Genoveva

Genoveva

Oper in vier Aufzügen

Libretto

Robert Reinick und Robert Schumann

Uraufführung

25. Juni 1850, Leipzig (Stadttheater)

Besetzung

HIDULFUS, Bischof von Trier (Bariton)
SIEGFRIED, Pfalzgraf (Bariton)
GENOVEVA (Sopran)
GOLO (Tenor)
MARGARETHA (Sopran)
DRAGO, Haushofmeister (Bass)
BALTHASAR, Diener in Siegfrieds Schloss (Bass)
CASPAR, Jäger (Bariton)
CONRAD, Siegfrieds Edelknecht

CHOR
Ritter - Geistliche - Knappen - Knechte - Volk

Erscheinungen

Ort

In und um Strassburg

Zeit

730 n. Chr.

Schumann, Robert

Schumann, Robert (Alexander)
8.6.1810 Zwickau - 29.7.1856 Endenich (Bonn)


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Der Corsar (1844 inc)
Genoveva (25.6.1850 Leipzig)
inc = Fragment



ERSTER AKT
Pfalzgraf Siegfried ist mit seinen Kriegern Karl Martells Ruf gefolgt, die Mauren zu bekämpfen und nimmt Abschied von seiner Gemahlin Genoveva. Er wird vom Bischof gesegnet und setzt Golo als Hüter seiner Frau und Verwalter der Burg ein. Dieser wäre lieber ins Feld gezogen, weil er Genoveva liebt. Als Genoveva beim Abschiednehmen ohnmächtig in seine Arme sinkt, küsst er sie. Margareta überrredet ihn, Genoveva und das Schloss in seinen Besitz zu bringen.

ZWEITER AKT
Sehnsüchtig denkt Genoveva an ihren fernen Gemahl. Golo versucht sich ihr zu nähern. Als sie ihn entrüstet zurückstösst, schwört Golo Rache. Von seiner Amme Margareta beraten, lockt er den Hofmeister Drago in Genovevas Gemächer, der, ehe er eine Aussage machen kann, von Balthasar auf Margaretas Beschuldigung erstochen wird. Genoveva, die ebenfalls von Margareta beschuldigt wird, unerlaubte Beziehungen zu Drago zu haben, sperrt man in den Turm. Margareta triumphiert, sie weiss, dass Siegfried verwundet in Strassburg liegt. Dort will sie ihn vergiften.

DRITTER AKT
Siegfried ist in Strassburg von Margareta gepflegt worden und trotz ihrer bösen Künste gesundet. Schnell will er nach Hause, als Golo einen Brief des Kaplans überbringt, in dem Genovevas Untreue mitgeteilt wird. Margaretas Zauberkünste lassen Genoveva mit Drago in einem Zauberspiegel sichtbar werden. Wütend eilt der Graf davon, nachdem er den Spiegel zertrümmert hat. Aus diesem entsteigt Dragos Geist, der Margareta den Flammentod prophezeit, wenn sie nicht ihren Frevel enthülle.

VIERTER AKT
Genoveva soll auf Golos Befehl mit dem Schwert gerichtet werden. Kaspar und Balthasar führen sie in den Wald, um das Urteil zu vollstrecken. Da stürmt Siegfried herbei, dem die von ihrem schlechten Gewissen geplagte Margareta den wahren Sachverhalt gestanden hat. Im letzten Moment kann er die Bluttat verhindern, während Genoveva ohnmächtig zu Boden stürzt. Der Bischof vereinigt die beiden Gatten unter Jubelrufen des Volkes aufs neue.


ATTO PRIMO
Congedatosi dall’amata moglie Genoveva e lasciatala sotto la tutela del suo luogotenente Golo, Siegfried, conte di Brabante, parte per combattere i saraceni al fianco di Carlo Martello. Golo si invaghisce di Genoveva e, in un momento in cui giace semiaddormentata, la bacia voluttuosamente; la strega Margaretha, che ha visto la scena, promette aiuto al luogotenente per ottenere l’amore della donna.

ATTO SECONDO
Vedendo rifiutate le sue profferte amorose, Golo medita vendetta e, consigliato dalla perfida Margaretha, organizza un piano che metta in cattiva luce l’innocente Genoveva: fa in modo che i cortigiani penetrino di notte nei suoi appartamenti e vi trovino il fedele servitore Drago, precedentemente entrato per ordine dello stesso Golo. Mentre lo sfortunato Drago è condannato a morte, Genoveva viene rinchiusa nella torre del castello, in attesa del giudizio di Siegfried.

ATTO TERZO
Siegfried si trova a Strasburgo, ferito; qui riceve una missiva di Golo, che lo informa del tradimento della moglie. Impossibilitato a muoversi, Siegfried convoca Margaretha affinché gli mostri, attraverso uno specchio magico, quanto è realmente accaduto nel castello; Margaretha evoca false immagini, suscitando la sdegnata reazione del combattente, che manda in frantumi lo specchio magico. Intanto, alla strega appare lo spirito di Drago, che la minaccia di una orribile morte tra le fiamme se non racconterà la verità.

ATTO QUARTO
Genoveva, che ha inutilmente proclamato al cospetto di tutti la propria innocenza, si trova in un bosco nei pressi del castello e sta per essere giustiziata da Golo: invano quest’ultimo le ha offerto salvezza in cambio del suo amore. Ma mentre la crudeltà di Golo sta per abbattersi sull’innocente, uno squillo di corni annuncia l’arrivo di Siegfried che, fatto ormai consapevole dell’innocenza della sposa, la trae finalmente in salvo, sgominando i crudeli sicari.

Personen:
HIDULFUS, Bischof von Trier (Bariton)
SIEGFRIED, Pfalzgraf (Bariton)
GENOVEVA (Sopran)
GOLO (Tenor)
MARGARETHA (Sopran)
DRAGO, Haushofmeister (Bass)
BALTHASAR, Diener in Siegfrieds Schloss (Bass)
CASPAR, Jäger (Bariton)
CONRAD, Siegfrieds Edelknecht

CHOR
Ritter - Geistliche - Knappen - Knechte - Volk



ERSTER AUFZUG

Grosser Schlosshof in Siegfrieds Burg

CHOR
Erhebet Herz und Hände
Voll Andacht himmelan
Zu Ihm, dess' Macht ohn' Ende,
Dem All' wir untertan!
Sein Reich es soll besteh'n
In aller Ewigkeit,
Für ihn zum Tod zu geh'n,
Sind allzeit wir bereit!
Was sollt' uns bringen Schaden,
Will er nur mit uns sein,
Er ist der Quell der Gnaden,
Das Heil bei ihm allein.

HIDULFUS
Zu einem gottgefäll'gen Kampfe
Rüstet Ihr Euch!
Es gilt dem Erzfeind unsers Glaubens,
Abdorrhaman, der aus Spanien in
Das Frankreich hereingebrochen!

CHOR
Verderben ihm!

HIDULFUS
Von seinen Gräueln empört,
Erhebt sich der gewalt'ge Karl Martell,
Und ruft die Tapfern dieses Landes auf,
Den Frechen mit dem Schwert zu strafen -

CHOR
Heil Karl Martell!

HIDULFUS
In seinem Namen fordr' auch ich euch auf,
Bewaffne jeder sich, der Kraft
Ein Schwert zu tragen in sich fühlt,
Dem edlen Pfalzgraf Siegfried,
Dem Karl des Krieges Führung anvertraut,
Zum heil'gen Zug sich anzuschliessen,
Zu schützen Christi Kreuz!

