Der Vampyr

Der Vampyr

Romantische Oper in vier Aufzügen

Libretto

Wilhelm August Wohlbrück nach Heinrich Ludwig Ritter

Uraufführung

29. März 1828, Leipzig (Sächsisches Hoftheater)

Besetzung

SIR HUMPHREY, Lord von Davenaut (Bass)
MALWINA, seine Tochter (Sopran)
EDGAR AUBRY, ein Anverwandter des Hauses Davenaut (Tenor)
LORD RUTHWEN [auch als Graf Marsden auftretend] (Bariton)
SIR BERKLEY (Bass)
JANTHE, seine Tochter (Sopran)
GEORGE DIBDIN, in Davenauts Diensten (Tenor)
JOHN PERTH, Verwalter auf dem Gute des Grafen von Marsden (Sprechrolle)
EMMY, seine Tochter, George Dibdins Braut (Sopran)
JAMES GADSHILL (Tenor)
RICHARD SCROP (Tenor)
ROBERT GREEN (Bariton)
TOM BLUNT (Bass)
SUSE, Blunts Frau (Alt)
Der VAMPYRMEISTER (Sprechrolle)
Ein HAUSHOFMEISTER Davenauts (Bariton)
Ein ALTER DIENER Berkleys (Sprechrolle)
Ein DIENER Berkleys (Bass)

CHOR
Edelherren und Damen - Jäger und Diener Davenauts und Berkleys - Landleute von Davenaut und Marsden
Brautjungfern - Blumenmädchen - Guirlandenmädchen - Musikanten - Aufwärter - Schenkmädchen
Geister - Kobolde - Gnomen - Hexen - Teufelsfratzen - Frösche - Fledermäuse

Ort

Im schottischen Hochland

Zeit

17. Jahrhundert

Marschner, Heinrich

Marschner, Heinrich August
16.8.1795 Zittau - 14.12.1861 Hannover


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Titus (1816; np)
Der Kyffhäuserberg (1816; 2.1.1822 Zittau)
Heinrich IV und d'Aubigné (19.7.1820 Dresden)
Saidar und Zulima (26.11.1818 Bratislava)
Der Holzdieb (22.2.1825 Dresden)
Lukretia (17.1.1827 Gdansk)
Der Vampyr (29.3.1828 Leipzig)
Der Templer Und Die Jüdin (22.12.1829 Leipzig)
Des Falkners Braut (10.3.1832 Leipzig)
Hans Heiling (24.5.1833 Berlin)
Das Schloß am Ätna (29.1.1836 Leipzig)
Der Bäbu (19.2.1838 Hannover)
Kaiser Adolf von Nassau (5.1.1845 Dresden)
Austin (25.1.1852 Hannover)
Geborgt (1853) [rev. Der Holzdieb]
Sangeskönig Hiarne, oder Das Tyringsschwert (1858; 13.9.1863 Frankfurt am Main)
rev = Bearbeitung / np = keine Aufführung



ERSTER AKT
Lord Ruthwen, der sich aus der menschlichen Gesellschaft ausgestossen fühlte, ist ein Vampyr geworden. Als seine Lebenszeit abzulaufen droht, wird ihm vom Vampyrmeister eine Gnadenfrist von drei Jahren zugestanden unter der Bedingung, dass er bis Mitternacht drei Jungfrauen opfern müsse. Ruthwen schwört, den Pakt zu erfüllen. Er schleppt Janthe, die sich in ihn verliebt hat, in eine Höhle und tötet sie. Sir Berkley, der die verschwundene Janthe mit seinen Dienern sucht, hört aus einer Höhle Hilferufe, kommt aber zu spät. Er kann zwar noch den Vampyr, den er nicht erkennt, mit dem Schwert verwunden, Janthe aber ist tot. Der tödlich verwundete Vampyr wird von Aubry gefunden und auf einen Hügel geschleppt, wo die Strahlen des Mondes seine Wunden hellen sollen. Aubry erkennt Ruthwen, muss ihm aber, weil er in seiner Schuld steht, schwören, nichts zu verraten.

ZWEITER AKT
Malwina, die Tochter des Lords von Davenaut, erwartet freudig gestimmt den geliebten Aubry, doch ihr Vater hat beschlossen, sie mit Lord Marsden zu verheiraten, und hat den Schwiegersohn gleich mitgebracht. Malwina erschrickt, als sie den bleichen Mann sieht, und Aubry erkennt Lord Ruthwen, muss aber, durch seinen Schwur gebunden, schweigen. Die Hochzeit wird noch für denselben Abend festgesetzt.

DRITTER AKT
Der Vampyr hat als zweites Opfer Emmy erwählt, die gerade mit George Dibdin Hochzeit feiern will. Während man das Fest vorbereitet und die Landleute fröhlich zechen, gelingt es Ruthwen, Emmy durch Versprechen in seinen Bann zu ziehen. Aubry, der Ruthwen bitten will, seine Braut Malwina freizugeben, kann nicht helfen, weil ihm der Vampyr erklärt, dass Meineidige dasselbe Schicksal wie er erleiden müssten. Emmy folgt ihrem Verführer und wird getötet, der Vampyr trinkt ihr Blut. George, der den beiden gefolgt ist, hat den Mörder niedergeschossen; wiederum entkommt der Vampyr, dessen Wunden im Mondlicht heilen.

VIERTER AKT
Der Vampyr hat Malwina als drittes Opfer ausersehen; er drängt Sir Humphrey, die Trauung noch am gleichen Abend vollziehen zu lassen. Die Einwände Edgars und Malwinas, die Ruthwen nicht liebt, sind vergeblich. Aubry muss das Schloss verlassen, verschafft sich jedoch gewaltsam wieder Einlass und enthüllt Ruthwens Geheimnis. Der Vampyr wird vom Blitz erschlagen, während der erschütterte Lord Humphrey Aubry und Malwina zusammengibt.

ATTO PRIMO
Ruthven si mette subito al lavoro (“Ha! Welche Lust”) seducendo Janthe, figlia del ricco Sir Berkley, che nella notte abbandona la casa alla vigilia delle nozze. Il padre la insegue con i suoi uomini nella foresta, ma un terribile urlo lo guida a una caverna, dove la giovane giace con il collo squarciato. Pur nell’orrore di trovarsi di fronte a un vampiro, prima di fuggire Berkley trova il coraggio di trafiggere al petto Ruthven. Ignaro di tutto, il giovane Edgar Aubry capita sul luogo e soccorre l’amico rantolante. Posto alla luce dei raggi lunari, Ruthven si riprende miracolosamente e impone allo sbalordito Edgar, in nome del sacro vincolo di amicizia, di non rivelare il suo mostruoso segreto. Edgar giunge al castello dei Davenaut, dove la figlia Malwina ne attende trepidante il ritorno (“Du bist’s du bist’s, es ist kein Traum”). I due giovani si amano e sperano di sposarsi, a dispetto delle differenze di ceto. Alcune allusioni del vecchio Davenaut, al quale Edgar ha reso ottimi servigi, fanno nascere in loro delle illusioni, che si infrangono non appena il padre informa la figlia che quella stessa notte, a maggior gloria del loro casato, andrà in sposa al conte di Marsden. Edgar si avvede con orrore che il pretendente altri non è che Lord Ruthven, ma non osa rivelarne la natura per timore della maledizione. In una scena corale, al canto festoso dei famigli di Davenaut fanno da contrasto la disperazione dei due giovani, la meschina soddisfazione di Sir Humphrey e l’avida attesa di Ruthven. Ma le fatiche del vampiro non sono ancora finite: Ruthven torna al suo castello per cercare la terza vittima.

ATTO SECONDO
Nel villaggio vicino un matrimonio sta per essere celebrato anche fra il popolo, tra Emmy e George Dibdin, servitore di Davenaut. Le chiacchiere di paese riportano la notizia della macabra fine di Janthe; Emmy, impressionata, racconta la leggenda dell’uomo pallido (“Sieh, Mutter, dort den bleichen Mann”). Ed ecco appunto entrare Ruthven che, con galanterie e complimenti, si rende amabile agli occhi della ingenua Emmy, e molto meno a quelli del promesso sposo Dibdin, a cui non piace l’idea di esser tradito ancor prima delle nozze. Ruthven viene affrontato poi da Edgar, che minaccia di smascherarlo se non abbandona il proposito di sposare Malwina; Ruthven rifiuta, ma si sfoga (“Meinst du? Ha, versuch’ es nur!”) raccontando a Edgar di come egli stesso sia divenuto vampiro per aver rotto un giuramento, e a quale tormentosa condizione si condannerebbe anch’egli se osasse parlare. Edgar adesso è lacerato dal dubbio, se salvare la vita di Malwina o la propria anima (“Wie ein schöner Frühlingsmorgen”). Intanto Ruthven non perde tempo e piega anche le ultime resistenze di Emmy, che cade nella trappola e viene uccisa. Il coraggioso Dibdin si fa giustizia sparando a Ruthven, che cade però col volto riverso in direzione della luce lunare. Rimesso prontamente in salute dal balsamo astrale, Ruthven si presenta a Davenaut per reclamare la sposa. La patriarcale volontà di Sir Humphrey comincia a vacillare di fronte alla disperata resistenza dei due giovani, che lo implorano di rimandare almeno di un giorno le nozze. Ma Lord Ruthven non accetta nessuna proposta e pretende l’immediato rispetto dei patti. Disperatamente, Edgar si frappone al corteo nuziale e, sorretto dalla forza dell’amore, trova il coraggio di svelare la vera natura di Ruthven. Come viene pronunciata la parola vampiro, un fulmine si abbatte su Ruthven, schiantandolo. Resosi conto del terribile errore che stava per compiere, Sir Humphrey ripara immediatamente, sostituendo lo sposo cattivo con quello buono nel giubilo generale.

Personen:
SIR HUMPHREY, Lord von Davenaut (Bass)
MALWINA, seine Tochter (Sopran)
EDGAR AUBRY, ein Anverwandter des Hauses Davenaut (Tenor)
LORD RUTHWEN auch als Graf Marsden auftretend (Bariton)
SIR BERKLEY (Bass)
JANTHE, seine Tochter (Sopran)
GEORGE DIBDIN, in Davenauts Diensten (Tenor)
JOHN PERTH, Verwalter auf dem Gute des Grafen von Marsden (Sprechrolle)
EMMY, seine Tochter, George Dibdins Braut (Sopran)
JAMES GADSHILL (Tenor)
RICHARD SCROP (Tenor)
ROBERT GREEN (Bariton)
TOM BLUNT (Bass)
SUSE, Blunts Frau (Alt)
Der VAMPYRMEISTER (Sprechrolle)
Ein HAUSHOFMEISTER Davenauts (Bariton)
Ein ALTER DIENER Berkleys (Sprechrolle)
Ein DIENER Berkleys (Bass)

CHOR
Edelherren und Damen - Jäger und Diener Davenauts und Berkleys - Landleute von Davenaut und Marsden
Brautjungfern - Blumenmädchen - Guirlandenmädchen - Musikanten - Aufwärter - Schenkmädchen
Geister - Kobolde - Gnomen - Hexen - Teufelsfratzen - Frösche - Fledermäuse



ERSTER AUFZUG

Ouverture

Nr. 1 - Introduktion

Der Vorhang hebt sich im vierten Takte.
Starre Wildnis, Felsengruppen. In der Mitte vorn ein Felsblock auf einer Versenkung. Rechts vorn ein Felsenlager. Im Hintergrunde der Eingang in eine Höhle. Über der Höhle ein Steinruhelager, welches mit einer Maschinerie zum Erheben eines Menschen versehen ist; auf der linken Seite führt ein Aufgang zu diesem Steinruhelager.
Es ist Nacht, der Mond leuchtet im Hintergrunde halbhell. Kleine Irrlichter flackern hin und her. Die Hexen und Geister erscheinen in einem blauen und grünen Schimmer.


ERSTER AUFTRITT
Geister. Hexen. Gnomen. Kobolde. Teufelsfratzen. Frösche. Fledermäuse. Dann der Vampyrmeister und Lord Ruthwen

GEISTERCHOR
im wirren Durcheinander
Ihr Hexen und Geister,
Schlingt fröhlich den Reihn,
Ihr Hexen und Geister,
Bald wird unser Meister
Hier unter uns sein!
Sie bilden in tanzender Bewegung einen Halbkreis
Wegen grauser Freveltaten
Ward der Boden hier verflucht,
Drum wird er von uns gesucht,
Dass wir uns auf ihm beraten.
Lichtscheu in der Mitternacht,
Wenn nur Angst und Bosheit wacht,
Schleichen wir beim Mondenschein
In die finstre Kluft hinein.
Schlange, Natter hör' ich zischen,
Irrlicht flackert froh dazwischen,
Molche, Kröten, schwarze Katzen,
Kobold, Hexen, Teufelsfratzen
Kommt und schlingt den muntern Reihn!
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Kommt und schliesst den muntern Reihn!
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Jo, hoho! hoho! joho! hoho! hoho!

Die Höhle im Hintergrunde öffnet sich. Der Vampyrmeister und Lord Ruthwen erscheinen aus der Tiefe des Höhlenganges auf einem Wagen in Form einer grossen Fledermaus, beim Näherkommen immer stärker grün und gelb beleuchtet

GEISTERCHOR
Lichtscheu in der Mitternacht,
Wenn nur Angst und Bosheit wacht,
Schleichen wir beim Mondenschein
In die finstre Kluft hinein.
Ihr Hexen und Geister,
Schlingt fröhlich den Reihn,
Bald wird unser Meister
Hier bei uns sein, hier bei uns sein!
Kommt und schliesst den muntern Reihn,
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Joho, joho, joho! - Joho, joho, joho! -
Heissa, heissa, heissa, joho!

Sie stehen plötzlich still

ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Vampyrmeister

GEISTERCHOR
Dort nahet der Meister
Im falben Feuerschein!

Es beginnt starker Donner und Blitz. Der Wagen hat den Höhleneingang erreicht und kommt nach vorn bis zu dem Felsblock in der Mitte, bei welchem er mit einem starken Tamtamschlage hält. Der Mond verfinstert sich und wird blutrot, ein gelber Schein überflutet die Felsgegend, die blaugrüne Beleuchtung verschwindet.
Der Vampyrmeister wird vom Souffleur aus fahlgrün beleuchtet. Ruthwen und der Vampyrmeister steigen, wenn der Wagen am Felsblock in der Mitte vorn angelangt ist, auf den Felsblock. Gnomen schieben den leeren Wagen langsam in die Höhle zurück. Ruthwen steigt nach rechts Hinunter in den Vordergrund.


Melodram

VAMPYRMEISTER
spricht und zeigt auf Ruthwen
Dieser hier, der schon verfallen
Unserm Dienste ist,
Wünscht noch eine kurze Frist
Unter den freien Menschen zu wallen.
Sein Begehren sei bewillet,
Wenn er seinen Schwur erfüllet,
Wenn bis künft'ge Mitternacht
Er drei Opfer uns gebracht:
Für drei Bräute, zart und rein,
Soll dem Vampyr ein Jahr bewilligt sein!

RUTHWEN
beschwört den Vampyrmeister, singt
Bei der Urkraft alles Bösen
Schwör' ich Euch, mein Wort zu lösen;
Doch fliehet diesen Aufenthalt,
Denn eins der Opfer naht sich bald!

Vampyrmeister versinkt mit dem Felsblock unter Donner, Blitz und aufsteigendem Dampf Das fahle Licht verlischt. Der Mond leuchtet wieder halbhell, ebenso erscheint der blau-grüne Schimmer wieder.
Ruthwen tritt einen Schritt vor und steht bei dem Geisterchor regungslos in der Mitte.


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne den Vampyrmeister

GEISTERCHOR
im wirren Durcheinander um Ruthwen
Leise, leis', beim Mondenschein
Husch, in die Erde, husch, hinein!
Husch, tausend Spalten, tausend Ritzen,
Tausend Spalten, tausend Ritzen
Dienen uns zum Aufenthalt.
Lasst uns brütend unten sitzen,
Bis die Mitternacht erschallt.
Leise, leis', beim Mondenschein
Husch, husch, in die Erde, husch, hinein!

Sie verschwinden eilig in den Versenkungen, in den Höhlen, hinter den Felsen. Mit dem letzen Akkord schlägt es auf einer fernen Turmuhr Eins und geht es ohne Pause weiter. Lautlose Stille.
Der Mond und die Beleuchtung der Soffitten werden allmählich ganz hell.


