| Libretto: Friedenstag |
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Personen:
KOMMANDANT der belagerten Stadt (Bariton) MARIA, sein Weib (Sopran) WACHTMEISTER (Bass) SCHÜTZE (Tenor) KONSTABEL (Bariton) MUSKETIER (Bass) HORNIST (Bariton) FRONTOFFIZIER (Bariton) Ein PIEMONTESER (Tenor) Der HOLSTEINER, Kommandant der Belagerungsarmee (Bass) BÜRGERMEISTER (Tenor) PRÄLAT (Bariton) FRAU aus dem Volk (Sopran) Soldaten des Kommandanten der belagerten Stadt und des Holsteiners Stadtobere und Frauen aus der Deputation an den Kommandanten Volk Die Werke von Richard Strauss geniessen bis auf weiteres den Schutz des Copyrights © 1933 Richard Strauss © 1994 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz Die nachfolgende Wiedergabe des Librettos geschieht mit freundlicher Genehmigung der Urheberrechtsgemeinschaft Dr. Richard Strauss (für die Gebiete Deutschland, Danzig, Italien, Portugal und die Nachfolgestaaten der UdSSR ausser Estland, Lettland und Litauen) for all other countries: Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd. EINZIGER AKT Kreisrunder Saal in der Zitadelle. Den Raum umschliesst in Manneshöhe ein Gang, in dem die Schiessscharten liegen. Eine Treppe führt zum höheren Stockwerk der Feste empor, eine zweite in die Tiefe. Überall Riesenmauern, mittelalterlich, neu bezogen zum Zwecke des neuen Krieges. Wo das Gemäuer klafft, ist es flüchtig mit Stein und Holz wiederhergestellt. Die Wache an einem grossen Eichentisch. Verwitterte, mar-tialische Gestalten in Lederkollern und Helm. Sie sind regungs-los, man weiss nicht, ob sie schlafen oder nur erstarrt sind vor Müdigkeit und Entbehrung. Auf dem Tisch Zinnkrüge, aber kein Becher. Das Feuer, ihnen im Rücken, beleuchtet sie mit schwachem Schein. Sie sind von ihren gewaltigen Waffen um-geben, Musketen, Schwertern, Bihändern, einige haben den Kürass abgelegt. Anbrechender Morgen. Erstes Blau aus den Schiessscharten, seltsam vermischt mit dem dunkelroten Schein des ersterbenden Feuers WACHTMEISTER alter, grauhaariger Soldat in voller Waffenrüstung, auf seiner Runde oben an den Scharten. Bei einem Schützen macht er halt, der tief in die Nische gedrückt ist und hinausspäht Hast was gesehn? SCHÜTZE jüngerer Mann, ohne Gewehr Morgen dämmert. Verblasst die rote Säule weit im Osten. Flamme zerstiebt in Rauch und Staub. WACHTMEISTER Bedeutet nichts. Nur Feuer ward gelegt an ein Gehöft. SCHÜTZE Bedeutet nichts ... WACHTMEISTER Nein, nein. Der Feind will sagen: bin noch da. Will zeigen: hab noch Macht, da draussen. SCHÜTZE Verbrannt ward ein Gehöft. Aus flammendem Tor, geblendet, stürzt das Vieh, der Bauer folgt, gebeugt am Stock, ohne Laut der Klage. Sie ziehen übers leere Feld und in die Nacht. WACHTMEISTER hört kopfschüttelnd und missbilligend zu. Mit Beziehung auf die unten Sitzenden Das - soll Wache sein? SCHÜTZE Wache ohne Ablösung mehr. Ohne Ruh und Rasttag. Kein Trunk mehr in der Kann. Kein Futter mehr für Mann und Tier. Wie soll das enden? WACHTMEISTER Auf Seine Gnaden acht, den Herrn und Kommandanten! In voller Rüstung blieb er heut die ganze Nacht an seinem Tisch. Die Kerzen sind längst herabgebrannt, ich sahs auf meiner Runde. Und regungslos blickt er auf Karte und Papier. Tu deine Pflicht wie er - so endet das. Wachtmeister setzt seinen Rundgang fort. Der Schütze wendet sich wieder den Scharten zu und sieht durch diese und jene ins Freie. Zunehmende Morgenbläue PIEMONTESER ganz junger Bursch, singt unten bei der Wache aus dem Schlaf La rosa, che un bel fiore come la gioventù, nasce, fiorisce, more, e non ritorna più. KONSTABEL bartlos, Mitte der Vierzig, fährt unten auf Wer singt da? SCHÜTZE Der junge Bursch, der Italiener, der heute nacht sich einschlich mit des Kaisers Brief. - Hat seinen Weg gemacht durch fünfzigtausend Mann! Durch Sturmböck, Pulverkörb und schwere Stücke! Durch des Holsteiners ganze Belagerungsarmee. PIEMONTESER E non ritorna piü. KONSTABEL weich Wächst, blüht und kehrt nicht wieder? Diese Nacht träumte mir, ich wär in einem Garten. MUSKETIER derber Ich hab vom Wein geträumt. SCHÜTZE Der Piemonteser hat euch behext. Hat nie was vom Krieg gesehn. PIEMONTESER La piccola Pedretta cantava dolce assai ... Poi se n'andò solett e non tornò più mai. MUSKETIER Was singst du, fremder Bursch? PIEMONTESER Così dolce fanciulla cantando se non sta. KONSTABEL Vom Mädel in der Heimat. Kein Lied für uns. Wie lang ists her, dass wir nicht Frauen sahn? MUSKETIER lachend So lang, als uns der Wein