| Libretto: Les Contes d'Hoffmann |
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Hoffmanns Erzählungen Personen: HOFFMANN (Tenor) LA MUSE / NICKLAUSSE (Mezzosopran) LINDORF / COPPÉLIUS / DR. MIRACLE / DAPERTUTTO (Bass oder Bariton) ANDRÈS / COCHENILLE / FRANTZ / PITICHINACCIO (Tenor) OLYMPIA / ANTONIA / GIULIETTA / STELLA (Sopran) LA MÈRE D'ANTONIA (Alt) NATHANAEL / SPALANZANI (Tenor) HERMANN / SCHLÉMIL (Bariton) LUTTER / CRESPEL (Bass oder Bariton) EINE STIMME CHOR Geister des Biers, des Weins und des Rums, Kellner, Studenten, sechs Lakaien, Gäste Spalanzanis, Gäste Giuliettas, Diener, Sbirren VORSPIEL In den berühmten Weinstuben von Lutter in Berlin ist fröhliche und ausgelassene Gesellschaft; eine lustige Schar von Studenten trinkt und singt, lärmt und macht tolle Scherze Chor CHOR DER STUDENTEN Juvallera! Herr Lutter, wir sind da! Hallodria. He! Bring uns Bier und frischen Wein! Schenk ein! Schenk ein! Nun fülle bis zum Rand die blanken Becher, Bier oder Wein, das gilt uns alles gleich. Gott Bacchus winket euch, ihr frohen Zecher, Bis morgen früh währt sein lustig Reich. Schenk ein! Schenk ein! HERMANN Lutter ist fein geschniegelt, Viv' la Compagneia. ALLE Viv' la Compagneia. HERMANN Morgen wird er geprügelt. Vive la va! ALLE Vive la va. Schenk ein! Schenk ein! LUTTER Schon da, ihr Herr'n, so Bier, wie Wein! HERMANN Seine Keller stehn uns offen, Viv' la Compagneia. ALLE Viv' la Compagneia. Schenk ein! Schenk ein! LUTTER Schon da, ihr Herr'n, so Bier, wie Wein! NATHANAEL Ehr seinem Weib gebühret, Viv' la Compagneia. ALLE Viv' la Compagneia. NATHANAEL Morgen wird sie entführet. Vive la va! ALLE Vive la va! Ehr seinem Weib gebühret. Schenk ein! Schenk ein! LUTTER Bin schon da, ihr Herr'n, mit Bier und Wein! ALLE Schenk ein! Nun fülle bis zum Rand die blanken Becher, usw. NATHANAEL Nun, du dicke Tonne, wie keine, Was fingst du mit Hoffmann an? Er liegt krank von deinem Weine! Du allein bist Schuld daran. Gib ihn zurück! Potz Blitz, schaff ihn zur Stelle, Denn sonst geht es dir noch schlimm! LUTTER Da tritt er über die Schwelle Und Niklaus folget ihm! ALLE Da kommt er selber! Ja, Juvallera Hoffmann, der Dichter und Zecher, tritt ein; Niklaus, sein treuer Begleiter, ist bei ihm LUTTER Ja, er ist da! HOFFMANN Ihr Herren, guten Tag. NIKLAUS Guten Tag. HOFFMANN Einen Platz und einen Becher, eine Pfeife! NIKLAUS Meister, erlaub Mir an deiner Seite Zu sitzen und zu rauchen Und trinken wie du! NATHANAEL Ganz recht! CHOR 's ist Platz für alle zwei! NIKLAUS Keine Ruhe bei Tag und Nacht! HOFFMANN Zum Teufel, schweige doch! NIKLAUS Ja, mein Meister! HERMANN Oho! so verdriesslich? NATHANAEL Bist ja kaum zu erkennen! Was ist dir denn begegnet? HOFFMANN Eine tote Blume, Ach, verwelket vom nächtigen Reif, NIKLAUS Und vor der Türe ein Schneider, Der betrunken dort schlief. HOFFMANN 's ist wahr, wie ich den sah, Bekam ich Lust zu trinken! Und so, wie er, in der Gosse zu liegen. HERMANN Unter dem Kopf? HOFFMANN Die Steine! NATHANAEL Und über dir? HOFFMANN Den Himmel! NIKLAUS Und zugedeckt? HOFFMANN Vom Regen. HERMANN He, Hoffmann, was fehlt denn dir? HOFFMANN Nichts! NATHANAEL Lass doch die Grillen! Trink und sing! Chorus machen wir! CHOR Chorus machen wir! HOFFMANN Gut. NATHANAEL Doch ein lustig Lied! HERMANN Sing das Rattenlied! NATHANAEL Nein! nicht das ewige Einerlei! Geh, sing uns lieber die Legende vom Kleinzack CHOR Ja, die Legende vom Kleinzack. Seine verdriessliche Laune zu scheuchen, singt Hoffmann das tolle Lied vom Zwerg Kleinzack am Hofe von Eisenack: Lied und Szene HOFFMANN Es war einmal am Hofe von Eisenack CHOR Am Hofe von Eisenack! HOFFMANN Ein winziger Zwerg, der nannte sich Kleinzack. CHOR Der nannte sich Kleinzack! HOFFMANN Am Kopfe trug er den Kalpak, Mit den Beinen, da ging's Clic Clac. Das war Kleinzack. CHOR Clic Clac! Clic Clac. Das war Kleinzack. HOFFMANN Der hatte einen Höcker, so gross wie ein Sack. CHOR So gross wie ein Sack! HOFFMANN Die krummen Beine stolperten immer Zickzack CHOR Die Beine im Zickzack HOFFMANN Die Nase schwarz von Schnupftabak. Mit dem Kopfe, da ging's Cric Crac. Das war Kleinzack. CHOR Cric Crac! Das war Kleinzack. HOFFMANN Dann erst das Gesicht und diese Züge ... CHOR Das Gesicht und diese Züge ... HOFFMANN Ja, erst das Gesicht und diese Züge ... Doch, ihre Züge, welch ein Reiz! Ich seh sie, schön Wie der Maientag, Ich folgte ihren Spuren Und verliess liebestrunken die väterlichen Fluren, Und durchstreifte das Tal und des Waldes Revier. Ihre dunklen Haare lieblich in Locken flossen Um den Schwanenhals, wie von Alabaster gegossen! Die Augen, des offnen Himmels klares Bild, Sahn um sich her, gazellengleich so sanft und mild; Und wie im Ebenmass die zarten Glieder schwebten, Fühlt ich mich liebentbrannt und meine Pulse bebten. Ach, ihrer Stimme Ton, Der Himmelslieder singt, Mit süssem Echo mir im Herzen widerklingt! NATHANAEL Ach, wie zart - wie romantisch! Wen, Teufel, meinst du denn? Kleinzack!? HOFFMANN Kleinzack? Ich sprach von ihr! HERMANN Von wem? HOFFMANN Nein! von niemand! Nichts! Ach, verwirrt war mein Sinn! Nichts! Kleinzack taugt vielmehr, Wenn er auch noch hässlicher wär! Und trank er zuviel Branntwein und Arrak. CHOR Viel Branntwein und Arrak. HOFFMANN Da flattern im Winde die Schösse vom Frack! CHOR Die Schösse von seinem Frack! HOFFMANN Wie die Segel auf einem Wrack, Und das Monstrum, das schien flick flack! Das war Kleinzack. CHOR Flick flack! Kleinzack! Finale HOFFMANN Pfui, dieses