Undine

Undine

Romantische Zauberoper in vier Akten

Libretto

Albert Lortzing

Uraufführung

21. April 1845, Magdeburg (Stadttheater)

Besetzung

BERTALDA, Tochter des Herzogs Heinrich (Sopran)
RITTER HUGO VON RINGSTETTEN (Tenor)
KÜHLEBORN, ein mächtiger Fürst der Wassergeister (Bariton)
TOBIAS, ein alter Fischer (Bass)
MARTHE, sein Weib (Alt)
UNDINE. ihre Pflegetochter (Sopran)
PATER HEILMANN, Ordensgiestlicher aus dem Kloster Maria-Gruss (Bass)
VEIT, Hugos Schildknappe (Tenor)
HANS, Kellermeister (Bass)

CHOR
Edle des Reiches - Ritter und Frauen - Herolde - Pagen - Jagdgefolge - Knappen
Fischer und Fischerinnen - Landleute - Gespenstische Erscheinungen

Ort

Fischerdorf, Reichsstadt und Burg Ringstetten

Zeit

um 1450

Lortzing, Albert

Lortzing, (Gustav) Albert
23.10.1801 Berlin - 21.1.1851 Berlin


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Ali Pascha von Janina, oder Die Franzosen in Albanien (1824; 1.2.1828 Münster)
Der Pole und sein Kind, oder Der Feldwebel vom IV. Regiment (11.10.1832 ? Osnabrück?)
Szenen aus Mozarts Leben (11.10.1832 ? Osnabrück?)
Der Weihnachtsabend (21.12.1832 Münster)
Andreas Hofer (1832; 14.4.1887 Mainz)
Die beiden Schützen (20.2.1837 Leipzig)
Die Schatzkammer des Ynka (1836)
Czaar und Zimmermann, oder Die zwei Peter [Zar und Zimmermann] (22.12.1837 Leipzig)
Caramo, oder Das Fischerstechen (20.9.1839 Leipzig)
Hans Sachs (23.6.1840 Leipzig)
Casanova (31.12.1841 Leipzig)
Der Wildschütz, oder Die Stimme der Natur (31.12.1842 Leipzig)
Undine (21.4.1845 Magdeburg)
Der Waffenschmied (30.5.1846 Wien)
Zum Grossadmiral (13.12.1847 Leipzig)
Regina [Regina, oder Die Marodeure] (1848; 21.3.1899 Berlin)
Rolands Knappen, oder Das ersehnte Glück (25.5.1849 Leipzig)
Die Opernprobe, oder Die vornehmen Dilettanten (20.1.1851 Frankfurt am Main)



ERSTER AKT
Ritter Hugo hat in einem Turnier von Bertalda, der Tochter des Herzogs, den ersten Preis überreicht bekommen und will für sie den Zauberwald in Begleitung seines Schildknappen Veit erforschen. Beide werden durch widriges Wetter und eine Überschwemmung gezwungen, in einem Fischerdorf Zuflucht zu suchen und leben einige Monate dort. Hugo hat sich in die schöne Undine, die Pflegetochter der Fischersleute, die ihm Unterkunft gewährt haben, verliebt und will sie heiraten. Er erzählt seiner Braut von seinem früheren Leben und dass er einst Bertalda geliebt, aber jetzt vergessen habe. Pater Heilmann kommt, um beide zu trauen, und ist über Undines Benehmen erstaunt. Während die Land- und Fischersleute den Ritter und Undine in die Kapelle führen, kommt Kühleborn, der Fürst der Wassergeister, in der Verkleidung eines Landmanns zu Veit und erfährt von ihm, dass diese Verbindung wohl nur ein Abenteuer seines Herrn und nicht von Dauer sein werde. Kühleborn erregt dieses Gespräch, weil er einst das richtige Kind der Fischer, Bertalda, entführt und dem Herzogspaar anvertraut, seine Tochter Undine aber Tobias und Marthe überlassen hat. Er wollte prüfen, ob die Menschen, die eine Seele besitzen, besser als die seelenlosen Geister, die in den Fluten leben, sind. Er entschliesst sich, über seine Tochter zu wachen und begleitet das junge Paar und Veit in der Maske des Paters in die Reichsstadt.

ZWEITER AKT
Der Kellermeister Hans begrüsst freudig seinen endlich zurückgekehrten Freund Veit, der ihm von seinen Abenteuern und Undine erzählt. Diese hat Hugo gestanden, dass sie eine Wassernixe ohne Seele ist; trotzdem gelobt ihr der Ritter ewige Treue. Als Bertalda erfährt, dass Hugo verheiratet ist, schlägt ihre Liebe in Hass um. Sie gibt ein Fest, auf dem auch Kühleborn, als Graf verkleidet, anwesend ist und erklärt, dass sie die Werbung des Königs von Neapel angenommen habe. Als sie Undine wegen ihrer niederen Herkunft schmäht, behauptet Kühleborn, Bertalda sei in Wirklichkeit das Kind der Fischer, und führt ihr die Eltern zu, die sie verächtlich ablehnt. Um zu beweisen, dass sie von vornehmem Stand ist, überbringen Hofherren ein Kästchen ihres herzoglichen Vaters, das zu ihrem Entsetzen Kühleborns Behauptung belegt. Während Bertalda zusammenbricht, verkündet Kühleborn den auf ihn losstürzenden Höflingen, dass er der Wasserfürst ist, und versinkt vor ihren Augen in den Fluten des im Saal stehenden Wasserbassins.

DRITTER AKT
Undine hat mitleidig die niedergeschlagene Bertalda auf die Burg ihres Gatten gebracht. Diese verführt Hugo, der Undine erklärt, dass er mit einer Zauberin nicht länger leben werde. Obwohl Undine ihn vor Kühleborns Rache und dem Zorn der Wassergeister warnt, stösst Hugo seine Gemahlin von sich und führt Bertalda in die Burg. Kühleborn holt seine Tochter ins Wasserreich zurück. Sie hängt immer noch an Hugo und hört traurig zu, als ihr Vater erklärt, dass Wesen mit einer Seele auch nicht besser als die Geister seien.

VIERTER AKT
Hugo kann Undine nicht vergessen; ihn ängstigen böse Träume. Veit und Hans, der in Hugos Dienst getreten ist, feiern die Hochzeit ihres Herrn mit Bertalda, die an diesem Tag stattfinden soll. Berauscht entfernen sie, um der ungellebten neuen Herrin einen Streich zu spielen, gegen ausdrückliches Gebot Steine, mit denen der Schlossbrunnen zugedeckt wurde. Langsam entsteigt daraus, weissverschleiert, Undine und geht weinend in die Burg.
Dort wird im Prunksaal lärmend die Hochzeit gefeiert; vergebens sucht der Ritter seine Angste zu zerstreuen. Um Mitternacht erlöschen die Lichter. Undine, umgeben von geheimnisvollem blauen Licht, schreitet herein. Während Hugo sich ihr zu Füssen wirft, dringen Wassermassen ein und zerstören die Burg. Der Palast Kühleborns erscheint: Vor ihm knien Undine und Hugo, dem der Wasserfürst verzeiht, aber bedeutet, dass er ewig im Reich der Geister bleiben müsse.


ACT I
The marriage of Hugo and Undine (adoptive daughter of a fisherman) is attended (in disguise) by Undine's real father, the water prince Kühleborn.
He knows that Hugo should not have married Undine, because he was promised to Berthalda, the daughter of Duke Heinrich. Concerned for his daughter's wellbeing, Kühleborn follows the couple back to Hugo's home.

ACT II
Undine reveals her true identity to Hugo. Berthalda seems unaffected by the news of Hugo's marriage and informs everyone of her engagement to the king of Naples.
Kühleborn discloses that Berthalda is in fact the daughter of the fisherman and then discloses his own identity.

ACT III
Undine warms to Berthalda and invites her to live with her and Hugo. Berthalda seduces Hugo, and Undine is carried back into the waters by Kühleborn.

ACT IV
As Hugo prepares to marry Berthalda, Undine appears, filling the great hall with water. She
drags Hugo into the depths, where Kühleborn forgives him - but only if he remains by his daughter's side in the palace of the water spirits.
ATTO PRIMO
Il cavaliere Hugo decide di sposare Undine, incantevole figlia adottiva di una coppia di pescatori che l’hanno ospitato per qualche giorno. Veit, lo scudiero chiacchierone di Hugo, dice a Kühleborn, spirito delle acque e zio di Undine, che il cavaliere vuole prendersi con Undine solo un diversivo, essendo già fidanzato con Berthalda.

