Libretto: Ledi Macbet Mzenskowo ujesda
Lady Macbeth von Mzensk (Katerina Ismailowa)
Personen
BORIS TIMOFEYEVICH ISMAILOW, Kaufmann (Bass)
ZINOVIY BORISOVICH ISMAILOW, sein Sohn (Tenor)
KATERINA LVOVNA ISMAILOWA, dessen Frau (Sopran)
SERGEY, Ismailows Arbeiter (Tenor)
AKSINYA, Ismailows Köchin (Sopran)
DER POLIZEICHEF (Bass)
EIN GENDARM (Bass)
DER POPE (Bass)
EIN LEHRER (NIHILIST) (Tenor)
EIN HERUNTERGEKOMMENES BÄUERLEIN (Tenor)
DER ÄLTESTE DER STRAFGEFANGENEN (Bass)
SONYETKA, eine strafgefangene Dirne (Alt)
EIN SERGEANT (Bass)

CHOR
Arbeiter und Arbeiterinnen, Gendarmen, Hochzeitsgäste, Strafgefangene, Wachen
ERSTER AKT

ERSTE SZENE

Katerina liegt auf ihrem Bett und gähnt.

KATERINA
Ach, ich kann nicht mehr schlafen, aber ich muss es versuchen.
Sie versucht zu schlafen.
Nein, ich kann nicht schlafen.
Ich habe ja die ganze Nacht geschlafen, bin dann aufgestanden,
habe Tee mit meinem Mann getrunken
und ging dann wieder zu Bett.
Was sollte ich denn sonst auch tun?
Ach Gott, wie traurig langweilig ist es!
Es ging mir besser, als ich noch allein war.
Wir waren zwar arm,
aber in gewisser Weise frei.
Und jetzt … Langeweile, Trübsal, man könnte sich aufhängen.
Ich bin die Frau eines Kaufmanns,
verheiratet mit einem angesehenen Kaufmann,
Zinoviy Borisovich Ismailov.
Die Ameise schleppt ihren Strohhalm,
die Kuh gibt Milch,
die Knechte sieben das Mehl.
Nur ich allein
habe nichts zu tun.
Nur ich allein bin traurig und langweile mich.
Nur mein Leben ist düster,
mein Leben als Kaufmannsfrau.

Boris kommt.

BORIS
Gibt’s heute Pilze?

KATERINA
Ja.

BORIS
Ja?
Du weisst, ich mag Pilze sehr gern,
vor allem mit Buchweizengrütze.

KATERINA
Ob die Sonne scheint
oder ein Unwetter tobt,
mir ist doch alles gleichgültig.
Ach!

BORIS
Weshalb singst du, hast du nichts anderes zu tun?

KATERINA
Was soll ich tun?

BORIS
Und weshalb haben wir dich
in unser Haus genommen?
Ich habe immer zum Sohn gesagt:
Heirate Katerina nicht.
Aber er wollte nicht hören.
Was für eine Frau!
Fünf Jahre verheiratet,
und es ist immer noch kein Kind da!

KATERINA
Das ist nicht meine Schuld, nicht meine Schuld.

BORIS
Wie bitte?

KATERINA
Es ist nicht meine Schuld, nicht meine Schuld …

BORIS
Wessen Schuld denn dann?

KATERINA
Zinoviy Borisovich ist nicht imstande,
in meinen Bauch ein Kind zu legen.

BORIS
Das soll es sein?
Es ist alles Sache der Frau,
an welche Frau der Mann gerät.
Hätte ihn
eine gute Frau geliebt
und wäre zärtlich zu ihm gewesen,
wäre im Nu ein Kindchen geboren.
Aber du bist ja kalt wie ein Fisch,
versuchst es nicht, seine Liebe zu gewinnen,
versuchst es nicht, seine Liebe zu gewinnen.
Wir haben keinen Erben für unser Vermögen
und unseren ruhmvollen Namen im Kaufmannsstand.
Du möchtest dir gern einen jungen Burschen einfangen.
dich mit ihm aus dem Staube machen und deinen Mann auslachen.
Nein, versuche das nicht, der Zaun ist hoch,
die Hunde sind frei, die Arbeiter treu ergeben,
und ich bin die ganze Zeit auf der Hut.
Das Gift ist fertig für die Ratten,
sie haben wieder das ganze Mehl aufgefressen.

geht ab

KATERINA
Du bist selber eine Ratte!
Du solltest dieses Gift nehmen!

Sie macht des Rattengift zurecht.
Zinoviy, Boris, ein Bote und andere Knechte, darunter Sergey, treten auf.


ZINOVIY
zum Müllerburschen
So sprich!

MÜLLERBURSCHE
Der Damm an der Mühle ist gebrochen,
es ist jetzt dort ein riesiges Loch.
Was sollen wir tun?

ZINOVIY
Als hätten wir nicht ohnehin schon genug Arbeit.
Ich werde schon selbst gehen müssen.

BORIS
Dann geh!
Ohne die Aufsicht des Herrn läuft nichts.
Die Leute sind unzuverlässig!

KNECHTE
Ha, ha, ha! ...

BORIS
Was kichert ihr so?
Euer Herr muss auf Reisen gehen,
und ihr seid nicht traurig,
euch tut es nicht leid?

ARBEITER
Aber doch!
Warum gehst du fort, Herr,
warum? Warum?
In wessen Hände gibst du uns?
In wessen? In wessen?
Ohne den Herrn ist es traurig,
traurig, langweilig, freudlos.
Das Haus ist ohne dich kein Haus,
die Arbeit ohne dich keine Arbeit.
Keine Arbeit, keine Arbeit.
Freude ist ohne dich keine Freude.
Kehre so schnell wie möglich zurück!
So schnell wie möglich.

Zinoviy führt Sergey zu Boris hin.

ZINOVIY
Hier, Vater, sieh!
Das ist der neue Arbeiter, den ich heute eingestellt habe.

BORIS
Sehr schön.
Wo warst du vorher in Diensten?

SERGEY
Bei den Kalganovs.

BORIS
Und weshalb haben sie dich hinausgeworfen?

Ein Arbeiter kommt herein.

KUTSCHER
Die Pferde sind bereit.

Boris bricht sein Gespräch mit Sergey ab.

BORIS
Nun, da kann man nichts machen.
Sag deiner Frau Lebwohl.

ZINOVIY
verabschiedet sich von seiner Frau
Leb wohl, Katerina.
zu seinem Vater
Sag ihr, sie soll mir treu bleiben.

BORIS
Sie soll schwören! Schwören!
Lass sie doch schwören,
dass sie dir treu bleibt.

ZINOVIY
Und warum das?
Ich bin nicht lange fort.

BORIS
Man kann nie wissen,
für alle Fälle.
Junge Frauen sind alle gleich …
„S'il vous plaît, rendez-vous,
sauce provençale …“

ZINOVIY
Ja gewiss!

BORIS
Du verstehst mich?

ZINOVIY
Ja gewiss!

BORIS
Sieh nur zu,
dass sie keiner verführt.

ZINOVIY
Ja gewiss!

BORIS
Katerina,
schwöre auf die heilige Ikone,
dass du deinem Mann treu bleibst.

KATERINA
Ich schwöre!

BORIS
Nun, das ist alles.
Lebe wohl, Zinoviy,
sag Lebwohl zu deiner Frau.

ZINOVIY
Lebe wohl, kleine Katerina!
Lebe wohl!

BORIS
Nicht so!
Auf den Knien! Auf den Knien! Los!
Er geht auf eine weite Reise, noch ein paar Tränen …
Nun fort denn!

Alle gehen ab bis auf Aksinya, Katerina, Sergey und Boris.

AKSINYA
zu Sergey
Was stehst du noch hier?
Warum bist du hiergeblieben?
Sergey geht ab.
zu Katerina

Der neue Arbeiter,
er ist ein verdammter Schürzenjäger.
Ihm gelingt es, jede Frau
zur Sünde zu verführen.
Er hat alle Vorzüge: er ist gross,
sieht gut aus, ein Bild von einem Mann.
Er war früher bei den Kalganovs in Diensten;
er hat sich mit der Herrin eingelassen,
und deshalb haben sie ihn fortgejagt.

BORIS
zu Katerina
Warum weinst du nicht?
Dein Mann ist doch auf Reisen gegangen.
Was für eine Frau! Sagt Lebwohl zu ihrem Mann
und vergiesst nicht einmal eine Träne.

Zwischenspiel

ZWEITE SZENE

Auf dem Hof treiben Zinoviys Diener mit Aksinya ihren Spass. Sie haben sie in ein offenes Fass gesteckt und lassen sie nicht mehr heraus.

AKSINYA
Oh! Oh! Oh! Oh! Oh! Oh! Oh!
Oh, du Schamloser, oh, kneif mich nicht.
Oh! Das tut weh, oh! Das tut weh!
Du schamloser Unhold, nimm die Hände weg!
Du dreckiger, räudiger Hund,
du dreckiger, räudiger Hund,
Hände weg!
Fort, du räudiger Hund!
Oh! Du Schwein! Oh! Oh!
Du Schwein, Schwein, Schwein, Schwein!
O du Schwein, o du Schwein!
Oh! Oh! Das tut weh, das tut weh!