CHOR
Wir sind bereit!

HIDULFUS UND CHOR
So streite denn, du tapfre Schaar,
Der Christenheit zu Ruhm und Ehr';
Der Engel Heer fleuch' vor dir her,
Der Herr sei mit dir immerdar!

Sein Reich es soll besteh'n
In aller Ewigkeit,
Für ihn zum Tod zu geh'n
Sind allzeit wir bereit!

Was sollt' uns bringen Schaden,
Will er nur mit uns sein,
Er ist der Quell der Gnaden,
Das Heil bei ihm allein!

GOLO
Könnt' ich mit ihnen! Weiht' auch mich
Des heil'gen Mannes Segensspruch!
Wer doch wie sie
In blut'ger Feldschlacht könnte werben
Um Ruhm, - den Tod der Ehre sterben!
Ein Anderes ist mir beschieden -
Ruh' - Still-sein! - - Wär' es auch der Frieden!

Frieden, zieh' in meine Brust,
Sänftige das tiefe Leid,
Der Gefühle grimmen Streit, -
Frieden, zieh' in meine Brust!

Trüb' will Alles mir erscheinen,
Wie die Sonn' auch golden scheint -
Könnt' ich klagen, könnt' ich weinen,
Tränen, wie ich sonst geweint!

Wie anders mein Sinnen
In früheren Tagen!
Da trieb's mich hinaus
Zu Kampf und Strauss!
Kein Ross mir zu wild,
Keine Kluft mir zu breit,
Zu eng das Gefild,
Kein Ziel mir zu weit!
Und kehrt' ich dann heim
Zu fröhlicher Rast,
Wie klang da beim Schalle
Der Zither mein Lied,
Vom Lobe des Sängers
Ertönte die Halle.
Wie zollten sie alle
Dem fröhlichen Sang
So minniglich Dank,
Und feuriger schwang
Beim gastlichen Mahl
Zum vollen Pokal
Empor sich der Sang! - -
Das war in früheren Tagen, -
Und jetzt! -

Frieden, zieh in meine Brust etc. etc.

Siegfried, Siegfried -
Du ein zweiter Vater mir, dem
Ich alles danke,
Was tust du mir!
Zum Hüter deines Weibes hast
Du mich bestellt! -
Und ich, ein Mensch,
Soll diesen Himmel wahren! -
Ich seh' sie nahen, - könnt' ich flüchten,
Verbergen mich, wohin kein Strahl der Sonne dringt!

Siegfried, Genoveva, Drago, Balthasar, Caspar, Dienerschaft

SIEGFRIED
So wenig Monden erst, dass ich Dich fand, -
Und schon entreisst Dich mir ein streng Geschick.

GENOVEVA
Ob auch getrennt, uns eint ein heilig Band,
In fernste Ferne reicht der Liebe Blick.

SIEGFRIED
Du bist ein deutsches Weib, so klage nicht -
Sollt' ich ertragen unsers Glaubens Schmach?

GENOVEVA
Wärst du kein Held, Du wärest Siegfried nicht
Und keine Klagen sendet' ich Dir nach.

SIEGFRIED
Der Trübsal Nacht folgt einst ein Freudentag.

GENOVEVA
Wo Du auch weilst, Dir folgt die Liebe nach.

SIEGFRIED
O herrlich Streiten, für die Christenheit,
Des Krieges Banner glorreich zu erheben!

GENOVEVA
Der Dich mir gab, er sehe mich bereit,
Auf sein Gebot mein Liebstes hinzugeben.

SIEGFRIED
Du liebend Weib -

GENOVEVA
Geliebter Mann -

BEIDE
Beglückt' wem solch' ein Held / Weib gegeben!

SIEGFRIED
Dies gilt uns! -
Zu Euch noch
Wen'ge Worte! Drago,
Treu hast du dich stets bewährt,
Deiner Pflege sei vertraut
Mein Gesinde, halt' es wohl!

DRAGO
Wie Ihr sagt, so wird's getan.

SIEGFRIED
Einer fehlt noch - Golo -
Du der Nächste meinem Hause
Stehst so fern?

GENOVEVA
Wie bleich er sieht -

DRAGO
Wie verstört -

GENOVEVA
Es schmerzt der Abschied
Ihn vor allen -

SIEGFRIED
Möchtest gern wohl
Mit mir in den Krieg?

GOLO
Ihr sagt's!

SIEGFRIED
Besser dienst Du hier mir. - Sieh,
Nur dem Besten möcht' ich meiner
Güter Bestes anvertrau'n -
Der bist Du! -
Meines Weibes nimm Dich an,
Wo sie Mannes Schutz bedarf -
Und Ihr, seht in Golo hier
Euern unumschränkten Herrn,
Dienet ihm, als wär' ich's selbst!

GOLO
Einen Würd'gern wohl als mich
Möcht' ich, dass Ihr fändet -

GENOVEVA
Gern
Nehm' ich Euch zum Ritter an -

GOLO
Edle Gräfin, viel zu gut
Denkt Ihr von mir. -

SIEGFRIED
Spart die Worte,
Kostbar ist die Zeit; der Ruf
Der Trompete sagt's.
Auf! führt mein Schlachtross vor!

CHOR

1.
Auf, auf in das Feld!
Graf Siegfried der Held,
Er führet das Heer,
Er führt es zur Ehr'.

Fein's Liebchen ein Kuss!
Geschieden sein muss!
Mit uns ist das Glück,
Bald kehren wir zurück!

2.
Karl Martell, Karl Martell, tapferer Hammer,
Allem Heidenvolk zum Jammer!
Der Feind der soll der Ambos sein,
Da schlagen wir wacker drauf und drein!
Wie klingt der Hammer so stark und hell!
Karl Martell, Karl Martell!


GENOVEVA
Leb' wohl -

SIEGFRIED
Leb' wohl -

GENOVEVA
Auf Wiederseh'n!

SIEGFRIED
Auf Wiederseh'n!

GOLO
O wie sie küsst!
Herr, das Ross sieht bereit!

GENOVEVA
O könnt' ich mit dir! -

SIEGFRIED
Getrost und fasse dich!

GENOVEVA
Leb wohl!

GOLO
Der rauhe Kriegsmann! - Auf das Schwert
Versteht er sich, auf Stoss und Hieb, -
Auf Liebe nicht! Er hat ihr's angetan!
Stirbt sie, ich will nicht knirschen! doch, sie seufzt!
Das holde Leben kehrt zurück,
Und auf die Lippen tritt das erste Roth!
O Lippen, süsse Lippen! Wer euch küsst,
Der stiehlt sich hier die ew'ge Seligkeit,
Denn nie verglüht ein solcher Kuss! - -
Ich könnt' es tun, ich bin allein -
Die heil'gen Augen steh'n
Noch nicht wie Cherubim
Abwehrend vor dem Paradies -
Ich will, ich muss sie küssen - -

GENOVEVA
Mein Siegfried!
Wer bist Du?

GOLO
Euer treuster Knecht!

