| Libretto: Der Bettelstudent |
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Personen:
PALMATICA, Gräfin Nowalska LAURA und BRONISLAWA, ihre Töchter OBERST OLLENDORF, Gouverneur von Krakau SYMON RYMANOWICZ, Student HERZOG ADAM KASIMIR von Polen, alias JAN JANICKI OFFIZIERE in Ollendorfs Reiterregiment: - WANGENHEIM, Major - HENRICI, Rittmeister - SCHWEINITZ, Leutnant - RICHTHOFEN, Kornett ONUPHRIE, Diener im Hause Nowalska ENTERICH, Gefängniswärter auf der Zitadelle Krakau PIFFKE und PUFFKE, seine Gehilfen ROY, Wirt Der BÜRGERMEISTER von Krakau Ein KURIER CHOR Gefangene - Frauen - Messebesucher - Hochzeitsgäste - Brautjungfern Pagen - Zofen - Diener - Soldaten - Lakaien - Volk Orchester-Introduktion ERSTER AKT Gefängnishof Nr. 1 - Introduktion FRAUEN Ach, uns're Lieben sperrte man ein; Wir armen Weiber steh'n nun allein. Möchten die Teuren gern wiederseh'n. Was kann das schaden? Lasst's doch gescheh'n! Habt doch Erbarmen und, muss es sein, Sperrt uns gleich alle lieber mit ein! Eh' uns're Bitte ihr nicht gewährt, Wird mit dem Jammern nicht aufgehört. Hu, hu, hu! Wir bitten gar schön, oh, lasst es gescheh'n, Wir bitten, wir bitten, wir bitten gar schön! ENTERICH Respekt und kein Skandal gemacht! Ich rat' es Euch, nehmt Euch in acht! Wer hier so schreit und skandaliert, Wird gleich persönlich arretiert. FRAUEN Ach, guter Meister Enterich, Seid doch nicht solch ein Wüterich, Wir wollen uns're Männer seh'n - Oh, lasst es doch gescheh'n! ENTERICH Ich hin sonst gar keen Wüt'rich nich, Doch solch Spektakel schickt sich nicht. Ich fühle gleichfalls väterlich Und brüderlich und schwesterlich, Und gegen Damen namentlich Bin ich nicht unabänderlich; Doch müsst Ihr sanft erst bitten schön, Dann wollen wir schon seh'n. FRAUEN Ach 'guter Meister Enterich usw. ENTERICH Seh' ich auch oft recht grausam aus - Mein Herz ist nicht von Marmelsteine! zu Piffke und Puffke So lasst die Herr'n Verbrecher raus Von Nummer Fünnefe und Neine! FRAUEN Dank, Meister Enterich! ENTERICH Ruhe, sage ich! FRAUEN Dank, Meister Enterich! ENTERICH Ruhe! Still! Die Sachen, die Ihr mitgebracht, Die werden registriert, Und was dabei verdächtig scheint, Wird dankend, wird dankend, Wird dankend konfisziert. FRAUEN Wird dankend, wird dankend, Wird dankend konfisziert! ENTERICH Lasst seh'n, was Ihr gebracht! Für einen Mann zwei Flaschen Wein? Das könnte schädlich sein! Die Näscherei, - Herr Jämersch, nee, Das macht ja Magenweh! Wird gleich notiert und registriert Und höflich dankend konfisziert! FRAUEN Wird gleich notiert und registiert Und höflich dankend konfisziert! ENTERICH Geeignet scheint mir dieses Tuch Zu einem Fluchtversuch! Die Socken? He - die sind sehr schön, Ganz leise durchzugeh'n Wird gleich notiert und registriert Und höflich dankend konfisziert! FRAUEN Wird gleich notiert und registriert Und höflich dankend konfisziert! Pfui, das ist niederträchtig, Dass hier so was passiert. Was wir unser'n Männern bringen, Wird von Euch annektiert! ENTERICH Ihr Weiblein, hübsch bedächtig, Nur nicht gleich räsonniert! Ich hab' es Euch gesagt: Alles, was nur verdächtig, Wird gleich notiert und registriert Und höflich dankend konfisziert! FRAUEN Seht, dort kommen uns're Männer! MÄNNER und FRAUEN: Frohes Wiederseh'n, glücklicher Moment! Endlich schlägt die Stunde, wo man Luft uns gönnt! FRAUEN Sehet hier, wir brachten Speis' und Trank! MÄNNER Ach, schon lang wir schmachten, habet Dank! ENTERICH, PIFFKE und PUFFKE Hat man gut zu trinken, hat man gut zu essen, Kann man allen Aerger schon vergessen. Greift nur immer zu und schenket fleissig ein Von jenem süssen konfiszierten Wein! MÄNNER und FRAUEN Frohes Wiedersehn usw. ALLE Beim Trinken, Essen fliehet der Verdruss. Man kann vergessen, dass man brummen muss. Und kurze Zeit Vergessenheit Gibt wieder Trost für langes Leid. Dem flüchtigen Glück, dem Augenblick Sei dieser Tag geweiht! CHOR Geliebte(r) rasch noch diesen Abschiedskuss, Weil ich (er) jetzt leider wieder brummen muss! Die kurze Zeit Vergessenheit Gab wieder Trost für langes Leid! Lied 1 RICHTHOFEN Der Teufel soll mich holen, Ihr müsst es eingesteh'n: Wir sind im Lande Polen Durchaus nicht gern geseh'n. Ich sag's Euch offen ins Gesicht, An mir liegt dies ganz sicher nicht. Doch Euch, Euch hat hier niemand gern. Wisst Ihr, warum, Ihr Herr'n? Warum? DIE OFFIZIERE Warum? Wieso und wie? RICHTHOFEN So hört! OFFIZIERE Wir bitten - sprechen Sie! RICHTHOFEN Ihr Herr'n Ihr könnt wohl tanzen. OFFIZIERE Tanzen! RICHTHOFEN Reiten! OFFIZIERE Reiten! RICHTHOFEN Fechten! OFFIZIERE Fechten! RICHTHOFEN Schiessen! OFFIZIERE Schiessen! RICHTHOFEN Doch eines, eines könnt Ihr nicht: Lieben, lieben! RICHTHOFEN und OFFIZIERE Lieben! 2 RICHTHOFEN Doch ein gepflegter Junge, Der fein ist und galant, Gewinnt mit kühnem Schwunge Das ganze Polenland. Denn hierzuland zählt nicht der Mann, Hier kommt es auf die Frauen an. Ihr kriegt die Frauen nie herum. Wisst Ihr auch wohl, warum? Warum? OFFIZIERE Warum, wieso und wie? RICHTHOFEN So hört! OFFIZIERE Wir bitten - sprechen Sie! RICHTHOFEN Ihr Herr'n, Ihr könnt wohl tanzen usw. Nr. 2 - Auftrittslied 1 OLLENDORF Und da soll man noch galant sein Mit dem schöneren Geschlecht, Katzenbuckeln, und galant sein, Spielen den ergebenen Knecht. Einen Helden, den in Polen Wie in Sachsen jeder kennt, Den Wolhynien und Podolien Nur mit Schreck und Zittern nennt; Der mit seiner Augen Blitzen Hat entschieden manchen Krieg, Dem das Brüllen der Haubitzen Klingt wie liebliche Musik. - Hat Diesen Helden, nie geschlagen, Ueberall hochverehrt, Durft' ein Weib zu schlagen wagen, Der Gedanke mich empört. Die Erinnerung macht mich beben, Mich so tätlich zu insultieren'! Doch soll sie etwas von mir erleben, Meine Rache spüren! War es denn eigentlich Gar so fürchterlich, - Warum ich so schwer gebüsst? Hai Ach, ich hab' sie ja nur Auf die Schulter geküsst Hier hab' ich den Schlag gespürt Mit dem Fächer ins Gesicht. - Alle Himmelmillionendonnerwetter, heiliges Kanonenrohr. Mir ist manches schon passiert, Aber so etwas noch nicht! 