EIN HERUNTERGEKOMMENER BAUER
Wie eine Nachtigall!
Los, wie sie sich wohl anfühlt!
Drück doch fester! Noch mehr!
Was für ein Euter! Ei, was für ein Euter.
O herrliches, o herrliches Euter!
Und wie schön glatt!
Drück doch, fester! Drück fester!
Ha, ha, ha! …

HAUSKNECHT
Die Sau singt wie eine Nachtigall.
Befühlt sie nur schön!
Was für eine Nase sie hat, was für eine Nase.
Damit könnte Gott sieben Leute versorgen!
Aus solchen Füsschen liessen sich
gute Koteletts machen.
Ha, ha, ha …

DIE ARBEITER
Und das Stimmchen, das Stimmchen,
und das Stimmchen!
Und das Stimmchen …
Ha, ha, ha …
Und das Stimmchen.
Und das Stimmchen.
Und das Stimmchen,
ha, ha, ha …
Und das Stimmchen!
Ha, ha, ha …

HAUSVERWALTER
Oho! Sie ist fett, so fett.
Noch einmal, los, los!
Und noch einmal …
Ho, ho, ho! …
Und was für Ärmchen!
Was für Füsschen,
was fur Ärmchen,
was für Füsschen!
Ha, ha, ha …

SERGEY
Lasst mich dieses Ärmchen anfassen,
ho-ho, es ist so glatt und fett,
so glatt und heiss.
Ein strammes Weib, ein strammes Weib
wie Milch und Blut.
Bei Gott, bei Gott, sie ist ein strammes Weib.
Doch ihre Fresse ist voller Pickel.
Ha, ha, ha! …

HAUSKNECHT
Lasst uns ein bisschen saugen.

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Nun was? Nun was?
Ha, ha, ha! …

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha …
Und das Stimmchen.
Ha, ha, ha! …

AKSINYA
Oh, du Schwein,
meine Brust ist voller blauer Flecken!
Was für ein schamloser Kerl,
er hat mir die ganze Brust zerquetscht.
Was für ein Schuft,
er hat mir das ganze Kleid zerrissen.

HAUSKNECHT und VERWALTER
Zerreiss ihm doch die Hosen, Aksyusha!

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha! …

SERGEY
Gut jetzt, lass sie los!

AKSINYA
Wache! Er hat mich gekniffen!
Oh! oh!

SERGEY
Los! Warte! Haltet sie fest!

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha! …
Und das Stimmchen.
Halt still, Aksinya.
Pack sie, Seryozhka!

AKSINYA
Er soll weggehen.

SERGEY
Na! Halte ruhig!

AKSINYA
Oh! Oh! Oh! Oh!

DIE ARBEITER
Und das Stimmchen.

SERGEY
Halt ruhig, Frau!

AKSINYA
Oh, er will mich fangen.

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha! …
Drück sie! Drück sie!
Drück sie! Drück sie!

SERGEY
Halt, Frau, halt!

AKSINYA
Oh!

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha! …
Wir lachen uns noch tot,
lachen uns tot.

SERGEY
So halt doch still!

AKSINYA
Du Schwein!

DIE ARBEITER
Wir platzen noch vor Lachen,
wir platzen noch!

SERGEY
A! Oh! Oh! Oh! …

AKSINYA
Lass mich los, lass mich los!

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha! …

Katerina tritt auf.

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Die Herrin!

AKSINYA
Oh!

KATERINA
zu Aksinya
Was ist los mit dir?

AKSINYA
Sie haben mir den ganzen Rock zerrissen.

KATERINA
Lasst die Frau los.
Euch macht es wohl Spass, eine Frau zu verspotten!

SERGEY
Über wen sollten wir denn sonst lachen?

KATERINA
So ist eine Frau nur dazu gut,
ausgelacht zu werden, ist es so?

SERGEY
Wozu sollte sie denn sonst gut sein?

AKSINYA
zu Sergey
Ach du Schwein!

SERGEY
Na, na, na! …

KATERINA
Viel bildet ihr Männer
euch wohl auf euch ein.
Glaubt ihr denn, nur ihr
seid stark und mutig,
nur ihr habt Verstand?
Weisst du denn nicht,
dass Frauen zuweilen
eine ganze Familie ernähren?
Und dass Frauen während des Krieges
die Feinde in die Flucht schlugen?
Mitunter opferten Frauen
für ihre Männer, ihre Verlobten
ihr Leben,
doch dir ist das alles gleich.
Jetzt bekommst du eine Tracht Prügel,
damit du weisst,
wozu eine Frau gut ist.

SERGEY
Nun denn, gewährt mir Eure Hand,
wenn es wahr ist.

Katerina gibt Sergey die Hand. Sergey drückt sie.

KATERINA
Das tut weh, lass los,
der Ring …

SERGEY
Dein Trauring gräbt sich ein.

KATERINA
Lass los, lass los, lass los!

SERGEY
Lasst mich noch ein wenig gewähren.

KATERINA
Es tut weh, lass los!

Katerina stösst Sergey weg. Er fällt hin.

DER HERUNTERGEKOMM ENE BAUER
aufgeregt
Sieh doch, wie sie ihn gestossen hat.

Sergey steht auf und reibt sich seine wunden Stellen.

SERGEY
Ich möchte Euch einen Vorschlag machen.

KATERINA
Nun?

SERGEY
Wir wollen ein bisschen ringen.

KATERINA
Nun gut, dann ringen wir.

SERGEY
Weg da, ihr Leute!

Sergey und Katerina ringen.

KATERINA
Warum hörst du auf?

SERGEY
Ich habe vergessen …
Ich halte Euch in meinen Armen und denke …
Ja wozu denn,
ich habe sehr viel Kraft!

Sergey wirft Katerina zu Boden.

KATERINA
Lass mich los, lass mich los!
Ach, Seryozha, lass mich los!

Boris kommt.

BORIS
Was geht hier vor?

Katerina steht auf.

KATERINA
Ich kam gerade vorbei,
verhakte mich mit dem Fuss in dem Sack
und fiel hin;
er wollte mir aufstehen helfen
und fiel selbst.

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Genauso ist es gewesen.

BORIS
zu den Arbeitern
Was steht ihr hier herum?
Wer wird für euch die Arbeit tun?
Wofür wird euch Geld bezahlt?
Tagediebe, Faulenzer, Trunkenbolde!
zu Sergey
Los, steh hier nicht herum!
zu Katerina
Brate mir ein paar Pilze.
Warte nur, wenn dein Mann kommt,
ich erzähle ihm alles.

Zwischenspiel
DRITTE SZENE
Katerinas Schlafzimmer

KATERINA
Zeit zum Schlafengehen. Der Tag ist vorbei.
Zeit zum Schlafengehen, Schlafengehen.
Es ist niemand da, mit dem ich reden könnte.
Ach, wie traurig, wie langweilig ist es,
nur Wände, Türen und Schlösser auf den Türen.

Boris kommt.

BORIS
Katerina!

KATERINA
Was ist?

BORIS
Es ist Zeit zum Schlafengehen.

KATERINA
Es ist noch früh.

BORIS
Unsinn,
was hast du noch zu tun?
Dein Mann ist nicht da,
es gibt keinen Grund, die Kerze abzubrennen.

KATERINA
Schon gut, ich gehe zu Bett.
Boris geht ab. Katerina legt ihre Kleider ab.
Das Fohlen saust zur Stute hin,
der Kater sucht das Kätzchen,
der Täuberich fliegt zum Täubchen,
und nur zu mir eilt niemand.
Die Birke wird vom Wind liebkost,
und die Sonne wärmt sie mit ihren Strahlen.
Für alle ist irgendwo ein Lächeln,
nur zu mir kommt niemand,
niemand legt den Arm um mich,
niemand drückt seine Lippen auf meine.
Niemand streichelt meine zarte Brust,
niemand erschöpft mich mit leidenschaftlichen Liebkosungen.
Freudlos ziehen meine Tage dahin,
mein Leben fliegt vorbei ohne ein Lächeln.
Niemand, niemand kommt zu mir,
niemand kommt zu mir.
Katerina entkleidet sich völlig und legt sich aufs Bett. Es klopft an der Tür.
Wer ist da, wer, wer klopft?

SERGEY
vor der Tür
Habt keine Angst,
ich bin es.

KATERINA
Wer?

SERGEY
Sergey.

KATERINA
Sergey? Was ist?
Was willst du in der Nacht?

SERGEY
Nur eine Kleinigkeit, öffnet!

KATERINA
Was für eine Kleinigkeit?

SERGEY
Erst öffnet, dann sage ich es.

Katerina öffnet die Tür. Sergey tritt ein.

KATERINA
Nun, was ist es?

SERGEY
Ich bin gekommen, um Euch um ein Buch zu bitten …

KATERINA
Was für ein Buch?

SERGEY
… um ein bisschen zu lesen.

KATERINA
Ich habe, Sergey, überhaupt keine Bücher.
Ich kann gar nicht lesen,
und mein Mann liest auch nicht.

SERGEY
Ich komme vor Langeweile um.

KATERINA
Warum heiratest du nicht?

SERGEY
Wen denn?
Eine Tochter aus gutem Haus nimmt mich nicht,
und die einfachen Mädchen mag ich nicht;
sie sind so ungebildet,
und ich bin ein feinfühliger Mensch;
deshalb langweile ich mich so.

KATERINA
Auch ich langweile mich.

SERGEY
Wie sollte man sich nicht langweilen!

KATERINA
Wenn wenigstens ein Kind käme!