GENOVEVA
Erlaubt, dass ich mich stütze!
Mir schwindelt! -

MARGARETHA
Sieh da - welch' feiner Rittersmann!
Man sieht ihn nur mit Freuden an!
Der Federhut, der Degen steht ihm gut,
Auch hat er Mut!
Und wie zum Kuss er sich herunterbog,
Welch' Flammenglut die Wang' ihm überzog!
Die Frau allein, der Graf beim Heer -
Da fällt's dem hübschen Burschen ja nicht schwer!
Ich hab' kein' Rast, ich hab' keine Ruh,
Ein wenig Groll kömmt auch dazu!
Dass aus dem Haus du mich gehetzt,
Herr Graf, das vergelt' ich dir jetzt!
Still, er kömmt!

GOLO
Was hast du getan
In frevelndem Wahn -
Du hast geküsst
Deines Herren Weib, -
Du hieltst umschlungen
Den edlen Leib, -
Du hast gebrochen
Dein Ritterwort - -
Elender, fort
Soweit dich deine Füsse tragen!

MARGARETHA
Golo!

GOLO
Hinweg!

MARGARETHA
Mein Sohn wohin?
Kein Wort für Deine Amme, die so lang
Dich nicht geseh'n?

GOLO
Du Margaretha hier?

MARGARETHA
Unfreundlich stiessest einstens Du mich fort, -
Ich blieb Dir gut -

GOLO
Ich aber hasse Dich, seit bösem Wandel
Und schwarzen Künsten Du dich ergeben,
Die ich verabscheu' -
Dies ist der Tugend Haus!

MARGARETHA
Der Tugend Haus? -
Ach - hofft' ich doch nach langem Wandern hier
Zum Ausruh'n eine Streu zu finden - doch,
Was ich erblickt in diesem Haus der Tugend - -
Fürwahr, ein schönes Weib des Küssens werth. -

GOLO
Du hast gesehen?! - stirb! -

MARGARETHA
Stoss' zu - 's ist ja die Amme nur,
Die Mutter nicht, die Du durchbohrst -
Geh' Golo - Du bist krank -

GOLO
Ja - krank zum Sterben -

MARGARETHA
Vertrau' Dich mir -
ich weiss den Arzt -

GOLO
Weib, Hexe, fort! Du, dieses Haus,
Die ganze Welt ist mir verhasst,
Kaum, dass ich trage noch des Lebens Jammerlast, -
Ich will dahin geh'n, wo kein Aug'
Mich wieder finden soll.

MARGARETHA
Du lässt die arme Frau allein -
Sie wird ohn' Dich gar traurig sein,
Am Leben müsste sie verzagen,
Sie will Dir wohl, wie die Leute sagen.

GOLO
Was sprichst Du da? wer tat Dir's kund?

MARGARETHA
Nun, drück' mir nur den Arm nicht wund -
Dergleichen fällt nicht schwer zu sehn. -

GOLO
Du lügst, - Du kennst sie nicht die Reine -

MARGARETHA
Und sieh, wie schön sich alles trifft!
Der Graf im Krieg, Du heimgeblieben -
Vielleicht, dass er im Kampfe fällt,
Er Dich zum Erben gar bestellt!
Oft fügt sich's seltsam in der Welt -
Kommt Berg und Tal doch wohl zusammen,
Um wie viel leichter zween Flammen -
Glück auf denn, Glück auf!

GOLO
Brichst auf Du schon?

MARGARETHA
Muss fort - nach Strassburg -

GOLO
Sag' an, was tätest Du an meiner Stelle?

MARGARETHA
Es dringt ihm in's Herz -
Wär' ein junger Herr ich
Mit Augen wie Ihr, ich hielt'
An meiner Hoffnung fest und wär'
Ich in die Königin verliebt.

GOLO
O dürft' ich hoffen, Margaretha,
Ich wollt' es königlich Dir lohnen!
Bleib hier im Schloss, sieh mit eignen Augen!

MARGARETHA
Mehr braucht's nicht
Als ich bereits geseh'n!

GOLO
Nur wen'ge Tage
Lass Dir's gefallen!

MARGARETHA
Wollt durchaus Ihr!

GOLO
Du bleibst?

MARGARETHA
Vielleicht -

GOLO
Und willst
Mir beisteh'n?

MARGARETHA
Wie ich's kann -

GOLO
Gib mir
Die Hand d'rauf!

MARGARETHA
Hier!

GOLO
Und schwörst
Mir beizusteh'n? -

MARGARETHA
Ich schwör's! -

GOLO
Mit neuem Leben
Erfüllst Du mich wieder,
Gehst Du voran,
Glücket der Plan.
Mein muss sie werden.
Und stiegen Engel
Nieder zur Erden
Und schützten sie, -
Mein muss sie werden -
Jetzt oder nie! -

MARGARETHA
für sich
Was ich gewollt,
Mir ist's geglückt -
Ich hab' ihn umgarnt,
Ich halt' ihn umstrickt -
laut
Dein soll sie werden,
Dein muss sie werden,
Jetzt oder nie! -

ZWEITER AUFZUG

Halle.

GENOVEVA
O weh des Scheidens, das er that, -
Mit ihm schied Freud' und Glück!
Herr'nloses Haus, Haus ohne Rath! -
O käm er bald zurück! -
Mit ihm die Lust, mit ihm der Muth
Wo er nicht ist da wankt es, -
Doch wo er herrscht, da steht es gut,
Mein Siegfried, kehre wieder,
Mit Dir schied all' mein Glück dahin!
Getrost, getrost, mein Herze -

GESANG DER KNECHTE

1.
Füllet die Becher bis zum Rande,
Stosset an und trinket aus!
Zieht der Herr in fremde Lande,
Ist der Knappe Herr im Haus!
Stosst an und trinket aus!

2.
Ei - wer sitzt dort in der Ecke. -
Alter Drago, was ist das!
Kommt hervor aus dem Verstecke -
Unsrer Herrin dieses Glas!
Die Herrin lebe hoch!

GENOVEVA
Welch rohes Singen! Klingt es doch,
Als ob sie spotteten! -
Die Knechte sind's, Margaretha unter ihnen,
Dies Schreckbild meinem Auge! -
Und dort der gute Drago,
Er will nicht würfeln mit und singen! -
Wie wild sie lärmen! - Siegfried, Siegfried,
Kehr' bald zurück, brich ihren Uebermut,
Sie stürzen Haus und Hof dir um!
Wer kömmt!

GENOVEVA
Ihr seid es, Golo? -

GOLO
Verzeiht, dass zu so später Stunde noch -

GENOVEVA
Stets seid willkommen Ihr, und wisst -
Ich fürchtete mich eben -

GOLO
Ihr hörtet wohl -

GENOVEVA
Sie singen laut genug -
Und ganz allein bin ich -

GOLO
Sie ganz allein! welch' seltnes Glück?

GENOVEVA
Die Dienerin entliess nach Trier ich,
Dort ihren kranken Vater zu verpflegen -
Da wandelte etwas wie Furcht mich an,
Dazu das wilde Singen - aber sagt,
Was hat es zu bedeuten? -

GOLO
So hört, was mich so spät noch zu Euch führt:
Ein grosser Sieg (so spricht man)
Sei über Abdorrhaman jüngst erkämpft -

GENOVEVA
Ein Sieg, ein Sieg! O Freude!
Doch wie, Siegfried liess ohne Kunde mich? -

GOLO
Gerüchte eilen schneller ja als Menschen -
Auch spricht man von der bald'gen Rückkehr
Des Heeres -

GENOVEVA
Siegfried's auch? O wär' es wahr?

GOLO
Dies alles hat die Burschen aufgeregt -
Von Neuem toben sie, ich geh'
Zum Schweigen sie zu bringen.