fehlt! - Länger! KONSTABEL Nichts als hohlwangig Volk da unten in der Stadt. Vetteln, verhungert wie der Tod. MUSKETIER rüttelt den Italiener Du, reiz uns nicht mit deinem Liedel! Wir haben Durst! PIEMONTESER A sera poi più nulla un bacio e se ne va… KONSTABEL Ein Kuss, o Gott! SCHÜTZE Hat nie was vom Krieg gesehn. In seiner Heimat ist Friede. MUSKETIER Was ist das: Friede? HORNIST Wer soll das wissen? In meinem zehnten Jahr lief ich den Soldaten nach. SOLDATEN verschiedene Und ich! Und ich! Und ich! SCHÜTZE böse züm Italiener He du, was ist das: Friede? Dreissig Jahr will man es wissen! PIEMONTESER O madre santissima, a casa, a casa! KONSTABEL Von seiner Mutter redt er - nicht vom Frieden. MUSKETIER roh Wenn Friede Wein ist und Weiber in einer reichen, frisch eroberten Stadt, dann soll er mir gefallen! CHOR mit Solisten In deiner Heimat ist Friede, sag? Wovon leben die Menschen, wenn nicht von Sold? Was begehren die Menschen, wenn nicht das Gold? Ziehn die Scharen nicht durchs Land? Sind Feuer und Schwert dort unbekannt? Ist der Bischof nicht Feind der freien Stadt? Und neidet nicht jeder, was keiner hat? PIEMONTESER wimmernd E non ritorna più. MUSKETIER Weiss nichts. Versteht uns nicht. Ein feiger Bursch. Die Soldaten sind jetzt vollkommen munter, rühren sich, putzen sich, sehen nach Rüstung und Gewehr. Keiner beachtet mehr den Piemonteser SCHÜTZE Was weiss denn der? Was wissen wir? Kirchen gesprengt, Häuser verbrannt ... CHOR mit Solisten, Soldaten beginnen summend Der Hinz schwört auf die Bibel, der Kunz schwört aufs Gewehr, die haben sich verloren und finden sich nicht mehr. Hat nur aufs Wort geschworen - wir aber auf die Ehr! So schlagen wir ihn nieder, als wenns der Teufel wär. CHOR Volksmenge, aussen, sehr entfernt hinter der Szene Hunger! SCHÜTZE Ich höre was. KONSTABEL Nur Widerhall von eurem dummen Singen ! CHOR Brot! WACHTMEISTER erscheint oben wieder Wache! Eure Pflicht! CHOR näher Hunger! WACHTMEISTER Da singt ihr! Aber meine alten Augen müssen sehn ... HORNIST Ich sehe nichts. MUSKETIER Ich sehe ein paar graue Ratten wimmeln. WACHTMEISTER Zweitausend, dreitausend stürmen das Festungstor! Her von der Stadt! SCHÜTZE Der Feind? WACHTMEISTER Ärger. Der Feind im Land. An die Gewehre! MUSKETIER Wer schiesst auf Ratten! WACHTMEISTER Ist aber verboten, dass ein andrer als des Soldaten Fuss die Bastion betritt. KONSTABEL Das Karlstor hält. CHOR aussen, sehr stark Hunger! Brot! WACHTMEISTER Ist offne Rebellion! Laden! HORNIST lacht Am Karlstor stehn die kaiserlichen Jäger und schlagen sich mit Ratten! MUSKETIER Einer tritt vor mit der Piken. Das ist der Veitenburger. SCHÜTZE Schäm dich, Veitenburger! WACHTMEISTER Nimm dich in acht, Schütz! MUSKETIER Bravo, hat schon geschlagen! Von fern allgemeiner Aufschrei des Volkes. Unmässiges Gelächter der Soldaten Das Karlstor biegt sich mächtig ... WACHTMEISTER Das wird doch nicht… dumpfer Knall und unklares Stimmengewirre SOLDATEN Das Tor ist auf! Sie kommen! Sie kommen! Sie kommen! WACHTMEISTER Zielen! alle Soldaten folgen CHOR immer deutlicher Hunger! Hunger! OFFIZIER springt die Treppe herauf Halt! Wer kommandiert? WACHTMEISTER meldet Hauptwache, vierzehn Mann. Es ist verboten, dass ein andrer als des Soldaten Fuss ... OFFIZIER winkt ab Der Bürgermeister dieser Stadt mit seinen Obern, der Prälat mit seiner Geistlichkeit erbitten sich Gehör mit allem Volk. WACHTMEISTER Erzwingen sich Gehör.. . das Haupttor aber hält. zu den Soldaten Wegtreten von den Scharten! An die Stufen! Die Soldaten flankieren als Wache die aus der Höhe herabführende Treppe Trauermarsch Wie eine Gespensterschar heben sich die Mitglieder der Deputation aus der Tiefe. Der Bürgermeister, alt, rüstig, mit ver-wirrtern Haar. Der Prälat, sehr alt, gestützt. Die Stadtobern , armselige Gestalten, und ein paar Weiber. Sie sind verwirrt durch die Umgebung und sehen sich ängstlich um. Die Soldaten, auf ihrer Seite, blicken neugierig auf die traurige Gruppe. Plötzliches Aufstossen der Waffen auf den Boden. Offizier und Wachtmeister reissen die Hüte ab. Der Kommandant auf der Höhe der Treppe. Ein schöner Mann, etwa fünfzig, schwarzes Kleid, darüber schwarzes Koller und Kette. Seine Rechte hält ein Dokument fest an die Brust gepresst CHOR aussen, nah und stark Hunger - Brot! Hunger - Brot! KOMMANDANT Hier ist des Kaisers Boden. Was verlangt ihr? CHOR aussen Brot! Brot! Übergabe! Übergabe! KOMMANDANT Die Gnade meines Herrn und Kaisers hat euch durch mich erlaubt, zu