| Libretto: Aida |
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Personen:
Der KÖNIG (Bass) AMNERIS, seine Tochter (Mezzosopran) AIDA, äthiopische Sklavin (Sopran) RADAMES, Feldherr (Tenor) RAMPHIS, Oberpriester (Bass) AMONASRO, König von Äthiopien und Vater Aidas (Bariton) Ein BOTE (Tenor) Die erste PRIESTERIN (Sopran) CHOR Priester, Priesterinnen, Minister, Hauptleute, Soldaten, Beamte, Sklaven, gefangene Äthiopier, Volk ERSTER AKT Vorspiel Saal im Königspalast zu Memphis. Rechts und links ein Säulengang mit Statuen und blühenden Sträuchern. Im Hintergrund ein grosses Tor, durch das man die Tempel und Paläste von Memphis und die Pyramiden sieht. ERSTER AUFTRITT Radames und Ramphis miteinander sprechend Nr. 1 - Introduktion und Szene RAMPHIS Hört, es kam die Botschaft, der Äthiopier wage Uns noch zu trotzen und das Nilgestade Und Theben zu bedrohn. - Bald naht der Bote, Der es uns verkündet. RADAMES Hast Isis Du schon um Rat gefraget? RAMPHIS Schon hat die Göttin Den Ägyptern bestimmt, wer sie führen soll. RADAMES Heil dem Erkornen! RAMPHIS mit Ausdruck Radames anblickend Jung ist er, ja jung noch und tapfer. - Der Göttin Willen Künd' ich dem Könige jetzt. Geht ab ZWEITER AUFTRITT Radames allein Nr. 2 - Romanze RADAMES O wäre ich erkoren, Wenn sich mein Traum so erfüllte! Eine Heerschar tapfrer Männer, Von mir geführet ... und der Sieg und Beifall Von Memphis mein! Wenn ich zu dir, Aida, Dann heim mit Lorbeern kehre Und sag': Ich kämpft' für dich, dein ist die Ehre! Holde Aida, himmelentstammend, Von Duft und Strahlen zaubrisch verklärt; Du bist die Königin meiner Gedanken, Durch dich allein ist das Dasein mir wert. Möcht' in die Heimat dich wieder bringen, Dort, wo die Luft und der Himmel so schön, Möchte ins Haar eine Krone dir schlingen, Ach, deinen Thron bis zur Sonne erhöh'n! Im letzten Takt tritt Amneris auf DRITTER AUFTRITT Radames. Amneris. Nr. 3 - Duett AMNERIS Welch unnennbares Feuer In deinem Auge! Was glänzt Dein Antlitz so von edel hohem Stolze! Wie beneidenswürdig Ach, müsste das Weib sein, dessen holder Anblick Solch Flammenmeer im Herzen dir entfachte. RADAMES Ein rosiger Traum hat heut mein Herz berauschet: Heut hat die Göttin Genannt den Namen des Feldherrn, der Ägyptens Scharen führen soll zum Kampf. Ach, wär' ich doch Zu solchem Rang erkoren! AMNERIS Und hat kein andrer Traum Schöner noch, holder noch, dir Beseligt dein Herz? Hast du in Memphis leise Nichts zu wünschen? ... Zu hoffen? RADAMES für sich Hier? ... Seltsam Fragen! Sollte vielleicht sie ahnen, Was mir im Herzen glühet? AMNERIS für sich Wehe, wenn er doch hegte Im Herzen eine andre Liebe! RADAMES Hat sie im Aug' den Namen Der Sklavin mir gelesen? AMNERIS Wenn mein Blick entdecken müsste Ein Geheimnis, weh mir, weh! RADAMES Im Auge wohl den Namen las sie mir? VIERTER AUFTRITT Die Vorigen. Aida tritt auf. RADAMES Aida erblickend Sie hier! AMNERIS für sich Er erbleicht, ihn beobachtend und welchen Blick Sendet er nach ihr! Aida wohl als Rivalin gar Stände sie vor mir? Nr. 4 - Terzett AMNERIS sich zu Aida wendend Komm, o Geliebte, nahe dich, Nicht Sklavin, nicht Verbannte, Hier, wo in süsser Schwärmerei Ich oft dich Schwester nannte. Weinst du? Enthülle mir den Grund, Sag mir, warum du weinst. AIDA Weh mir, das wilde Kriegsgeschrei Vernehm' ich nur voll Schauer, Ich fürchte für das Vaterland, Für mich, für euch nur Trauer. AMNERIS Sprichst du auch wahr, kein andrer Grund, Dass so betrübt du scheinst? Aida schlägt die Augen nieder und sucht ihre innere Unruhe zu verbergen. AMNERIS Aida anblickend, für sich Bebe, o Sklavin, bebe! Hell wird die Wahrheit erscheinen! Schamröte hältst und Weinen Du, o Mädchen, nimmermehr zurück! RADAMES Amneris anblickend, für sich Im Angesicht ihr kämpfen Verdacht und Zorn und Schmerzen. Weh, wenn geheim im Herzen Uns lesen könnt' ihr Blick! AIDA für sich Weh, weh dem Vaterlande! Wohl geht meinem Herzen nah sein Schicksal; Mein Gram, warum ich klag' und weine, Ist Qual der Liebe ohne Glück. FÜNFTER AUFTRITT Die Vorigen. Der König tritt unter Vortritt seiner Leibwache ein, begleitet von Ramphis, Ministern, Priestern, Hauptleuten. Ein Offizier. Später ein Bote. Nr. 5 - Szene und Ensemble KÖNIG Ein ernster Grund versammelt euch Um euren König heut, Ägypter. Von Äthiopiens Grenzen ist ein Bote Vor uns erschienen, wichtige Kunde meldend. Vernehmt die Botschaft ... zu einem Offizier Lasst herein den Sendling! BOTE Bedrohet ist Ägyptens heil'ger Boden Vom Volk der Äthiopier. Unsre Felder Wurden verwüstet, öd liegt die Ernte. Vom leichten Sieg gebläht und stolz ziehen die Plündrer Im Sturme schon auf Theben. ALLE Oh, welch ein Wagnis! BOTE Tapfren Namen trägt, unbesiegt, Der Feldherr, der sie anführt, Amonasro. ALLE Ihr Fürst! AIDA beiseite Mein Vater! BOTE Theben, in Waffen, aus seinen hundert Toren Wird kühn auf