Fidelio

Fidelio

Opera in two acts

Libretto

Joseph Ferdinand von Sonnleithner, Stefan von Breuning and Georg Friedrich Treischke

Premiere

First version: 20 November 1805, Wien (Theater an der Wien)
Second version: 29 March 1806, Wien (Theater an der Wien)
Final version: 23 May 1814, Wien (Kärntnertortheater)

Cast

LEONORE (FIDELIO) (soprano)
FLORESTAN (Tenor)
ROCCO (bass)
MARZELLINE (soprano)
JAQUINO (tenor)
DON PIZZARRO (baritone)
DON FERNANDO (bass-baritone)
FIRST PRISONER (tenor)
SECOND PRISONER (baritone)

CHORUS
Officers, soldiers, state prisoners, people

Place

State prison near Sevilla

Time

18th Century

Beethoven, Ludwig van

Beethoven, Ludwig van
16.(?)/17.12.1770 Bonn - 26.3.1827 Wien


Works for stage
with date/place of first performance:

Fidelio, oder Die eheliche Liebe (20.11.1805 Wien)
Fidelio, oder Die eheliche Liebe [rev] (29.3.1806 Wien)
Fidelio, oder Die eheliche Liebe [rev 2] (23.5.1814 Wien)
rev = revised



ERSTER AKT
Als Opfer willkürlicher Gewalt hält Don Pizarro, der Gouverneur eines (spanischen) Staatsgefängnisses, politische Gefangene verborgen, unter ihnen seinen persönlichen Widersacher Florestan, einen Freiheitskämpfer. Dessen Gattin Leonore hat sich, als Mann verkleidet unter dem Namen Fidelio, bei dem Kerkermeister Rocco anstellen lassen, um auf diese Weise Zugang zu den Gefangenen zu erhalten. Sie vermutet ihren Gatten unter ihnen. Bisher ist es ihr noch nicht gelungen, in die unteren Gewölbe vorzudringen, da Rocco glaubt, sie könne den Anblick der ausgemergelten Menschen nicht ertragen. Marzelline, Roccos Tochter, hat sich in Fidelio verliebt und durchkreuzt damit die Heiratsabsichten des Schliessers Jaquino, dessen hartnäckiges Werben sie heftig abweist (Jetzt, Schätzchen, jetzt sind wir allein). Sie träumt von einem kleinbürgerlichen Glück mit Fidelio. (O wär ich schon mit dir vereint). Leonore sieht sich konfrontiert mit dem Widerspruch zwischen ihrer angenommenen Rolle als Gehilfe des Kerkermeisters und ihrer wahren Absicht: Sie will Florestan unter den Gefangenen suchen und befreien. Es ist offensichtlich, dass Rocco ihren Diensteifer missdeutet als heimliche Liebe zu seiner Tochter Marzelline; er stellt bereits die Hochzeit in Aussicht (Mir ist so wunderbar) und gibt Marzelline und Fidelio Ratschläge für ihr künftiges Eheglück (Hat man nicht auch Gold beineben). Im Gegenzug dazu gewinnt Leonore alias Fidelio sein Vertrauen und erreicht, dass er sie, gegen den Willen Pizarros, mit in die unteren Gewölbe des Kerkers nimmt. Rocco gibt aber zu bedenken, dass es ein Gewölbe gäbe, in das niemand eintreten dürfe; dort befände sich ein Gefangener, der auf Befehl Pizarros seit einem Monat täglich weniger zu essen und zu trinken bekäme. Leonore versichert, sie werde den Anblick mutig zu ertragen wissen (Gut, Söhnchen, gut).
Pizarro erscheint mit seinen Wachsoldaten und erfährt aus einem von Rocco übergebenen Brief, dass der Minister eine Untersuchung des Gefängnisses angeordnet habe, da er Opfer willkürlicher Gewalt darin vermute. Er selbst werde diese Untersuchung leiten. Pizarro sieht sich zu raschem Handeln gezwungen: Er will Florestan so schnell wie möglich umbringen lassen und gibt die Anweisung, dass ein Trompetensignal ertönen solle, sobald der Wagen des Ministers naht. (Ha, welch ein Augenblick). Als er Rocco bestechen will, den Mord auszuführen, stösst er auf Widerstand und beschliesst, selbst Hand an den Widersacher Florestan zu legen, nachdem Rocco vorher das Grab ausgehoben hat. (Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile). Leonore, die weiss, dass Pizarro zu allem entschlossen ist, baut auf die Hoffnung, dass es ihr doch noch gelingen möge, Florestan ausfindig zu machen und zu retten. (Abscheulicher, wo eilst du hin? / Komm Hoffnung). Auf ihren (und Marzellines) Wunsch lässt Rocco eigenmächtig die Gefangenen für kurze Zeit in den Hof des Gefängnisses treten; Leonore versucht vergeblich, Florestan unter ihnen zu entdecken. Die Gefangenen betrachten die unerwartet freie Luft als Vision der Freiheit, fühlen sich aber zugleich belauscht (O, welche Lust). Rocco kann Fidelio berichten, dass er ihn in den untersten Kerker begleiten dürfe, um dort das Grab für den Gefangenen zu graben, der durch Pizarro umgebracht werden soll. Leonore vermutet, dass sie am Ende noch das Grab für den eigenen Gatten aushebt. Jaquino und Marzelline stürzen herbei und kündigen den wütenden Pizarro an, der Rocco wegen der Freilassung der Gefangenen zur Rede stellt. Rocco entschuldigt sich mit dem Namenstag des Königs, den er auf diese Weise hätte feiern wollen, und lenkt geschickt den Zorn Pizarros auf Florestan. Die Gefangenen nehmen Abschied vom Sonnenlicht und steigen wieder in die Gewölbe hinab.

ZWEITER AKT
Im untersten Kerker beklagt Florestan sein Los, tröstet sich aber damit, dass er seine Pflicht der Wahrheitsliebe erfüllt habe, und sieht in einer Halluzination Leonore als Engel der Freiheit; dann sinkt er völlig erschöpft zusammen (Gott! Welch Dunkel hier! / In des Lebens Frühlingstagen). Rocco und Leonore steigen in seinen Kerker hinab und beginnen, das Grab auszuheben (Nur hurtig fort, nur frisch gegraben). Leonore ist entschlossen, den Gefangenen, den sie im Dunkeln nicht erkennt, auf jeden Fall zu retten, auch wenn es nicht Florestan sein sollte. Bevor Rocco und Leonore dem Gefangenen aus Mitleid Brot und Wein reichen, erkennt Leonore plötzlich das Gesicht ihres Gatten, als er sich im Gespräch zu Rocco wendet. Er fragt auch nach dem Gouverneur des Gefängnisses und erfährt, dass es sein persönlicher Feind Pizarro ist. Rocco weigert sich, seiner Bitte nachzukommen, Leonore zu benachrichtigen, und beruft sich auf seine strikte Pflichterfüllung. Nachdem Florestan ihm und Leonore, die er nicht erkennt, für Brot und Wein gedankt hat, (Euch werde Lohn in bessern Welten), gibt Rocco mit einem Pfiff das Zeichen für Pizarro, der nun vermummt im Kerker erscheint. Als er sich Florestan zu erkennen gibt (Er sterbe! Doch er soll erst wissen) und ihn erstechen will, stürzt Leonore auf ihn zu, stellt sich vor Florestan und gibt sich ebenfalls zu erkennen. Sie schreckt nicht einmal davor zurück, auf Pizarro die Pistole zu richten, und hätte ihn sogar erschossen, wenn nicht von oben in diesem Augenblick das verabredete Trompetensignal erklungen wäre. Der Minister Don Fernando erscheint als Retter aller Gefangenen; Leonore und Florestan sinken sich in die Arme (O namenlose Freude). Marzelline muss einsehen, dass Fidelio sie getäuscht hat. Der Dank für Gottes Gerechtigkeit und eine Hymne auf Leonore (Wer ein holdes Weib errungen) bilden das emphatische Finale.

ACT I
Florestan, a political prisoner, is incarcerated in Seville. Disguised as a boy named Fidelio, Florestan's wife Leonore gets herself employed by the jailor, Rocco, whose daughter Marzelline then falls in love with the newcomer - to the anger of her lover Jacquino.
Fidelio begs to be allowed to work in the cells. Rocco agrees, but he must first ask the governor, Pizarro. Rocco cautions her that there is one cell which she can never enter.
Pizarro arrives and is given a letter in which he is warned that the minister, Don Fernando, intends to visit the prison, as he has heard rumours of cruelty there. Alarmed that he might be caught out, Pizarro tells Rocco that he is going to kill Florestan and demands that the jailor
prepare a grave.
Fidelio manages to persuade Rocco to allow the prisoners into the light, but Florestan is not among them. Furious that the prisoners have been let out, Pizarro orders them back into their cells.

ACT II
Florestan, starved and chained to a wall in his cell, begins to suffer hallucinations. He has a vision of an angel with Leonore's face, leading him from his life of suffering. Rising to follow her, he falls to the ground unconscious.
Rocco and Fidelio enter Florestan's cell, and even though his face is hidden, Fidelio swears to help the prisoner, no matter who he is. Florestan is woken and he and Leonore recognize each other.
When Pizarro enters, Leonore draws a pistol, holding the governor at bay while Don Fernando can be heard arriving.
Pizarro is arrested, the prisoners are released, and DonFernando addresses the people. Justice and love have triumphed over tyranny and hatred.
The opera ends in praise of the woman who risked her life to save her husband.
ACTE I
Léonore (soprano), sachant son mari Florestan mis au secret dans la prison d'une forteresse par son ennemi, le tyran Pizarro, se fait engager comme aide-geôlier sous le déguisement masculin de Fidelio par le directeur de la prison, Rocco (basse). Mais la fille de celui-ci, Marzelline (soprano) repoussant son fiancé Jacquino (ténor), avoue son amour pour le nouveau venu (Oh, wär ich schon). Léonore ne sait comment dissiper cette équivoque (quatuor: Mir ist so wunderbar), cependant que Rocco brode déjà sur le thème du mariage (Hat man nicht) et que Léonore l'interroge avidement sur le prisonnier.
Pizarro (baryton-basse) fait irruption, se réjouissant du supprimer bientôt son ennemi avant l'inspection du ministre (Ha, welch ein Augenblick). Il demande à Rocco de creuser sur le champ une tombe; Léonore, qui a surpris son propos, se livre à un poignant monologue: (Abscheulicher … komm Hoffnung) où alternent sa haine de la tyrannie et l'espoir en un monde de paix et d'amour. Elle obtient de Rocco une sortie des prisonniers à l'air libre (choeur: O welche Lust) mais cherche en vain Florestan parmi ceux-ci.

