Intermezzo

Intermezzo

Oper in zwei Akten

Libretto

Richard Strauss

Uraufführung

4. November 1924, Dresden (Schauspielhaus)

Besetzung

HOFKAPELLMEISTER ROBERT STORCH (Bariton)
CHRISTINE, seine Frau (Sopran)
FRANZL, ihr kleiner Sohn (Kinderstimme)
ANNA, die Kammerjungfer (Sopran)
BARON LUMMER (Tenor)
KAPELLMEISTER STROH (Tenor)
DER NOTAR (Bariton)
SEINE FRAU (Sopran)
DER KOMMERZIENRAT (Bass)
DER JUSTIZRAT (Bariton)
DER KAMMERSÄNGER (Bass)

Ort

Österreich, am Grundlsee und in Wien

Zeit

Anfang des 20. Jahrhunderts

Strauss, Richard

Strauss, Richard (Georg)
11.6.1864 München - 8.9.1949 Garmisch-Partenkirchen


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Guntram (10.5.1894 Weimar)
Feuersnot (21.11.1901 Dresden)
Salome (9.12.1905 Dresden)
Elektra (25.1.1909 Dresden)
Der Rosenkavalier (26.1.1911 Dresden)
Ariadne auf Naxos (25.10.1912 Stuttgart)
Ariadne auf Naxos [rev] (4.10.1916 Wien)
Die Frau ohne Schatten (10.10.1919 Wien)
Intermezzo (4.11.1924 Dresden)
Die ägyptische Helena (6.6.1928 Dresden)
Arabella (1.7.1933 Dresden)
Die ägyptische Helena [rev] (14.8.1933 Salzburg)
Die schweigsame Frau (24.6.1935 Dresden)
Friedenstag (24.7.1938 München)
Daphne (15.10.1938 Dresden)
Guntram [rev] (29.10.1940 Weimar)
Die Liebe der Danae (1940; 14.8.1952 Salzburg)
Capriccio (28.10.1942 München)
rev = Bearbeitung

ERSTER AKT
Kapellmeister Storch, der seine Frau Christine sehr liebt, muss dienstlich nach Wien reisen. Christine freundet sich inzwischen mit Baron Lummer an, den sie beim Schlittenfahren kennengelernt hat. Sie schreibt ihrem Mann von der neuen Bekanntschaft und bittet, den Baron zu fördern, fertigt Lummer aber kurz ab, als er sie anpumpen will. Die Post bringt einen Brief aus Wien. Christine ist ausser sich, als sie folgenden Text liest: »Lieber Schatz, schicke mir doch wieder zwei Billetts morgen zur Oper, nachher in der Bar, wie immer, Deine Mieze Meier«. Sie eilt verärgert zum Notar, um die Scheidung einzureichen. Ihrem kleinen Sohn erklärt sie, dass sie Papa für immer verlassen müsste und schickt an ihren Mann ein entsprechendes Telegramm.

ZWEITER AKT
Der Kommerzienrat, Justizrat und die beiden Kapellmeister spielen gerade Skat, als Christines Telegramm gebracht wird. Fassungslos stürzt Storch davon und irrt im Prater umher. Schliesslich stellt sich heraus, dass der Brief an Stroh gerichtet war und Mieze Meier die Namen Stroh und Storch wegen ihrer Ähnlichkeit verwechselt hat. Christine, die ihren Ehemann von Herzen liebt, glaubt gern seinen Unschuldsbeteuerungen, beide versöhnen sich.


Personen:
CHRISTINE (Sopran)
DER KLEINE FRANZL (8jährig), ihr Sohn
HOFKAPELLMEISTER ROBERT STORCH, ihr Mann (Bariton)
ANNA, ihre Kammerjungfer (Sopran)
BARON LUMMER (Tenor)
DER NOTAR (Bariton)
SEINE FRAU (Sopran)
EIN KAPELLMEISTER (Tenor)
EIN KOMMERZIENRAT, Roberts Skat-Partner (Bariton)
EIN JUSTIZRAT, Roberts Skat-Partner, (Bariton)
EIN KAMMERSÄNGER (Bass)
EIN JUNGES MÄDCHEN


Stubenmädchen
Hausmädchen
Köchin bei Storch

Die Handlung spielt teils am Grundlsee, teils in Wien




ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE
Im Ankleidezimmer. Vor der Abreise des Mannes, offene Reisetaschen, grosse Unordnung. 7 Uhr früh

DIE FRAU
Anna, Anna! Wo bleibt denn nur die dumme Gans?

DER MANN
im Einpacken begriffen, die Frau hilft ihm dabei Schimpf doch nicht wieder!
Bis sie dir alle davonlaufen!

DIE FRAU
Dann gibt es andere!

DER MANN
So gute Mädels findest du nicht so bald wieder!

DIE FRAU
Ich schon!

DER MANN
Du hast ein Zutrauen zu dir, einen Leichtsinn, bei den Zeiten!

DIE FRAU
's gibt immer welche!

DER MANN
Aber die Schererei, das Suchen, das Anlernen! Einen Sommer hattest du
so viel Köchinnen wie Doktoren, ich glaube 15 Stück!


DIE FRAU
triumphierend Und habe doch endlich dann die richtige gefunden.

DER MANN
Ja, auf wie lange!

DIE FRAU
Streitest du schon wieder?

DER MANN
Ich streite nicht, ich warne nur.

DIE FRAU
Brauch' deine Warnungen nicht!

DER MANN
Mehr als du glaubst - ohne meine Bremse ginge dein Temperament in jeden Graben.

DIE FRAU
Mach lieber, dass du fortkommst!

DER MANN
Noch eine halbe Stunde, eh der Schlitten kommt!

DIE FRAU
Aber du hast ja noch nicht gefrühstückt!

DER MANN
Dauert fünf Minuten!

DIE FRAU
Ich will, dass du ordentlich frühstückst! Deine Nerven

DER MANN
sind vortrefflich!

DIE FRAU
Ach, bin ich froh, wenn du endlich fort bist - Anna - Anna - schnell!

DIE JUNGFER
von aussen Gleich, gnä' Frau, ich sperre nur die Koffer zu.

DIE FRAU
ruft hinaus Vergessen Sie nicht, dem Herrn die Schlüssel zu geben!

DER MANN
Sie vergisst es nicht.

DIE FRAU
Na! Und damals in Campiglio, wo wir drei Tage ohne Schlüssel vor unsern
Koffern sassen -

DER MANN
Da bist du mitgefahren; und bei dem Durcheinander, wenn du mitreisest -

DIE FRAU
Fang nicht wieder an! Ich sehne mich wahrhaftig nach der Ruhe des Alleinseins.

DER MANN
Als wenn ich dich je belästigte!

DIE FRAU
Schon deine ewige Anwesenheit - du bist immer zu Hause - andere Männer
gehn in ihr Bureau - stöhnend die vermehrte Arbeit

DER MANN
trifft dich doch nicht!

DIE FRAU
Na, wen denn?

DER MANN
Doch die Dienstboten,

DIE FRAU
denen ich alles befehlen muss, immer und überall nachsehen, ob auch alles
richtig geschieht - schon allein dieses fortwährende Telephonieren

DER MANN
können doch auch die Mädchen besorgen.

DIE FRAU
Und wer macht denn die Hausarbeit?

DER MANN
Herrgott, ich weiss schon: 's liegt alles auf dir!

DIE FRAU
Na, auf wessen Schultern denn? Der Speisezettel?

DER MANN
Ein Vergnügen, keine Arbeit!

DIE FRAU
Das Saubermachen von Küche und Keller und Speicher, ist das vielleicht nichts?

DER MANN
Chronischer Unfug!

DIE FRAU
Den Garten -

DER MANN
besorgt der Gärtner besser ohne dich.

DIE FRAU
Bezahlungen der Rechnungen -

DER MANN
übernehme ich gerne -

DIE FRAU
und bezahlst alle doppelt! Kommissionen, Bestellungen -

DER MANN
trocken Na, etwas kannst du ja schliesslich auch tun, das ist alles keine ernste Arbeit.

DIE FRAU
Jedenfalls keine, die von euch Männern anerkannt wird!

DER MANN
Anerkannt schon, wenn auch nicht überschätzt.


DIE FRAU
seufzend Das Denken den ganzen Tag

DER MANN
Soll das wohl auch eine anstrengende Arbeit sein?

DIE FRAU
Die grösste doch, mich wenigstens ermüdet's!

DER MANN
Ja, dann - aber das bestreite icheben! Nur produzierendes Denken beim Künst-
ler, beim Gelehrten, bei einem Erfinder, das ist Kopfarbeit: und die sollte eigentlich ein
Vergnügen sein: für mich ist sie es wirklich.

DIE FRAU
Arbeit ist nie ein Vergnügen.

DER MANN
Dann lass' sie doch! Du hast es doch nicht nötig!

DIE FRAU
Und das Haus -

DER MANN
ging auch nicht zugrund, nur ein bisschen einfacher wird vieles

DIE FRAU
und alles würde verkommen und im Dreck ersticken.


DER MANN
Na, na, alter Putzteufel! Es leben doch tausend Familien nicht so genau und
peinlich und wahrscheinlich vergnügter als wir.

DIE FRAU
heftig Da sterbe ich lieber!

DER MANN
parodierend Da lebte ich lieber!

DIE FRAU
höhnisch Natürlich du bei deiner Herkunft bist es nicht besser gewöhnt!

DER MANN
Du tust, als wenn du in einem Schlosse geboren wärst!

DIE FRAU
wütend Du wirst doch deine Familie nicht der Vornehmheit der mein' gen vergleichen wollen!

DER MANN
auf seinen Kopf deutend Da sitzt die Vornehmheit!

DIE FRAU
Mach, dass du fortkommst, du Plebejer.

DER MANN
Schau, warum bleibst du nicht lieber zu Bett, statt einen mit deiner schlechten
Morgenlaune unnötig aufzuregen und über die alten langweil'gen Dinge zu streiten, wo man
gut daran täte, seinen Kopf zusammenzunehmen, dass man nichts Wicht'ges vergisst!

DIE FRAU
Dafür sorge ich schon!

DER MANN
Nein, du störst nur mich und Anna.

DIE FRAU
Hast du dein Reisekissen?

DER MANN
Ich denke - sieht nach ja -

DIE FRAU
Schuhlöffel, Handschuhe, Reisemütze?

DER MANN
Anna hat noch nie was vergessen!

DIE FRAU
mit höhnischem Triumph Bloss alle Schlüssel zu sechs Koffern in Campiglio!

DER MANN
schon ungeduldig Nun lass michendlich in Ruhe - frühstücken! Schnell ab ins Nebenzimmer

DIE JUNGFER
stürzt herein, über die Handtasche sich eifrigst hermachend

DIE FRAU
Haben Sie alles für den Herrn? Die Brötchen, den Schinken, die Milchflasche
für zehn Uhr? Ist die Torte gut verpackt?Kann der Himbeersaft nicht auslaufen? Zehn
harte Eier: sehr nahrhaft. Bei der anstrengenden Tätigkeit muss er sich kräftig
nähren. Anna, finden Sie nicht, der Herr ist wieder sehr nervös?

DIE JUNGFER
Nein, gnä' Frau, das find' ich nicht.

DIE FRAU
Hoffentlich passiert ihm nichts aufder Reise!
Haben Sie die Pillen? das Gurgelwasser? den Umschlag?

DIE JUNGFER
Alles, gnä' Frau.

DIE FRAU
Eigentlich bin ich recht froh, wenn er glücklich fort ist!

DIE JUNGFER
Und dann weinen gnäd'ge Frau wieder jeden Morgen und Abend und sind unter Tags traurig.

DIE FRAU
Nun ja, mit dem Kind allein in dem grossen Haus und dem langweiligen Bauernnest!

DIE JUNGFER
Wollen gnä' Frau, es ist heut sehr schönes Wetter, nicht ein bisschen rodeln gehn?

