Die Gezeichneten

Die Gezeichneten

Oper in drei Akten

Libretto

Franz Schreker

Uraufführung

25. April 1918, Frankfurt (Opernhaus)

Besetzung

HERZOG ANTONIOTTO ADORNO VON GENUA (Bass)
GRAF ANDRAE VITELOZZO TAMARE (Bariton)
LODOVICO NARDI, Podestà von Genua (Bass)
CARLOTTA, seine Tochter, Malerin (Sopran)
ALVIANO SALVAGO (Tenor)
GUIDOBALD USODIMARE (Tenor)
MENALDO NEGRONI (Tenor)
MICHELOTTO CIBO (Bariton)
GONSALVO FIESCHI (Bariton)
JULIAN PINELLI (Bass)
PAOLO CALVI (Bass)
DER CAPITANEO DI GIUSTIZIA (Bass)
GINEVRA SCOTTI (Bass)
MARTUCCIA, bei Alviano Salvago im Dienst (Alt)
PIETRO, ein Bravo (Tenor)
EIN JÜNGLING (Tenor)
EIN MÄDCHEN (Sopran)

Senatoren, Edle, Bürger, Dienerschaft, Volk

Ort

Genua und Umgebung

Zeit

16. Jahrhundert

Schreker, Franz

Schreker, Franz
23.3.1878 Monaco - 21.3.1934 Berlin


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Flammen (24.4.1902 Wien*)
Der ferne Klang (18.8.1912 Frankfurt am Main)
Das Spielwerk und die Prinzessin (15.3.1913 Frankfurt am Main, Wien)
Die Gezeichneten (25.4.1918 Frankfurt am Main)
Das Spielwerk [rev. Das Spielwerk und die Prinzessin](30.10.1920 München)
Der Schatzgräber (21.1.1920 Frankfurt am Main)
Irrelohe (27.3.1924 Köln)
Christophorus, oder Die Vision einer Oper (1927; 1.10.1978 Freiburg)
Der singende Teufel (10.12.1928 Berlin)
Der Schmied von Gent (29.10.1932 Berlin)
rev = Bearbeitung / * = konzertant



ERSTER AKT
Alviano Salvago, ein reicher, missgestalteter genuesischer Edelmann, sucht sich für die ihm entgangenen Liebesfreuden zu entschädigen und an der Welt zu rächen. Er hat ein künstliches Paradies, die Lustinsel Elysium, geschaffen, in dessen unterirdischen Gewölben Adlige Orgien mit geraubten Bürgermädchen feiern. Ganz Genua wird durch das ständige Verschwinden junger, schöner Mädchen in Angst versetzt, niemand weiss, dass sie im Elysium missbraucht und dann getötet werden. Alviano, der selbst an diesem Treiben nie teilgenommen hat, schämt sich schliesslich der Freveltaten und erklärt seinen Freunden, die er in seinen Palast eingeladen hat, dass er das Elysium der Stadt schenken und damit allen Bürgern den Zugang zu der prächtigen Insel verschaffen wolle. Der Podestà erscheint mit seiner Tochter Carlotta und den Senatoren, um die Schenkung entgegenzunehmen, doch wollen diese auf Wunsch der Bürger erst die Zustimmung des Herzogs einholen. Die Adligen, die ihre Entdeckung fürchteten, atmen vorerst auf. Inzwischen hat sich einer der Wüstlinge, Graf Tamare, in die schöne, herzkranke Carlotta verliebt, die seine Werbung abweist, weil sie von Alviano fasziniert ist. Während dieser seine Gäste zur Tafel bittet, ist es dem Bravo Pietro gelungen, Martuccia zu überreden, die von ihm für Julian Pinelli entführte Ginevra Scotti in Alvianos Palast zu verstecken. Carlotta verliebt sich in Alviano und lädt den Beglückten in ihr Atelier ein, wo sie ihn malen will.

ZWEITER AKT
Der Podestà und die Senatoren der Stadt haben sich bei dem Herzog eingefunden. Sie sind verärgert, dass sich der Souverän wegen des Elysiums Bedenkzeit erbeten hat. Tamare, ein Freund des Herzogs, beklagt sich bei ihm, dass er bei Carlotta kein Gehör gefunden hat. Antoniotto verspricht, für ihn zu werben und rät, bei einem Misserfolg das Mädchen zu vergessen. Tamare weigert sich und verrät unabsichtlich, zu welchem Zweck das Elysium gedient hat. Der Herzog ist ausser sich, als er hört, dass Alviano diese Lasterhöhle bauen liess und droht, sowohl ihn als auch seinen Freund Tamare zur Rechenschaft zu ziehen, falls er Carlotta verführen wolle.
Alviano hat Carlotta in ihrem Atelier aufgesucht und ist von ihr gemalt worden. Überglücklich, endlich echte Liebe gefunden zu haben, umarmt er die Geliebte, die bereit ist, sich ihm hinzugeben, bezwingt sich aber und küsst Carlotta, die bewusstlos geworden ist, auf die Stirn. Carlotta und Alviano verharren in ihrer Umarmung, bis eine Dienerin eintritt und den Herzog anmeldet, der für Tamare werben will.

DRITTER AKT
Die Insel Elysium ist mit all ihren Schönheiten für die genuesische Bürgerschaft freigegeben worden. Das Volk huldigt dem Schenker, während die Adligen, als Faune und Satyrn verkleidet, ihr Unwesen treiben. Martuccia teilt Pietro mit, dass Ginevra geflohen ist und will Alviano, ihren Herrn, warnen. Der Bravo lässt sie unschädlich machen. Alviano und der Podestà, der von der prachtvollen Insel begeistert ist, suchen nach Carlotta, die sie nirgendwo finden können. Diese hat inzwischen den Herzog getroffen und erklärt ihm, dass ihre Liebe zu Alviano ein Irrtum gewesen ist. Ihr Herz gehöre Tamare. Obwohl der Herzog mit Nachdruck darauf hinweist, dass der Graf ihrer Liebe nicht würdig ist, folgt sie dem Verführer in willenloser Liebesbegeisterung in die unterirdischen Grotten.
Alviano, vom Volk gefeiert, sucht immer noch vergeblich nach Carlotta und fällt der genuesischen Polizei in die Hände, die ihn des Mädchenmordes bezichtigt. Das Volk schützt seinen Wohltäter, der erst aufmerksam wird, als er hört, dass Tamare ihn und die anderen verraten hat. Er fühlt, dass Tamare auch Carlotta verschleppt hat und führt die Häscher in die Grotten, wo die Wüstlinge rasch überwältigt werden. Während man Carlotta ohnmächtig auf einem Ruhebett liegen sieht, eröffnet Tamare dem Herzog, dem Podestà und Alviano, dass Carlotta ihn liebt und sich ihm hingegeben hat. Alviano, fast ohnmächtig vor Zorn, ersticht den Lüstling. Carlotta, vom Todesschrei des Grafen erwacht, stösst Alviano, den sie für ein Schreckgespenst hält, von sich und verlangt nach Tamare, um ruhig sterben zu können. Alviano verfällt dem Wahnsinn. Er taumelt durch die Menge, die ihm scheu Platz macht.


ATTO PRIMO
Alviano Salvago, gentiluomo di terribile bruttezza, possiede un’isola lussureggiante, che per suo desiderio è stata curata e ingentilita tanto da sembrare un paradiso artificiale. Su quest’isola egli però non ha mai osato metter piede, perché la sua bruttezza vi stonerebbe con un contrasto troppo doloroso. Alcuni nobili genovesi gli rivelano di aver approfittato della sua isola per darsi a orge clandestine. Alviano freme, e li ammonisce ad astenersi almeno dal profanare la magica grotta sotterranea; ormai, comunque, è deciso a donare ai concittadini l’isola di cui il suo fisico sgraziato gli impedisce di godere. Arriva Carlotta, la bellissima figlia del podestà; il giovane Tamare se ne innamora follemente a prima vista, ma la fanciulla non se ne cura e chiede ad Alviano di recarsi da lei a posare per un quadro che sta dipingendo.

ATTO SECONDO
Tamare confida all’amico Adorno la sua disperazione per il comportamento sdegnoso di Carlotta, e afferma di essere risoluto a strappare il suo ricordo dal proprio cuore; non prima, però, di averla ridotta a propria concubina per farle scontare l’umiliazione inflittagli. Nel suo atelier Carlotta cerca di catturare in Alviano lo sguardo intenso che che aveva sorpreso sul suo volto una mattina, mentre l’uomo contemplava l’alba; per ritrovare quell’espressione Carlotta cerca di avvalersi del suo fascino femminile e finisce per confessare ad Alviano di amarlo. Per portare a termine il suo disegno, gli ordina in ogni caso di rimanere immobile; il casto abbraccio dei due viene interrotto dall’annuncio dell’arrivo di Adorno, venuto a perorare la causa di Tamare.

ATTO TERZO
Carlotta, ammaliata dalla bellezza che vede fiorire intorno a sé, si riaccosta pentita a Tamare e lo segue nella grotta. Accortosi della sua assenza prolungata, Alviano la fa cercare e la ritrova ormai morente nella grotta. Qui Tamare lo deride per non aver saputo godere di lei e gli rivela che Carlotta gli si è data spontaneamente; convinto invece che Carlotta sia stata una vittima della furia bestiale del giovane Alviano lo uccide, ma resta pietrificato nell’udire la donna invocare appassionatamente, con l’ultimo respiro, il nome amato di Tamare.

Personen:
HERZOG ANTONIOTTO ADORNO (Hoher Bass)
GRAF ANDRAE VITELOZZO TAMARE (Bariton)
LODOVICO NARDI, Podestà der Stadt Genua (Bass)
CARLOTTA NARDI, seine Tochter (Sopran)
ALVIANO SALVAGO, ein genuesischer Edelmann (Tenor)
GUIDOBALD USODIMARE, genuesischer Edle (Tenor)
MENALDO NEGRONI, genuesischer Edle (Tenor)
MICHELOTTO CIBÒ, genuesischer Edle (Bariton)
GONSALVO FIESCHI, genuesischer Edle (Bariton)
JULIAN PINELLI, genuesischer Edle (Bass)
PAOLO CALVI, genuesischer Edle (Bass)
Der CAPITANEO DI GIUSTIZIA (Bass)
GINEVRA SCOTTI (Sopran)
MARTUCCIA, Haushälterin bei Salvago (Alt)
PIETRO, ein Bravo (Tenor)
Ein JÜNGLING (Tenor)
Ein MÄDCHEN (Sopran)
ERSTER SENATOR (Tenor)
ZWEITER SENATOR (Bariton)
DRITTER SENATOR (Bass)

Senatoren, Bürger, Edle, acht Vermummte, Dienerinnen, Diener, Soldaten, Frauen, Mädchen, Kinder, Faune, Najaden, Bacchanten.

Ort: Die Stadt Genua.
Im 3. Aufzug ein Eiland in der Nähe Genuas.
Zeit: 16. Jahrhundert



ERSTER AKT
Ein hoher Saal im Palaste des Alviano Salvago. Vormittag.

ERSTE SZENE
Alviano Salvago, Guidobald Usodimare, Menaldo Negroni, Michelotto Cibo, Gonsalvo Fieschi, Julian Pinelli, Paolo Calvi.

ALVIANO
hässlicher Mann von ungefähr 30 Jahren, bucklig, grosse leuchtende Augen, hastig.
Lasst! - Genug - - !
Ich will nichts mehr hören!
Es widert mich an -
entsetzt mich - !
Und doch - ich - der's ersonnen,
ausgebrütet in Nächten -
in Nächten - ah! -
Ihr ahnt nicht!
Euch ist's ein Spiel -
würzend - was sonst
das Leben
Euch willig bietet.
Doch mir - ! Ein Durstender!
Einer, nah dem Verschmachten -
gehöhnt, gehetzt, geschunden
von Qualen die - ah - !
kurz, scharf
Teufel, was gab die Natur -
mir - mit diefer Fratze
und diesem Höcker,
solch ein Fühlen, solch eine Gier -

MENALDO
geflüstert
Ich bitte dich - still!
Der Ordnung Hüter sind auf -
und voll Ehrgeiz.
Hinter den Türen lauern -
bestochen - die Diener;
in den Gärten bergen sich
Schergen - -

GONSALVO
Du übertreibst, mein Freund.
Es sind allzutiefe Skrupel
fürwahr nicht am Platze -

MENALDO
Dass wir mit Bauerndirnen
und Mägden, Krämertöchtern
und Freudenmädchen uns nicht
begnügen, dass wir die Feinsten
und Schönsten erwählen
ist ein Zeichen für unsern Geschmack.

PAOLO
Wie nur war die Losung,
die Du uns gabst
vor wenigen Wochen?
"Die Schönheit sei Beute des Starken!
Alle Pracht der Erde
erliege der Macht
des Geistes, und des
Bezwingenden Glorie
strahle heller und dringe
tiefer, sehrender in die
Seelen, als jener Glanz,
der das Auge nur blendet!"

ALLE
durcheinander
Sehr wahr! So sprachst Du.
Und seither - ? Was Du schufst,
meidest Du! Fliehst uns selbst!
Kein's jener heimlichen Feste
noch grüsste Dich!

GONSALVO
Weil ein paar Väter
die Hände ringen -

MENALDO
- und ein paar Mütter
herzbrechend schluchzen!

GUIDOBALD
Glaub nur nicht, dass
die Schönen selber -

GONSALVO
dass sie uns zürnen - !

MICHELOTTO
Gestern - Alissa - die
kleine Jüdin - hei -
was die für Augen machte!
Und die reizende Tochter
des Biparello -

JULIAN
- des Dichters, wahrlich -
sie war entzückend!

ALLE
durcheinander, ekstatisch
Ihrer Liebsten
alltagbeschwerten Armen
entreissen wir sie!
Dem Gatten, unerfahren
in Liebeskünsten,
weint keine Träne
die "Unverstand'ne"!
Aus engen Zimmern
in weite mystische Räume - -
düftegeschwängert von
Fackeln durchloht!
Alle Märchen werden lebendig!
Alle Träume verschwiegener
Nächte - Morgenlandsträume
von Schauern geboren,
gehn in Erfüllung!
Was sich keine gesteht,
und jede ersehnt - jählings
ward's zur Wirklichkeit!