SERGEY
Doch auch ein Kind,
erlaubt mir, es so auszudrücken,
kommt doch als Ergebnis von etwas,
nicht von ganz allein.
Nun sagen wir einmal, Ihr hättet
ein kleines Geheimnis,
so wie alle anderen Frauen auch …
In Eurer Lage wäre es doch fast unmöglich,
Euch mit ihm zu treffen.
Sagen wir, es wäre gar hier
in diesem Haus?
Glaubt Ihr denn, ich verstehe nicht?
Wie lange bin ich schon in Diensten
und habe genug Frauen gesehen!

KATERINA
Ja …
Nun was denn, Sergey, geh jetzt.

SERGEY
Ich gehe.

KATERINA
Leb wohl.

Sergey geht nicht.

SERGEY
Das war ein schöner Ringkampf,
Ihr seid wirklich stark …

KATERiNA
Nun, warum daran erinnern.

SERGEY
Erlaubt,
es war der schönste Augenblick in meinem Leben,
wollt Ihr nicht noch einmal?

KATERINA
Nein, du wagst es!

SERGEY
Dann umarmen wir uns.

Er legt den Arm um Katerina.

KATERINA
Lass los, Sergey, lass los!
Was denkst du dir?
Lass los!
Der Schwiegervater könnte kommen
und uns sehen;
lass los, Sergey!

SERGEY
Ich bin trotzdem stärker.

KATERINA
Sergey, das sollst du nicht
Was tust du? Ich habe Angst.

SERGEY
Du mein Leben!

KATERINA
Was tust du?
Geliebter, lass los, Geliebter,
ich will n…

SERGEY
Ach, Katya, du meine Freude!

KATERINA
Geh doch, um Gottes willen,
ich bin eine verheiratete Frau.

SERGEY
Das brauchst du nicht zu sagen.

KATERINA
Ich habe keinen Mann,
nur dich allein.

BORIS
hinter den Kulissen
Katerina …

KATERINA
Schwiegervater …

BORIS
… bist du im Bett?

KATERINA
Ich gehe gerade.

BORIS
Na gut.

KATERINA
Geh.

SERGEY
Ich gehe von hier nicht weg.

KATERINA
Der Schwiegervater wird die Türen verschliessen.

SERGEY
Für einen wendigen jungen Mann sind auch die Fenster eine Tür.
Nun komm, Katya!

KATERINA
Geliebter!

ZWEITER AKT

VIERTE SZENE

Boris geht mit einer Laterne in der Hand über den Hof.

BORIS
So ist es im Alter!
Man kann nicht schlafen.
Es scheint mir immer,
als lauerten überall Diebe.
Ich gehe umher, sehe nach, ob irgendwo ein Dieb ist.
Als ich jung war, konnte ich auch nicht schlafen,
doch hatte das andere Gründe!
Ich lungerte unter den Fernstern fremder Frauen,
sang Lieder und log, was mir in den Sinn kam,
kletterte auch mitunter durch ein Fenster;
ich hatte ein schönes Leben,
so kann man sagen.
Zinoviy schlägt mir nicht nach;
achtet noch nicht einmal seine eigene Frau.
Wäre ich so jung wie er,
wie würde ich …
Ach!
Ich würde sie …
He, he, he! …
Er bemerkt Licht in Katerinas Zimmer.
Licht im Fenster.
Sicher kann sie nicht schlafen;
sie ist ja eine junge Frau
und heissblütig dazu.
Und keiner da, der sie trösten könnte.
Ach!
Wäre ich doch jünger,
nur so zehn Jahre …
Dann, ja dann!
Ihr würde warm werden von mir;
warm, warm, bei Gott, wie warm.
Sie wäre es schon zufrieden!
So eine gesunde Frau,
und kein Mann da, kein Mann weit und breit,
kein Mann, kein Mann,
und kein Mann, kein Mann weit und breit.
Kein Mann, kein Mann weit und breit,
kein Mann, kein Mann,
kein Mann, kein Mann;
ohne Mann ist es für eine Frau langweilig,
ich gehe zu ihr, jawohl!

Am Fenster sagen sich Katerina und Sergey Lebwohl.

SERGEY
Leb wohl, Katya, leb wohl!

Sergey klettert aus dem Fenster am Fallrohr hinunter.

BORIS
Was ist denn das?
Da ist doch eine Stimme;
ich muss nachsehen.

KATERINA
Warte noch ein bisschen.

SERGEY
Es wird schon hell.

KATERINA
Sonst streckten sich die Nächte so lange, lange hin.
Doch diese sieben Nächte jetzt,
die wir gemeinsam verbrachten,
sind vergangen wie im Fluge.

BORIS
Das ist Ehebruch, Ehebruch!
Katerina betrügt ihren Mann,
sie hat einen Liebhaber gefunden.
Wer ist es denn?
Du kommst zu spät, Boris Timofeyevich!
O zum Teufel, was für eine Schande,
Herrgott im Himmel!

SERGEY
Es ist wahr, die Zeit der Liebe
vergeht viel schneller.
Leb wohl, Katya!

BORIS
Schau her, was für ein Teufel!

KATERINA
Leb wohl, Seryozha!

SERGEY
Katya!

BORIS
Sergey, dieser neue Arbeiter,
das Schwein.
Er ist der Dieb …
Na schön, warte nur.

KATERINA
Seryozha, leb wohl, leb wohl!

SERGEY
Katya, leb wohl, leb wohl!

Sergey kommt heraus. Boris packt ihn am Kragen.

BORIS
Halt! Wo warst du?

SERGEY
Dort, wo ich war, bin ich jetzt nicht mehr.

BORIS
Sieh an, von unseren Schätzen hat er sich das Beste ausgesucht:
er hat die Nacht bei der Frau meines Sohnes verbracht.
He, Leute! He!

SERGEY
Schrei doch nicht so!

BORIS
Ich will aber schreien,
ich bin jetzt hier der Herr im Haus!
Leute, kommt herbei! Ich habe einen Dieb gefangen.

Die Arbeiter laufen halbbekleidet herbei.

SERGEY
Und was willst du jetzt von mir?

BORIS
Ich will dir fünfhundert Peitschenhiebe  geben.

KNECHTE und ARBEITER
Der Herr habe Erbarmen!

BORIS
zum Hausknecht
Los, bring mir die Peitsche!
Nun, ein bisschen schneller
Zieh ihm das Hemd aus!

Der Hausknecht geht die Peitsche holen.

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Nun, Bruder … du hast es so gewollt …
Und hast es auch verdient …

Der heruntergekommene Bauer zieht Sergey das Hemd aus.

HAUSKNECHT
Wirst du ihn selbst schlagen, Herr,
oder es von einem anderen erledigen lassen?

BORIS
Selbst!
Katerina! Katerina!
Katerina! Katerina!
Katerina! Katerina!

Katerina erscheint am Fenster.

KATERINA
Was ist los? Ich schlafe.

BORIS
zu Katerina
Du schläfst? Du schläfst?
Es ist gar nicht so lange her,
da kamst du zum Fenster
und hast die Sterne gezählt, wartetest auf den Sonnenaufgang.
Schau, Katerina, ich habe einen Dieb gefangen;
ich werde ihn jetzt auspeitschen.
Nun los! Fangen wir an!
Boris schlägt Sergey.
Sieh mal, Katerina,
was für ein amüsantes Schauspiel:
Es blutet schon,
es blutet schon,
und jetzt noch einmal,
so zum Spass.

KATERINA
Lasst ihn los, ich, ich …
Lass ihn los!

BORIS
Blut, mein Freund, hast du viel,
deshalb bist du auch so geil.

KATERINA
Macht mir die Tür auf!
Macht mir die Tür auf!
Sie ist abgeschlossen.
Macht auf, macht auf!

BORIS
Wir schlagen dir das Blut aus dem Leib,
du wirst schon noch zahm werden, du Halunke, du Schuft!
Warum schreist du denn nicht, zum Teufel,
du willst dich wohl aufspielen vor der Frau?
Ich bringe dich schon noch zum Schreien!
Und das, und das, und das!
Noch mehr, noch mehr, noch mehr, noch mehr!

KATERINA
Ihr Leute! Ihr Leute!
So hilf mir doch einer!
Oh! Lasst ihn doch los;
wer mir die Tür öffnet,
erhält als Lohn meine Liebe.
Ich springe aus dem Fenster!
Leute! Schnell doch!

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
zu Katerina
Sofort, sofort …

DIE ARBEITER
Ha, ha, ha! …

BORIS
Schweig still, rühr dich ja nicht!

KATERINA
Ihr haltet mich nicht auf, ihr haltet mich nicht auf!
Sie klettert das Fallrohr hinunter und stürzt sich auf Boris. Die Knechte packen sie und halten sie fest.
Du Bestie! Du Bestie! Ich lasse das nicht zu!
Lass mich los … du Ungeheuer,
lasst mich los, lasst mich los,
lasst mich los, lasst mich doch los!
Lasst mich doch endlich los!
Lasst mich los, lasst mich los, lasst mich los,
lasst mich los, lasst mich los, lasst mich los,
lasst mich los, lasst mich los!BORIS
Haltet sie fest!
Was stehst du herum wie eine Statue und sagst kein Wort?
Spiel dich nicht auf vor einer Frau!
Du schweigst also? Du schweigst?
So schrei doch, dann höre ich auf!
Und das! Und das! Und das! Und das! Und das!
Und das! Und das!
hört auf zu peitschen
Ich kann nicht mehr.

HAUSKNECHT
Wünscht Ihr, dass ich weitermache?

BORIS
Nein, es reicht,
zuviel auf einmal ist nicht gut,
sonst krepiert er uns noch.
Bringt ihn in die Vorratskammer,
morgen wird er noch einmal verprügelt.

