Die schweigsame Frau

Die schweigsame Frau

Komische Oper in drei Aufzügen

Libretto

Stefan Zweig (frei nach Ben Jonson)

Uraufführung

24. Juni 1935, Dresden (Staatsoper)

Besetzung

SIR MOROSUS (Bass)
Seine HAUSHÄLTERIN (Alt)
BARBIER SCHNEIDEBART (Bariton)
HENRY MOROSUS (Tenor)
AMINTA, seine Gattin (Sopran)
ISOTTA (Sopran)
CARLOTTA (Mezzosopran)
MORBIO (Bariton)
VANUZZI (Bass)
FARFALLO (Bass)

Ort

Zimmer des Sir Morosus in einem Vorort Londons

Zeit

um 1760

Strauss, Richard

Strauss, Richard (Georg)
11.6.1864 München - 8.9.1949 Garmisch-Partenkirchen


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Guntram (10.5.1894 Weimar)
Feuersnot (21.11.1901 Dresden)
Salome (9.12.1905 Dresden)
Elektra (25.1.1909 Dresden)
Der Rosenkavalier (26.1.1911 Dresden)
Ariadne auf Naxos (25.10.1912 Stuttgart)
Ariadne auf Naxos [rev] (4.10.1916 Wien)
Die Frau ohne Schatten (10.10.1919 Wien)
Intermezzo (4.11.1924 Dresden)
Die ägyptische Helena (6.6.1928 Dresden)
Arabella (1.7.1933 Dresden)
Die ägyptische Helena [rev] (14.8.1933 Salzburg)
Die schweigsame Frau (24.6.1935 Dresden)
Friedenstag (24.7.1938 München)
Daphne (15.10.1938 Dresden)
Guntram [rev] (29.10.1940 Weimar)
Die Liebe der Danae (1940; 14.8.1952 Salzburg)
Capriccio (28.10.1942 München)
rev = Bearbeitung



ERSTER AKT
Morosus, ein alter Seebär, hat sich, um Ruhe zu finden, in sein Haus zurückgezogen. Nichts auf der Welt hasst er so wie Lärm, selbst das Geschwätz seiner Haushälterin geht ihm auf die Nerven und Musik kann er nicht ausstehen. Sein Barbier schlägt vor, eine schweigsame Frau ins Haus zu bringen. Doch obwohl Morosus gerne jemanden um sich hätte, kann er sich nicht entschliessen. Unerwartet kommt sein Neffe zu Besuch. Morosus' Freude wird getrübt, als er erfährt, dass sein Neffe Tenor einer Operntruppe ist. Er enterbt Henry, weil dieser vom Singen nicht lassen will und weist ihn aus dem Haus. Den Barbier beauftragt er, ihm eine schweigsame Frau zu besorgen. Die Komödianten und der Barbier beschliessen, den heiratslustigen Morosus zu prellen. Aminta, Henrys Frau, soll die Schweigsame spielen und dem alten Herrn hinterher die Hölle heiss machen.

ZWEITER AKT
Morosus werden nun drei beiratslustige »Schweigsame« vorgeführt, seine Wahl fällt, wie vorgesehen, auf Aminta, weil sich Carlotta und Isotta dümmlich und affektiert geben. Die Scheinehe wird von den als Pfarrer und Notar verkleideten Komödianten vollzogen, Morosus ist selig. Doch kaum sind beide ein Paar, als sich die schweigsame Frau als wahrer Teufel entpuppt. Sie poltert und zetert und lässt Morosus nicht im unklaren, wer Herr im Haus ist. Jetzt ist Morosus froh, dass Henry verspricht, seine Frau zu beruhigen und ihm zur Ruhe zu verhelfen.

DRITTER AKT
Am nächsten Tag geht das tolle Treiben weiter, Gesangslehrer und Pianist erscheinen, Musik erklingt fortwährend, dazu machen als Arbeiter verkleidete Komödianten allerlei Spektakel, bis Morosus erschöpft um Pause bittet. Er verspricht Aminta die Hälfte seines Vermögens, wenn sie ihn nur verlässt und ist schliesslich froh, Aminta an seinen Neffen loszuwerden. Er gibt seinen Segen zu dessen Verbindung, verzeiht allen, froh, noch einmal davongekommen zu sein: »Wie schön ist doch die Musik, aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist.«


ATTO PRIMO
Sir Morosus è un anziano lupo di mare con la fobia dei rumori; da quando un’esplosione gli ha lacerato i timpani, infatti, ogni suono troppo forte è per lui un tormento fisico. Il cicaleccio della domestica, inviperita contro il barbiere che si burla di lei e non vuol farle da mediatore per convincere Morosus a impalmarla, sveglia il burbero signore, che irrompe in scena scagliando invettive marinaresche. Rimasto solo con lui, il barbiere incomincia a dipingergli la vita coniugale con tinte molto accattivanti; ma proprio quando Morosus sembra dargli retta entra nella stanza un giovane, Henry, nipote carissimo del protagonista e da tempo creduto morto. Dimentico di ogni utopia coniugale, Morosus lo abbraccia come un figlio, ma resta allibito nell’apprendere che Henry, abbandonati gli studi, si è unito a una compagnia teatrale, sposando addirittura una giovane attrice, Aminta; furibondo per le frequentazioni ‘fracassone’ del nipote degenere, Morosus mette tutti alla porta e, prima di ritirarsi nella beata solitudo dei suoi appartamenti personali, ordina al barbiere di procurargli una sposina silenziosa e amorevole per l’indomani stesso, in modo da poter diseredare Henry. Il barbiere mette però gli attori al corrente della disgrazia occorsa a Morosus, giustificando così gli improperi con cui sono stati investiti; per distogliere l’anziano e buon signore dal temerario proposito di sposarsi non rimane che inscenare un finto matrimonio, che lo sconvolga a tal punto da indurlo a perdonare Henry.

ATTO SECONDO
Vengono presentate a Morosus tre fanciulle (tutte attrici della compagnia): egli rimane incantato dalla grazia e dal pudico riserbo di Aminta, presentata a lui sotto il nome di Timidia; interpretati da altri attori complici della beffa, giungono il notaio e il prete, e ha luogo la funzione, intima e sbrigativa, con l’unico contrattempo di un’inopinata intrusione di concittadini e amici di Morosus, che lo festeggiano con rumorosa partecipazione, mandandolo su tutte le furie. Quando i due sposi rimangono soli, Aminta-Timidia deve respingere le prime tenere avances del gentiluomo ignaro, e prende a pretesto l’insistenza di lui (che in realtà è affettuosamente preoccupato per la tristezza che rabbuia il volto della sposina) per esplodere in una sfuriata isterica, con una metamorfosi che annichilisce Morosus. Arriva Henry, e promette allo zio di tenere a bada la vipera che ha preso in moglie; l’atto si conclude con il sommesso russare di Morosus, alla cui porta vegliano abbracciati Aminta e Henry.

ATTO TERZO
Il mattino seguente si presentano i legali, ossia gli amici di Henry, per svolgere le pratiche di separazione; ci sono però più difficoltà del previsto, e Morosus incomincia a disperarsi. Non basta aver sposato una donna che si credeva diversa da come poi si è rivelata, dice il falso giudice, perché questa è una disavventura comune a tutti gli uomini. Isotta e Carlotta intervengono a testimoniare che Timidia ha già avuto un amante; ma nessun codicillo del contratto matrimoniale prevedeva che dovesse essere virgo desponsa , come solennemente obietta l’avvocato Farfallo. A questo punto Morosus è veramente affranto, e il nipote smaschera la finzione; la disavventura si conclude con la risata omerica dello zio gabbato: Aminta e Henry non lo lasceranno più e si fermano a tavola con lui, che si accende la pipa con bonaria serenità, ormai riconciliato con la vita.

Personen:
SIR MOROSUS (Bass)
Seine HAUSHÄLTERIN (Alt)
BARBIER SCHNEIDEBART (Bariton)
HENRY MOROSUS (Tenor)
AMINTA, seine Gattin (Sopran)
ISOTTA (Sopran)
CARLOTTA (Mezzosopran)
MORBIO (Bariton)
VANUZZI (Bass)
FARFALLO (Bass)


Die Werke von Richard Strauss geniessen bis auf weiteres den Schutz des Copyrights
© 1933 Richard Strauss
© 1994 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz

Die nachfolgende Wiedergabe des Librettos geschieht mit freundlicher Genehmigung
der Urheberrechtsgemeinschaft Dr. Richard Strauss
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for all other countries: Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd.

ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE

Zimmer des Sir Morosus. Weiter, unordentlich gehaltener Raum mit vielen Zeichen, die erkennen lassen, dass hier ein ehemaliger Seemann haust: Schiffsmodelle, Fahnen, Gewehre, Anker, Fischgerippe, Takelwerk. Besonders auffällig, dass alle Türen mit dichten Vorhängen oder Säcken geschützt sind.
Vormittagsstunde


DIE HAUSHÄLTERIN
fegt den Staub vom Tische, macht Ordnung. Es klopft

DIE HAUSHÄLTERIN
öffnet, lässt den Barbier herein
Ei, die Ehre, die Ehre! Der Herr Schneidebart, immer zeitig, immer zur Zeit. Komm Er nur, komm Er nur weiter und wart' Er ein wenig! Er schläft noch, der Herr, er schläft Gott sei Dank, da haben wir Ruhe. Da kann man was reden, da kann man noch plaudern.

BARBIER
Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Ich sag's doch, er schläft noch, er schläft, Gott sei Dank. Da kann man noch reden, mir friert schon der Mund. Da darf man sich rühren, denn mein Gott, denn mein Gott, wenn er erwacht, dann ist es zu Ende, Da heisst es sich ducken, ganz stumm tun, und leise herum in Pantoffeln, ganz stumm und ganz leise, kein Wort und kein Atem, kein Schritt und kein Ton, nur schweigen und schweigen, schweigen bis man erstickt! Ach, liebster Herr Bader!

BARBIER
Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich, ich muss Ihm's erklären, ich halt' es nicht aus. Der Herr, Er weiss ja, der Herr ist so streng, und doch, Er weiss ja, der Herr ist so gut. Man will ihm doch helfen, man will ihn doch pflegen, man müht sich, man plagt sich, man denkt nur für ihn, - wie arm und verlassen ist so ein einsamer Mann! Kein Sohn und kein Neffe, kein Freund und kein Schwäher undvo r allem, und vor allem, ach ja, keine Frau! Keine brave, keine treue, keine rechte und echte, keine ehrliche, redliche, sorgliche Frau ...

BARBIER
Zum Teufel, meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich - Versteht sich, nicht eine, die frech ist und windig, nicht so ein verbuhltes, ludriges Ding... Keine junge, oh nein, keine junge, keine grüne, nicht so ein Püppchen aus Zucker und Wachs, nein, nein, eine rechte, erfahren und fleissig, sehr still und sehr schweigsam, schon reif in den Jahren - so etwa in meinen - genau und gelassen, zwar sparsam, doch flink, nicht hitzig, doch munter, so eine, so eine ... ich meine, die treu ist und gut.

BARBIER
Zum Teufel, ich hab' meine Zeit nicht gestohlen! Was schwätzt Sie und schwatzt Sie! Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich, ich meine nur ... Er weiss doch, Er kennt doch, Er kennt doch den gnädigen Herrn . . ; Er hat sein Vertrauen, Er plaudert mit ihm. Da dacht ich, Er könnt' doch verstohlen . . .

BARBIER
Potz Kreuz, ich bin zum Barbieren bestellt.

AUSHÄLTERIN
ch mein' nur . .. ach hört doch, ich denke ...

BARBIER
Den Schaum schlag' ich selber, was schwätzt Sie? Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Nur dies noch. . Er könnte doch ... ich meine.. ich zahlt' es Ihm gut ... ich meine, Er könnte dem Herren doch sagen ... versteht sich, ich zahlt' es Ihm gut ... Er könnt' Ihm doch sagen .... Er begreift mich, ich zahlt' es Ihm gut ... Was braucht er lang' suchen, der gnädige Herr ... Mich hat er erprobt. Seit siebzehn Jahren ...

BARBIER
Schwätzt Sie und schwatzt Sie allein wie ein Kirchenspiel von morgens bis abends -

DIE HAUSHÄLTERIN
Er könnt' Ihm doch raten ...

BARBIER
ausbrechend
Euch zum Henker zu jagen, Euch altes, verschwatztes, verwittertes Weib!

DIE HAUSHÄLTERIN
aufschreiend
Ai!

BARBIER
Eh' an den Glockenklöppel von Sankt Pankraz sich hängen als an Euren Hals! Eh' sich nackt in ein Nesselfeld legen, als mit Euch ins Bett!

DIE HAUSHÄLTERIN
schriller
Ai!

BARBIER
Eh' sich alle Backenzähne reihenweis ausziehn zu lassen, als ein Ja" vor dem Pfarrer!

DIE HAUSHÄLTERIN
Er Grobian, - Er. . . Er ...

BARBIER
Eh' sich inokulieren zu lassen mit Narrenkraut, als Euch zu sponsieren!

DIE HAUSHÄLTERIN
Was erlaubt Er sich gegen eine ehrsame Wittib? Er will reden! Er, Er elender Bartschaber, Er lediger Kindermacher, Er Kuppelmajor und Mixturenmischer, Er ausgeflogener Galgenvogel, Er ausgepichter, ausgejagter Tanzmeister des Teufels? Hinaus aus dem Haus! Marschier' Er sofort! Hinaus!

BARBIER
Ruhig, alter Scherben, oder ich schlag' dich in Trümmer!

DIE HAUSHÄLTERIN
sehr grell
Mich schlagen, du Hundsknochen? Mich schlagen, eine ehrsame Wittib? Hinaus mit Ihm, hinaus aus dem Haus . .

ZWEITE SZENE

SIR MOROSUS
stürzt aus dem Schlafzimmer hervor. Er ist im Morgenrock, hält eine lange türkische Pfeife in der Hand, deren langen Stiel er vom Pfeifenkopf wegreisst und gegen die erschrockene Haushälterin schwingt. Losdreschend

Da eine in deine Takelage, du altes wurmstichiges Wrack! Ich will dich lehren, Lärm machen. Da noch eine Breitseite und noch eine und noch eine! Mich willst du entern, du rostiger Ankerhaken ? Mich willst du als Prise nehmen, du morsche Galeere? Ich werde dir Wind machen, dass du zum Satan fährst. Marsch, in deine Koje und nicht wieder heraus! Marsch und keinen Ton mehr oder ...

DIE HAUSHÄLTERIN
ist durch die Tür entflohen

BARBIER
Morosus unterbrechend und beruhigend
Nur nicht so cholerisch, gnädiger Herr, es schlägt sich auf die Leber und macht schwarzes Blut. Nur Ruhe! Sie ist die Spucke nicht wert. Nur Ruhe, nur Ruhe!

MOROSUS
ärgerlich auf den Barbiersessel sich niederlassend
Ruhe? Warum soll ich Ruhe halten? Warum gerade ich? Warum ich allein in diesem Lärmkessel des Teufels? Wer lässt mir Ruhe?

BARBIER
ihm das Tuch umbindend und den Schaum schlagend, höflich, friseurhaft
Euer Liebden haben, ich fürchte, schlecht geschlafen.

MOROSUS
Schlafen? Wie kann man schlafen, wenn immer eine ganze Herde von Brüllhälsen wach ist? Schlafen denn die andern Menschen in der Stadt? Und lassen sie einen friedsamen Bürger schlafen? Nein, sie rennen auf die Strasse, sie toben in den Schenken, sie kotzen die Nacht voll mit ihrem vermaledeiten Lärm! Oh Gott, wie ist dieses Eselsgeschlecht der Menschen erfindungsreich im Spektakulieren! Das fiedelt und flötet, das pfeift und trompetet, das brummt und das schrummt, das rauft und besauft sich, das klimpert und stümpert und setzt niemals aus, nie, nie wird's hier still in Gasse und Haus!

BARBIER
ihn beflissen einseif end, nach hurtiger Friseursart
Wohl, wohl, eine Schande ists, wie die gestrengen Verordnungen seiner Majestät des Königs und des löblichen Magistrats missachtet werden in dieser Stadt. Aber solange das Volk Geld in der Tasche hat, will es saufen, und wenn es gesoffen hat, dann geht's ans Raufen, und leider, leider, das ist jederzeit mit Geschrei verbunden. Da hilft nichts, als dass ein ruheliebender Bürger selber sein Gläschen Ale trinken geht und im Wirtshaus abwartet, bis die Scharwache die Gassen reinfegt. Um Mitternacht wird's dann schon still!

MOROSUS
ihn wegstossend vor Zorn
Still? Um Mitternacht still? Und die Glocken? Die verfluchten, vermaledeiten Glocken? Wann werden die jemals still?

Oh diese Glocken,
Die bös und schwarz auf den Türmen hocken,
Unsichtbar stumm im Gestühle kauern
Und die Zeit, die unendliche Zeit belauern!
Und plötzlich mit einem donnernden Stoss,
Fahren sie los:
Ping, pang,
Schwing, schwang,
Stundenlang,
Die grossen, die schweren,
Die donnern und dröhnen,
Die kleinen, die dünnen,
Die plärren und stöhnen,
Immer und immer
Schmeissen sie einem Lärm ins Zimmer;
Ob es dunkelt, ob's dämmert,
Bei Nacht und bei Tag,
Immer und immer
Dieser grässliche, grausame Stundenschlag!
Oh, die Glocken,
Die entsetzlichen Glocken,
Bald gröhlen sie, um in die Kirche zu locken,
Wenn einer krepiert,
Wenn einer geboren,
Wenn ein Narr einem Weib sich zur Ehe verschworen,
Wenn ein Dieb zum Galgen befördert wird,
Immer, immer,
Immer werden die Glocken gerührt!

BARBIER
die rechte Seite rasierend
Sehr wahr, Euer Liebden, nicht einmal Sonntag feiern sie wie sonst jeder ehrsame Handwerksmann. Aber die Glocken unterstehen der Diözese und nicht der Judikatur des Magistrats. So tut jeder Bürger, dem sein ehrlicher Schlaf lieb ist, wohl, seine Läden gut zu schliessen gegen dieses ärgerliche Gel.trm und er hat Ruh' im Haus.

MOROSUS
ihn wieder wegstossend
Ruhe im Haus? Wann hab' ich Ruhe im Haus? Ist dieses Weib nicht da, das mehr Lärm macht als ein achtzehngräd'ger Monsun? Ah, dieses Plappermaul, das mehr Worte in einer Minute abschiesst als seiner Majestät bestes Kriegsschiff Salven in einer Stunde. jetzt fegt sie die Zimmer, jetzt schlägt sie die Türen, bald klopft sie und knattert, bald schwatzt sie und schnattert, beständig zeigt sie sich höllisch lebendig und nie, niemals schweigt sie.