ATTO SECONDO
Undine rivela a Hugo la sua natura ultraterrena; dal canto suo Kühleborn le ricorda con apprensione che, pur avendo acquisito un’anima mortale come gli uomini, Undine resta una nixa e in quanto tale è soggetta alle leggi dell’universo marino, che punisce con la morte gli infedeli. Irritato per il disprezzo con cui Berthalda tratta la rivale, credendola di umili origini, Kühleborn rivela durante una festa che Berthalda stessa è la bambina che venne rapita ai due pescatori.

ATTO TERZO
Hugo si riaccosta a Berthalda, convinto che Undine l’abbia ammaliato con poteri occulti. La povera Undine, respinta dallo sposo con dispetto, si precipita tra i flutti. Si preparano le nozze di Hugo con Berthalda; un po’ alticci, i servi scoperchiano una fontana che comunica con il fiume, dalla quale subito si leva l’immagine di Undine; vedendosela comparire davanti alla festa di nozze, Hugo le si getta ai piedi; mentre le acque sommergono il castello, la coppia sparisce. Nel regno sotterraneo degli spiriti marini: Kühleborn concede il suo perdono a Hugo, che resterà per sempre con Undine negli abissi ultraterreni.

Personen:
BERTALDA, Tochter des Herzogs Heinrich (Sopran)
RITTER HUGO VON RINGSTETTEN (Tenor)
KÜHLEBORN, ein mächtiger Fürst der Wassergeister (Bariton)
TOBIAS, ein alter Fischer (Bass)
MARTHE, sein Weib (Alt)
UNDINE. ihre Pflegetochter (Sopran)
PATER HEILMANN, Ordensgiestlicher aus dem Kloster Maria-Gruss (Bass)
VEIT, Hugos Schildknappe (Tenor)
HANS, Kellermeister (Bass)

CHOR
Edle des Reiches - Ritter und Frauen - Herolde - Pagen - Jagdgefolge - Knappen
Fischer und Fischerinnen - Landleute - Gespenstische Erscheinungen



ERSTER AKT

Ouvertüre

Das Innere einer Fischerhütte. Der Hintergrund ist offen und durch einen Vorhang zeltartig verdeckt. Der Haupteingang und die Fenster sind zur Seite. Veit allein

Nr. 1 - Arie

VEIT
Tritt auf mit einer Armbrust, die er auf die Erde wirft
Da lieg, du altes Mordgewehr,
Ich brauche ferner dich nicht mehr.
Nach edlerm Wild steht nun mein Sinn,
Denn heute geht's zur Heimat hin.
Dank, heiliger Sebastian!
Wir treten heut die Reise an.
0 ich wette, uns zu sehen,
Freut sich jeder wie ein Kind,
Denn die Leute alle wissen
Nicht, wo wir geblieben sind.
Da gibt's ein Staunen,
Ein Fragen,
Ein Drängen,
Ein Plagen!
Wo? Wer? Wie? Wann?
Stille! Ruhig! Hört ihn an!
Ihre Neubegier zu stillen,
Fang'ich zu erzählen an.
Wie es kam, dass wir die Reise
Machten auf so seltne Weise;
Welche Wege wir genommen,
Wie wir dann hierher gekommen,
Wie wir weinten, wie wir lachten,
Endlich gute Miene machten,
Wie es da zum Ende kam
Sich mein Herr ein Weibchen nahm;
Was wir tranken, was wir assen,
Wo wir gingen, wo wir sassen,
Wo und wo, und wie und wie,
Dies und das und der und die -
Alles werde ich erzählen,
Nicht ein Wort soll daran fehlen,
Nicht die kleinste Kleinigkeit;
Wären wir doch schon so weit!
Dank, heiliger Sebastian!
Wir treten heut die Reise an.

Er spricht

Was aus dem Menschen nicht alles werden kann! Daheim war meine einzige Beschäftigung, den Rappen meines Herrn zu zäumen. Und hier bin ich Koch, Kellermeister, Schneider, Schuster, alles in einer Person. Eine Überschwemmung, eine Sintflut nötigte uns, beinahe drei Monate hier zu verweilen. Wer hätte sich das träumen lassen! Mein Herr, der mehr verliebte Abenteuer bestanden hat als irgendein Ritter im Deutschen Reich, führt nun ein Fischermädchen als Ehefrau heim. Heute soll die Hochzeit sein. Die hübsche Undine wird Frau von Ringstetten. Na, na, wenn das nur gut geht. Und was wird unsere letzte Eroberung, die schöne Fürstin Bertalda, dazu sagen?
Man hört Stimmen
Aha, da kommt schon der Herr Pater. Nun wird's Ernst! Ich werde es sogleich meinem Ritter melden.


Tobias. Pater. Undine. Marthe. Hugo

TOBIAS
Gott zum Gruss, ehrwürdiger Herr!

PATER
Wie lange ist es eigentlich her, dass wir uns nicht sahen, guter Tobias?

TOBIAS
Es werden fünfzehn Jahre. Damals habt Ihr an meinem Pflegekind Undine die heilige Taufe vollzogen.

PATER
Undine, Undine? Mir ist, als hatte es damals mit dem Namen eine wundersame Bewandtnis. Es ist mir entfallen, drum erzählt mir den Hergang noch einmal.

TOBIAS
Es war an jenem Unglückstage, als unser eigenes Mägdelein im See ertrank. Wir armen Eltern sassen abends in unserer Hütte, als plötzlich vor der Tür ein wunderschönes Mägdelein stand. Die Kleine musste im Wasser gelegen haben, denn ihre Haare und Kleider waren ganz nass. Ihr holdseliges Lächeln rührte uns. So behielten wir sie und zogen sie an Kindes Statt auf.

PATER
Und ward euch niemals Kunde von den rechten Eltern?

TOBIAS
Niemals, ehrwürdger Herr! Es war genau vor fünfzehn Jahren, am Tage Allerseelen ...

PATER
Am Tage Allerseelen? Fand damals nicht der Herzog Heinrich? … Doch still. Dort kommt Undine.


Die Vorigen.
Undine in voller Freude auf Marthe und Tobias zueilend


Nr. 2 - Quintett

UNDINE
Ach, welche Freude, welche Wonne!
Hell erstrahlt die liebe Sonne
Wieder auf des Dörfchens Flur!
Bunte Wiesen, grüne Auen
Wieder kann das Auge schauen,
Neu verjüngt ist die Natur!
Lieber Vater, liebe Mutter!
Ach, die Lust erdrückt mich schier!
Freut euch doch, freut euch mit mir.

TOBIAS
auf den Pater zeigend
Ei, liebes Kind,
Bist du denn blind?
Siehst du denn nicht,
Wer vor dir steht?

UNDINE
Ich bitte, lieber Herr, verzeiht!
zu den Eltern
Wer ist der Mann im weissen Kleid?
Gar würdig ist er anzusehn.

PATER
für sich
Ein holdes Kind, ich muss gestehn.

UNDINE
die währenddessen von den Alten unterrichtet worden ist
Ehrwürd'ger Vater, Euren Segen!
So wollet unsre Hände Ihr
Heut gütig ineinanderlegen?
zu den Alten
Warum ist Hugo noch nicht hier?
zum Pater
Ein schöner Mann, mein Bräutigam,
Auch sollt Ihr wissen, wie es kam,
Dass er gerade mich erwählt. -
zu den Alten
So habt ihr ihm noch nicht erzählt
Von seinem Stand;
Dass in der Stadt
Und auch bei Hof
Er Ansehn hat?
zum Pater
Er kam als Fremdling zu uns her -
Da wurde unser See zum Meer -
Da musst'er weilen, sicherlich
Drei Monden lang - da sah er mich,
Da sah ich ihn - und da - und da -
den Alten um den Hals fallend
Erzählt nun weiter, was geschah.

MARTHE, PATER, TOBIAS
Die lautre Unschuld steht sie da.

HUGO
von aussen
Undine!

UNDINE
Er ist's!
Mein Liebster ruft!


Die Vorigen. Hugo

UNDINE
ihm entgegen
Mein Hugo!

HUGO
Teure Braut!
Ich suchte dich im Freien!

UNDINE
sich tief vor ihm neigend
Mein Herr wird mir verzeihen -

HUGO
den Pater gewahrend
Wen seh' ich? Teurer Freund!

UNDINE, MARTHE UND TOBIAS
Ihr kennt euch?

PATER
zu den andern
Aus Räuberhand befreit'
Mich einst sein tapfrer Arm.
Nochmals nehmt heissen Dank!

HUGO
Lasst das, ehrwürd'ger Herr!
Mein teurer, alter Freund!

MARTHE UND TOBIAS
Wie wunderbar!

UNDINE
kindisch um den Pater springend
Ein alter Freund! Ein teurer Freund!
So sieht ein teurer, alter Freund?
Hahahahahahahaha!

HUGO
Undine! Sei nicht so kindisch doch.

MARTHE UND TOBIAS
Undine! Welch Betragen!

