Lakmé

Lakmé

Oper in drei Aufzügen

Libretto

Edmond Gondinet und Philippe Gille

Uraufführung

14. April 1883, Paris (Opéra-Comique)

Besetzung

GERALD, englischer Offizier (Tenor)
FREDERICK, englischer Offizier (Bariton)
NILAKANTHA, Brahmanenpriester (Bass)
LAKMÉ, seine Tochter (Sopran)
MALLIKA, deren Begleiterin (Alt)
HADJI, Diener Nilakanthas (Tenor)
ELLEN, Geralds Verlobte (Sopran)
ROSE, ihre Cousine (Mezzosopran)
MISTRESS BENTSON, deren Erzieherin (Mezzosopran)
Ein WAHRSAGER
Ein KAUFMANN
Ein GAUNER

CHOR
Hindu-Männer und Frauen, englische Offiziere und Frauen, Matrosen, Bajaderen, chinesische Kaufleute, Musikanten, Brahmanen

Ort

Eine englische Besitzung in Indien

Zeit

Ende des 19. Jahrhunderts

Delibes, Léo

Delibes, (Clément Philibert) Léo
21.2.1836 St.-Germain-du-Val, Sarthe - 16.1.1891 Paris


Bühnenwerke
mit Datum/Ort der Uraufführung:

Deux Sous de charbon, ou Le Suicide de bigorneau (9.2.1856 Paris)
Deux Vieilles gardes (8.8.1856 Paris)
Six Demoiselles à marier (12.11.1856 Paris)
Maître Griffard (3.10.1857 Paris)
La Fille du golfe (1859; np?)
L'Omelette à la Follembuche (8.6.1859 Paris)
Monsieur de Bonne-Etoile (4.2.1860 Paris)
Les Musiciens de l'orchestre (25.1.1861 Paris) [+ Offenbach, Erlanger, Hignard]
Les Eaux d'Ems (1861 Ems)
Mon Ami Pierrot (7.1862 Ems)
Le Jardinier et son seigneur (1.5.1863 Paris)
La Tradition (5.1.1864 Paris)
Grande nouvelle (1864; np?)
Le Serpent à plumes (16.12.1864 Paris)
Le Boeuf Apis (25.4.1865 Paris)
Malbrough s'en va-t-en guerre (13.12.1867 Paris) [+ Bizet et al.]
L'Écossais de Chatou (16.1.1869 Paris)
La Cour du roi Pétaud (24.4.1869 Paris)
Le Roi l'a dit (24.5.1873 Paris)
Jean de Nivelle (8.3.1880 Paris)
Lakmé (14.4.1883 Paris)
Kassya (24.3.1893 Paris) [+ Massenet]
Le Don Juan suisse ()
La Princesse Ravigote ()
np = keine Aufführung



ERSTER AKT
Indischer Hain mit Tempel. Hindus liegen im Gebet vor Brahma. Nilakantha lobt sie und dankt ihnen für ihre Treue. Die aus dem Tempel tretende Lakmé empfiehlt er während seiner Abwesenheit ihrer Dienerin Mallika und dem Diener Hadji. Da dringen englische Offiziere, Gerald und Friedrich, in Begleitung von Ellen, Rosa und Miss Bentson in den heiligen Hain. Gerald, von seltsamen Ahnungen befallen, trennt sich von den anderen und skizziert den herrlichen Schmuck, den Lakmé, als der Vater gegangen war, abgelegt hat. Lakmé kehrt mit Mallika zurück. Gerald tritt, von ihrem Liebreiz gefesselt, aus dem Versteck hervor, in das er schnell geflüchtet war, und fleht sie um ihre Liebe an. Sie drängt ihn zur Flucht, denn sie erblickt in der Ferne den heimkehrenden Vater, der, als er den eingetretenen Zaun sieht, Unheil für die Tochter ahnend, dem Eindringling Rache schwört.

ZWEITER AKT
Marktplatz in einer indischen Stadt. Allerhand Volk drängt sich im bunten Gewühl der Stadt; auch Offiziere mit ihren Damen sind vertreten; Bajaderen tanzen und singen. Im Bettlergewand wandert Nilakantha mit Lakmé durch die Menge; rachesüchtig hofft er, dass sich der Fremdling beim Anblick seiner Tochter verraten möge, damit er ihn bestrafen könne. Tatsächlich wird Gerald durch Lakmés Gesang auf die angebetete Schöne aufmerksam und von Nilakantha als Missetäter erkannt. Die Menge verläuft sich, Nilakantha wird mit ihr fortgerissen, und Lakmé, mit Gerald allein, warnt ihn vor der ihm drohenden Gefahr. Zu spät. Schon haben Brahmanen einen Kreis um ihn geschlossen; von Nilakanthas Dolch getroffen, stürzt Gerald nieder, wird aber, als die Feinde in der Pagode verschwunden sind, von Lakmés Diener Hadji fortgeschafft, den sie zu seiner Rettung bestimmt hat, denn auch sie liebt Gerald.

DRITTER AKT
Urwald mit Hütte. Von Lakmé behütet, schlummert Gerald. Während ihm Lakmé seine Rettung erzählt, dringt aus der Ferne Gesang zu ihnen. Es sind Liebespaare, die zur heiligen Quelle wallfahren, um aus geweihter Schale den sie fürs Leben vereinenden Trunk zu tun. Auch sie will dorthin. Während sie fern ist, wird Gerald von Friedrich gefunden, der sich aber vor der Zurückkehrenden verbirgt. Doch Lakmé entgeht es nicht, dass ihr Geliebter nicht mehr mit ganzem Herzen bei ihr weilt. Er hört Soldatenmusik von draussen und springt auf, um zu seinen Kameraden zu eilen. Da zerkaut die Tochter des düsteren Brahmanen eine giftige Daturablüte, lächelnd, doch auf den Tod erbleichend. Bemüht, den Geliebten noch im Tode zu retten, reicht sie ihm die geweihte Schale, aus der sie getrunken hat. Nilakantha stürzt herein und will Gerald ermorden. Schmerzvoll richtet sich die sterbende Lakmé auf, um dem Vater zu sagen, dass sie gemeinsam aus der heiligen Schale getrunken haben, und dass der Geliebte dadurch seiner Rache entrückt sei. Während Gerald tief erschüttert vor der Leiche Lakmés steht, preist Nilakantha ihr Geschick, das sie von irdischer Schmach erlöst habe.


--> OPER "in nuce"
ATTO PRIMO
In India, durante il dominio inglese. La bellissima Lakmé è la figlia del bramino Nilakantha, al quale gli inglesi hanno proibito di professare la propria religione, costringendolo così a vivere in un rifugio segreto ai margini della giungla. Durante un’assenza del padre Lakmé viene sorpresa dal giovane ufficiale inglese Gerald, il quale con alcuni amici si è furtivamente introdotto nell’abitazione. Tra i due giovani scatta un’attrazione subitanea, ma l’improvviso ritorno di Nilakantha costringe Lakmé a far fuggire precipitosamente Gerald. Il bramino, accortosi dell’intrusione, furioso giura vendetta.