Sergey wird weggetragen und Katerina freigelassen.

BORIS
zu Katerina
Nun was?
Das hat mich hungrig gemacht.
Ist noch etwas übrig vom Abendessen?
He! Ich rede mit dir!

KATERINA
Pilze sind übrig.

BORIS
Das ist gut.
Bring mir die Pilze.

Katerina geht ab.

HAUSKNECHT
Sergey ist in der Vorratskammer eingeschlossen, hier ist der Schlüssel.

BORIS
Lauf schnell zur Mühle
und suche Zinoviy Borisovich.
Sag ihm, er soll so schnell wie moglich nach Hause kommen.
Sag ihm, zu Hause ist etwas Schlimmes passiert.

Der Hausknecht geht ab. Katerina kommt zurück.

KATERINA
beiseite
Ich habe Gift dazugetan.
Der Alte wird krepieren
vom Rattengift.

Boris isst die Pilze.

BORIS
Die Pilze schmecken köstlich,
du bist eine Meisterin, Katerina,
im Zubereiten von Pilzen.
Geh und zieh dich an,
du rennst ja halbnackt
auf dem Hof herum.
Geh …
Nein, halt!
Es brennt in mir wie Feuer …
Bring mir … Wasser.

KATERINA
Ich will nicht.

BORIS
Was? Was hast du gesagt?
Du wagst es …

KATERINA
Ich wage es!

BORIS
Du wagst es …

KATERINA
Ich wage es!

BORIS
Du Schlampe!

Er hebt drohend die Hand und fällt dann zu Boden.

KATERINA
So!

BORIS
Was ist los mit mir?

KATERINA
Ihr habt wohl die Pilze zu spät in der Nacht gegessen …
Viele, viele Leute sterben daran.

BORIS
Ruf den Popen, meine liebe kleine Katerina,
ruf den Popen, vielleicht ist es wahr,
und ich muss sterben.
Es brennt … es brennt …
es brennt wie Feuer.
Ich habe lange gelebt
und viel gesündigt.
Hol den Popen her, den Popen her.
O Gott, o Gott, welche Schmerzen …
Welche Schmerzen …

KATERINA
Wo sind die Schlüssel zur Vorratskammer?

Sie durchsucht Boris' Taschen, nimmt die Schlüssel an sich and geht.

BORIS
Ich bekomme keine Luft …

Aus der Ferne ist der Gesang der Aufseher zu hören, die zur Arbeit gehen. Ihre Stimmen kommen immer näher.

DIE ARBEITER
Sieh, bald dämmert der Morgen,
sieh, bald dämmert der Morgen. Hei!
Der Himmel wird heller,
der Himmel wird heller. Hei!
Nur keine Zeit vergeuden.
Hei, schneller, an die Arbeit. Hei!
Die Speicher warten schon auf uns.
Die Speicher warten schon auf uns, Hei!
Das Mehl, das uns nährt, wartet auf uns.
Das Mehl, das uns nährt, wartet auf uns. Hei!
Unser Herr ist böse und grausam
wie ein Krokodil. Hei!

Die Arbeiter treten auf.

BORIS
Einer von euch
soll zum Popen laufen …
Mir geht es schlecht.

ERSTER AUFSEHER
Augenblick …

ZWEITER AUFSEHER
Vielleicht befehlt Ihr,
Euch ins Haus zu tragen?

BORIS
Nein, es ist besser hier.
Die Sonne geht bald auf,
legt mich dorthin.
Die Schlüssel ...

ZWEITER AUFSEHER
Was?

BORIS
Nehmt ihr die Schlüssel ab.
Sie ist eine Dirne …

ZWEITER AUFSEHER
Er redet wohl wirres Zeug?

DRITTER AUFSEHER
So ist es wohl, er redet wirr.

ZWEITER AUFSEHER
Das heisst, ihm geht es wirklich schlecht.

DRITTER AUFSEHER
Er sieht schlecht aus.

ZWEITER AUFSEMER
Vielleicht stirbt er.

DRITTER AUFSEHER
Er stirbt.

ZWEITER AUFSEHER
Das sag' ich doch, er stirbt.

Der erste Aufseher kommt mit dem Popen.

POPE
Wer stirbt denn hier?

ERSTER AUFSEHER
Er dort.

POPE
Ah! lm Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes …

BORIS
zum Popen
Vater, ich muss beichten.
Viele Sünden habe ich begangen.
Aber du sollst wissen:
Ich sterbe nicht einfach so.
Ratten krepieren auf diese Weise.
Und das Rattengift
ist so ein weisses Pulver …
Katerina kommt.
zeigt auf Katerina

Sie war es! Sie!
sinkt in sich zusammen

POPE
Es ist zu Ende.

DIE AUFSEHER
Amen.

KATERINA
Oh, Boris Timofeyevich,
warum hast du uns verlassen?
In wessen Hände gibst du jetzt
Zinoviy Borisovich und mich?
Was sollen Zinoviy und ich
ohne dich jetzt tun?

POPE
zu Katerina
Warum ist ihm das geschehen?
Er war doch gut dabei, der alte Knabe.

KATERINA
Er hat Pilze in der Nacht gegessen;
viele, viele Leute sterben daran.

POPE
So ist das.
„Oh, schon wieder diese Pilze und kalten Suppen“,
wie Nikolay Vasilyich Gogol sagte,
der grosse Dichter unseres russischen Landes.
Ja, seltsame Gedanken kommen den Menschen vor dem Tod.
Boris Timofeyevich sagte,
er krepiere wie eine Ratte;
das kann aber nicht sein:
Eine Ratte krepiert,
ein Mensch jedoch scheidet dahin.
Seltsam …
Das hindert uns aber nicht, für ihn eine Messe zu lesen.
„Nun nimm, o Herr, deinen Diener in Frieden an …“
Zwischenspiel
FÜNFTE SZENE

Katerinas Schlafzimmer. Katerina und Sergey liegen im Bett. Sergey schläft.

KATERINA
Sergey, Seryozha!
Er schläft immer noch …

SERGEY
erwacht
Ja?

KATERINA
Wach auf!

SERGEY
Was willst du?

KATERINA
Wach auf!

SERGEY
Was ist?

KATERINA
Küss mich!
Sergey küsst sie.
Nicht so, nicht so;
küss mich so, dass die Lippen schmerzen,
das Blut in den Kopf schiesst
und die Ikonen vom Sims fallen.
Sergey küsst sie.
Oh! Seryozha!

SERGEY
Katya, unsere Liebe geht dem Ende zu.

KATERINA
Wie das?

SERGEY
Zinoviy Borisych kommt zurück,
dein rechtmässiger Ehemann,
wie wird mir wohl zumute sein?
Ansehen, wie du dich schlafenlegst
mit deinem rechtmässigen Mann?

KATERINA
Das wird nicht geschehen.

SERGEY
Katerina Lvovna, Katenka,
ich bin nicht wie andere Männer,
denen alles gleichgültig ist,
solange sie einen weichen Frauenkörper
zu vernaschen haben.
Ich bin sehr empfindsam, musst du wissen,
ich fühle, was Liebe bedeutet.
Ach, warum habe ich mich in dich verliebt,
glühe für dich voller Leidenschaft?
Ist es wirklich eine Ehre für dich,
die Frau eines berühmten Kaufmanns,
meine Geliebte zu sein?
Ach, Katya, ich möchte vor Gottes Augen
dein Ehemann werden!
So wie es jetzt ist,
können wir uns nur nachts sehen,
und bei Tageslicht haben wir Angst,
unser Gesicht der Welt zu zeigen.

KATERINA
Sei nicht so traurig, Sergey,
ich mache aus dir einen Kaufmann,
und wir leben zusammen, wie es sich gehört.

SERGEY
Wie soll dir das gelingen?

KATERINA
Lass das nicht deine Sorge sein.
Deine Sache ist es, mich ganz fest zu küssen,
genau so.

Sergey küsst sie und schläft wieder ein.

KATERINA
Er schläft schon wieder.
Ach, Sergey, kannst du wirklich schlafen,
wenn die geliebten Lippen so nahe sind?
Ach, Sergey, ich fürchte niemanden,
ich mache dich zu meinem Ehemann.
Ich habe vor keinem Angst.
Boris Timofeyich wollte uns stören,
und es gibt ihn nicht mehr: tot, begraben, vergessen.
Nur des Nachts erinnere ich mich an ihn.
Oft erscheint mir sein schreckliches Gesicht.
Der Geist von Boris erscheint.
Da ist er in der Ecke.

DER GEIST VON BORIS
Katerina Lvovna, du Mörderin!
Ich bin gekommen, weil ich sehen wollte,
wie du und Sergey
das Bett meines Sohnes warmhaltet.

KATERINA
Du erschreckst mich nicht, schau nur,
wie schön ich mit Sergey schlafe.

DER GEIST VON BORIS
Meine Augen können es nicht sehen;
schau, in meinen Augen
ist nur Leere und Feuer.
Katerina, Katerina,
sei auf ewig verflucht!

KATERINA
Oh, Sergey, wach doch auf!

Sergey erwacht.

SERGEY
Nun? Was willst du?

KATERINA
Sergey, Seryozha, schau, sieh doch,
die schreckliche Gestalt des Boris Timofeyich.

Sergey kann den Geist nicht sehen.

SERGEY
Unfug, dort ist niemand,
beruhige dich doch, Katya.