VIERTER AUFTRITT
Ruthwen allein

Nr. 2 - Rezitativ und Arie

Rezitativ

RUTHWEN
Ha! noch einen ganzen Tag!
Überlang ist diese Zeit! -
Zwei Opfer sind mir schon geweiht
Und das dritte - das dritte ist leicht gefunden.

Arie

Ha! ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
Ha! welche Lust, aus schönen Augen
An blühender Brust
Neues Leben
In wonnigem Beben,
Ha, neues Leben
In wonnigem Beben,
Mit einem Kusse in sich zu saugen! -
Ha! welche Lust,
In liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut
Das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen,
Von purpurnen Lippen
Schmeichelnd zu nippen! -
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Und wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
teuflisch lachend
haha!
Haha! Welch Ergötzen! Welch Ergötzen!
Welche Lust! Ha, welche Lust! -
Mit neuem Mut, mit neuem Mut
Durchglüht mich ihr Blut;
Ihr Todesbeben ist frisches Leben! -
Weich, rührend, mit der Erinnerung an verlorenes Glück
Armes Liebchen, bleich wie Schnee,
Tat dir wohl im Herzen weh! -
Ach, einst fühlt' ich selbst die Schmerzen
Ihrer Angst im warmen Herzen,
Das der Himmel fühlend schuf.
Anklänge des Hexenchors.
Er erschrickt bei den Tönen.
Mahnt mich nicht in diesen Tönen,
Die den Himmel frech verhöhnen,
Ich verstehe euren Ruf!
wilder stürmend
Ha! Ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
Ha, welche Lust, aus schönen Augen,
An blühender Brust neues Leben
In wonnigem Beben,
Ha, neues Leben
In wonnigem Beben
Mit einem Kusse in sich zu saugen. -
Ha, welche Lust, in liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut
Das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen,
Von purpurnen Lippen
Schmeichelnd zu nippen,
Schmeichelnd, schmeichelnd zu nippen! -
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Wenn dann das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen, haha!
Haha! Ha! Welch Ergötzen!
Ha, welche Lust! Ha, welch Ergötzen!
Ha, welche Lust! Ha, welche Lust! Haha!
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Ha, welch Ergötzen, welche Lust!
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Haha, haha, welche Lust!
Wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Welch Ergötzen, welch Ergötzen, welche Lust!

Er geht zurück, sieht nach links, macht eine Bewegung der Freude; spricht:
Horch, Geräusch, sie ist es! In der Abwesenheit ihrer Eltern wusste ich schlau unter fremdem Namen ihre Liebe zu gewinnen; nun kehrten sie zurück und kündigten ihr an, dass ihre Hand versprochen sei. Ich bewog sie, ihrem Herzen zu folgen und mit mir zu fliehen. Haha, armes Mädchen, dein Herz hat dich garstig betrogen!

Er geht ab nach links und kehrt mit Janthe zurück

FÜNFTER AUFTRITT
Ruthwen, Janthe zu seiner Linken

RUTHWEN
Seh ich dich endlich, meine süsse Janthe! Ach, verzeihe, wenn ich schon an deiner Liebe zweifelte.

JANTHE.
Ach, die Angst hat mich entkräftet. Sie sinkt in seine Arme. Erst nach Mitternacht konnte ich das Haus verlassen. Die Zubereitungen zum festlichen Empfang des Lord Mersey, der morgen mit dem Frühesten erwartet wird, beschäftigten Vater, Mutter und das ganze Haus bis spät in die Nacht.

RUTHWEN
O so war es die höchste Zeit! Morgen schon wärst du auf ewig für mich verloren gewesen. Du, die Braut eines andern! Du, die mein Herz so zärtlich, so unsäglich liebt, du, die Frau eines andern! Ha, der Gedanke könnte mich zum Wahnsinn führen.

JANTHE
Ach, hätte ich meinem Vater deine Liebe geschildert, ihm gesagt, wie gut du bist, wie sehr mein Herz an dir hängt; ach, auch er ist ja so gut, er hätte mir gewiss verziehen und meine Liebe zu dir gebilligt. Warum hattest du mir auch verboten, gleich bei der Zurückkunft meiner Eltern der freudigen Regung meines kindlichen Herzens zu fol gen.

RUTHWEN
Kannst du mir die Besorgnis meiner Liebe zum Vorwurf machen? Er, der geschworene Feind meines Hauses, nie hätte er in den Bund unsrer Herzen gewilligt, und seine Weigerung wäre mein Todesurteil gewesen.

JANTHE
Du kennst ihn nicht; kein Hass steht so fest in seinem Herzen, dass ihn die Liebe zu seiner einzigen Tochter nicht entwurzelt hätte. Ach, und heimlich konnte ich ihn verlassen, mit Tränen wird er am Morgen sein Kind suchen und nicht finden. Sie wendet sich weinend von ihm.

Nr. 3 - Duett

JANTHE
Teurer Eltern einz'ge Freude,
Lohn' ich sie mit herbem Leide,
Die zu ehren süsse Pflicht.
Ach! Ich muss sie ja betrüben,
Denn es zwingt mich, dich zu lieben,
Was Vernunft dagegen spricht.

RUTHWEN
tritt zu Janthe und umarmt sie
Fühl' an meines Herzens Schlagen,
Mehr als ich vermag zu sagen,
Dass ich dein auf ewig bin;
Nimmer werd' ich dich betrüben,
Ewig, ewig dich zu lieben,
Schwör' ich dir mit treuem Sinn.

JANTHE
sinkt an seine Brust
Ach, ich muss sie ja betrüben,
Denn es zwingt mich, dich zu lieben,
Was Vernunft dagegen spricht.
So bist du, Teurer, mein auf ewig,
Und ewig, Teurer, bin ich dein!
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich dir allein!

RUTHWEN
Nimmer werd' ich dich betrüben,
Ewig dich zu lieben,
Schwöre ich mit treuem Sinn!
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig,
Und ewig, Teure, bist du mein!
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich dir allein!

JANTHE
So bist du, Teurer, mein auf ewig!

RUTHWEN
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig!

JANTHE
Und ewig, Teurer, bin ich dein!

RUTHWEN
Und ewig, Teure, bist du mein!

JANTHE
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich ihr allein!
So bist du, Teurer, mein auf ewig,
Auf ewig, Teurer, bin ich dein! -

RUTHWEN
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich ihr allein!
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig,
Und ewig, Teure, bist du mein! -

JANTHE
Als du dich zuerst mir nahtest,
Bebte ich entsetzt zurück.

RUTHWEN
Weiss wohl, Liebchen, dass du's tatest,
Doch jetzt lächelt mir dein Blick.

Der Mond dunkelt allmählich und steigt dabei langsam höher, bis er am Ende des Duetts ganz hinter den Felsen links oben verschwunden ist

JANTHE
Als du dich zuerst mir nahtest,
Bebte ich entsetzt zurück!
Aber wie mit Zaubersbanden
Zog es später mich zu dir. -
Ja, ich folg' dem innern Drange,
Meinem Herzen folge ich.
beiseite
Ewig, ewig ist er mein!
Liebe lacht aus seinen Augen;
O wie glücklich werd' ich sein!

RUTHWEN
Weiss wohl, Liebchen, dass du's thatest,
Doch jetzt lächelt mir dein Blick!
beiseite
Ha, ihr ist im Herzen bange,
Armes Mädchen, dauerst mich.
laut
Unsre Herzen, die sich fanden,
Sind der Zauber, glaube mir. -
beiseite
Ha, ihr ist im Herzen bange,
Armes Mädchen, dauerst mich.
beiseite
Doch Triumph! jetzt ist sie mein;
Und ihr süsses Blut zu sangen,
Welche Wollust wird das sein!

Sie umarmen sich. Der Mond ist verschwunden. Ruthwen und Janthe fliehen beim ersten Hornruf nach hinten in die Höhle. Jäger mit Hörnern, Diener und Landleute mit Fackeln kommen, nach allen Seiten hin suchend, von links.

SECHSTER AUFTRITT
Jäger. Diener. Landleute

Nr. 4 - Chor mit Soli

CHOR
ausserhalb
Wo kann sie sein? -
auftretend
Wo kann sie sein?
Beim Fackelschein
Durchsucht den Wald,
Ruft Echo wach,
Dass tausendfach
Mit Hörnerschall
Allüberall
Die Stimme widerhall'.
Janthe! Janthe! - Janthe! -

Alle horchen gespannt, bis das Echo geantwortet hat. Sir Berkley kommt mit einem alten Diener und mit vier Fackelträgern von links vorn. Starker Mondschein beleuchtet die Felsen auf der rechten Seite.

SIEBENTER AUFTRITT
Berkley in der Mitte. Die Andern zurückstehend. Dann die Stimmen von Janthe und Ruthwen.

Rezitativ

BERKLEY
Weh, mein Kind! In welcher Wildnis mag es irren?
Weh, mein Kind, mein Kind! weh, mein Kind!
In später Mitternacht vermiss' ich es im Hause.
Sicher haben Räuber sie entführt.
zu seiner Umgebung
Wer ihre Spur entdeckt, ich schwör' es euch,
Ihm wird des Vaters heisser Dank und grosser Lohn.
um sich blickend
Doch wehe! welchen Ort betraten wir?
Er zeigt nach hinten auf die Höhle
Hier hausen böse Geister seit Jahrhunderten,
leise
Die Vampyrhöhle nennt ihn das Volk.

CHOR
sieht sich entsetzt und ängstlich um, unruhig hin und her eilend
Weh! die Vampyrhöhle!
Schnell hinweg mit leisem Tritt!
sich mit Teilnahme Berkley nähernd
Armer Vater! Armer Vater!
Sie beginnen, sich nach links zurückzuziehen
Nur schnell hinweg! Nur schnell hinweg!
Nur schnell hinweg mit leisem Tritt!
Wo mag sie sein? Hier ist sie nicht!
Ja, hier verlor sich ihre Spur!
Ach, armer Vater, armer Vater, armer Vater,
Nimmer siehst du Janthen wieder,
Hier verlor sich ihre Spur.
Drum schnell hinweg mit leisem Tritt,
Nur fort von hier, nur fort von hier!
Drum schnell hinweg mit leisem Tritt!
Nur fort von hier, nur fort von hier,
Fort mit leisem Tritt!

Berkley vermag sich kaum noch aufrecht zu erhalten. Der alte Diener reicht ihm den Arm zur Stütze. Alle wenden sich nach links zum Abgang

JANTHE
in grellem Aufschrei in der Höhle
Weh' mir!

RUTHWEN
ebenso, mit triumphierendem Hohngelächter
Haha!

JANTHE
wie oben
Weh' mir!

RUTHWEN
ebenso
Haha!

Alle kehren entsetzt um und eilen zurück

CHOR
Welch' Geschrei!
auf die Höhle hinten zeigend
Dort kam es her!

JANTHE
wie oben
Weh!

BERKLEY
Das war meines Kindes Stimme,
Rettet mir ihr teures Leben!

Die Jäger und die Diener mit den Fackeln eilen in die Höhle hinein

BERKLEY
Weh' mir! Meine Kräfte schwinden!

Er wankt. Der alte Diener stützt ihn

BERKLEY
Angst und Freude macht mich beben;
Wie werd' ich sie wiederfinden!

Er ermannt sich und will zur Höhle. Einige Diener kommen mit Lord Ruthwen, den sie fest gepackt halten und der sich mit aller Macht dagegen sträubt, von dort zurück. Einige Jäger folgen. Die sonstigen Abgegangenen bleiben in der Höhle bei Janthe zurück. Der Vordergrund wird allmählich von blauem Licht überflutet, dann verbreitet sich schwacher Mondschein über die obersten Felsenspitzen.

ACHTER AUFTRITT
Ruthwen, Berkley zu seiner Linken. Die Andern zurückstehend

BERKLEY
zieht ergrimmt beim Anblick Ruthwens seinen Degen
Frecher Räuber meines Kindes,
Hier nimm deiner Taten Lohn.

Er dringt auf Ruthwen ein und verwundet ihn tödlich. Ruthwen sinkt auf dem Felsenlager rechts vorn zusammen

DIE ZURÜCKGEBLIEBENEN
in der Höhle
Sie ist tot!

BERKLEY
Wie? Mein Kind ermordet?
Mein Kind ermordet!

Er will zur Höhle. Jäger und Diener kommen ihm entgegen

EIN DIENER
Armer Vater! Weh! Entsetzen!
Brust und Nacken deiner Tochter
Sind voll Blut. Gift'ger Zähne Spuren
Verraten das Entsetzliche!
Sie ward zum Opfer dem Vampyr!

ALLE
aufs höchste erschreckt
Ein Vampyr! Ein Vampyr! Weh, ein Vampyr!

Sie stürzen nach links davon. Berkley ebenso, geführt von seinem alten Diener. Ruthwen bleibt allein zurück. Der Mondschein beleuchtet nur noch die oberen Felsenspitzen im Hintergrunde

NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen allein

Rezitativ

RUTHWEN
sich mühsam aufrichtend
Weh mir! Meine Kräfte weichen!
Müssig wird die Zeit verstreichen,
Kann ich nicht die Höh' erreichen,
Um dort sterbend mit den Augen
Mondesstrahlen einzusaugen,
Die mir neue Kräfte geben zum Leben. Schrecklich!
Schrecklich! Allgerechter! Alles, alles öd und leer,
Grause Stille ringsumher! -
Nur der Hölle Hohngelächter
Muss ich hören!

Er sinkt zurück. Edgar Aubry kommt mit dem Hörnereinsatz von links

ZEHNTER AUFTRITT
Ruthwen auf dem Felsenlager rechts vorn, Aubry zu seiner Linken.

AUBRY
toch nicht sichtbar, spricht:
Ist denn nirgends ein Ausweg zu finden? Er kommt von links. Ein freier Platz ist hier, aber nach welcher Seite wende ich mich nun?

Ruthwen macht eine Bewegung.

AUBRY.
Still, dort regt sich etwas.

Er tritt näher. Die Musik endet

RUTHWEN
mit der Stimme eines tödlich Verwundeten
Wohl mir! Ich höre eines Menschen Stimme! Wer du auch sein magst -

AUBRY
Ha, ein Verwundeter liegt hier am Boden.

RUTHWEN
Wer du auch sein magst, habe Mitleid -

AUBRY
Welche Stimme?
Er steht nun Ruthwen ganz nahe
Was seh' ich! Täuscht des Mondes matter Schimmer mein Auge nicht, so bist du Ruthwen!

RUTHWEN.
Aubry, du bist's? Mein Engel sendet dich; ich ward hier von Räubern überfallen.

AUBRY
Gott! Teurer Freund, was kann ich für dich tun? Ist deine Wunde tödlich? Ist dir zu helfen?

RUTHWEN
der mit Aubrys Hilfe sich ein wenig erhoben hat
Nein, menschliche Hilfe kommt zu spät - und doch - Aubry - wenn ich je dein Freund war - leiste mir einen wichtigen Dienst.

AUBRY
O rede, was kann ich für dich tun? Du warst einst der Retter meines Lebens, o dass ich dir vergelten, dass ich mein Leben für das deine opfern könnte.

RUTHWEN.
Nein, für mein Leben ist nichts mehr zu tun, aber - Aubry - ich bitte dich -

AUBRY
Zögere nicht, es auszusprechen! Was ist's? Soll ich deinen Tod rächen? Hast du jene Räuber erkannt?

RUTHWEN
Nein, das ist es nicht, was ich von dir begehre! Schmerzhaft zusammenzuckend und niedersinkend. O!

AUBRY
So rede denn, was ist's! Was kann ich für dich tun? Welch seltsame Unruhe in deinem ganzen Wesen - lebt irgend jemand, um den du besorgt bist? Drückt irgend eine schwere Schuld dein Gewissen? - Rede, was ist's?

RUTHWEN
erhebt sich ein wenig
Nichts von allem - ich bitte dich nur - Aubry - leite mich hinauf auf jene Felsen
Er zeigt nach dem Steinlager über der Höhle
und lege mein Gesicht so - dass die Strahlen des Mondes - mir in die Augen dringen.

AUBRY
Seltsam - und was soll?
von einem Gedanken erfasst
Ha, welche Ahnung! Man sagt, dass jene fürchterlichen Geschöpfe -

RUTHWEN
Still! Vollziehe meine Bitte!

