Wiener Blut

Wiener Blut

Operette in drei Akten

Libretto

Viktor Léon und Leo Stein

Uraufführung

25. Oktober 1899: Wien (Theater an der Wien)

Besetzung

FÜRST YPSHEIM_GINDELBACH, Premierminister von Reuss-Greiz-Schleiz (Bariton)
BALDUIN GRAF ZEDLAU, Gesandter von Reuss.Schleiz-Greiz (Tenor)
GABRIELE, seine Frau (Sopran)
GRAF BITOWSKI (Sprechrolle)
FRANZISKA CAGLIARI, Tänzerin, (Sopran)
KAGLER, Ihr Vater, Karusselbesitzer (Bariton)
PEPI PLEININGER, Probiermamsell (Sopran)
JOSEF, Kammerdiener des Grafen Zedlau (Tenor)

CHOR
Diplomaten, Kellner, Volk

Ort

Wien: 1. Akt: bei Demoiselle Cagliari in Döbling 2. Akt: im Palais des Grafen Bitowski 3. Akt: im Kasino in Hietzing

Zeit

1814, zur Zeit des Wiener-Kongresses, während der Dauer eines Tages

Strauss, Johann

Strauss, Johann (Baptist) II
25.10.1825 Wien - 3.6.1899 Wien


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Indigo und die vierzig Räuber (10.2.1871 Wien)
Der Carneval in Rom (1.3.1873 Wien)
Die Fledermaus (5.4.1874 Wien)
Cagliostro in Wien (27.2.1875 Wien)
Prinz Methusalem (3.1.1877 Wien)
Blindekuh (18.12.1878 Wien)
Das Spitzentuch der Königin (1.10.1880 Wien)
Der lustige Krieg (25.11.1881 Wien)
Eine Nacht in Venedig (3.10.1883 Berlin)
Der Zigeunerbaron (24.10.1885 Wien)
Simplicius (17.12.1887 Wien)
Ritter Pázmán (1.1.1892 Wien)
Fürstin Ninetta (10.1.1893 Wien)
Jabuka, oder Das Apfelfest (12.10.1894 Wien)
Waldmeister (4.12.1895 Wien)
Die Göttin der Vernunft (13.3.1897 Wien)

ERSTER AKT
Im Garten der Villa des Grafen Zedlau: Der Graf lebt, obwohl jung verheiratet, von seiner Frau getrennt, mit der Tänzerin Franziska Cagliari. Inzwischen ist aus ihm ein richtiger Lebemann geworden, der sich erst heute wieder verliebt hat. Seinem Kammerdiener Josef diktiert er ein Brieferl an die neue Flamme mit einer Einladung nach Hietzing. Josef ahnt nicht, dass es sich da um seine Braut Pepi handelt.
Übrigens ist der Graf heute etwas in Unruhe; seine Frau ist nämlich wieder einmal in Wien. Nachdem er Franziska begrüsst hat, eilt er wieder fort. Gleich darauf bringt Pepi ein neues Kostüm für die berühmte Tänzerin, die eigentlich gut bürgerlich Franzi Kagler heisst, und verabredet dann mit ihrem Josef ein Treffen in Hietzing. Überraschend erscheint jetzt Fürst Ypsheim, der Vorgesetzte des Grafen. Er begegnet zunächst Franzis Vater, dem Karussellbesitzer und Klarinettenbläser Kagler, der sich in der Meinung, der Graf werde seine Tochter heiraten, als Schwiegervater aufspielt und dem Fürsten durch seinen Wiener Dialekt manches Rätsel aufgibt. Franzi kommt hinzu; der Fürst glaubt, die Gräfin vor sich zu sehen und macht sogleich unpassende Anspielungen auf das Verhältnis des Grafen mit der Tänzerin. Empört verlässt Franzi den Fürsten.
Jetzt erscheint die wirkliche Gräfin Zedlau, sie hält der Fürst nun für die Tänzerin. In diesem Augenblick kehrt der Graf zurück und findet sich in einer heillosen Situation. Heimlich bittet er den Fürsten, Franzi als seine eigene Gattin vorzustellen, worauf dieser, missverstehend, sogleich die Gräfin als seine Frau ausgibt.

ZWEITER AKT
Ein Gartenfest im Palais des Grafen Bitowski. Graf Zedlau versucht mit allerlei Ausreden die beiden misstrauischen Frauen zu besänftigen. Die Gräfin beginnt um ihren Gatten zu kämpfen, und auch Franzi möchte den Grafen nicht an eine neue Geliebte - denn dafür hält sie die Gräfin - verlieren. Er aber denkt nur an sein Rendezvous mit Pepi.
Leider bittet ihn jedoch seine Frau, und dann auch Franzi, sie nach Hietzing mitzunehmen. Mit Mühe entzieht er sich diesen Wünschen. Pepi zerkriegt sich mit ihrem Josef und beschliesst aus Trotz, der Einladung des Grafen Folge zu leisten.
Fürst Ypsheim hält Franzi weiterhin für die Gräfin und redet dem alten Kagler auf, als "Schwiegervater" ein ernstes Wort mit der Geliebten des Grafen zu reden, worauf dieser der Gräfin grobe Vorhalte macht. Erst von Pepi erfährt die Gräfin endlich, wer die Tänzerin Cagliari ist, und durch den Gastgeber hören nun die anderen, wer die echte Gräfin Zedlau ist.

DRITTER AKT
Kasinogarten in Hietzing. Hier hofft der Graf auf ein verliebtes Zusammensein mit Pepi und führt sie in eine Laube. Aber bald erscheinen die von ihm "versetzten" Frauen: die Gräfin in Begleitung des Fürsten, Franzi mit Josef. Dieser möchte seinen Herrn warnen, findet aber seine Pepi in der Laube des Grafen! Grosser Krach mit der vermeintlichen Ungetreuen.
Franzi hilft jetzt der Gräfin, den ungetreuen Gatten wiederzugewinnen. Sie selbst setzt sich in die Laube zu dem inzwischen eingeschlafenen Fürsten, während die Gräfin geschickt die Eifersucht ihres Gatten zu wecken weiss. Beschämt schwört er ihr, fortan immer treu zu sein.
Aber auch Josef ist mit Pepi wieder gut, als ihm der Graf versichert, dass in der Laube nichts passiert sei. Den wieder erwachten Fürsten sehen sie vor Franzi knien, ihre Hände küssen. Und was war nun schuld an allem, was geschehen ist? - Das Wiener Blut!

Personen:
FÜRST YPSHEIM-GINDELBACH, Premierminister von Reuss-Schleiz-Greiz
BALDUIN GRAF ZEDLAU, Gesandter von Reuss-Schleiz-Greiz in Wien
GABRIELE, seine Frau
GRAF BITOWSKI
Demoiselle FRANZISKA CAGLIARI, Tänzerin am Kärntnertortheater in Wien
KAGLER, ihr Vater, Karussellbesitzer
PEPI PLEININGER, Probiermamsell
JOSEF, Kammerdiener des Grafen Zedlau

CHOR
Diplomaten, Kellner, Volk




ERSTER AKT

Nr. 1 - Introduktion


JOSEF
Anna, Anna, Anna!
Ich such' jetzt da.
Ich such' jetzt dort,
Die Kammerjungfer, scheint's, is fort!
Soll ich am End' zur Gnäd'gen geh'n?
Ja, darf ich mich das untersteh'n?
Ich muss halt wissen, und zwar sehr g'schwind,
Ob meinen Herrn ich da net find';
Denn diese G'schicht,
Die eilt gar sehr,
's is eine wichtige Staatsaffäre,
Die er sehr schnell erled'gen muss,
Denn sonst gibt's ein Verdruss
Mit uns'rem Staate Reuss-Schleiz-Greiz,
Mit Dessau and'rerseits,
Die Frage brennt bereits!
Das hat mir g'sagt der Attaché
Und der hat's vom Premier,
Und die zwei wissen's eh!
Jetzt sag' mir wer:
Wo steckt mein Herr?
Er hat mir ja noch extra g'sagt:
"Wenn wer heut' nach mir fragt,
Dir sag' ich's", sagt er, "ganz allein,
Wird' draussen in der Villa sein!"
Jetzt renn' ich in die Villa 'naus,
Und hier scheint keiner z'Haus …
Und gar vom Graden keine Spur…
Wo find' ich ihn denn nur?
Jetzt sag' mir wer:
Wo steckt mein Herr?
Es wart' die Staatsaffäre!
Find Ich ihn nicht,
O böse G'schicht,
Dann gibt am End' er mir die Schuld!
Ich such' ihn da,
Ich such' ihn dort,
Dazu g'hört faktisch viel Geduld!
Ich weiss mir jetzt schon gar kein' Rat,
Er schert sich nicht um seinen Staat,
O Reuss-Schleiz-Greiz,
O Reuss-Schleiz-Greiz,
Ich hab' mit dir ein Kreuz!
O Reuss-Schleiz-Gretz!
Anna! Anna! Anna!

