Apollo et Hyacinthus

Apollo et Hyacinthus

APOLLO ET HYACINTHUS seu HYACINTHI METAMORPHOSIS
Apollo und Hyazinth oder Die Verwandlung des Hyazinth
Lateinisches Intermedium in drei Akten,
zu dem Schuldrama "Clementia Croesi"

Libretto

Pater Rufinus Widl O.S.B.

Uraufführung

13. Mai 1767, Salzburg (Aula der Universität)

Besetzung

OEBALUS, König von Lakedämonien (Tenor)
MELIA, Oebalus' Tochter (Sopran)
HYACINTHUS, Oebalus' Sohn /Sopran)
APOLLO, Gastfreund des Oebalus (Alt)
ZEPHYRUS, Hyazinths Vertrauter (Alt)

Ort

Zeit

Mozart, Wolfgang Amadeus

Mozart, (Johann Chrysostomus) Wolfgang (Theophilus [Gottlieb]) Amadeus
27.1.1756 Salzburg - 5.12.1791 Wien


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Apollo et Hyacinthus (13.5.1767 Salzburg)
La finta semplice (1.5.1769 Salzburg)
Bastien und Bastienne (?9/10.1768 Wien)
Mitridate, rè di Ponto (26.12.1770 Milano)
Ascanio in Alba (17.10.1771 Milano)
Il sogno di Scipione (?1.5.1772 Salzburg)
Lucio Silla (26.12.1772 Milano)
La finta giardiniera (13.1.1775 München)
Il rè pastore (23.4.1775 Salzburg)
Semiramis (?11.1778 Mannheim) [?] [lost]
Zaide (1779 inc; 27.1.1866 Frankfurt)
Idomeneo, rè di Creta (29.1.1781 München)
Die Entführung aus dem Serail (16.7.1782 Wien)
L'oca del Cairo (1784 inc; 4.1860 Frankfurt)
Lo sposo deluso (1784 inc)
Der Schauspieldirektor (7.2.1786 Wien)
Le nozze di Figaro (1.5.1786 Wien)
Il dissoluto punito, ossia Il Don Giovanni (29.10.1787 Praha)
Così fan tutte, ossia La scuola degli amanti (26.1.1790 Wien)
Die Zauberflöte (30.9.1791 Wien)
La clemenza di Tito (6.9.1791 Praha)
inc = Fragment / lost = verschollen

Apoll und Hyazinth


ERSTER AKT
Apollo kommt in König Oebalus' Reich und verliebt sich in dessen Tochter Melia, die, wie ihr jüngerer Bruder Hyazinthus, von jeher dem Gott besonders zugetan ist. König Oebalus sieht das Werben des Gottes um Melia gern, weil er von der Liebe seiner Tochter weiss.
ZWEITER AKT
Der Höfling Zephyrus, der selbst nach Melia und dem Thron trachtet, beobachtet die Vorgänge mit Missgunst. Um seine Ziele zu erreichen, verletzt er beim Diskuswerfen den jungen Hyazinthus tödlich und versucht, den Mord Apollo anzulasten. Der erzürnte König verweist den Gott des Landes; die verzweifelte Melia stösst ihn von sich. Apollo, der Zephyrus' Mordtat miterlebt hat, lässt diesen in einen Sturmwind verwandeln und davontragen.
DRITTER AKT
Der sterbende Hyazinthus berichtet dem Vater, dass nicht Apollo, sondern Zephyrus ihn getötet hat. Apollo verzeiht dem Reuigen, verwandelt Hyazinthus in die Blume Hyazinthe und erhält Melia zur Gattin.


Apoll und Hyazinth



Personen:
OEBALUS, König von Lakedämonien (Tenor)
MELIA, Oebalus' Tochter (Sopran)
HYACINTHUS, Oebalus' Sohn /Sopran)
APOLLO, Gastfreund des Oebalus (Alt)
ZEPHYRUS, Hyazinths Vertrauter (Alt)

Intrada

ERSTER AKT

Rezitativ

HYAZINTH
O Freund, schon ist alles bereit. Schon wird sich, hoffe ich, mein Vater mit meiner geliebten Schwester zum Opfer, das er angeordnet hat, einfinden.

ZEPHYR
Irr' ich nicht, so ist's Apoll, dem Ihr huldigt.

HYAZINTH
Er ist's.

ZEPHYR
So feierliche Opfer bereitet also Oebalus für Apollo? Weiss er denn nicht, dass noch andere Götter im Himmel sind? Ist also für Semeles Sohn, für Juno, Venus, Diana, Mars, Vulkan, für das mächtige Haupt, den Fürsten der Himmlischen, euer Weihrauch nicht nötig?

HYAZINTH
Wir opfern allen Göttern, Zephyr, keiner geht unbeschenkt aus unseren Tempeln; diesen Tempel aber hat Apoll seiner Ehre vorbehalten. Der Vater verehrt ihn als eine mächtige Gottheit, und nach dem Beispiel des Vaters auch ich.

ZEPHYR
Mein Teurer! Wie gern würde ich mein Herz dir darbringen, wenn du mir mein Apoll wärest!

HYAZINTH
Du lieber Zephyr, warum verwechselst du mich mit Göttern? Der Verehrung achte ich mich nicht für würdig; aber ich weiss wohl, die allzugrosse Liebe zu Hyazinth hat dir diese Worte abgerungen.
Oebalus und Melia treten auf.
Doch sieh! Mein Vater mit meiner Schwester.

OEBALUS
Sage, mein Sohn, ist Opfer und Feuer bereit?

HYAZINTH
Siehe, mein Vater, nach deinem Wunsch ist alles bereit und harrt deiner Ankunft.

OEBALUS
Recht so: der Opferdiener lege also Feuer an den Herd, reichlicher Weihrauch laste auf dem Altar, und der Rauch des Opfers steige zu den Wolken.

MELIA
Ach, mein Vater! Mit schwarzen Wolken steigt ein drohendes Unwetter auf, den ganzen Himmel überzieht die Nacht.

OEBALUS
Heran! Kein längeres Zögern duldet Apoll, er fordert von uns Weihrauch und Opfer. Vor euren Gebeten wird das grause Wetter entfliehn und das freundliche Antlitz der Sonne diesem Land wieder leuchten ... Wohlan! Und sprecht mit mir die Gebete.

Nr. 1 - Chor und Oebalus

CHOR
Gottheit aus Latonas Schoss!
Hör' der Flehenden Gebet,
dreifach würdig du der Ehre,
die sie dir wetteifernd weihn:
deine Güte, deine Huld
folge ihnen immerdar.