AUBRY
So wär es wahr, was man in London mir gesagt? Entsetzlicher! Du wärst ein V -

RUTHWEN
rafft sich gewaltsam halb in die Höhe
Halt ein, Unglückseliger, vollende nicht! In jener Stunde, da ich dein Leben rettete, gelobtest du, für mich zu tun, was ich von dir verlangte. Wohl, so erfülle jetzt, um was ich dich bat, und schwöre mir zuvor, alles, was du von mir weisst, oder noch erfahren, oder auch nur ahnen magst, zu verschweigen.

Aubry zögert

RUTHWEN
Nur vierundzwanzig Stunden!

AUBRY
Ruthwen!

RUTHWEN
heftig
Schwöre! Schwöre bei allem, was dir heilig ist, bei deiner Seele Seligkeit!

AUBRY
Du warst der Retter meines Lebens - wohlan, ich schwöre!
Er erhebt die Hand zum Schwur

RUTHWEN.
Und verflucht seist du in den Abgrund der Hölle, alle Strafe des Meineids laste zehnfach auf deiner Seele, wenn du den Schwur brichst! Verflucht seist du, und wer dir angehört! Verflucht sei, was du liebst, und was dich liebt! Schwöre mir!

AUBRY
wie oben
Ich schwöre!
durchschauert
Entsetzlich!

Nr. 5 - Melodram. Begleitendes Musikstück

RUTHWEN
Ah! - So - nun will ich ruhig mein Schicksal erwarten. - Leite mich hinauf.

Er erhebt sich mühsam unter Aubrys Beihilfe. Der von links hereinfallende Mondschein wird heller.
Aubry leitet Ruthwen langsam, indem er die linke Hand auf seinen Nacken legt, über den Aufgang links zu dem Steinlager über der Höhle, ist ihm beim Niederlegen auf die Maschine behilflich, und zwar so, dass von links her die Strahlen des Mondes auf Ruthwens Gesicht fallen; dann entflieht er entsetzt nach links.
Grellheller Mondschein, grosser und voller Beleuchtungseffekt. Der Vordergrund bleibt dunkel.


RUTHWEN's
Züge beginnen sich zu regen, er richtet sich durch die Maschine neubelebt unter dem Einfluss der Mondstrahlen auf, erhebt malerisch den Mantel gegen den Mond, so dass die Maschine ungesehen sich wieder senkt und atmet tief auf.
Ah!

ZWEITER AUFZUG

Nr. 6 - Szene und Arie

Der Vorhang öffnet sich im sechzehnten Ein Saal im Schlosse des Lord von Davenaut.
Mitteltür. Eine Seitentür rechts. Ein Fenster links, durch welches eine Berglandschaft sichtbar ist. Rechts und links Tische und Sessel mit hohen Lehnen; die Tische mit schweren. Es ist Tag.


ERSTER AUFTRITT
Malwina allein

Malwina kommt frohbewegt von rechts, geht an das Fenster links und öffnet es. Es zeigt sich die Berglandschaft in Morgenröte, die bald in hellen Tag übergeht.

Rezitativ

MALWINA
Heiter lacht die goldne Frühlingssonne
Auf die buntgeschmückte neubelebte Flur.
Ach, alles, was ich sehe, ist der Abglanz nur
Von meines Herzens nie geahnter Wonne!
voll freudigen Gefühls, aber ohne Leidenschaft
Die Flur im bunten Festgeschmeide,
Der Baum im duft'gen Blütenkleide,
Der Vögel Chor, der mich umklingt
Und jubelnd auf zum Himmel dringt,
Ach, alles jauchzt und teilt mein Glück!
Heute wogt es in mir auf und nieder,
Ja, „heute“ schallt's von aussen wieder!
Ja, heut'! heut'! heut'! ja, heut'! ja, heut'!
a, heut' kehrt der Teure dir zurück! -
Hochbeglückt kniet sie nieder und betet mit gefalteten Händen
O schwing' auch du, mein liebend Herz,
Dich dankerglühend himmelwärts
Und in dem Lust- und Freudendrang
Lall' deines Schöpfers Lobgesang.
Vater, du im Himmel droben,
Du, den alle Welten loben,
Vater, du im Himmel droben,
Hör' auch deines Kindes Stimme! -
Sie steht auf und horcht
Still! wer naht sich dort der Pforte?
Sie tritt ans Fenster links
Er sieht herauf, es ist sein Blick!
Sie zieht ein Tuch hervor und winkt
Er ist's, er ist es! Edgar! Edgar! Er ist's! -
Ach, verzeihe mir die Sünde,
Wenn aus freudetrunkner Brust
Ich zum Dank nicht Worte finde
In dem Übermass der Lust.
Nichts kann ich fühlen als dies Glück,
Es kehrt der Teure mir zurück! -
Sie wendet sich mit nach oben gerichteten Blicken nach der MitteO Gott, verzeihe mir die Sünde
Wenn aus freudetrunkner Brust
Ich zum Dank nicht Worte finde
In dem Übermass der Lust.

Sie eilt ab durch die Mitte, Aubry entgegen. Edgar Aubry und Malwina kommen zwei Takte vor dem Einsatz in freudiger Hast durch die Mitte

ZWEITER AUFTRITT
Aubry, Malwina zu seiner Linken

Nr. 7 - Duett

Beide treten in Umarmung nach vorn

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Du bist's, es ist kein Traum!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

AUBRY
Bist du es wirklich?

MALWINA
Bist du es wirklich?

AUBRY
Seh ich dich wieder!

MALWINA
Seh ich dich wieder!

AUBRY
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

MALWINA
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

BEIDE
Bist du es wirklich, seh ich dich wieder!

MALWINA
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

BEIDE
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Du bist's, es ist kein Traum!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

MALWINA
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!
Du bist es wirklich? Ist's kein Traum?
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

AUBRY
Bist du es wirklich, ist's kein Traum?
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum! -
Ach, entfernt vom Heimatlande,
Stand ich klagend oft und sandte
Seufzend sehnsuchtsvolle Blicke
Nach des Hochlands Bergen hin.

MALWINA
Wenn im Hause nichts mehr wachte,
Nur der Mond durchs Fenster lachte,
räumt' ich mich zu dem Geliebten
Von des Hochlands Bergen hin.

BEIDE
Wenn in trüben Dämmerstunden
Süsse Wehmut ich empfunden,
Träumt' ich mich zu der (dem) Geliebten
Nach (von) des Hochlands Bergen hin.

AUBRY
Doch die Zeit ist nun verschwunden,
Heiter glänzt der Liebe Glück!

BEIDE
Denn es führten mich die Stunden
Zu der (dem) Teuren ja zurück!

MALWINA
Doch die Zeit ist nun verschwunden,
Heiter glänzt der Liebe Glück!

AUBRY
Denn es führten mich die Stunden
Zu der Teuren ja zurück!

BEIDE
Denn es führten mich die Stunden
Zu der (dem) Teuren ja zurück!

MALWINA
Zu dir!

AUBRY
Zu dir!

MALWINA
Zu dir!

AUBRY
Ja, zu dir!

MALWINA
Zu dir! -

BEIDE
Du bist's, du bist's!
Du bist's, du bist's, es ist kein Traum,
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

MALWINA
spricht
Und schon am frühen Morgen bist du hier?

AUBRY
Abends spät kam ich in Schellborn an, mein Pferd war so entkräftet, dass es die drei Meilen bis hierher nicht mehr machen konnte, da entschloss ich mich, die Nacht durch zu gehen, um heute der erste zu sein, der dir seinen herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtsfeste mit dem frühesten Morgen darbringt.

MALWINA
O Edgar, ich bin so froh! Mein Vater spricht seit einiger Zeit mit so viel Achtung von dir. Seit du das für ihn so wichtige Geschäft in London über alle Erwartung glücklich beendet, sieht er in dir nicht mehr den unbedeutenden Jüngling, für den er dich hier immer hielt. Noch vor einigen Tagen sagte er: „Schade, dass mir nicht ein solcher Sohn geworden, er würde den Glanz des alten Hauses Davenaut erhalten!“

AUBRY
Ach, Malwina, ich sehe darin nur die Sorge um den Glanz seines alten Hauses; nur dass ich mit diesem weitläufig verwandt bin, gibt mir in seinen Augen einigen Wert. Glaube mir, nie wird er mir, dem unbedeutenden Jüngling, die Hand seiner einzigen Tochter geben.

MALWINA
Nein, ich fürchte nun nichts mehr; ich glaube, er ahnt unsere Liebe und billigt sie. Bedeutungsvoll haftet oft sein Blick auf mir, und er scheint mein Geständnis zu erwarten. Als du ihm die Nachricht sandtest, dass die grossen Besitzungen der Grafschaft Schellborn nun unangefochten sein Eigentum blieben, küsste der sonst so strenge Vater meine Stirn, und gerührt und voll Liebe sprach er zu mir: „Dich glücklich zu sehen, meine Tochter, sei jetzt meine einzige Sorge“.

AUBRY
Ach, nur Rang und Reichtum ist sein Glück, und ich selbst habe die Hindernisse vermehrt, die mich nun auf ewig von dir trennen.

MALWINA
O trübe nicht durch deinen Zweifel meine frohe Hoffnung. Noch heute, an meinem Geburtstage, wenn mein Vater wie gewöhnlich mir die Gewährung jeder Bitte verspricht, will ich ihm zu Füssen sinken und das Geheimnis unsrer Liebe entdecken. - Still, er kommt!

Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt durch die Mitte

DRITTER AUFTRITT
Aubry rechts. Davenaut in der Mitte. Malwina links

MALWINA
eilt Davenaut entgegen
Vater! Vater! Edgar ist zurück!

DAVENAUT
Sir Aubry, seid mir herzlich willkommen!
Er reicht Aubry die Hand
Einen wichtigen Dienst habt Ihr dem Hause Davenaut geleistet. Doch was Ihr tatet, fällt auf Euch selbst zurück.

MALWINA
für sich
Was hör' ich!

DAVENAUT
fortfahrend
Denn auch Ihr seid ein Sprosse dieses erlauchten Hauses, und je grösser Glanz und Reichtum des Lords, je mehr Ruhm und Ehre für alle Glieder des Stammes. Doch fühl' ich mich Euch sehr verpflichtet, nehmt meinen Dank und Euer Glück sei künftig Eures Vaters Sorge.

AUBRY
Sir, diese Güte -!
Er küsst seine Hand

MALWINA
O mein Vater!

DAVENAUT
Meine Tochter!
Er umarmt sie feierlich und führt sie etwas nach links hinüber
Wohl habe ich oft gemurrt, dass mir kein Sohn geboren, dass der Name Davenaut, seit Jahrhunderten einer der edelsten in Schottland, mit mir aussterben soll. Komm an mein Herz, geliebte Tochter! Der Tag, der dich mir heut' vor achtzehn Jahren gab, er wird auch heut' durch dich mir einen Sohn geben, wert meines Hauses, deiner Liebe wert.

MALWINA
Mein Vater!

DAVENAUT
Ich habe längst bemerkt, was mir dein Mund verschwiegen; besorglich schien dein scheuer Blick mich oft zu fragen, soll ich allein dastehn, wenn mich mein Vater einst verlässt? Erraten hab' ich deinen Wunsch, und deiner Bitte komme ich zuvor, ich grüsse dich als Braut.

MALWINA
O mein Vater, diese Güte
Sie wirft sich in seine Arme

DAVENAUT
nach einer Pause
Ihr steht so fern, Sir Aubry? Nehmt Ihr nicht teil an unserer Freude?

AUBRY
eilt freudig zu Davenaut
O Gott! Wär's möglich? Dürft' ich hoffen?

DAUVENAUT
Glaubt Ihr, ich wolle Euer Schuldner bleiben? Zwar seit Ihr meinem Hause nur fern anverwandt, doch Ihr seid ihm verwandt, dieses genügt mir, und ich versprach, für Euer Glück zu sorgen. Edelmut ist die angeerbte Tugend jedes hochländischen Edelmanns und der Name meines Schwiegersohns, er sei Euch Bürge, dass er stets in meinem Geiste handeln wird: Es ist der Graf von Marsden!

Aubry und Malwina treten entsetzt von Davenaut zurück

Nr. 8 - Terzett

MALWINA
ausser sich
Wie? Mein Vater!

AUBRY
beiseite
Weh, verloren!

DAVENAUT
Ja, es ist der Graf von Marsden.

MALWINA
Wie? Mein Vater!

AUBRY
beiseite
Weh, verloren!

DAVENAUT
Ja, ja, es ist der Graf von Marsden,
Den ich mir zum Sohn, zum Sohn erkoren.

MALWINA
Wie, wer ist's?

AUBRY
Wie, wer ist's?

MALWINA
Der Graf von Marsden?

AUBRY
Der Graf von Marsden?

AUBRY UND MALWINA
Der Graf von Marsden?

DAVENAUT
Ja, ja, es ist der Graf von Marsden,
Den ich mir zum Sohn erkoren!
für sich
Ha, die Wahl scheint sie zu freuen!

MALWINA
Wie, mein Vater! Wie, wer ist's?

AUBRY
Weh, verloren! Weh, verloren! Weh, verloren!

AUBRY UND MALWINA
beiseite
Ach, mein Glück war nur ein Traum,
Musst' er mich so schnell verlassen?
Weh, dies Unglück ganz zu fassen,
Hat mein armes Herz nicht Raum!

DAVENAUT
für sich
Ha, die Wahl scheint sie zu freun!
laut
Ja, er ist an Rang und Adel,
Wie durch Sitten ohne Tadel,
Wert ein Davenaut zu sein! -

MALWINA
knieend
Sieh mich hier zu deinen Füssen;
Vater, kannst du mir verzeihn?
Vater, ach, dem Grafen Marsden
Kann ich nimmer Gattin sein!

DAVENAUT
Wie, was hör' ich? Ha, ist's möglich!

MALWINA
Dieses Herz -

DAVENAUT
Wie?

MALWINA
Hat schon gewählt.

DAVENAUT
Ha! Ist's möglich!

MALWINA
Ach, ich fühl's, ich hab' gefehlt,
Dass ich's dir bis jetzt verschwiegen.

DAVENAUT
Wer ist der Verwegne? Sprich!

AUBRY
knieend
Sieh ihn hier im Staube liegen!

DAVENAUT
Ha, vor Zorn kaum halt' ich mich!
Wie, Verworfner! dürft Ihrs wagen,
Dies ins Antlitz mir zu sagen?

AUBRY
flehend
Ach, seit meiner Kindheit Tagen
Hat dies Herz für sie geschlagen,
Eure Tochter zu beglücken
Soll mein einzig Streben sein!

DAVENAUT
Fort, ihr fleht vergebens, fort! -
Mir ins Antlitz dies zu sagen! -
Ha, Verwegner, dürft Ihr's wagen? -
Ha, vor Zorn kaum halt' ich mich!
Wie, Verwegne, dürft ihr's wagen,
Dies ins Antlitz mir zu sagen! Fort!

MALWINA
flehend
Ach, seit meiner Kindheit Tagen
Hat dies Herz für ihn geschlagen,
Habe Mitleid, deine Tochter
Kann mit ihm nur glücklich sein!

DAVENAUT
Ihr fleht vergebens!

MALWINA
Vater!

DAVENAUT
Fort, ihr fleht vergebens -
Denn der Graf, er hat mein Wort!

AUBRY
Habt Mitleid!

MALWINA
O Vater!

DAVENAUT
Und noch niemals ward gebrochen,
Was ein Davenaut versprochen!

MALWINA
O mein Vater - habe Mitleid!
Habe Mitleid, deine Tochter
Kann mit ihm nur glücklich sein!

Aubry und Malwina erheben sich

MALWINA
für sich
Ach! Sein Zorn raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich der Verzweiflung hin.

AUBRY
für sich
Nimmer wird es mir gelingen,
Seinen Hochmut zu bezwingen -
Wehe mir! Sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin.

DAVENAUT
für sich
Nein, des Vaterherzens Schwächen
Dürfen meinen Stolz nicht brechen;
Dieses Herz erfülle ganz
Meines Hauses Ruhm und Glanz!

AUBRY
für sich
Nimmer wird es mir gelingen,
Seinen Hochmut zu bezwingen!
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin!
Ach, sein Stolz raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin!

Er steht abgewendet rechts

DAVENAUT
für sich
Nein, des Vaterherzens Schwächen
Dürfen meinen Stolz nicht brechen;
Dieses Herz erfülle ganz
Meines Hauses Ruhm und Glanz!

MALWINA
für sich
Ach, sein Zorn raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich der Verzweiflung hin!