Bier ist abscheulich! Bringt flammenden Punsch! CHOR Bringt flammenden Punsch! HOFFMANN Zündet an! CHOR Zündet an! HOFFMANN Wer zu wenig verträgt, Der liegt unterm Tische! CHOR Wer zu wenig verträgt, Der liegt unterm Tische. Lutter ist fein geschniegelt, Viv' la Compagneia! Morgen wird er geprügelt, Viv' la Compagneia vive la va. Seine Keller stehn uns offen! Viv' la Compagneia vive la va. Morgen sind sie ausgesoffen, Compagneia viv' la va. NIKLAUS Die Becher füllet voll, das nenne ich doch faktisch Gesunden Sinn und wahrlich praktisch! Hol der Teufel die schmachtenden Tröpfe! NATHANAEL Eins ist gewiss: Mein Freund, du bist verliebt. HOFFMANN Ich verliebt? NATHANAEL Du brauchst dich doch dessen fürwahr nicht zu schämen, Freund Wilhelm, wie du ihn da siehst, Entbrennt für Leonore, die liebliche Kleine. Hermann liebt sein Gretchen, Und ich richte zugrunde für Fausta mich. HOFFMANN Ja, Leonore, die Tugend selber, Und auch Gretchen, die Puppe ohne Geist und Herz, Und Fausta erst ... die Kurtisane mit der Stirne wie von Erz HERMANN Du betrachtest deine Geliebte als Kleinod! Da die unsern du so verachtest. HOFFMANN Meine Geliebte, meine Geliebte! Meine Geliebte? O nein! Sag lieber drei! Drei Frauen sind's von Reiz und Anmut, Die mich mit Liebeslust erfüllten! Soll ich euch diese tollen Geschichten erzählen? CHOR Ja, ja, ja, hört ihn an! Herrlich lässt's sich trinken, Wenn uns toll Liebesgeschichten winken! Und wir sehen dabei in Ruh Aus der Pfeife den Wolken zu. HOFFMANN Ich beginne! NIKLAUS Silentium! Hoffmann beginnt, den Freunden die Geschichte seiner Liebe zu erzählen: "Drei Frauen sind's …" CHOR Silentium! HOFFMANN Der Name meiner ersten War Olympia! Da Hoffmann zu erzählen beginnt, verwandelt sich die Szene ERSTER AUFZUG Da die Bühne wieder hell wird, sieht man Spalanzanis physikalisches Kabinett; heute ist grosses Fest bei Spalanzani. Der Blick des Zuschauers fällt sogleich auf eine reizende Dame, die in einem Alkoven schläft Szene SPALANZANI Ha, ha! Sie schläft! So klug, so sittig und so schön. Durch sie gewinne ich wieder die fünf hundert Dukaten, Um die der Bankrott des Juden Elias mich gebracht. Bleibt nur noch Coppelius, Wie ist der Mensch so schlecht! Ich fürchte seine böse Zunge. Um schnödes Geld beruft er sich laut auf seine Vaterschaft! Teufelsjunge! Doch zum Glück ist er weit! - Ah, guten Tag! - sehr erfreut. Hoffmann tritt ein HOFFMANN Ich komme wohl zu frühe? SPALANZANI O ich bitte, mein Schüler! HOFFMANN Unwürdig solchen Meisters! SPALANZANI Wie bescheiden seid Ihr doch! Nicht der Dichtkunst mehr ergeben, Wollt Ihr der Physik nur leben! Als Professor grüsse ich Euch noch, Dann seht Ihr meine Tochter, Wie ein Engel so schön! Ein Triumph der Physik fürwahr, Olympia ist mir teuer gar. HOFFMANN Was hat denn die Physik mit seiner Tochter zu tun? SPALANZANI Heda. Komm, Cochenille! Geh, mach alles bereit! COCHENILLE Auch den Champagner? SPALANZANI Ganz recht, folg mir! Pardon, mein Lieber, bald bin ich wieder da Rezitativ und Romanze HOFFMANN Wohlan, nur Mut und Vertrauen, Bald hoff ich mich als Gelehrten zu schauen Ich muss mich drehen nach dem Wind, Die zu besitzen, die ich liebe. Ich weiss, bald find ich noch in mir Talent zu einem Physikus. Sie ist da! Wenn ich's wagte ... Sie ist es! Sie schlummert. O welche Anmut in den Zügen! Zusammen sein, mit dir zu teilen alle Freuden, O welche Wonne! Zu teilen mit dir, ach, selbst des Lebens Leiden, Mit dir zu teilen jedes Geschick Lass meiner Flamme Glühen erwecken dich zu allem Ach, lass dein Herz neu erblühen, Verklärt vom Liebesstrahl. O süss Gefühl, was unsere Herzen heiss durchdringet, O welche Wonne! O himmlischer Wahn, sein ganzes Wesen in einem Kusse In einem Kusse ganz sich aufzulösen! Lass meiner Flamme Glühen Erwecken dich zumal. Ach! Lass mir dein Herz erblühen, Verklärt vom Liebesstrahl. Niklaus, der Hoffmann gesucht hat, tritt in das Kabinett Szene und Lied NIKLAUS Bei Gott, dacht ich es doch; Dich treff ich endlich hier. HOFFMANN Still! NIKLAUS Warum? Aha! Weil die schöne Olympia sich hier zeigt. Bewundere ungestört! HOFFMANN Ein Engel ist's Mein Herz gehöret ihr allein! NIKLAUS So schau sie doch erst näher an! HOFFMANN Ein Herz, das liebt, ist leicht wohl zu ergründen. NIKLAUS Ein einziger Blick durchs Fenster. HOFFMANN Ja, ein Blick ist genug, um zu entflammen in Glut NIKLAUS Ha, welche Glut, weiss sie denn schon, Dass du sie liebst? HOFFMANN Nein! NIKLAUS Schreib ihr doch! HOFFMANN Ich wag es nicht. NIKLAUS Armes Kind! Sprich mit ihr! HOFFMANN Das wag ich noch minder. NIKLAUS So sing ihr was vor Wenn dir das leichter wird. HOFFMANN Signor Spalanzani, er liebt nicht die Musik. NIKLAUS Ja, ich weiss, er schwärmt nur für Physik. Immer nur für Physik. Er hat 'ne Puppe von Tragant, Stets mit dem Fächer in der Hand; Von Kupfer einen Hahn daneben, Die singen beide stundenlang, Das gibt 'nen wunderlichen Klang, Als wären wirklich sie am Leben. HOFFMANN Was soll's, was für ein toller Sang? NIKLAUS Ah, der kleine Vogel, frank und frei, Kräht lustig seinen Hahnenschrei Und schüttelt dreimal stolz den Kragen. Durch Räder fein und meisterlich, Senkt sie die Augen minniglich. "Ich liebe dich", hört man sie sagen. Coppelius tritt ein und bietet Hoffmann seine Waren zum Kauf an Szene COPPELIUS Ich bin's, Coppelius! Leise nur und Vorsicht! Ein Mann!? NIKLAUS Ha. COPPELIUS Und was ist's, was er so starr betrachtet? Unsre Olympia, ganz recht! NIKLAUS Ihre Olympia? COPPELIUS Wie