ALVIANO
gepresst, ein wenig spöttisch und mit herbem Ausdruck
Ganz recht - ganz recht!
Es ist überzeugend.
Jedoch in einem Punkt -
verzeiht - stimmt mir's
nicht ganz. - Ihr sprecht stets
von Euch nur. Von Euch - die
ihr wohlgestalt seid, und
mit Anmut begabt, - und
vergesst mich, - den Krüppel.
Käm der zu den Festen,
so wie Ihr begehrt -
er vergällte sie Euch -
und statt der Lust
zög das Grausen ein!

PAOLO
Du überschätzt, mein Freund -
so will mir scheinen -
gewaltig der Frauen Schönheitsempfinden.

ALVIANO
verhalten
Es gab - Frühlingsnächte.
Bei offenen Fenstern
tanzt es herein - alle
schwülen Zauber - Blumen-
geruch, schwer und betäubend.
Und ich musste fort, geschüttelt
von Fiebern - hinaus in
einsame Gassen. Und suchte
ein Dirnchen, so recht ein verkomm'nes -
sprach es an - bot ihr Gold -
viel Gold und fühlte mich doch
dem Bettler gleich, der
Almosen heischt - - -.
Im Schein der Laterne
mustert sie meine arme
Gestalt, mit einem Blick -
- einem Lächeln so
schmachvoll, dass mir das
Blut in den Adern gerann.
Da - wirkte das Gold!
Auf geschminkten Lippen
spiegelt sein Gleissen,
all meines Elends
furchtbare Not; unflät'ge
Worte verhiessen Gewähr - -
doch mir fehlte die Kraft,
mich selbst zu bespei'n und
zu entweih'n die Lenznacht.
- - - - -

EIN DIENER
meldend
Gnäd'ger Herr - der Notar -

MENALDO, JULIAN, GONSALVO
bestürzt
Mensch - Alviano -
Du bist im Stande -
Was soll der Notar - ?

ALVIANO
traurig lächelnd
Seid unbesorgt!
zum Diener
Ich lasse ihn bitten,
sich kurze Zeit zu gedulden -!

ALLE
Alviano bestürmend
Was soll's - was hast Du vor?

ALVIANO
ruhig
Ich vergass - es Euch
zu vertrau'n:
zuerst stockendenTones
Mein Eiland "Elysium",
mit all' seinen Bauten,
Wasserspielen und
prangenden Gärten,
mit all' seinen unerhörten
Wundern der Kunst
und selt'nen Schätzen
freigeb'ger Natur -
zum Geschenk vermacht
für ew'ge Zeiten -
hab' ich's der Stadt.
Verblüffung.

PAOLO
ausbrechend
Du bist von Sinnen!

GUIDOBALD
Weisst nicht, was Du tust!

MENALDO
Das Werk Deines Lebens!

MICHELOTTO
Dein halbes Vermögen
wandtest Du dran,
es sorglos verschwendend -

ALVIANO
Morgen Abend, nach Einbruch
der Dämm'rung, im Beisein
des hohen Senates und des Podestà,
mit grossem Gepräng
geb' ich's preis allem Volk.
Ihr Herren, Ihr seid geladen.

PAOLO
Ja, aber Mensch - vergisst Du
denn ganz -

ALVIANO
Hab' alles bedacht.

MENALDO
Du lieferst uns aus.

JULIAN
eindringlich
Der Zugang zum unterirdischen Saal -

ALVIANO
mit Bedeutung
Scheut Ihr der Entdeckung Gefahr -
so meidet ihn künftig;
doch jetzt - verzeiht - ! Die Herr'n
vom Rat erwart' ich und mit
dem Notar obliegt mir noch
festzusetzen der Schenkung
Wortlaut und Paragraphe.
Ab.


ZWEITE SZENE

GUIDOBALD
Es gilt zu handeln.

MICHELOTTO
Wo nur Vitelozzo bleibt?

PAOLO
Dieser Narr Alviano!

GONSALVO
All' uns're Pläne -
herrlich und kühn ersonnen -

JULIAN
Meine süsse Ginevra - !
Krank bin ich vor Sehnsucht.
Und dieser Bube Pietro
zögert - weiss die Madonna,
welch schurkische Gründe ihn -

MENALDO
Ein gefährlicher Kerl!
Doch gut zu brauchen,
geschickt und verschlagen.

PAOLO
Mein Argwohn steht fest:
Mit frecher Hand streift
der Bandit von so mancher
Blüte, eh' wir sie brechen -

MICHELOTTO
Verflucht, Du meinst -

PAOLO
Ich weiss, was ich sage.
Stimmen draussen vernehmbar.

JULIAN
Ist das nicht - Tamare?

ALLE
Halloh! Vitelozzol


DRITTE SZENE
Vitelozzo Tamare hastig hereinstürmend.

TAMARE
Ich bin verspätet.

GUIDOBALD
Wir merkens!

GONSALVO
Und ausser Atem!

TAMARE
überschwänglich
Ihr Freunde -

ALLE
Was gibt's?

TAMARE.
Ich bin fassungslos -

MENALDO
Sancta Maria, was ist gescheh'n?

TAMARE
Ergriffen -

JULIAN
O Gott!

MENALDO
Unsel'ger!

TAMARE
Von soviel Schönheit -

GUIDOBALD
Ach!

PAOLO
Dacht ich's doch!

TAMARE
Ein Weib!

PAOLO
Natürlich!

TAMARE
begeistert
Nein - -

GUIDOBALD
Eine Göttin!

MICHELOTTO
Ein Engel!

JULIAN
Eine Blume!

MENALDO
Wir kennen das!

GONSALVP
Ich bitte Dich schweig!

TAMARE
empört, Geste
- - - - - - -

MENALDO
Wir kennen die ganze
Epistel.

GUIDOBALD
's gibt Wicht'geres.

TAMARE
wütend
Wer sagt das? Was
wisst denn Ihr -

PAOLO
So sprich mit Pietro!

TAMARE
ernst
Nennt nicht den Schurken!
Ihr besudelt der
Göttlichen Namen.

MICHELOTTO
Wie heisst sie?

TAMARE
Ja, wenn ich's wüsst!
Doch - wüsst ich's, ich
würde mich hüten, ihn
Euch zu verraten,
Ihr - Mädchenräuber!

ALLE
verblüfft durcheinander
Was - ? Du hast's nötig!
Ganz ausgezeichnet!

PAOLO
Wo sahst Du die Schöne?

TAMARE
Am Municipium
ritt ich vorbei - ; da
fuhren eben, zu irgend
'ner Gasterei oder
Festivität, der Stadt
Väter in goldnen Karossen

MENALDO
zu den anderen
Ob da nicht - was meint Ihr -

TAMARE
In einer derselben -
so hört doch! -

GONSALVO
- ein Zusammenhang -

DIENER
meldend
Der hohe Rat - und
der vieledle Herr Podestà!

TAMARE
verblüfft
Teufel noch mal - !

JULIAN
lachend
Das heiss' ich Glück!


VIERTE SZENE
Von der einen Seite der Podestà und Senatoren, sowie die Frau des Podestà und Carlotta, von der andern Seite Alviano Salvago und der Notar.

ALVIANO
Meinen Gruss, Signori,
und Dank, dass mein schlichtes
Haus gewürdigt ward,
des Besuch's so illustrer Gäste,

PODESTÀ
sehr herzlich
Euer schlichtes Haus!
O edler Signor Salvago,
Ihr seid zu bescheiden.
Die Pracht der Räume,
die wir durchschritten,
hat wahrlich nicht ihres-
gleichen in Genua.

ALVIANO
Euer Lob beglückt mich -
doch wollt gestatten:
vorstellend
Hier
meine Freunde - Blüte
Genuas Ritterschaft -
von ihren Stirnen lest
Ihr die Namen erlauchter
Geschlechter -

PODESTÀ
sich verneigend, dann
Und hier mein Weib
und mein Kind,
meine vielliebe Tochter
Carlotta
vertraulich
Ich fürchte, Signor,
allzufreien Sinn's mögt
Ihr sie finden; sie achtet -
sehr mir zuleide - gering
der Gesellschaft Normen.
Bewund'rung Eurer
Hochherzigkeit und
schmunzelnd
eine
ganz besondere Bitte,
die sie an Euch -

ALVIANO
nicht ohne Verlegenheit
Ich heisse die Damen
willkommen und
wär's mir vergönnt,
zu erfüllen der
Signorina Verlangen -
ich priese mich glücklich!

PODESTÀ
Doch nun, so's Euch genehm,
wollen wir
auf die Senatoren weisend
delegieret
vom hohen Senate, Euch
überbringen Dank
und freud'ges Erstaunen
der hohen Versammlung.
Euer Schreiben von gestern
kündet uns eine Schenkung,
so gross und bedeutend,
so unerwartet und selten
in diese Zeiten.
Schwer nur wahrt sich
der Bürger die kärgliche Habe;
unter den Händen zerrinnt
ihm das Gold, mühselig
erworben und immer noch
mehren sich drückend die
Steuern und Lasten.
Wir haben's getragen,
geduldig zumeist und
nur selten murrend;
blieb uns als Hort doch
unsrer Familie Heiligkeit
und der Glaube an die Madonna.
Doch da bricht's ein wie
der Wolf in die Herde,
raubt uns die Frauen,
stiehlt frech uns die Töchter
und machtlos - hilflos -
sich besinnend
doch verzeiht, o Herr,
wenn das volle Herz, bedrängt
von der Schmach dieser letzten Wochen,
das Freud'ge so rasch vergisst
und des Unglücks wieder
gewahr wird. Euch unsre Sorgen
zu klagen, ist wahrlich nicht
unsrer Sendung Zweck.
Den ersten Lichtstrahl nach
bangen Tagen -
ihn danken wir Euch!
Des Eilands glückkündenden
Namen, wir nehmen ihn
als ein gutes Omen.
erhobenen Tones
So mög' denn - gestützt
durch die Kraft, die Recht
verleiht und die Macht
des Besitzes -

ERSTER SENATOR
Signor Podestà, es gäb
zu bedenken vielleicht, und
es waren Stimmen -

ZWEITER SENATOR
ein wenig zögernd
Der Form zu g'nügen
und den Vertragen müssten
wir wohl - des Herzogs
Adorno Genehm'gung -

PODESTÀ
Ah - bei der Madonna -
bald hätt' ich's vergessen!
Alviano beiseite ziehend, gedämpft
Edler Signor Alviano -

MICHELOTTO
zu den Edlen
Die Geschichte hat -
so scheint's -
noch 'nen Haken.

Die Edlen bilden in eifrig flüsternden Gespräch eine abseits stehende Gruppe.

TAMARE
bei Carlotta
Erinnert Ihr Euch, Signorina,
an einen Reiter, heut' früh -
dess' Rappe scheute beim
Anblick der gold'nen Karossen -

PODESTÀ
bei Alviano, halblaut

Der Herzog Antonio Adorno -
- - - das Recht des Einspruchs -
- - - abhängig sind wir - -

ALVIANO
ebenso, jedoch zerstreut
Was könnt' er dagegen - -

TAMARE
bei Carlotta
Der Reiter aber sah
in zwei blitzende Augen;
vergass darob, verwirrt und
geblendet, zu zügeln das Ross -

CARLOTTA
lachend
- und hätt' beinah' mit
unfreiwill'gem Fussfall gehuldigt
der Schönen - das wart also Ihr?

PODESTÀ
Ein tapf'rer Herr, doch ängstlich
bedacht auf Beliebtheit beim Volk,
nicht grade böse, doch eifersüchtig
und eitel in hohem Masse,
selbst gern fetiert, sieht er's nur ungern -

CARLOTTA
Ich habe mich sehr amüsiert.

TAMARE
Ihr seid grausam.
Und wenn nun - vom
Pferde gestürzt -
gebrochen Arm oder Bein -

CARLOTTA
Ist's Euch ein Blick meiner
Augen nicht wert?

TAMARE
heiss
Das Leben gäb' ich gern
für Euch hin - doch -

CARLOTTA
Und wenn's grade das wär',
was ich wollt'? Ihr seid so
gross, so mächtig und stark -
so hoch über mir. - Ich muss
mich strecken - seht - Euch
nur in die,
spöttisch
ach, so sieges-
gewissen Augen zu blicken - !
Mit veränderter Stimme, wie ein bittendes verzogenes Kind.
Und säh' Euch gern klein und
niedrig und arm, tief unter
mir, meinen Füssen erreichbar -

TAMARE
finster
Die Toten sind arm.

CARLOTTA
Aber tot und stumrn.
Und ich liebe die Seele, die
ringt und sich quält, sich
opfert und leidet um Minnelohn.
Seid Ihr 'mal gestorben,
was nützt Euch dann -
meine Liebe?

TAMARE
rauh, hervorgestossen, in höchstem Unbehagen.
Ihr seid des Teufels, Jungfrau!
Die Antwort -
ich will sie bedenken
mit Bedeutung
und
geb sie Euch morgen.
Will ab.

GUIDOBALD
Halt, Vitelozzo, was eilst du?

Sie umringen Tamare im Hintergrunde der Bühne und sprechen auf ihn ein.

MENALDO, JULIAN, GONSALVO, MICHELOTTO, PAOLO
durcheinander
So hör' doch! Wir sind in Gefahr. Er liefert uns aus - diesen lumpigen Bürgern!
Der Eingang zum
unterirdischen Saal!
Wir müssen's hindern - - !

TAMARE
man hält ihn
Bei der Madonna, so lasst mich -
reisst sich los

GUIDOBALD
eindringlich
Sprich mit Adorno -

TAMARE
sehr aufgeregt
Tut was Ihr wollt -
lasst mich aus dem Spiel!

MENALDO
Aber Du - ein Wort!

TAMARE
zornig
Ich weiss nichts, ich will nichts - -
ich bin verliebt - ich liebe -
hört Ihr? Die Pest in Euch!
Ab.