KATERINA
Ich habe Angst, Seryozha, küss mich, küss mich,
küss mich doch, Geliebter, mein Teurer,
drück mich noch fester an dein Herz!
Der Geist verschwindet. Katerina und Sergey schlafen ein. Dann wacht Katerina wieder auf und weckt Sergey.
flüsternd

Hör, Sergey, Sergey!

SERGEY
Was denn?

KATERINA
Hörst du?

SERGEY
Was ist denn?

KATERINA
Jemand geht leise, ganz leise.

SERGEY
Du bildest es dir wieder nur ein.

KATERINA
Nein, nein.
Die Hunde haben nicht gebellt,
es ist also jemand, den sie kennen.
Hörst du nicht? Da geht doch jemand.

SERGEY
Ja, ich höre es.

KATERINA
Versteck dich irgendwo.
Es ist Zinoviy Borisych, mein Mann.

Sergey stösst einen Pfiff aus.

SERGEY
Das ist ja eine schöne Bescherung!

KATERINA
Versteck dich doch, versteck dich!
Sergey versteckt sich.
Er lauscht an der Tür, das Schwein!
Na warte nur!

ZINOVIY
vor der Tür
Katerina!

KATERINA
Wer ist da?

ZINOVIY
Mach auf!

KATERINA
Ich kann die Stimme nicht erkennen …
Wer ist da?

ZINOVIY
Ich …

KATERINA
Wer?

ZINOVIY
Ich, hörst du denn nicht?

KATERINA
Ich kann die Stimme nicht erkennen.

ZINOVIY
Nun ich doch, Zinoviy Borisovich.
Katerina öffnet die Tür. Zinoviy tritt ein.
Und wie geht es Euch?

KATERINA
Ich bin nicht ins Theater gegangen
und auch zu keinem Ball.

ZINOVIY
erblickt Sergeys Hosen
So wart Ihr die ganze Zeit zu Hause?

KATERINA
Ja, zu Hause.

ZINOVIY
Soso! Gut, na schön,
wie ist denn Vater gestorben?

KATERINA
Er ist eben gestorben und ehrenvoll begraben worden.

ZINOVIY
Und warum ist das Bett
für zwei gemacht?

KATERINA
Ich habe Euch die ganze Zeit erwartet.

ZINOVIY
Und dafür danke ich.
erblickt Sergeys Gürtel
Und was ist das für ein Ding?

KATERINA
Wo?

ZINOVIY
Hier!
Soweit ich sehen kann,
ist das ein Männergürtel.

KATERINA
Ich habe ihn im Garten gefunden
und mir den Rock damit zugebunden.

ZINOVIY
Wir haben einiges gehört
über Eure Röcke,
über Eure Röcke.

KATERINA
Was habt Ihr denn gehört?

ZINOVIY
Wir haben viel über Eure Affären gehört …

KATERINA
Was habt Ihr gehört?

ZINOVIY
Wir haben alles gehört.

KATERINA
Was habt Ihr gehört?

ZINOVIY
Wir haben alles gehört, alles gehört,
alles gehört, alles, alles, alles!

KATERINA
Ich mag es nicht, wenn man mit mir
so unverschämt redet.
Erklärt mir doch,
was für „Affären“ Ihr denn meint?
Ihr wisst nämlich überhaupt nichts,
nur ich weiss alles.
Ich erlaube weder Euch noch anderen,
über meine Affären zu reden.
Ihr habt kein Recht, über mich zu richten.
Hände weg, du erbärmlicher Widerling.
Ich kann noch nicht einmal sagen, dass du ein Mann bist,
du bist gefühllos wie ein Stück Holz,
ein Schwächling und kalt wie ein Fisch.
Du ekelst mich an,
oh, du jämmerlicher Krämer!

ZINOVIY
Schau, Katerina,
so schöne Worte kommen aus deinem Mund,
als hättest du sie in Büchern gelesen;
wie kommt das?
Woher hast du solch unverschämte Manieren?
Sie haben wohl recht, wenn sie sagen,
du hättest mich betrogen.
Warte nur, Katerina,
ich werde alles erfahren, alles erfahren,
warte nur, Katerina,
ich werde alles erfahren
und dich grausam bestrafen,
grün und blau, grün und blau,
grün und blau dich schlagen.
Ich bin dein Ehemann vor Gott und dem Zaren.
Ich bin verantwortlich für die Ehre der Familie.
Sag mir die Wahrheit.

KATERINA
Aus welchem Grund?

ZINOVIY
Sage mir die Wahrheit!

KATERINA
Ich will aber nicht reden,
du bist doch nur ein jämmerlicher Krämer
und wirst nichts begreifen!

Zinoviy schlägt Katerina mit einem Gürtel.

ZINOVIY
Nimm das, und das, und das!

KATERINA
Oh! Oh!
Sergey, Sergey,
ich werde geschlagen!
Komm heraus und beschütze mich!

ZINOVIY
Was für ein Sergey?
Wer ist das? Wo ist er?
Was für ein Sergey?

Sergey tritt auf. Katerina eilt zu ihm und küsst ihn.

KATERINA
Sergey, mein Geliebter!

ZINOVIY
Sie bringen mich um! Leute her!

Er rennt zum Fenster.

KATERINA
Du gehst nicht weg!

Katerina holt Zinoviy ein, stösst ihn auf den Boden und beginnt ihn zu würgen. Sergey eilt herbei und hält Zinoviy auf dem Boden fest. Zinoviy wehrt sich.

ZINOVIY
Ich … weiss … alles …

KATERINA
Halt ihn fest, Seryozha, fester!

ZINOVIY
Ihr Schweine, zu Hilfe!
Oh, sie erwürgen mich!
mit schwacher Stimme
Den Popen …

SERGEY
Hier hast du deinen Popen!

Sergey schlägt Zinoviy mit einem schweren Kerzenleuchter auf den Kopf.

KATERINA
Er röchelt …

Zinoviy stirbt.

SERGEY
Nun, das war es …

KATERINA
Bring ihn in den Keller.
Ich werde dir leuchten.

Sergey lädt sich Zinoviys Leiche auf den Rücken und trägt ihn in den Keller. Katerina leuchtet ihm mit einer Kerze. Als sie im Keller sind, rollt Sergey ein paar Steine weg und legt den Toten in das Loch.

SERGEY
Leuchte mir, Katya.

KATERINA
So beeil dich doch, beeil dich.

Sergey legt die Steine wieder an ihren Platz.

SERGEY
Ich bin gleich fertig.
So … erledigt …

KATERINA
Küss, küss, küss mich.

Sie küssen sich.

SERGEY
Katya …

KATERINA
Jetzt bist du mein Mann.

Katerina und Sergey umarmen sich.

DRITTER AKT

SECHSTE SZENE

Katerina steht in der Nähe des Kellers und starrt in diese Richtung. Sergey kommt. Beide sind festtäglich gekleidet.

SERGEY
Was stehst du hier so?
Was schaust du so?

KATERINA
Aber Seryozha, da liegt doch Zinoviy Borisych,
dort haben wir ihn doch begraben.

SERGEY
Nicht so laut!

KATERINA
Wenn ich daran denke,
dann habe ich Angst, Seryozha!

SERGEY
Vor den Toten brauchst du dich nicht zu fürchten,
vor den Lebenden sollte dir bang sein.

KATERINA
Das weiss ich.

SERGEY
Wenn du es also weisst,
brauchst du dort nicht zu stehen,
die Leute werden es noch merken.

KATERINA
Nun gut.
Seryozha, heute ist unsere Hochzeit,
es ist Zeit für die Kirche.
Alles wird gut werden.

SERGEY
Es ist Zeit für die Kirche.

KATERINA
Gehen wir schnell,
heute ist unser Tag,
und morgen auch und immer.

Katerina und Sergey gehen ab. Der heruntergekommene Bauer tritt auf, er ist betrunken.

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Ich hatte einen Kameraden,
er trank ohne Verstand, hicks!
Ich hatte einen lieben Freund,
er betrank sich mit Wein und Wodka, hicks!
Einen Patenonkel hatte ich auch,
er hat sich zu Tode getrunken, hicks!
Hicks! Hicks! Hicks! …
Ohne Wein könnte meine Familie
keinen einzigen Tag überleben, hicks!
Nun, warum sollte ich schlechter sein als sie?
Ich trinke Wodka für drei, hicks! hicks!
Ich beginne schon am Morgen zu trinken,
trinke des Nachts, am Tag und am Abend,
im Winter, im Sommer und Frühling,
ich trinke, bis ich einschlafe, hicks!
Ich werde trinken bis in alle Ewigkeit,
ich bin ein lustiger Kerl. Hicks!
Hicks! Hicks! Hicks!
Singen ist schön, wenn's etwas zu trinken gibt,
und wenn es nichts zu trinken gibt,
dann kann man auch nicht singen.
Und warum gibt es nichts zu trinken?
Weil ich pleite bin.
Meine Sterne stehen schlecht,
bei einem anderen stehen die Sterne gut.
Dieser Sergey, er war auch bettelarm,
und jetzt kann er im Wodka baden.
Warum nimmt sie nicht mich,
sondern Sergey zum Mann?
Warum bin ich schlechter?
Arme, Beine, Kopf, Bauch - alles an seinem Platz.
Nur meine Sterne stehen schlecht.
Ich will etwas zu trinken!
Da ist der Keller,
und die Herrin steht oft am Keller
und schaut und schaut …
Dort müsste guter Wein sein …
Sie schaut und schaut und schaut …
Ich werde auch nachsehen.
Hicks, da muss wirklich guter Wein sein!
Er bricht das Schloss auf und geht in den Keller hinein, dann rennt er schnell wieder heraus und hält sich die Nase zu.
Oh, was für ein Gestank!
Oh, oh, oh! Was für ein Gestank!
Es stinkt, es stinkt, es stinkt!
Was stinkt denn da so?
Sind etwa die ganzen Lebensmittel verdorben?
Er geht wieder in den Keller.
Ich werde nachsehen
O Gott, was für ein Gestank!
Oh!
Er entdeckt Zinoviys Leiche im Keller und rennt in Panik nach draussen.
Eine Leiche!
Die Leiche von Zinoviy Borisovich,
die Leiche, die Leiche von Zinoviy Borisovich.
Oh! Oh!
Zur Polizei!

