Der Opernball

Der Opernball

Operette in drei Akten

Libretto

Victor Léon und Heinrich Freiherr von Waldberg, nach der Komödie "Les Dominos roses" von Delacour und Alfred Hennequin

Uraufführung

5. Januar 1898, Wien (Theater an der Wien)

Besetzung

THEOPHIL BEAUBUISSON, Rentier (Bass)
MADAME PALMIRA BEAUBUISSON, seine Frau (Alt)
HENRI, Marinekadett, beider Neffe (Mezzosopran oder Tenor)
PAUL AUBIER (Tenor)
ANGÈLE, seine Frau, Madame Beaubuissons Nichte (Sopran)
GEORGES DUMÉNIL (Tenor)
MARGUÉRITE DUMÉNIL, seine Frau (Sopran)
HORTENSE, Kammermädchen bei Duménil (Soubrette)
FÉODORA, Chansonette (Sopran)
PHILIPPE, Oberkellner im Opernfoyer (Tenor)
JEAN, Kellner
GERMAIN, Diener bei Duménils

CHOR und BALLETT
Ballgäste / Kellner

Ort

Paris

Zeit

um 1890, während des Karnevals

Heuberger, Richard

Heuberger, Richard (Franz Joseph)
18.6.1850 Graz - 27.10.1914 Wien


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Die Abenteuer einer Neujahrsnacht (1886 Leipzig)
Manuel Venegas (27.3.1889 Leipzig)
Mirjam, oder Das Maifest [rev. Manuel Venegas] (20.1.1894 Wien)
Der Opernball (5.1.1898 Wien)
Ihre Excellenz (1899 Wien)
Der Sechsuhrzug (1900 Wien)
Das Baby (1902 Wien)
Barfüssele (1905 Dresden)
Der Fürst von Düsterstein (1909 Wien)
Don Quixote (1910 Wien)
Eine entzückende Frau [rev. Ihre Excellenz] ()
rev = Bearbeitung

ERSTER AKT
Paul Aubier und seine Frau Angèle sind während des Karnevals zu Gast beim Ehepaar Georges und Marguérite Duménil in Paris. Die beiden Männer sind Schulfreunde; für beide gilt das Motto: "Man lebt nur einmal auf der Welt". Der Provinzler Aubier, der vorgibt, geschäftlich in Paris zu sein, möchte etwas Tolles erleben.
Marguérite, welche die Männer kennt und Angèle, die an die Treue ihres Paul glaubt, beschliessen, ihre Ehemänner auf die Probe zu stellen. Sie spielen den beiden eine Einladung zum Opernball in die Hände. Absender: eine unbekannte Schöne in einem rosaroten Domino.
Sie weihen das abenteuerlustige Dienstmädchen Hortense in den Plan ein, welche - ohne Wissen ihrer Herrschaft - ihrerseits eine dritte Einladung gleichen Wortlauts an den Marinekadetten Henri schreibt.

ZWEITER AKT
Der Opernball ist in vollem Gange und die Gäste tanzen zu den Klängen einer Mazurka. Georges und Paul werden von den Kellnern in die bestellten Séparées geführt, wo jeder von der Frau des andern erwartet wird. Inzwischen sind auch Henri und Hortense eingetroffen ( Geh'n wir ins Chambre séparée) sowie Herr Beaubuisson, ein älterer Herr, dessen Frau gerade verreist ist.
Als die Herren in ihren Separées übermütig werden, erscheinen wie vereinbart die Kellner und teilen mit, dass sowohl Henri als auch Georges draussen verlangt würden. Dies hat ungeahnte Folgen, denn nun wird Hortense, die ja auch einen rosa Domino trägt, stürmisch umworben und die beiden Damen, welche ihre Separées ebenfalls verlassen haben, verdächtigen sich gegenseitig der Treulosigkeit. Die Verwirrung wird gross. Schliesslich stürzen alle drei Rosa-Dominos auf die Tanzfläche, und die drei Herren wissen nicht mehr, wer zu ihnen gehört. lm Trubel des folgenden Gesellschaffstanzes können die Dominos unbemerkt verschwinden und die düpierten Männer zurücklassen.