wunderlich! - He, mein Herr! Er hört wohl nicht. Mein Herr! - Mein Herr! HOFFMANN Was gibt's? COPPELIUS Ich nenne mich Coppelius. Ein guter Freund von Meister Spalanzani! Sehet da: Barometer, Hygrometer, Thermometer - Mit Rabatt, doch gegen bar Ihr kauft gewiss von dieser War! Hier diese Brillen zeigen schwärzer wie die Nacht. Die wieder zeigen weiss wie Kreiden. Je nachdem Ihr sie wählet, diese beiden, Wird schöner, hässlicher ein Gegenstand gemacht. Hoffmann wählt eine Wunderbrille HOFFMANN Sprichst du auch wahr? COPPELIUS Seht selbst! HOFFMANN Zeige! COPPELIUS Drei Dukaten! HOFFMANN Grosser Gott! Himmelsgewalt. Welche Grazie aus diesem Blick mir strahlt. COPPELIUS Drei Dukaten! HOFFMANN Mein Engel, bist du's selbst? COPPELIUS Drei Dukaten! HOFFMANN Warum raubst du mir diesen Anblick voller Liebe und Glück? SPALANZANI Wie! Ihr? COPPELIUS Der teure Meister! SPALANZANI Zum Teufel! 's war doch abgemacht ... COPPELIUS Habt Ihr's schriftlich? SPALANZANI Doch ... COPPELIUS Chimäre! Es regnet Geld Euch über Nacht; Alles teil ich mit Euch! SPALANZANI Bin denn nicht ich der Vater? COPPELIUS Pardon! die Augen habe ich gemacht! SPALANZANI Nur leis, nur leis, nur leis! Ihre Augen! Warum hab ich sein Geheimnis nicht erraten? Doch ein Ausweg, halt! - wollt Ihr noch verdienen fünfhundert Dukaten? So übertragt mir durch eine Schrift ihre Augen und ihre ganze Person! Und Ihr kriegt Euer Geld, durch den Juden Elias wohlgezählt. COPPELIUS Durch Elias. SPALANZANI 'ne solide Firma. HOFFMANN Was mögen die da unterhandeln? COPPELIUS Gut! Abgemacht. SPALANZANI Abgemacht! BEIDE O teurer Freund! SPALANZANI Geh du nur zu und such dir dein Geld. COPPELIUS Apropos, ein Gedanke, verheirate doch Olympia Diesem jungen Narren da. Gewiss, verlangt er sie von Euch! BEIDE O teurer Freund. COPPELIUS Ha, ha, ha! 's geht nichts über die Physik. HOFFMANN Was hat er nur? Schon zum zweitenmal. COCHENILLE Die Gesellschaft ist da, schon versammelt in dem Saale! Die Türen öffnen sich, die Gesellschaft tritt in den Saal Chor und Lied CHOR Kein andrer Hausherr im Land, Fein und scharmant, Seinen Gästen so erscheint; Wie dieser Saal hier erglänzet, Blumen bekränzet. Alles findet man vereint. Wollt Ihr so gütig sein, Uns Eure Tochter vorzuführen. Sie wird geschildert so fein. Ja, man sagt, sie sei gemacht, Um aller Herzen zu verführen! Das Mahl nimmt man später ein, Erst soll sie sich produzieren Kein andrer Hausherr im Land, usw. SPALANZANI Gleich stelle ich sie vor, meine Herr'n! Sie werden zufrieden sein! NIKLAUS Nun endlich sollen wir sie in der Nähe schauen, Dies Wunderwerk und Zierde aller Frauen. HOFFMANN Nur stille, denn sie kommt! Spalanzani geleitet Olympia in den Saal SPALANZANI Ihr Damen und Herr'n, ich stell Euch hiermit vor meine Tochter Olympia. CHOR Wie reizend und zierlich, Wie leuchtend ist ihr Aug, Sehr hübsch und schlank die Taille; Das Kleid von feinster Faille, Nichts fehlet, wie wir sehn; Sie ist wahrhaftig schön! HOFFMANN O himmliches Entzücken! NIKLAUS Es ist kaum auszudrücken. SPALANZANI Ha! Dein Erfolg ist gross! NIKLAUS Ihr Aussehn ist famos CHOR. Wie leuchtend ist ihr Aug, Wie hübsch und schlank die Taille; Das Kleid von feinster Faille, Nichts fehlet, wie wir sehn; Fürwahr, sie ist recht schön! SPALANZANI Ihr Damen und ihr Herr'n, Stolz auf Ihren Beifall, Und vor allem begierig, Ihn neu zu erringen, Wird Olympia gehorchen All Ihren Launen! Und wenn Sie befehlen - NIKLAUS Kunststücke machen zum Staunen. SPALANZANI Eine Arie Ihnen singen, mit beliebiger Begleitung! Der Begleitung am Klavier, oder der Gitarre - Oder der Harfe; ganz nach Wunsch! COCHENILLE Mit Harfe! EINE STIMME Mit Harfe! SPALANZANI Sehr wohl. Cochenille, geh schnell und bring die Harfe! Die neue Harfe von meiner Tochter! HOFFMANN Ich werd sie hören, o Glück! NIKLAUS O welche Liebesglut! SPALANZANI Sei nur nicht aufgeregt, mein liebes Kind! OLYMPIA Ja, Ja. COCHENILLE Da - a. SPALANZANI Ihr Herr'n, nun gebet acht. COCHENILLE Ge - e - e - bet acht. CHOR Nun gebet acht. OLYMPIA Phöbus stolz im Sonnenwagen, Nachtigall, im grünen Hage, Alle jungen Mädchen sagen Von Lieb! Ach, sie sprechen von Lieb, ach! Ja, das sind des Liedes Klagen, So singt auch Olympia! Ach. Alles jubelt laut, es klinget: Wenn es immer nur so blieb! Ach, das Herz es sanft durchdringet Mit Lieb! Ach, sie sprechen von Liebe. Das sind ja Liebeslieder, Es singt auch Olympia! Ach. Ach, ja dieses Lied auch singet Olympia. Ach. HOFFMANN Ach, teurer Freund, welch ein Ton. NIKLAUS Diese Skalen, diese Skalen. SPALANZANI Reichet die Hand den Damen vor allem, Das Souper wartet schon. CHOR Das Souper, ha, das krönt des Festes Glanz. SPALANZANI Wenn sie zuvor nicht wollen den Tanz! CHOR Nein, nein! Erst wird soupieret, Hierauf erst folgt der Tanz. SPALANZANI Ganz nach Ihrem Wunsch. HOFFMANN Darf ich's wagen ...? SPALANZANI Sie ist ein wenig müde. Geduld bis zum Ball. OLYMPIA Ja. Ja. SPALANZANI Ihr hört selbst. Bis dahin wollt Ihr mir erweisen die Güte, Gesellschaft zu leisten der lieben Sängerin? HOFFMANN Welches Glück! SPALANZANI Nun bin ich begierig, was er ihr sagen wird. NIKLAUS Sie soupiert also nicht? SPALANZANI Nein! NIKLAUS. Wie poetisch, idealisch! Was ist's? SPALANZANI Nichts. Die Physik, jawohl, die Physik. COCHENILLE Das Sou- per- ist be- reit-. CHOR Das Souper, es ist Zeit! Kein andrer Hausherr im Land, Fein und scharmant, Seinen Gästen so erscheint. Zu diesem testlichen Glanz Winkt Mahl und Tanz. Alles ist hier schön vereint. Die