Les Indes galantes

Les Indes galantes

Libretto

Louis Fuzelier

Uraufführung

23. August 1735, Paris (Grand Opéra)

Besetzung

HEBE (Sopran)
BELLONA (Bariton)
AMOR (Sopran)

OSMAN (Bass)
EMILIE (Sopran)
VALERIAN (Tenor)

HUASCAR (Bass)
PHANI (Sopran)
DON CARLOS (Tenor)

TACMAS (Tenor)
ALI (Bariton)
ZAÏRE (Sopran)
FATIME (Sopran)

ADARIO (Bariton)
DAMON (Tenor)
DON ALVARO (Bass)
ZIMA (Sopran)

Priester, Offiziere, Soldaten, Aufseher, Wachen, Händler, Gefangene, Sklaven und Sklavinnen, Volk.

Ort

Zeit

16. Jahrhundert

Rameau, Jean-Philippe

Rameau, Jean-Philippe
25.9.1683 Dijon - 12.9.1764 Paris


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Samson (1733; np)
Hippolyte et Aricie (1.10.1733 Paris)
Les Indes galantes (23.8.1735 Paris)
Castor et Pollux (24.10.1737 Paris)
Les Fêtes d'Hébé [Les talents lyriques] (21.5.1739 Paris)
Dardanus (19.11.1739 Paris)
La Princesse de Navarre (23.2.1745 Versailles)
Platée [Junon jalouse] (31.3.1745 Versailles)
Les Fêtes de Polymnie (12.10.1745 Paris)
Le Temple de la gloire (27.11.1745 Versailles)
Les Fêtes de l'Hymen et de l'Amour, ou Les Dieux d'Egypte (15.3.1747 Versailles)
Zaïs (29.2.1748 Paris)
Les Surprises de l'Amour (27.11.1748 Versailles)
Naïs (22.4.1749 Paris)
Zoroastre (5.12.1749 Paris)
Linus (1751?; np)
Acante et Céphise, ou La Sympathie (18.11.1751 Paris)
Daphnis et Eglé (30.10.1753 Fontainebleau)
Lysis et Délie (1753; np)
Le Procureur dupé sans le savoir (1758/9 Paris?)
Les Paladins (12.2.1760 Paris)
Abaris, ou Les Boréades (1764; 4.19.1975 London*; 21.7.1982 Aix-en-Provence)
np = keine Aufführung / * = konzertant - Radio



PROLOG
Hebe, Göttin und Beschützerin der Jugend, veranstaltet ein Fest mit Liebespaaren aus vier Nationen (Frankreich, Italien, Spanien, Polen). Da erscheint Bellona, die Göttin des Krieges. Sie überredet die Paare, der Liebe abzuschwören und Ruhm suchend in den Krieg zu ziehen. Hebe ruft Amor zu Hilfe, der seine Liebesgötter in ferne Länder ausserhalb Europas entsendet, damit sie dort mit ihren Pfeilen neue Paare zusammenbringen. Die Reiseziele der Amoretten werden gesammelt als "Indien" bezeichnet, ein damals für exotische, unbekannte Länder gebräuchlicher Sammelbegriff.

ERSTES ENTRÉE
»Der grossmütige Türke«: Emilie lebt als Sklavin in den meerumfluteten Gärten von Pascha Osman, der sie liebt. Durch einen Sturm wird ein Schiff an Land gespült. Emilie findet unter den gestrandeten Gefangenen ihren Geliebten Valerian. Der Pascha erkennt in dem Franzosen den Mann, der ihn einst aus der Sklaverei befreit hat. Grossmütig verzichtet er auf Emilie und gibt sie für Valerian frei.

ZWEITES ENTRÉE
»Die Inkas in Peru«: Phani, ein Inkamädchen von königlichem Blut, und Don Carlos, ein spanischer Offizier, lieben sich. Huascar, ein Sonnenpriester, sucht Phani für sich zu gewinnen. Mittels Steinschlag löst er einen Vulkanausbruch mit einem Erdbeben aus. Als sich Phani dadurch nicht beeindrucken lässt und weiterhin zu ihrem Don Carlos hält, stürzt sich Huascar in den Krater des Vulkans.

DRITTES ENTRÉE
»Die Blumen in Persien«: Tacmas, ein persischer Prinz, will sich, als Händlerin verkleidet, Zaire, der Sklavin seines Freundes Ali, nähern. Dieser liebt Fatime, Tacmas' Sklavin, und wird von diesem, der ebenfalls verkleidet erscheint, als Rivale angesehen. Schliesslich finden die Paare zueinander; ein Blumenfest folgt.

VIERTES ENTRÉE
»Die Wilden«: Franzosen und Spanier haben in den amerikanischen Wäldern Frieden geschlossen. Damon, ein Franzose, und Don Alvaro, ein Spanier, werben um die Indianerprinzessin Zima. Diese liebt Adario und bleibt ihrer Heimat trotz der Verlockungen treu.


The Amorous Indies

PROLOGUE
The youth of four European nations abandon the pleasures of the palace of Hebe to follow Bellona, the goddess of war. Cupid descends and sends his minions away to the furthest corners of the Indies to seek and create followers of Love.

ENTRÉE I: The generous Turk
The young French girl Emile has been captured and sold as a slave to the Pasha Osman. He falls in love with her, but she cannot forget Valère, a French sailor. Valère's ship runs aground, and he is captured and brought before the Pasha. Osman recognizes him as the one who liberated him from slavery and then releases him and Emile.

ENTRÉE II: The Incas of Peru
In the Peruvian desert the Incas are preparing their Festival of the Sun in the shadow of a volcano. A Spanish officer, Don Carlos, and a Peruvian girl, Phani, have fallen in love, but the High Priest Huascar disapproves and causes the volcano to erupt, claiming it as a sign of the sun god's displeasure. Don Carlos, wise to the deception, escapes with Phani, leaving Huascar to bring the volcano down upon his own head.

ENTRÉE Ill: The Flowers, a Persian festival
Tacmas, a young Persian prince, and his confidant Ali have fallen in love with each other's slaves: Tacmas with Zaïre and Ali with Fatima. On the day of the flower festival all four meet, but withTacmas disguised as a woman and Fatima as a man there is much confusion. When it emerges that each of the slaves loves the other's master, a swap is engineered and the new couples enjoy the festival.

ENTRÉE IV: The Savages
In an American forest, Adario, the commander of a defeated tribe of Indians, is preparing to celebrate peace with the victorious Europeans. He is in love with Zima, the chief's daughter, who is also desired by the Spaniard, Don Alvar, and the Frenchman, Damon. However, claiming that the Spaniard is too jealous a lover and the Frenchman too indifferent a one, Zima chooses Adario. The festivities culminate in a dance of the pipe of peace.


Personen:
HEBE (Sopran)
BELLONA (Bariton)
AMOR (Sopran)

OSMAN (Bass)
EMILIE (Sopran)
VALERIAN (Tenor)

HUASCAR (Bass)
PHANI (Sopran)
DON CARLOS (Tenor)

TACMAS (Tenor)
ALI (Bariton)
ZAÏRE (Sopran)
FATIME (Sopran)

ADARIO (Bariton)
DAMON (Tenor)
DON ALVARO (Bass)
ZIMA (Sopran)



PROLOG

Im Hintergrund der Bühne der Palast von Hebe; seitlich die Gärten

Ouvertüre

ERSTE SZENE
Hebe

HEBE
Ihr, die ihr Hebes Gesetze befolgt,
kommt allzumal, eilt her auf meinen Ruf!
Ihr singt schon, seit Aurora
diesen schönen Ort erhellt;
ihr beginnt mit dem Morgenlicht
Terpsichores glanzvolle Spiele;
die süssen Augenblicke, die euch Amor schenkt,
die sind euch jedoch noch lieber.