ATTO SECONDO
Per scoprire chi sia l’audace che ha osato violare il loro rifugio, Nilakantha, travestito da mendicante, costringe Lakmé a cantare davanti alla guarnigione inglese (‘aria delle campanelle’). In tal modo egli pensa di scoprire il profanatore e quando Gerald accorre in soccorso di Lakmé, che al colmo dell’emozione sta per svenire, il bramino lo ferisce con un pugnale.

ATTO TERZO
Lakmé, aiutata dal fido Hadji, ha trasporato Gerald in un luogo segreto della foresta. Lo cura amorevolmente e riesce a guarirlo (“Sous le ciel tout étoilé”); per benedire la loro unione, Lakmé si reca ad attingere acqua alla vicina fontana dell’amore eterno, ma al suo ritorno crede che Gerald voglia abbandonarla per riunirsi al suo reggimento. Comprendendo che se egli restasse con lei sarebbe per sempre infelice, la fanciulla di nascosto si avvelena. E quando Gerald, fra il dovere e l’amore, sceglie quest’ultimo bevendo l’acqua sacra, spira felice tra le sue braccia.


Personen:
GERALD, englischer Offizier (Tenor)
FREDERICK, englischer Offizier (Bariton)
NILAKANTHA, Brahmanenpriester (Bass)
LAKMÉ, seine Tochter (Sopran)
MALLIKA, deren Begleiterin (Alt)
HADJI, Diener Nilakanthas (Tenor)
ELLEN, Geralds Verlobte (Sopran)
ROSE, ihre Cousine (Mezzosopran)
MISTRESS BENTSON, deren Erzieherin (Mezzosopran)
Ein WAHRSAGER
Ein KAUFMANN
Ein GAUNER

CHOR
Hindu-Männer und Frauen, englische Offiziere und Frauen, Matrosen, Bajaderen, chinesische Kaufleute, Musikanten, Brahmanen



ERSTER AUFZUG

Ein sehr schattiger Garten mit allen Blumen Indiens

Nr. 1 - Introduction

CHOR
Zu der gewohnten Stunde,
Da der Duft in der Runde
Giebt vom neuen Tag Kunde,
Im glüh'nden Morgenroth,
Lasst Gebete ertönen,
Um den Zorn zu versöhnen,
Mit dem Brahma uns bedroht.

NILAKANTHA
Gesegnet drei Mal seid,
Ihr, die in Treue stehet
Zum Priester, der verkannt,
Verhöhnet und geschmähet.
Bald wird der Sieger im Land
In seinem Zwang ermüden;
Sind die Götter auch verbannt
Aus den hundertjähr'gen Tempeln;
Schon unsre Feinde seh' ich
Vor Brahma's Rache erbeben;
Wenn sie losbricht fürchterlich,
Wird sie uns Befreiung geben.
Gott bestimmt des Schicksals Lauf,
Spricht zu mir aus des Himmels Höhen,
Ich seh' ihn, steig' zu ihm auf,
Höre ich der Tochter Flehen.

LAKMÉ
Weisse Durga,
Bleicher Schiwa,
Mächt'ger Ganeza!
O Ihr, die erschuf Brahma!

CHOR
O Durga, weisse Durga,
Ganeza, beschützet mich,
Schiwa, besänft'ge Dich!
Mächt'ge Götter, die schuf Brahma.

NILAKANTHA
In Frieden zieht und wiederholet gleich
Euren Morgengesang. Nun geht, Gott höret Euch.

CHOR
Zu der gewohnten Stunde etc.

Nr. 1bis - Scene

NILAKANTHA
Lakmé, Du bist's, die Schutz uns bringet!
Wenn gegen uns'ren Feind der Trotz mir noch gelinget,
Obgleich Besiegte wir sind,
Ist's, weil Gott Mitleid hat mit Dir, dem reinen Kind.

LAKMÉ
Als Brahma einst in seiner Liebe
Eine Blume zerrieb, schuf den Himmel, die Erd',
Ward uns zum Heil bescheert,
Dass die Hoffnung uns bliebe.

NILAKANTHA
Doch, ohne Aufenthalt verlass' ich Dich.

LAKMÉ
Wie, schon jetzt?

NILAKANTHA
nichts befürchte!
Die heilige Pagode, die man der Stadt noch liess, erwartet mich,
Es rufet das Fest für morgen.
Bei Lakmé bleibet Ihr.

HADJI
Wir werden treulich sorgen.

MALLIKA
Wir Beide hüten sie.

NILAKANTHA
Eh' es Nacht, glaubet mir,
Seht Ihr mich wieder hier.

Ensemble

Dass der Himmel mich / Dich schütze
Vor jeder Frevelthat,
Sei Führer mir / Dir und Stütze,
Erleuchte meinen / Deinen Pfad.

Nr. 2 - Duo

LAKMÉ
Komm', Mallika, die Lianen, sie blüh'n
Und werfen schon die Schatten
Auf uns'ren heil'gen Bach, der ruhig düster fliesset,
Nur erweckt durch die Vögel, die lärmend entflieh'n.

MALLIKA
Meine Herrin! Die Zeit ist's, wo Du gern magst scherzen,
Die Stund' allein, wo in Lakmé's Herzen,
Das sich vor der Welt verschliesst,
Mallika liest.

Ensemble

Unter laub'gem Dach, wo Jasmin in Pracht
Bei der Rose erscheinet,
Wo das Ufer blüht und dem Morgen lacht,
Lass uns eilen vereinet.
Und die kleine Hand folgt der Strömung gut,
Spielend in der Fluth sie ruht.
Die Wellen lustig springen,
Nahen, sie zu umschlingen;
Komm', komm' zu der Stell',
Ruhig fliesst der Quell
und Vöglein singen.

LAKMÉ
Doch, weiss nicht, was mir so plötzlich geschehen,
Die Furcht quälet mich;
Wenn mein Vater allein muss zu jener Stadt gehen,
Vor Schrecken, vor Angst zitt're ich.

MALLIKA
Dass Gott Ganeza ihm Schutz mag verleihen!
Lass gehen uns zu dem nahen Teich,
Wo Schwäne sich mit uns erfreuen;
Der blaue Lotos steht dort so reich.

LAKMÉ
Ja, zu den Schwänen, die mit uns sich freuen,
Die blauen Lotos pflücken wir gleich.

Ensemble

Unter laub'gem Dach usw.

Nr. 2bis - Recitativ

MISTRESS BENTSON
Miss Rosa, Miss Ellen, den Verschluss respektiren!

ELLEN
Wir woll'n ein wenig nur durch die Bambus seh'n.

ROSA
Ich hab' geöffnet; man kann hindurch.

GERALD
MISTRESS Bentson lässt sich hier zu Abenteuern verführen.

MISTRESS BENTSON
Nicht in der Ordnung ist's!

GERALD
Aber doch amüsant.

FRIEDRICH
Recht gefährlich manchmal.

GERALD
Was ich ganz wohl erkannte.

MISTRESS BENTSON
Doch ich, ich soll vorsichtig sein,
Ich als Gouvernante.

ELLEN
Die Bäume, diese Blumen, nichts sieht drohend aus.

FRIEDRICH
Vertrau'n Sie ihnen nicht! Diese Blume, äusserlich so heilig,
Datura heisset sie, die so reizend und weiss,
Enthält doch starkes Gift.

MISTRESS BENTSON
Dies Indien ist abscheulich!