OEBALUS
O Apoll, schütze
stets und würdige
deines Lichtes
mein Land Lakonien.

CHOR
Gottheit aus Latonas Schoss! usw.

Ein Blitz löscht das Feuer und zerstört den Altar.

Rezitativ

MELIA
Wehe! Wir sind verloren! Die Gottheit weist unsere Gebete zurück!

OEBALUS
Hat jemand von euch vielleicht den Gott beleidigt?

MELIA
Nein, Vater! Ich bin mir keiner Schuld bewusst.

HYAZINTH
Immer habe ich diesen Gott verehrt.
(Zephyr, ich fürchte, die Worte, die du vorhin gesprochen hast, haben diesen Zorn entzündet.)

ZEPHYR
(Hyazinth, wenn du mein Freund bist, verheimliche dem Vater, verschweige die Worte, die wir vorhin gesagt!)

OEBALUS
Erloschen das Feuer, gestürzt der Altar, verschmäht das Opfer! Grosses Unheil weissagt uns das. Wehe! Von diesem Blitzstrahl erschüttert, zittere ich am ganzen Leibe!

HYAZINTH
Ermanne dich, Vater! Schuldlos ist dein Herz; was kannst du also von der guten Gottheit Böses befürchten? Der Blitz hat dich nicht verletzt, Keiner von uns, so viele wir da sind, ist gestürzt. Wir leben, und alle beglückt Gesundheit wie vorher: der Gott wollte mit diesem Blitz die Erde erschrecken, damit seine Macht der Welt mehr offenbar würde und Gottesfurcht, verbunden mit Vertrauen, in uns sich erhalte.


Nr. 2 - Arie

HYAZINTH
Oft schrecken die Götter,
stehen auf und drohen,
täuschen Krieg vor,
der uns ängstigt,
schleudern Pfeile,
die nicht treffen;
aber nach gespieltem Wetter
lachen sie und scherzen wieder.

Wie durch Huld,
so auch durch Schrecken
binden sie an sich die Völker:
jetzt auf Liebe,
jetzt auf Strenge
ruhet ihre Herrlichkeit.

Oft schrecken die Götter, usw.

Rezitativ

OEBALUS
Ach, mein Sohn, was du sagst, ist wahr, und doch fürchte ich, Apoll könnte durch diese Flamme Oebalus verderben.

Apollo tritt auf.

APOLLO
Apollo hört, o glaubet, eure Bitten, und er verspricht diesem Lande seine Hilfe, wenn ihr ihn nur aufnehmen wollt, den Verbannten, der den Zorn des blitzeschleudernden Jupiter hassen gelernt hat.

OEBALUS
Wie? ... Der Gott, leibhaft gegenwärtig, in diesem Gewand eines Hirten sich verbergend, wünscht in unser Land aufgenommen zu werden?

HYAZINTH
Siehst du, Vater! Wie doch die Himmlischen gern mit uns spielen! Schon bringt der Gott nach der schlimmen Verwundung die Heilung und beglückt dein Königsschloss durch seine Gegenwart.

MELIA
O wie glückverheissend ist das Gestirn, mit dem dieser umwölkte Tag uns erquickt, indem Apoll selbst als erwünschter Gast unser Haus besucht! … O welche Anmut! Welche Schönheit! ... Welche Würde! … Welcher Glanz und welche Hoheit strahlt von allen seinen Gliedern!

APOLLO
Melia! Was siehst du an dem Hirten, das eines so hingerissenen Staunens würdig wäre?

MELIA
Ich sehe ...

APOLLO
Was siehst du? Sprich, Schöne!

MELIA
Ich sehe den schönen Apollo, dem ich schon lange mit meinem Vater mein Herz geweiht habe.

APOLLO
Das du geweiht, das Herz, nimm auch fürderhin nicht zurück! Von allen Gaben der Erde sagt mir diese am meisten zu.

ZEPHYR
(Hyazinthl Wie sehr fürchte ich die Gegenwart des Gottes!)

HYAZINTH
(Auch ich zittere vor seiner schreckenerregenden Hoheit.)

APOLLO
Hyazinth, du wirst immer einen dir zugetanen Freund in mir haben, wenn du den Gott lieben kannst!

HYAZINTH
O grosses Wunder, wenn du Hyazinth Freund sein kannst!

ZEPHYR
(Weh, nun nimmt mir Apollo den geliebten Knaben.)

OEBALUS
Glücklicher Tag! Heilige Gottheit! Tritt ein in mein Haus, und wenn du es für würdig erachtest, darin zu verweilen, so bleib lange, ich bitte dich, bei uns.

APOLLO
Glaub mir, du wirst in mir einen dir geneigten Gott haben.

Nr. 3 - Arie

APOLLO
Bald hüt' ich, Apollo,
als Hirte die Herden
und stehe und wache,
gestützt auf den Stab:
bald will ich's nicht mehr,
kehre ein bei Königen,
bald flöss' ich den Sterblichen
Heiltränke ein.

Betrübte zu trösten
und Kranken zu helfen,
das ist's, was einzig
Apollo bekümmert:
und bleib' ich bei euch hier
und bleib' ich euch gnädig,
kein König wird glücklicher
dann sein als du!

ZWEITER AKT

Rezitativ

OEBALUS
Dem Gott, der dreifach unserer Verehrung würdig ist, wirst du, mein Kind, ich zweifle nicht, deine Liebe weihen?

MELIA
Was sprichst du, Vater? ... Apollo sollte mich, die Sterbliche, auf ehelichem Lager sich verbinden wollen?

OEBALUS
Zweifle nicht daran, Apollo begehrt dich zur Gattin, und ich - aber du entscheide dich frei, meine Tochter - ich habe ihm auf seine Bitte gern meine Einwilligung zugesichert.

MELIA
Kannst du glauben, Vater, dass ich ihm mein Ja verweigern werde? Welches Mädchen würde einen Gott als Gatten, eine so hohe Ehre, verschmähen und ihrem Glück im Weg stehen, wenn sie nicht töricht wäre und ihrer Sinne nicht mächtig?

OEBALUS
Du handelst klug, meine Tochter, wenn du dich für diese Ehe entscheidest; denn so werden dein Bruder und dein Vater, so werden meine Enkel durch ein göttliches Los ausgezeichnet und unser Haus durch diese Hochzeit zu einem Götterhaus.

MELIA
Sage, wo hält Apoll sich auf? … Könnt' ich doch schon seines unvergleichlichen Gesprächs mich erfreuen!