ZWEITE SZENE

Auftritt der vier Nationen
Tanzgruppen französischer, italienischer, spanischer und polnischer Jugend eilen herbei und führen graziöse Tänze vor

HEBE
Willkommene Liebesleute,
folgt eures Herzens Drang!
Besinget euer Glück,
doch gebt kein Geheimnis preis!
Es gibt für zärtliche Herzen
Schätze, die im Stillen um so süsser sind.
Bedenkt denn, man muss sie verschweigen!

Gemessene Tanzweise für ein polnisches Paar

1. Menuett

2. Menuett

HEBE
Sackpfeifen, ertönt auf dieser heit'ren Flur,
stimmt hier unter schattigem Laub
in das Murmeln der Bäche mit ein;
begleitet das süsse Gezwitscher
der zarten Vögelein!

CHOR
Sackpfeifen, ertönt aut dieser heit'ren Flur,
stimmt hier unter schattigem Laub
in das Murmeln der Bäche mit ein:
begleitet das süsse Gezwitscher
der zarten Vögelein!

Ländlicher Rundtanz (Musette)

Lärm von Trommeln, die den Tanz unterbrechen

HEBE
Was höre ich? Trommeln lassen unsere Pfeifen verstummen?
Das ist Bellone! Ihre Schreie erregen die Helden;
sie raubt noch die Untertanen von Paphos!

DRITTE SZENE
Bellone, Hebe und beider Gefolge

Bellone erscheint unter dem Schall von Trommeln und Trompeten, die ihr voranziehen, sowie fahnentragenden Kriegern. Sie fordert Hebes Gefolge auf, nur den Ruhm zu lieben

BELLONE
zu Gefolge Hebes
Euch ruft der Ruhm: hört seine Trompeten!
Eilet, bewaffnet euch und werdet Krieger!
Verlasst diese friedliche Abgeschiedenheit!
Kämpft, es ist Zeit, Lorbeeren zu ernten !

CHOR
Die Krieger rufen die Liebesleute der alliierten Nationen. Diese Hochgemuten scharen sich um Bellone, und folgen ihren Fahnen
Euch ruft der Ruhm; hört seine Trompeten!
Eilt, bewaffnet euch, und werdet Krieger!

Air für zwei Fahnenjunker

Air für die Liebespaare, die Bellone folgen

CHOR
Ihr verlasst uns denn,
welch' tödliche Pein!
Was soll aus unseren schönen Tagen werden ?
Welch tödliche Pein!
Hört auf die Liebesgötter! -
- Uns ruft der Ruhm;
wir hören nur auf ihn!

VIERTE SZENE
Hebe

HEBE
Bellone zieht sie mit sich...
O du, Besieger der Himmel,
komm, gib Zeugnis von deiner höchsten Macht !
Man wagt es, dich wegen andrer Götter zu verlassen!
Sohn der Venus, ach, wer rächte dich besser als du selbst ?

FÜNFTE SZENE
Amor, Hebe, Hebes Gefolge

Amor schwebt auf Wolken vom Himmel; er trägt neue Wurfgeschosse; er wird von einer Truppe Amoretten begleitet, die wie er bewaffnet sind; einigen halten Feuerbrände, andere hissen Liebesbanner

Ankündigung Amors

HEBE
Amor erscheint in Waffen - möge er siegreich sein

AMOR
Warum hat Ares Eros den Krieg erklärt ?
Verliert Mars seinen Weihrauch, bringt man ihn auch mir dar ?
iemals haben die Myrten auf Erden
des Lorbeers Gedeihen verhindert!

HEBE
zu Amor
Um die Herzen zu ersetzen, die Euch Bellone raubte,
Sohn der Venus, schleudert Eure sichersten Pfeile:
führt Eure Freuden fernen Ländern zu,
wenn Europa sie fahren lässt

AMOR
zu seinem Gefolge
Schürt eure Flammen, füllt eure Köcher neu,
erntet und verdient euch die schönsten Palmen!
Amoretten, erringt allzugleich
hundert neue Siege !

Schrecken folgt dem furchtbaren Mars;
Spiele tändeln auf Euren Spuren.
Auf denn, auf, eure neuen Banner
haben die Grazien gefertigt !

Air für die Amoretten

AMOR und HEBE
Überquert die weitesten Meere,
fliegt, fliegt, Amoretten, fliegt, fliegt!
Tragt eure Waffen und Lanzen
an die fernsten Gestade !
Gibt es ein Herz im ganzen Weltall,
das euch nicht huldigen muss ?

CHOR
Die Liebesgötter fliegen davon, und verteilen sich fern von Europa auf verschiedene indianische Lande
Überquert die weitesten Meere,
fliegt, fliegt, Amoretten, fliegt, Amoretten!
Tragt eure Waffen und Lanzen
an die fernsten Gestade !

ERSTER AKT: Der grossmütige Türke

Bühnenbild: die ans Meer grenzenden Gärten des Paschas Osman

ERSTE SZENE
Emilie, Osman

EMILIE
tritt allein auf
Osman folgt mir; nun verberge ich ihm nichts mehr.
Um seine Flamme zu dämmen, entdecke ich ihm meine.

OSMAN
erscheint; zu Emilie
Sucht Ihr immer noch das Dunkel und die Stille?

EMILIE
Ich möchte die Gewalt meines Leids verbergen.

OSMAN
Himmel! Was höre ich?

EMILIE
Vemehmt mein hartes Geschick!
Dort, wo ich geboren bin,
heiratete ich einen Geliebten würdig meiner Treue ;
an einem einsamen Strand begannen wir zu tändeln,
als sich tückische Seeräuber näherten, das Schwert
in der Hand. Der Schrecken schloss mir einen Moment
lang meine angstvollen Augen; sie öffneten sich erst
unter dem Gebrüll eines unmenschlichen Korsaren.
Bald haben die Winde und der Himmel selbst,
Komplizen seines Verbrechens, seine Schiffe abgetrieben,
und ich fand mich gefangen auf den Wassern, nahe dem,
den ich verabscheute, und fern dem, den ich liebe.

OSMAN
Wie die Beschreibung Eures Wehs das meine verdoppelt!
Zerstreut Euren Kummer an diesem glücklichen Gestade!

EMILIE
Ich erleide unter Euren Gesetzen eine zweite Sklaverei.

OSMAN
Werft Ihr mir vor, Euren Wünschen entgegenzustehen ?
Das einzige Gesetz, das meine Zuneigung Euch vorschreibt,
ist, den Vergnügen zu gestatten,
Euch ständig zu umgeben.
Gebt meinen Wünschen nach, erfüllt mein Sehnen

EMILIE
Gegenüber meinen Entführern hat mit seiner glühenden
Verteidigung mein Liebster sein Leben riskiert.
Vielleicht hat ihn - als Preis für diesen Beistand -
ein Todesstoss gezwungen, hinabzusteigen
in die grausige Nacht des Grabes, -
und mein undankbares Herz sollte sich
von einem neuen Feuer überwältigen lassen ?

OSMAN
Ach, was lasst Ihr mich hören !
Genug habt Ihr mich mit Euren Tränen bedrängt;
hört auf, nutzlosen Schmerzen nachzuhängen.
Eine Liebe muss sich verflüchtigen,
wenn sie alle Hoffnung fahren sieht.
Dem Kummer opfert die Beständigkeit
ein Herz, das sich ihn zur Pflicht macht.

Ich verlasse Euch, schöne Emilie,
bedenkt, dass das Band, das Euch bindet,
Euch täglich überflüssige Qualen verursacht.
Ihr liebt ein Wesen, das Ihr nie mehr wiederseht.

ZWEITE SZENE
Emilie allein

EMILIE
Osman geht ab
Das ich nie mehr wiedersehe! Barbar!
Was soll diese Rede mir andeuten? Ach, trennt mich
der Tod von meinem Liebsten, - ist er auch für meine
Augen verloren, so sieht ihn mein Herz immerdar!

