La Betulia liberata

La Betulia liberata

Das befreite Bethulien

Libretto

Pietro Matestasio

Uraufführung

1771, Wien

Besetzung

JOSIAS (Tenor)
JUDITH (Alt)
AMITAL (Sopran)
ACHIOR (Bass)
CABRI (Sopran)
CARNI (Sopran)

CHOR
assyrische und hebräische Krieger, Volk von Bethulien

Ort

Judäa

Zeit

600 vor Chr.

Mozart, Wolfgang Amadeus

Mozart, (Johann Chrysostomus) Wolfgang (Theophilus [Gottlieb]) Amadeus
27.1.1756 Salzburg - 5.12.1791 Wien


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Apollo et Hyacinthus (13.5.1767 Salzburg)
La finta semplice (1.5.1769 Salzburg)
Bastien und Bastienne (?9/10.1768 Wien)
Mitridate, rè di Ponto (26.12.1770 Milano)
Ascanio in Alba (17.10.1771 Milano)
Il sogno di Scipione (?1.5.1772 Salzburg)
Lucio Silla (26.12.1772 Milano)
La finta giardiniera (13.1.1775 München)
Il rè pastore (23.4.1775 Salzburg)
Semiramis (?11.1778 Mannheim) [?] [lost]
Zaide (1779 inc; 27.1.1866 Frankfurt)
Idomeneo, rè di Creta (29.1.1781 München)
Die Entführung aus dem Serail (16.7.1782 Wien)
L'oca del Cairo (1784 inc; 4.1860 Frankfurt)
Lo sposo deluso (1784 inc)
Der Schauspieldirektor (7.2.1786 Wien)
Le nozze di Figaro (1.5.1786 Wien)
Il dissoluto punito, ossia Il Don Giovanni (29.10.1787 Praha)
Così fan tutte, ossia La scuola degli amanti (26.1.1790 Wien)
Die Zauberflöte (30.9.1791 Wien)
La clemenza di Tito (6.9.1791 Praha)
inc = Fragment / lost = verschollen

Das befreite Bethulien



ERSTER TEIL
Holofernes, der Feldherr der Assyrer, hat in seinem Feldzug alle Stämme bis auf die Israeliten unterworfen, die sich in Bethulien eingeschlossen haben. Achior, der Fürst der Ammoniter, der Holofernes von der Geschichte und Religion der Juden unterrichtet hat, rät dem Assyrer, zu prüfen, ob der Gott der Juden so allmächtig sei, wie diese behaupten. Holofernes belagert die Stadt, und schon nach fünf Tagen sind die Eingeschlossenen unter ihrem Anführer Ozia bereit, sich zu ergeben. Judith bittet, mit der Kapitulation noch zu warten und geht, nur von einer Magd begleitet, in das Lager des assyrischen Feldherrn.

ZWEITER TEIL
Während Ozia mit Achior einen theologischen Disput austrägt, wird Giuditta im Lager von Holofernes freundlich aufgenommen und mit einem Gastmahl geehrt. Judith tötet den schlafenden Feldherrn und bringt als Beweis ihrer Tat seinen Kopf nach Bethulien. Die Juden fassen neuen Mut, greifen die Assyrer an, die völlig geschlagen werden und die Flucht ergreifen. Judith wird von ihren Landsleuten als Heldin gefeiert.

Das befreite Bethulien



Personen:
OZIA (Tenor)
GIUDITTA (Alt)
AMITAL (Sopran)
ACHIOR (Bass)
CABRI (Sopran)
CARNI (Sopran)

CHOR
assyrische und hebräische Krieger, Volk von Bethulien

Ouvertüre

ERSTER TEIL

Ozia, Amital, Cabri und Chor

Rezitativ

OZIA
Volk von Betulia, ach welch schändliche
Ohnmacht befängt euch! Bleich und traurig
steht ihr alle um mich her! Es ist wahr,
hartnäckig belagern uns die Assyrer;
doch wir sind noch nicht besiegt. Gebt so rasch
ihr euch dem Unglück preis? Eure Angst
fürchte ich mehr als jene. Von all unseren
Übeln ist dies das schlimmste: es lähmt in uns
den Widerstand. Jeder Sturm,
so schwach er auch sei,
bringt Unglück dem Steuermann, der verzagt.

Nr. 1 - Arie

OZIA
Von all unseren Vergehen ist
gottlose Furcht das grösste; sie gleicht
einem Angriff auf des Ewigen Mitleid.

Wer verzweifelt, liebt nicht, glaubt nicht,
denn Glauben, Liebe und Hoffnung
sind drei Fackeln, die gemeinsam scheinen,
und keine gibt Licht ohne die andere.

Rezitativ

CABRI
Und woran können wir unsere Hoffnung klammern?

AMITAL
Etwa an den Schutz
durch unsere Truppen, geschwächt und reduziert
durch dauernde Erschöpfung, mangelnde Ernährung,
und demoralisiert durch die allgemeine Klage?
Können wir unsere Hoffnung setzen
auf bereits besiegte Nachbarn,
ohnmächtige Freunde, einen gekränkten Gott?