DIE FRAU
Ist auch langweilig. Nun ja - wie Sie meinen! Sie haben sicher das Kopfkissen vergessen?

DIE JUNGFER
Gewiss nicht. Ab ins Nebenzimmer

DER MANN
tritt wieder ein und sucht sich schweigend die letzten Reiseeffekten zusammen

DIE FRAU
herausfordernd Warum redest du nicht?

DER MANN
Weil du doch nur streitest.

DIE FRAU
auffahrend Ich denke, wenn man auf zwei Monate fortgeht, hätte man mitseiner Frau
doch manches Wicht'ge zu besprechen.

DER MANN
Ja, wenn sie bei Vernunft ist.

DIE FRAU
Du bist ein Flegel.

DER MANN
Du auch nicht gerade sehr liebenswürdig.

DIE FRAU
Ich verbitte mir diesen Ton!

DER MANN
Na, und ich? Was soll denn ich dann sagen?

DIE FRAU
Du - du - du bist geringschätzig ein Musikant.

DER MANN
Weiss schon, also in deinen Augen so etwas Minderwert'ges.

DIE FRAU
Das nicht - aber: mir passt das ganze Milieu nicht, die Öffentlichkeit und was
sich so alles an den Künstler herandrängt: diese schamlosen Dichter, die all ihre Er-
lebnisse auf die Strasse tragen, so ein Kapellmeister, der den Vollgefress'nen unten im
Parkett den Hampelmann macht und seine brünstigen Gefühle im Viervierteltakt preis-
gibt! Pfui Teufel!

DER MANN
Ja, das hättest du dir früher überlegen sollen! Ich habe nichts andres gelernt.
Umsatteln kann ich nicht mehr.

DIE FRAU
ungeduldig Aber endlich abreisen!

DER MANN
Also, leb wohl! Hast du dich nun auch genügend ausgetobt für die nächsten zwei Monate?

DIE FRAU
Noch lange nicht, denn du kannst mich doch nie verstehn.

DER MANN
Na, na, ich kenne dich, glaub' ich, besser als du dich selbst. Geh, sei gut, ich
habe nur mehr fünf Minuten, dann kommt -

DIE JUNGFER
kommt herein und meldet Der Schlitten ist da.

DER MANN
Schon? Adieu also! Bekomme ich keinen Kuss zum Abschied? Was habe ich dir denn getan?

DIE FRAU
Nichts. Ekelhaft bist du mir!

DER MANN
Ach geh, das ist ja doch nicht dein Ernst.

DIE FRAU
Ich bin froh, wenn ich dich los bin!

DER MANN
Wenn mir auf der Reise was passsiert, es gereut dich doch.

DIE FRAU
Um Gottes Willen, was?

DER MANN
Eine Ohnmacht, Herzschlag - eine Lungenentzündung - ein Raubmord - ein Eisenbahnunglück -

DIE FRAU
Ich bitte dich, nimm dich in acht, steig nicht in die vorderen, nicht in die letzten
Waggons!

DER MANN
Wenn möglich - nicht.

DIE FRAU
Kühl dich immer gut ab, bevor du in die Kälte gehst, schlag deinen Pelzkragen hoch,
den Mund zu, geh früh zu Bett, der Schlaf vor Mitternacht -

DER MANN
Ja, ja ich weiss schon - also leb' wohl

DIE FRAU
fällt ihm stürmisch um den Hals Adieu! Bleib mir gesund!

DER MANN
Gleichfalls. Und schreib hie und da.

DIE FRAU
Schon wieder unliebenswürdig Zum Schreiben hab' ich keine Zeit -

DER MANN
Na, aber.....

DIE FRAU
und ausserdem wenig Lust, du kannst es dir auch ersparen!

DER MANN
eifrig Doch, doch ich -

DIE FRAU
Und schick keine Zeitungen,

DER MANN
auch das nicht?

DIE FRAU
Ich lese sie doch nicht, sie liegen mir nur im Wege herum.

DER MANN
Schreiben muss ich, mir ist's ein Bedürfnis, mit dir aus der Ferne wenigstens
zu plaudern.

DIE FRAU
Mir gar nicht.

DER MANN
wütend Dann also, zum Teufel! Lass es bleiben, du unaustehliche Kratzbürste
du! Adieu! rasch ab

DIE FRAU
Mit Gott! Versäume den ZUg nicht!

DIE FRAU
am Toilettentisch Nun wollenn wir frisieren

DIE JUNGFER
beginnt mit der Frisur

DIE FRAU
Haben Sie gestern für Bubi die Hemden besorgt?

DIE JUNGFER
Jawohl, gnä' Frau.

DIE FRAU
Meine Taille - die Knöpfe?

DIE JUNGFER
Fertig.

DIE FRAU
springt auf, rennt mit der Lorgnette ans Fenster Grüsst mein Mann herauf?

DIE JUNGFER
Er grüsst mit der Hand.

DIE FRAU
versteckt sich hinter der Gardine Warum er nur immer reist! Langsam an den Toilettentisch zurückkehrend

DIE JUNGFER
Ich glaube, der Herr ist nicht gerne allzulange an einem Ort.

DIE FRAU
höhnisch Er hat, glaube ich, doch jüdisches Blut in den Adern!

DIE JUNGFER
beginnt wieder zu frisieren Und dann sein schöner Beruf.

DIE FRAU
Schöner Beruf. Ha, ha, fangen Sie auch noch an?

DIE JUNGFER
Die Berühmtheit!

DIE FRAU
Na, ich danke für die Ehre! Dass nachdem Tode noch wildfremde Leute aus purer
Neugier urteilen, ob sich die Gemahlin ihrerandren besseren Hälfte würdig erwiesen hat.
Mein Mann hat seinem Herrn Biographenausdrücklich verbieten müssen, meiner zu erwähnen,
man muss doch noch das Recht haben, Privatperson bleiben zu dürfen - Au! aber -
so passen Sie doch auf, sie reissen mir ja alle Haare aus! Sie lernen's auch nie!
Und was bin ich und was war ich als "Tondichtersgattin"? Ha, ha, ha, ha! Nicht mal hoffähig.

DIE JUNGFER
schnippisch Das wäre gerade nach des Herrn Geschmack!

DIE FRAU
Halten Sie Ihr freches Maul!

Anna frisiert gekränkt - schweigend weiter

DER JUNGE
steckt den Kopf zur Tür herein Mama, soll ich die genagelten Stiefel anziehen?

DIE FRAU
Freilich, mein Herzchen, bei dem Schnee. Zur Jungfer Ich verbitte mir Ihr freches Benehmen.

DIE JUNGFER
Ich sage ja gar nichts.

DIE FRAU
Aber Sie schneiden ein Gesicht. Ich seh's im Spiegel.

DAS HAUSMÄDCHEN
stürzt herein Gnä'Frau, der Steuerbote ist da, hier ist die Quittung.

DIE FRAU
Natürlich, fünf Minuten, nachdem der Herr aus dem Hause! Erschöpft Sie
sehen, alles Unangenehme kommt an mich. Er salviert sich, spielt Skat in Wien: Sagen Sie
dem Boten, ich dürfe nicht bezahlen, er möchte die Quittung an den Herrn schicken.

DAS HAUSMÄDCHEN
Schön.Ab

DIE FRAU
Halt - da fällt mir ein - springt auf, ans Telephon, klingelt wütend, schreiend
ich klingle, wie es mir beliebt, bitte 178. Pause Hier Frau Hofkapellmeister Robert
Storch. Bitte, liebe Frau Pritek, wann bekomme ich nun endlich das Hagebuttenmark -
natürlich zum Einmachen, die einzige Marmelade, die mein Mann gerne isst - wissen Sie,
wo er doch so angestrengt arbeitet, wenn er seine Hagebutten nicht hat, ist er unglücklich,
aber bitte, nicht vergessen! Danke, danke.

DIE KÖCHIN
tritt ein, bleibt in der halbgeöffneten Tür stehen

DIE FRAU
Wenn man gut zu den Leuten ist, kann man sie um den Finger wickeln.

DIE JUNGFER
nickt ironisch Jawohl, gnä'Frau!

KÖCHIN
Gnä' Frau, wegen des Speisezettels?

DIE FRAU
fährt wütend auf Wie oft habe ich Ihnen schon gesagt, Sie sollen ganz ins Zimmer
kommen und die Türe schliessen.

DIE JUNGFER
beendet inzwischen die Frisur

KÖCHIN
Was soll ich kochen?

DIE FRAU
wütend: Was Sie wollen, Sie wissen ja selbst. Sie sehen, wie alles auf mich
einstürmt - es gehört sich doch nicht, dass Sie mich da auch noch ärgern.

KÖCHIN
ab

DIE JUNGFER
entschuldigend Aber gnä' Frau, wirklich -

DIE FRAU
Halten Sie Ihren Schnabel! Wenn mein Mann fortreist

DIE JUNGFER
Warum reisen gnä' Frau nicht mit?

DIE FRAU
Sie sehn doch, was ich zu tun habe! Sagen sie selbst, ob ich da fort kann - ich, eine
brave, treue, arbeitsame Frau - ich gehöre nicht zu diesen leichtsinnigen Weibern, die
nur ihre Kleider und Hüte spazierentragen und zu Hause alles liegen und stehen lassen -
"Den Krempel besorgt meine Babette" hat mir neulich mal so eine gesagt, - sehn sie
nicht, wie notwendig ich zu Hause bin, ich komme nicht einmal zum Frisieren, zum Anziehn -
und da soll ich in der Welt herumkutschieren und in den Hotels herumlungern? Es kommt
sowieso alles Unangenehme auf mich, verzweifelt wenn mein Mann fort ist auf zwei Monate!

DIE JUNGFER
Ich denk', gnä'Frau sind froh, ein bisschen allein zu sein?

DIE FRAU
Ich bin immer allein, entweder ist er auf Reisen oder, wenn er zu Hause - in Gedanken
seufzend und bei der Arbeit.

DIE JUNGFER
Aber der Herr ist doch immer so nett mit der gnädigen Frau.

DIE FRAU
auffahrend Das wäre noch schöner, das gehört sich doch! Aber sehen sie, so gemütlich
bei mir sitzen, nichts tun, plaudern, das kann er nicht. Er ist eben so gar kein Damenmann.

DIE JUNGFER
Ach, so einen möcht gnä' Frau ja gar nicht! Gnä' Frau sind gar nicht so böse auf den Herrn.

DIE FRAU
heftig Er reizt mich fortwährend.

DIE JUNGFER
Aber er ist doch so gut und nachgiebig!

DIE FRAU
Diese ew'ge Güte und Nachgiebigkeit - das ist es ja, was mich so rasend macht. Wenn er nur
mal richtig grob und brutal wäre, wie ein richtiger Mann - aber dieser ewig "waiche
Günstler" und dabei diese ruh'ge süffisante Ueberlegenheit, die er mir gegenüber stets
markiert.

DIE JUNGFER
Aber nein, gnä'Frau irren sich -

DIE FRAU
eifrig und kindlich dich, doch, er sieht auf alle Frauen mächtig herab, hält uns mehr
oder minder für dumme, eitle, ungebildete Gänse

DIE JUNGFER
Gnä' Frau, ich mein', der Herr gibt sehr viel gerade auf Ihr Urteil -

DIE FRAU
Ja, ja, bis zu einem gewissen Grade -

DIE JUNGFER
Wie oft fragt er Sie um Rat!

DIE FRAU
Ja, eifrig weil er genau weiss, dass ich viel prakt'scher bin als er.

DIE JUNGFER
Der Herr ist doch auch ganz praktisch!

DIE FRAU
Nur schlau! Diese Bauernpfiffigkeit, das fehlt mir eben.
Ich platze immer heraus mit allem; er heimtückisch, kann
sich beherrschen, verstellen! Da werde ich immer wütender,
finde nicht die richtigen Worte - da gibt's dann diese
scheusslichen Szenen.