Der Himmel überzieht sich mit düsteren Wolken, die Winde brausen, die Fluten steigen

Nacht bedeckt den Himmel!
Welch' verheerendes Unwetter!
Unendliches Reich der Meere, wo der Schrecken herrscht,
du bist das grauenvolle Abbild
des Aufruhrs in meinem Herzen.
Du spürst den Zorn gebieterischer Winde,
und ich die Wut ohnmächtiger Verzweiflung.

CHOR DER MATROSEN
unsichtbar
Das Gewitter tobt mit unverminderter Gewalt.
Himmel! Um mehr als ein Leben heisst es zittern!
Werden uns die Blitze des Gewitters versengen?
Werden wir in den Wogen versinken
wo schon das Land in Sicht ist?

EMILIE
Wie diese Schreie mir ins Blut fahren!
Mir ist's, als sei auch ich ein Opfer des Gewitters!
Der Sturm lässt nach, und es wird wieder hell
Aber der Himmel erbarmt sich der Erregung, die ich spüre.
Der Himmel, der gerechte, stillt Wind und Wogen.
Im Hafen erlitt ich die Schrecken des Schiffbruchs.

CHOR
unsichtbar
Was nützt es uns, dem Zorn des Meeres zu entkommen?
Entgehn wir doch dem Tod, nur um in Ketten zu geraten!

EMILIE
Mit unseligen Gefangenen teile ich mein Leid
an diesem furchtbaren Ort!
Sind es Liebende, ach, so wird die Liebe noch
das schreckliche Gewicht ihrer Ketten verdoppeln.

DRITTE SZENE
Emilie, Valerian (als Sklave

EMILIE
Einer dieser Unglücklichen nähert sich stöhnend.
ch, sein böses Geschick gleicht dem meinen!
Was für ein Taumel überkommt mich nur?
Ich rede ihn an; vielleicht ist er aus meiner Heimat.
geht auf Valerian zu
Fremdling, ich bedaure Euch...
sie erkennt ihn
O, Valerian, das bist ja du

VALERIAN
Das bist ja du, schöne Emilie

BEIDE
Ich seh' dich wieder! Meine Qualen sind vergessen!
Meines bösen Schicksals Schläge spüre ich nicht mehr!

EMILIE
Was hat dich nur heute an dies Ufer verschlagen?

VALERIAN
Seit jener Unglücksstunde, die uns trennte,
sind meine Seufzer durch hundert Lande geirrt,
dich Tag und Nacht zu suchen - und nun gefangen zu finden!

EMILIE
Und das ist noch nicht meine ärgste Not!

VALERIAN
O Himmel! Rede weiter...

EMILIE
Nein, lassen wir mein Leid beseite;
lass mich endlich hören, wie es dir erging!

VALERIAN
Ein Herr, ich hab' ihn kaum gesehen -
liess mich in diesen Palast abführen...

EMILIE
Dein Herr ist auch der meine.

VALERIAN
Welch' unversehenes Glück!

EMILIE
Valerian, welchem Irrtum bist du erlegen!
Mein Tyrann liebt mich…

VALERIAN
Ich verzweifle! Nie entkommst du dessen Ketten!
Was ? Valerian findet dich wieder,
nur um dich unwiederbringlich zu verlieren?
Unser Tyrann liebt dich!

EMILIE
Und meine Pein beweist,
dass ich diesen Triumph der Liebe nicht begehrte.

VALERIAN
ls ob man hier verstünde, wie man dich lieben muss.
Hierzuland muss jeder Liebesentbrannte
sein Verlangen mit anderen teilen,
und du verdienst es, geliebt zu werden
von einem Herz, das nur dich liebt.

VIERTE SZENE
Emilie, Valerian, Osman

OSMAN
zu Valerian
Sklave, ich habe dich belauscht,
Dein Verbrechen ist mir bekannt.

VALERIAN
Es reut mich nicht.

EMILIE
besorgt, zu Osman
Herr, ist er schuldig ? Ach...

OSMAN
zu Emilie
Ihr klagt ihn an durch Euren Wunsch, ihn zu verteidigen.
Vergebens trachtet Ihr, Eure Verlegenheit zu verbergen,
und die Tränen zurückzuhalten, die ich Euch vergiessen sehe.
Ihr überlasst Euch der Neigung Eures zu weichen Herzens.
Nun, ich folge den Gesetzen des meinigen.
Ich werde die Vergeltung üben, die ich schulde!

EMILIE
zu Osman
Barbar!

VALERIAN
zu Osman
Ich warte, bis dein Zorn sich legt.

EMILIE
zitternd
Gerechter Himmel! Welcher Augenblick!

OSMAN
führt Emilie Valerian zu
Nimm hin von mir, Valerian, Emilie und die Freiheit

VALERIAN
froh, zu Osman
Was sagt Ihr da ?
traurig
Doch nein, kann er es ehrlich meinen?
Er will unsere Herzen täuschen… das ist zu grausam!

OSMAN
O Himmel! Welche Ungerechtigkeit!
Was! Ihr misstraut meiner Ehrlichkeit
in eben dem Moment, da mein Herz das Opfer bringt,
das mich mehr als je eines gekostet hat?
och ich schulde es meinem Dankbarkeitsgefühl,
auf Valerian weisend
Ich war einmal sein Sklave, und bemühe mich heute,
seinen Grossmut nachzuahmen.
Auf diesem noblen Weg ist er mir noch voraus.
Er löste meine Ketten, ohne mich zu kennen…

VALERIAN
umarmt ihn
Mein lieber Osman, das bist ja du!
zu Emilie)
Als Sklave unterstand ich Osmans Herrschaft.

OSMAN
Ich habe Euch erkannt, ohne mich Euch zu entdecken;
ich liess meine Sorge und Macht für Euch walten:
Eure Schiffe stehen wieder unter Eurem Kommando!

Valerians Schiffe nähern sich; afrikanische Sklaven beluden sie mit Geschenken des Pascha.

VALERIAN
(überrascht)
Was sehe ich? Ihr habt sie mit kostbaren Gaben belade!
Was für Wohltaten!

OSMAN
Nur Emilie soll zählen !

VALERIAN
Welch' unerhörte Überwindung! Welch' edle Tugend!

EMILIE
(zu Osman

Fürchtet nicht, dass ich Euch das vergesse!

OSMAN
chtet zumindest ein Herz, das sich zu stark bekämpfte!
an hört die Trommeln der Matrosen
schmerzlich
Ich höre Eure Matrosen...
Geht an Eure Uferstellen,
meine Befehle sind gegeben...
geht, lebt glücklich…
behaltet Osman in Eurem Gedenken…

VALERIAN
tritt ihm entgegen
Nehmt unsere Huldigung entgegen!

EMILIE
zu Osman
Hört…

OSMAN
(zögernd
Was?… Nein, besser nicht,
wendet sich zum Gehen
Das verlängert das Abschiedsweh zu sehr.
Es geht nicht an, Euch mein tiefes Leid zu zeigen…
Ich schulde Euch mein Gehen,schulde es mir selbst.
Osman geht ab

FÜNFTE SZENE
Valerian, Emilie

VALERIAN
Gab es je ein grossmütigeres Herz?
Er verdient unser Lob, und will's nicht hören!
Das vollkommenste Glück dürfte er beanspruchen,
wenn Tugend Glück verleihen kann.

SECHSTE SZENE
Emilie, Valerian, Provenzalen und Provenzalinnen ihres Geschwaders, afrikanische Sklaven Osmans

EMILIE und VALERIAN
Fliegt, Zephire, linde Liebhaber Floras!
Wenn ihr uns führt, sind unsere Wünsche erfüllt.
Selige Gestade unseres Reichs der Lilie,
ach, wir sehen uns doch wieder!