PODESTÀ
mit Alviano nach vorne kommend
So bleibt es dabei! Ihr
verzieht einen Tag noch.
Der Senat erbittet
vorher die Genehm'gung
des Herzogs - - -
Lakaien öffnen die Flügeltür im Hintergrunde, ein zweiter Saal mit einer festlich angerichteten Tafel wird sichtbar.
und heut abend seid Ihr
mein lieber Gast -

ALVIANO
Wie Ihr nun der meine.
Ich bitte die edlen Gäste,
meine Einladung nicht
zu verschmäh'n, ein
einfaches Mahl!
gehaucht
Signorina - Euren Arm!

Er reicht Carlotta ein wenig befangen seinen Arm. Der Podestà bietet den Arm seiner Frau. Die Anderen folgen. Die Lakaien schliessen wieder die Tür.


FÜNFTE SZENE
Martuccia. Pietro.

PIETRO
in heftigem Streit begriffen, beschwichtigend
Holde Martuccia!

MARTUCCIA
mit einer Schürze, sehr echauffiert, alte Jungfer
Du Lump! Gauner! Verbrecher! Lass mich!

PIETRO
erschrocken
Ich bitt' Dich, schweig still!
Ich mag nicht erkannt sein.
Dein Gebieter, der kleine
Krüppel, den bösen Blick
fürcht' ich an ihm wie die Pest -

MARTUCCIA
Du Ungeheuer! Betrüger!
Du Dieb! Wenn Du nicht hältst
Dein gottloses Maul
und den Herrn beschimpfst,
geh' ich Dir zu Leibe,
Du Elender, Du! Du Ehrvergessner!
Die ganze Nacht hab' ich geharrt,
den roten Shawl liess ich weh'n
im Wind vergeblich bis früh
weicher
und einen Schinken
hab ich bereitet -

PIETRO
gerührt
Einen Schinken - o Gott - !
Doch wenn Du erst hörst,
was mir widerfahren

MARTUCCIA
wieder wütend, scharf akzentuiert
Und jetzt - wo das
Haus voller Gäst', ich alle
Händ' voll zu tun - kommt er
daher, der - -

PIETRO
entsetzt
Das Haus voller Gäst?
Wer ist da?

MARTUCCIA
Zittere, Bube - der hohe Senat!

PIETRO
erleichtert
Der Senat! Doch die Ritter?

MARTUCCIA
Sind da!

PIETRO
entgeistert
Sind da!

MARTUCCIA
Und ich schwatz' mit dem Kerl -
statt -

PIETRO
Ich muss fort.

MARTUCCIA
Aha!

PIETRO
dringend
Doch hör', Martuccia -
hör', ich beschwör' Dich:
nahe bei ihr
Ich bin in Bedrängnis.
In dieser Stadt ist
ein anständ'ger Mensch
seines Lebens nicht sicher.
Man interessiert sich für mich, -
allzu sehr, wie mir scheint -
und zu alldem verfolgt
mich seit Tagen - ein Weib -

MARTUCCIA
Was?

PIETRO
Jawohl, eine Dame - eine
wirft sich in die Brust
vornehme Dame - ;
das heisst - nicht mich -
sondern den - für den sie
- mich hält - und sie glaubt,
ich sei - der Ritter Menaldo.

MARTUCCIA
starr, ihn musternd
Nein - diese Frechheit - !

PIETRO
Da hast Du recht, eine
freche Person -

MARTUCCIA
wütend
Nein! Du! Du! Du Schuft -
nachäffend
"Der Ritter Menaldo !"
sie lacht grimmig

PIETRO
Sie hat sich's nun in den
Kopf gesetzt, mich, das
heisst - den Ritter Menaldo,
zu verklagen bei Herzog
Adorno - und geht nicht
von mir und Iässt mich
nicht aus - und sperr' ich
sie ein in meinen Palazzo
da drauss' vor den Toren -
wie leicht könnt's gescheh'n - -
die Polizei - neu'stens auf
Mädchenräuber erpicht -
hält mich für einen - hält
mich für einen - und
knüpft mich auf!

MARTUCCIA
sehr erschrocken
Oh - !

PIETRO
Das kannst Du nicht wollen.
Du - die Du mich liebst!
Nimm' sie auf bei Dir! -

MARTUCCIA
Was - ? wen? -

PIETRO
Sie ist hier!

MARTUCCIA
perplex
Wer - wo?

PIETRO
Das Frauenzimmer - die
Dame - bewahr' sie dem
Ritter - Menaldo - ich fliehe!
Doch - heute Nacht - geheim
und verstohlen - ich schwör'
es - bin ich bei Dir -

Rasch ab, jedoch bei einer andern Tür, als er gekommen.

MARTUCCIA
ratlos
Heute Nacht -
jammernd
Ah - ah - ah - der Verbrecher!
Was fang ich nur an!
Oh - oh - !
ab

Draussen vermischt sich ihre Stimme mit einer zweiten Frauenstimme, die zuerst aufgeregt auf sie einredet; man hört den Namen "Adorno". Die Stimmen besänftigen sich dann, werden schwächer und verlieren sich.


SECHSTE SZENE

CARLOTTA
sich das Lachen verbeissend, aus dem Saal
Ihr seid köstlich, Signor
Alviano - nein wirklich -

ALVIANO
ihr folgend
So ist Euch schon besser?

CARLOTTA
lacht, ihr Lachen klingt unnatürlich, übertrieben

ALVIANO
Ich erschrak -, Ihr grifft
Euch plötzlich ans Herz
und wurdet ganz blass - .

CARLOTTA
schwer atmend
Ach - Kindskopf -
mir ist wohl wie
dem Fisch im Wasser,
Doch sagt' Euch mein Vater
nicht von einer Bitte?

ALVIANO
Ja, - freilich.

CARLOTTA
So rasch vergesst Ihr
solch' wichtige Sachen?

ALVIANO
verlegen
Nein - doch -

CARLOTTA
Nun seht - vor den vielen
Leuten - es wär' nicht
gegangen! Und da all'
mein Blinzeln, verstohlenes
Winken, mein Fragen, ob
Ihr nicht hättet in Eurem Besitz
ein Bild, eine selt'ne
Skulptur, mir zu zeigen -
nichts half, verfiel ich darauf -

ALVIANO
befremdet, errötend
Ah - wahrlich! Für einen
Tölpel müsst Ihr mich halten,
lebensunkundig, einfältig
und albern. - Doch selten nur
blüht mir Umgang mit schönen
Frauen - so kommt's - dass -
begreift Ihr - ?

CARLOTTA
Ich begreife - doch hört nun!
Ich male. Ja, wahrhaftig, - blickt nicht
so erstaunt - ich male Bilder.
Tiere und Menschen,
Bäume und Seen -
den Himmel, das Licht -
doch am liebsten
male ich -
still
Seelen.

ALVIANO
Und könnt Ihr das -
ich meine - gelingt's Euch -
Seelen zu malen?

CARLOTTA
Weiss nicht, ob ich's kann -
und wenn's nicht gelingt -
liegt's, so dünkt mich, nicht
immer an mir; man
findet so schwer - die Modelle,
Nur einmal - da schien
es geglückt; das Bild erstand,
so wundersam fein -
nur ein hässlicher Schatten,
zwischen Kinn und Mund -
sehet - da - und wie ich auch
sann und mich bastelnd mühte -
er kam immer wieder.
Schon glaubt' ich ihn fort und für
immer gebannt - da -
unversehens - tückisch schleicht's
aus den Pinseln und setzt sich fest!
Das Bild gab ich auf; hab' dann
lang nichts versucht mehr - -
doch
faszinierend
Euch - Euch möcht' ich
gern - malen.

ALVIANO
wie von einer Tarantel gestochen
Mich - ? Alle Teufel -
seid Ihr von Sinnen?
giftig
Ganz recht! - So musst's
kommen. Glaubt' ich doch
schon - Ihr nähmet mich ernst, -
wär't anders, als wie die Andern -
die Schlangen, mit sanften Gesichtern,
lockenden Augen und Herzen
wie Teufel - doch eben -
erkannt ich's - derselbe Blick

CARLOTTA
sehr erschreckt
Urn Gotteswillen -
besinnt Euch - !

ALVIANO
scharf, schneidend
Vielleicht als Narr
in einem Gemälde, unter
schönen Herren und Frauen,
wirksam als Kontrast -
mit 'ner Kappe und Schellen -
der Buckel passte nicht schlecht -
zum Gespött der Leute -
verewigt für alle Zeiten!

CARLOTTA
stark
Jetzt schweigt! Vergesst
nicht, dass mit einer Dame
Ihr sprecht. Ihr tut mir -
unrecht - hört mich zu Ende!

ALVIANO
setzt sich mit verbissenem Lachen in eine Ecke.

CARLOTTA
Dort, wo die Stadt weit wird,
und der Blick sich auftut
auf die Campagna - hab' ich
als Werkstatt ein kleines
Häuschen. In zeit'ger Frühe,
wenn einsam und leer
noch die Gassen und Plätze,
das bIass-fahle Licht des frühen
Morgens matt und milde
die Leinwand umspielt,
dünkt's mich zur Arbeit die
rechte Zeit. An meinem
Häuschen vorbei führt ein
Weg, gesäumt von hohen Zypressen -
den kennt Ihr wohl -
Ihr schrittet ihn oft.
Scheu und gebückt
in Gedanken versunken -
plötzlich misstrauisch musternd
die Fenster, deren Gardinen
die Späherin bargen -
doch Ihr saht sie nicht.
Da stieg auf, purpurn glühend -
Schleier in tausend Farben,
schillernd, leuchtende Nebel,
gespenstischen Herolden
gleich, zogen, ihr Nahen
kündend, voran - - die Sonne.
Und ein zweites Wunder
geschah - : Ich sah - wie der
kleine, armsel'ge Wand'rer
sein Haupt hob. Jeder Muskel
spannte sich straff in dem
schmächtigen Körper - die
Arme stiegen an, hoch
zum Himmel gebreitet.
So schritt er hinein in den
Glast, der Sonne entgegen;
und grösser und grösser
sah ich ihn werden -
riesenhaft wuchs die Gestalt, -
mir klopfte das Herz - .
So malte ich Euch, Signor
Alviano. So malte ich Eure
Gestalt, entgegenschreitend
der Sonne. Doch mir fehlt noch
das Antlitz, und - mir fehlt
noch das trunkene Auge,
darin all die Schönheit sich
spiegelt.

ALVIANO
zitternd
- - - Ich bin beschämt -
ich weiss nicht - - verzeiht mir -
mir war noch nie so - zu Mut -
im Leben - - !

CARLOTTA
zart
Wollt Ihr kommen - in meine
Werkstatt - dass ich - das Bild -
vollende - - ?

ALVIANO
sich über ihre Hand beugend, leise
Ich will - gern kommen.

Der Vorhang fällt langsam.

ZWEITER AKT
Halle im Palast Adorno

ERSTE SZENE
Der Podestà und die drei Senatoren kommen erregt und aufgebracht aus dem Gemache des Herzogs.

PODESTÀ
Er spielt mit uns,
Wie die Katz' mit der Maus -

ERSTER SENATOR
Allzu mächtig ist er geworden,
der hohe Herr!

ZWEITER SENATOR
Sein letzter Sieg über
Branciforte stieg ihm zu Kopf.

DRITTER SENATOR
Verwöhnt hat ihn das Volk.

PODESTÀ
Immerhin - es schuldet
ihm Dank.

ERSTER SENATOR
wegwerfend
Es bezahlt ihn.

ZWEITER SENATOR
Ein adliger Söldner -
nichts weiter.

DRITTER SENATOR
Wie steht die Sache?

PODESTÀ
Er sprach sich nicht aus;
nicht für und wider.
"Einerseits - sei es erfreulich
für Genuas Volk,
anderseits müsst es der
Adel bedauern,
wenn ein wertvoll Stück
Grund und Boden
verloren ihm ginge.
Sein - des Herzogs - Herz
spräche fürs Volk -
entschiede zu seinen
Gunsten; Billigkeit aber
und Rücksicht auf seine
Freunde geböten ihm
Vorsicht - er müsse es
"noch bedenken und
sich beraten" - und
ähnliche Phrasen.

ERSTER SENATOR
bitter
Er neidet uns herzlich
die Schenkung.

ZWEITER SENATOR
Die ganze Geschichte
ist ihm zuwider.

ERSTER SENATOR
Der Mann des Tages
ist Alviano Salvago!

DRITTER SENATOR
Die ganze Stadt
preist seinen Namen.

ZWEITER SENATOR
Volkstümlich ward er
mit einem Mal.

ERSTER und DRITTER SENATOR
nickend
Das ist's - !

PODESTÀ
nickt ebenfalls
Das ist's - !

ZWEITER SENATOR
Als gestern abend
Euch zu besuchen,
Salvagos Karosse fuhr
durch die Strassen -
ward er erkannt -

DRITTER SENATOR
Man jubelt' ihm zu -

ERSTER SENATOR
Warf ihm Blumen!

PODESTÀ
Es ist ihm zu gönnen.

ZWEITER SENATOR
Ein Mann voll Güte
und stiller Grösse!

ERSTER SENATOR
Übel behandelt vom Schicksal!

PODESTÀ
Meine Tochter Carlotta,
nicht leicht zu erobern,
oft sprach sie von ihm -
sein Wesen ahnend -
nun hat er im Sturm
sie gewonnen.

DRITTER SENATOR
scharf
Der Herzog Adorno
möge sich hüten!

ERSTER SENATOR
Volksgunst ist schwankend
und leicht zu gefährden.

ZWEITER SENATOR
Sein Einspruch könnt'
Böses zur Folge haben!

DRITTER SENATOR
Ein Veto in diesem Fall
hiesse Raub!

ERSTER SENATOR
Man wird es nicht dulden - .

ZWEITER SENATOR
im Abgehen begriffen
Er möge sich hüten, der
Herzog Adorno!

Alle ab.


ZWEITE SZENE

ADORNO
der schon während des letzten mit Tamare aufgetreten ist und die drohenden Phrasen gehört hat.
Hast du's gehört?
Dies ist die Stimmung.

TAMARE
Macht Euch bange das Pack?