CABRI
Durchstreife die elende Stadt
von allen Seiten; nichts als Schrecken überall.
Vernachlässigt und verwirrt
die Ordnung. Die einen zürnen
dem Himmel oder dir;
andere bekunden weinend ihre Sünden,
alte und neue;
einige laufen umher ohne Ziel;
andere stöhnen wortlos, und Furcht,
wie eine Flamme im trockenen Wald,
greift am sich. Jedermann wähnt sich
dem Tode nahe. Schon umarmen sich
Verwandte und Freunde, nehmen Abschied
auf immer. Und diejenigen, die noch stets
Standhaftigkeit beweisen, werden verhöhnt.


Nr. 2 - Arie

CABRI
Doch inmitten so vieler Anblicke,
welche Stärke erweichte nicht,
um das wütendste Herz
zu entmutigen,

wenn es, unwillig,
um Tränen anderer weint,
wenn die Blässe anderer
es selbst erblassen lässt?

Rezitativ

OZIA
Sind denn die alten Erinnerungen bereits
vergessen? Wie undankbar ist diese
Vergesslichkeit, meine Kinder! Ach, lasst uns
daran denken, wer wir sind, dass Gott uns hilft
und wieviele Wunder er an uns vollbracht hat.
Können wir fürchten, dass er, der die Fluten
des Roten Meeres teilte, der bitteres Wasser
versüsste, der Quellen mit sprudelndem Wasser
in trockenem Felsgebiet öffnete,
der uns führte und ernährte
in unbekannten, unfruchtbaren Wüsten,
uns nun verlassen sollte? Ach nein!
Der stolze Holofernes
bedroht Betulia seit langem, und doch
wagt er nicht den Angriff. Dies ist ein Zeichen
der göttlichen Gunst.

CABRI
Ja, doch inzwischen belagert uns
der wilde General noch grausamer. Der Tyrann
bemächtigte sich der Quellen, aus denen
die einst glückliche Stadt ihren reichen
Wasservorrat schöpfte. Das verbleibende Wasser
wird durch Rationen
sparsam eingeteilt, es erzeugt Durst,
verringert ihn nicht,
verschlimmert ihn, anstatt zu löschen.

AMITAL
Ach, mit welchen Waffen
widerstehen wir einem Feinde,
der von unseren Quellen lebt?
Sieh uns an; erkenne,
wohin wir es gebracht haben.
Unsere Brüste, ermüdet vom Keuchen,
unsere geschwollenen Zungen, ausgedörrte Kehlen
können nicht einmal mehr klagen.
Unseren Augen fehlt die Feuchtigkeit für Tränen,
und doch gibt es ständig mehr Grund zum Weinen.
Mein eigenes Elend ist für mich, die Mutter,
nicht die grösste Trübsal: zu sehen,
wie meine Kinder (o Himmel!) abgezehrt sind,
ohne dass ich ihnen
neuen Lebensmut geben kann -
das ist ein Elend ohnegleichen,
nur Mütter können dies verstehen. Höre mich an,
Ozia: du, der du uns regierst,
du bist der Hauptgrund unseres Übels. Gott sei
der Richtet zwischen dir und uns:
du willst mit den Assyrern nicht
über Frieden sprechen; du siehst uns sterben
inmitten ungekannten Schmerzes;
und du schläfst, sitzt unschlüssig und tatenlos?

Nr. 3 - Arie

AMITAL
Du hast kein Herz,
wenn diese Elendsklagen
dich nicht bewegen, dich nicht aufrütteln,
wenn du kein Mitleid empfindest.

Wenn die Feinde wüssten,
wie elend (o Himmel!) wir sind,
selbst ihre Augen
füllten sich mit Tränen.

Rezitativ

OZIA
Und weichen Frieden erwartest du
von diesen gesetz- und treulosen Menschen,
die unserem Gott feindlich gesinnt sind?

AMITAL
Und doch ist es besser,
zu leben und sie zu segnen,
als eines schändlichen Todes zu sterben,
zu sehen, wie unsere Männer und Kinder
vor unseren Augen sterben.

OZIA
Was aber,
wenn der verräterische Feind
dein Leben nicht schont?

AMITAL
Dann wollen wir lieber
schnell durch das Schwert sterben,
als qualvoll an Durst dahinscheiden. Ach Ozia,
bei allem, was heilig und wert ist, auf Erden
und im Himmel, bei ihm, der uns nun bestraft,
dem grossen Gott unserer Väter,
übergib die Stadt dem assyrischen Heer.

OZIA
Meine Kinder, was sagt ihr!

AMITAL
Ja, ja, ganz Betulia
spricht durch mich. Lass die Tore öffnen
und beuge dich der Gewalt: Lasst uns zusammen
frei zum Lager des Holofernes eilen.
Dies ist die einzige Lösung,
die Forderung aller.

CHOR
Zum Lager, zum Lager!

OZIA
Haltet ein! Hört! (Ewiger Gott, hilf mir,
steh mir bei!) Meine Kinder, ich will nicht
gegen euren Willen handeln: nur bitte ich euch,
mir Aufschub zu gewähren, ich erbitte nicht mehr
als fünf Tage. Fasst guten Mut.
Vielleicht hat Gott bis dahin Erbarmen, zum Ruhm
seines Namens. Wenn der fünfte Morgen
ohne Hoffnung für uns anbricht, so werde
die Stadt geöffnet und dem Feinde ausgeliefert.