FRANZI
Josef, Er?

JOSEF
Ach, Demoisell'!

FRANZI
Bringt Er Nachricht? Sag' Er schnell

JOSEF
Demoisell' werd'n schon verzeih'n,
Wie sich's passt für ein' Lakai'n,
Möcht' ich's Stubenmädel fragen,
Ob sie mir vielleicht könnt' sagen,
Ob sie es vielleicht möcht' wissen,
Ob's die Gnäd'ge tät' verdriessen,
Ob ich net komm' ungelegen,
Ob -

FRANZI
Und ob, und ob, und ob! Die Anne
Ist jetzt fort und nicht zugegen,
Der Herr Graf -

JOSEF
Is er schon da!

FRANZI
Er? Noch nicht!

JOSEF
Da hab'n wir's ja!
Alsdann Demoisell', so grüss' ich,
Dero Hand gehorsamst küss ich!

FRANZI
Josef!

JOSEF
Bitt' schön, Euer Gnaden?

FRANZI
Sag' Er mir's, 's ist nicht sein Schaden
Wo sein Graf zu finden ist?

JOSEF
Ja, wenn ich das nur selber wüsst!

FRANZI
Fünf volle Tag',
Ich sag'.
Fünf Tag'
Hab' seinen Herrn ich nicht geseh'n!
Fünf ganze Tag',
Fünf Tag'
Ich frag':
Was er treibt,
Wo er bleibt?
Täglich wird's schlimmer,
Denn Frauenzimmer
Sind's doch nur immer,
Die den Herrn
Halten fern!
Sag' Er's nur offen,
Ich hab's getroffen
Lasse Er's hör'n!
Doch dass Er mir die Wahrheit spricht,
Denn Lügen glückt ihm nicht!
Wer auch nur einmal belogen,
Der glaubt sich immer betrogen;
D'rum frei und offen heraus,
Man kommt damit stets gut aus!

JOSEF
Ah, die fratschelt mich aus!
Sie kriegt doch nichts 'raus!

FRANZI
Na ja, ich riech' schon den Braten,
Er darf den Herrn nicht verraten!

JOSEF
Weil ich selbst gar nix weiss,
Nix Neu's!

FRANZI
Na, frisch heraus mit der Sprach'!
Wem steigt denn wohl der Graf jetzt nach?

JOSEF
Wem steigt der Graf wohl nach?


Nr. 2 - Duett
Franzi, Graf

GRAF
Grüss Gott, mein liebes Kind'

FRANZI
Gut'n Tag, mein Herr!

GRAF
Was hast du? Sag's geschwind!

FRANZI
Ich bitte sehr . . .

GRAF
Was hab' ich dir getan?

FRANZI
Ach, das ist stark,
Das ist zu arg!

GRAF
Was tat ich dir?
Na, sag' es mir,
sag' es mir doch an!

FRANZI
Fünf Tage lässt er mich allein,
Dann soll ich lieb noch sein!

GRAF
Ah so, das ist's allein! -
Nun, schöne Richt'rin, sprich!

FRANZI
Geh'weg, geh' fort!

GRAF
Wess macht' ich schuldig mich?

FRANZI
Ich sprech' kein Wort!

GRAF
Was ist denn mein Vergeh'n?

FRANZI
Ach nichts, ach nichts!

GRAF
Ich will ja mein Verbrechen gern gesteh'n!

FRANZI
's lohnt ja nicht die Müh',
Nein, nein, nein!
's ist stets eine "Sie",
Und stets das nämliche Verbrechen -
O du, du, du, du!
Warum darüber sprechen?
Ist's nicht Marie,
Ist's Sidonie
Und Melanie -
Stets eine "Sie"!

GRAF
Nun ja, so lass uns doch darüber sprechen,
Mir ist ja wahrlich fremd ein solch' Verbrechen.
Ach, Franzi, sieh,
So warst du nie!
So nenn' mir die,
Die du nennst "Sie"!
Schau mich an, sag's frei heraus:
So sieht kein Verbrecher aus!

FRANZI
Gut! Dann sag' gefälligst mir,
Wo du warst, bei welcher "Ihr"?

GRAF
Ich? Ich war bei meiner Frau!

FRANZI
Bei der Gräfin? O wie schlau!
Das glaub' eine and're dir!

GRAF
Wirklich, Franzi! Nur bei ihr!
Dann und wann muss man doch
Auch bei der Frau sein -
Siehst du das ein?

FRANZI
Ja, ich seh's ein!

GRAF
Drückt auch das Ehejoch,
Man wahrt den Schein -
Siehst du das ein?

FRANZI
Ja, ich seh's ein!

GRAF
Siehst du das ein?

FRANZI
Leider, leider muss das sein!

GRAF
Bist ja klug, siehst es ein,
Also schick' dich darein!

FRANZI
Alles versteh'n,
Das heisst alles verzeih'n!

GRAF
So, mein Kind, ist es schön -
Alles muss man versteh'n!

FRANZI
So was versteh'n,
Ach, das wird bei Frauen selten geh'n!

GRAF
Und dann

FRANZI
Und dann?

GRAF
Hör' weiter an!
Bin bei der Frau ich auch,
Denk' ich doch dein,
Nur allein dein!

FRANZI
Säuselst mir jetzt Schmeichelei'n,
Glaub' es nicht, nein!

GRAF
Ja, jeden Atemhauch
Will ich dir weih'n,
Bin ja ganz dein!

FRANZI
Du bist lieb; Ich will verzeih'n,
Gnädig verzeih'n!
So sind wir,
Wir von hier!
Nur ein gut's Wort
Am Ort,
Und fort
Ist der Zorn und Groll,
Wieder liebevoll
Sind wir Wiener Frau'n
Und ganz voll Vertrau'n!

GRAF
So seid Ihr,
Ihr von hier!
Am rechten Ort
Ein Wort.
Und fort
Ist, gottlob, der Groll,
Seid so liebevoll,
Und darum lieb' Ich die Wiener Frau'n!


Nr. 3 - Duett
Graf, Josef

GRAF
Na, also schreib' und tu' nicht schmieren!

JOSEF
Ich bitt' schön, langsam zu diktieren!

GRAF
Mach' nicht Fehler, 's wäre sträflich!

JOSEF
O ich schreib' ganz orthogräflich!

GRAF
Ein hübscher Brief trifft oft ins Ziel…

JOSEF
D'rum bitt' ich nur, mit recht viel G'fühl!

GRAF
Du lieber Schatz, ich muss es Dir gesteh'n:
Seit ich Dich hab' zum erstenmal geseh'n,
Ist es um mich, ich schwöre Dir's, gescheh'n,
Die Sehnsucht lässt mich ja beinah' vergeh'n.
D'rum bitt' ich Dich heut' um ein Stelldichein,
Punkt elf, in Hietzing will ich warten Dein,
Dort, im Casinogarten werd' ich sein
Ich bitt' Dich, Schatz, ich bitt' Dich, Schatz,
Find' Dich nur pünktlich ein!