ADORNO
aufmerksam
Du sprachst gestern anders?

TAMARE
grimmig
Ja - gestern
unwirsch
erinnert mich nicht!

ADORNO
mit sanftem Vorwurf
Sprichst Du so mit dem Freund?

TAMARE
Verzeiht! Doch it's nicht genug,
dass ich selbst mich verachte?
Soll Euer Spott mir die Wunde
ätzen, und meiner Freunde
Gelächter zur Tollheit mich treiben?

ADORNO
Was ist Dir, Tamare?
Ich erkenn' Dich nicht wieder.
Meines Hofes glänzendster
Kavalier, wie kein Zweiter
geehrt, geliebt, von den Frauen
vergöttert, stets gelaunt
zu den tollsten Streichen -

TAMARE
Es gibt Menschen, Herzog,
die sehen nur Licht - und
das Dunkel ist ihnen fremd.
Solch einer war ich. Das Leben
schien mir ein Born der Freude,
aus dem ich trank mit durstigen
Zügen; sorglos, ohn' Besinnen.
Reckt ich die Hand aus,
hielt ich die Rose, sog
ihren Duft und
zerwühlte die Blüte.
Liess ich mich fallen,
fiel ich auf Moos;
mich mieden die Dornen
und spitzen Steine.
Klagte ein Freund mir
von Leid und Schmerzen -
hört ich ihn wohl - doch
verstand ihn nicht.
Und nun hab' ich mit einem Mal
erfahren alle Qual der
Hölle, Demüt'gung und Schmach.

ADORNO
ungeduldig
Erkläre Dich deutlich - !
Du weisst ich bin mächtig.

TAMARE
Da hilfst Du
mir nicht, und wärst Du
Kaiser und Papst zugleich.
Doch urteile selbst:
Herrlich und schön,
wie der Tag - doch - unebenbürtig mir,
ein bürgerlich Kind.

ADORNO
Nun ja - und was weiter?

TAMARE
Als ich zum ersten Male
sie sprach, da hab' ich sie, glaub'
ich, nicht recht verstanden.
Sie heischte ein Opfer
als Pfand meiner Liebe -
doch was sie begehrte -
ungereimt Zeug, Wahnsinn -
geboren vom Augenblick -
müht ich mich zu ergründen,
auszudeuten nach Regeln
höfischer Sitte. Nach einer Nacht,
durchwacht in Kämpfen,
glaubt' ich's gefunden.
Und schwang mich auf's Pferd,
frei und stolz wie ein Gott,
von edlen Gefühlen die
Brust geschwellt.
Und ritt durch die Stadt;
versunken in Träumen
formt ich die Werbung, und sah
mehr und mehr in Selbstironie verfallend
die Schöne beglückt erröten,
fassungslos und gerührt
ob der hohen Ehr': Ein
Graf Andrae Vitelozzo
Tamare beut Herz und Hand -

ADORNO
Du bist wahrlich verrückt!

TAMARE
Gedulde Dich, Herzog!
Als ich hintrat vor sie,
wie das erste Mal schon -
befiel mich Zagen.
Ihr seltsamer Blick,
ihr kühl staunend Lächeln
verwirrten mich.
Doch, um zu bergen
mein kleinmütig Herz,
gab ich mich stolz,
hochfahrend und rauh,
sprach von dem Opfer,
das ich ihr brächte,
ärger als Selbstverstümmlung
und Tod. - Und da ich mir
glücklich ihr "Nein" geholt,
verlor ich vollends den
letzten Rest von Besinnung:
Warf mich hin, ihr zu Füssen,
von all meinen Gütern und
reichen Schätzen stammelt
ich wild wirre Worte.
Ihre Knie umfangend
fleht ich sie an um
Verzeihung und Gnade! -

ADORNO
Tamare, so fass Dich - hörst Du -
Vitelozzo? - Wer ist - diese Frau?

TAMARE
Des Podestà - Tochter - Carlotta.

ADORNO
sehr erstaunt
Ah - - !
nachdenklich
Ein grosser Maler
nannte mir einmal
ihren Namen als den
einer selt'nen Begabung.
Ich möchte Dich warnen
aus manchem Grunde,
wüsst ich nicht, wie
vergeblich solch Tun
und wie verhasst der
Warner dem, der
da unglücklich liebt.
Drum will ich lieber
Dir helfen, statt raten.

TAMARE
ungläubig
Ah - wenn Du könntest -

ADORNO
Ich werbe für Dich.

TAMARE
Du kennst diese Frau nicht.

ADORNO
Doch kenn' ich - die Frauen.
Drum hoff' ich für Dich;
doch - versprich mir eins:
Ist die Botschaft schlecht,
und kehr ich zurück
mit leeren Händen,
so wüte nicht gegen
Dich und mich -
sei stark, verzweifle
nicht, wirf's hinter Dich -
und vergiss diese Frau!

TAMARE
grimmig
Höre, Herzog - ich will
sie vergessen - ich will -
langsam
sie vergessen. - -
mit höchstem Nachdrucke
Doch erst
bis sie - mein ward.
Bis ihres Mundes Odem
ich in mich getrunken;
bis diese Hände getränkt sind
vom Duft ihres Haares,
bis diese Frau, will sie
mein Weib nicht sein,
- meine Dirne ward!

ADORNO
rasch abwehrend
Das gäb' böses Blut!
Wir sind gebunden
an Recht und Gesetz
wie alle, die andern;
vergiss das nicht.
Die Bürgerschaft ist
unruhig und
arg verstimmt, und
meine Leute sind
draussen im Feld.
Des Podestà Tochter - !
Bedenke!

TAMARE
Doch wenn man nicht
ahnt, wer der Täter,
wenn keine Spur
ihn verrät -

ADORNO
Das entdeckt sich bald.

TAMARE
Ei, Herzog, wie kommt's
dann, dass
seit Wochen Genuas
schönste Mädchen
spurlos verschwinden?
Erst gestern wieder -

ADORNO
auffahrend
Was - gestern - ?
Es ward mir noch
nichts gemeldet -

TAMARE
Eh' ich heraufkam
zu Dir, sprach sich's
bereits herum in
der Stadt. Des reichen
Scotti Tochter Ginevra -
ist plötzlich verschwunden
und seltsam ist nur,
dass wir selbst nicht
wissen - wohin.

ADORNO
argwöhnisch, Tamare von der Seite musternd
Was heisst das?
Seid Ihr denn sonst
so genau unterrichtet?
losbrechend
Ah, meine Ahnung!
Dacht ich's doch, dass
bei diesen Freveln
Eure ruchlose Sippe
die Hand im Spiel hat!

TAMARE
Du bringst mich zum Ziel.
Meine Freunde sandten
mich her, Dich zu bitten:
Du mögest hindern, dass
Alvianos Eiland "Elysium",
übergeh' in der Stadt Besitz.

ADORNO
Alle Teufel, was hat Salvago,
was hat das Eiland zu tun
mit Euren verruchten Streichen?

TAMARE
verhalten.
Herrliche unterirdische
Räume, eigens geschaffen
zu Liebesfesten, erschliesst
eine künstliche Grotte,
auf jenem Eiland.
Betrittst Du die Grotte,
umglitzert dein Auge
ein blauer Schein.
Schwere Düfte verwirren
die Sinne Dir, Irrlichtern
gleich locken rötlich
zuckende Flammen,
ferne Musik und
leise Gesänge Dich
tiefer und tiefer.
Über einen Abgrund hin
führt ein schmaler Steig
zum Eingang der Höhle;
dichte Rosengehege
verschleiern ihn Deinen
Blicken - doch entdeckt
man der Grotte Geheimnis -
verhalten
so sind wir verloren.

ADORNO
frei
Und weiss - Salvago
von Eurem Treiben?

TAMARE
Salvago - ha, ha! -
Ein Spiel der Natur,
wenn Du willst,
eine seltsame Laune.
Genuas hässlichster
Mann - ist der Schöpfer des Abenteuers,
dieses verwirklichten
Schönheitsgedankens.

ADORNO
starr
Und er selbst -

TAMARE
Er selbst - hält sich fern.
Hat wohl schon bereut -
doch begreife ich's nicht.
ekstatisch
Der Schein der Fackeln
vergoldet alles.
Im Taumel der Orgie
wird hässlich schön
und das Schöne wird
hässlich. Die Gegensätze
schwinden im Rausch.

ADORNO
scharf
Und dieser Narr Salvago -
nachdem er gezüchtet
auf seinem Grunde
Sumpfblüten des Lasters,
Giftkraut der Sünde -
gibt er ihn preis, und
sich selbst, und Euch?

TAMARE
begütigend
Er hat uns gewarnt,
doch hat nicht bedacht,
wie schwer einzudämmen
Leidenschaft, einmal
entfesselt.

ADORNO
ausser sich
Das ist mein Fluch:
Eure Masslosigkeit,
Eure wilde Brunst
drängt mich zu Taten,
die ich verdamme!
ruhig im Ausdruck
Ich will retten, was
noch zu retten ist.
Was Dir ich versprach,
will ich halten, weil
Deine Liebe Dich trennt
von dem Kreis der
Verbrecher, und weil
wir Freunde seit
jungen Tagen.
Doch hüte Dich
Vitelozza, Du bist gewarnt -
vor Gewalt.
spöttisch
Salvago mag seinem
Schenkungsdrange
Einhalt gebieten für
lange Zeit;
höhnisch drohend
er wird sich
fügen - der Volksbeglücker,
sonst wehe ihm und
wehe Euch allen!
Rasch ab in seine Gemächer.

TAMARE
macht eine Bewegung als wolle er ihn zurückhalten, geht aber dann mit einer sorglosen Geste nach hinten ab.

Zwischenvorhang

VERWANDLUNG
Carlottas Atelier.

Alviano in ungezwungener Stellung.
Carlotta in eifriger Arbeit begriffen, wirft von Zeit zu Zeit einen Blick auf sein Antlitz und spricht während des Malens in leichtem Tone, hie und da, durch ihre Arbeit zu sehr gefesselt, in der Rede stockend.


CARLOTTA
Uns're Zeit ist voll seltsamer Dinge. - -
Ich kannt' eine Frau,
sie lernte malen
gleich mir an Antwerpens
Schule - die malte Hände.
Feine, schlanke, mit
zartem blauen Geäder,
grobe, derbknochige
Männerfäuste, die
alles im leichten Plauderton, jeden dramatischen Ausdruck vermeidend
beringte Hand eines
Weibes, üppig und
weich, mit Nägeln,
spitz und rosig, blinkend
wie Tropfen blassen Blutes.
Eine Hand sah ich da,
die krallte sich fest
in blühendes Fleisch
und eine and're, die
pflückte mit sanften
Fingern, aus grünem
Gebüsch sich reckend, ein Reis.
Aus nebligen Wänden
griffen Hände in's Nichts,
abwehrend, winkend,
flehend und drohend;
aus Fluten tauchten sie
auf wie in Kampf
und Verzweiflung,
und zwei Hände, eng
ineinander verflochten,
die waren gemalt
wie ein wogendes Meer.
Doch das Seltsame war
ein Bild: Eine Hand
bleich und wächsern,
wie die eines Toten,
mit unheimlich langen
dürren Fingern,
hielt ein Etwas umkrampft,
was man nicht sah.
Nur ein schwach purpurn
Leuchten sickerte
durch die gespenstischen
Finger, doch dieser
Schein war wie stumme
Klage, wie unterdrücktes
wimmerndes Weinen
und wie ein Schrei, verhalten
und todesbang, wie ein
verhaltener Schrei nach Erlösung.
- Wollt Ihr, Signor,
nicht ein wenig heben
den Kopf. - So, ich
dank' Euch - ist's besser. -

ALVIANO
Doch des Bildes Bedeutung?

CARLOTTA
Die Ärmste hat wohl
nie empfunden,
was den Künstler
begeistert zu grossen
Taten: Der Liebe Glück,
oder Sehnsucht nach solchem.
Sie hatte wohl gar ein
geheimes Bangen, es könnte
auf ihren Lebenswegen
ihr einmal begegnen
ein mächtig Geschehen;
irgend ein sinnbetörender
Zauber, dem sie erliege.

ALVIANO
leise, halb für sich
Wie seltsam - Angst
vor Glück?

CARLOTTA
Die treibende Kraft
dieses armen Lebens
war Gier nach Ruhm;
und die Quelle, aus der
es schöpfte war Leid -
nicht seelisch - ein
körperlich Leiden.

ALVIANO
Eure Hand Signorina,
ist nicht so ruhig, wie
Eure Stimme, wollt
Ihr mit dem Malen -

CARLOTTA
hastig
Nein, nein! Ihr irrt Euch!
Meine Hand ist ganz ruhig
und die Geschichte ist gleich -
zu Ende. Meine Freundin
krankte seit früher Jugend
am Herzen. Das wollt'
allzuoft gar zu stürmisch
schlagen; und manchmal
war ihr, als griff' eine Hand,
eine harte, unbarmherzige
Hand, nach dem zuckenden
Ding und krampft es
zusammen, furchtbar
und wehe, auf dass es
- - zur Ruh' käm!
Sie hat diese Hand, diese
grausame Hand, und hat -
ihre Schmerzen gemalt.

ALVIANO
Und ob Ihr auch leugnet -
Ihr seid bewegt -
so ging es Euch nahe - ?

CARLOTTA
Sie war mir lieb -

ALVIANO
So ist sie gestorben? -

CARLOTTA
- - - Ich glaube - sie lebt noch.
plötzlich, wie sich losreissend, ganz veränderten Tones
Doch Signor, Euch
zu malen ist wahrlich
kein Kinderspiel.
Wie ein Verliebter
sucht seines Idols
Blick, so hasch' ich nach
Eurem. Doch der weicht
mir aus und flackert
umher, unstet und
irrlichternd.

ALVIANO
ausweichend
Vielleicht - bin ich müde.