AMITAL
Wir werden diese Entscheidung abwarten.

OZIA
Und nun stimmt ein
in das glühende Gebet, das ich
gen Himmel richte, treuer Vermittler
zwischen den Sterblichen und Gott.

Nr. 4 - Arie mit Chor

OZIA
Hab' Erbarmen, Herr, mit uns,
Erbarmen, in deinem Zorn:
Mögen die Schuldigen bestraft werden,
bestraft durch dich.

CHOR
Mögen die Schuldigen bestraft werden,
bestraft durch dich.

OZIA
Wenn du zulässt, dass wir, die dich anbeten,
unterdrückt werden durch andere, die dich
nicht kennen, so werden die Heiden sagen:
»Wo ist dann ihr Gott?«

CHOR
So werden die Heiden sagen:
»Wo ist dann ihr Gott?«

Rezitativ

CABRI
Wer ist es, der sich uns nähert wie
die aufgehende Sonne, schrecklich dem Anblick
wie eine befohlene Kohorte, und doch so schön,
vergleichbar der Sonne und dem Mond?

AMITAL
Nach ihrer vernachlässigten Haartracht,
dem groben Gewand und dem traurigen Blick
ist sie die Tochter Meraris.

OZIA
Giuditta!

CABRI
Ja, die treue
Witwe des Manasses.

OZIA
Aus welchem Grund mag sie ihr geheimes
Versteck verlassen haben, in dem sie sich
nun schon seit fast vier Jahren verborgen hält?

AMITAL
Ich weiss, dass sie
die Nächte durchwacht und betet,
am Tage fastet: Der Himmel
verlieh ihr Reichtum und Schönheit,
doch sie verschmäht beides;
so kann kein Neid, ob echt oder geheuchelt,
irgendeinen Makel an ihr finden.
Und doch weiss ich nicht ...

Giuditta tritt auf.

GIUDITTA
Was höre ich, Ozia?
Weh, Betulia, was vernehme ich? Sollen wir
die Tore dem assyrischen Heer öffnen, wenn
binnen fünf Tagen keine Hilfe kommt? Armselige!
Ist dies eine Lösung? Ach, euch alle trifft
die gleiche Schuld. Das Volk verfällt
dem einen Extrem, sein Herrscher dem anderen.
Hier zweifelt man an der göttlichen Gnade, dort
hemmt man ihren Einfluss. Niedrig die einen,
unbesonnen die anderen. Hier fehlt
die Hoffnung, dort die Ehrfurcht:
Weder in dein einen noch dem anderen
liegt Mässigung. Verworfenheit und
Unmässigkeit gleichen einander.
Der Macht sind Grenzen gesetzt; und jeder,
der sie in irgendeiner Weise überschreitet,
selbst in entgegengesetzter Richtung,
verfällt demselben Irrtum.

Nr. 5 - Arie

GIUDITTA
Gleich unfruchtbar
ist das Ufer des Flusses,
sei es überschwemmt,
sei es ausgedörrt.

Übermässige Hoffnung
führt zu Anmassung,
und der Glaube stirbt,
wo die Furcht überwiegt.

Rezitativ

OZIA
O weises, göttliches, edles Weib!
Aus deinen Worten spricht Gott.

CABRI
Wer bleibt
bei diesem Tadel taub?

OZIA
O du, die du dem Herrn teuer bist,
flehe ihn um Gnade für uns an:
Führe und lenke uns.

GIUDITTA
Vertraue auf Gott, ertrage
die Pein. Auf diese Weise ermahnt uns Gott
und unterdrückt uns nicht. So stellt er die Treue
seiner Lieben auf die Probe; so wurden Abraham
und Isaak, Jakob und Moses seine Wonne.
Doch wer wagte, seine Gerechtigkeit
durch Klagen zu beleidigen,
den zerstörte er durch den Biss der Schlange
oder durch Feuer. Wenn wir unsere Fehler
in wahrem Massstab sehen, so ist unsere Strafe
nur gering; wir sind Gott Dank schuldig,
nicht Klage. Er möge uns nach seinem Willen
trösten. Ich hoffe auf grosse Beweise
seiner Gnade. So ihr glaubt, dass er
durch micht spricht, fahrt fort zu glauben,
dass er meine Gedanken lenkt.
Ein grosser Plan beflügelt mich. Trachtet nicht,
ihn zu erfahren. Bei Sonnenuntergang,
Ozia, warte auf mich am Tor bei Stadt.
Ich gehe, um mich vorzubereiten
auf mein grosses Werk. Bis ich zurückkehre,
unterstützt meine frommen Gedanken
durch inbrünstige Gebete.

Nr. 6 - Arie mit Chor

OZIA, CHOR
Hab' Erbarmen, Herr, mit uns, usw.

Wenn du zulässt, dass wir, die dich anbeten, usw.

Carmi und Achior treten auf.

Rezitativ

CABRI
Mein Herr, Carmi ist gekommen, Euch zu sprechen.