ACTE II
Florestan (ténor) gît dans les profondeurs du donjon (Gott! welch' Dunkel hier). Rocco et Léonore viennent creuser la tombe et Léonore reconnaît enfin son époux, auquel elle donne du pain et de l'eau. Il en remercie avec émotion (trio: Euch werde Lohn) sans deviner qui elle est.
Pizarro survient et se fait reconnaître de son ennemi, mais alors qu'il s'apprête à le tuer, Léonore se démasque et menace Pizarro en brandissant un pistolet. Au même instant la trompette annonce l'arrivée du ministre. Pizarro est confondu. Restés seuls, Léonore et Florestan exaltent leur amour fervent (duo: O namenlose Freude!).
Dans la cour supérieure de la forteresse, le ministre Don Fernando (baryton) retrouve avec émotion son ami Florestan, et confie à Léonore, "sa noble épouse", le soin de détacher ses chaînes, cependant que Pizarro est mené au cachot. Le peuple en liesse chante la liberté reconquise.
ATTO PRIMO
In una prigione Marcellina, la figlia del carceriere Rocco, è corteggiata da Jaquino, che non vuol capacitarsi dell’improvviso mutamento dei sentimenti della fanciulla. Marcellina infatti non lo prende più in considerazione da quando ha cominciato a lavorare nel carcere Fidelio. Questi è in realtà Leonora, moglie di Florestano, che per ritrovare il marito misteriosamente scomparso va a cercarlo nel carcere governato dal suo peggior nemico, Pizarro, e per penetrarvi ha dovuto travestirsi e conquistarsi la fiducia del carceriere Rocco. Rimasta sola, Marcellina canta in un’aria il suo amore per Fidelio e il desiderio di rapide nozze con lui (“O wär ich schon mit dir vereint”). Entrano Rocco e Leonora/Fidelio, il cui zelo viene inteso dal padre di Marcellina come un segno d’amore per la figlia. In un mirabile quartetto a canone (“Mir ist so wunderbar”) Marcellina, Leonora, Jaquino e Rocco esprimono i loro diversi sentimenti, accomunati dalla musica in un clima di sospesa stupefazione. Rocco raccomanda a Marcellina e Fidelio, che considera promessi sposi, di badare anche al denaro, sempre necessario, e accoglie con fiducia e favore la proposta di Fidelio di aiutarlo nei lavori più pesanti del carcere, anche nei sotterranei (dove Leonora ha il sospetto che possa trovarsi il marito Florestano). Al suono di una marcia entra Pizarro, che riceve una lettera in cui viene avvertito dell’imminenza di una ispezione. Pizarro decide di uccidere il prigioniero nascosto nei sotterranei e pregusta la vendetta e l’assassinio nella sua aria con coro (“Ha, welch ein Augenblick”). Chiede a Rocco di fargli da sicario e, allo sdegnato rifiuto del vecchio carceriere, gli ordina di preparare la tomba per il misterioso prigioniero del sotterraneo, che egli stesso ucciderà. Leonora, che ha ascoltato di nascosto il loro dialogo, inorridisce per i propositi di Pizarro; ma si sente rasserenata dalla speranza (recitativo accompagnato e aria “Abscheulicher, wo eilst du hin?... Komm, Hoffnung”). Convince poi Rocco a concedere ai prigionieri di uscire dal carcere: il finale del primo atto (“O welche Lust, in freier Luft”) comincia con il coro dei prigionieri, felici di respirare finalmente l’aria libera. Pizarro è furioso per l’iniziativa di Rocco, e fa di nuovo chiudere i prigionieri, che si congedano mestamente dalla luce del sole.

ATTO SECONDO
Florestano, poiché osò «dire audacemente la verità», è incatenato in un oscuro carcere sotterraneo dai «giorni della primavera della vita» (introduzione e aria “Gott, welch Dunkel hier/ In des Lebens Frühlingstagen”); ma è serenamente consapevole di aver fatto il proprio dovere. Nella seconda sezione dell’aria (completamente rifatta nel 1814) descrive una visione: Leonora come un angelo lo conduce alla libertà. Esausto, sviene. Sopraggiungono Rocco e Leonora/Fidelio per preparare la tomba come ha ordinato Pizarro (melologo e duetto). Florestano si riprende, interroga Rocco, e viene riconosciuto da Fidelio, che ancora non può rivelarsi; ma ottiene di dargli il conforto di un po’ di pane e di vino. Florestano può solo promettere una ricompensa in un mondo migliore, in una pagina di intensità quasi religiosa (terzetto “Euch werde Lohn”). Giunge Pizarro per compiere l’assassinio, e nel quartetto (“Er sterbe”) si rivela a Florestano prima di colpirlo. Ma Leonora si interpone e a sua volta si fa riconoscere. Superata la sorpresa, Pizarro vorrebbe uccidere lei insieme con Florestano; ma è fermato da Leonora che lo minaccia con una pistola. Si odono intanto gli squilli di tromba che annunciano l’arrivo del ministro. Pizarro, seguito da Rocco, deve andare a riceverlo; erompe la gioia di Leonora e Florestano (duetto “O namenlose Freude”). Nel finale, nel cortile del carcere, Don Fernando, il ministro, annuncia un messaggio di libertà e fratellanza. Rocco richiama la sua attenzione sulla sorte di Florestano, che Fernando riconosce con stupore. Pizarro è arrestato, e a Leonora stessa tocca il compito di togliere le catene al marito. Coro e solisti partecipano alla gioiosa celebrazione finale.


Fidelio oder Die eheliche Liebe


Personen:
DON FERNANDO, Minister (Bariton)
DON PIZARRO, Gouverneur eines Staatsgefängnisses (Bariton)
FLORESTAN, Gefangener (Tenor)
LEONORE, dessen Frau unter dem Namen "Fidelio" (Sopran)
ROCCO, Kerkermeister (Bass)
MARZELLINE, dessen Tochter (Sopran)
JAQUINO, Pförtner (Tenor)
ERSTER GEFANGENER (Tenor)
ZWEITER GEFANGENER (Bass)

CHOR
Wachsoldaten; Staatsgefangene; Volk
ERSTER AKT

Ouvertüre

ERSTER AUFTRITT
Marzelline, Jaquino.

Nr. 1 - Duett

JAQUINO
Jetzt, Schätzchen, jetzt sind wir allein,
Wir können vertraulich nun plaudern.

MARZELLINE
Es wird ja nichts Wichtiges sein,
Ich darf bei der Arbeit nicht zaudern.

JAQUINO
Ein Wörtchen, du Trotzige, du!

MARZELLINE
So sprich nur, ich höre ja zu.

JAQUINO
Wenn du mir nicht freundlicher blickest,
So bring ich kein Wörtchen hervor.

MARZELLINE
Wenn du dich nicht in mich schickest,
Verstopf ich mir vollends das Ohr.

JAQUINO
Ein Weilchen nur höre mir zu,
Dann lass' ich dich wieder in Ruh.

MARZELLINE
So hab ich denn nimmermehr Ruh;
So rede, so rede nur zu.

JAQUINO
Ich habe zum Weib dich gewählet,
Verstehst du?

MARZELLINE
Das ist ja doch klar.

JAQUINO
Und, wenn mir dein Jawort nicht fehlet,
Was meinst du?

MARZELLINE
So sind wir ein Paar.

JAQUINO
Wir könnten in wenigen Wochen -

MARZELLINE
Recht schön, du bestimmst schon die Zeit.

JAQUINO
Zum Henker, das ewige Pochen!

MARZELLINE
So bin ich doch endlich befreit!

JAQUINO
Da war ich so herrlich im Gang,
Und immer entwischt mir der Fang.

MARZELLINE
Wie macht seine Liebe mir bang,
Wie werden die Stunden mir lang.
Ich weiss, dass der Arme sich quälet,
Es tut mir so leid auch um ihn!
Fidelio hab ich gewählet,
Ihn lieben ist süsser Gewinn.

JAQUINO
Wo war ich? - Sie sieht mich nicht an.

MARZELLINE
Da ist er - er fängt wieder an.

JAQUINO
Wann wirst du das Jawort mir geben?
Es könnte ja heute noch sein.

MARZELLINE
O weh! Er verbittert mein Leben.
Jetzt, morgen und immer, nein!

JAQUINO
Du bist doch wahrhaftig von Stein!
Kein Wünschen, kein Bitten geht ein.

MARZELLINE
Ich muss ja so hart mit ihm sein,
Er hofft bei dem mindesten Schein.

JAOUINO
So wirst du dich nimmer bekehren?
Was meinst du?

MARZELLINE
Du könntest nun gehn.

JAQUINO
Wie? Dich anzusehn willst du mir wehren?
Auch das noch?

MARZELLINE
So bleibe hier stehn!

JAQUINO
Du hast mir so oft doch versprochen -

MARZELLINE
Versprochen? Nein, das geht zu weit!

JAQUINO
Zum Henker, das ewige Pochen!

MARZELLINE
So bin ich doch endlich befreit!

JAQUINO
Es ward ihr im Ernste schon bang,
Wer weiss, ob es mir nicht gelang.

MARZELLINE
Das ist ein willkommener Klang,
Es wurde zu Tode mir bang.


ZWEITER AUFTRITT
Marzelline allein.

MARZELLINE
Der arme Jaquino! Ich war ihm sonst recht gut, da kam Fidelio in unser Haus, und seit der Zeit ist alles in mir und um mich verändert.

Nr. 2 - Arie

MARZELLINE
O wär ich schon mit dir vereint
Und dürfte Mann dich nennen!
Ein Mädchen darf ja, was es meint,
Zur Hälfte nur bekennen.
Doch wenn ich nicht erröten muss
Ob einem warmen Herzenskuss,
Wenn nichts uns stört auf Erden -
Die Hoffnung schon erfüllt die Brust
Mit unaussprechlich süsser Lust,
Wie glücklich will ich werden!

In Ruhe stiller Häuslichkeit
Erwach ich jeden Morgen,
Wir grüssen uns mit Zärtlichkeit,
Der Fleiss verscheucht die Sorgen.
Und ist die Arbeit abgetan,
Dann schleicht die holde Nacht heran,
Dann ruhn wir von Beschwerden.
Die Hoffnung schon erfüllt die Brust
Mit unaussprechlich süsser Lust,
Wie glücklich will ich werden!


DRITTER AUFTRITT
Marzelline, Rocco, Jaquino.

ROCCO
Marzelline, ist Fidelio noch nicht zurückgekommen?

MARZELLINE
Nein, Vater.

ROCCO
Ich erwarte ihn mit Ungeduld,

MARZELLINE
Da ist er ja! Wie beladen er ist.


VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen, Leonore.

ROCCO
Warte! Warte, Fidelio! Diesmal hast du dir zu viel aufgeladen.

LEONORE
Ich muss gestehen, ich bin ein wenig ermüdet. Der Schmied hatte an den Ketten so lange auszubessern.

ROCCO
Sind sie jetzt gut?

LEONORE
Gewiss, gut und stark. Keiner der Gefangenen wird sie zerbrechen.

ROCCO
Wieviel kostet alles zusammen?

LEONORE
Zwölf Piaster ungefähr. Hier ist die Rechnung.

ROCCO
Gut! Du bist ein kluger Bursche. Ich kann gar nicht begreifen, wie du deine Rechnung machst.

LEONORE
Ich suche zu tun, was mir möglich ist.

ROCCO
Sei versichert, dein Lohn wird nicht ausbleiben.

LEONORE
O glaubt nicht, dass ich meine Schuldigkeit nur des Lohnes wegen - ich…

ROCCO
Still! Meinst du, ich kann dir nicht ins Herz sehen?