CARLOTTA
So setzt Euch zu mir -
kommt, lasst uns rasten;
und seid nicht so schweigsam
und scheu, Cavalière!
Wie war't ihr doch gestern
Abend aufgeräumt
und voll Laune! Wollt'
Ihr Wein?
Sie bringt Wein in einer Karaffe und Gläser.
Seht - höchst-
eigenhändig kredenz' ich
Euch roten Falerner.
Und nun trinkt und
setzt Euch - ganz nah -
und erzählt mir - aus
Eurer Jugend - oder
warum Ihr heut' so trübe
und schlecht gelaunt -
oder auch - warum Euer
Blick - so ängstlich den
meinen flieht -! Was
hab' ich verbrochen - seid
Ihr mir böse?

ALVIANO
gepresst
Signorina Carlotta -
wenn das nur Spiel
ist, was Ihr da treibt,
Lust am Tändeln -
oder - noch Schlimm'res -
so seid Ihr trotz Eures
süssen Gesichts und
Eurer Stimme, die
klingt wie Botschaft
vom Himmel
hervorgestossen
eine Teuf'lin!

CARLOTTA
Um Gott - beschwört nur
nicht gleich - die "Acht",
dass sie mich peinlich
verhör' und als Hexe
verbrenne! Wie seid
Ihr doch noch verbittert
und unfroh! Und ich
müh' mich um Euch - doch
Ihr dankt es mir schlecht.

ALVIANO
Ah - ich kann's nicht fassen!

CARLOTTA
Warum soll g'rade ich,
die ich gut zu Euch bin,
so verderbt und schlecht
sein, wie Ihr mich schildert?

ALVIANO
warm
Ich bitt' Euch um alles
zürnt mir nur nicht!
Habt nur ein wenig
Geduld noch mit mir!
Ich begreif' es nicht -
es ist wie ein Traum
und ich fürcht' -

CARLOTTA
unwillig
Ah, fürchtet doch nicht!
Ihr seid ein Mann und
so ganz ohne Glauben
an Euer Selbst. lst's
so undenkbar, dass eine
Frau sich in warmer Neigung,
in Freundschaft Euch fände?

ALVIANO
auffahrend
Ha, ha - die alte Geschichte!
Doch so, wie Ihr blickt,
mit Augen, deren Leuchten
allein schon Verheissung - !
Und wenn Euer Mund
lächelt, ist mir - als
gäb's auf Erden nichts,
was da "Freundschaft"
heisst - als wär' dies
Wort, dies elende Trostwort
ein Unding, Lüge und Schmach!

CARLOTTA
Und wenn's mehr wäre -
ich sage nicht, dass es ist -
Sollte auf dieser weiten
Welt, unter Millionen
pochender Herzen nicht
eins sich finden, das
Euch entgegenstrebte - in Liebe?

ALVIANO
Mir - mir - der sich
selbst hasst, der sich
flieht, der aus den
Räumen, die er bewohnt
die Spiegel verbannt!

CARLOTTA
Narr, der Ihr seid!
Und der wie kaum ein
Zweiter sich klammert
an das, was so rasch
entflieht, wie ein Maientag:
Das bisschen Schönheit,
das uns Frauen verlässt,
wenn die erste Furche
sich meldet im Antlitz!
Kaum sind wir des Frühlings
bewusst, schon werden Früchte
aus Blüten, die Blätter
welken und fallen ab.
Und das wär' - das Einz'ge?
An sonnigen Tagen -
gingt Ihr nie aus,
bedrückt und traurig,
ohn' dass Ihr wusstet
warum? Und der
herrlichste Mensch,
der blühendste Baum,
entriss Euch nicht
Eurer Bangigkeit.
Und ein andermal
wieder, an Regentagen,
machte Euch nie warm
und froh, ja glücklich,
ein einsam alt' Männlein
verrunzelt und hässlich,
das des Weg's zog und
Euch ansah mit einfält'gen
Augen?

ALVIANO
bebend
Doch wenn ihr an einem
prangenden Tage,
in einem Beete voll
schönster Blumen,
fändet irgend ein
scheussliches Untier,
das Euch die Laune
vergällte - -?

CARLOTTA
belustigt
Euch wird's nicht gelingen,
trotzdem Ihr ein Unhold seid,
Signor; spitzfindig und scheusslich
in Eurem Drange, wollüstig
zu wühlen im eigenen Schmerze.
Doch merke ich eins:
Ihr weicht mir aus
wie früher mit Blicken,
so nun in Worten.
Doch entgeht Ihr mir nicht.
In die Enge treib' ich Euch
jetzt - und weist ihr mich
ab - so habt den Triumph!
Denn ich muss es Euch sagen -

ALVIANO
furchtbar beunruhigt
Carlotta -
bedenkt doch! -

CARLOTTA
Ihr sollt es wissen - -
dass ich Euch - liebe.

ALVIANO
fast schreiend
Carlotta!

CARLOTTA
Um Gott, Signor, was
macht ihr - für Augen!
Da habt meine Hände -
und küsst sie - rasch - - - !
Doch lasst mich - zur Arbeit!
Ich brauch' Eure Augen
zu meinem Bilde -
so sind sie mir - recht -
ergreift, ihn fortwährend scharf im Auge behaltend, sein Antlitz gleichsam studierend, die Pinsel

ALVIANO
Carlotta - Geliebte!

CARLOTTA
ganz in ihre Arbeit versunken, ihn mit ihren Worten gleichsam hypnotisierend, leise
Ich bitt' Euch - sprecht nicht -
und blickt mich nur an -
so ganz voll - und senkt -
Euren Blick - tief in den
meinen;
sehr innig und warm
und denkt an
viel Schönes - dass ich -
Eure Sonne bin, - die
alles Dunkle - aus Eurem
Leben - verscheucht - mit
strahlendem Lichte.

ALVIANO
in höchster Erregung
Um Gotteswillen - Carlotta -
ich muss - zu Deinen Füssen -
ich bin so unsagbar - so -
wahnsinnig glücklich -
will auf sie zustürzen

CARLOTTA
beinahe ängstlich abwehrend
Ich bitte Dich - bleib' noch - !
Und sieh' mich nur an und denk'
dran - dass Du nun nicht mehr -
einsam sein wirst - und
ungeliebt - trotz Deiner -
Hässlichkeit - sieh' wie ruhig -
ich's sage - das Wort, das
Dich quälte - so lange - ;
nun ist's vorbei -
denn ein Wort ist's -
und ein Begriff - nichts
weiter. Doch Du - musst -
gut zu mir sein - Alviano -
schwer, krankhaft schwer atmend
und zart mein Liebster!
Denn ich bin - ein gar -
gebrechliches Spielzeug -

ALVIANO
Carlotta!

Sie hält ihn mit flehender Gebärde zurück und fesselt ihn so an seinen Platz, malt in sichtlich sich steigender Erregung, nahezu fieberhaft an dem Bilde weiter. Er verharrt, ihre Gestalt mit glühenden Blicken verschlingend, schwer atmend, wie eine übermächtige Bewegung gewaltsam bekämpfend.

CARLOTTA
hoch aufatmend - die Pinsel fortwerfend, mit einem prüfenden Blick auf das Bild. Dann plötzlich wankt sie - greift sich ans Herz - droht umzusinken.
So - nun ist's fertig! Doch
nun komm' - und stütz' mich,
ich bin erschöpft -
sie taumelt
doch Du musst - - -

ALVIANO
fängt, zu ihr eilend, sie in seinen Armen auf
Bei allen Heil'gen -
Geliebte - was ist Dir?

Sie hält sich, um nicht umzusinken, an eine Staffelei an, die, mit einem Tuch verhängt, im Hintergrunde steht. Das Tuch löst sich an einer Seite los. Man sieht ein Bild; eine Art Totenhand, aus der ein roter Schein schwach hervorleuchtet.

ALVIANO
erblickt das Bild, fährt zusammen, begreift, verrät sich nicht, stützt sie, streichelt sie wie ein krankes Kind; feierlich und voll Mitleid.
Du Süsse, Du Arme -
Du Schönste - ! Du gabst
mir das Leben, den
Glauben wieder an Gott
und die Menschheit.
Ich will alles, was ich
habe - Dir weih'n -
ich will mich selbst
breiten unter Deine
Füsse, ich will - unendlich
gut - und will
erstickt
zart - zu Dir sein - - -

Er hält die Bewusstlose in seinen Armen; bemüht, sie wieder zum Leben zu erwecken. Sie regt sich, schmiegt sich hingebungsvoll in seine Arme. Er wird von heftiger, verzweifelter Leidenschaft erfasst. Küsst wild ihre Hände, reisst sie an sich - beugt sich über ihr Antlitz, über ihre sich ihm bietenden, verlangenden Lippen - - und bezwingt sich, küsst nur zart ihre Stirn, sinkt ihr zu Füssen und vergräbt in tiefer Bewegung sein Haupt in ihren Schoss. Sie zieht ihn sanft zu sich empor. Die Beiden verharren in einer seltsam zagen, keuschen Umschlingung.

EINE DIENERIN
aufgeregt hereinstürzend
O Herrin! Der Herzog Adorno!

CARLOTTA
sich langsam in Alvianos Armen aufrichtend, schwach
Der Herzog - was kann
er nur wollen?
Ich lasse bitten - - - er
möge warten!

Sie erhebt sich mit müder Bewegung, tritt vor einen Spiegel, richtet ihr Haar.

Der Vorhang fällt rasch.


DRITTER AKT

Das Eiland "Elysium". Die Bühne macht den Eindruck eines paradiesischen Gartens. Ganz im Hintergrunde, vom Zuschauer links, verschwommen, die Konturen der Stadt Genua und der in Abendbeleuchtung erglänzende Meeresspiegel. Vom Zuschauer rechts steigt die Bühne sanft an; an einer Stelle, mehr dem Hintergrunde zu, soll sie, in felsiges Gestein übergehend, jäh in die Höhe streben. Eine Art Felsweg führt zu einem Steig, hinter diesem schimmern die satten Farben einer dichten Rosenhecke. Die Mitte der Bühne ist bis weit nach rückwärts Rasen, üppig wuchern hohe Farne und Blumen in oft grellen Farben. Aus dichtem Gebüsch blinken kleine Kioske von phantastischen Formen und Marmorgruppen, die zumeist erotische Szenen der griechischen Sage darstellen. Fontainen, die mit Einbruch der Nacht zu Leuchtbrunnen werden, werfen hohe Garben. Hie und da lugt aus dem Gebüsch, als hätte sich der tote Marmor belebt, die Gestalt eines Fauns. Gruppen von Najaden schweben durch den Plan, ein Zug Bacchanten eilt mit schrillem Getön vorüber. Schon zeigen sich die ersten Besucher. Stumm staunend schreiten sie zwischen den Wundern. Da ertönt von fern, aus der Stadt herüber das Angelusläuten. Der heidnische Spuk verschwindet solange es währt, die Bürger knien nieder und entblössen das Haupt. Mittlerweile ist es finster geworden. Von der fernen Stadt leuchtet ein dunkelroter, dunstiger Lichtstreifen herüber. Die Meeresfläche ist wie von tausenden kleinen Lichtern besät - die kleinen Schiffe der näherkommenden Besucher des Festes. Die Fontainen beginnen zu leuchten. Da und dort im Gebüsch flackern, Glühkäfern gleich, Funken auf. Eine Blumendolde wirft grünes Licht über eine Steingruppe, ein brünstig verschlungenes Paar darstellend. Kühner wird das heidnische Gelichter und ein Elfenkind überschüttet einen ehrsamen Bürger der genuesischen Stadt mit einem Blütenregen.

Blasender Faun auf der Szene. Angelockt kommen andere Faunsgestalten näher, gruppieren sich um den die Syrinx blasenden Faun. - Ein Zug Najaden schwebt vorüber, die Faune verfolgen ihn. - Musik aus der Stadt; der Faun lauscht. - Es zeigen sich die ersten Bürger, Volk aus der Stadt. - Der Zug Najaden flieht, gejagt von den Faunen, in entgegengesetzter Richtung neuerlich vorüber. Erschrecktes Staunen des zaghaft in kleinen Gruppen ankommenden Volkes. - Ein Faun erhascht eine Nymphe. Szene zwischen beiden: Werbung - Abwehr - heftiges Drängen - endliches Gewähren. - Steigerung des Spiels bis zu wilder Leidenschaft (ein Zug Baccganten tollt im Hintergrunde der Bühne mit schrillem Getön vorüber) - und seligem Ermatten. - Rückkehr der Faune und Najaden in einzelnen Paaren. Liebesspiel, Lagerung im Wiesenplan und den seitlichen Gebüschen. Wieder bläst der Faun. Abendstimmung. - Glockenläuten aus der Stadt (Angelus) sehr entfernt, kaum vernehmbar. Die Bürger knien nieder, entblössen das Haupt. Die heidnischen Gestalten ziehen sich zurück, solange das Glockenläuten währt - und kehren wieder. Diskretes
Spiel mit dem Volke, das sich, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, abwehrend verhält, sich wiederholt bekreuzigt. Dieses Spiel dauert in unaufdringlicher Weise an, bis etwa zum Eintritt
der zweiten Szene. Dann darf die Aufmerksamkeit durch nichts mehr abgelenkt werden. Nur hie und da lugt eine Najade oder ein Faun neugierig aus einem Gebüsch oder hinter einer Säule hervor. Hin und wieder geht lustwandelnd im Hintergrunde Volk über die Bühne.


ERSTE SZENE

ERSTER BÜRGER
Bei den Gebeinen
des heil'gen Andreas -

ZWEITER BÜRGER
mit gefalteten Händen
Da heisst's ganz
ehrfürchtig sein.

ERSTER BÜRGER
Wenn die lockern
Geister nicht wären,
möcht' ich sagen:
's ist's Paradies.

EIN KLEINER BUB
Wer weiss, Vater,
ob das nicht Engel sind?

VATER
Ho, Engel! Dummer Bub!
Die Mutter stösst ihn, da besinnt er sich.
Natürlich sind's Engel.

MUTTER
Was meinst Du, Alter -
beim Angelusläuten -
war Dir nicht auch -
so 'n bisschen bang?
Die gehörnten Kerle - -

DRITTER BÜRGER
wichtig
Seht, Frau - das
versteht Ihr nicht:
Das ist - "Kunst"!
Unter dem sel'gen
Dogen Francesco
Sforza - Gott geb'
ihm Ruh 's war
ein strenger Herr -
da hab' ich mal
mitgeholfen bei
so 'nem Bilde -

ERSTER BÜRGER
leise
Er hat die Gerüste
gestellt für die Maler -
ein Tischler ist's.

