| Libretto: Manon Lescaut |
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Personen:
MANON LESCAUT (Sopran) LESCAUT, ihr Bruder, Sergeant der Königlichen Garde (Bariton) CHEVALIER RENATO DES GRIEUX, Student (Tenor) GERONTE DE RAVOIR, königlicher Steuerpächter (Bass) EDMOND, Student (Tenor) Der WIRT (Bass) Der MUSIKER (Mezzosopran) Der BALLETTMEISTER (Tenor) Ein LAMPENANZÜNDER (Tenor) SERGEANT der Bogenschützen (Bass) Ein SEEKAPITÄN (Bass) Ein PERÜCKENMACHER (stumme Rolle) CHOR Mädchen, Bürger, Männer und Frauen aus dem Volk, Studenten, Musiker, Alte Herren, Abbés, Hofleute, Schützen, Seeleute ERSTER AUFZUG Ein weiter Platz bei der Pariser Post zu Amiens. Rechts eine Allee, links ein Wirtshaus mit einer Vorhalle, unter welcher Tische und Stühle für die Ankommenden stehn. Eine äussere Treppe führt in den ersten Stock des Gasthauses. Studenten, Bürger, Volk, Frauen und Mädchen, Soldaten welche den Platz spazierend und plaudernd hin und her überschreiten und zu der Allee gehn und von dort kommen. Andere bilden Gruppen, sich unterhaltend, wieder andere sitzen an den Tischen und trinken und spielen. Edmond mit andern Studenten; später Des Grieux EDMOND halb komisch, halb sentimental Sei gegrüsst Abend! Mach mild das Licht vergehn - Zünd' leis die Sterne an Lass' sanft den Zephyr wehn! Poeten seid gegrüsst Gegrüsst sei hohe Liebe ... STUDENTEN Edmond lachend unterbrechend Ha, ha, ha, - Ha, ha, ha, ha! Betrunkene auch und Diebe ... Verzeihe wenn wir recht brutal Gestört dein Madrigal! EDMOND nach dem Spazierwege schauend Ich bin Euch dankbar ... Seht das fröhliche Gedränge Im grünen Baumesschatten; graziös, ungezwungen Frisch, lachend geh'n die Schönen Mit Schätzen oder mit Gatten ... STUDENTEN Fürwahr, es tummelt froh sich. EDMOND Ein Madrigal soll klingen Verlockend, keck und rosig. Seht wie sie nun müssig schwatzen Die eben noch ihr Handwerk trieben ... STUDENTEN Leicht lernt sich Müssiggeh'n und Lieben. EDMOND Mein Madrigal sei launig Und dreist. Ich zage nie ... Getaucht sei meine Muse Ganz in Galanterie! zierlich zu einigen Mädchen Unser Panier ist die frohe Jugend Und die Hoffnung unser Ideal! Froh lebt in uns an unsre Kraft der Glaube, Macht unüberwindlich uns zumal! STUDENTEN wiederholend Das Panier ist unsre Jugend Und die Hoffnung hell und klar! Seh't uns selig trunken lachen; Eu'r Herz schenkt, reicht die Lippen dar! ... MÄDCHEN vom Hintergrund näher kommend Wehet vom Himmel herab Der Abendwind süsse Düfte, Eilen heimwärts die Schwalben Pfeilschnell durch die Lüfte, - Dann tagt die Stunde der Phantasie Dann ringet mit der Fröhlichkeit Die Melancholie ...! STUDENTEN Reicht die Herzen, reicht den Mund Zum Jugend - frohen Bund. Des Grieux tritt auf Seh't - Des Grieux. Des Grieux ist wie die Studenten gekleidet EDMOND hält Des Grieux, welcher grüsst und vorbeigehen will, auf Mit uns gemeinsam, Freund Sei heiter, überwinde Den eitlen Groll um jenes Abenteuer. Des Grieux, zum Bleiben genötigt, zeigt sich - ohne verdriesslich zu sein - wenig geneigt, auf Scherze einzugehen Keine Antwort? Warum? Quält Dich wohl gar, weil eine Schöne Dich verschmäht, - glücklose Liebe? DES GRIEUX unterbrechend, achselzuckend Liebe? Nicht als Tragödie noch als Komödie Kannt' ich jemals diese Triebe! ... Edmond und einige der Studenten halten Des Grieux im Gespräche fest. Andere begleiten die promenierenden jungen Mädchen, denen sie den Hof machen EINIGE STUDENTEN zu Des Grieux Kostbar! Deine heimlichen Siege Möchtest Du uns verhehlen! DES GRIEUX Zu viel der Ehre ist das, Ihr Freunde. EDMOND UND DIE STUDENTEN Beim Zeus, du bist verstimmt, gesteh' es nur ... Vielleicht durch eine spröde Nippfigur? DES GRIEUX Nein, nein Ihr irrt Euch ... Doch wenn's Euch Vergnügen macht - Das Opfer sei sogleich gebracht ... Eine Gruppe Mädchen fixirend - entschlossen Frisch vorwärts - allsogleich! Galant zu den Mädchen tretend Unter all Euch schönen Kindern Blond und braune, ist eine wohl Die mich mag leiden, Mit ros'gem Mündchen, Auf ein Stündchen ... Sag' bist du es, die ich lieben soll? Sprich es kecklich aus mein Kind Damit ich mein Schicksal bald erfahre; Zeige mir geschwind Deine glüh'nden Wangen Dein heisses Verlangen ... STUDENTEN lachend Ha, ha, ha - Vortrefflich! Die Mädchen, merkend dass Des Grieux nur Spass macht, gehen achselzuckend von ihm fort EDMOND Nun seht, Kameraden, Grieux kann nichts Verliebtes sagen! Wem brächt solch eine Werbung Schaden? Mädchen, Studenten und Bürger STUDENTEN vortretend Lasst uns den Abend feiern! STUDENTEN Vortrefflich, dabei fehlt kein Zecher ... BÜRGER, STUDENTEN, FRAUEN UND MÄDCHEN Hell ertönt und begeistert Musik aus der Becher Klang Lasst den Abend uns feiern, Froh mit Tanz und Gesang! Stosst an, preist laut die Freude. - Verglomm der Sonne Schein So darf uns das nicht grämen: Es lebt ihr Gold im Wein! Lieder, Wein und lust'ge Reigen Feuern an zur Lebenslust Hüllet sich die Nacht in Schweigen Klopft das Herz laut in der Brust ... Schimmernd taucht dann auf am Himmel Wie ein Gedicht, der Sterne Heer Alles siegt und stürmt zur Freude Badet in dem Wonnemeer ... Bald liegt so weit, Ach die Jugendzeit! Leucht' uns mächtig, Licht der Lust! Man hört hinter der Szene ein Posthorn. Alle blicken rechts nach hinten, wo eben der Postwagen auffährt und unter dem Portal des Gasthauses anhält. Aus dem Wagen steigt behende Lescaut, dann Geronte, der galant Manon beim Absteigen hilft; dann steigen noch andere Passagiere herab MÄDCHEN UND BÜRGER Sie steigen aus, schaut zu! Elegante Leute wohl? EDMOND UND DIE STUDENTEN bewundernd Manon betrachtend Wer böt' nicht dieser zarten Schönen Die man bei Gott bewundern muss Von Herzen einen Willkommgruss! LESCAUT He, Wirtschaft! zu Geronte, verbindlich Ihr seid ein Muster jeder Tugend ... schreiend He, Wirtschaft! DER WIRT herbeilaufend, von Kellnern gefolgt Da bin ich schon. DES GRIEUX Manon betrachtend Götter, wie sie schön ist! GERONTE zum Wirt Diese Nacht, Herr Wirt, beschützt uns Euer Dach. zu Lescaut Entschuldigt! zum Wirt Und jetzt seid wohl besorgt Mein Herr, um meine Koffer ... DER WIRT Gewiss, sogleich! Er gibt dem Personal Befehle; die Diener begeben sich zum Wagen und bewirken das Abladen. Zu Geronte und Lescaut Ich bitte, wollt mir folgen Ihr Herrn ... Er steigt die Aussentreppe zum ersten Stock hinan, gefolgt von Geronte und Lescaut, der Manon ein Zeichen macht ihn zu erwarten. Manon lässt sich auf einer Bank nächst dem Promenadenweg nieder; Die Post fährt durch das Portal in das Gasthaus. Die Menge zerstreut sich; Einige der Studenten sitzen an den Tischen und trinken und spielen. Edmond etwas beiseit, beobachtet Manon und Des Grieux. Des Grieux, der von Manon kein Auge wandte, tritt jetzt zu ihr DES GRIEUX zu Manon Mein Gnädiges Fräulein, darf ich eine Bitte wagen: Lasst Euren süssen Mund Mir Euren Namen sagen! MANON einfach, sanft und bescheiden Man ruft mich Manon Lescaut. DES GRIEUX Wollt verzeihen meine Kühnheit Doch ein tiefes Gefühl Zieht mich unhaltsam zu Euch. Seit Euer Auge ich sah Strahlt mir ein Himmelreich, Bin ich verwandelt im Herzen; - Drum verzeiht, wenn ich nimmer kann scherzen ... Sprecht - wann reist Ihr weiter? MANON schmerzlich Bei Tagesanbruch morgen Mein wartet das Kloster ... DES GRIEUX mit Wärme Um zu begraben dies märchenschöne Antlitz In seiner Blüte! ... O holde Donna! tritt nahe zu ihr Welch' Schicksal, ach, verfolgt Euch? Edmond nähert sich vorsichtig den Studenten in der Wirtschaft und zeigt ihnen schadenfroh Des Grieux, der in das Gespräch mit Manon versunken ist MANON schlicht Ach, mein Schicksal ist einfach; Es heisst: der Wille des Vaters! DES GRIEUX für sich Wie ist sie zum Entzücken! zu Manon, mit Leidenschaft Nein, nein, in keinem Kloster Vertrauert Euer Leben. Euer Stern wird neu erstrahlen Euch neue Hoffnung geben! MANON traurig Mein Stern ach, wird erlöschen. DES GRIEUX Zur Nacht kehrt heimlich wieder! Ihr sollt nicht unterliegen Wir wollen uns verschwören Eu'r Schicksal zu besiegen ... MANON Ach so viel Mitleid, ertönt mir Aus Euren edeln Worten! Ich denke Eurer - nennt mir Euren Namen. DES GRIEUX Bin Renato Des Grieux. LESCAUT von hinten Manon! MANON rasch Nun muss ich gehen. zum Gasthaus gewendet Ich komme! zu Des Grieux Hört Ihr, der Bruder hat gerufen ... DES GRIEUX