Nr. 3 - Quartett

MARZELLINE
Mir ist so wunderbar,
Es engt das Herz mir ein;
Er liebt mich, es ist klar,
Ich werde glücklich sein.

LEONORE
Wie gross ist die Gefahr,
Wie schwach der Hoffnung Schein!
Sie liebt mich, es ist klar,
O namenlose Pein!

ROCCO
Sie liebt ihn, es ist klar;
Ja, Mädchen, er wird dein.
Ein gutes, junges Paar,
Sie werden glücklich sein.

JAQUINO
Mir sträubt sich schon das Haar,
Der Vater willigt ein;
Mir wird so wunderbar,
Mir fällt kein Mittel ein.


ROCCO
Höre, Fidelio! Sobald der Gouverneur nach Sevilla gereist sein wird, mache ich dich zu meinem Tochtermann. Am Tage nach seiner Abreise gebe ich euch zusammen.

MARZELLINE
Den Tag nach seiner Abreise? O ja, lieber Vater!

LEONORE
Den Tag nach seiner Abreise?

ROCCO
Nun, meine Kinder, ihr habt euch doch lieb, nicht wahr? Aber das ist noch nicht alles, was zu einer vergnügten Haushaltung gehört.

Nr. 4 - Arie

ROCCO
Hat man nicht auch Gold beineben,
Kann man nicht ganz glücklich sein;
Traurig schleppt sich fort das Leben,
Mancher Kummer stellt sich ein.
Doch wenns in der Tasche fein klingelt und rollt,
Da hält man das Schicksal gefangen,
Und Macht und Liebe verschafft dir das Gold
Und stillet das kühnste Verlangen.
Das Glück dient wie ein Knecht für Sold,
Es ist ein schönes Ding, das Gold.

Wenn sich nichts mit nichts verbindet,
Ist und bleibt die Summe klein;
Wer bei Tisch nur Liebe findet,
Wird nach Tische hungrig sein.
Drum lächle der Zufall euch gnädig und hold
Und segne und lenk euer Streben;
Das Liebchen im Arme, im Beutel das Gold,
So mögt ihr viel Jahre durchleben.
Das Glück dient wie ein Knecht für Sold,
Es ist ein mächtig Ding, das Gold.


LEONORE
Ihr könnt das leicht sagen, Meister Rocco, aber es gibt etwas, was mir nicht weniger kostbar sein würde.

ROCCO
Und was wäre das?

LEONORE
Euer Vertrauen. Oft sehe ich Euch aus den unterirdischen Gewölben ganz ausser Atem zurückkommen. Warum erlaubt Ihr mir nicht, Euch dahin zu begleiten?

ROCCO
Du weisst doch, dass ich den strengsten Befehl habe, niemanden zu den Staatsgefangenen zu lassen.

MARZELLINE
Aber Ihr arbeitet Euch ja zu Tode, Vater.

ROCCO
Ja, ihr habt recht. Der Gouverneur muss mir erlauben, dich in die geheimen Kerker mit mir zu nehmen. Aber es gibt ein Gewölbe, in das ich dich wohl nie werde führen dürfen.

MARZELLINE
Vermutlich, wo der Gefangene ist, von dem Ihr schon mehrere Male gesprochen ...

ROCCO
Ja, ja.

LEONORE
Ich glaube, es ist schon lange her, dass er gefangen ist?

ROCCO
Schon über zwei Jahre.

LEONORE
Zwei Jahre, sagt Ihr? Er muss ein grosser Verbrecher sein.

ROCCO
Oder er muss grosse Feinde haben, das kommt ungefähr auf eins heraus. Aber es kann nicht mehr lange mit ihm dauern.

LEONORE
Grosser Gott!

ROCCO
Seit einem Monat schon muss ich auf Pizarros Befehl seine Portion immer kleiner machen. Jetzt hat er binnen vierundzwanzig Stunden nicht mehr als zwei Unzen schwarzes Brot und eine halbe Mass Wasser; kein Licht - kein Stroh - nichts - nichts -!!

MARZELLINE
O Vater, führt Fidelio ja nicht zu ihm! Diesen Anblick könnte er nicht ertragen.

LEONORE
Warum denn nicht? Ich habe Mut und Kraft!


Nr. 5 - Terzett

ROCCO
Gut, Söhnchen, gut,
Hab immer Mut,
Dann wird's dir auch gelingen;
Das Herz wird hart
Durch Gegenwart
Bei fürchterlichen Dingen.

LEONORE
Ich habe Mut!
Mit kaltem Blut
Will ich hinab mich wagen:
Für hohen Lohn
Kann Liebe schon
Auch hohe Leiden tragen.

MARZELLINE
Dein gutes Herz
Wird manchen Schmerz
In diesen Grüften leiden;
Dann kehrt zurück
Der Liebe Glück
Und unnennbare Freuden.

ROCCO
Du wirst dein Glück ganz sicher bauen.

LEONORE
Ich hab auf Gott und Recht Vertrauen.

MARZELLINE
Du darfst mir auch ins Auge schauen
Der Liebe Macht ist auch nicht klein.
Ja, wir werden glücklich sein.

LEONORE
Ja, ich kann noch glücklich sein.

ROCCO
Ja, ihr werdet glücklich sein.

Der Gouverneur soll heut erlauben,
Dass du mit mir die Arbeit teilst.

LEONORE
Du wirst mir alle Ruhe rauben,
Wenn du bis morgen nur verweilst.

MARZELLINE
Ja, guter Vater, bitt' ihn heute,
In kurzem sind wir dann ein Paar.

ROCCO
Ich bin ja bald des Grabes Beute,
Ich brauche Hilf', es ist ja wahr.

LEONORE
Wie lang bin ich des Kummers Beute!
Du, Hoffnung, reichst mir Labung dar.

MARZELLINE
Ach, lieber Vater, was fällt Euch ein?
Lang' Freund und Rater müsst Ihr uns sein.

ROCCO
Nur auf der Hut, dann geht es gut,
Gestillt wird euer Sehnen.
Gebt euch die Hand und schliesst das Band
In süssen Freudentränen.

LEONORE
Ihr seid so gut, Ihr macht mir Mut,
Gestillt wird bald mein Sehnen!
Ich gab die Hand zum süssen Band,
Es kostet bittre Tränen.

MARZELLINE
O habe Mut! O welche Glut!
O welch ein tiefes Sehnen!
Ein festes Band mit Herz und Hand,
O süsse, süsse Tränen!


Nr. 6 - Marsch


FÜNFTER AUFTRITT
Rocco, Pizarro, Offiziere, Wachen.

PIZARRO
Hauptmann, drei Schildwachen auf den Wall! Sechs Mann an die Zugbrücke, jedermann, der sich der Festung nähert, wird sogleich vor mich gebracht! Rocco, ist etwas Neues vorgefallen?

ROCCO
Nein, Herr Gouverneur.

PIZARRO
Depeschen?

ROCCO
Hier sind sie.

PIZARRO
Immer Empfehlungen oder Vorwürfe. Diese Schrift kenne ich.
gebe Ihnen Nachricht, dass der Minister in Erfahrung gebracht hat, dass die Staatsgefängnisse, denen Sie vorstehen, mehrere Opfer willkürlicher Gewalt enthalten. Er reist morgen ab, um Sie mit einer Untersuchung zu überraschen. Seien Sie auf Ihrer Hut und suchen Sie sich sicher zu stellen.«
Gott, wenn er entdeckte, dass ich diesen Florestan in Ketten liegen habe, den er längst tot glaubt. Doch es gibt ein Mittel! Eine kühne Tat . . .

Nr. 7 - Arie mit Chor

PIZARRO
Ha, welch ein Augenblick!
Die Rache werd' ich kühlen,
Dich rufet dein Geschick!
In seinem Herzen wühlen,
O Wonne, grosses Glück!
Schon war ich nah, im Staube,
Dem lauten Spott zum Raube,
Dahingestreckt zu sein.
Nun ist es mir geworden,
Den Mörder selbst zu morden;
In seiner letzten Stunde,
Den Stahl in seiner Wunde,
Ihm noch ins Ohr zu schrein:
Triumph! Der Sieg ist mein!

CHOR DER WACHE
Er spricht von Tod und Wunde!
Nun fort auf unsre Runde,
Wie wichtig muss es sein!
Er spricht von Tod und Wunde!
Wacht scharf auf eurer Runde,
Wie wichtig muss es sein!


PIZARRO
Hauptmann! Besteigen Sie mit einem Trompeter sogleich den Turm. Sehen Sie mit der grössten Achtsamkeit auf die Strassen von Sevilla. Sobald Sie einen Wagen von Reitern begleitet entdecken, lassen Sie augenblicklich ein Signal geben. Verstehen Sie, augenblicklich! Ich erwarte die grösste Pünktlichkeit. Sie haften mir mit Ihrem Kopf. Fort! auf eure Posten! Rocco!

ROCCO
Herr!


Nr. 8 - Duett

PIZARRO
Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile!
Dir wird ein Glück zuteile,
Du wirst ein reicher Mann;
Das geb ich nur daran.

ROCCO
So sagt doch nur in Eile,
Womit ich dienen kann.

PIZARRO
Du bist von kaltem Blute,
Von unverzagtem Mute
Durch langen Dienst geworden.

ROCCO
Was soll ich? Redet! Redet!

PIZARRO
Morden!

ROCCO
Wie?

PIZARRO
Höre mich nur an!
Du bebst? Bist du ein Mann?
Wir dürfen gar nicht säumen;
Dem Staate liegt daran,
Den bösen Untertan
Schnell aus dem Weg zu räumen.

ROCCO
O Herr!

PIZARRO
Du stehst noch an?
Er darf nicht länger leben,
Sonst ist's um mich geschehn.
Pizarro sollte beben?
Du fällst - ich werde stehn.

ROCCO
Die Glieder fühl' ich beben,
Wie könnt ich das bestehn?
Ich nehm ihm nicht das Leben,
Mag, was da will, geschehn.
Nein, Herr, das Leben nehmen,
Das ist nicht meine Pflicht.

PIZARRO
Ich will mich selbst bequemen,
Wenn dir's an Mut gebricht;
Nun eile rasch und munter
Zu jenem Mann hinunter -
Du weisst -

ROCCO
Der kaum mehr lebt
Und wie ein Schatten schwebt?

PIZARRO
Zu dem, zu dem hinab!
Ich wart' in kleiner Ferne,
Du gräbst in der Zisterne
Sehr schnell ein Grab.

ROCCO
Und dann?

PIZARRO
Dann werd' ich selbst, vermummt,
Mich in den Kerker schleichen -
Ein Stoss - und er verstummt!

ROCCO
Verhungernd in den Ketten
Ertrug er lange Pein,
Ihn töten, heisst ihn retten,
Der Dolch wird ihn befrein.

PIZARRO
Er sterb in seinen Ketten,
Zu kurz war seine Pein,
Sein Tod nur kann mich retten,
Dann werd' ich ruhig sein.

Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile!
Hast du mich verstanden?
Du gibst ein Zeichen!
Dann werd' ich selbst, vermummt,
Mich in den Kerker schleichen -
Ein Stoss - und er verstummt!

ROCCO
Verhungernd in den Ketten
Ertrug er lange Pein,
Ihn töten, heisst ihn retten,
Der Dolch wird ihn befrein.