AMITAL
So hat er
den Schutz der Mauern verlassen,
die ihm anvertraut wurden?

OZIA
Was begehrst du, Carmi?

CARMI
Ich komme,
um dir einen Gefangenen zu bringen.
Das Heer der Feinde hatte ihn an einen Baum
nahe der Stadt gefesselt:
Achior ist sein Name:
er ist der Fürst der Ammoniten.

OZIA
Behandelt Holofernes so
seine Freunde?

ACHIOR
Dies entspricht dem Tun der Anmassenden.
Eine ungeschminkte Wahrheit empfinden sie
als Herausforderung.

OZIA
Erkläre dich deutlicher.

ACHIOR
Ich gehorche. Zürnend darüber, dass Betulia
sich ihm zu widersetzen wagte, forderte
der assyrische General von mir Kunde über euch.
Ich erinnerte mich vergangener Zeiten und
erklärte ihm den Ursprung und die Geschichte
der Kinder Israel - den angestammten Kult
mehrerer Götter, bis eure Väter
einen einzigen Gott erwählten;
die Wanderung vom Land der Chaldäer
nach Kanaan, von dort nach Ägypten; die rohe
Herrschaft eines grausamen Königs. Ich berichtete
ihm von eurer wunderbaren Flucht,
den langen Wanderungen, den unglaublichen
Vorräten an Wasser und Nahrung,
den Schlachten und Siegen; und ich erklärte ihm,
dass, wenn ihr eurem Gott treu wäret, er immer
für euch kämpfen würde. Schliesslich endete ich
mit den Worten: »Lasst uns erforschen, ob sie
ihrem Gott untreu wurden, und wenn, dann ist
der Sieg unser. Doch wenn sie sich nicht vor ihm
versündigt haben, nein, dann hoffe nichts,
oder du wirst vor aller Welt verachtet werden.«

OZIA
O ewige Wahrheit, wie triumphierst du
selbst in dem Herzen der Feinde!

ACHIOR
Holofernes wütete bei meinen Worten.
Er trieb mich von sich
und schickte mich nach Betulia;
und der Unbarmherzige drohte mir,
dass ich zusammen mit euch getötet würde,

OZIA
Ist er sich seiner Macht
so sicher?

AMITAL
Besitzt er
so wenig Menschlichkeit?

ACHIOR
Unter der Sonne lebt
kein hochmütigerer Mensch,
kein grausameres Herz.
Vor seinen Worten und Taten
zittern selbst die Stärksten.

Nr. 7 - Arie

ACHIOR
Fürchterlich anzusehen,
grausam in seinen Taten,
entweder zählt er sich selbst zu den Göttern,
oder er ist völlig gottlos.

Stolz, Zorn und Verachtung
sprechen aus seinen Augen;
und mit der Wut ist er so schnell
wie mit der Gnade langsam.

Rezitativ

OZIA
Sei versichert, Achior, dass Gott, dessen Macht
du voraussagtest, den Urheber dieser gottlosen
Drohungen bestrafen wird. Nicht durch Zufall
hat der Himmel dich zu uns geführt.
Aufdecken kannst du des Feindes ...

CABRI
Giuditta kehrt zurück

OZIA
Verlasst mich alle.
Fürst, für jetzt keine Fragen mehr.
Diener, bringt ihn zu meinem Hause:
Dort werde ich dich bald treffen.
Gehe Achior, und glaube mir,
dass, fern deiner Heimat, du in mir
einen Freund, Vater und Beschützer finden wirst.

ACHIOR
So grosses Mitleid hatte ich nicht erwartet.

Giuditta tritt auf.

OZIA
Bist du Giuditta, oder ist mein Blick
durch das Licht getrübt.

GIUDITTA
Ich bin es.

OZIA
Doch warum bist du
in Trauer nicht mehr und trägst
fröhliche Gewänder? Warum feines Leinen und
Gold, Purpur und Schmuck, und
die schon vergessenen Attribute deiner Schönheit?
Balsamdüfte steigen
aus deinem geflochtenen Haar! Wer hat deinen
Wangen die Farbe zurückgegeben? Wer verlieh
deinen Bewegungen so aussergewöhnliche
Grazie und Erhabenheit? Wer erzeugte
den ungewohnten Glanz in deinen Augen,
der Respekt und Bewunderung heischt?

GIUDITTA
Ozia, die Sonne geht unter;
Lass die Tore öffnen: Ich muss hinausgehen.

OZIA
Hinausgehen!

GIUDITTA
Ja.

OZIA
Doch in der Dunkelheit, unbewaffnet
und allein ...

GIUDITTA
Nichts mehr. Nur meine Magd
soll bei mir sein.

OZIA
(Aus ihren Worten spricht etwas,
ich weiss es nicht, von Entschlossenheit und Grösse,
das mich bedrückt.) Zumindest ... Ich wünschte ...
Meine Tochter ... (Wer könnte es glauben! Ich
wage nicht einmal zu fragen, wohin sie geht und
worauf sie vertraut.) Gehe, meine Tochter:
Möge Gott dich erleuchten und leiten.

Nr. 8 - Arie

GIUDITTA
Ich gehe unbewaffnet und ohne Furcht;
Ich gehe allein, aber sicher; ich gehe durch das
Dunkel, doch fürchte ich micht nicht.