die Barbaren stürzen sich Und Krieg und Tod verbreiten. KÖNIG Ja, Krieg und Tod! Es sei der Schlachtruf aller! ALLE Zum Kampfe! Auf denn! Ja, furchtbar, ohne Erbarmen! KÖNIG sich zu Radames wendend Schon hat die heil'ge Isis Den Feldherrn auserkoren Für unsrer Krieger unbesiegte Scharen. Radames! ALLE Radames. RADAMES Dank euch, o ihr Götter! Mein Sehnen ist erfüllt. AMNERIS für sich Er Feldherr! AIDA für sich Ich zittre! KÖNIG Nun zu dem Tempel Vulkans Eil, Krieger, hin, Leg die heilige Wehr an, flieg dahin zum Siege! Zu des Niles heil'gem Ufer Eilt dahin, Ägyptens Helden, Jedes Herz erbeb' vom Rufe: Krieg und Tod dem fremden Heer! RAMPHIS Dank der Gottheit, die weise führet, Die das Weltgeschick regieret, Preis und Dank, ihr mächtig Walten Bringt den Waffen Glück und Ehr'. CHOR DER MINISTER UND HAUPTLEUTE Auf! des Niles heil'ges Ufer Schützen wir mit unserm Blute. Alles jauchzt in einem Rufe: Krieg und Tod dem fremden Heer? RADAMES Heil'ger Ruhmesdrang durchzittert Bebend meine ganze Seele! Auf, und eilen wir zum Siege: Krieg und Tod dem fremden Heer! AIDA für sich Für wen weine und bet' ich, Welche Macht zieht mich zu ihm? Muss ihn lieben, ach, und er Ist ein Fremdling, ist ein Feind! AMNERIS Radames eine Fahne überreichend Nimm, o Herr, dies Siegeszeichen, Nimm es hin aus meinen Händen, Als dein Leitstern es dich mahne, Der den Pfad des Ruhms bescheint. ALLE Zum Kampfe! auf denn! zum Sieg! allen Feinden Untergang! AMNERIS zu Radames Als Sieger kehre heim! ALLE Als Sieger kehre heim! Alle bis auf Aida gehen ab SECHSTER AUFTRITT Aida allein Nr. 6 - Szene und Romanze AIDA Als Sieger kehre heim! Auch meinem Mund Entfloh das Wort, so ruchlos! Kehr als Sieger Meines Vaters, der nur für mich die Waffen Ergriff, mir neu zu geben Die Heimat, Macht und Ehren und einen Namen, Den hier ich muss verbergen! - Kehr als Sieger Meiner Brüder, dass ich gerötet Von ihrem Blute dich sehe, im Triumph gefeiert Von Ägyptens Volke! Am Siegeswagen Ein Fürst, mein Vater, schwer gebeugt in Ketten! Die Worte der Törin, O Götter, schlagt nieder, Der Liebe des Vaters Die Tochter gebt wieder; Die Horden vernichtet, Zerstreuet den Feind! Ach! Unglückselige, was sagt' ich? und meine Liebe? Ach, kann ich es je vergessen, Dies Liebesglühen, das die Verhärmte, Die Sklavin wie ein Strahl der Sonne wärmte? - Ich muss den Tod dir wünschen, Radames, so heiss ich dich auch liebe! Ach! niemals litt auf Erden Ein Weib so namenlose Qualen! Ach, Vater, Geliebter, o heilige Namen, Hier darf ich keinen nennen, gedenken nicht. Um eins, ums andere möcht' traurig ich weinen, Für beide mahnt zu beten mich die Pflicht. Doch mein Gebet wird sich als Fluch erfüllen, Mein Weinen und mein Seufzen wird zur Schuld; Nur Nacht und Schwermut den Geist mir umhüllen, Das Sterben wär' mir die höchste Huld! Götter, erbarmt huldvoll euch mein, Hoffnung ist nicht für meinen Schmerz, Trostlose Lieb' bricht mir das Herz, Bringt mir den Tod durch ihre Pein! Geht ab Verwandlung Inneres des Vulkantempels zu Memphis. Geheimnisvolles Licht von oben herein. Eine lange Säulenhalle verliert sich im Dunkel. Statuen verschiedener Gottheiten. In der Mitte der Bühne erhebt sich auf einer mit Teppichen bedeckten Erhöhung ein Altar, mit heiligen Emblemen verziert. Aus goldenen Dreifüssen steigt Weihrauchduft empor. SIEBENTER AUFTRITT Die erste Priesterin und Chor der Priesterinnen hinter der Szene. Ramphis am Fusse des Altars. Priester. Später Radames. Man vernimmt aus dem Inneren den Gesang der Priesterinnen mit Harfenbegleitung. Nr. 7 - Tempelszene und erstes Finale DIE ERSTE PRIESTERIN UND CHOR Allmächt'ger Phtà, urew'ger Lebenshauch der Welt, ach, Dich rufen wir an! RAMPHIS UND CHOR DER PRIESTER Der aus dem Nichts geschaffen Himmel, Erde und Meer, Hör unser Flehen! PRIESTERIN Allmächt'ger Phtà, Befruchtet, Und Schöpferhauch der Welt, ach, Dich rufen wir an! RAMPHIS UND CHOR DER PRIESTER Gott, der von eignem Geiste du, Sohn du und Vater bist, Hör unser Flehn! PRIESTERIN Dich, unerschaffnes Feuer, der Sonne Lebenslicht, ach, Dich rufen wir an! RAMPHIS UND CHOR DER PRIESTER Odem des Universums, Der ew'gen Liebe Quell, Dich rufen wir! Tanz der Priesterinnen Radames wird ohne Waffen hereingeführt. Er tritt an den Altar; sein Haupt wird mit einem silbernen Schleier bedeckt. CHOR DER PRIESTER UND PRIESTERINNEN Allmächt'ger Phtà! Dich rufen wir! RAMPHIS zu Radames Heil dir, dem Götterliebling, dem sie vertraut Ägyptens Leben und Zukunft. Das heil'ge Schlachtschwert, Vom Gott geschmiedet, flamm' in deinen Händen, Der Feinde Schrecken, Blitzstrahl und Verderben. Sich zur Gottheit wendend Gott, Gott, der du Beschützer bist, Räche die Schmach Ägyptens, Breit aus die Hände gnädig Auf dieses heil'ge Land. RADAMES Gott, Gott, der du die Lose lenkst Im Krieg der Erdenvölker, Wahre, behüte du Ägyptens heil'ges