Sie wankt zu einem Sessel links und nimmt dort Platz. Trompetenruf ausserhalb. Der Diener George Dibdin kommt durch die Mitte

VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. George zwischen Aubry und Davenaut

GEORGE
meldend
Gnäd'ger Herr, der Graf von Marsden
Ritt soeben durch das Tor,
Und des Dorfes muntre Jugend
Naht vereint im heitern Chor,
Eure Tochter zu begrüssen
Heut' an ihrem Wiegenfeste.

DAVENAUT
Führe denn die muntern Gäste
In den Saal zu meiner Tochter.

Er geht ab nach rechts. George öffnet die Mitteltür, winkt hinaus und geht dann durch die Mitte ab

Nr. 9 - Finale

Der Chor der Landleute tritt paarweise mit dem Beginn des Allegretto giocoso rasch durch die Mitte ein und stellt sich rechts auf. Das Ballett folgt und nimmt vor den Landleuten Aufstellung.
Alle sind mit Blumen geschmückt und tragen Kränze und Sträusse in den Händen. Zwölf Jäger kommen während des Chores mit Fahnen und grünen Zweigen an den Armbrüsten, George an ihrer Spitze, und nehmen vor der Mitteltür Aufstellung.


FÜNFTER AUFTRITT
Aubry rechts. Malwina auf dem Sessel links. Die Landleute und das Ballett auf der rechten Seite. George mit den zwölf Jägern vor der Mitteltür

Chor und Ballett

ALLE LANDLEUTE
zu Malwina gewendet
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest!

VIER PAAR LANDLEUTE
treten vor und ziehen an Malwina vorbei, in die alte Stellung zurück
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn.

Das Ballett nimmt die Kränze und Sträusse ab und legt sie auf den Tisch links neben Malwina

ALLE JÄGER UND LANDLEUTE
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn!

VIER PAAR LANDLEUTE
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück.
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.
Blumen und Blüten im Zephirgekose
Winden wir dir zu dem heutigen Fest!

Die Seitentür rechts öffnet sich

GEORGE
nach rechts weisend
Seht, dort naht der Schwiegersohn
An der Hand des alten Herrn,
dringender zu den Landleuten
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon,
Das der Alte hört so gern!
ärgerlich
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon.
Das der Alte hört so gern!
Nun stimmt an das Lied!
Nun, ihr wisst ja schon!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
frisch und munter
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt;
Was fest wie unsre Berge steht,
Was mit der Welt nur untergeht,
Was an Glanze der Krone nicht weichet,
Was der Sonne gleich pranget und leuchtet,
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt,
Heil, Heil, Heil, Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil, Heil, Heil, Heil jedem, der mit ihm verwandt. -

Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt bei dem Trompeteneinsatz mit Lord Ruthwen von rechts. Zwei Diener folgen und bleiben am Eingang stehen. Das Ballett ist bis zum Eingang zurückgetreten

SECHSTER AUFTRITT
Aubry abgewendet rechts. Ruthwen und Davenaut in der Mitte. Malwina am Tisch links. Die Landleute rechts zurückstehend. Die Jäger mit George vor der Mitteltür. Das Ballett vor den Jägern. Die beiden Diener an der Tür rechts

Malwina erhebt sich

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
schwenkt die Fahnen und Hüte
Heil! - Heil! - Heil! - Heil,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!

Sie bilden einen grossen Halbkreis

DAVENAUT
Hier, Malwina, ist der Mann,
Den ich deiner wert erachte,
Wert des Hauses Davenaut.

RUTHWEN
geht an Davenaut vorüber zu Malwina
Eure Wahl zwar macht mich froh,
Doch beglückt wär ich nur dann,
Wenn Myladys Aug' mir freundlich lachte.

MALWINA
schüchtern, ohne ihn anzusehen
Werter Sir!
sie sieht ihn an
Ha! - Wehe mir!

Sie wankt und sinkt wie tödlich getroffen zusammen. Die nahestehenden Mädchen stützen sie und beschäftigen sich um sie

AUBRY
sich wendend und jetzt erst Ruthwen ansehend, für sich
Gott, wen seh ich!

Ruthwen tritt an Davenaut vorüber, zu ihm

DAVENAUT
für sich, zu Malwina gewendet
Unbegreiflich!

AUBRY
Seh ich recht - du bist - Lord Ruthwen!

RUTHWEN
ruhig
Nein, Sir! Ruthwen ist mein Bruder,
Der auf Reisen schon seit Jahren
Auf dem festen Lande ist.
Lieb ist mir es, zu erfahren,
Was Ihr etwa von ihm wisst.

AUBRY
verwirrt
Was ich weiss? - Er war ja heut' -

RUTHWEN
ihn durch seinen Blick beeinflussend
Nun?

AUBRY
noch verwirrter
Wehe! - Nein, Sir - ich weiss nichts -
Täuschend ist die Ähnlichkeit
Seines - Euren Angesichts.
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Diese Ähnlichkeit des Bruders,
Das bedeutet nimmer Heil.

RUTHWEN
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Ha, den Träumer hier zu finden,
Das bedeutet nimmer Heil.

DAVENAUT
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Seinen Stolz so zu beleid'gen,
Das bedeutet nimmer Heil.

MALWINA
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Dass mein Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.

Sie steht regungslos

CHOR
unter sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick ihr durch die Seele,
Dass ihr Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.

DAVENAUT
Nun, Malwina, ist das Sitte?
Weisst du deinen Bräutigam
Freundlicher nicht zu empfangen?

Er geht nach hinten, spricht, Befehle gebend, mit George und den Dienern und unterhält sich mit den Landleuten. Malwina erhebt sich mühsam und wendet sich zu Ruthwen

RUTHWEN
zu Davenaut
Lasst sie, werter Sir, ich bitte.

MALWINA
zu Ruthwen, beklommen
Sir, ich weiss nicht, wie es kam,
Dass ein grausend seltsam Bangen -

RUTHWEN
unterbrechend
Schöne Lady, o verzeiht!
Wie die junge Rose lacht,
Die am Wege einsam blüht,
Hat im innersten Gemüt
Euer Anblick mich erfreut;
Hoffen will ich, dass die Zeit
Euch mein armes Angesicht
Wenigstens erträglich macht.

Er spricht leise mit Malwina

AUBRY
der Ruthwen nicht aus den Augen gelassen hat, für sich
Nein, mein Auge täuscht mich nicht,
Wie er lacht und wie er spricht,
Alles zeigt es deutlich mir,
Ruthwen ist es, der Vampyr!
Er tritt zu Ruthwen und berührt ihn leicht; laut.
Sir, zwei Worte nur, ich bitte!

Er geht mit einigen Schritten nach rechts. Ruthwen folgt ihm nach dort. Davenaut ist inzwischen, Malwina zur Linken, nach vorn gekommen. Malwina wendet sich unter flehenden Gebärden zu ihm und bittet ihn mit leisen Worten, das Unglück von ihr abzuwenden

AUBRY
leise und bestimmt zu Ruthwen
Entsetzlicher, ich habe dich erkannt!
Hier auch die Narb' an deiner Hand!
Unglücksel'ger, darfst du es wagen,
Zu ihr die Augen aufzuschlagen,
Grauses Scheusal der Natur!

RUTHWEN
leise und energisch
Still! Gedenk' an deinen Schwur!

Davenaut hat sich inzwischen wieder, Befehle erteilend, nach hinten zu George gewendet und tritt nun zwischen Ruthwen und Malwina vor. Malwina stützt sich auf die Lehne des Sessels zu ihrer Linken

DAVENAUT
Der Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste,
Bereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste,
Denn ehe noch die Mitternacht entschwunden,
Bist du auf ewig mit ihm verbunden.

MALWINA
ausser sich
Ach, mein Vater!

AUBRY
leise zu Ruthwen
Ich beschwöre Euch!

MALWINA
Ach, diese Eile, gönnt mir Frist,
Wen'ge Tage bitt' ich!

DAVENAUT
Schweig'!

AUBRY
laut zu Davenaut
Sir, verschiebt's bis morgen nur!

DAVENAUT
Nein, unmöglich!

MALWINA
Ach, mein Vater!

Sie wankt zurück in den Sessel

AUBRY
entschlossen auf Davenaut zutretend
Nun, so wisst -

RUTHWEN
ihn mit einer kraftvollen Gebärde zurückhaltend, leise
Still! gedenk' an deinen Schwur!

DAVENAUT
Heute noch, ich gab mein Wort,
Morgen muss der Graf schon fort!
Zum Gesandten, wie bekannt,
Nach Madrid ist er ernannt,
Seine Zeit gebeut zu eilen.

AUBRY
Lasst ihn nur bis morgen weilen.
Sir, seid nicht so fest gesinnt.
Ach, verschiebt's bis morgen nur,
Und Ihr rettet Euer Kind!

Davenaut macht, indem er sich nach Malwina wendet, eine abwehrende Bewegung. Aubry will wie vorher wieder auf ihn zu. Ruthwen hält ihn wiederholt zurück. Davenaut spricht mit Malwina

RUTHWEN
Still! gedenk' an deinen Schwur!

AUBRY
wankt nach rechts, für sich
Ha, kaum halt' ich mich vor Wut!
Doch mein Schwur hält mich gefangen.
Weh mir, seine blassen Wangen
Lechzen schon nach ihrem Blut.
Stimmen der Hölle, die mich umklingen,
Höhnen mir zu: die Tat muss gelingen.

RUTHWEN
für sich
Lachen kann ich seiner Wut,
Denn sein Schwur hält ihn gefangen.
Mägdlein mit den Rosenwangen,
Bald ist mein dein süsses Blut.
Stimmen der Geister, die mich umklingen,
Jubeln mir zu: die Tat muss gelingen.

MALWINA
erhebt sich, beiseite
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

DAVENAUT
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass das Band, das ich geschlungen,
Meinem Hause Ruhm errungen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

RUTHWEN
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Ehe noch die Frist verronnen,
Ist dies Opfer mir gewonnen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

MALWINA
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

AUBRY
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Eh' nicht meine Kräfte schwinden,
Wird er nicht sein Opfer finden;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
im Halbkreis
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!

DAVENAUT
zu den Jägern und Landleuten zurücktretend
Zum Feste lad' ich euch alle ein,
Jubeln soll alles und fröhlich sein!

Die Jäger und Landleute danken jubelnd durch Verbeugungen

DAVENAUT
sehr wichtig vortretend
Denn heute noch, ich schwör' es laut,
Führt Marsden zum Altar die Braut.
Der ganzen Herrschaft mögt ihr verkünden,
Dass Marsden sich und Davenaut verbinden.

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig etwas vortretend
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!

AUBRY, RUTHWEN, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Furchtbar eilend drängt die Zeit
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern.

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Nichts kann ihn erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Jedem, der mit ihm verwandt!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Nichts soll mich erschüttern!
Furchtbar eilend drängt die Zeit,
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Finstre Nacht die Zukunft decken,
Höhnend uns das Schicksal necken,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Ihn kann nichts erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil! Heil! - Heil! Heil dem Hause Davenaut!
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Auf, singet laut, singet laut, jubelt froh!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht,
Lachet bei Gewittern.
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
In der Elemente Toben
Hebt er seinen Blick nach oben,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht!

RUTHWEN
für sich
Bei des Unheils grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben
In der Elemente Toben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Heil! Heil! Heil! Heil! - Heil! - Heil! -
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Ach, vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Nichts kann ihn erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
die Fahnen und Hüte schwenkend
Heil! Heil! - jedem, der mit ihm verwandt!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!
Heil, Heil! - Heil, Heil! -
Heil dem Hause Davenaut!

Das Ballett bildet Spalier bis zur Mitteltür. Die Dienerschaft geht voraus. Davenaut reicht Malwina die Hand zum Abgehen. Ruthwen bannt Aubry durch seinen Blick, ihn dadurch von weiteren Schritten abhaltend. Malwina sinkt ohnmächtig nieder. Allgemeine Bestürzung

DRITTER AUFZUG

Nr. 10 - Introduktion

Der Vorhang hebt sich im dreizehnten Takt. Garten und Schloss

ERSTER AUFTRITT
Die Landleute Robert Green und Toms Blunt sitzen unter Bauern am Tische rechts vorn; die Landleute Richard Scrop und James Gadshill ebenso am Tische links vorn. Bauern auf Stühlen und auf den Bänken an allen Tischen vorn und hinten. John Perth geht von einem Tisch zum andern, die Gäste zum Trinken nötigend. Einige Aufwärter und Schenkmädchen bedienen. Frau Suse Blunt bewegt sich unter den Gästen. Vier spielende Musikanten auf dem kleinen Orchester im Hintergrunde. Junges Volk tanzt und singt im Vordergrunde und hinten auf der Terrasse. Fröhliches munteres Durcheinander.

CHOR DER TRINKER
Männer allein
Munter, edle Zecher, munter,
Köstlich ist der Wein!
Seht, die Sonne geht schon unter,
Lasst uns fleissig, fleissig sein!
Ach, der Tag find't bald sein Ziel
Und des Weins ist noch so viel,
Darum frisch getrunken, frisch, frisch!
Munter, edle Zecher, munter,
Köstlich ist der Wein!
Seht, die Sonne geht schon unter,
Lasst uns fleissig, fleissig sein!
Ach, der Tag find't bald sein Ziel,
Und des Weins ist noch so viel!
Darum frisch getrunken, frisch!
Getrunken frisch! -

Der Tanz oben auf der Terrasse endet.
Die Tänzer gehen nach unten.
Es wird unten getanzt.

CHOR DER TÄNZER
alle
Hört ihr die Geigen,
Seht ihr den Reigen
Fröhlich ertönen und munter ergehn?
Eilet zum Tanze
Froh in dem Kranze
Munterer Jugend euch rascher zu drehn!
Bannet die Sorgen!
Heute und morgen
Lächelt die Freude und droht nicht Gefahr.
Nützet die Stunden,
Eh' sie entschwunden,
Dass eure Jugend nicht freudenlos war.

Der Tanz unten endet

Seid ihr erst älter,
Steifer und kälter,
Drücket das Leben euch sorgvoll und schwer:
Dann, ach, ihr Leute,
Schickt sich's, wie heute,
Leider nicht mehr, ach nein, leider nicht mehr.
Immer behende,
Nimmer aus Ende
Drehe der Kreis sich bald hin und bald her.
Munter, nur munter,
Krauser und bunter,
Hinüber, hinüber der Kreuz und die Quer.

Die Tänzer gehen nach oben, Der Tanz oben auf der Terrasse beginnt wieder. Allmählich steckt der Tanz auch die Übrigen an, doch machen sie anfangs nur die Tanzbewegungen mit. Die Trinker werden lebhafter und stehen zum Teil auf.
CHOR DER TRINKER
Männer allein
Mag das junge Volk sich wiegen
Dort im raschen Tanz,
rinken auch ist ein Vergnügen
Hier im Abendglanz!
Sind wir gleich zum Tanz zu alt,
Trinket nur, so wird sich bald
Alles um uns drehn!

Die Lustigkeit hat sich derart gesteigert, dass sich nun alles in grösster Ausgelassenheit zeigt.
Bunte Gruppierung und bewegtes Leben, allgemeine tolle Fröhlichkeit. Aufwärter bringen Windlichter, obwohl es noch nicht besonders dunkel ist, und stellen sie auf die Tische. Scrop und Gadshill gehen mit ihren Krügen nach rechts zu Green und Blunt


ALLGEMEINER CHOR
Juch! - Juch! - Das ist'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit,
Alles jauchzt und alles schwärmt,
Alles tobt und alles lärmt,
Alles bricht in Jubel aus:
So ist's recht beim Hochzeitsschmaus! - - Juch!

Allgemeiner ungeheuerer Jubel oben und unten. Alle tanzen bunt durcheinander und gruppieren sich zum Schlusse. Es wird dunkel. Die Bauern und Bäuerinnen setzen sich und stehen fröhlich umher

GADSHILL
spricht, nachdem es ruhig geworden ist
Aber wo sind denn Braut und Bräutigam?

BLUNT
schon etwas betrunken
Ja, wo sind sie, Braut und Bräutigam?

SCROP
Sollen wir denn die Hochzeit feiern ohne Braut und Bräutigam?

BLUNT
Ich habe noch nie eine Hochzeit gefeiert ohne Braut und Bräutigam.

PERTH
Der Bräutigam kam noch nicht an; er wird sich auf Davenaut verspätet haben, meine Tochter ist ihm entgegen gegangen.

FRAU BLUNT
sieht nach links
Da kommt sie eben her.