Der mich antrieb zu dieser grossen Prüfung,
begleitet und beschützt mich:
ich trage ihn in meinem Geist und höre ihn sagen,
dass ich siegreich sein werde.

Nr. 9 - Chor

CHOR
von ferne
O Wunder! O Erstaunen! Dass eine friedliche Frau
wie sie die öffentliche Verantwortung
auf sich nimmt, ohne sich mit dem Herrscher
zu beraten, dass sie sich der Gefahr aussetzt,
ohne unklug zu wirken! Sie schmückt sich
mit grosser Sorgfalt, und doch gibt es
keinen Zweifel an ihrer Tugend! Sie
verspricht nichts und gibt uns doch Hoffnung!
Wie könnte der Urheber dieses Wunders
solch ein Wesen missachten?



ZWEITER TEIL

Ozia und Achior

Rezitativ

ACHIOR
Unsere Götter so zu verachten,
entspricht nicht (verzeih, Ozia)
deinem sanften Wesen.
Wie du weisst, sprach ich
nicht so über deinen Gott.

OZIA
Fürst, was du als ungeschlacht erachtest,
ist in Wahrheit Eifer. In dir entdeckte ich
Keime der Wahrheit; und ich trachte danach,
sie zum Leben zu bringen.

ACHIOR
Genügt es dir nicht,
dass ich deinen Gott achte?

OZIA
Nein: Jeder
muss seine Existenz anerkennen,
und ihn allein anbeten.

ACHIOR
Doch wer beweist, dass er der Eine ist?

OZIA
Der verehrte Einklang
jeder Generation; die zuverlässige
Glaubwürdigkeit unserer Vorfahren; derselbe
Gott, dessen Wunder und Kraft
du voraussagtest, die er
mit eigener Stimme enthüllte: Denn als er
sich selbst beschrieb, sagte er:
»Ich bin, weil ich bin«, und sagte alles.

ACHIOR
Umsonst ziehst du die Glaubwürdigkeit
deines Volkes gegen mich heran, deinen Widersacher.

OZIA
Nun, mein Wort scheint dich nicht zu überzeugen,
mein Freund. Aber du bist ein Mann:
Die Vernunft wird dir das Gegenteil beweisen.
Antworte mir mit ruhigem Geist:
Suche die Wahrheit, nicht den Sieg.

ACHIOR
Ich höre.

OZIA
So sage mir:
Glaubst du, Achior,
dass irgend etwas ohne Vernunft
erreicht werden kann?

ACHIOR
Nein.

OZIA
Indem du im Geiste
eins nach dem andenm siehst,
musst du dann nicht eine Ursache erkennen,
von der alles andere abhängt?

ACHIOR
Das beweist die Existenz eines Gottes, aber
nicht, dass Er der Eine ist. Können nicht auch
unsere Götter die ersten Ursachen sein?

OZIA
Welche Götter, teurer Fürst? Baumstämme und
Marmor, die ihr mit Inschriften versehen habt?

ACHIOR
Doch wenn diese Steine für die Weisen
nur Symbole der unsterblichen schöpferischen
Wesen sind, würdest du dann weiter behaupten,
dass meine Götter keine Götter sind?

OZIA
Ja, weil es mehrere sind.

ACHIOR
Ich sehe nicht,
was die Anzahl zu sagen hat.

OZIA
Ein Grund: Ich kann mir
keinen Gott vorstellen,
der nicht vollkommen ist.

ACHIOR
Die Idee als solche stimmt.

OZIA
Wenn ich vollkommen sage,
meine ich auch unendlich.

ACHIOR
Das eine schliesst das andere ein:
Daran gibt es keinen Zweifel.

OZIA
Doch du betest mehrere Wesen an, und wenn es
mehrere sind, so unterscheiden sie sich. Und wenn
sie sich unterscheiden, so gibt es Grenzen
zwischen ihnen. So ist entweder das Unendliche
begrenzt, oder es gibt keine Götter.

ACHIOR
Ich gebe zu, es ist schwer,
dir zu widersprechen.
Aber ich bin nicht überzeugt.
Ich beuge mich deiner Redekunst,
nicht jedoch deinen Argumenten. Die Gotter,
die ich anbete, verlasse ich nicht,
und für mich gibt es keinen Gott,
wenn ich ihn mir nicht vorstellen kann.

OZIA
Wenn wir ihn uns vorstellen könnten,
wäre er nicht Gott. Wer könnte sich
ein Bild von ihm machen? Er besteht nicht
aus Teilen wie der Körper; wie unsere Seelen
ist er nicht deutlich vorstellbar.
Er unterliegt keiner Form,
wie alle Schöpfung; und wenn man ihm im Geiste
Teile, Umriss und Form gibt, so grenzt man ihn
ein, zerstört seine Vollendung.

ACHIOR
Doch wenn du ihn selbst
sowohl gut als auch gross nennst,
beschreibst du ihn nicht auch?