Land. Während Radames mit den heiligen Waffen umgürtet wird, wiederholen die Priesterinnen und Priester singend das Gebet. ZWEITER AKT Saal in der Wohnung von Amneris ERSTER AUFTRITT Amneris ist von Sklavinnen umgeben, welche sie zum Fest schmücken. Aus Dreifüssen steigen aromatische Düfte auf. Junge Mohrensklaven wehen mit Federfächern. Nr. 8 - Introduktion. Szene. Damenchor und Tanz der Mohrenknaben CHOR DER SKLAVINNEN Wer steigt beim Klang der Hymnen Auf in der Glorie Reich, Gleich einem schreckenvollen Gott, An Glanz der Sonne gleich? Komm, lasse Blumen winden Dir in die Lorbeerkron', Lass Liebesklänge tönen Zum lauten Jubelton. AMNERIS für sich Geliebter, o komm, berausche mich, Froh bebt das Herz mir schon! SKLAVINNEN Wo sind die wilden Horden nun Des kühnen Fremdlings heut? Es hat der Hauch des Helden Wie Nebel sie zerstreut. O komme, Sieggekrönter, Empfange deinen Lohn. Der Sieg hat dir gelächelt, Auch Liebe lacht dir schon. AMNERIS für sich Geliebter, o komm, berausche mich, Froh bebt das Herz mir schon! Die Sklavinnen schmücken Amneris noch weiter Tanz der kleinen Mohrenknaben ZWEITER AUFTRITT Die Vorigen. Aida tritt auf, die Krone bringend AMNERIS Kein Wort mehr, Aida seh' ich nahen - Kind der Besiegten, dein Schmerz ist mir heilig. Auf ein Zeichen von Amneris entfernen sich die Sklavinnen Kaum dass sie nahet, quält Zweifel mich aufs neue. So löse dich endlich, düster Geheimnis! DRITTER AUFTRITT Aida. Amneris. Nr. 9 - Szene und Duett AMNERIS zu Aida mit erheuchelter Freundlichkeit Wohl war das Los der Waffen feindlich, Arme Aida! Die Trauer, Die du fühlst im Herzen, ich will sie mit dir teilen. Ich bin ja deine Freundin, Alles geb' ich dir gerne, nur lächle wieder. AIDA Kann froh ich wieder werden So fern von der Heimat Erden, Hier, wo mir fremd das Geschick Meines Vaters, meiner Brüder? AMNERIS Fühle mein Mitleid! Einmal aber endet Die Qualen deines Herzens, Ein jedes Weh der Welt! - Heilen auch wird die Zeit Mehr als die Zeit noch - ein mächt'ger Gott, der Liebe. AIDA tief bewegt, beiseite Liebe, Liebe, o Glück, o Beben, Süsse Berauschung, grausame Pein, In deinen Qualen find' ich mein Leben, Ach, lächelnd zum Himmel führst du mich ein. AMNERIS Aida scharf ins Auge fassend, für sich Jene Blässe voll Verstörung Ist geheime, fiebernde Glut, Fühle dieselbe Qual und Betörung, Sie kaum zu fragen hab' ich Mut. Aida prüfend anblickend O sag, warum aufs neue bist So traurig du, Aida? Enthülle dein Geheimnis mir, Vertraue dich mir an, Vertraue meiner Liebe. Hat einer von den Tapfern, die gekämpft Mit deinem Lande, Vielleicht in süsse Bande Geschlagen dein armes Herz? AIDA Was sagst du? AMNERIS Doch grausam zeigte sich Der Waffen Los nicht allen, Ist in dem Kampfe als ein Held Der Führer auch gefallen. AIDA Was sagst du, Unglückselige? Radames? AMNERIS Ja, Radames erlag im Kampfe. Und du kannst weinen? AIDA Das brachte mir ew'gen Schmerz! AMNERIS Die Gottheit hat gerichtet. AIDA Ach, feindlich immer war mir die Gottheit. AMNERIS in Zorn ausbrechend Bebe, offen liegt dein Herz: Du liebst ihn! AIDA Lieben? AMNERIS Keine Lüge! Noch wen'ge Worte, und alles ist klar! Blick mir ins Auge; Mein Wort war Täuschung, Radames lebet! AIDA in Aufregung auf die Knie stürzend Lebt? O Dank den Göttern! AMNERIS Und wagest noch zu lügen? Ja, du liebst ihn - vernimm es denn: in höchster Aufregung Ich lieb' ihn auch, bin deine Rivalin, Tochter der Pharaonen! AIDA sich stolz aufrichtend Du, Rivalin! Wohlan, auch ich bin's, Rivalin bin ich dir! Beherrscht sich und fällt Amneris zu Füssen Ach, was sagt' ich? Mitleid, Verzeihung! Ach! Empfinde Mitleid mit meinem Leide, Die Wahrheit ich sprach, ewig lieb' ich ihn. O du bist glücklich - doch weh mir Armen, In dieser Liebe leb' ich allein! Erbarme, erbarme, erbarme dich mein! AMNERIS Bebe, Sklavin, dein Herze bezwinge, Dass diese Liebe den Tod dir nicht bringe, Dein Los hab' ich in meinen Händen, Hass und Rache nehmen mich ein. Musik hinter der Szene CHOR Auf, des Niles heil'ges Ufer Schützen wir mit unserm Blute, Alles jauchzt in einem Rufe: Krieg und Tod dem fremden Heer! AMNERIS Zu dem Fest, das sie bereiten, Sollst du, Sklavin, mich begleiten; Du im Staub, du vor mir im Staub; Ich am Thron, dem König nah. AIDA Eine Wüste, weh mir Armen, Ist mein Dasein, hab Erbarmen! Leb und herrsche, bald gesühnet Soll durch mich dein Zürnen sein; Ich mit meiner Glut, der warmen, Steige in das Grab hinein. AMNERIS Folge mir und lern in Zeiten, Ob du mir Rivalin da. Geht ab AIDA Götter, erbarmt huldvoll euch mein, Hoffnung ist nicht für meine Pein. Erbarmt euch mein. Geht mühsam von der Bühne Verwandlung Eines der Tore der Stadt Theben. Davor eine Gruppe Palmen, rechts der Tempel des Ammon, links ein Thron unter einem Baldachin von Purpur. Im Hintergrund eine Ehrenpforte. VIERTER AUFTRITT Die Bühne ist von Volk