BLUNT
ergreift ein Glas vom Tisch
Dies volle Glas will ich ihr zu Ehren
Bis auf den letzten Tropfen leeren.

Er trinkt
FRAU BLUNT
Na, Tom, nimm dich in acht und trink' mir nicht wieder zu viel!

BLUNT
Suse, du hast recht, zu viel hab' ich schon oft getrunken, aber noch nie genug, noch nie genug!

Perth geht Emmy entgegen. Emmy Perth kommt von links hinten vor der Terrasse

ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Emmy tritt ihrem Vater zur Linken

ALLE.
Es lebe die Braut! Emmy Perth lebe hoch!

PERTH
Was ist das, du siehst ja so traurig aus, Emmy? Eine Braut muss fröhlich sein.
Er spricht leise mit ihr weiter

BLUNT
Ja, eine Braut muss ein fröhliches Gesicht haben! Weisst du noch, Suse, wie du Braut warst -

FRAU BLUNT
I, so schweig doch still!

BLUNT
Damals hatt'st du ein ganz andres Gesicht, ein ganz andres Gesicht!

FRAU BLUNT
Musst du denn immer reden!

BLUNT
Ja, wenn ich nicht reden soll, da muss ich trinken.

Er ergreift ein Glas und trinkt. Frau Blunt macht eine abwehrende Bewegung. Alle setzen sich, teils erzählen sie sich leise, teils verhalten sie sich ruhig. Ein Teil der Bauern, Bäuerinnen, Tänzer und Tänzerinnen verliert sich unauffällig nach rechts und links. Aufwärter räumen während des Liedes die Tische und Stühle hinten lautlos und wenig bemerkt weg

PERTH
Nun, Emmy, was fehlt dir denn?
Er tritt mit ihr vor

Nr. 11 - Lied

EMMY
Dort an jenem Felsenhang
Lauschte ich den Weg entlang,
Georgen zu erspähen;
In der Abendsonne Strahl
Glüht und zittert Berg und Tal,
Er lässt sich nicht sehen!
Wenn beim frohen Hochzeitsfest
Mich der Bräut'gam warten lässt:
Soll mich das nicht traurig machen?

Dort im Strauch mit süssem Schall
Lockt und girrt die Nachtigall,
Und er ist noch ferne;
Durch der Bäume grünes Reis
Lauscht der Vollmond; still und leis'
Flimmern schon die Sterne!
Alles zeigt, der Abend kam,
Und noch fehlt der Bräutigam:
Soll mich das nicht traurig machen?

PERTH
spricht
Ei nun, er wird schon kommen! Du weisst, dass heute des Fräuleins Geburtstag war, und da konnte der arme Junge gewiss nicht so zeitig fortkommen.

EMMY
So ein vornehmes Fräulein möchte ich sein, Vater; da liess mich George gewiss nicht warten.
Sie geht mit Perth zurück und beobachtet nach links, ob George kommt

BLUNT
der mit Gadshill, Green und Scrop am Tisch rechts sitzt
Er wird schon kommen, sag' ich euch. Eine Braut ist wie eine volle Flasche Wein, die vergisst man nicht.

GREEN
der leise mit Scrop gesprochen hat
Ja, ja, wie ich Euch sage, Nachbar Scrop, in der vergangenen Nacht!
Er steht auf

SCROP
ebenso, auffällig laut
Das wäre ja entsetzlich!

Alle Sitzenden stehen neugierig auf. Aufwärter räumen unauffällig auch den Tisch und die Stühle links weg; nur der Tisch und die Stühle rechts bleiben stehen

PERT
kommt vor
Nun, was gibt's denn hier?

SCROP
Green erzählt eben, die Tochter des reichen Berkley, drei Stunden hinter Davenaut, sei vergangene Nacht durch einen Vampyr umgebracht worden.

Green tritt in die Mitte

ALLE
versammeln sich um Green
Wie? Was sagt Ihr? Ein Vampyr?

GREEN
Nicht anders; ich war heute Morgen dort. Die Tochter war Braut, heute sollte die Hochzeit sein. In der Nacht, Glock' zwölf Uhr, vermisst der Vater die Tochter, alles wird gleich aufgeboten, sie zu suchen! Endlich findet man sie tot in der Vampyrhöhle.

EMMY
Das arme Mädchen!

FRAU BLUNT
Hat man denn den Vampyr auch gefunden?

GREEN
Freilich, der Vater hat ihn totgestochen.

FRAU BLUNT
Gott sei Dank!

GREEN
Ja, was hilft das, so ein Geschöpf ist ja nicht umzubringen! Sticht man's heute tot, so steht es morgen wieder lebendig auf!

SCROP
zu Green
Habt Ihr schon einmal einen Vampyr gesehen?

GREEN
tritt an Emmy vorüber zwischen Perth und Scrop
Nein, Gott sei Dank! Aber ich habe mir sagen lassen, sie sollen totenblass aussehen, und ihre Opfer am liebsten im Mondenschein aufsuchen, weil dieser eine heilbringende Kraft für sie hat und sie unter seinem besonderen Schutze stehen.

EMMY
Meine selige Grossmutter hat mir oft ein altes Märchen von einem Vampyr erzählt.

Die Mädchen umgeben Emmy im Halbkreis. Die Männer stellen sich hinter ihnen auf

DIE MÄDCHEN
Ach, lasst hören, lasst hören.

EMMY
Aber es ist schon ganz dunkel!

SCROP
Desto besser! Im Dunkeln hören sich solche Geschichten am besten an.

Nr. 12 - Romanze

EMMY
Sieh, Mutter, dort den bleichen Mann
Mit seelenlosem Blick.
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Sonst ist es bald um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Schon manches Mägdlein, jung und schön,
Tat ihm zu tief ins Auge sehn,
Musst' es mit bittern Qualen
Und seinem Blut bezahlen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Was, Mutter, tat der bleiche Mann?
Mir graust vor seinem Blick!
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Viel Böses hat er schon gethan,
Drum traf ihn solch' Geschick!
Und ob er längst gestorben nun,
Kann er im Grabe doch nicht ruhn,
Er geht herum als bleiche,
Lebend'ge grause Leiche!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

Mondschein verbreitet sich allmählich

EMMY
Wie dauert mich der bleiche Mann,
Wie traurig ist sein Blick!
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Sonst ist es bald um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Er geht herum von Haus zu Haus,
Sucht sich die schönsten Bräute aus,
Zeigt eine sich gewogen,
So wird sie ausgesogen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Es lacht mich an der bleiche Mann
Und heitrer wird sein Blick.
Kind, siehst du ihn noch immer an?
Weh mir, es ist um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Sein erster Blick, mit Todesschmerz
Durchzuckte er dein frommes Herz,
Ach, lass dadurch dich warnen,
Sonst wird er dich umgarnen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Das Mägdlein folgt dem bleichen Mann,
Es lockte sie sein Blick;
Hört nicht der Mutter Warnen an,
Und bald war es um sie getan,
Nie kehrte sie zurück!
Ein Opfer ward sie seiner Lust,
Mit blut'ger Spur an Hals und Brust
Fand man den Leichnam wieder;
Sie fuhr zur Hölle nieder!
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
Umher als grausiger Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihr jemals gleich zu werden!

CHOR
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
Umher als grausiger Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihr jemals gleich zu werden!

Lord Ruthwen kommt in einen grossen Mantel gehüllt, langsam und unbemerkt während der letzten Takte von links hinten vor der Terrasse und tritt unter die Leute

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ruthwen zwischen Emmy und Perth

RUTHWEN
spricht
Guten Abend, ihr schönen Kinder!

DIE MÄDCHEN
fahren mit einem Ausruf des Schreckens auseinander
Ha!

EMMY
im höchsten Entsetzen, gleichzeitig
Allmächtiger!

RUTHWEN.
Ist John Perth nicht hier?

PERTH
Hier bin ich. Was ist zu Euren Diensten?

RUTHWEN
Du kennst mich wohl nicht mehr?

PERTH
Ach, seid Ihr es, Mylord? Freilich kenne ich Euch. Ihr seid der Bruder unsers verstorbenen Herrn, und jetzt Graf von Marsden. Seid herzlich willkommen auf Euerem Grund und Boden; wir glaubten Euch noch auf der Reise.

RUTHWEN
Auch kann ich nur wenige Stunden hier verweilen, ein Geschäft führte mich nach Davenaut. Ich hörte dort von deiner Tochter Hochzeit, und komme, die Feier durch meine Gegenwart zu verschönern. Die treuen Dienste, welche du meinem Hause geleistet, erfordern meine Dankbarkeit. Ich will, dass die Hochzeit auf meine Kosten gefeiert werde, und so glänzend als möglich. Betrachte den herrschaftlichen Keller heute als den deinigen.

BLUNT
ausrufend
Das ist ein edler Herr! Bringt ihm ein Vivat! Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!

ALLE
Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!

RUTHWEN
zu Perth
Lass sogleich den grossen Saal erleuchten, dort will ich selbst Zeuge der heiligen Handlung sein, und der Braut den Myrtenkranz ins Haar flechten.

Alle ausser Emmy, Ruthwen und Perth ziehen sich beobachtend und leise miteinander sprechend, nach hinten zurück

EMMY
ohne Pause fortfahrend
Also meinetwegen seid Ihr gekommen, gnädiger Herr?

RUTHWEN
Ist das deine Tochter, John?

PERTH
Ja, gnäd'ger Herr, meine Tochter Emmy.

RUTHWEN
Freilich bin ich deinetwegen gekommen, schöne Emmy.

EMMY
Ach, so verzeiht, gnäd'ger Herr, dass ich vorhin bei Eurem Anblick so erschrocken bin, aber wir hatten gerade ein schauerliches Märchen erzählt, als Ihr so unvermutet zu uns kamt.

RUTHWEN
zieht einen Ring vom Finger
Hier, schöne Braut, nimm diesen Ring zur Vergütung des Schrecks, den ich dir verursacht habe.
Er steckt ihr den Ring an

EMMY.
Wie, gnäd'ger Herr, den kostbaren Ring, den schenkt Ihr mir?

RUTHWEN.
Als Hochzeitsgast muss ich dir doch wohl ein Geschenk machen! Ich werde überdies für eine Ausstattung für dich Sorge tragen, und wenn du willst, deinen künftigen Mann auf meinen Gütern anstellen.

EMMY
Gnäd'ger Herr, soviel Güte -

RUTHWEN.
Geht, liebe Leute, bringt den Saal in Ordnung.

Das Landvolk wendet sich zum Abgang nach rechts

RUTHWEN
Hier, John, nimm meinen Mantel mit.

Perth nimmt den Mantel

RUTHWEN
Ich werde mich indes mit der Braut über die künftige Versorgung beraten. Wenn alles in Ordnung ist, lass mich rufen, dass ich den Tanz mit der schönen Emmy eröffne.

Alle gehen bis auf Emmy und Lord Ruthwen ab nach rechts

VIERTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken

Es tritt heller Mondschein ein

EMMY
Ach, gnäd'ger Herr, wodurch habe ich soviel Güte verdient?

RUTHWEN
Durch deine Schönheit, liebe Emmy, die mich bei dem ersten Anblick so sehr für dich einnahm, durch deine Liebenswürdigkeit, die mich immer mehr und mehr zu dir hinzieht.

Die Fenster des Schlosses im Hintergrunde erleuchten sich

Nr. 13 - Terzett

EMMY
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht;
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht.

Der Diener George Dibdin kommt unbemerkt, den Hut auf dem Kopf, Pistolen im Gürtel, von links hinten vor der Terrasse

FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. George ungesehen zurückstehend

GEORGE
für sich
Potz Blitz! was muss ich schauen!
Die sind ja sehr vertraut!
Darf ich meinen Augen trauen,
Ist denn das nicht meine Braut?

RUTHWEN
Welche Wonne sondergleichen,
Sanft die Wange dir zu streichen,
Dir die weiche Hand zu drücken,
Liebend dir ins Aug' zu blicken,
So den Arm um dich zu schlingen,
Dich zu drücken an die Brust!
Ach, welch ein Opfer wollt' ich bringen,
Gönntest du mir diese Lust!

Er umfasst sie

EMMY
ihn sanft abwehrend
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

GEORGE
für sich
Ei, ei, was muss ich sehen,
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen,
Das ist ja ganz charmant.

RUTHWEN
Ich sollte dich fast schelten,
Ich tat so viel für dich,
Und du willst mir nicht vergelten,
Ist das nicht grausam, sprich?

GEORGE
für sich
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen!
Das ist ja ganz charmant!

EMMY
Ihr sucht mein Glück zu gründen,
Das sehe ich wohl ein!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!

RUTHWEN
Du kannst für mein Bestreben
Den schönsten Lohn mir geben!
Ein einz'ger Kuss von dir
Gilt mehr als Kronen mir!

GEORGE
erstaunt und empört
Ein Kuss!

EMMY
verschämt
Wie?

GEORGE
wie oben
Was muss ich hören?

EMMY
wie oben
Ein Kuss?

GEORGE
wie oben
Er will sie küssen?

EMMY
Wie?

GEORGE
Was?

EMMY
Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss?

Ruthwen will sie küssen

EMMY
entwindet sich ihm
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht,
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht. -

Er küsst Emmy. Emmy entwindet sich ihm und läuft an ihm vorüber nach links

RUTHWEN
für sich
So, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit,
Er lacht.
Haha!

EMMY
für sich
Solchem Herrn zu gefallen,
Ist doch keine Kleinigkeit!
Soll mich das nicht eitel machen?

RUTHWEN
für sich
Jetzt ist sie mir verfallen!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!
Ha, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!

GEORGE
für sich
Wie, sie lässt sich das gefallen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Soll mich das nicht rasend machen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Ha, das geht zu weit!

Ruthwen und Emmy sprechen zusammen

GEORGE
für sich
Soll mich das nicht rasend machen?
Er tritt im vierten Takte vor, Emmy zur Linken
Guten Abend -

RUTHWEN
beiseite
Ei, sieh da, der Bräutigam!

GEORGE
Meine Beste!

EMMY
verlegen
Kommst du endlich auch zum Feste?

GEORGE
Ja, Zeit war es, dass ich kam.

EMMY
blickt fortwährend nach Ruthwen
Unser neuer Herr will dich
Hier zum Gutsverwalter machen.

GEORGE
a, das merk' ich, schöne Sachen,
und zum Eigentümer sich.

RUTHWEN
beiseite
Eifersucht? Das ist zum Lachen!
Guter Tropf, du dauerst mich!

EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage! -
Nun fürwahr, nun fürwahr,
Das kommt zu früh!

GEORGE
beiseite

Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!
Ja, ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!

EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage,
Nun fürwahr, das kommt zu früh!

GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!

RUTHWEN
zu Emmy
Nun, ich gehe, Liebesleute
Sind am liebsten doch allein!
Nur vergiss nicht, dass du heute
Meine Tänzerin willst sein. -

George geht grollend nach hinten. Emmy folgt dem Eifersüchtigen und sucht ihn mit leisen Worten zu beruhigen

RUTHWEN
beiseite, mit einigen Schritten nach rechts
Ha, wie mein Herz vor Freude bebet,
Nun ist das zweite Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt! jubelt! Bald wird sie euer sein!

Er blickt Emmy finster an, sich ihr mit einigen Schritten nähernd. George tritt Ruthwen zur Rechten vor

EMMY
ebenso Ruthwen zur Linken, für sich
Mein Herz schwankt zwischen Furcht und Liebe,
Und mir wird wohl und weh zu Sinn;
Mit süss geheimnisvollem Triebe
Zieht es mich zu dem Fremdling hin!

GEORGE
für sich
Wie bei böser Geister Hausen,
So unheimlich wird mir zu Mut!
Mich überläuft's mit kaltem Grausen,
Weh mir! das endet nimmer gut!

RUTHWEN
für sich
Ha! wie mein Herz vor Freude bebet!
Nun ist das dritte Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt, bald wird sie euer sein!

Er geht ab nach rechts vor der Terrasse. George geht ihm drohend einige Schritte nach. Emmy wendet sich nachdenklich nach links

SECHSTER AUFTRITT
George, Emmy zu seiner Linken

GEORGE
für sich
Er geht! Nun ist mir wieder wohl!

EMMY
verlegen, das Gespräch zu eröffnen
Weisst du wohl, George, dass es gar nicht schön von dir ist, dass du heute so spät kommst.