reden. Ruft ihr euch aber alle die zu Hilfe, wollt mit Gewalt ihr meinen Willen brechen, Er ergreift mit der freien Linken die Muskete eines Soldaten, hebt sie hoch und schmettert sie der Deputation vor die Füsse dann werd nicht ich die Antwort geben - sondern das! Absolute Stille BÜRGERMEISTER In aller pflichtgen Demut bitten wir, die Stadt dem Feinde aufzutun. KOMMANDANT So kurz, Hans Stoss? In aller pflichtgen Demut reiss ich das Herz dir aus, vergiesse dein Blut und auf den Anger werf ich deine Ehre! BÜRGERMEISTER Vergebt mir, Herr, wenn ich es wage: Bin nur ein Bauer, kaum des Lesens kundig - allein - verzeiht - wen wollt Ihr denn besiegen? - Ich hab den Feind gesehn, sind Menschen so wie wir, sie leiden Not, draussen in ihren Gräben, genau wie wir - Wenn sie getreten, ächzen sie wie wir - und wenn sie beten, flehn auch sie zu Gott. DIE DEPUTATION Not kämpft wider Not. Not siegt über Not. BÜRGERMEISTER O Herr, die Not ist nicht zu überstehn. KOMMANDANT Ist sie mir fremd? Hab ich euch nicht geschützt? Ist euer Hunger anders als der meine? zum Prälaten Auch Ihr, ehrwürdger Herr, auch Ihr? So schnell verlasst Ihr Euren Gott? Schenkt den Altar dem andern Glauben? So nah dem Richter - denkt an Eure Jahre! PRÄLAT Ich tu nach Eurem Wort: in pflichtger Demut reiss ich mir selbst das Herz auf und gebe den Verschmachtenden zu trinken! Nur wer sich demütigt - gewinnt den Sieg! KOMMANDANT Sieg! Welch ein Fanal entfährt dem schwachen Munde! Sieg! Welch eine Fackel pflanzt ihr vor mir auf! Das Wort, das mich zum höchsten Sternenfluge stachelt! Sieg! Unfasslich, herrlicher himmelgeborner Gedanke: Sieg! Wie leuchtest du vor mir und willst nicht, dass ich dein vergesse! Sieg, ich folge dir in meiner trübsten Stunde, Sieg, mein herrlich unnahbarer Gott! CHOR aussen, ganz nahe Brot! Brot! Hunger, Hunger! SOLDATEN begeistert In die Schlacht! In die Schlacht! CHOR aussen Jammer, Jammer, Brot! Weh, weh, weh, Hunger. DEPUTATION Not kämpft wider Not. Not siegt über Not! CHOR aussen Jammert Weh' Hunger! Krieg! Signal. Alles einen Augenblick still. Offizier eilt zur Treppe. Ihm entgegen ein anderer, über und über mit Schmutz bedeckt, zerfetzt, den Kopf zum Teil verbunden FRONTOFFIZIER Mein Kommandant! KOMMANDANT Rede! FRONTOFFIZIER Reine Kugel im Rohr, das Pulver durchnässt! Rostig die Waffen! Noch hält der Feind zurück, doch greift er an - hilft nichts mehr! Wir sind verloren wie die Stadt ... CHOR aussen Brot! Brot! DEPUTATION Sie siegen nicht, sie schützen uns nicht, sie quälen uns zu Tod. FRONTOFFIZIER Unter dieser Zitadelle, wir wissen es, liegt alle Munition ... Gib sie uns! Hilf uns! KOMMANDANT Mein ist zu helfen! Mein ist zu gebieten: Sie bleibt am Platz. FRONTOFFIZIER Weh! Das ist der Untergang, zerfressen von Krankheit - dem Tod entgegen und wehrlos! sinkt in die Knie KOMMANDANT reisst ihn auf Schweige! Hier in meiner Hand, sieh, der Brief des Kaisers: Er ist mein Herr, wie deiner, wie aller! Sein herrlicher Wille fand den Weg zu mir. Er entfaltet das Schreiben, alles tritt näher, allgemeine Spannung "Behalten muss ich die Stadt, was immer geschehe! Für mein gesalbtes Haupt, für den höchsten Wert falle sie in die Schale! Mit Eurer Ehre bürgt Ihr mir: Fällt die Stadt - sei sie ausgelöscht." Eine Frau aus der Deputation, vollkommen bleich, kommt langsam aus der Gruppe der andern bis zum Kommandanten DIE FRAU Der Kaiser hat recht: Soldat, du stirb! Nicht recht hat der Kaiser: Bauer, verdirb! Dreissig Jahre lang: gepflanzt kein Acker, dreissig Jahre lang: Raub und Mord! DEPUTATION Wir wissen nicht mehr, was Friede heisst! CHOR aussen Mord und Hass! Hass und Mord! FRAU Sagt ihm, was Krieg ist, dem Mörder meiner Kinder! EIN EINZELNER wirft sich zu Boden Meine Söhne sind tot, meine Enkel wimmern um Brot! ZWEITER ebenso Um zerschossene Häuser, um Kasematten geht Jagd nach Ratten! DRITTER ebenso Mehr als des Hungers Qual brennt des Hasses, des Argwohns Mal! ERSTER fanatisch Töte erst mich und die und die, bevor noch ein Schuss fällt! DEPUTATION Töte uns alle! Töte uns! CHOR aussen Mörder - alle! DIE FRAU zum Kommandanten Jetzt schrei nach Sieg, Mann! Die Sonne ist aufgegangen und leuchtet rot aus den Scharten. Kommandant verändert, erschüttert. Sieht nach seinen Sodaten. Auch dort knien einige. Er wendet sich rasch ab. Lange Pause KOMMANDANT Es sei! Doch hört: Die Sonn, im Frührot prunkend, noch nicht erblicke sie Verrat! Geht all an euer Werk, und ihr an das Gewehr! Und du, Hans Stoss - sag deinen Leuten: ich bedinge Zeit, bis dass die Sonn im Mittag steht. Ein Zeichen wird euch werden bis dahin, ein Zeichen, ein deutlich sichres Zeichen, nicht einem wird es unklar sein - ein grosses Zeichen! Dann tut die Tore auf! Geht! Geht! CHOR Deputation, langsam abgehend Segen über Euch, geliebter Herr! Ihr gabt uns Leben, Hoffnung, Leben! CHOR aussen, antwortend Brot! Hoffnung! Leben! KOMMANDANT Ein einzges Wort der Feigheit weckt Siegesjubel? Sprach ich von Unterwerfung, dass ihr mich segnet? Erkauf ich euren Frieden mit meiner Schande? CHOR aussen Leben, Hoffnung, Mut! KOMMANDANT Nur sich erretten? Nur sich erhalten? Niedriges Leben!Winselndes Leben! Alles ist abgegangen, bis auf die Wache; zu den Soldaten Ihr Alten habt in mancher Schlacht mir treu gedient, ihr Jungen glaubt an mich. Ihr andern auch, die meinem Drängen nur kalte Mienen zeigten in dem Krieg: Ich liebe euch nicht minder! Hört ihr den Jubel? Dachtet ihr, ich hätte meinen Herrn verraten? Nein! Und ich befehle euch: Hinab, ihr alle, in der Zitadelle Keller! - Gutes Pulver, Pech und griechsches Feuer schichtet auf grad unter meinen Füssen! Ich spart es auf zu bessrem Zwecke und zum Sieg!, Vorwärts, Männer! Der ist des Todes, der nicht gehorcht, des Todes, wer gehorcht! - Schlechte Fackel meines Siegs, raucht ohne Flamme, russt ohne Schein… Gebt mir die Lunte! CHOR DER SOLDATEN verstehend Herrgott im Himmel! KOMMANDANT zum Wachtmeister, wie ein Reiterlied Zu Magdeburg in der Reiterschlacht, da glomm es von Schwertern und Helmen, da hat der Tod ins Aug gelacht o Herren wie armen Schelmen. Zu Magdeburg in der Reiterschlacht, da gab es viel Stöhnen und Klagen! Da hat es ein alter Dragoner vollbracht, den Herrn auf dem Rücken zu tragen! Nun schreitet heute der Tag heran, die alte Schuld zu begleichen: und hast du drunten das Werk getan, dann magst du schnell entweichen ... WACHTMEISTER Zu Magdeburg in der Reiterschlacht trug ich Euch, Herr, auf den Händen: hab ichs begonnen und recht gemacht, so lasst michs mit Euch auch beenden! Kommandant sieht ihm wortlos ins Auge und küsst ihn KOMMANDANT zum Konstabel Die Jäger standen im böhmschen Land, hart und verwegen! Da schlug dem einen der Schwed aus der Hand den Degen! Bin ich nun tot, bin ich entehrt ? Bleibt nicht mehr Wahl! Da reicht dem Mann sein eignes Schwert der General! Viel Zeit ging seit dem Tage hin - gib es zurück! Ich weiss, es träumt des Jägers Sinn von Friedensglück! KONSTABEL im gleichen Ton Weg mit dem Traum! Ich halte fest an Treu und Ehr! Mein General - der Jäger lässt Euch niemals mehr ... Der Kommandant sieht ihn lange wortlos an, drückt ihm die Hand, wendet sich weiter zum Schützen SCHÜTZE Nie war ich Kämpfer, nie ein Held, fremd blieb mir Tat und Sieg! Die Zeit nur hat mich hingestellt: ich hasse Schlacht und Krieg! Nach Orten, die es fernwo gibt, treibt es mich sehnsuchtvoll, wo mich ein Herz unsagbar liebt, dass ich es finden soll. Doch blickt Ihr fragend stumm auf mich, die Trän ins Aug mir bricht - o Herr, so gross und ritterlich, o Herr - von Euch scheid ich mich nicht! KOMMANDANT Mein bester Krieger - auch ohne Heldentat! - Und ihr, Haudegen und Söldner: Bleibt ihr bei mir? Geht ihr ? MUSKETIER Hab richtig Sold bekommen, zu schlagen und zu stechen! Aber für das, was Ihr verlangt, Herr ... keinen Pfennig Sold. HORNIST Lauf brav dem Kriege nach, wo die Trompete schallt, aber nicht des Todes Fiedel! Ich geh! CHOR DER SOLDATEN in verschiedenen Einzelstimmen, auch mehrere gleichzeitig Ich geh, ich bleib! Ich bleib, ich geh! Das ist Soldatenlos! KOMMANDANT Geht, geht alle! Du kühner Junge, dir danke ich dies letzte Wunder - den Brief, von dem die Kraft mir durchs Blut strömt, wo jeder Buchstab Feuerzeichen mir ward für meinen Tod. Antwort wird diesem Brief - gewaltige Antwort, Herr und Kaiser! Er reisst sich los und geht, den Brief in der hocherhobenen Rechten, die Treppe hinauf. Die Soldaten noch immer starr. Kommandant wendet sich an der Treppe noch einmal und ruft in einfachem Kommandoton Befehl! Ans Werk! Die Pulverfässer! Und: Feuer! Die Soldaten erwachen aus ihrer Faszination und poltern durcheinander die Treppe hinab. Kommandant nach oben ab. Die Bühne bleibt leer. Die Sonne scheint mächtig durch die Scharten. Des Kommandanten Weib kommt scheu, verstört die Treppe herauf. Bedeutend jünger als er, halb kriegerisch gekleidet. Sie ist erstaunt, den Raum leer zu finden, und sieht sich befremdet, aber nicht erschrocken um MARIA