CHOR
Fliegt, Zephire, linde Liebhaber Floras!
Wenn ihr uns führt, sind unsere Wünsche erfüllt,

Air für die afrikanischen Sklaven

VALERIAN
Macht euch auf zu den Schiffen,
junge Herzen, fliegt nach Kythera!
Mit dieser kühnen Flotte
ist nichts zuviel gewagt !

EMILIE
Regiere, Amor, fürchte diese Fluten nicht!
Du findest auf den Wogen ein ebenso süsses Lager
wie unter den Myrthen jenes Eilands der Venus.
Fürchte diese Fluten nicht !
Brachten sie doch deine schaumgeborene Mutter hervor!

1. Rigaudon

2.Rigaudon

EMILIE
Flieht, Gewitterstürme!
Stillt die Liebeswogen, Lachen und Spiele!
Charmante Freude, sei du unser Stern
auf der Fahrt sowie im Hafen!
Sollte beim Verlassen des Ufers
die Vernunft Schiffbruch erleiden,
wird Thetis an diesem schönen Tag
Amor damit um so dienlicher sein.

1. Tambourin

2. Tambourin

EMILIE
Fahrt los! Wir vergehen ja am Ufer!
Zärtliche Herzen, auf zu den Schiffen!

CHOR
Fahrt los! Wir vergehen ja am Ufer!
Zärtliche Herzen, auf zu den Schiffen!

EMILIE
Rudert los! Trotzet Wind und Sturm!
Möge die Hoffnung euch alle geleiten!

CHOR
Fahrt los! Wir vergehen ja am Ufer!
Zärtliche Herzen, auf zu den Schiffen!

ZWEITER AKT: Die Inkas von Peru

Einöde in Peru; im Hintergrund ein kahler Berg. Sein Gipfel besteht aus einem Krater aus verkohltem Felsstein, der mit Asche bedeckt ist


ERSTE SZENE
Phani, Carlos, spanischer Offzier

CARLOS
So reiss' ihn dir doch aus der Seele,
den sündhaften Irrglauben, dem die Inkas huldigen!
Du hast es meiner Liebe versprochen.
Was zögerst du? Nein, du liebst mich nicht!

PHANI
Wie wenig erkennst du meine innere Not!
Welch' ein ungerechter Verdacht! Unbesorgt
sollt ich denn beide,
die Bande des Blutes und des Gesetzes brechen?
Verzeih' mir meine Unsicherheit!

CARLOS
Es ist ein Götzenkult. Was hält dich zurück?

PHANI
Glaube nicht, Carlos, dass meine Einsicht wankt.
Aber ich fürchte die Gewalt unserer stolzen Inkas…

CARLOS
Ja, kannst du sie denn fürchten ?

PHANI
Auf diesen Bergen, ihrer letzten Zuflucht,
wird sie das Fest der Sonne alle versammeln

CARLOS
Was sollen uns ihre Spiele kümmern?

PHANI
Sie beobachten meine Schritte…

CARLOS
Ihre Mühe ist vergeblich,
wenn du mich zum Gatten nimmst,

PHANI
Carlos, geh, ergreife diesen günstigen Moment,
erlöse mich von diesem scheusslichen Ort!
Doch komme nicht allein… Welch' böses Unglück,
wenn dein Tod... Dies Volk ist wild, unversöhnlich,
und oft macht eine Übermacht
die unerschütterlichste Tapferkeit zunichte.
Himmel!

CARLOS
Wie kannst du nur besorgt sein!
Vergisst du, dass in diesen Landen ein einziger
unserer Krieger über eine Armee triumphiert?

PHANI
Ich kenne Eure Heldentaten;
ich weiss, eurem Mut ist nichts unmöglich.
Immerhin, Carlos, hole die Unterstützung!

CARLOS
Was fürchtest du?

PHANI
Ach, ich bin eben ängstlich;
wenn man liebt, hat man immer Angst.

ZWEITE SZENE
Phani allein

PHANI
Komm, Hymenäus, vermähle mich dem Sieger, den ich anbete!
Umwinde mich mit deinem Eheband, deinen Ketten!
In diesem innigen Moment, wo ich dich glühend anflehe,
ist selbst Amor nicht liebenswerter als du!

DRITTE SZENE
Phani, Huascar

HUASCAR
beiseite
Sie ist allein… Ich rede mit ihr, der Moment ist günstig...
doch droht mir ein gefährliches Hindernis : mein Rivale!
So rede ich im Namen der Götter, um ihr Herz zu packen!
Was die Liebe spricht, ist stets verzeihlich ;
ich diene dem Himmel, er diene meiner Glut!
zu Phani
Der Gott unserer Lande offenbarte sich mir an diesem Festtag.
Prinzessin, der Sonnengott geruht, über Euch zu wachen,
und gedenkt, Euch persönlich aus unserem Reiche
durch meine Stimme einen Gatten zu berufen.
Ihr zittert … warum seufzt Euer Herz?

Man gehorche ohne Zögern
dem, was der Himmel befiehlt!
Man kann sich nicht eilends genug
seinem Begehren fügen,
es bedenken, heisst ihn beleidigen.

PHANI
Nein, nein, ich glaube nicht alles, was behauptet wird,
wenn man die Götter zitiert;
oft ist es ein Schwindler,
der im Namen der Götter spricht.

HUASCAR
Für die Götter und mich - eine strafwürdige Beleidigung!
Ich weiss, woraus Eure Ungläubigkeit entspringt,
es ist die Liebe! In Eurem Herzen wird nur sie gehört!

PHANI
Die Liebe! Was glaubt ihr ?

HUASCAR
Ja, Ihr liebt, Abtrünnige Ihr,
einen unserer unmenschlichen Eroberer ! Ach, Himmel,
wirst du auf ewig deine Waffen in ihre Hände geben ?

PHANI
Fürchtet den Gott, der sie führt!

HUASCAR
Das Gold ist es, nach dem es sie drängt,
und das diese Barbaren ewig unersättlich verschlingen
Das Gold, das unsere Altäre zu Ornamenten degradiert,
das ist der einzige Gott, den unsere Tyrannen anbeten !

PHANI
Vermessener! Was sagt Ihr?
Ehrt ihre Macht, und fürchtet ihren Zorn!
Bedarf es, ehe Ihr ihnen huldigt,
etwa noch neuer Wunder?
Ihr saht doch, wie zu unserer Küste her
ihre Leute das Meer überflogen.
Ihr saht, wie im Schrecken des Krieges
ihr unbesiegbarer Arm über Donner gebot…


VIERTE SZENE
Huascar und ein Inka, sein Vertrauter. Man hört einleitende Musik, die das Fest der Sonne ankündigt

HUASCAR
beiseite
Sie kommen ; ich darf mir nichts anmerken lassen.
zu dem Inka, den er zu sich ruft
Ihr kennt meinen Plan. Geht, und gehorcht mir
beiseite
Mir bleibt nichts, als ein barbarischer Trick,
der diesen Ort mit Flammen und Blut überfluten wird.
Doch was riskiert nicht ein Liebender im Zorn?


FÜNFTE SZENE
Fest der Sonne

Huascar, Phani, von Inkas hergeführt; Pallas und Inkas, Opferpriester, Peruaner und Peruanerinnen

HUASCAR
Sonne, man hat deine hehren Weihestätten zerstört;
dir bleibt kein Tempel ausser unseren Herzen.
So schenke uns Gehör in dieser stillen Einöde.
Der Eifer ist den Göttern ja die liebste Ehrung.

Vorspiel zur Anbetung der Sonne
Pallas und Inkas widmen sich der Anbetung der Sonne

HUASCAR
Strahlende Sonne, wir sahen dich in deinem Lauf
niemals von schwarzem Reif verfinstert werden;
du strömst ja über unsere Lande
den hellsten Glanz deines Lichts!