OEBALUS
Mit deinem Bruder übt er sich, und mit Zephyr, im Hain im Diskuswerfen. Aber ich hoffe, er wird bald zurückkommen und in meiner Gegenwart um dein Jawort bitten.

MELIA
Er bitte nur! Er wird alles haben, was sein Herz begehrt.

Nr. 4 - Arie

MELIA
Lust und Scherzen und göttlicher Ehren
Genuss erwartet mich,
wenn Hymen, der treffliche,
mit Fackeln und Kränzen
das beglückende Eheband
knüpft und Freuden schenkt.

Schon werd' ich Göttin heissen,
wenn ich den Gott liebe;
durch Sterne werd' ich schweifen,
auf Wolken treten:
und Städte und Reiche
werden mich verehren,
Faune und Satyrn mich anbeten.

Lust und Scherzen und göttlicher Ehren, usw.

Zephyr erscheint.

Rezitativ

ZEPHYR
O König! Um das Heil deines Sohnes ist's geschehen; Hyazinth liegt zu Boden gestreckt!

OEBALUS
Weh mir! Welch allzuschlimme Nachricht! Ist er tot? Wie geschah's?

ZEPHYR
Vom Diskus getroffen ist er hingestürzt,

OEBALUS
Wer hat nicht gefürchtet, meinen Sohn zu töten?

ZEPHYR
Apollo.

OEBALUS
Ich erzittere!

MELIA
Ihr Himmlischen, wie? Der Gott, der mich glücklich machen wollte, sollte meinem Bruder den Tod gebracht haben? Wer soll dir das glauben?

ZEPHYR
Ich spreche die Wahrheit, ich war Zeuge, als er tödlich getroffen wurde. Kaum war Hyazinth hingestürzt, da floh ich davon, dass nicht ähnliches Unheil mein Haupt treffe.

OEBALUS
So also, Gottheit, schlägst du Schuldlose? ... Die Huld, mit der ich dich aufgenommen habe, verdiente sie durch den Tod meines einzigen Sohnes gebüsst zu werden? ... Gedenkst du, falsche Gottheit, auch Melia so dem Vater zu entreissen?

MELIA
Oh, fern von mir sei, Vater, ihn als Gatten zu wählen und dem Gott, der mit dem Blut meines Bruders befleckt ist, zum Ehebund die Hand zu reichen!

ZEPHYR
(Was hör' ich? An Ehe denkt der Gott? Begehrt er auch die geliebte Melia mir zu rauben? Er, der Hyazinths Liebe mir entrissen, sollte mich auch ihrer Liebe berauben?)

OEBALUS
Zephyr! Was hat den Ruchlosen zu diesem Verbrechen bewogen?

ZEPHYR
Ich weiss nichts. Am lieblichen Ufer des Eurotas weilte dein Sohn, und als er sah, dass sein Diskus dem Ziel am nächsten gekommen war, da rief er: »Mein Diskus, seht, ist weiter als der eure und hat das Ziel erreicht.« Da schleudert Apollo seinen Diskus und lenkt ihn auf des Knaben Haupt. Getroffen stürzt der zu Boden. Ich zweifle nicht, dass die Wucht des Diskus ihn tödlich verletzt hat.

OEBALUS
Hat der Gott kein Bedenken, so zu rasen, dass er den ihm wohlgesinnten Oebalus seines Nachkommen beraubt? So sei die mir feindliche Gottheit aus meinem Reiche verbannt. Auf, Zephyr! Treibe den Schuldigen fort, eh' er noch mehr und Schlimmeres mir antut!

ZEPHYR
König! Dein ist das Reich: du selbst treibe den Ruchlosen hinaus. Dich hat er durch den Tod deines Sohnes gekränkt. Ich fürchte mich vor dem Gott, der den Blitz auf mein Haupt schleudern könnte.
(Ich hoffe, er treibt ihn hinweg, damit mein Anschlag verborgen bleiben kann; ich bin es ja, der den Mord begangen hat!)

OEBALUS
Ich gehe! Ihr bleibet! Wenn der Gott kommt, heiss ihn fortgehen, mein Kind, den grausamen! Ich gehe zum Eurotas-Ufer, meinen Sohn zu sehn, ob er noch lebt. Vielleicht wird mir Apoll begegnen, der Gott, der meinem Reich so feindlich ist.

Er geht ab.

ZEPHYR
(Es geht nach Wunsch, mein Plan gelingt, nun bleibt mir die geliebte Melia.)

MELIA
Ich verstehe nicht, warum Apoll, durch nichts beleidigt, den einzig von ihm geliebten Hyazinth getötet haben sollte. Wie könnte er mich, die Schwester, lieben, wenn er vorher seine Hand mit dem Blut meines Bruders besudelt?

ZEPHYR
Geliebte! Wundere dich nicht, dass Apollo ein solches Verbrechen begangen hat; du kennst den Ruchlosen nicht: er ist schlau, grausam, unbeständig und leichtfertig: darum wurde er ja aus dem Himmel verbannt, damit er durch sein Wüten die Eintracht der Götter nicht störe.

MELIA
Besseres zu glauben von einem so grossen Gott gebietet die Vernunft.
(Und doch ist mein Herz ungewiss, und Furcht und Hoffnung wechseln in meiner Brust.)

ZEPHYR
Melia! Was wälzest du in deinem Herzen? Ah, verwirf den Bräutigam, an dessen Hand das Blut deines Bruders klebt. Beglücke Zephyr, dessen Treue du kennst.

MELIA
Jetzt beschäftigt mich das Schicksal meines Bruders, nicht eine Hochzeit mit Zephyr.

ZEPHYR
Du Harte! Kannst du Zephyr so verachten?

Nr. 5 - Arie

ZEPHYR
Sieh! zwei erblickst du:
den Liebenden, den Mörder,
den Helfer, den Wüterich;
wem reichst du die Hand?
Apoll wird dich töten:
Zephyr wird dich lieben.
Wer die Rechte benetzt
mit dem Blute des Bruders,
noch mehr wird er wagen
an der zarten Schwester:
wen wählt kluge Wahl?

Rezitativ

ZEPHYR
Ha! Der Gott! Schau hin! Er lenkt seinen Schritt hierher; Melia, was tun wir? Sag, wo finden wir Zuflucht? Ich fürchte mich vor dem Grimmigen.

MELIA
So gibst du mich allein preis? Bleib! Bewährt sich so die Treue, derer du dich rühmtest?