flehend O, kehrt wieder! MANON Ach, ich kann nicht ... Lasst mich ziehen! DES GRIEUX O ich bitte, - ich beschwör' Euch ... MANON bewegt Nun, Ihr siegtet: Wenn die Nacht Herabsank, kehre ich zurück ... Sie unterbricht sich, Lescaut erblickend, der auf dem Balkon des Gasthauses erscheint um die Schwester zu holen; Beide treten in das Haus DES GRIEUX ist Manon unablässig mit den Blicken gefolgt Wo lebte wohl ein Wesen An Reizen gleichend ihr? Beim Worte ach, "ich liebe" Wacht auf ein neues Leben tief in mir. sehr einfach "Man ruft mich Manon Lescaut." Der Name strömt aus ein Meer von Düften. Den Geist mir hold berauschend Und tausend Seufzer fiebern in den Lüften! Süsses Flüstern vom Glücke ... Ach ende, ende nimmer -! Lass mich träumen die Zukunft In Blüthenschmuck und rosigem Schimmer; beseelt "Man ruft mich Manon Lescaut!" Verhalle nicht süsses Wort; Verbleib, tön' fort, o Wunderklang ... Ein Leben lang ... Er beharrt in Ekstase Edmond und die Studenten welche Des Grieux beobachtet haben, schleichen jetzt nach und nach heran. Sie umringen Des Grieux STUDENTEN Es hat dein Schicksal sich froh gewendet Cupido's würdig, einem Engel gleich Ist diese Schöne, die voll von Reizen Auf Strahlen schwebt zum Himmelreich. Es hat dein Schicksal Sich froh gewendet sentimental nachahmend Die Liebe stieg vom Himmel herab Und hat die Seufzer alle geendet, Das Leid gebettet in's Grab ... Des Grieux geht unwillig schnell ab EDMOND UND DIE STUDENTEN lachend Ha, ha, flieh nur! Verliebt ist er zum Sterben! Sie gehen wieder zum Wirtshaus zurück, sich mit einigen der Mädchen galant neckend und sie zum Mitgehen einladend Studenten und Mädchen STUDENTEN O kommt schöne Mädchen Wir weissagen Gutes; Viel fröhliche Stunden - Seid guten Mutes. DIE MÄDCHEN Wer wählt eine Blonde? Nein, braun mag man leiden. Die Göttin der Liebe Soll den Streit entscheiden! Einige setzen sich zum Spiel an die Tische und trinken mit DIE STUDENTEN Kahl ist die Göttin fürwahr Doch Euch macht begehrlich das kostbare Haar Verlockend anzuschauen! Nicht wäget Gewinn und Verlust, O Mädchen, lebt weise der Lust! Ob weinend, ob lachend Man duldet sein Loos. Wir werden genarrt und betrogen. - Zum Troste ist eines Erleichternd verblieben; Es locken die Stimmen zu ewigem Lieben. Auf! Folget dem seligen Ruf! - DIE MÄDCHEN Für Stunden nur schwört Ihr Treu Möchtet bei Seufzen und Küssen Achtend nicht unser treues Herz Im Taumel kurz nur geniessen. Wir feiern die Siege gern Und schmücken Besiegten das Herz Im zitternden Lebensgenuss. Süss tauschend, ach Kuss um Kuss Vergessen wir Schande und Schmerz. EDMOND zu einem der Mädchen, dem er sich nähert, und mit der er galant zur Promenade geht Leb wohl mein Stern Du liebliche Blüte Reizende Schwester Der Aphrodite Zu Dir kehrt stets mein Seufzen neu, Für einen Tag - bleibst du auch treu! Grüsst das Mädchen sich verabschiedend, erblickt Geronte und Lescaut, tritt zurück und belauscht deren Gespräch. Geronte und Lescaut steigen plaudernd die Treppe herab GERONTE im Vorbeispazieren zu Lescaut Also nimmt Eure Schwester im Ernst den Schleier. LESCAUT So hat's die Familie beschlossen - leider. GERONTE Ihr, wie mich dünkt - seid anderer Meinung. LESCAUT Sicher - sicher! Seht, ich urteile klarer als meine Umgebung So klug sie sich dünket mit ihrem Entschlusse. Denn ich kenne das Leben schon zu vielfach - Paris dünkt mich die hohe Schule! Doch als der Schwester Mentor gleichsam, Füg' ich mich den Dingen wie ein guter Soldat. Nur bedünkt mich; Falsch ist's zu entsagen Der Welt. Für nicht genossne Freuden Wird uns nie ein Ersatz. - Gern wüsst ich, Herr, wer Ihr seid? GERONTE Geronte von Ravoir. LESCAUT Es scheint - Ihr reist zum Vergnügen? GERONTE Nein, im Amte. Die Pachtung - wisset, der Steuern Ward mir vertrauet durch Königliche Gnade Davon ward' ich reich ... LESCAUT (Der Geldsack, Der ...) GERONTE Mir scheinet werter Herr Eure Schwester ist nicht heiter ... LESCAUT Mit achtzehn Jahren in's Kloster! Ohne Trost - ohne Hoffen! GERONTE Verstehe ...! Ja die Ärmste Man muss sie trösten, erheitern ... Darf zu Tisch ich Euch heut' Abend bitten? LESCAUT Besten Dank! Sehr viel Ehre! Er gibt ein Zeichen nach dem Gasthause hin, ihm etwas zu bringen Erlaubt dass ich bis dahin ... GERONTE Der zuerst mit Lescaut unbefangen sprach, ändert sein Wesen und versinkt in Gedanken Verzeihung! Im Moment bin ich wieder bei Euch! Eine Kleinigkeit ist noch im Gasthaus zu ordnen. Lescaut verbeugt sich, Geronte geht nach hinten ab. Es fängt an zu dunkeln; aus dem Hause bringt man Lampen und Lichter, die auf die Tische zu den Spielenden gesetzt werden STUDENTEN UND BÜRGER eifrig spielend Die Drei! Ein Bube! Ein Ass hier! Lescaut angelockt durch die Rufe tritt näher und sieht zu LESCAUT Das Spiel hol' doch der Teufel! mit fiebernder Spannung Die Karten, ach! Ob ich mein Glück versuchte? Einige tüchtige Stiche ... DIE BÜRGER Schnell! Setzet! Gebet! Ein Ass ist's! LESCAUT sieht einem der Spieler über die Schulter in die Karten, beobachtet und sagt dann mit tadelndem Ausdruck Das Ass sticht? Nein Ihr Herrn, der Bube! Das ist wohl ein Irrtum! DIE STUDENTEN zu Lescaut, ihn bekomplimentierend Der Bube - Ihr seid ein Meister! LESCAUT mit übertriebener Bescheidenheit Ihr scherzt wohl! Ein Dilettant nur ... Folgt der Einladung und setzt sich mit zum Spiel GERONTE der wieder vorkommt, beobachtet Lescaut; Er ruft, diesen beschäftigt sehend, den Wirt zu sich in den Schatten des Torwegs Freund hört mich Der Wirt läuft eifrig herzu Lasst rasch mich zahlen, ganz ohne Aufseh'n den Wirt seitwärts führend Dann aber sorgt dass ein Wagen Mit windschnellen Pferden bereit steht, Nach einer Stunde ... DER WIRT Wird besorgt Herr ... Edmond der bei dem Hin - und Hergehen Gerontes Verdacht schöpfte, nähert sich um ihn zu überwachen GERONTE wiederholend Hinter dem Hause, nach einer Stunde. Verstanden? Ein Mann steigt ein mit einem Mädchen. Dann fort mit Windeseile, schnell Gegen Paris hin! Ferner bedenkt: Eu'r Schweigen bringt Euch Gold. DER WIRT listig Das ist mein Abgott ...! GERONTE gibt dem Wirt eine Börse Gut so! Betet's an! Doch streng gehorchet ... Sagt mir jetzt noch: zum Portal zeigend Hat das Gasthaus nur diesen Ausgang? DER WIRT Nein, noch einen ... GERONTE Zeigt zu diesem mir den Weg. Gehen hinten nach links ab STUDENTEN zu Lescaut Nehmt Teil, willkommen beim Spiele! LESCAUT kalt und geringschätzig Ich halte ... Lescauts Spiel feuert die Studenten an; Edmond läuft zum Hintergrund, nach Geronte ausschauend EDMOND hervortretend Würdiger Alter, du bist ein gepuderter Pluto ja! Doch Proserpina hat vielleicht Tugend genug zu widerstehn! Des Grieux tritt in Gedanken versunken ein EDMOND klopft Des Grieux auf die Schulter Herr, man spielt Euch einen Possen ... DES GRIEUX erstaunt Was wär' das? EDMOND spöttisch angehaucht Wie eine Blume, die gestern süss duftete Und heut ihrem Stengel entsinkt So welkt die Freude hin, die Euch das Liebliche Fräulein heute noch bot: Man raubt sie! Es bläst sein Horn der Postillon Dein zartes Mädchen Rollt, keck entführt, davon ... DES GRIEUX erschrocken Wär's möglich? EDMOND Ich seh Euch beben. Bei Gott: ein Alter stiehlt sie ... DES GRIEUX Gut - ich werde hier warten ... EDMOND Wir sind gerüstet ... DES GRIEUX Rettet mich! EDMOND Euch beisteh'n? Die Entführung verhindern? Lasst seh'n! Wohlan. - Vielleicht gelingt es so! Mit Spiel und Wein ködern wir den Sergeanten dort ... DES GRIEUX Und der Alte? EDMOND Der Alte, nun ... Den übernehme ich. Er nähert sich den Spielern, spricht Mehreren in's Ohr, dann geht er durch des Portal nach hinten zur linken ab. Man unterbricht das Spiel, Lescaut trinkt mit den Studenten weiter. Manon erscheint auf der Treppe oben, schaut sich mit Angst um, steigt, Des Grieux erblickend, herab und tritt näher MANON mit Einfachheit Nun seht Ihr! Ich hab getreulich Was ich versprach, gehalten. Ihr batet heiss mich, nochmals hier Euch zu erscheinen Ich tat's - nun mag das Schicksal walten. Doch jetzt ist's besser dass wir scheiden, Ich muss dem Flehen widerstehn Lasst ruhig mich, Herr, mein Schicksal leiden! DES GRIEUX Wie Eure Worte in's Herz mir schneiden. In Euren jungen Jahren, Was habt Ihr herbes denn erfahren? Euer Grübeln und Wägen Steht allem Geniessen schroff entgegen. Lasst sie