CHOR
Strahlende Sonne, wir sahen dich in deinem Lauf
niemals von schwarzem Reif verfinstert werden;
du strömst ja über unsere Lande
den hellsten Glanz deines Lichts!

Air der Inkas zur Sonnenandacht
Tanz der Peruaner und Peruanerinnen


HUASCAR
Lichte Fackel der Welt,
die Luft, die Erde und das Wasser
spüren deinen Segen.
Lichte Fackel der Welt,
die Luft, die Erde und das Wasser
verdanken dir ihre Schönheit

CHOR
Lichte Fackel der Welt, die Luft,
die Erde und das Wasser
spüren deinen Segen.
Lichte Fackel der Welt,
die Luft, die Erde und das Wasser
verdanken dir ihre Schönheit !

HUASCAR
Dank dir wogen unsere blühenden Felder.
Deine Wohltaten sind unzählbar.
Besingen wir sie nur! Das Echo soll uns antworten!
Dein Name halle ewig aus unseren Wäldern wider!
Du stürzt das Weltall in tiefe Nacht,
wenn du untergehst ; und wenn unsere Augen
dein fruchtbares Licht verlieren, so verlieren sie
all ihre Freuden, und die Schönheit ihr Antlitz.

Loure en Rondeau

HUASCAR
Vergönne uns, Stern des Tageslichts,
mit deinen Feuern auch andre Flammen zu besingen;
teile denn, Stern des Tageslichts,
den Weihrauch unserer Seelen
mit dem zärtlichen Liebesgott.
Sonne, du leitest unsere Schritte,
wenn du deine Reize ausbreitest
auf den Wegen, die du verschönst.
Du bist der Gott der Vernunft ; wenn uns aber trotz
deines Waltens der Liebesgott irreführt,
gefällt er uns darum weniger?
Du leuchtest, Tagesstern,
du bezauberst unser Auge mit deinem Flammenschein!
Du leuchtest, Tagesstem. Aber der Stern unserer Herzen,
das ist die zärtliche Liebe.
Vertreibt den Trübsinn aus unseren Wäldern,
herrschet hier ewig, Götter unserer Herzen!
Der düstere Schleier der Nacht
breite nie seinen Schatten über eure Reize!
Alle Zeiten, ihr liebenswerten Sieger,
sind von euren Gaben geprägt!

Es wird getanzt, da wird das Fest durch ein Erdbeben gestört

1. Gavotte

2. Gavotte en Rondeau

Erdbeben

CHOR
In den Schlünden der Erde
erklären sich die Winde den Krieg.

Die Luft verdüstert sich, das Beben verdoppelt sich, der Vulkan flammt auf, und schleudert Feuer- und Rauchwirbel empor

CHOR
Glutrote Felsbrocken schiessen in die Lüfte;
zum Himmel schleudern sie die Flammen der Hölle!

Entsetzen packt die Peruaner, die Versammlung löst sich auf. Huascar nimmt Phani fest. Das Erdbeben scheint nachzulassen


SECHSTE SZENE
Huascar, Phani

HUASCAR
zu Phani, die quer über die Bühne flieht
Halt! Durch diese Feuer kündet mir der Himmel,
dass Ihr Euch seinem Urteil unterwerfen müsst.
Und der Hochzeitsgott…

PHANI
Was wollt Ihr mir noch offenbaren?
O unseliger Tag ! Soll ich glauben,
dass der Himmel, auf seine Glorie bedacht,
sich Menschen nur erklärt, indem er sie zittern macht ?

HUASCAR
ergreift sie wiederum
Ihr flieht, wenn die Götter geruhen, Euch zu rufen!
Gut, denn! Grausame, gut! Ihr werdet mich kennenlernen!
Folgt Eurem eifersüchtigen Liebhaber!

PHANI
zurückweichend
Dein Verbrechen droht herauskommen!

HUASCAR
Verbrecher heisst man den, der einem nicht passt!
Folgt mir wenigstens, um nicht umzukommen!

Hier sehe ich überall den grausigen Tod
in einer fürchterlichen Feuersbrunst.
Jeder Moment kann Eures Lebens
letzter Augenblick sein.


SIEBENTE SZENE
Phani, Huascar, Carlos

HUASCAR
zu Phani
Was? Mehr als die Gefahr bestürzt Euch meine Liebe?
Das ist zuviel des Widerstands gegen mich!

PHANI
O Himmel, erhöre mein Verlangen!

HUASCAR
Das meinige ist's, dem er Euch überlässt!

CARLOS
tritt vor Huascar hin mit einem Dolch in der Hand
Du täuschst dich, Barbar!

PHANI
O Carlos! Ich zittere!
Der Sonnengott hat die Erde bis in ihre tiefsten
Abgründe in Brand gesetzt, und sein Grimm bedeutet…

CARLOS
Prinzessin, irn Gegenteil! Die Erde verletzt den Himmel!
Diese gefährliche Feuersbrunst
hat nicht die Sonne bewirkt,
sondern dieses Menschens Rage!
Ein Stein nur, wirft man ihn in diesen grausen Schlund,
weckt dort die Gluten dieser schrecklichen Feuer,
und genügt, eine so tödliche Zerstörung auszulösen.
Dieser Heimtückische hoffte, dich heute zu betrügen,
und dass deine Furcht seiner Liebe dienlich sei.
Auf diesen Bergen strafen meine Krieger seine Helfer;
sie werden in diesen schwarzen Abyssen
würdige Gräber für sie finden.
zu Huascar
Doch du verdienst noch grausamere Qualen
zu Phani
Reich'deine Hand seinem glücklichen Rivalen -
das soll seine Strafe sein!

HUASCAR
O, Himmel, das ist hart!

PHANI und CARLOS
Auf ewig verbindet uns die Liebe.
Nein, nein, ohnegleichen ist mein Glück!
Ach, mein Herz hat es wohl verdient,
das Los, das es nun mit dir teilt!

HUASCAR
Nein, nein, ohnegleichen ist meine Wut!
Ich muss ihrem Glück zusehen!
Gibt es für mein gekränktes Herz
bei so grausamer Schmach keine Rache?


ACHTE SZENE
Die Vorigen. Der Vulkan flammt wieder auf, und das Erdbeben beginnt aufs neue

HUASCAR
Die Flamme flackert wieder auf.
Doch ich meide sie nicht, sondern flehe sie an…
Lodernde Schluchten, ich verriet die Altäre.
Lasst eure Donner los,
rächt der Unsterblichen Rechte,
spaltet den Schoss der Erde
unter meinen taumelnden Schritten!
Stürzet, sprengt diese kargen Berge,
schleudert eure Glut auf diese trüben Halden,
fallt über mich, brennende Felsen!

Der Vulkan speiht glühendes Gestein, das den verbrecherischen Huascar zerschmettert

DRITTER AKT: Die Blumen - Ein persisches Fest

In den Gärten von Alis Palast

ERSTE SZENE
Tacmas, persischer Prinz, als Haremshändlerin verkleidet. Ali, Herzensfreund von Tacmas

ALI
beiseite
Mein Erscheinen verschüchtert sie wohl...
laut
Fremdes Weib, kommt herein!
Bringt Ihr in unser Land
jene kunstreichen Waren mit,
die Europa erfand, und Asien bewundert?

TACMAS
lüftet seinen Schleier
Dein Prinz steht vor dir - verkleidet.
In deine Gärten zieht mich die Liebe...

ALI
Wer ist die Glückliche?

TACMAS
Es ist die junge Zaire,
deren siegreicher Pfeil mich traf.

ALI
Zaire, meine Sklavin ?