DIE JUNGFER
Der Herr weiss schon, wie's gemeint ist, dass gnä' Frau gut sind -

DIE FRAU
Aber man setzt sich dadurch ins Unrecht seufzend und ist dann
der schwächere Teil. - Seine Ruh' will er haben, darum gibt er
immer nach und ich, ich bin dann immer das Scheusal! Ach, Anna,
ich bin recht unglücklich!

DIE JUNGFER
Aber gnä' Frau, beruh'gen Sie sich doch! Das Telephon läutet

DIE FRAU
steht auf und geht langsam hin. Am Telephon mit leidender Stimme Wer ist da?
Plötzlich sehr heiter Ach! Frau Huss! GrüssGott! Wie geht's Ihnen?
Um 10 Uhr? Zum Schlittschuhlaufen? Sehr gerne! Ha, ha, ha!
Also Sie holen mich ab? Auf Wiedersehn!
Ganz verwandelt und vergnügt Sehn Sie, das ist eine nette Frau,
die klingelt mich doch wenigstens an. Ich hasse es, dass ich immer
die Leute anrufen und auffordern soll!

DIE JUNGFER
Viele Damen getrau'n sich nicht, fürchten zu stören...

DIE FRAU
Schweigen Sie! Faul sind sie, die Weiber! Ich kenne sie besser!
Nun aber schnell anziehn! Welche Bluse? Die blauseidene?
Ja, die gelbe ist besser! Aber nein! Halt! Anna! Anna!


Verwandlung. Orchesterzwischenspiel.


ZWEITE SZENE
Auf der Rodelbahn. Ein Schlitten nach dem anderen fährt herab und verschwindet in der Kulisse.

BARON LUMMER
tritt auf, auf Skiern

Man hört von hinten die Stimme der Frau "Bahnfrei" rufen. Eine NEUE RODLERIN
fährt herab, nach ihr will der BARON rasch die Bahn überschreiten, da kommt DIE FRAU,
viel zu schnell hinter ihrem Vormann, etwas kreuz und quer rodelnd um die Ecke,
schreit noch schnell, aber zu spät: "Obacht" und fährt den Baron über den
Haufen. Als der Schneeknäuel sich entwirrt, schreit sie den Baron an:


DIE FRAU
Sie Esel! Sehn Sie denn nicht, dass hier gerodelt wird.

DER BARON
Doch, aber Sie waren zu schnell!

DIE FRAU
Nein! Sie zu langsam! Ich habe mir furchtbar weh getan!

DER BARON
Ich bedaure unendlich, mein Fräulein!

DIE FRAU
Mein Mann würde Ihnen schöne Grobheiten machen - wenn er nämlich hier wäre!

DER BARON
Wo haben Sie Schmerzen?

DIE FRAU
weinerlich Das kann ich einem fremden Herrn doch nicht sagen!

DER BARON
Mein Name ist: Baron Lummer.

DIE FRAU
verändert, plötzlich freundlich Ach! sind Sie verwandt mit dem Oberst
Baron Lummer, der in Linz das Regiment hatte und eine geborene von Müller zur Frau?

DER BARON
Das sind meine Eltern.

DIE FRAU
Ach! Das freut mich! Ich bin Frau Hofkapellmeister Storch, mein Mann der berühmte Tondichter.

DER BARON
Kann ich Ihnen behilflich sein?

DIE FRAU
Danke nein: es geht schon besser, nur ein bisschen Prellung. Was treiben Sie hier?
Bleiben Sie lange?

DER BARON
Zur Erholung, etwas Sport drei bis vier Wochen.

DIE FRAU
Meine Eltern haben Ihre Eltern gut gekannt, als in Linz Frau
von Ref- ha, ha, ha, ha, Gouverneurin war, von der man sagt: "kommandiert hoffentlich nur ihren Mann" ha, ha, ha - Woll'n Sie mich besuchen?

DER BARON
Mit grösstem Vergnügen! Bitte nur nochmals zu entschuldigen!

DIE FRAU
Macht nichts. Sein Sie nur das nächste Mal etwas flinker! Auf Wiedersehn!

DER BARON
Empfehle mich, gnäd'ge Frau er küsst ihr die Hand



Verwandlung. Orchesterzwischenspiel (Walzer).


DRITTE SZENE
Ball beim Grundlseewirt


DIE FRAU
kommt mit dem Baron nach vorn, erschöpft auf einen Stuhl sinkend
Ich kann nicht mehr! So toll hab' ich aber schon lange nicht mehr getanzt.
Übrigens eine Luft zum Ersticken! Gar nichts für Sie, für Ihre Gesundheit!

DER BARON
Einmal, eine Ausnahme!

DIE FRAU
Wenn Sie schon hier zur Kur sind, müssen Sie sich doch pflegen!

DER BARON
Morgen fange ich strenge an.

DIE FRAU
Gut, unter meiner Aufsicht! Mein Mann sagt immer, ich sei der beste
Arzt! Sie wollten mir auch von Ihrem Leben, Ihrer Familie erzählen!

DER BARON
Alles morgen, wenn Sie gestatten. Aber ich fürchte, der Walzer geht
zu Ende. Darf ich bitten? Gnäd'ge Frau tanzen wie eine Feder!

DIE FRAU
Nun denken Sie sich: mein Mann tanzt gar nicht mehr. Er behauptet,
Schwindel zu bekommen. Und ich tanze so gern!

DER BARON
Und so vorzüglich!

Beide mischen sich wieder unter die Tanzenden


Verwandlung. Schluss des Walzers.


VIERTE SZENE
Möbliertes Zimmer im Hause des Notars

DIE FRAU
mit der Notarin schnell eintretend Wissen Sie, mein Mann,
der immer an der Arbeit sitzt - er ist so furchtbar fleissig - sagte
mir schon immer: wenn du nette Gesellschaft findest zum Spazierengehn,
zum Sport - dieser Baron Lummer ist der Sohn alter Freunde meiner Eltern
in Linz, wissen Sie! Also dies ist das Zimmer? Aber sehr hübsch: Gerade
das richtige für meinen Schützling. Denken Sie: der Arme kann seine Studien
nicht beginnen - starke Migräne - in der hohen Luft hier schon viel besser!
In seiner Verwandtschaft grosser Widerstand! Er hat grosses Talent zum
Naturforscher. Der Schreibtisch steht nicht gut im Licht. Der junge Baron
will doch ab und zu auch einmal ein bisschen arbeiten richtet den Schreibtisch
So, haben Sie keinen Lehnstuhl?

DIE NOTARIN
Ich müsste den von meinem Mann?

DIE FRAU
Gewiss, gewiss, Therese, Sie bringen ihn sofort herauf. Das Bett steht gut.
Wegen der Zugluft - Sie wissen ja, bei Migräne muss man bei offnen Fenstern
schlafen!

DIE NOTARIN
So jung?!

DIE FRAU
Zweiundzwanzig, glaube ich!

DIE NOTARIN
Doch schon?! Immerhin - Migräne!

DIE FRAU
Erblich, wie es scheint.

DIE NOTARIN
Was Sie sagen!

DIE FRAU
Ein Onkel starb im Irrsinn! Therese! Die Schubfächer müssen Sie alle feucht auswischen!

DIE NOTARIN
Bitte, es ist alles sauber.

DIE FRAU
förmlich Verzeihen Sie, da bin ich eigen. Sie glauben nicht, wie es hier staubt!
Die vielen Fremden, Zentralheizungen - ich seh' es an meinen Fensterbrettern!
Frühstück kann er haben?

DIE NOTARIN
Gewiss!

DIE FRAU
Vielleicht auch ab und zu kaltes Abendbrot - er sollte nicht
soviel ins Wirtshaus! Die jungen Leute gewöhnen sich zu schnell
ans Bummeln. Also, all right. Ich bezahle - wöchentlich. Mein Mann
gibt mir plein pouvoir. Also ich schicke Ihnen jetzt den Jüngling.
Sie sorgen gut für ihn. Vor dem Einheizen gut lüften! Ich schaue
dann schon wieder her. Grüssen Sie Ihren Mann!

DIE NOTARIN
Danke sehr. Es wird alles nach Ihren Wünschen sein.

DIE FRAU
zu Therese Alle Schränke feucht wischen: für die Hygiene das Wichtigste.
Das verstehe ich. Mein Mann sagt immer, ich wäre der leibhaftigste Arzt.
Sie sehen ja, wie er blüht. Adieu! Auf Wiedersehen.


Verwandlung. Orchesterzwischenspiel.


FÜNFTE SZENE
Wohnung der Frau Storch. Esszimmer. Die Frau sitzt bei der Lampe und
überliest noch einmal einen beinahe beendigten Brief an ihren Mann


DIE FRAU
"Es ist wirklich ein sehr netter, ungeheuer bescheidener Mensch. Da er vor
Beginn seines Studiums wegen starker Migräne ganz der Erholung leben muss,
hat er immer Zeit, ist bei gleicher Neigung mit mir für Sport, Spazieren-
rennen, frische Luft und Naturgenuss ein selten geeigneter Begleiter für
deine arme, verlassene, von dir stets so vernachlässigte Frau“ - Das ist gut,
das soll er nur hören! "stets vernachlässigte Frau" - Was soll er denn dagegen haben?!
dagegen, dass ich den Baron, der sehr gute Manieren hat, auch öfters einmal zum
Essen einlade. "Neulich haben wir sehr fidel beim Grundlseewirt getanzt. Nur die Luft
war miserabel. Ich muss dem Baron, der, glaube ich, nicht in den besten Verhältnissen
lebt und der in seiner Familie nicht das nötige Verständnis für seine geistigen
Ziele findet, versprechen, dass du dich seiner etwas annehmen wirst. Nicht wahr, du
tust es. Er verdient es, da er mir hier sehr gefällig ist. Ich muss schliessen für
heute. Das Kind ist wohl. Bleibe gesund, rauche nicht zu viel, überanstrenge dich nicht....
"Ich glaube, der Brief ist gut. Mitteilen muss ich es ihm doch. Er ist sicher
einverstanden. Er kann doch nicht verlangen, dass ich mich hier zu Tode mopse...
Endlich einmal ein junger, frischer Mensch. - Die alten Häuser, die Robert mir
ins Haus bringt, sehen so eine harmlose Frau als lustige Bagatelle an. Nicht einer
kommt meinetwegen zu uns! Alle zum berühmten Mann! Alles erstirbt immer in Ehrfurcht!
Pfui Teufel! Ich will mit meinesgleichen fröhlich plaudern, rüstig wandern! Wenn es
ihm nicht recht ist, ich werde ihm schon zeigen, wer der Herr im Hause ist!"Die
bessere Hälfte" hat mich der berühmte Kritiker, der ihn nicht leiden kann, genannt,
das hat ihn doch geärgert. Ha, ha, ha, ha!

DIE KöCHIN
tritt ein

DIE FRAU
Fanny, was wollen Sie?

KÖCHIN
Rechnen, gnä' Frau!

DIE FRAU
Tür zu, sag' ich!

KÖCHIN
Der Speisezettel für morgen!

DIE FRAU
Was Sie wollen! Was gibt's heute abend? Der Baron kommt.

KÖCHIN
Schon wieder?

DIE FRAU
Ich verbitt' mir Ihre Glossen! Ich weiss nicht, ob er zu Tisch bleibt.
Jedenfalls richten Sie sich ein!

KÖCHIN
Ich hab' schon was.

MARIE
meldet Baron Lummer.

DIE FRAU
Ach schön! Soll hereinkommen!

DER BARON
tritt ein

DIE FRAU
Guten Tag! Entschuld'gen Sie: Ich bin gerade beim Rechnen seufzend des
Küchenbuchs. Sie erlauben doch?

DER BARON
Bitte, bitte, gnäd'ge Frau - kann ich helfen?