angefüllt. Später tritt der König auf, gefolgt von Ministern, Priestern, Hauptleuten, Wedelträgern, Wappenträgern u.a. Hierauf Amneris mit Aida und Sklavinnen. Später ägyptische Krieger. Dann eine Schar von Tänzerinnen. Der König nimmt auf dem Thron Platz. Amneris setzt sich zu seiner Linken. Nr. 10 - Zweites Finale CHOR DES VOLKES Heil dir, Ägypten, Isis Heil, Die unser Land beschützet; Des heil'gen Deltas König Ertöne Festgesang. Komm, Krieger, unser Rächer du, Die Lust mit uns zu teilen; Wir streuen Blumen und Lorbeern Auf unsrer Helden Gang. Heil dir, Fürst, Festgesang erschalle! FRAUEN Der Lotos wind' zum Lorbeer Ins Haar sich der Befreier, Ein duft'ger Blumenschleier Schmück' ihre Waffen hold. Zum Tanz! Ägyptens Mädchen, tanzt, Tanzt alte Zauberweise, Wie um die Sonn' im Kreise Das Chor der Sterne rollt. PRIESTER Empor den Blick zu denen auf, Die krönen und zerschmettern, Bringet Dank den Göttern An eurem Siegestag. Die ägyptischen Krieger, welche die Schätze der Besiegten tragen, ziehen, voran die Fanfarenbläser, an dem König vorüber. Es folgen andere Krieger, die Kriegswagen, die Wappen, die heiligen Gefässe und Götterbilder. Tanz einer Schar Tänzerinnen. Zuletzt Radames unter einem von zwölf Offizieren getragenen Thronhimmel. CHOR DES VOLKES Komm, unser Rächer, komm, o Held, Die Lust mit uns zu teilen. Wir streuen Blumen, Lorbeern Auf unsrer Helden Gang. Dank den Göttern, Dank! FÜNFTER AUFTRITT Die Vorigen. Radames. KÖNIG steigt vom Thron, um Radames zu umarmen Dir sei Gruss und Dank, du Retter des Landes, Komm, meine Tochter soll mit eignen Händen Den Kranz dir überreichen. Radames neigt sich vor Amneris, die ihm den Kranz überreicht KÖNIG zu Radames An diesem Tag verlang, Was du wünschest, nichts sei dir verweigert In dieser Stunde, ich schwör' es Bei meiner Königskrone, den heil'gen Göttern. RADAMES Erlaub zuvor, dass die Gefangnen Dir werden vorgeführt. SECHSTER AUFTRITT Die Vorigen. Die äthiopischen Gefangenen treten, von Wachen begleitet, auf, zuletzt Amonasro, als äthiopischer Offizier gekleidet. RAMPHIS UND CHOR DER PRIESTER Bringet den Göttern Dank an eurem Siegestag! AIDA Himmel, er ist's, mein Vater! Stürzt auf Amonasro zu. ALLE Ihr Vater! AMNERIS In unsern Händen! AIDA ihren Vater umarmend Du, Gefangener! AMONASRO leise zu Aida Still, kein Wort! KÖNIG zu Amonasro Tritt näher. Also du bist? - AMONASRO Ihr Vater - ich hab' gekämpft. Wir unterlagen, sucht' umsonst den Tod. auf sein Kriegsgewand deutend Dies Gewand, das ich trage, bezeuge, Dass für den König mein Schwert ich gezogen; Doch das Schicksal war uns nicht gewogen. Ach, umsonst war der Tapferen Mut. Vor mir im Staube lag sterbend der König, Hingestreckt von den feindlichen Hieben. Wenn es Verbrechen, sein Vaterland zu lieben, Büss' ich es gerne mit meinem Blut. in bittendem Tone zum König Doch du, Herr, dem die Macht ist gegeben, Mögst du gütig die Armen erheben; Heut sind wir von dem Schicksal geschlagen, ach, Morgen treffen kann euch sein Strahl. Aida wiederholt CHOR DER GEFANGENEN UND SKLAVINNEN Ja, es straften die Götter uns Armen; Hör unser Flehen, Herr, hab Erbarmen; Niemals sei dir beschieden zu tragen Alles, was uns beschieden an Qual. Ach, dein Erbarmen rufen wir an. RAMPHIS UND PRIESTER Zeig dich, Herr, diesen Horden im Grimme. Schliess dein Ohr vor der Treulosen Stimme, Hat der Himmel dem Tod sie geweihet, Sei der Gottheit Willen erfüllt. VOLK Priester, Priester, besänftigt das Zürnen, Höret an die Besiegten, sie neigen die Stirnen; Du bist mächtig, bist stark, Gnädig öffne, ach! öffne dein Herz und sei mild. RADAMES Aida anblickend, für sich Liebliches Antlitz, die Trauer, das Weinen, Lässt meinem Aug' nur sie holder erscheinen, Jeder Tropfen der köstlichen Tränen Nährt im Herzen die liebende Glut. AMNERIS Welch ein Auge voll Entzücken, Welche Flamme entsprüht seinen Blicken! Ich verschmäht, vom Geliebten verstossen, Rache tobt mir im Herzen und Wut. KÖNIG Jetzt, wo hold sich die Götter auf uns neigen, Wollen diesen wir mild uns bezeigen; Milde, Mitleid erfreuet die Götter, Und den Königen erhöh'n sie die Macht. RADAMES zum König O Fürst, bei den heil'gen Göttern, Bei dem Glanz deiner Krone Schwurst meinen Wunsch du zu erfüllen. KÖNIG Ich tat's. RADAMES Nun wohl, für die gefangenen Äthiopier Bitt' ich, o König, Leben und Freiheit aus. AMNERIS für sich Für alle! PRIESTER Tod den Feinden des Vaterlandes! VOLK Gnade Für die Geschlagnen! RAMPHIS Vernimm, o Fürst, zu Radames Vernimm, du jugendlicher Held, Hört einen weisen Rat: Feinde sind es, tapfre Degen, Rache kocht in ihrer Brust. Eure Gnade macht sie verwegen, Weckt zu neuem Kampf die Lust! RADAMES Ohn' Amonasro, den tapfern Held, bleibt ihnen Kein Strahl von Hoffnung. RAMPHIS Zum mind'sten Bleibe als Friedenspfand Auch mit dem Vater die Sklavin Aida. KÖNIG Ich folge deinem Rate. Ein bessres Pfand des Friedens Will ich euch noch geben. - Radames, das Vaterland Schuldet dir alles - Amneris reich' zum Lohn Ihre Hand dir.