2 Diese bettelstolze Dame War beleidigt durch den Kuss, Während das doch nur Reklame Ihren Reizen machen muss! Wenn man sonst mich insultierte, Rächt ich's immer blutig schnell; Arm und Beine amputierte Ich wohl zwanzig im Duell. Ha, ich wüte, schäume, rase, Dürste nach Satisfaktion, Und ich schwör's bei dieser Nase, Sie bekommt noch ihren Lohn! - Ha! Die Blamage zu verschmerzen Ich zu lächeln mich zwang, Doch es kochte Wut im Herzen, Und das Lächeln, es misslang. Jammervolle Grimassen schnitt ich, Nicht zu zeigen, wie mir zu Mut, Nahm es spasshaft zwar, doch im Innern litt ich… Mir war gar nicht gut. Und 's war, wenn den Grund man hört, Nicht der Rede wert, Was ihr widerfahren ist. - Ha! Ach ich hab' sie ja nur Auf die Schulter geküsst. Schauderhaft bin ich blamiert, Alle Welt heut davon spricht, Mir ist manches schon passiert, Aber so etwas noch nicht! Nr. 3 - Auftritts-Duett ADAM Die Welt hat das genialste Streben So miserabel stets gelohnt. SYMON Wer immer Pech gehabt im Leben, Wird endlich die Geschicht' gewohnt. Mein Geld, das bracht' ich durch aufs beste! ADAM Viel Gläubiger liess ich im Stich. SYMON Verloren hab' ich Rock und Weste. ADAM Verloren hab' manch Liebchen ich! SYMON Ich liess die Gläubiger im Stich. ADAM Verloren hab' manch Liebchen ich! SYMON Doch eines ich noch nicht verlor, den Humor. ADAM Den Humor. SYMON Und bleibt uns der Humor nur treu, Ist alles Spielerei. ADAM Ob Plackerei und Flegelei, Ob Frömmelei, Verräterei. SYMON Ob Gaunerei, ob Gaukelei, Ob Quälerei der Polizei. BEIDE Ob Prahlerei, Windbeutelei, Ob Schwärmerei, ob Rauferei, Aus solchem Chaos bricht der Humor Dann siegreich hervor; Wie lichter Sonne Strahl bricht hervor Der Götterhumor! Drum einerlei, wo immer es sei, Bleibt nur Humor uns treu, So sind wir stets dabei! OLLENDORF und OFFIZIERE Es blickt aus diesem Paar uns hervor, Wie lichter Sonne Strahl bricht hervor Der Götterhumor! Drum einerlei, wo immer es sei, Zur Gaukelei Sind brauchbar diese zwei! Nr. 4 - Chor und Ensemble CHOR Juchheissa, hurra, die Messe beginnt Die herrliche Zeit, wo jeder gewinnt Juchheissa, hurra, die Messe ist da. Die Stunden der Freude sind nah, Zu sehen gibt's heute allerlei, Auch viel Spass ist dabei, Komödie, Hanswurst, Reiterei, Andere Schnurrpfeiferei. Zu finden ist hier auch Fürs Geld mancherlei. Das Anschaun hat Man noch gratis dabei. Drum suchet und wählet Nach Eurem Geschmack, Und kaufet dann brav, Habt Geld Ihr im Sack. Bald kommt auch der Rat Im vollen Ornat, der hohe Senat, Die Väter der Stadt. - Herbei nur geschwind, die Messe beginnt, Wo alles gewinnt. Juchheissa, hurra, die Messe ist da, Die Stunden der Freude sind nah! Nr. 5 - Auftritts-Terzett PALMATICA, LAURA, BRONISLAWA (mit ONUPHRIE) Einkäufe machen sollten wir eigentlich. Recht hübsche Sachen wären hier sicherlich. Wenn uns're Mittel auch nicht erlauben das, Müssen die Leute immer doch glauben das. Kaufen zwar nirgendwo, aber wir tun doch so. Sagen hier: Ah! Rufen dort: Oh! Zucken die Achseln verächtlich: So - so! PALMATICA Wenn man, wie ich, so hochgeboren, Zerreisst das ordinäre Schrein Die fein organisierten Ohren; Mon dieu, wie klingt das doch gemein! LAURA Der Duft von diesem Pack Ist gar nicht mein Geschmack. Hier riecht's nach Pöbel sehr, Mon dieu, wie ordinär! BRONISLAWA Schon spür' ich Appetit, Das sag' ich ungeniert, Ich glaub', wir haben heut' Noch gar nicht dejeuniert! PALMATICA Den Hunger spürt nur die Canaille Und nur der Pöbel isst sich satt; Der wahre Adel hält auf Taille, Natürlich, wenn er eine hat! ALLE DREI Einkäufe machen usw. 2 PALMATICA Der alte Name, den wir tragen, Nicht in Jahrhunderten verblich; Er ist, das will schon etwas sagen, Bedeutend älter noch als ich! LAURA Wo find' ich den Gemahl, Der würdig meiner Wahl? Kein and'rer kann mich frei'n, Es darf ein Fürst nur sein! BRONISLAWA Was soll mir Rang und Stand Und dünnes, blaues Blut? Ich will nur einen Mann, Der mir von Herzen gut! PALMATICA Gefühl passt nur für Untertanen Und nur der Pöbel liebt drauf los. Der wahre Adel hält auf Ahnen, Auch wenn die Schulden riesengross. ALLE DREI Einkäufe machen usw. Lied ADAM 1 O wie töricht sind die Leut', Ein jeder will befehlen heut'. Keiner will mehr gehorchen gern, Jeder spielt den grossen Herrn. Keinem will's in den Kopf hinein, Dass es ein Glück ist: Diener sein! Und dass man nur als Herrscher preist Den Mann, der weiss, was dienen heisst! (:Mein höchstes Ziel auf dieser Welt Ist Diener nur zu sein; Dem Vaterland, den schönen Frau'n Will ich mein Leben weih'n:) 2 Mancher, der dünkt sich riesengross Und ist ein armer Knecht doch bloss. Mancher läuft in Livree herum, Dem gebührt ein Herzogtum. Nie ward des edlen Mannes Wert Durch rechtes Dienen je entehrt. Und wer nicht kennt des Dienens Kunst, Der hat von Herrschen keinen Dunst. Mein höchstes Ziel usw. Nr. 6 - Ensemble und Lied OLLENDORF Das ist der Fürst Wybicki, Der grosse Millionär. Er ist, wie man versichert, Dreizehn Millionen schwer, Vielleicht noch etwas mehr. Da kommt der Fürst Wybicki, Der grosse Millionär. PALMATICA Der Mann gefällt mit sehr. OLLENDORF Dreizehn Millionen schwer, Vielleicht noch etwas mehr - PALMATICA Das scheint mir durchaus kein Malheur. BRONISLAWA Den schweren Millionär, Ich gönn' ihn Laura sehr. OLLENDORF Hierher, mein Fürst, hierher! Da ist sie, schau'n Sie her! SYMON Famos, famos, auf Ehr'! OLLENDORF Das ist der Fürst Wybicki, Der grosse Millionär, Den ich hier vorzustellen Mir nehme jetzt die Ehr' auf die Gräfin deutend Die Gräfinnen Nowalska! SYMON Es ist mir eine