beiseit, Ach, diese Traurigkeit! ... MANON Und doch war ich einst so fröhlich, So vergnügt! Die stille Hütte Hallte wieder vom lustigsten Lachen; - Mit jungen Mädchen im Reigen Sang ich die frohsten Lieder ... traurig Sonnige Kinderzeit Wie liegst du weit! ... DES GRIEUX In deinen Himmelsaugen leuchtet mächtig Die Sehnsucht nach der Liebe stillen Freuden ... Und Liebe ist es, die jetzt aus mir spricht. Gebt dem süssesten Zauber Euch hin, Reicht die rosigen Lippen mir dar Und das Herz; denn ich lieb Euch wahr. Nach Euch in Flammen steht mein ganzer Sinn! MANON Bin nur ein armes Mädchen lieber Herr Nicht die Schönheit leuchtet mir vom Angesicht Die Trauer meines Schicksals drückt mich schwer ... DES GRIEUX Die Glut der Liebe wird schmelzen Euern Schmerz Und Eure Schönheit berauschen ewig dieses Herz. Senk zu mir deinen leuchtenden Blick Ah, mein höchster Seufzer bist du Meine Sonne, mein Stern, mein Glück! MANON Spricht die Wahrheit dein trunkener Blick? Ah! so erfüll' sich der Traum ...! Meine Sonne, mein Stern, mein Glück! LESCAUT sich mühsam aufrichtend und halb berauscht auf den Tisch pochend Was, keinen Wein mehr? Pfui, verwünscht! wenn der Krug leer! Beim Ertönen der Stimme Lescauts ziehen sich Des Grieux und Manon schleunig nach rechts zurück; Manon zögert dort und möchte ängstlich umkehren; aber Des Grieux hält sie fest und zieht sie an sich. Die Studenten zwingen Lescaut wieder zum Niedersetzen und schenken ihm Wein ein DES GRIEUX zu Manon O lasst Euch warnen ... Euch bedrohen Schimpf und Schande Man will Euch rauben! Jener verruchte Alte, der gleichzeitig mit Euch ankam Hegt den Anschlag Euch zu entführen. MANON Was sagt Ihr? DES GRIEUX Die Wahrheit! EDMOND kommt schnell gelaufen zu Manon und Des Grieux Der Streich gelingt; der Wagen steht bereit schon ... Welch' königlicher Spass! Schnell, auf die Reise! MANON überrascht Ich? Entfliehen? DES GRIEUX O kommt doch! wir reisen! Erlaubt Dass statt des Andern, ich Euch entführe ... MANON zu Des Grieux Ach nein! Das wäre Raub ja! DES GRIEUX Nicht doch - der Liebe folgt Ihr! MANON will sich los machen Ach - nein! DES GRIEUX dringender Ich fleh' Euch! EDMOND Hurtig! auf die Reise ... DES GRIEUX mit Leidenschaft Lass uns fliehen, o Teure! MANON Nein, nie, nie! DES GRIEUX Lasst Euch erweichen, kommt entflieht. MANON Ach nein, nein. EDMOND Hohe Zeit ist's: Schnell fort! DES GRIEUX immer dringlicher Manon, seht, es fleht die Liebe! Kommt, mein Arm führt Euch zum höchsten Glück: MANON entschlossen Gut, - es sei! Ich folge Euch ... EDMOND Närrisches Pärchen.!. Wirft Des Grieux seinen Studenten -Mantel um, in den Des Grieux das Gesicht birgt, dann fliehen alle drei hinter das Gasthaus. Von der Eingangshalle kommt Geronte, geht direkt zu dem Tische wo Lescaut trinkt und klopft ihm auf die Schulter GERONTE Mein Sergeant, wie steht es mit dem Essen? LESCAUT sich mühsam aufrichtend Ja, zur Abendtafel, zu Tische! GERONTE für sich (Mir ganz recht, er ist betrunken!) Man hört von Ferne die Geschirrklingeln der forteilenden Pferde. Erstaunt Wer reist denn jetzt ab? Zu dieser Stunde? Befremdlich! Edmond kommt lachend und hastig wieder hinter dem Gasthause hervor, nähert sich den Kameraden, die vereinigt aus der Halle treten. Ohne etwas zu merken schreitet Geronte rasch dem Hintergrund zu nach links sehend; wo der Wagen gestanden EDMOND zu den Kameraden Welch' prächtige Szene; Sie reisten ab! LESCAUT aus der Halle tretend, rennt auf das Geschrei hin, schwankend einige Stufen der Treppe hinauf und ruft laut He, Manon! Manon! EDMOND UND DIE STUDENTEN zu Lescaut, lachend Ist nicht mehr da! ha, ha! Den Betrunkenen gehöret der Abend ... Immer mehr Menschen laufen herbei GERONTE wütend zurückkehrend von hinten Infam ist's - Eine Schandtat ... LESCAUT aufgerüttelt von dem Lärm, steigt wieder die Treppe herab Was nun? GERONTE zu Lescaut Frevelnd entführt hat man Eure Schwester! In meinem Wagen! LESCAUT den Degen ziehend Bei Gott: Blutig gerächt sei dieser Verrat. Bin des Königs Soldat ...! GERONTE Man betrog mich, Abscheulich! Geronte und Lescaut wollen den Ausgang erzwingen um den Wagen zu verfolgen, aber alles sperrt ihnen den Weg. Noch mehr Menschen kommen herbei. Die Verwirrung und der Lärm erreichen den Gipfel. Edmond, Lescaut, Geronte, Der Wirt, Studenten, Frauen, Mädchen, Bürger und Volk. Durcheinander EDMOND zu Lescaut Halt grad' dich, tapfrer Degen! Sei kühn, doch nicht verwegen ... zu Geronte Gott Amor vereitelt oft gern Die Pläne so würdiger Herrn! LESCAUT Ich werde ihn finden, ich schwör es ... GERONTE Den Durchgang gebt frei - ich befehl es! DER WIRT aus dem Gasthause herbei eilend Welch furchtbares Lärmen, welch' Toben! STUDENTEN zu Lescaut Halt grad dich Soldat, schau nach Oben! FRAUEN UND MÄDCHEN wiederholen Welch furchtbares Lärmen. EDMOND zu Lescaut Was werdet Ihr tun? LESCAUT Ich werde ihn suchen Und nimmer ruhn ... GERONTE So schmählich mich zu verraten! DER WIRT für sich Der Alte büsst seine Taten! GERONTE Jetzt schweiget, die Ruh' nehmt endlich in Acht! CHOR Betrunkenen und Narren gehört diese Nacht. GERONTE Seid stille! und zügelt das tolle Lachen Ihr werdet mich wahrlich taub noch machen! BÜRGER UND VOLK S' sind Tolle! Lasst ab mit Schreien! Bindet sie - sperrt sie ein. Sie stellen wahrlich die Stadt auf den Kopf. Steh grad Soldat, du trunkener Tropf. STUDENTEN UND FRAUEN Der Alte ist rasend und schäumt vor Wut Schafft schleunig Frieden, sonst fliesst noch Blut. EDMOND UND STUDENTEN Auf, auf! Gehen wir endlich zu Tische Lasst kreisen die schäumenden Becher ... - Preist hoch die Lust, aus voller Brust, Das ist die Weise der Zecher ... BÜRGER, DER WIRT UND DIE FRAUEN Toll ist das Geschrei, des Lärm brutal, Die Babylonische Irrung Sergeant, steht grad, die Trunknen steckt ein. Sonst endet nicht die Verwirrung. GERONTE UND LESCAUT. Jetzt fort, haltet Ruh' Den Weg gebt frei -! Blutig gerächt wird die Büberei. LESCAUT immer wankend Respekt, ich bin Leibsoldat ... Und diene dem König und dem Staat. STUDENTEN Zu Tische! Wir wollen fröhlich sein Ein Hoch den Frauen, ein Hoch dem Wein! Alle umringen Geronte und Lescaut. Unter allgeimeinem schallenden Gelächter drängt und schiebt man sie gegen das Gasthaus. Der Vorhang fällt rasch ZWEITER AUFZUG Zu Paris. Ein Eleganter Salon im Hause Gerontes. Im Hintergrund grosse Türen. Rechts verhüllen reiche Vorhänge den Eingang zu einem Alkoven. Links nach dem Fenster ein luxuriöser Toilettentisch. Sofa, Sessel, Tisch in reichem Geschmack. Der Vorhang geht auf. Manon sitzt vor der Toilette, bedeckt mit einem kleidsamen weissen Pudermantel. Der Friseur ist eifrig um sie beschäftigt. Zwei Knaben stehen hinten, um jeden seiner Befehle sofort auszuführen MANON sich im Spiegel betrachtend Du trotzig Haar was soll dein Sträuben? zum Friseur Schnell mit dem Eisen, brennet! ungeduldig Rasch doch! Der Friseur springt hastig hinüber und brennt die Locke mit dem Eisen MANON immer zu dem Friseur, der jeden Befehl sofort ausführt Hier ... ist die Flüchtige: Ein wenig trennt die Brauen! ... Reicht mir Bleiweiss ...! befriedigt Die Blicke schiessen scharf wie Pfeile ... Hierher die Narzisse! LESCAUT durch die hintere Tür eintretend Ich grüsse dich, kleine Schwester! MANON immer zum Friseur Die Schminke und Pomade! ... LESCAUT Bist diesen Morgen, so scheint es, übler Laune. MANON Übler Laune? Wie so? LESCAUT Nicht? Um so besser! Geronte ging schon? maliziös lächelnd Welche Hast, zu verlassen dein Gemach ... MANON zum Friseur Nun Schönheitspflaster ... Der Friseur bringt die Schachtel; Manon stöbert darin herum und ist unschlüssig LESCAUT Rat erteilend Dies wirkt keck! Ausgefeimt ist das; Nicht? Dies ist galant! MANON unentschlossen Ich weiss nicht recht ... entschieden So sei's! Hier diese zwei: Am Aug' den Dolch der Kälte, Am Mund das Schmachten nach Küssen! Der Friseur legt die beiden Pflästerchen auf, dann nimmt er stolz Manon den Pudermantel ab, die nun reich gekleidet, frisiert und geschmückt dasteht. Er legt den Mantel zusammen, verbeugt sich elegant und geht mit seinen Gehilfen ab LESCAUT Manon betrachtend Ah, welch prächtige Erscheinung! bewundernd Wie bist du schön und glänzend! Entzückt bin ich darob! Es ist mein Stolz: ich rettete Dich Von des Studenten armer Liebe! Als damals von Amiens mit Des