Über Ägypten als König Wirst herrschen du dereinst. AMNERIS beiseite Wage, o Sklavin, Wage nun, den Teuren mir zu rauben! KÖNIG Heil dir, Ägypten, Isis Heil, Die unser Land beschützet, Zum Lorbeer wind' der Lotos Dem Helden sich ins Haar. GEFANGENE Ruhm, Preis und Ruhm Ägyptens Fürst, Der unsre Bande löste, Den heimatlichen Gauen uns, Die Freiheit wiedergibt. VOLK Heil dir, Ägypten, Isis Heil, Dir unser Land beschützet; Zum Lorbeer wind' der Lotos Dem Helden sich ins Haar. RAMPHIS UND PRIESTER Der Isis töne Lobgesang, Die unser Land beschützet, Es lächle unserm Vaterland Der Himmel immerdar. AIDA für sich Welch Hoffen, ach, verblieb mir! Für ihn der Ruhm, die Krone, Doch mir Vergessen und Gram, mir, Die ohne Hoffnung liebt. RADAMES für sich Mög' seinen Blitz ein Gott Aufs Haupt herab mir senden, Ach nein, es wiegt Ägyptens Thron Aidas Herz nicht auf. AMNERIS für sich Berauscht bin ich vom Glücke, Auf das ich niemals hoffte; All' meine Träume machte wahr Ein Tag in seinem Lauf. AMONASRO leise zu Aida Nur Mut, denk an die Zukunft deiner Heimat, Die Stunde der Rache, Ja, sie nahet schon fürwahr. Alle wiederholen ihre Strophe. DRITTER AKT Am Ufer des Nils. Granitfelsen, zwischen denen Palmbäume wachsen. Auf dem Rücken des Felsens der Isistempel, zur Hälfte im Laub verborgen. Es ist sternenhelle Nacht. Mondschein. ERSTER AUFTRITT Priesterinnen und Priester im Tempel. Später Amneris, Ramphis, einige dichtverschleierte Frauen und Wachen. Nr. 11 - Introduktion, Gebet und Romanze CHOR im Tempel O Göttin, die einst Osiris Zum Leben liess erwarmen, Ins Menschenherz die Flamme haucht Der Keuschheit fort und fort ... EINE PRIESTERIN Hilf uns, o hilf uns. CHOR Hilf, hilf uns voll Erbarmen, Der ew'gen Liebe Hort. Aus einer Barke, welche am Ufer anlegt, steigen Amneris, Ramphis, einige dichtverschleierte Frauen und Wachen. RAMPHIS zu Amneris Komm in der Isis Tempel, wenige Stunden Vor deiner Hochzeit erflehe Dir den Beistand der Göttin. Es schauet Isis In die Herzen der Menschen; jedes Geheimnis Hier im Weltkreis, es ist ihr kund. AMNERIS Ja, flehen will ich, dass Radames mir schenke Sein ganzes Herz, wie ihm das meine Geweihet ist für immer. RAMPHIS Zum Tempel! Du wirst beten die Nacht durch, mit mir vereinigt. Alle treten in den Tempel, der Chor wiederholt das Gebet. ZWEITER AUFTRITT Aida tritt vorsichtig ein AIDA Bald kommt Radames! Was wird er wollen? Ich bebe! Ach, wenn du kämest Zum Abschied, zum letzten Lebewohl, Des Niles dunkle Tiefe wird Dann mein Grab sein, Ruhe mir geben, Frieden und Vergessen. O Vaterland, ich seh' dich nimmerdar! Azurne Bläue, o heimatliche Lüfte, Wo hell der Morgen schien auf mich herab, O grüne Hügel, Strand du voll Blumendüfte, Mein Vaterland, dich seh' ich nimmerdar. Niemals, nein, o nimmermehr! O kühle Täler, Asyl einst meinen Tagen, Das von der Liebe mir verheissen war, Der Liebe Traum, er ist zu Grab' getragen, Mein Vaterland, dich seh' ich nimmerdar. DRITTER AUFTRITT Amonasro. Aida. Nr. 12 - Duett AIDA sich wendend, erblickt den Vater Wehe! mein Vater! AMONASRO Zu dir führt mich ein ernster Grund, Aida. Nichts von allem ist fremd mir. Du glühst in Liebe Zu Radames, er liebt dich, er kommt hierher. Ein Königskind ist deine Rivalin, Unser Unheil, unser Fluch war stets ihr Geschlecht. AIDA Und ich in ihrer Macht, ich, Amonasros Tochter! AMONASRO In ihrer Macht? Nein, wenn du wünschest, Besiegen wirst du deine Rivalin, Und Heimat und Liebe und Thron - alles wird dein sein. Wiedersehen wirst du die duftigen Wälder, Die kühlen Täler und unsrer Tempel Gold! AIDA leidenschaftlich Wiedersehen soll ich die duft'gen Wälder, Die kühlen Täler und unsrer Tempel Gold. AMONASRO Als Gattin dessen, den so sehr du liebest, Wird unermessner Jubel dich umwehn. AIDA leidenschaftlich Ein einz'ger Tag in solchen Glückes Zauber, Nur eine Stunde, und dann vergehn. AMONASRO Denke immer, was der Ägypter grausam Dem Lande, dem Volke und seinen Tempeln bot, Jungfraun in Ketten hat er hinweggeführt, Mütter, Greise und Kinder geweiht dem Tod. AIDA Ach, wohl gedenk' ich jener Schreckenstage Und was mein Herz getragen an Leid. Götter, lasst uns endlich scheinen Die Sonne einer bessren Zeit. AMONASRO In Waffen schon erhebt Sich unser Volksstamm, alles mutbeseelt - Bringt uns den Sieg; eins zu wissen gilt es, Welche Pfade des Feindes Heer gewählt. AIDA Wer vermag's zu ergründen, sag an! AMONASRO Du selber! AIDA Ich?! AMONASRO Radames kommt hierher, ich weiss es, mit Nachdruck Er liebt dich, er, das Haupt der Ägypter. Verstehst du? AIDA O Schande! Was rätst du mir an? Nein, nimmermehr! AMONASRO in wilder Leidenschaft Wohlauf denn, erhebt euch, Ägyptische Scharen, Verheert unsre Städte Mit Feuer und