JOSEF
Das wirkt! Es muss!

GRAF
Jetzt kommt der Schluss!
Schreib' schnell, denn jetzt bin ich im Fluss:
Du süsses Zuckertäuberl mein,
O komm', o komm' zum Stelldichein!
Ich wart' bei dem bestimmten Platz,
Ich bitt' Dich, komm', Du lieber Schatz!
O komm' doch, komm' zum Stelldichein,
Ich bitt' Dich, sag' mir ja nicht nein!
Hab' Dich ja so lieb, so lieb,
Du süsser Herzensdieb!

JOSEF
Jetzt hat sie's schwarz auf weiss,
Dass Sie sie lieben, ganz brennheiss!

GRAF
Glaubst du, sie kommt hinaus?

JOSEF
Ach ja, ich kenn' mich aus!

GRAF
Doch vielleicht hat sie schon
Einen Geliebten; was dann, lieber Sohn?

JOSEF
Ja, das wär' wohl ein G'frett!

GRAF
Na, das wär' gar nicht nett!

JOSEF
Doch solche Schneidermamsellen
Nehmen's net streng in den Fällen!
Herr Graf sind Spezialist im Lieben

GRAF
Jetzt lesen wir, was wir geschrieben:

BEIDE
Du süsses Zuckertäuberl mein, usw. usw.


Nr. 4 - Duett
Pepi, Josef

PEPI
Wünsch' gut'n Morgen, Herr von Pepi!

JOSEF
Ach, die Peperl! So a Freud'!

PEPI
Bitt' schön, meld' Er mich der Gnäd'gen!

JOSEF
Muss das gleich sein? Das hat Zeit!

PEPI
Pratzerl weg! Nur hübsch solid sein!

JOSEF
Geh', ich bitt' dich!

PEPI
Geh', sei g'scheit!

JOSEF
Wie kann man nur gar so fad sein.

PEPI
Jed's Ding nur zur rechten Zeit!

JOSEF
Wann hast Zeit?

PEPI
Am Abend heut'!

JOSEF
Und dann wo?

PEPI
Geh' frag' net so!
Mir scheint, du willst spassen,
Jed's Kind auf der Gassen,
Wenn's auch nur so gross is,
Weiss doch, was heut' los is'!

JOSEF
Ach, ich tu' verstehen,
Doch 's wird nicht recht gehen!
Hab' heut' Dienst beim Herrn,
Denn sonst ging mit dir ich gern!

BEIDE
Drauss'n in Hietzing
Gibt's a Remasuri
Dui, Dui, Duri!
Volksfest, Hetz' und auch ein' Kreuzer-Tanz,
All's is g'richt' am höchsten Glanz.
Pickfüss' Hölzl a dabei -
Harfenisten, Dudlerei -
Ah, da wird's heut' fein!
Jedes Wiener Kind
Rennt nach Hietzing g'schwind -
Da dabei muss 's sein!

JOSEF
Doch mein Graf?

PEPI
Geht heut' am Ball!

JOSEF
Richtig ja!

PEPI
Kommst auf jeden Fall?

JOSEF
Ja!

BEIDE
Heut' gibt's feine Sachen:
Tanzen, dudeln, lachen
Heut' das höchste G'setz is',
Weil's a Riesenhetz is'!
Schieberisch mit Paschen
Ja, der hat sich g'waschen
"Langaus" mög'n mir net mehr hör'n,
"Sechser" hab'n mir gern!

PEPI
Ach, wie ich mich schon d'rauf g'freu'!

JOSEF
Bin bei jeder Hetz dabei!

PEPI
Flott soll g'lebt werd'n von uns zwei!

BEIDE
Es bleibt dabei -
Ach, wie ich mich auf Hietzing g'freu'!


Nr. 5 - Finale

KAGLER
Da ist sie ja!

MINISTER
Das ist sie? Ah!

JOSEF
Da is sie ja! O Kruzineser!

FRANZI
Man hat mir g'sagt, Besuch ist da!

MINISTER
Des Landes Reuss-Schleiz-Greiz Verweser,
Premierminister, Fürst von Ypsheim-Gindelbach!

KAGLER
Was? Reiz-Greiz-Schleiz?

JOSEF
Mir wird ganz schwach!

FRANZI
Oh, Durchlaucht!

MINISTER
Gnäd'ge, hocherfreut!

JOSEF
Jetzt fahr'n wir ab, 's is d'höchste Zeit!

KAGLER
Der Herr is' Durchlaucht? Da schau' her!
Oh, Euer Durchlaucht, hab' die Ehr'!

FRANZI
Vom Minister ist das wirklich schön,
Dass er Besuch mir macht,
Dass er solche Ehre mir erweist,
Nein, das hätt' ich nicht gedacht!
's hat der Graf ihm wohl von mir erzählt,
Das hat ihn int'ressiert,
Neugier ist es, die so sehr ihn quält,
Und ihn in die Villa führt!

KAGLER
Von der Durchlaucht is' das wirklich schön,
Dass er ein B'such ihr macht,
Doch dass er mir die Ehr' erweist,
Das hätt' ich nie gedacht!
Dass so eine Durchlaucht mit mir red't,
Das wär' mir nie passiert,
Das kommt halt einfach nur davon,
Weil d' Franzi Gräfin wird!

MINISTER
Wirklich, die Frau Gräfin ist sehr schön,
Hat Eindruck schon gemacht;
Ich kann den Grafen nicht versteh'n -
Die Frau strahlt ja in Pracht!
Dieser Graf ist blind, dass er sich noch
Für and're int'ressiert;
Ich öffne ihm die Augen doch,
Dass er schauen wird!

JOSEF
Na, die G'schicht wird schöner noch als schön,
Wird net ein End' bald g'macht,
Wird der Fürst dann später klarer seh'n -
Küss' die Hand, wünsch' gute Nacht!
Dem Herrn Grafen meld' ich auf der Stell'
Das, was da ist passiert,
Während mit der fesch'n Probiermamsell'
Mein Herr Graf charmuziert!
Geh'n wir! Sonst gibt's schöne Sachen!

KAGLER
's hat mich g'freut, d' Bekanntschaft z'mach'n!

MINISTER
Ganz meinerseits! Ganz meinerseits!

JOSEF
O du verflixtes Reuss-Schleiz-Greiz!
Fahr'n mir ab!

MINISTER
Auf Wiederseh'n!

KAGLER
B'hüt Ihnen Gott!

JOSEF
Werd'n S' endlich geh'n!

KAGLER
Wenn S' meine Rösser woll'n benütz'n,
Können S' gratis fahr'n und blitz'n!

JOSEF
O Kruzi, Kruzi!

FRANZI und MINISTER
Auf Wiederseh'n!

KAGLER
Hab' die Ehr'!

MINISTER
Ein sehr jovialer, alter Herr!
Was sprach er, bitte? Fahren? Blitzen? Wie?
Den Wiener Dialekt versteh' ich nie!

FRANZI
Na, mit der Zeit, da wird's schon geh'n!

MINISTER
Freu' mich unendlich, Sie zu seh'n!
Ich staune, dass vor aller Welt
Der Graf Sie so verborgen hält?!

FRANZI
Der Graf? Mein Gott, er ist ja gut,
Nur hat er halt ein leichtes Blut!

MINISTER
Das heisst? Ich bitte! sagen Sie
So haben Grund zu klagen Sie?

FRANZI
Ich kann mich nicht beklagen,
Er ist ein Kavalier,
Er gab, ich muss es sagen,
Davon Beweise mir!
Ich kann mich nicht beklagen,
Nur dass ihm dann und wann
Auch and're Frau'n gefallen
Wie jedem ander'n Mann!

MINISTER
Der Graf, so hört' ich sagen,
Ist Gatte nur nebenher,
Das ist wohl Grund zum Klagen
Ich hörte auch noch mehr!
Es treibt es dieser Böse
Wahrhaftig zu frivol
Mit einer Balletteuse,
Cagliari heisst sie wohl?