Grieux du flohest, Sank nicht mein Mut, noch ward mein Hoffen trübe. Da ahnt' ich dein Geschick, ... Sah den Glanz, der jetzt in diesen Sälen Schimmernd, dich umgibt. Wie fand ich dich damals ...! In einer engen Hütte Warst du bei ihm geborgen; Nicht an Küssen fehlt' es Noch an schweren Sorgen ... S'war ja ein braver Junge der Des Grieux. Jedoch ein Steuerpächter war er nicht, Parbleu; Drum schien's natürlich mir Dass einst du, des Mangels müde, Annahmst die goldne Pracht hier, Und floh'st der Armut Friede. MANON Doch sag' mir ... unterbricht sich LESCAUT Sprich, was willst du? MANON Gar nichts! LESCAUT Gar nichts? Fürwahr? MANON Ich wollte dich nur fragen ... LESCAUT Ich geb' Bescheid! MANON plötzlich sich umwendend lebhaft Du gibst Bescheid? LESCAUT Verstehe ...! Deine Augen verraten einen Wunsch: Wenn Geronte dein Sinnen wüsste! ... MANON rasch Ganz recht geraten! ... LESCAUT Möchtest Nachricht von ihm? MANON traurig Ach ja! ... Hab' ihn verlassen Ganz ohne Gruss und Kuss! sich in dem hocheleganten Alkoven umsehend Ach, in den kalten Spitzen herrscht Trotz der Pracht, nur ödes Schweigen; Oh, mich schauert's, ich erfriere Will kein Herz sich zu mir neigen! ... Einst kannt' ich andere Wonnen. - Von sel'ger Liebe stammelte sein Mund Die heissen Lippen suchten seine Küsse ... Jetzt fühl ich mich zum Tode wund ... Du meine stille Hütte, Dich seh' im Geist ich wieder Weiss schimmernd, traulich; zart Umblüht von blauem Flieder ... Ew'ge Friedensträume Durchzogen still die Räume. LESCAUT Manon unruhig betrachtend Nun wohl ... ich will gesteh'n ... Des Grieux, (genau wie Geronte) Ist eng befreundet mir Er hört nicht auf zu quälen: Des Grieux nachahmend "Ist Manon hier? Ist sie geflohn? Mit wem? Wohin? Nach Nord? Nach Süd?" Stets täuscht' ich ihn! Nunmehr ist er gefasster ... MANON überrascht Wie, er vergass mich? LESCAUT Nein nein! Er hegt den Wahn dass er mit Golde Fänd' einen Pfad, der hin zu dir ihn führt. geheimnisvoll Im Spiel will er sein Vermögen, fiebernd, mehren Er denkt die Karte siegt, die er berührt! ... Ich alter Spieler weiss (unter uns) so ziemlich: Die allgemeine Kasse wird in seine bald fliessen; Von mir wohl unterrichtet Wird er Alle noch rupfen ... Doch in der atemlosen Pein des Kampfes In Qualen Tag und Nacht Ruht dann erst sein Wahnsinn, Wenn er Dein gedacht ... Bei jedem Spielschluss, wie im Traume Fragt er nach Manon ... Seufzt, ringt die Hände Schaut aus nach dir, fragt mich wo du seist ... Dann spielt er fort und er gewinnt am Ende. MANON für sich, schmerzlich Kämpfst, leidest für mich, Die verlassen dich hat so ehrlos! Die so viel Schmerzen dir bereitet ... Kehr' wieder! Gib die Vergangenheit zurück. Selige Stunden, kehrt wieder, Wo mich küsste sein Mund ... In seinen Armen An seinem Odem Trink ich für ewig mich gesund. O sieh' wie ich schön bin Ah - Geliebter, nimm auf's neu mich hin! Versinkt in Nachdenken; plötzlich fallen ihre Blicke auf den Spiegel; ihr Ausdruck wechselt; sie bewundert ihre eigne Schönheit; dann fragt sie leichthin Lescaut Ist's wahr, dass dieser Anzug zum Bewundern mir steht? LESCAUT sie anstaunend Wie angegossen! MANON Und das Haar! LESCAUT Ausgezeichnet! MANON Die Büste? LESCAUT Prächtig. Einige gepuderte Musikanten treten ein und verbeugen sich vor Manon. Dann gruppieren sie sich mit ihren Notenblättern auf eine Seite LESCAUT leise zu Manon Welch sonderbares Volk! Wie es scheint, Charlatane? MANON gelangweilt Nein, Künstler! Denn Geronte macht gern Madrigale. Setzt sich gelangweilt auf's Sofa Madrigal EINE STIMME Auf des Berges Höhen wandelst du, o Chloë Blumen sind deine Lippen Deine Augen Brunnen. CHOR O weh! O weh! Zu Füssen liegt Philen. DIE STIMME Golden weht dein Haar im Winde Wie ein Wunder anzuschaun ... Es gleicht die entblösste Brust, Lilien, frisch vom Morgenthauen. Chloë, Du bist Manon, Und in Philen wandelt sich Geronte. Philen bläst die Schalmei Und seine Melodei Flehet sanft! Habe Mitleid! Das Echo flüstert: "Mitleid!" Klag' nur, Philen: "Chloë habe kein Herz." Doch, gerecht sei, Philen ... Horch! können Chloës Lieder zärtlicher sein? Sie werden fürwahr flüstern "Nein." MANON gelangweilt, gibt eine Börse an Lescaut Zahl' ihren Lohn! LESCAUT steckt die Börse ein Nicht doch! Die Kunst beleidigen? Mit Würde zu den Musikern Seid mir entlassen im Namen wahren Ruhmes! - Die Musiker verbeugen sich und gehen durch die Mitte ab. Durch die andere Türe sieht man einige Freunde des Geronte, ältere Herrn, Geistliche, alle mit eleganten Manieren. Geronte empfängt sie Menuett MANON zeigt dem Lescaut einige der Gäste Ja, Madrigale! Tanzkunst! Und dann - Musik! Nichts fehlt ... Die Quartettspieler treten ein, und stimmen links im Hintergrund wo sie sich versammeln S' sind Alles schöne Sachen ... gähnend Doch, mich langweilt's ...! Manon erhebt sich und geht nach hinten, Geronte entgegen, welcher, plaudernd mit dem Balletmeister und Manon, nach vorn kommt um die Menuett für die Lektion zu stellen LESCAUT für sich Ein junges Weib, das so blasiert ist Könnt' fast man ernstlich fürchten ... mit Entschlossenheit Schnell jetzt zu Des Grieux! Der Freund muss meinem Plan sich fügen ... geht unbemerkt ab Ein Diener führt die Gäste Gerontes ein, theils ältere zierlich geputzte Herrn, die feierlich ceremoniös mit tiefen Verbeugungen sich Manon nähern; einige küssen ihr die Hand, andere bringen ihr Blumen etc. Geronte, strahlend, steht dicht bei Manon. Ein würdiger Marchese überreicht Manon einen Schmuck. Auch mehrere elegante Abbé's treten - Manon huldigend und ihr die Hand küssend - ein, alle voll Galanterie DER TANZMEISTER nähert sich Manon und reicht ihr die Hand Ich bitte gnädiges Fräulein, Manon beginnt die Menuett, Geronte lädt die Freunde zum Sitzen ein Die Brust mehr erhoben ... Recht so, sehr gut; nun darf ich Euch loben. Mit Eurem ganzen Selbstbewusstsein Schreitet vorwärts ... Setzet ein! Inständig bitt' ich: im Takt bleibt! ... GERONTE begeistert Anbetenswürdige Tänzerin! MANON mit falscher Bescheidenheit Noch etwas linkisch ... DER TANZMEISTER Ich warn' Euch: hört solch Schmeicheln Nur mit Ungunst; Ein sehr ernstes Ding ist die Tanzkunst! ... HERREN UND ABBES zu Geronte Lernt weise schweigen, Freund Macht genau es darin wie wir, - In der Stille nur huldigt; Seid von Manon entzückt Ihr. CHOR Ernst ist die Tanzkunst ... TANZMEISTER Jetzt dreht Euch - Gut so - Zur Rechten - Nun Verbeugt Euch. Gebt Achtung ... Die Lorgnette ... Manon lorgnettiert tanzend ihre Bewunderer GERONTE Wie sie tanzt - hochvollkommen! HERREN UND ABBES Manon verliebt anstarrend Welche Glut in ihren Blicken Welch Verheissen, welche Schönheit! Wie die Sterne glänzend strahlen Leuchten ihre Augen MANON mit Koketterie ihre Bewunderer herausfordernd, den Tanz unterbrechend Goldenes Lob rauscht durch die Lüfte, Rings um mich hör ich sie flüstern ... Alle spenden Lobeshymnen Sind nach meiner Schönheit lüstern. Ah! .......... HERREN UND ABBES Ach, den Honig süsser Küsse Möcht' ich von den Lippen saugen. Manon ist des Lichtes Gottheit Die Königin der Nächte ... GERONTE Welche Schönheit! Worte können sie nicht schildern, Ah, sie gleicht den Götterbildern! Glühend ist mein Herz entzündet, Das, ihr ferne, Ruh' nicht findet ... Der Tanzmeister macht Zeichen der Ungeduld MANON Mein guter Meister liebt nicht viele Worte! Wenn Ihr so schmeichelt, dann werd' ich nie, Die vollkommene Göttin, die Ihr in mir seht, Vermöge Eurer glühenden Phantasie. Darum - Mass im Lob, werte Herrn! ... DER TANZMEISTER mit Ungeduld Jetzt fehlt ein Herr ... GERONTE eilt herbei Schon da ... Figur des Begrüssens DIE HERREN UND ABBES Chor Trefflich - Welch ein Paar ist's! Lang soll der Frohsinn den Verliebten blühen. Seht - Gott Merkur und Venus! O, dass das Glück Euch in Reichtum und Liebe Ewig verbunden bliebe! MANON rezitierend, mit der grössten Koketterie zu Geronte sich wendend Höre die Stunde, Tyrso, locken Die leis' verschwiegen, beut uns Wonne: Deine treue Schäferin Seufzet stets zu dir nur hin Am Himmel stirbt die Sonne. Plötzlich nahst du, dem Blitze gleichend. Machest hell was bang und trübe! Heiter lachet nun die Welt Die uns eng umfangen hält Und dies Wunder - that die Liebe! DIE HERREN UND ABBES Manon umringend Ach, ein Wunder seid Ihr selbst Ihr seid selber ja die Liebe ... MANON Eure Lobeshymnen schmeicheln ... Ihr beschämt mich. GERONTE Ach mir schwinden alle Sinne Ich vergehe ... MANON Euer Beifall ist erfreulich ... GERONTE sich einmischend Die Galanterie in Ehren - doch Ihr Herrn es ward spät schon ... Die Menge wogt bereits vor die Tore ... DIE HERREN Die Zeit verflog uns! GERONTE zum Chore, mit Beziehung Ich weiss das aus Erfahrung. zu Manon Meines Lebens holder Lichtstrahl! Mit uns zu geh'n war Euer Versprechen; Wir gehn indessen schon voran. MANON Nur eines Augenblicks bedarf ich! Das Warten auf mich sei Euch leicht In der reich geschmückten Welt ... DIE HERREN mit Galanterie Schwer ist's Euch zu entbehren. GERONTE Stellt unsrer Seele Harren Nicht zu lange auf die Probe! Alle gehen. Man verbeugt sich, die Herren küssen Manon die Hände. Auch der Tanzmeister und die Musiker gehen GERONTE indem auch er Manon die Hand küsst Gleich send ich her die Sänfte Mein Ideal zu bergen ... Geht ab MANON läuft zum Tisch, nimmt einen Handspiegel, und betrachtet sich selbstgefällig Ah, - ich bin doch die Schönste ... Sie nimmt die Mantille; als sie jemand nahen hört, denkt sie es sei ein Diener Ist die Sänfte gekommen? Des Grieux erscheint in der Tür ganz blass. Manon stürzt ihm tief erregt entgegen Du, Du! Geliebter! Ach meine höchste Liebe! Götter! DES GRIEUX vorwurfsvoll Manon - ach! MANON schuldbewusst Nein, du liebst mich nimmermehr! Und liebtest einst mich doch so sehr! Wie musst'ich missen Dein heisses Küssen! ... Und eine Zeit nahte dann Da fürchtet' ich deine Rache. O sieh' mich nicht so finster an Nie hat das dein schöner Augenstern In früheren Zeiten getan. DES GRIEUX heftig Ja du Verworfne, Fürchte meine Rache! MANON Ach ich bin schuldig - ich weiss es! Und ach, ich büsse - Du liebst mich nimmer! Nun schwand mir Der Hoffnung Schimmer! Wie liebtest du einst mich! Nun ist's vorbei Trotz tiefer Reu! ... DES GRIEUX bitter Schweig' Verrät'rin Du brachst mein Herz Als du mich verlassen! Nimmer weisst du, am Tag wo du flohst. Welche Leiden sanken auf mich herab. MANON Doch, jetzt sollst du verzeih'n Sieh' rings meinen Reichtum. DES GRIEUX Schweige! MANON Gleicht dies Haus nicht dem Feenschloss, Mit Gold geschmücht, ächt königlich? Und Alles für dich! DES GRIEUX Geh - lass mich! MANON Stets hab' ich geträumt Von einer lichten Zukunft, Dass Liebe dich zurückführt! ... Ich verrieth dich einst niederknieend Jetzt zu Füssen dir, Fleh' ich Mitleid ... Ach nimm die Verräterin Neu in Liebe hin ... O, lass um Verzeihung mich fleh'n. Verweigr' es nicht! Bin ich denn weniger Manon heut' Als damals? schwand meine Schönheit? DES GRIEUX O du Versucherin! Der alte Zauber blendet mich Ich erliege! ... MANON Des Grieux's Hand erfassend Der Zauber ist's der Liebe Folg' ihm - sei wieder mein. DES GRIEUX Wer vermöcht' noch zu kämpfen - Ja - ich bin Dein! MANON hingerissen, erhebt sich, Des Grieux nimmt sie in seine Arme Nimm an dein Herz mich O komme, komm Mit deinem Arm umschling' Manon Sie liebt dich! Presse an's Herz, die ganz allein Nach dir sich gesehnt Komm, o sei mein! DES GRIEUX Im Kampfe besiegt ... O, du Versucherin! Mein Herz unterliegt Ich fühl' wie schwach ich bin! Ich liebe dich ... MANON O komm! O komm! Nach dir nur sehnt sich Manon. Nach Dir allein! DES GRIEUX Welch Glück im Kampf der Liebe Besiegt zu sein! MANON in höchster Leidenschaft Komm, fest umschling dein Arm mich, Manon fleht heiss, erbarm' dich! DES GRIEUX In deiner Augen Tiefe Les' ich mein künftig Geschick Was auch die Erde beut: Dein Kuss nur giebt das Glück! MANON Ah, Manon ersehnt nur dich allein Schnell, lass an Deinem Busen Innig mich ruh'n und selig sein. Trunkene Küsse drück auf meinen Mund, Mache in Wonnen mich wieder gesund. O kehre mir zurück Du allein bist all mein Glück. DES GRIEUX Wie deine Küsse unermesslich sind Sei deine Liebe ewig mein, o Kind! Mein Herz ist neu berauscht ... MANON Sind meine Lippen ein Altar So bringe, Liebster, nun Opfer dar! DES GRIEUX In deiner Arme Seligkeit Vergess' ich meines Lebens Leid ... Manon überlässt sich den Armen Des Grieux', der sie sanft auf ein Sofa niedersetzt MANON Wonnegetränkte Lippen! DES GRIEUX Stürb' ich so, Dir zu Füssen! MANON Welch ein liebliches Leiden ... GRIEUX Sich ewig heiss zu küssen. GERONTE wird plötzlich in der Türe des Hintergrundes sichtbar, starr vor Staunen. Manon schreit auf, Des Grieux los lassend. ironisch Wahrlich - mein holder Engel Das war's - warum so lange wir gewartet? Ich kam zur Unzeit ... Ein ungewollter Zufall! Doch - wer irrt nicht hienieden? zu Des Grieux Ihr auch vergasst - glaub' ich - Dass, zum Beispiel, Ihr weilt In einem fremden Hause. DES GRIEUX sich wiederfindend Herr - hört mich! MANON Schweig nur! GERONTE zu Des Grieux Dank den Göttern Dass heute gerade ein Festtag. zu Manon Euch zog ich in's Haus hier Weil ich Euch wahrhaft liebte Wovon ich zahllos Proben Euch gegeben. Manon sieht Geronte boshaft an, geht zum Tisch von dem sie einen Handspiegel nimmt den sie ihm später vor das Gesicht hält MANON das Lachen verbeissend Ach, Liebe? Wass wisst Ihr Von ihr mein Guter? Den Spiegel vorhaltend Hieher: Betrachtet Euch! Stets wenn ich irrte, sag' ich's treu! Und nun, seht auf uns Beide! GERONTE verblüfft Ich bin verbunden Euch, liebliches Fräulein Und kenne meine Pflichten: Jetzt hier zu scheiden gilt's! ironisch zu Des Grieux O Ihr glücklicher Erbe! geziert zu Manon O, leicht beschwingte Schönheit! drohend Wir sehen uns wieder - und bald schon! Ab MANON lachend Frei bin ich! frei wie der Vogel dort oben. hinter Des Grieux herrufend Habt Dank mein Herr - ich muss Euch loben! lachend Ach, dass so es bliebe zu Des Grieux gehend Dich fand ich wieder Du meine Liebe! ... DES GRIEUX trübe, befangen Hör' nun! Wir müssen eilen: Nur einen Augenblick Gewähr' uns des tief verwünschten Alten Dach noch Schutz - Dann fort von hier! MANON fast unwillkürlich Wie schade - All die herrlichen Schätze Und der üppige Reichtum! seufzend O weh, bleibt hier zurück ... DES GRIEUX mit grosser Erregung Manon! schändlich! Dich verrät dieses schlimme Bedauern! Immer dieselbe, leichthin in Allem Vor dem Vorbestimmten schaudernd, Masslos heiss im Wünschen ... Gütig, voll Grossmut Wie deine Liebe bist Du, ohne Schranken, Stets voll von neuen Begierden Wirr in deinen Gedanken. plötzlich auf einmal niedergeschlagen Versengt - ach, von den Strahlen des Lebens! Ich? Dein Sklave bin ich, Und dein Opfer! tief gesunken. Abwärts ging meine Laufbahn Hab' aus dem Schlamm des Daseins getrunken Hab' mich als Held verkauft An ein wüstes Spielhaus Meine Schande bringt, Ärmste, mich dir nah ... tief niedergeschlagen In dem Dunkel der Zukunft Was wird noch werden aus mir? Er setzt sich, den Kopf zwischen die Hände pressend MANON zärtlich zu Des Grieux Sinn' andere Bilder - noch einmal wird es besser Mir, ach, verzeihe, will treu und gut dir bleiben Ich schwör' es - ich schwör es ... Lescaut tritt rasch, schwer atmend ein. Manon und Des Grieux erstaunt, gehen ihm entgegen DES GRIEUX Lescaut! MANON Bist du's? Lescaut wirft sich keuchend, nach Atem ringend, in einen Sessel DES GRIEUX UND MANON Was gibt es denn? Sprich! Lescaut deutet mit Händen und Mienen an, dass etwas Schreckliches vorgefallen sei MANON UND DES GRIEUX erbleichend O Gott, wir zittern Was ist gescheh'n? LESCAUT beklommen Erst ... lasst ... mich ... atmen - Dann spreche ich. MANON UND DES GRIEUX Du machst uns beben Was ist geschehen? Sprich! LESCAUT Man zeigte Euch an! MANON UND DES GRIEUX Wer? Der Alte? LESCAUT Ja! MANON O weh - der Schlag - Mein Gott - LESCAUT Die Wache naht mit Militär ... Den Kopf heisst's nun bewahren; Die Treppe schnell hinab - auf eilt!.. Von einem Grenadier im Quartier Habe ich Alles erfahren ... Auf die Treppe, hurtig! Macht den Beinen Flügel. Rings sind die Häscher nah Ein Pfiff - und sie sind da ... DES GRIEUX wütend Schlau verraten hat uns der verfluchte Alte. MANON Was wird aus mir! immer unruhiger Auf, auf - davon! LESCAUT Auf und davon! MANON Ich komme schon! DES GRIEUX Nichts übereilt! LESCAUT Ach Ihr vergesst: Ihr müsst sie verlieren Wisst, Herr dass man sie fort will führen. Hart steht ihr Los auf dem Spiel, Das Exil!! MANON entsetzt O Gott, der Tod wär's, mein Tod ... Lescaut fährt fort zu drängen während Des Grieux im Zorn flucht und