Wie? Niemand hier? Herabgebrannt das Feuer, verwirrt die Waffen, nutzlos, unbedient, wie fortgeschleudert von erschrockner Hand? Von unten welches Dröhnen? Wühlen sie sich dort geheime Gänge, um die Burg zu stürzen? Reissen Stein für Stein aus ihrem Körper, der uns alle schützt? Wie leer und schaurig! Wie umfängt es mich mit kalten Armen, wie Totengruft! Du Totenuhr da unten, kündest du in düstrem Schlagen uns die letzte Stunde? Hohl wie der Tod der Männer Schreckensblicke. Sie meiden mich. Trotz schweren Grams und Not erhellten sie sich einst, wenn sie mich sahn. Sie lächelten, die Rauhen, ihres Leidens, mein Aug schien ihnen Hoffnung, Himmelslicht. Heut aber sah ich ein geheimes Leuchten stehn in jedes Unbekannten Auge auf den Strassen! Es war, als winkten sie verheissungsvoll mir zu, als dankten sie für etwas mir, was ich nicht gab, was wie ein grosses Lächeln von allen Seiten mir entgegenkam voll Frieden und Geheimnis. sie versinkt in tiefes Sinnen Nur einer hier in diesem wilden Turm hat nie gelächelt. Nur dem Befehl, der Pflicht dient seine Lippe manches harte Jahr. - Und dennoch warb um diesen Einzgen mein Auge stets mit seiner tiefsten Liebe, mehr als um all die Leidenden des Krieges, die ich getröstet. Warum, geliebter Mann, eröffnete sich mir das Herz des armen Volkes mit seinem Leuchten - du aber, du hältst so tief dich verborgen? Wohl durft ich dir den Harnisch lösen, kamst du aus wilder Schlacht, allein das Erz, das unsichtbar die Brust umspannt, durchdrang ich nie! Nicht dir ward ich, mein Gatte, nur dem Krieg vermählt. - Das Donnern der Geschütze sang einst mein Brautlied. Und da bat ich dich auf meinen Knien um die Gnade, bei dir zu bleiben, wenn es auch der Krieg verwehrt. Du lächeltest. Es war das einzge Lächeln, und es erstarb an diesem Hochzeitstag! Niemals sah ich dieses Lächeln wieder, denn es hiesse Friede. Der Himmel teilte dieser Zeiten Sturm mit wochenlangem Stürmen. Finsternis und Nebel schlossen mich in meine Einsamkeit. Das düstre Bild fiel ab, und hoch, hoch übers wilde Feld, vom Krieg zerwühlt, hoch über diese Stadt der Qual, des Hungers, hebt strahlend sich die Sonne! Sie gibt mir noch einmal Kraft! Rührt meine Hoffnung auf und führt mich her zu dir! Ich kann nicht warten mehr - und seis der Leid Ende! Soll ich nie mehr dich lächeln sehn? Nie mehr, du teurer Mann? Geliebter, sieh: des Herbstes Sonne mahnt! O komm in letzter Stunde Seligkeit! sie sinkt ergriffen in sich, der Kommandant erscheint oben; heftig erschreckend Nein - leere Hoffnung alles! Ernst und starr das Aug! KOMMANDANT Maria, du? Verbieten musste ich um diese Stunde dir die Zitadelle. Hart ist der Krieg, Ablösung kommt, die grosse Wachablösung! MARIA Was für ein Klang in deiner Stimme? Warum die Öde hier? Welch Poltern in der Tiefe? Und Fieberschauer in allen Gassen? Es ängstigt mich. sie will zu ihm KOMMANDANT Verlass mich jetzt, Maria! Der Brief des Kaisers heischt Entschluss. MARIA Ist es nur das? Dann Wahrheit! Geliebter, gib mir Wahrheit! - Verzeih mir, ich war dir Last im Krieg, doch härtere ertrug mein Herz. Schweigen, bittres Schweigen ward dir auferlegt, doch auch meine Zunge vereist der Krieg. Aber ein Tag muss kommen, da ist des Wartens Ende, da drängt es sich ans Licht mit dieser Sonne: Geliebter, ich will Wahrheit und dich! KOMMANDANT Maria! Wahrheit, bittre, kalte Wahrheit in einer Stunde verschwindet diese Stad in den Wogen des Feindes! In einer Stunde zu Ende meine Macht, zu Ende das Werk, das mein Herr mir befahl. MARIA Es kann nicht sein! So spricht mein Gatte nicht! KOMMANDANT Mehre nicht, Geliebte, die Schmach des Gefangenen, wenn sie dich finden! Flieh vor den Fremden! MARIA Mich stärkte die Sonne, gab mir die Hoffnung, gibt mir auch Kraft, alles zu tragen! Herrliche Sonne, Stern der Wahrheit, hilf ihm mich halten bis in den Tod! KOMMANDANT Maria, Geliebte, sahst du die Sonne? Zum letztenmal erhellt sie die Nacht! Der Turm versinkt in Nichts. Hinab zur Stadt! Der Arm, der dich hält, umfasst dich im Grab! ' MARIA Dank dir, Sonne: sein Auge leuchtet, Dank dir, Morgen, du trogst mich nicht. Sieh, du erschienest mir, gütige Spendrin, höchstes Sinnbild der Liebe! Jetzt erleuchte das Herz des Geliebten, Kraft verleihe dem mächtigen Arm mich zu fassen, vereint zur Liebe, mich zu halten bis in den Tod. Sonne, Sonne, seliges Ende, nie mehr getrennt - willkommener Tod! KOMMANDANT zugleich mit ihr Bei deiner Jugend schweigendem Opfer ohne Bedenken nahm es der