FRANZI
Mein Fürst, ich bin…

MINISTER
Sie sind beleidigt,
Kein Mensch den Grafen auch verteidigt!

FRANZI
Erlauben Sie. . .

MINISTER
Nur ruhig Blut!
Durch Eifersucht wird gar nichts gut!

FRANZI
Ja, aber
ich muss doch erklären

MINISTER
Ich will darüber gar nichts hören!
Ich weiss, was Sie erklären wollen
Und kann nur Beifall zollen,
Ich respektiere die Moral
In jedem Fall!
Es fallen da auf Ihren Gatten
Verzweifelt düst're Schatten ...
Wo bleibt da, frag' ich, die Moral?
's grenzt an Skandal!
Nein, nein, 's ist wirklich nicht zu sagen,
Er treibt's wahrhaftig gar zu weit ...

FRANZI
Jedoch

MINISTER
In einem off'nen Wagen
Sah ich ihn mit der
Dingsda heut'!

FRANZI
Sie sagen heut'?

MINISTER
So vor zwei Stunden!
Welch' Gefühl ich da empfunden,
Es grenzte schon an Unbehagen . . .
Bedenken Sie! Im off'nen Wagen
Mit dieser Dingsda…

FRANZI
Jetzt genug!

MINISTER
Nur ruhig! Wir strafen den Betrug!
Ich bitte deshalb, keine Trauer,
Die Liaisons sind nie von Dauer!
Bald hat ein End' die Perfidie!

FRANZI
Was sagen Sie?

MINISTER
Ich sag', Verhältnisse wie diese,
Die sind, nach Adam Riese,
Auf 1 - 2 - 3 vorbei und aus;
Er kehrt zurück
Zur Gattin wieder voller Reue,
Und hält dann mehr die Treue,
Und liebt sie mehr, es spriesst aufs neue
Sein Eheglück!

FRANZI
Ich kann nicht mehr …verzeihen Sie …
Mir wird. . . mir wird ... ich weiss nicht wie!
Denn noch kein Mensch hat das gewagt,
Und hat mir so etwas gesagt!
Ich kann mich nicht beklagen,
Das sagt' ich Ihnen schon!
Aus dem, was Sie da sagen,
Klang's fast heraus wie Hohn!

MINISTER
Ah, Pardon
Sie missverstehen ganz

FRANZI
Ich hab' ganz gut verstanden,
's war bitt're Ironie,
Wenn Sie das nicht empfanden,
Nun, dann bedaur' ich Sie!

MINISTER
O weh! O weh! Mir scheint, mir scheint,
Ich hab' nicht diplomatisch da gehandelt.
O weh! O weh! Die Gräfin weint -
Sie war ja jetzt ganz plötzlich wie verwandelt!
Die arme Frau, die arme Frau…
Ah, auf einmal geht mir auf ein Licht,
Sie ahnte nur, nichts wusste sie,
Ich geh' zu ihr, ich war ein…
Na ... ja!

GRÄFIN
tritt ein:
Es hat den Grafen nichts genützt,
Das Warnen und das Bitten,
Die Neugier ist in mir erwacht,
Ich bin hieher geritten!
's steckt was dahinter, das ist klar,
Den Grund muss ich erspäh'n!
Ich finde alles, wie es war,
So lieb, so traut, so schön!
Grüss dich Gott, du liebes Nesterl,
Wie du warst, find' ich dich noch,
So wie einst ich dich verlassen,
Als mich drückt' das Ehejoch!
Oft, ach, schmollt 'ich da im Erker,
Weil der Graf mich just gefreit!
Ach, wie oft an diesem Schreibtisch
Klagte ich Mama mein Leid!
Wie hab' auf dir ich musiziert,
Armes Spinett, dich malträtiert!
Die Bibliothek! Mancher Roman,
Den man wohl liest,
Doch nicht erleben kann!
Homer, Wieland, Klopstock, euch hielt ich mir
Als Aufputz hier!
Was seh' ich da?
Da schau', ei, ei,
Casanova? Das ist mir neu! -
Mein Schlafgemach, es scheint wohl verlassen,
Alles ist so, wie's war
Hier löst' ich zaghaft mein Myrthenkränzchen
Bebend aus dem Haar!
Hier nahm als Braut ich zitternd den Schleier
Zögernd vom Gesicht - - -
Und aus den Augen flossen die Tränen
Na, heute heult' ich nicht!
Grüss dich Gott, du liebes Nesterl,
Wie du warst, find' ich dich noch,
So wie einst ich dich verlassen,
Als mich drückt' das Ehejoch!
Doch, wer weiss, es kann gelingen,
Dass du meine Neugier stillst,
Und ich doch was Neues finde,
Das du mir verbergen willst!
ab.

MINISTER
tritt wieder ein:
Ich klopfte ganz vergebens,
Sie rief gar nicht herein!
O Herr du meines Lebens,
Wie konnt' so dumm ich sein!
Das war nicht politisch,
Auch nicht diplomatisch,
Das war so Duodez-,
Das war so klein-staatisch!
Das war mit einem Wort,
So drum herum…
Das war nicht diplomatisch
Sondern einfach dumm!
spricht
Ich gehe noch einmal zu ihr!

GRÄFIN
tritt wieder ein:
Ach, bis jetzt, du liebes Nesterl,
Fand ich nichts, was mich be…
Ein Herr?

MINISTER
Malheur!
Das ist die Dingsda,
Mit der er fuhr!

GRÄFIN
Warum fixiert der Herr mich nur?

MINISTER
Sie kommt hieher? Das ist zuviel!

GRÄFIN
Was soll denn dieses Augenspiel?

MINISTER
Was solch' ein Dämchen alles wagt!

GRÄFIN
Er macht mich ordentlich verzagt!

MINISTER
Nun soll sie sehen, was ich kann!

GRÄFIN
Mir scheint, der Herr spricht mich jetzt an!

MINISTER
Wissen Sie, was Takt ist?

GRÄFIN
Was?

MINISTER
Nein! Sie wissen's nicht!

GRÄFIN
Wie?

MINISTER
Dass dies abgeschmackt ist

GRÄFIN
Oh!

MINISTER
Sag' ich ins Gesicht!

GRÄFIN
Mein Herr!

MINISTER
Jawohl!

GRÄFIN
Was soll der Ton?

MINISTER
O Sie verdienen die Lektion!

GRAF
tritt ein
Du hier?

GRÄFIN
Ja, Graf!

MINISTER
Er ist ganz baff!

GRAF
Und Durchlaucht, Sie?

MINISTER
Ja, ich, Herr Graf!

GRÄFIN
Mein Herr, ich bitte um ein Wort!

MINISTER
Ein andermal!
So bringen Sie die Dame fort!
Ist das der Brauch, den Kavaliere übten?
Ersparen Sie doch Ihrer Frau
Hier die Begegnung mit der ... Geliebten!

GRAF
Sie haben Recht!

MINISTER
's wär' gegen alle Sitte!

GRÄFIN
Was flüstern die?

GRAF
Reich' deinen Arm, ich bitte!

GRÄFIN
Was ist gescheh'n?
Warum so jäh?

MINISTER
Wann sagt denn endlich die Adieu?

GRAF
Komm' doch, ich bitt' dich dringend, geh'!

GRÄFIN
Nicht eine Silbe ich versteh' . . .
Seh' wohl klar, 's ist etwas da gescheh'n,
Aber was? Kann's nicht versteh'n,
Und er will, ich soll fort,
Ich versteh' nicht ein Wort!

GRAF
Komm' fort!
Ich bitt' dich dringend, geh', o geh'!
Sie bemerkt, dass etwas da geschehen,
Höchste Zeit, d'rum fortzugehen,
Bitte, hör' auf mein Wort,
Bitte, komm' von hier fort!

MINISTER
Adieu! Adieu! Adieu! Adieu!
Wann sagt denn endlich die Adieu!
Wie eine Klette klebt sie da,
Frech sind die Dämchen leider ja!
Die bringt keiner mehr fort!
Es ist schad' um jed's Wort!