DRITTER AKT
Am nächsten Tag schwärmt Henri von der Ballnacht, sein Onkel Beaubuisson weniger ( Komm' den Frauen zart entgegen). - Georges Duménil hat im Zimmer seiner Frau das für die Einladungen verwendete Schreibpapier entdeckt. Er warnt Paul, der gerade von seiner «Geschäftsreise» zurückkehrt. So kann dieser seiner Frau Vorwürfe wegen ihres Ballbesuchs machen. Schliesslich aber kommt die Wahrheit zutage. Georges und Paul, die sich immer mehr erregen, fordern sich zum Duell. Doch soweit kommt es nicht, da man sich plötzlich an den dritten, unbekannten Domino erinnert. Hortense ist zwar verschwunden, der Rosa-Domino hängt aber noch in ihrem Zimmer. Nun versöhnen sich die beiden Ehepaare (Überall ist es schön in der Welt ), zumal Paul verspricht, in Zukunft auf seine Geschäftsreisen zu verzichten.

Personen:
THEOPHIL BEAUBUISSON, Rentier (Bass)
MADAME PALMIRA BEAUBUISSON, seine Frau (Alt)
HENRI, Marinekadett, beider Neffe (Mezzosopran oder Tenor)
PAUL AUBIER (Tenor)
ANGÈLE, seine Frau, Madame Beaubuissons Nichte (Sopran)
GEORGES DUMÉNIL (Tenor)
MARGUÉRITE DUMÉNIL, seine Frau (Sopran)
HORTENSE, Kammermädchen bei Duménil (Soubrette)
FÉODORA, Chansonette (Sopran)
PHILIPPE, Oberkellner im Opernfoyer (Tenor)
JEAN, Kellner
GERMAIN, Diener bei Duménils

CHOR und BALLETT
Ballgäste / Kellner



ERSTER AKT

Ouvertüre

Nr. 1 -Duett
Georges und Paul

GEORGES
Komme eben von Tortoni,
hab’ famos dort déjeuniert,
Austern, delikate Hummer,
und Champagner gut frappiert!
Doch was mich besonders freute,
fand dort lust’ge Compagnie
und die flotte Alphonsine
sass bei Tisch mir vis-à-vis!

Man wird mir’s vielleicht verübeln,
weil ich doch schon Ehemann –
Doch ich kenn ein weises Sprüchlein
Und ich halte fest daran:

Man lebt nur einmal in der Welt,
je toller, desto lieber!
Und chic zu leben, mir gefällt,
da geht nichts darüber!
Man lebt nur einmal in der Welt,
wie schade, ach, wie schad’,
Ja! Wenn ich des Lebens Schöpfer wär’,
dann hätt’s ein Duplikat!
Legt Hut und Stock ab

PAUL
eine Mappe im Arm
Hol der Teufel die Geschäfte,
nicht ein Hund möcht’ leben so,
tausend Kunden zu besuchen,
Heidenarbeit im Bureau!
Hier auf dem Pariser Pflaster
Fällt die Arbeit doppelt schwer,
denn ringsum das süsse Laster,
und das lieb’ ich gar so sehr!

Meine Frau nur darf’s nicht wissen,
denn die schwört auf ihren Mann –
aber immer treu zu bleiben,
das geht schliesslich doch nicht an:

Man lebt nur einmal in der Welt,
je toller, desto lieber!
Und chic zu leben, mir gefällt,
da geht nichts darüber!
Man lebt nur einmal in der Welt,
wie schade, ach, wie schad’,
Ja! Wenn ich des Lebens Schöpfer wär’,
dann hätt’s ein Duplikat!

GEORGES
nach vorn kommend
Paul! Bonjour!
Wo steckst du immer?
Warst du schon beim Déjeuner?

PAUL
Denkt einen Augenblick nach, tut dann, als hätte er einen benommenen Kopf. wichtig tuend
Vor der Börse komm’ ich grade,
hab’ vor Arbeit Schädelweh!

GEORGES
lächelnd
Mir brauchst du nichts vorzumachen,
kenn’ dich jetzt genau!

PAUL
Bitte, sprich nicht solche Sachen,
wenn das hörte meine Frau!

GEORGES
legt ihm die Hand auf die Schulter
"Man lebt nur einmal in der Welt,…
Paul hält ihm den Mund zu
Beide sehen sich um, als wären sie belauscht
…je toller, desto lieber!"