BARBIER
Einen solchen Drachen würde ich an Eurer Gnaden Stelle per Stückfracht dahin spedieren, wo der Pfeffer wächst und nähme mir dafür eine junge ins Haus, still und gefügig, ein schmuckes Weibchen, ein sanftes Täubchen, ein zartes, zärtliches Zeitvertreibchen - eine nette, adrette, schweigsame Frau!

MOROSUS
Ha! Eine schweigsame Frau? Ein Meer ohne Salz? Ein Schiff ohne Ratten ? Eine Frau, die nicht schnattert? Siebenmal bin ich ums Kap gesegelt und vom Eismeer bis ins Affenland und habe vierundsechzig Jahre keine begegnet! Eine schweigsame Frau, die findet man nur auf Kirchhöfen und unterm steinernen Kreuz!

BARBIER
hat das Rasieren beendet, stäubt ihn mit Puder ein und bereitet die Brennscheren vor für die Perücke
Euer Gnaden belieben zu übertreiben. Sind nicht so rar, die stillen Täubchen, flattern nur nicht aus, sitzen brav gehorsam im Taubenschlag bei Vater und Mutter, und ausser im Kirchstuhl sieht sie kein Mann. Ein Dutzend an jedem Finger wüsst' ich, die sich glücklich schätzten, einen so respektablen, hochehrenswerten S quire wie Euer Gnaden betreuen zu dürfen. Und gar heiraten, geheiratet werden, ach, sie liefen hundert Meilen weit, denn die ehrsamen Männer sind rar geworden und . . .

MOROSUS
Will Er mich zum Narren haben? Eine junge Frau ins Haus, das hiesse mich drei Wochen später auf der Bahre!

BARBIER
Mit nichten, mit nichten! Glauben Euer Gnaden einem geprüften Bader, der siebenmal mehr weiss als jeder Medikus von der Royal Academy: es gibtkein besseres Remedium, um das Blut warm zu halten, als eine junge Frau! Das schmeidigt den Schlaf, das schmächtigt die Galle und sänftigt die Laune, das heitert den Sinn, das vergütigt die Seele. Ach, kein Arcanum tut einem ältlichen Herzen so wohl als eine junge, zärtliche Frau. Es ist ein Elektron in ihrem Blick, das alle guten Kräfte im Mann aufziehet und fruchtbar macht. Es ist wie gefilterte Sonne, die das Herz wieder zum Blühen bringt. Denkt Euch's nur aus:

Es wird Abend, der Ofen friert kalt,
Man fühlt sich verlassen, man fühlt sich uralt. -
Es wird traurig und schaurig, wird so furchtbar stumm,
Als sässe der Tod in der Stube herum.
Da tritt sie herein,
Ein Stück lebendiger Sonnenschein,
Bringt Wärme und Blüte, bringt Güte und Licht
Mit hilfreichen Händen, mit frohem Gesicht,
Und alles Grauen ist fortgetan.
Man hält sich die Hände, man blickt sich an,
Man plaudert, man schweigt, man lächelt sich zu,
Man spricht sich, man scherzt sich und träumt sich
Zur Ruh. -
Wär das nicht schön?

MOROSUS
plötzlich nachdenklich werdend. Ganz träumerisch vor sich hin
Ja, das wär schön! Nicht so bang, - nicht so leer, -- nicht so sterbensallein
Jeden Tag, jede Nacht mit sich selber zu sein.
Kein Sohn, kein Erbe, kein Neffe, kein Freund,
Kein Mensch auf der Welt, der es herzlich meint.
ja, das wär schön! -
Irgendwen
Zu wissen, für den man da ist,
Der einem gut, - der einem nah' ist,
Mit dem man atmet, mit dem man denkt.
Wenn einem die Angst in die Kehle drängt.
Irgendwen,
Für den man lebt und dem man stirbt,
Und dass einer da ist, wenn man erkaltet,
Der einem die Augen zudrückt und die Hände faltet,
tief atmend
Ja, das wär schön. -

BARBIER
schnell
Also verstatten Euer Gnaden, ein wenig Umschau zu halten, ich kenne alle Mütter und Väter und Tanten und Töchter im Umkreis von siebzehn Meilen, ich brächte Euch das Feinste, das Stillste, das Lieblichste, das Leiseste aus der ganzen Grafschaft ...

MOROSUS
Unsinn, mach' keinen Scherz! Welches Mädchen sollte mich nehmen wollen, mich alten, bösen, bissigen Mann? Was jung ist, liebt die Jugend, und recht so! Nein, nein, ich bin zu alt, ich bin zu alt !

BARBIER
Oh, Euer Gnaden tun sich selber Unrecht. Es gibt solche und solche bei den Jungfern, und solche, die gar keine sind. Es gibt törichte und kluge, und die Klugen wissen, dass das Alter gütig ist und die Jugend frech, die Schönheit vergänglich und das Geld beständig, und sie wählen tausendmal lieber einen Mann mit Würde und Ehre, als einen Tunichtgut.
Er hat die Brennschere in der Hand und singt, während er die Locken aufwickelt und einrollt, die Kanzone
Mädchen nur, die nichts erfahren,
Sind vom blossen Blick betört,
Nicht nach Rang, nur nach den Jahren
Messen sie des Mannes Wert.
Keiner kann da grob genung sein,
Denn sie suchen ohne Halt
In der Liebe nur das Jungsein,
In dem Mann nur die Gestalt.

MOROSUS
Ja, ich bin mir längst im klaren,
Ja, ach ja, ich bin zu alt.

BARBIER
Anders aber lieben Frauen,
Kraft und Reife zieht sie an,
Nur wem sie getrost vertrauen,
Ehren sie als rechten Mann.
Gern beugt jede sich und fügt sich,
Wo sie Geist spürt und Gehalt.
Wer nur Jugend sucht betrügt sich,
Jede Kluge weiss das bald.

MOROSUS
Ich, ich sehe, Er belügt mich,
Nein, ach nein, ich bin zu alt. -

BARBIER
Diese lieben, jene schwärmen,
Sucht Euch nur die Rechte aus.

MOROSUS
Nein, sie werden beide immer lärmen,
Ruhe will ich, Ruh' im Haus!

DRITTE SZENE

Ein plötzlicher harter Schlag mit dem Klopfer an die äussere Türe

MOROSUS
aufspringend wie von einer Kugel getroffen
Ah!

BARBIER
hat die Brennschere fallen gelassen vor Schreck
Gnädiger Herr!

Neues kräftiges Pochen

MOROSUS
Ah! Mein Stock! Wo ist mein Stock? Ich muss diesem Schurken den Schädel eindreschen!

BARBIER
ihn haltend
Euer Gnaden, temperiert Euch! Es kann ein Schlagfluss resultieren, wenn Euer Gnaden sich so echauffieren.

MOROSUS
mit ihm ringend
Meine Ruhe! Ich will keine Menschen im Haus! Meine Ruhe will ich!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
draussen, unsichtbar
Für niemanden! Sir Morosus empfängt niemanden.

STIMME DES HENRY MOROSUS
unsichtbar
Ich muss ihn aber sprechen.

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Ist nicht zu sprechen.

STIMME HENRYS
Muss zu sprechen sein!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Nein!

STIMME HENRYS
Doch!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Nein!

STIMME HENRYS
Doch!

MOROSUS
Ah, du Kröte! Ich werde dich breitschlagen!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Was, mit Gewalt?

STIMME HENRYS
noch draussen
Ich muss herein.

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
draussen
Lasst mich los.

MOROSUS
innen zum Barbier
Lass mich los, Verfluchter!
Morosus hat sich losgerissen, rennt nach seinem Prügel und stürzt mit dem geschwungenen Stock nach der Tür

HAUSHÄLTERIN
fliegt in diesem Augenblick durch die aufgerissene Tür herein und zu Boden, hinter ihr Henry

HENRY
ich werde dir zeigen, mir den Weg zu sperren!

MOROSUS
Ah..
Er schwingt den Stock, um auf Henry loszuschlagen. Plötzlich lässt er den Stock starr erhoben schweben, fragend
Henry?

HENRY
Mein teuerster Ohm!

MOROSUS
begeisterter, sicherer
Henry? Wirklich Henry?

HENRY
Und meines Oheims allergetreuester Neffe!

MOROSUS
Henry!
Er lässt den Stock fallen und umarmt ihn. Zärtlich ihn nach vorn führend
Du lebst?

HENRY
Ich lebe.

MOROSUS
Du bist nicht tot ?

HENRY
Nicht dass ich wüsste.

MOROSUS
Du bist nicht gestorben?

HENRY
Nicht dass ich dessen mich erinnerte.

MOROSUS
Aber du warst verschwunden von der Universität Pavia; niemand konnte mir Nachricht geben.

HENRY
Ach, Ohm, verzeiht mir's. Mich langweilten die Bücher, mich ekelte die Jurisprudenz, mich widerte der ganze papierene Kram. So lief ich davon.

MOROSUS
breit lachend
Ha! Liefst davon? Einfach davon? Bravo, bravo! Ein Morosus, ein echter Morosus, mein wahrer BruderSohn! So sind wir, nicht zu halten, nicht zu binden, immer dem Abenteuer nach. Genau so entlief ich vor vierzig Jahren vom Gut meines Vaters zur Flotte, mich herumzuschlagen mit Tod und Teufel. Ein echter Morosus! Unser Blut, unser Sinn! Aber nun bleibst du hier?

HENRY
Wenn Ihr's verstattet, mein gütigster Ohm. Doch ...

MOROSUS
zum Barbier
Er bleibt hier. Habt ihr's gehört? Ihm dies Haus, ihm mein Erbe! Alles ihm! jetzt brauch' ich keine Braut, keine Frau, keine Mädchen, keine stummen und schweigsamen ' sie sollen einen Schuster heiraten oder einen Krämer und ich geb' meinen Segen, jetzt ist er da, mein Erbe, mein Sohn. Du wirst ihn rasieren.
zur Haushälterin
Du wirst ihn betreuen! Die oberen Zimmer für ihn! Alles für ihn! Ab, mein Henry, jetzt weiss ich wieder, wozu inan lebt. Komm, leg' ab, setz' dich her, komm in meine Arme, wackrer junge, komm, ich bin hundeneugierig, von dir zu hören.

HENRY
Ja, gerne, gerne… doch möcht' ich erst …

MOROSUS
Ganz - was dir beliebt! Du bist bei dir zu Hause! Soll man dir ein Bad rüsten? Willst du essen? Willst du trinken ? Nur setz' dich, setz' dich her, mein junge, lass mich freuen an dir!

HENRY
unruhig
Ja, es ist nur ... wie soll ich's Euch erklären ... ich bin nicht allein.

MOROSUS
Nicht allein?

HENRY
Ich bin mit ihnen ... sie sind mit mir ... sie warten unten ... nämlich ... nämlich
zögernd
meine Truppe ...

MOROSUS
falsch verstehend, begeistert
Deine Truppen? Du hast sie mitgebracht, deine Soldaten? Ha, ich dacht' es gleich, ein Morosus klebt nicht bei Büchern, den lockt's ins Abenteuer. Wacker, wacker! Ein echter Morosus, das gute, feurige Blut! Wer mit einem Morosus gefochten, ist mein Freund, mein Gast! Her mit deinen Soldaten! Alle herauf!
Zum Fenster hinunterrufend
Herauf! alle herauf! Ihr seid alle geladen.
Wieder zu Henry
Ich will sie sehen, deine jungen, sie sollen mir er-zählen von deinen Heldentaten, ein alter Seemann hört nichts lieber als von Schlachten und Kriegen!
Zur Haushälterin
Wein her! Krüge und Becher! Ah, wie freu' ich mich, mein Henry, deine Kameraden zu bewirten, es sind doch des Herrgotts beste Söhne, die Soldaten, und ich war auch einer von ihnen.

Kleiner humoristischer Marsch. Es tritt auf die Operntruppe Cesare Vanuzzis: zuerst Cesare Vanuzzi, schlecht angezogen, aber pathetisch und gravitätisch. Carlo Morbio, Giuseppe Farfallo, drei Sängerinnen: Aminta, Isotta und Carlotta, hinter ihnen zwei bis vier andere Sänger, die gewissermassen den kleinen Chor bilden. Sie treten gravitätisch ein, die Frauen machen devote Kratzfüsse

MOROSUS
hat überrascht und sprachlos dem Aufzug zugesehen, dann indigniert, mit erwachendem Zorn
Das deine Truppen? Deine Soldaten?

HENRY
ängstlich
Allerdings. . . jawohl ... unsere Truppe ... Die hoch- berühmte Compagnia Maestro Cesare Vanuzzis ...
sich fassend
gestattet, Ohm, Euch zu präsentieren: Cavaliere Cesare Vanuzzi, der Principal unserer Opera, Ritter des goldenen Sporens, der Apoll Italiens ... hochbeliebt bei Seiner Heiligkeit, Gast der illustresten Höfe ...

VANUZZI
sich verbeugend
und Euer Gnaden ergebenster servitore.

HENRY
Dies Carlo Morbio, gefeiert für seinen Orfeo, dies Giu-seppe Farfallo, der Liebling Bolognas, - dies Aminta, dies Isotta, dies Carlotta, dies die andern Kameraden.

MOROSUS
misstrauisch
Du willst doch nicht sagen, dass du gleichfalls singst ?

HENRY
Ich habe mich nicht ohne Erfolg darum bemüht.

VANUZZI
Nicht so bescheiden! Ein junger Meister, Euer Gnaden! Parola d'onore, das Entzücken von San Carlo und Santa Capella.

MOROSUS
Doch nicht in publico singst?

HENRY
Allerdings. Seit einigen Monden.

MOROSUS
Für Geld? Ein Morosus? Du lässt dich bezahlen?

HENRY
Ich darf zu meinen Gunsten vorbringen, dass ich bisher sehr schlecht bezahlt wurde.

MOROSUS
Und wozu ... wozu schleppst du all die mit nach England? Was soll das da?

HENRY
Cavaliere Vanuzzis Ruhm ist bis in unser Vaterland gedrungen. Ein Impresario hat ihn gewonnen, im Haymarket-Theater einige seiner berühmten Operas zu produzieren, wir hoffen auf den geneigten Beifall Ihrer Majestäten und die Gunst des Publikums.

MOROSUS
Und wenn dazu im Chorus die himmlischen Heerscharen singen wollten, ich hör' mir's nicht an. Eher auf die Galeeren als zu diesem neumodischen Ohrengeschinde, das man Operas nennt! Mögen sie trillern und brüllen, bis ihnen der Kehlkopf platzt. Ich hoffe nur, du, ein Morosus, machst mir nicht die Schande, dich hierzulanden mit ihnen zu zeigen.

HENRY
Cavaliere Vanuzzi hat mir den Part des Primo Tenore zugedacht. Ich werde den Orlando singen in der Opera des göttlichen ...

MOROSUS
Du wirst nicht singen!

HENRY
Ich werde singen!

MOROSUS
Du wirst nicht singen!

HENRY
Ich werde singen!

MOROSUS
Ich verbiete es. Ich dulde die Schande nicht. Unser ehrlicher Name! Unser angeseh'nes Haus! Ein Morosus neben Kastraten und Gauklern! Ein -Morosus! Ich verbiete es! Ich verbiete es!

HENRY
Hört mich an, gütigster Ohm!

MOROSUS
Ich will nichts hören. Ruhe will ich, Ruhe! Ein Morosus, der singt, ist kein Morosus! Sofort verlässt du diese Truppe!

HENRY
Ich kann sie nicht verlassen. Ich bin gebunden an sie! Mit meinem Wort, mit meiner Ehre, mit -
er zieht die zögernde Aminta heran
meiner Liebe. Ich wagt' es Euch nicht gleich zu gestehen, Ohm. Diese, Aminta, ist meine Frau.

MOROSUS
Deine Frau? Eine Sängerin? Und sie soll in mein Haus? Eine Lärmmacherin, eine Ohrenschinderin, eine Komödiantin, eine Gauklerin, eine ...

HENRY
Genug und zu viel! Wenn sie Euch nicht willkommen ist, dann gehe ich mit ihr.

MOROSUS
Drei Komödianten! Sechs Komödianten! Eine ganze Opera in meinem Haus? Bist du toll? Fort mit denen allen, oder - ich enterbe dich!

HENRY
Mein gütigster Ohm!

MOROSUS
immer wilder
Ich enterbe dich! Kein Pfund und keinen Schilling! Lieber vor die Ratten! Lieber ins Wasser! Oh diese Schande! Ein Morosus mit solchen Kujonen, solchem Galgenholz, mit solchen Strassenläufern, Bettelsängern ...

VANUZZI
ausbrechend
Ah! C'è troppo! Das mir! Einem Ritter vom goldenen Sporn!

Alle durcheinander zusammen und auf die einzelnen Invektiven Morosus' einsetzend, immer stärker, erbitterter, schliess-lich zum Tumult werdend

MOROSUS
Solchen ausgestäupten Halunken! Solchen Weissnichtwohers!

MORBIO
Impertinenza! Was erlaubt er sich!

FARFALLO
Che arroganza! Mich, der vor dem Papst gesungen!

HENRY
Ohm, ich beschwöre Euch, moderier Er sich!

MOROSUS
Mit Dirnen und Hübschlerinnen ...

ISOTTA
Was erlaubt Er sich!

CARLOTTA
Was erfrecht Er sich!

MOROSUS
Mit solchem zusammengelesenen Pack, das für zehn Soldi Speichel frisst, das für jedes Bravo buckelt, das für ein Goldstück heult und hurt ... Fort mit denen allen, oder ich enterbe dich!

HENRY
Das ist zuviel! Das duld' ich nicht. Ihr beleidigt meine Frau!

VANUZZI
Meinen Degen! Meinen Degen! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Ich muss ihm die Ohren abschneiden!

MORBIO
Vor die Justiz! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat uns beschimpft! Soddisfazione!

FARFALLO
Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat mich beschimpft! Soddisfazione!

ISOTTA
Meine Ehre! Meine Ehre! Ich klage ihn an! Vor die Justiz!

CARLOTTA
Ein Saufbold! Ein Weinfass! Er weiss nicht, was er spricht! Was erlaubt er sich!

CHORUS DER ANDERN
Soddisfazione! Er hat uns beleidigt. Soddisfazione! Vor die Justiz!