Krieger - bei deiner Liebe schmerzvollem Entsagen strenge Pflicht weiss nur schweigenden Dank. Nie mehr leuchtet die Sonne dem Müden nie mehr spendet Trost diese Stimme, was allen Erquickung - des Auges Schimmer, für ihn, den du liebtest, verlischt es bald Genug der Opfer - genug der Leiden - Ewiggeliebte, rette dich! MARIA Neue Trennung? Ewiger Schmerz! Um unserer Liebe: entrinne mit mir! KOMMANDANT Der Kaiser stand im Saal. Der Kaiser hielt das Kreuz. Umarmte mich wie du - da schwor ich auf das Kreuz. Und wieder diese Nacht gemahnt er an den Schwur: "Haltet mir diese Stadt - Ihr wisst nicht, was ich weiss! Haltet mir meine Stadt - kostbar ist jede Stunde. Und haltet Ihr sie nicht - so lösch ich Eure Ehre!" MARIA Furchtbar ist der Ehre Gebot. Gar nichts gilt der Liebe Gebot! Furchtbar ist das Gebot, das du geschworen - keiner hört das Flehn des tiefsten Herzens! KOMMANDANT zugleich Herrlich ist der Ehre Gebot. Nichts Höheres auf dieser Erde! Herrlich ist das Gebot, das ich geschworen, mächtig erhebt es sich zu göttlichen Höhn! MARIA ganz gross und hymnisch beschwörend Krieg, furchtbarer Würger Krieg, sind alle Opfer dir nicht genug? Borgst du auch noch den Schein der Ehre, um ihn zu töten, der mir alles ist? Hör es, Krieg: auch ich war Soldat! Dich selbst hab ich bekriegt um meiner Liebe willen! Verflucht seist du, Krieg! Hör es, Krieg! Mein ist der letzte, ewige Sieg! Sonne, sie rief mich mit ihrem Licht! Geliebter, ich folge des Lichtes Werben, Geliebter, ich komme, mit dir zu sterben. KOMMANDANT zugleich mit ihr, ebenso Krieg, herrlicher Gedanke, Krieg, wo immer sich dein mächtig Haupt erhebt, da beugt Gehorsam jede niedere Regung, und Leben selbst ward Preis der Mannesehre! Hör es, Krieg: Ich war nur Soldat! Nur Treue kenne ich, weisend übers Leben, Treue ihm, der mein Herr war! Gesegnet, Krieg! Treue, sie rief mich mit ihrem Licht! Geliebte, wir folgen dem ewigen Werben, Geliebte, ich komme, mit dir zu sterben. Der Kommandant hebt sie in tiefster Ergriffenheit zu sich. Lange Umarmung. Das Licht hat sich während der Beschwörung des Krieges verändert: Trübe. Langsam, einer nach dem andern, steigen die Soldaten aus der Tiefe. Als letzter der Wachtmeister mit der brennenden Lunte. Der Kommandant reisst sich für einen Augenblick aus der Umarmung und weist ihn mit grosser Gebärde in die Tiefen des Turms. Wachtmeister mit der Lunte schrittweis die Stufen hinab. Die Soldaten knien nieder, einige verhüllen das Gesicht. Kommandant und Maria wieder ganz in der Umarmung versunken.Tiefe Stille. - Kanonenschuss von ferne KOMMANDANT fährt auf Erwünschtes Zeichen! Zweiter Schuss. Die Soldaten erwachen aus ihrer Lethargie und stürzen an die Scharten. Wachtmeister zurück. Steht fragend mit der Lunte. Kommandant reisst ihm die Lunte aus der Hand und zertritt sie. Wachtmeister eilt hinauf zu den Scharten Auf eure Posten! Angriff! Dritter Schuss Kampf und Untergang - endlich - mein Gott! Tiefe Stille WACHTMEISTER an einer der Scharten Ich sehe nichts ... KOMMANDANT Der Angriff, der Angriff - woher? WACHTMEISTER Nirgends Angriff - leer das Feld. SOLDATEN Grau bleicht der Tag. Stille alles. Nebelmeer ... Glocke von ferne MARIA sich erhebend, ganz leise Nein, nicht Todesnebel - Ein heller Strahl der ewgen Sonne dringt her zu mir ! O tönende Hoffnung! WACHTMEISTER Die Glocke! So klingt nicht eine in dieser Stadt! MARIA Und kennt sie keiner, die Stimme des Lichts, und nennt sie keiner - ich preise sie! KONSTABEL Jetzt läuten sie vom Marienturm: verboten wars an Festtagen selbst! SCHÜTZE Und drüben läutet die Magdalen! Wir hörten nur von ihrer Stimme, sie selber nie. WACHTMEISTER Der Stadtturrn jetzt! Wie sie sich eilen! An harten Strängen reissen und hängen! SCHÜTZE Der Dom setzt ein! Gewaltges Dröhnen! Und unser Turm schwingt mit im Jubel - schwingt mit im Sturm! MARIA Die mich beglückte - tönt nun die Sonne ? Glocken, sie singen, machen uns frei! Seliges Schwingen, leuchtendes Klingen - gesegnet sei! KOMMANDANT hart hinein Der Feind, der Feind! Wo steht sein Angriff? WACHTMEISTER Bewegung beim Feinde! KOMMANDANT Endlich! Schütze, was siehst du? SCHÜTZE hinausblickend In langen Reihen: die Reiter zuerst, die Fusstruppen folgen, doch nicht zur Schlacht. Genommen die Gräben, bald sind sie nah, sie schliessen uns ein! KOMMANDANT wiederholt dazwischen Die Reiter zuerst - die Fusstruppen folgen - genommen die Gräben - sie schliessen uns ein ... MARIA auf den Knien Licht, das mich geleitet, Licht, das