ZWEITER BÜRGER
Ha - ha - ha!

DRITTER BÜRGER
argwöhnisch
Was sagt Ihr da?

MUTTER
Erzählt nur weiter -

DRITTER BÜRGER
beruhigt
Na, also. - Wie ich da
'rein kam und alles
sah, da dacht' ich wieder
an das Gemälde -
's gibt im Palast
dort deren viele -
doch dies hier
er deutet auf die Umgebung
wahrlich, ist noch
viel schöner.

MUTTER
Weil alles lebt - -

ZWEITER BÜRGER
Und duftet - -

ERSTER BÜRGER
Und das viele Licht! - -

Anmerkung für den Regisseur:
Es muss auf der Bühne hell sein, wie am Tag.


DRITTER BÜRGER
Und am Himmel die Sterne!

Sie gehen weiter.


ZWEITE SZENE

EIN JÜNGLING
ärmlich gekleidet mit seinem Freunde auftretend
Mir ist elend zu Mut.
Einem Orte wie dieser,
sollt' man nur nah'n in
prächt'gen Gewändern,
festlich gestimmt -

SEIN FREUND
- und mit sattem Magen.

DER JÜNGLING
Ach, das verschlüg' nichts - -

Gehen weiter.


DRITTE SZENE

MARTUCCIA
auf eine Gruppe zu
Ich bitt' Euch, Leute,
habt Ihr nicht geseh'n,
meinen Herrn Alviano? -

ERSTER
Euern Herrn Alviano?

ZWEITER
Freilich sah'n wir ihn!

DRITTER
Gleich links vom
Eingang, dort
bei der Säule -
seht dort - stand
er vor einer Weil'
mit vielen andern -
's dürften wohl
Künstler gewesen sein.

Die Gruppe entfernt sich langsam.

MARTUCCIA
Ach Gott, ach Gott -
jetzt such' ich ihn schon
eine Stunde lang -
will verzweifelt fort.


VIERTE SZENE

EIN FAUN (Pietro)
leise
He, Martuccia!

MARTUCCIA
sehr erschrocken
Was ist das für 'n Ding?
War mir doch grade -

PIETRO
Ich bin 's - Pietro -

MARTUCCIA
Ah, meine Ahnung!
Er hat ihn geholt,
der Böse! Drum stand
heute Nacht plötzlich
still die Uhr und im
Zimmer des Herrn
tat's einen Krach -

PIETRO
So schweig doch, Närrin!
Siehst Du denn nicht, dass ich lebe?

MARTUCCIA
erbost
Was? Du lebst?
O, Du Schurke!

PIETRO
verdriesslich
Schon recht!
Doch sag' rasch:
sieht sich vorsichtig um
Was macht - meine
Schöne?

MARTUCCIA
ausbrechend, verzweifelt
Das ist's ja!
Das ist's ja!
O heiliger Josef!
Sie ist mir entwischt -

PIETRO
Verfluchte Kröte!

MARTUCCIA
Was Du uns da
eingebrockt hast -
Du Satan!

PIETRO
Sagt ich Dir nicht,
Du sollst sie dem
Ritter Menaldo -

MARTUCCIA
jammernd
Mein armer Herr
Alviano - !
giftig
Und ich weiss,
wer sie war - :
Ginevra Scotti - sie
sagt es mir selbst -
und die Stadt ist
voll von dem Raub.
Du hast sie entführt,
und nun wird man
glauben, mein Herr
und ich - kaum war
sie fort, so waren
schon da die Schergen -
die Häscher der "Acht"
und suchten den Herrn.
Ach - fänd' ich ihn nur -
ich unglücklich' Weib -
ich gesteh' ihm alles,
ich will ihn warnen -
und dich lass' ich
rädern, Du Schuft!

PIETRO
pfeift leise zwischen den Zähnen
Geduld - alte Hexe!

Eine Schar Faune stürzen sich auf Martuccia, knebeln sie, ehe sie einen Schrei auszustossen vermag und schleppen sie rasch fort ins Gebüsch. Pietro ab.


FÜNFTE SZENE

ALVIANO
mit dem Podestà von seitwärts auftretend
War mir doch - als
hört' ich Martuccias Stimme!
lächelnd
Ich höre seit gestern
überall Stimmen.
In den Lüften Singen
und Raunen im Busch -
vorhin Carlottas
silbernes Lachen,
doch war das wohl
Täuschung. Ach, Herr,
wie bin ich seit jenem
Tage, da ihr zum
ersten Male mein
Haus betratet,
verwandelt und glücklich!
Wie ist Eure Tochter,
warm
so bald nun mein Weib,
doch unsagbar herrlich,
so milde und schön,
so voll tiefer Güte.
Doch ihr seid schweigsam,
was ist Euch, Podestà?

PODESTÀ
ein wenig ausweichend
Ich bin verwirrt -
und geblendet.
Was Ihr mir eben
zeigtet - - es ist
so unfassbar, dass
eines einzelnen
Menschen Gehirn
auszusinnen vermochte
dies Reich des Zaubers!

AKVIANO
Es halfen mir Viele.
Die Künstler wirkten -
ich gab nur - die Sehnsuchtl

PODESTÀ
Doch gabt ihr - so fürcht' ich,
o Herr - zu viel, Ihr -
und die Künstler. All
die hungrigen Seelen,
die durstigen Augen,
die in Verzückung sich
weiden werden an
dieser Orgie von Farben,
Düften, Tönen und
holden Gestalten - bedrückt
und verloren sieht sie
der Alltag wieder, dem
Ihr sie entfremdet.
Ihr zeigt uns den Himmel,
so nah und berückend,
dass wir unfroh werden
der Erde und ihrer Macht,
die uns hält und den
Aufstieg uns wehrt,
in die sel'ge Region
ew'ger Freude. -
Trotzdem ich sie hasse
und ihre Tücke heute noch
fürchte - fühl' ich mich eins
mit den adligen Neidern,
wenn ich mich frage:
Wird Eure Grossmut
Segen bringen uns
allen - oder Verderbnis?

ALVIANO
So fragt' ich mich auch -
und Zweifel bedrängten
mich hart. Doch ich war
mir bewusst einer Schuld,
eines frevlen Gedankens,
der Früchte zeitigte, die ich
verdammte und deren
Gift an der Seele mir frass.
Diele Schuld zu löhnen, hab'
ich das Liebste, das - damals
noch - meinem Herzen lebte,
das einzige Glück meiner
freudlosen Tage geopfert,
ohn' dass ich's bereu',
denn unverdient hoher Lohn ist
mir geworden. Dies
nehm' ich als Omen. Und
trotzend dem Warner
Adorno, der mir sagen
liess, er würd' Einspruch
erheben heut' Abend, vor
allem Volk und ihn be-
gründen, vertrau' ich dem
güt'gen Geschick und dem
Lenker da droben,
der endlich auch mir
gab von seiner Gnade.

PODESTÀ
tritt auf ihn zu, legt ihm beide Hände auf die Schultern und sieht ihm gütig ernst in die Augen.
Ich will nicht fragen,
welcher Art Eu'r Vergeh'n,
doch sicher scheint's mir

ALVIANO
Ihr werdet 's erfahren -
später einmal und mich -
ich weiss es - entsühnen.
Von einem der seitwärts einmündenden Wege kommend tauchen, für die beiden im Abgehen Begriffenen unsichtbar, Carlotta und Adorno auf. Wie Carlotta Alviano erblickt, prallt sie zurück ud bemüht sich, nicht bemerkt zu werden.
Doch wo bleibt Carlotta - ?

PODESTÀ
Kommt, wir wollen sie suchen.

Beide ab, dem Hintergrund zu.


SECHSTE SZENE

ADORNO
Hörtet Ihr nicht? Man
sucht Euch, Donna Carlotta;
und Ihr - verbergt Euch,
flieht zurück in den Schatten,
so flieht Ihr - Euren Verlobten?

CARLOTTA
Ach, denkt nicht schlecht
von mir, Herzog;
weiss ich doch selbst nicht,
was mit mir ist. -
Als ich euch gestern
mein "Nein" gab,
für Graf Vitelozzo,
fühlt' ich mich stolz
und sicher und gross
und beglückt - -
und doch - seit ich
das Bild vollendet,
das Euch so sehr gefiel,
das Bild Alvianos -
ist mir, als wär'
da innen etwas
erschlafft, als wär'
meine Liebe nicht
mehr dieselbe.
Nicht ärmer -
versteht mich -
doch - als hätt' er mir
nun sein Alles - sein Höchstes
gegeben und ich nichts
mehr, gar nichts mehr
zu erwarten. Und dann -
doch ich weiss nicht,
ob einer Frau
zwiespältig Fühlen
Eure Teilnahme weckt
und nicht etwa Spott
in Euch wachruft.
Herzog?

ADORNO
Ich bitt' Euch, vertraut mir,
wie seid Ihr doch echt und wahr
Signorina!


SIEBENTE SZENE

Im Hintergrund treten auf Gonsalvo. Guidobald, Michelotto: das Paar erblickend, bleiben sie jäh stehen und flüstern, heftig
gestikulierend, miteinander. Das Gespräch des Herzogs mit Carlotta links seitwärts (oder rechts) zuerst unhörbar, dann erregter werdend.


GONSALVO
Blickt dort hinüber!

GUIDOBALD
Der Herzog - und
des Podestà Tochter!

MICHELOTTO
Ein unsich'rer Herr!

GUIDOBALD
Mir schwant nichts Gutes!

CARLOTTA
Ich betrat dies Eiland
voll heimlicher Angst!

GONSALVO
Seid auf Eurer Hut!

MICHELOTTO
Und lockert, Ihr Herren,
in der Scheide die Degen!

GUIDOBALD
Vitelozzo lässt sich nicht blicken -

GONSALVO
Kein gutes Zeichen!

MICHELOTTO
Kommst Du?

GONSALVO
Ich komme - .

MICHELOTTO
Und Du - ?

GUIDOBALD
Wir alle!

Gehen nach verschiedenen Seiten ab.


ACHTE SZENE

CARLOTTA
Als hätt' ich Wein getrunken,
schwer und vermischt mit
behexenden Kräutern,
oder jenen seltsamen Trank
aus Herzblut einer
liebtollen Jungfrau
gebraut - ! Es ist der Schönheit
furchtbarer Zauber, gebunden
sonst, halb verborgen den Sinnen -
und nun entfesselt, preisgegeben
dem Tage und lüsternen Blicken.
Wie eines herrlichen Weibes Glieder,
schamvoll verhüllt in den Jahren der Sehnsucht,
plötzlich in Nacktheit sich räkelnd, tausend
Reize entfaltend, vor des liebenden
Jünglings glücktrunk'nem Auge!


NEUNTE SZENE
MenaIdo mit einer verschleierten Dame und Graf Julian.

JULIAN
Ihr habt Euch getröstet,
Ritter Menaldo -
ich seh's mit Vergnügen.

Carlotta mit Adorno promenieren im Gespräch weiter und kehren erst gegen Ende dieser Szene wieder.

MENALDO
So wisst Ihr denn,
wo Ginevra ist?

JULIAN
Wüsst' ich's, würd' ich
nicht einsam wandeln
in diesen Gärten
verzückter Begierden.

MENALDO
spöttisch
Doch wie nun, wenn
diese verschleierte Schöne
an meinem Arm wäre
Eure Ersehnte?

JULIAN
Dass sie's nicht ist,
dafür bürgt mir
Ginevra's Liebe - .
erhobenen Tones
Und wenn sie's wäre .
jäh
stäch' ich Euch nieder.

Adorno und Carlotta werden hier wieder sichtbar und kommen nach vorne.

MENALDO
macht eine Bewegung zum Degen und einen Schritt zurück, besinnt sich
Zu schön zum Kampfe
ist diese Nacht, sonst
büsstet Ihr, Graf,
Euer freches Wort.

JULIAN
Wir sehn uns wieder,
Ritter Menaldo!

Julian, Menaldo mit der Dame ab.


ZEHNTE SZENE

CARLOTTA
Dazu das lockende Lied,
das Ihr sangt, von des
schönen Knaben Tamare
unglücklicher Liebe,
und seinem wilden Verlangen,
nicht scheuend Gewalt und das
Opfer des Lebens für einen
Kuss meiner roten Lippen.
O Herzog, der Ihr das Leben
kennt und die Frauen, Ihr
habt gesündigt an Alviano,
doch mehr noch er an sich selbst;
denn nun - wie ich ihn sah -
da, an dieser Stelle, mit meinem
Vater, in all' dieser Pracht, die er
geschaffen mit seines Geistes
lodernder Kraft; wie ich ihn sah,
den Ärmsten, der selbst zerrissen
die gütigen Schleier, in die Mitleid
uns hüllt und die seltsame Macht,
die die Sinne bändigt, da fiel mir
ein ein Wort, das der Unsel'ge
sprach in seiner einz'gen glücklichen
Stunde: "Doch wenn Ihr an einem
prangenden Tage,
in einem Beete voll
schönster Blumen, fändet
irgend ein scheussliches Untier - "

ADORNO
Um Gott, Jungfrau -

CARLOTTA
Lasst mich, Herzog!

ADORNO
Beruhigt Euch doch -
die einzige glückliche
Stunde - Ihr sagtet es selbst -
er verdankt sie Euch;
dies mag Euch trösten.

CARLOTTA
Ihr sollt mich nicht trösten!
Ich will keine Gnade.
Marter und Hass sind
was ich verdiene -
Verzweiflung und Tod!

ADORNO
stark
So hört ein Letztes:
mit Nachdruck
Er war nicht würdig
und wert Eurer Liebe.
Er ist nicht der Edle,
für den Ihr ihn hält.
Von bösen Gelüsten
ist er besessen und
heut' noch ereilt ihn -

CARLOTTA
exaltiert
Ich will nichts hören.
Ihr wollt' ihn verleumden;
doch er ist gut und
gross und erhaben
und ich bin elend,
verworfen und schlecht.
Ich hasse mich und
die Welt und Euch.
mit furchtbar lüsternem Ausdruck
Nur die Nacht, diese Nacht
lieb' ich und ihre Schatten -

ADORNO
So gnade Euch Gott -
doch kommt, ich führ' Euch
zu Eurem Vater!