PIZARRO
Er sterb in seinen Ketten,
Zu kurz war seine Pein.
Sein Tod nur kann mich retten,
Dann werd' ich ruhig sein.


SECHSTER AUFTRITT
Leonore allein.

Nr. 9 - Rezitativ und Arie

LEONORE
Abscheulicher! Wo eilst du hin?
Was hast du vor in wildem Grimme?
Des Mitleids Ruf, der Menschheit Stimme -
Rührt nichts mehr deinen Tigersinn?
Doch toben auch wie Meereswogen
Dir in der Seele Zorn und Wut,
So leuchtet mir ein Farbenbogen,
Der hell auf dunkeln Wolken ruht:
Der blickt so still, so friedlich nieder,
Der spiegelt alte Zeiten wider,
Und neu besänftigt wallt mein Blut.

Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern
Der Müden nicht erbleichen!
O komm, erhell' mein Ziel, sei's noch so fern,
Die Liebe, sie wird's erreichen.
Ich folg' dem innern Triebe,
Ich wanke nicht,
Mich stärkt die Pflicht
Der treuen Gattenliebe!
O du, für den ich alles trug,
Könnt ich zur Stelle dringen,
Wo Bosheit dich in Fesseln schlug,
Und süssen Trost dir bringen!
Ich folg' dem innern Triebe,
Ich wanke nicht,
Mich stärkt die Pflicht
Der treuen Gattenliebe!


SIEBENTER AUFTRITT
Marzelline. Jaquino.

JAQUINO
Aber Marzelline -

MARZELLINE
Kein Wort, ich will nichts mehr hören.

JAQUINO
Ja früher, da war ich der gute, liebe Jaquino. Aber seit dieser Fidelio -


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen, Rocco, Leonore.

ROCCO
Was habt ihr beide denn wieder zu zanken?

MARZELLINE
Ach, Vater, Er will, dass ich ihn lieben, ihn heiraten soll.

ROCCO
Nein, Jaquino, von deiner Heirat ist jetzt keine Rede, mich beschäftigen andere Absichten.

LEONORE
Meister Rocco, ich ersuchte Euch schon einigemale, die armen Gefangenen in unsern Festungsgarten zu lassen. Heute ist das Wetter so schön.

ROCCO
Kinder, ohne Erlaubnis des Gouverneurs?

MARZELLINE
Aber er sprach doch so lange mit Euch. Vielleicht ...

ROCCO
Du hast recht, Marzelline. Ich kann es wagen. Jaquino und Fidelio, öffnet die leichteren Gefängnisse. Ich aber gehe zu Pizarro und halte ihn zurück.


NEUNTER AUFTRITT
Chor der Gefangenen.

Nr. 10 - Finale

CHOR DER GEFANGENEN
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben!
Der Kerker eine Gruft.

ERSTER GEFANGENER
Wir wollen mit Vertrauen
Auf Gottes Hilfe bauen!
Die Hoffnung flüstert sanft mir zu:
Wir werden frei, wir finden Ruh

ALLE ANDEREN
O Himmel! Rettung! Welch ein Glück!
O Freiheit! Kehrst du zurück?

ZWEITER GEFANGENER
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -

ALLE
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben.
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -


ZEHNTER AUFTRITT
Rocco, Leonore.

Rezitativ

LEONORE
Nun sprecht, wie ging's?

ROCCO
Recht gut, recht gut!
Zusammen rafft ich meinen Mut
Und trug ihm alles vor;
Und sollst du's glauben,
Was er zur Antwort mir gab?
Die Heirat und dass du mir hilfst, will er erlauben;
Noch heute führ' ich in den Kerker dich hinab.

Duett

LEONORE
Noch heute! Noch heute!
O welch ein Glück! O welche Wonne l

ROCCO
Ich sehe deine Freude;
Nur noch ein Augenblick.
Dann gehen wir schon beide -

LEONORE
Wohin?

ROCCO
Zu jenem Mann hinab,
Dem ich seit vielen Wochen
Stets weniger zu essen gab.

LEONORE
Ha! - Wird er losgesprochen?

ROCCO
O nein!

LEONORE
So sprich!

ROCCO
O nein, O nein!
Wir müssen ihn, doch wie? - befrein!
Denn nach Pizarros Wille
Muss er in aller Stille
Von uns begraben sein!

LEONORE
So ist er tot?

ROCCO
Noch nicht, noch nicht.

LEONORE
Ist ihn zu töten deine Pflicht?

ROCCO
Nein guter Junge, zittre nicht,
Zum Morden dingt sich Rocco nicht.
Der Gouverneur kommt selbst hinab,
Wir beide graben nur das Grab.

LEONORE
Vielleicht das Grab des Gatten graben,
Was kann fürchterlicher sein?

ROCCO
Ich darf ihn nicht mit Speise laben,
Ihm wird im Grabe besser sein. -
Wir müssen gleich zu Werke schreiten,
Du musst mir helfen, mich begleiten;
Hart ist des Kerkermeisters Brot.

LEONORE
Ich folge dir, wär's in den Tod.

ROCCO
In der zerfallenen Zisterne
Bereiten wir die Grube leicht.
Ich tu es, glaube mir, nicht gerne;
Auch dir ist schaurig, wie mich deucht?

LEONORE
Ich bin es nur noch nicht gewohnt.

ROCCO
Ich hätte gerne dich verschont,
Doch wird es mir allein zu schwer,
Und gar so streng ist unser Herr.

LEONORE
O welch ein Schmerz!

ROCCO
Mir scheint, er weine.
Nein, du bleibst hier - ich geh alleine,
Ich geh allein.

LEONORE
O nein, O nein!
Ich muss ihn sehn; den Armen sehen,
Und müsst ich selbst zugrunde gehen.

ROCCO, LEONORE
O säumen wir nun länger nicht,
Wir folgen unsrer strengen Pflicht.


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen, Jaquino und Marzelline.

MARZELLINE
Ach, Vater, Vater, eilt!

ROCCO
Was hast du denn?

JAQUINO
Nicht länger weilt!

ROCCO
Was ist geschehn?

MARZELLINE
Es folget mir Pizarro nach!
Er drohet dir.

ROCCO
Gemach! Gemach!

LEONORE
So eilet fort!

ROCCO
Nur noch dies Wort:
Sprich, weiss er schon?

JAQUINO
Ja, er weiss es schon.

MARZELLINE
Der Offizier sagt ihm, was wir
Jetzt den Gefangenen gewähren.

ROCCO
Lasst alle schnell zurücke kehren.

MARZELLINE
Ihr wisst ja, wie er tobet,
Und kennet seine Wut.

LEONORE
Wie mir's im Innem tobet!
Empöret ist mein Blut.

ROCCO
Mein Herz hat mich gelobet,
Sei der Tyrann in Wut.


ZWÖLFTER AUFTRITT
Die Vorigen, Pizarro, später Die Gefangenen.

PIZARRO
Verwegner Alter! Welche Rechte
Legst du dir frevelnd selber bei?
Und ziemt es dem gedungnen Knechte,
Zu geben die Gefangnen frei?

ROCCO
O Herr!

PIZARRO
Wohlan!

ROCCO
Des Frühlings Kommen,
Das heitre warme Sonnenlicht,
Dann: habt Ihr wohl in acht genommen,
Was sonst zu meinem Vorteil spricht?
Des Königs Namensfest ist heute,
Das feiern wir auf solche Art.
Der unten stirbt - doch lasst die andern
Jetzt fröhlich hin und wieder wandern;
Für jenen sei der Zorn gespart.

PIZARRO
So eile, ihm sein Grab zu graben,
Hier will ich stille Ruhe haben.
Schliess' die Gefangnen wieder ein,
Mögst du nie mehr verwegen sein!

DIE GEFANGENEN
Leb' wohl, du warmes Sonnenlicht,
Schnell schwindest du uns wieder;
Schon sinkt die Nacht hernieder,
Aus der so bald kein Morgen bricht.

MARZELLINE
Wie eilten sie zum Sonnenlicht
Und scheiden traurig wieder.
Die andern murmeln nieder:
Hier wohnt die Lust, die Freude nicht.

LEONORE
Ihr hört das Wort, drum zögert nicht,
Kehrt in den Kerker wieder.
Angst rinnt durch meine Glieder.
Ereilt den FrevIer kein Gericht?

JAQUINO
Ihr hört das Wort, drum zögert nicht,
Kehrt in den Kerker wieder.
Sie sinnen auf und nieder!
Könnt ich verstehn, was jeder spricht!

PIZARRO
Nun, Rocco, zögre länger nicht,
Steig' in den Kerker nieder.
Nicht eher kehrst du wieder,
Bis ich vollzogen das Gericht.

ROCCO
Nein, Herr, ich zögre länger nicht,
Ich steige eilend nieder.
Mir beben meine Glieder;
O unglückselig harte Pflicht!


ZWEITER AKT

ERSTER AUFTRITT
Florestan allein.

Nr. 11 - Rezitativ und Arie

FLORESTAN
Gott! Welch Dunkel hier! O grauenvolle Stille!
Öd' ist es um mich her. Nichts lebet ausser mir.
O schwere Prüfung! -
Doch gerecht ist Gottes Wille!
Ich murre nicht! Das Mass der Leiden steht bei dir.

In des Lebens Frühlingstagen
Ist das Glück von mir geflohn!
Wahrheit wagt ich kühn zu sagen,
Und die Ketten sind mein Lohn.
Willig duld' ich alle Schmerzen,
Ende schmählich meine Bahn;
Süsser Trost in meinem Herzen:
Meine Pflicht hab' ich getan!
Und spür' ich nicht linde, sanft säuselnde Luft?
Und ist nicht mein Grab mir erhellet?
Ich seh', wie ein Engel im rosigen Duft
Sich tröstend zur Seite mir stellet,
Ein Engel, Leonoren, der Gattin, so gleich,
Der führt mich zur Freiheit ins himmlische Reich.


ZWEITER AUFTRITT
Florestan, Rocco und Leonore.

Nr. 12 - Melodram und Duett

Melodram

LEONORE
Wie kalt ist es in diesem unterirdischen Gewölbe!

ROCCO
Das ist natürlich, es ist ja tief.

LEONORE
Ich glaubte schon, wir würden den Eingang gar nicht finden.

ROCCO
Da ist er.

LEONORE
Er scheint ganz ohne Bewegung.

ROCCO
Vielleicht ist er tot.

LEONORE
Meint Ihr?

ROCCO
Nein, nein, er schläft nur. Das müssen wir benutzen und gleich ans Werk gehen; wir haben keine Zeit zu verlieren.

LEONORE
Es ist unmöglich, ihn zu erkennen. - Gott steh mir bei, wenn er es ist!

ROCCO
Hier, unter diesen Trümmern ist die Zisterne. - Wir brauchen nicht viel zu graben, um an die Offnung zu kommen. Gib mir eine Haue, und du, stell dich hierher. Du zitterst, fürchtest du dich?

LEONORE
O nein, es ist nur so kalt.

ROCCO
Beim Arbeiten wird dir schon warm werden.


Duett

ROCCO
Nur hurtig fort, nur frisch gegraben,
Es währt nicht lang', er kommt herein.