GEORGE
So ist's recht, mach' du mir noch Vorwürfe! Aber das ist schön, dass du hier im Mondenschein mit fremden jungen gnäd'gen Herrn charmierst, dir die Hand drücken, dich um den Leib fassen und am Ende gar küssen lässt? Nicht wahr, das ist schön?

EMMY
Ach, das war ja unser neuer gnäd'ger Herr! Und er will uns versorgen!
Sie zeigt den Ring an ihrem Finger
Sieh nur den kostbaren Ring, den er mir schenkte. Er ist so gut, so liebreich, so herablassend, so -

GEORGE.
Nun? Nur heraus damit: so schön, so liebenswürdig, dass ich nur ein Klotz gegen ihn bin.

EMMY
Wie du nun wieder bist. Ich bin ja bloss deinetwegen freundlich gegen ihn, damit er dich recht vorteilhaft anstellt.

GEORGE
ironisch
So?
abweisend
Meinetwegen! Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, wie du ihn immer angesehen hast? So freundlich, so zärtlich, so wie du niemand ansehen solltest als mich. Selbst wie ich vortrat, konntest du keinen Blick von ihm verwenden.
Er zeigt auf seine Pistolen
Siehst du die Pistolen hier? Ich habe sie mitgenommen, weil man mir sagte, der Weg sei nicht sicher. Mit denen schiess ich mich tot, wenn du ihn noch einmal so ansiehst.


EMMY
Sei doch nicht so wild, lieber George, er geht ja noch heute wieder fort –
mit einem unwillkürlichen Seufzer
und wer weiss, ob ich ihn jemals wiedersehe.
Sie geht an ihm vorüber nach rechts

GEORGE
Ja, er muss noch heute zurück nach Davenaut, er soll unser Fräulein heiraten. Aber die ist nicht so wie du. Sie liebt den jungen Herrn Aubry und war nicht so freundlich gegen den Grafen. Mit Tränen hat sie ihren Vater gebeten, den gnäd'gen Herrn wieder wegreisen zu lassen.

EMMY
Also dein Fräulein wird er heiraten?

GEORGE.
Ja. Dir ist's wohl nicht recht? Du könntest vielleicht selber noch eine gnäd'ge Frau werden, nicht wahr? Das ist doch dein höchster Wunsch! O ich Dummkopf! Um dir eine Freude zu machen, weil ich wusste, dass du es gern hast, wenn es recht vornehm bei unsrer Hochzeit hergeht, bitte ich den gnäd'gen Herrn, hierher zu kommen. Deine Freundlichkeit gegen ihn muss er aber schon geahnt haben; kaum sage ich ihm, dass es hier eine Hochzeit gibt, so springt er auf, lässt ein Pferd satteln, nimmt kaum Abschied von unserm alten Herrn und sprengt im Galopp hierher. Ich Esel keuche hinterdrein, um die Freude zu haben, zuzusehen, wie er meine Braut küsst.

Edgar Aubry kommt von links hinten vor der Terrasse

SIEBENTER AUFTRITT
Emmy rechts. George in der Mitte. Aubry links

AUBRY
Guten Abend, George. Ist der Graf hier? Meinen Glückwunsch, schöne Emmy.

GEORGE.
Ja, der gnäd'ge Herr ist im Tanzsaal.

AUBRY
Bitte ihn sogleich, zu mir zu kommen.

GEORGE.
Ich gehe.
leise zu Emmy
Willst du nicht hierbleiben? Es ist ja auch ein junger gnäd'ger Herr.

EMMY
leise
Pfui, George, du wirst mich böse machen. Ich gehe mit dir in den Tanzsaal.

GEORGE
leise
Freilich, da ist der andere, und der ist noch freundlicher.

Beide gehen schmollend ab nach rechts vor der Terrasse

ACHTER AUFTRITT
Aubry allein

AUBRY
Himmel, verleihe meinen Worten Kraft, sein Herz zu rühren. Retten muss ich sie, und sei der Preis mein Leben! Können meine Bitten ihn nicht bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen, mein Entschluss ist gefasst, so eile ich zum alten Lord zurück, breche den fürchterlichen Schwur, und entdecke ihm das schreckliche Geheimnis, möge daraus entstehen, was da wolle.

Lord Ruthwen kommt von rechts vor der Terrasse

NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen, Aubry zu seiner Linken

RUTHWEN
Wie, Sir Aubry, Ihr hier?

AUBRY
sehr energisch
Ja, überall hin werde ich dir folgen, alle deine Schritte bewachen, überall dich bitten und beschwören, den entsetzlichen Gedanken aufzugeben: überall dir drohend entgegentreten, dir mit Gewalt dein Opfer entreissen. Ruthwen, ich liebe Malwina, ich werde von ihr wieder geliebt! Wenn noch ein Gefühl von Menschlichkeit in deinem Herzen zurückblieb, so lass ab von ihr, morde nicht das Glück zweier Menschen. Er kniet. Hier auf meinen Knieen beschwöre ich dich, weiche von ihr zurück, ich will zu dem Ewigen um Erbarmen für dich flehen - und das Bewusstsein dieser einzigen guten Tat wird wie ein rettender Engel für dich sprechen in der Stunde des ewigen Gerichts!
Er steht auf

RUTHWEN
Verschwende nicht unnötige Worte, törichter Knabe! Mich treibt mein fürchterliches Schicksal. Zürne, tobe, rase gegen den ewigen Kreislauf der Natur! Kannst du ihn stillstehen heissen? Kannst du das Dasein der ganzen Schöpfung in ein leeres Nichts zurückwerfen? Tu's! Ha, auf meinen Knieen will ich dir danken! Ohnmächtiger, geh! Lass ab von mir.

Nr. 14 - Grosse Szene

AUBRY
Wohl, du zwingst mich zum Verbrechen,
Meinen Schwur geh ich zu brechen,
Gott im Himmel wird verzeihn!
Kann ich es dadurch erreichen,
Dass du von ihr musst entweichen,
Ist die Sünde ja nur klein.

RUTHWEN
Strauchle auf der Bahn des Rechten,
Du verfällst den finstern Mächten,
Scheint der Fehltritt auch nicht gross;
Bist du einmal erst gewonnen,
Enger stets wirst du umsponnen,
Und die Hölle lässt nicht los.

AUBRY
Gern will ich für mein Verschulden
Martervolle Strafe dulden;
Was kann Ärgeres geschehn!
Gibt es grösseres Verderben,
Als die Heissgeliebte sterben
Und so grässlich sterben sehn!

RUTHWEN
Meinst du? Ha! versuch' es nur!
Und mit Schaudern wirst du sehen,
Was noch Ärgres kann geschehen.
Glaubst du, dass mich die Natur
Zu dem schrecklichen Beruf
Schon bei der Geburt erschuf?
Geh denn hin, verrate mich!
Schuld des Meineids lad' auf dich,
Um mit süssem Triumphieren
Die Geliebte heimzuführen;
Werde Gatte, Vater dann,
Und ein hochbeglückter Mann!
Doch es naht die Zeit heran,
Wo bei tausend Schlangenbissen
Dir die Seele wird entrissen;
Vor den Richter bang und schwer
Tritt sie, und der Strenge spricht:
Reue sühnet Meineid nicht;
Kehre dann zurück mit Graus
In das kaum verlassne Haus.“
Nun gehst du, ein grausiger Leichnam, einher,
Bestimmt, dich vom Blute Derer zu nähren,
Die dich am meisten lieben und ehren;
Im Innern trägst du verzehrende Glut.
Bei deinem Leben hatt'st du geschworen:
Was durch dich lebt, ist durch dich verloren;
Der Gattin, der Söhne, der Töchter Blut,
Es stillet zuerst deine scheussliche Wut,
Und vor ihrem Ende erkennen sie dich
Und fluchen dir - und verdammen sich!
Doch was dir auf Erden das Teuerste war,
Ein liebliches Mädchen mit lockigem Haar
Schmiegt bittend die kleinen Händchen um dich.
Die Tränen ins helle Äuglein ihr treten.
Sie lallet: Vater, verschone mich,
Ich will auf Erden für dich beten!
Du siehst ihr ins unschuldig fromme Gesicht,
Du möchtest gern schonen und kannst es doch nicht!
wild
Es reizt dich der Teufel, es treibt dich die Wut.
Du musst es saugen, das teure Blut!
So lebst du, bis du zur Hölle fährst,
Der du auf ewig nun angehörst;
Selbst dort noch weichet vor deinem Blick
Die Schar der Verworfnen mit Schrecken zurück:
Denn gegen dich sind sie engelrein,
Und der Verdammte bist du allein! -

Er streckt seine linke Hand gegen Aubry aus. Aubry starrt ihn entsetzt an und tritt einen Schritt zurück

RUTHWEN
Du starrst? Du stehst entsetzt vor mir?
lachend
Haha! ich zeichnete nach der Natur,
Meine eigne Geschichte erzählte ich dir.
Jetzt geh hin! - Geh hin! - Geh hin!
Und brich deinen Schwur!

Er eilt ab nach rechts hinten vor der Terrasse

ZEHNTER AUFTRITT
Aubry allein

AUBRY
starrt Ruthwen entsetzt nach
Ha! wie das grausenvolle Bild
Mich mit Entsetzen ganz erfüllt;
Kein Trost, kein Ausweg zeigt sich hier,
Sie ist verloren! Wehe mir!

Er sinkt auf einen Stuhl am Tisch rechts

Nr. 15 - Arie

AUBRY
Wie ein schöner Frühlingsmorgen
Lag das Leben sonst vor mir,
All mein Wünschen, all mein Sorgen
War ein heitrer Blick von ihr.
Er steht auf
Flur und Wald schien nur zu leben,
Um ihr Bild zurückzugeben,
Und mit süssem Zauberklingen
Nur von ihr, von ihr zu singen.
Denn ihr Antlitz wunderhold
Lacht aus jeder Blume mir,
Aus der Abendröte Gold,
Aus der Sterne Glanzrevier.
Ach, ihr Antlitz wunderhold,
Lacht aus jeder Blume mir!
Zephir schien mit ihr zu kosen,
Nur von ihr sang Quell und Baum,
Und entschlummert unter Rosen
räumte noch von ihr der Traum. -
Doch jetzt umgibt mich dunkle Nacht,
Ich verzweifl' an Gottes Macht;
Unheilbringende Dämonen
Scheinen die Schöpfung nur zu bewohnen.
Grinsend hör' ich sie triumphieren,
Zum Verderben muss es führen,
Was ich auch beginnen wollte. -
Und von allem, was mir droht,
Ist das minder Schreckensvolle:
Wahnsinn! Wahnsinn, oder Tod!

George Dibdin kommt von rechts hinten vor der Terrasse

ELFTER AUFTRITT
George, Aubry zu seiner Linken

GEORGE
Gut, dass ich Euch noch finde, gnäd'ger Herr! Ach, nehmt Euch meiner an!

AUBRY
Was hast du, George?

GEORGE
Wenn Ihr doch den gnäd'gen Herrn bereden könntet, mit Euch nach Davenaut zurückzukehren. Er zerstört mir meine ganze Hochzeitsfreude, er ist immer um meine Braut, spricht und tanzt beständig mit ihr; und sie thut auch, als wenn ich gar nicht auf der Welt wäre, und ist so freundlich gegen ihn, als wäre er der Bräutigam. Die jungen Burschen foppen mich schon damit, allen Hochzeitsgästen diene ich zum Gespötte; ich ertrage es nicht länger!

AUBRY
Unglücklicher! Und du verliessest sie? Kehre sogleich in den Saal zurück, verlass deine Braut nie, hörst du? Nie, auch nicht auf einen Augenblick! Es ist das einzige Mittel, dich und sie vom grössten Verderben zu retten.

GEORGE
Ihr macht mir Angst, gnäd'ger Herr! Ihr glaubt doch nicht, dass er sie wirklich verführen würde?

AUBRY
Frage nicht, geh' schnell hinein zu ihr! Ich eile nach Davenaut zurück! Gott! Gott! wie wird das enden!

George eilt ab nach rechts vor der Terrasse. Aubry geht ab nach links vor der Terrasse. Lord Ruthwen kommt nach einer Pause mit der sich etwas sträubenden Emmy im rechten Arm von rechts vorn

ZWÖLFTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken

Nr. 16 - Duett

RUTHWEN
zeigt nach links
Leise dort zur fernen Laube!

EMMY
Gnäd'ger Herr!

RUTHWEN
Wo wir ungestörter sind.

EMMY
sich immer angstvoll nach rechts umsehend
Gnäd'ger Herr, man kommt, ich glaube -

RUTHWEN
Nicht doch, liebes süsses Kind!

EMMY
Ja, ja, man kommt!

RUTHWEN
Folge mir nur wen'ge Schritte -

EMMY
Gnäd'ger Herr! ach nein, ich bitte -
George wird mich im Saal vermissen!

RUTHWEN
Furchtsam Närrchen, lass dich küssen!

Emmy will sich losreissen. Ruthwen hält sie fest umschlungen

EMMY
Nein, ach, lasst zurück mich gehen,
Gnäd'ger Herr, ach, schonet mein!
Würde George bei Euch mich sehen,
Nimmer könnt' er mir verzeihen.

RUTHWEN
Soll ich, ach, noch länger klagen?

Emmy wendet sich einige Schritte nach rechts

RUTHWEN
Wird mir nie dein Auge sagen,
Dass für mich dein Herzchen spricht?

EMMY
für sich
Ach, ich fühl's, mit tausend Banden
Hängt mein ganzes Herz an ihm. - Ach!

RUTHWEN
für sich
Lange hat sie widerstanden,
Doch sie weicht dem Ungestüm.

EMMY
für sich
Ach, ich fühl's, mit tausend Banden -

RUTHWEN
So komm doch -

EMMY
wie oben
Hängt mein ganzes Herz an ihm!

RUTHWEN
O komm doch, komm, mein süsses Leben!
Meiner Augen holdes Licht!

EMMY
für sich
Seinen Bitten widerstreben,
Ich vermag es länger nicht.

RUTHWEN
nähert sich ihr erst jetzt wieder
Nun, so komm, noch wen'ge Schritte -
Er umfasst sie

EMMY
Nein, ach, gnäd'ger Herr, ich bitte -

RUTHWEN
Süsses Mädchen, folge mir!

EMMY
Gnäd'ger Herr!

RUTHWEN
O folge mir!

EMMY
Ach, ich zittre!

RUTHWEN
Folge mir!

EMMY
Ach, ich zittre!

RUTHWEN
Folge mir!
Er lässt sie wieder los
Kannst du länger grausam sein?

EMMY
einen Schritt von ihm
Grausam, gegen Euch? Ach, nein!

RUTHWEN
Folge mir!

EMMY
Wohl, es sei! - Ich folge dir!

Sie sinkt an seine Brust
BEIDE
Leise, leis' im Mondenschimmer,
Still und heimlich ziehn wir fort
Nach dem süss verschwiegnen Ort;
Du bist mein, ich dein auf immer!
Mond und Sterne mögen lauschen,
Wie wir Seel' um Seele tauschen,
Und in Liebe uns berauschen.

Sie eilen links vorn ab

James Gadshill, Richard Scrop, Robert Green, Toms Blunt alle etwas angetrunken, am meisten Blunt, kommen, jeder mit einer Weinflasche in der Tasche, von rechts vor der Terrasse

DREIZEHNTER AUFTRITT
Gadshill und Scrop rechts, Green und Blunt links

BLUNT
Kommt hierher, hier sind wir ungestört.

SCROP
Im Saal ist's so heiss.

GREEN
Und solch ein Lärm, dass man nicht einmal in Ruhe trinken kann.

Alle Vier setzen sich an den Tisch rechts

GADSHILL
Hier ist's angenehm kühl, und der klare Mondenschein -

BLUNT
Ach, Bruder, die Welt ist so schön!
Hast du auch eine Flasche bei dir?

GADSHILL
zieht eine Flasche aus der Tasche
Das versteht sich!

SCROP
ebenso
Ich auch!

GREEN
ebenso
Ich auch!

BLUNT
ebenso
Siehst du, ich habe auch eine bei mir - und zwei hab' ich noch in der Tasche; denn Trinken, Bruder, siehst du, Trinken, das ist: Trinken! Es gibt viel Annehmlichkeiten in der Welt, aber doch nur drei Hauptvergnügungen.

GADSHILL
Ah, ich weiss schon, du meinst: Wein, Weiber und Gesang.

BLUNT
Du bist ein guter Christ, aber du hast's nicht getroffen. Siehst du, Bruder, das erste ist: Trinken! und das Zweite ist: Trinken! und das dritte ist: Trinken!