GENOVEVA
Lasst, lasst - die Freude reizt zum Singen,
Auch mich - Ihr singt so artig, lasst
Mit einer sanften Weise uns
Den wilden Lärm betäuben - kommt, dort ist die Zither.

GOLO
's sind Monden her, dass ich schon nicht mehr sang.

GENOVEVA
So wirds nur um so frischer klingen -
Ohn' Widerspruch! - das Lied,
Das aus dem Elsass uns der Sänger lehrte -

GOLO
Ihr könntet Steine singen machen
Durch Euer Bitten, schöne Frau!

GENOVEVA
Das Schmeicheln, Golo, scheint Euch eigen,
Singt denn, lasst Euer Herz erweichen!

GOLO
O anmuthvollste Zauberin!

Duett

Wenn ich ein Vöglein wär',
Und auch zwei Flüglein hätt',
Flög' ich zu dir!
Weil's aber nicht kann sein,
Bleib ich allhier!

Bin ich gleich weit von dir,
Bin ich doch im Schlaf bei dir,
Und red' mit dir!
Wenn ich erwachen thu'
Bin ich allein!

Es vergeht kein' Stund' in der Nacht,
Da mein Herze nicht erwacht
Und an dich gedenkt,
Dass du mir viel tausendmal
Dein Herz geschenkt!

Nicht länger halt' ich mich,
Die Gluth verzehrt mich!
Zu ihren Füssen, zu ihren Füssen,
Dass sie's erfahre -
Alles, Alles!

GENOVEVA
Was ist Euch? -

GOLO
Genoveva, verzeiht mir! -

GENOVEVA
Erst stehet auf, es ziemt Euch nicht zu knie'n!

GOLO
Nicht eher als Ihr mir verzieh'n -
Ich täuscht' Euch -

GENOVEVA
Wohlan - verzeiht Euch Gott, verzeih'
Auch ich Euch -

GOLO
Ich raubt' Euch - ahnet Ihr? -
Damals als Siegfried Abschied nahm -

GENOVEVA
Golo, ich sah Euch niemals so - Ihr seid wohl krank? -

GOLO
Du schlugst die Wunde, still' nun auch
Das Blut, das strömende, des Herzens!

GENOVEVA
Ein böser Dämon gab dies Wort Euch ein,
Besinnet Euch, mit wem Ihr sprecht!

GOLO
O Zauberin, Du hast das Leben mir
Durch Kunst entführt -

GENOVEVA
Was sprecht Ihr da? -
Erwacht, denn Ihr verkennet mich!
Ich bin es, Genoveva, die jetzt spricht,
Gemahlin Eures Herrn, des Grafen Siegfried!

GOLO
Hör' denn, Du meines Herrn Gemahlin -
Dass ich es reden, aussagen könnte,
Worte finden, Töne -

GENOVEVA
Es fällt ihn Wahnsinn an - wer steht mir bei! -
Wo flieh' ich hin! Drago! Angelo! hört Niemand mich?

GOLO
Du liebst mich, holde Braut,
Da ist der Tag begonnen,
Da regt und rührt's sich laut,
Da brechen aus den Knospen alle Wonnen -

GENOVEVA
O Siegfried, mein Gemahl,
Wann kehrst du wieder!

GOLO
Nenn' ihn nicht -
Sein Nam' ist Tod!
Mein bist Du, mein -

GENOVEVA
Allmächtiger Gott!

GOLO
In meine Arme, Weib! -

GENOVEVA
Zurück!

GOLO
An meine Brust!

GENOVEVA
Zurück, ehrloser Bastard!

GOLO
Das Wort, das traf, -
Das Wort, das schlug, -
Fluch Dir! -
Kein Schlaf soll über diese Augen kommen,
Kein' Speis' und Trank
Ueber diese Lippen,
Bevor Du vernichtet! -

DRAGO
Dem Himmel Dank, dass ich Euch finde,
Im ganzen Schlosse sucht ich Euch!

GOLO
Drago, einandermal! lass jetzt mich nur!

DRAGO
Ihr müsst mit mir - die Buben unten
Verweigern mir Gehorsam.

GOLO
Zwing' sie dazu, was kümmert's mich!

DRAGO
Das trüg' ich auch! Doch hört - sie lästern - -

GOLO
Mich vielleicht? -
Lass sie - was kümmert's Dich?

DRAGO
Nicht Euch -
Nein denkt - sie wagen's unsre Gräfin selber zu
Beschimpfen -

GOLO
Was denn sprachen sie?

DRAGO
Kaum mag ich's nacherzählen, das Schändlichste -

GOLO
Sprich nur -

DRAGO
Sie sagen: mit dem jungen
Kaplan, den jüngst Hidulfus
Hieher gesandt, stünd' sie vertrauter,
Als es Graf Siegfried wissen dürfte -
Denkt, die Schurken! -

GOLO
Drago,
Die Schurken - - sprachen wahr!

DRAGO
Herr Golo! -

GOLO
Ich weiss noch mehr -

DRAGO
Ich kann's nicht glauben -
Die edle Gräfin -

GOLO
Diese Nacht noch
Hat sie ihn herbeschieden -

DRAGO
- mit ihm zu beten
Vielleicht -

GOLO
ja, ja, zu beten, dass Graf Siegfried
Nie wiederkehren möge -

DRAGO
Nie, nie glaub' ich das! -

GOLO
Hast Augen Du?

DRAGO
Wie meint Ihr das?

GOLO
Du kannst ja selbst Dich überzeugen.

DRAGO
Ich riss' mein Aug' aus, müsst' es die Schandtat seh'n.

GOLO
Wohlan - die Prob' ist leicht -
Hier in der Nische
Kann ungesehn dem Liebespaar man lauschen -
Ich schlüpf' hinein -

DRAGO
Um ihrer Unschuld willen
Möcht' selber ich's - doch nein -

GOLO
So glaub', wenn Du nicht sehn willst -

DRAGO
Lasst mich - und passt Ihr draussen an der Tür! -
Doch wenn ich Euch nun morgen früh
Beschwören kann, dass Alles Lug' und Trug!

GOLO
So heiss' mich selbst den Schurken! -

DRAGO
So denn mit Gott!
Zu Tag wird er die Wahrheit bringen!

MARGARETHA
Ich lauscht' an der Tür - weiss alles -
Mit Genoveva war't zu heftig Ihr!

GOLO
Und hörtest Du, wie sie mich nannte? -

MARGARETHA
Ist's Deine Schuld? -

GOLO
Hilf mir mich rächen!

MARGARETHA
Hör' an - ich will nach Strassburg,
Den Grafen dort zurückzuhalten -

GOLO
Das wolltest Du -

MARGARETHA
Er liegt verwundet da -

GOLO
Ha!

MARGARETHA
- Ich sing ein Schreiben an die Gräfin auf
Manch' Tränklein weiss ich zu bereiten, auch
Für ihn, das soll von seinen Leiden ihn befrei'n,
Und Dich von ihm -

GOLO
Mich schüttelt Fieberfrost -

MARGARETHA
Komm' in die Gesindestube! Drago, als Buhle -
Ei das wird lustig! -

GENOVEVA
Dort schleichen über'n Hof sie sacht,
Wie Wölfe, die vom Raube kommen! -
Mir ist so bange, so beklommen -
O Du, der über Alle wacht,
Der Alles wohlgemacht,
Beschütz' o Herr! auch diese Nacht
Die Guten und die Frommen!
In Deinen Willen leg' ich nun
So Seel' wie Leib! O hab' Erbarmen
Mit mir, und wenn ich mich vergass,
Weil sich ein Bub' an mir
Und meiner Ehr' vermass,
Vergieb, da mir zu meiner Wehr
Kein' andre Waffe blieb -
O Herr, der gern verzeiht,
Beschirme mich in meinem grossen Leid!
Und Du, der alle Schmerzen stillt,
Komm', süsser Schlaf, bring' Siegfried's Bild
Im Traume mir,
Vom tiefen Weh, das mich erfüllt,
An seinem Herzen auszuruh'n.