OZIA
Nein: Für mich ist er gut, aber
ohne Eigenschaft, gross, aber
ohne Mass, unendlich;
allgegenwärtig, ohne Ort und Begrenzung;
und wenn ich ihn auf diese Weise
nicht erklären kann, so mache ich mir jedenfalls
keine Vorstellung von ihm, die ihn beleidigt.

ACHIOR
So besteht also
keine Hoffnung, ihn zu sehen?

OZIA
Eines Tages wirst du in der Lage sein,
besser entscheiden zu können, doch inzwischen
kannst du ihn sehen, wo immer du willst.

ACHIOR
Ihn sehen! Doch wie,
wenn ich ihn mir nicht vorstellen kann?

OZIA
Auch die Sonne
kannst du nicht mit den Augen erfassen,
und dennoch scheint sie immer und auf alles.

Nr. 10 - Arie

OZIA
Willst du Gott erblicken,
so sieh ihn in allem:
suchst du ihn in deinem Herzen,
wirst du ihn in dir finden.

Und wenn du nicht weisst,
wo er wohnt,
so verwirre mich, wenn du kannst:
sage mir, wo er nicht wohnt.

Rezitativ

ACHIOR
Ich bin verwirrt; ich gerate in Versuchung,
und doch kehren meine Zweifel wieder.

OZIA
Wenn die Gewohnheit
mit dem Verstand in Konflikt gerät,
geschieht dies. Es ist, als ob man versuchte,
die vernachlässigten Saiten einer
lange nicht mehr gespielten Lyra zu stimmen,
die kaum mehr schwingen wollen,

Amital tritt auf.

AMITAL
Ach sag mir, Ozia, was geschieht,
was ist deine Absicht? Ich verstehe nicht
den Sinn dieses äussersten Schweigens,
in das Betulia gehüllt ist
nach dem grossen Aufruhr. Unser Los hat sich
nicht im geringsten gebessert. Unsere Mühsal
wächst, doch die Klagen werden minder. Gestern
bat jeder um Hilfe und Gnade; heute läuft jeder
düster umher, ohne zu sprechen. Ach, dieses
scheint ein zu unheilvolles Omen zu sein.

Nr. 11 - Arie

AMITAL
Der Lotse, der beim grössten Sturm
keine Angst empfindet und nicht spricht,
ist dem Schiffbruch nahe.
Der Kranke, der nicht stöhnt,
wenn Grund zum Seufzen besteht,
ist seiner letzten Stunde nahe.

Rezitativ

OZIA
Übermässige Trauer währt nicht lange.
Entweder gibt man den Übeln nach,
oder man gewöhnt sich an sie, Und dennoch
ist unsere Lage nicht ohne Hoffnung.

AMITAL
Ich verstehe:
du verlässt dich auf Giuditta. Ach, ich halte dies
für eine zu gewagte Hoffnung.

CHOR
von fern
An die Waffen, an die Waffen!

OZIA
Was bedeuten diese Rufe?

CABRI
tritt auf
Beeile dich, Ozia. Hörst du
den Lärm unserer Krieger
an den Toren?

OZIA
Was ist der Grund Inerfür?

CABRI
Wer weiss?

AMITAL
Gnade!
Der Feind ist gekommen.

OZIA
Lasst uns eilen und sehen.

Giuditta tritt auf.

GIUDITTA
Haltet ein, Freunde.

OZIA
Giuditta!

AMITAL
Ewiger Gott!

GIUDITTA
Lobt, meine Freunde, lobt unseren Herrn.
Sehet, seine Versprechen hat er erfüllt:
er triumphiert durch meine Hand:
unseren Glauben hat er belohnt.

OZIA
Aber dieser
plötzliche Aufruhr.

GIUDITTA
ich verursachte ihn:
beruhigt euch. In wenigen Augenblicken
werdet ihr die Wirkung spüren.

AMITAL
Doch wenn
Holofernes inzwischen ...

GIUDITTA
Holofernes
wurde getötet.

AMITAL
Was sagst du?

ACHIOR
Wer erschlug Holofernes?

GIUDITTA
Ich tat es.

OZIA
Du!

ACHIOR
Doch wann?

AMITAL
Und wie?

GIUDITTA
Hört. Kaum hatte ich Betulia verlassen,
als ich von feindlichen Wachen ergriffen wurde.
Sie brachten mich zu Holofernes: Er fragte mich,
wer ich sei und warum ich gekommen war.
Einen Teil der Wahrheit enthüllte ich ihm,
den anderen behielt ich für mich. Er
verstand mich nicht, doch gefiel ihm,
was ich sagte. Er hörte irtich an und empfing mich
höflich und gutwillig (obwohl Güte nicht zu ihm
zu passen schien), er stimmte mir bei und
tröstete mich. Er lud mich zu einem fröhlichen
Bankett ein. Auf besonderen Tischen stieg
bereits Rauch aus goldenen Gefässen; schon leerte
der Wahnsinnige zwischen den Gängen zahlreiche
Becher mit starkem Wein; und nach und nach
begann er zu schwanken. Viele Diener standen
um uns herum, doch einer nach dem anderen
verschwand. Als der letzte, und schlimmste,
von denen, die noch geblieben waren,
verschwand, schloss er die Tür hinter sich
und liess mich allein mit Holofernes.

