzte Hoffnungsschein!

ADA
Wird mir zum Untergang!

LORA
Sag an, wo sind die Krieger,
die du zur Hilfe bringst?

HARALD
Weh euch, ich bringe nichts!
Vernichtet ist mein Werk!

ALLE
Was sagt er? Keine Hilfe,
nur neuer Untergang?

HARALD
Die besten Krieger hatte ich geworben,
und schon nicht fern mehr waren wir der Stadt,
da stellt sich uns ein Kriegsheer in den Weg,
an seiner Spitze ein gewaffnet Weib.
Sie griff uns an mit unerhörter Macht,
und alles war in kurzer Zeit zerstreut.
Dann sprach das Weib: " Geh heim zu Arindal,
sag ihm, ich sei Ada, die Königin!"

ADA
für sich
O, muss ich dieses noch ertragen!

ARINDAL
Was sagst du? Ist es diese,
die dir den Auftrag gab?

HARALD
Mein König, ja, sie ist's!

ALLE
Entsetzlich! Seine Gattin
ist mit dem Feind in Bund!

ARINDAL
Ha, furchtbar tagt's ib mir!
Ich war von je betrogen!
Ha, schändlich Weib, so bist du jetzt entlarvt,
und deiner argen Tücke Ziel ist da!
Von jenen Zauberinnen bist du eine,
die zum Verderben uns mit Lieb' umstricken!
Du hieltest mich in schnöden Banden fest,
verlocktest mich mit bösem Trug!

ADA
Mein Arindal!

ARINDAL
Um grausam mich zu quälen,
gabst meinen Kindern du den Feuertod,
zertrümmertest mit arger List mein Reich,
ich selbst bin der Verzweiflung preisgegeben!

ADA
Halt ein!

ARINDAL
Zu was dich länger schonen,
um dich zu strafen, gabst du mir die Macht!
Verruchtes Weib, sei denn verflucht!

ADA
Arindal, halt ein! Ah!
entsetzlicher Schrei
Meineidiger, was tatest du!

Zemina und Farzana erscheinen.

ZEMINA und FARZANA
Ada, die Bande sind gelöst,
unsterblich bleibst du, wie zuvor!

ALLE
O Gott, was hören wir,
was hat das zu bedeuten?

ADA
mit wütendem Schmerz
Entsetzlicher! So hieltest du den Schwur?
Mit solchem Mut bewährtest du die Treu?
Verloren, ach verloren! Weh, unglücklich
hast du für Ewigkeit dein Weib gemacht!
So wisse denn, wie gross die Freveltat!
Von einem Sterblichen und einer Fee
bin ich erzeugt und so der Mutter gleich unsterblich.
Da sah ich dich, und dir Meineidigen
wandt ich all meine heisse Liebe zu!
Sie war so gross, dass ich, um dein zu sein,
freiwillig der Unsterblichkeit entsagte!
Der Feenkönig zürnte mir darum,
und da den Rücktritt er nicht wehren konnte,
sucht er ihn dadurch zu erschweren mir,
dass er mir dieses als Bedingnis gab:
acht Jahr dir zu verschweigen, wer ich sei,
und dann den letzten Tag auf dich so viel
der Qualen und der Schrecken aufzuhäufen,
als dich verleiten könnte, mir zu fluchen!
Nur, wenn dein Herz standhaft aus Liebe sei
soll ich das Los der Sterblichkeit erhalten.
Wenn nicht, so sollte ich unsterblich bleiben
und dann noch mein Begehren dadurch büssen,
dass ich auf hundert Jahr in einen Stein verwandelt sei!
Nun denn, du kennst mein Los!

ARINDAL
O Gott, wie braust's in meinem Hirn!
Sag an, bist du nicht schuld an meines Reiches Not?

ADA
Sie endet schneller noch als sie bereitet!

ARINDAL
Nun denn, sind jene Krieger nicht erschlagen,
die dieser mir zu Hilfe brachte?