KNECHTE UND MÄGDE
Sacht, sacht
Aufgemacht!
Dass er uns nicht entschlüpft,
Habt Acht!

BALTHASAR
Dort ist das Zimmer,
Umstellt die Thür!

CHOR
Er entschlüpft uns nicht,
Wir steh'n dafür!

BALTHASAR
Das Licht verlischt -

CHOR
Nur stille, still -

BALTHASAR
Ich hör' Geflüster
Wie von Zwei'n -

CHOR
Dringt ein, dringt ein!

GENOVEVA
Wer kömmt? -
Wer es auch sei, zurück!

CHOR
Still, still! sie sind gefangen!

GENOVEVA
Was sucht Ihr hier?

BALTHASAR
Wir suchen -

GENOVEVA
Wen?

BALTHASAR
Herrn Golo - -
Erlaubt, dass selbst wir suchen
In Eurem Schlafgemach -

GENOVEVA
In meinem Schlafgemach?
Wer eintritt, ist des Todes,
Kömmt Euer Herr zurück!

BALTHASAR
Der ist noch weit im Felde -
Wir suchen seinen Stellvertreter!

GENOVEVA
Meint Ihr Herrn Golo, er ist nicht hier -
Geht fort, ich bitt' Euch! -

CHOR
Die brüstet sich,
Und bittet auch!
Sucht nur, wir müssen ihn finden!

GENOVEVA
Herr, schütz' vor Frechheit mich! -
Geht, geht! Weicht zurück!

CHOR
Dringt hinein, dringt hinein!

GOLO
Zurück, ihr Schurken!
Wie könnt Ihr wagen,
Zu stören der Herrin Ruh'!

GENOVEVA
O nehmt Euch meiner an!
Hier ist Herr Golo - nun geht,
Wen sucht Ihr noch?

GOLO
Mich suchten sie?

GENOVEVA
Ja Euch!

CHOR
Nein, nein
D'rin muss noch Jemand sein!

BALTHASAR
Im Schlafgemach steckt Jemand noch.

GOLO
Frau Gräfin, lasst sie suchen doch
Um Eure Unschuld darzutun.

GENOVEVA
Sucht denn!

DRAGO
Erbarmen, Erbarmen!

CHOR
Drago!

GENOVEVA
Gott steh mir bei!

BALTHASAR
Frau Gräfin, mit Erlaubniss, das ist schlecht -

GOLO
Freund, du bist rasch!

CHOR
Seht, sie erbleicht, die Schuld ist klar!

BALTHASAR
Was sagt Ihr nun?

GENOVEVA
Nichts zu Euch!

BALTHASAR
Das glaub' ich - nichts zu uns, die wir es sah'n,
Was aber wohl zu dem, der's hört von uns?

GENOVEVA
Glaubt, was Ihr seht! nur bitt' ich, glaubt nicht mehr,
Ihr brachtet Lichter mit, gebt mir ein Licht!

BALTHASAR
Verdächt'ges seh ich nichts!

MARGARETHA
Ich lauscht' am Fenster dort,
Wie Drago sie umfing!

GENOVEVA
Auch diese da!
Euch ruf' ich auf,
Sagt Ihr, Herr Golo, was Ihr glaubt!

GOLO
Ich heiss' nicht Siegfried, bin der Richter nicht!

GENOVEVA
Da sprecht Ihr wahr! -

BALTHASAR
Die ist ja nach dem Fall
Viel stolzer noch! doch bräche sich der Stolz
Vielleicht im Turm - wär' ich der Herr,
Sie müsste gleich hinunter!

CHOR
Zum Turm mit ihr, zum Turm mit ihr,
Dort hat sie Zeit zur Reue!

GENOVEVA.
Führt mich wohin es sei - nur führt mich hin,
Wo ich das Blut nicht seh'! -

BALTHASAR UND CHOR
Zum Turm mit ihr!

GENOVEVA
O Herr im Himmel, schütz' Dein Kind!
Was hab' ich getan,
Dass so schwer Du mich prüfst!

GOLO
O Herzenswunde brich' nicht auf!
Der Rache werd' ihr Recht!
Halt' Deinen Schmerz zurück!

BALTHASAR
Führt sie hinunter, bindet sie!

CHOR
Führt sie hinunter, bindet sie!
Fort in den Turm, fort in den Turm!

DRITTER AUFZUG

Zimmer in einer Herberge zu Strassburg

SIEGFRIED
Nichts hält mich mehr, - lasst Eure Salben,
Lasst Eure Kräuter, gute Frau!
Die Wund ist heil - seht, seht!

MARGARETHA
Nur wenige Tage schont Euch noch!
Der muss von Eisen sein, dass er
Den Trank verschmerzt, den ich ihm gab -

SIEGFRIED
Gern schont ich länger mich; doch Sehnsucht
Nach Haus, nach meinem Weib lässt keine Ruh'
Mir mehr -

MARGARETHA
Habt auch ein Weib Ihr?

SIEGFRIED
Gute!
Wie sie gibt's keine auf der Welt!

MARGARETHA
Und auch ein Kind?

SIEGFRIED
Noch ist's ein Wunsch,
Schon lang harr' ich auf Kunde -
Und morgen muss ich fort, ich halt's
Nicht länger aus -

MARGARETHA
Geduld, Geduld -
Zwei Tage pflegt Euch noch, und wollt
Ein art'ges Spiel Ihr sehen,
Das Euch an Heimat und an Weib erinnerte,
So wüsst' ich eines -

SIEGFRIED
Ich versteh' Euch nicht -

MARGARETHA
So hört, hier gibt's einen Zauberspiegel,
D'rin schaut man alles, was man will,
Und alles, was sich jüngst begeben -

SIEGFRIED
Geht das mit rechten Dingen zu?

MARGARETHA
Weiss nicht -
Untrüglich aber ist das Spiel gewiss.

SIEGFRIED
Was Ihr da sagt! - und auch von meinem Weibe,
Glaubt Ihr, berichtet mir's? -

MARGARETHA
Von Allem, was Ihr wünscht -

SIEGFRIED
Das muss
Ich sehen. Sagt, um welche Stunde könnt'
Ich's schau'n?

MARGARETHA
Am liebsten, wenn es dunkelt schon -

SIEGFRIED
Hier nehmt für Eure Pflege dies - vielleicht
Such' ich Euch auf noch -

MARGARETHA
Euer Edelknecht
Weiss meine Wohnung. So gehabt Euch wohl
Und haltet ruhig Euch!

SIEGFRIED
Lebt wohl!

SIEGFRIED
Ja wart' Du bis zum jüngsten Tag
Auf mich mit Deinem Spiegel -
Conrad, Conrad!
Spring', Junge freu' Dich, lass
Die Rosse satteln, heute noch
Geht's fort nach Haus! Die Wunde zwar
Noch brennt sie - aber hier
Brennt's heisser noch, nicht länger
Ertrag' ich's fern vom Haus -
Die Nacht ist schön -
O wonn'ger Strom der Luft! -
Mach' alles fertig, - fort, fort!