LEONORE
Ihr sollt ja nicht zu klagen haben,
Ihr sollt gewiss zufrieden sein.

ROCCO
Komm, hilf doch diesen Stein mir heben -
Hab' acht! - Hab' acht!
Er hat Gewicht!

LEONORE
Ich helfe schon - sorgt Euch nicht;
Ich will mir alle Mühe geben.

ROCCO
Ein wenig noch!

LEONORE
Geduld!

ROCCO
Er weicht.

LEONORE
Nur etwas nochl

ROCCO
Es ist nicht leicht!

ROCCO
Nur hurtig fort, nur frisch gegraben,
Es währt nicht lang', er kommt herein.

LEONORE
Lasst mich nur wieder Kräfte haben,
Wir werden bald zu Ende sein.
Wer du auch seist, ich will dich retten,
Bei Gott! Du sollst kein Opfer sein!
Gewiss, ich löse deine Ketten,
Ich will, du Armer, dich befrein.

ROCCO
Was zauderst du in deiner Pflicht?

LEONORE
Mein Vater, nein, ich zaudre nicht.

ROCCO
Nur hurtig fort, nur frisch gegraben,
Es währt nicht lang', so kommt er her.

LEONORE
Ihr sollt ja nicht zu klagen haben,
Lasst mich nur wieder Kräfte haben,
Denn mir wird keine Arbeit schwer.


Er erwacht!

ROCCO
Er erwacht, sagst du?

LEONORE
Ja, er hat eben den Kopf gehoben.

ROCCO
Ohne Zweifel wird er wieder tausend Fragen an mich stellen. Ich muss allein mit ihm reden.
Nun, Ihr habt wieder einige Augenblicke geruht?

FLORESTAN
Geruht? Wie fände ich Ruhe?

LEONORE
Diese Stimme - wenn ich nur einen Augenblick sein Gesicht sehen könnte. Gott! Er ist es.

FLORESTAN
Sagt mir endlich, wer ist der Gouverneur dieses Gefängnisses?

ROCCO
Der Gouverneur dieses Gefängnisses ist Don Pizarro.

FLORESTAN
Pizarro! Dessen Verbrechen ich zu entdecken wagte! Schickt nach Sevilla, fragt nach Leonore Florestan - sagt, dass ich hier in Ketten liege.

ROCCO
Es ist unmöglich, sag' ich Euch. Ich würde mich ins Verderben stürzen, ohne Euch genützt zu haben.

FLORESTAN
Wenn ich verdammt bin, hier mein Leben zu enden, o lasst mich nicht langsam verschmachten. Gebt mir nur einen Tropfen Wasser.

ROCCO
Alles, was ich Euch geben kann, ist ein Restchen Wein. - Fidelio!

LEONORE
Da ist er.

FLORESTAN
Wer ist das?

ROCCO
Mein Schliesser. Du bist ja in Bewegung, Fidelio!

LEONORE
Wer sollte es nicht sein? Ihr selbst, Meister Rocco ...


Nr. 13 - Terzett

FLORESTAN
Euch werde Lohn in bessern Welten,
Der Himmel hat euch mir geschickt.
O Dank! Ihr habt mich süss erquickt;
Ich kann die Wohltat, ich kann sie nicht vergelten.

ROCCO
Ich lab' ihn gern, den armen Mann,
Es ist ja bald um ihn getan.

LEONORE
Wie heftig pochet dieses
Es wogt in Freud' und scharfem Schmerz.

FLORESTAN
Bewegt seh' ich den Jüngling hier,
Und Rührung zeigt auch dieser Mann.
O Gott, du sendest Hoffnung mir,
Dass ich sie noch gewinnen kann.

LEONORE
Die hehre, bange Stunde winkt,
Die Tod mir oder Rettung bringt.

ROCCO
Ich tu, was meine Pflicht gebeut,
Doch hass' ich alle Grausamkeit.

LEONORE
Dies Stückchen Brot - ja, seit zwei Tagen
Trag' ich es immer schon bei mir.

ROCCO
Ich möchte gern, doch sag' ich dir,
Das hiesse wirklich zu viel wagen.

LEONORE
Ach! Ihr labtet gern den armen Mann.

ROCCO
Das geht nicht an, das geht nicht an.

LEONORE
Es ist ja bald um ihn getan.

ROCCO
So sei es - ja, so sei's - du kannst es wagen.

LEONORE
Da, nimm das Brot - du armer Mann!

FLORESTAN
O Dank dir, Dank! - O Dank! O Dank!
Euch werde Lohn in bessern Welten,
Der Himmel hat euch mir geschickt.
O Dank! Ihr habt mich süss erquickt,
Ich kann die Wohltat nicht vergelten.

LEONORE
Der Himmel schicke Rettung dir,
Dann wird mir hoher Lohn gewährt.

ROCCO
Mich rührte oft dein Leiden hier,
Doch Hilfe war mir streng verwehrt.
Ich labt' ihn gern, den armen Mann,
Es ist ja bald um ihn getan.

LEONORE
O mehr, als ich ertragen kann!

FLORESTAN
O dass ich euch nicht lohnen kann!


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen, Pizarro

PIZARRO
Ist alles bereit?

ROCCO
Ja, die Zisterne braucht nur geöffnet zu werden.

PIZARRO
Gut, der Bursche soll sich entfernen.

ROCCO
Geh, entferne dich, Fidelio.

LEONORE
Wer? - Ich? - Und Ihr?

ROCCO
Geh! Geh!
Soll ich ihm die Ketten abnehmen?

PIZARRO
Nein, aber schliess ihn vom Stein los. Die Zeit drängt.


Nr. 14 - Quartett

PIZARRO
Er sterbe! -
Doch er soll erst wissen,
Wer ihm sein stolzes Herz zerfleischt.
Der Rache Dunkel sei zerrissen,
Sieh' her! Du hast mich nicht getäuscht!
Pizarro, den du stürzen wolltest,
Pizarro, den du fürchten solltest,
Steht nun als Rächer hier.

FLORESTAN
Ein Mörder steht vor mir!

PIZARRO
Noch einmal ruf ich dir,
Was du getan, zurück;
Nur noch ein Augenblick
Und dieser Dolch -

LEONORE
Zurück!

FLORESTAN
O Gott!

ROCCO
Was soll?

LEONORE
Durchbohren
Musst du erst diese Brust;
Der Tod sei dir geschworen
Für deine Mörderlust.

PIZARRO
Wahnsinniger!

ROCCO
Halt ein!

PIZARRO
Er soll bestrafet sein!

LEONORE
Töt' erst sein Weib!

ROCCO, PIZARRO
Sein Weib?

FLORESTAN
Mein Weib?

LEONORE
Ja, sieh' hier Leonore!

FLORESTAN
Leonore!

LEONORE
Ich bin sein Weib, geschworen
Hab' ich ihm Trost. Verderben dir!

PIZARRO
Welch unerhörter Mut!

FLORESTAN
Vor Freude starrt mein Blut!

ROCCO
Mir starrt vor Angst mein Blut.

LEONORE
Ich trotze seiner Wut!

PIZARRO
Soll ich vor einem Weibe beben?

LEONORE
Der Tod sei dir geschworen.

PIZARRO
So opfr' ich beide meinem Grimm.

LEONORE
Durchbohren musst du erst diese Brust!

PIZARRO
Geteilt hast du mit ihm das Leben,
So teile nun den Tod mit ihm.

LEONORE
Noch einen Laut - und du bist tot!
Ach! Du bist gerettet! Grosser Gott!

FLORESTAN
Ach! Ich bin gerettet! Grosser Gott!

PIZARRO
Ha! Der Minister! Höll' und Tod!

ROCCO
O was ist das! Gerechter Gott!


VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen, Jaquino, Soldaten.

JAQUINO
Vater Rocco, Vater Rocco, der Herr Minister kommt an, sein Gefolge ist schon vor dem Schlosstor.

ROCCO
Gelobt sei Gott! Wir kommen, ja wir kommen augenblicklich. Und unsere Leute sollen heruntersteigen und den Herrn Gouverneur hinaufbegleiten.

LEONORE, FLORESTAN
Es schlägt der Rache Stunde.
Du (ich) soll(st) gerettet sein;
Die Liebe wird im Bunde
Mit Mute dich (mich) befrein.

PIZARRO
Verflucht sei diese Stunde!
Die Heuchler spotten mein;
Verzweiflung wird im Bunde
Mit meiner Rache sein.

ROCCO
O fürchterliche Stunde!
O Gott, was wartet mein?
Ich will nicht mehr im Bunde
Mit diesem Wütrich sein.


FÜNFTER AUFTRITT
Leonore, Florestan.

FLORESTAN
Meine Leonore, was hast du für mich getan!

LEONORE
Nichts, nichts, mein Florestan!

Nr. 15 - Duett

LEONORE
O namenlose Freude!
Mein Mann an meiner Brust!

FLORESTAN
O namenlose Freude!
An Leonorens Brust!

BEIDE
Nach unnennbarem Leide
So übergrosse Lust!

LEONORE
Du wieder nun in meinen Armen1

FLORESTAN
O Gott, wie gross ist dein Erbarmen!

BEIDE
Mein Weib, mein Weib, an meiner Brust!
Mein Mann, mein Mann, an meiner Brust!
O dank dir, Gott, für diese Lust!

FLORESTAN
Du bist's!

LEONORE
Ich bin's!

FLORESTAN
O himmlisches Entzücken! Leonore!

LEONORE
Florestan!

BEIDE
O namenlose Freude!
Mein Weib, mein Weib, an meiner Brust!
Du wieder mein, an meiner Brust!
O dank dir, Gott, für diese Lust!


An dieser Stelle erfolgt bei manchen Aufführungen als Einschub die
Ouvertüre »Leonore III«


SECHSTER AUFTRITT
Die Gefangenen, Don Fernando, Pizarro, Marzelline und Jaquino.

Nr. 16 - Finale

CHOR DER GEFANGENEN UND DES VOLKES
Heil sei dem Tag,
Heil sei der Stunde,
Die lang ersehnt, doch unvermeint,
Gerechtigkeit mit Huld im Bunde
Vor unsres Grabes Tor erscheint!

FERNANDO
Des besten Königs Wink und Wille
Führt mich zu euch, ihr Armen, her,
Dass ich der Frevel Nacht enthülle,
Die all' umfangen schwarz und schwer.
Nein, nicht länger knieet sklavisch nieder,
Tyrannenstrenge sei mir fern.
Es sucht der Bruder seine Brüder,
Und kann er helfen, hilft er gern.

CHOR
Heil sei dem Tag,
Heil sei der Stunde!

FERNANDO
Es sucht der Bruder seine Brüder,
Und kann er helfen, hilft er gern.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen, Rocco, Leonore, Florestan.

ROCCO
Wohlan, so helfet! Helft den Armen!

PIZARRO
Was seh' ich? Ha!

ROCCO
Bewegt es dich?

PIZARRO
Fort! Fort!

FERNANDO
Nun, rede!

ROCCO
All Erbarmen
Vereine diesem Paare
Don Florestan -

FERNANDO
Der Totgeglaubte,
Der Edle, der für Wahrheit stritt?