Gesellschaft geht zu Tische, Hoffmann bleibt allein mit Olympia Romanze HOFFMANN Ach, endlich sind sie fort! Ich atme freier! Allein mit dir, allein, Was hab ich alles dir zu sagen, Olympia, teures Kind, Ach, gewähr mir das Glück Und lasse mich berauschen an deinem Feuerblick. OLYMPIA Ja! Ja! HOFFMANN Ist es nicht ein Traum, von Fieber eingegeben? Ich hörte einen Seufzer von deinen Lippen schweben! OLYMPIA Ja! Ja! HOFFMANN Süss Geständnis aus deinem Rosenmund, du bist nun mein! Geschlossen ist der Herzensbund! Ach, fühlst du nicht mit mir diese himmlische Freude der grossen, ewigen Liebe? Fühlst du unsere Herzen auf zum Himmel sich schwingen in einem einz'gen Schlag? Lass meine Liebesgluten dich erwecken zumal, Ach, lass mir dein Herz erblühen, verklärt vom Strahl der Lieb'! Olympia verlässt schnell den Saal; der verwunderte Niklaus tritt auf Hoffmann zu, der der Geliebten folgen will Szene HOFFMANN Du entfliehst, was hab ich getan? Wie? Keine Antwort mir? Sprich doch! Bist du beleidigt? Ach, folgen muss ich dir! NIKLAUS Hollah! Was treibst du denn hier? Man trinkt, und du bist nicht dabei. HOFFMANN O Freund, ich bin geliebt! Geliebt von ihr, o Gott! NIKLAUS Meiner Treu, weisst du, was die Leute von deiner Schönen sagen? HOFFMANN Was kann man sagen? Sprich! NIKLAUS Dass sie nicht lebt! HOFFMANN O lächerlich! NIKLAUS Oder nie gelebt hat! HOFFMANN Mein Freund, ich bin geliebt! Geliebt von ihr! O Gott! Coppelius kommt voller Wut zurück COPPELIUS O Schelm! Du Dieb ich bin ruiniert! Der Jud Elias hat falliert. Doch warte nur; ich weiss auch noch ein Mittel, um mich zu rächen. Geprellt! Bestohlen. - Ich! Das sollt ihr mir büssen! Coppelius ab, Spalanzani erscheint mit Olympia und den Gästen Finale SPALANZANI Die Tänzer sind da! COCHENILLE Da höret schon den Schnalzer! NIKLAUS Schon zum Tanze ruft uns der Walzer! SPALANZANI Reich die Hand diesem Herrn da, mein Kind! Nun geh! OLYMPIA Ja, ja. CHOR Wie sie zierlich Sich manierlich Im Tanze dreht! Voll Majestät Raum ihr gebet; Wie sie schwebet Hin von der Stell So blitzesschnell! HOFFMANN Olympia. SPALANZANI Haltet sie auf! Sie soll nicht so schnell tanzen! CHOR Wer wird dieses Wagstück bestehen? NIKLAUS Se wird ihm noch den Kopf zerschellen. He! Tausend Teufel. Der Tanz wird rasend, Hoffmann sinkt ohnmächtig zu Boden CHOR 's ist geschehen SPALANZANI Halte ein - - - Nun ist's genug, meine Tochter! OLYMPIA Ha! SPALANZANI Lasse das Walzen sein. OLYMPIA Ha! SPALANZANI Nun ist's genug! Nur schnelle; Du, Cochenille, führe sie fort! COCHENILLE Geh, geh - doch! Geh, geh doch fort! OLYMPIA Ja, ja. CHOR Ja, ihre Art, ihr Wesen Ist wirklich auserlesen! Nichts fehlt ihr, wie ihr seht, Sie ist recht schön. Olympia wird hinausgeführt NIKLAUS Ist er tot? SPALANZANI Nein, er ist heil und ganz, Nur die Brille ist zerbrochen. Ha, Gott sei Dank, sein Geist wird wieder wach. CHOR Ach dieser Arme! NIKLAUS Ha, Gott sei Dank, sein Geist wird wieder wach. CHOR Ach, dieser Arme! Cochenille stürzt herein COCHENILLE Ha! SPALANZANI Was? COCHENILLE Der mit den Brillen ist da! SPALANZANI Allmächtiger Himmel, Olympia! Spalanzani eilt hinaus und kehrt sogleich mit Coppelius wieder zurück HOFFMANN Olympia! SPALANZANI Ha! Tod und Teufel, sie ist zerbrochen. HOFFMANN Zerbrochen? COPPELIUS Ha, ha, ha, ha! In Stücken, ja. SPALANZANI O Schelm! COPPELIUS Du Dieb! SPALANZANI Brigant! COPPELIUS Du Strolch! SPALANZANI Bandit! COPPELIUS Pirat! HOFFMANN Ein Automat! Weh mir! CHOR Ha, ha, ha, das ist geraten, Er liebt einen Automaten. NIKLAUS Ein Automat. HOFFMANN Ein Automat. COPPELIUS Nun liegt sie in Stücken da, SPALANZANI O Schelm! COPPELIUS. Du Dieb! CHOR Er liebte also einen Automaten. SPALANZANI Brigant! COPPELIUS Du Strolch! SPALANZANI Bandit! COPPELIUS Pirat! SPALANZANI Räuber du, Mein Automat! COPPELIUS Den Automaten hab ich zerbrochen gänzlich da! Ha! Ha! CHOR. Ha! Ha! Ha! Ha! ZWEITER AUFZUG Im Palast Giuliettas in Venedig; von der Terrasse herab fällt der Blick auf die Lagunen, die im Mondlicht silbern schillern. Niklaus und Giulietta im Liebesduett Barcarole NIKLAUS Schöne Nacht, du Liebesnacht, O stille mein Verlangen! Süsser als der Tag uns lacht Die schöne Liebesnacht. GIULIETTA UND NIKLAUS Flüchtig weicht die Zeit unwiederbringlich unserer Liebe! Fern von diesem lausch'gen Ort entweicht die flüchtige Zeit. Zephire, lind und sacht, Die uns kosend umfangen, Zephire haben sacht Sanfte Küsse gebracht - Ach. Schöne Nacht, du Liebesnacht, O stille das Verlangen. Süsser als der Tag uns lacht Die schöne Liebesnacht - Ach. Hoffmann tritt in den Palast Lied HOFFMANN Genug. Nicht süsse Tändelei kann mein Herz bezwingen. Gefesselt von dem Reiz der Schönheit, die berauscht, Liebeslust, kein Schmachten und kein Seufzen, Mit lachendem Munde höret laut ihr sie singen. I. Die Liebe fürs Leben ist nur ein Wahn. Nur Sinnenlust trägt uns hinan, hinan. Lasst eure Sinne entflammen heiss Begehren, Vom Fieber toller Genüsse lasst Euch verzehren. Das Liebesglück, es dauert nicht lang. Ach Zum Teufel Seufzer und Klagen um ein Frauenherz. Lasst uns nur frohes Behagen Mit Lust und Scherz Ein Stündchen tragen himmelwärts. Ach. CHOR Zum Teufel Seufzer und Klagen! usw. II. Der Himmel die Schönheit gebar so klar, Und wer sie nicht achtet, fährt schnell zur Höll! Ja tolle Liebeslust im Genusse schäume, Die Seufzer banger Brust sind nur eitle Träume! Von fern gegrüsst, Das alles ist Nur Lug und Trug. Ach! Zum Teufel Seufzer und Klagen! usw. Schlemihl, der Mann