ZEPHYR
Schütze mich, ich flehe dich an, vor dem Gott! Ich bin unschuldig!

Apollo tritt auf.

APOLLO
Da bist du, Mörder! Unerhörten Betruges Meister! War's nicht genug, dass du mir meinen Freund Hyazinth geraubt hast? Versuchst du, Schurke, zugleich auch meine Braut mir zu nehmen und mehrst dein Verbrechen, Lügner, durch neue Verbrechen? Ruchloser! Erfahre sogleich, was die Gottheit, dir zürnend, vermag! Erfahre die Rache des liebenden, aber auch Verderben bringenden, mit Gerechtigkeit Verderben bringenden Gottes! Ihr Winde, heran! Aeolus, schliess den Verbrecher ein in deine Höhle!

ZEPHYR
Was ist? Weh mir!

Zephyr wird in einen Wind verwandelt und fortgetragen.

MELIA
Was tust du, Gott, in deinem Grimme! Willst du meines Vaters Reich entvölkern? Der Bruder ist tot, nun bringst du auch Zephyr um? Tyrann! Jetzt wirst du noch Melia und den König vernichten?

APOLLO
O Liebe!

MELIA
Wie! Du wagst mich Liebe zu nennen? Grausamer!

APOLLO
Wenn es dir nicht zuwider ist, mich anzuhören …

MELIA
Es ist zuwider, schweige! Verlass auf der Stelle unser Reich! Mein Vater gebietet es, damit du nicht noch mehr Unheil anrichtest!

APOLLO
(O lege doch endlich den Blitz aus der Hand, Vater der Götter! Wie lange wird dein Zorn mich Unseligen verfolgen?)

Nr. 6 - Duett

MELIA
Entweiche, du Böser! Mich freut's,
wenn der Tyrann mich verlässt!
Pah! Du Frecher,
der das Recht bricht!
Entweiche! Entweiche,
denn ich fürchte mich vor dir!

APOLLO
O glaube doch, treu ist und milde
Apollo, voll Liebe zu dir.
Einen Schuldlosen,
Harte, verwirfst du!
Einen Freund verlierst du,
wenn du mich verschmähst.

Soll ich, hilflos gegen des Himmels Groll,
auch auf Erden den Verbannten spielen?
Ich will bleiben!
Bis der Zorn, der das Herz verwundet,
der grimmige, sich gelegt hat,
verberg ich mich,

MELIA
Entweiche, usw.

DRITTER AKT

Rezitativ

HYAZINTH
Er nicht ...

OEBALUS
Wer also, mein Sohn? Wenn du deinen Vater liebst, sage, wer dein Mörder ist!

HYAZINTH
Zephyr ... Ach! wenn doch ... der Gott ... da wäre! ...

OEBALUS
O weh! Jetzt stirbt er! ...

HYAZINTH
O Vater! Der Tod … ist … bitter!

OEBALUS
Mein Sohn!

HYAZINTH
Vater! ... Ah! Leb wohl! ...
Er stirbt.

OEBALUS
Hyazinth! … Mein Sohn! ... Sein Leben ist zu Ende ... Er atmet nicht mehr! ... »Apollo ist unschuldig«, hat er gesagt. »O Vater, glaube mir, er nicht! Zephyr ist an meinem Tod schuld.« So also gehst du mit mir um, Zephyr, du Erzlügner! So scheust du dich nicht, den Gott selbst eines so grossen Verbrechens zu bezichtigen und mich, deinen König, zu betrügen? Blutdürstiger, mit deinem eigenen Blut werde ich dich dein Verbrechen büssen lassen! ... Sollte ich den Tod meines Sohnes ungerächt lassen?

Nr. 7 - Arie

OEBALUS
Wie auf tobendem Meer ein Schiff über Berge,
durch Täler der Wogen geschleudert wird,
bald steht es oben, den Wolken nahe;
bald schwimmt es tief unten, dem Tartarus nah:
so ergiesst sich vom rachedrohenden Herzen
die Galle durch meinen Leib, meine Adern, meine Glieder;

Wut reisst mich empor;
Schmerz drückt mich nieder.
Zorn und Rachedurst
schütteln mich unablässig.

Wie auf tobendem Meer usw.

Melia erscheint.

Rezitativ

MELIA
Wohin ich mich wende, überall habe ich die entsetzlichen Taten des grausamen Gottes vor Augen. Zuerst hab' ich Zephyrs Ende gesehen, jetzt sehe ich meinen Bruder, den schuldlosen, in seinem Blute liegen.

OEBALUS
Was kommst du hierher, meine Tochter, ohne Begleitung? Ist der Mörder schon entflohen?

MELIA
Dem hab' ich befohlen, augenblicklich unser Reich zu verlassen: der ruchlose Gott hat sich nicht gescheut, auf Mord neuen Mord zu häufen.

OEBALUS
Was sagst du, meine Tochter? Von welchem Mord sprichst du?

MELIA
O König! Er hat den Freund dahingerafft, Zephyr, und ihn vor meinen Augen von den Stürmen zerreissen lassen.

OEBALUS
Oh, gerecht ist Apollo, wenn er das Verbrechen straft, das der verräterische und unbarmherzige Zephyr dem Gott zugeschoben hat! Er ist der Urheber des Mordes, Tochter, nicht Apollo: Zephyr hat nicht gezögert, den Diskus auf deinen Bruder zu schleudern.

MELIA
Aber woher, Vater, konntest du das erfahren?

OEBALUS
Mein Sohn hat es mir gesagt, denn ich fand ihn noch lebend. In meinen Armen ist er verschieden.

MELIA
Weh mir! Wie, Vater? Warum hast du dann befohlen, dass der Gott dein Reich verlasse?

OEBALUS
Vom Schmerz bewegt, Tochter, und durch Zephyrs Hinterlist betrogen hab' ich das befohlen, ich erinnere mich. Wer hätte ein so ruchloses Verbrechen von Zephyr befürchtet?

MELIA
O Vater! Nun sind wir alle ganz und gar verloren! Der Gott, auch der Gott hat uns verlassen. Glaub' mir, er wird eine solche Schmach nicht ungestraft lassen.

OEBALUS
Wie, Tochter? Du glaubst, der Gott habe uns schon verlassen?

MELIA
Ich zweifle nicht, denn ich selbst habe Apollo aufgefordert, dein Reich zu verlassen, unser Haus zu meiden. Dass ich ihn doch zurückrufen könnte!

OEBALUS
Wehe! Was für unheilvolle Schickungen kommen heute über uns!