Ehr'! Ich bin der Fürst Wybicki, Und freu' mich dessen sehr. PALMATICA, LAURA, BRONISLAWA Es ist uns eine Ehr'! OLLENDORF, WANGENHEIM, RICHTHOFEN, HENRICI, SCHWEINITZ auf einer Seite unter sich Bravo, bravo, Es geht ganz famos. Das Spiel begann, Gar bald ist's getan. Es reift unser Racheplan, Racheplan, Racheplan! Sie beisst schon an, Und er rückt heran. Er scheint ganz der rechte Mann, Rechte Mann, rechte Mann. PALMATICA Lieber Fürst, Sie müssen schon verzeih'n, Dass wir noch nicht so geschmückt, Wie's würde schicklich sein, Wenn uns ein Gast von solchem hohen Rang beglückt. SYMON Ach, Gräfin, braucht es Schmuck und Tand? Schönheit strahlt auch in schlichtem Gewand. OLLENDORF und OFFIZIERE Famos, famos, Superb auf Ehr'! LAURA Seh' ich an Diesen jungen Mann, Wird mir klar, Dass ich ihn lieben kann. Fein ist seine Manier, Er ist durch und durch ein Kavalier OLLENDORF und OFFIZIERE Das Spiel begann usw. OLLENDORF Mach nur, dass sie dich liebt, Ich steh' für alles ein. Dass sie den Trug vergibt, Lass meine Sorge sein! Nur Mut, Spiele gut! SYMON Ja, schöne Frau, ich muss gesteh'n, Man hat es wirklich schwer. Ich suchte lang umher; Das Schönste wollte ich erspäh'n, Zu Land und auf dem Meer. Nun suche ich nichts mehr. OLLENDORF Gefesselt ist er hier allein. Die GRÄFINNEN Man kann nicht liebenswürdiger sein! OLLENDORF Sie gehen alle auf den Leim. OLLENDORF und OFFIZIERE Bravo, bravo, Es geht ganz famos. Das Spiel begann usw. LAURA Ah, ah, seh' ich ihn an Den jungen Mann, Ah, ah, das wäre mein Galan. BRONISLAWA Seh' ich an Diesen jungen Mann, Wird mir klar, dass ich nur lieben kann, Wer dies Herz gewann, Nur wer dieses Herz für sich gewann! PALMATICA Dieser Goldfasan, Das wär' der rechte, der rechte Mann. Ja, dieser Goldfasan, Das wär' der rechte, der rechte Mann! SYMON Ich trieb sehr viel Geographie, Psychologie, Ethnographie. ALLE O welche Phantasie! SYMON Oh, hören Sie erst, wie: 1 Ich knüpfte manche zarte Bande, Studierte die Pariserin, Die schönsten Frau'n im Sachsenlande, In Deutschland, Ungarn und in Wien. Ich kenn' der Frauen Reiz im Süden, Neapel, Rom, Florenz, Madrid, Drang auch bis zu den Pyramiden, Nahm Afrika zum Teil noch mit! Hab' an des Ganges Strand gesessen Und tauschte dort gar manchen Kuss. Ich liebelte bei den Tscherkessen Mit schönen Frau'n des Kaukasus. Noch schöner schien mir die Kreolin, Doch all die Schönheit schnell verbleicht, Wenn man dagegen hält die Polin - Der Polin Reiz bleibt unerreicht! 2 Die Polin hat von allen Reizen Die exquisitesten vereint; Womit die andern einzeln geizen, Bei ihr als ein Bukett erscheint. Die Nase hat sie griechisch-römisch, Glutaugen von der Spanierin, Der üpp'ge Mund ist slawisch-böhmisch, Und lieblich wienerisch das Kinn. Von der Pariserin das Füsschen, Und von der Britin die Figur, Von allem Reizenden ein bisschen, Doch immer grad' das Beste nur. Sie borgt sogar von der Mongolin Etwas Pikanterie vielleicht - Und g'rade dadurch wird die Polin Von keinem andern Weib erreicht! ALLE Und g'rade dadurch wird die Polin Von keinem andern Weib erreicht. Nr. 7 - Finale PALMATICA Hat ihn schon! Du bist die Seine, Er ist der Deine, Ja, ist es wahr? Versteh' ich recht? LAURA Ich bin die Seine. SYMON Sie ist die Meine! BRONISLAWA Wie? Was? So rasch? OLLENDORF Das geht nicht schlecht! Er ist der Ihre, Ich gratuliere, Ist also einig schon das Paar? OFFIZIERE Wie? Schon die Ihre? SYMON Ja, ich marschiere Gern im Sturmschritt, das ist wahr! LAURA Ja, die Seine! SYMON Ach, die Meine! PALMATICA, BRONISLAWA, OFFIZIERE Er der Ihre, Gratuliere! SYMON Sie die Meine! BRONISLAWA Schon die Seine! PALMATICA Ich stolziere! BRONISLAWA und OFFIZIERE Gratuliere! SYMON Ich, der Ihre, Deklariere: Wir sind einig ganz und gar! OLLENDORF Lasst beim Weine Im Vereine. Leben hoch das junge Paar! LAURA, BRONISLAWA, PALMATICA Er ist der Meine (Deine), Ich (du) bin (bist) die Seine. Ganz überraschend kam's fürwahr! Er (Sie) ist die Meine (die Deine), Und im Vereine Bringt alles frohe Wünsche dar. SYMON Ich bin der Deine, Du bist die Meine, Wie, ist's denn wahr? Ja, es ist klar Und offenbar, Wir sind ein Paar! WANGENHEIM Oh, die Feine, Fing ihn schnell fürwahr. OLLENDORF und OFFIZIERE Sie wird die Seine, Sie traut dem Scheine, So wär' gelungen schon das eine. Ja, es ist klar, Sie sind ein Paar, Das ging sehr schnell fürwahr. ALLE Er ist der Ihre usw. ROY Ich serviere, Aufzuwarten, Vor der Türe, Auch im Garten, Wo den Damen es gefällt. OLLENDORF Das Diner, das ich bestellt! SYMON Jammermensch, wie kannst du's wagen, Solchen Quark zu bieten hier? Nur das Beste aufgetragen! Nichts ist heut zu teuer mir! Nichts! Nichts! Fort! Fort damit! Hinweg! Hinaus! Meinen Auftrag führe aus! Das Diner muss superfein, Solchen Tages würdig sein! Zeig uns, was dein Haus enthält, Wie die Keller sind bestellt! OLLENDORF Und das alles für mein Geld! Hui! OFFIZIERE Element, das kostet Geld! SYMON Ich der Ihre, Heut traktiere Ich mit Wonne eine Welt! Invitiere, Arrangiere Alles, wie es mir gefällt! OLLENDORF Aber alles für mein Geld! RICHTHOFEN Lasst den Wein in Strömen fliessen, Alle sollen froh geniessen Und sich ihres Glückes freu'n, Weil's dem Fürsten so gefällt, Sollen alle lustig sein! OLLENDORF Aber alles für mein Geld! OFFIZIERE Element, das kostet Geld! SYMON Die ganze Messe lad' ich zum Mahle, Ich bezahle, ich bezahle! Freunde, schonet nicht das Geld, Ich bezahle, was bestellt! OLLENDORF Alles nur mit meinem Geld! SYMON Ha, nichts ist zu kostbar, nichts zu schön! Ich will mein Bräutchen heiter seh'n Will beglücken alle Welt. Ach, vielleicht wird über Nacht All der Pracht ein End' gemacht! OFFIZIERE Die Geschichte kostet Geld! Hui! LAURA Welch edler Kavalier! Wie seine Grossmut mir gefällt! OLLENDORF Doch kostet's schweres Geld! ALLE Ein Hoch dem