TACMAS
…und meine Herrscherin.
Ali, ich komme, ihre Ketten zu brechen;
doch bedeutet meine Liebe nicht Verrat an dir?

ALI
Herr, Zaire ist schön, doch ohne mich zu entflammen;
so respektierte ich Euer Feuer, ohne davon zu wissen.
Aber Ihr besitzet doch Fatima, diese reizende Frau!
Nein, keine ist so bezaubernd...

TACMAS
Lieber Ali, ich kenne sie gar nicht.
Fatima entzieht sich meinen Blicken.

ALI
beiseite
Endlich darf ich zu Fatima entbrennen,
und ihr meine geheimsten Wünsche gestehen!

TACMAS
Ich werde Zaire rechtlich anerkennen,
ihre Ehre soll dem Übermass meiner Liebe entsprechen.

Wer mich die Waffen strecken lässt,
verdient ein ehrenvolles Los ;
Amor hielt seinen Schild vor ihre Schönheit,
mein Herz den Preis beständiger Glut zu lehren.

ALI
Warum verkleidet Ihr Euch vor der liebenswerten Zaire,
wenn Ihr ihr doch das vollkommenste Glück versprecht ?

TACMAS
Ich möchte gern ihr Herz erforschen,
ehe ihre schönen Augen den meinen
meine überquellende Liebe ablesen,

ALI
An diesem Tag, da wir das Fest der Blumen feiern,
werden Euch die lieblichsten Myrten kränzen.

TACMAS
Ich sehe Zaire. Geh, und gestalte diese Spiele,
wenn es geht, noch schöner als vorgesehen.


ZWEITE SZENE
Tacmas, als Haremshändlerin; Zaire, nähert sieh langsam, ohne ihn zu sehen

TACMAS
beiseite
Sie scheint von irgendeinem Kummer befangen?
Verbergen wir uns! Entdecken wir, was sie drückt!
Manchmal bringt die Einsamkeit
ein Herz dazu, sich zu öffnen.


DRITTE SZENE
Zaire, Tacmas abseits

ZAIRE
O Amor! Zwar spür' ich hier des Schicksals Härte,
doch nur die deine macht mich weinen.
Meine Ohnmacht verdoppelt heute mein Unglück,
und doch besitzt sie, ach, einen Zauber für mich!


VIERTE SZENE
Die Vorigen

ZAIRE
ohne Tacmas zu sehen
Also, Zaire wagt es zu lieben

TACMAS
beiseite
Welch' unseliges Geheimnis verrät sie mir da?
Doch zügeln wir unbeherrschte Aufwallungen!
Erst gilt es, den Namen meines Rivalen zu erfahren!
zu Zaire
Schöne Sklavin, ich komme, Ihnen meine Hilfe anzubieten.
Ihr liebt; ich steh' Euch bei; vertraut Euch mir an!

ZAIRE
Kann man in der Sklaverei lieben ?
Das heisst, ihre Härte noch mehren.
Die Freude flieht jene Herzen,
welche das Schicksal versehn,

TACMAS
Man sollte in der Sklaverei lieben,
das heisst, ihre Härte mildern.
Die Freude entschädigt die Herzen
welche das Schicksal versehrt.

ZAIRE
Hört auf mit diesen leeren Reden!

TACMAS
sie zurückhaltend
Verzeiht meinem Eifer…
Wartet... nehmt Euch ein paar Momente
für Bilder von grosser Kunst!
beiseite, durchsucht seine Taschen
Ich zeige ihr ein Porträt von mir!
In ihren reizenden Blicken kann ich dann,
ohne Verdacht zu erregen, ihre Gefühle lesen.
zu Zaire, ihr sein Konterfei zeigend
Seht dieses Gemälde!

ZAIRE
betroffen
Ah ! Was zeigt Ihr mir da?
beiseite
Das Angesicht kenne ich nur zu gut!

TACMAS
beiseite
Himmel! Welch böses Zeichen!
Mein Abbild scheint sie zu ergrimmen...
Und ich höre, wie ihr Herz stöhnt…
ihre Stossseufzer… sie gelten einem anderen!
Wer ist wohl der Gegenstand meiner Eifersucht?


FÜNFTE SZENE
Tacmas, Zaire, Fatima als polnischer Sklave verkleidet

TACMAS
Was sehe ich? Das ist der Vermessene!
Seine Verlegenheit entlarvt den Liebhaber!
zu Zaire, die fortgeht
Zaire, wohin flieht Ihr?

FATIMA
hält Tacmas zurück
Bleibt hier, fremdes Weib!
Ich brauche Eure Hilfe;
wollt Ihr sie meinem heissen Begehr versagen?


SECHSTE SZENE
Fatima, Tacmas

TACMAS
beiseite
Ich schiebe meinen nur zu gerechten Zorn noch auf,
denn um ihre Strafe zu bemessen, will ich wissen,
wieweit sich ihre Herzen einig sind!
zu Fatima
Redet ganz unverhüllt mit mir!
Auf meinen Diensteifer könnt Ihr Euch verlassen!

FATIMA
In diese Gärten führt mich Amors Ruf;
wer kann seiner Stimme widerstehen?
Das teure Wesen, das mich seinem Gesetz unterwirft,
weiss nicht, wie treulich ich für es brenne.
Ich komme, ihm meine Liebe zu erklären.
In diese Gärten führt mich Amors Ruf.
Wer kann seiner Stimme widerstehen?
Erleichtert meine grausame Pein!
Ach, um dem gefährlichen Amor zu gehorchen,
riskiere ich, mein Leben zu verlieren!
zu Tacmas
Da Ihr den Herrn dieses schönen Ortes kennt,
wisst Ihr ja, wie ihm ein Herz verfallen kann!

TACMAS
beiseite, über Fatima nachdenkend
Er fürchtet, Ali sei von Zaire geliebt,
Er ist eifersüchtig; bald wird er sich entdecken.
Von den Gefahren, die hier auf ihn lauern,
kennt er die schlimmste noch gar nicht…
Ohne Argwohn steht er vor einem rasenden Rivalen,
und vertraut ihm sein allzubewegtes Herz an!


SIEBENTE SZENE
Fatima, Tacmas, Ali, Zaire

TACMAS
zu Fatima
Redet zu Ende; sagt, wer Ihr seid!

FATIMA
zögernd
Ich bin…

TACMAS
Ihr zaudert…

ALI
hinten auf der Bühne, Zaire herbeiführend
Kommt, schöne Zaire! Kommt heran, und hört auf,
Eure strahlendste Glorie zu fliehen!
Hört, welchen Sieg Eure göttlichen Reize errangen!

TACMAS
Höre du nur, Ali, von meinem beklagenswerten Los!
Ein Rivale hat mich soeben beleidigt !
Tacmas zeigt Ali Fatima, und zieht seinen Dolch, um den vermeintlichen Liebhaber zu erstechen
Da ist der Tückische, und meine Rache !

FATIMA
erkennt den Prinzen, und wirft sich ihm zu Füssen
Es ist der Prinz! Schlagt zu, ich verdiene den Tod!
Doch straft Ihr mich, hört, was ich wirklich verbrach!

ALI
erkennt Fatima
O Himmel, das ist ja die reizende Fatima!
zu Tacmas
Ach, Herr!

TACMAS
lächelnd zu Ali
Ich verstehe Deine Erregung!

ALI
zu Tacmas
Möge Güte Euch entwaffnen!
Ich flehe Euch an im Namen derer, die Euch bezaubert!

TACMAS
Irn schönen Namen von Zaire kann man nichts verweigern;
hebt seinen Schleier
Doch wird ihr der meine genehm sein?
Mag sie mich sehen, wenn sie mein Bildnis scheut?

ZAIRE
zu Tacmas
Wie sehr habt Ihr verkannt, warum mein Herz erschrak!
Erbebt man nicht beim Anblick seines Eroberers?