DIE FRAU
Sehr willkommen! Wenn man bei so lästiger Kopfarbeit ein bisschen
angenehme Gesellschaft hat, geht's doppelt leicht: Rechnen und
Briefschreiben ist so das Allerschlimmste. Ich hasse die Schreibtische.
Rechnet Fünf und sechs

DER BARON
elf.

DIE FRAU
Und siebene ist achtzehn und fünf ist -

DER BARON
dreiundzwanzig

DIE FRAU
und acht ist -

DER BARON
einunddreissig -

DIE FRAU
einunddreissig, bleibt drei im Sinn, drei und neun ist zwölf und
neun ... und neun... na, wieviel ist denn zwölf und neun -

DER BARON
einundzwanzig -

DIE FRAU
danke! Das wäre wieder überstanden! Wie geht es Ihnen?
Bleiben Sie zu Tisch?

DER BARON
Nein, danke vielmals. Ich bin mit einem Freunde verabrede


DIE FRAU
Freunde? Die Freunde kennt man!

DER BARON
Aber ich bitte! Nein wirklich - gnäd'ge Frau!

DIE FRAU
Will gar nichts wissen! Ich mische mich nie in fremder Leute Dinge.

Verlegenheitspause

DIE FRAU
Was haben Sie heute getan?

DER BARON
Nicht viel.

DIE FRAU
spöttisch Wie gewöhnlich.

DER BARON
Ein bisschen Ski - ein bisschen Rodeln... Pause

DIE FRAU
Sind Sie mit Ihrer Wohnung zufrieden?

DER BARON
Geradezu ideal! Neue Pause

DIE FRAU
Sie gestatten, dass ich ein wenig Zeitung lese, vor lauter Arbeit
komme ich nicht einmal dazu... Wollen Sie auch?

DER BARON
Bitte!

Beide lesen Zeitung

DIE FRAU
Haben Sie gehört? Frau von Hupp lässt sich scheiden! Er flirtet mit
einer Schauspielerin. Ein Skandal! Wann gedenken Sie eigentlich Ihre Studien zu beginnen?

DER BARON
ja, das ist es eben

DIE FRAU
Ihr Bruder, sagen Sie, tut gar nichts für Sie?

DER BARON
schüttelt mit dem Kopf

DIE FRAU
Aber er könnte doch?

DER BARON
Freilich könnte er, aber er will, dass ich Jura büffle.

DIE FRAU
Und warum nicht?

DER BARON
Aber ich bitte, gnäd'ge Frau, dies trockene Studium!

DIE FRAU
Gott, ich meine, arbeiten müssen Sie doch überall!

DER BARON
entschlossen Nein, zu den Pandekten bringt mich niemand!

MARIE
tritt ein

DIE FRAU
ruft ihr zu Marie, ist Bubi mit seiner Klavierstunde fertig?

MARIE
Ich glaube ja, gnä' Frau.

DIE FRAU
Er soll dann gleich ins Bad, damit er vor dem Abendessen richtig fertig ist.

MARIE
ab

DIE FRAU
macht sich am Schreibtisch zu schaffen, dann nimmt sie wieder dieZeitung auf

DER BARON
Dürfte ich Ihnen ein kleines Anliegen unterbreiten?

DIE FRAU
liest eifrig, ohne hinzuhören

DER BARON
Ich hätte eine kleine Bitte.

DIE FRAU
Was haben Sie?

DER BARON
Eine grosse Bitte -

DIE FRAU
An mich? Wirft ab und zu wieder einen Blick in die Zeitung

DER BARON
Da Sie sich so freundlich für meine Zukunft interessieren

DIE FRAU
eifrig Freilich, freilich!

DER BARON
es ist für mich so schwer, ich habe nun einmal die Passion für
den Beruf des Naturforschers!

DIE FRAU
Das ist ja auch recht schön: Reisen nach Afrika, China, Spanien,
Serbien, Australien ist zwar nicht mein Geschmack! Aber ein Onkel
von mir war in Alaska, aber ich glaube, dazu muss man vermögend sein.

DER BARON
Leider ja.

DIE FRAU
Haben Sie denn die Mittel zum Universitätsstudium? Verzeihen Sie, wenn ich etwas indiskret!

DER BARON
Nicht einmal die.

DIE FRAU
Ja, dann verstehe ich aber nicht - schaut wieder in die Zeitung Ha, ha, ha, ha.
Der Hauptmann Sturtz hat seinen Abschied eingereicht.
Gesundheitsrücksichten, die kennt man, wahrscheinlich blamiert. War ein Tänzer von mir,
als Fähnrich sehr nett später ein ziemlicher Grobian - gönn' ich ihm! Was sagten Sie vorhin?

DER BARON
Dass mir leider die Mittel zum geliebten Studium fehlen -

DIE FRAU
Ja, da weiss ich halt auch keinen Rat.

DER BARON
Es gibt Stipendien, ein bisschen Protektion, wenn ich nur -

DIE FRAU
Stipendien, das müsste sich doch machen lassen.

DER BARON
Ich habe so gar keine Beziehungen,

DIE FRAU
aber Protektion, Protektion, da könnte doch mein Mann?

DER BARON
Wie wäre das wohl möglich?

DIE FRAU
sehr lebhaft O sicher, mein Mann! Ich hab' ihm schon etwas
im Briefe angedeutet - er hat schon vielen geholfen - Sie glauben
nicht, wie gut er ist: er ist aus vornehmer Familie, altes Patrizierhaus,
gute Beziehungen - immer eifriger und praktisch ist er, er weiss immer
die richtigen Wege. Man sagt oft, geniale Menschen seien in Dingen
des Lebens so unerfahren - im Gegenteil: wenn ich oft gar nicht mehr
weiss, wo aus und ein, mit einem Schlage hat er das Richtige.
Ein so weiches Gemüt, mein Mann - man sieht es ihm nicht an - oft scheint
er abweisend - o, er wird sehr verkannt, nicht als Künstler: da kann er
sich nicht beklagen, seine glänzende Laufbahn, diese Masse Orden und üb'rall
Erfolg, dabei ist er nicht mal eitel, nein, eigentlich bescheiden, ja
wirklich bescheiden: zu Hause spricht er nie von sich, von seiner
Arbeit - und was ist der Mann fleissig, zu fleissig! Das ist ja oft mein Kummer,
dass er mich vernachlässigt, nicht aus Lieblosigkeit - aber immer in Ge-
danken, den Kopf voller Projekte - wirklich ein seltner Mensch! Sie kennen
meinen Mann nicht?

DER BARON
witzig, dreist Ich bin vorläufig mit der Bekanntschaft seiner Frau Gemahlin
zufrieden.

DIE FRAU
Pfui, Baron, sagen Sie nichts über meinen Mann! Wenn Ihnen jemand helfen kann, ist er es!

DER BARON
Sie meinen, gnäd'ge Frau? Kläglich Ihr Gemahl kennt mich ja noch gar nicht.

DIE FRAU
Aber ich kenne und schätze Sie, das genügt. Sie sind mir ein lieber
Begleiter, ich hab' eine wirkliche Sympathie für Sie.

DER BARON
Ja, aber -

DIE FRAU
ungeduldig Was aber? Sehr warm und betont Ich sage Ihnen: mein
Mann ist der beste Mensch von der Welt. Glauben Sie mir, dass er mir
noch nie eine Bitte abgeschlagen hat? Hie und da streiten wir ein bisschen,
wir sind nie eigentlich derselben Meinung, aber das tut nichts: ein
bisschen Zank würzt die Unterhaltung, schliesslich behalte ich dann doch
immer recht. Er gibt oft nach, wenn ich sogar mal im Unrecht bin - aus reiner Güte!
Kurz, er erfüllt mir eben jeden Wunsch.

DER BARON
Ja, ich möchte nur -

DIE FRAU
Ja?

DER BARON
Ich möchte nur -

DIE FRAU
Na, na rasch ein bisschen! Sie drucksen ja heute herum!
Tempo, tempo, sagt mein Mann immer, tempo ist alles!

DER BARON
mit Entschluss Ich möchte doch nicht warten, bis Ihr Herr Gemahl -

DIE FRAU
Wieso? Ich tue nichts ohne seine Zustimmung!

DER BARON
Aber gnäd'ge Frau sagten doch?

DIE FRAU
Natürlich. Ich bin vollkommen frei in meinen Entschlüssen!

DER BARON
Da möchte ich schon lieber -

DIE FRAU
ungeduldig Was möchten Sie schon lieber?

DER BARON
mutiger Ja, sehn Sie, gnäd'ge Frau, es ist so schwer für
mich - meine Familie versteht mich gar nicht - ich habe eigentlich niemand,
der mir ein wenig freundlich gesinnt ist; gnäd'ge Frau haben mir schon
so viel Gutes erwiesen - die Sympathie einer schönen Frau - Ja, wie soll
ich mich ausdrücken? - ich bin Ihnen schon so verpflichtet -

DIE FRAU
herzlich Nun ja, wir wollen recht gute Freunde bleiben, an meinem Mann
werden Sie eine wahre Stütze finden - Ach! Es ist so traurig,
wieviel ich allein bin! Sie glauben nicht für eine Frau -

DER BARON
Ja, gnäd'ge Frau, wenn ich -

DIE FRAU
nicht auf ihn hörend in dieser Einsamkeit --

DER BARON
wenn ich dürfte -

DIE FRAU
Was nützt mir der berühmte Mann, den ich habe? Naiv und harmlos Für
mich genügt ein einfacher, gemütlicher Mann, wie Sie!

DER BARON
Ich würde ja ganz gern - dürft' ich noch einmal auf meine Bitte zurückkommen?

DIE FRAU
Ich habe Robert heute von Ihnen geschrieben: sehr schöne Dinge!
Welch ein guter Sportler Sie sind! Nur in der Unterhaltung ein wenig zäh.
lachend Das habe ich ihm natürlich nicht geschrieben. scherzend Ich hätte
nun einen wirklichen Galan! Vielleicht wird er einmal ein bisschen eifersüchtig.
Sich korrigierend Nein, nein, ich musste ihm doch mitteilen, dass Sie
hier sind! Hoffentlich können Sie so lange bleiben, bis er zurückkommt.

DER BARON
Ich fürchte, nein! Ich muss mich doch umsehn, wenn nicht Sie selbst, gnäd'ge Frau -

DIE FRAU
Ich sagte Ihnen ja schon, ich kann gar nichts tun, ausser mit Ihnen bummeln,
plaudern, rodeln!

DER BARON
Aber Sie sagten doch? -

DIE FRAU
Was? -

DER BARON
Dass wir recht gute Freunde sein sollen!

DIE FRAU
Will ich auch! Aber wenn Sie nicht zu Tische bleiben - weich müssen Sie
jetzt gehn, lieber Freund. Wann sehn wir uns wieder? Wollen wir morgen nach
Aussee gehen?

DER BARON
Sehr gerne!

DIE FRAU
Wann Rendezvous? Zehn Uhr? Holen Sie mich ab? Aber morgen sind Sie
hoffentlich etwas fröhlicher! Lassen Sie Ihre Sorgen zu Hause! Ich kann
nur heitere Menschen um mich sehn! Der Baron verabschiedet sich Auf Wiedersehn!

DIE FRAU
in Träumerei versunken
Ein hübscher Mensch! Und jung ist er halt - Nun sitz' ich wieder allein!
Mein lieber Mann! Er ist so gut, so treu. - Diese langen, einsamen
Abende - man wird ganz traurig - sie versinkt in immer tieferes Sinnieren


Verwandlung. Orchesterzwischenspiel.


SECHSTE SZENE
Zimmer des Barons im Hause des Notars
Der Baron liegt auf dem Sofa und raucht eine Zigarette

DER BARON
springt auf und ruft zur Tür hinaus Frau Notar! Können Sie mir meinen
Koffer heraufschicken?