CARLOTTA
hastig
Geht, geht! - Doch lasst mich!

Sie geht wiegenden Ganges in das seltsam glitzernde Dunkel einer rechts vom Zuschauer liegenden Waldanlage.
Adorno langsam ab.



ELFTE SZENE

CARLOTTA
Ah, welche Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
In ihr schwärzliches Licht
will ich tief mich verkriechen,
eintauchen tief in ihr
leuchtendes Dunkel!
Mit Sternen tanz' ich
den Sommernachtsreigen,
doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch.

GESANG
zuerst leise, dann immer stärker, in, langgezogenen schwingenden Akkorden, von allen Seiten des Eilands zusammenströmend. Es ist als pflanze sich das Echo des Liedes Carlottas fort und finde immer stärkeren Widerhall. Ein wirrer furchterregender Chor, der sich bis zu orgiastischen Ausbrüchen steigert im Laufe seiner Wiederholungen.
"Ah, welche Nacht - !
Welch eine glühende Sommernacht!
Mit Sternen tanz' ich
den Sommernachtsreigen,
doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch."


ZWÖLFTE SZENE

DIE MUTTER
von früher
Ach gehn wir, Alter,
arg wird das Gedränge!

VATER
Wo hast Du das Kind?

MUTTER
Es riss sich von mir -

VATER
O, Du Unglücksweib!

MUTTER
Einem Falter jagte es nach
einem silbernen Falter -

VATER
sie fortziehend
Komm, Frau, so komm doch!


DREIZEHNTE SZENE
Senatoren treten auf.

ERSTER SENATOR
Wir habens versäumt.

ZWEITER SENATOR
Zu spät.

DRITTER SENATOR
Wie sollen wir nun,
in dem tollen Trubel,
mit Würde und Ruhe
vollziehen den Akt
der Eröffnung?

ERSTER SENATOR
Ach, lasst die Leute!

ZWEITER SENATOR
Was sollen die Formalitäten?

DRITTER SENATOR
Das Volk ist im Taumel!

ERSTER SENATOR
Doch meine Rede!

ZWEITER SENATOR
Das Feuerwerk!

DRITTER SENATOR
Die Huldigung für Salvago!

Sie lauschen dem Gesang.

GESANG
stärker, eindringlicher
Ah, welche Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
Mit Sternen tanz' ich den
Sommernachtsreigen,
doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch.

ERSTER SENATOR
Es wird bedenklich!

ZWEITER SENATOR
Ich sagte es gleich -
das heidnische Zeug,
die nackten Weiber
und Bocksgehörnten!

DRITTER SENATOR
Und die Alberghi
mischen sich unter
das arglose Volk;
mit geilen Reden
stacheln sie auf
uns're Söhn' und
Töchter zu tollen Streichen.

DIE SENATOREN
durcheinander
Wo ist der Podestà?
Wo ist Alviano?
Gebietet Einhalt -

Einige Senatoren gehen oder drängen durch das aufgeregte Volk.


VIERZEHNTE SZENE

DER JÜNGLING
von früher
Bleibt, Schönste!
Seht, ich liege zu
Euren Füssen,
erhört mich!

DAS MÄDCHEN
Nein, Ihr seid
allzu kühn, Signor!

DER JÜNGLING
Erhört mich!

DAS MÄDCHEN
Nein, nein,
ich kann nicht,
lasst mich, Signor!

DER JÜNGLING
ausser sich
Ich morde mich,
wenn Ihr mich
von Euch stösst!
Bin ich nicht schön?
Mein Haar, fühlt nur,
ist weich wie Seide.

DAS MÄDCHEN
hart
Ha, ha! Ihr schön?
Zerlumpt seid Ihr
wie ein Bettler,
wahrhaftig, so dass
ich mich schäme, sieht
man mit Euch mich -

Der gesamte Chor versammelt sich auf der Bühne und kommt später ganz nach vorne.

DER JÜNGLING
ekstatisch aufspringend
Nein, schämt Euch nicht!
er zieht einen Dolch
Gern will ich sterben!
Purpurnes Blut
wirkt ein leuchtend Kleid!
Er will sich den Dolch in die Brust stossen.

DAS MÄDCHEN
zitternd, ihm in den Arm fallend und die Waffe entwindend
Bei der Madonna -
was tut Ihr -
so haltet doch ein!
Ach - ach - Ihr seid -
verzeiht mir! - Kommt, kommt!

Sie eilen verschlungen, jubelnd in den mächtig einherbrausenden Gesang einstimmend in die Nacht hinaus.

CHOR
Welch eine Nacht!
Welch eine glühende Sommernacht!
Von hier ab zerstreut sich der Chor nach verschiedenen Richtungen, bis auf einzelne Paare, die im Hintergrunde der Bühne bleiben.
Wir tauchen tief in ihr leuchtendes
Dunkel und tanzen mit Sternen
den Sommernachtsreigen - eiah -
Sommernachtsreigen - - -
neckend spöttische Frauenstimmen
Doch mit Kobolden
schlaf' ich im Busch!


FÜNFZEHNTE SZENE
Aufgeregte Rufe Alvianos (entfernt)

ALVIANO
Wo ist sie, meine Braut?
Sah niemand Carlotta?

Von hier ab entwickelt sich ein grotesk grossartiger Maskenzug, die Vereinigung der Antike mit der damaligen Zeit - die Renaissance - allegorisch darstellend.

1. Herolde Im Stile der Zeit; Faune blasen dazu auf der Syrinx die Fanfare.
2. Faune, einer imposanten Künstlererscheinung und seiner Egeria huldigend - karikiert - eine Art wilder Reigentanz.
3. Herolde, mit Abzeichen oder Fahnen der schönen Künste.
4. Langsamer Aufzug Apollos im Sonnenwagen, als Symbol des Ruhmes. Blendendes Licht umgibt ihn, das mit seinem Näherkommen grösser und strahlender wird. In seinem Gefolge die Musen und berühmte Künstler der Renaissance.
Stillstand im Reigen der Gruppe 2. Der Künstler gebannt von Apollos Erscheinung, strebt dieser zu. Seine Schöne umschlingt ihn und versucht, ihn neuerlich dem Reigen zu gewinnen. Der Künstler widerstrebt, wehrt sich, immer mehr Apollo zugewandt. Die Faune verstricken ihn, der dagegen kämpft, in immer tolleren Reigen. Der Wagen Apollos ist ganz nach vorn gekommen. Hier reisst sich der Künstler mit einer gewaltigen Bewegung los, und sinkt vor dem Wagen Apollos, huldigend in die Knie. Apollo hebt ihn zu sich in den Wagen, die Musen bekränzen seine Stirn, des Künstlers Egeria breitet sehnend schmerzvoll die Arme nach ihm aus und verhüllt sich, von dem grellen Licht geblendet, die Augen. Die Fauns bemächtigen sich ihrer mit wilder Gier und schleppen die sich angstvoll Wehrende mit brutaler Gewalt fort. Die Gruppe des Apollo folgt ihnen mit jubelnden Bewegungen. Der Künstler steht ernst und gedankenvoll, hoch aufgerichtet im Wagen.
5. Auftritt der Venus mit glänzendem Gefolge. Gestalten aus 1001 Nacht. Märchen, Najaden, die Edlen (Menaldo, Julian etc.). Knaben und Mädchen. Die Gruppe soll etwas erhaben Orgiastisches versinnbildlichen.
6. Ein Bacchantenzug. Rufe: "Evoe Bacche". Wild zügellos, in krasser Realistik zu inszenieren. In seiner Mitte Carlotta. Ihr zur Seite, sie verfolgend ein maskierter Edelmann: Graf Vitelozzo Tamare. Hier hören die Rufe ,,Evoe Bacche" auf der Bühne auf. Entfernt vernimmt man noch das Tosen und Stampfen des dahin brausenden Zuges. Der Graf hat Carlotta erhascht, umfängt sie in toller Leidenschaft, küsst sie, sie wehrt sich, doch gibt sie sich wiederholt, dem süssen Taumel erliegend, willig seinen Küssen hin, um ihn dann wieder plötzlich von sich zu stossen.


TAMARE
Was fliehst Du vor mir?

CARLOTTA
Nein, ich fliehe Euch nicht.

TAMARE
So kennst Du mich denn?

CARLOTTA
Weiss nicht, wer Ihr seid.

TAMARE
heiss
Doch wenn's einer wär',
der Dich, Schönste, liebt?

CARLOTTA
Ihr liebt mich? S' ist gut.
Doch lasst mich blicken
durch Eure Maske,
ob hell sind Eure Augen -
oder trübe.
Seid Ihr Alviano?
Nein, Ihr seid 's nicht.
Schön von Gestalt,
ein schmucker Knabe!

TAMARE
O schönste Carlotta,
wie sprichst Du seltsam!

CARLOTTA
mit ganz veränderter Stimme
Seltsam, mein Liebling?
Gib Deine Hand -
ah, sie ist weich und heiss
und wohlig fühlt sie sich an;
da - spürst Du mein Herz
wie es heftig schlägt?
Dir entgegen - mein Süsser!
Doch höre, Knabe - mit
Deinen Händen, so weich
und linde, hältst Du es sanft,
und darfst 's nicht quälen;
hältst es umspannt, ganz
lind und leise.
Hopla, mein Süsser!

CARLOTTA und TAMARE
Komm, lass uns eilen!
Kurz ist die Nacht
und der Morgen nah.

Die Beiden erklimmen den Felsweg; hinter der Rosenhecke leuchtet ein intensiver blauer Schein.


SECHZEHNTE SZENE

ALVIANO
wie gehetzt
Ihre Stimme hör' ich - !
Sie schallt mir aus Höh'n,
und Klüften - vertausendfacht!
Gesang aus den Lüften, ein
Spottlied aus Tiefen der Hölle - !
Ihre Gestalt tanzt vor mir, -
lugt aus Gebüschen und Hecken -
da und dort glitzert ihr Kleid -
wie ein Irrwisch hetzt sie mich,
bergauf und talab, in den
Äther - in Sümpfe - und
ich hielt sie doch - sie war
ja doch mein! - - Oder
war sie's nicht?


SIEBZEHNTE SZENE

DAS VOLK
ihn gewahrend und umdrängend
Hoch Alviano Salvago! Der Freudenbringer!
Der Zaub'rer, der König des Festes!

ALVIANO
wild
Was wollt Ihr von mir?
Was höhnt Ihr mich da?
Saht Ihr Carlotta?

PODESTÀ
Getrost, Alviano!
Ich sandt' ihre Frauen aus,
Diener suchen sie allenthalben -
bald ist sie gefunden!

DAS VOLK
Hoch Alviano Salvago!
Der uns die Freude gab!
Bringer der Schönheit!
Vater des Volkes!

ALVIANO
Was wollt Ihr?
Schweigt doch -
mit tief schmerzlichem Ausdruck
Ich bin kein König.
Ein Narr, ein Krüppel!
Ein Bettler, ein Scheusal!
in atemloser Hast
Wo ist meine Braut?
He, schafft sie mir!
Ich will Euch danken -
ich geb' Euch alles - mein
Hab und Gut. Dann bin
ich Fürst, ein König, ein Gott!
mit verzweifelter Eindringlichkeit
Doch schafft mir Carlotta -
ah, ich bin müde, gehetzt -
meine Kraft - geht zu Ende -
Er sinkt in sich zusammen.

DAS VOLK
Hoch Alviano - Apollo!
Der Freund der Musen!
Der König! Krönt ihn!
Wo habt Ihr die Krone,
die Rosenkranzkrone?
Hebt ihn hoch - den
Freund des Volkes - krönt
ihn mit Rosen - hoch Alviano!
sie heben den halb Bewusstlosen empor, setzen ihm einen Rosenkranz aufs Haupt

ALVIANO
schwach
Lasst - lasst -

Man zeigt ihn dem Volke, dieses bricht in betäubendes Hoch und Beifallsgeschrei aus.


ACHTZEHNTE SZENE
Acht vermummte Gestalten brechen sich Bahn durch das Volk. an ihrer Spitze ein hochgewachsener Mann, der Capitaneo di Giustizia (reisst das Volk zurück). Abflauen des Geschreis, das Volk weicht scheu vor dem Capitaneo zurück; um die "Acht" bildet sich ein freier Raum - das Volk im Halbkreis zurückgedrängt.
Kopf an Kopf, etwas weiter vorn die Gestalten des Podestà und der Senatoren. Alviano zuerst am Boden liegend, wohin man ihn sanft gesenkt - dann sich aufrichtend.


CAPITANEO DI GIUSTIZIA
Halt ein, genuesisches Volk!
Haltet ein, Betörte!
Wahnsinnige, die Ihr seid!
Ihr krönt mit Blüten
den, der da Eure Töchter geraubt,
Eure Kinder verführt, geschändet -
gemordet vielleicht - - !

Beispielloses Entsetzen, alles steht erstarrt.

GEMURMEL
Was ist das? Was meint er
damit? Die Acht! Entsetzlich!
Er? Alviano?

RUFE
Glaubt ihm nicht! Aha!
Die Alberghi, die Füchse!
Schlau ist's gemacht!
Die vertrackten Neider!
Verleumdung! Hoch Alvianol
Seid still! Schweigt!
Höret die Acht!

DER CAPITANEO
Durch die heilige Acht
erhebt der Herzog Adorno,
des Volk's Beschützer
und wahrer Freund,
die Anklag' gegen den
Ritter Alviano Salvago.
Er zeiht ihn des Mädchenraubs,
der Verführung und Schändung,
begangen an zücht'gen Jungfrauen -

ALVIANO
auffahrend und in die Ferne horchend
War da nicht - ein Schrei?
Hörtet Ihr nicht - einen Schrei?