Lied

Bald blick' ich dich wieder mein Heimatschloss,
Der Turmwart bläst, es jauchzt der Tross,
Die Tore rasseln vor mir auf,
Die Brücke fällt, ich schaue hinauf -
Sie hat mich erblickt, sie fliegt mir entgegen
Und Aug' an Aug' und Brust an Brust!
O Liebestreu', wie reich an Segen!
O Wiederseh'n so reich an Luft!
Besiegt ist der Feind, das Kreuz erhöht,
Des Glaubens Panier das Land durchweht!
Wie grimm die Wut des Heiden war,
Mit uns stritt Gott und seine Schar!
Voll Bangen blicktest du aus nach mir.
Mein Weib, aus deinen stillen Mauern -
Was bangst du noch? wirf fort dein Trauern -
Nun trennt keine Macht mich mehr von dir!
Wer sprengt so eilig in das Thor herein!
Der Reiter scheint von Sinnen - hör' ich recht,
Er lenkt die Schritte her zu mir!
Da hackt ein Rab' am Fenster -
Was kann's bedeuten!

SIEGFRIED
Du Golo? Herzlich sei gegrüsst! -
Doch wie so bleich Du siehst - Du bringst
Nichts Gutes!

GOLO
Gutes nicht.

SIEGFRIED
Mein Weib ist tot -

GOLO
Sie lebt –

SIEGFRIED
Sie lebt?
Dann sei es, was es sei; ich trag' es leicht.

GOLO
Les't selbst!

SIEGFRIED
- Von wein Hauscaplan -

GOLO
Mir beben die Knie,
Ich möchte zurück den grausigen Weg,
Den mich Margaretha gehn lässt.

SIEGFRIED
Golo! - -
Hier nimm mein Schwert, schlag' nieder mich -
Doch wart' - erst sie!

GOLO
O fasst Euch, edler Herr!

SIEGFRIED
Verhöhn' mich nicht mit Deinem Trost! -
Niemand auf der Welt
Soll mehr mich seh'n - Niemand wissen,
Wo ich geblieben! doch - auch sie
Soll sterben!
Hier nimm mein Schwert und hier den Ring,
Zeig' beides ihr, damit sie weiss,
Von wem Du kömmst! - -
Doch still! Es fällt mir ein -
Hier lebt eine Frau, die mir erzählte
Von einem Wunderspiegel, d'rin sich zeige
Vergang'nes bis auf's Kleinste abgeschildert.
Conrad! Du weisst ja, wo die Frau,
Die meiner pflegte, wohnt! führ' hin uns!
Komm, guter Golo! -

Verwandlung

Margarethens Zimmer

MARGARETHA
Ich sah ein Kind im Traum, ein hübsches Kind,
Die Zähne weiss, die Backen roth und rund,
Die Augen - nein, die sah ich nicht so recht -
Zwei Tränen standen d'rin. - Es rief:
„Zum Engel war ich dir bestimmt,
Du warfst mich in den Bach“ - Dummer Traum!
j fällt mir ein:
Hätt' ich das Mägdlein nicht ertränkt, und wär'
Es schön geworden, wie ich's sah im Traum,
So klopfet jetzt vielleicht ein Freiersmann,
Ein solcher, der das Glück bringt über Nacht; -
Lasst ruh'n die Toten, denn sie ruhen gut.
Ei nun, wer stört sie? Stören sie doch mich!

SIEGFRIED
Hollah, macht auf!

MARGARETHA
Wer da?
Herr Graf -
so spät!

SIEGFRIED
Lasst, lasst! wer sagt Euch, dass ich sitzen will!
Ich halte mich nicht lange bei Euch auf.

MARGARETHA
Was steht zu Diensten Euch, wenn nicht der Spiegel?

SIEGFRIED
Vergessen hätt' ich's fast - ja, ja -
Den Spiegel wollt' ich seh'n,
So zeigt mir denn mein Weib, und was
Sie vor sechs Monden that!

MARGARETHA
Ihr scheint erzürnt mein edler Herr -
D'rum bitt' ich, schlagt mir nicht,
Wenn was Ihr seht, Euch nicht gefällt,
Das theure Stück entzwei!

SIEGFRIED
Hör' auf!

MARGARETHA
Das heisst: sang' an?
Doch die Bedingung, denkt jetzt nicht an Ihn,
Der einst die Welt erschuf und sie erhält!

SIEGFRIED
Sehr sonderbare Worte sprecht Ihr da!
Den Spiegel! den Spiegel!

MARGARETHA
Und hier der fremde Herr - soll er nicht geh'n?

SIEGFRIED
Er ist mein Freund, mag Alles schau'n -
Wir beid' sind rein!

MARGARETHA
Was bebst Du, Feiger, denke d'ran,
Wie Dich die Gräfin höhnte?

GOLO
Sie reisst zu Sünd' und Schand' mich fort!

SIEGFRIED
Was bebst Du, Golo, denke d'ran,
Wie Du mich rächst!
Die Wahrheit will ich wissen,
Ob auch das Herz mir bricht.

MARGARETHA
Dein muss sie werden noch!

GOLO
Du mahnst mich recht, - schon reut' es mich!

MARGARETHA
Dein muss sie werden, Mut nur, Mut!

GOLO
Stehst Du mir bei, so wird's gelingen!

SIEGFRIED
Was zaudert Ihr, - lasst sehn den Spiegel!

MARGARETHA
Ein schönes Weib - fürwahr des Küssens wert!

GOLO
Mein muss sie werden, mein!

SIEGFRIED
Den Spiegel! den Spiegel!

MARGARETHA.
Euch zu dienen!
"Erscheint!"

ERSTES BILD

STIMMEN HINTER DER SZENE
Abendlüfte kühlend weh'n,
Liebe singt in Wald und Feld!
Kann ein Herz allein besteh'n,
Wo so selig rings die Welt!
Saaten wogen um dich her,
Schlägt dein Herz nicht Liebeswogen
Den du suchst, er tritt daher,
Erde wird zum Blütenmeer:
Und du wirst hinabgezogen,
Wie die Biene selig schwer.

SIEGFRIED
Sieh da - mein Schloss - wahrhaftig!

GOLO
Mit Satan steht die Hex' im Bunde.

SIEGFRIED
Dort der Eichwald auch! Und dort
Auf dem Fusspfad die Gestalt -
Sie ist's, mein Weib - -

GOLO
O holdeste der Frauen!

SIEGFRIED
Jetzt auch Drago! -
Sie sprechen freundlich! Wahrlich,
Mit Jedem sprach sie so!
Da find' ich nichts zu schelten.
Komm, Golo! der Spiegel sagt mir nichts,
Was ich nicht wüsste!

MARGARETHA
Sechs Monden wies ich ihn zurück,
Wie Ihr gewünscht. Wollt Ihr ein Bild vielleicht
Aus neu'rer Zeit?

SIEGFRIED
Was meinst Du, Golo!

GOLO
Lass't sehn!

SIEGFRIED
Wohlan denn!

MARGARETHA
Erscheint, erscheint!

ZWEITES BILD

STIMMEN HINTER DER SZENE
Wann die Lichter der Erde verglüh'n,
Wann der Blüten Kelche geschlossen,
Eine Blume der Nacht ist entsprossen,
Möchte heimlich erblüh'n!