jungen Paar! SYMON Wie Tränenperlen Diese Augen hold verklären! Ob sie das Glück gebar, Lass, Teure, mich jetzt hören! LAURA Ein vaterländisch' Lied Soll dich die Deutung lehren! ALLE So ist es recht, lasst hören! Ein vaterländisch' Lied lasst hören! SYMON Höchste Lust und tiefstes Leid - Die Träne macht euch ähnlich beid'! Den Schmerz, das Glück, Sie strahlt's zurück, So hell und rein Im Widerschein; So kann Freude Gleich dem Leide, Lust und Pein Sich ähnlich sein! LAURA Doch wenn's im Lied hinaus dann klinget, La, la, la, la! Wenn jubelnd sich's zum Himmel schwinget, La, la, la, la! Macht schnell die Weise offenbar, Dass sel'ges Glück sie nur gebar, In andern Tönen klagt wohl Leid, Diese atmen Lust und Freud! Wenn im ros'gen Schimmer Morgenboten strahlen, Wenn nach düstrer Nacht der junge Tag erglüht, In bunter Farbenpracht sich Tal und Höhen malen, Schwingt zum Aether sich der Lerche Jubellied, Das klaget nimmermehr von Leid und Traurigkeit, Es kündet nichts als Lust und wahre Seligkeit! Ja, wenn im Lied hinaus es klinget, la, la, la, la! Wenn jubelnd sich's zum Himmel schwinget, la, la, la, la! Macht schnell die Weise offenbar, Dass sel'ges Glück sie nur gebar. In andern Tönen klaget Leid, Diese atmen Lust und Freud! Lasst die Lieder klingen, Kunde bringen, Lasst sie verraten laut, Dass glücklich hier die Braut! Jeder Ton Spricht davon, Ah! - Ah! Jeder Laut Sagt's vertraut! Hell dann, wie Glockenklang, Schallet der Jubelsang, Wenn im Lied hinaus es klinget, la, la, la, la! Wenn jubelnd sich's zum Himmel schwinget, la, la, la, la! Wird durch diese Weise offenbar, Dass sel'ges Glück sie nur gebar. In andern Tönen klagt wohl Leid, Diese atmen nur Freud! CHOR Lasst froh hinaus das Lied nun klingen, Trallala, trallala, la! BRONISLAWA Hört doch, was soll das sein? RICHTHOFEN 's ist unsere schöne neue Regimentskapelle, Die ich hieher hab' kommandiert, Damit zur Messe und zum Feste Sie sich produziert. CHOR Bei solchem Feste, Tun wir das Beste Mit Trommeln und Trompetenschall, Es ist willkommen überall. Wenn wir erscheinen Zuckt's in den Beinen, Von unserm Tschindra gepackt Marschiert das Volk im Takt! RICHTHOFEN Ich schlag' in die grosse Trommel fest hinein, Dann wird aus Rand und Band gleich alles sein. Sie ist mein Lieblingsinstrument Und macht Radau, potz Himmelsapperment! Nur zu, immer fest hinein, Das muss sein. Und jeder Mann, Spiel so laut er kann. Auf's Piano sind sie nicht einstudiert, Nur fest, nur forte musiziert! Bei solchem Feste usw. OLLENDORF Für Euren Eifer sollt belobet Ihr sein, Sollt Euch mit allen hie der Freude nun weih'n! LAURA Freudenvoll das Herz mir schlägt, Seh' rings ich alles lustbewegt, Und wenn im Lied hinaus es klinget, Trallala, la! Wenn jubelnd sich's zum Herzen schwinget, La, la, la, la! Macht schnell die Weise offenbar, Dass sel'ges Glück sie nur gebar, In andern Tönen klagt wohl Leid, Diese atmen Lust und Freud. CHOR und ENSEMBLE Und wenn im Lied hinaus es klinget usw. Bei solchem Feste usw. ZWEITER AKT Salon im Palais Nowalska - Familienbilder Im Hintergrund Tür mit Ausblick in eine Halle Nr. 8 - Terzett PALMATICA, LAURA, BRONISLAWA, ZOFEN Einen Mann hab' ich (hat sie) gefunden, Oh, welch' langersehntes Glück, Alle Schatten sind entschwunden Vor dem hellen Sonnenblick. Seht, wie sich das Glück gewandt! Nun heisst's Toilette machen, Da der Fürst so schöne Sachen Mit den Zofen uns gesandt. BRONISLAWA Man kann sich sehen lassen. PALMATICA Wird denn auch alles passen? LAURA Kaum kann ich mich noch fassen. ALLE DREI Einen Mann hab' ich (hat sie) gefunden, O langersehntes Glück, Alle Schatten sind entschwunden Vor dem hellen Sonnenblick. BRONISLAWA Das schöne, neue Kleid Ist zwar ein wenig weit, Doch ist mir das g'rad recht, Weil ich viel essen möcht'! Spiegel her - lasst doch seh'n! So ist's recht - so wird's geh'n! LAURA Zofen, kommt - all' zu mir! BRONISLAWA Zofen, bleibt - bleibt bei mir! ZOFEN Bitte! PALMATICA Zofen, he! - Helft erst mir! ZOFEN Bitte! PALMATICA, LAURA, BRONISLAWA Es wird schon geh'n, macht es auch Plag', Nichts ist zu schön für diesen Tag. ZOFEN Bitte! - Bitte! PALMATICA Dies neue Prachtgewand Mich leider etwas spannt, Ist reichlich enge mir Und drückt mich hier und hier. Macht es zu, doch gebt acht, Dass es nicht platzt und kracht! ZOFEN Bitte! - Bitte! - Bitte! LAURA Dies Kleid steht mir so gut Wie keines je vorher, Es passt vor allem sehr Zu meinem blauen Blut. zu den Zofen Spiegel her, lasst mich seh'n; Dass ich jung, - dass ich schön! BRONISLAWA Zofen, kommt - all' zu mir! LAURA Zofen, bleibt - bleibt bei mir! PALMATICA Zofen, he! - Helft erst mir! PALMATICA, LAURA, BRONISLAWA Es wird schon geh'n, macht es auch Plag', Nichts ist zu schön für diesen Tag! ZOFEN Bitte! - Bitte! PALMATICA Ja, Kinder, folget immer meinen weisen Lehren, Dann werdet ihr des wahren Glückes nie entbehren. Und wenn es je trotzdem geschäh', Dass in der Eh' etwas entsteh' - LAURA Schon gut, Mama, ich weiss es ja, Mach' Ihrer Lehr', ganz sicher Ehr'! - Ah! Die Eh' macht dann erst Spass der Frau, Gehorcht der Mann genau Auf jeden Wink, und deshalb wird Er hübsch dressiert, dass er pariert. Zeigt man gleich anfangs Energie Und scheuet nicht die Müh', Erreicht man bald das schönste Ziel, Gewonnen ist das Spiel! Wenn man ihm in schwachen Stunden Klug die Flügel hat gebunden, Ist er auch zu and'rer Zeit, Nachzugeben gleich bereit. Man beginnt mit süssem Schmeicheln, Sanften Bitten, Demut heucheln: Liebes Männchen, sei so gut! Dann fehlt ihm zum "Nein" der Mut. Doch will Widerspruch er wagen, So beginnt man leis' zu klagen, Nimmt dann Tränen noch hinzu Und lässt ihm keine Stunde Ruh'. Beugt er noch nicht seinen Willen, Jammert man nicht mehr im stillen, Fängt zu schrei'n, zu toben an Und zerschlägt das Porzellan. Wirft den Spiegel