PAUL
leise und heimlich vergnügt
O dies Sprüchlein sing’ ich täglich,
weil’s mir so gut gefällt!

BEIDE
Man lebt nur einmal in der Welt,
je toller, desto lieber!
Und chic zu leben, mir gefällt,
da geht nichts darüber!
Man lebt nur einmal in der Welt,
wie schade, ach, wie schad’,
Ja! Wenn ich des Lebens Schöpfer wär’,
dann hätt’s ein Duplikat!

Nr. 2 - Entrée-Lied
Angèle, Herr Beaubuisson, Frau Beaubuisson

ANGÈLE
Lieber Onkel!
Gute Tante!

HERR BEAUBUISSON
Liebes Nichtchen!

FRAU BEAUBUISSON
Liebes Kindchen!

ANGÈLE
Ihr seid hier!

HERR BEAUBUISSON
Na, so sprich, wie geht es dir?

FRAU BEAUBUISSON
Nein, nein, erzähl das mir!

HERR BEAUBUISSON
Nein, nein!

FRAU BEAUBUISSON
Nein, mir, erzähl das erst mir!

ANGÈLE
Paris ist eine Götterstadt
Und mir geht’s ganz brillant.
So lang ich leb’ fand ich noch nie
Das Leben so amüsant!
Theater, Konzerte,
das bois und die Toilettenpracht,
kurzum Vergnügen, Amusement
vom frühen Morgen, bis in die Nacht!

Doch fragt Ihr mich: ob die Provinz
ich tauschen möcht’ mit Paris,
dann sagte ich,
doch lacht mich nur nicht aus,
Euch nichts als dies:

Überall, überall ist es schön in der Welt
Und Paris, und Paris ist die Rose im Strauss!
Überall, überall ist es schön in der Welt,
doch am schönsten, am allerschönsten,
am allerschönsten ist’s doch nur zu Haus!
Am allerschönsten, am allerschönsten
am allerschönsten ist’s immer zu Haus!

Paris ist eine Götterstadt,
der schönste Ort der Welt,
doch auch bei uns in Orléans
es mir nicht minder gefällt!
Theater, Konzerte, das bois
sind dort wohl unbekannt,
doch meine Wirtschaft und mein Haus
darin liegt sicher auch viel Verstand.

Drum fragt Ihr mich: ob die Provinz
ich tauschen möcht’ mit Paris,
dann sagte ich,
doch lacht mich nur nicht aus,
Euch nichts als dies:

Überall, überall ist es schön in der Welt
Und Paris, und Paris ist die Rose im Strauss!
Überall, überall ist es schön in der Welt,
doch am schönsten, am allerschönsten,
am allerschönsten ist’s doch nur zu Haus!
Am allerschönsten, am allerschönsten
am allerschönsten ist’s immer zu Haus!

Nr. 3 - Duettino
Hortense, Henri

HORTENSE
Henri ausweichend
Bitte, lassen Sie mich geh’n!

HENRI
bittend
Wollen Sie mich nicht versteh’n?

HORTENSE
Eben, weil ich Sie verstehe,
komm’ ich nicht in Ihre Nähe

HENRI
O Hortense!

HORTENSE
kokett
Sie befehlen?

HENRI
Das ist hart, mich so zu quälen!
Ich habe die Fahrt um die Welt gemacht,
und immer und immer an dich gedacht!

HORTENSE
Wer’s glaubt, wer’s glaubt, wer’s glaubt!

HENRI
Ich stand am Steuer in stürmischer Nacht
Und hab’, dein gedenkend, ein Ständchen gebracht.

HORTENSE
Wer’s glaubt, wer’s glaubt, wer’s glaubt!

HENRI
Die Wogen des Meeres, die haben’s gehört,
ich sang von der Sehnsucht, die heiss mich verzehrt,
das Meer, mitleidig hörte es zu,
es war nicht so grausam wie du!
So klang mein Sang:
Hab’ daheim mein Schätzelein,
's will von mir nichts wissen,
nicht ein einzig Briefelein
tat von ihr mich grüssen.
Segle einsam durch die Welt,
besser wär’s zu Zwein,
und am besten wär’s mit dir,
süsses Schätzelein,
mein süsses Schätzelein!