uns errettet, lass es nicht wahr sein! SCHÜTZE Sie ordnen sich, stehen, sie folgen Befehlen der Hauptleute drüben wie zur Parade. KOMMANDANT Wahnsinn! Du bist blind! Offizier stürmt die Treppe herauf Macht fertig zum Feuer! Waffen! Waffen - hieher! OFFIZIER Wachtposten meldet: Anmarsch des Feindes mit geschmückten Standarten, mit bekränzten Geschützen, mit weissen Fahnen! KOMMANDANT Kriegslist! Die Stadttore schliessen! OFFIZIER Zu spät! Die Unsern umarmen die Feinde! Auf allen Bastionen! In allen Gräben! KOMMANDANT Ich hab geschworen: kein feindlicher Fuss betritt diese Stadt! Und müsst ich selber dem Feinde stehn, ein einziger Mann! Niemals Frieden! Die Glocken beginnen wieder zu läuten. Bürgermeister kehrt mit der Deputation zurück, vollkommen verändert, erfrischt, beglückt BÜRGERMEISTER Das Zeichen, das Zeichen, das Ihr uns verhiesset - beglückerides Zeichen , von Turm zu Turm! PRÄLAT Die Glocken der Kirchen, die Diener Gottes, verkünden die grosse, die göttliche Botschaft! DEPUTATION UND SOLDATEN O Tag des Friedens! Der erste wart Ihr, der ihn verkündet, geliebter Herr! Euch sei der höchste, der ewige Dank! Das Läuten hört auf KOMMANDANT Nichts weiss ich von Frieden! Verschliesse mein Ohr dem wüsten Dröhnen! Der Wille des Kaisers gebot mir Ausharren, gebot mir Sieg! BÜRGERMEISTER Der Glocken Stimme fand keinen Gegner, auf springen die Tore, sie ziehen ein. Geschmückt die Stadt mit Laub und Kranz und Fahnenglanz ! Es hat ein Wunder sich vollbracht, nicht auf Befehl, nicht auf Geheiss, die Mannschaft trägt frischgrünes Reis, bekränzt strömt sie zum Tor herein, von Ruf umwogt, von Willkommschrein, - als hätte eine Himmelsmacht das schwere Bild der Zeit getauscht. Die Glocken beginnen wieder zu läuten, sich steigernd bis zum Eintritt des Holsteiners Und Jubel rauscht und Jauchzen geht und winkt und weht von Mund zu Mund, von Hand zu Hand, durch Gassen hin, von Ort zu Ort, durch alles Land! O selges Wort! O schönster Sinn! Glanzvoller Tag, der das gebracht - o ewgen Wunders Macht! Herannahen und allmählicher Eintritt der Truppen des Holsteiners HOLSTEINER noch ausserhalb Wo ist der Mann, des Krieges bester Held? Wo ist der Kämpfer, der löwengleich sich hiel gegen zehnfache Übermacht? Eintritt des Holsteiners, des feindlichen Kommandanten, mit seiner Suite. Viel jüngerer Mann als der Kommandant der Festung, seine Leute viel besser gepflegt und bewaffnet KOMMANDANT Wo ist der Mann, der tollkühne Feind, der sich vermass, hier einzudringen gegen meines Kaisers Willen und gegen den meinen? Holsteiner schreitet näher, nimmt feierlich den Hut ab HOLSTEINER Hör, Kommandant, gewaltiger Held: Zu Münster sie sassen, Gesandte des Kaisers, Gesandte der Fürsten, der Bischöfe, Städte und allen Landes. Gediehn das Werk: Kriegerisch Wüten von dreissig Jahren ... zu Ende ists mit dem heutigen Tag! CHOR aussen Friede! Friede! Friede! MARIA Unendliche Botschaft! Du ewige Sonne, so brachtest du Wahrheit, mit heilendem Lichte erfüllest die Welt! KOMMANDANT reisst sie an sich Trau nicht den bösen den tückischen Worten, Weib! Geliebte, zu mir! HOLSTEINER Harter Willkomm dem offenen Herzen! Schon rollen die Wagen, Euch Hilfe zu bringen: Friede und Freundschaft, Zehrung und Brot! Tritt näher und versucht, ihm die Hand zu reichen KOMMANDANT stark hinein Verflucht Versprechen! Verfluchter Bote, der das Land verheerte, die Kirchen zertrümmert, verbrannt die Gehöfte ... HOLSTEINER Lass, was gewesen! Feinde von gestern, Brüder von heute. KOMMANDANT Feinde von gestern! ehrliche Feinde, Verräter heute, Lüge und Trug! HOLSTEINER weicht zurück Wer fiel noch gestern drachengleich aus und traf die Bekenner des neuen Glaubens mit Feuer und Schwert? KOMMANDANT Wer drang von Norden verheerend ins Land, ein giftges Feuer? HOLSTEINER Wer mähte die Jugend und stiess sie in Nacht? KOMMANDANT Ketzer zertrat ich! HOLSTEINER Wer sperrte den Weg mir und dem Glauben im ganzen Reich? KOMMANDANT Des Kaisers Stadt und meine Feste für ewig, Ketzer! HOLSTEINER Den Ruf kenn ich! KOMMANDANT Und ich den Arm! HOLSTEINER Du böser Schirmer uralter Macht, mit leeren Befehlen, mit knöchernen Worten, hohl und gespenstisch und schattengleich hältst du den Geist, das göttliche Wort, die Kraft der Jugend nieder im Land! KOMMANDANT Irrglauben hass ich, Irrglauben tötet dies mein Schwert! Er zieht das Schwert, der Holsteiner greift nach dem seinen, aber ohne es zu entblössen. Maria wirft sich zwischen die Männer MARIA Geliebter, nicht