ohne Schatten, tritt unvermutet hinzu, mit seinem Diener Pitichinaccio Szene SCHLEMIHL Ich seh, man amüsiert sich vortrefflich, Madame, vortrefflich! GIULIETTA Wie doch? Ich hab Sie doch beweint drei Tage lang. PITICHINACCIO Und eine Stunde! SCHLEMIHL Missgeburt! PITICHINACCIO Oho! GIULIETTA Ruhig, Freund! Denn ein fremder deutscher Dichter ist heut unser Gast - Herr Hoffmann. SCHLEMIHL Mein Herr! HOFFMANN Mein Herr! GIULIETTA So lächeln Sie freundlich, Und der mich liebt, begleitet mich. SCHLEMIHL Pardon! GIULIETTA Zum Spiel, ihr Herr'n, zum Spiel! CHOR Zum Spiel! Zum Spiel. Giulietta eilt mit den andern hinaus; Hoffmann bleibt mit Niklaus zurück NIKLAUS Ein Wort! - Zwei Pferde stehn bereit, Bei der ersten Torheit Entführ ich dich ohne Säumen! HOFFMANN Doch wie könnte mich hier ein Traum wohl betrügen, Seh ich so holde Wirklichkeit? Liebt man denn eine Kurtisane! Du siehst doch, dieser Schlemihl ... Ich bin nicht Schlemihl. NIKLAUS Hüte dich! der Teufel ist gar fein. HOFFMANN War er's auch, verfiel ich diesem Wahn, Sei es auch um mich getan! Nun fort! NIKLAUS Nun fort! Während Hoffmann mit Niklaus die Szene verlässt, tritt der Doktor Dapertutto ein DAPERTUTTO Ja geht! Der Kampf mag beginnen! Die Augen Giuliettas sind sichere Waffen, Sie haben bewirkt, dass Schlemihl unterlag. Meiner Treu, ich schwör's beim Teufel, Es geh dir wie Schlemihl. Ich will, dass Giulietta dich behexe, Und für ewig bist du mein. Giulietta kommt Szene DAPERTUTTO Teurer Engel. GIULIETTA Was verlangen Sie von Ihrer Sklavin? DAPERTUTTO Ja, du verstehst mich; Du verstehst meisterlich, Die Männer zu verführen, Du reichtest jüngst mir dar Schlemihls Schatten gar! Doch mein Geschmack hat sich geändert, Denn jetzt bitt ich dich Um Hoffmanns Spiegelbild - Und zwar noch heut! Was hast du denn? Bezweifelst du deiner schönen Augen Macht? Weil dein Hoffmann anders wohl gedacht Ja, alles hört ich, denn ich war auf der Lauer. Er trotzet dir, O glaube mir. GIULIETTA Ha, heut noch als Spielzeug dien er dir. DAPERTUTTO Er kommt! Er kommt! Hoffmann kehrt vom Spiel zurück, Dapertutto ist gegangen GIULIETTA Sie wollen gehn? HOFFMANN Hab alles verspielt. GIULIETTA Wie, auch Sie? Ach, in Ihrem Aug kann ich lesen, Ach, Sie verachten mein Wesen! Schmähen mich, so wie die! Gehen Sie! HOFFMANN Deine Tränen haben dich verraten, Ja, ich lieb dich, und gält es auch mein Leben! Duett GIULIETTA Unglücksel'ger, du begreifst also nicht, Welche Gefahren dich an diesem Ort erwarten? Und dieses Herz dich auf ewig verliert, Wenn du verweilest. Dass noch heut abend Schlemihl in meinem Arm dich tötet! O bleibe nicht taub meinen Bitten, Mein Herz gehöret nur dir. Nur fort von hier, o eil, ich schwör, schon morgen folg ich dir! HOFFMANN Ha, wie in meiner Seel entbrennet süsse Wonne, Wie sanfter Himmelston mir deine Stimme klingt, Ein zartes, heil'ges Feuer den Busen mir durchdringt. Dein Blick, mir zugewandt, er leuchtet wie die Sonne Voll Anmut und Majestät! Und ich fühle mit lieblichem Kosen, Wie dein Atem, so duftig wie Rosen, Meine Lippen, mein Auge umweht. Ha, wie ist meine Seele entbrannt in süsser Wonne! Dein Blick, mir zugewandt, strahlt leuchtend wie die Sonne mir. GIULIETTA O Freund, soll ich glauben, was du sagst? Lass mich erproben dein liebendes Herz. HOFFMANN Was willst du sagen? GIULIETTA So höre! Aber lache nicht über mich. Das, was ich von dir will, Ist ein getreues Bildnis, Das treu deine Züge erfasst; Deinen Blick, dein ganzes Wesen, Gib mir dein Spiegelbild, Das so traut mit meinem hier sich eint. HOFFMANN Ach, was sagst du? Das ist ja Wahnsinn! GIULIETTA Nein! Denn es kann sich trennen Von dem polierten Glase, Und es schliesst sich für ewig tief in mein Herz. HOFFMANN In dein Herz? GIULIETTA In mein Herz. Geliebter, hör mein Flehen. Erfülle meinen Wunsch! HOFFMANN Du willst es? GIULIETTA Ja, ich will's, ob für toll du mich hältst, Ich verlang es, ich will's! Ja, wenn in Lieb du mir ergeben - HOFFMANN 's ist Wahnsinn, der mich macht erbeben! GIULIETTA Verlang ich Eines nur von dir: Dein Bild, dein Herz, dein Leben, Geliebter, gib es mir! O stoss nicht zurück meine Bitten, Mein Leben ist dein unbestritten. Dein Bild, o gib es mir, HOFFMANN Ich fühl die Pulse beben, Wie seltsam scheint sie mir. Mein Herz und mein Leben Gehören ewig dir! BEIDE Ach, welch unendlich Sehnen Füllt das Herz. Heute noch fliessen heisse Tränen, Morgen himmelwärts, Morgen winkt das Paradies! Schlemihl tritt plötzlich hinzu, mit Pitichinaccio Szene GIULIETTA, SCHLEMIHL Schlemihl. Dacht ich es doch - sie beisammen. O kommt, ihr Herr'n, gewiss, Herrn Hoffmann ist's zu danken, Dass Giulietta allein uns liess. HOFFMANN Mein Herr! GIULIETTA O stille. Er hat den Schlüssel zu meinem Zimmer. PITICHINACCIO Töten wir ihn? SCHLEMIHL Nur Geduld noch - - - ja! Dapertutto kommt mit den andern Finale GIULIETTA Meine Herren! Dies ist die Stunde der Barcarolen Und des Abschieds - auf Wiedersehen! NIKLAUS Kommst du? HOFFMANN Nein noch nicht! NIKLAUS Ich verstehe; aber ich wache! SCHLEMIHL Worauf noch warten Sie? HOFFMANN Dass Sie mir den Schlüssel aushändigen, den zu besitzen ich geschworen! SCHLEMIHL Diesen Schlüssel erhalten Sie nur mit meinem Leben! HOFFMANN Ich nehme eines mit dem andern! SCHLEMIHL Nun das wollen wir sehen! DAPERTUTTO Sie haben keinen Degen! Bitte nehmen Sie! Er gibt Hoffmann den Degen. HOFFMANN Ich danke. PITICHINACCIO Ehrlich Spiel. Es kommt zum Kampf zwischen Hoffmann und Schlemihl CHOR Ach! Schöne Nacht, du