ADA
Ich tat's! Es waren deines Feindes Krieger,
mit denen Harald dich verraten wollte.

Harald wird ergriffen und abgeführt.

ARINDAL
Und Morald, fiel er nicht, war es nur Schein?

ADA
Durch meine Macht besiegt er jetzt den Feind!

ARINDAL
Was frag ich noch? Schon fasst mich Wahnsinn an!
Doch meiner Kinder Mord verdammet dich!

Auf das Zeichen kommen ihre beiden Kinder und stürzen sich in Arindals Arme.

ADA
Von ihrer Geburt gereinigt, nimm sie hin,
der Erde schönstes Los beglücke sie;
nur mich nimmt grenzenloses Elend auf!

ARINDAL
sinkt zu Adas Füssen zusammen
Nun denn, Verzweiflung, dir gehör ich an!

CHOR DER KRIEGER
hinter der Bühne
Triumph! Wir sind befreit,
erschlagen ist der Feind!

Morald kommt mit den Kriegern.

MORALD
Ich bringe Sieg und Freude,
vernichtet ist der Feind!

ALLE
Was hör ich! Wir sind befreit!

CHOR, DROLLA, GUNTHER, GERNOT
Ertönet, Jubelklänge
zum Himmel hoch empor,
des Sieges Hochgesänge
erschallen jetzt allein!

LORA und MORALD
Ich drücke dich als Sieger
an meine frohe Brust!
Welch unnennbare Freude,
von dir befreit zu sein!
(Dich Holde zu befrein!)

ZEMINA und FARZANA
So ist sie denn gerettet,
zurückgegeben uns.
Nach der Verbannung Leiden
wird sie unsterblich sein!

ADA
Hinweg von mir, Verräter!
Ich stosse dich von mir!
Noch eh der Tag sich endet,
umschliesset mich der Stein!
Arindal windet sich zu Adas Füssen.

ARINDAL
Ach Ada, hab Erbarmen,
stoss mich nicht ganz von dir!
Verzweiflung muss mich fassen,
Wahnsinn mein Ende sein!

Die Bühne verfinstert sich, Ada versinkt mit Zemina und Farzana unter Donner und Blitz. Dann fällt der Vorhang schnell.

DRITTER AKT

Festliche Halle. Morald und Lora auf dem Thron, Drolla, Gernot und Gunther neben ihnen. Chor von Männern und Jungfrauen, festlich geschmückt. Siegesreigen.

CHOR
Heil sei dem holden Frieden
im sanften Himmelsglanz!
Heil sei dem hohen Siege,
der uns den Frieden gab!
Der du zum Siege uns geführt,
sei uns als König jetzt gegrüsst!
Die du im Leiden unser Trost,
sei jetzt als Königin gegrüsst!
Heil, siegesreicher Morald dir!
Heil, tugendreiche Lora dir!
Heil sei euch!

MORALD
Genug, o endet dieser Feste Jubel!
Vor Freude nicht, vor Wehmut bebt mein Herz!
Noch gilt eu'r froher Königsgruss nicht mir!
Denn der mir seine Würde übertrug,
ist dem unseligsten Geschick verfallen.
Des Wahnsinns graue Nacht umhüllet ihn,
und hält die leidenvolle Seel umfangen.
Wenn auch sein Wille mich zum König machte,
so ehrt doch nur so lange mich als Herrscher,
als Arindal dem düstren Wahn erliegt!

LORA
Ach Bruder! Welch beklagenswert Geschick!
Jetzt, da die Freude jeden Busen schwellt,
muss ich dein fürchterliches Los beweinen!

CHOR
Wir ehren euren Schmerz!
Die Freude halte ein!

LORA und MORALD
Allmächtiger,
in deine Himmel
send ich mein brünstig Flehn hinauf!
Lass weichen aus des
(Bruders) (Freundes) (Königs) Sinnen
des Wahnes schreckenvolle Macht!
Ein Strahl aus deinem Glanz
erleuchte seiner Seele Nacht!