Alle lachen

BLUNT
Hahaha! Nicht wahr, ich habe recht? Denn seht: Singen? Singen ist gut, ich singe auch, aber man kann doch nicht immer singen, man kriegt's satt. Und Weiber? O ja! o ja! - Aber - na, davon wollen wir nicht reden, das weiss ich und meine Suse am besten. Aber Trinken? Seht ihr, Trinken, das ist: Trinken!

ALLE DREI
Ja, Bruder, du hast recht, Bruder!
Sie trinken, stehen auf und treten vor.

Nr. 17 - Trinklied und Quintett mit Chor

BLUNT
Im Herbst, da muss man trinken!

ALLE
Im Herbst, da muss man trinken!
Das ist die rechte Zeit;
Da reift uns ja der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Herbst, da muss man trinken!

BLUNT
Im Winter muss man trinken!

ALLE
Im Winter muss man trinken!
Im Winter ist es kalt;
Da wärmet uns der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Winter, ja, da muss man trinken!

BLUNT
Im Sommer muss man trinken!

ALLE
Im Sommer muss man trinken!
Im Sommer ist es heiss;
Da kühlet uns der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Sommer muss man trinken, trinken!

BLUNT
Im Frühling muss man trinken!

ALLE
Im Frühling muss man trinken!
Da ist's nicht heiss, noch kalt!
Da labt uns erst der Traube Blut,
Da schmeckt der Wein erst doppelt gut;
Im Frühling muss man trinken, trinken! - -

Juch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit!
Alles bricht in Jubel aus,
So ist's recht beim Hochzeitsschmaus!
Juch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit!
in grösster Ausgelassenheit
Juch!

Sie setzen sich wieder. Frau Suse Blunt kommt eilig von rechts vor der Terasse

VIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen am Tisch rechts sitzend, Frau Blunt auf der linken Seite

Quintett

FRAU BLUNT
schlägt Blunt auf die Schulter
Endlich, Alter, find' ich dich!
Sie reisst Blunt empor

BLUNT
seelenvergnügt
Suse, ja, der hier bin ich.

FRAU BLUNT
Lange, lang' schon hab' ich dich gesucht,
Nirgends konnte ich dich finden.
Hab' gewettert, hab' geflucht,
Gott verzeih' mir meine Sünden!
keifend
Hier bei deinen Saufkumpanen
Treffe ich dich endlich an!

Alle stehen auf und taumeln vor

FRAU BLUNT
O du ehrvergessner Mann,
Gleich gehst du mit mir von dannen!

BLUNT
Liebes Weibchen, sieh nicht scheel,
Ach, ich bin so kreuzfidel.

GREEN, SROP, GADSHILL
Frau, was schilt sie uns denn aus,
Heute ist ja Hochzeitsschmaus.

FRAU BLUNT
Schweigt! - Schweigt, eh' mir die Galle schwillt!
Wollt ihr noch zu mucksen wagen,
Will ich jedem von euch sagen,
Was er ist und was er gilt.

BLUNT
heimlich
O weh!

FRAU BLUNT
nimmt Green mit der linken Hand und stellt ihn vor sich
Robert Green! Ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann,
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen,
Und zum Spiel und Weine gehen.

Green kratzt sich hinter dem Ohr und geht zurück

FRAU BLUNT
dreht Blunt zu sich
Du, Tom, bist ein alter Narr!
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer!
Sie wendet sich nach links, stösst auf Scrop, nimmt ihn beim Kragen
Scrop, Scrop hier ist im gleichen Falle!
Sie schubst ihn beiseite, geht zu Gadshill, schlägt ihn vor die Stirn
Euch, James Gadshill, Euch gebricht es
An Verstand, und kurz alle,
In der Mitte stehend, erst nach rechts, dann nach links weisend
Alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!

BLUNT
Liebe Suse, keinen Streit,
Sieh, ich bin voll Seligkeit!
Liebe Suse, keinen Streit,
Sieh, ich bin voll Seligkeit!

FRAU BLUNT
Ja, ich sag' euch, alle, alle,
Alle, alle taugt ihr nichts!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Still! Nein, bei Gott, das ist zu toll!
zu Blunt
Sagt ihr, dass sie schweigen soll.

BLUNT
Suse, lass uns doch in Ruh!
ihr seine Flasche hinhaltend
Trink' einmal!

GREEN, SCROP, GADSHILL
zu Blunt
Sagt ihr, dass sie schweigen soll!
Sagt ihr, dass sie schweigen soll!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

FRAU BLUNT
sehr heftig
Wie?
Was war das? Ich soll schweigen?

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ja, wir wollen nichts mehr hören.

BLUNT
Trink' einmal!

FRAU BLUNT
Ich soll schweigen!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ja, wir wollen nichts mehr hören!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

FRAU BLUNT
Wer will mir den Mund verwehren!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ach, wir wollen nichts mehr hören!

FRAU BLUNT
schreiend
Nein, nein, nein, nein!
Jetzt will ich noch ärger schrein!

BLUNT
Liebe Suse, lass uns doch in Ruh!
Suse, lass uns doch in Ruh!

FRAU BLUNT
schlägt mit der geballten Faust auf den Tisch rechts
Nein, nein, nein, nein, nein, nein,
Nein, nein, nein, nein, nein, nein!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Still jetzt, still jetzt, still!
Stille soll sie sein!
Still jetzt! Stille soll sie sein!

FRAU BLUNT
schreiend
Ich will nicht schweigen!
Wartet nur, ich will euch zeigen,
Dass ich reden will und kann!
Höhnisch, in der Mitte stehend, mit dem Rücken gegen das Publikum, mit dem Gesicht nach dem Hintergrunde, den vier Zechern zugewendet, kann sie vor Erschöpfung nicht weiter und macht eine Pause; dann noch heftiger
Hat euch, was ich sprach, verdrossen?
Nun, wohlan denn, euch zum Possen
Fange ich von vorne an!

BLUNT
Suse, lass uns doch in Ruh!
Trink einmal!

FRAU BLUNT
Nun, wohlan denn, euch zum Possen
Fange ich von vorne an!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

GREEN, SCROP, GADSHILL
O schweiget still!

FRAU BLUNT
zu Green
Robert Green, Ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ist das Weib denn ganz von Sinnen!

FRAU BLUNT
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen
Und zum Spiel und Weine gehen.

GREEN, SCROP, GADSHILL
zu Blunt
Nachbar, sprecht, was nun beginnen?

Blunt steht abgewendet und trinkt

FRAU BLUNT
dreht ihn zu sich herum
Du, Tom, bist ein alter Narr,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ist das Weib denn ganz von Sinnen?

Blunt steht wieder abgewendet und trinkt

FRAU BLUNT
Scrop hier ist in gleichem Falle;
Euch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Nachbar, sagt, was nun beginnen?

BLUNT
Macht's wie ich, und bleibt in Ruh,
Wird's zu arg, so lacht dazu!
's ist ein liebes Weibchen doch,
Stosset an, sie lebe hoch!

FRAU BLUNT
Und kurz, alle, alle taugt ihr nichts!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahahahahahahahahahahaha!

BLUNT, GREEN, SCROP, GADSHILL
Stosset an, sie lebe hoch!

John Perth, George Dibdin, sämtliche Bauern kommen von rechts

FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Perth nimmt die rechte Ecke. Bauern zurückstehend. George. Dann Aufwärter

George entfernt sich, Emmy suchend, nach links vorn, wo Ruthwen zuletzt mit ihr abgegangen ist

BLUNT
Sie lebe hoch! sie lebe hoch!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahaha, hahahahahahahaha!

CHOR
Welcher Lärm! was ist geschehen?
Saget, was bedeutet das?

BLUNT
Sie lebe hoch!

CHOR
Man kann ja kein Wort verstehen,
Ist es Ernst denn oder Spass?

FRAU BLUNT
wie vorher
Robert Green, ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann,
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen
Und zum Spiel und Weine gehen.
Du, Tom, bist ein alter Narr,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer.
Scrop hier ist in gleichem Falle.
Euch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!
Sie hört gleichsam vor Erschöpfung auf
Und kurz, alle, alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!

BLUNT
Suse! Suse! - Lass uns doch in Ruh!
Liebes Weibchen, sieh nicht scheel,
Ach, ich bin so kreuzfidel!
Trink einmal, ich bring' dir's zu!
Sie lebe hoch! sie lebe hoch! sie lebe hoch!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahahahahahahahahaha!

CHOR
Dieses Schelten, dieses Lachen,
Das verwirrt uns alle noch!
Wollt ihr uns denn rasend machen?
Frau, so schweig sie endlich still!

Einige Bauern tragen Frau Blunt jubelnd nach rechts vor der Terrasse ab. Blunt folgt ihnen.
Aufwärter räumen unauffällig den Tisch und die Stühle rechts vorn weg. Es fällt links vorn ein Schuss


SECHZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Blunt und seine Frau

PERTH
nimmt die Mitte, spricht
Horch - was war das?

Er beobachtet nach links vorn

GREEN
spricht
Es fiel ein Schuss!

ALLE
durcheinandersprechend
Ja, ja, ein Schuss, ein Schuss!

Sie wenden sich nach der rechten Seite, so dass die linke Seite frei bleibt.
Pause.
Es fällt links vorn ein zweiter Schuss


PERTH
wie oben
Und noch einmal! Was kann das sein?

ALLE
nach links vorn zeigend
Auf, eilet schnell nach jener Seite,
Im nahen Wäldchen fiel der Schuss!

PERTH
Doch sehet, dort nahet diesem Platze
George Dibdin sich in voller Hast!

George Dibdin kommt eilig und atemlos von links vorn

SIEBZEHNTER AUFTRITT
Alle auf der rechten Seite. John Perth rechts vorn. George zu seiner Linken. Dann Emmy als Leiche

GEORGE
angstvoll
Ach, Freunde, eilt, ach, eilet, rettet, Freunde!

PERTH
Sprich, George, was ist geschehn? Was ist geschehn?

GEORGE
Ach, Eure Emmy, Vater, ist ermordet,
Und ich, weh mir, erschoss den gnäd'gen Herrn!

PERTH
Gerechter Gott! welch grässliches Verbrechen!
Sprich, Unglückseliger, wie ging das zu?

Grösste Teilnahme während der Erzählung

GEORGE
Voll Eifersucht sucht' ich den gnäd'gen Herrn,
Der meine Emmy aus dem Saal entführte.
Vergebens spähte ich den Garten durch,
Und kam zur Pforte bei dem nahen Wäldchen.
Da höre ich die Stimme meiner Braut,
Sie schreit um Hilfe, teuflisches Gelächter
Des gnäd'gen Herrn dringt gleich drauf mir ins Ohr,
Ich eile hin, erblicke sie am Boden,
Ich ziehe die Pistole wutentflammt,
Ich ziele nach dem gnäd'gen Herrn, ich schiesse!
Er stürzt zu Boden, rafft sich wieder auf,
Und eilt davon, ich hin zu Eurer Tochter!
Weh mir! voll Blut und leblos liegt sie da!

Vier Bauern eilen ab nach links vorn

GEORGE
Besinnungslos, nur meiner Rache folgend,
Stürz' ich ihm nach, dem Grafen! Ein zweiter Schuss
Ereilt ihn bei dem Erdfall nah am Garten,
Er stürzt hinab! Erstarrt steh' ich am Rande.
Gekühlt war meine Rache; mit Entsetzen
Erkenn' ich meine schaudervolle Tat!
Ach, grässlich war es anzusehen, wie
Der Mond das blasse Antlitz hell beschien,
Der hoch herab vom Himmel in die Kluft sah.
Nicht Ruhe hab' ich mehr auf dieser Erde.
Eilt, seht, ob Eure Tochter noch zu retten,
Mich treibt die Untat in die weite Welt!

Er stürzt ab nach links hinten vor der Terrasse.
Die vier Bauern bringen von links vorn auf einer Trage die Leiche Emmys und stellen sie in der Mitte nieder


PERTH
ruft aus
Mein Kind, mein armes Kind!

Er bricht an der Trage zusammen. Alle nähern sich und knieen nieder

Nr. 18 - Chor

CHOR
Freuden und Leiden im irdischen Leben
Wechseln so rasch, wie die Stunden entschweben!
Wir zogen so fröhlich und munter daher,
Zu vereinen die Braut mit dem Gatten.
Ach, und jetzt gehen wir bange und schwer,
Ihre Leiche zur Gruft zu bestatten!

VIERTER AUFZUG

Festlich geschmückter Säulensaal im Schlosse des Lord von Davenaut

ERSTER AUFTRITT
Edgar Aubry allein, kommt von links über die Estrade

AUBRY
Vergebens sinne ich hin und her, kein Mittel zeigt sich mir, die schreckliche Tat zu verhüten! Malwina muss ich sprechen, sie beschwören, Aufschub zu gewinnen, nur wenige Stunden, nur so lange, bis die Zeit verflossen, in welcher jener fürchterliche Eid meine Zunge fesselt. Ach, wird sie es können? Ich muss sie warnen, warnen, auch nicht der leisesten Hingebung zu jenem schrecklichen Wesen Raum zu geben, sei es aus Wohlwollen, sei es aus Mitleid. Einmal ihm verfallen, vermag nichts mehr, sie zu retten.

Malwina kommt hochzeitlich gekleidet von rechts über die Estrade

ZWEITER AUFTRITT
Malwina, Aubry zu ihrer Linken

MALWINA
in heftiger Bewegung in seine Arme sinkend
Edgar!
Pause

AUBRY
Malwina! - Du hast geweint!
Pause

MALWINA
Ach, umsonst habe ich meinen Vater mit Tränen gebeten, den Gedanken an jene verhasste Verbindung aufzugeben; vergebens ihn beschworen, mir nur Aufschub zu gewähren; fest beharrt er auf seinem Sinn, fühllos gegen meine Leiden. Die Gäste sind versammelt, die Kapelle geschmückt, nur die Rückkunft des Grafen wird erwartet, um mein Unglück durch Priestersegen zu heiligen.
Sie wendet sich ab und weint bitterlich
Vor der Kapelle steht der Wagen des Grafen, um sogleich nach der Trauung -

Nr. 19 - Duett

AUBRY
Halt ein, ich kann es nicht ertragen,
Du bist verloren! Wehe dir!
Und wehe mir, ich muss verzagen,
Nur Wahnsinn bleibt, Verzweiflung mir!
O dürft' ich rasch mit eignen Händen
Dies martervolle Dasein enden!

MALWINA
O lass, Geliebter, dich beschwören,
Ersticke nicht den frohen Mut!
Noch lebt ein Gott, er kann uns hören,
Will er, so endet alles gut!
Lass uns mit kindlichem Vertrauen
Auf seine Vaterhilfe bauen.
für sich
Ach, ich darf ihm ja nicht sagen,
Dass auch ich nicht Trost noch Rettung finde,
Muss allein den schweren Kummer tragen,
Dass ihm nicht die letzte Hoffnung schwinde!

AUBRY
für sich
Ach, ich muss ihr ja verschweigen,
Welch Verderben ihr genüber steht;
Darf ihr nicht den finstern Abgrund zeigen,
Dem sie rettungslos entgegengeht!
laut zu Malwina
Es drängt die Zeit, Malwina, lass dich warnen,
O zögre nur, bis der Tag erwacht;
Arglistig ist und gross der Hölle Macht,
Mit bösem Zauber weiss sie zu umgarnen.

MALWINA
Was redest du? Was hätt' ich zu befahren?
Ich fürchte nur des Vaters streng' Gebot!
Vor allem, was mir sonst Verderben droht,
Wird mich mein Herz, mein reiner Sinn bewahren!
in frommer Begeisterung
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

AUBRY
entzückt
Sei mir gegrüsst, du schönes Himmelslicht,
Das prangend durch die Nacht des Zweifels bricht!
Mit lautem Jubel, wie aus lichten Sphären,
Jauchzt es mir zu mit tausend Engelchören!

BEIDE
gesteigert
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

Aubry geht mit dem Einsatz der Trompeten, welcher die Hochzeitsgäste ankündigt, nach rechts.
Malwina wendet sich gleichzeitig mit einigen Schritten nach links. Der Hochzeitszug kommt von rechts über die Estrade. Acht Jäger mit Fahnen eröffnen den Zug; es folgen vier Diener, acht Blumenmädchen, sechs Paar Edelherren und Damen, zwei Brautjungfern mit Kranz und Schleier, Sir Humphrey Lord von Davenaut, zwölf Guirlandenmädchen, Bauern und Bäuerinnen von Davenaut


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Hochzeitszug

Nr. 20 - Finale

CHOR DER GÄSTE
Blumen und Blüten im Zephyrgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.