Liebesnacht, O stille das Verlangen! Süsser als der Tag uns lacht Die schöne Liebesnacht. Hoffmann stösst Schlemihl nieder; plötzlich ist das Bild verschwunden, als wäre es nur ein Spuk der Hölle gewesen. Von fern ertönt Giuliettas Lied HOFFMANN Niemand dort? GIULIETTA Ha, ha, ha, ha, ha, ha. DAPERTUTTO Was willst du nun mit ihm?! GIULIETTA Ich überlasse ihn dir! PITICHINACCIO Mein Engel. HOFFMANN Elender! GIULIETTA Ha, ha, ha, ha, ha. HOFFMANN Ha, Rache! NIKLAUS Hoffmann! Hoffmann! Die Wache! DRITTER AUFZUG Ein ärmliches, sauberes Zimmer; der alte Crespel mit seiner Tochter Antonia, die ein süsses trauriges Lied singt Romanze ANTONIA Sie entfloh, die Taube, so minnig - O grausames Geschick! Erinnerung süss und sinnig. Noch hör und seh ich ihn auf den Knien vor mir! Ach Gott! Sie entfloh, die Taube, so minnig, Sie entfloh weit von hier! Doch er liebt mich ewig und innig, Und die Treu wahrt er mir. O mein Geliebter, dein nur bin ich, Mein ganzes Herz gehöret dir! Liebe Blume frisch erblühet, Zu dir fleh ich, antworte mir, Ob für mich sein Herz noch erglühet, Ob er Treue mir hielt? O mein Geliebter, zu dir ziehet Mit ganzer Seele es mich hin. Ach mein Herz, schlägt für dich! Sie entfloh, die Taube so minniglich, Sie entfloh weit von hier! Szene CRESPEL Unglücksel'ges Kind, ach, ich zittre für dich! Versprachst du mir nicht, nie mehr zu singen? ANTONIA Die Mutter ist mir neu erstanden; Mir ist, wenn ich singe, als ob selbst ich sie hör! CRESPEL Das ist ja mein Schmerz, dass ihre Stimme die geliebte Mutter dir vererbt Es erneuert den Schmerz um ihren Verlust! Ach, singe nicht wieder! ANTONIA Ich singe nie mehr, und bräche selbst mein Herz. CRESPEL O Verzweiflung. Eben sah ich ihre Wangen Von verhängnisvollen Rot erglühen. Gott! sollt ich auch dieses Kind noch verlieren? Nur Hoffmann ist daran schuld, Der ihr Herz umstrickt. Wir flohen bis hierher vor ihm! - - - Franz, lass niemand ein von all den Leuten. Es läutet; Franz, der alte, halbtaube Diener, will gehen, um zu öffnen FRANZ Ja, ja. CRESPEL Wo willst du hin? FRANZ Ihr höret jemand läuten, So habt Ihr selbst gesagt! CRESPEL Ich sagte: lass niemand ein von all den Leuten! Hast du jetzt verstanden? FRANZ Ach Gott, ich bin ja nicht taub. CRESPEL Dass er doch zum Teufel führe! FRANZ Ja, mein Herr, verschlossen ist die Türe. CRESPEL O du Esel! O du Büffel! FRANZ Ich will den Schlüssel. CRESPEL Bei Gott! Crespel geht mit seiner Tochter hinaus FRANZ Schon wieder geht er bös von der Schwelle! Wie wunderlich, bizarr und ungerecht Wenn ich mich auf den Kopf auch stelle, Nichts ist ihm recht! Tag und Nacht vierteil ich mich, Auf jeden Ruf gleich springe ich; Ich schreie oder sprech subtil, Und wünscht man Ruh, so schweig ich still, Hab in der Tasche Weinen oder Lachen, Ich singe auch gar manchesmal, Und das Singen, das ist gar nicht leicht! Trala la la la! Meine Stimme ist leider nicht gross: La la la la la! Doch der Ausdruck macht es bloss! La la la la la! Und ich hab Methode, Und die Methode ist tadellos! Tra la la la! Ja, man kann nicht von allem haben, Ich singe grauslich, meiner Treu! Doch versteh ich auch zu tanzen, Und ich behaupte frank und frei: Drin bin ich Meister, ganz unerreicht. Frappart ist nichts, gar nichts gegen mich, Und das Tanzen, das ist gar nicht leicht. Trala la la la! Doch bei den Frau'n gelte wunderlich, La la la la la! Als der beste Tänzer ich, La la la la la! Denn ich habe Methode, Und die ist tadellos! Tra la la la! Franz lässt Hoffmann ein Szene HOFFMANN Franz! hier ist's! Auf der Erde mein Freund? FRANZ He, wer ist da? Ach, Sie, Herr Hoffmann? HOFFMANN Ich selber! Was macht Antonia? FRANZ Der gnädige Herr ging eben fort! HOFFMANN Ha-ha-ha! taub noch immer wie einst und eh! FRANZ Wie's mir geht? Ich danke! Nicht schlimmer! Was man sagt, so very well. HOFFMANN Antonia. Geh, ruf sie her! FRANZ O, welche Freude wird es sein für Herrn Crespel. Franz führt Antonia herein und lässt sie allein mit Hoffmann Duett HOFFMANN Hörst du es tönen mit süsser Melodie von ferne Sanft das Liebeslied, das Liebes ... ANTONIA Hoffmann. HOFFMANN Antonia. ANTONIA Ich wusst es ja, dass du mich liebst, Dass du mir treu geblieben! HOFFMANN Mein Herz sprach deutlich hier, Du sehntest dich nach mir! Und schnell wie Sturmeswind, eilt ich zu dir, mein Kind! Seligkeit tief empfunden, Schon morgen sind wir verbunden! Ewiges Glück Kündet froh uns ein Blick. BEIDE Sei'n wir treu unserer Liebe, Denn die sanften, innigen Triebe, Sie wahren das zärtliche Herz Vor Kummer und Schmerz Lass getreu uns sein der Liebe! HOFFMANN Und doch, geliebtes Wesen, In meinen Augen kannst du lesen, Was mich tief mit Sorgen erfüllt! Deine herrliche Kunst gilt dir mehr Als meine Liebe, ich seh es wohl. ANTONIA Ach, könnt ich's selbst mir deuten, Ich lieb ja dich in ihr. Und doch wieder sie in dir! O sag: Willst auch du mir das Singen verbieten, Wie es mein Vater getan? HOFFMANN Wie? Was sagst du? ANTONIA Ja, mein Vater will nicht, dass ich singe; Er gebot mir, zu schweigen. Willst du, so sing ich! HOFFMANN Wie ist das seltsam, welch ein Blick? ANTONIA Komm, komm, wie sonst du kamest. O komm und höre, ob ich noch singen kann! HOFFMANN Wie sich dein Aug belebet, Wie röten sich die Wangen! ANTONIA Komm, das Liebeslied, denkst du noch daran? HOFFMANN Ja, das Liebeslied. ANTONIA Wir sangen es einst zusammen. HOFFMANN Zusammen! ANTONIA Hörst du es tönen mit süsser Melodie von ferne Leisen Klanges, Leisen Sanges, Ach, das