Nr. 8 - Duett

OEBALUS
Der Sohn tot, der Gott,
ohne dass ich es will,
ohne dass ich es weiss,
beleidigt, verlässt uns.
Ohne Gottes Schutz
wird das Reich nicht lang bestehen:
o Gott, ich flehe, lass
dich umstimmen,
kehre zu uns zurück!

MELIA
Der Bruder tot,
auf dein Geheiss,
zu meinem Schmerz
verlässt mich der Verlobte.
Braut ohne Bräutigam,
ich bitte dich,
wen soll sie lieben?
Strafe nicht die Geliebte!
Gottheit, ach, kehre zurück!

Apollo tritt auf.

Rezitativ

APOLLO
König! Die Liebe zu Hyazinth zwingt mich zurückzukehren. Verzeih, dass ich als Gott es wage, dein Reich durch meine Gegenwart zu beglücken! Lerne, was die Gottheit vermag! Hyazinth, steh auf! Bedecke dein Grab mit der Blume, die dir gleicht und nach dir heisst.

Hyazinths Leiche versinkt, die Stelle bedeckt sich mit Hyazinthen.

OEBALUS
Was sch' ich? … Dem Leib meines Sohnes entspriessen Blumen? ...

MELIA
O allmächtige Gottheit! Vor Scham errötend bekenne ich mich schuldig. Auf Zephyrs Wort, auf meines Vaters Befehl habe ich alles getan, was ich getan habe.

OEBALUS
Gütiger Gott, vergib! Unwissend, wer den Mord vollbracht, hab' ich dem Schurken Zephyr vertraut und geglaubt, dass durch deine Schuld mein Sohn den Tod gefunden. O wieviel Unheil hat der Ruchlose über mein Reich gebracht, wenn du nicht Gnade übst!

MELIA
O Gottheit! Glaube nicht, dass ich dich verschmäht habe, weil ich dich weggehn hiess. Unklug war ich, allzu leichtgläubig, und der Zorn entriss mir Worte, die der Schmerz über den Tod meines Bruders mir eingab.

APOLLO
Sei getrost, o König! Apoll wird dein Reich nicht meiden. Er bleibt und wird bleiben, wenn du dein Versprechen wahr machst.

OEBALUS
Ich verstehe! Sieh, meine Tochter, der Gott würdigt dich, zu seiner Gemahlin dich zu wählen.

MELIA
Soll ich glauben, dass er, ein Gott, Melia lieben kann?

APOLLO
O glaube! Selbst Jupiter pflegt oft sterbliche Frauen zu lieben; denn Sache der Götter ist es zu lieben, die eure, geliebt zu werden.

MELIA
Gottheit, sieh deine Magd, die an Stelle ihres Vaters ihr Herz dir anträgt.

OEBALUS
Siehe, wenn eine sterbliche Braut dir gefallen kann, Apollo, so empfange meine Tochter aus meiner Hand und bleibe für immer in meinem Reich. Hyazinth ist tot; ein anderer Hyazinth wirst du mir sein, wenn du dich herablässt, als mein Schwiegersohn bei uns zu verweilen.

APOLLO
Oebalus! Mit Freuden empfange ich von dir Melias Hand und werde dir immer freundlichen Beistand leisten.

MELIA
So strahlt deine Gerechtigkeit, Gott, heller hervor.

OEBALUS
So entgeht dem Unschuldigen nicht der gebührende Lohn.

APOLLO
So werden künftige Geschlechter deine Milde preisen.

Nr. 9 - Terzett

APOLLO
Endlich nach stürmischen
Wettern und Blitzen,
Grollen des Donners
Grünt uns der Friede
Und tut sich auf.

MELIA
Nach schneidenden Schmerzen
vereint uns der Liebe entzückender Bund.
Nach glücklicher Fügung
kröne uns die Ehe und richte dich auf.

OEBALUS
Nach wütenden Kämpfen
vereint euch der Liebe entzückender Bund.
Nach erwünschter Fügung
krönt euch die Ehe und richtet mich auf.

APOLLO
Nach Schreckens Gespenstern
vereint uns der Liebe entzückender Bund.
Nach erwünschter Fügung
kröne uns die Ehe und richte dich auf.

Personae:
OEBALUS, Lacedaemoniorum rex (Tenor)
MELIA, Oebali filia (Sopran)
HYACINTHUS, Oebali filius (Sopran)
APOLLO, ab Oebalo hospitio exceptus (Alt)
ZEPHYRUS, Hyacinthi intimus (Alt)
SACRIFICULUS APOLLINIS PRIMUS (Bass)
SACRIFICULUS APOLLINIS SECUNDUS (Bass)



PROLOGUS

Oebalus Rex, fulmine aram Apollini sacrificantis destruente territus, a suis erigitur et Apollinem exsulem excipit.

Intrada

Recit.

Hyacinthus, Zephyrus, deinde Oebalus et Melia.

HYACINTHUS
Amice! Iam parata sunt omnia.
Aderit, ut spero, cum sorore dilecta meus
Ad sacra, quae constituit, actutum Pater.

ZEPHYRUS
Ni fallor, est Apollo, quem colitis.

HYACINTHUS
Hic est.

ZEPHYRUS
Apollini ergo tanta sacrificia parat Oebalus?
An alios nescit in coelis Deos?
An Semelis ergo natus, an Juno, Venus,
Diana, Mars, Vulcanus, an Supernum potens
Caput atque Princeps ture nil vestro indigent?

HYACINTHUS
Quibusque consecramus, o Zephyre! Diis
Nullusque nostris vacuus a templis abiit:
At solus istud Apollo sibi templum suo
Vindicat honori. Genitor hunc magnum Deum
Veneratur, et ego veneror exemplo Patris.

ZEPHYRUS
O care! Quam libenter offerrem ilia
Pectusque, si tu Apollo mihi meus fores!

HYACINTHUS
Dilecte quid me Zephyre! Permisces Diis?
Honore non me dignor, at novi bene:
Extorsit ista nimius in Hyacinthum amor.
Venit Oebalus et Melia.
Sed en! Sorore comite nunc Genitor venit.

OEBALUS
Dic nate! Num parata sacrificio hostia
Et ignes?

HYACINTHUS
Ecce genitor! Ad nutum omnia
Parata præstolantur adventum tuum.

OEBALUS
Bene: ergo succedantur a flamine focus,
Et thure plurimo ara prægravis gemat,
Fumusque sacrificantis in nubes eat.