HUGO UND PATER
Welch Betragen!

UNDINE
plötzlich ernst
Seid mir nicht bös, ich tu's gewiss nicht mehr.

PATER
Mein holdes Mägdelein,
Du kannst nicht wehe tun
Mit deiner reinen Seele.

UNDINE
Mit meiner Seele? Sagt doch an:
Ist nicht die Seele nur ein Wahn?

MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIAS
erstaunt
Die Seel'ein Wahn? Was sprichst du,
Mädchen?

UNDINE
traurig
' s mag etwas Liebes, ich gesteh' es ein,
Doch auch was Schreckliches
Um eine Seele sein!
Ein Höherer gab mir das Leben,
Doch eine Seele ward mir nicht gegeben.

DIE ANDERN
O Gott im Himmel! -Was sagt sie da?

UNDINE
bricht nach innerm Kampfe in Tränen aus
Vernehmet denn! - Ich armes Kind!
Nicht sagen kann ich, was mich quält,
Warum mir, ach, die Seele fehlt.
Ach, geht mit mir nicht ins Gericht!
Bei Gott, nichts Böses aus mir spricht!
Sie sinkt auf die Knie

PATER
Ihr Freunde wisst, dass ich an eurem Kinde
Nichts Übles, doch viel Wundersames finde.
Drum habt Geduld: der Herr der Gnade
Wird leiten sie zum rechten Pfade.

UNDINE
Herr der Liebe, Herr der Gnade,
Leite mich zum rechten Pfade!
Was mit Ehrfurcht sie nur nennen,
Herr, das lehre mich erkennen,
Gläubig flehe ich dich an:
Stärke mich auf meiner Bahn.

MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIAS
Herr der Liebe, Herr der Gnade,
Leite sie zum rechten Pfade!
Was mit Ehrfurcht wir nur nennen,
Herr, das lehre sie erkennen,
Gläubig flehen wir dich an:
Stärke sie auf ihrer Bahn.


Die Vorigen. Veit.

VEIT
O weh, o weh!

DIE ANDERN
Was ist denn geschehen?

VEIT
Der See fängt plötzlich wieder an zu rauschen und zu toben; ich fürchte, unsere Reise wird abermals zu Wasser.

UNDINE
beiseite
Sei ruhig, Kühleborn! Noch hast du keinen Grund zu zürnen.

PATER
Folgt mir zur Kapelle. Ein frommes Gebet dämpft vielleicht die wilden Wogen.

UNDINE
Du blickst so düster, mein geliebter Freund! Bist du mir böse?

HUGO
O nein, teure Undine! Nur sage mir, schon öfters nanntest du den Namen Kühleborn, von dem man wunderliche Dinge erzählt.

UNDINE
Ach Märchen! Nichts als Märchen! Doch still davon, es naht unsere Hochzeitsstunde. Ich will dich jetzt zum Feste schmücken!

HUGO
Mein einziger Schmuck bist du allein!

UNDINE
O, diese herrliche Schärpe! Gewiss ein Geschenk von Frauenhand. O, bitte, bitte erzähle mir, wer sie dir gab.

Nr. 3 - Romanzr und Duett

HUGO
Ich ritt zum grossen Waffenspiele
Jüngst in die freie Reichsstadt ein;
Der tapfren Ritter kämpften viele,
Doch mir verblieb der Sieg allein.
Auf die Binde deutend.
Bertalda gab dies Siegespfand
Und sprach, von hoher Glut entbrannt:
"Zum Zauberwalde mögt Ihr eilen,
Und könnt Ihr Kunde mir erteilen
Von jener wundersamen Macht,
Werd' süsser Lohn Euch dargebracht."

UNDINE
ängstlich
Du liessest dich doch nicht verleiten?
zärtlich
Doch sonst besäss'ich dich ja nicht.

HUGO
Für Frauenschönheit kühn zu streiten,
Erheischen Ehr' und Ritterpflicht.

UNDINE
So siehst du sie denn wieder?

HUGO
Muss ich nicht?

UNDINE
So liebst du sie?

HUGO
Was fällt dir ein?
Sie ist schön, doch stolz und strenge;
Kurz - ein Weib, das einen Mann
Nimmermehr beglücken kann.
Der nur lebt beglückt hienieden,
sie feurig umarmend
Dem ein solches Weib beschieden.

BEIDE
O(Ich) halte fest an diesem Glauben,
Bleib immerdar dem Schwur getreu.
Lass dir den süssen Wahn nie rauben,
Dass ich dein Glück, dein alles sei.

VEIT
Verzeiht, wenn ich störe, gestrenger Herr!
Doch diesmal bring' ich gute Botschaft.
Das Wasser fliesst wieder so ruhig wie zuvor.

HUGO
Gottseidank!

UNDINE
leise
Dank Kühleborn!

VEIT
O, das Wichtigste hätte ich ja beinahe vergessen!
Draussen warten die jungen Leute aus dem Dorfe, um euch zur Trauung zu geleiten.

Die Vorigen. Junge Burschen und Mädchen

Nr. 4 - Chor

CHOR
Züchtig Bräutlein, darfst erscheinen
Mit dem schmucken Bräutigam,
Der mit dir sich zu vereinen
Her aus weiter Ferne kam.
Mild lächelt die Sonne
Dem Tag eurer Wonne,
Verkündend dem Bunde
Nur Segen und Glück.
O möge euch beide
Vor jeglichem Leide
Bewahren auf immer
Ein gütig Geschick!
Folgt, o folget zum Altare,
Lange schon das Glöcklein hallt.
Blumen streut dem holden Paare
Aus dem Dörflein jung und alt.

Undine, mit einem Kranze geschmückt, wird von den Männern, Hugo von den Mädchen abgeführt


Veit. Später Kühleborn

VEIT
Welch ein Glück, dass die Wellen mir ein Weinfass vor die Füsse gerollt haben. Nun kann es ein lustiges Hochzeitsfest werden. Ich will einmal kosten. Hmm, ein guter Tropfen!

KÜHLEBORN
Mir auch!

VEIT
Was soll das heissen, mir auch?
Wer seid Ihr denn, Herr?

KÜHLEBORN
Ich heisse Kühleborn!

VEIT
Den Namen, mein ich, hätte ich schon gehört.

KÜHLEBORN
Wollt Ihr mir von meinem eigenen Wein keinen Tropfen gönnen?

VEIT
Wieso, Euer Wein?

KÜHLEBORN
So hört! Ich befand mich mit meinen Weinfässern auf dem Wasser, als die wilden Wogen meinen Kahn umstürzten.

VEIT
So also verhält es sich mit dem Fasse! Nun, da nehmt!

KÜHLEBORN
Vielen Dank. Auf das beständige Glück des jungen Paares!
Höhnisch lachend

VEIT
Was gibt's denn dabei zu lachen?

KÜHLEBORN
für sich
Will seh'n, ob nicht der Wein dem Burschen die Zunge löst, und er mir die Absichten seines Herrn Ritters verrät.

VEIT
leise
Der Mann kommt mir ganz unheimlich vor.

KÜHLEBORN
Ihr betrachtet mich so misstrauisch. Schenkt ein, Freund! Ihr werdet gleich Vertrauen zu mir haben.

Nr. 5 - Duett

KÜHLEBORN
Uns beiden ist die Hauptstadt wohlbekannt!

VEIT
Mir wohl, ob Euch, das weiss ich nicht.

KÜHLEBORN
Ich liefre den Beweis Euch gleich zur Hand,
Dass wahr, was meine Zunge spricht,
Bei dem Turniere war ich jüngst zugegen -
Gebt acht und hört mich ruhig an -
Wo Euer Herr, fürwahr ein tapfrer Degen,
Des Sieges ersten Preis gewann.

VEIT
Die Sach' hat ihre Richtigkeit -
Nur weiter, Herr, nur weiter.

KÜHLEBORN
Auf Euren Ritter sahn mit Wohlgefallen
Die schönen Frauen aus dem Reich;
Doch huldigte er einer nur von allen;
Bertalda! Sie gefiel ihm gleich.

VEIT
Auch das hat seine Richtigkeit -
Nur weiter, immer weiter.

KÜHLEBORN
Es kreisten drauf beim Mahle -
Hab'ich gefehlt? Verzeiht, ehrwürd'ger Herr -
Die schäumenden Pokale,
Und an Bertaldas Seite,
Schwelgend in Lust und Freude,
Sass Euer Herr.

VEIT
Die Sach hat ihre Richtigkeit.

KÜHLEBORN
Um auch von Euch zu sprechen -
Euch sah ich wacker zechen.

VEIT
Wie?

KÜHLEBORN
Ihr unten in der Halle -
Ihr tranket mehr als alle
Und schwanktet hin und her

VEIT
Ihr übertreibet sehr.