AMITAL
Furchtbare Gefahr!

GIUDITTA
Für ein bereites Herz ist jede Gefahr gering.
Schon war der längste Teil der Nacht verronnen.
Das Lager rings umher war still, gehüllt in Schlaf.
Auch Holofernes, übermannt vom Wein, dem er
übermässig zugesprochen hatte, schlief auf dem
Bett, das ihm zum Verhängnis werden sollte.
Ich erhob mich und begab mich
leise zu ihm hin, sein Gesicht schaute nach unten.
Indem ich mich zum Himmel wandte, sprach ich,
mehr mit dem Herzen als mit dem Mund: »Dies ist
der Augenblick, o Gott Israels, wo
ein einziger Streich dein Volk befreien kann. Du
gabst dies Versprechen; indem ich dir vertraute,
übernahm ich diese Aufgabe; ich erflehe
deine Hilfe.« Nachdem ich dies gesagt hatte,
löste ich das Schwert von einer Säule seines
Lagers, entblösste es, hielt sein Haar mit meiner
linken Hand, erhob die andere zur vollen Länge
meines Armes, erneuerte meinen Schwur zu Gott
in diesem bedeutenden Augenblick, und lenkte
das Schwert auf sein verruchtes Genick.

OZIA
Welch ein Mut!

AMITAL
Welch ein Wagnis!

GIUDITTA
Der Barbar öffnete die Augen und, unsicher
zwischen Schlaf und Tod, fühlte er das Schwert
an seinem Hals. Er versuchte, sich zu erheben
und sich zur Wehr zu setzen, doch
sein gefesseltes Haar vereitelte dieses Ansinnen.
Er begann zu schreien, doch seiner Stimme
war der Weg zu den Lippen versperrt.
Ich schlug noch einmal zu, und siehe da,
das fürchterliche Haupt war von den Schultern
gelöst. Der Rumpf zitterte
auf dem blutbefleckten Boden: Ich fühlte, wie
der halbtote Kopf sich unter der Hand bewegte,
die ihn hielt. Ich sah,
wie das Gesicht plötzlich die Farbe verlor;
die Lippen formten stumme Worte, die Augen
suchten überall nach der Sonne:
Ich sah ihn sterben, drohen, und ich zitterte.

AMITAL
Auch ich zittere bei dieser Nachricht.

GIUDITTA
Endlich atmete ich wieder und dankte dem
Schöpfer für das Zeichen dieses Triumphes. Ich
zog den kostbaren Baldachin vom Bett herunter
und wickelte schnell den Kopf darin ein. Ich gab ihn
meiner treuen Magd, die in der Nähe wartete;
ich stahl mich fort vom toten General
zum Pavillon, gelangte ungesehen durch das Lager
und kehrte zurück zu euch.

OZIA
Unglaublich!

CABRI
Wunderbar!

ACHIOR
Unbewaffnet und ohne Beistand
konntest du dieses ausführen!
Kann ich dir glauben?

GIUDITTA
Glaube, was ich deinen Augen enthülle,
das abgetrennte Haupt.

ACHIOR
Wie furchtbar! Es ist Holofernes:
Ich erkenne ihn.

OZIA
Helft ihm, Diener: die plötzliche Angst liess
sein Herz zu Eis erstatten.

AMITAL
Sein Geist versagte,
um den Augen den Anblick zu ersparen.

GIUDITTA
Wir wollen besser von ihm denken,
Amital. Vielleicht ist der Schleier,
der seine Sinne verdunkelte,
nun plötzlich gewichen. Er entflicht nicht
der Wahrheit, doch ist er nicht daran gewöhnt,
den Einbruch von so viel Licht zu ertragen.

Nr. 12 - Arie

GIUDITTA
Der Gefangene, der nach dunkler Nacht
das friedliche Tageslicht erblickt,
schliesst seine Augen vor der Sonne,
nach der ihn so verlangte.

Doch bald wird er das helle
Licht ertragen können,
weil der Glanz, der ihn blendete,
ihn belebt und leitet.

Rezitativ

ACHIOR
Giuditta, Ozia, Leute, Freunde: Ich gebe nach,
ich bin besiegt. Alles sieht nun anders aus. Ich
weiss nicht, wer den Wechsel in mir verursacht hat.
Ich sehe nicht länger den alten Achior in mir.
Ich bin erfüllt, ganz erfüllt von eurem Gott. Ich
erkenne in ihm den grossen, unendlichen, einzigen.
Ich hasse und verabscheue die falschen Götter
und die schändliche Schmeichelei, die ich ihnen
leichtgläubig entgegenbrachte. Ich liebe keinen
anderen, ich erkenne keinen anderen Gott an
denn den Gott des Abraham.

Nr. 13 - Arie

ACHIOR
Dich allein bete ich an,
unendlicher Geist,
Quelle des Lebens
und der Wahrheit.

Alles, was ewig ist,
bewegt sich
in dir,
ist abhängig von dir.

Rezitativ

OZIA
Hier siehst du ein herrliches Beispiel
für die Früchte deines Sieges, o Giuditta!

AMITAL
Und nicht das einzige. Auch ich sündigte;
Ich bereue. Meine Furcht beleidigte
die göttliche Gnade. In meinen Qualen, o Gott,
vergass ich, was du vermagst, wer du bist.