Manon ratlos auf der Szene hin und her rennt LESCAUT Hurtig beeilt Euch Zögert nicht länger Wenig Minuten Und Ihr seid verloren! MANON Ja doch - ich eile! zu Lescaut Nur ein Weilchen! Nimmt einen kostbaren Schmuck von der Toilette Sieh diesen blitzenden Smaragd hier! DES GRIEUX für sich Nimm Dich in Acht, alter Narr! zu Manon Auf - lass uns gehn ... MANON zu Des Grieux Sogleich! LESCAUT Schon von dem Stadthaus Nahen sie ... Auf! beeilt Euch Eh' die Wache Euch erwischt. DES GRIEUX Schnell - jetzt fort! Geschwind! MANON Nun ja doch! DES GRIEUX Wohlan. LESCAUT Sicher, vor Aerger wird Der feige Alte sterben, Kommt man und findet das Nest Verlassen, und sucht Die neue Adresse! Jetzt fort! Schnell Manon, auf den Weg! Rasch fort - es drängt. MANON Ganz schnell, doch mir beistehn musst du. DES GRIEUX In was? MANON fortfahrend Preziosen zu nehmen Wickle dies ein ... DES GRIEUX Nun aber komm! LESCAUT Schade fürwahr! Die prächtige Truhe! Jetzt durch den Garten Lasst uns entweichen. In seinem Schatten Vorsichtig schleichen. Aus ist das Bangen! Sind wir erst unten - Wer will uns fangen? MANON Leere noch schnell Die reichen Kasetten! Ach, diesen Reichtum Den so ich liebte! Muss ich nun lassen Als schmerzlich Betrübte! DES GRIEUX Eile tut Not - Manon, komm fort! Folg dem Gebot! Jetzt gilt es, Liebe, Tapfer zu scheiden! Zögern wir noch, Fängt man uns doch. Schande droht Dir und Leiden! Lescaut läuft zum Fenster um zu lauschen MANON nimmt Schmuckgegenstände und versteckt sie in die Mantille Es wäre Torheit zu lassen Dieses Gold, dem ich, ach so hold! Ich kann es noch fassen. DES GRIEUX Nur dein Herz, o Manon, Rette ohne Reu ... Ich mag dein glänzend Gold nicht Denk nur an Lieb und Treu! Geschrei von hinten LESCAUT Verfluchter Streich! Sehet nur, seht, Sie umzingeln das Haus schon. MANON aufschreiend Ah - Des Grieux! entsetzt Hieher? Nach dort? Zur Flucht! Zur Flucht! DES GRIEUX O Gott! Hinweg - zur Flucht! Nein, nein komm fort! Schneller - schneller. Entflieht LESCAUT Der Alte lärmet Und feuert sie an Sie marschieren dort. Die Schützen verteilen sich. Jetzt sind sie drin. Auf der Treppe, hört! Vorwärts, sie steigen Herauf schon! Sie fangen Euch! Entflieht, entflieht! Schnell. Läuft zur Türe MANON Nur rasch, heraus, O Gott! DES GRIEUX Sprich, ist hier nicht ein Ausgang? MANON hinzeigend Ja dort, durch den Erker! Schreie von Innen Ah - ah! Manon und Des Grieux, auf dem Höhepunkt der Verwirrung sind ratlos wohin sie fliehen sollen. Lescaut schliesst die Tür mit deren Schlüssel ab. - Er drängt Manon und Des Grieux in das Erkerzimmer und folgt ihnen auf dem Fusse. - Manon kommt sofort wieder vom Erkerzimmer heraus, - mit Lescaut und Des Grieux fliehend über die Szene laufend. Aus dem Vorhange des Erkerzimmers tritt ein Sergeant mit zwei Soldaten. Im selben Moment wird die hintere Türe eingeschlagen und in all seiner Aufgeblasenheit zeigt sich Geronte mit mehreren Soldaten SERGEANT Es rühr' sich Keiner! Geronte lächelt Manon boshaft zu, welche im Schreck die Mantille mit dem Gold fallen lässt, das am Boden umherrollt GERONTE Ah, ah, ah! Des Grieux zieht den Degen, um Manon beizusteh'n. Aber Lescaut entwaffnet ihn und hält ihn zurück von Geronte, auf den er eben stürzen wollte LESCAUT zu Des Grieux Herr, wenn man Euch arretiert Wer errettet dann Manon? ... Auf ein Zeichen Gerontes verhaftet der Sergeant Manon, die von zwei Soldaten abgeführt wird DES GRIEUX verzweifelt, möchte Manon nachstürzen, wird aber von Lescaut zurückgehalten Manon, ach! O meine Manon! ... Der Vorhang fällt sehr schnell Orchester-Intermezzo Malt Des Grieux' Stimmung. Die Gefangenschaft. Die Reise nach Havre ....."Hier weilt die Geliebte. Meine Leidenschaft ist so stark, dass ich mich als das unglücklichste Geschöpf der Erde fühle. Was habe ich nicht versucht in Paris, um Manon's Befreiung zu erlangen! Gefleht habe ich die Machthaber, an allen Thüren angeklopft und gebeten. Selbst zur Gewalt griff ich. Alles umsonst. Sie retten konnte ich nicht, so blieb mir nur ein Weg - ihr zu folgen. Und ich folge ihr - wohin sie auch geht, ich folge ihr; Und wäre es das Ende der Welt ... ich folge ihr ....." Aus "Manon Lescaut " von Abbé Prévost DRITTER AUFZUG In Le Havre. Platz am Hafen. Im Hintergrund der Ausblick auf das Meer und die Schiffe. Links die Ecke einer Kaserne. Im Parterre ein Fenster, das mit dicken Eisenstäben vergittert ist. Das Tor, welches auf den Platz geht, ist geschlossen. Eine Wache patrouilliert davor. Im Hafen hinten sieht man die Hälfte eines Kriegsschiffes. Rechts ein Haus und ein Stück Trottoir. In der Ecke ein matt erhellter Leuchtturm. Es ist die letzte Stunde der Nacht. Der Morgen beginnt zu dämmern. Des Grieux und Lescaut, beide von verschiedenen Seiten an der Kaserne DES GRIEUX Stets diese grausame Angst ... LESCAUT Nur noch etwas Geduld ... auf die patrouillierende Schildwache weisend Die Wache dort wird bald der Schütze haben Der mit im Spiel ist ... also nur Geduld! DES GRIEUX Mich foltert dieses Warten! auf das vergitterte Fenster zeigend Dort weilet meine Seele Mein ganzes Leben ... LESCAUT Schon weiss es Manon Sie wartet auf mein Zeichen Und blickt forschend her. Inzwischen wag' ich mit Den Freunden meinen Schlag ... Zur lichten Freiheit führe ich Manon. DES GRIEUX in tiefer Bewegung Es ist mein Schicksal dass ich schleppe, Mich Tag und Nacht auf meinem düstern Pfad ... Breit' ich die Arme sehnend aus nach Glück Ist's ein Phantom -: Mich schaudert wenn es naht! Paris und Havre ... welche Schreckensstunden! Nur Qualen hab' im Leben ich empfunden! ... LESCAUT nähert sich Des Grieux und zeigt auf die Szene. Aus der Kaserne tritt ein Piquet, geführt von einem Sergeanten, zur Ablösung der Wache Jetzt hab' Acht! DES GRIEUX Ich seh'! ... LESCAUT die Soldaten aufmerksam betrachtend Das ist mein Mann wohl? einen bezeichnend Er ist es ... Das Piquet mit dem Sergeanten tritt in die Kaserne zurück LESCAUT hastig zu Des Grieux In tiefem Schlaf liegt Havre ... Die Zeit ist günstig! Er nähert sich der Kaserne, wechselt schnell ein Zeichen mit der Patrouille, die sich langsam entfernt, und klopft dann vorsichtig an das Eisengitter. Des Grieux sieht zitternd, ohne sich zu rühren, zu. Die Scheiben des Fenster öffnen sich leise. Manon erscheint. Des Grieux stürzt zu ihr hin DES GRIEUX mit unterdrückter Stimme Manon! MANON in höchster Hingebung Des Grieux! Sie streckt die Hände durch das Eisengitter, welche Des Grieux mit Inbrust küsst LESCAUT für sich Zum Teufel mit Amerika - Manon reist nun nicht hin! MANON mit voller Leidenschaft Du liebst mich - du liebst mich ... Du hältst zu mir trotz aller Schande ... DES GRIEUX Ich dich verlassen, o süsses Leben? niemals. MANON Unfassbar ist Dein Lieben! DES GRIEUX Wenn ich dir folgte auf dem Schreckenswege Tat ich's weil fest Im Herzen wurzelte der Glaube. MANON sanft hingehaucht Die Liebe! ... DES GRIEUX liebkost Manon In Kurzem bist du mein. MANON traurig O Gott - die Deine! ... wie im Verzückung In Kurzem ... Dein! - DES GRIEUX erschrocken, unterbrechend Schweige - schweige! DER LEUCHTTURMWÄRTER kommt von rechts hinten, überschreitet singend die Szene und löscht das Licht im Leuchtturm "Zur Antwort gab Käthe dem König: Man soll nicht scherzen Mit Mädchenherzen. Nur für die Eh' schuf mich so reizend der Herr.' Lachend schenkt der König ihr Schmuck und Gold, Und einen Mann der treu sie lieben sollt' ...!" Er entfernt sich nach rechts über das Trottoir DES GRIEUX der Morgen graut Es dämmert ... Nun Manon hör'! Am Tor des Hofes harre streng zur Zeit ... Dort findest du Lescaut mit Andern, fluchtbereit ... Gelingt's - bist du gerettet ... DER LEUCHTTURMWÄRTER hinter der Szene "Zur Antwort gab Käthe dem König etc ..." MANON Zitternd erbeb' ich für dich! Und ahne doch kaum, um was? Ah ... vor meinem Geist erhebt sich ein Bild Ich sehe dich blutend und sterbensblass ... Vom Hintergrund naht eine Ronde, passiert den Platz von links nach rechts und verschwindet auf dem Trottoir nach hinten DES GRIEUX flehend und mit tiefer Empfindung Manon, sieh' verzweifelt mich flehn, Die Angst schnürt mir die Kehle, ich bebe! - Willst du meinen Tod? - Ich beschwör' dich Manon - entflieh'. zeigt über das Trottoir herüber Mach' ein Ende der Not ... Komm' ich beschwöre dich - Lass' uns