dann in Trümmer, Fällt in Krämpfe, ruhet nimmer, Bis die Ohnmacht kommt zuletzt. PALMATICA, BRONISLAWA So wird alles durchgesetzt. LAURA Ah, die Eh' macht dann erst Spass der Frau, Gehorcht der Mann genau Auf jeden Wink, und deshalb wird Er hübsch dressiert, dass er pariert. ALLE DREI Die Eh' macht dann erst Spass der Frau, Gehorcht der Mann genau Auf jeden Wink, und deshalb wird Er anfangs gleich dressiert! Nr. 9 - Duett ADAM Durch diesen Kuss sei unser Bund geweiht Für alle Zeit - fest gefasst ist mein Entschluss! BRONISLAWA O schweigt - ich ging zu weit! ADAM Wie, wär dir's leid? Still, lass uns noch verschweigen, Was uns erfüllt mit Glück. Kein Laut mag davon zeugen, Verraten soll's kein Blick! BRONISLAWA Die Blumen werden's verraten, Mit denen ich geschmückt; Da du umarmt mich hieltest, Hast du sie arg zerdrückt! ADAM Die Blumen dienten immer Dort, wo Lieb' Gewährung hofft; Es trug ihr bunter Schimmer Verschwiegene Botschaft oft. Durch sie wird kein Verrat entsteh'n. BRONISLAWA Noch weiss ich kaum, wie's konnt' gescheh'n! ADAM Mit der Liebe Fessel binden. Lasse innig dich an mich. Dass sie fest, sollst du empfinden, Doch nicht drücken soll sie dich! Nur das eine bitt' ich dich: Liebe mich, liebe mich! BRONISLAWA Schau mir nicht ins Aug' so lange, Schau mich nicht so innig an. Vor dem Zauber wird mir bange, Dem ich nicht entzieh'n mich kann! Nur das eine fühle ich: Lieben muss ich dich! BEIDE Halte fest in Sturmeswehen, Wenn Gefahren uns bedräu'n! Was auch mag entgegenstehen, Ich will stark und mutig sein. Nur das eine bitt' ich dich: Liebe mich - Liebe mich! ADAM Bald naht die frohe Stunde, Da sag' ich ihr, wer ich bin, Und tret' als Herzog Adam Vor die strahlende Liebste hin. Dann heb' ich sie als Herzogin Empor zu mir auf mein Pferd. Ja, solch hoher Kampfpreis Ist den Einsatz des Lebens wert! Gekommen ist die Zeit, Die Freunde steh'n bereit; Vorbei des Wartens Qual: Bald geb' ich das Signal! Da tönt mein Horn in der stillen Nacht, trara, trara! Von seinem Rufe das Volk erwacht, trara, trara! Und immer lauter es rings erschallt, Durchbraust das Land mit Sturmgewalt. Trara! strömt es herbei, Und es erfüllet die Lüfte mit Jubelgesehrei! Wohlauf zum Kampf, wohlauf zur Tat! Eilet herbei, der Freiheit Stunde naht. Die Fahne trag ich euch voran; Folget mir nach auf kühner Bahn! Wohlauf zum Kampf, wohlauf zur Tat! Eilet herbei, der Freiheit Stunde naht, Und keiner bleibt da feig zurück, Gilt es der Heimat und der Liebe Glück! Nr. 10 - Duett SYMON Soll ich reden? Darf ich schweigen? Teuer ist jetzt guter Rat. Ach, ich bin durch ihre Liebe, Halb beglückt, halb desparat. LAURA Welch ein Seufzer bang und schwer! Rede doch, was ist gescheh'n? SYMON Wenn sie nur so hübsch nicht wär', Ach, dann würd' es leichter geh'n! Soll ich reden? Darf ich schweigen usw. LAURA Er hat etwas zu verschweigen, Ja, das seh' ich in der Tat! Doch ich will nicht Neugier zeigen, Denn das wär' undelikat. SYMON Ich möcht etwas fragen dich. LAURA Gern geb' ich Antwort dir, so sprich! So sprich! So sprich! SYMON Ich setz' den Fall, Ich wär' durchaus nicht hochgeboren, Ich setz' den Fall, Ich hätte Geld und Gut verloren, Ich setz' den Fall, ' Dass meine Herkunft ordinär, Ich setz' den Fall, Dass ich ein Vagabund nur wär', Ich setz' den Fall, Dass von Millionen keine Spur, Ich setz' den Fall, Dass alles dieses Schwindel nur - Geliebte! Geliebte! Könntest du das je verzeih'n? Ich setz' nur den Fall. LAURA Was fällt dir ein? Ach! Und wärst du arm, träfe dich Schmach, Wahre, inn'ge Liebe, sie fragt nicht danach! Nicht lockt mich Reichtum, prunkender Schein, Ich will dein Herz nur allein! SYMON Und doch - kam es zuweilen vor, Dass sich die Liebe dann verlor. LAURA Nein! Und wärst du arm usw. SYMON Welch süsse Lust Hebt meine Brust. Innige Liebe bedeckt meine Schmach, Nicht lockt dich Reichtum, prunkender Schein, Nein, du willst nur mein Herz allein! LAURA Auch ich möcht' etwas fragen dich. SYMON Gern geb' ich Antwort dir, so sprich! So sprich! So sprich! LAURA Ich setz' den Fall, Es kämen and're schöne Frau'n, Ich setz' den Fall, Du würdest gern nach ihnen schaun, Ich setz' den Fall, Es lacht dich eine zärtlich an, Ich setz' den Fall, Wirst du auch widerstehen dann? Ich setz' den Fall, Dass meine Wangen einst verblüht, Ich setz' den Fall, Dass einst die Zeit drauf Furchen zieht. Geliebter! Geliebter! Wirst du treu mir dann noch bleiben? Ich setz' nur den Fall. SYMON Was fällt dir ein? Ha, dich nur lieb' ich so inniglich, Dir will ich leben, für dich sterbe ich. Treu schlägt dies Herz in meiner Brust, Teile mit dir Schmerz und Lust! LAURA Nun denn, es kam zuweilen vor, Dass sich die Liebe dann verlor! SYMON Nein, dich nur lieb' ich so inniglich usw. LAURA Wie bebt die Brust Vor Liebeslust! Dir will ich leben, für dich sterbe ich! Treu schlägt dies Herz hier in meiner Brust. Mit dir teil' ewig ich Schmerz und Lust. Duett RICHTHOFEN Warum sich lang besinnen? Nur frisch drauf los, aufs Ziel! Als Mann ist man verwegen Und wagt ein hohes Spiel. Wie auch die Würfel fallen, Man. schickt sich eben drein, Und sagt sich, wenn es schief geht, Es wird so schlimm nicht sein! SYMON Das sind mir schöne Lehren, Mein kecker, junger Wicht, Erspart Euch Eure Weisheit, Bei mir verfängt sie nicht! Wer so frivol kann denken Und solche Reden führt, Der hat, Ihr dürft mir's glauben, Die Liebe nie gespürt; Dies Herz entbrennt in reiner Glut, Ich weiss, wie wahre Liebe tut! RICHTHOFEN Ist's Euer Ernst? SYMON Ich schwör's -auf Ehr'! RICHTHOFEN Bei Gott, ich kenne Euch nicht mehr! Ich hab' Euch stets betrachtet Als fröhlichen Kumpan, Dass Ihr jetzt seufzt und schmachtet, Was ist denn schuld daran? SYMON Ja, mich bezwang der Liebe Macht! RICHTHOFEN Das hätt' ich nie von Euch gedacht! SYMON Begreift Ihr