ROCCO
Und Qualen ohne Zahl erlitt.

FERNANDO
Mein Freund! Mein Freund! Der Totgeglaubte? -
Gefesselt, bleich steht er vor mir.

ROCCO, LEONORE
Ja, Florestan, Ihr seht ihn hier.

ROCCO
Und Leonore -

FERNANDO
Leonore?

ROCCO
Der Frauen Zierde führ' ich vor.
Sie kam hierher -

PIZARRO
Zwei Worte sagen -

FERNANDO
Kein Wort!
Sie kam -

ROCCO
Dort an mein Tor,
Und trat als Knecht in meine Dienste,
Und tat so brave, treue Dienste,
Dass ich - zum Eidam sie erkor.

MARZELLINE
O weh' mir, was vernimmt mein Ohr!

ROCCO
Der Unmensch wollt' in dieser Stunde
Vollziehn an Florestan den Mord.

PIZARRO
Vollziehn mit ihm!

ROCCO
Mit uns im Bunde!
Nur Euer Kommen rief ihn fort.

CHOR
Bestrafet sei der Bösewicht,
Der Unschuld unterdrückt.
Gerechtigkeit hält zum Gericht
Der Rache Schwert gezückt.

Pizarro wird abgeführt

FERNANDO
Du schlossest auf des Edlen Grab,
Jetzt nimm ihm seine Ketten ab -
Doch halt! Euch, edle Frau, allein,
Euch ziemt es, ganz ihn zu befrein.

LEONORE
O Gott! - Welch ein Augenblick!

FLORESTAN
O unaussprechlich süsses Glück!

FERNANDO
Gerecht, O Gott, ist dein Gericht.

MARZELLINE, ROCCO
Du prüfest, du verlässt uns nicht.

ALLE
O Gott! O welch ein Augenblick !
O unaussprechlich süsses Glück!
Gerecht, O Gott, ist dein Gericht,
Du prüfest, du verlässt uns nicht!

CHOR
Wer ein holdes Weib errungen,
Stimm' in unsern Jubel ein!
Nie wird es zu hoch besungen,
Retterin des Gatten sein.

FLORESTAN
Deine Treu' erhielt mein Leben,
Tugend schreckt den Bösewicht.

LEONORE
Liebe führte mein Bestreben,
Wahre Liebe fürchtet nicht.

CHOR
Preist mit hoher Freude Glut
Leonorens edlen Mut.

FLORESTAN
Wer ein solches Weib
Stimm' in unsern Jubel ein!
Nie wird es zu hoch besungen,
Retterin des Gatten sein.

LEONORE
Liebend ist es mir gelungen,
Dich aus Ketten zu befrein.
Liebend sei es hoch besungen-.
Florestan ist wieder mein!

CHOR
Wer ein holdes Weib errungen,
Stimm' in unsern Jubel ein!
Nie wird es zu hoch besungen,
Retterin des Gatten sein.

LEONORE
Liebend sei es hoch besungen:
Florestan ist wieder mein!

ALLE
Nie wird es zu hoch besungen,
Retterin des Gatten sein.

ACT ONE

Overture

FIRST SCENE
Marzellina, Jaquino.

No. 1 - Duet

JAQUINO
Now, Sweetheart, at last we are alone
Let us have now a quiet chat.

MARZELLINA
It cannot be all that important,
I must go on, with my work.

JAQUINO
One word, you obstinate girl!

MARZELLINA
Go on then, I'm listening to you.

JAQUINO
If you don't look friendlier at me
I shall not be able to talk.

MARZELLINA
Put up with me as l am,
Or else I shan't Iisten at all.

JAQUINO
One minute, please, hear what I say,
Thereafter I'll leave you in peace.

MARZELLINA
You never will leave me in peace,
Let hear me what you've got to say.

JAQUINO
I've chosen you for my wife,
You understand?

MARZELLINA
This is quite clear.

JAQUINO
And if you did only consent -
You follow?

MARZELLINA
We're husband and wife.

JAQUINO
We could within very few weeks -

MARZELLINA
How nicely you've worked it all out.

JAQUINO
To Hell with this continuous knocking!

MARZELLINA
At last he will leave me in peace.

JAQUINO
I was getting so nicely along -, -
Again she has slipped through my net.

MARZELLINA
His love, how sad does it make me,
The hours seem never to end.
I know that the poor devil suffers
And I am so sorry for him.
Fidelio's the one I have chosen,
To love him makes happy my life.

JAQUINO
Where was I - she's looking away.

MARZELLINA
Here he is - he'll start it again.

JAQUINO
When will you give me your consent?
It easily could be today.

MARZELLINA
Oh dear, he embitters my life.
Once and for ever, no!

JAQUINO
Your heart is as hard as a stone!
Unmoved by my wishes, my prayers.

MARZELLINA
I must be so cruel with him,
Not give him a glimmer of hope.

JAQUINO
Is there nothing that would change your mind?
Do tell me!

MARZELLINA
Please, leave me alone.

JAQUINO
To look at you, you can't forbid me,
Or will you?

MARZELLINA
Stay here, if you want to!

JAQUINO
How often you've given your promise -

MARZELLINA
My promise? No, this goes too far!

JAQUINO
To Hell with this continuous knocking!

MARZELLINA
At last he will leave me in peace!

JAQUINO
She really seemed quite concerned,
Who knows, I might win her at last.

MARZELLINA
How welcome this sound is to me,
I almost got frightened to death.

ROCCO
Jaquino, Jaquino!

MARZELLINA
Listen, Father is calling!

JAQUINO
I'm coming! I'm coming!

MARZELLINA
Poor Jaquino, I'm sorry for him. I used to be quite fond of him. But then Fidelio came into our house, and since then everything around me and within me has changed.


SECOND SCENE
Marzellina alone

No. 2 - Aria

MARZELLINA
I wished we were united yet
And I could husband call you!
A girl may never what she thinks,
Tell anyone aloud.
But when I never have to blush
From kisses of a loving heart,
When nothing ever will us part -
And hope already swells my chest
With untold sweet desire,
How happy shall I be then!
In peace and quiet homeliness
I'll wake up every morning,
We greet each other tenderly,
Hard work dispels anxiety.
And when the day's work has been done,
The gentle night will quietly fall,
Then we shall rest from all our toil.
And hope already swells my chest
With untold sweet desire,
How happy shall I be then!

THIRD SCENE
Marzellina, Rocco, Jaquino.

ROCCO
Good morning, Marzellina. Has Fidelio not returned yet?

MARZELLINA
No, Father!

ROCCO
I'm waiting for him with impatience.

MARZELLINA
Here he is, here he is!


FOURTH SCENE
The former, Leonora.

ROCCO
Well, Fidelio?

LEONORA
The blacksmith took so much time over mending the chains. Here is the receipt.

ROCCO
Very good, you buy much cheaper than I.

LEONORA
I'm trying my best.

ROCCO
Yes, you are good and you shall have your reward.

LEONORA
Please, do not believe it is because of a reward that I …

ROCCO
Hush! Do you think I could not see into your heart?


No. 3 - Quartet

MARZELLINA
A feeling never known,
It tightly grips my heart,
He loves me, it is clear,
Happy I shall be.

LEONORA
How great the danger is,
The rays of hope so weak!
She loves me, it is clear,
My sufferings never end.

ROCCO
She loves him, it is clear;
Yes, girl, he will be yours.
A couple, young and good,
Happy they will be.

JAQUINO
My hair, it stands on end,
The father will consent;
A feeling never known,
There's nothing I can do.

ROCCO
Listen, Fidelio, as soon as the governor has departed for Sevilla, I shall make you my son-in-law. The day after I shall join you in wedlock.

MARZELLINA
The day after his departure? Oh yes, dear Father!

ROCCO
Well, my children, you love each other, don't you? But for good housekeeping one also needs …

No. 4 - Aria

ROCCO
Unless there is gold to live on,
Quite happy you will never be;
Sadly life will carry on,
Many a sorrow will set in.
But if in the pockets it tinkles and rolls,
The fate you will have at your mercy,
And gold will provide you with power and love,
Will still your boldest desires.
You pay for luck to serve you well,
It is a wonderful thing, the gold.
If nought and nought is put together,
The total is and will be small;
If you find only love at table,
You'll be hungry afterwards.
So may fortune prove to you gracious and kind
And bless and guide your striving;
The beloved at your side, the gold in your purse,
For many a year you may live thus.
You pay for luck to serve you well,
It is a mighty thing, the gold.

LEONORA
It is for you to say this, Father Rocco, but I maintain that the union of two like-minded hearts is the fount of true happiness in marriage. There is, however, something no less dear to my heart.

ROCCO
And this is?

LEONORA
Why do you not allow me to accompany you into the underground vaults?

ROCCO
You know that I have the strictest orders not allow anyone near the prisoners of state.

MARZELLINA
But you work yourself to death, dear Father.

ROCCO
Yet, Fidelio, there is one prison into which I shall probably never be allowed to take you.

MARZELLINA
Probably where the prisoner is ...

ROCCO
Yes, yes

LEONORA
I believe it must be a long time since he has been taken prisoner?

ROCCO
More than two years.

LEONORA
Two years, you said? He must be a great criminal?

ROCCO
Or he must have great, enemies. He cannot last much longer. Now, on Pizarro's orders, he gets no more than a little bread and water, no light, no straw, nothing.

MARZELLINA
Dear Father, please, don't lead Fidelio to him. He could not stand his sight.

LEONORA
Why not? I have courage and strength.

No. 5 - Terzetto

ROCCO
Good, my lad, good,
Courageous you must be,
Then you will master life;
The heart grows hard
If you can face
The horrors of this world.

LEONORA
Courage I possess!
With cold blood
Boldly I'll go down:
For high reward
Love will be able
To suffer greatest pain.

MARZELLINA
Your kind heart
Will many a pain
Suffer in those vaults;
Thereafter will return
Happiness of love
And many untold pleasures.

ROCCO
You'll build your fortune on firm ground.

LEONORA
In God and justice faith I'll have.

MARZELLINA
Why don't you look me into the eyes,
The power of love is by no means small.
Yes, happy we shall be.

LEONORA
Yes, happy I can still be.

ROCCO
Yes, happy you will be.
The governor shall today permit
That you share all my work with me.

LEONORA
You'll deprive me of all my peace
If till tomorrow you did wait.

MARZELLINA
Yes, dearest Father, ask him now,
Married we could then shortly be.

ROCCO
I soon shall be the prey of the grave,
I need assistance, this is true.

LEONORA
How long I've been the prey of grief!
Oh hope, do give me strength.

MARZELLINA
Father, dear, what did you say?
Our friend and councillor you must remain.

ROCCO
Be on your toes, then all ends well,
Your longing will be stilled.
Both take your bands, united be
In sweet tears of joy.

LEONORA
You are so good, give courage me,
My longing will soon be stilled …
aside
I gave my hand to the tender tie,
It costs me bitter tears.

MARZELLINA
Oh have courage! Oh what fire!
Oh what deep desire!
Firm be the tie with heart and hand,
Oh sweet, sweet tears!


No. 6 - March


FIFTH SCENE
Rocco, Pizarro, Officers, Guards.