MOROSUS
hat den Stock ergriffen, schlägt damit schmetternd auf denTisch. Alles flieht auseinander und schweigt
Ruhe! Ruhe in meinem Haus! Hier bin ich der Herr und ich allein.
Zu Henry
Ich kenne dich nicht mehr. Du bist gestorben für mich. Ein Morosus, der singt, ist kein Morosus. jetzt wird reiner Tisch gemacht.
Zum Barbier
Morgen bringst du mir eine Frau, eine stille, schweig-
same Frau, und gleich auch Pfarrer und Notar! Sofort
wird geheiratet, morgen noch, sofort, alles soll ihr ge-
hören, alles! Morgen, verstanden ?

HENRY
Aber gütigster Ohm! Hört mich an!

FARFALLO
beiseite
Che arroganza! Impertinenza!

VANUZZI
Mich, einen Ritter vom goldenen Sporn!

MORBIO
Mich, der vorm Papst gesungen!

MOROSUS
wütend
Ich bin nicht gütig! Ich bin nicht mehr dein Ohm! Kein Schritt mehr über die Schwelle! Fort mit deinem Pack!
Zum Barbier
Und morgen die Frau her, und käm' sie aus dem Armenhaus! Nur still muss sie sein, nur still, nicht singen darf sie, verstanden! Endlich jemand, der nicht schreit und nicht zetert, der einem nicht Lärm in die Ohren schmettert. Meine Ruhe will ich, meine Ruhe! Endlich einmal Ruhe!
brüsk zu den andern
Hol' euch alle der Henker!
läuft hinaus und schmettert die Tür hinter sich zu

LETZTE SZENE

HENRY
ganz konsterniert
Oh Gott, war das ein saurer Empfang!

AMINTA
Ach, Liebster, ich hatte es immer geahnt, er wird mich nicht mögen, er stösst uns von sich! jetzt hast du alles durch mich verloren, alles durch meine Schuld: die Heimat, das Haus, das Erbe, den Ohm!

FARFALLO
Grosser Verlust! Ein solcher Grobian! Ein solcher Banause! Ein solcher Sack voll Gift und Galle!

MORBIO
Ein solcher Grobian! Ein solcher Sack voll Gift und Galle! Ein solcher Banause!

VANUZZI
Mich einen Bettelmusikanten! Mich, Cesare Vanuzzi! Oh, canaglia!

ISOTTA
Ein solcher Sack voll Gift und Galle! Ein solcher Banause!

CARLOTTA
Ein solcher Banause! Eine Dirne mich! Mich, die mit dem Prinzen von Guastalla nicht schlafen wollte für dreihundert Dukaten und eine diamantene Uhr!

MORBIO
Ein solcher Banause! Die Ohren sollte man ihm abschneiden und an die Tür nageln!

FARFALLO
Che sono io? Die Zähne ausreissen, dass er nicht mehr schimpfieren kann, dieser Schreihals!

ISOTTA
Ihm das Haus anzünden!

VANUZZI
Aber die Kunst hat er gelästert, unsere Kunst hat er geschmäht, das soll er büssen. Ein Katzenkonzert jeden Abend vor seiner Tür. Grossi Timpani e Tromboni jeden Abend, jeden Abend, bis er revoziert.

CHORUS
Ein Katzenkonzert! ja, ja! jeden Abend. Bis er revoziert!

BARBIER
dazwischentretend
Sachte, sachte, illustre Herren! Es gibt hierzulande Gesetze, welche die Nachtruhe jedes ehrsamen Bürgers beschirmen. Und dann, mit Verlaub, ihr tut Sir Morosus unrecht.

HENRY
Unrecht? Er hat mich enterbt!

AMINTA
Unrecht? Er hat mich verstossen!


MORBIO
Unrecht? Er hat uns beschimpft!

CARLOTTA
Er hat mich beleidigt.

ISOTTA
Er hat mich gekränkt!

CHORUS
Unrecht? Zum Henker hat er uns geschickt! Zum Henker!

BARBIER
Piano, piano! Und ich sage euch, er ist ein kreuzbraver Kerl, der Beste in der ganzen Grafschaft, er ist leutselig und freigebig, eine Seele aus Wachs, ein Herz von Gold. Nur mit den Ohren hapert's bei ihm, der Arme kann Lärm partout nicht vertragen, an den Ohren ist er so kitzlig wie andere unter der Sohle. Er ist einmal mit der Pulverkammer seiner Galione in die Luft geflogen, den Krach hat man vierzig Meilen weit gehört, ein Kirchturm ist drüber eingestürzt ' halbgeröstet haben sie ihn aus dem Wasser gefischt, er war - ein Wunder - lebendig. Nur das Trommelfell ist in tausend Winde gegangen. Seitdem, versteht ihr's, kann er keine Art von Lärm ertragen, ausser den er selber macht.

AMINTA
Ach der Arme! Hätten wir das doch geahnt!

BARBIER
zu Henry
Und was Euch anbelangt, junger Herr - nicht so hitzig! Ich würde mir den Handel doch noch überlegen, eh' ich solche Erbschaft fahren liesse. Bares Geld wächst nicht so flink wie die Disteln, und der alte Herr da hat mehr davon als England Trunkenbolde. Er hat zwei spanische Silberschiffe gekapert und auch sonst fleissig Prisen heimgebracht.
Da unten im Keller stehen allerhand Kisten, wenn man die anstösst, dann klirrt's und klimpert's und klingt's von goldener Musik, ich hab' eine Nase dafür, ich rieche Gold durch Holz und Eisen auf hundert Schritt wie die Biene den Honig. jedesmal, wenn ich hier über die Schwelle trete, muss ich niesen, so kitzelt's mich in der Nase, und meine Nase weiss warum: es mögen da im Keller allein ihre sechzigtausend Pfund liegen oder siebzigtausend in guten Barren und runden Dukaten.

ALLE
in ehrfurchtsvollem Staunen wiederholend
Sechzig, sechzig ... siebzig . . . siebzig ... sechzig-tausend ... tausend ... tausend ... tausend Pfund.

BARBIER
Ein fürstliches Erbe und genug jedenfalls, junger Herr, Euch privatissime eine Opera zu halten und (bei allem Respekt) Signor Vanuzzi als Hofmusikus dazu. Darum nicht so voreilig, nicht so stolz, junger Mann, sonst setzt morgen schon in Eurer Wolle ein fremdes Kätzchen sich fest.

HENRY
Was soll ich tun? Ich kann doch unsre Aminta nicht lassen um seiner Narrheit willen!

CHORUS
noch irnmer staunend leise durcheinander
Sechzig ... Siebzig ... tausend ... tausend ... tau-send ... sechzig ... siebzig ... soviel Geld ... gibt's nicht wieder auf der Welt ... sechzig, siebzig ... tausend . . . tausend ...

AMINTA
sich Henry nähernd
Nicht an mich, Geliebter, denke,
Nur an dich, an dich allein!
Gläubig mich dir hinzuschenken
War für mich schon Seligsein.
Immer schien mir zu gering ich,
Dass solch' Glück mir dauern mag.
Wie aus Gottes Hand empfing ich
Dankbar jeden neuen Tag.

HENRY
auf sie zu
Dich verlassen ? Dich entbehren,
Die mir eins und alles ist?
Nein, Geliebte, wären diese
Keller auch gefüllt mit Gold
Gold die Türen, Gold die Schlösser,
Gold das Dach und Gold die Speicher,
Gold die Mauern, die sie tragen,
Und ich sollt' nur eine Strähne,
Eine dünne blonde Strähne,
Die dein liebes Antlitz ründet,
Nur ein Haar von deinen Wimpern,
Nur ein Lächeln deiner Lippen
Und den Schatten dieses Lächelns
Und den Schatten dieses Schattens
Dafür tauschen - nie und nimmer!

AMINTA
Ist der Letzte nun gekommen,
Endet wirklich so viel Glück
Liebend, wie du mich genommen,
Geb' ich dich dir selbst zurück!
Sei gesegnet! Keine Klage
Soll von meinen Lippen gehn,
Alles will ich gern ertragen,
Kann ich dich nur glücklich sehn.

HENRY
Dich verlassen? Dich entbehren?
Nein, solang' ich lebe,
Immer dein und immer mehr!
Wo ich liebe, ist mein Leben,
Wo du atmest, meine Welt!
Er umarmt sie, dann zu den andern
Nein, ich werde euch nicht lassen,
Mag er wettern, wie er will.
Ihr habt mich zu euch genommen,
Jung und töricht wie ich war,
Habt das Herz mir aufgeweitet
Und gesegnet mit Musik!
Gerne hätt' ich's euch entgolten, -
Doch nun bin ich arm wie damals,
Habe nichts als eure Freundschaft
Und die Kunst, die uns beseligt,
Doch kein Geld, kein Gold der Erde
Wiegt mir diese Schätze auf.

VANUZZI
Wackerer Junge!

MORBIO
Teurer Bruder!

FARFALLO
Sei umfangen!

ISOTTA
Lass dich küssen!

CARLOTTA
Heut' und immer!

AMINTA
Dank, Geliebter!

CHORUS
Immer, immer wollen wir verbunden bleiben, immer Brüder, Freunde, Kameraden!

ALLE
umarmen sich begeistert untereinander

BARBIER
hat sich unterdessen die Mütze aufgesetzt und sein Barbier-zeug zusammengerichtet
Sehr rechtschaffen gedacht, junger Herr, aber wie schade, dass alles Rechtschaffensein auf dieser Welt meist eine Dummheit ist, denn Ihr lasst ein schönes Stück Geld wegschwimmen! Wenn ich jetzt sechs-hundert Jahre lang täglich sechzig Leute balbiere, so schabte ich mir nicht die sechzigtausend Pfund zu-sammen, die Ihr da wegwischt, als wär's schmutziger Seifenschaum. Ach, das Leben ist schwer und die paar Groschen sauer verdient! jetzt soll ich noch bis morgen für den Herrn sein schweigsames Fräulein finden! Ist nicht so leicht, wie er meint. Ich kenn' ja allerhand Weibszeug und weiss meine Wege, aber bis morgen, bis morgen, wo find' ich da eine, die Rechte?
Zu Carlotta und Isotta
Nun, meine Schätzchen, hätte nicht eine von euch Lust, sechzigtausend Pfund zu sponsieren ? Überlegt's euch, meine Kinder, solche goldene Äpfel wachsen selten in England.
Zu Isotta
Wie wär's, mein Täubchen, würdest du bei Herrn Morosus auch schön bescheiden und vor allem still und schweigsam sein?

ISOTTA
tanzhaft
Ich würde lachen
Von früh bis spät.
Immer nur lachen,
Schabernack machen,
Bis ihm die Lust
Am Schimpfieren vergeht.
Ich würd' ihn lehren,
Das Lachen mir wehren!
Mit hundert Scherzen,
Hurtig und heiter,
Würd' ich ihn necken,
Picken und packen,
Zwicken und zwacken,
Dass er nicht weiter
Den Tag mir vergällt!
Darf ich nicht so sein,
Wie's mir gefällt,
Darf ich nicht froh sein
Nach meinem Herzen,
Was soll mir sein Geld ?

BARBIER
Oh, das wär' schon gar nichts für meinen Herrn Morosus!
zu Carlotta
Und du, mein Lämmchen?

CARLOTTA
tanzhaft
Ich würde singen,
Von früh bis spät
Immer nur singen,
Die Brust mir ausschwingen,
Bis ihm die Lust
Am Schimpfieren vergeht.
Und mag er versuchen,
Was er auch will,
Zetern und wettern,
Die Scheiben zerschmettern,
Ich bleibe nicht still.
Mag er nur fluchen,
Brüllen und toben,
Wie's ihm gefällt! -
Nur wenn ich singe,
Spür' ich mich leben,
Nur wenn ich singe,
Fühl' ich mich schweben,
Nur wenn ich singe,
Umfass' ich die Welt!

AMINTA
O herbe Schmach,
O bittre Seligkeit!
Geliebter mein,
Ich bleibe treu bei dir.
Was auch die Zukunft bringen mag,
Ich halte fest zu dir.
So lange du nicht lässt von mir,
Beseligt will ich immer sein!

BARBIER
O weh, das wäre eine harte Kost für den Magen des Herrn Morosus! Da würde er, eh' noch die Tinte trocken ist auf dem Heiratsbrief, schon nach dem Scheidungskontrakt verlan - -
er stockt plötzlich und lacht laut
Ha!

ALLE
besorgt um ihn herum
Was ist?

BARBIER
bedeutsam feierlich
Mir fällt etwas ein!

ALLE
ehrfürchtig
Silentium! Silentium! Herrn Schneidebart fällt etwas ein!

BARBIER
aufatmend
Mir ist etwas eingefallen!

ALLE
Ruhe! Ruhe! Herrn Schneidebart ist etwas eingefallen!

BARBIER
Wie wär' es, wenn man Herrn Morosus verheiratete, aber so, dass er meint, dass er verheiratet sei, aber er gar nicht verheiratet wäre, und dann, wenn er verheiratet ist, das heisst, wenn er meint, verheiratet zu sein, während er gar nicht verheiratet ist, diese Heirat, die gar nicht giltig ist, ungiltig zu machen, so dass Ihr wiederum sein Erbe werdet?

ALLE
ratlos
Verstehst du das? Verstehst du das? ... Er redet chinesisch ... ich verstehe kein Wort.

BARBIER
Nur Geduld! Die grossen Gedanken waren der Menschheit niemals sofort verständlich. Lasst mich nur machen, ich habe einen bedeutenden Plan.
Zu Vanuzzi
Ihr könnt notfalls einen Pfarrer glaubhaft darstellen ?

VANUZZI
in seinem Künstlerstolz gekränkt
Einen Pfarrer? Fünfzig, hundert. Einen katholischen, einen lutheranischen, einen protestantischen, alles, was Er begehrt. Einen Bischof, einen Erzbischof, einen verhungerten Landpfarrer, einen - -

BARBIER
Genug, genug!
Zu Morbio
Und Ihr einen Notar?

MORBIO
Einen papiernen, einen feurigen? Einen mausigen oder demosthenischen, ganz wie Ihr wollt.

BARBIER
zu Farfallo
Und Ihr gleichfalls?

FARFALLO
Das will ich meinen!

BARBIER
zu Carlotta
Und du ein dummes, schlichtes Landmädchen, eine rechte Gans vom Misthaufen her?

CARLOTTA
imitatorisch in Haltung und Stimme
Woll, woll, gnä Herr! Dös wer ma scho könna.

BARBIER
zu Isotta
Und du eine zierliche, kleine Kokette?

ISOTTA
sofort in Pose, schmachtend mit Knix
Glücklich, einem so edlen Kavalier amorosest zu Diensten zu sein.

BARBIER
zu Aminta
Und Ihr ein rührendes Mädchen voll Anmut und Bescheidenheit....
sich unterbrechend
Nein, Ihr braucht nicht zu spielen, Ihr seid es ja. Ihr müsst nur sein, wie Ihr seid und werdet vortrefflich sein!
zu allen
Nun kostümiert euch, wie ich es euch sage, tut alles, was ich verlange. Und ich müsste mich kuriosest irren, wenn wir nicht Herrn Morosus den Geschmack an der Ehe schleunigst abgewöhnten und Euch Euer Erbe wieder zubrächten, wobei ich allerdings auch auf ein Scherflein rechne, denn es wird allerhand Mühe kosten, ihn gründlich einzuseifen und ihm den Schopf seiner Narrheit ein für allemal abzuschneiden. Seid ihr bereit?

HENRY
Ja, das wollen wir probieren,
Jeder stelle seinen Mann!
Mein Herr Oheim soll verspüren,
Was Geschick und Laune kann.
Er hat unsere Kunst gescholten,
Scharf auf scharf jetzt, hart auf hart!
Gleiches sei mit Gleich vergolten,
Und wer Narr ist, sei genarrt!

BARBIER
Also fort, Euch kostümieren,
Gut geplant, ist halb getan.
Herr Morosus soll verspüren,
Was Geschick und Laune kann.
Zu Vanuzzi
Du den Pfarrer!

VANUZZI
mit illustrativer Geste
Ich den Pfarrer!

BARBIER
zu Morbio
Den Notarius!

MORBIO
ebenso
Den Notarius!

BARBIER
zu Aminta
Ihr die Stille!

AMINTA
Ich die Stille!

BARBIER
zu Carlotta
Du die Grobe'

CARLOTTA
Ich die Grobe!

BARBIER
zu Isotta
Ihr die Scharfe!

ISOTTA
Ich die Scharfe!

BARBIER
Und ihr andern, was ich sage,
Tut nur, was ich euch souffliere!
Nicht viel schwätzen, nicht parlieren,
Nicht lang zaudern, nicht viel plaudern,
Und wir werden reüssieren!
Alle Lust dem Spiel gespart!

ALLE
Und wir werden reüssieren,
Vivat, Meister Schneidebart!

CHORUS
zu Henry
Ja, er muss es revozieren,
Dass er dir dein Erbe raubt.

FARFALLO
Und ich werde ihn kurieren,
Dass er nicht mehr Galle spuckt.

MORBIO
breit, voll, lustig
Und ich werd' ihn balbieren,
Dass der Bart ihn nicht mehr juckt.

VANUZZI
Ich werd' ihn kopulieren,
Dass er Stroh für Hafer frisst,
Eine Hochzeit zelebrieren,
die er lebens nicht vergisst.

MORBIO
Dieser Rüpel soll es spüren,
Was ein wahrer Künstler ist.
Ja, er muss es revozieren,
dass er dir dein Erbe raubt.

HENRY
Ja, er muss es revozieren,
Dass er mir die Ehre raubt.

AMINTA
zart
Ach, ich möcht' ihn lieber rühren,
Dass er unser Glück erlaubt.

CARLOTTA
tanzend
Einen Narren riaszuführen,
Das fällt keinem Mädchen schwer,
Das braucht keine erst studieren,
Jede kann's von Anfang her.

ISOTTA
ebenfalls
Fest sich spreizen, keusch sich zieren,
Sachte wickelt man ihn um,
Will ein Mädchen sie verführen,
Werden alle Männer dumm.

CHORUS
im ganzen also zehn oder zwölf Stimmen, übermütig und ganz laut werdend

Diesen Narren zu kurieren,
Wird ein Spass besonderer Art,
Ihn vollendet durchzuführen,
Sei nicht Kunst und List gespart.
Ja, wir wollen es probieren,
Vivat, Meister Schneidebart!

BARBIER
den Tumult beschwichtigend
Sachte, sachte! Leise, leise!
Nur nicht hitzig! Fein und zart
Müssen wir ihn erst umkreisen,
Dass er nicht den Spass gewahrt!
Gut verhüllt, auf leisen Zehen
Pürschen wir uns still heran,
Ihn ins Netz hineinzunähen
Und zu narren, aber dann ...