GERALD
Ach, 's ist ein Land, märchenhaft,
Wo eine schöne Blume den Tod uns verschafft.

FRIEDRICH
O, Du Dichter, der wandelt in himmlischen Bahnen,
Erkennst Du dort den Lotos der Brahmanen?
Die verborg'ne Pagode befindet sich hier;
Bei Nilakantha sind wir -

ALLE
Bei Nilakantha!

FRIEDRICH
Dem fanatischen Brahmanen, der stachelt die Indier
Zum Hass und zur Rache.
Er erzog seine Tochter als ein göttlich Wesen;
Wie man sagt, soll ein Zauber sie umgeben,
Doch verborgen will ewig sie für Brahma leben
In diesem Paradies, nur Vertrauten bekannt;
Sie wird Lakmé genannt.

GERALD
Lakmé!

Nr. 3 - Quintett

ELLEN
Ist eine Frau wirklich so reizend,
Dann ohne Grund verbirgt sie sich.

FRIEDRICH
In diesem Land ist Alles Narrheit,
Drum geb' ich's zu und füge mich.

GERALD
Ein Ideal, der Gottheit ähnlich!

ROSA
Das mit Gewalt man schliesset ein.

GERALD
Entfernt von Menschen, die gewöhnlich!

MISTRESS BENTSON
Sie muss wohl furchtbar hässlich sein.

ELLEN
Jede Frau wird Lob gerne hören,
Ist dieses Lob noch so gering.

FRIEDRICH
In Europa will ich drauf schwören,
Aber hier ist's ein ander' Ding.

GERALD. ELLEN. ROSA. MISTRESS BENTSON
Ach, wollt nicht Systeme bauen,
Wie das Herz so wandelbar,
Poesie lässt erschauen,
Was voll Reiz, doch selten wahr.
Ja, es gleichen sich üb'rall die Frauen
Zum Glück ganz und gar.

FRIEDRICH
Ich mag nicht Systeme bauen,
Ich prüfe lieber klar,
Statt Poesie zu schauen.
Nicht gleichen sich die Frauen
Ueb'rall ganz und gar.

ELLEN
Wenn wir nun suchten ihre Spuren
Im abgeleg'nen Aufenthalt?

FRIEDRICH
O nein - 's wär' am End' zu verwegen,
All' ihre Götter brauchten Gewalt!

ROSA
Hat sie überird'sche Manieren?

FRIEDRICH
Ich denk', sie ist lieblich zum Verführen.

GERALD
Fällt man sofort zu Füssen ihr?

MISTRESS BENTSON
Sagt doch gleich, sie ist besser als wir.

FRIEDRICH
Ich will mit Thorheit gern verschonen,
Doch - sag' ich es grad' heraus:
Die Frauen in heisseren Zonen
Seh'n gegen die unsren anders aus.
Ihre Tugend stellt sich nur sehr einfach dar,
Ihre Lieb' kennt nicht Kontrakt und nicht Notar;
Nicht die Lieb', die durch Kokett'rie gewinnet,
Kein Gefühl, das man süss und zärtlich nennt,
Das sich im Verborg'nen entspinnet,
Und dann führt zum moral'schen End'.
Nein, die Lieb' ist ihrem Wesen Hochgenuss,
Und ihr Herz nur lebt, dass es bezaubern muss.

ELLEN
Das sind die Frau'n, die idealen,
Bezaubern für den Augenblick,
Wir scheinen ihnen die banalen,
Wir, die erstreben and'res Glück.
Man erobert uns nur fein und sehr gewandt,
Furcht vor Ueberraschung leitet den Verstand,
Doch sie haben nicht, Eure Zauberinnen,
Unser Zagen, wenn wir ein Geständniss scheu'n,
Nicht Verwirrung, Seligkeit drinnen
Von dem Glück, wie man schwärmt zu Zwei'n!
Jener Zauber wird niemals von Dauer sein,
Wahrer Liebe fähig sind nur wir allein.

FRIEDRICH
Möglich erscheint's, dass man sich irret.

ELLEN, ROSA, MISTRESS BENTSON
Ja wohl, Ihr Geist, der sich verwirret.

GERALD
Aus Poesie hat er gefehlt!

FRIEDRICH
Ich sag' nur, was man mir erzählt.

ALLE
Ja, sein Geist, der sich verwirret,
Glaubte, was man ihm erzählt.
Ach, wollt nicht Systeme bauen etc.

Nr. 3 bis - Recitativ

FRIEDRICH
Wir scherzen da mit heil'gen Dingen,
Für die Brahmanen fordern Blut.

GERALD
Soldaten haben Muth!

FRIEDRICH
Und eines Tags ist man todt, Niemand ahnet die Schlingen.

MISTRESS BENTSON
Dann fort, schnell fort!

ROSA
O, dieser Schmuck!

MISTRESS BENTSON
Folgen Sie!

ELLEN
O, wie reizend und fein, das wollen wir beseh'n.

MISTRESS BENTSON
Nein, nein!

ELLEN
Lasst's uns wagen!

GERALD
Nun gut! Gar schnell zeichn' ich ihn ab.

ELLEN
Sie bleiben hier allein?

GERALD
Dereinst am Tag der Hochzeit mögen Sie ihn tragen.

ELLEN
Und doch - droht auch keine Gefahr?

GERALD
Nein!

FRIEDRICH
Unklug find' ich's nur.

GERALD
Furchtsam gar?

FRIEDRICH
Welch' undankbar' Geschäft, was Gescheidtes zu sagen.

Nr. 4 - Arie

GERALD
Zeichne ich mir ab dies Geschmeid',
Wär' das wirklich so strafbar? Ach, Friedrich geht zu weit!
Doch woher plötzlich kommt dies befremdliche Bangen?
Welch' unerklärliches Gefühl hält die Sinne gefangen
Vor dieser feierlichen Ruh'!
Mädchen, durch meine Laune tritt die Fremde zu mir hervor,
Ihre Stimme mir ganz nahe flüstert so leis zu meinem Ohr.
Nein, nein!
Diese Bilder, nebelhafte Schäume,
Sind doch holde Wahrheit nie;
Kehre wieder in das Land der Träume
Auf gold'nen Flügeln, o Phantasie!
Zart mag er sein, der Arm der Heidin,
Den dieser Reif so oft umschlingt;
O ganz gewiss, klein ist das Händchen,
Das hier hindurch den Weg erzwingt.
Der gold'ne Ring wird sie begleiten
Bei jedem Gang - welch' schönes Loos -
Den kleinen Fuss, bestimmt, zu schreiten
Auf Blumenpfad, auf weichem Moos.
Dies Band, das sie um den Hals getragen,
Es wirkt sein Duft auf mich mit aller Macht,
Es fühlte wohl oft ihres Herzens Schlagen,
Wenn des Geliebten sie treu gedacht.
Nein, nein!
Flieht, ihr Gedanken,
Schon beginnt zu wanken
Zaubergleich mein Verstand.
Diese Bilder, nebelhafte Schäume u.s.w.
Nein, es bleibe dieser Schmuck in seiner Ruh',
Nichts berühr' ich hier,
Fast wie Entwürd'gung schien' es mir.
Lakmé! Wie hübsch das klingt!
Doch was tönet jetzt mir zu?
Gesang so süss, wie man ihn hört in diesem Land.
Sie ist es, Lakmé ist's, voll Blumen jede Hand.
Ja, sie ist's!