MELIA
Heu genitor! Atra nube tempestas minax
Ingruit, et omnis glomerat huc noctem Polus.

OEBALUS
Adeste! Longioris impatiens moræ
Apollo thus et hostiam a nobis petit.
Fugiet ad istas sæva tempestas preces,
Et blanda facies solis his iterum plagis
Redibit. Agite! Fundite et mecum preces.

Nr. 1 - Chorus

CHORUS
Numen o Latonium!
Audi vota supplicum,
Qui ter digno Te honore
Certant sancte colere:
Hos benigno Tu favore
Subditos prosequere.

OEBALUS
O Apollo creditam
Tibi semper protege
Et dignare lumine
Oebali Laconiam.
Fulmen ignem et aram destruit.

Recit.
Melia, Oebalus, Hyacinthus, Zephyrus.

MELIA
Heu me! Periimus! Numen heu nostras preces respuit!

OEBALUS
An aliquis forsan ex vobis Deum violavit?

MELIA
Haud me Genitor ullius ream
Invenio culpæ.

HYACINTHUS
Semper hunc colui Deum.
(O Zephyre! Quantum timeo ne verbis tuis
Hæc ira sit succensa quædixti prius.)

ZEPHYRUS
(Hyacinthe! Si me diligis, cela Patrem,
Et verba prolata prius a nobis tace!)

OEBALUS
Extinctus ignis, ara subversa, hostia
Contempta nobis grande præsagit malum!
Heu totus hoc concussus a fulmine tremo!

HYACINTHUS
Erigere mentem Genitor! Insonentem geris
Animum, quid ergo Numine a bono mali
Metuas? Ab isto fulmine es læsus nihil,
Nostrumque nemo, quotquot adsumus, ruit.
Vivimus, et omnes pristinus vigor beat:
Hinc terruisse voluit hoc fulmine Deus
Terras, potestas pateat ut mundo magis,
Maneatque cum fiducia in nobis timor.

Nr. 2 - Aria

HYACINTHUS
Sæpe terrent Numina,
Surgunt, et minantur,
Fingunt bella, quæ nos angunt,
Mittunt tela, quæ non tangunt,
At post ficta nubila
Rident et iocantur.
Et amore
Et tremore
Gentes stringunt subditas:
Nunc amando,
Nunc minando,
Salva stat auctoritas.

Recit.
Oebalus, deinde Apollo, Hyacinthus, Melia, Zephyrus.

OEBALUS
Ah, Nate! Vera loqueris: at metuo tamen,
Apollo ne fors perdat hoc igne Oebalum.

Accedit Apollo.

APOLLO
Apollo vestras audit, o credite! preces
Suamque pollicetur his terris opem,
Recipere si velitis hunc modo exsulem
Iramque fulminantis exosum Iovis.

OEBALUS
Quid? Numen hac sub veste pastoris latens
In nostra præsens regna suscipi cupit?

HYACINTHUS
En Genitor! ut lusisse nos superi solent!
Iam tibi medelam sæva post vulnera Deus
Adfert, tuamque regiam præsens beat.

MELIA
O quam beato sidere hæc nubila dies
Nos recreat, ipse Apollo dum nostros lares
Optatus hospes visitat! O quantus decor!
Quæ forma! quanta dignitas! Quanta omnibus
Gloriaque membris atque maiestas sedet!

APOLLO
Melia! quid in pastore tam dignum vides
Suspensa quod mirere?

MELIA
Video.

APOLLO
Et quid vides?
Eloquere pulchra!

MELIA
Video pulchrum Apollinem,
Cui cum Parente corda iamdudum obtuli.

APOLLO
Quod obtulisti pectus, haud revoca amplius;
Hoc inter orbis dona præprimis placet.

ZEPHYRUS
(Hyacinthe! quantum timeo præsentem Deum!)

HYACINTHUS
(Me quoque tremenda dignitas timidum facit.)

APOLLO
Hyacinthe! amicum semper addictum tibi
Habebis in me, amare si Deum potes.

HYACINTHUS
O quanta res, diligere si Hyacinthum potes!

ZEPHYRUS
(Heu! nunc amatum Apollo mihi puerum rapit!)

OEBALUS
Dies beata! Numen o sanctum! meos,
Manere si dignaris, ingredere Lares,
Diuque me rogante nobiscum mane.

APOLLO
Habebis in me, crede, tibi facilem Deum.

Nr. 3 - Aria

APOLLO
Iam pastor Apollo
Custodio greges,
Nixus et baculo
Vigilans sto;
Iam pascere nolo
Et visito reges,
Iam medicinas
Mortalibus do.
Moestus levare
Aegros iuvare
Est sola tangens
Apollinem res:
Hic me manente,
Vobis favente,
Rex omni rege
Beatior es.

CHORUS I
5Apollo propter necem Hyacintho illatam Oebali regia discedere iubetur.

Recit.
Oebalus, Melia.

OEBALUS
Amare numquid Filia, haud dubito, Deum,
Favore qui ter dignus est nostro, potes?

MELIA
Quid loquere, Pater? Apollo mortalem
Sibi me iugali cupiat adiungi toro?

OEBALUS
Dubitare noli, Apollo te sponsam petit,
Meumque, libertate sed Nata utere
Tua, roganti placidus adsensum dedi.

MELIA
Negare cum me, Genitor! adsensum putes?
Quæ virgo contempsisse divinum virum
Tantosque honores, stulta nisi et animi impotens
Fuerit, et obstitisse fortunæ velit?

OEBALUS
Prudenter istud Nata! coniugium eligis;
Sic namque per te Frater et Genitor tuus,
Sic et Nepotes sorte divina eminent
Sic nostra diva efficitur his facibus domus.

MELIA
Dic, ubi moratur Apollo? colloquio illius
O ut liceret optimo actutum frui!

OEBALUS
Cum Fratre disco ludit et Zephyro simul
In nemore. At huc redibit, ut spero,citus
Tuumque me præsente consensum petet.

MELIA
O petat! habebit omne, quod pectus cupit.

Nr. 4 - Aria

MELIA
Lætari, iocari
Fruique divinis
Honoribus stat
Dum Hymen optimus
Tædis et floribus
Grata, beata
Connubia iungit
Et gaudia dat.
Iam diva vocabor
Si Numen amabo;
Per astra vagabor
Et nubes calcabo;
Et urbes, et regna
Devoveant se,
Et Fauni adorent,
Et Satyri me.

Accedit Zephyrus.

Recit.
Zephyrus, Oebalus, Melia.

ZEPHYRUS
Rex! de salute Filii est actum; iacet
Hyacinthus!