KÜHLEBORN
Doch bald vom Weine trunken,
Wart Ihr in Schlaf gesunken
Und lagt am Boden schwer.

VEIT
Auch das hat seine Richtigkeit -
Nicht weiter, Herr, nicht weiter.

VEIT
Kennt Ihr den langen Balthasar?

KÜHLEBORN
Den Schlossvogt? Will ich meinen.

VEIT
Den Kellermeister auch wohl gar?

KÜHLEBORN
Der ist flink auf den Beinen.

VEIT
Der dicke Hans am Meierhof?

KÜHLEBORN
Wird dicker noch tagtäglich.

VEIT
Die Ziegen und die Esel -?

KÜHLEBORN
Auch.

VEIT
höchst erfreut
Ach, es ist wohl nicht möglich!
Der Mann kennt ganz genau
Vom Prunksaal bis zum Stalle
Meine Bekannten alle.
Das wird ein Jubel sein - Juchhe!
Wenn ich sie alle wiederseh'.

KUHLEBORN
Vergönnt auch mir zu fragen:
Wie hat sich's zugetragen,
Dass Euer Herr sobald
Bertaldas Bild vergass?

VEIT
So wähnet Ihr, es sei
Damit schon ganz vorbei?

KÜHLEBORN
gespannt
Ihr zweifelt?

VEIT
Ei, da kenn'
Ich meinen Ritter besser.

KÜHLEBORN
So glaubt Ihr - ?

VEIT
Die Verbindung
Ist nur - ich fürchte sehr -
Ein Abenteuer mehr.

KÜHLEBORN
Das Fischermädchen wäre -

VEIT
heimlich
Geprellt, auf meine Ehre.

KÜHLEBORN
in Zorn ausbrechend
Ha, schändlich! Verspottet!
Verhöhnt! Verraten!

VEIT
erschrocken
Beim heiligen Sebastian -
Herr Kühleborn, was kommt Euch an?

KÜHLEBORN
sich fassend
Verzeihung, Freund, es fiel mir bei,
Dass ich von einem bösen Kunden
Um teures Gut betrogen sei.
Schenkt immer ein, das wird sich geben,
Die Reichsstadt, sie soll leben!
Ihr seht, dass ich Euch kenne,
Da ich Euch alles nenne,
Was dorten ist geschehn.
Das sind nur kleine Schwächen
Und menschliche Gebrechen,
Die muss man übersehn.
Drum schenket fröhlich ein,
Wir wollen Freunde sein.

VEIT
Ich seh, dass Ihr uns kennet,
Da Ihr uns alles nennet,
Was dorten ist geschehn.
Das sind nur kleine Schwächen
Und menschliche Gebrechen,
Die muss man übersehn.
Drum schenket fröhlich ein,
Wir wollen Freunde sein.

Nr. 6 - Finale

Eine Glocke ertönt

VEIT
Hört Ihr wohl, die Trauung ist vorüber.
Er räumt alles beiseite

KUHLEBORN
für sich
Undine, teures Kind,
Dein Los ist nun geworfen!
Doch möge, was da wolle, auch geschehn,
Ich werde rettend, rächend dir zur Seite stehn.
Er verliert sich unter der eintretenden Menge


Ein See, von einer anmutigen Landschaft begrenzt. Undine und Hugo werden von den Fischern geleitet. Tobias und Marthe folgen. Veit. Später Kühleborn

CHOR
Während Tänzer und Tänzerinnen grüne Kränze und Zweige schwingen
Ihr seid nun vereint!
Und Freude, Glück und Segen
Geleiten euch stets
Auf allen Lebenswegen.
Aus jedem Munde
Der Glückwunsch tönt:
Heil eurem Bunde,
Den Liebe krönt.

UNDINE UND HUGO
O fühl an meines Herzens Schlagen,
Wie rosig mir die Zukunft lacht.
Süsse Stunde!

Undine, Hugo, Marthe und Tobias nehmen zur Seite Platz. Veit hat das Fass in die Mitte der Bühne geschafft; es wird gezapft und getrunken

VEIT
Ich weiss ein Ding, schlürft man es ein,
So ist es nass und kalt,
Doch friert man nicht, denn hinterdrein
Wird einem heiss gar bald;
Da gibt man närr'sche Streiche an,
Man jubelt, singt und lacht
Und nimmt sich Dinge vor, woran
Man vorher nicht gedacht.
Man schwatzet vieles, klug und dumm,
Man springt vor Lust und fällt auch um.
Was mag das für ein Ding wohl sein?
Strengt euren Scharfsinn an.

MÄNNERCHOR
wiederholt
Was mag das für ein Ding wohl sein?
Strengt euren Scharfsinn an.

VEIT
Es ist der Wein,
Es ist der Wein,
Zur Freude uns gegeben!
Stosst an, stosst an,
Mit ihm auf ihn,
Der edle Wein soll leben.

MÄNNERCHOR
wiederholt
Es ist der Wein,
Es ist der Wein,
Zur Freude uns gegeben!
Stosst an, stosst an,
Mit ihm auf ihn,
Der edle Wein soll leben.

Tanz

VEIT
Doch halt! Wo ist der Mann, dem wir
Den edlen Wein verdanken?

CHOR
Der Mann? Der Mann?

VEIT
Je nun, mein Freund,
Herr Kühleborn.

ALLE
erschrocken zurückweichend
Kühleborn!

VEIT
Was gibt es denn?

CHOR
O frevle nicht! O wecke nicht
Den Zorn der wilden Wogen.

HUGO
Was deutet das?

UNDINE
ihn beruhigend
's ist nichts, mein Freund -
Des Volkes Aberglaube.

KÜHLEBORN
Tritt in der Maske der Kleidung des Paters Heilmann aus dem Hintergrunde mit erhobenen Armen in die Mitte
Friede mit euch!

Das Volk beugt sich vor Kühleborn

HUGO
zu Kühleborn
So kehret Ihr nicht heim,
Wie Ihr beschlossen?

KÜHLEBORN
Geratner schien es mir,
Euch schützend zu begleiten.
Mit frommen Sprüchen bannend
Den Spuk der bösen Geister.

HUGO
Habt Dank, mein gutes Schwert
Allein mir schon genügt.
Er tritt mit Veit zurück, ihm Befehle erteilend

KÜHLEBORN
für sich, spöttisch
Ha, kühner Held, fürwahr,
du machst mich beben.

UNDINE
heimlich zu Kühleborn
Was wollt Ihr hier?
Was treibt Euch zu erscheinen?

KÜHLEBORN
Dein Glück und unsres Reiches Ehre!

UNDINE
Hinweg! denn nicht mehr Euch gehör'ich an.

KÜHLEBORN
O töricht Kind!
zurücktretend
Wie reut mein Ehrgeiz mich!

HUGO
vortretend
Sag Lebewohl den teuren Eltern,
Geliebtes Weib, es muss geschieden sein.

UNDINE
Ich scheide nun aus eurer Mitte,
Lebt wohl, geliebte Eltern mein,
Leb wohl, du traute, stille Hütte,
Du wirst mir ewig teuer sein.
Lebt wohl, Gespielen früher Tage,
Mir bricht das Herz vor Trennungsweh!
O dass ich ohne Schmerz und Klage
Euch alle, alle wieder säh!

HUGO
Ihr Freunde, auf, verbannt den Schmerz,
Lasst fröhlich uns von hinnen scheiden.

CHOR
Verscheucht der Wehmut bittre Schmerzen
Und zieht mit heitrem Sinn
Zur neuen Heimat hin.
Ihr lebet fort in unsern Herzen!
Gedenkt in eurem Glück
Dann auch an uns zurück.
Hoch Bräutigam und Braut!

Während des Chores nehmen Undine und Hugo von den Alten Abschied, knien nieder usw. Veit führt seines Herrn reichgeschmücktes Pferd vor; Undine wird auf dasselbe gehoben, zu beiden Seiten des Pferdes gehen Hugo und Kühleborn; die jungen Burschen und Mädchen schwenken Kränze.

ZWEITER AKT

Prachtvoll geschmückte Halle. Durch die offenen Säulengänge blickt man in den Garten, in dessen Mitte sich ein grosses Marmorbassin befindet, zu weichem Stufen führen. In der Mitte des Beckens steht auf einem Portament die Statue des Meeresgottes, von Kaskaden umströmt.

Entreacte

Kellermeister Hans. Veit

Nr. 7 - Duett

HANS
Was seh' ich! Ihr seid glücklich wieder da?

VEIT
Nun freilich! Ihr seht es ja.

HANS
Ei, Herr Veit!

VEIT
Ei, Herr Hans!

HANS
Lebt Ihr noch?

VEIT
Denke doch.

HANS
Ei, das freuet mich ja sehr!
Euer Herr?

VEIT
Ebenfalls.