Nr. 4bis - Scene

LAKMÉ, MALLIKA
Mein Fleh'n lass zu Dir dringen,
Schütze uns vor Schlingen,
Die uns vom Feind gelegt!

LAKMÉ
Nun eilen wir zu den durchsicht'gen Wogen -
Ihr sorglos Plätschern, bis hierher kommt es gezogen,
Vor der drückenden Gluth spenden Kühlung sie uns.

MALLIKA
Günstige Zeit, da schon von allen Seiten
Die laubigen Bäume
Ihre kühlen Schatten weit umher verbreiten.

Nr. 5 - Scene und Lied

LAKMÉ
Doch ich fühle mein Herz so verwirrt und bewegt.
Die Blüthen, sie winken hernieder,
Sie spenden herrlichen Duft,
Der Wald hat für mich neue Lieder -
Wie so mild umspielt mich die Luft!
Welche Mächte, die mich erheben,
Alles zucket, jetzt fang' ich an zu leben!

Warum treibt es zum tiefen, dunklen Walde mich?
Dann weine ich.
Warum bin ich so traurig, wenn Vogelstimmen schallen,
Bei einer welken Blume, bei den Blättern, die fallen?
Und dann so wohl wird mir, schau' voll Sehnsucht mich um,
Ach, ich fühl' mich glücklich! Warum?

Warum tönt's wie Gespräch aus dem Wasser hervor,
Aus Schilf und Rohr?
Warum das Hochgefühl, das mich seltsam entzündet?
Wie balsamischer Hauch naht es mir und verschwindet.
Dann möcht' ich rufen gern, doch mein Mund bleibt stumm,
Ach, ich fühl' mich glücklich! Warum?
Ha! Mallika!

MALLIKA
Lakmé! Ist Dir Schlimmes begegnet?

LAKMÉ
O, nichts, ich täuschte mich. Alles schrecket mich heut!
Auch kommt mein Vater nicht, und die Stunden vergehen;
Eilt Beid' entgegen ihm, geht!

Nr. 6 - Duo

LAKMÉ
Woher kommst Du? Und was willst Du? Deine
Kühnheit zu strafen
War Dein Loos der Tod ganz sicherlich.
Doch meiner Furcht jetzt schäm' ich mich;
Ich will nicht den Argwohn wecken,
Dass der Fuss des Barbaren konnte schmachvoll beflecken
Diesen Ort, wo mein Vater sich musste verstecken.
Was jetzt Dein Aug' geseh'n, das vergiss ewiglich!
Nun geh'! Der Götter Tochter bin ich!

GERALD
Nein, die Hoheit Deiner Züge,
Triumphirend wie im Siege,
Ewig ruf' ich sie zurück.
Die Gestalt, die zornig zittert,
Drohet unbeugsam, erbittert,
Und mit diesem Kindesblick.

LAKMÉ
Verwegner, dämpfe die Flamme,
Kein Bruder von meinem Stamme
Spräche so an diesem Ort.
Doch der Rächer kann nicht schlafen,
Gott wird Deinen Frevel strafen,
Und nun, sogleich, fort, nur fort!

GERALD
Nein, ich kann ja nie vergessen
Diese Anmuth unermessen,
Diesen Reiz, der Dich umfängt.
Nie wird mir Dein Bild entschweben,
Denn ich fühle, wie mein Leben
Nur an Deinen Lippen hängt.

LAKMÉ
Du wusstest nicht, dass Dein Verweilen
Nur Gefahr Dir gebracht. Und nun mögest Du eilen,
Geh'; um Dein Leben ist sonst es sicher gescheh'n.
Geh'!

GERALD
Gönne mir, Dich anzuseh'n.

LAKMÉ
Nur für mich, die in Hass erglühet,
Um bei mir zu sein den Augenblick,
Weicht er vor dem Tod nicht zurück.
Welche Macht, die zu mir ihn ziehet?
Nichts lässt ihn zagen? Ist es Spott,
Dieses übermenschlich' Wagen?
Wer hilft Dir denn, wer ist der Gott?

GERALD
Der Gott? Der Gott? Ja,
s`ist der Gott der holden Jugend,
s`ist der Gott der Frühlingszeit,
Der in seinen heissen Küssen
Uns spendet Seligkeit;
Der aus allen Rosenkelchen
Hervor die Düfte trieb,
Der selbst spricht aus Deinen Launen,
s`ist die Lieb'!

LAKMÉ
Scheint es mir doch, dass sich stehle
Ein Feuerstrahl in meine Seele,
Sie erfüllend mit Furcht und Reu',
Wie klang sein Wort für mich so neu?
's ist der Gott der holden Jugend u.s.w.
's ist die Lieb', ja, die Lieb'!

GERALD
Ach, bleibe, bleibe so, erröthend in Gedanken,
Schon schwand das Bleich Deiner Wange so klar;
Welch' Reiz wunderbar,
Dein Herz beginnt zu wanken.

BEIDE
Ach! 's ist der Gott der holden Jugend u.s.w.

LAKMÉ
Heil'ge Götter, da ist mein Vater, flieh'!
Habe Mitleid, Mitleid nur für mich!

GERALD
Nein, auf ewig denk' ich Dein,
O wunderholdes Bild!

Nr. 6 bis - Szene

HADJI
Komm', da! da!

NILAKANTHA
Ja, eingetreten
Ist ein Fremder hier in mein Haus.

LAKMÉ
O, welche Angst!

NILAKANTHA
Ich muss ihn tödten!
Ha, Rache!


ZWEITER AUFZUG

Ein öffentlicher Platz

Nr. 7 - Marktszene

CHOR
Kommt, Mittag wird es nun bald schlagen,
Kauft billig, billig, lasst Euch sagen,
Dass man getäuscht, soll Niemand klagen.
Kauft, kauft, bald mit dem Markt ist's aus,
Wir ziehen gleich nach Haus!

INDIER
Schuhe sind bei mir zu suchen!

CHINESEN
Ich verkaufe süsse Kuchen!

INDIER
Taschentücher wunderschön -

CHINESEN
Und gar prächtig anzuseh'n.

FRAUEN
Frisch bei mir sind die Bananen,
Diese Blätter Betelkraut,
Schön Geflechte von Lianen,
Feinster Honig, kommt und schaut!

MATROSEN
Soll man Euch erst d'ran ermahnen,
Dass Ihr den Ungläub'gen traut!

CHOR
Kommt, Mittag wird es nun bald schlagen u.s.w.

MISTRESS BENTSON
Die jungen Paare,
Dass Gott bewahre,
Schwatzen von Liebe nur
Und verlieren meine Spur.

EIN WAHRSAGER
Madam, ich kann die Zukunft sagen!

MISTRESS BENTSON
Nein, o nein, hab' kein Behagen.

CHINESE
So kauft diesen gold'nen Schmuck.

MISTRESS BENTSON
Mein Herr, ich hab' das genug.

GAUNER
Lasst doch Madam Zeit zum Erholen!

MISTRESS BENTSON
Danke schön! Er hat mich bestohlen!