ALLE
losbrechend
Wollen wir ihn gut balbieren,
Ihn von der Narrheit auskurieren,
Scharmuzieren, intrigieren,
Drangsalieren und vexieren,
Kopulieren und sponsieren,
Wacker an der Nase führen,
Kujonieren, intrigieren.

BARBIER
gleichzeitig
Also vorwärts, nicht gezaudert,
Nicht geflunkert, nicht geplaudert,
Jeder spiele seinen Part,
Und er wird kapitulieren!

ALLE
Vivat, Meister Schneidebart!
Alle umarmen den Barbier, dann sich untereinander

ZWEITER AUFZUG

ERSTE SZENE
Gleiches Zimmer. Nachmittag des nächsten Tages

MOROSUS
in silberseidenen Hosen, noch ohne Rock, richtet sich unter Hilfe der Haushälterin in grossen Staat zusammen
Den Paraderock mit den vergoldeten Schnüren!

HAUSHÄLTERIN
ihm hineinhelfend
Hier, Euer Gnaden! Doch lasst Euch nur raten ...

MOROSUS
über sie hinweg
Den Dreispitz mit den Knüpfen!

HAUSHÄLTERIN
Er ist schon bereit. Ach, wollt' mich nur hören ...


MOROSUS
wie vordem
Den Ehrendegen Seiner Königlichen Majestät!

HAUSHÄLTERIN
eifrig
Zur Stelle, zur Stelle, frisch, blank und gescheuert ... Oh, es drückt mir die Seele, gnädigster Herr! Wie könnt Ihr so eilen, nur weil dieser Bader,
grimmig
dieser verfluchte, vermaledeite Pinselhalter des Teufels Euch zuschwatzt ...

MOROSUS
Den Stock mit dem goldenen Knauf!

HAUSHÄLTERIN
Hier, hier, Euer Gnaden . . . Oft wollt doch bedenken, oh, lasst Euch warnen ... Sie spielen mit Euch ein tückisches Spiel!

MOROSUS
noch immer über sie hinweg
Bin ich nun ordentlich angetan? Keinen Fehler? Keine Falten? Sehe ich stattlich aus?

HAUSHÄLTERIN
Oh Jesus, wie könnten Euer Gnaden anders aussehn denn vortrefflich! Madonna Maria, dass so ein vornehmer, so ein gütiger, edler Mann zum Spott wird für einen Schaumschläger, oh, - es zerreisst mir die Seele!

MOROSUS
Lass sie flicken beim nächsten Schuster und dir gleichPechdraht durch den Mund ziehn! Kannst du nicht schweigen einen Atemzug lang? Gott sei Dank, bald werd' ich erlöst sein von diesem Gesabber ...

HAUSHÄLTERIN
Erlöst? Nein, geschmort und gebraten, gerupft und gepfeffert von diesem Erzkoch des Teufels!
In die Knie fallend
Oh Herr, glaubt einer treuen Dienerin, sie treiben ein Narrenspiel mit Euch, sie führen Euch wie einen Bären am Halfter. Ich habe allerlei gehört an den Türen, ich ...

MOROSUS
wütend
Was, an den Türen klebst du? Dass ich dir dort einmal die Nase einklemmen könnte! Fort jetzt und am Tore gewartet, bis der Bader kommt mit dem Mädchen!

HAUSHÄLTERIN
Ha, das wird gut gebadert sein und mit allen Wassern gewaschen, was dieser Preiskuppler Euch als Jungfer zuschwätzt ...

MOROSUS
Hinaus, Kanaille!
Es pocht
Ach, - da ist er schon!
Zur Haushälterin
Bin ich stattlich? Ist alles in Ordnung?

HAUSHÄLTERIN
Das Kleid schon, aber der Kopf, Euer Gnaden …

MOROSUS
stürzt auf sie zu - die Haushälterin flüchtet hinaus - allein, tritt vor den Spiegel, sieht sich an, macht einige feste Schritte


ZWEITE SZENE
Der Barbier tritt ein, gleichfalls feierlich angetan, wie ein Brautwerber

BARBIER
Euer Gnaden gehorsamster Diener!

MOROSUS
Nun, hast du sie gefunden? Hast du das Mädchen gebracht?

BARBIER
Nicht nur eine, sondern drei, mein gnädigster Herr.

MOROSUS
Drei ? Bin ich ein Türke? Schon eine ist vielleicht zu viel. Aber werden sie keinen Lärm machen, mir schmerzen die Ohren noch von gestern. Sind sie schweigsam und still?

BARBIER
Das Stillste, das Schweigsamste der ganzen Grafschaft, jede auf ihre Art. Ihr könnt wählen unter ihnen wie weiland Paris unter den Göttinnen, und den Consensus der Eltern und des Vormunds hab' ich bereits in der Tasche. Ach, was für Mädchen, was für knusprige, keusche Dinger! Wäre ich nicht vermählt, Gott sei's geklagt, vermählt seit neunzehn Jahren, ich hätte mir selber eine ausgesucht, so still sind sie, so sanft und taubenhaft!

MOROSUS
Und den Pfarrer, den Notarius?

BARBIER
Verständigt, verständigt und die Pergamente sauber ausgeschrieben. Nur der Name fehlt noch und Euer Gnaden giltiges Signum.

MOROSUS
Vortrefflich! Ich will meinem Neveu einen Pfropf in die Kehle stecken, dass er das Singen verlernt. Führ' sie herein!

BARBIER
Sogleich, Euer Liebden!
Er geht zur Tür, wendet sich noch einmal um und kommt zurück

MOROSUS
schon ungeduldig
Was soll's? Keine Federlesen!

BARBIER
tritt an ihn heran, leise, vertraulich, mit gespielter Besorgnis
Nur das eine lasst Euch bitten,
Fasst sie nicht zu stürmisch an!
Mädchen sind's von feinen Sitten,
Kinder fast noch nach den Jahren,
Zart und scheu und unerfahren -
Keiner nahte je ein Mann.

Wenn sie stocken, wenn sie schaudern,
Spröde tun beim ersten Wort,
Nicht vermögen frei zu plaudern,
Lächelt nicht der Scham in Nöten,
Denn ein Scherz macht sie erröten
Und ein Spott scheuchte sie fort.

Zart muss man mit Zartem handeln.
Ach, ein Mädchenherz ist scheu,
Nur Vertrauen kann es wandeln,
Dass es sacht beginnt zu spriessen,
Sich zu öffnen, zu erschliessen
Und der Liebe offen sei.

Darum lasst Euch nochmals bitten,
Fasst sie nicht zu stürmisch an.
Mädchen sind's von feinen Sitten,
Kinder fast noch nach den Jahren,
Zart und scheu und unerfahren -
Und voll Angst vor jedem Mann.

MOROSUS
Zum Teufel, ich werde sie nicht fressen! Ich wusste schon mit Weibern umzugehn, als du noch einen Bart nicht unterscheiden konntest von einem Flederwisch! Presto jetzt, ich habe keine Zeit.


DRITTE SZENE
Der Barbier geht zur Türe und führt Carlotta, Isotta und Aminta herein, die alle verkleidet sind, durch veränderte Haartracht nicht leicht erkennbar. Carlotta kommt als Landmädchen mit grellen Strümpfen, buntem Mieder, einem Strohhut, den sie verlegen in der Hand hält, Isotta ist als junge Edeldame etwas affektiert angezogen, Aminta ganz einfach wie ein armes Bürgermädchen. Alle verneigen sich tief und demütig

BARBIER
pathetisch zu ihnen
Wohl tut ihr, das Haupt zu neigen,
Denn ihr weilt in edlem Haus,
Gross ist der Herr, der euch erwartet,
Gross die Ehre, die euch teil wird,
Gross das Schicksal, das euch ruft.
Auf Morosus deutend
Dieses ist der hochgeborne,
Hochberühmte, unbesiegte
Sir Morosus, Admiral
Seiner Majestät des Königs,
Wohlbekannt auf allen Meeren,
Hochgeehrt an allen Höfen!

Schämt euch nicht, vor ihm zu zagen,
Denn auch unerschrockne Männer,
Türken, Spanier und Piraten
Schauerten vor seiner Flagge,
Zitterten vor seinem Schwert.
Neigt nur, neigt das Haupt zur Erde:
Dieser Mann ist Ehrfurcht wert.

MOROSUS
galant
Werte Damen, seid willkommen!
Mein die Ehre, mein die Ehrfurcht!
Jugend hat das höh're Anrecht,
Schönheit adelt jedes Haus.

BARBIER
Gestattet, hochedler Herr, Euch die Damen zu präsentieren und das Wort für ihre Schüchternheit zu nehmen.
Er führt Carlotta heran

CARLOTTA
bäuerisches Entsetzen heuchelnd
Ui je, i hab' an Angst! I fürcht' mi tamisch vor so an noblen Herrn!

BARBIER
Dies Mädchen reiner Unschuld
Stammt vom Lande,
Schlichter Bauern einzig Kind,
Unbelehrt in allen Künsten,
Fremd der Lüge, der Verstellung,
Wuchs sie zwischen sanften Lämmern
Auf den Wiesen, auf den Weiden
Selbst wie eine Blume auf.

MOROSUS
Und wie heisst du?

BARBIER
für sie antwortend
Katharina

CARLOTTA
grob
Ka Spur! Was lügst denn, Bazi! Kathi rufen's mich alleweil.
zum Barbier, der ihr Zeichen macht, still zu sein
No, weil's wahr is! I wer doch net mogeln vor so ein aufputzten Herrn!

MOROSUS
Tritt nur näher!

CARLOTTA
Oh mei! Was will er denn von mir? Wie der mi anglurt genau wie bei uns der Jud die trächtige Sau. Was wiil er denn von mir? Ah mei, da geh i net zu!

MOROSUS
ärgerlich zum Barbier
Die ist bei ihren Kälbern selbst zum Kalb geworden. Schaff' sie weg!

BARBIER
schiebt Carlotta mit dem Ellenbogen an

CARLOTTA
blöd
Derf i scho wieder gehn?

MOROSUS
zornig
Ja, du derfst!

BARBIER
Isotta heranführend
Dieses ist ein junges Fräulein,
Arm, doch edel ihre Eltern.
Tag und Nacht in ihrer Kammer,
Abgewandt von allen Spielen
ernte sie die hohen Künste,
Die dem Geiste Macht verleihn.
Wie eine Litanei, rasch

Sie kann Latein, Griechisch, Hebräisch, Aramäisch wie ihre Muttersprache, sie macht Verse, Charaden, sie zeichnet und stickt Tapisserien, sie liest auswendig von vorn und rückwärts die Kommentare zur Heiligen Schrift und die Pandekten der Kirchenväter, sie versteht Astronomie, Astrologie, Trigonometrie, Chiromantie, sie spielt Schach wie ein Perser und schlägt die Laute ...

MOROSUS
aufschreckend
Schlägt die Laute??

BARBIER
Nein, nein, ich meine, sie liest die Tabulatur, beherrscht den Generalbass und den Kontrapunkt, aber nur in der Theorie, nie in der practica. Sie weiss ferners ...

MOROSUS
Schon gut und genug!
Zu Isotta
Tretet nur näher, edles Fräulein, habt keine Angst!

ISOTTA
leicht und geschwind
Wie soll ich Scheu haben, da meine Kenntnis der Physiognomia mir Eure Sternenbeschattung kenntlich macht. Ihr seid, ich ersehe es aus Eurer Komplexion, im Zeichen des Mars geboren, sanguinischen Bluts, gefährlich den Männern im Zorn, doch wohlgeneigt den Frauen und gerne von ihnen gelitten. Eure Leibes-haltung zeigt Grossmut, der Bogen der Stirne Festig-keit des Entschlusses, die dunkle Pupille männische Kraft, eine sympathische Aura strahlt von ihr aus, wie sollte man da nicht Zutrauen haben, die Hand ... erlaubt mir Eure Hand ...
sie fasst nach seiner Hand

MOROSUS
ganz betroffen, kann sich nicht wehren
Mein Fräulein!

ISOTTA
Welch glücksel'ge Formation! Der Fortuna Linie ungebrochen, die Rune des Herzens, die Mensalis, frei überschnitten von der Linie der Sonne, das besagt nach Coclenius glücksel'ge Signatur in allen Abenteuern der Venus! Ihr braucht nur wollen und Ihr habt, was Ihr begehrt, so deutet's Agrippa von Nettesheim in seiner Chirosophia. Die Lebenslinie weist starken Ast, ah, vortrefflich, vortrefflich, kein Spalt, keine Abzweigung. Ihr habt keine Nachfahren und werdet lange leben! In klarer Quadrangel die Wurzeln der Temperamente, ach, was für eine treffliche Hand Ihr habt, Sir Morosus, was für eine edle, sprechende Hand ...

MOROSUS
ängstlich verärgert die Hand zurückziehend, sich den Schweiss abwischend
Sehr erkenntlich für Eure gute Meinung, mein Fräulein.
zum Barbier
Schaff sie mir vom Hals, sonst schwätzt sie mich tot.

BARBIER
Zu lsotta
Sir Morosus wird Euch dankbar sein, wenn Ihr ihm später Eure Kenntnisse ausführlich erläutert.
Zu Morosus
Gestattet, dass ich Euch noch dieses edle Fräulein präsentiere!

MOROSUS
zu Aminta, mit Wohlgefallen
Tretet näher, edles Fräulein!

AMINTA
natürlich scheu
Wenn's erlaubt ist ...

MOROSUS
Euer Name?

AMINTA
Timida.

BARBIER
leise dazwischen
Das kommt nicht von Timotheus, sondern ist Latein, . . heisst die Schüchterne, so nannten die frommen Schwestern sie um ihrer Bescheidenheit willen.

MOROSUS
Ein schöner Name! Er macht Eurer Anmut Ehre! Wollt Ihr Euch nicht an meine Seite setzen?

AMINTA
Ach Herr, dass ich es offen sag',
Ich tät' es nur zu gern.
Aber ich möchte nicht, dass es Euch später gereut
Und Ihr Euch ärgert über die verlorene Zeit;
Nicht dass mir's an Ehrfurcht vor Euch gebricht,
Aber versteht, ich fühl' mich recht ungeschickt,
Die Worte zu setzen,
Und hör' ich andere plaudern und schwätzen,
So spür' ich bedrückt,
Wie wenig ich weiss und die andern wie viel.
Zutraulich
Freilich, ich war immer allein,
Wuchs auf ohne Eltern und ohne Gespiel,
Hatt' niemand, mit ihm vertraulich zu reden,
So blieb nun die Scheu vor allem und jedem,
Werd' allemal töricht und roten Gesichts,
Wenn ein Fremder gütig die Red' an mich richt'.

MOROSUS
zum Barbier
Wie offen! Wie rein! - Ein liebliches Kind!
Zu Aminta
Und so seid Ihr tagsüber immer allein?

AMINTA
Ach Herr, wie sollt' es denn anders sein,
Leb' doch bei den frommen Schwestern im Haus,
Seh' oft wochenlang nicht auf die Strasse hinaus,
Aber ich trag' es schon so.
Mich erschreckt der Gassen Geschrei und Gesumm,
Am liebsten sitze ich still und stumm
An meinem Nähtisch den ganzen Tag,
Sticke mir all' meine Träumerei'n
In den runden weissen Rahmen hinein.
Und plötzlich hebt es dort an zu blühn
Von Blumen, von Sternen, von zartem Grün,
Und ich freu' mich, wie das neue Gebild'
Mit buntem Geleucht mir entgegenquillt.
Da wird mir plötzlich die Seele weit.
Ich spür' nicht die Welt, ich spür' nicht die Zeit,
Und mir ist,
Als ging ich über blüh'nde Wiesen hin
Und hörte aussen die Vögel singen
Und das Blau des Himmels sich niederschwingen
plötzlich sich unterbrechend
Doch verzeiht,
Ich spreche zuviel von mir törichtem Ding,
Solch kindischer Schwatz ist für Euch zu gering.

MOROSUS
zum Barbier
Wie bescheiden! Bezaubernd ist sie, bezaubernd!
Zu Aminta
Doch Sonntags wenigstens verlasst Ihr Eure enge Stube!

AMINTA
Ach Herr, da Ihr mich so offen fragt,
Fühl' ich mich schuldig und arg verzagt,
Denn am Ende mag's grosse Sünde sein,
Was ich tu, und Hochmut vor Gott dem Herrn.
Aber ich will's Euch offen gestehn:
ch lieb's nicht, mit den andern zur Kirche zu gehn.
Nicht, dass ich je meine Pflicht vergesse,
Die Beichte versäum' und die heilige Messe.
Am liebsten bin ich mit Gott allein.
Hat erst die Glocke sich ausgeschwungen,
Sind die andern fort und die Stimmen verklungen,
Dann erst schleich' ich in die Kirche mich ein,
Setz' still mich auf eine einsame Bank
Und sag' meinem Herrgott Liebe und Dank
Und hoffe, der alles verzeiht und ermisst,
Wird mir verzeihn,
Wenn dies Hochmut von mir oder Sünde ist.

MOROSUS
ganz wild zum Barbier
Sie ist die Rechte! Diese, diese und nur sie allein!

AMINTA
sich erschrocken stellend
Oh Gott, ich habe wohl töricht gesprochen, ich sehe, der gnädige Herr ist erregt. Verzeiht mir, Sir, wenn ich gefehlt habe.

MOROSUS
zum Barbier
Sag es ihr! Dich habe ich zum Werber bestellt. Tu deine Pflicht!

BARBIER
behutsam zu Aminta
Mitnichten hast du Sir Morosus missfallen,
Im Gegenteil, Kind,
Von allen Frauen, die hier sind,
Ist seine Wahl auf dich gefallen.
Tu auf dein Herz und öffne dein Ohr,
Grosse Ehre steht dir bevor:
Sir Morosus, obzwar von adligem Stand,
Wirbt durch mich bei dir um dein Herz und deine Hand.

AMINTA
Erschrecken heuchelnd
Oh Herr, was hab' ich denn Böses getan, dass Ihr meiner spottet und Scherz treibt mit einem armen Mädchen ?

MOROSUS
Nein, er hat die Wahrheit gesprochen. Ich frage dich, Timida, willst meine Gattin werden vor Gott und den Menschen ?

AMINTA
wie vor Ehrfurcht schauernd, in die Knie sinkend
Oh hohe Ehr!
Wollte Gott, dass ich ihrer auch würdig wär!

CARLOTTA
Ah, da schaugts her. So a Luder 1 Wie die ihn umkriegt hat. Heiraten tut ers. Dös wann i gewusst hätt.