Er läuft in Panik weg.
Zwischenspiel

SIEBTE SZENE

Auf dem Polizeirevier. Der Polizeichef und die Gendarmen – 20 bis 24 Leute ? sitzen müssig und mürrisch herum.

POLIZEICHEF
Die Polizei, so heisst es, gab es
schon in alter Zeit bei den Pharaonen.
Wie sollte dann in unserem aufgeklärten Jahrhundert
der Mensch ohne Polizei leben können?

POLIZEICHEF und GENDARMEN
Doch für all unsere Mühe
ernten wir nur Undank.
Unsere Bezahlung ist dürftig,
ein Schmiergeld zu erhaschen, ist schwer.

POLIZEICHEF
Wie sollen wir es zu etwas bringen,
wenn wir, ach, im trüben Wasser fischen?

GENDARMEN
Wie sollen wir es zu etwas bringen,
wenn wir im trüben Wasser fischen?

POLIZEICHEF
Sonne und Mond geben abwechselnd Licht,
doch die Sterne leuchten nur nachts.

GENDARMEN
Ach!

POLIZEICHEF
Doch ein Schutzmann ist ständig auf dem Posten,
bei Regen oder Sturm, bei Dürre oder Nebel.

POLIZEICHEF und GENDARMEN
Doch für all unsere Mühe
ernten wir nur Undank.
Unsere Bezahlung ist dürftig,
ein Schmiergeld zu erhaschen, ist schwer.

POLIZEICHEF
Wie sollen wir es zu etwas bringen,
wenn wir, ach, im trüben Wasser fischen?

GENDARMEN
Wie sollen wir es zu etwas bringen,
wenn wir im trüben Wasser fischen?

POLIZEICHEF
Darum wacht der Schutzmann auch des Nachts,
rollt schrecklich mit den Augen,
um den Rechtsbrechern Angst einzujagen,
und hält die Ordnung im Lande aufrecht.
Doch für all unsere Mühe
ernten wir nur Undank.
Unsere Bezahlung ist dürftig,
ein Schmiergeld zu erhaschen, ist schwer.

GENDARMEN
Ach! für all, ach, unsere Mühe, ach,
ach, ernten wir, ach, nur Undank, ach!
Ach! Unsere Bezahlung, ach, ach, ist dürftig, ach,
ein Schmiergeld, ach, zu erhaschen, ach, ach, so schwer!

POLIZEICHEF
Wie sollen wir es zu etwas bringen,
wenn wir im trüben Wasser fischen?

GENDARMEN
Wie sollen wir es zu etwas bringen,
wenn wir im trüben Wasser fischen?

POLIZEICHEF
Bei den Ismailovs geht es jetzt hoch her,
die Schlampe heiratet doch,
und mich hat sie nicht eingeladen.
Das wird sie mir büssen,
eine Hochzeit ohne Obrigkeit.
Das wird sie mir büssen,
eine Hochzeit ohne Obrigkeit.

GENDARMEN
Sehr richtig, das wird sie uns büssen!

POLIZEICHEF
Wenn wir nur einen Vorwand hätten,
doch ein Vorwand findet sich immer.

GENDARMEN
Sehr richtig, findet sich immer.

Ein Gendarm führt einen Lehrer herein, der verängstigt aussieht. Die Gendarmen und der Polizeichef springen auf und schauen gespannt.

GENDARM
Ich habe einen Sozialisten geschnappt.

GENDARMEN
Ah! Ih! Oh! Uh! Ih!
Ho, ho, ho!

POLIZEICHEF
Ho, ho, ho!

GENDARM
Er sagt, Euer Ehren, er glaubt nicht an Gott.

LEHRER
Es … gibt … einen Gott.

POLIZEICHEF
zum Lehrer
Schweig!

GENDARMEN
Ho, ho, he!

GENDARM
Er erzählt etwas von Fröschen …

POLIZEICHEF
Was für Frösche?

LEHRER
Ich habe mir überlegt,
warum nur der Mensch eine Seele hat
und Frösche keine haben sollen.
So habe ich mir einen Frosch geholt und ihn untersucht.

POLIZEICHEF
Na und?

LEHRER
Er hat eine Seele,
zwar nur eine kleine und nicht unsterblich …

POLIZEI
Führt ihn ab!

LEHRER
Verzeiht, es gibt einen Gott, es gibt einen Gott.

GENDARMEN
Ho, ho, ho!

Die Gendarmen bringen den Lehrer fort und kommen dann wieder.

POLIZEICHEF
Na ja!
Wieder Schweigen und ein Anflug von Langeweile.
Die Polizei, so heisst es, gab es schon …
Bei den Ismailovs geht es doch jetzt hoch her.

GENDARMEN
Ach!

POLIZEICHEF
Dort könnten wir etwas Gutes bekommen,
wenn wir nur einen Vorwand hätten. Ach!

Der heruntergekommene Bauer tritt auf.

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Euer Ehren!

POLIZEICHEF
Was willst du?

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Es ist etwas geschehen …

POLIZEICHEF
Was ist geschehen?

DER HERUNTERGIEKOMMENE BAUER
Bei den Ismailovs …

POLIZEICHEF
Bei den Ismailovs? Ho, ho!

GENDARMEN
Ho, ho, ho!

DER HERUNTERGEKOMMENE BAUER
Eine Leiche ist im Keller …

GENDARMEN
Ho, ho, ho!

Die Gendarmen und der Polizeichef erheben sich und machen sich fröhlich auf den Weg.

POLIZEICHEF
Den schickt der Himmel!

GENDARMEN
Ho, ho, ho!

POLIZEICHEF
Schnell, schnell, schnell, schnell,
dass uns nur kein Vorwurf trifft,
wir seien nachlässig, pflichtvergessen,
nutzlos und zögerlich!

GENDARMEN
Schnell, schnell, schnell, schnell,
dass uns nur kein Vorwurf trifft,
wir seien nachlässig, pflichtvergessen,
nutzlos und zögerlich!

POLIZEICHEF
Schnell, schnell, schnell, schnell,
dort fällt für uns etwas ab,
wir werden schlemmen und schmausen,
so eilen wir doch, lasst uns eilen!

GENDARMEN
Schnell, schnell, schnell, schnell,
dort fällt für uns etwas ab,
wir werden schlemmen und schmausen,
so eilen wir doch, lasst uns eilen!
Zwischenspiel
ACHTE SZENE

Im Garten stehen die Tische in Hufeisenform, die schon betrunkenen Gäste feiern Katerinas und Sergeys Hochzeit. Das Brautpaar steht in der Mitte. Das Fest geht dem Ende zu. Ganz in der Nähe ist der Keller, wo sich Zinoviys Leiche befindet. Katerina ist sehr unruhig und nervös, die Gäste prosten dem Brautpaar zu.

GÄSTE
Ein Hoch dem Brautpaar,
Katerina Lvovna und Sergey Filippych, hoch!
Ein Hoch dem Brautpaar,
ein Leben in Liebe und Harmonie!
Ein Hoch dem Brautpaar.
Katerina Lvovna und Sergey Filippych, hoch!
Wir wünschen euch Glück und Gesundheit
und ein Leben in Frieden,
hoch!

POPE
Ein Kuss! Einen Kuss!

GÄSTE
Einen Kuss! Einen Kuss!

Katerina und Sergey küssen sich.

GÄSTE
Ha, ha, ha! …

POPE
Wunderbar! Noch einen Kuss!

GÄSTE
Noch einen Kuss! Noch einen Kuss!

Sie küssen sich noch einmal.

KATERINA
Liebe Gäste,
so esst doch, ich bitte euch!

GÄSTE
Danke, danke.

POPE
Wer ist schöner als die Sonne am Himmel,
wer ist schöner als die Sonne am Himmel? Na?

GÄSTE
Ist jemand schöner als die Sonne am Himmel,
ist jemand schöner als die Sonne am Himmel?
Ja!

POPE
Jawohl!
Es ist jemand schöner als die Sonne am Himmel!
Jawohl! Jawohl!
Jawohl, es ist jemand schöner als die Sonne am Himmel!
Wer?

GÄSTE
Wir wissen nicht, wer schöner ist als die Sonne am Himmel.
Wir kennen niemanden, der schöner als die Sonne ist!

POPE
Katerina Lvovna ist schöner als die Sonne am Himmel,
mm … ja … sie ist wirklich himmlisch!
Mm … ihre Hand …
Einen Kuss!

GÄSTE
Einen Kuss, einen Kuss!

POPE
He, he, he! …
Was sind sie so zurückhaltend  geworden?

GÄSTE
He, he, he!
Die Gäste sind betrunken und fast eingeschlafen.
Ein Hoch auf Katerina Lvovna,
die schöner ist als die Sonne am Himmel, ein Hoch!

POPE
Einen Kuss!