OEBALUS
Heu me! nuntium o tristem nimis!
Qua morte cecidit?

ZEPHYRUS
Ictus a disco ruit.

OEBALUS
Quis Filium occidisse non timuit meum?

ZEPHYRUS
Apollo.

OEBALUS
Contremisco!

MELIA
Superi quid? Deus,
Qui me beare voluit, hic Fratri necem
Sit machinatus? Ista quis credat tibi?

ZEPHYRUS
Vera loquor, et testis ego pereuntis fui.
Vix lapsus est Hyacinthus, aufugi, malum
Ne simile feriat forsan et nostrum caput.

OEBALUS
Sic ergo plectis Numen innocuos? Favor,
Quo te recepi, morte num Nati unici
Dignus erat? Ergo Meliam et Natam quoque
Surripere Patri, Numen, o falsum paras?

MELIA
O absit a me Genitor! ut sponsum eligam,
Deoque, qui cruore Germani madet,
Nuptura porrexisse præsumam manus.

ZEPHYRUS
(Quid audio? an coniucia meditatur Deus?
An Meliam et rapuisse mihi amatam cupit?
Qui rapuit Hyacinthi, anne et istius mihi
Rapiet amorem?)

OEBALUS
Zephyre! quæ causa improbum
Adegit hoc ad facinus?

ZEPHYRUS
Haud ullam scio.
Natus ad amoenum litus Eurotæ stetit,
Duscumque matæ proximum adspiciens, meus,
Clamabat, ecce discus est vestro prior,
Metamque tetigit. Apollo tum discum iacit,
Loquentis et propelli in pueri caput,
Quo læsusiste pronus in terram ruit.
Non dubito, quin extinctus hoc disci impetu
Fuerit.

OEBALUS
An sic furere non dubitat Deus,
Ut sibi brnignum privet et prole Oebalum?
Exisse regno Numen invisum mihi
Meisque iubeo. Zephyre! fac pellas reum,
Maiora ne, vel plura mihi damna inferat.

ZEPHYRUS
Rex! regna tua sunt: ipse tu pelle impium.
Tu morte Nati læsus es. Timeo Deum,
Qui fulmen hoc torqueret in nostrum caput.
(Expellat utinam! noster ut possit dolus
Latere; nam cædis ego sum factæ reus!)

OEBALUS
Abibo! Vos manete! Si veniat Deus
Ad vos, abire, Nata! crudelem iube.
Ad litus Eurotæ ibo, num vivat, meum
Videre Natum. Forsan occurret mihi mihi
Apollo, regnis Numen exosum meis.

Abit.

ZEPHYRUS
(Succedit ad mea vota, succedit dolus,
Meliaque mea dilecta nunc coniunx manet.)

MELIA
Non capio, cur Apollo ne læsus quidem
Necarit unice ante dilectum sibi
Hyacinthum. Amare qui Sororem me queat,
Si Fratris ante polluat fato manus?

ZEPHYRUS
Dilecta! ne mirare, quod tantum scelus
Apollo perpetrarit; haud nosti impium:
Astutus est, crudelis, inconstans, levis:
Hinc exulare iussus est coelis, suo
Furore ne turbaret unamnimes Deos.

MELIA
Meliora credidisse de tanto Deo
Mens dictat (ast incertus est animus tamen,
Timorque spesque pectore alternant vices).

ZEPHYRUS
Melia! quid animo volvis? ah! Sponsum abice,
Cuius cruore dextra fraterno calet,
Zephyrumque, cuius ipsa sat nosti fidem,
Amore, quo beatus efficiar, bea.

MELIA
Nunc fata Fratris cogito, haud Zephyri faces.

ZEPHYRUS
O dura! num sprevisse sic Zephyrum potes?

Nr. 5 - Aria

ZEPHYRUS
En! Duos conspicis:
Amantem et nocentem,
Iuvantem et furentem;
Cui manum porrigis?
Apollo te necabit,
At Zephyrus amabit,
Fraterno qui dexteram
Tinxit cruore,
Tentabit in tenera
Plura Sorore:
Quem prudens eligis?

Recit.
Zephyrus, Melia, deinde Apollo.

ZEPHYRUS
Heu! Numen! ecce! Numen huc gressum movet;
Melia quid agimus? indica effugii locum!
Timeo ferocem.

MELIA
An ergo me solam obiicis?
Subsiste! nam iactata sic perstat fides?

ZEPHYRUS
Ne patere, quæso, ut noceat insonti Deus!

Accedit Apollo.

APOLLO
Adesne latro! fraudis infandæ artifex!
Hyacinthum amicum rapere non fuerat satis?
Rapuisse sponsam numquid et nostram simul,
Sceleste, tentas? crimen et mendax novis
Criminibus auges? Impie! iratum tibi
Quid possit, experire, iam Numen modo!
Amantis et nocentis, et iuste quidem
Nocentis experire vindictam Dei!
Irruite, venti! claude sceleratum specu
Aeole!

ZEPHYRUS
Quid! heu me!

Zephyrus in ventum mutatus abripitur.

MELIA
Quid agis, o Numen grave!
Funeribus an replere vis regnum Patris?
Iam Fratre cæso occidis et Zephyrum simul?
Tyranne! nunc et Meliam et regem obprimes?

APOLLO
O cara!

MELIA
Quid! vocasse me caram audes?
Cruente!

APOLLO
Me percipere si non sit grave.

MELIA
Est grave, tace! atque nostra, sic Genitor iubet,
Illico relinque regna, ne noceas magis!

APOLLO
(Ah, pone tandem fulmen o Supernum Pater!
Quousque persequetur hic miserum furor?)

Nr. 6 - Duetto

MELIA
Discede crudelis!
Gaudebo, tyrannus
Si deserit me!
Vah! insolentem,
Qui violat iura!
Discede! discede;
Nam metuo te.

APOLLO
Est, crede! fidelis,
Est mitis Apollo,
Qui deperit te.
Quid? innocentem
Sic abicis dura!
Sic perdis amicum,
Si reiicis me.
Quem coeli premunt inopem,
An terris agat exsulem?
Manebo!
Quousque sederit dira,
Quæ pectora sauciat ira,
Latebo.

CHORUS II
Oebalus, cognita Apollinis innocentia, hunc benigne recipit, eique Filiam coniugem tradit.

Recit.
Hyacinthus, Oebalus.

HYACINTHUS
Non est.

OEBALUS
Quis ergo Nate! dic, si Patrem amas,
Quis te peremit?