jetzt? RICHTHOFEN Vielleicht! SYMON So wisst: Nur treue Liebe glücklich ist. Ihr meint, die Lieb' sei blosse Spielerei, Ihr lacht und küsst und denkt Euch nichts dabei. Doch ach, gar schnell verrauschet der Genuss, Und was Euch bleibt, ist nur der Ueberdruss. Doch wer wie ich aus reinem Herzen liebt, Der weiss, dass es nur eines gibt: RICHTHOFEN Ich halt' die Lieb' für blosse Spielerei, Ich lach' und küss' und denk' mir nichts dabei. Mag sein, gar schnell verrauschet der Genuss, Mag sein, was bleibt, ist nur der Ueberdruss; Vielleicht, wer so aus reinem Herzen liebt, Der weiss, dass es nur eines gibt: BEIDE Treu und beständig will ich sein, Nur ihr allein mein Herze weih'n. Selbst Tod und Verderben uns nicht entzweit, Ihr will ich gehören in Ewigkeit! Nr. 11 - Ensemble PAGEN und DAMEN Glückliche Braut, dir strahlet hell das Leben, Schon naht der Mann, dem du ergeben, Seht uns bereit, zu geben Euch Geleit. Der Bund wird geweiht für alle Zeit! SYMON Was wird geschehn? Wie wird das geh'n? Kaum trau ich mich, sie anzuseh'n! OLLENDORF Befällt Euch Angst so nah am Ziel? SYMON Das nicht - doch wird mir etwas schwül! Sie nickt mir zu! Hat sie gelesen, Wer, was und wo ich einst gewesen? OLLENDORF Gewiss! PALMATICA Herr Schwiegersohn! ADAM Nur Mut! SYMON Jetzt geht es schief! Ein Wort! Las Laura meinen Brief? PALMATICA Natürlich! SYMON Dann ist alles gut! Geliebte, kannst du mir verzeih'n? LAURA Was hätt' ich wohl dir zu verzeih'n? Ich will dein Herz, nur dein Herz allein! SYMON Oh, wie mich deine treue Liebe glücklich macht! OLLENDORF und OFFIZIERE Ihr habt die Rechnung ohne uns gemacht! Was ich (er) ersann, gar bald ist's getan, Es reift unser Racheplan, Racheplan, Racheplan! Er wird ihr Mann, blamiert ist sie dann Und wahrlich sehr übel dran, Übel dran, übel dran! OLLENDORF Jagt sie dann hinaus den Mann, Biet' ich mich als Tröster an! SYMON Wohlan! ALLE Glückliche Braut, dir strahlet hell das Leben usw. Nr. 12 - Couplet OLLENDORF 1 Seit ich als Feldherr tätig, Ist mir der Kriegsgott gnädig; Seit mehr als zwanzig Jahren Treib' ich den Feind zu Paaren. Nur manchmal, wenn die Feigen Mir ihre Zähne zeigen, Dann krieg' ich Nasenstüber, Schwamm drüber! 2 Der wahre Völkerfrieden Ist endlich uns beschieden; Mit Krieg und Kriegsmaschinen Ist nichts mehr zu verdienen; Die Industriemagnaten Sind arg in Not geraten. So was von Friedensfieber! Schwamm drüber! 3 So manchen deutschen Grafen Lässt Grossmama nicht schlafen. Zwar war sie gut bei Kasse, Doch leider fremd von Rasse. Dies ist ihm heut' sehr peinlich, D'rum denkt der Graf wahrscheinlich: 'ne arische wär' mir lieber - Schwamm drüber! Nr. 13 - Finale CHOR Klingel, Feierglocken, klinget, Hallend in die Ferne dringet! Und die Freudenkunde bringet, Dass vereint sie am Altar. Lasst in unsere Jubelsänge Mischen sich die Feierklänge, Freudenrufe, Festgedränge, Gebt Geleit dem edlen Paar! OLLENDORF Sie sind vereint, es ist gescheh'n, Bald wird der Spass zu Ende geh'n, Seht nur auf mich, Und macht's wie ich, Das Weitere findet sich. Still, da sind sie schon! Zur Gratulation! OFFIZIERE Zur Gratulation! OLLENDORF und OFFIZIERE Wir gratulieren dem holden Paar! SYMON Sie sind zu gütig! OLLENDORF und OFFIZIERE Wir bringen freudig den Glückwunsch dar. SYMON Ich bitte sehr! OLLENDORF und OFFIZIERE Das Glück soll dauern bis hundert Jahr Und noch darüber unwandelbar! SYMON Ich bin nun glücklich, nichts fürcht' ich mehr. OLLENDORF und OFFIZIERE Über Euch lache der Himmel klar, Über Euch wache der Engel Schar, Wende vom Haupte jede Gefahr. Wir meinen's ehrlich, aufrichtig, wahr. Vivat, hoch das junge Paar! Auf immerdar. Wir gratulieren. CHOR Wir gratulieren usw. OLLENDORF Der Pole trinkt galant Champagner aus seiner Dame Schuh, Weil's Sitte hier zu Land', Trink' aus dem Schuh der Braut ich Euch zu. Und wer den Schuh zum Munde führt, Eine Strophe dazu improvisiert! ALLE Wohlan, Wohlan! Der Rundgesang fängt an! Trink' uns zu! Trink' uns zu! Aus der Schönen kleinem Schuh! Und berauscht bist du im Nu! 1 OLLENDORF Wo ist der Pokal, Er sei von Kristall, Von Silber, von Gold, Wie dieser so hold! Das Füsschen ist fein, Der Schuh dazu klein. Nicht viel geht hinein, Drum schenkt öfter mir ein! ALLE Trink' uns zu usw. 2 SYMON Wär' drinnen statt Wein Nur Wasser ganz rein, Berauscht würd' ich sein Vom Schuh nur allein! O Zaubergenuss, Mir ist jetzt, als muss Ich drücken den Kuss Auf den reizenden Fuss! 3 RICHTHOFEN Von Schuhen, fürwahr, Gab's immer ein Paar. Soll dieser allein Hier ledig nur sein? Er, sagt mir, warum? Geht einer nur um? So schafft mir herbei Denn doch wenigstens zwei! ALLE Trink' nur zu usw. 4 WANGENHEIM Es hat den Pokal Für dies Bacchanal Ein Schuster gemacht, Wer hätt' das gedacht? Doch nahm er das Mass Zum Füsschen allein, Und leider vergass Er das Mass für den Wein! ALLE Trink' uns zu usw. DAMEN und HERREN Wohl ist hier zu Land' Die Sitte bekannt, Man fülle galant Den Schuh bis zum Rand Chacun à son goût! Und raubt Euch die Ruh' Ein Schluck aus dem Schuh, Glu, glu, glu, immerzu. ALLE Trink' uns zu usw. SYMON Und nun frischauf zum Tanz, Nun stellt euch in Reih'n! Ballett Szene ENTERICH, PIFFKE, PUFFKE, CHOR Heidahi, Heidaha! Sind wir auch nicht invitiert, Heidahi, Heidaha! Das hat uns noch nie geniert! Wir nehmen das nicht so genau, Raubidibau, raubidibau! Wir nehmen das nicht so genau, Raubidibau - bidibau! LAURA Was gibt's, was soll das Singen? PALMATICA Man sehe, wer ist da! OLLENDORF Nur ganz spezielle Freunde Vom Bräutigam sind da! ALLE Was ist das, was geschah? ENTERICH, PIFFKE, PUFFKE, CHOR Heidahi, heidaha usw. ENTERICH Entschuld'gen Sie, ich bin der Redner. Verzeihen Sie - drum rede ich. Die Herren sind lauter Vagabunden Und ich, ich heisse Enterich! Für den Kollegen, der nu äben Sein Glück gemacht, ganz schauderhaft, Soll