das Schwert! Nicht mehr das Wort von Unfrieden, Feindschaft! Was ist ein Wort ? Was ist ein Bote? Sieh hinter ihm die glanzvolle Strasse, sieh hinter ihm den grossen Herrn, den leuchtenden Herrscher, der ihn beschattet, der ihn gesendet, mehr als der Kaiser, mehr als wir alle! Mann, es ist Friede! Sieh mich doch an, sieh mir ins Auge, verhärte dich nich und glaube auch ihm! Der Kommandant sieht sie lange an, dann gleitet sein Blick auf den Holsteiner. Sie stehen einander wortlos gegenüber. Plötzlich wirft der Kommandant sein Schwert weit von sich - sie sinken einander ergriffen in die Arme. - Während dieser Szene hat sich der Raum allmählich mit Volk und Soldaten beider Parteien gefüllt CHOR aussen Sei uns gegrüsst, du neuer Herrscher, du junger König, glückselger Friede, wir neigen uns dir! Nicht Fremde mehr, nicht Feinde mehr! Glückselger Friede, bist du nun Wahrheit? MARIA Glocken! Glocken, leuchtende Wunder! Menschlichen Herzen Todesboten des Kriegs - Lebensglocken der Wiedergeburt. Was die Sonne begann, weisend die klaren, unsichtbar luftgen Pfade, selige Glocken, da vollendet in Gnade! Leuchtende Wunder, Lebensglocken der Wiedergeburt, hört zu tönen nicht auf! Niemals! Niemals! DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTEN Hört ihr die Stimmen? Sind es die Unsern? Sind es die Fremden? Fremdartig klingt es wie Geistergetön. Was umklammern uns uralte Mauern? Dort, selig wandeln sie dort im Licht, dort draussen sind Grenzen gefallen! Seht, sie umarmen sich schon! Sei uns gegrüsst, glückseliger Friede! CHOR aussen, gleichzeitig Uralte Last von uns genommen, leicht hebt sich die Brust! Selig zittert das Herz! Geblendet das Auge, du mächtger König, du junger Herrscher, hebst uns empor in bessere Welten! Selig zittert das Herz! FRAUENCHOR aussen, näher Ihr Kinder, wagt es, waget den Schritt! Dunkel waren die früheren Jahre, doch jetzt umfängt uns seliges Licht. Ihr Kinder, wagt es, glaubet dem Glanz - was Schreiten erst war, schon ist es Tanz! ALTE MÄNNER Unser Schritt ist zagend, unser Aug ist bang: Wir sehen den Frieden - aber nicht lang. Wir wandeln zu anderen Orten - aber wir wandeln durch leuchtende Pforten! BÜRGERMEISTER Wie uns das aufruft, viel tausend Münder, wie uns das mahnt, viel tausend Stimmen! Ist dies noch die Festung, die uns umklammert mit schattiger, lastender, schwarzer Faust ? Oder hebt uns schon eine lichte Wolke dorthin, Brüder, zu euch? PRÄLAT Ich aber preise Erfüllung des Wortes, Geschenk deiner Gnade Du Gott des Friedens! BEIDE Sei uns gegrüsst leuchtender Friede! CHOR aussen Noch dies Umarmen, noch diesen Kuss! Dann aber hebet die feiernden Hände zu besserem Werke, zum Werke des Friedens! MÄNNERCHOR auf der Bühne Dann aber fort mit den engenden Wänden! Nicht Fremde mehr, nicht Feinde mehr! Glückselger Friede, sei uns gegrüsst! FRAUENCHOR auftretend Wir kommen, wir kommen! Fort mit den drängenden, lastenden Mauern! ALLE Glückseliger Friede, bist du nun Wahrheit? Gewaltiger Lärmder Menschenmasse von aussen. Glocken und Kanonendonner KOMMANDANT UND HOLSTEINER , alles übertönend, als wollten sie die Masse noch zurückhalten Warum kämpften wir Jahre um Jahre? War es des Kaisers uralte Macht? Des neuen Glaubens kräftiger Wille ? War es nur Hass, der uns geschieden? Glocken, Glocken, leuchtende Stimmen - aber mehr noc der jubelnden Menschen glückselige Stimmen! Nur um dieser Stunde Glück des Umarmens, nur um der Treue Sieg oder Untergang, nur um der Freundschaft strahlende Wiedergeburt, das nur, das unser Sieg! MARIA zugleich Sonne, Sonne, ewige Sonne! Was du begannst, vollende das Wunder! Öffne die Arme, verbrenne die Mauern, schliesse uns ein! Dass wir uns finden, untrennbar, unendlich, nimm uns zu dir! Die Mauern öffnen sich, der Turm versinkt. Sonnige Helle dringt ein, es ist alles ein einziges wogendes Menschenmeer CHOR Sei uns gegrüsst, leuchtender König, herrlicher Herrscher, ewiger Friede, sei uns gegrüsst! ZWEITER CHOR Seid uns gegrüsst, ihr neuen Brüder, nichts trenne uns mehr - ewiger Friede - gegrüsst! ALLE Wagt es zu denken, wagt zu vertrauen, wagt in das göttliche Leuchten zu schauen! Die uns erschüttern, die uns noch blenden, Zeichen sind es, die niemals enden! Brücken, die wir zu beschreiten nicht wagen, leicht werden sie die Zukunft ertragen. Wagt es zu denken, wagt zu vertraun, schwelgt in gewaltgem Liebesumfassen! Ströme des Herzens, endloser Jubel! Flamme der Liebe, aufwärts, aufwärts - Herrscher Geist, zu dir! |