Lasst Ihr Euch irreführen
durch meines Sinnes Erregung?
Ein Beben, das Ihr auslöst,
kann nur ein zärtliches sein!

TACMAS
zu Zaire
Ich will, dass Hymenäus Euch meiner Treue versichere.
Nein, meinem Herzensglück darf nichts im Wege stehen!

ZAIRE
Eure Flamme zu legitimieren: ich bin königlichen Blutes.

TACMAS
Ich erwartete nicht, überaus liebenswerte Prinzessin,
ein Bekenntnis Eures Ranges als Unterpfand meiner Liebe.
zu Fatima und Ali
Alle hier sollen so glücklich sein wie ich!
Ali, ich spreche dir Fatima zu;
ihre Maskerade beweist dir,
die Glut, die sie für dich fühlt.

FATIMA und ALI
O Herr, was für ein Moment ! Was für ein Glück danke ich Euch!
Wieviel Freuden bringt uns dieser schöne Tag!

FATIMA, ALI, TACMAS, ZAIRE
Zärtliche Liebe, möge uns deine Kette
binden immerdar!

Vorspiel
Ankündigung des Fests der Blumen

TACMAS
zu Zaire
Kommt, schaut die Spiele an, und mehrt so ihren Reiz!

ACHTE SZENE

DAS FEST DER BLUMEN
Der Hintergrundprospekt öffnet sich: nun stellt die ganze Bühne erleuchtete Laubengänge dar, die mit Girlanden und Blumentöpfen behangen sind. Musikanten und Sklaven sind auf Balkone und Lauben verteilt. Liebreizende Odalisken verschiedener Länder Asiens tragen wunderschöne Blumen im Haar und an ihren Kleidern: eine trägt Rosen, eine andere Narzissen als Schmuck; schliesslich sieht man, dass sich jede durch eine eigene Blume abzeichnet

Marsch

CHOR
In Thetis' Meeresschoss lass dein Feuer sinken;
flieh, Tagesstern, und lass die Schatten herrschen!
Nacht, breite deine dunklen Schleier aus!
Deine stille Zeit begünstigt unsere Spiele!

TACMAS
zu Zaire
Die Pracht der schönsten Rosen
vergeht alsbald mit ihnen;
vergebens bringt dies gesegnete Ufer
jeden Augenblick neue hervor -
ihre Reize stehen doch den Euren nach!

ZAIRE
Triumphiert, liebliche Blumen!
Breitet eure Düfte aus!
Lasst eure Farben leuchten!

CHOR
Triumphiert, liebliche Blumen!
Breitet eure Düfte aus!
Lasst eure Farben leuchten!

ZAIRE
Unter eurem Grün verbirgt Amor
seine glühendsten Feuer, seine liebsten Pfeile;
der Frühling verdankt euch seine Anmut;
ihr ziert die Jahreszeit, welche die Natur ziert.
Ihr nehmt den obersten Rang ein
an unserer Flüsse Ufer,
und verschönt an den schönsten Tagen
gar die Schönheit selbst!

CHOR
Triumphiert, liebliche Blumen!
Breitet eure Düfte aus!
Lasst eure Farben leuchten!

1. Air für die Perser

2. Air für die Perser

FATIMA
Flatterhafter Schmetterling,
flieg' her in dies Gefilde!
Halte dich auf,
unterbrich den Lauf
deiner unbeständigen Flamme !

Nie haben so schöne Blumen wie unter diesem spriessenden
Laub es so verdient, deine Liebe zu fesseln!


Tanz der Blumen

Dieser Tanz ist ein Bild aus dem Leben von Gartenblumen.
Man hat Personifikationen vorgenommen wie die Nordwinde Boreas und Aquilon und des linden Zephyr, um das galante Bild zu beseelen, das von anmutigen Sklaven beiderlei Geschlechts ausgeführt wird. Zunächst tanzen die bühnenwirksamsten Blumen miteinander, und bilden ein Beet, das ständig variiert wird. Die Rose, ihre Königin, tanzt allein. Das Fest wird durch ein von Boreas gebrachtes Gewitter unterbrochen , die Blumen spüren sein Wüten ; die Rose widersteht ihrem feindlichen Verfolger am längsten : Boreas' Schritte drücken sein Ungestüm und seinen Furor aus, die Figuren der Rose ihre Sanftheit und Ängste. Zephyr kommt, und der Himmel klärt sich auf; er belebt und erhebt die vom Sturm niedergedrückten Blumen, und besc hliesst seinen und ihren Triumph mit seinen zärtlichen Huldigungen an die Rose


1. Air für die Blumen

2. Air für die Blumen

Gavotte en Rondeau

Gewitter

Air für Boreas

1. Air für Zephyr

2. Air für Zephyr

Air für die Blumen

Gavotte

NEUER AKT: Die Wilden

Das Bühnenbild zeigt eine Lichtung in den Wäldern Amerikas, in der Nähe der französischen und spanischen Kolonien, wo die Zeremonie der Grossen Friedenspfeife abgehalten werden soll.

ERSTE SZENE
Adario, Befehlshaber der Krieger des eingeborenen Stammes. Man hört das Geschmetter französischer Trompeten

ADARIO
Unsere Krieger werden auf meinen Befehl gemeinsammit
unseren Eroberern hier die Freuden des Friedens feiern;
nur mein Herz spürt noch eine unmittelbare Bedrohung:
ich sehe zwei Fremdlinge, als waffentüchtig bekannt,
verliebt in den Gegenstand meiner Sehnsucht;
ich fürchte ihre gefährlichen Liebesseufzer,
und dass die Gunst ihres Schicksals Zima bezaubern könnte.
Rivalen meiner Heldentaten, Rivalen meiner Liebe, -
ach, muss ich euch immerfort
den Sieg überlasse?
Taucht ihr nicht in unseren Wäldern auf,
nur um über beides zu triumphieren -
mein Herz und meine Ehre?
bemerkt seine Rivalen
Himmel! Sie suchen Zima… ob sie ihren Sinn ändert?
Ich verberge mich, und höre, was ich glauben muss!
Ich will wissen, ob und an wem ich mich rächen muss!
Er verbirgt sich am Eingang des Waldes, und beobachtet sie.


ZWEITE SZENE
Damon, französischer Offizier, Don Alvar, spanischer Offizier, Adario, im Versteck

ALVAR
Damon, welch' vergebliche Hoffnung
ässt Euch heute Zimas Spuren folgen?
Ihr beleidigt Amor, doch Ihr zählt auf ihn!
Haltet Ihr seine Gunst für den Lohn der Unbeständigkeit?

DAMON
Unbeständigkeit kränkt doch nur jene,
deren Reizen wir uns entziehen. Nein,
der Sohn der Venus kann nicht beleidigt sein,
wenn wir alle Pfeile, die er uns gibt, empfangen.
Ein Herz, das sich jeden Tag ändert,
schafft ihm jeden Tag neue Eroberungen.
Treue Liebhaber sind die Glorie der Frauen,
doch leichtfertige die Glorie Amors.
In diesen seligen Gefilden denkt man ebenso;
die Gesetze der Tyrannin Beständigkeit
befolgen die Herzen hier nicht.

ALVAR
erblickt Zima
Mein Herz befolgt sie alle…
Da sehe ich ja Zima!


DRTTE SZENE
Zima, Tochter des Stammeshäuptlings der Wilden, Alvar, Damon, Adario abseits

ALVAR
zu Zima
Kann meine Beharrlichkeit Euch nicht rühren ?

DAMON
zu Zima
Seid Ihr Eurer Kühle noch nicht müde ?

ZIMA
Ihr buhlt alle beide um meine Gunst, doch wisset,
auch in unseren Wäldern weiss man die Liebe zu schätzen.