entflieh'n von hier! ... MANON Es sei denn! erwarte mich, Liebster, Mit Leib und Seele gehör ich dir! Des Grieux fasst die Hände Manon's und gefasster winkt er ihr im Abgehen stets grüssend. Manon wirft ihm Kusshände zu. Sie tritt vom Fenster zurück. Ein Schuss von rechts. Des Grieux stürzt über die Bühne und läuft zum Trottoir STIMMEN hinter der Szene Zu den Waffen. Zu den Waffen! LESCAUT kommt von dem Trottoir fliehend mit blossem DegenVerloren ist das Spiel ... Retten wir Freund, unser Leben! DES GRIEUX Was gibt's? Wie kam das? LESCAUT Hört - hört, dort ihr Alarmgeschrei! Der Streich misslang uns, es ist vorbei ... STIMMEN VON AUSSEN Zu den Waffen! DES GRIEUX unruhig Komm' o Tod nun! Entfliehn ohne sie? - nein niemals! zieht den Degen LESCAUT verächtlich Ihr seid ein Narr! MANON erscheint jetzt wieder am Gitterfenster, bewegt, mit tiefstem Gefühl für Des Grieux Im Namen Gottes entfliehe O Liebster - entfliehe! DES GRIEUX verlässt das Fenster und verschwindet mit Lescaut Manon! LESCAUT zieht Des Grieux kopfschüttelnd und mürrisch fort Ein schlecht' Geschäft! - Von dem Schuss und den Alarmrufen angezogen, läuft von allen Seiten Volk herbei. Bürger, Frauen, Seeleute etc, die erregt einander fragen, was es gibt. Die Verwirrung ist allgemein STIMMEN VON AUSSEN treten in die Szene Ah! Was war's? Welch Lärmen hier? Was gab es da? Was geschah? Entführung und Aufstand? Entfloh'n ist ein Mädchen! Gab es Revolution! So hört doch! Was gab's? Wer ist gefloh'n. DAS VOLK Bässe Die dunkle Nacht hat die Räuber beschützt. In der Finsterniss entschlüpft' ein Mädchen. Ward sie entführt, die Dirne? Tenöre Im Finstern kam sie schon weit Beschützt von der Dunkelheit. Man lärmt als gäb es Meuterei! Soprane Mehr als Eine war's ... Es waren Viele dabei ... Trommelwirbel. Das Tor der Kaserne öffnet sich, der Sergeant und ein Piquet Soldaten treten heraus, Gefangene eskortierend, unter denen einige Frauen in Ketten. Der Zug hält hart vor dem Tore. Der Sergeant allein tritt vor und fordert, dass man Platz mache SERGEANT Den Durchgang gebt frei jetzt! Vom Kriegsschiff steigt der Kommandant. Ihm folgt ein Zug Marinesoldaten, die sich rechts aufstellen. Auf dem Schiff machen die Seeleute Front DER KOMMANDANT zum Serganten Das Schiff ist klar zur Abfahrt. Beeilt die Befehle! ... BÜRGER UND VOLK im Zurückweichen Seid stille! Entfernt Euch! Der düstre Appell fängt an! Mit einem Blatte in der Hand beginnt der Sergeant die Gefangenen einzeln aufzurufen. Die Genannten, die er auf dem Blatt durchstreicht, überschreiten von links nach rechts, zu dem Piquet Seesoldaten sich begebend, einzeln die Bühne mit verschiedenem Ausdruck auf den Gesichtern SERGEANT "Rosetta!" Sie schreitet dreist herausfordernd über die Bühne auf ihren Platz JÜNGERE MÄNNER Ei, welch' Antliz! ANDERE Die kennt die Liebe; gehässig Ah - hieher gehört sie! SERGEANT "Madelon!" Geht gleichgültig vorbei, lachend EINIGE BÜRGERFRAUEN empört Welch' albernes Lachen! SERGEANT "Manon!" Langsam vorüber schreitend mit gesenktem Blick EINIGE ALTE Und die? Eine Gefall'ne! FRAUEN Die Ärmste ist leidend. JUNGE MÄNNER Wie blickt sie so schmerzvoll! EINIGE BÜRGER vorn links plaziert Sie ist, in Wahrheit, schön Wer ist sie? LESCAUT erscheint in der Menge, in einen Mantel gehüllt, lebhaft zu den Bürgern sprechend Die hier? Ein Geheimnis! BÜRGER Im Ernst; - Eine Schönheit! zu Lescaut Verführt? Verraten? LESCAUT Entführt und entehrt Hat dies liebliche Mädchen Ein herzloser Bube ... BÜRGER Der Schurke! ANDERE Die Schmach! BÜRGER von Manon sprechend Sie weckt Mitleid. LESCAUT zu den Bürgern Entführt bei der Hochzeit Gequält durch erzwungene Küsse! BÜRGER empört Das alte Lied! LESCAUT Geopfert der Lust ... BÜRGER Schändlich ist das! LESCAUT Einen alten Herrn! BÜRGER Abscheu weckend! LESCAUT Und dann kalt verstossen ... BÜRGER Mitleid mit ihr! LESCAUT zeigt auf Des Grieux Seht hin, jener bleiche junge Mann An ihrer Seite, Das war einst ihr Bräutigam, Der jetzt sie tief beklagt. BÜRGER O Schmach! SERGEANT "Ninetta!" Sieht stolz auf die Menge BÜRGERINNEN UND WEIBER Wie furchtlos! SERGEANT "Caton!" Ruhig, imponierend JUNGE LEUTE UND FRAUEN Eine Göttin! SERGEANT "Regina!" Geputzt, kokett FRAUEN UND JUNGE MÄNNER wiederholtes Lachen Hieher geriet sie mit Recht! Die Schöne möcht' ich haben ... SERGEANT "Claretta!" Eine ganz muntere Blondine FRAUEN UND MÄNNER Ah, seht, - die Blonde! SERGEANT "Violetta!" Brünette, frech Des Grieux ist in der Menge ganz verborgen. Kaum schritt aber Manon vorüber, nähert er sich ihr vorsichtig. Manon erkennt ihn und unterdrückt einen Aufschrei der Angst. Verstohlen reichen beide sich die Hände MANON leidenschaftlich erregt O Freund, wie weit bin bald ich von hier! So will's das grausame Schicksal. Ich muss auf ewig jetzt dich verlassen. Dich mein Alles! Leb' wohl denn! DES GRIEUX mit tiefem Gefühl O sieh wie den Qualen Schmerzvoll ich erliege Die mir der schwere Abschied bereitet! ... Ein Abschied der mein Denken löst In bittre Tränen ... SERGEANT "Nerina!" Trägt noch reichen Kopfputz und Schönheitspflästerchen ANDERE lachen Welch lustige Gessellschaft! Von Reizen keine Spur mehr! Seht diese! - Mit zierlichen Pflastern! SERGEANT "Elisa!" phlegmatisch ALLE Welch' tolle Versammlung! Lachen SERGEANT. "Ninon!" Bedeckt verschämt das Gesicht mit den Händen "Giorgetta!" Macht lächelnd dem Serganten Zeichen LESCAUT In Ketten und Banden Mit Schande beladen So fand die entführte Geliebte er wieder. BÜRGER In Wahrheit, - sie weckt das tiefste Mitleid! MANON Kehre zurück zum Väterlichen Hause! Wahre in Treue mein Angedenken! Nie siehst du Manon mehr! ... Dass ich genug dich nimmer geliebt Ist, was mir das Scheiden bitter trübt ... Doch du verzeihst was ich tat! Ein Abbild meiner Liebe Ist dieser trostlose Abschied Flehe deinen Vater an! Seufzer erdrücken ihre Worte Leb wohl - meine - Liebe! verzweifelt schluchzend DES GRIEUX Ach meine Seele füllt Ein Verlangen! Ungestillt bleibt's: Der glühende Hass ist's Von Gott und Menschen, Der mich verzehrt! ... SERGEANT geht zu den Gefangenen Eilt Euch! Front bildet! Sie stellen sich in Reih und Glied Marsch vorwärts ... Manon mit Des Grieux noch im Gespräch stehend, fasst er sie brutal am Arm und schlendert sie zu den Anderen. zu Manon Was willst du noch? Ein Ende mach' ich der Szene ... DES GRIEUX kann sich nicht mehr halten; mit einem Ruck reisst er Manon aus den Händen des Sergeanten und schreit Lasst los sie! SERGEANT zu Des Grieux Fort! DIE BÜRGER von Lescaut aufgehetzt zu Des Grieux Fasse Mut! DES GRIEUX wütend, drohend Ah - wagt's sie zu berühren! ... zieht Manon schnell an sich, sie mit dem eigenen Leib deckend, zu Manon Schmieg fest an mich dich an ...! BÜRGER So recht! Bravo! Sie laufen Des Grieux zu Hilfe und hindern den Serganten, sich Manon's zu bemächtigen DER KOMMANDANT plötzlich inmitten der Menge erscheinend, die scheu zurückweicht Was gibt's? DES GRIEUX mit dem Mut der Verzweiflung drohend Ah - kommt nimmer mir zu nahe ... So lang ich lebe - soll Niemand sie entreissen mir! Weh' mir ... Ich bin toll wohl ...! Den Kommandanten erblickend bricht er, von der Bewegung übermannt, in ein heftiges Schluchzen aus, während dessen die um Manon geschlungenen Arme sich lösen, zum Kommandanten: O seht, Herr, wie ich fleh' und weine! Lasst die Tränen Euch rühren Die die Verzweiflung erpresst! Wollt mit ihr mich von dannen führen. mit zitternder Stimme Nehmt mich auf's Schiff als Euren Diener, Lasst mich ein Handwerk erlernen Das alles macht mich glücklich, erbarmt Euch. Nur wollet mich nicht von ihr entfernen! Ich erbiet' mich mit Blut und Leben Habt Mitleid, erbarmt Euch mein! Erlöst die Angst meiner Seele ... Ewig werd' ich Euch dankbar sein! Wirft sich vor dem Kommandanten weinend in die Knie. Während der Sergeant die Gefangenen zum Schiffe führt, drängt er Manon mit diesen weiter. Sie bedeckt, langsam Schritt für Schritt weiter geschoben, das Gesicht mit den Händen, und schluchzt bitterlich. Die Menge verhält sich, von den Soldaten im Zaum gehalten, still, voll Mitleid DER KOMMANDANT tief bewegt, beugt sich herab zu Des Grieux, lächelt ihm gütig zu, und sagt dann mit dem barschen Wesen des Seemanns. Kanonenschuss. Ihr wollt bevölkern Amerika? Junger Mensch ... Ihr seid wohl unklug? Des Grieux sieht