ISOTTA
Eine so ungebildete Person. Aber sie kriegt einen Rüpel, der nach Tran stinkt und Branntwein. Mich hätt' er nicht bekommen.

CARLOTTA
Schau ma, dass ma weiter kommen. I geh ham.

ISOTTA
Ja, in einem solchen Hause habe ich nichts zu schaffen.
Beide scheinbar zornig ab

MOROSUS
zum Barbier
Und jetzt den Pfarrer, den Notar.

BARBIER
Gleich, gleich, und die Jungfer und mich als Zeugen. Alles geht wie am Schnürchen. Seht, ein Barbier hat den besten Blick und die sicherste Hand.
Ab
Morosus führt Aminta zum Tisch, sie setzt sich nieder und bleibt dort bescheiden und wortlos sitzen, Morosus betrachtet sie lang und bewegt


VIERTE SZENE

MOROSUS
nähert sich ihr langsam
So stumm, mein Kind,
Und noch immer so scheu?
In dieser Stunde, die uns verbindet,
Hätte ich dich lieber froh gesehn,

AMINTA
in ihrer Rolle
Verzeiht mir, Herr, meine törichte Art,
Bin noch bestürzt und ganz benommen,
Hätte nie gewagt, nur im Traum zu denken
Gott wolle mich mit soviel Ehre beschenken.

MOROSUS
Kind, gib dich keiner Täuschung hin,
Dich ruft keine Ehr',
Vor ein grosses Opfer bist du gestellt!
Sieh, Kind,
Erst sah ich's selbst so leicht wie du.
Ich dacht': nimmst dir ein junges Weib,
Als gält's bloss Spiel und Zeitvertreib,
Und meint, eine jede müsst' glücklich sich preisen,
Meine Ehefrau und Gemahlin zu heissen.
Doch blick' ich dich jetzt, du Liebliche, an,
Du halb erst erschlossne, du Gottesblüte,
So bebt mir die Seele, so bebt mir die Hand:
Wie darf ich alter grämlicher Mann
Um soviel sorglose Jugend werben?
Ja, immer schwerer drückt es mich, mein Kind,
Ob wir beide nicht doch zu ungleich sind.

AMINTA
mit gespielter Treuherzigkeit
Ach Herr, ich weiss es nur selbst zu sehr:
Wär besser für Euch, wenn ich älter wär
Und mehr schon verständ' von adliger Art.
Doch ich will mich von Herzen zusammennehmen,
Euer Ansehn nicht vor der Welt zu beschämen.

MOROSUS
Du Kind! Wie sehr du mich missverstehst.
Ich zweifle doch nicht, ich zweifle nicht, nein,
Wie leicht es wär, mit dir glücklich zu sein,
Aber du, aber du,
Wird es dich nicht gereu'n?
Bedenk, ich bin ein alter Mann.

AMINTA
noch immer in der Rolle
Das macht doch nichts,
Das ist doch schön:
Alter bringt Ansehn, Ruhm und Ehr'!

MOROSUS
Wie Jugend doch vom Alter spricht,
Als war's nicht Not und schwer Gewicht!
Kind, hör mich an!
Ein alter Mann ist nur ein halber Mann,
Denn halb bloss steht er in der Zeit,
Sein best' Teil ist Vergangenheit.
Sein Aug' hat längst sich satt geschaut,
Sein Herz geht müd' und schlägt nicht laut.
Ein Frost sitzt ihm zutiefst im Blut
Und lähmt den rechten Lebensmut,
Und weil er selber starr und kalt,
Macht er die ganze Umwelt alt.
Er kann nicht munter sein, nicht lachen,
Nicht andre froh und freudig machen -
Nur eins hat er der Jugend vor
Nur eins, mein Kind, kann er allein:
Ein alter Mann kann besser dankbar sein.
Er fasst sie an der Hand und sieht sie zärtlich an. Aminta wird wider ihren Willen beschämt und bewegt unter seinem Blick
Denn denk,
Wie wenig braucht ein alter Mann,
Um seines Lebens sich zu freu'n!
Ein stiller Tag ist ihm schon Glück,
Ein Wort, ein Lächeln macht ihn froh,
Und blickt ihn einer milde an,
So hat er ihm schon wohlgetan.
Nein, Kind, nichts Grosses will ich mehr,
Nicht Liebe, Glut und Leidenschaft,
Wär glücklich schon,
Wenn du mich nicht als Last empfändst
Und mir ein wenig gut sein könntst! -Wär das zuviel von dir begehrt?

AMINTA
ehrlich ergriffen
Oh Herr, ich schwöre beim heil'gen Sakrament:
Ich fühl', dass ich Euch redlich liebhaben könnt…

MOROSUS
beglückt
Oh Timida!

AMINTA
merkend, dass sie aus ihrer Rolle gefallen und rasch sich fassend
…So wie man einen Vater fromm liebt und verehrt,
Der einem das Liebste im Leben geschenkt.
Was ich auch tu,
Mag's auch Euch erst fremd und feindlich anmuten,
Ich schwör' Euch zu:
Ich mein' es einzig zu Eurem Guten,
Und kann ich Euch von Missmut befrein,
So werd' ich die glücklichste Frau auf Erden sein.

MOROSUS
Oh Kind, wie tief du mich beglückst!
Was Liebe doch für Wunder wirkt -
War eben noch erbost und schwach,
Ein alter Mann, ein kalter Mann,
Und nun blüht's selig auf in mir
Und all dies Glück verdank' ich dir!
Er nähert sich ihr zärtlich und ergriffen und küsst sie auf die Stirn


FÜNFTE SZENE
Der Barbier tritt leise ein

BARBIER
Ei, ei, wie rasch das Arkanum wirkt! Ich sehe, sie hat Euch das Blut flink gemacht und die Augen hell, ich erkenne den düsteren Sir Morosus von gestern kaum und kann beinah' nicht mehr redlich Zeugenschaft ablegen vor Pfarrer und Notar, dass Ihr derselbe seid wie allesonst. Aber sie sind schon auf der Treppe, die ehrwürdigen Herren, haltet also um des Respektes willen ante copulationem zurück mit aller Zärtlichkeit, die post copulationem ein wohlerlaubtes Vergnügen und sogar Pflicht frommer Ehegatten ist und jede Ehe besser würzt als Rosinen den Kuchen.


SECHSTE SZENE
Es treten ein: Vanuzzi als Priester verkleidet, Morbio mit Brillen als Notar kostümiert, mit ihnen die Haushälterin. Barbier empfängt sie an der Tür

BARBIER
Anhiero gestatte ich mir, hochverehrliche Herren, Ihnen die beiden Brautwilligen zu präsentieren, den hochberühmten Sir Morosus, Lord Seiner Majestät und weiland Kommandeur seines Flaggenschiffs, und die tugendhafte Jungfrau Timida, beide ledigen Standes, doch gewillt, mit Eurer und des Himmels Hilfe in den heiligen Ehestand zu treten. Ich bitte Euch, hochedle Herren, waltet Eures Amtes.

VANUZZI
als Pfarrer, feierlich
Kein schöner Amt der Priester kennt
In dieser Welt voll Zwist und Streit
Als zwei, die sich in Liebe finden,
Vor Gottes Antlitz zu verbinden.

MORBIO
als Notar
Zwar Todesfall und Testament
Dem Anwalt mehr an Sporteln rafft,
Er lebt vom Streit, doch gerne stellt
Er auch für Liebe Zeugenschaft.
Freilich muss sie geregelt sein,
Nicht freche Wollust ohne Zucht.
Die Liebe nur im Ehestand
Wird von ihm als giltig anerkannt,
Denn Ordnung ist des Anwalts Welt,
Dass allerorts sie innehält,
Ist er vom hohen Amt bestellt.
Zu beiden
So frag' nach Ordnung ich zuvor!
Sehr rasch
Sind alle die verschiedenen Conditiones erfüllt, die nach den Gesetzen der Kirche und den Gesetzen der königlichen Majestät notwendig sind zu einer giltigen und feierlichen Eheschliessung der hier im Pakt bezeichneten Personen? Sind ferners ehrenwerte Zeugen zur Stelle, die Identitas oben genannter Personen mit ihrem Signum zu bezeugen? Bestehen keine obstacula matrimonii, zu deutsch, keine ekklesiastischen oder profanen Hindernisse der Eheschliessung, als da sind, primo ...

VANUZZI
als Pfarrer unterbrechend
Ich glaube, Herr Kollega, wir kürzen die Formali-täten. Die Fama des Sir Morosus ist zu weltbekannt, und für Jungfer Timida bürgen Meister Schneidebart und die ehrsame Wittib Zimmerlein. Wollen die Braut willigen und die Zeugen vorerst noch den Pactus signieren, damit der Regula Genüge geschehen.

MOROSUS
tritt vor und unterschreibt

BARBIER
mitlesend
Sir Morosus, Kommandeur. .

AMINTA
unterschreibt

BARBIER
ebenso
Timida ...

HAUSHÄLTERIN
unterschreibt

BARBIER
Theodosia Zimmerlein, Wittib. Und nun ich selber: Pankrazius Schneidebart.
unterschreibt

VANUZZI
als Pfarrer, sehr pathetisch
So walt' ich meines beil'gen Amtes, das Sacramentum matrimonii zu vollziehen. Seid ihr beide entschlossen, vor Gottes Antlitz und in irdischer Zeugenschaft dieser beiden in den heiligen Ehestand zu treten ?

MOROSUS
rasch
Ich bin's.

AMINTA
zögert, verwirrt sich, schweigt

MOROSUS
Timida - du schweigst?

MORBIO
Ehrt des Mädchens edle Scheu! Ihre Scham verheisst Euch unberührte Tugend.

BARBIER
gibt Aminta einen Stoss, leise
Avanti !

AMINTA
schwach
Ich bin's.

VANUZZI
So verbinde ich euch, und möge der Tod nur lösen, was ich sterblicher Mensch vereine!
Sehr undeutlich und rasch
Sponseo vos in nomine patris, filii et sancti spiriti ...
zurücktretend, mit aufgelockerter Stimme
Und nun lasst mich den Ersten sein, der euch beiden Glück wünscht für immerdar.

MOROSUS
Ich dank' Euch, ehrwürdiger, und Euch, hochgelehrter Herr, und den ehrenwerten Zeugen, und ich danke Gott, dass er mir so viel unverdientes Glück im Herbst meiner Jahre noch zugeteilt hat.
Macht eine Geste zur Haushälterin
Darf ich die ehrenwerten Herren nun bitten, einen kleinen Imbiss mit uns zu nehmen?
Die Haushälterin bringt gefüllte Gläser; alle abwechselnd

VANUZZI
als Pfarrer
Nur ein wenig will ich weilen,
Um Euch nicht zur Last zu sein,
Liebe liebt ja nicht zu teilen,
Glückliche sind gern allein.

MORBIO
als Notar
Nur ein Gläschen will ich munden,
Junge Eh' ist leicht gestört,
Endlos scheint da jede Stunde,
Die ihr nicht allein gehört.

MOROSUS
Aminta anblickend
Wunderbar, sie anzuschauen,
Wie sie scheu und zaghaft blickt-.
Stillste, süsseste der Frauen,
Die mir Gott ans Herz gedrückt!

AMINTA
Ach, wenn sie nur länger blieben,
Denn kaum sind wir allein,
Drängt er mich mit seiner Liebe,
Und ich muss zu ihm hässlich sein.

BARBIER
Nun heisst's, baldigst sich verkrümeln
Eh' die Bombe explodiert.
Noch schwimmt er in allen Himmeln,
Morgen ist er auskuriert.

HAUSHÄLTERIN
Kann mir keinen Reim da machen,
Keiner zeigt sein wahr' Gesicht.
Halber Ernst und halbes Lachen
Irgend etwas stimmt da nicht.

VANUZZI
als Pfarrer
Da wir so guter Art versammelt sind, lasst uns Glück wünschen, denen wir dieses Glück danken. Es lebe das junge Paar, vivat, floreat, crescat!
Alle stossen an, die Gläser klingen, sie trinken aus. Stille

MOROSUS
Mir ist, als hörte ich einen Engel schweben durch diese Stille ...


SIEBENTE SZENE
Furchtbares Gepolter vom Eingang her. Die Treppe stürmen laute Schritte herauf, die Tür wird aufgerissen, herein bricht eine Schar ordinärer Seemänner, die alle von Vanuzzis Truppe dargestellt werden, mit Enterhaken, Kolben, Fanfaren, Trommeln, Dudelsäcken, als erster einrotgeschminkter trun-kener alter Matrose, den Farfallo spielt, der eine Harpune in der Hand schwingt

FARFALLO
als alter Matrose
Potz Deubel, so hat die alte Hur' diesmal doch nicht geflunkert; er hat sich ein Mädel geentert, der alte Kaptän Morosus! Aber so still, wie du denkst, wirst du deine Prise doch nicht in den Hafen hineinbugsieren! Wär eine Schmach für das ganze Seemannsvolk, sollt' ohne Salut der Kommandant von unserer Flotte Hochzeit halten. Ehre, dem Ehre gebührt!

MOROSUS
Ihr irrt Euch wohl! Ich kenne Euch nicht. Seid keiner von meiner Mannschaft gewesen.

FARFALLO
Mach keinen Stunk! Hast wohl Nebel im Oberdeck, dass du Tom Fexer nicht kennst und den dicken Jonny und die ganze Schwefelbande von deiner Fregatte! Aber wir kennen unsern alten Morosus, und ungeteert sollst du heute nicht in deine Kombüse kriechen.
Zu den andern
Vorwärts, brave Kameraden,
Unser alter Admiral
Hat uns zwar nicht eingeladen
Zu dem Fest und Hochzeitsmahl,
Kann's uns aber nicht verwehren,
Dass wir ihm ein Ständchen bringen!
Vorwärts! Tusch zu seinen Ehren!
Lasset die Trommeln frisch erklingen
Und im Reigen, hell und laut:
Vivat, vivat, Sir Morosus!
Vivat, vivat, seine Braut!
Sie trommeln, spielen auf Dudelsäcken, trompeten und brüllen

MOROSUS
wie ein Rasender aufspringend
Dass euch die Gicht in die Beine fahr', ihr Lügenbrut! Ruhe, oder ich karbatsche euch hinaus mit der neunschwänzigen Katze! Schert euch zum Teufel und seiner Grossmutter!
Die andern haben sich ihm entgegengeworfen

AMINTA
O teurer Mann,
Sie meinen's doch nur gut.

VANUZZI
als Pfarrer, wie erschreckt
Aber Sir, in solcher Stunde
Solch' unheil'ger Fluch aus Eurem Munde!

MORBIO
als Notar
Vorsicht, Vorsicht, nur keine Injurias, es könnt' ein Prozessus daraus resultieren!

FARFALLO
als Matrose, sich wütend stellend
Was? So empfängst du deine alten Kameraden, du ausgemästete Landratte? Schämst dich wohl ihrer vor deinem Püppchen, sind dir wohl zu roh, zu ungeschlacht? Oder schämst dich, dass du mit deinem grauen Haar dir noch den Wanst wärmen willst an jungem Blut statt an altem Rum? Aber alle sollen's wissen, die ganze Stadt!
Er reisst die Fenster auf und schreit hinaus
Heda Nachbarn, heda Leute,
Alle her; alle herauf:
Sir Morosus heuert heute,
Hat euch alle eingeladen.
Vorwärts, lasst die Glocken läuten,
Vorwärts, lasst die Böller krachen,
Vorwärts her und kommt und schaut!
Kommt ihm alle Willkomm' sagen,
Ihm und seiner jungen Braut!

MOROSUS
wutschnaubend und von den andern festgehalten
Meine Pistolen, dass ich diesem Gaukler ein Loch in den Pelz brenne! An den höchsten Mastbaum gehörst du, an die oberste Raa, du Schurke du ... du ... du ...

DIE ANDERN
ihn festhaltend
O schont Euch ... o beruhigt Euch ... Es ist Euer Hochzeitstag ... zähmt doch Eure Nerven ...


ACHTE SZENE
Die Leute und Nachbarn sind hereingeströmt. Abwechselnde Chöre. Frauen und Männer

MÄNNER
Ist es möglich, Sir Morosus?
Seht euch nur den Heuchler an.

FRAUEN
Er der tausendmal geschworen,
Dass er Frau'n nicht leiden kann.

MÄNNER
Der, wenn andere sich vergnügten,
Grimmig Gift und Galle speit.

FRAUEN
Und derweilen grauen Haares
Sich ein junges Kätzchen freit.

ALLE
durcheinander
So ein Heuchler! So ein Schlauer!
Alter Fuchs! Duckmäuserich!
Heimlich holst du dir die Frauen!
Alter Fuchs, wir haben dich!

MOROSUS
noch immer umringt und festgehalten
Lasst mich los! Hinaus, Gesindel, hinaus aus meinem Haus!

HENRY
verkleidet als Führer des Chors
Willst uns wohl den Spass verwehren,
Dich als Freiersmann zu schau'n?
Nein, das soll dir nicht gelingen!
Du sollst eine Fastnacht haben,
Die du nicht so schnell vergisst.
Vorwärts, lasst die Glocken schwingen!
Los die Salven, die Fanfaren,
Und ein Vivat angestimmt:
Holla hoh der alte Knabe!
Holla hoh die junge Braut!

ALLE
tumultuarisch durcheinander
Holla hoh der alte Knabe!
Holla hoh die junge Braut!
Sie brüllen, schreien, lachen, trompeten, trommeln, spektakulieren. Von draussen hört man die Glocken und eine Artilleriesalve. Furchtbarster Lärm

MOROSUS
blau im Gesicht vor Zorn, wird ganz vernichtet zu einem Sessel hingeführt
Wasser! Luft! Atem! Sie haben mich hingemacht!
Zum Barbier
Ich ersticke! Lass mir zur Ader! Und schaff' sie mir aus dem Haus um Gottes Gnade willen!

BARBIER
zu den anderen, sich höflich verneigend
Hochansehnliche Brautgesellschaft, illustre Damen und respektable Herrn, Sir Morosus dankt euch tiefgerührt . . .

EINE STIMME
Schlaggerührt. Haha!

BARBIER
...für die unschätzbar gütige Teilnahme an seinem Hochzeitsfest. Da er vor freudiger Erregung das Wort nicht findet, bittet er euch durch mich, im Wirtshause rechts um die Ecke auf seine Kosten drei Fässer vlämisches Bier anschlagen zu lassen und auf sein Wohl zu leeren.

FARFALLO
als Matrose
Das ist eine bess're Rede,
So ist's recht, du alter Knabe,
Und merk dir's für alle Zeit:
Wo sich einer will erlaben,
Sollen alle Freude haben,
Sonst ist's halbe Seligkeit.
Vorwärts jetzt zum Ehrentrunke!
Doch zuvor noch hell und laut,
Einmal noch in voller Runde:
Hoch Morosus, hoch die Braut!