WAHRSAGER
Aus der Hand lese ich geschwind,
Ob Sie morgen glücklich sind.

MISTRESS BENTSON
Aber, Herr, will nichts mehr hören!

CHINESE
Dies ist Gesundheits-Elixir,
Verleihet Schönheit, Anmuths-Zier.

MISTRESS BENTSON
Danke, mein Herr, trag' kein Begehren.

CHINESE
Nur noch ein Wort!

GAUNER
Das hab' ich fort!

ALLE
Nur noch ein Wort,
Bald bin ich fort!

MISTRESS BENTSON
Genug! Ich bin die Gouvernante
Bei der Tochter vom Gouverneur!

FRIEDRICH
MISTRESS ist in Wuth, wie ich hör'.

ROSA
MISTRESS Bentson, was ist gescheh'n?

MISTRESS BENTSON
Diebe giebt's, 's ist 'ne Schande!

CHOR
Kommt, Mittag wird es nun bald schlagen etc.

FRIEDRICH
Wie kann man sich d'rob entsetzen,
Dass die Leute sich bemüh'n
Gar zu kühn?

MISTRESS BENTSON
Er ist verschwunden wie der Wind,
Hat meine Uhr davongetragen.
Himmel, was heisst nun wieder das Läuten?

FRIEDRICH
's ist das Signal, das man versteht,
Soll den Marktschluss bedeuten,
Und Alles geht.

MISTRESS BENTSON
Zu spät, mein Gott, zu spät!

Nr. 7bis - Recitativ

MISTRESS BENTSON
Endlich, endlich! Nun wird's doch wohl stille?

FRIEDRICH
Nein, für heute nicht.

MISTRESS BENTSON
Nun, der Markt, der ist doch vorbei!

FRIEDRICH
Die Feier beginnt!

MISTRESS BENTSON
Nein, dieses Volk,
Kann's seine Göttin nicht mit etwas wen'ger Lärm verehren?

ROSA
Da sind die Bajaderen!

MISTRESS BENTSON
Darf eine Engländ'rin sie seh'n?

FRIEDRICH
Ganz wohl!

MISTRESS BENTSON
So sind es nicht gar unmoral'sche Wesen?

FRIEDRICH
Sie leben in Pagoden von ihrer Priester Gaben.

MISTRESS BENTSON
Vestalinnen sind's wohl?

FRIEDRICH
Ja, Vestalinnen, die nichts zu hüten haben.

Nr. 8 - Ballet der Bajaderen

Nr. 8bis - Recitativ

ROSA
Seh'n Sie dort jenen Greis, mit ihm das junge Mädchen!

FRIEDRICH
's ist ein Sanniassy.

ROSA
Wie seine Blicke spähen!

FRIEDRICH
Zur Stadt muss er gehen,
An mildthät'ge Seelen sich zu wenden;
Und die Tochter trägt vor jene frommen Legenden,
Die der Indier so liebt.

MISTRESS BENTSON
Ah, Miss Ellen, endlich hier!

FRIEDRICH
Wie so zufrieden an ihres Bräut'gams Arm.

ELLEN
Ja, ich bin überglücklich! In mein Herz
Scheint die Sonne so strahlend und warm.
Nicht recht war es gestern, dass ich Gerald verliess,
ort, wegen eines Schmucks der kleinen Göttin, angestaunt von Allen.
Plötzlich erfasste mich die unsagbarste Angst,
Mir war's, als säh' ich ihn, wie sterbend, lautlos fallen.
Ein Bild des Wahnes; er ist da, er ist bei mir.

FRIEDRICH
Doch der Zweck ward nicht erreicht.

ELLEN
Desto besser!

FRIEDRICH
Und Nilakantha, hat er sich gezeigt?

GERALD
Die Tochter nur konnt' ich erschauen,
Sie schritt lächelnd und voll Vertrauen
Zu jenem ruh'gen Bach, blauen Lotos sich zu pflücken.
Mein Gewissen erwacht', es hat fort mich getrieben.

ELLEN
Ich will dafür Sie noch mehr lieben.
Wie stimmt dieser Tag mich so froh!

MISTRESS BENTSON
Gehen wir nun nach Haus!

ELLEN
Ich möchte, dass wir blieben.

ROSA
Sie weiss noch nicht, dass Sie morgen weiter ziehen,
Sie und er.

FRIEDRICH
Wie, 's geht fort?

ROSA
Die Sache wird verschwiegen;
Noch heute Abend sammelt sich Ihr Regiment.

FRIEDRICH
Eine Parade?

ROSA
Um die Rebellen zu besiegen.
's ist gut, dass Ellen den Befehl nicht kennt;
Ihr Gemüth, so empfänglich, umdüsterte der Gram,
Doch - ich, ich bin viel stärker und - habe keinen Bräutigam.

FRIEDRICH
Doch die Angst in Ihren Blicken?

ROSA
Für die Schwester bebe ich.

FRIEDRICH
Sie ist zum Entzücken.

ROSA
Ach, dort ist der Greis schon wieder, ich fürchte mich!

Nr. 9 - Scene und Lied

NILAKANTHA
's ist ein armer Mann, der bettelt,
Ein Kind, das singet hier sein Lied.
Diese lärmende Menge
Entfernt sich, wenn sie uns sieht.
Dieses Kleid verbirgt wohl den Rächer,
Wohl Niemand wähnt den Richter, der sucht den Verbrecher.
O, den Engländern stockte vielleicht das Blut,
Merkten sie an meinem Beben,
Was mich führte hierher.

LAKMÉ
Verbietet Brahma uns, einen Schimpf zu vergeben?

NILAKANTHA
Dem Fremdling? Nein, nimmermehr!

I.
Lakmé, was schweift Dein Blick zur Ferne?
Ach, das Lächeln, es meidet Dich;
Wie erbleichen oft leuchtende Sterne,
Verbirgt Deine Schönheit sich.
Gottes Gnade musste entschwinden,
Verlanget blut'ge That, sie mag gescheh'n!
Doch Dein Lächeln soll wieder sich finden,
In Deinem Aug' werd' ich den Himmel seh'n!

II.
Dein Herz ist schwer von Sorg' und Bangen,
Selbst der Schlaf kündet Deine Noth,
Ein Traumbild belebte die Wangen,
Auf Deine Stirn zog flücht'ges Roth.
Gottes Gnade musste entschwinden etc.

LAKMÉ
Ach, es ist nur Dein Gram, der so mich beugt danieder,
Heiterkeit kehrt zurück; sieh', da ist sie schon wieder.

NILAKANTHA
Brach der Verruchte in meine Wohnung ein,
Und trotzt' dem Tode selbst, um bei Dir nur zu sein,
Dann hat die Schmach er verübet,
Weil er Dich liebet!
Dich, theures Kind, Dich, die Tochter der Götter.
Nun geht er siegbewusst im Gedränge,
Doch wir prüfen genau diese fröhliche Menge,
Und, Lakmé, kennt er Dich, o mir sagt es sein Aug',
Dann wanke nicht im Ton, dass es gelinge,
Lächelnd, mein Kind, singe;
Dann ist's Zeit zur That!
Wie durch göttliche Spende
Singt dies Kind hier sogleich die geweihte Legende
Von der Tochter des Paria.