DIE NOTARIN
von aussen Sie wollen doch nicht schon abreisen

DER BARON
Ich muss vielleicht. Pfeift Was fällt ihr denn ein? Glaubt sie,
ich setze mich jeden Abend so hin, einfach zum Zeitvertreib?
"Die Freunde kennt man!" Trällernd "Theresulein, Theresulein, du bist
mein süsses Madulein !" Na, heute abend soll es mal lustig werden!
Dieses Zeitunglesen zu zwein scheint ihr Hauptvergnügen zu sein!
Schöne Langeweile! Und immer fängt sie wieder von meinen Studien an!
Der reine Pastor! Dabei ist sie eigentlich recht hübsch und pikant!
Aber an die Migräne glaubt sie fest! Ob ich eine richt'ge Liebeserklärung
mache? Sie ist imstande und antwortet mit einem Lobeshymnus auf ihren
alten Ehekrüppel.Pfeift

Ein junges Mädchen im Vorstadtsportanzug steckt den Kopf zur Tür herein

RESI
Bist du fertig, Schatz?

DER BARON
Herrgott, diese Frechheit! Mach, dass du rauskommst! Wenn die Notarin dich
sieht und alles meiner freigebigen Patronin klatscht!

RESI
Ich gehe ja schon. Wollte nur deine Bude mal sehn! Ab

DER BARON
ruft ihr nach In fünfzehn Minuten bin ich bei dir! Einmal probier'
ich's noch; auf dem Spaziergang übergeb' ich ihr den Brief,
da ist sie immer am besten gelaunt. Setzt sich an den Schreibtisch
Also - erster und letzter Versuch! Beginnt zu schreiben "Verehrte,
gnädige Frau! So freundlich Sie heute zu mir waren, so brachte ich
es doch nicht über die Lippen, Ihnen mein ganzes Herz auszuschütten...
Verzeihen Sie, wenn ich es nun schriftlich wage. . . Während er weiter-
schreibt, fällt der Vorhang




Verwandlung. Orchesterzwischenspiel.


SIEBENTE SZENE
Esszimmer der Frau. Draussen starkes Schneegestöber

DIE FRAU
in der Hand den Brief des Barons Tausend Mark will er haben!
Der ist wohl verrückt? Was glaubt er denn? Tausend Mark! Was würde Robert
denken? Solch ein dummer Brief! Mündlich getraut er sich nicht - Darum
druckste er neulich immer so herum! Das ist nun auch wieder vorbei.
Und ich habe geglaubt - schade. Der dumme Kerl! Tut mir ja leid. Aber das
geht wirklich nicht.

DER BARON
eintretend) Ich habe mir erlaubt...

DIE FRAU
Aber nicht in diesem Zustande! Erst ordentlich abputzen, bitte.

DER BARON
wieder hinaus

DIE FRAU
ruft ihm nach Da sieht man wieder den Junggesellen.

DER BARON
tritt wieder ein

DIE FRAU
Also dass ich es Ihnen nur gleich heraussage: Das ist ein für allemal
ausgeschlossen! Wollen Sie unsre guten Beziehungen stören, auf die ich
so viel Wert gelegt hatte? Ich habe eine ehrliche Sympathie für Sie.
Wir wollen doch gute Freunde bleiben - wirklich, es war nicht hübsch
von Ihnen - in dieser Weise - warm mein Mann wird Ihnen jede Förderung
angedeihen lassen, er wird sich fur Sie verwenden... Mein Vater sagte immer,
Geld leihen verdirbt die beste Freundschaft.

DER BARON
Ich würde alles mit Zins zurückerstatten.

DIE FRAU
Lieber etwas schenken, dass nie mehr davon gesprochen wird, sagt
Robert - Können Sie denn nicht Stunden geben, wie so viele -

DER BARON
mit Emphase Neben dem anstrengenden Studium, unmöglich!

DIE FRAU
trocken Nun, da weiss ich wirklich keinen Rat.

MARIE
bringt einen Brief

DIE FRAU
freudig Von meinem Mann? Sie erlauben? Liest die Adresse Herrn Hofkapellmeister
Robert Storch. Wieder ein Bettelbrief oder Ankündigung eines Operntextes. Doch nein!
Die Schrift kenne ich. Sie öffnet und liest, entsetzt aufschreiend Was ist das?

DER BARON
erschrocken Was ist Ihnen?

DIE FRAU
Das ist ja unerhört!

DER BARON
Was denn?

DIE FRAU
Ach! Ach! Ach! Ach! Liest den Brief vor "Lieber Schatz! Schicke mir doch
wieder zwei Billette morgen zur Oper! Nachher in der Bar wie immer!
Deine Mieze Maier."
Mieze Maier! Eine Dirne! In der Bar wie immer - mein Mann! Das ist das Ende!
Ich hab' es längst geahnt. Sie fasst sich mit beiden Händen an den Kopf

DER BARON
Um Gottes willen, gnäd'ge Frau!

DIE FRAU
blickt wie versteinert in den Brief Lieber Schatz! Deine Mieze Maier!

DER BARON
Kann ich Ihnen in irgend etwas beistehn?

DIE FRAU
Nein, ich danke, Herr Baron! Sollte ich Ihrer bedürfen, werde ich so frei sein,
Sie zu mir zu bitten.

DER BARON
eilt, sichtlich erleichtert, ab

DIE FRAU
nach langer Pause, an dem Schreibtisch, ein Telegrammformular abreissend,
schreibt
Du kennst Mieze Maier! Deine Untreue erwiesen! Wir sind auf immer
geschieden! Klingelt. Anna tritt ein Schicken Sie diese Depesche sofort
auf die Post. Augenblicklich die Koffer packen! Alle!

ANNA
Warum denn?

DIE FRAU
Wir reisen -

ANNA
Heute?

DIE FRAU
Für immer -

ANNA
Aber gnä' Frau!

DIE FRAU
Ruhig! Später! Sofort packen - alles! Wir reisen, sobald Sie fertig.

ANNA
Um Gottes willen, was ist geschehn?

DIE FRAU
ausser sich So machen Sie doch, dass Sie hinauskommen! Sie sinkt erschöpft
in den Lehnstuhl



Verwandlung. Orchesterzwischenspiel.


ACHTE SZENE
Das Schlafzimmer des Kindes, nur mit einer Kerze erleuchtet


DIE FRAU
am Bett des Kindes sitzend Mein lieber, lieber Bubi! Ich bin so furchtbar
unglücklich!

DAS KIND
Warum weinst du?

DIE FRAU
Dein Papa ist ganz furchtbar schlecht und böse.

DAS KIND
Das ist nicht wahr! Papa ist gut.

DIE FRAU
Nein, nein. Mein armes Kind! Er hat mich unerhört betrogen!
Wir gehen fort, wir zwei ganz allein.

DAS KIND
Ich will aber nicht fort!

DIE FRAU
Du gehst mit mir und wirst Papa nie wiedersehn.

DAS KIND
fängt zu heulen an Ich will nicht weg von Papa!

DIE FRAU
Was? Du willst bei dem bösen Manne bleiben, der so schlecht
gegen deine liebe Mutter war?

DAS KIND
Papa ist immer gut zu dir, du bist böse mit Papa, zankst ihn, bist garstig.

DIE FRAU
O, ich war viel zu gut mit ihm! Sie weint Er hat das nicht verdient!
Oh, Bubi! Alles ist vorbei für ewig. Schlaf nur wieder! Ich bleibe,
bis du eingeschlafen, mein Liebling! Ich will für dich beten, du armes,
verlassenes Kind! Ich arme, verlassene Frau!
Sie kniet betend am Bett des Kindes nieder.


Der Vorhang fällt.
ZWEITER AUFZUG

ERSTE SZENE
Die Skatpartie

Komfortables Wohnzimmer mit guten modernen Bildern und Bronzen im Hause des Kommerzienrats. Am Skattisch in der Mitte des Zimmers unter einem grossen Luster sitzen der JUSTIZRAT, der KOMMERZIENRAT, der KAMMERSÄNGER und KAPELLMEISTER STROH beim Skatspiel
Der Justizrat mischt die Karten und gibt aus

DER KOMMERZIENRAT
Ach! Sie kennen sie nicht, Herr Justizrat! Ein Ekel! Er ist ein
reizender Mensch. Aber die Frau: einfach fürchterlich!

DER KAMMERSÄNGER
Sie haben etwas gegen die Frau.

DER KOMMERZIENRAT
Kunststück, bei die Behandlung!

STROH
Aber es ist doch eine sehr tüchtige Frau!

DER KOMMERZIENRAT
Für ihn vielleicht.

DER KAMMERSÄNGER
Gucki

DER JUSTIZRAT
Wer spielt aus?

STROH
Ich! Bei Grand die Asse auf den Tisch.

Sie spielen

DER JUSTIZRAT
Er soll die Frau riesig gern haben -

DER KOMMERZIENRAT
Wie sie ihn auch oft behandelt, sogar vor Leuten!

STROH
Ich finde, die Frau wird schwer verkannt. Sie ist sehr temperamentvoll,
vielleicht zu hitzig -

DER KAMMERSÄNGER
ruft Schneider! Neunundzwanzig haben Sie! Sechzig Gute für mich!

STROH
fortfahrend ein bisschen wild und rücksichtslos sie spielen immer weiter aber
ich glaube, sie hat ein gutes Herz und sie sorgt sehr gut für ihn.

DER KOMMERZIENRAT
Na ja, irgendeinen Vorzug muss sie wohl haben. Zum Justizrat Sie haben ja das
Vergnügen, sie nicht zu kennen, aber wen sie näherer Bekanntschaft würdigt - schlaf-
lose Nächte, sag' ich Ihnen. Achtzehn! Achtzehn! Herr Kammersänger!

DER KAMMERSÄNGER
Einen Moment, ich bin noch nicht auf dem Kontor, halte ich -

DER KOMMERZIENRA
Vierundzwanzig!

DER JUSTIZRAT
Für Sie, mein Herr!

ROBERT
tritt ein Guten Abend, meine Herren! Entschuldigen Sie, aber die Probe
war nicht abzukürzen -

DER KAMMERSÄNGER
spottend Am Anfang jeder Spielzeit haben Sie immer einen kolossalen
Probeneifer, so gegen den März zu legt er sich.

ROBERT
Naja, einmal im Jahr. Wenn ihr euch das alles merken würdet, was ich euch
da sage, für drei Jahre müsst' es genügen.

STROH
Sie können gleich eintreten, verehrter Meister, noch dieses Spiel!

DER KAMMERSÄNGER
dröhnend "Hast du schon zur Nacht gebetet, Desdemona!"

STROH
ruft Neunundfünfzig. Haben Sie denn keinen König mehr zum Reinschmeissen?
Neunundfünfzig ohne vier! kostet ein Vermögen!

DER JUSTIZRAT
zum Kammersänger Sehr fein gespielt, dass Sie Pique nicht brachten!
zu Stroh Du hättest dieses Spiel nicht gewonnen!

ROBERT
behaglich Ach, so ein Skätchen ist ein Genuss, die einzige Erholung nach Musik!

DER KOMMERZIENRAT
spottend Besonders, wenn die Frau recht weit weg ist!

ROBERT
gutmütig Na ja, Sie wissen: ich habe meine Frau sehr gerne, nur beim Skat
ist es angenehm, wenn keine Damen im Nebenzimmer.

DER KOMMERZIENRAT
Alle Augenblicke steckt eine den Kopf zur Tür herein: "Sind die Herren schon
bald fertig?" "Gleich, mein Engel," sagt er, hol dich der Satan, denkt
er. Oder: "Gewinnen die Herren?" Nur ein Vorwand, um schnell nachzusehn, ob der
Gatte verliert oder gewinnt, und zu Hause dann, au wei!

ROBERT
Na, so schlimm ist's nicht. Null auf dem Pferde!

DER JUSTIZRAT
Ich gebe Kontra.

KAMMERSÄNGER
Bei Null ouvert?

ROBERT
Rekontra. Nicht zu fassen! Legt die Karten au

DER KOMMERZIENRAT
Das ist aber doch kein Kontra, ich bitte Sie!