ALLE
aber nicht mehr so lärmhaft
Hoch Morosus, hoch die Braut!
Verziehen sich jetzt mit Bücklingen und Gelächter, auch die Seeleute

MOROSUS
aufatmend
Sind sie jetzt weg? Meine Ohren, meine Schläfen, alles ist wund. Oh, mir war wie Sankt Laurentius am Rost. Wasser! Gib mir Wasser!

AMINTA
bringt ein Glas

VANUZZI
als Pfarrer, nähert sich Morosus mit Morbio-Notar
Nehmt's nicht so streng, als es erscheint,
War etwas laut, doch gutgemeint.
Das Volk, wenn es in Laune ist,
Leicht alle Würdigkeit vergisst.
Doch nun gestattet, Sir, mich zu empfehlen, mich ruft mein Amt und auch Ihr seid wohl lieber mit Eurer Frau allein.

MOROSUS
matt
Ehrwürd'ge Herrn, nehmt meinen Dank!

VANUZZI
Ist gern geschehn.
Hoff', bei der Kindstauf' Euch wiederzusehn.

MORBIO
als Notar
Empfehl' mich sehr,
Kam gern zu solchem Anlass her,
Und braucht Ihr jemals Hilf' und Rat,
Bin allzeit zu Eurem Dienste parat.

BARBIER
leise zu Aminta
Nun aber kräftig losgepfiffen, Aminta! Zeig, was eine schweigsame Frau zetern und posaunieren kann!

AMINTA
Ach, hättet Ihr doch lieber eine andre ausgesucht zu solchem Spiel! Er tut mir ja so leid, der arme, gute Mann!

BARBIER
Eben darum! Nur mit Essig und Salz ist seine Narrheit zu kurieren. Also bring ihn wacker in Saft, wir werden's dann schon auskochen.

VANUZZI
als Pfarrer, sich ihr nähernd
Hochedle Frau, wir wünschen gute Nacht.
Leise
Rupf ihn, zupf ihn, dass alle Federn fliegen!

MORBIO
als Notar
Ich halte mich Euer Gnaden bestens empfohlen!
Leise
Mach' unsrer Kunst keine Schande! Zwick' ihn, zwack' ihn, bis er Blut schwitzt!

AMINTA
zu sich
Ach Gott, nie war mir was so schwer!
Wollt' schon, dass alles vorüber wär.
Vanuzzi, Morbio, der Barbier gehen, machen bei der Tür noch einmal ermunternde Zeichen zu Aminta


NEUNTE SZENE
Morosus und Aminta sind allein, man hört die Schritte der Fortgehenden auf der Treppe und dann das Tor zuschlagen. Tiefe Stille. Aminta hat sich ganz bedrückt an den Tisch gesetzt und seufzt laut auf. Morosus nähert sich der Schweigenden, die ihn nicht anblickt, zärtlich und besorgt

MOROSUS
Du bist so still und scheinst bedrückt? Oh, ich versteh's! Dieser wüste infernalische Lärm hat dich wohl müd' gemacht?

AMINTA
Ach nein, das nicht.
Sie seufzt

MOROSUS
sich ihr nähernd
Du seufzst? Drückt dich ein Gram?

AMINTA
ehrlich erregt
Ach güt'ger Herr, um aller Heil'gen willen, fragt mich nicht, fragt mich nicht!

MOROSUS
zärtlich
Ich muss dich aber fragen, Kind! Sind wir nicht eine Sache jetzt vor Gott, ein Herz, ein Leben? Muss deine Sorge nicht auch die meine sein? Vertrau mir's an: was drückt dich so ?

AMINTA
zur Seite
Wenn er nur grob wäre und hart, dann ging nur's leichter!
Laut
Nichts, nichts, drängt nicht in mich!

MOROSUS
Nein, sag' es, Kind, vertrau' mir's an.

AMINTA
Noch einmal, Herr, flehentlich bitt' ich Euch: drängt nicht in mich!

MOROSUS
Aber es tut mir weh wie eig'ner Schmerz, dich umdüstert zu sehn, dich, die ich glücklich haben möchte ... meine Timida, was drückt dich so?

AMINTA
ganz blass und gespannt
Herr, gnädigster Herr, um Euretwillen drängt jetzt nicht ... ich brauche noch ein wenig Ruhe ...
leise für sich
Ein Wort noch, wenn er spricht, und ich fange an ...

MOROSUS
für sich
Wie hold ist eines Mädchens Scham!
Zu ihr heran und sie anfassend
Hör', meine Timida ...

AMINTA
aufstampfend und in geheucheltem Zorn schreiend
Ruhe! Hab' ich dir gesagt!!!

MOROSUS
vor Schreck auf den Rücken fallend
Aaaaaah!

AMINTA
losbrechend
Meine Ruh' will ich haben,
Ruhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe!
Will nicht gefragt sein,
Will nicht geplagt sein!
Lass mich nicht quälen, nicht inquirieren,
Weiss meine Sachen selber zu führen,
Weiss am besten, was mir mundet und frommt,
Und verdammt, wer mir da in die Quere kommt!

MOROSUS
ganz verblüfft über die Verwandlung, kleinlaut
Aber Timida.... ich wollte doch nur ...

AMINTA
stampfend
Gar kein Aber! Ausgeabert!
Nichts zu wünschen, nichts zu reden,
Hier geschieht nur, was ich will,
Ich und ich und ich und ich.
Niemand hat hier was zu fragen,
Niemand hat hier was zu wollen,
Ausser ich und ich und ich.

MOROSUS
Aber Timida … Wo ist deine Sanftmut… ich er-kenne dich gar nicht ... ich meinte ...

AMINTA
scheinbar wütend auf- und ablaufend
Hast gemeint, du kaufst dir eine,
Die still buckelt und pariert,
Eine stumme, dumme Kleine,
Die dir Herd und Haushalt führt.
Fehlgeraten! Fehlgeschossen!
Merk's beizeiten, wer ich bin!
Glaubst, ich habe dich genommen,
Hier mich schweigsam einzumauern
Und mein Leben zu vertrauern?
Nein und nein und nein und nein!
Nein, ich lass mich nicht verstören,
Selber will ich mir gehören!
Ich bin jung und ich will leben,
Ich bin jung und will mich freu'n!
Ich will spassen, ich will lachen,
Freude haben, Freude machen,
Munter unter Menschen sein,
Unter jungen, frohen, frischen,
Die mir warm das Blut aufmischen -
Soll ich hier im Hause bleiben,
Muss es laut und lustig sein!

MOROSUS
ganz verzweifelt auf- und abrennend
Oh, ich Narr, ich gottgeschlagener,
Der in seinem Wahn geglaubt,
Eine Frau könnt' stille sein.
Oh, ich Narr, ich Narr, ich Narr,
Der mit seinen grauen Haaren
Noch einmal zur Freite ging
Und sich wie ein dummer Bube
In dem eignen Netze fing!
Oh, ich Narr, ich Narr, zu spät jetzt
Seh' ich meine Narrheit ein!

AMINTA
auf und ab
Alles muss hier anders werden,
Jugend hat ihr eigen Recht!
Wagen will ich und drei Pferde,
Kleider, Perlen, Diamanten,
Diener, Pagen, Lakaien,
Papagei und Kakadu,
Wie es einer Lady ziemt.
In die Messe, in die Bäder,
Immer in den schönsten Kleidern
Und zu Hause stets Musik,
Bläser, Geiger, Lautenschläger,
Cembalo und Clavecin,
Sänger, Tänzer und Kastraten.
Immerdar Musik, Musik!
Selber will ich singen, lernen
Musik, Musik, die grösste Lust!
Denn zu laut drängt mir die Freude
In der aufgespannten Brust!

MOROSUS
gleichfalls auf- und abrennend
Oh, ich Narr, ich ausgepichter!
Weh an welche Teufelin
Bin ich Tölpel da geraten!
Wie sie schreit , oh, wie sie zetert,
Wie sie jubelt, wie sie schmettert!
Meine Ohren! Meine Ohren!
Ach Gott, ich bin verloren,
Wenn sie lang so weitertobt!
Beide sind im Hin- und Hergehen aneinandergeraten

AMINTA
herrisch
Renn' mir da nicht in die Quere!
Ich geh' hier und niemand andrer!
Ich red' hier und ich allein;
Ich und ich und ich und ich!
In den Winkel, in die Ecken
Geh' dein graues Haar verstecken,
Ich bin jung und brauche Raum!

MOROSUS
ist in die Ecke geflüchtet, schlägt mit den Fäusten an dieWand
Oh, ich Tölpel, oh, ich Esel,
Der an eine Frau geglaubt!
Narr und Narr und Narr und Narr,
Der ich bin und der ich war!
Das ist ärger als die Hölle!
Das ist ärger als der Tod!

AMINTA
immer heftiger
Alles muss hier anders werden:
Breit die Fenster, hell die Wände
Und erleuchtet von Brokat,
Tisch und Tafel neu und üppig,
Viele Spiegel, viele Lichter,
Bilder, Blumen und Gestühle,
Raum für Tanz, Raum für Musik!
Sie sieht sich um, reisst die Decken und Vorhänge, welche die Fenster verhängen, polternd herab, nimmt einen Stock und drischt in die Kostbarkeiten des Morosus hinein, seine Fisch-gerippe, Pfeifenständer, astronornischen Instrumente, dass alles zu Boden klirrt und fällt
ort mit diesem alten Plunder:
Kirchhofsdung und Mottenfrass!
Weg die Waffen, die Pistolen,
Diese bleichen Fischgerippe,
Alles, was an Tod erinnert,
Alles, was an Furcht gemahnt!
Weg mit all dem Muff und Moder
Einer abgelebten Zeit,
Weg mit all' dem Stank von Toback,
Diesem Grind von Greisenheit!
Krach und klirr und noch und nochmals
Weg mit all dem toten Zeug!

MOROSUS
ganz verzweifelt, um seine Habseligkeiten zu retten, ihr in den Weg gesprungen
Meine Pfeife! Mein Teleskop!

AMINTA
den Stock gegen ihn hebend
Weg, sonst kriegst du auch noch Dresche!
Hüte dich! Ich bin im Schwung,
Einmal gründlich auszuräumen,
Was hier morsch und muffig ist.
Sie drischt weiter zu
Weg mit dem da! Weg mit diesem!
Krach und klirr und noch und nochmals!
Ich will diese Bude säubern,
Dass kein Stück mehr übrigbleibt.


ZEHNTE SZENE
Die Eingangstür wird aufgerissen. Es erscheint Henry Morosus in seinem gewöhnlichen Aufzug

HENRY
Was geht hier vor? Sind die Türken im Haus?

MOROSUS
auf ihn zu und vor ihm auf die Knie stürzend
Henry, Henry, um aller Heiligen willen, rette mich vor diesem Satanas, rette mich, rette mich! Sie macht mich krank, sie macht mich tot, sie macht mich wahnsinnig, sie zerreisst mir die Ohren, sie zertrampelt mir das Herz, Henry, Henry, errette mich vor ihr oder ich geh' vor die Hunde!

HENRY
ihn aufhebend
Mein gütiger Ohm, beruhigt Euch!
Zu Aminta
Was erlaubt Ihr Euch gegen meinen Oheim?

AMINTA
frech
Bin Euch keine Auskunft schuldig. Und macht schleunigst wieder die Tür von aussen zu. Hier bin ich Herrin und niemand andrer. Brauch' keine Ehehelfer und Hausgucker. Expediert Euch hinaus!

HENRY
Euch werd' ich hinausexpedieren und mit der flinkesten Post! Ich will dir, Weibsbild, Manieren lehren!

AMINTA
Haha? Mich hinaus! Bin die Herrin hier mit Siegel und Pakt. Das ist Hausfriedensbruch! Den Sheriff! Dieser Lümmel stört meine Ehe.

HENRY
Ruhe und hinein in dein Zimmer!

AMINTA
Hier tu ich, was ich will.

HENRY
In dein Zimmer, oder ich prügle dich zusammen!

AMINTA
Mich schlagen? Eine Frau willst du schlagen?

HENRY
Eine Frau, die ihren Mann nicht ehrt, gehört zerdroschen wie Häcksel: ich scheu' diese Arbeit nicht. Vorwärts, hinein, in dein Zimmer und Ruhe gehalten!

AMINTA
Mich eine Frau -
aufstampfend
Nein, nein, nein, nein!

HENRY
Marsch!
Er packt sie am Handgelenk

AMINTA
Er hat mir die Finger gequetscht,
aufschreiend
er hat mir die Gelenke gebrochen ... Aber ich, ich geh' züm Sheriff, zum Sheriff ... Justiz ... Justiz!

HENRY
Wirst du jetzt gehen?

AMINTA
unter der Daumenschraube heulend
Ja, ja, ja.

HENRY
sie loslassend
Das war meine erste Probe! Versuch's nicht weiter! Und jetzt vorwärts: hinein!

AMINTA
Oh ... oh ... oh.. er hat mir die Hand zerquetscht ...
heulend ins Zimmer gehend
aber ich - ich geh zum Sheriff morgen ... oh ... oh ... oh.
Sie verschwindet heulend in dem Nebenzimmer


ELFTE SZENE

HENRY
sich umwendend
Siehst du, Ohrn, das ist die richtige Art, mit schweigsamen Frauen umzugehn, wenn sie nicht schweigsam sind.

MOROSUS
Henry Henry, wie soll ich dir danken? O Gott, welch ein Weib hast du da erschaffen, o Gott! Henry, du weisst, ich war nie ein feiger Mann, in siebzehn Schlachten hab' ich gestanden und hab'im Orkan mir selber die Segel gerefft, aber gegen die komm' ich nicht auf. Die macht mich hin. Henry, wie soll ich's ertragen, mit solchem Teufel zu leben! Lieber ins Wasser! Lieber in die Themse!

HENRY
Keine Not! Habt zwar eine Eselei begangen, höher als ein Mastbaum, aber sorgt Euch nicht, ich werde alles schon einrenken. Morgen bestell' ich den Richter und Advokaten, und Ihr löst die Ehe wieder auf.

MOROSUS
ganz beglückt
Oh, wenn das möglich wär: zwei silberne Kandelaber würd' ich stiften für die Kirche, zehn Betten fürs Armenhaus! Henry, Henry, wie hundsföttisch hab' ich gegen dich gehandelt, aber jetzt, wenn du mich rettest, soll alles dir gehören, was ich habe, alles, alles ich brauch' ja nichts mehr im Leben, meine Ruhe will ich haben, meine Ruhe, Rnhe!

HENRY
Lasst mich nur alles besorgen, morgen seid Ihr ein freier Mann.
Begütigend
Aber nun geht zu Bette, Ohm, Ihr seht recht ermüdet aus.

MOROSUS
Ja, ganz zerbrochen fühl' ich mich, sie hat mich platt gedrückt wie einen Schellfisch, sie hat mich geschmort, geröstet, ach, nie hätt' ich gedacht, dass ein rechtschaffner Mann so ein armer Hund werden könnte, wie ich es bin.

HENRY
Überschlaft's nur, und morgen ist alles vorüber!

MOROSUS
Wie soll ich schlafen können mit der nebenan! Lieber mit der brennenden Pfeife auf einem Pulverfass - nein, ich fürchte mich ... ich fürchte mich.

HENRY
Fürchtet Euch nicht! Geht ruhig in Euer Zimmer, riegelt es ab, und vor der Tür halt' ich Wacht, dass sie nicht bei Euch einbricht: sie hat meine Faust schon gespürt, die kommt nicht mehr.

MOROSUS
Oh, wie gut du bist! ja, bleib da vor der Tür, viel-leicht kann ich schlafen. Oh, ich bin so müde, so zer-schlagen, mir schwindelt's vor den Augen, ganz leer ist mir im Leib, ja, ich muss ruhen, ich muss ruh'n.

HENRY
ihn unterin Arme fassend und geleitend
Geht nun zur Ruhe und seid unbesorgt, ich halte treue Wacht vor Eurer Tür bis zum Morgen, dann geh' ich den Richter holen. Und jetzt: schlaft wohl!

MOROSUS
bei der Tür hineinwankend
Dank dir, mein Henry, ah ... schlafen ... schlafen ...schlafen ...


ZWÖLFTE SZENE
Man hört den Riegel von innen zuschieben und den Schlüssel sich im Schlosse drehen. Henry lauscht - wartet, bis Sir Morosus zur Ruhe gegangen ist, dann mit drei Sprüngen leise hinüber zur andern Tür

HENRY
leise
Aminta, Amintal

AMINTA
kommt leise heraus, beide umarmen sich

HENRY
Du süssester Engel, wie herrlich hast du geteufelt! Schon ist er weich wie Wachs, morgen wird der Braten gar.

AMINTA
Ach Gott, der arme alte Mann,
Wie ungern hab' ich ihm wehgetani
Hatt' mitten in meinen Teufelei'n
Immer Lust, mit ihm recht gütig zu sein,
Seufzt
Wär alles nur schon beim rechten End',
Dass ich ihn ehrlich und offen liebhaben könnt!

HENRY
Wie gut du bist und voll Gefühl.
Wie ganz zum Zärtlichsein gemacht!
Nein, sorg dich nicht! Nur diese Nacht noch
Musst du Frau Morosus sein,
Dann immer mein, dann immer mein!

AMINTA
Wie hass' ich all' die Spiel' und Schlich',
Dies Bösetun mit Spott und List -
Und doch, was tät' ich nicht für dich,
Der du mir eins und alles bist!

HENRY
Oh, Kind, wie glücklich machst du mich!
Sie halten einander urnschlungen. Tiefe Stille. Plötzlich die Stimme des Morosus aus dem Schlafgeniach, tief und dunkel

STIMME DES MOROSUS
Henry, Henry! Hältst du noch Wacht?

HENRY
Ja, mein Ohm, die ganze Nacht!

STIMME DES MOROSUS
Und ist sie jetzt still?

HENRY
Aminta, die er umfangen hält, über das Haar streifend
Ja, sie ist still,
Kein Wort, kein Hauch fliesst ihr von der Lippe,
Still ruht ihre Hand, still ruht ihre Brust,
Ihr Atem ist kaum im Dunkel zu spuren,
Sie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
Stumm ruht sie wie ein schlafendes Kind.

STIMME DES MOROSUS
So kann ich nun schlafen? Hältst du sie fest?

HENRY
Aminta noch enger an sich ziehend
Ihr braucht nicht zu bangen!
Wie mit eisernem Griff, wie mit brennenden Schnüren
Halt ich sie gefangen,
Sie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
Mit Willen und Wissen ihr ganzes Leben
Mir nun für immer anheimgegeben!