GRÄFIN
Nein, nein, daraus werd' ich nicht klug,
Noch kenn' ich mich nicht aus,
Doch krieg' ich's schon heraus!
Mein Männchen hat da intrigiert,
Na, wart', o mein Gemahl,
Dir geht's fatal!

GRAF
Ja, ja, Gefahr ist im Verzug,
Noch kennt sie sich nicht aus,
Doch kriegt sie's schon heraus!
Wüsst' ich, wie man es arrangiert,
Sonst geht's nur noch fatal,
Ja, sehr fatal!

MINISTER
Der Graf, der treibt es stark genug,
Lässt kommen sich, o Graus,
Maitressen in sein Haus
Ich bin darüber indigniert,
Das nennt sich ein Gemahl,
's ist ein Skandal!

FRANZI
tritt ein
Verzeih'n Sie mir!

GRAF
O weh! O weh!

MINISTER
Das haben Sie davon!

FRANZI
Wer ist die Dame?

GRÄFIN
Wer ist die Dame?

GRAF
Was tut man da?
O bitte, stellen Sie die Dame doch
Als Ihre Gemahlin vor!

MINISTER
Wie? Was?
Aha! Sehr gern!
Hier meine Gattin!

FRANZI
Verehrte Fürstin!

GRÄFIN
Was soll das heissen?

GRAF
Allmächt'ger Himmel!

MINISTER
Und nun adieu!
Der Wagen wartet schon beim Tor!

FRANZI
Sie geh'n!
Dahinter steckt wohl ein Betrug,
Doch kenn' ich nicht das Ziel,
Verstehe nicht das Spiel!
Soll die des Fürsten Fräu doch sein?
Ich sag' nein!
Die Durchlaucht ihr Gemahl?
Ihr Ideal?
Ich sag' nein, nein, nein, nein!
Und tausendmal nein!
Doch kenn' ich nicht das Ziel,
Verstehe nicht das Spiel.
Der Graf muss alles eingesteh'n,
Mach' ihm Skandal!

GRÄFIN
Ich geh'!
Ja, was bedeutet der Betrug,
Der Graf, ich weiss soviel,
Hat seine Hand im Spiel!
Jetzt geh' darauf ich scheinbar ein,
Lass es sein!
Doch freu' dich, mein Gemahl,
Dir geht's fatal!
Ja, was bedeutet der Betrug,
Der Graf, ich weiss soviel,
Hat sei...e Hand im Spiel!
Jetzt geh' darauf ich scheinbar ein,
Lass es sein.
Ja, ich gehe schon, ich geh', mein Herr Gemahl!

GRAF
Sie geh'n!
O Gott, jetzt merkt sie den Betrug,
Der Fürst verdarb das Spiel,
Das war ja nicht mein Ziel!
Was fiel ihm denn nur plötzlich ein,
Die Gräfin, sein Gemahl?
Das ist fatal!
O jetzt merkt sie den Betrug,
Der Fürst verdarb das Spiel,
Das war ja nicht mein Ziel!
Gott sei gelobt, sie geh'n, sie geh'n,
's war recht fatal!

MINISTER
So komm'!
Die Aermste merkt noch den Betrug,
Und ich die Hand im Spiel?
Das schiesst doch über's Ziel!
Doch tat ich's für die Frau allein,
Nur zum Schein!
Der saubere Gemahl,
's Ist ein Skandal!
Die Aermste merkt noch den Betrug,
Und ich die Hand im Spiel?
Das schiesst doch über's Ziel!
Doch tat ich's für die Frau allein,
Nur zum Schein!
Ich bitt' dich, komm' jetzt fort, mein teures Eh'gemahl,
Komm' jetzt nur fort, mein Eh'gemahl.

Der Vorhang fällt

ZWEITER AKT

Nr. 6 - Polonaise

CHOR
Ach, wer zählt die vielen Namen,
Die von Nord, Süd, Ost und West
Gastlich hier zusammenkamen
Froh zu diesem Fest!
Fröhlichkeit herrsch' in diesen Hallen,
Wir wollen weihen uns der Gemütlichkeit!
Fröhlichkeit möge laut erschallen,
Lust und Freude töne weit und breit!
Volk und Volk, Land und Land
Reichen sich, Brüdern gleich, die Hand!


Nr. 7 - Duett
Gräfin, Graf

GRÄFIN
Das eine kann ich nicht verzeihen:
Ich leb' in Einsamkeit auf meiner Eltern Schloss
Und weiss es ganz genau, Sie liessen mich dort bloss,
Um sich allein hier zu zerstreuen.

GRAF
Die Schuld liegt ganz auf Ihrer Seite;
Seit mir die Ehre ward, dass ich Ihr Gatte bin,
Ist Ja das Glück, dass meine Gattin Sie, dahin
Wir leben fast wie fremde Leute.

GRÄFIN
Sie kennen die Geschichte uns'rer Ehe!

GRAF
Von weitem nur, nicht von der Nähe!

GRÄFIN
Ich bin ein echtes Wiener Blut
Und Sie aus Reuss-Greiz-Schleiz;
Solch eine Ehe tut nicht gut,
Dies ahnt' ich meinerseits.
Ich war so keck, ich war so flott
Und Sie so streng solid,
da ahnt' ich's gleich - du lieber Gott -
Was in der Eh' mir blüht.
Ach, Ihnen fehlte, ich wusst' es zu gut -

GRAF
Ja, was denn?

GRÄFIN
Das Wiener Blut!

GRAF
Ich war ganz jämmerlich naiv,
Das geb' ich zu, sehr gern.
Es kränkte mich auch damals tief,
Dass Sie mir blieben fern.
Und plötzlich nahmen Sie Reissaus
Nach Ihrer Eltern Gut,
Ich stand allein in unser'm Haus,
Mir war sehr bös zu Mut!
Und was mir fehlte, das wusst' ich zu gut -

GRÄFIN
Na, was denn?

GRAF
Mir fehlte

GRÄFIN
Was denn?

GRAF
Das Wiener Blut!
Wiener Blut!'
Wiener Blut!
Eig'ner Saft
Voller Kraft,
Voller Glut!
Du erhebst,
Du belebst
Unsern Mut!
Wiener Blut!
Wiener Blut!
Was die Stadt
Schönes hat,
In dir ruht!
Wiener Blut,
Heisse Flut
Allerort
Gilt das Wort:
Wiener Blut!

GRÄFIN
Doch schau', wie plötzlich, wer hätt's gedacht,
Haben, mein Bester, Sie sich gemacht;
Aus dem soliden und strengen Mann
Wurde der flotteste Don Juan!

GRAF
Ach, Gräfin, bitte, wer hat's gewagt -

GRÄFIN
Tralala, Tralala - - -

GRAF
Und hätte so was mir nachgesagt?

GRÄFIN
Tralala, Tralala!
Sie haben ja ganz Reuss-Schleiz-Greiz vergessen
Und leben, sagt man, mit Maitressen!

GRAF
Aber -

GRÄFIN
Ja, mein Herr, mit Maitressen!

GRAF
Aber nein! Aber nein!
Ich ward ein Wiener Blut,
Doch so arg trieb ich's nicht,
Auch die Maitressen - Schand' und Spott! -
Sind wahrlich ein Gerücht!

GRÄFIN
Entschuld'gen Sie sich, bitte, nicht,
Sie wurden Mann von Welt,
Ich hoffe, das ist kein Gerücht,
Weil das mir grad gefällt.
Denn was Ihnen fehlte, Sie sagten's gut,
Sie haben's!

GRAF
Was hab' ich?

GRÄFIN
Das Wiener Blut!

BEIDE
Wiener Blut usw. usw.