DER JUSTIZRAT
Mit zwei Sieben?

DER KOMMERZIENRAT
Trotzdem, Sie sehen ja!

ROBERT
Keine Leichenreden! Aufschreiben! Zweihundert Gute für mich! Sie geben!

DER KAMMERSÄNGER
Wie lange bleiben Sie diesmal, Meister?

ROBERT
Vier Wochen. Noch zwei Konzerte ohne das übrige. Zum Kommerzienrat Sie
reizen.

DER KOMMERZIENRAT
Gleich, ich habe noch nicht ausgepackt. Zehn!

DER KAMMERSÄNGER
Gibt's nicht. Nur Solo.

DER KOMMERZIENRAT
Seit wann denn?

DER KAMMERSÄNGER
Schon immer bei uns.

DER KOMMERZIENRAT
Na, also achtzehn.

DER KAMMERSÄNGER
Passen!

DER JUSTIZRAT
Passen!

DER KOMMERZIENRAT
Nein! Diese Maurer! Einen auf achtzehn hängen zu lassen!

DER JUSTIZRAT
Ja, das einzige, was heute billig ist!

DER KOMMERZIENRAT
nimmt auf Zwei Wenzel!

DER KAMMERSÄNGER
Da siehst du, ob wir gemauert haben.

DER KOMMERZIENRAT
Coeur solo. Die Herren können schenken!

DER JUSTIZRAT
zu Robert Wie geht es Ihrer Frau Gemahlin?

ROBERT
Ich danke, gut. Habe heut einen Brief von ihr, sie hat jetzt recht nette
Gesellschaft: ein junger Mann, der mit ihr spazierengeht und Sport treibt.

DER KAMMERSÄNGER
Na, hör'n Sie, Meester?!

ROBERT
Wieso? Meine Frau, die kennen Sie nicht.

DER KOMMERZIENRAT
Na, ich kenne sie.

ROBERT
Auch Sie nicht!

DER KOMMERZIENRAT
Oho!

ROBERT
Weil sie Ihnen einmal -

DER KOMMERZIENRAT
einmal? Ein Dutzend reicht nicht -

ROBERT
wie ich gerne zugebe, unangenehme Dinge und sehr mit Unrecht deswegen
kennen Sie sie doch nicht genau.

DER KOMMERZIENRAT
Danke für noch nähere Berührung. Bin schon nervös genug.

DER KAMMERSÄNGER
Sind wir hier zum Unterhalten oder zum Skatspielen? Schieberamschrunde.

ROBERT
Sehr wohl! Wenn er auf meiner Frau herumhackt, muss ich sie doch verteidigen.
Ich nehme zu Grand auf.

DER JUSTIZRAT
Einer verdirbt's immer.

STROH
zu Robert Sie sind wirklich ein rührender Ehemann!

ROBERT
Und ich fühle mich sehr wohl dabei.

DER KOMMERZIENRAT
Das wundert mich ja, Sie haben keine Nerven!

ROBERT
Gott sei Dank nicht! Alles Training!

DER KOMMERZIENRAT
Daran fehlt es Ihnen ja nicht.

DER KAMMERSÄNGER
ruft Schwarz, Ihr Ludersch!

STROH
So ein Glückspilz!

ROBERT
Dass ich gezwungen bin, ihr gegenüber, die hitzig, starker Phantasiemensch,
von etwas mangelnder Selbstdisziplin oft rührend hilflos-

DER KOMMERZIENRAT
Hilflos? Davon hab'ich noch nichts gemerkt.

ROBERT
Doch, oft rührend hilflos und kindlich dabei, das hat mir die Nerven gestählt.
Nervosität gibt's nicht: Mangel an Selbstzucht.

DER KOMMERZIENRAT
Na, hör'n Sie - das ist stark!

ROBERT
Behaupte ich gegen jeden!

DER KAMMERSÄNGER
Ramsch!

DER KOMMERZIENRAT
Sie selbst sind allerdings ein gutes Beispiel. Ich mit einer solchen
Frau sässe längst im Irrenhause!

DER JUSTIZRAT
Ich habe fünfundsechzig.

ROBERT
zum Kommerzienrat Trotz Ihres schlechten Spiels.

DER KOMMERZIENRAT
Natürlich, wenn ich an die Frau nur denke, bekomme ich das Zittern.

ROBERT
mit Wärme Und für mich ist sie grade das Richtige. Ich habe ein Talent zum
Verdösen, Verbummeln; was aus mir geworden, danke ich ihr, besonders die Gesund-
heit! Sie hat mich aufgepulvert.

DER KOMMERZIENRAT
Aufpulvern, das kann sie! Dynamit!

ROBERT
Nur nicht übertreiben! Mir tut das gut, ich muss Leben und Temperament um
mich haben. Jeder Mensch hat seine zwei Seiten, der Unterschied ist nur,
dass der eine nur das Gute zeigt, das sind die Menschen mit der an-
genehmen Fläche. Während sie, - sie ist eine von den ganz zarten, schamhaften
Naturen mit rauher Schale, ich kenne manche - es sind die Besten! Ein Igel,
nach aussen mit Stacheln gepanzert - Das Dienstmädchen tritt ein und
gibt Robert ein Telegramm. Zum Kammersänger
Bitte, geben Sie für mich -
er hat das Telegramm geöffnet und starrt es fassungslos an

DER JUSTIZRAT
Was gibt's? Doch nichts Unangenehmes? Was ist Ihnen?

ROBERT
Was soll denn das heissen?

DER JUSTIZRAT
Darf man wissen, von wem?

ROBERT
Jedenfalls von meiner Frau.

DER KOMMERZIENRAT
Sticht der Igel?

ROBERT
Ich bitte, jetzt keinen Scherz!

DER JUSTIZRAT
Doch nicht wirklich was Ernsthaftes?

ROBERT
Ich bin sprachlos. Zu Stroh Lesen Sie!

STROH
liest "Du kennst Mieze Maier. Deine Untreue erwiesen. Wir sind auf immer
geschieden." Keine Unterschrift.

ROBERT
Meine Frau unterschreibt nie eine Depesche. Ist sie verrückt?

DER JUSTIZRAT
Schon lang ein wenig.

ROBERT
Nun hören Sie auf! Das ist kein Scherz mehr. Mieze Maier!

STROH
Sie kennen die auch?

ROBERT
Wer ist denn das?

STROH
Nun, so etwas'- so, so, la la.

ROBERT
Sie kennen sie?

STROH
Flüchtig

ROBERT
Aber ich habe keine Ahnung.

STROH
Das sagt ein jeder, wenn's herauskommt.

ROBERT
Ich muss schon bitten!

STROH
Entschuldigen Sie, aber ich begreife ja, dass es peinlich ist, wenn das
Frauchen es erfährt.

ROBERT
Da hört sich aber doch schon die Geschichte auf... plötzlich ruhig Die
Herren entschuldigen, wenn ich Sie verlasse, aber mir ist die Lust zum
Spielen vergangen. Ich muss die Sache erst überdenken - die Herren sind
ja zu vieren! Adieu! Schnell ab

DER KOMMERZIENRAT
Verfluchte Chose! Frau Christine wird toben!

DER KAMMERSÄNGER
Ich möchte nicht in seiner Haut stecken!

DER JUSTIZRAT
Ich habe es ihm eigentlich nicht zugetraut!

STROH
Das Muster eines Ehemanns!

DER JUSTIZRAT
Nun, er wird sich schon herauswinden!

DER KAMMERSÄNGER
"Schwach auch er, schwach alle!"

DER KOMMERZIENRAT
Wahrlich, ich sage euch: mit der Frau ist schon im Frieden nicht
zu spassen, nun ein solcher Kriegsanlass, oh je, oh je, er tut mir leid!

DER KAMMERSÄNGER
"Ein Fehltritt, ist er solcher Büssung wert?"

STROH
Dass er die Mieze Maier auch kennt, das hätt' ich ihm allerdings nicht zugetraut!

DER JUSTIZRAT
Nun, wie wär's, meine Herren, spielen wir noch ein bisschen, uns von dem
Schrecken zu erholen?

DER KOMMERZIENRAT
Meinen Sie nicht, man sollte sich nach dem Meister doch ein
bisschen umsehn, er schien wirklich aufs tiefste erschrocken? Ich werde ihn
morgen anrufen, wenn er die Sache ein bisschen beschlafen hat.

Sie setzen sich wieder zum Spiel, STROH gibt die Karten aus

DER KOMMERZIENRAT
Achtzehn!

DER JUSTIZRAT
Zwanzig!

DER KOMMERZIENRAT
Vierundzwanzig!

DER JUSTIZRAT
Ich passe!

DER KAMMERSÄNGER
Passe.

DER KOMMERZIENRAT
Ich spiele Treff solo!


Orchesternachspiel. Verwandlung.


ZWEITE SZENE
Bureau des Notars

DIE FRAU
tritt ein, feierlich ernst Guten Tag, Herr Notar.

DER NOTAR
Ah, guten Tag, gnädige Frau.
Sich vom Schreibtisch erhebend Was verschafft mir die Ehre?

DIE FRAU
Ich will mich scheiden lassen.

DER NOTAR
Also doch?

DIE FRAU
Also doch - wieso?

DER NOTAR
Ach, entschuldigen Sie, meine Frau sagte mir -

DIE FRAU
Ihre Frau? Was weiss denn die?

DER NOTAR
verlegen Nun, er wohnt doch bei uns?

DIE FRAU
Wer? Mein Mann?

DER NOTAR
Nein, nein, der Herr Baron!

DIE FRAU
Reden Sie doch keinen Unsinn, von dem will ich mich doch nicht scheiden lassen.

DER NOTAR
trocken Natürlich nicht. Aber vielleicht wegen ihm.

DIE FRAU
Sie träumen wohl? Wegen meines Mannes!

DER NOTAR
Ja - ach so? Wegen Ihres Mannes? Ja, da müssen Sie schon zu einem
andren Notar gehen: ich verehre Ihren Gemahl viel zu sehr -

DIE FRAU
Verehren? Ha, ha, Ihr Männer seid alle ein Gesindel, das zusammenhält.

DER NOTAR
auffahrend Da muss ich aber sehr bitten!

DIE FRAU
Ich muss bitten, dass Sie mich ruhig anhören! Ich stehe amtlich vor Ihnen!

DER NOTAR
halb lachend Gewiss, aber gerade deshalb kann ich verlangen, dass Sie mich nicht
beschimpfen.

DIE FRAU
Wenn man euch die Wahrheit sagt, so ist das keine Beschimpfung.

DER NOTAR
Gut also! Lädt sie ein, sich zu setzen Fangen wir von vorne an. Sie wünschen
also, von Ihrem Gatten geschieden zu werden?

DIE FRAU
Sie hören doch!

DER NOTAR
Haben Sie einen Scheidungsgrund?

DIE FRAU
hält triumphierend dem Brief hoch Kennen Sie Mieze Maier?

DER NOTAR
Wer ist das?

DIE FRAU
Der Scheidungsgrund.

DER NOTAR
Das hier?

DIE FRAU
Der Scheidungsgrund. Der von Ihnen so gerühmte Gatte ist ein Elender.
Ihr Männer taugt eben alle nichts!

DER NOTAR
Ich bitte, bei der Sache zu bleiben! Sie scheinen also zu vermuten?

DIE FRAU
höhnisch Vermuten? Können Sie nicht lesen? Sie duzt ihn.

DER NOTAR
Ja, wer ist denn Mieze Maier?

DIE FRAU
Will ich gar nicht wissen. Eine Frau'nsperson, das genügt..

DER NOTAR
Ja aber, so ohne weitres -

DIE FRAU
So ohne weiteres will ich sofort geschieden sein! Ich behalte das Kind.
Ich behalte das Haus, da er im Unrecht.

DER NOTAR
Das ist noch keineswegs erwiesen.

DIE FRAU
Wie?