PIZARRO
Captain! Three guards on the rampart, six men on the drawbridge, and anyone approaching the fortress will be brought to me at once. Rocco!

ROCCO
Sir?

PIZARRO
Where are the dispatches?

ROCCO
Here they are, Sir.

PIZARRO
Well - Always recommendations or reproaches. I know this hand-writing: "I wish to tell you that the Minister has learned that the state prisons illegally detain a number of victims. He will depart tomorrow for a surprise inspection." If he found that man Florestan whom he believes to be dead. But there is a way out - a courageous deed …


No. 7 - Aria with Chorus

PIZARRO
Ah, time has come now!
Revenge I'll take on him,
Your fate is calling you!
I shall probe his heart,
Oh joy, oh great delight!
I almost was in the dust,
At the sneering scoffer's mercy,
Knocked miserably down.
But come has now my chance,
To be the, murderer's slayer;
In his final hour,
The steel deep in his wound,
To shout into his ears:
Triumph! Victory is mine!

CHORUS OF THE GUARDS
He speaks of death and wounds!
Let's go on our rounds,
How important it must be!
He speaks of death and wounds!
Look out, when on your rounds!
How important it must be!

PIZARRO
Captain, these are my orders: Watch the road from Seville continuously and with the greatest care. As soon as you see a coach approaching, the bugler will sound the signal. Man your posts! - Rocco!

ROCCO
Sir!


No. 8 - Duet

PIZARRO
Old man, we've got to hurry,
A fortune will be yours,
A rich man you will be;
Take this for a start!

ROCCO
Please, tell me in a hurry
What I shall have to do.

PIZARRO
A man of cold blood are you,
Fearless and courageous
Years of service have made you.

ROCCO
What's my duty? Tell me!

PIZARRO
Murder!

ROCCO
What?

PIZARRO
Listen to me now!
You're trembling! Are you a man?
No time is to be lost;
In the interest of the state
The criminal subject must
Quickly be removed.

ROCCO
Sir ...

PIZARRO
Why hesitate?
He must no longer live,
My ruin it would be.
Pizarro were afraid?
You'll die - and I shall live.

ROCCO
Trembling I am all over;
How could I do such a thing?
I shall not take his life,
Whatever may happen to me.
No, Sir, committing murder,
My duty this is not.

PIZARRO
Then I myself shall do it
If you the courage lack;
Now hurry at this instant
To that man down below -
You know .

ROCCO
Who hardly lives
And like a shadow looks?

PIZARRO
To him, to him go down!
I'll wait not far away
Whilst you dig in the cistern
Very quickly a grave.

ROCCO
And then?

PIZARRO
Then I shall in disguise
Quietly enter the dungeon -
One stroke - and he'll,be dead!

ROCCO
Starving in his fetters
He suffered endless pains,
To kill him means salvation,
The dagger'll make him free.

PIZARRO
He die now in his fetters,
Too short his suffering was,
His death alone can save me,
I shall be quiet then.
Old man, we've got to hurry,
Have you understood me?
You give the signal!
Then I shall in disguise
Quietly enter the dungeon -
One stroke - and he'll be dead!

ROCCO
Starving in his fetters
He suffered endless pains,
To kill him, means salvation,
The dagger'll make him free.

PIZARRO
He die now in his fetters,
Too short his suffering was,
His death alone can save me,
I shall be quiet then.


SIXTH SCENE
Leonora alone.

LEONORA

No. 9 - Recitativo and Aria

You monster! Where will you go?
What have you planned in cruel fury?
The call of pity, the voice of mankind,
Will nothing move your tiger's wrath?
Though surge like ocean's waves
Ire and anger in your heart,
A rainbow on my path still shines,
Which brightly rests on sombre clouds:
It looks so calmy, peacefully at me,
Of happier days reminding me
And soothes thus my troubled heart.

Come hope, let not the last bright star
In my anguish be obscured!
Light up my goal, however far,
Through love I shall still reach it.
I follow my inner calling,
Waver I shall not,
Strength I derive
From faithfulness and love.
Oh you -,- for whom I bore so much,
If I could penetrate
Where malice has imprisoned you
And bring to you sweet comfort!
I follow my inner calling,
Waver, I shall not,
Strength I derive
From faithfulness and love.


SEVENTH SCENE
Marzellina, Jaquino.

JAQUINO
But Marzellina! Once I was your dear, good Jaquino, but since this Fidelio ...

MARZELLINA
I do not deny ...


EIGHTH SCENE
The former, Rocco, Leonora.

ROCCO
What have you two got to quarrel again?

MARZELLINA
Father, he keeps on following me. He wants that I should marry him.

ROCCO
No, Jaquino, there is no question of your marrying her now. I have other things in mind.

MARZELLINA
I understand, father, Fidelio…

LEONORA
Father Rocco, several times I have asked you to allow the poor prisoners into the fortress garden. Today the weather is so beautiful.

ROCCO
Without the governor's permission?

MARZELLINA
But he talked to you so long, perhaps ...

ROCCO
You are right, Marzellina, I can risk it. Come along, Jaquino and Fidelio, open the lighter prisons.


NINTH SCENE
Prisoners' Chorus.

No. 10 - Finale

PRISONERS' CHORUS
Oh what joy, in the open air
Freely to breathe again!
Up here alone is life!
The dungeon is a grave.

FIRST PRISONER
We shall with all our faith
Trust in the help of God!
Hope whispers softly in my ears!
We shall be free, we shall find peace.

ALL THE OTHERS
Oh Heaven! Salvation! Happiness!
Oh Freedom! Will you be given us?

SECOND PRISONER
Speak softly! Be on your guard!
We are watched with eye and ear.

ALL
Speak softly! Be on your guard!
We are watched with eye and ear.
Oh what joy, in the open air
Freely to breathe again!
Up here alone is life.
Speak softly! Be on your guard!
We are watched with eye and ear.


TENTH SCENE
Rocco, Leonora.

Recitativo

LEONORA
How did it go?

ROCCO
Quite well, quite well.
All my courage I plucked up
And put it all to him.
And would you believe it,
What he replied to me?
The marriage and that you help me, he will permit;
Today already I shall lead you down into the dungeon.

Duet

LEONORA
Today! Today!
What happiness, what great joy!

ROCCO
I can see your joy,
It'll only be one moment
And 'We shall go together -

LEONORA
Where?

ROCCO
To that man down below
To whom I gave for weeks
Less and less to eat.

LEONORA
Ah! - Will he be released?

ROCCO
Oh no!

LEONORA
Do speak!

ROCCO
Oh no, oh, no!
We have to - how shall'I say - free him,
He must within one hour -
No one else may know -
Be burried by us both!

LEONORA
So he is dead?

ROCCO
Not yet, not yet.

LEONORA
To kill him, is your duty this?

ROCCO
No, my deat boy, don't be afraid;
For murder Rocco won't be hired.
The governor himself comes down,
We two, we only dig his grave.

LEONORA
To dig perhaps the husband's grave,
Is there anything more cruel?

ROCCO
I'm not allowed to give him food,
The grave will be relief for him. -
We have to go to work at once,
You must assist me, come with me;
Hard is the jailer's life.

LEONORA
I follow you, were it to my death.

ROCCO
In the crumbling cistern
We easily dig the grave,
Believe me, I am loath to do it;
You, too, are shuddering, it seems.

LEONORA
I only am not used to it.

ROCCO
I wished, I could have spared you this,
For me alone it gets too much,
And so severe our master is.

LEONORA
Oh, what great grief!

ROCCO
I think, he's crying.
No, you stay here - I'll go alone,
I'll go alone.

LEONORA
Oh no, oh no!
I must see him; see the poor man,
If I should perish over this.

ROCCO, LEONORA
So let's no longer hesitate,
We have to do our cruel work.


ELEVENTH SCENE
The former, Jaquino and Marzellina.

MARZELLINA
Quick, Father, quick!

ROCCO
What is it now?

JAQUINO
No longer wait!

ROCCO
What's happened now?

MARZELLINA
Pizarro follows me furiously!
He's threatening you.

ROCCO
Keep calm, keep calm!

LEONORA
Hurry along!

ROCCO
Just tell me this:
He knows it all?

JAQUINO
Yes, he knows it all.

MARZELLINA
The officer
Told him what we
Have the prisoners allowed.

ROCCO
Let quickly all of them return.

MARZELLINA
We've seen him rage before
And know his anger well.

LEONORA
My heart is full of rage,
Indignant is my blood.

ROCCO
My heart, it gives me right,
May the tyrant rage.


TWELFTH SCENE
The former, Pizarro, later on the prisoners.

PIZARRO
Insolent old man! By what rights
Have you assumed such frivolous behaviour?
Does it befit a hired servant
To give the prisoners free?

ROCCO
Oh Sir!

PIZARRO
Speak up!

ROCCO
The spring's arrival,
The bright and warm sunshine,
And: Have you ever thought of it,
It might acquit me of my guilt?
His Majesty's birthday is today,
We celebrate it in this way.
The one below die - but let the others
Walk gaily to and fro;
For him be all your hatred spared.

PIZARRO
So hurry up and dig his grave,
Up here I will have strictest peace.
Lock the prisoners up again,
May you never be insolent!

THE PRISONERS
Farewell, warm sunshine,
Too quickly we must leave you;
Already night is falling down
From which so soon no morrow dawns.

MARZELLINA
How gaily did they greet the sun
And now they part so sadly.
The others whisper to themselves,
This is no place for joy and pleasure.

LEONORA
You heard the word, don't hesitate,
Return into your prisons now.
Anxiety makes me tremble,
Is there no justice for the wicked?

JAQUINO
You heard the word, don't hesitate,
Return into your prisons,
They whisper to each other,
I cannot hear what they all say.

PIZARRO
Now Rocco, no longer hesitate,
Descend down to the dungeon.
No sooner you'll return,
Ere I have judgement passed on him.

ROCCO
No, Sir, I shall not hesitate,
I'll hurriedly go down.
Trembling I am all over,
Oh dreadful, cruel duty!


ACT TWO

FIRST SCENE
Florestan (alone).

No. 11 - Recitativo and Aria

FLORESTAN

God! what darkness this! What terrifying silence!
I'm living in a desert. Death only reigns down here.
How hard my trials! -
But just is the Lord's pleasure!
I don't complain! What I've to suffer, You decree.

In the spring days of my life
Happiness deserted me!
Truth I dared to utter boldly
And the chains are my reward.
Willingly I bear my tortures,
End in ignomy my life;
To my heart this is sweet solace:
My duty I have always done!
And do I not feel soft whispering air?
What brightness shines into my grave?
I see how an angel fragrant like a rose
Comforting stands by my side,
An angel, Leonora, my wife so alike
To lead met to freedom, to the kingdom of God.


SECOND SCENE
Florestan, Rocco and Leonora.

No. 12 - Melodrama and Duet

Melodrama

LEONORA
How cold it is in this underground vault!

ROCCO
This is only natural; it is so deep.

LEONORA
I thought we should never find the entrance.

ROCCO
Here it is.

LEONORA
He seems quite motionless.

ROCCO
Perhaps he is dead.

LEONORA
Do you think so?

ROCCO
No, no, he is asleep. - We ought to make use of this and commence work at once; we must not lose any time.