HANS
Kam mit Euch?

VEIT
Alsogleich.

HANS
Wo kommt Ihr her?

VEIT
Nur Eile
Mit Weile,
Lasst mich nur ein wenig fassen.

HANS
Ach, Freundchen,
Wie könnt Ihr
Mich so lange schmachten lassen!

VEIT
Wird schon kommen, wird schon kommen;
Seht mich nur erst einmal an.
Habt Ihr noch nicht wahrgenommen,
Dass ich ein ganz andrer Mann?

HANS
Das versteht sich, das versteht sich,
Euer Wesen zeigt es klar;
Denn Ihr sehet aus wie einer
Der auf einer Reise war!

BEIDE
O wie köstlich ist das Reisen!
Mancherlei man profitiert;
Glücklich kann sich jeder preisen,
Dem solch Los zuteile wird!

VEIT
erzählend
Unsre Reise ging von Anfang
Ziemlich gut vonstatten, doch
Plötzlich stellten sich entgegen
Felsen uns, wie Türme hoch.
Ströme, Buchten,
Höhlen, Schluchten,
Wälder, die kein Menschenfuss
Je betreten haben muss.
Hatten wir dort zu passieren.
Gelt, Ihr staunt?

HANS
Unerhört!

VEIT
Da den Mut nicht zu verlieren!

HANS
sehr gemütlich
Seid Ihr denn nicht eingekehrt?

VEIT
Ihr seid wohl närrisch?
Hört das Wichtigste!

HANS
Sehr gerne.

VEIT
Mein Herr Ritter - gebet acht -
Hat von dort aus weiter Ferne
Sich ein Weibchen mitgebracht.

HANS
Wie, ein Weibchen?

VEIT
Hold und schön.

HANS
Hold und schön?

VEIT
Sollt sie sehn.

HANS
Ein Weibchen!

BEIDE
O wie köstlich ist das Reisen!
Mancherlei man profitiert;
Glücklich kann sich jeder preisen,
Dem solch Los zuteile wird!

HANS
Es freut mich, dass Euch die Geister nicht totgeschlagen haben. Sagt mal, Euer Ritter hat sich
vermählt?

VEIT
Ja! Ja! Sie ist ein wahrer Engel. Aber, aber...

HANS
Also doch ein Aber!

VEIT
Herr Hans, Ihr seid ein verschwiegener Mann, Euch kann ich es vertrauen. Unsere neue Herrin, also dieses Fischermädchen ist, ist eine Nix!

HANS
Heiliger Sebastian!


Die Vorigen.
Mehrere Hofbeamte tragen in Begleitung von Hellebardierern auf einem Kissen ein Kästchen. Hugo. Undine


VEIT
Was tragen denn die auf dem Kissen?

HANS
Es ist aus der Schatzkammer das geheimnisvolle Kästchen, das Wichtiges über die Geburt der Fürstin Bertalda enthält. Heute, an ihrem Geburtstage soll es geöffnet werden.
Pst, jetzt Euer Ritter und die Ni ...

HUGO
Hast du der Fürstin Bertalda unsere Ankunft gemeldet?

VEIT
O weh, ich war soeben im Begriff!

HANS
leise
Es ist kaum zu glauben, so lieblich und ein Meerungeheuer!

VEIT
Pst!

UNDINE
unbefangen
Was meint Ihr?

VEIT
Verzeiht, gestrenge Herrin, er wundert sich darüber, dass Ihr so, so ausseht.

HUGO
Geht, lasst uns allein.

UNDINE
Was meint denn der Knappe mit meinem Aussehen?

HUGO
Du kennst den munteren Burschen ja. Lass ihn! Du bist so seltsam bewegt, geliebte Undine. Verrate mir jetzt das Geheimnis, von dem du bei unserer Hochzeit gesprochen hast.

UNDINE
Wohlan denn, mein Geliebter.

Nr. 8 - Rezitativ und Arie

UNDINE
So wisse, dass in allen Elementen
Es Wesen gibt, die aussehn fast wie ihr;
In Feuers Flammen spielen Salamander,
Die Gnomen hausen in der Erde Tiefen,
In Äthers Blau und in den Strömen lebet
Der Geister viel verbreitetes Geschlecht.
nach unten deutend
In den Kristallgewölben wohnt sich's schön,
Hohe Korallenbäume leuchten dort;
Gar lieblich anzuschaun sind,
Die da unten wohnen,
Und meist viel schöner als die Menschen sind.
Manch einem Fischer ward es schon so wohl,
Ein zartes Wasserweibchen zu belauschen,
Wenn singend es hervorstieg aus den Fluten.
Solch seltne Frauen nennt der Mensch:
Undinen -
Und solch ein Wesen -- siehst du vor dir stehn.

Hugo tritt mit innerlichem Schauer zurück

UNDINE
fährt seufzend fort
O wende dich nicht ab, mein teurer Freund!
Wir sind euch gleich
An Geist und Leib,
Wir leben harmlos
Und zufrieden.
In einem nur sind wir von euch verschieden,
Nicht winket uns ein ew'ges Heil!
Denn - keine Seel' ward uns zuteil.

Hugo macht abermals eine Bewegung

UNDINE
Doch kann auf Erden
Und im innigsten Vereine
Mit euch
Man dieses hohen Glücks
Teilhaftig werden.
Du ahnest nicht, was mich bewegt,
Was hier im Innersten sich regt?
Ich bin beseelt!
Dir dank'ich meine Seele
Und werde ewig sie dir danken,
Wird deine Treu' nicht wanken,
Machst du nicht elend mich. -
Entscheide nun,
Mein teurer Freund!
Darf ich fortan
An deinem Herzen
Beseligt ruhn?
O sprich, o sprich, mein teurer Freund!
So unaussprechlich lieb'ich dich!

Hugo, überwältigt, breitet die Arme aus, Undine sinkt an seine Brust

UNDINE
Ich bleibe dein!
Du bleibst mein!
Dank, ewig Dank.
Zu neuem Leben
Bin ich erwacht.
Kaum kann ich's tragen,
Was mich so glücklich,
So selig macht.


Jagdgefolge, später Bertalda, von Kühlebom geführt, mit ihren Frauen

Nr. 10 - Rezitativ und Quartett

KÜHLEBORN
Für Euch, o Fürstin, eine frohe Kunde.
Der Ritter, den Ihr nach dem Zauberwald gesandt

BERTALDA
freudig
Er lebt, er lebt?

CHOR
Er lebt?

KÜHLEBORN
Wirft sich zu Euren Füssen.


Die Vorigen. Hugo. Später Undine

BERTALDA
sich vergessend, ihm entzückt entgegeneilend
Mein Hugo!
gefasst
Seid willkommen, edler Ritter! So seid Ihr glücklich wieder heimgekehrt?

HUGO
Ja, glücklich und beglückt kehr' ich zurück:
'ne mächt'ge Zauberin hielt mich gefangen,
Nicht trennen konnt' ich mich von ihr, deshalb
Führt' ich sie mit; vergönnt, dass sie erscheine.

BERTALDA
Was deutet das?

KÜHLEBORN
beiseite
Du wirst es gleich erfahren.

HUGO
Undine hereinführend
Seht, edle Fürstin, hier mein treues Weib.

BERTALDA
Was sagt Ihr? Ihr seid vermählt?
für sich
Stürzt, Mauern, über mich! Ich bin vernichtet.

UNDINE
in Bertaldas Anschauen verloren
Mir ist, als säh'ich nicht
zum ersten Male Euch -
Gar wundersam wird mir bei Eurem Anblick.
sich wendend
Wen seh' ich, Kühleborn!

KÜHLEBORN
winkt ihr zu schweigen

HUGO
zu Undine
Kennst du den Ritter?

UNDINE
O schweig, Geliebter!
Sie bedeutet ihm, ruhig zu sein

HUGO
misst Kühleborn mit argwöhnischen Blicken
Er winkt! Sie schweigt!
Ha, welch ein Argwohn!

HUGO
Was ergreift mit bangem Schrecken
Und mit Angst die Seele mein?
Will Verdacht man in mir wecken,
Und meiner Ruhe Störer sein?
Angst und Schrecken!
Will Verdacht ich nicht erwecken,
Ziemt Verstellung mir allein!
Süsses Glück, mir kaum beschieden,
O, enteilest du so bald?

KÜHLEBORN
Es ergreift mit bangem Schrecken
Und mit Angst die Seele sein,
Doch Verdacht nicht zu erwecken,
Ziemt Verstellung nur allein.
Süsses Glück, euch kaum beschieden,
Schnell enteilet es und bald.

UNDINE
Was ergreift mit bangem Schrecken,
Ach, mit Angst die Seele mein?
Süsses Glück, mir kaum beschieden,
O, enteile nicht so bald!