Liebeslied! HOFFMANN Die Strahlen der Liebe verklären dich hold, Sie lassen dich neu erblühen. BEIDE Hörst du es tönen usw. HOFFMANN Was hast du? ANTONIA Nichts. HOFFMANN Still! Der Vater Crespel kehrt plötzlich heim ANTONIA Gott, es ist mein Vater! - Gehn wir! HOFFMANN Nein, ich muss dies Geheimnis jetzt erfahren. CRESPEL Niemand hier? Ich glaubte, dass es Hoffmann war! Wenn er doch zum Teufel führe! HOFFMANN Ich dank für die Ehr! Franz kommt und meldet den Doktor Mirakel FRANZ Gnäd'ger Herr! CRESPEL Was? FRANZ Doktor Mirakel ist vor der Türe! CRESPEL Doktor Mirakel? Schliess die Türe Nur schnelle! FRANZ Ja, der Doktor ist zur Stelle. CRESPEL Er wär ein Doktor? Bei meinem Leben! Ein Totengräber ist's. Ein frecher Mörder, Der wie einst meiner Frau, Auch meinem Kind den Rest will nun geben! Ich hör noch seine Flaschchen klirren wie zum Spott! Jag ihn fort auf der Stelle. Mirakel tritt ein MIRAKEL He, he, he, he! CRESPEL Höll und Tod! MIRAKEL He, he! Guten Tag, hier bin ich selber! Wo ist denn Crespel, mein lieber Freund? Wo steckt er denn? CRESPEL Halt! Halt! MIRAKEL He, he, he, he! Meine liebe Antonia hab ich gesucht! Wie steht es denn mit ihrem Leiden, Das von der Mutter sie geerbt? Natürlich ist es noch schlimmer geworden! Arme Kleine! Nun, führt mich zu ihr, ich werde sie kurieren. CRESPEL Töten willst du sie! Mach nur einen Schritt, und ich werf dich aus dem Fenster! MIRAKEL Oho, mein Freund, habt doch Geduld! CRESPEL Was willst du tun, Bösewicht? Terzett MIRAKEL Gefahren bannt man ohne Müh, Nur muss man sie entdecken! HOFFMANN Ein Schauder erfasst mich! CRESPEL Ein Schauder erfasst mich? MIRAKEL Ich muss sie befragen! Bei meinem höheren Willen: Tu, was ich dir befehle. Also setzt Euch hierher. Wie alt seid Ihr? sprecht, ich bitte! CRESPEL Wer? ich? MIRAKEL Zu Eurem Kinde red' ich. HOFFMANN Antonia! MIRAKEL Wie alt, so sprecht, ich will's, Zwanzig Jahre, ha, des Lebens schönste Blüte! Nun reicht mir Eure Hand! CRESPEL Die Hand? MIRAKEL Pst! Lasst mich zählen. HOFFMANN Gott, quält mich ein böser Traum? MIRAKEL Der Puls ungleich und schnell, Ein böses Zeichen Nun singt. CRESPEL Halt ein! Schweig still. Nein, singen soll sie nicht. MIRAKEL Singet. - - - Wie die Wang sich belebt, wie ihr Aug erglänzt, Wie sie legt ihre Hand an das pochende Herz. CRESPEL Was sagt er? MIRAKEL Jammerschade doch, wirklich schade, Wenn sie so schön und jung, des Todes Beute wär! CRESPEL O schweig, o schweig! MIRAKEL Wollt meine Hilfe ihr nicht ganz verschmähn Und sie vom Tod gerettet sehn? Hab hier gewisse Fläschchen, die ich sorgfältig hüte! Einnehmen muss sie! Mirakel gibt ihr ein paar Fläschchen Medizin CRESPEL Ha, schweig! Behüt mich Gott, Dass ich folg deinem Rat, du elender Mörder! MIRAKEL Einnehmen muss sie hiervon jeden Morgen früh. Ei ja, ich kenn mich aus! Eine ist krank im Haus, Ich heil sie ohne Scherzen, Bei mir sind alle Schmerzen Bald aus. Ha. HOFFMANN Antonia, aus des Todes Nacht und Graus Muss ich dies Kind erretten, Das so inniglich ich liebe! Umsonst höhnst du des Vaters Schmerzen, Hohnlache nicht zu früh, du Satan. CRESPEL Hinaus, entfern dich, du Höllengraus. Es regt sich Zorn im Herzen. Schon' des Vaters Schmerzen. Hinaus! Verlasse dieses Haus. Meide dies Haus! Hinaus! Du Höllengraus, hinaus! Der alte Crespel jagt den Doktor Mirakel hinaus MIRAKEL Einnehmen muss sie. CRESPEL. Hinaus, hinaus! MIRAKEL Jeden Morgen früh. Mirakel kehrt immer wieder zurück CRESPEL Hinaus, hinaus! Ach, endlich ist er fort Und die Türen fest verschlossen! Nach aller Sorg und Qual sind wir allein, Geliebtes Kind! MIRAKEL Einnehmen muss sie jeden Morgen früh. CRESPEL Elender Schurke. MIRAKEL Jeden Morgen früh. CRESPEL Wenn in schwindeln der Tiefe das Meer dich verschlingt. Will ich sehn, ob der Teufel dir Hilfe dann bringt Hinaus. Entfern dich, du Höllengraus. Es regt sich Zorn im Herzen, Schone des Vaters Schmerzen. Meide das Haus, hinaus, hinaus! Crespel geht hinaus; Hoffmann bleibt allein mit Antonia Szene HOFFMANN Nicht mehr singen! O Gott, wie das von ihr verlangen, Solches Opfer zu bringen? ANTONIA Nun denn, was sprach mein Vater? HOFFMANN O frag mich nicht! Bald sollst du alles wissen. Sei ohne Bangen! Ein neues Leben winkt! O meine süsse Braut, doch du musst entsagen Für ewig und für immer dem Traum von Ruhm und Glanz, Und der Zukunft goldnem Schimmer, Wenn du mir gehören willst fürs Leben! ANTONIA Doch du selber? HOFFMANN Die Liebe künftig uns vereine, Ich lebe nur für dich; Die Hand leg in die meine! ANTONIA Hier meine Hand! Zum Unterpfand! HOFFMANN Ach, könnt ich dir es lohnen Mit Edelstein und Kronen, Was du für mich getan! Ha, Schritte, dein Vater kommt zurück! Leb wohl. Ich muss gehn! Auch Hoffmann geht; Antonia bleibt allein ANTONIA Auf Wiedersehn! - - - Mit meinem Vater ist er wohl im Bunde - Zu spät! Die Tränen sind umsonst! Ich hab's gelobt, und nie mehr werd ich singen. Wieder kommt der unheimliche Mirakel Terzett MIRAKEL Du wirst nicht mehr singen? Hast du wohl bedacht, Was das heisst, bei deiner Jugend ein solches Opfer bringen? Wie dich Natur hat mit Schönheit und Talent reich bedacht, Was der Himmel dir einst in Fülle hat verliehen? Musst du es in den Staub gemeiner Wirtschaft ziehen? Hast du noch nie im stolzen Traum empfunden das Glück, Das unnennbare Glück, den rauschenden Beifall zu hören Einer hocherregten Menge, die deinen Namen Auf den Lippen trägt und bezaubert dir folgt mit dem Blick. Ja, das ist wahre Freude, auch ein grosses, ewiges Glück. Und