STIMME DES MOROSUS
tief, warm
Aah ... aah ... So kann ich beruhigt schlafen. Dank dir für alles, Dank dir, o Dank!

HENR
Immer dein, immer dein!

AMINTA
selig zu Henry aufschauend
Dank dir für alles! Dank dir, Dank!

DRITTER AUFZUG

Schon ehe der Vorhang aufgeht, hört man kräftiges Gehärnmer und Gepolter hinter der Szene

Gleiches Zimmer, nur in grösster Unordnung. Eine Reihe Arbeiter, verkleidete Mitglieder der Schauspieltruppe, schlagen Nägel in die Wände, andere bringen mit viel Getöse Kisten, Spiegel und Geräte die Treppe herauf und stellen sie krachend nieder. Dazwischen immer das rhythmische Einschlagen der Nägel in die Wand


ERSTE SZENE

AMINTA
Hier die Spiegel, die Konsolen,
Aber eilt euch, vorwärts, flink!
Zu andern
Hier die Florentiner Lüster
Und die fläm'schen Gobelins!
Weggeräumt den alten Plunder,
Weg die Läden, die Gardinen,
Licht und Sonne soll herein!
Ein Diener bringt in einem Käfig einen Papagei
Dort vor Herrn Morosus' Zimmer
Stell den Papageien zu!

DER PAPAGEI
laut und schrill
Kora ... Kora ... Kakadu.

AMINTA
Aber rascher, rascher, rascher,
Sputet euch, ich bin schon müde,
Diese Wände leer zu sehn.
Alle hämmern immer rascher


ZWEITE SZENE
Die Haushälterin kommt dernütig aus dem Zimmer des Morosus geschlichen

HAUSHÄLTERIN
Oh, gnädigste Frau, der Herr lässt Euch bitten ...

AMINTA
zu den andern
Flink, hab' ich gesagt, ihr Burschen!

HAUSHÄLTERIN
Ihr möchtet doch ein wenig Rücksicht nehmen ...

AMINTA
wie früher
Nicht gezaudert, nicht geplaudert!

HAUSHÄLTERIN
Das Gehämmer macht ihm Kopfschmerzen.

AMINTA
wie früher
Mittags will ich's fertig sehn.

HAUSHÄLTERIN
Er hat schlecht geschlafen, er braucht seine Ruh'.

DER PAPAGEI
schrill
Kora ... Kakadu.

HAUSHÄLTERIN
Wenn Ihr nur ein Viertelstündchen pausieren könntet...

AMINTA
ohne auf sie zu achten, auf zwei Packträger zu
Ah, da bringt ihr das Clavecin. Hierher in die Ecke! Und siehe, der Maestro in persona!


DRITTE SZENE
Die Haushälterin geht mit allen Zeichen der Verzweiflung ab. Aminta dem Henry und Farfallo entgegen, die als Gesangslehrer - mit einer Rolle in der Hand - und als Klavierbegleiter verkleidet sind

AMINTA
Salute, Maestro! Wir können gleich mit der Sing-stunde beginnen.
Zu den Arbeitern
Weg, ihr Burschen, bis ich euch wieder holen lasse!
Die Arbeiter verschwinden mit Zwinkern und Lachen

HENRY
als Gesangslehrer
Dies mein Begleiter auf dem Cembalo. Ich hoffe, Ihr seid bei Stimme und wir können gleich beginnen. Hier Euer Part:
Überreicht ihr eine Rolle
Die Arie aus Monteverdis ,L'incoronazione di Poppea, I.

FARFALLO
präludiert auf dem Cembalo

AMINTA
beginnt die italienische Arie
Sento un certo non so che,
Che mi pizzica e diletta,
Dimmi tu che cosa egli è
Damigella amorosetta.
Ti farei ti direi
Ti direi ti farei,
Ma non so quel ch'io vorrei,
Ma non so quel ch'io vorrei.

HENRY
bei einer Pause unterbrechend
Brava, brava! Ma piü mosso, piú passionato! Ich falle dann beim Duo ein.

AMINTA
singt lauter und kräftiger
Se sto teco il cor mi batte,
Se tu parti io sto melenso,
AI tuo sen di vivo latte
sempre aspiro e sempre penso.

MOROSUS
kommt aus dem Nachbarzimmer herausgestürzt im losen Morgengewand, den Kopf und die Ohren mit einer Art Turban dick umwunden, hinter ihm die Haushälterin
Habt Erbarmen, macht ein Ende!
Oh, ich kann, ich kann nicht mehr!
Auf den Knien lasst Euch bitten:
Eine Pause, eine Pause!

AMINTA
singt weiter
Duett (Argia und Polinice) aus der Oper »Eteocle e Polinice» des Giovanni Legrenzi (Venedig 1675
Dolce Amor!

HENRY
Bendato alato!

BEIDE
Deh consola, deh consola il mio martir!
E per far ch'io goda a pieno,
Rendi pace a questo seno,
Che ferito da te sol,
Da te sol spero il gioir!

MOROSUS
gleichzeitig
Nein, das kann kein Mensch ertragen,
Das ist ärger als die Hölle,
Das ist ärger als der Tod.
Wie sich flüchten, wie sich retten?
Oh, wie find' ich meine Ruh!

DER PAPAGEI
Kora ... Kora ... Kakadu.

HAUSHÄLTERIN
gleichzeitig
Ach vergebens war mein Warnen!
Ach, wie hab' ich ihn angefleht,
Dass sie ihn mit List umgarnen,
Jetzt kommt aller Rat zu spät!

FARFALLO
applaudierend
Brava, Brava! Bravissima!

HENRY
Sono contentissimo! Nur mehr Schwung noch, da capo also!

MOROSUS
verzweifelt
Nein! Nein!

HAUSHÄLTERIN
Wie sie ihn quälen. Es ist eine Schande!

AMINTA
Gerne da capo! Kümmert euch nicht um diesen Narren!

Alle zusammen

HENRY
zu Farfallo
Also avanti, comincia!

FARFALLO
präludiert am Cernbalo

MOROSUS
Nein! Nein! Meine Ruhe, meine Ruhe!

Wie sich flüchten, wie sich retten?
Oh, wie find' ich meine Ruh?

DER PAPAGEI
schrill
Kora …Kora…Kakadu!


VIERTE SZENE
Die Tür öffnet sich. Der Barbier tritt breitspurig herein. Alles wird sofort still

BARBIER
spricht
Seine illustre Lordschaft, der Chief-Justice, werden in wenigen Augenblicken hier erscheinen, begleitet von zwei Notaren der hohen Kammer.
Zu Henry und Farfallo
Maestro, ihr begreift die Wichtigkeit. Zu anderer Stunde also!

Henry und Farfallo verabschieden sich mit bedeutungsvollen Gesichtern

MOROSUS
Bei Gottes Gnade, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen, sonst hättet Ihr mich nach Bedlam führen müssen!
Leise
Ist alles geordnet? Die Scheidung vorbereitet?

BARBIER
leise
Ich habe sie bombardiert mit allen Argumenten und auch ein paar klingende ihnen in die Taschen geschoben. Gleich beginnt die Verhandlung.

MOROSUS
Aber wird sie nicht schreien, wird sie nicht Spektakel machen? Meine Ohren sind ganz wund, ich ertrag's nicht mehr. Oh, Schneidebart, versuch's doch erst gütlich mit ihr, ich vertrag' kein Gezänk. Biet ihr alles, was sie will, nur Ruhe will ich, meine Ruhe!

BARBIER
leise
Ich will's probieren!
Er schreitet gravitätisch auf Aminta zu' die dem leisen Gespräch der beiden markiert misstrauisch zugeblickt hat
Mit Reverenz! Vieledle Dame!

AMINTA
ebenso
Vieledler Barbier!

BARBIER
pompös
Ich kann des Eindrucks
Mich nicht erwehren,
Als ob Eure Ehe
Nicht die glücklichste sei.

AMINTA
spitz
Da irrt Ihr Euch mächtig,
Da irrt Ihr Euch sehr,
Ich fühle mich prächtig,
Und wünsch' mir nichts mehr.

BARBIER
Doch meint' ich zu hören
Vorhin an der Türe,
Erbitterte Rede,
Geharnischten Streit.

AMINTA
Das ist doch alltäglic
In jeglicher Ehe,
Man zankt sich, erregt sich,
Und wird wieder gut.

BARBIER
Doch klagt Herr Morosus,
Ihm ging es ans Leben,
Er wollt Euch nicht länger,
Er hält es nicht aus.

AMINTA
So bin ich die Sanfte
Und will ihn erdulden,
Ich nehme das Kreuz
Demütig auf mich.

BARBIER
leise zu Morosus hinüber
Oh, die ist hartgesotten in allen Satansfeuern! Die Klette kriegt Ihr nicht so leicht los.

MOROSUS
leise
Biet'ihr Geld! Mein halbes Vermögen! Nur Ruhe will ich, Ruhe!

BARBIER
jetzt in anderem Ton, leise, vertraulich zu Aminta
Lasst doch klüglich mit Euch reden,
Nehmet Euren Vorteil wahr.

AMINTA
Gerne, gerne.

BARBIER
Seid vernünftig!

AMINTA
Nur Morosus war der Narr!

BARBIER
Nun, so hört doch!

AMINTA
Ja, ich höre!

BARBIER
Herr Morosus hat viel Geld.

AMINTA
mit einem Knix
Nur um dieser Tugend willen
Hab' ich mich ihm beigesellt.

BARBIER
Und er bietet tausend Pfunde,
Wenn Ihr ihm die Freiheit lasst.

AMINTA
Ha, ich lache! Tausend Pfunde!
Ha, wie Ihr vergnüglich spasst!

MOROSUS
von rückwärts
Biete doppelt, biete weiter!
Alles, alles,
Zahle ich für meine Ruh!

BARBIER
Zwei ... dreitausend ... vier ... nein fünfe...

AMINTA
Bietet, bietet immerzu!

BARBIER
Seid vernünftig. . .

AMINTA
Nein, ich lache
Mir die Seele frei.
Glaubt Ihr, dass mir meine Ehre
Für ein Brosam käuflich sei?
Ein Volkslied parodierend und psalmodierend mit pathetischironischer Geste
Treue hab' ich ihm geschworen,
Treue bis ins kühle Grab,
Und ich will die Treue halten,
Die ich ihm geschworen hab'.

MOROSUS
Oh, du Luder ...
vorbrechend

AMINTA
höhnisch
Nur Eure edle Gattin!

MOROSUS
Gottlob nicht mehr lang.

AMINTA
parodistisch schwärmend
Oh, ewig, ewig. Ich lasse nicht von dir!

MOROSUS
keuchend
Oh,…oh, …sie höhnt mich noch! Sie macht mich rasend… oh, ich ersticke vor Wut …


FÜNFTE SZENE
Die Haushälterin stürzt herein

HAUSHÄLTERIN
Gnädigster Herr ... zwei Karossen sind angefahren mit vornehmen Herren.

MOROSUS
aufatmend
All, ich fange wieder an zu leben.

BARBIER
beim Fenster hinaussehend
Viktoria! Ihr seid gerettet. Der Chief-Justice mit den Advokaten. Aber so, in diesem Morgenflaus, dürft Ihr nicht Seiner Lordschaft entgegen. Fort, fort, den Galarock an und die Orden, sie müssen sehen, mit wem sie hier zu schaffen haben.

MOROSUS
Ja, gleich komm' ich. Entschuldigt mich bei den hohen Herren, in zwei Minuten bin ich respektvollst zur Stelle.
Er verschwindet mit der Haushälterin ins Nebenzimmer


SECHSTE SZENE
Es treten ein Vanuzzi, Farfallo, Morbio, der erste als Chief-Justice mit riesiger weisser Perücke, Brille, der goldenen Kette und dem schwarzen Wams. Die beiden andern als Advokaten gekleidet. Vanuzzi als Chief-Justice pompös mit dem langen Goldknaufstock auf den Boden stossend

VANUZZI
Im Namen Seiner Majestät, im Namen des Parla-ments! Sind die Appellanten zur Stelle: Sir Morosus und Lady Morosus?

AMINTA
Spar deinen Bass für später, Vanuzzi! Wir sind unter uns.

VANUZZI
Haha, tapfere Aminta, wie wacker du teufeln kannst!

BARBIER
O jemine, ich hab' selber Angst gekriegt, so hat sie den Armen gepfeffert, gesalzen, gesotten und getrüffelt, er kocht schon, er siedet im eigenen Fett: in einem Stündchen ist der Braten gar und wir könnenAtem holen.
Nur noch dieses letzte Spässchen,
Und dann ist er auskuriert.
Munter also und vergnüglich,
Bis er selber munter wird.

VANUZZI
rasch die Verkleidung wegwerfend und tanzend
Ach, ich schwitze, ich ersticke,
Der Talar macht mich ganz schlapp,
Fort das Amtszeug, die Perücke
Und ein wenig Luft geschnappt.

MORBIO
Nein, man kann nicht richtig lachen,
Wenn man so in Würden steckt.
Auf den Mantel, los die Krause
Und die Beine grad gestreckt!
(Sie tanzen beide zusammen)

FARFALLO
Aminta fassend
Rasch ein Tänzchen noch, Aminta,
Das beflügelt Witz und Blut,
Hat man sich recht umgeschüttelt,
Schmeckt ein Spässchen doppelt gut.

AMINTA
mit ihm
Würde, Würde, meine Herren,
Ehrt das Ansehn des Gerichts!
Würd' er so uns überraschen,
Wär die ganze Müh' für nichts.

VANUZZI, FARFALLO, MORBIO
zusammen
Nur noch diese letzte Runde,
Rechtsherum und linksherum
Und wir tun schon wieder würdig
Und wir stehn schon wieder stumm.

Sie haben die Kostüme wieder angezogen, die Perücken aufgesetzt und stehen ernst und gravitätisch wie beim ersten Auftreten. Die ganze Szene muss wie im Flug blitzschnell und pantomimenhaft vorüberstreichen und genau die Position beim ersten Eintreten erreicht werden


SIEBENTE SZENE

MOROSUS
im Staatskleid, erscheint, gefolgt von der Haushälterin, verbeugt sich tief
Meinen submissesten Respekt.

VANUZZI
von oben herab
Wir sind von Eurer causa verständigt.
Zu den Advokaten
Beliebt es, doctores, so beginnen wir.
Auf eine Geste des Morosus hin tragen die Haushälterin und der Barbier einen Tisch in die Mitte der Szene. Auf derMittelseite nimmt Vanuzzi als Chief- Justice Platz, rechts und links Morbio und Farfallo als Beisitzer

VANUZZI
Es haben der hochgeborene Lord Morosus und die hochgeborene Lady Morosus das Ansuchen erhoben, ihre Ehe zu lösen ...

AMINTA
Ich protestiere. Ich hatte nie ein derartiges Ansuchen gestellt.

VANUZZI
Hem, hem, das schafft insoferne complicationes, als der Petent obligiert ist, die Gründe vorzubringen, welche ein divortium legitimum argumentieren.

BARBIER
leise übersetzend
Eine Scheidung zu begründen.

VANUZZI
Erklärt ihm, doctores, die impedimenta, welche das Gericht anerkennt per dirimere matrimonium.

BARBIER
leise
Sie werden Euch die Scheidungsgründe aufzählen.

FARFALLO
pathetisch
Impedimenta sunt duodecim ...

MORBIO
übersetzend
Zwölf sind der Hindernisse.

FARFALLO
Quae irritum rendant matrimoniurn,

MORBIO
Welche eine, Ehe aufheben.

FARFALLO
Sunt:

MORBIO
Es sind:

FARFALLO
Error conditio, voturn, cognatio, crimen, cultus dis-paritas, vis, ordo, ligamen, honestas, impotentia ...

MOROSUS
Was will er? Was meint er? Ich habe nur das letzte Hindernis verstanden.

VANUZZI
zu Farfallo
Expliziert ihm doch, doctissime! Seht ihr nicht, der Petent ist totaliter in statu ignorantiae.

FARFALLO
Also ich expliziere. Ad primum: error, wenn Ihr ge-meint habt, eine andere Person zu heiraten, als die Ihr geheiratet habt ...

MOROSUS
begeistert
Das ist es Illustrissime! Ich meinte, um eine schweigsame Frau zu werben und habe einen Vulkan geheiratet, eine Xantippe, eine Satansschwester, ich schwöre es, Illustrissime, es war ein errort

VANUZZI
aufklopfend
Diese Art des errors genügt nicht, sie ist zu gewöhnlich. Diesem Irrtum verfällt jeder Mann. Wir haben alle gemeint, sanfte Mädchen zu heiraten, und wer hat dann seine Frau je schweigsam und folgsam befunden! Erklärt ihm, doctissime, die Formen des error, welche das Gericht einzig anerkennt.

FARFALLO
Der error hat verschiedentliche Formen. Primum: error personae: wenn Euch eine fremde Frau unterschoben war. Secundum: error fortunae: wenn ihr sie reich glaubtet und sie war arm. Tertium: error qualitatis, wenn ihr sie virginem desponsam, als erklärte Jungfrau, heiratet und fandet sie corruptam ...

BARBIER
vortretend laut
Ecco ! Ich bezeuge, ich bezeuge, sie hat Umgang gehabt mit einem andern Mann.

AMINTA
Er ist bestochen, er lügt! Ich habe mit niemand Umgang gehabt als mit meinem ehlichen Gatten. Ich beschwöre es.

VANUZZI
Das wird sich weisen.
Zum Barbier
Habt Ihr Zeugen für Eure Anschuldigung?

BARBIER
Sehr wohl, Euer Gnaden, und sofort zur Stelle.


ACHTE SZENE

BARBIER
geht zur Tür, öffnet sie. Herein treten Isotta und Carlotta in der gleichen Verkleidung wie vordem
Hier diese beiden ehrsamen Damen.

VANUZZI
Könnt ihr bezeugen, dass Lady Morosus Umgang hatte mit einem anderen Mann als Sir Morosus?

CARLOTTA
Dös man i. Da leist ichs Jurament darauf.

ISOTTA
Auch ich will es beeiden.

BARBIER
Ihr seht, hohe Herren!

AMINTA
Ich lasse mich nicht verleumden, das sind gekaufteWeiber!

CARLOTTA
Was? Du Gschnaufte, selber hast dich kaufen lassenvon dem alten Teppen!

ISOTTA
Ich verachte die Person zu sehr, um ihr zu erwidern!

AMINTA
Lüge, Verleumdung! Meine Ehre, meine Ehre!

CARLOTTA
Die liegt auf'm Misthaufen!