ARINDAL
Hallo! Lasst alle Hunde los!
Dort, dort! Die Hirschin! Seht!
Herbei!
Ihr Jäger herbei!
Du, Waidmann, wandre voran!
Juche, es schmettert das Horn!
O seht, schon müde wird das Tier!
Packt an! Ich sende den Pfeil!
Seht wie er fliegt! Ich zielte gut!
Haha! Das traf in's Herz!
O seht, das Tier kann weinen!
Die Träne glänzt in seinem Aug'!
O, wie's gebrochen nach mir schaut!
Wie schön sie ist!
Entsetzen! Ha, es ist kein Tier,
seht her! Es ist mein Weib!
Ich seh den Himmel dort sich öffnen,
die lichten Tore springen auf!
O welcher Duft, o welcher Glanz!
Bin ich ein Gott, dies zu empfinden?
Beschwingt hebt sich mein Geist empor!
Ha, wie der Staub nach unten sinkt!
Es reicht sich eine Hand mir dar,
voll Liebe führt sie mich hinauf,
ich atme milde Götterluft!
Was soll's? Noch bin ich Mensch!
Du seist verflucht!
Haha! So ist's vollbracht!
Jetzt bin ich wieder Staub!
Leg dich zur Ruhe, Staub,
die Erde birgt dich gern!
Ha, wie es um dich dämmert!
Es ist die milde Nacht.
O schaurig, süsse Luft,
befängst du meine Seele?
Ich lag in deinem Arme,
so sanft war meine Ruhe,
ich kann dich nicht umfangen,
du bist so fern, so fern!
Und dennoch nahst du mir,
ja, ja, ich sehe dich!
Warum den tiefen Schmerz
im tränenvollen Blick?

ADA
Mein Gatte Arindal,
was hast du mir getan?
Es schliesst ein kalter Stein
die heisse Liebe ein.
Die Träne nur erweicht
der rauhen Hülle Zwang,
durch alle Schranken dringt
die Liebe noch zu dir,
und hörest du die Klage,
so eile her zu mir!

GROMA
Auf, Arindal, was zauderst du?
Sieh, jenen Schild und jenes Schwert
kann dich dem Sieg, doch jene Leier
noch grösser'm Glück entgegenführen.
Bist du von Mut und Lieb' erfüllt,
so wirst das Höchste du erreichen!

FARZANA
So wäre unsre Ada denn gerettet,
und der Unsterblichkeit zurückgegeben!
Wohlan, vollenden wir das letzte Werk,
damit kein Rückschritt je zu denken sei:
den Sterblichen dem sichern Tod zu weihn!

ZEMINA
Fürwahr, mich jammert Arindals Geschick;
schon büsst er durch des Wahnsinns Schrecken
den Meineid schwer.

FARZANA
O nicht der Meineid bloss, seine Vermessenheit
weiht ihn dem Tod!
Soll ungestraft ein kühner Sterblicher
des Feenreiches Stolz uns rauben wollen?
Wir führen auf den Weg zu Ada ihn;
sie zu befrein, sei er von uns ermuntert.

ZEMINA
Was willst du tun? Ihn auf den Weg geleiten,
auf dem er wirklich sie erlösen kann?

FARZANA
Was fürchtest, Törin, du? Da er als Mensch
zu siegen nicht vermocht, wie sollt er da
bewähren sich, wo Feenkraft nur siegt?
Im Kampfe wird er sicher unterliegen!

ZEMINA und FARZANA
Auf! Erwache, Arindal!

ARINDAL
Wer ruft mich? Ha, wohin
hat mich ein wilder Wahn getragen?
Ich hörte meine Gattin rufen!
O Gott, wie ist die düst're Nacht
durch ihren Ruf zum Tage mir erhellt!

ZEMINA und FARZANA
Nun, Arindal, erkennst du uns?