Wann die Sterne funkeln und sprüh'n,
Wann der Mond seine Wunder ergossen,
Hat der Liebe Reich sich erschlossen,
Möchte heimlich erglüh'n!

SIEGFRIED
Der Garten meines Burghof's ist's,
Die Laube an der Mauer dort,
Ich kenn' sie wohl! -
Sie beid' allein, - zur Abend-Stunde!
Bursch, du bist keck!

GOLO
So sah ich oft sie sitzen,
Doch ahnt' ich Schlimmes nicht!

SIEGFRIED
Das Schlimme
Seh' ich noch nicht! So sittsam wie sie blickt,
So scheint sie nur als Herrin sich
Zu fühlen, er als Diener.

GOLO
Wohl dem, der da vertraut!

SIEGFRIED
Könnt noch ein Bild ihr hexen,
Aus jüngster Zeit ein Stück?

MARGARETHA
Drei Bilder steh'n in meiner Macht
Mehr nicht! Wollt noch das Ihr?

SIEGFRIED
Das letzte denn!

MARGARETHA
Erscheint, erscheint, erscheint!

DRITTES BILD

STIMMEN HINTER DER SZENE
Leiser Tritt durch's stille Haus!
Ferne der, der sie bewacht!
Sei verschwiegen, dunkle Nacht,
Lösch' die hellen Lichter aus!

Von dem Baum im Paradies,
Dess' verbotne Frucht so süss,
List'ge Schlange brich' auf's Neu'
Goldne Frucht und kriech' herbei!

SIEGFRIED
Schurke, Drago! -
Golo, räche mich! -

MARGARETHA
O Gott!
Furchtbar Gesicht, verschwind!

DRAGO'S GEIST
Umsonst versuchst Du Deine Macht an mir!

MARGARETHA
Wer sandte Dich!

GEIST
Der Herr!

MARGARETHA
Ich kenn' ihn nicht!

GEIST
Du riefst ihn an, -
Und er gebietet Dir durch meinen Mund:
Schnell mach' Dich auf, dem Grafen Siegfried,
Was Du an ihm gefrevelt, zu gesteh'n.

MARGARETHA
Und tu' ich's nicht?

GEIST
So wird
Dir binnen Mondesfrist der Holzstoss aufgerichtet,
Du stirbst den Feuertod - so ist's bestimmt!

MARGARETHA
So töt' ich mich vorher!

GEIST
Versuch' es nicht! In Flammen wirst
Du Salamander sein, Im Schoss der Erde Wurm,
Und gegen Stahl und Eisen wie von Stein!

MARGARETHA
Entsetzen packt mich -

GEIST
Ja,
So ist's bestimmt, so wird's erfüllt!

MARGARETHA
Schon lecken die Flammen am Holz -
Sie fassen mich blutigrot!
Wie es nagt, wie es brennt! O Tod!
Fürchterlich, fürchterlich!
Wo flieh' ich hin,
Wo berg' ich mich!
Herr des Himmels,
Hab' Erbarmen!
Luft!
Hülfe! Rettung! - -
Siegfried! Siegfried! -

VIERTER AUFZUG

Wilde Felsengegend

GENOVEVA
Steil und steiler ragen die Felsen, -
Drohende Gründe! Schreckliche Wildnis! -
Sagt, wann sind wir am Ziele?

CASPAR UND BALTHASAR
Bald!

GENOVEVA
Der Tag ist schwül, die Füsse schmerzen,
Gönnt eine Weile Ruhe der Müden!

CASPAR UND BALTHASAR
Vorwärts jetzt!

GENOVEVA
Grausames Leid fügt Ihr mir zu! -
Fürchtet Ihr nicht, der einst erscheinen,
Der einst mich rächen wird?

CASPAR UND BALTHASAR
Heuchlerin schweigt!

GENOVEVA
Wehe mir Armen! -
Hier führt kein Weg zurück.

BALTHASAR
Hier wartet!

GENOVEVA
Weh' mir, kaum halt' ich aufrecht mich.

CASPAR UND BALTHASAR

Gaunerlied

Sie hatten beid' sich herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er ein Dieb.
Wenn Schelmenstreich' er macht',
Sie warf sich hin und lacht',
Und lacht'.

Um sechse früh ward er gehenkt,
Um sieben drauf in's Grab gesenkt;
Sie aber schon um acht
'nen andern küsst', und lacht',
Und lacht'.

GENOVEVA
Die letzte Hoffnung schwindet,
Bald ist's vorüber! -
Sterben müssen, so jung,
Sterben von Mörderhand, -
Preisgegeben der Schande!
Zeigt kein Ausweg sich? erscheint kein Retter?
Siegfried, Siegfried, hörst du die Stimme nicht
Deines Weibes, das dich treu geliebt?
Und die Schuld wird einst zu Tage kommen.
Und sehnsuchtsvoll wirst du mich rufen,
Und trösten kann ich dich nicht,
Siegfried, sagen dir nicht,
Wie ich vergeben
Alles Weh um deinetwillen! -
Zeigt kein Ausweg sich? erscheint kein Retter?
Was leuchtet hier aus dunklem Versteck -
Ein Kreuz, ein Muttergottesbild!

Dies sah'n sie nicht, sie hätten
Den letzten Trost mir geraubt! -
O heil'ge Jungfrau, blick' auf mich,
Gib' Kraft, das Bitterste zu tragen!
Mich geb' ich hier in Deine Hand,
O zieh' sie nicht zurück,
Die Du zum Heil mir ausgestrecket,
Du leitest mich zu meinem Glück,
Gib dass dazu kein Weg mich schrecket! -

Wie wird die Luft von Tönen wach,
Wie weh'n zum Herzen mir sie mild!
Und Fels und Wald hallt von den Tönen nach,
Wie wird auf einmal alles Leid gestillt!
Was schau' ich! Oeffnet sich der Höhle Dach?
Der Himmel über mir von Glanz erfüllt
Und in dem Glanz der Liebe Bild!

Allgütiger! Sieh mich vor Dir im Staube.
Was ist vor Deines Himmels Herrlichkeit
Der Menschen Not, der Erde kurzes Leid!
Du lässt mich der Verzweiflung nicht zum Raube!
Du Liebesquell, mein Hort, an den ich glaube,
Durch Trübsal führst Du ein zur Seligkeit!

Ich höre Schritte durch den Wald, -
Was kommen mag, ich bin gefasst.

GOLO
Kennt Ihr den Ring?

GOLO
Und auch dies Schwert?
Dies Schwert gab mir Graf Siegfried,
Dass Ihr den Tod von ihm empfangt -
Den Ring, damit an seines Willens Ernst
Ihr keinen Zweifel hegt, - wie dünkt Euch das?

GENOVEVA
Ihr lügt -

GOLO
Lügt auch dies Schwert, -
Lügt auch der Ring, derselbe,
Den Siegfried einst am Traualtar Ihr gabt?

GENOVEVA
Ich - fass' es nicht!

GOLO
Was denkt Ihr über Drago's Ende?

GENOVEVA
Ich? - Nichts. Was denkt der Graf?

GOLO
Was ein jeder denkt, -
Dass Ihr auf's Aergste ihn berückt! -

GENOVEVA
In dieser Stunde fängt mein Elend an.

GOLO
Mit immer höh'ren Reizen Euch zu schmücken -

GENOVEVA
O frevelhafter Spott! - Was säumt Ihr noch?
Hier steh' ich, tötet mich; Ihr tut ein gutes Werk!