Nr. 8 - Lied

GRAF
Als ich ward ihr Mann,
Sah man mir's nicht an,
Welch' ein Don Juan
Aus mir werden kann!
In der kurzen Zeit
Bracht' ich's wirklich weit,
Ja, das muss gesteh'n man ohne Neid!
Heute ist's Sophie,
Morgen dann Marie,
Wie am nächsten Tag
Sie wohl heissen mag?
Im Kalenderbuch
Ich vergebens such'
Nach dem Frauennamen, den es gibt,
Den ich noch nicht geliebt!
Was nützt der gute Vorsatz mir?
Klopft der Versucher an die Tür,
Dann Ist vergessen die Moral!
Ich denke: "Nur noch dies eine Mal!
Von morgen ab werd' ich solid!"
Ach, lieber Gott! 's Ist ein altes Lied!
Und morgen, ach, ja dann ... ja dann ...
Fang' ich von vorne an!


Ist es wirklich recht,
Dass als schwach' Geschlecht
Man von Frauen spricht,
Nein, das find' ich nicht!
In der Schwäche liegt
Ja die Macht der Frau,
Ach, das weiss Ich leider zu genau!
Erst ein Blick, der sprach,
Der hält uns in Schach,
Und die kleine Hand
Drückt uns an die Wand,
Mit dem Rosenmund
Küsst sie Herzen wund .
Und hat sie, was sie will, erreicht,
Entkommt man nicht so leicht!
Klopft der Versucher an die Tür, usw. usw.


Nr. 9 - Duettino

GRAF
So nimm, mein süsser Schatz, nun schnell dies Billett…
Doch vorsichtig nur, dass keiner es seh'!
Will später dich dann fragen,
Sollst mir die Antwort sagen;
Die laute: "Ja" und nicht "Nein"…
O komm' doch, komm' zum Stelldichein!
ab.

PEPI
Die Schrift, die kenn' ich, die hab' ich schon wo g'seh'n

Na,'so wird's Lesen halt leichter geh'n!
«Du lieber Schatz, lass Dir gesteh'n ...
Seit ich Dich geseh'n, ist's um mich gescheh'n
... vor Sehnsucht vergeh'n.
Drum bitt! ich Dich heut' um ein Stelldichein,
Punkt Elf, in Hietzing ... will warten beim Kasino-garten
Ich bitt' Dich, find' Dich pünktlich ein!
Du süsses Zuckertäuberl mein,
O komm', o komm' zum Stelldichein,
Ich wart' bei dem bestimmten Platz,
Ich bitt' Dich, komm', Du lieber Schatz!
O komm' doch, komm' zum Stelldichein,
Ich bitt' Dich, sag' mir ja nicht "nein".
Hab' Dich ja so lieb, so lieb,
Du süsser Herzensdieb»
Na, na, schöner Herr Graf,
Fallt mir net ein im Schlaf,
Geh' ich nach Hietzing heut',
Sind Sie's net, der mich begleit'!

JOSEF
Dank' recht schön!

PEPI
Ah, Peperl! Du?!
Das is g'scheit!

JOSEF
Geh', gib a Ruh!
Mein Kolleg', der Domestik,
Hat mich für ein' Augenblick
In den Saal hineingelass'n,
Ich muss mein' Herrn Graf'n fass'n,
Ich muss mein Herrn Graf'n find'n,
Ich muss ihm a G'schicht verkünd'n,
Ich muss alles das ihm sag'n,
Ich -

PEPI
Und ich, und ich! Sag', Peperl,
Was hat sich denn zugetrag'n?
Der Herr Graf -

JOSEF
Hast ihn denn g'seh'n?

PEPI
Ich? Nein, nein!

JOSEF
Dann lass mich geh'n!
Muss jetzt schau'n, mein Herrn z'krieg'n
Mädchen, 's war mir ein Vergnügen!

PEPI
Na, so sag' mir früh'r g'schwind,
Wo ich dich dann nachher find'?

JOSEF
Zweg'n was?

PEPI
Du kannst noch frag'n?

JOSEF
Musst mir das schon deutlich sag'n!

PEPI
Drausst in Hietzing gibt's a Remasuri
Dui, Dui, Duri! Dui, Dui, Duri!

JOSEF
Is is ganz unmöglich heut',
Muss zum Grafen - tut mir leid!

PEPI
Na, das geht doch z'weit!

JOSEF
Geh', Peperl, sei doch g'scheit!
Geh', schau, mein lieb's Schatzerl,
Gib mir dein klein's Pratzerl,
Sei net a trutz'g's Tepperl,
Bleibst ja noch mein Peperl!
Na, na, net gleich weinen,
Ich tu's net schlecht meinen,
Du weisst's ja doch, ich bin
Mit dir ein Herz, ein Sinn!

PEPI
Ich bitt' dich net,
Ich halt' dich net,
Jeder tut das, was ihm g'fällt,
Du tröstest dich,
Ich tröste mich,
's is a mal so auf der Welt!
Ich geh' halt links,
Und du gehst rechts,
's is ja weiter gar nichts Schlecht's!
Dich zieht dein Herz,
Dich zieht dein Sinn
Halt zu einer ander'n hin!

JOSEF
Geh', du machst G'spass!

PEPI
Ja, oder was!

JOSEF
Na gut, ich geh'!
ab.

PEPI
Pfürt d' Gott! Adieu!
Er is fort? Wirklich fort?
Gut, Herr Graf, Sie haben's Wort!
Ah, das könnt' mir passen,
Ah, mich steh'n zu lass'n,
Aus is mit uns zweien,
Und er wird's bereuen.
Pepi, leg' dich schlafen,
Ich geh' mit dem Grafen,
Dass mir nix passiert, o nein,
Dafür steh' ich ein!
Heut' in Hietzing gibt's a Remasuri,
Dui, dui, duri! Dui, dui, duri!
Volksfest, Hetz und a ein Kreuzertanz,
All's is g'richt auf'n höchsten Glanz!


Nr. 10 - Chor

CHOR
Bei dem Wiener Kongresse
Gibt die Wiener Komtesse
Euch von Oest'reichs schmuckem Militär ein Bild!
Seht in unser'n Gruppen
All' die siegreichen Truppen,
Oest'reichs Wehr und Waffen
Und Oest'reichs Schild!
Doch nur leider im Frieden
Ist's uns manchmal beschieden,
Dass die fesche Uniform wir haben an.
Liess' zur Schlacht man uns ziehen,
Müsst' der Feind rasch entfliehen,
Denn wir Frauen stellen unser'n Mann!
Ging's nicht mit Säbel, Lanzen, Schwert, Gewehr,
Genügte oft ein einziger Blick -
Dann zög' des Feindes ganzes Heer,
Im Herzen verwundet, sich schleunigst zurück!
Nicht Männer können nur allein
Hurra schrei'n,
Tapfer sein!
Auch ein Frauen-Regiment
Wäre ganz patent!
Soldat ist doch nur, der versteht,
Feschität,
Reschität!
Und das hätten allen dann
Wir voran!
Drum seht euch uns Komtessen an,
Grenadier, Husar, Uhlan!
Jed' Regiment,
Das man kennt
Und nennt,
Das stellt in unser'm flotten Korps
Bei dem heut'gen Feste vor
Auf dem Kongress
Mit Nobless
Die Komtess.
Hurra!


Nr. 11 - Finale

MINISTER
Ich habe gewonnen, ich habe gesiegt,
Hab' seine Geliebte herumgekriegt!
Sie geht mit mir!

FRANZI
Ist's Wahrheit?

MINISTER
Ein Rendezvous!
Beim Volksfest in Hietzing noch dazu!

FRANZI
Ich kann es nicht glauben!

MINISTER
Sie werden's ja seh'n!
Sie will mir nicht mehr von der Seite geh'n,
Sie hat sich, mein Wort d'rauf, in mich verliebt!

FRANZI
Verliebt gar?

MINISTER
In Liebe scheint sie mir sehr geübt!
Sie verfolgt mich ja förmlich auf Schritt und Tritt,
Da kommt sie schon wieder! Na, seh'n Sie!

FRANZI
Ich bitt',
Ich möcht' . . . ich muss Sie um eins noch fragen . . .

MINISTER
Das wäre?

FRANZI
Ihren Namen müssen Sie mir noch sagen!