dies Bukett ich übergeben Im Namen der Genossenschaft! PIFFKE, PUFFKE, GEFANGENE Heidahi, heidaha usw. SYMON Was soll ich jetzt beginnen? PALMATICA, LAURA, BRONISLAWA, GESELLSCHAFT Ja, sind wir denn von Sinnen? LAURA Wem gilt der Aufzug, sagt mir, wem? ENTERICH Ei nun, wem anders denn als dem? Symon ist's, der Bettelstudent, Der Vagabund, den jeder kennt! OLLENDORF und OFFIZIERE Vor Zorn und Scham die Wange ihm brennt. CHOR Die Sache nimmt ein böses End'! OLLENDORF Vergönnt mir nur ein Wort! Der Wahrheit geb' ich die Ehre, Obwohl mit grossem Schmerz, Dass dieser Fürst Wybicki, War nur ein kleiner Scherz! OFFIZIERE War nur ein kleiner Scherz! OLLENDORF Die schönen Kleider sind geborgt, Das Geld von mir besorgt, Damit er, also ausstaffiert, Bei Damen reüssiert! LAURA Wie, hab' ich recht gehört? ALLE Die Schmach ist unerhört! LAURA Den Ohren trau' ich kaum. ALLE Ist's Wirklichkeit, ist's Traum? SYMON Und der Brief, den ich geschrieben? OLLENDORF Ist unbestellt geblieben! LAURA O pfui, o pfui! Ganz unerhört ist der Skandal! ALLE O pfui, die Schande! Pfui, solche,Schmach War noch nicht da, ganz unerhört Ist der Skandal - pfui! SYMON Was beginn' ich nun? Was ist da zu tun? OLLENDORF Hahaha! Wir steh'n gerächt nun da! Zum allgemeinen Gaudium Hab' Ich dies arrangiert! - Warum? Ach, ich hab' sie doch nur Auf die Schulter geküsst, Und der Schlag mit dem Fächer Vergolten nun ist! ALLE Ach, er hat sie doch nur usw. Rasch ging die Freude zu End' - Nur ein Bettelstudent! Das ist impertinent! Welch unerhörter Skandal, Er bleibt nun ihr Gemahl, Die Schmach ist kolossal. Ach, er hat sie doch nur usw. Nun ist zu End' der stolze Wahn, Gerächt, was sie ihm angetan. Gelungen ist der Racheplan! DRITTER AKT Nr. 14 - Entreact Nr. 15 - Introduktion CHOR Lumpen, Bagage, Bettelstudent! Solche Blamage sei euch vergönnt! Ach, diese Damen taten so dick Mit noblen Namen, mit hohem Glück! - Doch wie die Sachen hier eben stehen, Muss man mit Lachen nach Hause geh'n! Ha, ha! Ach, er hat sie ja nur auf die Schulter geküsst, Doch der Schlag ins Gesicht, er ist nun schwer gebüsst. Hahaha! - Hahaha! BRONISLAWA 1 Der Fürst soll nur ein Bettler sein, Vorbei der stolze Traum. Dort drinnen jammern sie und schrei'n, Und mich, mich rührt es kaum. Das Schicksal stört ja oft die Ruh, Bevor man's ahnt und denkt; Ein Umstand aber kommt dazu, Der mich besonders kränkt! 's ist schlimm, dass diese Störung So g'rad' vor Tisch geschieht. Da kommt zum Seelenleide Auch noch der Appetit! 2 Mein Liebster ist, ich weiss es nicht, Vielleicht auch in Gefahr. Doch eine inn're Stimme spricht: Er liebt mich treu und wahr. Und speis' ich einst an seiner Seit', Ist all mein Wunsch gekrönt; Schon hab' ich mir seit längerer Zeit Das Essen abgewöhnt. Wenn jetzt auch süsse Triebe Beglücken das Gemüt, Es raubte mir die Liebe Noch nie den Appetit! 3 Ja, mit der Lieb' ist's wunderlich, Und süss ist wohl ihr Kern. Man sagt doch auch: Ich habe dich Direkt zum Fressen gern. Mir ist sie zwar noch kaum bekannt, Doch bilde ich mir ein, Es wird mit ihr g'rad' so bewandt Wie mit dem Essen sein. Ja, will man's recht ermessen, Ist gar kein Unterschied: Auch hier kommt wohl beim Essen, Erst recht der Appetit! ab Nr. 16 - Couplet SYMON 1 Ich hab' kein Geld, bin vogelfrei, Will aber nicht verzagen. Du, Jugendleichtsinn, steh' mir bei, Mein Schicksal zu ertragen. Blas' ich schon Trübsal, sapperment, Tu ich's in bester Laune, Und zwar auf jedem Instrument, Sogar auf der Posaune! Trotz allem Pech ein lustig' Lied: So, Schicksal, hau nur zu! Wir wollen seh'n, wer früher müd', Ich oder du! 2 Hurra, der Leichtsinn lebe hoch! Trotz sorgenschwerem Herzen Lehrt uns der wahre Leichtsinn noch Mit unserm Unglück scherzen. Kein Obdach, kein Kredit, kein Geld! Es ist zum Teufelholen! Ach, was der Freund sagt, sei ein Held! So retten wir denn Polen! Trotz allem Pech usw. Lied LAURA Wie konnte das gescheh'n? Verraten steh' ich hier; Vor Scham muss ich vergehn, Das Herz, es bricht mir schier! Wie blühte mir der Tag So heiter und so schön, Und nun mit einem Schlag Musst' alle Lust vergeh'n! Von allen jetzt verlacht, O Gott, ich fass es kaum, Wie bin ich aufgewacht Aus meinem holden Traum! Nur ein Traum war all mein Glück, Leid und Trauer blieb zurück; Wie liegt so fern jene Stund', Da geküsst mich sein Mund, Da er kam und sein starker Arm So warm an die Brust mich nahm. Aber nun bin ich, ach, ganz allein Und verzehr' mich in Liebespein. Du, mein Geliebter, bleibe mein, Will immerdar dein eigen sein; Spür' deiner Küsse heisse Glut Noch immer erregend im Blut. All meine Sehnsucht ruft nach dir, Höre mein Flehen, komm zu mir! Doch ach, vergebens klagt's durch den Raum, Vorbei der schöne Traum! Ach! Nur ein Traum usw. O sel'ge Pein! Nr. 17 - Ensemble OLLENDORF Still, man kommt! PALMATICA Dort steht der Patron! SYMON Aha, da kommen sie schon! PALMATICA 's ist am besten, ihm durch Schweigen Die Verachtung zu bezeigen; Dieser Schwindler, dieser Wicht! SYMON Ruhig, Symon - rühr' dich nicht! OLLENDORF Momentan muss man noch schweigen, Doch die Ehrfurcht zu bezeigen Dem Herrn Herzog heischt die Pflicht! SYMON Ruhig, Symon - rühr' dich nicht! ALLE Noch kann ich kaum verstehen, Was sich heute hier begab. OLLENDORF und OFFIZIERE Was ich erfahren hab'! ALLE Doch wird man bald ja sehen, Warten wir's ab, warten wir's ab! PALMATICA Schwindler! OLLENDORF Ach! RICHTHOFEN und WANGENHEIM Schwindler! OLLENDORF Oh! PALMATICA, RICHTHOFEN, WANGENHEIM Wart nur, du Bösewicht! OLLENDORF Ach, was machen Sie? PALMATICA, WANGENHEIM Spitzbub! OLLENDORF Pst, aber! PALMATICA, RICHTHOFEN, WANGENHEIM Du entgehst der Strafe nicht! OLLENDORF Ach, jetzt gibt's Malheur! PALMATICA Einschleicher! OLLENDORF Grässlich! RICHTHOFEN und WANGENHEIM Einschleicher! OLLENDORF Schrecklich! PALMATICA