mit schrecklicher Angst auf das Gesicht des Kommandanten Doch sei's! Wohlan - Ihr wollt's. wie gesprochen, Des Grieux auf die Schulter klopfend Auf - Junge, doch beeilt Euch! Des Grieux stösst einen Freudenschrei aus und küsst dem Kommandanten die Hand. Manon wendet sich um, versteht was vorging - und auch auf ihrem Gesicht strahlt die höchste Wonne. Von der Höhe der Einsteigbrücke streckt sie die Arme nach Des Grieux aus, der zu ihr läuft. Lescaut steht abseits, schüttelt den Kopf, und geht ab Schnell fällt der Vorhang VIERTER AUFZUG In Amerika. Eine unermessliche Ebene an der fernsten Grenze von New Orleans. Der Boden ist gewellt und ganz öde und schrecklich unfruchtbar. Der Himmel grau bewölkt. Der Abend dämmert. Manon und Des Grieux nähern sich langsam vom Hintergrund her, ärmlich gekleidet, von leidendem Aussehn. Manon ist bleich abgezehrt und stützt sich ermattet auf Des Grieux, der sie mühsam aufrecht hält DES GRIEUX im Gehen Stütze dich fest auf mich meine müde Geliebte. Wir nähern uns dem Ende der staubbedeckten Strasse, Die oftmals ich verwünschte ... MANON erschöpft, mit schwacher Stimme Nur vorwärts, nur immer weiter! Schon sinkt vom Himmel nächt'ge Dämm' rung. DES GRIEUX Auf mich stütz' fest dich ... MANON Fühlst du die kühle Luft der Eb'ne? mit noch schwächerer Stimme Der Tag ging sterben ... Doch vorwärts! Nur vorwärts! - Ah ... sinkt um DES GRIEUX in grösster Angst Manon! MANON völlig erschöpft Ich kann nicht mehr! O verzeih' mir! ... Stark bist du - ich beneide dich ... gesprochen, in Erregung Ein Weib nur bin ich ... sinke und verzage! DES GRIEUX forschend Du leidest? MANON rasch Ganz unbeschreiblich! Des Grieux, erschüttert von diesen Worten, zeigt in Blick und Gebärden seinen Schmerz. Manon bezwingt sich und fährt fort. langsam Nein was sagt' ich? Das sind zage und törichte Worte ... Sei ruhig - Geliebter. Ein Moment nur der Ruhe! - Ein kurzes Weilen Gönn' mir Geliebter ... Drücke fest mich an dich - ganz fest ... fällt in Ohnmacht DES GRIEUX höchst leidenschaflich O Manon - hör' mich - Geliebte ... O gib mir Antwort - Mein Alles! Sieh' ich bin's, der hier knieend trauert, Lass meine Klagen mischen sich mit Deinen; Lass küssen mich dein schönes goldnes Haar O Manon, sieh mich bitter weinen ... Du sprichst nicht Manon? Du schweigst! verzweifelt Beim ew'gen Himmel. ihre Stirn anfassend Grausam tobt das Fieber ... Mich befällt Verzweiflung Sehe sie hülflos ermatten ... - Mein Geist ahnt angstvoll Die schwarzen Todesschatten. zu Manon O antworte mir - Geliebte. . . . . . . . . . . . . . . . . . Still bleibt's ... aufschreiend Manon, O Gott - kannst du nicht sprechen? Manon kommt nach und nach zu sich; Des Grieux hebt sie von der Erde auf und setzt sie auf einen kleinen Hügel MANON Bist Du's der klagt hier? Von dir kommt das Stöhnen? Ich höre deine Seufzer - Meine Stirn Benetzen deine Tränen! Heiss fühl ich sie brennen Die um mich du geweint Ach ich bin glücklich Wir sind noch vereint ... fiebernd Sei stark Geliebter! Verlass' nicht Manon ... flehend Der Durst quält mich, ich verschmachte O gib mir Wasser, o hilf mir. DES GRIEUX mit höchster Leidenschaft Mein Herzblut gäb ich für dein Leben ... Das Grieux blickt sich nach Wasser um, läuft spähend zum Hintergrund. Enttäuscht kommt er zurück. zu Manon Verzweifelt! Kein Wasser, - nirgends! Nur dürre Fläche Nicht ein Tropfen quillt wo! Hartherz'ger Himmel! O Gott für diese Kranke Heb' ich flehend die Hände ... - Betend: ihren Leiden sende Lind'rung! MANON Hör' einen Vorschlag, wie ich zu retten: Sitzend bleib' ich zurück, Du steigst höher empor Erforschst die Ebne Ob irgend Du, In Bergen oder Hütten. Findest Wasser! Mit strahlender Miene Bringst du Erquickung der kranken Geliebten. Des Grieux macht es Manon auf dem Erdhügel nach Kräften bequem; er ist unentschlossen zu gehn; in ihm kämpfen verschiedene Gefühle. Er entfernt sich zögernd. Im Hintergrund angekommen, bleibt er nochmals stehn und überlegt. Er blickt voller Verzweiflung auf Manon und stürzt dann, plötzlich entschlossen, davon. Der Himmel verfinstert sich. Die Müdigkeit übermannt Manon. Sie ist verwirrt, furchtsam, ohne Kräfte MANON Allein! - von Allen aufgegeben In weiter, weiter Ferne ... Kein Mensch der mich hier hört ... Rings nicht die kleinste Spur von Leben ...! Ich eine einsame Frau! In welche Wüste ward ich verschlagen Grausame Leiden füllen meine Seele Fruchtlos verhallen alle Klagen ... Ich will nicht sterben - nein! Noch komme nicht der Tod! Doch fänd' ich hier mein Ende Ich, ach, die preisgegebne Frau, - Dann ständ am Ziel ich aller Leiden Man wollt' mich wieder von ihm trennen, Der meines Lebens Stütze! Wie schien mir friedlich Die neue Erde Ich hoffte endlich Dass mir Ruhe werde. Ach, meine Schönheit verfluch' ich Die neu mein Leben verwirrte ... Man wollt' mich wieder von ihm trennen; Und alles was ich jemals irrte Taucht auf in meinen Träumen Bedrohet grausam meines Herzens Frieden ... leidenschaftlich die Szene durchschreitend und mit sich ringend .... Mit Blut befleckt' sich Des Grieux. Auf's Neue mussten wir fliehen ... - Asyl des Friedens ist, ach, allein das Grab! langsam, klagend Nein, nein, - ich will nicht sterben - Ich will nicht den Tod! ausser sich Ich will noch leben meiner Liebe Bringe mir Hilfe o Freund! Lass nicht verschmachten mich, bring Hilfe, Nein, nein - nicht sterben, nicht sterben! Bleib fern mir - o Tod! Des Grieux tritt rasch auf - Manon stürzt in seine Arme MANON Schliess mich in deinen Arm Noch einmal - Geliebter. zwingt sich zum Lächeln als hoffe sie noch Sag - bringst du günst'gen Bescheid für Manon? DES GRIEUX mit tiefer Traurigkeit und mutlos Ach keine Quelle Quoll bei der Hütte Und nicht ein Tropfen Fiel aus den Wolken. Wie auch mein Auge spähend sich mühte! MANON Nun dann sterbe ich! - schon fühl' ich Finsternis Sich senken auf die Augen ... DES GRIEUX Nur ein sengendes Fieber Trübt die bangende Seele - Schmieg' dich an mich, fasse Mut, In's Herz strömt schon zurück dein Blut.. MANON mit unendlicher Hingebung Ich lieb' dich und muss sterben Schon stockt das Wort in meinem Munde. mit tiefer ErgriffenheitUnd doch, so gern spräch' ich zum Abschied. Von meiner Lieb' Dir, in dieser Stunde ... Dich liebt' ich unsäglich! O Liebe, himmlischer Zauber, Unaussprechliche Wonne, Du mein höchstes Begehren mit Glut Ja ich liebe - die Brust voll Schmerzen. Und sterbe den hehren Zauber im Herzen. DES GRIEUX betastet Manon's Gesicht, für sich entsetzt Die Kälte des Todes! klagend Gott! nun schwand die letzte Hoffnung. MANON zärtlich, mit schmerzlichem Ausdruck Du weinst! O mein Geliebter; Nein, keine Tränen: Da ist die Zeit zum Küssen Das Leben flieht - o stille mein Sehnen ... DES GRIEUX Und ich, ach, lebe noch ... MANON Ein Fest sei die Stunde Da von Himmelswonnen trunken Wir, verachtend den Tod Uns an das Herz gesunken! DES GRIEUX Und ich, ach lebe noch ... welche Schande! MANON Wie liebt' ich dich so heiss Und muss nun sterbend lassen meine Liebe ... Die Stunde flieht, o küsse mich ... Und sieh wie gern ich bei dir bliebe ... DES GRIEUX hingerissen O du mein geliebtes Leben Entflamme mich zu ewigen Wonnen ... MANON fiebernd Die Flamme ach erlischt - Es löschen Sterne und Sonnen ... Liebster, - o sprich doch - DES GRIEUX Manon! MANON Ich hör' kein Wort mehr ... Weh mir - hieher im höchsten Grade erregt Noch näher komm - Dein Antlitz will ich sehn. So recht - so recht - o küsse mich! Und lasse selig mich vergeh'n ... Bleib' mir ganz nahe - Ich kann dich fühlen ... im Krampfe Weh mir! DES GRIEUX verzweifelt Stirbst du, dann bin auch ich verloren Manon, ich folge dir! MANON gebieterisch mit letzten Kräften sich aufrichtend Ich will's nicht! - Leb wohl denn Nacht sinkt auf Manon ... Mich friert ... mit höchster Zartheit, lächelnd War deine Manon der Liebe wert? Besinn' dich! Leugne es nicht ... An meine glänzende Jugend denk'. beängstigt Ich seh ... nicht mehr ... das Licht ...! DES GRIEUX in grösster Angst O Himmel! MANON mit verlöschender Stimme Meine Schuld sühnt das irdische Gericht ... fast tonlos, zuletzt gesprochen Doch ach, Manon's Liebe ... - die ... stirbt ... nicht ...! Der Tod tritt ein. Des Grieux vom Schmerze übermannt, schluchzt, und sinkt auf die Leiche Manon's nieder Der Vorhang fällt schnell. |