DER NOTAR
Ja, sind Sie denn sicher, dass der Brief auch wirklich Ihrem Gatten gilt?

DIE FRAU
Natürlich, hier die genaue Adresse.

DER NOTAR
Eine Verwechslung ist ausgeschlossen?

DIE FRAU
Ausgeschlossen! Ich glaub's auch. Denn ich habe ihm nie getraut.
Ich kenne doch die Männer. Woll'n Sie mich nun scheiden oder nicht?

DER NOTAR
Nein, verzeihen Sie, bevor ich Ihren Mann gesprochen, noch nicht.

DIE FRAU
Dann Adieu! Es gibt noch andere Notare. Ab

DER NOTAR
kopfschüttelnd Seltsam, sehr seltsam!



Verwandlung. Orchesterzwischenspiel.


DRITTE SZENE
Im Prater. Gewitter und Sturm

ROBERT
im Hintergrunde verzweiflungsvoll herumirrend Es ist einfach zum Rasendwer-
den! Ich schreibe - ich telegraphiere. Keine Antwort. Wie am Nordpol.
Und ich kenne das verfluchte Weibsbild nicht einmal. Der Irrtum muss sich
doch aufklären lassen. Wenn ich nur überhaupt wüsste, was vorliegt.
Aber so! Wenn Christine nur eine Erklärung schickte! Der Teufel hol' diese
Weiberkniffe! Wenn ich nur nach Hause könnte - aber wegen einer solchen
Dummheit alles absagen und im Stiche lassen: das geht doch nicht.

STROH
hereinstürzend Meister! Meister!

ROBERT
sich umwendend Ach, Sie sind's? Was gibt's?

STROH
etwas stockend Ich muss Ihnen ein Geständnis machen -

ROBERT
Mir?

STROH
Der Mann, an den Mieze Maier geschrieben hat -

ROBERT
sie hat geschrieben?

STROH
Ja, aber nicht an Sie, der Brief-!

ROBERT
nicht an mich -

STROH
galt -

ROBERT
galt -

STROH
jämmerlich mir!

ROBERT
Ihnen?

STROH
Trug aber Ihre Adresse.

ROBERT
in steigendem Zorn Meine Adresse? Da hört sich doch -

STROH
Ich komme soeben von ihr, mir schwante neulich schon so etwas. Die
Weiber merken sich selten genau die Namen - sie hat geglaubt,
ich sei der berühmte. Eine Verwechslung -

ROBERT
eine Verwechslung...

STROH
sie suchte die Wohnung im Telephonbuch

ROBERT
im Telephonbuch...

STROH
fand

ROBERT
fand?

STROH
zögernd Ihre Adresse.

ROBERT
in ausbrechender Wut Nun, da bin ich Ihnen aber schon ausserordentlich
dankbar. Unerhört. Sie sind wohl auch nicht ganz schuldlos an der Verwechslung?
Sie haben diesen Irrtum vielleicht stillschweigend geduldet, wenn nicht gar
gepflegt? Wenn sich da etwas herausstellen sollte - brüllend
Herr! Dann sollen Sie mich kennenlernen! Schlaflose Nächte! Meine arme
Frau! Ich war dem Wahnsinn nahe. Meine gute Christine verflucht mich,
war schon beim Notar wegen Scheidung, er hat es mir heute mitgeteilt
- und sie hat ganz recht! Fasst sich plötzlich, sehr energisch Mensch,
Sie haben dieses Unglück angerichtet, Sie müssen alles wieder gutmachen.

STROH
Mit tausend Freuden, ich tue alles, was Ihr befehlt, werde sofort telegraphieren.

ROBERT
Auch das, genügt aber nicht, Sie müssen zu meiner Frau fahren mit genauesten
Beweisen, genauster schriftlicher Bestät'gung Ihrer saub'ren Donna! Unerhört
So ein Mistvieh!

STROH
Ja, ich kann aber doch nicht fort...

ROBERT
Herr, wollen Sie oder wollen nicht?

STROH
Nun ja, wenn möglich.

ROBERT
Sie müssen! Zum Teufel, nun reisst mir die Geduld! Sie reisen heute abend oder.
Sie sollen mich kennenlernen!

STROH
In Gottes Namen, es ist mir so schrecklich, dass mir das passiert!

ROBERT
Ich verdanke Ihnen die drei schlimmsten Tage meines Lebens; darauf können Sie
sich was einbilden! Nun schnell aufs Telegraphenamt, dann in den Zug!
Alles Weit're besorgen wir bis dahin. Den Urlaub verschaff'ich Ihnen. Schnell!
Fort, fort, Gott sei Dank! Ich war nah' dem Wahnsinn! Beide schnell ab



Orchesternachspiel. Verwandlung.


VIERTE SZENE
Das Toilettenzimmer der Frau in wildester Unordnung, offene Schränke und
Schubladen, die von der Frau in ungeduldiger Hast geleert werden.
Dazwischen rast sie planlos durchs Zimmer. Anna über einer Unmasse
von Koffern beschäftigt


DIE FRAU
sinkt erschöpft in einen Sessel Anna! Ich hätte den Baron doch nicht
dahin schicken sollen.

ANNA
Wohin, gnä' Frau?

DIE FRAU
Na, zu der Person doch nach Wien!

ANNA
Ja, aber wie wollen Sie denn sonst völlige Gewissheit haben?
Gnä' Frau können sie doch nicht persönlich fragen; das ginge doch nicht.

DIE FRAU
Natürlich nicht. Auffahrend Zum Donnerwetter noch einmal. Rufend Therese,
Therese, wo bleiben Sie denn?

THERESE
von aussen Ich finde die Decken nicht.

DIE FRAU
So machen Sie doch Ihre blöden Augen auf.

THERESE
Sie sind nicht da.

ANNA
Welche Decken?

DIE FRAU
Die seidnen Tischdecken.

ANNA
Aber gnä' Frau, die sind doch mit dem Eilgut schon fort!

DIE FRAU
So? Therese, es ist gut, sind schon da - das hatte ich ganz vergessen -
die blöde Person müsste doch auch immer mehr in Zorn geratend statt da
stundenlang - eilen Sie sich, bringen Sie mir die schwarzen Knopfstiefel. -
Sich wieder auf die Schubladen stürzend Alles ausräumen, nichts da lassen,
was mir gehört. Er wird ein recht wohnliches Heim vorfinden - schreiend
Stehen Sie mir doch nicht immer im Weg! Wo sind denn meine Ringe? Meine Ringe!
Rast herum, suchend Ich habe sie doch soeben gehabt.

ANNA
suchend Hier sind sie nicht.

DIE FRAU
So suchen Sie doch!

ANNA
Ich suche ja.

DIE FRAU
Sie haben sie mir sicher heruntergeschmissen.

ANNA
Das hätte ich ja doch gemerkt.

DIE FRAU
gereizt Sie merken nie etwas. Immer ärgerlicher Sie werden überhaupt so
faul in der letzten Zeit.

ANNA
Wenn ich gnä' Frau nicht mehr recht bin, so kann ich ja...

DIE FRAU
heftig Sofort können Sie gehn, Sie widerspenstiges Ding, das mich nur
ärgert und alles mir entgegen tut. Sie sind von einer Ungezogenheit - ich weiss
schon: Ihr seid alle gegen mich, haltet natürlich zu dem saubren Herrn! Gehn Sie
nur, ich brauche niemand! Sucht von neuem Da habe ich die Ringe. Eingesteckt
hatt' ich sie. Matt Übrigens meinen Sie, dass der Baron die Sache heraus-
bringen wird? Halten Sie ihn eigentlich für sehr helle?

ANNA
weinend Eigentlich nicht.

DIE FRAU
Aber das wäre doch kein grosses Kunststück -

ANNA
Gewiss nicht.

DIE FRAU
Und er ist doch mit Begeistrung gereist, kommt mal umsonst, das heisst auf
meine Kosten, nach Wien.

ANNA
Haben gnä' Frau ihm eine Photographie mitgegeben?

DIE FRAU
Zu was braucht der eine Photographie von mir?

ANNA
Von dem Herrn doch!

DIE FRAU
Ja - nein -

ANNA
Wie soll denn da festgestellt werden,

DIE FRAU
begreifend Ei ja!

ANNA
ob die Person den Herrn wirklich kennt?

DIE FRAU
Herrgott, das ist wahr! Aber warum ha'm Sie das nicht früher gesagt?

ANNA
Gnä' Frau haben mich ja nicht gefragt.

DIE FRAU
Aber der Trottel...

ANNA
Natürlich -

DIE FRAU
...hätte doch daran denken sollen.

ANNA
Wie kann er denn nun?

DIE FRAU
Kann ich nicht meinem Mann depeschieren? er soll selbst mit dem Baron hingehn?

ANNA
entsetzt Aber gnä' Frau!

DIE FRAU
Und seine Identität feststellen lassen?

ANNA
Aber gnä' Frau, das können Sie doch dem Herrn nicht zumuten?

DIE FRAU
ausbrechend Diesem treulosen Betrüger, der immer depeschiert,
er wisse von gar nichts, schwächer so dass ich schon fast an-
fange, es zu glauben. Sich aufraffend Wenn er unschuldig ist,
muss er doch froh sein, sein Alibi, oder wie man das Ding da nennt,
beweisen zu können!

THERESE
tritt ein Ein Telegramm, gnädige Frau!

DIE FRAU
Schon wieder. Das ist, glaube ich, das zehnte, ich mache sie schon gar
nicht mehr auf.


FÜNFTE SZENE
Das Esszimmer, festlich geschmückt. ANNA noch am Esstisch beschäftigt.

DIE FRAU
stürzt herein Er kommt! Herrgott, wie ich mich freue. Zu Anna Ist
der Frühstückstisch schon fertig? So? Schön! Hoffentlich ist der Kuchen
nicht spintig? Hinausrufend Therese! Wann kommt der Zug?
Schon da? Da kann er jede Minute hier sein!

THERESE
stürzt herein Der gnädige Herr! Ab

DIE FRAU
will ihm entgegeneilen, plötzlich fasst sie sich Nein, nein! Nicht so
entgegenkommend! Er soll nur hereintanzen! Ich habe mich genug geärgert!

ROBERT
stürzt herein Christinerl! Christinerl! Da bin ich! Will sie umarmen, sie weicht
zurück und reicht ihm nur die Hand


DIE FRAU
abwehrend Nur nicht so hitzig! Du denkst wohl, es sei alles in Ordnung?

ROBERT
Aber natürlich! Gott sei Lob und Dank! Was habe ich ausgestanden! Diese
drei Tage -

DIE FRAU
Du ausgestanden? Von meinen Seelenschmerzen, meiner Kränkung redest du nicht?

ROBERT
Doch ich begreife, dass du wütend warst!

DIE FRAU
Wütend? Ich war gar nicht wütend. Es war eben alles ausgestorben. Die Ehre,
auf dich wütend zu sein, werde ich dir nicht antun.

ROBERT
ohne ihre Bemerkung zu beachten, vergnügt Das ist nun alles glücklich vorbei - da
hast du deinen verlor'nen Mann: betont den Ungetreuen! Na, Christine? Was ist denn?

DIE FRAU
sehr betont Du scheinst das nicht sehr ernst genommen zu haben.

ROBERT
Doch - drei Tage lang verflucht ernst. Aber nachdem sich die Tragödie in eine Bur-
leske verwandelt hat -

DIE FRAU
komisch ernst Ich finde gar nichts Spassiges dabei.

ROBERT
Erlaube -

DIE FRAU
immer feierlicher Du musst mir schon einige Zeit lassen, mich mit der bitt'ren
Enttäuschung abzufinden.

ROBERT
Ich soll wohl um Verzeihung bitten?

DIE FRAU
Verzeihung? Was ich gelitten, wird dadurch nicht ausgelöscht.

ROBERT
Aber doch nicht durch meine Schuld.

DIE FRAU
Vielleicht meine?