ARINDAL
Euch seh ich wieder, teure Feen,
die ihr um meine Gattin wart.
Ach, meine Gattin, wo ist sie?

ZEMINA und FARZANA
Hast du den Mut, sie zu befrein?

ARINDAL
Was höre ich? Sie zu befrein
durch meinen Mut könnt es gelingen?

FARZANA
Was prahlest du von deinem Mute?
Ist sie nicht deiner Feigheit Opfer?

ARINDAL
O wende deine Hohn von mir!
Sagt mir, ist sie noch zu befrein?

ZEMINA
Im kalten Steine eingeschlossen
verzweifelt sie an ihrer Rettung.

ARINDAL
Ihr foltert mich! Ich habe Mut!
Wer leitet mich zu ihr dahin?

ZEMINA und FARZANA
Nun denn, wir führen dich zu ihr!

ARINDAL
O Gott, wie fass ich es, zu ihr!
Ach sie, die Gattin zu befrein,
wie füllt es mich mit Freudenglut!
O leitet mich dahin zu ihr,
ihr opf'r ich all mein heisses Blut!

ZEMINA und FARZANA
Ha, diese rasche Freudenglut
wird ihn den sich'ren Tode weihn.
Wir leiten gern ihn hin zu ihr,
denn uns erfreut sein Untergang!

Verwandlung.
Furchtbare Kluft des unterirdischen Reiches. Erdgeister mit scheusslichen Larven durchwogen geschäftig den Ort.


CHOR DER GEISTER
Ihr Geister, auf, bewachet treu
die dunkle Schreckenspforte,
die diese Kluft umschliesst!
Dem Ungeweihten wehrt den Weg!
Er führt zum höchsten Heiligtum!
Ihr Geister auf! Bewachet treu!

ARINDAL
Wo führt ihr hin! Hier schmachtet meine Gattin?

CHOR
Wer naht sich dort?

FARZANA
Ein Sterblicher begehrt von euch den Eintritt!

CHOR
Wehe ihm!

ZEMINA
Nun, Arindal! Bekämpfe jene!

ARINDAL
O diese schreckenvolle Überzahl!

FARZANA
Kleinmütiger, dir bangt?

ARINDAL
Die Liebe siegt!
Weh mir, ich unterliege schon!

GROMA
Den Schild!

ZEMINA und FARZANA
Entsetzlich, ha, er hat gesiegt!
Durch fremde Macht bezwang er sie,
doch siegen soll er nimmermehr!

ARINDAL
O welches Glück, der Sieg ist mein!
Dank sei, Groma, deiner hohen Macht!

GUNTHER und GERNOT
Heil Arindal, und fasse Mut,
zum Siege schreitest du voran!

Die Bühne ist in einen anderen Teil des unterirdischen Reiches verwandelt. Chor von ehernen Männern: fest aneinendergereiht

CHOR DER EHERNEN MÄNNER
Schliesst fest euch an, und haltet stark,
den Eingang wehren wir
zum höchsten Heiligtum!

CHOR
Was will der Fremdling hier?

ZEMINA
Er trotzet eurer Kraft
und fordert euch zum Kampf!

CHOR
Wehe ihm!

ARINDAL
Mich schreckt nicht eure Erzes Schirm,
vernichten soll euch meine Macht!
Weh mir, den Schild verlässt die Kraft!

GROMA
Das Schwert!

ZEMINA und FARZANA
Ha, wehe uns, der Sieg ist sein!
Statt des Vermessenen Verderben
bezwecken wir sein höchstes Glück!

CHOR VON GROMAS UNSICHTBAREN GEISTERN
Heil, Arindal, und fasse Mut,
zum Siege schreitest du voran!

FARZANA
Doch jetzt erlahme seine Kraft!

ARINDAL
Doch sagt! Wo find ich meine Gattin?

FARZANA
Wohlan! Jetzt sollst du sie befrein!

ZEMINA
Sieh, Arindal, dort schmachtet deine Gattin!