BERTALDA
Was ergreift mit bangem Schrecken
Ach, mit Angst die Seele mein?
Süsses Glück, mir kaum beschieden!
O, enteilest du so bald!

CHOR
Wer vermag hier zu entdecken,
Was die Ursach' ihrer Pein!


Herren und Damen vom Hofe. Ritter und Pagen. Bertalda, Undine, Hugo und Kühleborn treten auf

BERTALDA
Sei stark, Bertalda,
Mag dein Herz auch brechen.
Sie besteigt den Thron

Nr. 12 - Finale

BERTALDA
Vernehmet, Ritter und Vasallen!
Des Volkes Wunsch ist,
Dass ich mich vermähle;
Nach unsern Reichsgesetzen durft' ich wählen
mit einem Blick auf Hugo
Den Gatten aus des Landes Ritterschaft.
Doch selbst aus hohem,
edlem Blut entsprossen,
mit einem Blick auf Undine
Verschmähend und verachtend niedre Wahl,
Ist mein Entschluss gefasst.

KÜHLEBORN
für sich
Das sollst du büssen.

BERTALDA
Der König von Neapel und Sizilien
Alfons der Erste, wirbt um meine Hand,
Ihm reich' ich sie, und mögen diese Bande
Den reichsten Segen bringen diesem Lande.

KÜHLEBORN
beiseite
Ha, eitle Törin! Diesen Stolz zu beugen
Soll Wonne mir gewähren.

BERTALDA
Lasset nun Mit
Sang und Saitenspiel die Zeit uns kürzen!
Singet ein Lied.
zu Undine
Beliebt's Euch, junge Frau?

UNDINE
treuherzig
Ich kenne keines.

BERTALDA
Ei, besinnt Euch nur;
Von Fisch und Wasser ist ja wohl zu singen.

HUGO
auflodernd
Was soll das, Fürstin?

UNDINE
ihn besänftigend
's war nicht bös gemeint.

BERTALDA
zu Kühleborn
Nun denn, Herr Graf,
Ihr aus dem Lande der Gesänge,
Singt Ihr ein Lied.

KÜHLEBORN
Wenn Ihr vergönnt -
Ein Lied, wie Ihr's begehrtet, will ich singen;
Auch kommt wohl mehr drin vor als Fisch und Wasser
Vielleicht, dass Euren Beifall es erregt.
Man reicht ihm eine Zither

KÜHLEBORN
Es wohnt'am Seegestade
Ein armes Fischerpaar,
Der Eltern höchste Freude
Ein holdes Mägdlein war.
Am grünen Uferrande
Mit ihm die Mutter ruht,
Da plötzlich sank das Mägdlein
Hinunter in die Flut.
Doch rettend naht ein Engel,
Und trägt es an das Land,
Wo bald ein edler Herzog
Das Mägdlein schlafend fand.
O armes Kind, noch zart und klein,
Was wird dein einstig Schicksal sein?

BERTALDA
Singt, wenn's Euch beliebt, ein ander Lied,
Die Weisen stimmen nicht zur Fröhlichkeit.

KÜHLEBORN
Vergönnet, edle Fürstin, dass ich ende,
Gar seltsam wendet sich des Mägdleins Los.

Bertalda winkt ihre Zustimmung

KÜHLEBORN
Als Herzogstochter ehrt man
Die Jungfrau weit und breit.
Doch ihre Tugend führet
Nur Hochmut im Geleit.
Von Glanz und Hoheit träumend,
Von Zepter nur und Kron' –
In Wahrheit sich ihr zeiget
Alsbald ein Königsthron.
Doch plötzlich reisst der Schleier,
Und allen wird bekannt,
Dass sie ein Fischermädchen
Und nur aus niedrem Stand.

Bei den letzten Worten ist er Bertalda näher getreten, sie bezeichnend

CHOR
Ha! Verwegner,
Du kannst wagen,
Unsre Fürstin
Frech zu schmähn!

KÜHLEBORN
Was ich sagte, bleibet wahr!
Und dass jeder Zweifel schwinde,
Sehet hier das Elternpaar.

Er winkt hinaus. Marthe und Tobias treten durch die Menge ein

CHOR
Ha, Schmach dem kecken Lügner!
Bestrafet sein Vergehn!

UNDINE
freudig den Alten entgegeneilend und sie vorführend
O Wonne, o Freude!
Euch seh' ich wieder!

CHOR
Ist es Wahrheit, ist es Trug?
Wer löst das Rätsel hier?

KÜHLEBORN
auf Bertalda zeigend
Hier, euer Kind,
Das ihr verloren wähntet.

MARTHE UND TOBIAS
Wie?

BERTALDA
Zurück von mir!

Die Alten weichen scheu zurück

BERTALDA
Umfängt mich hier ein wüster Traum?
Bin ich Bertalda nicht, der jene untertan?
zu Kühleborn
Elender Gaukler, du sollst erfahren,
Eh dich die Strafe des Verbrechens trifft,
An wem du gefrevelt. - Ha, zittre!

Sie winkt, und mehrere Hofherren gehen ab

KÜHLEBORN
höhnisch
Vor einer Fischerdirne!
Haha!

MARTHE, TOBIAS und CHOR
Des Fremden ganzes Wesen
Flösst Furcht und Grauen ein;
Fürwahr, nur mit dem Bösen
Könnt'er im Bunde sein.
Drum greifet ihn, um zu erfahren,
Ob ihn der Hölle mächt'ge Scharen
Vor Schmach und grausem Tod bewahren,
Ihm Macht und Schutz entleihn?

HUGO
Des Fremden ganzes Wesen
Flösst Furcht und Grauen ein;
Fürwahr, nur mit dem Bösen
Könnt'er im Bunde sein.
Verteid'ge dich, ich will erfahren,
Ob dich der Hölle mächt'ge Scharen
Vor meines Schwertes Kraft bewahren,
Die Macht und Schutz entleihn?

BERTALDA
Der Augenblick ist da, vernehmet, wer ich bin!

ALLE
ausser Kühleborn
Was werd' ich hören?

HUGO, TOBIAS und CHOR
Mir klopft das Herz!

Bertalda öffnet das Kästchen, nimmt ein Pergament heraus, liest und sinkt mit einem Schrei in die Arme ihrer Frauen

ALLE
ausser Kühleborn
Was ergreifet, Fürstin, dich?

EINER DER VORNEHMSTEN
nimmt das Pergament und liest
Am Tage Allerseelen im Jahre 1435 fand Herzog Heinrich am Seegestade ein Mägdelein, welches er an Kindes Statt erzog und Bertalda nannte.

BERTALDA
sich erhebend
Verschwunden Glanz und Pracht,
Hinab in Staub gesunken,
Den Stolz, das Herz gebrochen!
Die Schmach ertrag' ich nicht.

ALLE
Tag voller Schrecken,
Tag voller Qualen!

KÜHLEBORN
Haha! Haha! Haha!

CHOR
Greifet den Frechen,
Straft sein Verbrechen!
Er wagt zu sprechen
Spott ihrem Leiden,
Spott ihr und Hohn!

Alle dringen auf Kühleborn ein

KÜHLEBORN
Fort!
Er steigt die Stufen zum Springbrunnen hinauf
Weicht von mir!
Denn Kühleborn,
Der Fürst der Fluten, zu euch spricht!

CHOR
Ha!

Die Statue des Meeresgottes stürzt in Trümmer; Kühleborn tritt an deren Stelle und versinkt, während die Kaskaden ihn sprudelnd bedecken. Alle sehen erstarrt und entfliehen mit einem Schreckensruf nach verschiedenen Seiten. Zurück bleiben Bertalda, Undine, Marthe, Tobias und Hugo.
Bertalda stürzt betäubt in der Mitte der Bühne zu Boden. Undine, Marthe und Tobias neigen sich teilnehmend zu ihr herab. Hugo steht in sich versunken im Hintergrunde.


UNDINE
zu Bertalda
Wir verlassen dich nicht!

DRITTER AKT

Romantische Gegend am Fusse der Burg Ringstetten. Hinten ein See. Es ist Abend. Jagdgesellschaft lagert in bunten Gruppen am Boden und zecht. Unter ihnen geschäftig Hans, der Kellermeister

Nr. 13 - Chor und Ensemble

CHOR
O Auf, ihr Zecher,
Seht, der Becher
Freundlich euch entgegenblinkt!
Jagd und Liebe,
Diese Triebe,
Darauf stosset an und trinkt.
Dreimal hoch aus voller Brust:
Waidmannsheil und Liebeslust!


Hans. Veit.

HANS
Nun sagt mir nur, was Euch so entsetzt hat?

VEIT
Da habt Ihr's! Auf der Jagd nähere ich mich dem Zelte meines Herrn, höre Flüstern, schleiche näher, und was sehe ich? Meinen Ritter zu den Füssen des Fräuleins Bertalda.