Ich bin ja ein Marinekadett,
Hoi-ho, hoi-ho!
Ich bin zu Land und Wasser adrett!
Hoi-ho, hoi-ho!
Ich habe ja den richt’gen Chic,
Hoi-ho, hoi-ho!
Du siehst das auf den ersten Blick,
Hoi-ho, hoi-ho!

HORTENSE
Bei mir hat man so schnell kein Glück,
O-ho, o-ho,
Sie seh’n das auf den ersten Blick,
ich bin nicht so!

Sie flunkern mir da Geschichten vor,
die geh’n mir hinein und hinaus durch’s Ohr

HENRI
lächelt
Wer’s glaubt, wer’s glaubt, wer’s glaubt!

HORTENSE
Sie haben noch nie eine Weltfahrt gemacht
Und haben auch niemals an mich gedacht.

HENRI
O glaub’s, o glaub’s, o glaub’s!

HORTENSE
Sie haben die Schulbank nur blank gewetzt
Und nie einen Fuss auf ein Schiff noch gesetzt;
Sie schwindeln mir vor nur vom Wellengrab
Und das Liedchen, das schrieben Sie ab,
das schrieben Sie ab! Wie riet das Lied?

Wenn du willst ein Schätzelein, such’ dir’s zu erlangen,
musst jedoch ein Schlaukopf sein, willst du dir eins fangen.
Musst vor allem, merke dir’s, etwas älter sein,
dann, mein allzu junger Freund, denk’ ans Schätzelein,
denk ans Schätzelein!
Und sind Sie auch Marinekadett,
Hoi-ho, hoi-ho!
Und sind zu Land und Wasser adrett,
Hoi-ho, hoi-ho!
So haben Sie bei mir doch kein Glück,
O-ho, o,ho!
Sie seh’nm das auf den ersten Blick,
ich bin nicht so!

HENRI
Ich habe ja den richtigen Chic,
Hoi-ho, hoi-ho!
Du siehst das auf den ersten Blick.
Hoi-ho, hoi-ho!

Nr. 4 - Ariette
Angèle

ANGÈLE
Mir ist, als wär’s nicht recht,
was ich beginne;
mir ist, als wär es schlecht,
was ich ersinne!
Ich sollte meinem Manne
Eine Schlinge legen,
ich fürchte, das bring mir
keinen Segen,
und wenn die Wette dann
ich nicht gewinne?
Mir ist, als wär’s nicht recht,
was ich beginne!

Es ist ein kühnes Spiel,
das ich will wagen,
vertrauen sollt’ ich ihm
ganz ohne Zagen.
Die wahre Liebe, die
muss blindlings stets vertrauen,
muss auf des Liebsten Treue
fraglos bauen;
möcht’ ich doch nimmermehr
mein Tun beklagen!
Es ist ein kühnes Spiel,
das ich will wagen.

Nr. 5 - Terzett
Angèle, Hortense, Marguerite

Nr. 6 - Finale

ZWEITER AKT

Entre-Act

Nr. 7 - Mazurka

CHOR
Im Carnevale, auf diesem Balle
lernt man begreifen erst ganz,
's gibt nur Paris, ein Paradies
voll Lust und Glanz!
Kann man vergleichen
in allen Reichen
denn mit Paris eine Stadt?
Das fiele schwer,
sehr schwer, in der Tat!

Wie schön,
wenn die schönen Masken
sich da dreh’n,
wenn Masken sich drehen,
wie schön, wenn die Masken
tanzend sich dreh’n,
da gibt’s was Schönes,
Herrliches zu sehn!

Wie so lockend
die Mazurka
jetzt erklingt.
Horch, wie’s klingt!
Dass zum Tanze
sie jetzt alle
reisst und zwingt.
Wie es zwingt!
Wie elektrisch
in das Tanzbein
sie eindringt,
dass dahin man fliegt
beschwingt!

Ah, wenn in der Maske
wir sehr chicen Frau’n,
dann macht’s Plaisir
uns zu schau’n
der ganzen Herrenwelt!
Und wenn in der Maske
wir sehr chicen Frau’n.
dann gucken gleich die Herren hin,
ob wir nichts lassen seh’n.
Schönes zu seh’n!