Nr. 10 - Legende

LAKMÉ
Seht Ihr des Paria Tochter,
Eilend, wo ist ihr Ziel?
Wenn der Mond mit seinen Strahlen
Treibt in den Blumen sein Spiel.
Seht, sie läuft mit scheuem Blicke,
Dass sie sich kaum entsinnt,
Wie üb'rall man stösst zurücke
Des Paria armes Kind.
Zwischen Lorbeerbäumen
Mag von Märchen sie träumen,
Und so schreitet sie sacht,
Lacht hinein in die Nacht.
Und dort, im tiefen Wald, im Dunkeln
Ein Wand'rer einsam sich bewegt,
Von sich nicht weit sieht er Augen funkeln,
Doch treibt's ihn weiter ruhelos, aufgeregt.
Die wilden Thiere, sie brüllen
Vor Lust, ihre Blutgier zu stillen.
Das Mädchen fürchtet nicht, dass Untergang ihm winkt,
Sie hält in der Hand das Stöckchen,
Mit dem das Zauberglöckchen
Hell erklingt.
Wie der Fremde sie betrachtet, vor dem Glanze sie wanket,
Der schönste Mann steht vor ihr da;
Wohl fühlt' er Scham, wüsst' er, dass er verdanket
Nur sein Leben dem Kind des Paria.
Er senkt einen Traum auf sie nieder,
Erst im Himmel seh'n sie sich wieder,
Er spricht zu ihr: Hier ist Dein Lohn!
Denn Wischnu war's, des Brahma Sohn.
Seit diesem Tag, im dunklen Wald
Dem Wandersmann manchmal erschallt
Das leichte Geräusch vom Stöckchen,
Mit dem das Zauberglöckchen
Hell erklingt.

Nr. 11 - Scene

NILAKANTHA
Verdammt! Er mied die Schlinge;
Wenn er hier sich fand,
Ich hätt' ihn gleich erkannt.
Singe, mehr noch singe!

LAKMÉ
Mein Vater!

CHOR
Ja, mehr noch singe!

NILAKANTHA
Singe, singe!

LAKMÉ
Seht Ihr des Paria Tochter
Eilend, wo ist ihr Ziel?
Wenn der Mond mit seinen Strahlen
In den Blumen treibt sein Spiel.

NILAKANTHA.
Noch mehr!

LAKMÉ
Seht, sie läuft mit scheuem Blicke,
Dass sie sich kaum entsinnt -

NILAKANTHA.
Nur fort!

GERALD.
Lakmé!

NILAKANTHA.
Ha, Der!

CHOR.
Wirr ist sie, woher?

LAKMÉ
Konnt' den Schmerz nicht bezwingen -
Es ist nichts! 's ist vorbei! Ich will - nun weiter singen.
Ah - ah!

GERALD.
Die Tochter des Brahmanen!

FRIEDRICH
Sie hier!

NILAKANTHA
Das gab Brahma Dir ein; verrathen hat er sich mir!

GERALD
Lakmé ist's, ja, Lakmé!

FRIEDRICH
Hab' wohl Acht!

GERALD
Lasse mich! Ich muss wieder sie seh'n!

FRIEDRICH
Wir müssen geh'n!

GERALD
Man ruft!

CHOR
Die Soldaten! Die Soldaten!

FRIEDRICH
Also dies Kind hielt Dich hier festgebannt?

GERALD
Nein, nein!

NILAKANTHA
Jetzt kenn' ich ihn! Ihn hat Gott hergesandt!

Nr. 12 - Scene und Chor

NILAKANTHA
Wenn das Volk bei frohen Gesängen
Wird an uns vorüberzieh'n,
Um den Zug der Göttin sich drängen,
Passt wohl auf, mein Aug' bezeichnet ihn.
Damit wir erreichen ihn können,
Folgt ihm Schritt um Schritt und ganz leis,
Ihr müsst von den Seinen ihn trennen,
Schliesst um ihn einen dichten Kreis.

CHOR
Damit wir erreichen ihn können usw.

NILAKANTHA
Dann geht, dass es nicht Aufseh'n mache;
Ich bin ja da! Gestählt hab' ich
Den Arm für diese heil'ge Sache,
Dieser Arm trifft ihn sicherlich.

LAKMÉ
O, mein Vater, ich folge Dir.

NILAKANTHA
Nein! Mein Herz, das Schwäche nie gekannt,
Verwirrte sich, bist Du bei mir.
Nein! Bleib' mit Hadji hier.

Nr. 12bis - Recitativ

HADJI
Der Herr denkt an nichts, als an seine Rache,
Er sah nicht fliessen Deine Thränen;
Doch, o Herrin, Hadji lernte gut im Gesicht zu lesen,
Er ist Dein und Hadji's Leben hat keinen Werth.
Als Du klein noch warst, bin ich im tiefsten Walde gewesen,
Brachte Dir die Lieblingsblume heim;
Taucht' auf den Meeresgrund, zu suchen Dir die schönste aller Perlen.
Aber heut', wo Du erwachsen, hat Dein Herz auch andere Wünsche;
Willst Du bestrafen einen Feind - sprich!
Hast Du zu retten einen Freund,
Gebiete!

Nr. 13 - Duo

GERALD
Lakmé, Lakmé! Du hier!
Und Du, Du kommst zu mir!
Von dem zaub'rischen Leben,
Das mir ein Traumbild gab,
Der Traum, er sollt' verschweben,
Doch das Bild steigt herab.
Macht Dein Reiz mich so selig,
Dass ich selbst mich verlor,
Zieht es unwiderstehlich
Zu dem Himmel empor.

LAKMÉ
Mein Himmel ist nicht der Deine. Ich kenne nicht Deinen Glauben,
Und nicht den Gott, den Du verehrst;
Der meine, wenn Du zu ihm schwörst,
Gebietet allen Brüdern, Dich zu schützen immerdar,
Dann drohet Dir keine Gefahr.

GERALD
Nichts lenkt mich ab von meinem Ziele!
In dem trunk'nen Gefühle,
Das einzig strebt nach Dir,
Säh' ich auf meinem Pfad einen Abgrund vor mir,
Wenn mich Dein Haar berührt, trotz' ich selbst dem Verderben!

LAKMÉ
Doch ich will: Du sollst nicht sterben!

GERALD
Jetzt spricht die Liebe, die schlief,
Um die ich schmerzlich musste werben,
Das ist Dein Herz, welches rief.
Du willst ja nicht, ich soll sterben.

LAKMÉ
Ob auch der Feind drinnen tief,
Dessen Hauch mich will verderben,
Furchtbar meinem Herzen rief,
Doch will ich: er soll nicht sterben!

LAKMÉ
Nah' bei uns, im tiefen Wald,
Ein Hüttchen klein sich verstecket,
Bambus nur, davor ein Baum,
Der's mit dichtem Laub bedecket.
Wie ein Vöglein, das sich scheut,
Erbaut sein Nest in Lianen;
Blumenteppich lässt es ahnen,
Dass dort wohnt Glückseligkeit.
Nichts verräth den Aufenthalt,
Wenn je die Blicke sich mühten,
Auch der grosse, stille Wald
Will voll Eifersucht ihn behüten,
Dahin führe ich Dich fort;
Wenn Morgenroth erglommen,
Will ich lächelnd täglich kommen
Zu der treuen Liebe Ort.