HANS
Ih, seht einmal an!

VEIT
Dieser Undank! Als sich das Fräulein aus Verzweiflung über ihre Herkunft in den Strom stürzen wollte, reichte die engelsgute Undine ihr schwesterlich die Hand und führte sie hierher auf die Burg. Glaubt mir, das führt zu keinem guten Ende!

HANS
Ihr seht immer Gespenster! Lass doch die Herrschaften! Sag lieber, wann sehen wir uns wieder bei einem grossen Humpen Wein?

VEIT
Weiss nicht!

HANS
Sei doch kein Griessgram. Auf Wiedersehen heute abend beim Wein!

VEIT
Närrischer, alter Kautz! Freilich, wenn jedes Wiedersehen dem unseren gliche! Aber wenn man einmal darüber nachdenkt, wie freut man sich zuweilen auf ein Wiedersehen und wie oft wird man bitter enttäuscht.

Nr. 14 - Lied

VEIT
Vater, Mutter, Schwestern, Brüder,
Hab' ich auf der Welt nicht mehr,
Kehrt' ich auch zur Heimat wieder,
Fänd' ich alles öd und leer,
Ja, wenn nur noch eins am Leben!
Das sollt' eine Freude geben!
O wie süss und o wie schön
Wär' ein solches Wiedersehn!

In der Reichsstadt traf ich neulich
Einen dicken Schenkwirt an;
"Freundchen!" rief er "nicht so eilig,
Seid so gut und kommt heran.
Gelt, Ihr wisst, wovon ich spreche,
Zahlt mir jetzt die schuld'ge Zeche!"
Das war mir, ich muss gestehn,
Gar kein freudig Wiedersehn!

Hab' schon öfter sagen hören,
Dass man dort sich wiedersieht.
Aber niemand kann's beschwören,
Keiner weiss, was dort geschieht.
Wenn es fest und sicher stände,
Dass man da sich wiederfände,
Wär' in jenen lichten Höh'n
Wohl das schönste Wiedersehn!

HANS
Pst, pst!

VEIT
Was gibt's?

HANS
Der Ritter und das Fräulein, das sind saubere Geschichten!

VEIT
So sagt doch nur!

HANS
Komm, unterwegs!


Bertalda. Hugo.

Nr. 15 - Duett und Finale

HUGO
Ich lasse dich nicht, nein, nein,
Sprich nicht von deinem Scheiden,
O soll ich mehr noch leiden?
Willst du dem Tod mich weihn?
In dir ist nur mein Leben,
Bertalda, werde mein!

BERTALDA
Lass mich zurücke kehren
Zu meiner Niedrigkeit.

Nicht darf ich dir gewähren
Der Liebe Seligkeit.

HUGO
Du darfst nicht?
So mag das Äusserste geschehen!
Ich breche jene Kette,
Die mich umschlungen hält.

BERTALDA
Dein Weib willst du verstossen.
Das dich So glücklich macht?

HUGO
Sie hat mich nur geblendet
Durch bösen Zaubers Macht.
Nur du, du bist für mich geboren -
Hiermit sei es geschworen!
Ich trenne mich von ihr.

BERTALDA
Halt ein! Halt ein!
für sich
Triumph! Der Sieg ist mein!


Die Vorigen. Undine

UNDINE
Was seh'ich?

HUGO
Da ist sie!

BERTALDA
Undine.'

HUGO
Zur guten Stunde!

UNDINE
Zu viel! Zu viel!

HUGO
nachdem er sich gesammelt
Undine, tritt heran, es kündet dir mein Mund.
Nicht länger kann bestehen unser Bund!

UNDINE
O Gott, was hör'ich!
Verstossen willst du mich?
O denke doch zurück
An unser stilles Glück.
An jene sel'gen Stunden,
Wo ich dir alles war!

BERTALDA
Leb wohl auf immerdar!
Nicht ferner störend euer Glück,
Kehr' zu den Eltern ich zurück.

HUGO
Bleib!
zu Undine
Nein, tu, was ich dich geheissen!
Nichts hab' ich mehr mit Kobolden gemein.

UNDINE
Nicht ihren Grimm errege, von dir würd' man mich reissen,
Und du auf ewig dann für mich verloren sein.

HUGO
Ha, darauf will ich's wagen!

UNDINE
Du darfst der Treue Schwur nicht brechen,
Die Meinen würden fürchterlich den Meineid rächen!

HUGO
Bertalda wird die meine! Hiermit sei es geschworen! Fort, Gauklerin!

Er schleudert sie von sich. Das Mondlicht verschwindet, der Himmel verdunkelt sich; der See wogt, drohende, bleiche Gesichter tauchen aus den Wellen und blicken durch das Laub der Bäume.

UNDINE
Weh mir! Er ist verloren!


Kühleborn und Wassergeister, in meergrünen, mit Schilfgezierten Gewändern, steigen aus den Fluten. Alle gruppieren sich teilnehmend um Undine

KUHLEBORN
Nun ist's vollbracht!
Du kehrst zur Heimat wieder,
Hier oben dir der Frieden nicht erblüht.
Ich wollt' erfahren,
Um wieviel besser denn die Menschen sind,
In denen eine Seele wohnt;
Deshalb raubt' ich Bertalda aus der Fischerhütte
Und sandte dich dahin. Mein teures Kind,
Vergib; und magst du mich auch grausam wähnen,
Ich bin es nicht; o trockne deine Tränen.

UNDINE
sich erhebend
Wo bin ich?

CHOR
Bei den Deinen!

UNDINE
O lasst mich, lasst mich weinen!
Ihr ahnet nicht, wie Liebesleiden
Und Liebesfreuden
So gleich sich, so verschwistert sind!
Mit Verzweiflungsvoller Kraft
Er kann, er kann das Band nicht trennen,
Das unsre Seelen einst vereint!

KÜHLEBORN
auf die erleuchteten Fenster der Burg deutend
Schau hin! Wo jene Kerzen brennen,
Geschieht, was dir unglaublich scheint.

UNDINE
tränenvoll hinblickend
So ist es wahr? O du Geliebter!
Fahr hin, es ist um dich geschehn.

KÜHLEBORN
O kehr zurück! Mein eitel Sehnen
Ist nun gestillt; o kehr zurück!
Bald fliessen milder deine Tränen,
Bald lacht dir wieder stilles Glück.

CHOR
Schwanensang,
Schwanenklang
Tönet wieder
Auf dich nieder.
Wo der Meineid nimmer wohnt,
Wo nur ew'ger Friede thront.

UNDINE
Ich kehr'zurück! Dein eitel Sehnen
Ist nun gestillt, ich kehr'zurück!
Doch nie versiegen meine Tränen,
Denn ohne ihn lacht mir kein Glück.

KÜHLEBORN und CHOR
Schwanensang,
Schwanenklang
Tönet wieder
Auf dich nieder.

Wo der Meineid nimmer wohnt,
Wo nur ew'ger Friede thront.
O kehr zurück, dein eitel Sehnen
Ist nun gestillt, o kehr zurück!

UNDINE
Denn wo Gram im Herzen wohnt,
Nimmer wieder Friede thront.
Ich kehr' zurück, zurück!

CHOR
O kehr zurück, zurück!

Gegen den Schluss besteigen alte die Wellen, die nun in hellem Silberglanze leuchten und mit Wasserlilien besät scheinen. Der Horizont prangt voller Sterne. Alle versinken langsam in den Fluten.

VIERTER AKT

Entracte

Der Hof der Burg Ringstetten. In der Mitte ein mit einem grossen Steine bedeckter Brunnen. Hinten erblickt man die erleuchteten Säle, seitwärts das Portal zum Innern der Burg; diesem gegenüber einen Teil des Gartens mit einer Laube. Es ist Nacht. Aus den erleuchteten Sälen ertönen Jubel und Musik.