ROBERT
Natürlich. Dieses unüberlegt hitzige Köpfchen -

DIE FRAU
Ich? Das ist unerhört!

ROBERT
Na, ich keinesfalls!

DIE FRAU
Wer denn?

ROBERT
Du weisst, dass ich ganz schuldlos bin.

DIE FRAU
Das weiss ich nicht.

ROBERT
Die Beweise genügen dir nicht?

DIE FRAU
Für diesen besonderen Fall vielleicht... aber man weiss doch nicht...

ROBERT
Du könntest wissen!

DIE FRAU
Gar nichts weiss ich! Ich habe jetzt gesehn, was alles passieren kann!

ROBERT
heiter und behaglich Aber es ist doch nichts geschehn.

DIE FRAU
Meine Leiden, meine Seelenqualen

ROBERT
hättest du dir grösstenteils ersparen können, wenn du besonnener zu
Werke gegangen wärst. Statt dessen zwei völlig unverständliche,
unbeantwortbare Telegramme an mich, die mich dem Wahnsinn nah brachten.
Du warst beim Notar wegen Scheidung?

DIE FRAU
Du weisst?

ROBERT
Er hat mir telegraphiert.

DIE FRAU
Gemeinheit. Kennt der Kerl kein Amtsgeheimnis? Schöner Notar!

ROBERT
Ja, der hat eine bessere Meinung von mir als meine eigene Frau.

DIE FRAU
wütend Ihr steckt alle unter einer Decke!

ROBERT
Also kurz und gut: es war die schlimmste Zeit meines ganzen Lebens! Drei
Nächte kein Auge zu.

DIE FRAU
Ich auch nicht.

ROBERT
Meine ganze Tätigkeit unterbrochen.

DIE FRAU
höhnisch Das schadet dir schon!

ROBERT
Hättest du lieber ordentliche Erkundigungen eingezogen!

DIE FRAU
triumphierend Habe ich! Sind noch gar nicht abgeschlossen!

ROBERT
Was?

DIE FRAU
Deinem saubren Kollegen traue ich nicht. Wer weiss, welches Komplott?

ROBERT
allmählich ärgerlich Nun wird mir's aber zu dumm! Ich gutmüt'ger Narre
reise eigens nach Hause, dir alles zu vergeben -

DIE FRAU
Du mir?

ROBERT
Ich dir, jawohl! Und du machst mir noch eine Szene, anstatt mir reumütig um den
Hals zu fallen!

DIE FRAU
immer zorniger Reumütig? Ich bedaure nur, dass ich dich geheiratet habe,
dass ich ausser sich überhaupt geheiratet habe!

ROBERT
Zum Teufel! Da hört sich aber doch alles auf!

DIE FRAU
Es hört auch auf. Ich lasse mich erst recht scheiden! Ich will nicht mehr hei
dir bleiben! Ich will von den Männern überhaupt nichts wissen! Ich war an
deiner Seite immer unglücklich. Du hast mich nie gewürdigt, nie verstanden,
immer vernachlässigt! Ich mag nicht mehr deine Haushälterin sein! Du kannst
sofort zu deinem Freunde Notar und die Scheidung beantragen!

ROBERT
wütend Nun ist's genug! Das kannst du selber tun! Kreuzelement! Ich habe ge-
nug von dieser Komödie!läuft ab

DIE FRAU
ziemlich überrascht über diesen heftigen Wutausbruch Ich hab's gewusst,
dass es einmal so enden wird! Besser heut als morgen!



SECHSTE SZENE

DER BARON
tritt schnell ein Da bin ich, gnäd'ge Frau!

DIE FRAU
sehr kühl Nun? Was haben Sie ausgerichtet?

DER BARON
Nicht viel. Ich hatte keine Photographie Ihres Gatten.

DIE FRAU
Allerdings. Die hatten Sie vergessen. Konnten Sie aber in jeder Buch-
handlung kaufen.

DER BARON
Daran habe ich nicht gedacht.

DIE FRAU
Nun - und?

DER BARON
Also ich war bei der Dame.

DIE FRAU
spöttisch Dame?

DER BARON
Nun ja, wie Sie es nennen wollen.. sie kennt den Herrn Hofkapellmeister
Storch sehr gut.

DIE FRAU
Ach, sie kennt ihn? Was Sie sagen! Das weiss ich längst

DER BARON
verblüfft Sie wissen?

DIE FRAU
Ja, aber Sie wissen nicht, ob der Herr Hofkapellmeister Storch wirklich mein
Mann war!

DER BARON
macht ein immer dümmeres Gesicht Ja gibt's denn noch?

DIE FRAU
immer höhnischer Ja, es gibt noch...

DER BARON
einen andern -

DIE FRAU
einen andern - aber der heisst Stroh!

DER BARON
Eine Verwechslung? Und der?

DIE FRAU
nickt stolz Der hat die Suppe eingebrockt.

DER BARON
sehr dämlich Ach, ich verstehe.

DIE FRAU
Verstehn Sie endlich, Herr Baron? Jedenfalls danke ich Ihnen für Ihre
Bemühungen; spitzig wenn ich auch gestehen muss, dass Sie sich zum
Detektiv nicht besonders eignen. Für heute so viel, dass alles
aufgeklärt ist,

DER BARON
aufgeklärt?

DIE FRAU
sehr betont dass alles aufgeklärt ist.

DER BARON
Ach so!

DIE FRAU
Dass mein Mann hier ist. Baron zuckt zusammen

DIE FRAU
Soeben noch wie Sie von der Reise

DER BARON
zurückgekehrt?

DIE FRAU
Vielleicht kommen Sie zu geleg'ner Stunde wieder? Ich mache Sie
mit meinem Mann bekannt, der, wie ich Sie versichern kann, vollkommen,
vollkommen unschuldig ist, wie ich es ja auch gar nicht anders
erwartet habe.

DER BARON
Ja, ja, dann empfehl' ich mich für heute.

DIE FRAU
Auf Wiedersehen, mein lieber Herr Baron!

Baron nach flüchtigem Handkuss ab

ROBERT
eintretend Wer war denn das?

DIE FRAU
etwas verlegen Das, das war der junge Herr Baron, von dem ich dir schrieb...

ROBERT
trocken Ja, ja, der Notar schrieb mir auch: er ist eigentlich der
Hauptgrund, dass ich heimkam.

DIE FRAU
auffahrend Du glaubst doch nicht?

ROBERT
Nein, aber ich dachte, es ist nicht gut, dass die Frau allein sei, wenigstens
nicht gar zu lang.

DIE FRAU
Das ist schändlich von dir! Ich versichere dich.

ROBERT
Gar nicht nötig. Ich kenne meine liebe Frau viel zu gut,
um nicht genau zu wissen... Aber es ist auch nicht nötig, dass
die Leute auch nur von so was reden, vermuten, Glossen machen,
und du weisst, wie gerade in deinen Kreisen der Klatsch blüht.

DIE FRAU
Ich denke, ich wäre doch...

ROBERT
Du bist's!

DIE FRAU
Du weisst, ich war niemals...

ROBERT
Niemals!

DIE FRAU
Sei versichert, ich werde immer

ROBERT
Immer. Nun lass uns Frieden schliessen ein für allemal.

DIE FRAU
Warst du sehr böse auf mich?

ROBERT
Das glaube ich, und du?

DIE FRAU
Alles war ausgelöscht, erstorben.

ROBERT
Du hattest dir wohl die Trennung schon in allen Farben ausgemalt?

DIE FRAU
Das eigentlich nicht. Ich war viel zu wütend auf dich!

ROBERT
Aber ich lebte bereits drei Tage in allen Schrecken des
Junggesellendaseins, die meine Phantasie mir nur ersinnen konnte. Wer
sollte das Kind behalten?

DIE FRAU
Ich, natürlich!

ROBERT
Wer das Landhaus?

DIE FRAU
Ich, natürlich!

ROBERT
Für mich wäre da wohl nicht viel übriggeblieben?

DIE FRAU
Du warst ja auch der schuldige Teil!

ROBERT
leichthin Und der junge, schöne, flotte Edelmann?

DIE FRAU
Ich bitte dich, rede jetzt in diesem feierlichen Augenblick nicht von dem!

ROBERT
Doch reden wir! Er war wohl sehr nett?

DIE FRAU
Ach Gott! Harmlos, gefällig...stockt

ROBERT
Hatte immer Zeit!

DIE FRAU
Allerdings!

ROBERT
Famos in allen Dingen des Sports?

DIE FRAU
Sehr.

ROBERT
Vornehme Familie? Guter Gesellschafter?

DIE FRAU
Na, eigentlich nicht -- ein bisschen langweilig.

ROBERT
Hattest du Sympathie für ihn?

DIE FRAU
Ja, ein wenig Sympathie, bis - bis -

ROBERT
bis...?

DIE FRAU
Bis er mich um tausend Mark gebeten hat.

ROBERT
Was? Lacht Ha ha ha ha, ha ha ha ha - Ich ahne... Armes Christinchen,
das nenn' ich ein Malheur!

DIE FRAU
sehr schüchtern Er ist sicher kein Gauner, nur vielleicht ein bisschen
leichtsinnig und naiv ich hab's ihm auch gleich abgeschlagen.

ROBERT
Nun, dann ist ja alles gut! Da er nett zu dir war - er war doch nett?

DIE FRAU
mutiger Sehr nett und liebenswürdig, bis...

ROBERT
Nun ja, bis... Also höre: betont weil er zu meiner lieben Frau nett war,
werde ich für ihn sorgen, in jeder Form, die du wünschest, ihn unterstützen...

DIE FRAU
etwas weinerlich Ich wünsche ja nichts!

ROBERT
Nun wir werden sehen - reden wir nun heute nicht mehr davon!
Gutmütig war er, sagst du? Da habt ihr euch wohl nie gestritten?

DIE FRAU
Nein, zum Streiten war er nicht zu gebrauchen, dazu war er zu blöd und
schüchtern...

ROBERT
Schüchtern? Na?

DIE FRAU
Doch, er war eher schüchtern - sicher!

ROBERT
Zum Streiten taugen also wohl nur Ehemänner?

DIE FRAU
Nun ja, Menschen, die man genau kennt, sonst hat man ja keinen int'ressanten
Stoff: es macht auch gar keinen Spass!

ROBERT
Na, für den Spass danke ich schon.

DIE FRAU
Aber ich kann doch nicht immer deiner Meinung sein. Wo bliebe mein Stolz,
meine Selbstachtung?

ROBERT
Die sollst du immer behalten als schönste Zierde. Ich bin zufrieden,
wenn du mir nur in ganz unzweifelhaften Streitpunkten hie und da -

DIE FRAU
einfallend Ich werde dir nie mehr widersprechen, ich will dich auf Händen
tragen, dir jeden Willen, jeden erfüllen! Ich habe jetzt erst gesehn,
wie schrecklich es gewesen wäre, dich zu verlieren, ich glaube,
ich hätte nicht weiter leben können.

ROBERT
Doch - doch - schon des Kindes wegen! Denk doch: das Kind!

DIE FRAU
Das hättest doch du bekommen.

ROBERT
Wenn ich aber der schuld'ge Teil war?

DIE FRAU
Auch dann! Wer konnte das Kind so erziehen wie du? Heute hab' ich es so recht
erst erkannt! Wie du so böse warst, da zog ein Schauder mir durch den Leib;
schön - schön direkt warst du in deinem Zorn.

ROBERT
Na, na, nur nicht wieder übertreiben!

Umarmung

DIE FRAU
Du bist mein schöner, reiner, prachtvoller Mann! Ich liebe dich allein
und immer und ewig.

ROBERT
Um das noch einmal so zuhören, breit dafür hätte ich gerne noch mehr ausgestanden!

DIE FRAU
Verzeihung für alles!

ROBERT
Für gar nichts! Du hast mir ja so leid getan!

DIE FRAU
Gelt, mein lieber Robert, das nennt man doch wahrhaftig eine glückliche Ehe?