all das willst du opfern im ersten Jugendreiz Für jenes Alltagsleben, für bürgerliche Enge, Fürs Geschrei kleiner Kinder, Die die Schönheit dir noch rauben! ANTONIA Ha, welche Stimme ist's, die meine Sinne trübt? Ist's Teufel oder Gott, der mir ein Zeichen gibt? Nein. Nein. Diese Stimme will mein Verderben! Ha, gegen meinen Ehrgeiz die Liebe erwacht. Was ist mir Ruhm, was aller Glanz der Erde, Wenn nur des Geliebten Auge lacht. MIRAKEL Was für ein Glück ist denn das, deine Liebe? Seiner Lust opfert dich Hoffmann, Er liebt nur dein hübsch Gesicht, Und es dauert nicht lang, Wie die andern, macht's auch der eine, Und kommt seine Zeit, dann die Treu er bricht. ANTONIA Nein! Versuche mich nicht mehr. Dämon, flieh weit. Lass ab von mir, ich beschwör dich! Ew'ge Treue gelobt ich ihm und halte meinen Eid. Ich kann nicht mehr zurück, nicht mir gehör ich mehr, Denn hat er nicht soeben mir Treue geschworen Und heisse Liebe für Zeit und Ewigkeit? Ach, wer rettet mich, Teufel vor dir, vor mir selber? Die Mutter, meine Mutter, die so innig ich liebe MIRAKEL Du wagst es, die Mutter anzurufen? Die Mutter, war sie's nicht selbst, die dich einst der Kunst geweiht! Undankbare! Ha! Gedenk ihres Namens Glanz, Den du wegwirfst fortan! So höre. EINE STIMME Antonia! ANTONIA Himmel! MIRAKEL Höre! STIMME Antonia! ANTONIA Gott, meine Mutter, meine Mutter! STIMME Leise tön meiner Stimme Klang, Teures Kind, hörst du nicht Deiner Mutter süssen Sang? Leise tön meiner Stimme Klang, Hör, o hör, aus dem Grabe deiner Mutter süssen Sang. ANTONIA O meine heissgeliebte Mutter, Es redet ihr Geist zu mir. MIRAKEL Ja, sie ist's; blick empor, Sie wird guten Rat dir geben. Sie liess dir ein Talent, das die Welt in ihr verlor. STIMME Antonia! MIRAKEL So höre! STIMME Mein liebes Kind. MIRAKEL Ha, sie scheint neu zu leben. Der Menge fernes Beifallrauschen macht sie beben, STIMME Antonia! ANTONIA O teure Mutter! MIRAKEL Nun, so singe doch mit ihr, ANTONIA Ja, es ist ihr Geist, der mich ruft, MIRAKEL Nun, so singe mit ihr, Singe mit deiner Mutter, Ihre heissen Wünsche kröne. Lasse brausen die Töne, Der Stimme Klang. Deine Mutter, sie flehet. O singe mit ihr. Ja, das sind ihre Töne, Das ist ihr Klang. Stimme mit ein in den Gesang. ANTONIA Nein, genug! Ich erliege! Ich schwor, nie mehr zu singen! In der Brust fühl ich mich von heisser Glut durchdrungen. MIRAKEL Nur fortgesungen! So singe, warum hältst du ein? Hör der Mutter Gesänge, wie sie dich rufen, Inbrünstig rufen, höre doch deine Mutter, sie ruft dich. STIMME Teures Kind, ach, ich ruf dich. MIRAKEL Ja, es ist ihr Geist, der so süss dich ruft. ANTONIA Ach meiner Mutter Stimme ruft mich. Ach! Dem Drang widersteh ich vergebens. Welch ein Feuer verzehrt mich, Welches Feuer blendet mich, Fasst das Herz mir bang, Blendet meinen Sinn, Ach. Nur einen Augenblick noch zu leben, Mag meine Seele dann entschweben Zum Himmel ins lichte Paradies. STIMME. Hör deine Mutter! Sie ruft dich flehend, sanft und süss. Singe immer, o Tochter. Meine Stimme ruft dich. Singe, singe. Sanft und duftig sei dein Gesang, Singe immerfort, teures Kind! Ja, es ruft dich deine Mutter, O hör den Klang. MIRAKEL Singe! Singe nur immer! Mutterstimme ruft dich, singe. Mutterstimme fleht dich an, O sing! Die Mutter, sie ruft dich, o hör den Klang. Mirakel schleicht hinaus. Crespel tritt ein Finale CRESPEL Ach, mein Kind! Meine Tochter! Antonia! ANTONIA Mein Vater, fasse dich. Meine Mutter, sie ruft mich, Er ist wieder da! Leise klingt mir im Gemüt Ein süsses Liebeslied, Lusterfüllend, Schmerzenstillend, Ach, ein süsses Liebeslied. CRESPEL Nur ein Wort, ein einz'ges Wort Sprich zu mir, meine Tochter, o sprich! Furchtbarer, unerbittlicher Tod, Hab Mitleid. Ach, verschone sie mir, Antonia! Hoffmann stürzt herein HOFFMANN Was ist geschehen? CRESPEL Ha, Hoffmann, fahr zur Hölle! Du warst's, der sie mir getötet. Ha, mit Blut will ich ihre Wangen röten, Ein Messer! Ein Messer! NIKLAUS Unglückseliger. HOFFMANN Schnell zu Hilfe, holt einen Arzt! Doktor Mirakel ist plötzlich wieder da. HOFFMANN Schnell zu Hilfe, schnell, holt einen Arzt! MIRAKEL Bin schon da. - - - - - Tod! CRESPEL Ach Gott! Teure Tochter, mein Kind! mein Kind! HOFFMANN Antonia!! NACHSPIEL Wieder in Lutters Weinstuben in Berlin, wie im Bild des Prologs. Die Gesellschaft hat ruhig und versonnen den Geschichten gelauscht, die Hoffmann erzählte Szene und Chor HOFFMANN Meine Liebesgeschichten habt ihr nun gehört, Ich werde sie nie vergessen. CHOR Bravo! Bravo! Hoffmann! HOFFMANN Ach! ich bin verrückt! Die Gläser gefüllt und denkt nur eins: Uns umschweben die Geister des Biers und des Weins. Drum lasst uns trinken und betäuben, Dann das Nichts unseligen Vergessens ... Olympia? Zerbrochen? Antonia? Tod? Giulietta! Ach, für sie die letzte Strophe Des Liedes vom Kleinzack. Einer Phryne Herz bracht ihn zum Bettelsack. CHOR Bracht ihn zum Bettelsack. HOFFMANN In Verzweiflung trank er fortan nur noch Kognak. CHOR Fortan nur noch Kognak. HOFFMANN Er war ruiniert, ein altes Wrack. Und mit ganz leerer Börse macht er Clic Clac. Clic! Clac! Das war Kleinzack! Sie sind lustig, trinken und singen. Hoffmann sucht im Wein Betäubung und Vergessen. Ueber dem Lied des Chores fällt der Vorhang CHOR Clic! Clac! Das war Kleinzack! Nun füllet bis zum Rand die blanken Becher, Punsch muss es sein, das andere gilt uns gleich. Gott Bacchus winket euch, ihr frohen Zecher! Bis morgen währt sein lustig Reich. Punsch muss es sein. Schenk ein! |