MINISTER
Ihren Namen?

FRANZI
Jawohl, denn ich will meine Rache!

MINISTER
Sie kommt! Sie kommt!
Die Damen erlauben, dass bekannt ich Sie mache!

GRÄFIN
Hatt' heut' schon die Ehre, doch soll es mich freu'n

MINISTER
Wir wollen die Vorstellung jetzt erneu'n,
Denn heute hab' ich mich geirrt,
Als ich als Gattin Sie präsentiert!
Gestatten Sie also?

FRANZI
Ich wäre entzückt!
Demoiselle Cagliari!

FRANZI und GRÄFIN
Ist der verrückt!

MINISTER
Hier Gräfin Zedlau!

FRANZI und GRÄFIN
Der ist faktisch verrückt!

MINISTER
Das, was ich wollte, das hab' ich bezweckt;
Sie ist ganz starr! Ein Rieseneffekt!

FRANZI und GRÄFIN
Haha, haha, das ist zu köstlich!

MINISTER
Was haben Sie denn?

FRANZI und GRÄFIN
Aus vollem Herzen muss ich lachen
Über all die tollen Sachen!

MINISTER
Ja, was ist denn los?
Sie lachen? ... Sie lachen? ... Sie lachen?
Was ist denn nur los?

FRANZI und GRÄFIN
Haha, haha, wirklich famos!

GRÄFIN
Durchlaucht, Sie irrten sich!

MINISTER
Irrte mich? Wie?

GRÄFIN
Bin nicht die Cagliari und war es auch nie!

MINISTER
Sie sind nicht die Tänz'rin?

GRÄFIN
Bedaure recht sehr!

MINISTER
Nun, wer ist dann die Tänzerin? Bitte sehr? Wer?

GRÄFIN
Sie wollen es wissen?

FRANZI
Sie hat mich erkannt! O Malheur!

MINISTER
Also wer?

GRÄFIN
Nun also - das ist sie!

PEPI
Wer soll ich sein?

FRANZI
Was fällt der ein?

GRÄFIN
Demoiselle Cagliari!

PEPI
Ich! Aber bitt' schön, nein!
Demoiselle Cagliari? Die steht ja da!

GRÄFIN
Wie? Sie?

PEPI
Ja! Die!

MINISTER
Ich seh's, Sie halten zum besten mich ja!

JOSEF
Ich bitte . . . haben S'n Herrn Grafen net g'seh'n?
Ich findn net' …Kann's gar net versteh'n…

GRÄFIN
Der Diener des Grafen, der wird's ja wissen!
So hör' Er!

JOSEF
Befehl'n?

GRÄFIN
Er wird zu uns sagen müssen,
Ob ihm die Tänz'rin Cagliari bekannt?

JOSEF
Ja, Euer Gnaden!

MINISTER
Wer ist so genannt
Von den drei Damen, die hier steh'n?

JOSEF
Ich g'spann' was! Da scheint was vorzugeh'n!
Da muss ich g'scheit sein!

GRÄFIN
Nun, wer ist's von uns drei'n?

JOSEF
Ja
Euer Gnaden
Sie werd'n schon verzeih'n
Gar keine!

MINISTER, GRÄFIN, PEPI
Gar keine?

MINISTER
Aber es muss eine sein!

JOSEF
Entschuld'gen, Durchlaucht, gar keine! Nein!

GRÄFIN und MINISTER
Aber das kann ja nicht sein! Das kann ja nicht sein

FRANZI
Der Josef, der ist durchtrieben und fein!

PEPI
Ja, aber

JOSEF
So schweig'!

PEPI
Ich kenn' doch

JOSEF
Sei still!

PEPI
Ich weiss net, was der da nur haben will!

GRAF
Die drei sind beisammen?!
's sind meine drei Flammen -
Ich bin ganz paff

MINISTER
Jetzt kommt die Erklärung! Da ist der Graf!

JOSEF
Wahrhaftig, der Graf!
Und ich hab' ihn net g'funden; ich bin doch ein Schaf -

FRANZI und GRÄFIN
Die Erklärung ist nah!

MINISTER
Wer ist Tänzerin da?

GRAF
Ei, ich weich' jeder Frage aus,
Er kriegt nichts 'raus!
Schlau und fein
Heisst es da sein!
Nein, vorderhand
Wird gar nichts bekannt!

PEPI
Ach, das is ja ein Narrenhaus,
Kenn' mich net aus!

FRANZI und GRÄFIN
Man kennt sich nicht mehr aus!
Ganz perplex schaut der Fürst jetzt drein,
Und der Graf hüllt in Schweigen sich ein!

MINISTER
Möcht' jetzt wissen genau:
Wer kann die Tänz'rin sein!?

JOSEF
O, mein Herr, der is schlau und fein,
Der fallt net 'rein!
Doch 's is g'wiss,
Dass das für'n Grafen g böse G'schicht is!

PEPI
Wenn man mich jetzt nur reden liess',
Weiss, dass d' Cagliari diese da is!
Das liegt auf der Hand!

FRANZI und GRÄFIN
Ich bin gespannt!
Ei, wer wird als Tänz'rin nun erkannt?

MINISTER
Wer wird genannt? Herr Graf, bin gespannt,
Wer wird genannt?

JOSEF
Der Fürst gar nix ahnt?!
Dass der nix g'spannt?!

GRAF
Das ist ein Spass, das seh' ich genau,
Sie stehen hier ja mit meiner Frau
Ach, bitte sehr,
Da fällt's nicht schwer,
Da sieht es jeder doch klar-
Wer hier Komtess
Und wer Balletteus?!
Das ist doch klar!
Nicht wahr?

FRANZI
Was soll das?
Einen Spass
Macht mit ihm sich der Graf?
Ich die Gräfin? Sehr brav!

GRÄFIN
Von der Frau
Spricht er gar?
Und der Fürst ist ganz paff,
Dass die Gräfin er traf!

PEPI
Mir is rein
Wie im Schlaf!

GRAF
Hahaha!
Halten mich zum besten da!
Hahaha!
Ach, das muss man merken ja!
Nur ein Spass
War ja das!
Ei,
's ist nichts dabei,
Denn ich lach',
Hahaha!
Nehm's Ihnen übel nicht,
Hahaha!
's war ein Scherz nur die Geschieht'?
Wer Komtess,
Balletteus?
Ganz sicherlich
Wissen Sie's!

MINISTER
Hahaha!
Er hält mich zum besten da!
Hahaha!
Ach, das muss man merken ja!
Nur ein Spass
War ja das!
Ei,
's ist nichts dabei,
Denn ich lach!,
Hahaha!
Er nimmt's ihm übel nicht!
Hahaha!
's war ein Scherz nur die Geschieht'!
Wer Comtess,
Das weiss ich nicht,
Ganz sicherlich
Sagen Sie's!

JOSEF
Hahaha!
Er hält ihn zum besten da!
Hahaha!
Ach, das muss man merken ja!
Nur ein G'spass
War ja das!
Ei,
's ist nichts dabei,
Denn er lacht,
Er nimmt's ihm übel nicht!
Hahaha!
's war ein G'spass nur die G'schicht'!
Wer Comtess?
Das weiss er nicht!
Ganz sicherlich,
Das is g'wiss.

GRAF
Warum denn fragen dies
Durchlaucht denn g'rad mich?

MINISTER
Sagen Sie mir doch dies,
Ihrerseits ist's Pflicht!

JOSEF
Das weiss er nicht, das is ganz g'wiss,
Eine Riesenhetz' is aber bei der G'schicht!


HAUSHOFMEISTER
Die Fürstlichkeiten!
Einzug der Fürstlichkeiten

MINISTER und FRANZI
Das ist die Gräfin? Die Gräfin ist das?

GRÄFIN
Ihr Wohl, mein Fürst!

MINISTER
Ein böser Spass!
Ich hab' mich ja entsetzlich blamiert!

PEPI
Wann werd'ich von Ihnen nach Hietzing'naus g'führt?

GRAF
Du Engel!