Schwert, Verbreitet nur Schrecken, Nur Tod und Verwüstung, Da nichts euren Sieg mehr, Ihr Wütriche, wehrt. AIDA Vater, mein Vater! ... AMONASRO sie zurückstossend Noch nennst du Mein Kind dich! AIDA furchtsam und flehend O Gott, halt ein, Erbarmen! AMONASRO Ströme voll Blutes fliessen hin Durch die besiegten Städte, Siehe, aus blut'gem Wellenstrom Steigen die Erschlagnen, Zeigen auf dich und rufen laut: Dein Volk, es stirbt durch dich! AIDA O Gott, halt ein, Vater, halt ein! AMONASRO Sieh! welch drohend Schreckgespenst Nahet dort aus dem Schwarme, Zittre, die Knochenarme Legt auf dein Haupt sie dir. Deine Mutter erkenne, Siehe, sie flucht dir. AIDA in höchstem Entsetzen Ach, nein, mein Vater, Mitleid, ach, halt ein! AMONASRO sie zurückstossend Du bist mein Kind nicht, Bist niedre Sklavin der Pharaonen! AIDA aufschreiend Ach! Erbarmen! sich mühsam zu den Füssen des Vaters schleppend Vater, nicht bin ich ihnen die Sklavin, Darfst mir nicht fluchen, mich nicht verkennen, Kannst deine Tochter immer mich nennen, Wert meines Landes will stets ich sein. AMONASRO Denke, ein Volk, besiegt und zerschlagen, Es kann sich retten durch dich nur allein. AIDA O Heimatliebe, was muss ich opfern dir, o Vaterland. AMONASRO Fasse Mut, er kommt, ich lausche hier! verbirgt sich hinter den Palmen. VIERTER AUFTRITT Aida. Radames. Nr. 13 - Duett und drittes Finale RADAMES Ich seh' dich wieder, meine Aida. AIDA Nicht näher - zurück - was hoffst du noch? RADAMES In deine Nähe führt mich die Liebe. AIDA Ach, einer andern gehörst du doch. Amneris liebt dich! RADAMES Geliebte, nein, Dich nur, Aida, erkor ich zum Bund, Ich bin erhöret, du wirst die Meine. AIDA Entweih' der Meineid nie deinen Mund! Ich liebte den Helden, dich, den Meineid'gen nicht. RADAMES An meiner Liebe zweifelt Aida? AIDA Und hoffest du zu entgehen Amneris' Reizen, Des Königs Befehlen, deines Volkes Willen, Dem Zornesfluch der Priester? RADAMES Höre, Aida! Aufs neue hat zum Kampf mit Wutgebärde Äthiopiens Volk vereint der Krieger Reih'n, Schon überziehn die Deinen unsre Erde, Ägyptens Heere, ich führe sie. Bei dem Triumphe, den wir erringen, Will ich dem König mein Herz vertraun. Du bist der Kampfpreis, den ich begehre, Tempel der Liebe wollen wir bau'n. AIDA Und du hegst vor der Rache Amneris' keine Furcht? Ihre Vergeltung, Wie ein Blitz wird sie furchtbar Erschlagen mich und meiner Vater, uns alle. RADAMES Ich will euch schützen. AIDA Umsonst, du vermagst es nicht. Doch liebst du wahr mich, dann bleibet ein Ausweg uns noch. RADAMES Welcher? AIDA Entfliehn! RADAMES Entfliehen? AIDA in tiefer Bewegung Entfliehn aus diesem Lande wir, Komm; lass uns fliehen; Dort wird ein neues Vaterland Für unsre Liebe blühen, Dort im jungfräulich grünen Wald, Von Blumenduft umgeben, Gibt uns ein neues Leben Die höchste Seligkeit. In Lieb' und Glück gedenken wir Nicht mehr vergangner Zeit. RADAMES Zur Ferne entfliehn, Wo fremd ich war, Verlassen mein Vaterland, Verlassen seine Altäre? Der Boden, wo zuerst Ich Ruhmeskränze pflückte, Die Liebe uns entzückte, Vergisst sich nimmerdar. Unserer Liebe Himmel lacht ewig klar! AIDA Mein Himmel lässt die Liebe Entfalten schönre Blüten, Die gleichen Tempel bieten Dieselben Götter dar. RADAMES zögernd Aida! AIDA Du liebst mich nicht, geh! RADAMES Dich nicht lieben! energisch Kein Sterblicher, kein Gott Hat jemals geliebt, wie ich für dich erglühe. AIDA Geh, geh, es harret dein Amneris. RADAMES Nein, niemals! AIDA Du sagtest niemals? Dann mög' das Richtbeil fallen Auf mich und meinen Vater. RADAMES Nein, nein, entfliehn wir. mit leidenschaftlicher Entschlossenheit Lass uns fliehn aus diesen Mauern, In die Wüste lass uns fliehen; Hier wohnt Unheil nur und Trauern, Dort die Liebe, dort das Glück. Sieh, Aida, die weite Wüste, Sie bietet uns ein Brautbett gerne, Reiner werden Mond und Sterne Glänzen dort vor unserm Blick. AIDA Heitern Himmel, linde Lüfte Hat die Heimat meiner Väter; Jede Scholle hauchet Düfte, Alles Duft und Klang und Glück. Kühle Täler und grüne Auen, Sie bieten uns ein Brautbett gerne, Reiner werden Mond, und Sterne Glänzen dort vor unserm Blick. AIDA UND RADAMES Komm, o komm, fliehn wir zusammen. Dieses Land der Qual und Pein, Komm, o komm, des Herzens Flammen Führen uns zum Glück allein! Sie entfernen sich eilig, plötzlich bleibt Aida stehen AIDA Doch sage, auf welchem Wege Umgehn wir die Scharen Der Besatzung? RADAMES Der Pfad, den wir gewählt Zum Stoss auf den Feind, ist bis morgen Völlig verlassen. AIDA Und welcher Pfad? RADAMES Die Schluchten Bei Nàpata. FÜNFTER AUFTRITT Die Vorigen. Amonasro. AMONASRO Bei Nàpata die Schluchten, Dort werden die Meinen sein! RADAMES Oh, wer belauscht uns? AMONASRO Aidas Vater, der Äthiopier Fürst. RADAMES in höchster Aufregung und Überraschung Du, Amonasro? du, der Fürst? Götter, was sagt' ich, Nein, es ist