Katerina bemerkt, dass das Schloss an der Kellertür aufgebrochen ist.

KATERINA
Oh!

POPE
Einen Kuss!

SERGEY
Was ist los?

GÄSTE
He, he, he!

KATERINA
Das Schloss ist aufgebrochen.

SERGEY
Na und?

KATERINA
Dort ist Zinoviy Borisych,
schau doch, es ist entsetzlich. Oh!
Wenn sie weg sind,
fliehen wir und bringen uns in Sicherheit.

SERGEY
Es kann nicht sein.
Tatsächlich, es ist aufgebrochen.
Leise doch, leise.

POPE
Wer ist schöner als die Sonne am Himmel,
wer ist schöner …
Wo ist denn das Brautpaar,
haben sie sich davongemacht?
Ein bisschen früh, es ist noch nicht Nacht, he, he, he!

GÄSTE
Ein Hoch!

KATERINA
zu den Gästen
So esst doch, ich bitte euch!

GÄSTE
Katerina Lvovna ist schöner als die Sonne am Himmel!

Sie schlafen ein.

POPE
Wer ist schöner als die Sonne am Himmel, heh?

EIN BETRUNKENER GAST
Einen Kuss!

Die Gäste schlafen. Katerina und Sergey sind sehr aufgeregt.

KATERINA
Sergey, wir müssen fliehen,
jemand hat das Schloss aufgebrochen
und bestimmt die Leiche gesehen.

SERGEY
Und was ist mit dem Haushalt?
Und mit dem Geschäft?

KATERINA
Wir müssen alles aufgeben,
wir nehmen das ganze Geld mit,
es reicht für uns zum Leben,
wir haben vielleicht noch Zeit.
Geh und hol schnell das Geld,
wir dürfen keine Minute verlieren!
Sergey läuft ins Haus.
Na, wo ist er denn? Wo ist er denn?

SERGEY
Ich komme, ich komme!

Sergey kommt zurück. Katerina hört Schritte und sieht die Gendarmen näherkommen, ihnen voran der Polizeichef. Katerina ist verwirrt und versucht zu fliehen.

KATERINA
Was ist das?
Es ist zu spät! …
Ach, Sergey, wir sind verloren …

SERGEY
Warum denn verloren, lass uns fliehen!

KATERINA
Wohin denn?

Es wird ans Tor geklopft.

SERGEY
Wer ist da?

GENDARMEN
Polizei!

Das Tor geht auf. Die Gendarmen kommen herein.

POLIZEICHEF
Seid gegrüsst!

KATERINA
nach aussen ruhig
Seid gegrüsst!

POLIZEICHEF
Ihr habt uns nicht eingeladen,
wir waren wohl nicht gut genug?
Aber wir sind trotzdem gekommen!
Einen kleinen Zwischenfall hat es gegeben!
Oh, so eine Menge Gäste!
Es ist wohl viel Wein getrunken worden!
Ja? Ein gewisser Zwischenfall,
mit einem Wort, ein kleiner Zwischenfall!

Katerina umarmt Sergey.

KATERINA
Redet nicht um den heissen Brei,
so nehmt mich schon fest,
ach, Sergey, verzeih,
verzeih mir, Seryozha!
Seryozha!

Sie streckt den Gendarmen die Arme entgegen. Sie legen ihr Ketten an.

POLIZEICHEF
Nun los, die Ketten an! Flink!

Sergey versucht zu fliehen.

SERGEY
Lass mich los, du Schwein!

GENDARMEN
Halt ihn, halt ihn, halt ihn, halt ihn!

Sie packen ihn sofort. Er wehrt sich, und sie schlagen ihn. Katerina in Ketten will Sergey verteidigen. Sie werden beide in Ketten gelegt.

SERGEY
Lass mich los! Lass mich los! Lass mich los!

POLIZEICHEF
O nein! Du entkommst mir nicht!
Du entkommst mir nicht!
Das! Und das! Und das! Und das!

GENDARMEN
Oh nein! Ha, ha, ha! …
Das braucht er! Das braucht er! Das braucht er!
Das braucht er! Das braucht er! Das braucht er!

KATERINA
Du wagst es nicht!
Du wagst es nicht!

POLIZEICHEF
Haltet ihn schön fest!
Ab ins Gefängnis mit ihm!

Er wird abgeführt.

KATERINA
Ach, Sergey, verzeih mir,
verzeih.

VIERTER AKT

NEUNTE SZENE

Es ist Abend. Die Strafgefangenen schlagen ihr Lager für die Nacht auf Die Frauen sind von den Männern getrennt. Unter den Frauen befinden sich Katerina und eine junge Gefangene namens Sonyetka. Unter den Männern ist Sergey. Alle Gefangenen tragen Fussfesseln. Wachen stehen überall.

EIN ALTER GEFANGENER
Ein Werst reiht sich an den anderen
in endloser Kette,
vorbei ist des Tages drückende Glut,
die Sonne senkt sich jetzt über der Steppe.
Ach, was für ein Weg, von den Ketten aufgerieben,
der Weg nach Sibirien, von Knochen übersät,
ein Weg von Schweiss und Blut durchtränkt,
widerhallend vom Stöhnen der Sterbenden!
Ach!

DIE GEFANGENEN
Ach, was für ein Weg, von den Ketten aufgerieben,
der Weg nach Sibirien, von Knochen übersät,
ein Weg von Schweiss und Blut durchtränkt,
widerhallend vom Stöhnen der Sterbenden!

DER ALTE GEFANGENE
Die Nacht verbringen wir hier,
doch mit den ersten Sonnenstrahlen
zählen wir wieder einen Werst nach dem anderen
zum Gerassel unserer Ketten.
O Steppe, du dehnst dich so unermesslich weit,
die Tage und Nächte ziehen sich endlos hin,
unsere Gedanken sind so freudlos
und die Wachen ohne Herz!

DIE GEFANGENEN
O Steppe, du dehnst dich so unermesslich weit,
die Tage und Nachte ziehen sich endlos hin,
unsere Gedanken sind so freudlos
und die Wachen ohne Herz!

Katerina geht zu dem Wachposten hin, der die Männer von den Frauen trennt.

KATERINA
Stepanych! Lass mich durch,
hier sind zwanzig Kopeken, kauf dir Wodka,
Stepanych!

WACHPOSTEN
O diese Frauen! O diese Frauen!
Was für ein geiles Volk!
Nun gut, geh durch!

KATERINA
Danke!
Sie geht auf Sergey zu.
Seryozha! Mein Geliebter!
Sie schmiegt sich an Sergey. Dieser bewahrt ein eisernes Schweigen.
Na endlich!
Ich habe dich doch den ganzen Tag nicht gesehen.
Seryozha!
Sogar meine Füsse schmerzen nicht mehr,
die Müdigkeit ist vorüber, der Kummer …
Alles ist jetzt vergessen,
wo ich wieder bei dir bin,
Seryozha, Seryozha!

SERGEY
Und deine Tat hast du vergessen?

KATERINA
Welche Tat, Seryozha?

SERGEY
Wer hat mich zur Zwangsarbeit gebracht?
Hast du das vergessen?

KATERINA
Seryozha!

SERGEY
Geh fort!

KATERINA
Seryozha!
Ach, verzeih mir, Seryozha!

SERGEY
Geh doch, du hast mein Leben ruiniert!
Geh!

KATERINA
Ach, verzeih mir,
verzeih mir, Seryozha!
Mein Gott, was für eine Qual,
Seryozha!

SERGEY
Du bist mir eine schöne Kaufmannsfrau!
Ganz einfach ein Schwein.

Katerina geht auf ihre Seite zurück.

KATERINA
Es ist nicht leicht, nach einem Leben in Ruhm und Ehre
plötzlich vor einem Richter zu stehen.
Es ist nicht leicht, nach einer Zeit der Freude und Liebkosungen
den Rücken unter der Knute des Häschers zu fühlen,
es ist nicht leicht, die weichen Daunenbette
mit einem Lager auf der kalten Erde zu vertauschen.
Es ist nicht leicht, nach einem Leben in Ruhe und Frieden
Tausende von Werst zu Fuss zurückzulegen,
es ist nicht leicht, es ist nicht leicht!
Aber ich habe nicht die Kraft, Sergeys Verrat zu ertragen,
in jedem seiner Blicke seinen Hass zu sehen,
in jedem seiner Worte seine Verachtung zu spüren.
Nein, ich kann das nicht ertragen.

Sergey geht auf Sonyetka zu und weckt sie auf.

SERGEY
Zum Gruss!

SONYETKA
Wie bringst du es fertig, dich so frei zu bewegen?

SERGEY
Ich habe dem Wachposten 25 Kopeken gegeben.

SONYETKA
Und woher hast du soviel Geld?

SERGEY
Von der Kaufmannsfrau.

SONYETKA
Von der Kaufmannsfrau?
Dann ist sie eine Närrin, deine Kaufmannsfrau!

SERGEY
Ja natürlich eine Närrin, eine Närrin.

SONYETKA
Eine Närrin!

SERGEY
Eine Närrin!

SONYETKA und SERGEY
Ha, ha, ha! …

SERGEY
Meine Sonyetochka,
ich möchte dich bitten,
mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen!

SONYETKA
Was für einen Wunsch?

SERGEY
Du weisst schon welchen!

SONYETKA
Was für ein dreister Kerl du bist,
geh doch zu deiner Kaufmannsfrau!

SERGEY
Sie ist mir zuwider, sie ist mir zuwider,
sie ist mir ja so zuwider!