GOLO
Wenn Ihr so mutig seid, dass Ihr den Tod
Erwählt, - ich bin zu feig, dies schöne Haupt,
Das mir wie Sonn' und Mond und Sterne war,
An's Schwert zu liefern. -
Kommt und entflieht mit mir!

GENOVEVA
Ihr sprecht im Wahnsinn!

GOLO
Einmal nur
Gib, was Du geben kannst, nur einmal
Lass ruhen mich an Deiner Brust!

GENOVEVA
Zurück, Verruchter!

GOLO
Nur einmal
Gönn' mir dies Himmelsglück! -

GENOVEVA
Hinweg, Du fluchbelad'ner Mann!

GOLO
Hör' mich - vom Tod will ich Dich retten, -
Nur bitte!

GENOVEVA
Euch! O nie!

GOLO
Bedenk', -
Du bist in meiner Macht! Ein Wink
Von mir, - und jene Männer greifen Dich!

GENOVEVA
Ich bin in Gottes Hand! -

GOLO
O sprich es aus ein einzig Wort,
Und Du bist frei! - -
Du schweigst? -
Ihr Männer tretet vor!
Seid Ihr bereit, des Herrn Befehl
An seiner sünd'gen Gattin zu vollziehn?

BALTHASAR UND CASPAR.
Ja! -

GOLO
So will's der Graf, Ihr sollt's
Mit diesem Schwerte tun!

DIE BEIDEN
Wie Ihr befehlt, so wird's gescheh'n! -

GOLO
Tut Eure Pflicht!
Ich geh! - Und hört:
Kehr' ich zu Nacht nicht heim in's Schloss,
So sucht mich nicht und sagt den Andern:
Ich sei zu Ross, den Falken auf der Hand,
In's Land hineingesprengt! -

CASPAR
Habt Ihr noch einen Wunsch, so nennt ihn! Kann
Ich ihn erfüllen, soll's gescheh'n!

GENOVEVA
Wenn mein Gemahl zurückkehrt, sagt ihm dies:
Dass ich, wie hart er auch mit mir verfuhr,
Ihm Alles doch, bevor ich starb, vergab!

BALTHASAR
Nun ist's genug!

GENOVEVA
Umsonst versucht mein Mund,
Die rohen Herzen zu erweichen!
Schickst Du kein Zeichen Deiner Huld,
So sterb' ich jetzt! - Doch Deinem Willen
Muss ich mich neigen! -

CASPAR
Führ' sie vom Kreuze fort; am Kreuz
Mag ich nicht morden!

BALTHASAR
Fort von hier!

GENOVEVA
Vom Kreuze lass' ich nicht!

BALTHASAR
Glaubt Ihr, das Kreuz schützt auch ein buhlend Weib?

GENOVEVA.
Von meinem Heiland lass' ich nicht!

CASPAR
Mir ist, als hört' ich in der Ferne
Geschrei und Hörnerruf -

BALTHASAR
Schweig', Feiger, schweig -
Die Furcht hat Dein Gehör geschärft, -
Fass' an, fass' an!

CASPAR
Mir bebt die Hand, ich kann es nicht -

GENOVEVA
Heb' gnädig mich zu Dir empor!

CASPAR
Wir sind verraten - lass uns fliehn!

BALTHASAR
Hinweg!

JÄGER
Sie ist's, am Kreuze dort!
Den Mördern nach!
Zu Hülfe ihr!
Wo ist der Graf? Fort suchet!
Da naht er!

MARGARETHA
Graf Siegfried herbei!

SIEGFRIED
O Genoveva!

CHOR
Weh', sie erkennt ihn nicht!

SIEGFRIED
Mein teures Weib! -

CHOR
Der Schreck raubt' ihr die Sinne!

GENOVEVA
Güt'ger Gott - wo bin ich!

SIEGFRIED
Mein teures Weib!

GENOVEVA
Die Stimme kenn' ich - -
Wie Wolken liegt's vor den Augen mir - -
Siegfried, Du bist's! -

CHOR
Welch' Wiederseh'n!

SIEGFRIED
O lass es ruhn Dein Aug' auf mir! -

GENOVEVA
Ich mische meine Tränen mit den Deinen!

SIEGFRIED
Ich bin die Schuld an Deinem Elend,
Ich bin's, der Dich in Not gebracht
Wie kann ich Dich versöhnen!

GENOVEVA
Sprich nicht so!
Es war nicht Deine Schuld, der Himmel fügt' es!

SIEGFRIED
So lang' ich lebe, kömmt kein Trost
In meine Brust! -

GENOVEVA
Glaub' mir auf's Neu'
Kehrt Ruh und Glück zurück;
Gelingen wird es meiner Lieb' und Treu'!

BEIDE
Gelingen wird es unsrer Lieb' und Treu'!

GENOVEVA
Doch - wo ist Golo?

BALTHASAR
Um den seid unbesorgt! Wir fanden ihn
Zerschmettert in der Schlucht dort -

GENOVEVA
O lass uns fort von diesem Schreckensort!

SIEGFRIED
Versagen Dir die Füsse nicht die Kraft?

CHOR DER FRAUEN
Auf unsern Händen
Tragen wir Euch!

CHOR DER MÄNNER
Von Zweigen flechten wir
Die Sänfte Euch!

GENOVEVA
Lasst, lieben Leute! Neue Kräfte,
Ich fühl's, durchdringen mich - habt Dank!

SIEGFRIED
Stütz' Dich auf mich!
Kommt Alle mit in's Schloss,
Denn dieser Tag, ein Festtag soll er sein;
Die Glocken läuten schon von fern,
Und Priester sollen Messe singen,
Dem Hocherhabnen unsern Dank zu bringen!

CHOR
Bestreut den Weg mit grünen Mai'n,
Lasst den Ruf erschallen in's Land hinein:
Die viel geduldet,
Die edle Herrin,
Sie kehrt zurück!

Gesang hinter der Szene

Nun hebet Herz und Hände,
Voll Freude himmelan,
Zu ihm, dess' Macht ohn' Ende,
Dem all' wir untertan!

Sein Reich es soll besteh'n,
In aller Ewigkeit,
Für ihn zum Tod zu geh'n
War'n allzeit wir bereit!

Was konnt' uns bringen Schaden,
Da er ja mit uns war!
Er ist der Quell der Gnaden,
Der ew'ge, licht und klar!

SCHLUSSCHOR
Erschalle, festlicher Sang,
Ertönet, jubelnde Lieder!
Siegfried Heil
Dem tapferen Helden,
Heil Genoveva
Der hohen Frau!
Das uns so lang
Entrissen war,
Das edle Paar
Es kehrt uns zurück!

MÄDCHEN
Nehmet zu freundlich -
Holdem Empfang
Blühende Rosen!

SIEGFRIED UND GENOVEVA
Habt Dank, habt Dank!

JÜNGLINGE
Mögen des Lebens
Stürme euch nie
Feindlich umtosen!

SIEGFRIED UND GENOVEVA
O namenloses Glück!

MÄDCHEN
Lebet in Freude!

JÜNGLINGE
Lebet in Frieden!

GENOVEVA
Ich kann's nicht fassen,
Nicht glauben, mein Siegfried!

ALLE
Siegfried Heil, dem tapferen Helden,
Heil Genoveva, der hohen Frau!

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Partitur

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Klavierauszug

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