Traum, es ist Schein, es ist Wahn, Nein, nein, aufschreiend Wahrheit nimmer! AIDA O mein Geliebter, höre mich, Vertraue meiner Liebe. AMONASRO Dir wird die Hand Aidas Erbauen einen Thron. RADAMES Weh mir, ich bin entehret, Um dich verriet ich Land und Volk, Weh, weh, ich bin entehret. AIDA Sei ruhig! AMONASRO Nein, nein, du bist nicht schuldig, Der Zufall nur allein, er hat's gekehret. Drüben am Ufer stehen Männer, die uns ergeben, Ja dort wird die Liebe geben Dir allen ihren Lohn. Radames mit sich fortreissend Komme, komme! SECHSTER AUFTRITT Die Vorigen. Amneris und Ramphis aus dem Tempel kommend. Später Wachen. AMNERIS Ha, Verrat! AIDA Meine Rivalin! AMONASRO sich auf Amneris mit einem Dolch stürzend Komm, zerstör, was ich vollbrachte. Falle! ... RADAMES ihm in den Arm fallend Betörter, halt ein! ... AMONASRO O verwünscht! RAMPHIS Wachen, herbei! RADAMES zu Aida und Amonasro Eilet und fliehet! AMONASRO Aida mit sich fortreissend Komm, meine Tochter! RAMPHIS zu den Wachen Folgt den Flücht'gen. RADAMES zu Ramphis Sei ruhig, Priester, ich bleibe dir. VIERTER AKT Saal im Königspalast. Links eine grosse Tür, die in den unterirdischen Gerichtssaal führt. - Rechts ein Korridor, der zum Gefängnis von Radames führt. ERSTER AUFTRITT Amneris allein in trauriger Stellung vor der Tür zum unterirdischen Gewölbe Nr. 14 - Szene und Duett AMNERIS Entflohn ist die Rivalin, die verhasste. Vom Priestermund droht Radames sein Urteil, Die Strafe des Verräters. - Ein Verräter Ist er kaum. Doch er verriet des Krieges Hohes Geheimnis, er wollte fliehn mit ihr, Mit ihr entfliehen. Alle sind Verräter, Zum Tode! zum Tode! Doch nein, was sag' ich? Ich lieb' ihn noch, noch immer. Ach zum Wahnsinn, zur Verzweiflung treibt das Feuer dieser Liebe. Ach, könnte er mich lieben! Ich wollt' ihn retten. Doch wie? entschlossen Ich tu' es! - Wachen: Radames komme! ZWEITER AUFTRITT Amneris. Radames, von Wachen begleitet. AMNERIS Schon sind die Priester all vereint, Wollen dem Tod dich weihen; Doch von dem Lose, das dir droht, Noch kannst du dich befreien; Rechtfertige dich, am Throne Will ich um Gnade flehen, Ja frei sollst du dich sehen, Die Zukunft bleibet dir. RADAMES Die Priester werden meiner Tat Rechtfertigung nicht hören; Vor Gott und Menschen kann ich laut Auf meine Unschuld schwören. Ein unheilvoll Geheimnis Entfloh wohl meinem Munde, Doch blieb im Herzensgrunde Heilig die Ehre mir. AMNERIS Verteid'ge dich und rette dich. RADAMES Nein. AMNERIS So stirb denn! RADAMES Das Leben hass' ich; Es kann mir Glück Und Freude nimmer geben Geflohn von jeder Hoffnung, Will ich allein den Tod. AMNERIS Du sterben? Nein, du musst leben, Leben und mit mir verbunden; Die grimme Pein des Todes Hab' ich schon um dich empfunden. O Leid in Liebessehnen, Die Nächte voll bittrer Tränen, Das Vaterland, die Krone, Leben, Ja alles geb' ich hin um dich. RADAMES Für sie hab' ich auch Vaterland Und Ehre hingegeben. AMNERIS Kein Wort von ihr! RADAMES Mein harret Schande und soll noch leben? Was hab' ich leiden müssen, Aida mir entrissen, Vielleicht gar getötet - Was hat noch die Welt für mich? AMNERIS Ich wär' an ihrem Tode schuld? Nein, sie lebet! RADAMES Lebet! AMNERIS Vom Seufzerhauch der Fliehenden, Verzweifelnden umschwebet, Fiel nur ihr Vater. RADAMES Und sie? AMNERIS Verschwand, von ihr nicht eine Kunde! RADAMES O führ' der Himmel sie Ins Vaterland zurück, Unkundig der Geschicke Dessen, der für sie stirbt. AMNERIS Wenn ich dich rette, schwöre, dass Du ihr nicht mehr ergeben! RADAMES Ich kann nicht! AMNERIS Entsage ihr Auf immerdar, dein Leben gilt's! RADAMES Ich kann nicht! AMNERIS Noch einmal höre: Entsage ihr. RADAMES Vergebens! AMNERIS So müd bist du des Lebens? RADAMES Ich bin zum Tod bereit. AMNERIS Wer beschützt dich, Unheilvoller, Vor dem Los, das deiner wartet? Hast in Zorn und Wut verwandelt Meine tiefe Zärtlichkeit. Rächen wird der Himmel selber Meine Tränen, all mein Leid. RADAMES Ach, das Sterben ist eine Wonne, Darf ich's doch um sie erleiden, So vom Erdendasein scheiden, Das muss erhabne Wonne sein: Fürchte nicht den Zorn der Menschen, Furcht' dein Mitleid nur allein. Radames ab, von den Wachen begleitet. Amneris sinkt trostlos auf eine Bank. DRITTER AUFTRITT Amneris allein. Später Ramphis und die Priester. Nr. 15 - Gerichtsszene AMNERIS in höchster Verzweiflung Weh mir, ich fühl', ich sterbe; wer wird ihn retten? vom Weinen erstickt In ihre Hand gab ich ihn selbst, o wie verwünsch' ich, Eifersucht, dich nun, die sein Verderben Und meines Herzens ew'gen Gram verschuldet. Ramphis und die Priester schreiten über die Bühne, um in das unterirdische Gewölbe zu gehen. Himmel, was seh' ich? Des Todes finstre, unheilvolle Diener! Sähe ich nie mehr jene weissen Larven! Verhüllt das Gesicht mit den Händen RAMPHIS UND DIE PRIESTER im unterirdischen Gewölbe Lass, Geist der