LEONORA
It is impossible to make out his face. - God help me, if it is he!

ROCCO
Here, underneath this rubble there is the cistern I was telling you about. - There is no need to dig much to get at the opening. Give me a pick-axe and you stay here. You are trembling, are you afraid?

LEONORA
Oh no, it only is so cold.

ROCCO
Get on with it, when working you'll get warm.

Duet

ROCCO
Be quick and let us dig the grave,
It won't be long and he'll arrive.

LEONORA
You shall not have to complain of me,
You shall be satisfied with me.

ROCCO
Come, help to lift this stone with me -
Look out! Look out, it weighs a lot!

LEONORA
I help you - do not be afraid;
I promise you to do my best.

ROCCO
A little morel

LEONORA
Be patient!

ROCCO
It moves.

LEONORA
A little more!,

ROCCO
Hard work it is!

ROCCO
Be quick and let us dig the grave,
It won't be long and he'll arrive.

LEONORA
Let me regain a little strength,
We'll soon have finished our work.
By God! His prey you shall not be!
I surely will undo your chains,
And make you free, you poor, poor man.

ROCCO
Why hesitate about your work?

LEONORA
My Father, I'II go on with it.

ROCCO
Be quick and let us dig the grave,
It won't be long and he'll arrive.

LEONORA
You shall not have to complain of me,
Let me regain a little strength,
No work will be too much for me.

LEONORA
He's waking up!

ROCCO
He is waking up, you said?

LEONORA
Yes, he lifted his head.

ROCCO
I must talk to him alone. Well, have you been resting again for a few moments?

FLORESTAN
Resting? How could I find rest?

LEONORA
If I could- only see his face for one moment - God, it is him!

FLORESTAN
Tell me at last, who is the governor of this prison?

ROCCO
The governor of this prison is Don Pizarro.

FLORESTAN
Pizarro! Send someone to Seville as soon as possible and ask for Leonora Florestan, tell her that I am imprisoned here.

ROCCO
It is impossible, I tell you. I should ruin myself without accomplishing anything for you.

FLORESTAN
If it is my destiny then to end my life, do not let my slowly die of thirst. Give me just one drop of water.

ROCCO
All I can offer you is a drop of wine which I have left in my jar. Fidelio!

LEONORA
Here it is, here it is!

ROCCO
How agitated you are, Fidelio!

LEONORA
Who should not be? You yourself,
Master Rocco -

ROCCO
It is true, this voice -

LEONORA
Yes, it penetrates into the depth of the heart.


No. 13 - Terzetto

FLORESTAN
Reward be yours in better worlds,
You have been sent to me by God.
Oh thanks, you've sweetly me refreshed;
Your kindness I cannot repay.

ROCCO
I refreshed him gladly,
the poor man,
It will be over soon with him.

LEONORA
How furiously throbs my heart,
In joy it surges and stinging pain,

FLORESTAN
This youth I see so deeply moved,
Compassion also shows this man,
Oh God, fresh hope you've given me,
May it become true in the end.

LEONORA
The great and anxious hour nears,
Which brings salvation me or death.

ROCCO
I always act in duty bound,
But also hate all cruelty.

LEONORA
This piece of bread - yes, for two days
I've carried it around with me.

ROCCO
I want to, but believe you me,
This is to venture a great deal.

LEONORA
This poor man gladly you refreshed.

ROCCO
This cannot be, this cannot be.

LEONORA
It will be over soon with him.

ROCCO
So be it - yes, so be it - you may do it.

LEONORA
Here, take the bread - you poor, poor man!

FLORESTAN
Oh thanks to you! Oh thanks! Oh thanks!
Reward be yours in better worlds,
You, have been sent to me by God.
Oh thanks! You've sweetly me refreshed,
Your kindness I cannot repay.

LEONORA
May Heaven grant salvation you,
Then high reward will come to me.

ROCCO
Your suffering has often moved me,
But I've not been allowed to help.
I refreshed him gl adly, the poor man,
It will be over soon with him.

LEONORA
Oh, this is more than I can bear!

FLORESTAN
Oh that I can give you no reward!

ROCCO
Everything is ready. Fidelio, you stay here, I shall go to give the governor the signal.

FLORESTAN
Where does he go? Does this mean that my end has come?

LEONORA
Be calm and do not forget that there is providence everywhere - yes, there is a providence!


THIRD SCENE
The former, Pizarro.

PIZARRO
Is everything ready?

ROCCO
Yes, the cistern has only to be opened.

PIZARRO
Alright, the boy shall go away.

ROCCO
Go, Fidelio. - Shall I take the chains off the prisoner?

PIZARRO
No, but detach him from the stone. -There is no time to be lost.

No. 14 - Quartet

PIZARRO
He die - But first he shall be told
Who'll tear to pieces his proud heart.
The dark veil of revenge be torn.
Look here! Deceive me you could not!
Pizarro, whom you hoped to bring to fall,
Pizarro, whom you ought to fear,
As avenger he faces you.

FLORESTAN
A murderer faces me!

PIZARRO
Once more you shall recall
What you have done to me;
Only one short moment
And this steel -

LEONORA
Stand back!

FLORESTAN
Oh God!

ROCCO
What's up?

LEONORA
Pierce
You must first my heart;
Death I have sworn to you
For your murderous mind.

PIZARRO
Madman!

ROCCO
Stop it!

PIZARRO
Punished he shall be!

LEONORA
Kill first his wife!

ROCCO, PIZARRO
His wife?

FLORESTAN
My wife?

LEONORA
Yes, see here Leonora!

FLORESTAN
Leonora!

LEONORA
I am his wife, I vowed
Him help and death to you!

PIZARRO
What unheard-of courage!

FLORESTAN
My heart stops over-joyed!

ROCCO
My heart stops out of fear.

LEONORA
I shall defy his wrath.

PIZARRO
Shall I a woman fear?

LEONORA
I have sworn you death.

PIZARRO
Both shall my hatred's victims be.

LEONORA
This heart you must pierce first!

PIZARRO
You have shared your life with him,
You shall now share his death with him.

LEONORA
One more word - and you'll be dead!
Ah! You are saved! Great God!

FLORESTAN
Ah! I am saved! Great God!

PIZARRO
Ah! The Minister! Hell and Death!

ROCCO
Oh! What is this! Gracious God!


FOURTH SCENE
The former, Jaquino, soldiers

JAQUINO
Father Rocco, the Minister is arriving, his retinue is at the castle-gates already.

ROCCO
The Lord be praised! We are coming, yes, we are coming at once. And our men shall come down to accompany the governor up.

LEONORA / FLORESTAN
The hour of vengeance has come.
This means you shall be saved;
Our love, it will in union
With courage make you free.

PIZARRO
Damned be this fateful hour!
The traitors laugh at me;
Dispair, it will in union
With my revenge now be.

ROCCO
Oh hour full of horror!
Oh God, what's awaiting me?
I will not be in union
With this villain any more.


FIFTH SCENE
Leonora, Florestan.

FLORESTAN
My Leonora, what have you done for me!

LEONORA
Nothing, my Florestan!

No. 15 - Duet

LEONORA
Oh what boundless happiness!
My husband in my arms!

FLORESTAN
Oh what boundless happiness!
Leonora in my arms!

BOTH
After untold sorrows
Such unbelievable joy!

LEONORA
I hold you in my arms again!

FLORESTAN
Oh God, how great your mercy is!

BOTH
My wife, I hold her in my arms!
My husband I hold in my arms!
We thank you, Lord, for this great bliss!

FLORESTAN
You here!

LEONORA
I'm here!

FLORESTAN
Oh heavenly delight!
Leonora!

LEONORA
Florestan!

BOTH
Oh what boundless happiness!
My wife, I hold her in my arms!
My husband I hold in my arms!
We thank you, Lord, for this great bliss!


SIXTH SCENE
The Prisoners, Don Fernando, Pizarro, Marzellina and Jaquino.

No. 16 - Finale

CHORUS
of the prisoners and of the people
Blessed the day, blessed the hour,
We've been longing for with little hope,
Justice with graciousness in union
To the gate of our graves has come!

FERNANDO
Our gracious Majesty's will and pleasure
Has sent me here to you poor men,
That I disclose the crimes of darkness
Which, has enveloped all of you.
No longer kneel like slaves before me,
Tyrant's grimness I detest.
A brother's come to seek his brethren,
And can he help, he gladly helps.

CHORUS,
Blessed the day, blessed the hour!

FERNANDO
A brother's come to seek his brethren,
And can he help, he gladly helps.


SEVENTH SCENE
The former, Rocco, Leonora, Florestan.

ROCCO
Well, Sir, you help now! Help the poor!

PIZARRO
What do I see?

ROCCO
Are you moved now?

PIZARRO
Away! Away!

FERNANDO
No! Speak up!

ROCCO
All your mercy
Be given to this pair.
Don Florestan -

FERNANDO
Whom we thought dead,
The noble man who fought for truth?

ROCCO
And sufferd tortures numberless.

FERNANDO
My friend! My friend! He is alive?
In chains and pale he faces me.

ROCCO, LEONORA
Yes, Florestan, you see him here.

ROCCO
And Leonora -

FERNANDO
Leonora?

ROCCO
The best of wives I bring you here.
She came to me -

PIZARRO
Two words allow me -

FERNANDO
Be quiet!
She came -

ROCCO
There to my door,
So that my servant she became,
And worked so loyally for me
That I made her my son-in-law.

MARZELLINA
Dear me, what do I have to hear!

ROCCO
This villain, in this very hour
He meant to murder Florestan.

PIZARRO,
With his support!

ROCCO
With our help!
Your arrival only called him away.

CHORUS
Punished be the villain now
Who innocence oppressed.
Justice holds for punishment
The sword of vengeance up.

Pizarro is lead away

FERNANDO
You unlocked this brave man's grave,
Now take his chains off him -
But no! You, noble lady alone,
You have the right to make him wholly free.

LEONORA
Oh Lord! - What a moment this!

FLORESTAN
Oh unspeakable happiness!

FERNANDO
Just, oh Lord, your judgement is.

MARZELLINA, ROCCO
You try us, you desert us not.

ALL
Oh Lord! - What a moment this!
Oh unspeakable happiness!
Just, oh Lord, your judgement is,
You try us, you desert us not.

CHORUS
Who calls a faithful wife, his own,
Join in our song of joy!
Never be it praised too highly
Your husband's saviour to become.

FLORESTAN
My life your faithfulness has saved,
Virtue makes the villain fear.

LEONORA
Love alone my efforts guided,
Real love is not afraid.

CHORUS
Praise with greatest joy and warmth
Leonora's noble mind.

FLORESTAN
Who calls such, a wife his own,
Join in our song of joy!
Never be it praised too highly
The husband's saviour to become.,

LEONORA
Love alone has given me
To liberate you from your chains.
Lovingly I sing with joy:
Florestan is mine again!

CHORUS
Who calls a faithful wife his own,
Join in our song of joy!
Never be it praised too highly
Your husband's saviour to become.

LEONORA
Lovingly I sing with joy:
Florestan is mine again!

ALL
Never be it praised too highly
Your husband's saviour to become.

Please read and obey the copyright rules before downloading a file!

Full Score

download

Vocal Score

download