GERALD
Zaub'rin, die holden Worte!
Selig, wer sie gehört!

LAKMÉ
Ach, komm', komm', lass uns eilen,
Nicht Zeit ist uns gewährt.

GERALD
Ich soll mich feig verbergen,
Lakmé, Du weisst ja nicht,
Dass mich die Ehre bindet,
Die Ehre und die Pflicht.

LAKMÉ
O, hör' mein Bitten, sieh' mein Bangen!

GERALD
Du kannst mein Leben eh'r verlangen!

LAKMÉ
Weh! Mein Herz vor Jammer bricht!

GERALD
Lakmé, Du willst mein Verderben?

LAKMÉ
Ich will ja nur: Du sollst nicht sterben!

Beide wiederholen das Ensemble.

LAKMÉ
's ist vorbei, die Unsren sind da;
Schon nahet die Göttin Durga!

Nr. 14 - Finale

BRAHMANEN
O Durga, die uns ersteht
Aus des Ganges Wellen,
Komm', dass Dich mein Aug' erspäht,
Zu dem Tag, dem hellen.

Göttin im Glanz, lass' Deinen Arm,
Deinen Schutz uns umschliessen;
Du lächelst uns gnädig und warm,
Wenn den Zug wir begrüssen.

ELLEN
Seht nur die Stadt, zur Freud' erkoren!

ROSA
Dieser Lärm! Sie schrei'n sich müd' und matt.

MISTRESS BENTSON
Allen ging der Kopf verloren
Für Durga, die zehn Arme hat.

FRIEDRICH
Wohl der Göttin nur zu Ehren
Kam's, dass man schleunig uns verlässt?

GERALD
Ich - wollt' nicht das Fest entbehren.

FRIEDRICH
Die Tochter des Brahmanen zog Dich mehr als das Fest.

GERALD
Ob's ein Wahn, der kommt und zündet,
Der schnell dem Geist entschwindet,
Doch ward mir zum Schrecken klar:
Mein Herz bei dem Gedanken bebet,
Dass nur Lakmé darin lebet,
Ihre Schönheit immerdar!

FRIEDRICH
Ich würd' Dich schelten ganz offen und ehrlich,
Doch da wir morgen weiter geh'n,
Auch sein Gutes hat der Krieg, das Mädchen, so gefährlich,
Wird Dir nicht mehr im Wege steh'n.

CHOR
O Durga, die uns ersteht etc.

GERALD
Ob's ein Wahn, der kommt und zündet,
Der schnell dem Geist entschwindet,
Doch ward mir zum Schrecken klar:
Mein Herz bei dem Gedanken bebet,
Dass nur Lakmé darin lebet,
Ihre Schönheit immerdar!

Lakmé
Hadji! - Still!
Ihr glaubt, es gelang Euer Streben!
Du bist nun mein, auf ewig mein.
Ich lebte einzig Deinem Leben,
Wolle Gott nun mit uns sein!"

DRITTER AUFZUG

Ein Teil des indischen Waldes

Nr. 15 - Schlummerlied

LAKMÉ
Unter'm Himmel sternenklar
Der weisse Tauber weit geflogen war.
Ach, hör' meine Stimme klagen,
Lass von den Flügeln Dein Dich heimwärts tragen!
Unter'm Himmel sternenklar
Der weisse Tauber weit geflogen war.
Er schläft! Dass der Schmerz entflieht,
Könnt' doch sanft ihn wiegen mein einfaches Lied!
Unter'm Himmel sternenklar
Der weisse Tauber weit geflogen war.
Mag sein Weibchen angstvoll klagen,
Es hört sein Flügelpaar doch nie mehr schlagen.
Unter'm Himmel sternenklar
Der weisse Tauber weit geflogen war.
Kehr' wieder!

GERALD
Erinnr' ich mich doch kaum - ach, mein Geist ist benommen -
Und auf meine Brust, tief beklommen,
Welch' Zauber übt seine Macht,
Ueberwältigt den Sinn, hüllt ihn in holde Nacht?
Das weiss ich noch - die Stadt in voller Feier,
Ich ging wie halb im Traum, nur erfüllt von meinem Glück,
Als der Blitz eines Dolches blendet' den Blick,
Dann sank ein schwarzer Schleier.

LAKMÉ
Hadji, im Schatten eilte er behend',
Bis er mit Dir dieses Laubdach gefunden.
Ich sorgte, dass sich belebt' Deine Stirn bleich und kalt;
Die Töchter unsrer Kaste lernen früh und bald,
Wie durch den Saft der Blumen heilen die Wunden.

GERALD
Nun erinnr' ich mich: Leblos, kein Laut entrinnt,
Dann fühlt' ich nah' meinem Munde Dich beben,
Ich sah Dich, ach, an Deinem Aug' hing mein ganzes Leben,
Ich genas von Deinem Hauche, Lakmé, Du mein süsses Kind!

Nr. 16 - Cantilene

Ach, komm' zu des Waldes Frieden,
Einzig unsrer Lieb' bewusst,
Hier, von der Welt abgeschieden,
Ward uns des Himmels Lust.
Die fremden Blumen ringsum lauschen,
Ihr Duft, voll Wollust, muss berauschen;
Dem seligen Herzen so weit
Liegt die Vergangenheit.
Ach, komm' zu des Waldes Frieden usw.

Nr. 17 - Scene und Chor

LAKMÉ
Hier dürft' ich Dich erhören,
Ein neues Dasein beginnt,
Dann würd' ich Dich belehren,
Wer uns're Götter sind.
Unser Lied sollt' erheben
Die 's so gütig gemeint,
Vor denen Alles muss beben,
Die uns Beide vereint.
Und Dein Herz im Entzücken
Vor der göttlichen Pracht,
Wird zur Erde gern blicken,
Die beschützt durch Brahma's Macht.

GERALD
Horch' auf!
Das kommt von dem Wege, der läuft den Wald entlang.

LAKMÉ
Uns fände Niemand, sei deshalb nicht bang'.

CHOR
Lasst ertönen helle
Unser Lied
Drunten, wo die Quelle
Murmelnd zieht.
Lagert, wie es üblich,
Euch zu Zwei'n,
Schmeckt der Trunk doch lieblich
Nur im Frei'n.

GERALD
Was für ein Sang, der zu uns dringet,
Der zart und fröhlich erklinget?

LAKMÉ
Manch' Liebespaar ist's, das sich naht
Auf jenem schattig dunklen Pfad,
Zu schöpfen aus der heil'gen Quelle;
Ihr Wasser klar und helle
Ist Liebenden geweiht.
Haben sie nur berührt mit den heissen Lippen
Dieselbe Schale, sind sie vereint auf immerdar,
Und gnädig jede Göttin schützet
Ihre Liebe vor Gefahr.

Chor wiederholt

LAKMÉ
Es hätte sein Bedenken, gingen wir zu dieser Zeit
Alle Beid',
Doch zur geweihten Quelle nur allein eile ich,
Erwarte mich.

GERALD
Es sei nach Deinem Willen;
Ach, Alles möcht' ich erfüllen,
Ja, so lieb' ich Dich!

Nr. 18 - Scene

FRIEDRICH
Er lebt!

GERALD
Ach!