Gottheit, lass auf uns dich nieder. Glüh mit dem Strahl uns an des ew'gen Lichtes, Tu deine Satzung kund durch unsre Lippen. AMNERIS Götter, erbarmt euch meines armen Herzens, Er ist frei von Schuld, o rettet ihn, ihr Götter; Oh, furchtbar ist die Verzweiflung meines Herzens. Oh, wer beschützt ihn? Radames schreitet zwischen den Wachen über die Bühne und steigt in das unterirdische Gewölbe. Bei seinem Anblick stösst Amneris einen Schrei aus. Wer wird ihn retten? Mein Ende ist nah? Weh mir, mir nahet der Tod! RAMPHIS im unterirdischen Gewölbe Radames, Radames: Du hast des Vaterlands Geheimnisse enthüllet Dem Fremdling, rechtfert'ge dich. PRIESTER Rechtfert'ge dich! RAMPHIS Seht, er schweiget. ALLE Oh, Verrat! AMNERIS Ach, Erbarmen, frei ist von Schuld er, Götter, habt Erbarmen! RAMPHIS Radames, Radames: Du hast das Lager Am Tage vor der Schlacht verlassen. PRIESTER Rechtfert'ge dich! RAMPHIS Seht, er schweiget. ALLE Oh, Verrat! AMNERIS Gnade, Gnade, ach rettet ihn, Götter! RAMPHIS Radames, Radames: Dem Vaterlande, Dem König und der Ehre brachst du deinen Eid. PRIESTER Rechtfertige dich! RAMPHIS Seht, er schweiget. AMNERIS Gnade, Gnade, ach rettet ihn, Götter! ALLE Oh, Verrat! Radames, dein Los ist erfüllet, Ja du stirbst den Tod des Verräters Unterm Tempel der zürnenden Gottheit Gehst du lebend, ja lebend ins Grab! AMNERIS Lebend begraben, o Verruchte! Euer Blutdurst wird niemals gestillet, Wollet Diener des Himmels noch sein! auf die Priester stürzend, die aus dem unterirdischen Gewölbe kommen Ihr, o Priester, begingt ein Verbrechen, Mit des Tigers wilden Gebärden; O die Götter schändet ihr und Erden, Da ihr bestrafet, wer schuldlos und rein. RAMPHIS UND PRIESTER Fluch dem Verräter und Tod! AMNERIS zu Ramphis Priester, jenen Mann, den du tötest, Ach, ich liebt' ihn, du weisst es, vor allen; Mit seinem Blut wird auf dich fallen Meines Herzens Fluch! RAMPHIS UND PRIESTER Fluch dem Verräter und Tod! Oh, Verrat! langsam ab AMNERIS Schändliche Rotte, auf euch alle mein Fluch! Und des Himmels Rache fall' auf euch herab! Seid verflucht! verzweifelnd ab Verwandlung Die Bühne ist in zwei Etagen geteilt. Die obere stellt das Innere des Vulkantempels in Gold und Lichterglanz dar; die untere ein unterirdisches Gewölbe. Lange Bogengänge, die sich im Dunkel verlieren. Kolossalstatuen des Osiris mit nach oben gekreuzten Händen stützen die Säulen der Wölbung. VIERTER AUFTRITT Radames. Zwei Priester. Später Aida. Priester und Priesterinnen im Tempel. Radames, im unterirdischen Gewölbe auf den Stufen der Treppe, die er hinabgestiegen ist. Über ihm zwei Priester, die den Eingang mit einem Stein verschliessen. Nr. 16 - Szene, Duett und letztes Finale RADAMES Es hat der Stein sich über mir geschlossen. Vor mir seh' ich mein Grab. Das Licht des Tages Schau' ich nicht mehr, schau nimmermehr Aida. Aida, wo bist du? Ach könntest du doch Glücklich nur sein, blieb ewig dir verborgen Mein furchtbar Los! Welch Seufzerlaut! Eine Larve, Ist es ein Geist? Nein, nein, ein menschlich Antlitz! Oh, Aida! AIDA Ich bin es. RADAMES in höchster Verzweiflung Du - in diesem Grabe! AIDA traurig Ahnend im Herzen, dass man dich verdamme, Hab' in die Gruft, die sie für dich bereitet, Ich heimlich mich begeben, Und hier, vor jedem Menschenaug' verborgen, In deinen Armen sehn' ich mich zu sterben. RADAMES Zu sterben! so rein und schön, Für mich der Welt entsagen, In holden Blütentagen Fliehen das Dasein! Es schuf der Himmel dich zum Glück der Liebe, Ich bring' den Tod dir, weil ich heiss dich liebe! Nein, nicht den Tod, Du bist so lieblich, bist so schön! AIDA schwärmerisch Sieh, dort den Todesengel schon Sich nah'n in Glanz und Strahlen, Trägt uns auf goldnen Schwingen hold Zu ew'gen Freuden fort. Schon öffnet sich des Himmels Tor, Dort enden alle Qualen, Frieden und Seligkeit und Glück, Sie wohnen ewig dort. PRIESTERINNEN im Tempel Allmächt'ger Phtà, der Welten Schöpferhauch, dich rufen wir an. AIDA Welch ein Gesang! RADAMES Ein Triumphgesang Aus Priestermund. AIDA Für uns das Grabgeläute! RADAMES versucht den Stein von seiner Stelle zu wälzen Meine gewalt'gen Arme Können den Stein vom Orte nimmer bewegen! AIDA Umsonst! ... Für uns ist alles Hier auf Erden vorbei. RADAMES mit trostloser Ergebung Ist alles vorbei! AIDA UND RADAMES Leb wohl, o Erde, o du Tal der Tränen, Verwandelt ward der Freudentraum in Leid; Es schliesst der Himmel seine Pforten auf, Und unser Sehnen schwinget sich empor Zum Licht der Ewigkeit. Aida sinkt Radames sanft in die Arme und stirbt FÜNFTER AUFTRITT Die Vorigen. Amneris erscheint im Trauergewand im Tempel und wirft sich auf den Stein, der das unterirdische Gewölbe verschliesst. AMNERIS mit tränenerstickter Stimme Sei dir der Frieden Im Tod beschieden; Öffne dir Isis Des Himmels Tor. Werde dir Frieden! CHOR Wir rufen dich, allmächt'ger Phtà! |