Wir folgen aber hierzulande der unschuldigen Natur,
und mögen nur eine ungekünstelte Liebe.
Mund und Augen kennen hier keine Falschheit;
wenn in diesen heiteren Auen
ein Seufzer ertönt, ein Blick aufleuchtet,
so kommt beides von Herzen !

DAMON und ALVAR
Ei, Ihr wählt also mich! Ich bekomme Eure Zustimmung!
Oh, welch' seliger Augenblick!

ALVAR
Die Natur, der allein Ihr ja huldigt,
heisst uns, beständig sein.

DAMON
Wie ihr Vorbild beweist, heisst es, wechselhaft sein.

Die Erde, die Himmel und die Meere
bieten uns ein hundertfach wechselndes Bild;
die schönsten Tage sind einander nicht gleich;
ist's denn einzig unseren Herzen versagt,
die Köstlichkeiten zu geniessen,
die uns die Unbeständigkeit allenthalben beschert?
zu Zima
Genau Eure Empfindungen... in Eurem gescheiten Land
ist Unbeständigkeit kein Verbrechen.

ZIMA
Nein, abei Ihr vergesst, oder Ihr wisst gar nicht.
wann es uns gestattet ist, unbeständig zu sein.

Unsere Herzen wechseln beliebig an diesem seligen Ort;
bei unseren Liebenden ist es Brauch,
der Liebe nicht zu wehren;
doch sobald wir den Ehebund eingehen,
wechselt unser Herz nicht mehr an diesem seligen Ort.

ALVAR
auf Damon weisend
Ein Bewohner der Seine-Ufers
fühlt sich nie weniger gebunden
als wenn die Ehe ihn kettet ;
er setzt seinen Stolz in seine Windigkeit;
und ist seine Gattin noch so schön,
er schämte sich, ihr treu zu sein.

DAMON
auf Alvar weisend
Die argwöhnischsten Ehemänner,
die wohnen am Ufer des Tajo ;
da schenkt tausend jammernden Schönen
der Ehegott Ketten statt Ringe;
nie seht ihr diese Gefangenen
je lachen und Spiele treiben.
Schöne Zima, fürchtet eine so trübselige Sklaverei!

ALVAR
zu Zima
Ergebt Euch, ergebt Euch endlich meinem Drängen!

ZIMA
Ich mag weder einen eifersüchtigen noch einen flatterhaften Mann!
zu dem Spanier
Ihr liebt allzu stark,
zu dem Franzosen
und Ihr, Ihr liebt zu schwach.

ALVAR
Was sehe ich da ?


VIERTE SZENE
Zima, Damon, Alvar, Adario. Adario kommt forschen Schrittes aus dem Walde ; Zima, von seiner Erregung entzückt, reicht ihm ihre Hand

ZIMA
Da ist der Geliebte, den mein Herz Euch vorzieht !

ALVAR
sieht die beiden
Ihr wagt es, mich so entschieden abzuweisen ?

ZIMA
In unseren Wäldern ist man ehrlich.

ALVAR
auf Adario weisend
An einem verhassten Rivalen weiss ich mich zu rächen.

ADARIO
stolz, zu Alvar
Ich fürchtete deine Liebe, doch nie deinen Zorn.

ALVAR
ergreift ihn
Das geht zu weit…

DAMON
ergreift Alvar
Haltet ein...

ALVAR
überrascht
Damon, seid Ihr von Sinnen?
Was? Ihr verteidigt ihn gegen mich?

DAMON
zu Alvar
Zu stark nahm ich die Unbeständigkeit in Schutz,
um nun nicht dem ungerechten Zorn zu wehren,
den die Beständigkeit in Euch erregt.

Man hört ein Vorspiel, welches das Fest ankündigt

DAMON
Schon höre ich ringsum in den Wäldern
die Trompeten unserer Krieger ertönen.
Nun schreckt ihr Klang diese holde Stille nicht mehr;
sie künden jetzt des Friedensglückes Rückkehr!
zu Alvar
Belastet nicht diesen schönen Tag mit Eurem Kummer!
Möge die Freude Euch bei uns behalten!

ALVAR
entfernt sich
Ach! Ich gehe, eine unglückliche Liebe zu verbergen.

DAMON
folgt ihm
Kommt doch, und amüsiert Euch auf dem Fest


FÜNFTE SZENE
Adario, Zima

ADARIO
Ich beschreibe Euch nicht mehr, was mein Herz fühlt,
schöne Zima; Euer eigenes Herz wird es Euch sagen.
Ich bin ja des Glückes voll,
da Ihr mir zeigt, dass dieselbe Glut
uns alle beide entflammt.

ZIMA
So geniesst denn die Süsse innigster Liebe!
Ich musste Euch den Vorzug geben.
Ich sehe, wie Ihr Euch von Euren Rivalen unterscheidet:
der eine überlässt sich dem Furor,
und der andere verliert mein Herz durch Gleichgültigkeit.
Wir kennen weder diesen Gleichmut noch diese Heftigkeit.
Über unserem Land schwebt Amor, und effüllt unsere Wünsche.
In unserer friedvollen Abgeschiedenheit
murmeln die Bäche und säuseln die Lüfte;
nie hallt hier ein Echo wider
von Klagen oder Seufzern.

ADARIO
Komm, Hochzeitsgott, eile ; folge Amors Ruf!

DUETT
Hymenäus, komm, uns in ewigen Banden zu einen!
Komm, mache die schönen Tage des Friedens noch schöner!
Komm! Ich gelobe dir Treue!
Du kannst uns stets zugleich ketten und erfreuen.
Komm! Ich gelobe dir Treue


SECHSTE SZENE
Zima, Adario, Französinnen als Amazonen gekleidet, französische Krieger und eingeborene Männer und Frauen, Hirten der Kolonie

ADARIO
zu den Eingeborenen
Verbannen wir Trübsal und Angst!
Die Sieger geben uns den Frieden wieder. Teilen wir
ihre Freuden; fürchten wir ihre Waffen nicht mehr!
An unsern stillen Ufern möge stets nur noch Amor
seine Feuer scheinen lassen, und seine Pfeile schiessen!

CHOR DER WILDEN
Verbannen wir Trübsal und Angst!
Die Sieger geben uns den Frieden wieder Teilen
wir ihre Freuden; fürchten wir ihre Waffen nicht mehr!
An unsem stillen Ufern möge stets nur noch Amor
seine Feuer scheinen lassen, und sein Pfeile schiessen!

"Tanz der Grossen Friedenspfeife"
ausgeführt von den Wilden

Rondeau

ZIMA und ADARIO
Friedliche Wälder,
nie trübt hier vergebliches Verlangen unsere Herzen.
Wenn sie auch empfänglich sind,
Fortuna, so doch nicht um den Preis deiner Gunst.

CHOR DER WILDE
Friedliche Wälder
nie trübt hier vergebliches Verlangen unsere Herzen.
Wenn sie auch empfänglich sind,
Fortuna, so doch nicht um den Preis deiner Gunst.

ZIMA und ADARIO
In unsere Abgeschiedenheit
tritt nie herein, Grossmächtigkeit,
deine Verlockungen feilzubieten!
Himmel, du schufst diese Einsamkeit
für die Unschuld und für den Frieden.
Freu'n wir uns unserer ruhigen Stätten,
freu'n wir uns der Gaben der Stille!
Ach, wie kann man denn glücklich sein,
wenn man noch etwas anderes begehrt?

1. Menuett für die Krieger und die Amazonen

2. Menuett

Vorspiel

ZIMA
Regiert, Lust und Spiel! Triumphiert in unseren Wäldern;
hier kennen wir nur eure Gesetze.
Jede Verletzung
zärtlicher Herzen
ist unserem Lieben fremd.
Die Natur, die unser Herz schuf,
führt uns stets unter ihrer Hut.

Chaconne

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Partitur

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Klavierauszug

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