SONYETKA
Warum prahlst du dann mit ihr?

SERGEY
Es bringt mir Vorteile!

SONYETKA
Glaubst du denn, ich gebe dir umsonst,
was du willst?
Da irrst du dich!

Sie steht auf, als wolle sie gehen.

SERGEY
Halt, Sonyetka!

SONYETKA
Na, was heisst hier halt!

Sergey umarmt Sonyetka. Diese wehrt ab.

SERGEY
Ich liebe dich, ich liebe dich!
Ich liebe, liebe dich,
ich liebe dich!

SONYETKA
Zeig mir, dass du mich liebst!

SERGEY
Was verlangst du von mir?

Sonyetka zeigt Sergey ihre zerrissenen Strümpfe. Sergey fasst ihre Beine, aber Sonyetka beendet seine Avancen mit einer Ohrfeige.

SONYETKA
Siehst du?
Die Strümpfe sind zerrissen,
mir ist kalt,
besorg mir Strümpfe!

SERGEY
Und woher?

SONYETKA
Von deiner Kaufmannsfrau.

SERGEY
Das ist wahr!
Gut, ich besorge dir welche!
Er macht sich auf den Weg zu Katerina.
Katya!

KATERINA
Seryozha, du bist also gekommen?

SERGEY
Katya, sei mir nicht böse,
verzeih mir.

KATERINA
Seryozha,
Seryozha, du bist alles, was ich habe,
meine Freude,
oh du … du hast mich schrecklich verletzt,
Seryozha!

SERGEY
Katya, verzeih,
mir ist so schwer ums Herz …
Es ist das letzte Mal,
dass wir uns sehen.

KATERINA
Warum? Seryozha?

SERGEY
Ich muss in die Stadt,
muss ins Hospital,
die Fesseln haben die Beine aufgerieben,
der Schmerz ist unerträglich.

KATERINA
Wie denn das?
Was soll ich ohne dich tun?
Sie werden mich noch mehr quälen!

SERGEY
Sie werden!
Ich kann nicht mehr laufen,
es schmerzt so sehr!

KATERINA
Seryozha, ich kann ohne dich
keine einzige Minute sein,
was soll ich tun?
Ich kann nicht, ich kann nicht, Seryozha.
Verlass, mich nicht!

SERGEY
Wenn ich nur irgendwoher
Wollstrümpfe bekommen könnte?
Das würde mir sicher helfen!

KATERINA
Strümpfe?
Warum hast du das nicht gleich gesagt, Seryozha?
Hier sind Strümpfe, nimm sie!

Sie zieht ihre Strümpfe aus.

SERGEY
Ach, Katya,
danke, meine Liebe!

KATERINA
gibt Sergey ihre Strümpfe
Hier, nimm sie.

SERGEY
Na, ich komme gleich wieder.

Er nimmt die Strümpfe und läuft zu Sonyetka.

KATERINA
Wohin gehst du?

SERGEY
Ich komme gleich wieder.

KATERINA
Seryozha, Seryozha!
Weshalb ist er gegangen?

SERGEY
zu Sonyetka
Hier sind Strümpfe!
Gehen wir,
jetzt gehörst du mir!

Er nimmt Sonyetka in die Arme und führt sie von der Bühne.

SONYETKA
hingerissen
Da schau her, ein Tausendsassa!

Katerina merkt, was vor sich geht, und läuft Sergey hinterher, wird jedoch von den weiblichen Gefangenen aufgehalten, die sich über sie lustig machen.

KATERINA
Sergey, Sergey, was hat das zu bedeuten?
Die Strümpfe sind fur Sonyetka?
Sergey! Sergey!

DIE FRAUEN
Ha, ha, ha! …

EINE FRAU
Die Kaufmannsfrau
ist noch immer voller Feuer.
Ihr Liebhaber zeigt ihr die kalte Schulter,
er will nichts mehr von ihr wissen!

DIE FRAUEN
Ihr Liebhaber zeigt ihr die kalte Schulter
und will nichts mehr von ihr wissen!
Ha, ha, ha! …

EINE FRAU
Ihr ist nichts mehr geblieben:
Sie verlor ihre Freuden der Freiheit
und in der Gefangenschaft den Bräutigam!

DIE FRAUEN
Ha, ha, ha! …
Sie verlor ihre Freuden der Freiheit
und in der Gefangenschaft den Bräutigam!

EINE FRAU
Katerina Lvovna,
was hast du angerichtet!

DIE FRAUEN
Ha, ha, ha! …

EINE FRAU
Ohne Sergey wird es für Katerina sehr langweilig sein!

DIE FRAUEN
Die Kaufmannsfrau ist ohne Sergey verloren,
ist ohne Sergey verloren.

EINE FRAU
Gib uns, gib uns, gib uns die Strümpfe!

DIE FRAUEN
Ha, ha, ha! …
Gib uns die Strümpfe!

KATERINA
Ach! Lasst mich doch!

Sie versucht sich durch die Frauen einen Weg zu bahnen.

EIN FRAU
Keine Nacht kann sie alleine schlafen …
Es ist langweilig so ganz allein,
langweilig ohne Sergey!

DIE FRAUEN
Ha, ha, ha! …

KATERINA
Ach! Ach!

ALLE FRAUEN ZUSAMMEN
Ohne Sergey ist es für Katerina sehr langweilig,
ohne Sergey ist es für Katerina sehr langweilig,
ohne Sergey ist es für Katerina sehr langweilig,
ohne Sergey.

Auf den Lärm kommen die Wachen herbei. Sie stellen wieder Ordnung her.

WACHEN
Ruhig! Ruhig!
Was schreit ihr so?

EINE FRAU
zeigt auf den Wachposten, an dem Sonyetka und Sergey vorbei sind
Dort … dort … Sergey, Sonyetka.

WACHPOSTEN
Schweigt! Ich werde euch!
schaut sie an und schüttelt den Kopf
Nanu!

Katerina befreit sich aus der Umzingelung der Frauen und rennt auf die Bühne.

DIE FRAUE
Ha, ha, ha!

WACHPOSTEN
Na ich nie!

DIE FRAUEN
Ha, ha, ha!

Katerina steht bewegungslos, man sieht ihr ihre Verzweiflung an. Dann rennt sie in Panik nach vorn auf die Bühne und bleibt regungslos stehen.

KATERINA
Ganz tief im Wald ist ein See,
fast ganz rund und sehr tief,
und das Wasser darin ist schwarz.
wie mein Gewissen, schwarz.
Und wenn der Wind weht im Wald,
erheben sich die Wellen auf dem See,
riesige Wellen zum Fürchten,
im Herbst sind auf dem See immer Wellen,
schwarzes Wasser und riesige Wellen.
Riesige schwarze Wellen.

Sonyetka und Sergey kommen aus den Kulissen.

SERGEY
Weisst du, Sonyetka,
wem wir ähnlich sind?
Adam und Eva.

SONYETKA
Nach dem Paradies sieht es hier aber nicht aus!

SERGEY
Unsinn, wir waren gerade zusammen im Paradies …

Sonyetka geht zu Katerina hin, die regungslos dasitzt und auf eine Stelle starrt.

SONYETKA
Danke, Katerina Lvovna,
danke, Katerina Lvovna,
danke für die Strümpfe!
Schau, wie schön sie
an meinen Beinen sind.
Seryozha hat sie mir angezogen
und wärmte mir die Füsse mit seinen Küssen.
Ach, Seryozha, mein Seryozha,
Katerina ist eine Närrin,
sie konnte Sergey nicht halten.
Ha, eine Närrin! Ha, eine Närrin!
Und ihre Strümpfe sieht sie nie wieder,
sie sind jetzt mein, siehst du?
Mir ist jetzt warm!

Ein Sergeant weckt die Gefangenen. Trommeln sind zu hören.

SERGEANT
Aufgestanden! Auf eure Plätze! Geschwind!

Die Gefangenen erheben sich.

DIE GEFANGENEN
Ach, wir müssen aufstehen,
weiter, weiter müssen wir gehen!

Die Gefangenen stellen sich in Reihen auf. Katerina bleibt regungslos sitzen. Ein alter Gefangener geht zu ihr hin.

DER GEFANGENE
Du, altes Mädchen, hörst du? Wir gehen weiter!
Sie werden sonst über uns herfallen, hörst du?

Katerina geht langsam auf Sonyetka zu, die auf der Brücke steht, wo das Geländer schadhaft ist. Sie stösst Sonyetka in den Fluss und stürzt sich hinterher.

SONYETKA
Ach!

DIE GEFANGENEN
Grosser Gott! Was ist geschehen?

SERGEANT
Rührt euch nicht von der Stelle! Na! Ich werde euch!

SONYETKA
aus der Ferne
Ach! Ach!

SERGEANT
Beide sind untergegangen,
wir können sie nicht retten, die Strömung ist zu stark!
Ruhe! Auf eure Plätze!

Die Gefangenen stellen sich auf und marschieren los.

DER ALTE GEFANGENE
Und wieder ziehen wir weiter
zum Gerassel unserer Ketten,
zählen verzagt Werst auf Werst
mit den Füssen durch den Staub!

DIE GEFANGENEN
O Steppe, du dehnst dich so unermesslich weit,
die Tage und Nächte ziehen sich endlos hin,
unsere Gedanken sind so freudlos
und die Wachen ohne Herz!
Ach …

Die Gefangenen gehen ab. Ihr Gesang ist in der Ferne zu hören. Die Bühne ist jetzt leer.