Warte nur, Halunke, Betrüger! OLLENDORF Sie beleid'gen ihn schwer. WANGENHEIM, RICHTHOFEN Ha, sie beleidigt ihn schwer! PALMATICA Tagedieb, Lump! OFFIZIERE Genug, nicht weiter mehr! PALMATICA Gauner! SYMON Madame - PALMATICA Verführer! SYMON Bitte sehr! PALMATICA Für die Galeere reif! SYMON Das ist stark! WANGENHEIM Ha, sie ist ganz empört! PALMATICA Zuchthaus! SYMON Oh! PALMATICA Den Galgen! SYMON Geduld! PALMATICA Verdient solch ein Unterschleif. SYMON Bald wird's mir zu arg! OLLENDORF Unerhört! PALMATICA Hochstapler! SYMON Zu viel! PALMATICA, WANGENHEIM Wart' nur! SYMON Zu viel ist das! PALMATICA Für diese Prellerei Fasst dich noch die Polizei! SYMON Endet die Schimpferei? Wer bleibt gelassen dabei? OLLENDORF und OFFIZIERE Still mit dem Geschrei! Endet die Schimpferei! SYMON Das halt' ich nicht aus. Nein, das dulde ich nicht, Denn über den Spass Geht mir jetzt die Geschicht'! Nein! Nein! Nein! OLLENDORF entschlossen Die halbe Stunde ist jetzt vorbei Und ich erklär' jetzt laut und frei auf Symon deutend Herr Herzog Adam Kasimir Steht als Gefang'ner hier! SYMON Wie? Gilt das mir? OFFIZIERE erstaunt Wie? Dieser hier? OLLENDORF Herr Herzog, Sie verzeih'n, Doch muss es sein. SYMON Was fällt ihm ein? ALLE Herzog Adam, Herzog Adam, Herzog Adam soll der (soll ich - muss es) sein! Wie? Was? PALMATICA Hoheit! OLLENDORF Ach! WANGENHEIM Hoheit! OLLENDORF Ach! WANGENHEIM Nun heisst es höflich sein! PALMATICA Können Sie uns verzeihn? OLLENDORF Nun heisst es höflich sein! PALMATICA Schwiegersohn! PALMATICA, WANGENHEIM Herzog! OLLENDORF Bravo! PALMATICA Oh, sagen Sie nicht nein! OLLENDORF, WANGENHEIM Oh, nur recht artig sein! PALMATICA Teurer! OLLENDORF Herrlich! PALMATICA Edler! OLLENDORF Prächtig! PALMATICA Wie wir uns herzlich freu'n! OLLENDORF, WANGENHEIM Wie sie sich herzlich freu'n! PALMATICA Schönster! PALMATICA, WANGENHEIM Bester Freund! OFFIZIERE Diese Herzlichkeit! PALMATICA Nobler! SYMON Schon gut! PALMATICA Wir waren unbedacht! SYMON Lasst es sein! OLLENDORF Lasst es gut nun sein! PALMATICA Schätzbarster! SYMON Genug! PALMATICA, WANGENHEIM Verehrter! SYMON Hört auf! PALMATICA Das haben wir gleich gedacht! SYMON Das ist so der Lauf. OLLENDORF Rührend ist's! PALMATICA Feldherr! SYMON Das kennt man schon! WANGENHEIM, PALMATICA Sieger! Hoch, Adam Kasimir! Aufrichtig huld'gen wir dir! SYMON Ja, das ist die Manier, So machen alle es hier. OLLENDORF Ach, auf die Manier Macht man es immer hier! PALMATICA Ha'b ich's doch geahnt schon lange, Und nun ist es mir ganz klar. SYMON Ha, die Wandlung dieser Schlange Ist fürwahr höchst wunderbar! OLLENDORF Aus den wichtigen Papieren, Die ich jetzt fand beim Visitieren, Der Beweis ganz deutlich spricht. SYMON Bitte sehr, ich leugne nicht! Da Sie's ohnehin schon wissen, So werd' ich zugestehen müssen, Dass ich Herzog Adam bin! PALMATICA Dann ist Laura - Herzogin! OLLENDORF Allerdings, doch tut's mir leid, Dass sie's nur auf kurze Zeit! PALMATICA, WANGENHEIM Wie? SYMON Was sagten Sie eben? OLLENDORF Polens Heil erheischt sein Leben! SYMON Polens Heil erheischt mein Leben, Und im Notfall muss ich's geben! OLLENDORF Es wird mit grösster Courtoisie Der Kopf ihm abgeschnitten! SYMON Wie? Meinen Kopf verlangen Sie? OLLENDORF Ich möchte darum bitten! SYMON Wenn Sie bitten gar so schön, Kann ich auch nicht widersteh'n! So nehmen Sie mich - Ist's um den Kopf auch schade! OLLENDORF Führt in den Kerker ihn! LAURA Was hör' ich? Haltet! Gnade! Gnade für ihn! OFFIZIERE Was höre ich? SYMON Was höre ich? LAURA Ach, ich habe ihm verzieh'n! Drum Gnade für ihn! PALMATICA Mein Kind, du weisst noch nicht! SYMON Sie weiss noch nicht! ÜBRIGE Sie weiss noch nicht! LAURA Und was ihm auch droht, Ich teile die Not! PALMATICA Mein Kind, du weisst noch nicht! SYMON Sie weiss noch nicht! ÜBRIGE Sie weiss noch nicht! LAURA Und muss es denn sein, Sperrt mich mit ihm ein! PALMATICA Mein Kind, das geht ja nicht! SYMON Warum denn nicht? OLLENDORF Das geht ja nicht! ÜBRIGE Das geht ja nicht! PALMATICA Mein Kind, der Irrtum ist fatal, Ein Herzog wurde dein Gemahl, Drum lass ihn dir nicht rauben! LAURA Ein Herzog? Soll ich's glauben? Ob Herzog er, ob Bettler sei, Ich bin sein Weib und will ihm treu In jeglicher Gefahr zur Seite steh'n! PALMATICA O Himmel, was wird noch gescheh'n? WANGENHEIM Gar seltsam ist's, was hier gescheh'n! RICHTHOFEN und BRONISLAWA So ist's recht, so ist es schön! OFFIZIERE Bald wird man sie als Witwe seh'n! SYMON Jetzt lach' ich jeglicher Gefahr, Bring selbst das Leben freudig dar, Zur Seite will sie treu mir steh'n, Nun möge, was da will, gescheh'n! BRONISLAWA Jetzt lacht er freudig der Gefahr, Bringt, wenn es not, sein Leben dar. Sie will ihm treu zur Seite steh'n, Nun möge, was da will, gescheh'n. ALLE Froher Mut erfüllt uns, dass es endet gut. Unverzagt sei drum das kühne Spiel gewagt. Sollte uns dann das Schicksal nicht den Sieg verleih'n, Je nun, je nun, gefasst heisst es sein! Chor mit Solo CHOR Das Land ist frei, der Sieg ist da, Drum rufet laut: Viktoria! Der uns befreit von schwerem Joch, Der Herzog Adam lebe hoch! ADAM Der grosse Plan ist glücklich uns gelungen, Und strahlend lacht das Leben wieder neu. Den holden Frieden haben wir errungen, Nun denkt nicht mehr an Krieg und Kriegsgeschrei! Liebend vereint reicht alle euch die Hand, Freut euch im freien Vaterland! CHOR Liebend vereint reicht alle euch die Hand, Froh im freien Vaterland! Nr. 18 - Schluss SYMON Befreit das Land, Geknüpft das Band! Ein kühnes Spiel Führt uns ans Ziel! Der Liebe Macht Hat es vollbracht, Dass uns're List Gelungen ist! SYMON, ADAM, LAURA, BRONISLAWA Befreit das Land usw. ALLE Was von Feinden gegen uns ersonnen war, Führt grad zum Ruhrn, zum Siege wunderbar. Eben noch ringsum bedrohet von Gefahr, Steh'n wir vereint für immerdar! |