FRIEDRICH
Ich durchdrang die dicht'sten Gesträuche,
Schont' nicht Händ' und Gesicht. Da sah ich auf den Wiesen
Und auf dem hell schimmernden Rasen Spuren von Blut.
Ich glaubte Dich todt. Was thust Du hier?

GERALD
Ich träume!

FRIEDRICH
Wenn die Unsren weiter gehn?

GERALD
Lass mich erinnern, was gescheh'n.

FRIEDRICH
Das ganze Land hat sich gegen uns erhoben.

GERALD
Ein Dolchstoss traf mich schwer, Lakmé hat mich gerettet.

FRIEDRICH
Die Tochter des Brahmanen?

GERALD
Sie gab mich zurück dem Leben.
Hier am Ort, wo die Sinne mir floh'n, lieg' ich kraftlos,
Trunken von dem Zauber, den nur die Lieb' verleiht.

FRIEDRICH
O, dieser Zauber, der währt nur kurze Zeit.
Dies Gefühl scheint gross und erhebend,
Es naht Dir feenhaft flüchtig, so wie es hier Brauch,
Dieses indische Kind so glühend vor Dir bebend,
Wie süsser schmeichelnder Frühlingshauch.

GERALD
Nein, 's ist ein Herz, dessen Keim will erblüh'n,
Das voll Vertrau'n sich giebt und schamhaft möcht' entflieh'n.

FRIEDRICH
Nun, dann verlasse sie, verlasse sie noch heut';
Spare Dir Gewissensbisse, wenn Du glaubst, dass sie Dich liebt;
Ein Kind der Art erträgt kein Seelenleid.

GERALD
Ich will durch Zärtlichkeit im Wahne sie erhalten.

FRIEDRICH
Deine Braut?

GERALD
O, ich liege im Bann dämonischer Gewalten!

FRIEDRICH
Und Deine Pflicht?

GERALD
Meine Pflicht?

FRIEDRICH
Und unser höchstes Gut: die Soldaten-Ehre,
Hast Du an sie nicht gedacht?
Morgen geht's in die Schlacht.

GERALD
Schon morgen?!

FRIEDRICH
In einer Stunde musst Du folgen dem Heere.

GERALD
Ich bin da!

FRIEDRICH
Ich kannte Dich ja!

GERALD
Lakmé kommt, sie wird das geweihte Wasser bringen.

FRIEDRICH
Magst Du sie seh'n! Nicht zweifl' ich mehr an dem Gelingen.
Ich harre Dein! Er ist gerettet!

Nr. 19 - Duo und Chor

LAKMÉ
Da geschlossen das Band,
All' die jungen Liebespaare, sie gingen Hand in Hand.
Daneben ich allein, doch mein Sinn war so trübe;
Ich ging, ach, mein Herz fand keine Ruh',
Bewegt von dem Sehnen nach Liebe.
Nun merke wohl und hör' mir zu:
Wenn aus derselben Schale man trank geweihtes Wasser,
Ist man vereint auf ewiglich -
Das bist nicht Du! Ach, bist nicht mehr Du!
Sonst war es Deine Seele,
Die aus jedem Worte sprach;
Nicht blickt Dein Aug' - was Dich auch quäle -
Wie sonst so heiss;
Auf Dein Gesicht senkte sich eine Wolke,
Es ward zu Eis!

GERALD
Kannst Du, Kind, so grausam scherzen,
Für das ich Alles vergass,
Trägst mich nicht mehr in Deinem Herzen?

LAKMÉ
Willst Du, dass Dein Geschick sei dem meinen vereint?

GERALD
Was Du willst, will auch ich; will, Alles soll geschehen
Nach Deiner Laune; ich will Dein Lächeln wieder sehen!

LAKMÉ
Wer auch Dein Gott für allezeit,
Dess' Macht Du preisest im Staube,
Wie auch sich nennt Dein Glaube,
Du weisst, was bedeutet ein Eid!
So trink' aus dieser Schale - mag Dich Wahrheit erheben -
Trink'! 's ist der Schwur, mich zu lieben für's Leben!

GERALD
Himmel! Die Kam'raden!

LAKMÉ
Trink', und mir gehörst Du zu.

GERALD
Lakmé! -

LAKMÉ
Was zauderst Du?
Ach, er wendet sich zurücke,
Die Seele fliegt nach Haus,
Nur nach der Heimath lenkt er die Blicke.
's ist Alles aus!

GERALD
Lakmé, Lakmé! Was ist Dir?

LAKMÉ
Den schönsten Traum hast Du gespendet,
Wie ihn der Himmel kann verleih'n,
Bleibe noch, bis er geendet,
Bleib' hier, fern der Welt, hier allein.
Hast süsse Worte mich gelehret,
Wie ich bisher sie nicht gekannt,
Du hast mir Seligkeit gewähret
Durch die Lieb', die Dein Mund gestand.

GERALD
Lakmé, verscheuche Deine Klagen,
Nur der Freude sollst Du Dich weih'n.
Von Allem will ich los mich sagen,
Will leben nur für Dich allein!

LAKMÉ
Jetzt glaub' ich Dir! Dass Glück uns winke,
Sieh' hier die Schale, daraus ich trinke.
Nimm!

GERALD
Für Dich, Lakmé, in Ewigkeit!

LAKMÉ
Dies die Feier für alle Zeit!

GERALD
Mag Alles untergehen,
Ich will allein nur sehen,
Dass Lakmé an mich glaubt;
Dass uns're Lieb' sich kröne,
Und nimmer eine Thräne
Mir Deine Schönheit raubt.

LAKMÉ
Dies die Feier für alle Zeit!
Holder Traum, du sollst vergehen!
Welch' dunkler Schatten senkt sich auf mein Haupt!
Dies meine erste Thräne;
Dass Alle mein Tod versöhne,
Dein Herz ewig an mich glaubt.

Nr. 20 - Finale

NILAKANTHA
Er ist's! Er mit Lakmé hier!

LAKMÉ
Himmel! Mein Vater!

GERALD
Stosst zu!

NILAKANTHA
Ha, Du stirbst!

GERALD
Stosst zu! Unbewaffnet steh' ich!

LAKMÉ
O, höret mich!
Wir Beide tranken heut aus geweihter Schale,
Geheiligt ist er Euch!

NILAKANTHA UND DIE BRAHMANEN
Er!

LAKMÉ
Verlanget Ihr, Götter,
Dass sich ein Opfer beut,
So nehmt mich an, ich bin bereit.

GERALD
Welch' ein Blitz in ihren Augen leuchtet!

NILAKANTHA
Lakmé! Meine Tochter!

LAKMÉ
Ihr ruft! Gern folge ich!

GERALD
Grosser Gott! Sie stirbt um mich!

LAKMÉ
Den schönsten Traum hast Du gespendet,
Wie ihn der Himmel kann verleih'n,
Bleibe noch, bis er geendet,
Bleib' hier, fern der Welt, hier allein,
Fern der Welt - -

GERALD
Ach! Todt!!

NILAKANTHA
Befreit von Qual und Beschwerde
Verlässt sie die Schmach dieser Erde,
Und sie trägt uns'ren Schmerz, unser Fleh'n
Hinauf zum Glanz der Himmelshöh'n!

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Klavierauszug

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