Ein Hoch der Freude,
ein Hoch dem Tanz,
ein Hoch, Paris!
Dir im Glanz!
Ein Hoch auch
brausend dem Carneval,
dem Opernball!

Nr. 8 - Duett
Henri, Hortense

Henri tritt während des Ritornells ein und bleibt vor der Uhr, die im Mittelgrunde ist, stehen

HENRI
Hier ist die Uhr,
hier soll ich warten,
es dauert hoffentlich nicht lang,
dies Rendez-vous,
das muss ich sagen,
macht mir doch ein wenig bang!
Zum ersten Mal, dass eine Dame
mir schrieb solch einen Brief,
zum ersten Male, zum ersten Male
nur hoffentlich geht’s nicht schief.
sieht nach der Uhr
Wo sie nur bleibt?
Hätt’ ich sie verfehlt?
sieht wieder nach der Uhr
Wie mich die Ungeduld
Peinigt und quält!

Wo? Wo? Wo ist mein Rosa Domino?
Such’ ich da? Such’ ich dort?
Dies ist doch der rechte Ort!
Wo? Wo? Wo ist mein Rosda Domino?
Ach, ich seh’ ihn nirgends hier.
Vielleicht dort? Suchen wir!
Ab

HORTENSE
Tritt im Rosa Domino mit Maske ein
Hier ist die Uhr,
hier soll ich warten,
und er ist noch gar nicht da?
Na, es wird nicht zu lange dauern,
dessen sicher bin ich ja!
Zum ersten Mal, dass eine Dame
ihm schrieb ein Billet-doux,
er kommt bestimmt, 's gibt keinen Zweifel,
er kommt zum Rendez-vous.
Wo er nur bleibt? Hätt’ ich ihn verfehlt?
Richtig! Da kommt er ja in Eile und Hast!

Hortense tritt ein wenig zurück, so dass sie von Henri nicht gesehen wird und hinter ihm zu stehen kommt

HENRI
tritt auf, sieht sich suchend um
Nirgends zu seh’n!
Nicht dort und auch nicht da!

HORTENSE
die hinter ihn getreten
Drehen Sie sich um,
da bin ich ja!

HENRI
Sich rasch umwendend, verlegen
Madame …

HORTENSE
kokett
Monsieur!

HENRI
sicherer
Sie sehen, ich bin zur Stell’!
O sagen Sie mir, wer Sie sind!

HORTENSE
Gemach, nicht gar so schnell!
nimmt seinen Arm, lehnt sich an ihn
Geh’n wir ins Chambre séparée,
ach, zu dem süssen Tête-à-tête,
dort beim Champagner und beim Souper
man alles sich leichter gesteht!

BEIDE
Geh’n wir ins Chambre séparée,
ach, zu dem süssen Tête-à-tête,
dort beim Champagner und beim Souper
man alles sich leichter gesteht!

HORTENSE
sinnlich, kokett
So kommen Sie!

HENRI
feurig
O Engel du!

HORTENSE
hält ihm den Mund zu
Pst! Nicht so laut! Nur Ruhe, Ruh’!

HENRI
glühend, gehaucht
Kaum dämpfe ich des Herzens Glut!

HORTENSE
sinnlich, kokett
So kommen Sie!

HENRI
lüstern
Zm Tête-à-tête …

HORTENSE
Und zum Souper …

HENRI
stürmisch
Wo man gesteht …

HORTENSE
hält ihm den Mund zu
Still!

HENRI
trocknet sich die Stirn
Mir siedet und wallt das Blut,
mir wallt das Blut!
Ach, geh’n wir ins Chambre séparée!

HORTENSE
Ach, zu dem süssen Tête-à-tête!

BEIDE
Dort beim Champagner und beim Souper
man alles sich leichter gesteht!
Ach, kommen Sie zum Tête-à-tête
ins Chambre séparée!

Nr. 9 - Duett
Marguérite, Paul

MARGUÉRITE
sehr pikant
Mein Herr, es ist Beleidigung,
wenn Sie mich sowas fragen!
Was soll ich als Beeidigung
da weiter Ihnen sagen?
Ob man eine Pariserin,
braucht man nicht zu gesteh’n,
das muss ein Jeder ohnehin
erkennen und versteh’n!
Schau’n Sie sich dieses Füsschen an
in diesem kleinen Schuh.