HYACINTHUS
Zephyrus; - heu me! - si - Deus
Adesset! -

OEBALUS
Heu, iam moritur! -

HYACINTHUS
O Pater! Pater! -
Mors - est - acerba!

OEBALUS
Nate!

HYACINTHUS
Genitor! - Ah! - Vale!
Moritur

OEBALUS
Hyacinthe! - Nate! - vixit - exanimis iacet!
Apollo, dixit, innocens est o Pater!
Crede mihi, non est, Zephyrus est auctor necis.
Sic ergo mecum Zephyre ter mendax! agis?
Sic Numen ipsum sceleris et tanti reum
Arguere, sic me fallere haud Regem times?
Cruente! faxim crimen hoc proprio luas
Cruore! - Mortem Filii an inultus feram?

Nr. 7 - Aria

OEBALUS
Ut navis in æquore luxuriante
Per montes, per valles undarum iactatur,
Et iamiam proxima nubibus stat,
Et iamiam proxima Tartaro nat:
Sic bilis a pectore bella minante
Per corpus, per venas, per membra grassatur;
Furore sublevor;
Dolore deprimor;
Ira, vindicta conglomerant se,
Atque quassare non desinunt me.

Accedit Melia.

Recit.
Melia, Oebalus.

MELIA
Quocumque me converto, crudelis Dei
Monumenta detestanda conspicio. Prius
Perire Zephyrum videram, et Fratrem modo
Video natare sanguine insontem suo.

OEBALUS
Quid comite nullo Filia huc infers pedem?
An latro iamiam fugit?

MELIA
Hunc iussi illico
Vitare nostra regna, nam cædem improbus
Nova gravare cæde non timuit Deus.

OEBALUS
Quid loquere? cædem Nata! quam narras novam?

MELIA
O Rex! amicum rapuit, et Zephyrum quidem,
Ventisque me vidente lacerandum dedit.

OEBALUS
O iustus est Apollo, dum plectit scelus,
Quod imputavit perfidus et atrox Deo
Zephyrus! hic auctor, Filia! est factæ necis.
Non est Apollo: Zephyrus in Fratrem tuum
Discum agere non dubitavit.

MELIA
Unde autem Pater!
Hæc nosse poteras?

OEBALUS
Natus hic retulit mihi,
Nam vivus est inventus a nobis. Meis
Extinctus est in manibus.

MELIA
Heu me! quid? Pater!
Quid ergo regno exisse iussisti Deum?

OEBALUS
Filia! dolore motus est Zephyri dolus
Delusus, id iussisse me memini. Impium
Quis tale sibi timuisset a Zephyro scelus?

MELIA
O Genitor! omnes perditi iamiam sumus!
Discessit, heu! discessit a nobis Deus!
O crede, non inultus id probrum feret.

OEBALUS
Quid? Nata! discessisse iam Numen putas?

MELIA
Nil dubito; namque exire de regno tuo
Apollinem ipsa, linquere et nostros lares
Iussi. O ut hanc revocare nunc possem
Deum!

OEBALUS
Heu! fata quam sinistra nos hodie obruunt!

Nr. 8 - Duetto

OEBALUS
Natus cadit,
Atque Deus
Me nolente,
Nesciente
Læsus abit.
Regnum sine Numine
Iam non diu stabit:
Numen! quæso, flectere,
Et ad nos revertere!

MELIA
Frater cadit,
Atque meus
Te iubente
Me dolente
Sponsus abit.
Sponsa sine complice
Quaeso, quid amabit?
Noli sponsam plectere!
Numen! ah regredere!

Accedit Apollo.

Recit.
Apollo, Oebalus, Melia.

APOLLO
Rex! me redire cogit in Hyacinthum amor.
Ignosce, quod Numen ego tua regna audeam
Præsens beare! Disce, quid Numen queat!
Hyacinthe surge! funus et flore æmulo
Nomenque præferente Defuncti tege.

Subsidens cum funere tellus hyacinthos flores germinat.

OEBALUS
Quid video? Surrexisse de Nato meo
Conspicio flores?

MELIA
Numen o nimium potes!
Pudore me, suffusa profiteor ream.
Ad verba Zephyri, Patris ad iussa omnia
Quæ me poenitet, feci.

(...)

OEBALUS
Optime
Parce Deus! Ignarus ego, quis fuerit necis
Auctor patratæ, pessimo Zephyro fidem
Habui, meumque credidi Natum tua
Periisse fraude. Zephyrus o quanta improbus
Induxit in regna mea, ni parcas, mala!

MELIA
O Numen! haud fuisse contemptum putes;
Abire quod te iusserim, imprudens fui
Credulaque nimium, et ira mihi verba abstulit,
Quæ de dolore Fratris occisi meant.

APOLLO
Confide Rex! Apollo non fugiet tua
Regna. Manet, et manebit heic tecum, fide
Iam stare si promissa demonstres tua.

OEBALUS
Intelligo. Ecce Nata! te sponsam Deus
Dignatus elegisse.

MELIA
Num credam Deum
Amare posse Meliam?

APOLLO
O crede! ipsemet
Iuppiter amare sæpe mortales solet;
Amare namque convenit tantum Diis,
Vobis amari.

MELIA
Numen! en famulam, suo
Quæ pro Parente pectus hoc offert tibi.

OEBALUS
En! Si placere sponsa mortalis potest,
Apollo! nostra Filiam adductam manu
Accipe, meoque semper in regno mane.
Hyacinthus obiit: alter Hyacinthus mihi
Eris, manere Filia hac factus gener,
Regione si digneris in nostra.

APOLLO
Oebale!
Accipio lætus Meliæ oblatæ manum,
Rebusque semper placidus adsistam tuis.

MELIA
Iustitia sic tua Deus elucet magis.

OEBALUS
Sic innocentem debita haud merces fugit.

APOLLO
Sic sæcla te futura clementem sonent.

Nr. 9 - Terzetto

APOLLO
Tandem post turbida
Fulmina, nubila
Tonantis murmura,
Pax alma virescit
Et explicat se.

MELIA
Post vinvla doloris
Nos iungit amabile
Pignus amoris.
Post fata, beata
Nos tæda coronet
Et erigat te

OEBALUS
Post bella furoris
Vos iungit amabile
Pignus amoris.
Post fata, optata
Vos tæda coronat
Et excitat me.

APOLLO
Post monstra pavoris
Nos iungit amabile
Pignus amoris.
Post fata, sperata
Nos tæda coronet
Et erigat te.

FINIS

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