Nr. 14 - Arie

AMITAL
Mit strafbarer Niedrigkeit
beleidigte dich meine Seele,
als sie an deiner
Hilfe zweifelte.

Erbarmen, Herr, Erbarmen,
denn mein reuevolles Herz
büsst in seinen Gewissensqualen
für sein eigenes Vergehen.

Rezitativ

CABRI
Wie sorgst du für uns, göttliche Gnade!

Carmi tritt auf.

CARMI
Deine Prophezeiungen, heilige Frau,
sind eingetroffen: Allgemeiner Tod
suchte die Assyrer heim.

OZIA
Vielleicht ist dies
nur unser Wunsch.

CARMI
Nein; ich war halb Zeuge
des glücklichen Ereignisses; den Rest vernahm ich
von fliehenden Überlebenden.
Von oberhalb der Mauern,
wie Giuditta es mir bei ihrer Rückkehr auferlegte,
liess ich Schreie und Waffengeklirr laut erklingen.

AMITAL
Wir hörten es hier.

CARMI
Die feindlichen Wachen fürchteten einen
nächtlichen Angriff und beeilten sich, Holofernes
zu warnen. Dort fanden sie den kopflosen Rumpf
in seinem Blute; sie schraken zurück,
laut schreiend. Die fürchterliche Nachricht
gelangte zu den Truppen, die bereits durch
unsere Rufe eingeschüchtert waren: und siehe,
es flüchten alle, sich gegenseitig behindernd
in ihrer Hast. Die Flüchtenden stolpern
und fallen über die Gefallenen; in dem Gewirr
erschlagen Freunde einander mit ihren Schwertern;
überwältigt hebt jemand seinen Freund auf,
und wird selbst überwältigt.
Ringsumher ein furchterregender Lärm
im Lager. Erschrockene Pferde
brechen aus ihren Umzäunungen und trampeln
in der Dunkelheit über Tote und Sterbende.
Der Wind verweht ihr Wiehern, gemischt
mit den Flüchen und Schwüren der Heiden.
Hundert verschiedene Wege zum Tod sind die
Folge. Jeder fürchtet sich, flielit und stirbt
in gleicher Weise; und in dem Schrecken
weiss niemand, warum er sich fürchtet,
warum er flieht, warum er stirbt.

OZIA
O Himmel! Träume oder wache ich?

CARMI
Hörst du, o Herr, die traurigen Stimmen?

Nr. 15 - Arie

CARMI
Die Stimmen, die ihr hört
im Dunkel der Nacht,
sind schmerzliche Töne,
gebrochene Schreie,
die der unselige Schrecken
in der Ferne entfacht.

Es gibt keine Feinde mehr,
die wir besiegen können;
die Furcht vollendet
das Werk des Schwertes.

Rezitativ

OZIA
Lass die Flüchtlinge verfolgen, Carmi;
und belohne Giuditta
mit den erbeuteten Schätzen.

AMITAL
O edles Weib,
möge Gott dich schützen und segnen
vor allen anderen Frauen.

CABRI
Von deiner Tapferkeit
wird man ewig sprechen.

ACHIOR
Du bist
Israels Stolz,
der Ruhm unseres Volkes ...

GIUDITTA
Genug. Soviel Lob
gebührt mir nicht. Gott war dei Geist,
der den grossen Streich führte, Seine Hand
war ich, weiht ihm die feierlichen Gesänge.

Nr. 16 - Chor

CHOR
Lob sei dem grossen Gott,
der seine heidnischen Feinde erschlug,
der für uns kämpfte
und der auf diese Weise triumphierte.

GIUDITTA
Der Assyrer kam,
und mit den persischen Kohorten
bedeckte er das Tal rings umher,
dämmte die Flüsse ein.

Das Licht des Tages schien zu erlöschen;
das angsterfüllte Israel wähnte
mit der Ankunft dieses Mannes
seinen letzten Tag gekommen.

CHOR
Lob sei dem grossen Gott usw.

GIUDITTA
Mit Flammen, Ketten und Tod
drohte er wild;
Betulia erblasste vor
seiner fürchterlichen Stimme.

Doch unverhofftes Glück
vernichtete ihn wie mit einem Schlage,
und alle Wut verflog
wie Dunst im Wind.

CHOR
Lob sei dem grossen Gott usw.

GIUDITTA
Verstreut und verlassen
flüchteten die Barbaren,
die Assyrer zitterten,
die Meder verloren den Mut.

Auch Riesen waren nicht nötig,
um die Sterne anzugreifen.
Eine einzelne, friedliche Frau
erfüllte sie mit Schrecken.

CHOR
Lob sei dein grossen Gott usw.

ALLE
Lasst uns allein den toten Anführer
so vieler Soldaten sehen.
Betulia ist frei, die Feinde besiegt.
O Seele, die gefährlichen Feinde,
die dich umgarnen,
sind die Laster; allen voran der Stolz.
Ersticke ihn, und mit ihm
sein ganzes Gefolge. So gewinnst du
tausend Palmen mit einem einzigen Schlag.

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Partitur

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