CHOR
Ein Lied! Ein Tanz!

GRAF
Die Wienerstadt, sie hat ein Symbol,
In allen Landen kennt man es wohl:
Walzer genannt,
Der zaub'risch bannt,
Der ist nur Wien zuerkannt!
Des Festes Glanz
Kann krönen nur ganz
Ein Wiener Walzertanz!

CHOR
Dies Symbol
Kennt man wohl!

SOLI
Walzersang!
Süsser Klang!
Walzertanz,
Freudenglanz!

CHOR
Walzersang,
Ach, dein Klang
Macht uns selig ganz,
O süsser Walzertanz!
Walzerlied,
Das erblüht
Einem Wiener Sinn,
Du reisst uns mächtig hin!.

SOLI
Auf zum Tanz!
Walzersang,
's lockt dein Klang!
Auf zum Tanz!

ALLE
Walzersang,
Ach, dein Klang, usw. usw.
O Walzertanz,
Du Freudenglanz!

Der Vorhang fällt


DRITTER AKT

Nr. 12 - Introduktion
Soli und Chor

SOLI und CHOR
Geht's und verkauft's mei' Gwand -
I bin im Himmel,
Wann d' Geigen fiedeln
Wien'rische Liedeln!

Geht's und verkauft's mei' G'wand -
I bin Im Himmel -
Beim Wiener Tanz
Vergisst man d' Sorg' ganz!

Nr. 13 - Melodram. Gstanzeln

Nr. 14 - Sextett

GRÄFIN
So kommen Sie und zögern Sie nicht länger!

MINISTER
Es wird mir immer bänger, immer bänger …

GRÄFIN
Ein tête-à-tête, das ist doch sehr effektvoll!

MINISTER
O ja, doch heisst's hier leider sein respektvoll.

GRÄFIN
Lockt Sie denn die Laube nicht?
Hör'n Sie nicht, was sie spricht?
Trautes Pärchen, sei willkommen!
Bist hier gut aufgenommen!
Wie sie uns einladend winkt -
Horch die Nachtigall, sie singt:

MINISTER
Fühl' wie der Mut mir jetzt sinkt -

GRÄFIN
Trautes Pärchen, sei willkommen!

MINISTER
Bin schön in die Patsche gekommen!

GRÄFIN
So gehen wir!

MINISTER
Na, also gut!

GRÄFIN
So gehen wir!

MINISTER
Nur Mut! Nur Mut!

GRÄFIN
Ist so ein tête-à-tête mit mir nicht gut?

MINISTER
Mir ist ganz miserabel jetzt zu Mut!

GRAF
Hier sind die Lauben,
Hier sollt' sie warten
Will sie dann suchen
Auch noch Im Garten!
Ach, sie ist noch nicht da -
Dies sei mein letztes Rendezvous
Das will ich voll geniessen
Pflück' doch die Blumen immerzu
Die am Weg dir spriessen!

FRANZI
Rasch in die Laube!

JOSEF
Ist die da frei?

FRANZI
Champagner!

JOSEF
Da bin ich dabei!

FRANZI
Wird er mir helfen, den Grafen entdecken?

JOSEF
Das is wie's Amen im Gebet!

FRANZI
So lass Er uns zuerst da drin verstecken!

JOSEF
Versprochen hab' ich's! Doch tu' ich es net!

PEPI
Er ist net z'finden
Im ganzen Garten,
Es gibt nix Aergers
Als so ein Warten!
Er hat mich gefoppt - der Herr,
Jetzt gift' ich mich schon sehr!

GRAF
Da steht mein letztes Rendezvous,
Das will ich voll geniessen…

PEPI
Herr Graf, bescheiden sein,
Mit mir nur immer fein!
Mach' ich auch oft ein Auge zu,
Beide kann ich nicht schliessen!

GRAF
Pflück' doch die Blumen immerzu,
Die am Wege dir spriessen!
So gehen wir!

PEPI
Na, sein's so gut!

GRAF
Du zögerst noch?

PEPI
Wie lieb er tut!

GRAF
Wirst seh'n, ein tête-à-tête mit mir ist gut!

PEPI
Na, mir kann nix g'scheh'n, bin auf der Hut!

GRAF
Stoss' an! Stoss' an, du Liebchen mein,
Und schlürf mit mir Champagnerwein,
Und denk' an die Moral:
Man lebt das eine Mal!
Stoss an, benütz den Augenblick,
Stoss an, geniess das Erdenglück!
Stoss, Schätzchen, an! Stoss an!
Stoss an! Stoss an!

GRÄFIN
Ja, les' ich recht in Ihrem Blick,
So preisen Sie nicht das Geschick?

FRANZI
Ja, les' ich recht in seinem Blick,
So möcht' Er gar so gern zurück?

MINISTER
Ein andrer preise solches Glück,
Für mich ist es ein Missgeschick!

PEPI
Ich bin ja stolz auf dieses Glück,
Doch halten sich Herr Graf zurück!

JOSEF
Die Gnäd'ge sieht's aus meinem Blick,
Ich bin ganz stolz auf dieses Glück!

GRAF
Leben und lieben!

Die ANDEREN Fünf
Stoss an!

GRAF
Sich nie betrüben!

Die ANDEREN Fünf
Stoss an!

GRAF
Sorgen der Teufel doch hol'!
Das sei fortan die Parol'!

ALLE
Leben und lieben usw. usw.
Stosst an! Stosst an! Trinkt munter fort
Und denkt doch an das weise Wort:
Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Leben lang!


Nr. 15 - Duett
Gräfin, Franzi

GRÄFIN
So wollen wir uns denn verbünden!

FRANZI
Wir müssen diese Dritte finden!

GRÄFIN
Die beste Schule für uns Frauen,
Wie man der Männer Treu' behält,
Ist immer doch: Euch zuzuschauen,
Weil eure Art dem Mann gefällt!
So sagen Sie, wie Sie es machen,
Dass er bis heute treu verblieb?
Ich lernte gerne diese Sachen,
Denn wissen Sie: Ich hab' ihn lieb!

FRANZI
Wie man die Männer an sich kettet,
Dafür gibt's leider kein System,
Denn, wenn ihr Frauen eines hättet
Das wär' für uns sehr unbequem!
Bringt man ihm Zärtlichkeit entgegen
Nimmt er sie hin, als müsst' es sein!
Verwehrt man ihm der Liebe Segen,
Heimst er ihn bei der andern ein!

GRÄFIN
So kann ich nichts von Ihnen lernen?

FRANZI
Ich weiss kein Mittel, das probat!

GRÄFIN
Steht Liebesglück nur in den Sternen?

FRANZI
So scheint's wahrhaftig in der Tat!

GRÄFIN
Ich sag': Nein! Ich sag': Nein!
Schlau und fein! Schlau und fein!
Alles will erobert sein!
Was er leicht haben kann,
Schätzt er nicht, der gute Mann!
Macht's ihm schwer! Macht's ihm schwer!
Und er fiebert vor Begehr,
Dies Rezept hab' ich erdacht
Und so wird's gemacht!

FRANZI
Ich danke für die gute Lehr'
Werd' auch von heut' so sein!

GRÄFIN
Doch nur bei einem ander'n Mann,
Der mein'ge bleibt nun mein!

FRANZI
Ich höre seine Stimme!

GRÄFIN
Ich seh' ihn kommen!

FRANZI
Wir tauschen doch die Lauben?

GRÄFIN
Wie wir's vorgenommen!

BEIDE
Dann wird's gemacht,
Wie wir's erdacht!
Schlau und fein! Schlau und fein! usw. usw.


Nr. 16 - Schlussgesang

ALLE
Wiener Blut,
Wiener Blut!
Eig'ner Saft,
Voller Kraft,
Voller Glut,
Du erhebst,
Du belebst
Unser'n Mut!
Wiener Blut!
Wiener Blut!
Was die Stadt
Schönes hat,
In dir ruht!
Wiener Blut,
Heisse Flut!
Allerort
Gilt das Wort:
Wiener Blut!