MOROSUS
O Gott, mein Kopf, mein armer Kopf!

BARBIER
beruhigend
Meine Damen, meine Damen, bitte nicht alle zusammen zu sprechen!

ISOTTA
auf Aminta zutretend
Hast du die Stirne,
Frech es zu leugnen,
Dass du dem ander
Zu eigen gewesen
Bei Tag und bei Nacht?

AMINTA
Lüge, Verleumdung!
Erbärmliche Lüge!
Niemals, nein, niemals
Hab' ich die Ehre
Der Ehe entweiht.

HAUSHÄLTERIN
vorn an der Seite der Bühne
Endlich, endlich
Muss es sich klären.
Lange schon, lange
Wittre ich Unrat,
Fühle ich Trug.

BARBIER
auf der andern Seite der Bühne, sich die Hände reibend
Jetzt geht der Wirbel
Gut durcheinander,
Weiter, nur weiter
Wacker spektakelt !
Jetzt geht es famos.

MOROSUS
ganz gebrochen
Dieses Lärmen, dieses Brüllen,
Das die Ohren mir zerstückt!
Wär nur alles schon zu Ende,
Denn sonst werd' ich noch verrückt.

VANUZZI
Meine Herren, meine Damen! 0 keiner hört auf mich!

MORBIO
Man müsste disziplinariter vorgehen.

FARFALLO
Oder die Sitzung aufheben.

VANUZZI
mit dem Stock aufstossend
Silentium!

AMINTA
sich auf den Knien vor den Tisch hinstürzend
Richter, schützet meine Ehre!
Nur aus Hass, aus Neid und Galle,
Dass mich Sir Morosus wählte,
Lügen diese frechen Weiber!
Bei den Sternen will ich's schwören,
Gott im Himmel soll mich hören:
Niemals hab' ich ihn betrogen,
Treulich hielt ich ihm die Treu.

BARBIER
Schon möglich, schon möglich - aber das war insofern nicht schwierig, als Ihr mit ihm bloss zwölf Stunden verheiratet waret. So lange kann sogar ich meiner Alten treu bleiben. Aber vorher, Lady Morosus, vorher - das ist das punctum saliens, der Punkt, welcher springt und im vorliegenden Falle ein wenig stinkt ...
Zu Vanuzzi
Hohes Gericht, ich habe einen weiteren Zeugen bereit, der beeiden kann, die Gunst - dieser tugendhaften Dame in persona genossen zu haben.

VANUZZI
zu den beiden andern hinüberfragend
Doctores?

MORBIO
Ich stimme bei.

FARFALLO
Ich stimme zu.

VANUZZI
So führt ihn vor.


NEUNTE SZENE
Barbier öffnet abermals die Tür, herein tritt Henry, verkleidet und mit einem falschen Bart, der ihn unkenntlich macht

VANUZZI
Ihr kennt diese Dame?

HENRY
Sehr wohl, Eure Lordschaft.

VANUZZI
Ich meine, seid Ihr näher bekannt gewesen mit ihr ... habt Ihr ... habt Ihr mit ihr Umgang gepflogen?

HENRY
Gewiss, Eure Lordschaft!

VANUZZI
Ich meine . . . näheren Umgang, dies ist die Frage ... Habt Ihr sie näher gekannt ... ich meine: carnaliter.

MORBIO
mahnend fragend
Carnaliter!

FARFALLO
ebenso
Carnaliter!

MOROSUS
leise zum Barbier
Was heisst das? Carnaliter?

BARBIER
ebenso leise
Fleischlich, Euer Gnaden, fleischlich.

HENRY
sich verbeugend, leise
Jawohl ... ich beeide es.

VANUZZI
zu Aminta
Was habt Ihr zu antworten?

AMINTA
ausweichend
Ich habe nie einem andern Manne angehört als meinem Gatten. Ich beschwöre es.

VANUZZI
Und kennt Ihr diesen Zeugen?

AMINTA
erregt ausweichend
Ich kenne ihn nicht mehr! Ich will ihn nicht kennen.

HENRY
auf sie zutretend
Willst du wirklich mich nicht kennen?
Ist dein Sinn so wandelbar?
Willst du wirklich Lüge nennen,
Dass dein Herz das meine war?
Deine Lippen, deine Wangen,
Die ich zärtlich oft umfangen,
Deine Hand, dein süsses Haar?
Sind sie all, die sel'gen Stunden
Unserer Glut Lind Zärtlichkeit,
So vollkommen dir entschwunden,
Dass dein Blick den meinen scheut?
Nein, Geliebte, o besinn dich,
Nicht verleugne deinen Freund!
Sieh mein Auge und sieh in dich,
Dass uns Liebe neu vereint.

AMINTA
scheinbar zornig
Weg, du Falscher! Weg, Verräter!
Lüge blickt aus dir mich an!
FrevIer, Heuchler, Missetäter!
Prahlerischer, feiger Mann!
Wärst du mir doch fern geblieben!
Ach, wir unglücksel'gen Frau'n,
Die getäuscht sind, wo sie lieben,
Und verraten, wo sie trau'n!

VANUZZI
Hem, hem! So leugnet Ihr nicht mehr, diesen Mann zu kennen?

AMINTA
sie wendet sich ab und verhüllt ihr Gesicht
Ach ...

BARBIER
laut zu Morosus
Sie ist überführt! Viktoria!

MORBIO
Eure causa ist gewonnen! Ich gratuliere!

HAUSHÄLTERIN
Ach, ich vergehe vor Freude!

CARLOTTA
Jetzt hat sie sich sauber eintunkt!

ISOTTA
So etwas gibt eine verständige Frau niemals zu.

BARBIER
Vivat Morosus! Viktoria!

ALLE
Vivat Morosus! Viktoria!
Alle umringen den ganz beglückten Morosus

MOROSUS
allen die Hände schüttelnd
Ach, ihr Guten, wie euch danken!
Endlich bin ich ihrer ledig -
Oh, die Seele blüht mir auf.
Niemand ahnt, was ich gelitten,
Niemand meine Seligkeit.

BARBIER
zu Vanuzzi
Das Verdikt, Eure Lordschaft! Wir wollen's gesiegelt und geschrieben!

VANUZZI
mit dem Stock aufstossend und sich erhebend
Da der Petent den Beweis erbracht hat, dass seine Gattin Lady Morosus nicht mehr als virgo desponsa in den Ehestand getreten, ist das impedimentum erroris qualitatis gegeben, und ich beantrage, Doctores, seine Ehe für nichtig zu erklären.

MORBIO
Ich stimme zu.

FARFALLO
aufstehend
Ich opponiere.

MORBIO
Ihr opponiert?

BARBIER
scheinbar erschreckt
Er opponiert?

CARLOTTA
ebenso
Er opponiert?

HAUSHÄLTERIN
Er opponiert?

ISOTTA
ebenso
Er opponiert ?

MORBIO
Er opponiert?

MOROSUS
Oh Gott, was ist das? Er opponiert?

FARFALLO
Ich opponiere. Der contractus matrimonii besagt mit keinem Worte, dass die Tugend ante nuptias der Lady Morosus eine conditio matrimoliii gewesen, ergo besteht kein error qualitatis.

MOROSUS
ängstlich
Was will er? Was sagt er?

VANUZZI
Hem, hem! Rectissime! Der gelehrte Doktor findet nicht in dem contractus, dass Ihr vor der Eheschliessung die Bedingung der virginitas gestellt habt.
Zu Aminta
Hat Sir Morosus vor der Hochzeit Euch befragt? -

AMINTA
Mit nichten.

VANUZZI
Dann liegt kein error vor. Und der Petent ist abgewiesen. Habe ich Eure approbatio, ihr Herrn?

MORBIO
Approbatio absoluta.

FARFALLO
Approbatio absoluta.

MOROSUS
zum Barbier
Was sagen sie? Was wollen sie?

BARBIER
Mir tut's bitter leid, Euer Gnaden, aber sie geben Eurer Bitte nicht nach.

MOROSUS
Aber sie hat doch mit dem andern geschlafen? Es ist doch bezeugt.

BARBIER
Aber ante nuptias, Euer Gnaden, vor Euch, und daran haben wir im Kontrakt vergessen. Ihr müsst sie jetzt behalten.

MOROSUS
Behalten? Ich sie behalten? Das Teufelsweib und noch die Schande dazu? Nein! Nein! Ich lass mich nicht entehren! Ein solches Weib, das noch dazu eine Dirne! Nein, das ist zuviel. Lieber krepieren! Lieber zugrundegehen. Wo sind meine Pistolen? Mein Degen? Einen Strick! Ich geh' ins Wasser! Ich stürz' mich vom Fenster! Nur keinen Tag mehr mit ihr, keinen Tag!

Alle um ihn herum und ihn von seinem Vorhaben abhaltend

VANUZZI
Bedenkt Euch doch! Herr! Ihr könnt noch appellieren.

MORBIO
Beruhigt Euch, nichts ist unumstösslich!

HAUSHÄLTERIN
Gnädigster Herr, schont Euer Leben!

BARBIER
Wir werden eben noch etwas finden.

CARLOTTA
Net so gach wegen so einem Weibsbild.

ISOTTA
Ihr werdet jederzeit Trost finden bei andern.

MOROSUS
sich losreissend
Lasst mich los! Zum Teufel mit euch allen' Ihr tötet mich mit eurem Geschrei! Nur Ruhe will ich! Ich ertrag's nicht mehr! Ich ertrag's nicht! Oh, nur niemanden mehr sehen! Nichts mehr hören! Tot sein, weg sein! Ruhe will ich, nichts mehr hören! Ruhe, Ruhe ...
Er wirft sich in seiner Verzweiflung auf eine Bettstatt, bohrt seinen Kopf unter die Decken und stopft sich die Ohren zu

BARBIER
hebt die Hand. Es wird plötzlich still. Henry und Aminta werfen die Verkleidung ab, gehen leise an die Bettstatt heran, wo Morosus stöhnend unter den Kissen liegt, und knien beide hin


FINALE

HENRY
kniend
eurer Ohm, nicht länger kann ich
Eure Not und Sorge schau'n.
Auf! Ermannt Euch und erwachet
Aus dem bösen Ehetraum!
Blickt um Euch! Nur Freunde seht Ihr!
All die Schrecknis, die Marter ist entflohn,
Und um Eure Liebe fleht hier
Euer Neffe, Euer Sohn!

MOROSUS
langsam sich erhebend, wirr um sich starrend, aufatmend
Henryl Gott sei Dank, Henry, mein guter Henry! Wo kommst du her? Es war doch erst ein andrer da. Und wer ist die ... das ist ja
erschreckend
das ist ja Timida.

HENRY
Nein, die wird Euch nimmer plagen,
Die ist fort für immerdar.
Nur Aminta ist geblieben,
Milde, wie sie immer war.

AMINTA
kniend
Wollet gütigst mir verzeihen,
Was Euch jene angetan.
Und wenn dann ein ganzes Leben
Hingegeb'ner Kindesliebe
Euren Groll beschwichtigen kann,
Nehmt als Wahre von den zweien,
Nehmt Aminta, die getreue,
Nun als Eure Tochter an!

MOROSUS
Wie? Was? Ich versteh' nichts. Aminta ist Timida und Timida ist Aminta? Und sie ist meine Frau und ist deine Frau? Bin ich in ein Rumfass gefallen? Hab' ich geträumt? Bin ich betrunken? Und die da, die Richter, die Doctores ...

HENRY
Sind meine Kameraden.
Vanuzzi, Morbio, Farfallo haben die Verkleidungen abgestreift und stehen in demütiger Haltung da

MOROSUS
Wie? Was? Kameraden ... am Ende gar von jener Schmierantenbande? Habt ihr ... habt ihr euch vielleicht gar einen Narren aus mir gemacht? Eine Posse mit mir aufgespielt, und ich bin gar nicht verheiratet, ich war gar nicht richtig verheiratet?
Er greift nach seinem Stock
Wie? Was? Ihr erlaubt euch Spässe mit mir, Sir Morosus? Das werd' ich euch heimzahlen, ihr Banditen! Mich habt ihr wie einen Esel geschunden, mich an der Nase geführt, dass ich Blut schwitzte! Mich habt ihr gehetzt wie ein Wildschwein und so gehusst, dass ich mich aufhängen wollte ...
Plötzlich aus seiner Wut umschlagend und furchtbar zu lachen anfangend
Hah, hah! Aber grossartig habt ihr das gemacht, ihr Burschen! Grossartig, grossartig! So mich altes Seekalb hineinzulegen, ihr frechen Landratten, ha, ha! Ganz recht habt ihr gehabt, Narren gehören gekämmt und Dummheit geprügelt. Ah, ihr Burschen, ihr Burschen, das hätt' ich nie gedacht, dass ihr so fixe Kerle seid.
Zu Vanuzzi
Warst du am Ende auch der Pfarrer, der mich getraut hat?

VANUZZI
noch ganz ängstlich
Allerdings.

MOROSUS
ihn umarmend
Dann warst du der pfäffischeste Pfaff, den ich je gesehen.
Zu Morbio und Farfallo
Und du der advokatischeste Advokat, und du der mauserigste Notar meiner sechzig Jahre.
Er umarmt sie. Zu Carlotta und Isotta
Und ihr, Kinder, famos, famos, wie ihr einen Mann betrügen könnt, jede kriegt einen Kuss. Nein, so mir das Fell zu gerben, ausgezeichnet! Ich hab' euch bitter Unrecht getan, aber fortan will ich eure Kunst respektieren, in all' eure Operas will ich gehen, und wenn ihr so mich zum Lachen bringt, wie ich heute mich selber auslache, dann kriegt ihr fünfzig Guineen in blankem Golde.
Zu Aminta
Ach, du Kalfakterin, wie entzückend du bist, seit du wieder süsse Augen machst. Fast hätt' ich Lust, dich noch einmal zu heiraten. Aber nein - keine Angst, ich bin kuriert, für immer kuriert und von allem! jetzt weiss ich erst: Es gibt nichts Besseres, als mit guten Menschen heiter zu sein.
Zur Haushälterin
Heda! Wein her, wir wollen eine Flasche trinken auf den dümmsten Narren von England und auf die frechsten Burschen und hübschesten Frauen des Königreichs!
Zu den Schauspielern
Und ihr, wenn ihr dazu Musik machen wollt, mich ficht's nicht mehr an, spektakelt soviel ihr wollt ' Wer einmal eine schweigsame Frau gehabt, der kann allen Lärm auf der Welt vertragen. Also vorwärts und los!

Er setzt sich mit Aminta und Henry an den Tisch. Sein Platz ist derselbe, den früher Vanuzzi als Chief-Justice einnahm, rechts sitzt Aminta, links Henry. Die Schauspieler haben sich im Hintergrund aufgestellt und beginnen, mit gleichzeitigen Tanzfiguren, zu singen und Musik zu machen

VANUZZI
Die Ihr feindlich aufgenommen,
Unsre Kunst, sie grüsst Euch jetzt,
Denn kein Mahl ist je vollkommen,
Dem sie nicht die Becher netzt.

MORBIO
Ohne sie glänzt keine Freude,
Ohne sie erglüht kein Glück:
Ewig sind verschwistert beide,
Holde Liebe und Musik!

ISOTTA
Nur wo sie die Schwingen breitet,
Wird Gemeinsamkeit zum Fest,
Tor drum jeder, der der sie meidet,
Selig, wer sie walten lässt.

CARLOTTA
Selig, wer sich ihr verbindet
Und sein Herz den Tönen gibt.
Selig, wer sie in sich findet,
Und begnadet, den sie liebt.

FARFALLO
Jeden Gram kann sie bemeistern,
Schmerz und Schwermut lindert sie,
Hellster Geist von allen Geistern:
Gottes Hauch, du, Melodie!

BARBIER
Mach auch diesem, der dir grollte,
Wiederum die Seele weit,
Schenk ihm endlich deine holde
Erdenschwester: Heiterkeit!

ALLE MITEINANDER
Alles Frohe, alles Schöne
Sir Morosus immerdar!
Alles Frohe, alles Schöne
Unserm vielgeliebten Paar!
Freude ihm, der Freude scheute,
Heiterkeit, die er gehasst,
Ewig sei sie so wie heute
Hier in diesem Haus zu Gast.

Morosus, tiefgerührt, hat dem Gesange zugehört und dankt nach allen Seiten. Auf ein Zeichen Vanuzzis treten die Sänger an die Tür zurück

VANUZZI
Und nun Freunde: Ausgesungen!
Junges Glück bleibt gern allein.
Ist uns dieses Spiel gelungen,
Soll's nur neuer Ansporn sein,
Allen Danks, den wir errungen,
Immer wieder wert zu sein.

BARBIER
Und jetzt rasch und heimlich weiter,
Nicht gesäumt und nicht gestört!
Rechter Spass bleibt dann nur heiter,
Wenn er nicht zu lange währt.

Sie haben die Tür geöffnet und verschwinden ganz leise mit Knixen und Verbeugungen, einer nach dem andern

HAUSHÄLTERIN
Noch ein Wunsch für frohe Stunden ...

MORBIO
Ein paar Takte noch Musik ...

FARFALLO
Eine letzte leise Runde ...

VANUZZI
.. Und schon ziehn wir uns zurück.

CARLOTTA
Einen Knix noch ...

ISOTTA
... Ein Verneigen ...

VANUZZI ...
…Einen Gruss …

FARFALLO
. . . Ein letztes Wort . . .

VANUZZI
. . . Und dann Stille nur und Schweigen. . .

BARBIER
... Und jetzt sind wir endlich fort.


LETZTE SZENE
Der Barbier hat die Tür hinter sich geschlossen, es ist vollkommen still geworden. Morosus mit Aminta und Henry allein an dem Tische

MOROSUS
strahlend beglückt sich in den Sessel zurücklehnend
Wie schön ist doch die Musik - aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist!
Er trinkt behaglich ein Glas Wein und blickt Aminta lange an
Wie wunderbar ist doch eine junge, schweigsame Frau, - aber wie wunderbar erst, wenn sie die Frau eines andern bleibt! Wie schön ist doch das Leben, - aber wie schön erst, wenn man kein Narr ist und es zu leben weiss! Ah, meine Guten, grossartig habt ihr mich kuriert, noch nie hab ich so glücklich mich gefühlt. ..
Er zündet sich eine Pfeife an und bläst behaglich den Rauchvor sich hin
Ach, ich fühle mich unbeschreiblich wohl. Nur Ruhe!
In den Sessel zurückgelehnt, fasst mit der Rechten undLinken dankbar die Hände Amintas und Henrys
Nur Ruhe! Aaah - - - Aaah - - - Aaah! - - -