ARINDAL
Allmächtiger, wie trag ich diesen Anblick?
Wie nenn ich das Gefühl, das mich durchbebt?
Ist's Wonne, die mir wird durch ihre Nähe?
Ist es Entsetzen, so sie zu erblicken?
Ah, welche Wehmut füllt mein armes Herz.
O Ada! Wie vernichte ich den Fluch?

ZEMINA
Was ziemt's zu klagen hier? Sie zu befrein
kamst du hierher!

ARINDAL
O sagt, wie ich's vollende?

FARZANA
Entzaubre diesen Stein, und sie ist frei!

ARINDAL
Weh mir! Kann Menschenkraft dies je vollbringen?

FARZANA
Versuch's, doch wisse erst, was dich bedroht!
Du bist mit kühn vermess'ner Kraft
gedrungen bis hierher
in der Feen Heiligtum, und kannst du jetzt
dein Werk nicht ganz vollenden,
so büssest du das frevelnde Begehren
mit ewiger Verwandelung in Stein!

ARINDAL
Ha, furchtbar! Dies ist denn mein Los!
Weh mir, es unterliegt mein Mut
und mein Verlangen ist gelähmt.
Vollenden kann ich nicht mein Werk
und lange Qualen sind ihr Los!

FARZANA und ZEMINA
Ha, endlich unterliegt sein Mut
und sein Verlangen ist gelähmt.
Vollendet er jetzt nicht sein Werk,
so ist ein ew'ger Tod sein Los.

CHOR
Mut, Arindal, und sei getrost,
du kannst die Gattin noch befrein!

GROMA
Ergreif die Leier!

ARINDAL
O Gott, was höre ich?
Ja, ich besitze Götterkraft!
Ich kenne ja der holden Töne Macht
der Gotheit, die der Sterbliche besitzt!
Du, heisse Liebe, Sehnsucht und Verlangen
entzaubert denn in Tönen diesen Stein!

ZEMINA und FARZANA
Weh, das ist Gromas Werk!

ARINDAL
O ihr, des Busens Hochgefühle,
die hold in Liebe sich umfah'n!
Und du Verlangen, heisses Sehnen,
mit deinem wonnesüssen Schmerz!
Euch ruf ich auf, aus meinem Busen,
aus meiner Seele schwingt euch auf!
Zusammen fliesse all Empfinden
in holder Töne Zaubermacht,
und flehet an den kalten Stein:
gib meine Gattin mir zurück!

ADA
Jetzt kann mich keine Macht dir rauben!

Die Szene verwandlet sich in einen herrlichen Feenpalast, von Wolken umgeben. Auf einem Thron der Feenkönig, um ihn der Chor der Feen und Geister.

FEENKÖNIG
Du Sterblicher drangst ein in unser Reich,
und die unendliche Gewalt der Liebe
verlieh dir jene hohe Kraft, die nur
Unsterblichen zu eigen ist verliehn!
So wisse denn: durch deine Schuld als Mensch
bleibt Ada jetzt unsterblich, wie sie war;
doch, der sie uns mit Götterkraft entwunden,
ist mehr als Mensch, unsterblich sei, wie sie!

CHOR
Gegrüsst sei Arindal im hohen Feenreiche,
dir ist Unsterblichkeit nach deiner Kraft verliehn!

ADA
Entsage deinem Erdenreich,
mein Feenland beherrsche jetzt!

ARINDAL
Noch fühl ich sterblich mich genug
und kann vor Wonne mich nicht fassen!

ZEMINA und FARZANA
Entzücken kehret wieder ein,
da beide jetzt gewonnen sind!

ARINDAL
Euch beiden geb ich jetzt mein Erdenland,
ein höh'res Reich ist Seligem mir verliehn!
Seid glücklich stets, denn ich beschütze euch!

CHOR
Ein hohes Los hat er errungen,
dem Erdenstaub ist er entrückt!
Drum sei's in Ewigkeit besungen,
wie hoch die Liebe ihn beglückt!

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