DER CAPITANEO
aufmerksam auf Alviano schauend, dadurch abgelenkt, diese Phrase schwächer bringend
Der Kuppelei und Verleitung
zu solcher. Kraft uns'rer Macht
als Richter und Wahrer des Rechts,
dehnen wir aus die Anklag', gegen
den Ritter Alviano Salvage,
und zeihen ihn, der besessen vom
bösen Geist, verfallen des Satans
und böser Dämonen Gewalt,
der Behexung des Volks.
Wir legen den Bann auf das
Eiland "Elysium", verheert
soll es werden durch Feuer, als
eine Brutstatt des Lasters und
teuflischer Sünde. Ritter
Salvago, Ihr seid - -

Volk stellt sich vor Alviano.

DROHENDES GEMURMEL
Seht Ihr, darauf läuft's
hinaus! Man bestiehlt uns!
Gönnt uns die Freude nicht!
Verfluchte Räuber! Bestien!
Stärkeres Gemurmel
Nieder Adorno! Tod den Alberghi!
Erschlagt sie, die Schufte! Alles Lüge!
Er soll sich verteid'gen! Alviano
soll reden! Alviano - rede!
Verteid'ge Dich! Wir glauben Dir!
Wir steh'n zu Dir! Wir schützen Dich!

ALVIANO
lauschend
Hört Ihr denn nicht? -
Musik: Cimbeln, Flöten, Harfen,
und wilden Gesang?

CAPITANEO
Ihr seht - er ist besessen,
aus ihm spricht der Dämon!

PODESTÀ
eindringlich
Alviano, Mann,
es geht um Dein Leben,
verteidige Dich!

CAPITANEO
Man wird ihn peinlich befragen;
führt ihn hinweg!

EIN RIESIGER BÜRGER
Halt! Rührt ihn nicht an!
Wir glauben ihm mehr,
der er schweigt, als Euch,
die Ihr redet. Er tat uns
Gutes -
drohend, gesteigert
wollt Ihr ihn haben
- so gebt uns Beweise!

STÜRMISCHE RUFE
Beweise, Beweisel

CAPITANEO
Bringt jene Frau!
Einer der Vermummten führt eine verschleierte Frau nach vorne.
Entschleiert Euch, Signorina!
die Frau lüftet den Schleier.

DAS VOLK
Ginevra Scotti! Ginevra Scotti!l

STIMME JULIANS
aus dem Hintergrunde
Ah - Ginevra!

ALVIANO
fieberhaft
Um Himmelswillen,
so lasst mich fort!

CAPITANEO
Sagt ohne Scheu, Ginevra Scotti:
Wo war't Ihr verborgen, eh' Ihr,
Hilfe heischend, floht zu Herzog Adorno?

GINEVRA
Im Haus des Alviano Salvago!

GEMURMEL
Ah! Hört! Hört doch!

STIMME JULIANS
Verdammt - lasst mich nach vorn!

RUFE
Ruhe! Wer ist das? Hört doch!

ALVIANO
zum Podestà dringend
Was steht Ihr da - ?
Was rührt Ihr Euch nicht?
Alter Mann, seid barm-
herzig und lasst mich fort!
Es dämmert mir auf,
furchtbar deutlich und klar -

CAPITANEO
Sagt ohne Scheu, Signorina
Scotti: Wer war's, der Euch
raubte Freiheit und Ehre?

GINEVRA
Ein Edelmann, der sich
nannte Menaldo Negroni!

MENALDO
aus dem Hintergrund
Diese Frau lügt!

EIN ZWEITER RUF (Julian)
Zieh, Schurke!

Kampfgetümmel im Hintergrunde.

VOLK
in grosser Bewegung
Aha! Die Alberghi!
Seht! Seht! Hört nur! Doch was
ist's mit Salvago? Heraus mit
der Wahrheit!

ALVIANO
verzweifelt
Alter Mann, sie ist in
Gefahr. Die Zusammenhänge
seh' ich vor mir -

CAPITANEO
stark
Das Haupt einer Horde
wüster Gesellen, adliger
Räuber ist Alviano Salvago.
Verraten hat alles dem Herzog -
Graf Vitelozzo Tamare.

ALVIANO
fährt herum, wie von einer Tarantel gestochen
Wer sprach den Namen?
Wer riss ihn mir aus dem Hirn?
Der ist's! Er hat sie geraubt.
Er stellte ihr nach. Er warb um
sie - ich weis es - weiss es -

CAPITANEO
Redet Ihr irre?
Ginevra - raubte Graf Vitelozzo?

ALVIANO
in fliehender Hast
Wer spricht von Ginevra?
Wer ist sie? Nichts weiss ich von ihr!
mit höchstem, verzweifelten Ausdruck
Carlotta!
schreiend
Carlotta!


NEUNZEHNTE SZENE
Dienerinnen der Carlotta herbeistürmend.

DIENERINNEN
durcheinander
O Herr! Podestà!
Sie ist verschwunden!
Wir finden sie nicht,
Eure Tochter! Sie ist
verschwunden, als hätt'
sie verschlungen die Erde!

PODESTÀ
verzweifelt
Vielleicht - verliess sie
das Eiland - und fuhr -

DIENERINNEN
Niemand verliess es.
Soldaten stehen rings
um die Insel, es sah sie
keiner! Doch - Einer!
Es war ihm, als hätt' er
in einer Schar Bacchanten,
an eines verlarvten Ritters
Seite erkannt die Herrin!

Wahnsinniges Lachen Alvianos

ALVIANO
mit furchtbarer Stimme
Ha, ha, ha - ; o Du, Hund!
Du Wüstling! Du Tier!
Hätt' ich Dich da - ich zerfleischte
Dich, Bestie, mit meinen
Zähnen.
mit gebrochener, heiserer Stimme
Kommt, ich führe
Euch! Seht Ihr - dort oben
den blauen Schein? Hört Ihr? -
Lauscht doch - ist's nicht Musik?
immer erregter
Toll und verrucht - Schreie und
Jauchzen? Volk von Genua!
Ich will dich führen!
Zu deinen geschändeten
Töchtern! Zu meiner -
mit verzweifelt wehvollem Ausdruck, fast weinend
armen, verlorenen Braut!
Starke Bewegung im Volke
Dann steh' ich dir Rede und
Du sollst - richten. Doch -
wehe - den Andern!

VOLK
Wehe, wehe!
Der Tod über sie!

Der Chor entfernt sich mit Geheul, Getöse, rach davonstürmend, der Lärm wird bald schwächer, bis vollständige Ruhe eintritt.


ZWANZIGSTE SZENE
Ein unterirdisches Gewölbe. Viele Nischen, aus welchen verschieden farbiges Licht strahlt. Blumengewinde. Schwere Tierfelle. Räucherpfannen, aus welchen Rauch aufsteigt, der den ganzen Raum erfüllt. Diener mit roten Fackeln. Soldaten mit Arkebusen. In den Nischen verstörte, junge Frauen. Zerbrochene Pokale, Blumenblätter, zerrissene Gewänder deuten auf eine gestörte orgiastische Szene; ein Toter seitwärts links vorne, zerbrochene Degen, auf einen stattgehabten Kampf. Gonsalvo, Guidobald, Vitelozzo, Michelotto und andere Edle gefesselt. Seitwärts rechts vom Publikum ein Rosenlager, auf dem Carlotta, wie in einer Ohnmacht schlafend, liegt. Alviano, der Podestà, der Capitaneo, Volk.

ALVIANO
heiser
Du lügst!

TAMARE
finster
Du irrst -
ich spreche die Wahrheit.

ALVIANO
Höre Du - es könnte wohl sein -
dass sie nicht mehr - erwachte -
dass sie - hinüberschliefe - in
die - and're Welt. Und sieh - für mich
war's - so viel - - ich habe nichts
and'res - gehabt. In meinem
ganzen Leben - war diese Frau -
das einzig Grosse - das einzig Schöne.
Begreife - wenn Du mir sagst - :
"Ich hab' sie geraubt - mit Gewalt
genommen - ich konnte nicht anders -
weil ich sie - liebte - -", so muss ich
Dich hassen - und muss Dich - verfluchen -
weil du einem Armen - wie mir,
zerstört hast - genommen - was er -
besass. Aber da innen - tief - bliebe
ja doch - so etwas - versteh'
mich - wie ein - weher Trost
mehr und mehr unfähig, die mächtige Erregung zu unterdrücken
Doch wenn Du mir sagst: "Sie hat sich
mir gegeben - sie, Carlotta - frei-
willig - in Liebe - und sie war
glücklich" - ja, wahrhaftig - Du sagtest -
glücklich, - ja dann - dann - -
dann hab' ich ja nichts - gehabt, - -
dann hast Du mir - ja nichts - -
genommen - - dann bin ich ja -
wieder - ganz so elend - wie ich -
war - zurückgestossen - in's Nichts -
ins Nichts - - -

TAMARE
düster
Und wenn Du mich mordest -
ich weiss Dir nichts and'res
zu sagen. Nur eins:
Verfallen war mir diese Frau,
vom ersten Tag, da ich sie erschaut -
nach dem Wort, das Du selbst,
Alviano, einst sprachst: "Die Schönheit
sei Beute des Starken". Stark
wähntest Du Dich - eine Stunde
lang - doch Du warst es nicht.
Die Freude bot sich Dir dar - da
wich'st Du ihr aus, zitternd und
feige. Du sahst nur das Dunkle,
die Schatten, Gefahr und Sünde.
Allzu herbe gezeichnet vom Schicksal,
wardst Du flügellahm, unfrei,
verzagt. Für Deinesgleichen lebt
nur in Träumen die kostbare
Blume; doch blüht sie grell und
verlockend am Tage, dünkt's euch
Traum, Trugbild, nächtlicher
Spuk. - Denn, bot sich
Dir, Alviano - sagtest Du nicht - auch Carlotta? -
Was nahmst Du sie nicht - ?

ALVIANO
fassungslos
Weil - weil -
ausbrechend
o Du Teufel - verlange nicht, dass -
eh' zur Hölle Du fährst, ich enthülle
vor aller Welt ein Verbrechen -
so grausig - - - weil ich
in Tiefen blicke, die Du nicht ahnst -
weil ich ein Mensch bin - und Du -

TAMARE
Weiss nicht, wer da tiefer blickt
von uns Beiden! Weiss nicht, was
da, höher zu werten ist - ein freudlos
Leben, ein langsam Siechen -
oder ein Tod in Rausch und Verklärung,
in brünst'ger Umarmung ein selig Sterben!

Gemurmel unter den Umstehenden.

ALVIANO
entsetzt
Wie ist mir denn - ?
Seiner Worte Sinn - - - das ist ja .
nicht möglich -

TAMARE
mehr und mehr in Ekstase geratend
Ihre Lippen baten um Schonung;
stammelten wirr das uralte
Lied angstvollen Sich-Wehrens.
Doch ihre Augen flehten um Lust.
Aus ihrem Munde rang sich los
ein qualvoll Bekenntnis;
Angst und Entsetzen - doch in den
Augen, wild unbändig, sprühten
die Funken entfachter Begierde.
Endlich brach es sich Bahn: Grösser
als Du - schuf sie sich frei.
Dem glitzernden Tanz in den
lachenden Augen gesellte sich wild
ihrer Lippen toll trunkener Sang:
"Gib Tod" jauchzte ihr Blick -
"Gib Glück!" gierte ihr Wort.

Wachsende Bewegung unter den Umstehenden.

ALVIANO
Entsetzlich! Wissend hast Du, Unsel'ger - ?

TAMARE
Ha, ha, - rollt nur die Augen,
fletscht die Zähne und ballt die Fäuste!
Meine seligste Stunde - die raubt
mir Keiner - .

ALVIANO
heiser
So sprich ein Gebet!

TAMARE
Ihr habt mir nichts an - was wollt Ihr?
in ausbrechender Todesangst
Auf einer Kirchweih'
ein buckliger Fiedler,
der spielte auf
eine feine Weis'.
Die Schönste der Schönen,
das war seine Liebste.
Ich griff sie heraus
aus dem tanzenden Schwarm
und trug sie davon.
Er stürzte mir nach -
so stand er vor, mir
wie der da;
auf Alviano weisend
verzerrt die Züge -
verzerrt und voll Hass!
drohend
Mit seiner Fiedel -
hab' ich ihn erschlagen.
Kommt mir nur an -
mit meinen Händen
er zerrt und reisst an seinen Fesseln
erwürg' ich Euch alle. -
er zerreisst seine Fesseln.

ALVIANO
ersticht ihn
So stirb, Verruchter!

TAMARE
grässlich aufschreiend
Ah - - - !

CARLOTTA
sich langsam, geisterhaft aufrichtend
Wer schrie da?
War das nicht - mein Liebster?

ALVIANO
vor sie hinstürzend
Nein, nein - sieh mich -
- Alviano - Carlotta, Geliebte -
ich bin - bei Dir - er log - log - log!

CARLOTTA
ihn von sich stossend, mit dem Ausdruck höchsten Grauens, furchtbarster Angst
Fort - fort! Ein Alb - ! Ein Nachtgesicht!
Helft - helft! Hu - wie das drückt!
Und das rote Licht - weh, weh - !
schwach
Gebt mir Wasser -
zitternd
nein - gebt mir - Wein - - und mein -
Liebster - soll kommen -
mein Schöner, - Süsser - ich will
Vitelozzo eh' - eh' ich - sterbe - - -

Sie seufzt tief und liegt plötzlich still und starr. Schweigen.

ALVIANO
mit ganz veränderter Stimme und irrem Ausdruck, als ob er etwas suchte
- - Ich will - ich will - ja wo -
ist nur - die Fiedel - ich muss -
ja doch endlich - zur Kirchweih! - Und
meine Kappe - meine schöne - Kappe -
rot und mit - silbernen Schellen -
sah niemand - die Kappe - - ?
Lasst mich -
ich muss - ja doch endlich -
er stolpert über Tamares Leichnam
halt - was war das - - ?
Da liegt - ja Einer
ihr guten Leute - da liegt ja -
- ein Toter - - .

Er taumelt durch die Menge dem Hintergrunde zu; alles macht ihm scheu Platz.

Vorhang