PAUL
schnalzt mit den Lippen
Und wie er niedlich trippeln kann,
da schaut man gerne zu!

MARGUÉRITE
Schau’n Sie sich dieses Röckchen an
lässt den Domino rauschen
und wie es macht frou frou
dreht sich

PAUL
wie oben
Und die Tournüre!
Ach, das greift mich an,
bitte, geben Sie schon Ruh!

MARGUÉRITE
Ist das nicht pschütt,
ist das nicht chic?
Und dann, ob ich gewiss
Pariserin, das frägt man doch
nicht nur so her und hin!

BEIDE
Ja das ist pschütt,
ja das ist chic,
und dann, ob ich gewiss/dass sie
Pariserin, das sieht man gleich
auf den allerersten Blick!
Leicht graziöse Tanzbewegung in Pariser Manier

PAUL
sehr pikant
Madame, Sie seh’n mich tief beschämt,
wie könnt ich sein im Zweifel,
aus Ihren Augen blitzen ja
pariserische Teufel!
Man hört es auch noch am Dialekt,
den Sie charmant parlieren,
das lässt sich nicht kopieren.

MARGUÉRITE
Dann seh’n Sie auch das Händchen hier
Und wie es fein gantiert.

PAUL
schnalzt mit den Lippen
Das hat ja höchstens Nummer vier,
so ein Handerl imponiert.

MARGUÉRITE
Was sagen Sie zu dem Parfüm,
gibt’s das noch anderswo?

PAUL
wie oben
Jetzt glaub’ ich’s gern,
Sie sind Pariserin,
und zwar eine comme il faut.

MARGUÉRITE
Ist das nicht pschütt,
ist das nicht chic?
Und dann, ob ich gewiss
Pariserin, das frägt man doch
nicht nur so her und hin!

BEIDE
Ja das ist pschütt,
ja das ist chic,
und dann, ob ich gewiss/dass sie
Pariserin, das sieht man gleich
auf den allerersten Blick!
Leicht graziöse Tanzbewegung in Pariser Manier

Nr. 10 - Finale

DRITTER AKT

Entre-Act

Nr. 11 - Spiel-Szene
Hortense

Es schlägt die Uhr

HORTENSE
tritt auf, gähnt und gähnt noch einmal
Ach, bin ich müde! Ich muss mich setzen.
Setzt sich auf einen Fauteuil, lehnt sich zurück, die Augen halb geschlossen
Es war zu reizend.
gähnt
Die Herrschaften haben’s gut, die liegen jetzt im Bett,
aber ich muss wie gewöhnlich …
dehnt sich gähnend
Pause
sie spricht im Halbschlummer
… zur Arbeit und ich falle fast um vor Schläfrigkeit …
lacht vergnügt vor sich hin
Lustig war’s und getanzt hab’ ich rasend.
Tut, als ob sie mit einem Tänzer spräche
"Schöne Maske!"
tut, als ob der Tänzer um Stärkung liefe; kommt zurück
"Ein Glas Limonade gefällig?"
übermütig lachend
"Lieber ein Glas Schampus!"
Lacht hell auf und lässt sich wieder in den Fauteuil fallen, wo sie weiter zu träumen scheint. Lässt einen Arm sinken, kommt in unbequeme Lage, so dass sie plötzlich auffährt. Lacht
Und der Seebär, Herr Henri!
Ich glaube, es hat ihm an Moneten gefehlt.
das Souper, das er mir servieren liess, war sehr mager,
aber unternehmend wr er im Chambre séparée! Alle Achtung!

singt, zunächst ohne Text
… zum ach, zu dem süssen Tête-à-tête,
dort beim Champagner und bei Souper
man leichter sich alles gesteht.
Geh’n wir ins Chambre séparée,
ach zu dem süssen Tête-à-tête,
dort beim Champagner und bei Souper
man Alles sich leichter gesteht.
Ach, kommen Sie zum Tête-à-tête
Ins Chambre séparée.