DAVENAUT
Ihr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier
Mit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
Mein einzig Kind, dem Vaterherzen teuer,
Vermähle ich dem edlen Gatten heut'!

MALWINA
für sich
Dein Wille, Herr im Himmel, mag geschehen,
In gläub'ger Demut unterwerf' ich mich;
O lass ein Zeichen deiner Huld mich sehen,
Ich bin ja dein Geschöpf, erbarme dich!

AUBRY
für sich
Schon senkte sich ein Engel tröstend nieder
Mit schöner Hoffnung ros'gem Dämmerschein;
Doch rasch durchbebt mich kaltes Grausen wieder,
Hohnlachend stürmt die Hölle auf mich ein!
O Herr, erbarme dich!

DAVENAUT
Ihr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier!

CHOR
Ja, Freunde, auf, beginnt die Hochzeitsfeier
Mit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
Das einz'ge Kind, dem Vaterherzen teuer,
Vermählet er dem edlen Gatten heut'!
Singet laut und jubelt froh!

Der Haushofmeister kommt mit zwei Dienern von rechts über die Estrade.
Lord Ruthwen tritt wild und verstört, ohne Mantel, unmittelbar hinter den Dienern ein.


VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Haushofmeister. Die beiden Diener

HAUSHOFMEISTER
spricht meldend
Der Graf von Marsden!

Davenaut geht Ruthwen entgegen und geleitet ihn vor. Ruthwen tritt zwischen Aubry und Davenaut.
Der Haushofmeister nimmt mit den beiden Dienern hinter den Brautjungfern Aufstellung.
Begrüssung von allen Seiten


MALWINA
wankt, Ruthwen erblickend, einige Schritte nach links, für sich; singt
Allgerechter!

AUBRY
beiseite
Weh, Entsetzen!

CHOR
Ha, willkommen!

DAVENAUT
Ha, willkommen!

RUTHWEN
zu Davenaut
Sir, entschuld'gen kann ich nicht,
Dass ich säumt' in meiner Pflicht,
Hab' ich doch mein Glück verschoben;
Meinen Fehler wollt' ich loben,
Preisen noch mein Missgeschick,
zärtlich zu Malwina
Zürnte auch Myladys Blick
Auf den läss'gen Bräutigam,
Der so spät zur Hochzeit kam.

DAVENAUT
Spart die Worte, lieber Sohn,
Alles ist bereitet schon!
Auf denn, fort, hin zur Kapelle,
Dort will ich an heil'ger Stelle
Bei des Priesters frommem Segen
Ihre Hand in Eure legen.

Aubry zieht sich beobachtend mehr und mehr zurück

MALWINA
stürzt verzweifelt zu ihrem Vater, ihn mit bittenden Gebärden anflehend
Ach, mein Vater, habt Erbarmen!

DAVENAUT
weist sie zurück; zu den Anwesenden
Auf, Freunde, auf!

MALWINA
Ach, habt Erbarmen, ach, mein Vater!

DAVENAUT
wie oben
Mit heiterm Sang begleitet unsern Hochzeitsgang!

AUBRY
für sich
Starr und leblos steh' ich da! -
O Gott, wie wird das enden!

MALWINA
für sich
Wehe mir! ach, weh' mir Armen! -
laut
Mein Vater!

RUTHWEN
für sich
Ha! Triumph! Das Ziel ist nah!
Sie ist in meinen Händen!
Triumph! Das Ziel ist nah!

DAVENAUT
Auf! Freunde, auf, mit heiterm Sang
Begleitet unsern Hochzeitsgang,
Auf, Freunde, auf!

Er führt Malwina an sich vorüber Ruthwen zu. Die Blumenmädchen streuen nach dem Ausgang hin Blumen. Die Edelherren reichen ihren Damen die Hand. Ruthwen fasst in zärtlicher Haltung Malwinas Hand, um sie zu führen.

CHOR
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich, dir auf den Lebenspfad streun;
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen -

Alle machen während des Chors eine leichte Bewegung zum Abgang nach dem Hintergrunde zu

AUBRY
tritt heftig zwischen Malwina und Ruthwen
Haltet ein! -
Nein, nimmermehr soll sie dein Opfer sein!

Allgemeine Bestürzung. Alle wenden sich erstaunt nach vorn. Malwina lässt Ruthwen los. Ruthwen wendet sich mit einigen Schritten nach rechts vorn

CHOR
Ha! was ist das?
Welch seltsames Beginnen!

DAVENAUT
tritt zwischen Ruthwen und Aubry
Törichter Knabe!
Weiche schnell von hinnen!
Unsinniger, hinweg mit dir! zurück!
Zu weit treibt dich strafbare Leidenschaft.

AUBRY
Ha, nimmermehr! Es drängt der Augenblick!
Er umschlingt Malwina
Ich fühle Mut in mir und Kraft,
Ich will und muss die Heissgeliebte retten!

DAVENAUT
Ha, werft den Rasenden in Ketten!

Die beiden Diener beim Haushofmeister treten vor und gehen auf Aubry los. Aubry geht mit Malwina, die er fest umschlungen hält, ganz vor

CHOR
Ha! was ist das? Welch seltsames Beginnen?

AUBRY
Fest will ich sie umklammern und umfassen
Und nur mit meinem Leben lassen!

DAVENAUT
Hinweg mit ihm!

CHOR
Ha! was ist das?

DAVENAUT
Trennt sie, er ist von Sinnen!

AUBRY
Ha, nimmermehr!

Die beiden Diener trennen Aubry und Malwina mit Gewalt

AUBRY
Ach, habt Erbarmen!
Betrogner Vater, ach, Ihr wisst nicht, was Ihr thut!
Verloren Euer Kind, noch eh' der Morgen graut,
Bestimmt Ihr sie zu dieses Scheusals Braut.

DAVENAUT
Wie, Rasender!

CHOR
Was ist das?

DAVENAUT
Du wagst den Mann zu schmähen,
Den sich dein Lord zum Eidam ausersehen?
Ha, fürchte meines Zornes Wut!

RUTHWEN
für sich
Die Zeit vergeht!
Es wird zu spät! -
Grausen bebt durch meine Glieder!
Die Zeit vergeht, es wird zu spät!
Grausen bebt durch meine Glieder!

MALWINA
für sich
Mut und Vertrauen verlassen mich,
Vater im Himmel, erbarme dich!

CHOR
unter sich
Wie die Sache auch sich wende,
Weh, das nimmt kein gutes Ende,
Was ich höre, was ich sehe,
Deutet mir des Unglücks Nähe!

AUBRY
Ha, trauet dem Verruchten nicht!
Seht das verworfne Angesicht!
Sein Auge flammet Höllenglut!
Er lechzet schon nach ihrem Blut!
Ihr seht sie niemals, niemals wieder!

CHOR
Weh! was war das? Welch seltsames Beginnen?

RUTHWEN
Der hoffnungslosen Liebe Glut,
Sie tobt in ihm mit wilder Wut!
Ha, fesselt seinen Ungestüm,
Ihr hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!

DAVENAUT
Ja, fesselt seinen Ungestüm!
Man hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!
Hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!
Hinweg mit ihm!

RUTHWEN
Ja, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!

CHOR
Ha, fesselt seinen Ungestüm! - Ja! -
Man hört, der Wahnsinn - ja - spricht aus ihm!
Ja, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen,
Hinweg mit ihm!

Die beiden Diener drängen Aubry etwas weiter zurück

AUBRY
ausser sich
Malwina, höre mich!
In Todesangst beschwör' ich dich!
Verderben droht dir diese Nacht!
O zögre nur, bis der Tag erwacht,
O zögre nur -

Die beiden Diener schleppen Aubry nach links ab

FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Aubry Dann Aubrys Stimme

DAVENAUT
Hinweg!

RUTHWEN
für sich
Die Zeit vergeht, es wird zu spät!
Grausen bebt durch meine Glieder!

MALWINA
für sich
Mut und Vertrauen verlassen mich,
Vater im Himmel, erbarme dich!

AUBRY
ausserhalb
Malwina! - Malwina! -

CHOR
Hinweg! Wie die Sache auch sich wende,
Weh! das nimmt kein gutes Ende!
Was ich höre, was ich sehe,
Deutet mir des Unglücks Nähe!

RUTHWEN
zu Davenaut
Die Zeit vergeht, es wird zu spät,
Lasst uns rasch zum Werke schreiten.

DAVENAUT.
Ihr Freunde, auf, mit heiterm Sang
Begleitet unsern Hochzeitsgang.

MALWINA
Vater! ach, Vater! lass mit Zähren dich beschwören!
Vater! ach, Vater! Hab' Erbarmen mit mir Armen!
Meine Kräfte fühl' ich schwinden,
O lass die Tochter Mitleid finden!
O gönn' mir Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
Ach, lass uns bis morgen weilen!

CHOR
O gönnt ihr Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
Warum so hastig eilen?

RUTHWEN
Mich drängt die Zeit!

DAVENAUT
Sprecht, kann es sein!

RUTHWEN
Ihr wisst, was Pflicht gebeut!

DAVENAUT
Ich will'ge gerne ein!

RUTHWEN
Ich darf nicht länger weilen!

DAVENAUT
Sir, lasst uns bis morgen weilen.

RUTHWEN
Nein! nimmermehr! Es kann und darf nicht sein.
Ihr gabt mir Euer Wort,
Wollt Ihr es ehrlos brechen?

DAVENAUT
heftig
Ha! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen?

RUTHWEN
Wollt Ihr es ehrlos brechen?

DAVENAUT
Ha! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen!
Auf! auf denn, zur Trauung fort!

Er will Malwinas Hand fassen, um sie Ruthwen zuzuführen. Allgemeine Bewegung zur Zugordnung

MALWINA
widerstrebend
Nein, nimmermehr!

DAVENAUT
Auf, zur Trauung fort!

Er fasst energisch Malwinas Hand

MALWINA
energisch
Ich will'ge niemals ein!

Sie reisst sich los und flieht einige Schritte nach links

DAVENAUT
Auf, Freunde, fort!

MALWINA
Ha, nicht Liebe, nur Entsetzen
Fühle ich für diesen Mann.

Bewegung

DAVENAUT
Ha! wagst du's, dich zu widersetzen?
Ha! Verräterin! Wohlan!
So treffe dich - des Vaters Fluch!

MALWINA UND CHOR
Weh!

Malwina wankt und droht zu sinken. Allgemeine grosse Bewegung. Die nahestehenden Edeldamen treten erschreckt an Malwina heran und unterstützen sie. Allgemeine Teilnahme für Malwina

CHOR
Was ist geschehn!

DAVENAUT
selbst ist tief ergriffen und gibt mit Widerstreben den Befehl für den Hochzeitszug
Auf! beginnt den Hochzeitszug!

Die zwei Brautjungfern treten heran und schmücken Malwina mit Kranz und Schleier

CHOR
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Freude mit heiterem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!

Der Zug ordnet sich. Es zieht sich ein Gewitter zusammen, der Saal verdunkelt sich ein wenig.
Die Jäger treten von den Stufen und bilden Spalier. Die Blumenmädchen paarweise in der Mitte.
Die Guirlandenmädchen rechts und links im Mittelgrund. Davenaut reicht Malwina die linke Hand und macht mit ihr eine Wendung nach hinten, so dass Malwina die Mitte gewinnt. Ruthwen tritt ihr zur Seite, sobald sie die Mitte erreicht hat und gibt ihr seine rechte Hand. Ruthwen, Malwina, Davenaut beginnen den Zug nach hinten. Die beiden Brautjungfern folgen. Die Edelpaare ebenso. Leichter Donner


AUBRY
links ausserhalb
Vergebens hemmt ihr meines Wahnsinns Stärke,
Ich muss hinein!
Zertrümmern will ich dieses Dämons Werke.

RUTHWEN, DAVENAUT UND CHOR
Man muss den Eingang ihm verwehren!

Ruthwen, Malwina und Davenaut sind an den Stufen zur Estrade angelangt. Edgar Aubry gehalten von den beiden Dienern, die mit ihm abgegangen sind, stürzt von links über die Estrade bis zur Mitte vor den Vorhang zur Kapelle

SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Aubry. Die beiden Diener an seiner Seite, ihn haltend. Dann der Vampyrmeister. Dann ein Priester und zwei Chorknaben

AUBRY
in grösster Erregung
Haltet ein!

Mit dem letzten Worte heftiger Donnerschlag. Alle wenden sich nach vorn. Aubry reisst sich von den beiden Dienern los und stürzt vor, Ruthwen zur Linken. Malwina eilt an Davenaut vorüber nach der linken Ecke

RUTHWEN
für sich
Ich bin verloren! Wehe mir!

AUBRY
auf Ruthwen weisend
Wisst, dieses Scheusal der Natur -

Das Gewitter dauert fort

RUTHWEN
Aubry! Gedenk' an deinen Schwur -
Verderben drohet dir!

CHOR
entsetzt
Weh'!

AUBRY
wie oben
Nicht zag' ich vor des Ew'gen Grimme -

CHOR
Weh'!

AUBRY
Laut ruf' ich es mit Donnerstimme:

RUTHWEN
zu Aubry
Verderben drohet dir!

CHOR
wie oben
Weh', was werd' ich hören?

Donner

AUBRY
wie oben
Dieses Scheusal hier -

Donner

RUTHWEN
für sich
Zermalmung bebt durch meine Glieder!
Gottes Donner wirft mich nieder! Wehe mir!

AUBRY
mit grösster Kraft
Dieses Scheusal hier,
Ist ein Vampyr!

Es schlägt mit der zweiten Silbe des letzten Wortes Eins

ALLE
mit dem Ausruf des Entsetzens
Weh'!

Es wird plötzlich Nacht. Die Lichter erlöschen. Der Vampyrmeister steigt von unten herauf. Fürchterlicher Blitz, Donner und Einschlag. Ruthwen stürzt vernichtet dem Vampyrmeister zu Füssen.
Vampyrmeister packt ihn unter jubelndem Hohngelächter der Hölle und versinkt mit ihm. Flammen schlagen hinter beiden empor. Alle stehen leblos, wie versteinert, in einer Gruppe des Entsetzens. Malwina ist links vorn in die Kniee gesunken. Die Edeldamen bemühen sich um sie. Die Mädchen sind wie Malwina in die Kniee gesunken.
Grosse Pause.
Das Gewitter endet, es wird wieder hell, die Lichter brennen wieder. Alle erholen sich nach und nach und stehen, Malwina ausgenommen, auf


CHOR
scheu und tonlos
Ha! Was war das? Was ist geschehen hier?

DAVENAUT
Gott, mein Kind, welch Unglück drohte dir!

MALWINA
erhebt sich erst jetzt, mit erhobenen Händen zum Himmel
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

AUBRY, MALWINA, CHOR
in betender Stellung
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

DAVENAUT
Verloren hab' ich meine Vaterrechte!
Geliebte Tochter, kannst du mir verzeihen?
Auf dass ich sie zurückgewinnen möchte,
Will ich mit heissem Vatersegen
Jetzt diese Hand in deine legen!
zu Aubry
Du sollst mein Sohn und meines Namens Erbe sein!

Er vereinigt die Liebenden

MALWINA
beglückt
Tief im innersten Gemüte
Fühl' ich dankbar deine Güte,
Vater, Worte hab ich nicht.

AUBRY
ebenso
Darf ich's glauben, darf ich's hoffen?
Ach, den Himmel seh' ich offen!
Diese Wonne trag' ich nicht.

Der Vorhang zur Kapelle hinten wird geöffnet; es zeigt sich die Schlosskapelle mit dem Altar in der Mitte.
Der Priester wendet sich mit den beiden Chorknaben nach vorn, um Segen spendend das Brautpaar zu empfangen. Abermalige Ordnung zum Zug


CHOR
Prangend aus des Verderbens Schoss
Erblühte euch das schönste Los;
So steiget aus der finstern Nacht
Der Tag empor mit Strahlenpracht;
Dem Ewigen sei Preis und Dank!
Ihm schalle unser Lobgesang!

AUBRY, MALWINA, DAVENAUT
Dem Ewigen sei Preis und Dank!
Ihm schalle unser Lobgesang!

Die Mädchen streuen Blumen. Aubry reicht Malwina die rechte Hand und wendet sich nach hinten zur Trauung. Die Brautjungfern, Davenaut und die Andern folgen