Nr. 16 - Rezitativ und Arie

Hugo reich gekleidet, ruht schlafend, aber von unruhigen Träumen gequält, in der Laube

HUGO
Hinweg! Hinweg! Dein dräuend Angesicht
Erstarrt mein Blut zu Eis, macht mich erbeben.
Um Mitternacht, sagst du, um Mitternacht?
Lass ab, lass ab! Nicht trag' ich deinen Blick. Entflieh!
Er springt auf
Also war's ein Traum!
Mir war, als schwebt' ich über Meereswogen
Und bis zum Grunde tief schaut' ich hinab:
Und sah Undine dort und Kühleborn;
Er sprach: "Die Zeit ist da, um Mitternacht
Wirst du gerichtet, musst dein Leben lassen!"
Und süsser Schwanengesang tönt mir ins Ohr,
Undine öffnet weinend ihre Arme
Und schliesst mich an die treue Brust!
Mir schien der Morgen aufgegangen,
Als sie, den Kranz im Lockenhaar,
Der Unschuld Lilien auf den Wangen,
Die Hand mir reichte am Altar.
O warum wardst du nicht geboren
Mir gleich an Wesen und an Sinn!
Denn seit ich dich, ja dich verloren,
Ist meines Herzens Ruh' dahin.
Bin ich aufs neue auch verbunden,
Leuchtet mir fern der Liebe Glück;
Was ich für sie so heiss empfunden,
Bringt keine Ewigkeit zurück.
Was regt so heftig die Erinnerung
Erfasst mich Furcht vor jener bösen Macht?
Erzitterst du? Auf, Hugo, habe Mut!
Lass nicht von tollem Geisterspuk dich schrecken,
Solange Kraft in deinen Sehnen wohnt!
Musik hinten aus dem Schloss
Ha! eben recht,
Ihr Jubeltöne;
Ihr mahnet mich
An meine Schöne.
Nur sie, die alle Reize schmücken,
Die hohe, herrliche allein,
Bertalda nur kann mich beglücken,
Gefährtin mir durchs Leben sein.
Drum soll mich Geisterspuk nicht blenden.
Ich bin der Mann, zu widerstehn!
Beim ew'gen Gott, ich will vollenden,
Müsst' ich im Kampf auch untergehn!
Ja - spräche selbst die Hölle drein –
Mein bleibt sie, mein!

Er geht schnell ab ins Schloss
Veit und Hans kommen von der anderen Seite. Dann Undine.

VEIT
Lass mich in Ruhe! Ich mag nicht mehr trinken.

HANS
Nur noch ein Schluck. Es ist ein altes, aber gutes Sprichwort: Im Wein ist Wahrheit! Ihr hättet mich vor dreissig Jahren kennen müssen, ja damals ...

Nr. 17 - Lied

HANS
Ich war in meinen jungen Jahren
Ein feuriges, verliebtes Blut,
Die Frauen haben's wohl erfahren,
Ich war ein rechter Tunichtgut.
Ich raufte, spielte, doch am meisten
Konnt' ich hier bei dem Humpen leisten.
Vorbei ist alles, nur den Wein –
Den lieb'ich noch!

VEIT
ihm auf die Achsel klopfend
Im Wein ist Wahrheit nur allein!
Von Liebe hab'ich nichts erfahren,
Mich störte meine Blödigkeit.

HANS
Mir zürnte man in frühern Jahren
Ob allzu grosser Dreistigkeit.

VEIT
War mit 'nem Mädchen ich alleine -

HANS
Und sprach sie sanft: Ich bin die deine -

VEIT
Dann war ich stumm -

HANS
Nein, das war dumm.
Entsetzlich dumm!
Im Wein ist Wahrheit nur allein!

VEIT
Im Wein ist Wahrheit nur allein!

HANS
Lasst uns jetzt wieder hineingehen.
Es ist hier finster und schauerlich,
und drinnen ist's hell und lustig.

VEIT
Das ist's ja eben, Meister Hans! Ich kann nicht fröhlich sein, weil ich heute mehr denn je an vergangene Zeiten denken muss.

HOCHZEITSGÄSTE
hinter der Szene
Es lebe das Brautpaar, hoch!

VEIT
Das schneidet mir durch die Seele. Die arme Undine wurde verstossen, und diese Schlange Bertalda triumphiert. Ich bin nicht boshaft, Meister Hans, aber wüsste ich ein Mittel, dieses Hochzeitsfest zu stören, bei Gott, ich tät's.

HANS
Haha, da weiss ich Rat. Warum musste der Brunnen mit einem Stein verschlossen werden?

VEIT
Weil der Plagegeist Kühleborn in ihm sein Wesen trieb und die schöne Braut Bertalda ewig neckte.

HANS
Nun also, lasst uns den Brunnen wieder öffnen. Dann geht vielleicht der Teufel los.

VEIT
Meister Hans, das ist ein guter Einfall. Also an's Werk!

Sie heben den Stein vom Brunnen. Unterirdisches Getöse. Ein heller Schein leuchtet aus dem Brunnen, und eine Wassersäule sprudelt hervor, aus der sich eine weissverschleierte Gestalt Undine entwickelt. Sie schwebt über den Rand des Brunnens, blickt seufzend nach den erleuchteten Fenstern und geht langsam und weinend in die Burg. Hans und Veit ziehen sich zurück.
Festlich erleuchteter Prunksaat mit grossen Bogenfenstenn im Hintergrunde. Hochzeitsgäste, Ritter und Frauen, Pagen und Edelknechte, Bertalda und Hugo. Später Undine. Zuletzt Kühleborn und die Wassergeister.

HUGO
blass, in grosser Aufregung vortretend
Füllt die Pokale!
Fröhlichkeit strahle
Aus jedem Aug,
Aus jeglichem Blick;
Preisend die Schönen
Lasset ertönen
Schallende Lieder
Von Liebesglück.

CHOR
Füllt die Pokale! usw.

HUGO
für sich
Woher die Angst, die mich verzehrt?
Kaum berge ich die bange Pein.

BERTALDA
Das höchste Glück ist mir beschieden,
Da ich dich ganz darf nennen mein.
besorgt
Was stiehlt die Glut von deinen Wangen?
Was ist dir, teurer Freund, o sprich!

HUGO
O mir ist wohl! Unnütziges Bangen,
Nichts ist es, nichts. Beruh'ge dich!
Füllt die Pokale - Fröhlichkeit -
Nein, nein das nicht!
Beginnt den Reigen.

Die Gesellschaft stellt sich paarweise zum Tanze. Als Hugo Bertaldas Hand ergreifen will, beginnt die Turmuhr in gemessenen Zwischenpausen und in dumpfen Tönen „zwölf" zu schlagen

HUGO
erbebt beim ersten Schlag
Ha! es schlägt - Mitternacht -

BERTALDA
ihm zuflüsternd
Fasse dich - habe Mut!

HUGO
Mir graut! - Mein Blut - starrt zu Eis!
Mitternacht!

Bei dem letzten Schlag „zwölf" fürchterlicher Donnerschlag, alle Lichter verlöschen, Sturmwind von aussen, allgemeiner Schreckensruf der Anwesenden. Ein bläulicher Lichtschein leuchtet von der Seite, von der Undine, verschleiert, nach der Mitte des Saales schreitend, auftritt.

HUGO
welcher zur Seite steht
Ha, nun erkenn' ich, mein Traum wird wahr –
Du kommst zu richten - nimm mich hin!
Doch lass noch einmal, eh ich sterbe,
Dein lieblich Angesicht mich schaun.

UNDINE
schlägt den Schleier zurück

HUGO
O holdes Bild, das mich so hoch beglückte,
Noch einmal gönne mir die Seligkeit,
Dich liebend zu umfangen.

Undine breitet die Arme aus

HUGO
Du winkest mir. Ich komme!
Er eilt in ihre Arme.
So lass mich sterben.

Er sinkt betäubt zu ihren Füssen nieder. -Unter einem zweiten Donnerschlag versinken Hugo und Undine. - Durch die vom Sturm geöffneten Fenster gewahrt man Blitze und vernimmt das Toben der Wellen. Der Chor entflieht nach allen Seiten, dann stürzt unter furchtbarem Krachen der Saal zusammen. Die Fluten dringen, Schutt und Trümmer vor sich her wälzend, bis ans Proszenium, immer höher steigend. Man gewahrt nach und nach ein Flimmern glänzender Gegenstände, bis endlich, nachdem die Wogen die Soffitten erreicht, der Kristallpalast des Wasserfürsten mit funkelnden Steinen, Muscheln und Zieraten usw. erscheint. - Wassergeister sind überall gruppiert. In der Mitte, auf einer Erhöhung, Kühleborn, zu seinen Füssen Hugo und Undine. Alle strahlen in glänzenden Gewändern.

KÜHLEBORN
zu Hugo
Du freveltest an dieser reinen Unschuld,
Dein Leben war verwirkt;
Doch schuldlos litt die Arme,
Drum möge Gnade walten!
Um ihretwillen soll dir verziehen sein.
Du bleibst fortan bei uns! Das deine Strafe.
Vernehmt's, ihr Seelenvollen, die ihr unsrer spottet -
So rächen sich die Seelenlosen!

CHOR DER WASSERGEISTER
Schwanensang, Schwanenklang
Tönet wieder auf dich nieder!
Schwanensang,
Wo der Meineid nimmer wohnt,
Wo nur ew'ger Friede thront!

KÜHLEBORN, HUGO UND UNDINE
Ohne ihn (dich) lacht ihr (mir) kein Glück
Denn wo Gram im Herzen wohnt,
Nimmer wieder Friede thront.

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Klavierauszug

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