Versinkt etwas in Nachdenken
Aber Herr Duménil war noch viel unternehmender, o viel!
Den Domino hat er mir sogar verbrannt!
Und gar Herr Paul Aubier!
Wenn das seine Frau wüsste! Vor Liebesglut hat er mir den Domino zerrissen!
Ich war froh, dass ich die Beiden vom Halse hatte, aber dann kam ich erst ins Gedränge beim Cotillon … beim Can-Can!
macht einen kecken Pas
Ich flog nur so von Hand zu Hand!
Sie beginnt zu tanzen, kommt immer mehr ins Feuer, tanz ab

Nr. 12 - Duettino
Henri, Beaubuisson

HENRI
Lieber Onkel, Du hast keine Ahnung,
wie man mit Weibern verkehrt.

BEAUBUISSON
Ja, ausser meiner Gattin
Hat darüber mich keine belehrt.

HENRI
Ich lehre Dich, ich habe Routine …

BEAUBUISSON
Ach geh’, Du Lebe-Säugling, Du,
bin sehr gespannt, wohlan, Herr Lehrer!

HENRI
Nun, junger Mann, so höre mir zu!

Wenn man bei einer Dame man
Liebe will gewinnen,
muss man mit den Augen erst,
das Gefecht beginnen!
Erst sieht man sie lächelnd an,
später aber sehnend,
schmachtend, glühend, und so fort
langsam sie gewöhnend.
Auf die Fingerspitzen wagt man
dann die ersten Küsse,
tut so, als ob die seien
himmlische Genüsse!
Hat sie einen Handschuh an,
ist man sehr betroffen
sucht erst und küsst selig dann,
wo ein Fleckchen offen.

BEAUBUISSON
Weiter, weiter, junger Mann, ich sehe,
dass man von dir etwas lernen kann!

HENRI
Erstens Augen,…

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
zweitens lächeln …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
drittens sehnen …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
viertens glühen …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
fünftens Handkuss

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
sechstens selig …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
Sieb’ntes hat sie Handschuh an,
such man achtens
ein off’nes Fleckchen dran!

BEAUBUISSON
Du machst mit Mut,
das ist sehr gut!

HENRI
Wie sagt doch der alte Poet,
der die Sache prächtig verstand?

Komm’ den Frauen zart entgegen,
du gewinnst sie auf mein Wort,
doch bist keck du und verwegen,
kommst du noch viel besser fort!

BEIDE
Komm’ den Frauen zart entgegen,
du gewinnst sie auf mein Wort,
doch bist keck du und verwegen,
kommst du noch viel besser fort!

HENRI
Hat man die Gelegenheit
Und kann’s niemand hören,
dann soll amn auf jeden Fall
seine Lieb’ erklären!
Sieht man nun, woran man ist,
geht man tapfer weiter,
und je mehr man tapfer ist,
na, umso gescheiter.
Sie ist erst noch voll Moral,
fest wie zwanzig Schlösser,
ist sie aber nicht so fest,
na, dann umso besser,
hast du’s bis dahin gebracht,
wirst du sicher siegen,
schwör ihr: "Bin total diskrett,
wie das Grab verschwiegen!"

BEAUBUISSON
Bravo bravo, junger Mann, ich sehe,
dass man von dir etwas lernen kann!

HENRI
Erstens schwören,…

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
zweitens heimlich …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
drittens tapfer …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
viertens mehr noch …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
fünftens sittlich …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
sechstens wen’ger …

BEAUBUISSON
Das ist gut …,

HENRI
Sieb’ntes schwört man, das ist Pflicht,
dass man achtens
auch nicht ein Wörtchen spricht!

BEAUBUISSON
Du machst mit Mut,
das ist sehr gut!

HENRI
Wie sagt doch der alte Poet,
der die Sache prächtig verstand?

Komm’ den Frauen zart entgegen,
du gewinnst sie auf mein Wort,
doch bist keck du und verwegen,
kommst du noch viel besser fort!

BEIDE
Komm’ den Frauen zart entgegen,
du gewinnst sie auf mein Wort,
doch bist keck du und verwegen,
kommst du noch viel besser fort!

Nr. 13 - Quintett

Schlussgesang

ANGÈLE
Überall, überall ist es schön in der Welt
Und Paris, und Paris ist die Rose im Strauss!
Überall, überall ist es schön in der Welt,
doch am schönsten, am allerschönsten,
am allerschönsten ist’s doch nur zu Haus!

ALLE
Am allerschönsten, am allerschönsten
am allerschönsten ist’s immer zu Haus!